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Die Erde hält den Atem an - unheimlicher Besuch im Solsystem Die Lage für Perry Rhodan und die Menschheit ist verzweifelt: Eine gigantische Raumflotte, die Terminale Kolonne TRAITOR, hat die Milchstraße besetzt. Sie wirkt im Auftrag der Chaotarchen, und ihr Ziel ist kompromisslose Ausbeutung. Die Milchstraße mit all ihren Sonnen und Planeten soll als Ressource genutzt werden, um die Existenz einer Negasphäre abzusichern. Dieses kosmische Gebilde entsteht in der nahen Galaxis Hangay - ein Ort, an dem gewöhnliche Lebewesen nicht existieren können und herkömmliche Naturgesetze enden. Mit verzweifelten Aktionen gelingt es den Menschen auf Terra und den Planeten des Sonnensystems, dem Zugriff der Terminalen Kolonne standzuhalten. Sie verschanzen sich hinter dem TERRANOVA-Schirm und versuchen, die Terminale Kolonne zumindest zu stören. Roi Danton beispielsweise begegnet KOLTOROCS Mündeln und den Rebellen gegen TRAITOR. Mit diesen hofft er einen Pakt gegen die Terminale Kolonne schmieden zu können. Doch im Solsystem erwartet die Terraner die FINSTERNIS ÜBER TERRA...
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Seitenzahl: 138
Veröffentlichungsjahr: 2014
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Nr. 2470
Finsternis über Terra
Die Erde hält den Atem an – unheimlicher Besuch im Solsystem
Horst Hoffmann
Die Lage für Perry Rhodan und die Menschheit ist verzweifelt: Eine gigantische Raumflotte, die Terminale Kolonne TRAITOR, hat die Milchstraße besetzt. Sie wirkt im Auftrag der Chaotarchen, und ihr Ziel ist kompromisslose Ausbeutung.
Die Milchstraße mit all ihren Sonnen und Planeten soll als Ressource genutzt werden, um die Existenz einer Negasphäre abzusichern. Dieses kosmische Gebilde entsteht in der nahen Galaxis Hangay – ein Ort, an dem gewöhnliche Lebewesen nicht existieren können und herkömmliche Naturgesetze enden.
Mit verzweifelten Aktionen gelingt es den Menschen auf Terra und den Planeten des Sonnensystems, dem Zugriff der Terminalen Kolonne standzuhalten. Sie verschanzen sich hinter dem TERRANOVA-Schirm und versuchen, die Terminale Kolonne zumindest zu stören.
Roi Danton beispielsweise begegnet KOLTOROCS Mündeln und den Rebellen gegen TRAITOR. Mit diesen hofft er einen Pakt gegen die Terminale Kolonne schmieden zu können. Doch im Solsystem erwartet die Terraner die FINSTERNIS ÜBER TERRA …
Tenpole Opera – Ein Witwer versucht, seine Familie zusammenzuhalten.
Corsair, Anulyn und Arnie Opera – Tenpoles Kinder verstehen sich weder untereinander noch mit ihrem Vater.
G’schogun – Der Dunkle Ermittler fliegt in das Solsystem, um ein Gespräch zu führen.
Der Nukleus –
19. Juni 1347 NGZ
Familienleben
Tenpole Opera schloss müde die Augen, als er sie kommen hörte.
Er holte zum letzten Mal Luft. Was er tun würde, musste oder sollte, hatte er sich mindestens ein Dutzend Mal zurechtgelegt. Neu überlegt und wieder verworfen.
Wenn er Anulyn anschrie oder nur ein bisschen zu hart zur Brust nahm, was – seiner Meinung nach – längst überfällig war, würde sie ausrasten und ihm mit ihren langen, spitzen Nägeln das Gesicht zerkratzen. Wenn er ruhig blieb und auf verständnisvoll machte, würde sie ihm wieder Heuchelei vorwerfen. Wenn er sie ignorierte und sich einfach ins Bett schlich, würde er die nächsten vier Wochen oder noch länger zu hören bekommen, sie wäre ihm nicht wichtig.
Ein letztes Schlurfen im Flur, ein Stolpern, ein Kratzen an der Wand, dann flog die Tür auf – und Anulyn explodierte mit gleichem Schwung in sein Zimmer.
»Was-s-s gl-l-lotzt ddddu?« Es war ein herausgesudeltes Lallen.
Sie stand schwankend vor ihm, breitbeinig, in ihren knallengen, giftgrünen Strumpfhosen, über welchen die Reste eines kurzen, ehemals schwarzen Rocks fetzten. Die purpurne Jacke klebte an ihrem viel zu hageren Oberkörper, nass, versaut oder auch nur modisch gestylt. Tenpole hatte es längst aufgegeben, da noch einen Unterschied finden zu wollen. Die Mode war wieder einmal trashy – Müll, und genau so gab sich auch seine Tochter.
»Was starrst du mich an wie ein … ein …«
Sie fuchtelte mit der Hand, in der noch die Flasche hing. Ihre lila umränderten Augen, groß und einmal wunderschön, waren glasig. Ihre Tasche – wo war ihre geliebte Handtasche?
»Eine Schlampe!«, würgte sie heraus. Er sah, wie ihre Beine zitterten, und machte sich bereit. »Ich … bin nur eine verdammte Schlampe für dich. Streite es nicht ab. Du …«
»Du bist meine Tochter, Anulyn«, sagte er, viel heftiger als gewollt. »Du bist unsere Tochter, und wir haben dich lieb. Und ich …«
Sollte er? Er wusste, dass es falsch war, aber er konnte es nicht stoppen.
»Ich kann nicht mit ansehen, wie du dich wegwirfst! Und das für so einen … Mistkerl!«
Sie bäumte sich auf. Ihre viel zu großen Pupillen fokussierten sich noch einmal auf ihn, das sicherste Anzeichen des unweigerlich kommenden Zusammenbruchs. »Halt Mutter da raus, sie kann sich nicht mehr wehren!«
»Anulyn!« Er wusste, er durfte nicht weiterreden, keinen Ton mehr sagen, einfach schweigen und abwarten, bis es endlich passierte. Aber es ging nicht. »Ich habe deine Mutter geliebt, und ich liebe dich auch … und Corsair … und den kleinen Arnie! Das lasse ich mir nicht in den Schmutz ziehen! Mutters Tod war ein Unfall! Ich habe nichts …«
Sein Herz. Er griff sich an die Brust. Er wollte sich nicht wieder aufregen, er durfte es nicht! Wenn er nicht zur Ruhe kam, nützte alle moderne Medizin nichts.
Dann war er irgendwann weg, und dann standen sie ganz allein da, seine endlos stressende Nachkommenschaft.
Warum bist du gegangen, Jeria? Wieso musstest du in diesen Gleiter steigen?
»Was?« Sie zeigte ihm ihren Finger, kam taumelnd und torkelnd auf ihn zu, stach ihn ihm unter das Kinn. »Was hast du nicht? Du hast sie eiskalt verrecken lassen, Daddy! Du hast sie …«
»Was ist das für ein Fleck?« Er griff nach ihrem Hals, um ihre strähnig auf die Schultern fallenden, hellblau gefärbten Haare zurückzustreifen. »Er hat dich geknutscht, du lässt dich wieder mit ihm ein! Dieser Kerl! Dieses …«
»Dieser Kerl hat einen Namen, Daddy!«, fauchte sie in sein Gesicht. Ihre Nasenspitzen berührten sich fast. Er roch ihren scharfen Atem, fühlte ihre Hitze. »Dieser Kerl heißt Leon, und ich liebe ihn!«
»Dieser Kerl ist ein verdammter Killer, Anulyn!« Er wollte nicht schreien, wirklich nicht. Er wollte sich nicht schon wieder reizen lassen, doch sie schaffte es immer wieder. »Er hat Leute auf dem Gewissen, Frauen wie dich, und er …«
»Ein Wort noch!«, zischte sie, die Augen noch weiter aufgerissen. »Ein einziges Wort, und ich …«
Er hielt sie fest, als sie zuschlagen wollte, und hielt sie auch noch, als sie in seinen Armen kollabierte und endlich schwieg.
Tenpole Opera trug seine fünfzehnjährige Tochter Anulyn, bis zum Tod ihrer Mutter vor fast genau acht Monaten ein bildhübsches junges Ding mit viel Witz und Herz, Charme und tausend Flausen im Kopf, die wenigen Meter bis in ihr Zimmer und zu ihrer Bettnische, die ihm vorkamen wie ein Kilometermarsch zum Schafott.
Am nächsten Morgen würde sie wieder normal sein, hoffte er. Verkatert am Frühstückstisch zwischen ihnen sitzen und darauf warten, dass der Tag vorbeiging, damit sie wieder abhauen konnte.
Irgendwann vielleicht würde sie zu sich kommen und ins Leben zurückfinden, hoffte er.
Nur daran zu glauben fiel ihm von Tag zu Tag schwerer.
*
20. Juni
Anulyn war nicht der einzige »Problemfall« in seiner Familie – oder dem, was davon geblieben war.
Er sah sich unauffällig um. Da waren sie: Anulyn, Corsair und Arnie. Seine Kinder, die er so gut kannte und doch so wenig.
Anulyn stocherte lustlos in ihrem Teller herum, mit schwerem Kopf und tiefrot geränderten Augen. Es war nicht nur der verdammte Fusel gewesen, den die Kids selbst herstellten. Wenn sie so war wie gestern, hatte sie andere Sachen intus. Und was es bei Leon zu kosten gab, war kein Geheimnis. Viele wussten davon, doch keiner konnte es beweisen. Der Kerl war aalglatt und gewieft. Tenpole und einige andere aus seinem Viertel in Atlan Village waren felsenfest davon überzeugt, dass mindestens zwei Mädchen in Anulyns Alter an dem chemischen Mist gestorben waren, mit dem er sie gefügig machte.
Leider waren seine Drogen aufgrund ihrer aphrodisierenden Wirkung bei gerade jenen begehrt, die einem Mann wie Leon eigentlich das Handwerk legen sollten.
Corsair …
Tenpole musterte ihn und hoffte, dass er es nicht merkte. Sein ältester Sohn – er war gerade erst siebzehn geworden – war keiner, der es gern sah, dass man sich über ihn Gedanken machte. Wenn Anulyn ihre Aggressionen normalerweise nur im angedröhnten Zustand verschleuderte, so tat es Corsair bei jeder nüchternen Gelegenheit.
Der junge Mann, groß, breitschultrig, sportlich gestählt und bestens aussehend, hätte mit seinen Abschlüssen und seinem Lachen, seiner einnehmenden Art überall Karriere machen können. Aber das Lachen war erloschen. Statt seiner hatten sich Falten des Grimms in das schmale Gesicht eingegraben. Corsair, jedenfalls der dieser Tage, war nicht mehr der, auf den er einmal so stolz gewesen war, auch wenn er es vielleicht zu wenig gezeigt hatte.
Jerias Tod schien alles verändert zu haben. Corsair hasste. Er träumte vom Einsatz im Kampf gegen TRAITOR. Lieber heute als morgen, das schrie er ihm bei jeder Gelegenheit ins Gesicht, würde er in den Krieg ziehen – und fast schien es, als sehne er den Tag herbei, an welchem der Kristallschirm fiel, der das Sonnensystem bislang vor der Invasion durch die Terminale Kolonne bewahrte.
Tenpole hatte es aufgegeben, dagegen anreden zu wollen. Mit seinem Sohn war nicht mehr zu diskutieren. Diese Gelegenheit hatte er aus der Hand gegeben, vielleicht sogar bereits vor dem entsetzlichen Auseinanderbrechen seiner Familie an jenem Punkt, der sie stets zusammengehalten hatte: Jeria.
Corsair vergrub sich in seinem Hass und ließ Tenpole bei jeder Gelegenheit spüren, dass er ihn für ein jämmerliches Weichei hielt.
Und dann war da Arnie …
Seit acht Monaten war der »Kleinste« in eine seelische Starre verfallen, aus der ihn bisher selbst die Therapeuten des Kinderhorts immer nur für kurze Zeit befreien konnten. Das, was den Jungen im Innersten trieb, war stärker als alle medizinische und psychologische Kunst.
Erst vor zwölf Tagen acht geworden, suchte Arnie das Vergessen im heillosen Aktionismus seiner virtuellen Computerwelten. Er büxte bei jeder Gelegenheit aus und tauchte in den Straßen, Spielhöllen und Adventureparks von Atlan Village unter. Manchmal dauerte es Tage, bis Tenpole, Anulyn oder Corsair ihn in irgendeiner fremden Wohnung fanden, wo er bei seinen seltsamen Freunden Unterschlupf fand. Es waren immer andere, sie wechselten wie das Wetter in den alten Videos – schnell und unvorhersehbar.
Schlimmer noch die schrillen, lärmenden Vergnügungstempel, in denen ein Kind wie er definitiv nichts zu suchen hatte. Aber er schaffte es, sich einzuschmuggeln. Nach einem solchen Abend war er für Tage nicht ansprechbar und lümmelte sich von morgens bis abends vor dem Wandbildschirm in seinem von Holos übersäten Zimmer.
Ganz übel waren auch die sogenannten Spielplätze, die mit kindlichem Spiel viel weniger zu tun hatten als mit Horror und Nerventod.
Zweimal hatten sie ihn nur mithilfe von NATHAN wiedergefunden, bis Tenpole ihm eine Armbanduhr mit einem kleinen holografischen Atlan-Konterfei schenkte, die – wovon Arnie nichts ahnte, glücklicherweise – mit einem Positionssender ausgestattet war. Mit dem Gegenstück konnte Opera ihn nun wenigstens orten.
Sie hatten alles. Tenpole arbeitete dafür – er war nicht mit dem zufrieden, was ihnen ohnehin zustand, er wollte sich jedes einzelne Element seines Lebens verdient haben.
Seine Kinder begriffen diese Einstellung nicht.
Alle drei, ohne Ausnahme, flohen sie vor der Realität und jeder Form von Verantwortung.
»Was ist?« Corsairs Stimme riss ihn jäh aus seinen trüben Gedanken. »Was grübelst du wieder? Tu endlich etwas!«
»Was soll ich tun?«, fragte Tenpole erschreckt. Dabei wusste er genau, was nun kam. »Ich … bin schon auf dem Weg zur Arbeit, ich …«
»Hör auf mit deinem Gelaber von der Arbeit!«, schoss Corsair. Seine Augen glänzten in fanatischem Feuer. »Werd endlich wach und fang an zu kämpfen! Es ist Krieg, Tenpole! Die Terminale Kolonne steht vor unseren Toren, und wir tun alle nichts dagegen! Sie wird uns …«
»Boah, Mann!« Anulyns Kopf flog hoch. »Hör auf damit! Merkst du nicht, wie du uns auf den Keks gehst mit diesem … Mist!«
»Mist, sagst du?« Der Älteste zielte mit dem Zeigefinger auf sie. »Es ist für dich … für euch … ein Mist, wenn Terraner aufstehen und sich wehren? Die den Herrschaften nicht mehr vertrauen, die uns im Stich lassen und …«
»Mannoooo«, fuhr Arnie auf. »Ich kann es nicht mehr hören! Lasst mich doch einfach in Ruhe! Das ist keine Familie mehr, das ist ein Irrenhaus!«
Er stand auf und stürzte aus der Küche. Tenpole hörte das Knallen seiner Zimmertür, aber er machte keinen Versuch, ihn deshalb zur Rede zu stellen.
Bis zu einem gewissen Grad verstand er ihn ja auch.
»Er flieht!«, echauffierte sich Corsair mit hochrotem Kopf. »Haut ab, wenn er in die Verantwortung soll. Wie alle! Du, Anulyn, bist auch nicht besser. Während andere den Kampf aufnehmen und zu den Waffen greifen, liegst du bei irgendwelchen Kerlen im Bett und …«
»Hör endlich auf!«, kreischte sie. »Halt den Mund, oder ich …«
»Was?«, schnappte Corsair und nahm Kampfhaltung ein. »Was dann? Du willst mir drohen? Du kleine Schlampe? Ich zeig dir, was …«
Tenpole Opera stand auf und ging.
»Was machen wir falsch, Jeria?«, fragte er, als er, auf der Kante seiner Liege sitzend, das Softholo betrachtete. Dort strahlte sie, und es war so wirklich, als könne sie jeden Moment neben ihm stehen, die Arme um seinen Hals schlingen und ihm ins Ohr pusten, wie sie es immer getan hatte, um seine dunklen Stimmungen zu vertreiben. Aber sie würde nicht mehr kommen. Nie wieder. Alles war anders – nichts mehr lebenswert, seit sie vor acht Monaten ums Leben gekommen war.
Jeria … so unendlich viel mehr als seine Partnerin und die Mutter seiner drei Kinder. Niemand würde je ermessen können, was sie ihm bedeutet hatte.
»Warum sind sie so geworden? Wie soll das noch enden? Statt sich lieb zu haben wie andere Geschwister, hacken sie nur aufeinander herum und …«
Jeria, schöner und anmutiger denn je, lächelte ihr sanftes Lächeln, das ihn vom allerersten Moment an verzaubert hatte. Doch es war keine Antwort für ihn, sondern nur programmiert.
Er glaubte dennoch zu verstehen, was sie ihm sagen wollte.
»Sie haben keine Heimat mehr«, murmelte der Softflow-Programmierer. »Es ist nichts mehr, wie es einmal war, seitdem du …«
Dieser gottverdammte Gleiter! Er hätte es verhindern können. Es wäre nicht geschehen, wenn er nicht …
»Du fehlst uns, Jeria«, flüsterte er, als das Bildnis erlosch. »Ich kann dich nicht ersetzen. Wie soll es weitergehen? Kann es das überhaupt?«
Er rieb sich mit dem Handrücken über die Augen, atmete tief und schüttelte den Kopf. »Ich liebe dich, Jeria. Du fehlst mir so sehr …«
Das Holo baute sich erneut auf. Es war auf Antwort programmiert. Auf bestimmte Wortfolgen wie »Ich liebe dich« antwortete es mit einem »Ich dich auch«.
Diesmal kam die Lautfolge bei Tenpole nicht mehr an.
Der Alarm fetzte sie ihr von den leeren Lippen.
Stunden vorher und noch weit entfernt
Der Alarm in MOTRANS-OC1 riss niemanden aus der Besatzung der Plattform von seinem Sitz, denn er war lautlos und galt bereits seit Anbruch des Tages. Es war kein Aufschrecken, sondern ein Zustand.
In der Mobilen Transmitter-Plattform OC1 herrschte seit knapp zwei Stunden Alarmstufe eins, denn sie erwartete Besuch aus den Tiefen des Alls.
Nein, das traf es nicht ganz. Die vorherrschende Meinung an Bord war vielmehr die, dass es ein Besuch aus der Hölle sein würde.
»Ich bleibe dabei«, knurrte Iff Benedict, ohne von seinen Displays aufzusehen. »Es ist nicht richtig. Bull macht einen gewaltigen Fehler. Dieses Ding ist eine Nummer zu groß für uns. Es geht nicht gut.«
»Hör auf, Iff«, erwiderte die Spezialistin neben ihm, zwei in einer Reihe von Männern und Frauen in LFT-Kombination, die seit dem frühen Morgen nichts anderes taten, als vor ihren Kontrollen zu sitzen, den Weltraum zu beobachten und zu warten. »Wir sollten Reginald Bull vertrauen. Er hat uns bisher nie enttäuscht und unsere Eltern und Großeltern ebenfalls nicht. Er hat …«
»Ja!« Benedict winkte verärgert ab. Er war jung und normalerweise ein Bündel aus Energie, eifrig und ambitioniert. An diesem Tag allerdings schien ihn die Kraft verlassen zu haben. »Er hat, er hat, er hat … und es war immer so und wird auch ewig so bleiben. Das mag ja alles so sein, Pat, aber es gibt immer ein erstes Mal – und das könnte jetzt gleich der Fall sein. Egal, womit es diese Unsterblichen in ihrer grenzenlosen Weisheit jemals zu tun hatten – es war nicht so!«
»Kein Dunkler Ermittler«, warf ein älterer Offizier neben ihm ein. »Nicht so eine … Kreatur. Manche sagen ja, dass sie überhaupt keine Wesen sind, wie wir sie kennen.«
»Sondern?«, fragte Pat Polansky und bürstete sich mit den Fingern durch das weiß gebleichte, kurze Stoppelhaar. »Was sollen sie stattdessen sein?«
»Schwärze«, erwiderte der Offizier mit einer Stimme, die fast andachtsvoll klang. Aber er schüttelte sich dabei. »Schwärze, Dunkelheit, Nichts … Einfach das Nichts …«
Iff Benedict stieß schnaubend die Luft aus. Für eine Weile sprach niemand in dem Kontrollraum. Fünf Terraner sahen wie eingefroren in die wechselnden, farbigen Lichter der Holo-Displays und versuchten zu fassen, zu begreifen oder zu verstehen, was in diesen Momenten geschah. Weshalb sie warteten, was ihnen an möglichen Konsequenzen drohte – und wem sie jeden Augenblick gegenüberstehen konnten.
»Ich habe Kinder daheim«, sagte Benedict dann. »Zwei kleine Ganoven, Dora und Redhorse. Ich habe eine Frau, die ich liebe und der ich einmal versprochen habe, dafür zu sorgen, dass es ihr und den Kindern gut gehe und sie nie in Angst und Not leben müssen.« Er lachte rau. »Und jetzt sehe ich zu und helfe dabei mit, dass wir uns eine … diese Bestie ins Haus holen!«
