Perry Rhodan Neo 116: Sprungsteine der Zeit - Michael H. Buchholz - E-Book + Hörbuch
Beschreibung

PERRY RHODAN NEO Die Posbis - Teil 6 (von 10) Nachdem der Astronaut Perry Rhodan im Jahr 2036 auf dem Mond ein außerirdisches Raumschiff entdeckt hat, beginnt sich die Menschheit zu vereinen. Eine Zeit des Friedens bricht an, die Terranische Union wird gegründet. Doch im Jahr 2049 tauchen beim Jupiter feindliche Raumschiffe auf. Rhodan verfolgt die Angreifer und entdeckt: Die Maahks planen einen Krieg gegen das Imperium der Arkoniden. Rhodan spürt dieser Gefahr nach; in der Folge verschlägt es ihn mit seinem Raumschiff CREST in den Leerraum außerhalb der Milchstraße. Er begegnet einer aggressiven Roboterzivilisation - den Posbis -, kann aber eine rebellierende Gruppe als Verbündete gewinnen. Die Forschergruppe um Eric Leyden sieht sich derweil mit einem tödlichen Ultimatum konfrontiert. Fieberhaft suchen die Wissenschaftler einen rettenden Ausweg - da tauchen plötzlich weitere Raumschiffe der Roboter auf ...

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Zeit:6 Std. 29 min

Sprecher:Hanno Dinger


Band 116

Sprungsteine der Zeit

Michael H. Buchholz

Nachdem der Astronaut Perry Rhodan im Jahr 2036 auf dem Mond ein außerirdisches Raumschiff entdeckt hat, beginnt sich die Menschheit zu vereinen. Eine Zeit des Friedens bricht an, die Terranische Union wird gegründet.

Doch im Jahr 2049 tauchen beim Jupiter feindliche Raumschiffe auf. Rhodan verfolgt die Angreifer und entdeckt: Die Maahks planen einen Krieg gegen das Imperium der Arkoniden.

Rhodan spürt dieser Gefahr nach; in der Folge verschlägt es ihn mit seinem Raumschiff CREST in den Leerraum außerhalb der Milchstraße. Er begegnet einer aggressiven Roboterzivilisation – den Posbis –, kann aber eine rebellierende Gruppe als Verbündete gewinnen.

Die Forschergruppe um Eric Leyden sieht sich derweil mit einem tödlichen Ultimatum konfrontiert. Fieberhaft suchen die Wissenschaftler einen rettenden Ausweg – da tauchen plötzlich weitere Raumschiffe der Roboter auf ...

Prolog

LI-KONNOSLON, 2. Juni 2049

Der Todgeweihte

Das bringt doch alles nichts!

Es war kein Gedanke, der ruhelos hinter seiner Stirn Raum ergriff. Oder wenn, dann war es nicht sein eigener Gedanke. Was beunruhigend genug war.

Es war die fremde Stimme. Die Stimme des Anderen in seinem Kopf.

Fremd?, krähte es prompt in seinem Bewusstsein. Seit wie vielen Jahrhunderten schleppst du mich schon mit dir herum?

»Sag du es mir«, gab er in Gedanken zurück. »Du weißt genau, dass ich mich nicht daran erinnern kann.«

Gelächter. Das hättest du wohl gern.

»Ich? Ich hätte gern mein Gedächtnis zurück – und meinen Kopf wieder für mich allein.«

Erneut sprach er die Worte nicht aus, doch er konzentrierte sich auf sie, artikulierte sie mental für den Anderen stets so, als wollte er sie aussprechen. Das hatte sich als die beste Art herausgestellt, damit der Andere ihn verstand. Normale Gedanken, flüchtig und unscharf wie Nebel in Tasamere, entzogen sich zumeist dem Verständnis des Anderen.

Was ein Segen war und ihm selbst zumindest die Illusion eines geistig unzugänglichen Rückzugsorts verschaffte. Eine Art mentales Haus, in das sich der Andere nur ab und zu einen kurzen Einblick verschaffen konnte. Doch es war ein Haus, das weder Türen noch Fenster besaß, die man zusperren konnte. Es glich einem allseits offenen Gebäude, in dessen Öffnungen der Wind wehte und das kaum Schutz bot. Ein Rückzugsort, gewiss, wenn auch ein mehr als dürftiger.

Aber es war alles, was Tuire Sitareh an Privatsphäre für sich bewahren konnte.

Solange der Andere bei ihm war.

Ich habe einen Namen!, krähte der Andere prompt und bewies damit, dass er diesen Gedanken sehr wohl mitbekommen hatte. Er klang gekränkt.

Tuire wusste, dass einige Arkoniden über einen aktivierten Extrasinn verfügten, dessen mentale Stimme ihnen Ratgeber und Dialogpartner war. Tuire fragte sich oft, ob diese angeblich privilegierten Arkoniden ebenso unter ihren Einflüsterungen litten wie er.

Du leidest also? Gut, gut, krächzte die Stimme des Anderen. Vielleicht beendest du dann endlich diese Farce und beginnst allmählich, etwas zu unternehmen! Dir bleibt nicht mehr viel Zeit, uns beide heil hier herauszuschaffen.

»Du meinst uns drei«, antwortete Tuire in Gedanken und warf einen besorgten Blick auf den verletzten Arkoniden neben sich.

Der alte Mann – zumindest sah er inzwischen aus wie ein Greis – stöhnte leise vor Schmerzen und bewegte sich unruhig. Tuire hatte ihm ein notdürftiges Lager bereitet, ihn auf eine Plane gebettet und mit einer Hälfte davon zugedeckt. Die behelfsmäßige Bettstatt wurde zu beiden Längsseiten durch Feuchtbehälter begrenzt, in denen Setzlinge bis zum Ausbringen in den Parkanlagen lagerten. Saatgutkanister und Hunderte von Kunststofffässern mit organischem Dünger bildeten die Rückwand. Sie vor allem waren der Grund, weshalb Tuire sich für dieses Gärtnergelass als Versteck entschieden hatte: Die Tonnen an organischem Material überdeckten die Echos, die bei einem Bioscan auftreten konnten.

Alles Dinge, die Leben spenden sollen, dachte Tuire bitter. Gequält lachte er auf. Leider besaß nichts davon die absurde Qualifikation des »Wahren Lebens« – und würde folglich von den fremden Robotern so unbarmherzig vernichtet werden wie alles andere.

Kunlis Zeit lief ebenso ab wie die der LI-KONNOSLON und ihrer Besatzung.

Tuire warf einen Blick auf die Zeitanzeige seines Einsatzanzugs, auf der zwei Countdowns parallel mitliefen. Der eine zeigte den Ablauf des Ultimatums der fremden Roboter an, die das Leerfischerschiff geentert hatten – noch blieben etwas mehr als fünfeinhalb Stunden Zeit, bis die LI-KONNOSLON vernichtet werden würde. Die andere Zählung lief rund zwei Stunden länger, zählte 62 Stunden rückwärts von dem Moment, da der Schiffsarzt Taklet dem Verletzten etwas abgenommen hatte, das für den Mehandor wohl ein die Behandlung störendes Schmuckstück gewesen war.

Seit Kurzem kannte Tuire die Wahrheit.

Das Schmuckstück war ein Pulsschwinger – ein Zellaktivator, verbesserte Tuire sich in Gedanken. Als solchen hatte Kunli den Anhänger an der Kette bezeichnet.

Mit einem eigenartigen Gefühl strich Tuire über seinen eigenen Pulsschwinger, den er abgenommen und dem Arkoniden auf die Brust gelegt hatte. Ob diese Hilfeleistung wirklich etwas bewirkte? Tuire konnte es nur hoffen. Das Stöhnen des Arkoniden war etwas zurückgegangen, die Schmerzen quälten ihn offenbar nicht mehr ganz so stark. Doch das würde sich bald wieder ändern. Schon spürte Tuire das Fehlen seines eigenen lebensspendenden Geräts wie eine zugige Kälte, die mit Eisesfingern nach ihm griff.

Noch fünf Minuten hältst du durch, befahl er sich. Die halbe Stunde, die er das Abnehmen des Pulsschwingers auszuhalten vermochte, war fast vorbei. Wie mochte es da erst Kunli ergehen, der seit über zwei Tagen ohne seinen Zellaktivator auskommen musste?

»Er hat nur noch siebeneinhalb Stunden zu leben«, artikulierte Tuire in Gedanken.

Dir fehlt es ganz offensichtlich an Schlaf!, krähte es verärgert zurück. Konzentriere dich! Er hat nur noch fünfeinhalb Stunden, bis dieses Schiff in Waffenglut versinkt. Und nein, du Versager – ich meine nicht uns drei. Ich meine nur uns beide. Lass ihn zurück. Du kannst nichts mehr für ihn tun. Er ist Ballast. Sein Pulsschwinger ist irgendwo auf dem Schiff. Wo, weißt du nicht. Du kannst ihn unmöglich finden. Nicht in der verbleibenden Zeit. Nicht, ohne selbst entdeckt zu werden. Bring dich in Sicherheit, ehe es auch dafür zu spät ist. Dringe in eines der Robotschiffe ein, oder kehre zurück nach Chons. Aber überlass diesen Todgeweihten seinem Schicksal.

»Du weißt, dass ich das nicht kann.«

Nicht können heißt nicht wollen!, widersprach die Stimme des Anderen. Krächzend, wie nur ein Rabe krächzen konnte. Was bringt es dir, hier tatenlos auszuharren? Du riskierst unser beider Leben. Und wofür? Für ein weiteres Versagen?

»Wo bin ich?«, fragte in diesem Augenblick der Arkonide. Seine Stimme war nur ein Flüstern. Sein Gesicht unter den teilweise verkohlten Haaren war von tiefen Falten durchfurcht, die geschwollenen, roten Augen von einem Netz feiner, blutig angelaufener Äderchen durchzogen. Im Displaylicht der Kontrollen von Tuires Einsatzanzug wirkte das ohnehin bleiche Antlitz noch bleicher, so bleich wie ...

»In Sicherheit«, antwortete Tuire mit gekünstelter Zuversicht. »Nun ja – in einem Versteck, um genau zu sein. In einer Art Abstell- oder Kellerkammer, vermute ich. Gartengerätschaften, ausrangiertes, unbenutztes Material und jede Menge Saatgut. Wir befinden uns immer noch im Park, drei oder vier Meter unterhalb der Grasnabe. Das viele Metall verfälscht obendrein etwaige Tasterimpulse, hoffe ich. Bisher sind die fremden Roboter mehrfach über uns hinweggeschwebt, ohne uns zu bemerken.«

»Also haben Sie schon eine Gruft für mich gefunden«, sagte Kunli. Sein Husten vertrieb den matten Scherz. Die ruckartigen Bewegungen übertrugen sich auf den Pulsschwinger. Er geriet ins Rutschen und fiel von Kunlis Brust. Tuire fing den Aktivator auf, ehe er den Boden berührte.

Seine eigenen Finger umschlossen das eiförmige Gerät, und er zwang sich, es zurück auf die Brust des Arkoniden zu legen.

Noch drei Minuten, dachte Tuire. Den sich bildenden Schweißfilm auf seiner tätowierten Stirn ignorierte er. Er hatte im Laufe seines Lebens immer wieder versucht, anderen zu helfen, indem er ihnen seinen Pulsschwinger kurzzeitig überließ. Zuletzt bei Belle McGraw. Doch schon nach dreißig Minuten des Ablegens setzten Krämpfe ein, die in Erstickungsanfälle übergingen. Wahrscheinlich lag das, vermutete Tuire, an seinem doppelten Metabolismus, der sowohl einen sauerstoff- als auch einen wasserstoffatmenden Teil in sich vereinigte. Es war wohl nur dem Pulsschwinger zu verdanken, dass sich beide Körpersysteme überhaupt miteinander vertrugen.

»Wer sind Sie?«, fragte Kunli abrupt. Tuire hatte es ihm schon wenigstens dreimal erklärt, doch das Kurzzeitgedächtnis des Arkoniden versagte zunehmend. Tuire blickte abermals und überflüssigerweise auf die Zeitanzeige. Die halbe Stunde war um; er hätte es auch ohne den Blick erkannt, allein durch den ziehenden Schmerz in seiner Brust.

Er streckte die Hand aus und nahm den Pulsschwinger wieder an sich. Erleichtert streifte er sich die Kette über den Kopf und presste das Metall gegen seine Brust. Dankbar empfing er das vertraute Pochen, spürte die Resonanz der Impulse wie einen inneren, erlösenden Regen, der eine zu lang währende Dürre vertrieb.

Der Schmerz in seiner Brust erstarb binnen weniger Augenblicke. Der ätzende, beinah faulige Geschmack in seinem Mund verflüchtigte sich.

Nur der Geruch des Todes, der den Arkoniden umgab – er blieb und überdeckte selbst den Muff von an den Werkzeugen haftenden Erdresten und vertrockneten Pflanzenresten.

Die gegenteilige Reaktion bei Kunli trat ebenso augenblicklich ein. Ein Krampf schüttelte ihn. Tuire verabreichte ihm ein Arastimulans aus dem Reservoir seines Einsatzanzugs. Ein Kombipräparat, das sowohl Schmerzen zurückdrängte als auch körpereigene Reserven mobilisierte. Tuire kniff besorgt die Lippen zusammen; an der heftigen Reaktion des Arkoniden war abzusehen, dass der Zeitpunkt nahe war, an dem die Injektionen nicht mehr halfen, sondern eher schadeten.

Tuire gab sich einen Ruck und richtete sich auf. Kunli würde sterben, so oder so. Es sei denn, es gelang Tuire rechtzeitig, Empona und damit den Zellaktivator zu finden.

»Mein Name ist Tuire«, beantwortete er die Frage des erschöpften Manns.

Und mein Name ist Thaynar!, krähte es als Echo in seinem Kopf zurück.

Tuire strich sich über das Rabentattoo, als könne er so die innere Stimme zum Schweigen bringen. »Ich werde Sie eine Weile allein lassen. Bleiben Sie in diesem Versteck, Kunli. Ich kehre so schnell wie möglich zurück.«

Er drehte sich um, wollte sich gerade erheben und zum Schott gehen, das hinauf in die Parkanlage der Hohlkugel führte. Da ließ ihn Kunlis Stimme innehalten.

»Tuire – bitte bleiben Sie«, keuchte der Arkonide. »Ich habe Informationen, die wichtiger sind als mein Leben.«

»Was meinen Sie?«

»Sie müssen ... Arkon retten«, hörte Tuire den Todgeweihten sagen. »Ark'Alor gelingt ... vielleicht ... mit Zhy-Votanthar ...«

In seiner geschwächten Verfassung sprach Kunli ein Mischmasch aus Englisch und Arkonidisch. Ark'Alor hieß »Arkons Rettung«. Zhy-Votanthar bedeutete »die innere Kraft« oder »das Feuer der Ewigkeit«.

Er spricht von der Zeitbombe!, erkannte Tuire.

Plötzlich umfasste eine der knorrigen Hände klauenartig Tuires Arm. »Sie müssen Zhy-Votanthar in Ihren Besitz bringen. Bergen und bewahren Sie die Waffe vor der Vernichtung. Bringen Sie sie nach Arkon. Setzen Sie sie ... ein ... gegen die Methans ...«

Nach dieser Anstrengung fiel der Kopf des verfallenden Greises auf das improvisierte Lager zurück. Die Finger lösten sich, der Arm sank herab. Die Lippen des Arkoniden bebten. »Und da ist noch etwas ... wichtig ... Alor Tantor ...« Neuerliches Husten unterbrach den Satz.

»Sie müssen sich schonen.« Tuire stand auf. »Versuchen Sie, ein wenig zu schlafen. Ruhen Sie sich aus. Danach reden wir weiter.« Nachdenklich verharrte er und überlegte. Noch fünfeinhalb Stunden. Selten hatte Tuire sich so hilflos gefühlt.

Die Lage war nahezu aussichtslos. Kunli, der Arkonide, den Tuire aus dem sogenannten Gästetrakt, einem Gefängnis der Mehandor auf der LI-KONNOSLON, befreit hatte, war durch Brandwunden verletzt und kaum mehr bewegungsfähig. Diese Verletzungen rührten von einem Unfall her, den der Arkonide vermutlich bei seinem Durchgang durch eine Sonnentransmitterstrecke mit Endpunkt im Wepeschsystem erlitten hatte. Sofern er den Transmitter benutzt hatte. Sicher war das nicht. Aber nach den Erfahrungen, die Tuire und das Leyden-Team beim Flug von Sede hierher mit dem heftig reagierenden Sonnentor gemacht hatten, lag der Schluss zumindest nahe. Dazu kam der Zellaktivatorverlust, der jegliche Heilung Kunlis hinauszögerte.

Doch das war nicht die einzige Erschwernis.

Die sich selbst als Bakmaátu bezeichnenden Roboter waren erschienen und hatten mühelos die Kontrolle über die LI-KONNOSLON übernommen. Seitdem schickten sie in unregelmäßigen Abständen Patrouillen durch den umgebauten Tender und hielten alle neuralgischen Stationen des Leerfischerschiffs besetzt. Wonach und ob sie überhaupt nach etwas suchten, blieb Spekulation.

Den Mehandor, allen voran der Submatriarchin und Kommandantin Empona, schienen die Hände gebunden zu sein. Die Leerfischer hatten sich widerstandslos in ihr Schicksal ergeben.

Die Roboter hatten ausschließlich die vier Menschen an Bord als »wahres Leben« anerkannt. Eric Leyden, Belle McGraw, Abha Prajapati und Luan Perparim war ein Ultimatum gestellt worden: Sie sollten sich auf eines der Robotschiffe begeben – oder sie würden nach dem Ablauf von sechs Stunden zusammen mit der LI-KONNOSLON untergehen. Denn dann würden die Fragmentraumer das Feuer eröffnen, weil das Leerfischerschiff bis auf die vier Menschen mit »unwahrem Leben« bestückt war. Über 3800 Mehandor – Frauen, Männer und Kinder – würden dabei den sicheren Tod finden.

Tuires vier Begleiter befanden sich derzeit höchstwahrscheinlich noch immer an Bord. Keinesfalls würde Eric Leyden das Mehandorschiff vor Ablauf des Ultimatums verlassen. Wie Tuire den unkonventionellen Wissenschaftler inzwischen kannte, würde der fieberhaft nach einer Möglichkeit suchen, das Verhängnis irgendwie abzuwenden. Leyden würde sich und sein Team nicht in Sicherheit bringen und damit die Mehandor opfern. Und erst recht nicht den Arkoniden und Tuire.

Dafür würde schon Luan Perparim mit allem Nachdruck sorgen. Die warnende Botschaft jenes geheimnisvollen Huang Wei, den nur sie selbst erblickt hatte, war in diesem Punkt eindeutig gewesen. Der Chinese – oder was immer er sein mochte – hatte eindringlich vor der Gefahr einer Dekompensation gewarnt. Sofern es nicht gelang, sowohl die Zeitbombe zu retten als auch sie dem vormaligen Gefangenen auszuhändigen.

Tuire erschauerte bei dem Begriff Dekompensation – seine Erinnerung, so brüchig und unzuverlässig sie war, erkannte den Begriff intuitiv wieder. Huang Weis Definition, die dieser Luan gegenüber geäußert und die sie wörtlich wiedergegeben hatte, erschien Tuire wie der Widerhall einer Prophezeiung vom Ende aller Tage. Das Offenbarwerden einer latenten Störung im Raumzeitgefüge durch Wegfall einer Ausgleichsfunktion. Was diese Worte bedeuteten, daran erinnerte sich Tuire nicht. Aber er erfasste eine bereits erlebte Furcht, die bei dem Gedanken an das Eintreten einer Dekompensation tief in seinen Gefühlen aufwallte.

Was Eric Leyden derweil unternahm und ob dieses Unterfangen auch nur Ansätze von Erfolg versprach, vermochte Tuire nicht zu sagen. Sein Anzugfunk war nach wie vor unbrauchbar. Mehr als Knacksen und Knistern bekam er nicht herein. Die Störfelder der Roboter verhinderten erfolgreich jegliche unerwünschte Kommunikation.

Wie es aussah, hatten die Roboter lediglich die vier Menschen als positiv im Sinne ihrer Suche nach wahrem Leben eingestuft. Somit lag nahe, dass Tuire und der Arkonide in den Begriffen der Roboter gleichfalls als »unwahres Leben« gelten würden, da sie keine Menschen waren. Offenbar hatten allein Menschen etwas an sich, das sie für die Bakmaátu als lebenswert qualifizierte. Was das allerdings sein mochte, entzog sich allem bisherigen Verständnis.

Ein jähes Zittern durchlief den Körper des weißhaarigen Manns.

Es wird dein letzter Schlaf sein, Arkonide. Sofern du überhaupt noch einmal daraus erwachst.

Das Zittern brach so schnell ab, wie es gekommen war. Plötzlich lag der durch Brandwunden verletzte und seines Zellaktivators beraubte Arkonide völlig ruhig da.

Seine Augen hielt er geschlossen. Sein Atem ging in kurzen Zügen, aber gleichmäßig. Seine Lippen bewegten sich, aber sie bebten nicht länger.

1.

Teemenkreuzung, 8001 v. Chr.

Der Plan

Handelsknoten wie die Teemenkreuzung waren die verletzlichsten Punkte des arkonidischen Imperiums. Über sie liefen die Versorgung der inneren Welten, der Nachschub für die Flotte, die Handelsgüter, die den Reichtum Arkons begründeten und aufrechterhielten. Sie waren unverzichtbar und somit neuralgische Punkte, deren Ausfall stets schwerwiegende Folgen nach sich zog.

»Du weißt, was du zu tun hast!«, sagte mein Vater.

Die Hyperkomverbindung lief vom Kristallpalast aus über diverse Relais- und Repeaterstationen sowie Satelliten. Sie war mit sämtlichen zur Verfügung stehenden Mitteln so gut wie unabhörbar geschaltet. Ich kniete in der Zentrale der TOSOMA und neigte meinen Kopf dem Boden zu. Es ziemte sich nicht, den Imperator offen anzublicken, auch für den leiblichen Sohn Seiner Erhabenen Millionenäugigkeit nicht.

»Ja, Euer Erhabenheit«, bestätigte ich.

Der Imperator – Mascudar da Gonozal, Imperator Gonozal VII., mein Vater – schaltete grußlos ab.

Ich erhob mich und unterdrückte einen Fluch. In Augenblicken wie diesem träumte ich davon, ein bedeutungsloser Essoya zu sein.

Ganz offensichtlich war ich nicht der Sohn, den er sich erhofft hatte. Und meine Wünsche an den unerreichbaren Vater zählten ohnehin nicht. Er setzte mich ein wie jeden x-beliebigen anderen Keon'athor, allerdings ... das 132. Einsatzgeschwader, das mir unterstellt war, bedurfte keines Zweisonnenträgers, dazu war es mit seinen gerade einmal 35 Raumschiffen viel zu klein. Ein Has'athor, ein Einsonnenträger, hätte vollauf genügt. Dass der Imperator mir keine meinem Rang entsprechende Flotte anvertraute, zeigte mehr als alle Worte, was er von mir hielt.

Also wieder einmal eine Bewährungsprobe, wisperte mein Extrasinn.

Ich habe aufgehört, sie zu zählen, gab ich in Gedanken zurück.

Es ist die neununddreißigste. Böse Zungen würden sagen: für jedes Lebensjahr eine.

Ich lachte auf. Endlich gibst du zu, eine böse Zunge zu sein, du Quälgeist!

Zu meiner Überraschung nahm der Extrasinn das unwidersprochen hin. Na ja, nicht ganz. Du bist und bleibst ein Narr!

Ich desaktivierte das milchglasige Abschirmfeld und fing den besorgten Blick des Kommandanten der TOSOMA auf. Tarts de Telomar war mein Lehrmeister seit Kindestagen, mein Mentor und ältester Freund – und zweifellos derjenige, dem ich voll und ganz vertraute. Als Einzigem.

»Auf zur Teemenkreuzung!«, sagte ich. »Anscheinend haben die Maahks sich dort festgesetzt.«

Tarts de Telomar löste den Bereitschaftsalarm auf allen 35 Schiffen aus.

Aufgrund der ständigen, zahllosen Schiffsbewegungen waren Knotensysteme wie das von Teemen nur schwer zu überwachen, trotz des Einsatzes von Raumforts und regulären Patrouillen. In jenen Jahren des Methankriegs rechneten wir jederzeit mit Störaktionen der Maahks. Obwohl es nur Nadelstiche waren, schmerzten sie im Falle der Handelsknotenpunkte besonders. Das verlorene Material war meist zu ersetzen, die Moral der Kolonisten hingegen nicht. Doch genau aus diesen arkonnahen Kolonien rekrutierte die Flotte den Großteil ihrer Mannschaften, und ein Absinken der Stimmung in der zivilen Bevölkerung wirkte sich automatisch auf den Kampfgeist der Soldaten aus.

Das alles traf in besonderem Maße auf das System der weißen Sonne Teemena zu. Irgendjemand hatte in grauer Vorzeit dieses System verändert, wir hatten nie herausfinden können, wer und wozu. Doch von den ursprünglichen Planeten gab es nur noch zwei: Teemen, die arkonähnliche Handelswelt, und Teemen II, ein Gasriese mit zwölf Monden. Auch Teemen besaß Monde. Die fünf Trabanten waren in überstarke Raumforts umgewandelt worden. Die Handelswelt war mit Transitionsdämpfern geschützt, der äußere Teemen II indes nicht. Zwischen Teemen I und der Sonne gab es einen Asteroidengürtel, in dem wertvolle Hyperkristalle abgebaut wurden, die für den Raumschiffbau und damit für die Flotte unverzichtbar waren. Das machte das System, das zwischen Kira Ariela und Arkon lag – im Handelsjargon als Teemenkreuzung bezeichnet –, zu einem doppelt lohnenden Angriffsziel.

Wir wussten das, die Maahks wussten es, und wechselseitig wussten beide Seiten, dass der jeweils andere nicht auf den Kopf gefallen war. Die Folge war nicht nur eine erhöhte Wachsamkeit unsererseits, sondern obendrein ein permanentes Katz-und-Maus-Spiel, das wir uns mit dem Feind seit Jahren lieferten.

Vor vier Wochen hatten, laut den mir jüngst übermittelten Daten, die Maahks ihre bisherige Tarnung aufgegeben. Sie waren offen in das System eingefallen. Siebzehn ihrer großen 400-Meter-Walzen und dreiundzwanzig halb so große Schiffe waren per Transition direkt im Orbit von Teemen II aufgetaucht. Sie hatten unsere dortigen Mondstützpunkte neutralisiert, sich beim Gasriesen festgesetzt und starteten seitdem Angriffe auf Teemen und alle Handelsschiffe im System.

Ich war von meinem Vater beauftragt worden, diese Gefahr ein für alle Mal zu beseitigen.

Schon die ersten Ortungen nach der Zieltransition zeigten, dass sich die Teemenkreuzung in hellem Aufruhr befand. Der gewohnte Schiffsverkehr war zum Erliegen gekommen. Der Handelsplanet war von einer unüberschaubaren Wolke aus Raumschiffen umgeben, die sich um ihn drängten wie ängstliche Pamòkh-Parangs unter einen Baum, wenn's donnert. Doch die Aufregung galt nicht etwa angreifenden Maahks, sondern dem genauen Gegenteil.

Der Kur, der Statthalter und Handelsgouverneur von Teemen, ein gewisser Pe'etar da Crubar, meldete sich persönlich per Funk und gab uns einen Abriss der strategischen Lage. »Die Maahks scheinen verschwunden zu sein«, berichtete er. »Keine Angriffe mehr seit Tagen. Dennoch geht hier die Angst um – gerade deswegen. Mir fehlen Eskorten, Mannschaften, Mittel, um all die nötigen und seit Langem beantragten Flüge sicher zu gewährleisten. Dem Imperator sei Dank, dass er Sie in seiner grenzenlosen Weisheit und Güte zu uns geschickt hat, Gos'athor.«

Tarts rollte vielsagend die Augen.

»Nach meinen Informationen sitzen die Maahks immer noch auf Teemen II«, sagte ich. »Haben Sie das nachgeprüft, Kur da Crubar?«

»Wie denn? Unsere wenigen eigenen Kampfschiffe sind beim letzten Angriff teils schwer beschädigt worden. Die Anlagen auf den zwölf Monden antworten schon seit Wochen nicht mehr. Die Handelsschiffe ihrerseits hüten sich, Erkundungsflüge auf sich zu nehmen. Sie sind unterbewaffnet, mit Fracht beladen und obendrein viel zu langsam. Ich hatte gehofft, dass Sie ...«

Ich winkte ab. Es war überall dasselbe. Händler waren zwar oft genug gerissen, spitzfindig, gewieft und manchmal auch verschlagen – aber sie waren eben keine Soldaten. Daran hatte auch der Methankrieg nichts geändert. Leider.

»Wir kümmern uns darum«, versprach ich. Der Avatar des Gouverneurs verbeugte sich, ehe er verblasste.

Ich drehte mich zu meinem Lehrmeister um und hob zwei Finger. »Zwei Schlachtkreuzer, zwei Schwere Kreuzer und fünf Leichte. Gestaffelte Annäherung an Teemen II. Erkundung und gegebenenfalls Sicherung nach eigenem Ermessen. Prana di Mantis soll den Einsatz leiten.«

Tarts de Telomar bestätigte.

Die neun Schiffe scherten kurz darauf aus dem Verband aus und beschleunigten.

»Was ergeben die Tastungen?«, fragte ich.

»Im zentrischen Raum jenseits der Teemen-I-Bahn wenig«, lautete die Antwort der Ortungsoffizierin. »Aufgrund der Hyperkristallvorkommen im Asteroidengürtel sind sonnennahe Ortungen kaum möglich.«

»Dann müssen wir uns anders einen Überblick verschaffen«, sagte ich. »Tarts, das Geschwader bezieht bei mittlerer Alarmstufe Wartestellung oberhalb der Ekliptik. Wir nutzen die Zeit, um die Aufzeichnungen der Raumüberwachungsstationen auszuwerten.«

Die Daten der Raumüberwachung Teemen waren ebenso umfangreich wie unergiebig, ja nichtssagend. Es war das alte Lied: zu viel zivile Schiffsbewegungen, zu viel Disziplinlosigkeit, zu viel Durcheinander. Und das angesichts der drohenden Maahkgefahr. Die um ihren Profit besorgten Einfaltspinsel von Händlern missachteten entweder sogar die elementarsten Sicherheitsvorschriften oder taten des Guten zu viel, indem sie alles Mögliche meldeten, das sie in ihrer Angst für eine Maahkbegegnung hielten. Immerhin bescherte uns das eine Handvoll aktueller Kurswerte über die größeren Asteroidenbewegungen.

Heraus kam dennoch lediglich ein großer Datensalat. Auffällig war nur eins: Darunter befand sich kein einziges der typischen Transitionsechos, wie sie den Maahkschiffen gewöhnlich anhafteten.

Also waren die verdammten Sichelköpfe noch da, lauerten irgendwo da draußen. Nicht, dass das eine Antwort gewesen wäre.

»Was meinst du, Atlan?«, fragte Tarts. »Eine Falle?«

»Eher ein Test«, erwiderte ich. »So wie mein Vater mich auf eine Bewährungsprobe schickt, so testen die Maahks hier die Verteidigungsbereitschaft Seiner Erhabenen Millionenäugigkeit. Sie betreiben strategisches Feindstudium, wenn du mich fragst.«

Ich irrte mich. Tarts, dreimal so alt wie ich und in hundert Schlachten erfahren, sollte recht behalten.

Die neun Schiffe gerieten in einen Hinterhalt.

Die Maahks steckten auf den zwölf Monden, in Kratern verborgen, mit hyperkristalloidem Geröll bedeckt, was eine frühzeitige Ortung oder Tastung unmöglich machte. Es gab genug von dem Zeug auf allen Trabanten des Gasriesen – die Fabriken zur Rohstoffgewinnung und Weiterverarbeitung der im Asteroidengürtel gewonnenen Erze befanden sich dort, was etliche Berge mit ausgeschiedenem Abraum mit sich brachte. Die perfekte Tarnung, und die Methans hatten sie erkannt und zu nutzen gewusst.

Zehn ihrer 200-Meter-Walzen stürzten sich auf unsere beiden Schlachtkreuzer, während ein Schwarm von ausgeschleusten Maahkjägern mit einem wahren Strahlengewitter unter die Schweren und Leichten Kreuzer fuhr.

Alles dies präsentierte uns die Hyperortung, unscharf und verwaschen und in immer wieder wegkippenden Bildern. Die 5-D-Störfelder der Hyperkristalle untergruben auch die Funkübertragung. Was noch reinkam, war stakkatohaftes Prasseln und Knistern. Obwohl die Leute in der Zentrale der TOSOMA ihr Bestes gaben, hörten wir zwischendurch nur Bruchstücke von dem, was nahe des Gasriesen vor sich ging.

»... Schirmbel...stung kri... zu viele ...«

»... Wirk...streffer ...«

»...sweich... nac... Rabo Yilld ...«

Die kleinen Kreuzer flogen angesichts der Wendigkeit und Übermacht Rabo Yilld, ein Standard-Ausweichmanöver – und das war die eigentliche Falle. Sie gerieten in ein engmaschiges Raumminenfeld und verschwanden im Energiechaos von Hunderten explodierender Plasmabomben.

Die Schlachtkreuzer machten daraufhin den Fehler, sich zu trennen und auf divergierenden Kursen den schwächeren Kreuzern zu Hilfe eilen zu wollen.

Dadurch aber schnappte die Falle endgültig zu!

Mein gebrüllter Widerrufsbefehl kam zu spät oder blieb wegen der Störfelder ungehört. Je fünf der Walzenraumer bildeten eine Phalanx vor und hinter den beiden großen Arkonschiffen und begannen mit konzentriertem Punktfeuer. Die Schirme der Schlachtkreuzer gerieten schnell an ihre Grenzen.

Mit schweren Treffern mussten sie zu den Seiten hin entweichen. Auch die kleineren Kreuzer waren gezwungen, sich zurückzuziehen. Keines der Schiffe kam ohne mittelschwere Beschädigungen davon. Und nur acht meiner Einheiten kehrten zu uns zurück. Der Leichte Kreuzer ATMAIR meldete Manövrierunfähigkeit. Die Besatzung rettete sich in die Fluchtkapseln, die ATMAIR selbst aber geriet in das Schwerefeld von Teemen II.

Wenig später versank sie in den blau schillernden Gasfluten. Ich schloss vor Scham für einen Moment die Augen.

Die anderen Schiffsführer meines Geschwaders rieten zu sofortigem konzentriertem Zurückschlagen. Kompromissloses Vorgehen, die altbewährte arkonidische Härte.

»Zwei sich schneidende Zangenformationen!«

»Zentrischer Kugelangriff!«

»Zylindermanöver!«

Die Vorschläge prasselten ebenso herein wie die knisternden Tasterechos.

Tarts de Telomar schüttelte vehement den Kopf. »Genau das wollen sie. Wir sollen nicht mehr nachdenken, sondern nur noch handeln. Wenn du dich jetzt provozieren lässt, geht ihr Plan auf. Dessen zweiter Teil, um genau zu sein.«

»Was rätst du mir stattdessen, alter Freund?«

»Wer den Feind unterschätzt, überschätzt sich selbst«, antwortete Tarts. »Komm!«

Die zehn Maahkwalzen sahen klugerweise von einer Verfolgung ab. Sie blieben zwischen den Monden zurück, während unsere acht beschädigten Einheiten zu uns zurückgeschlichen kamen wie geprügelte Dormhunde.

Wir gingen die Raumüberwachungsdaten nochmals durch. Und wirklich, wir hatten etwas übersehen. »Wir haben nur zehn Schiffe ausgemacht«, sagte ich. »Wo befinden sich die anderen dreißig?« Ebenfalls unter Abraumhalden getarnt? Oder lauerten sie im Rücken von Teemen I, im Asteroidengürtel versteckt?

»Hier sind merkwürdige Reflektionskurven«, meldete Tarts nach einer Weile. »Könnten Impulstriebwerksechos sein, meiner Ansicht nach.«

Wir prüften es nach. Es waren genau dreißig an der Zahl.

»Schön, angenommen, sie waren das. Dann sind die dreißig anderen Maahkwalzen aber mit einem seltsamen Kurs gestartet. Und eine Transition konnte bisher nicht festgestellt werden.«

»Ich könnte mir denken«, mutmaßte der alte Haudegen, »sie wollen, dass wir das auf die Fünf-D-Störungen der Hyperkristalle schieben. Aber es bedarf womöglich gar keiner Transition, um – natürlich, das ist es!«

»Was meinst du?«

Was erwartest du? Er stimmt mit mir überein – du bist ein begriffsstutziger Narr!

Tarts flinke Finger manipulierten eine Reihe von Holos. Als er den wahrscheinlichen Kurs der von uns vermuteten Maahkschiffe extrapoliert hatte, grunzte er zufrieden. »Sie befinden sich auf einem Swing-by-Manöver über die Ekliptik hinaus«, sagte er.

Eine eingeblendete Kurve füllte das Holo aus und zeigte, was er meinte. Sie führte hoch über die Planetenbahnen hinaus, umrundete die weiße Sonne – und endete bei der riesigen Raumstation am Lagrangepunkt zwischen Teemen I und den Asteroiden. »Genau so läuft es, Atlan. Dort können sie maximalen Schaden anrichten, ohne in den Feuerbereich der Mondfestungen zu geraten. Respekt! Das Manöver könnte von mir sein.«

»Schön«, sagte ich. »Gute Arbeit. Nur wo sie genau jetzt sind, wissen wir nicht. Das erfahren wir erst, wenn sie wieder ihre Triebwerke einsetzen müssen. Eine gute Stunde vor dem Angriff. Das hier ist der wahrscheinlichste Kurs nach dem Sonnen-Swing-by?«

Tarts hielt meinen Blick fest und nickte.

Splitte deine Truppen auf, wisperte der Extrasinn.