Verlag: Perry Rhodan digital Kategorie: Fantasy und Science-Fiction Sprache: Deutsch Ausgabejahr: 2016

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E-Book-Beschreibung Perry Rhodan Neo 126: Schlaglichter der Sonne - Michael H. Buchholz

Nachdem der Astronaut Perry Rhodan im Jahr 2036 auf dem Mond ein außerirdisches Raumschiff entdeckt hat, einigt sich die Menschheit – es beginnt eine Zeit des Friedens. Doch 2049 tauchen beim Jupiter fremde Raumschiffe auf. Es sind Maahks, und sie planen einen Krieg gegen das Imperium der Arkoniden. Als kurz darauf 100.000 Kampfraumschiffe der Maahks das Arkonsystem verheeren, können Perry Rhodan und die Menschen zunächst nur hilflos zusehen. Schließlich gelingt Rhodan ein Vorstoß bis zur Ursprungswelt der Maahks. Doch was geschieht während der Zeit, in der Rhodan abwesend ist, auf der Erde und im Sonnensystem? Auf dem Heimatplaneten der Menschheit ist Reginald Bull tätig, Rhodans ältester Freund. Auf ihn wird ein Attentat versucht – ein alter Feind scheint nach seinem Leben zu trachten. Gleichzeitig ereignen sich mysteriöse Vorkommnisse im gleißenden Herzen des Sonnensystems ...

Meinungen über das E-Book Perry Rhodan Neo 126: Schlaglichter der Sonne - Michael H. Buchholz

E-Book-Leseprobe Perry Rhodan Neo 126: Schlaglichter der Sonne - Michael H. Buchholz

Band 126

Schlaglichter der Sonne

Michael H. Buchholz

Nachdem der Astronaut Perry Rhodan im Jahr 2036 auf dem Mond ein außerirdisches Raumschiff entdeckt hat, einigt sich die Menschheit – es beginnt eine Zeit des Friedens. Doch 2049 tauchen beim Jupiter fremde Raumschiffe auf. Es sind Maahks, und sie planen einen Krieg gegen das Imperium der Arkoniden.

Als kurz darauf 100.000 Kampfraumschiffe der Maahks das Arkonsystem verheeren, können Perry Rhodan und die Menschen zunächst nur hilflos zusehen. Schließlich gelingt Rhodan ein Vorstoß bis zur Ursprungswelt der Maahks.

Doch was geschieht während der Zeit, in der Rhodan abwesend ist, auf der Erde und im Sonnensystem? Auf dem Heimatplaneten der Menschheit ist Reginald Bull tätig, Rhodans ältester Freund. Auf ihn wird ein Attentat versucht – ein alter Feind scheint nach seinem Leben zu trachten. Gleichzeitig ereignen sich mysteriöse Vorkommnisse im gleißenden Herzen des Sonnensystems ...

Ouvertüre:

Terrania Orbital, 1. Juni 2049

Inspektion

Die Sonne schien grell zum Fenster herein. Trotz der fotosensorischen Abdunklungsfilter gleißte sie wie ein weißgoldener Feuerball, der soeben hinter dem blassblauen Horizont der Erde hervortrat. Eigenartigerweise ließ ihr Anblick jegliche Wärme vermissen – sie wirkte kalt, ein zorniges, Licht spuckendes Auge, das rund neuneinhalb Milliarden Menschen unbarmherzig ins Visier nahm.

»Ich hasse das, Chef! In echt jetzt.«

Lionel Dahls nörgelnde Bemerkung riss Reginald Bull aus seinen Gedanken.

Der Systemadmiral stand gebeugt über dem schräg nach außen geneigten Aussichtsfenster, durch das er einen fast senkrechten Blick nach unten auf die Erde hatte. Solange er die Augen gegen die Sonne abschirmte.

Selbst mit einer gehörigen Portion Phantasie war die Stadt Terrania aus der Höhe der geosynchronen Umlaufbahn nicht zu erkennen. Obwohl die dünnen, fast transparenten Wolkenschleier, die gerade über Zentralasien hinwegzogen, das Gebiet um Terrania freiließen. Nur die umgebende Wüste Gobi war als brauner Fleck deutlich auszumachen. Den Goshunsee indes konnte er als winzigen Punkt erahnen. Zumindest bildete sich Bull das ein.

In Wahrheit sah er das winzige Gewässer mit bloßem Auge ebenso wenig wie das Seil, an dem die Orbitalstation als Endpunkt des Weltraumlifts Zehntausende Kilometer über der Erdoberfläche in einem geosynchronen Orbit hing. Zu gewaltig waren die Entfernungen und Dimensionen, zu intensiv die Gegensätze von Licht und Schatten. Die ausgleichende Lufthülle, die auf der Erdoberfläche für diffuse Übergänge sorgte, fehlte.

Die Liftkabine, ein knapp fünfzig Meter langer, silberner Zylinder, mit dem sie per Raketenantrieb heraufgekommen waren, befand sich längst wieder auf dem Abstieg. Bull hatte sie oder wenigstens einen Sonnenreflex zu erspähen versucht, allerdings vergeblich.

Terrania Orbital, offiziell ein Stadtteil der rasant wachsenden Metropole, bestand aus zehn kreisrunden Segmenten, die jeweils 500 Meter durchmaßen und als aufeinandergestapelte Scheiben von 200 Metern Dicke eine zwei Kilometer lange Zylinderkonstruktion ergaben. Jede »Scheibe« hatte ihre spezifische Funktion und barg Wohnbereiche, hydroponische Gärten, verschiedene Kraftwerke, die Zentrale, das Forum, Hangars oder Lagerhallen und war durchzogen von den vier zentralen Antigravliften. Scheibe eins war der Erde am nächsten; sie hielt das Seil, an dem der Fahrstuhl hochkletterte. Die Nummer zehn, in der sich Bull und Dahl inzwischen aufhielten, lag am höchsten und war dem Weltraum zugewandt.

Reginald Bull wandte sich von dem Fenster ab und seinem nervösen Assistenten zu. Nach dem steilen Blick hinab brauchten seine Augen einen Moment, um sich wieder auf Dahl zu fokussieren. Auf die leicht grüne Farbe in Dahls Gesicht reagierte er mit einem freundschaftlich-spöttischen Lächeln. Er wusste genau, dass Dahls Bemerkung nicht auf die Sonne, sondern auf das gerade Erlebte gemünzt war.

»Haben Sie sich immer noch nicht an Antigravlifte gewöhnt, Lionel?«

»An normale schon.« Dahl schluckte angestrengt. »Aber nicht an diese ... verfluchten Kanonendinger. Wer kann sich schon an so was gewöhnen? War das wirklich nötig, Chef?«

Im Gegensatz zu seinem ständigen Begleiter hatte Bull die Antigravpassage aus vollem Herzen genossen. Der Astronaut in ihm hatte wie ein kleiner Junge auf dem Rummelplatz gejuchzt, als sie unter großer Beschleunigung nach oben geschleudert worden waren. Jeder der vier Lifts verfügte über einen Katapultmodus. Sie »schossen« die Passagiere an ihre Ziele, wenn sie das wünschten. Und Bull hatte es gewünscht, wenn er schon die viel zu seltene Gelegenheit dazu bekam.

Für Dahl war der Wunsch Befehl gewesen.

Hoffentlich kotzt er sich seinen neuen Designeranzug nicht voll, dachte Bull. Okay, ich hab's vielleicht übertrieben. Der Junge ist fraglos großartig im Organisieren, aber ein Raumfahrer wird nicht mehr aus ihm.

»Was meinen Sie?«, fragte er gut gelaunt zurück. »Den Raketenaufstieg im Lift oder die Katapulte? Wir sind schließlich auf Inspektionstour, Lionel. Dazu gehört nun mal die direkte Inaugenscheinnahme, nicht wahr?«

»Mir hätte ein Positronikprotokoll gereicht, um zu wissen, dass die Dinger funktionieren.«

Bull grinste. »Ich bevorzuge die persönliche Erfahrung.«

Dahl seufzte übertrieben. »Leider«, konnte er sich nicht verkneifen hinzuzufügen. »Habe ich jetzt genug gelitten? Können wir diese grässliche Station endlich wieder verlassen?«

Der Kontrast zwischen ihnen beiden konnte kaum größer sein. Ihre Spiegelbilder, die ihnen an der nächsten Tür entgegenkamen, zeigten einen breitschultrigen Mann in der kobaltblauen Uniform eines Systemadmirals, der einen verwegenen Wikingerbart trug, daneben schlurfte der hoch aufgeschossene Dahl in seinem hellen zivilen Anzug. Er nutzte die Gelegenheit, seine Krawatte und die derangierte Frisur zu richten.

»Ihnen wäre vermutlich wohler, wenn Sie sich endlich diese blutabbindenden Kulturstricke abgewöhnen würden. Dann vergeht auch die grüne Gesichtsfarbe schneller, hab ich mir sagen lassen.«

»Haha«, machte Dahl nur. Er warf einen Blick auf sein Pad und deutete zur Seite. »Da lang, Chef. Immerhin sind wir im Zeitplan.«

Hinter der Panzertroplontür begann der eigentliche Hangar. Bull und Dahl durchschritten einen Gang, in dem sie, ohne dass sie etwas davon verspürten, auf jede erdenkliche Weise sicherheitsüberprüft wurden. Der Korridor mündete in einen hellen Aufenthaltsbereich, in dem mehrere Stationsangehörige offenbar auf eintreffende Raumschiffe und deren Besatzungen oder Passagiere warteten. Einige erkannten den Systemadmiral und winkten grüßend. Bull winkte zurück.

Automatische Durchsagen hallten durch den Raum.

Das Ganze erinnerte Bull an den unaufdringlich-aufgeregten Betrieb eines Flughafens der Vor-Arkonidenzeit. Tatsächlich war die zehnte Scheibe von Terrania Orbital als Transferhafen konzipiert, nicht lediglich als simpler Hangar. Denn Terrania Orbital war ursprünglich als erdnaher Knotenpunkt für den interstellaren Handel gedacht gewesen – ein Ziel, das bisher nur sehr unzureichend verwirklicht war. Gegenwärtig machten stattdessen vor allem Techniker und Bedienmannschaften hier halt, auf ihrem Weg zu und von den im Sonnensystem verteilten Außenstationen. Seit der vollständigen Evakuierung von Vulkan im April hatte auch diese Personenbeförderung erheblich nachgelassen. Nur die Pendelfähren zum Mond verkehrten weiterhin regelmäßig. Ein Hologramm zeigte zwei im Anflug; eine dritte Fähre war erst vor Kurzem gestartet.

Bull und Dahl besaßen VIP-Status. Sie passierten die letzte Barriere – die Innenschleuse – und strebten im Hangar auf die wartende Space-Disk zu. Dahl fuhr erschrocken zurück, als er das große, offen stehende Hangartor dahinter erspähte. Wohl erst dann begriff er: Prallfelder hielten die Luft im Innern und schützten zugleich vor möglicherweise einfallendem Weltraumschrott.

»Und weshalb noch mal«, fragte Dahl beim Hochklettern in die Kanzel, »nehmen wir die IKARUS und verzichten auf den weitaus höheren Komfort der TERRANIA?«

»Der Mars ist heutzutage nicht weit, Lionel«, antwortete Bull und ließ sich in den Pilotensitz sinken. »Außerdem ist die IKARUS funkelnagelneu und muss getestet werden. Da ich ohnehin mit meinen Piloten-Pflichtstunden im Rückstand bin, bietet sich das Verbinden des Jungfernflugs mit unserer Inspektionsmission geradezu an.«

»Sind wir wirklich die Ersten, die mit dieser Disk fliegen?«

»Die Ersten jedenfalls, die keine Werftoveralls tragen.«

»Heilige Mutter Gottes«, murmelte Dahl. Er berührte die Stelle, an der er, wie Bull schon früher bemerkt hatte, unter Krawatte und Hemd ein Silberkreuz trug.

»Na, kommen Sie, Lionel, das wird ganz sicher ein Riesenspaß.« Bull schmunzelte. »Ich bin immerhin ausgebildeter Testpilot, schon vergessen? Es kann nicht das Geringste passieren.«

Bull wusste, er war ein guter, sogar ausnehmend guter Pilot. Nicht ohne Grund hatte ihn die NASA seinerzeit als zweiten Astronauten der STARDUST-Mission ausgewählt und vor dreizehn Jahren zusammen mit Perry Rhodan zum Mond geschickt. Das war gefährlich gewesen. Mittlerweile, im Besitz der fortgeschrittenen Technik der Arkoniden und Liduuri, war das Steuern einer Space-Disk sowohl leichter als auch geradezu risikolos im Vergleich mit der bockenden, störrischen Rakete von damals.

Bull schaltete die IKARUS startbereit. Holos und Statusanzeigen in der transparenten Kuppelwand erwachten farbenprächtig zum Leben. Dahl schenkte ihnen keine Beachtung. Er verstaute sein Pad in einer Seitentasche des Sitzes.

»Anschnallen!«, verlangte Bull.

»Wieso das denn?«, begehrte Dahl auf. »Sagten Sie nicht eben, es kann nicht das Geringste passieren?«

»Der Teufel ist ein Eichhörnchen«, erwiderte Bull brummend. »Er achtet auf Details, und ich halte es ebenso. Safety first! Sicherheitsgurte haben ihren Namen daher, dass sie zusätzliche Sicherheit gewähren. Und ich nehme nun mal, was ich kriegen kann. Das mag übertrieben sein, aber solange Sie mit Spacebull fliegen, Mister Dahl, muss ich darauf bestehen. Keine Widerrede – anschnallen!«

Unverhohlen missmutig fügte sich sein Assistent ins Unvermeidliche. Bull wartete, bis er es vernehmlich klicken hörte. Erst dann schaltete er das Antigravkissen frei.

Die IKARUS schwebte nun. Mit minimalen Stößen der Steuerdüsen bugsierte er das Diskusschiff langsam aus dem Hangar heraus. Der schützende Prallschirm öffnete eine konturgenaue Strukturlücke. Im Schwebeflug passierten sie die Schott- und Schirmgrenze und befanden sich übergangslos im erdnahen freien Weltraum.

Bull wickelte den obligatorischen Funkverkehr mit der Zentrale von Terrania Orbital ab. Er erhielt die Anweisung, mehrere Hundert Meter im rechten Winkel zur Station zu driften, ehe er den Impulsantrieb aktivieren durfte. Bestätigung. Abschied. Abmarsch.

»Na dann: Auf zum Mars!«, verkündete Bull fröhlich. Als der Mindestsicherheitsabstand erreicht war, fuhr Bull die Impulstriebwerke hoch. Die Meiler meldeten Bereitschaft, die Stützmasseneinspritzung Grünwerte. Bull beschleunigte.

Im nächsten Moment zeigte sich, dass der Teufel beileibe kein Eichhörnchen war.

Sondern ein wutschnaubender Titan, der die IKARUS mit Füßen trat.

Ein mörderischer Knall fetzte durch die Pilotenkanzel. Alarm gellte auf, Geräusche, die Bull kaum noch zu hören imstande war, so sehr pfiff es in seinen Ohren. Die Erde, eben noch ein flaches Rund unter der Space-Disk, wirbelte über die Glassitkuppel. Verschwand wieder, erschien erneut. Schneller. Und schneller.

Die Tritte, die auf die Disk einhämmerten, pressten alle Luft aus Bulls Lungen. Schmerzhaft spürte er die gerade angelegten Sicherheitsgurte. Sie stauchten ihn zusammen, schnitten in seine Brust und Schultern.

»Warnung!«, quäkte eine unendlich weit entfernte künstliche Stimme. »Störung im Andruckabsorberfeld! – Warnung! Störung im Triebwerkssynchrontakt! Vollständiger Verlust der Justierung. Die derzeitigen Flugmanöver gefährden die Gesundheit der Besatzung!«

Was du nicht sagst!

Bulls Blick fixierte das Holo direkt vor ihm. Was er sah, wollte er nicht glauben. Angeblich fluteten Sekundenbruchteil-Schockwellen von mehreren Hundert Gravos die IKARUS. Die Erdscheibe umwirbelte nun rasend die Disk, fuhr auf und ab wie ein sturmgepeitschter Kinderdrachen.

Bull konnte nicht mehr tun, als hilflos zuzusehen. Er vermochte kaum den kleinen Finger zu rühren. Sein Kopf wurde mehrmals herumgeschleudert und dann für einige Augenblicke fest gegen die Lehne gepresst. Lionel Dahl geriet in sein Blickfeld. Bulls Assistent hing besinnungslos in seinem Sitz. Ein dünner Blutfaden rann ihm aus den Ohr, fächerte zu einem Netz auf. Neuerliches Knallen ertönte, in das sich Metallkreischen mischte.

Die IKARUS stöhnte.

Die Disk muss wie verrückt rotieren!, dachte Bull. Ich muss die Impulstriebwerke abstellen, sonst ...

Er verlor den Gedanken, als eine schnelle Folge von donnernden Huftritten seine Brust trafen. Jeder Schlag schien aus einer anderen Richtung zu kommen. Der unsichtbare Boxer kannte kein Erbarmen ...

»Warnung!«, hörte er die Bordpositronik plötzlich wieder. »Der Abstand zur Atmosphäre verringert sich bedenklich. Empfehle manuellen Kurswechsel. Automatische Prozeduren greifen nicht!«

»Schalt ... den Schutzschirm ... ein!«, brachte Bull mühsam heraus.

»Negativ. Schutzschirmprojektoren außer Funktion. Empfehle weiterhin manuellen Kurswechsel. Automatische Prozeduren greifen nicht!«

»Abstand ... Terrania Orbital?«

»Achtundvierzig Kilometer«, verstand er trotz des metallischen Kreischens, mit dem die Schiffsverstrebungen protestierten.

Immerhin etwas. »Notabschaltung Impuls! Sofort!«

»Negativ. Automatische Prozeduren greifen nicht!«

Scheiße!

Mit unendlicher Mühe zog er sich an der Armlehne vor, hielt sich an der Konsole des Piloten fest. Die Holos darüber standen befehlsbereit, ihnen vermochten die quer einschießenden Gravitationsveränderungen nichts anzuhaben. Bull konzentrierte sich, legte alle Anspannung in die nächste von ihm beabsichtigte Bewegung hinein, führte sie in Gedanken mehrfach aus, ehe er eine sekundenlange Lücke im Stakkato der widerstrebenden Kräfte nutzte. Seine Hand fuhr hinauf, traf den Holoauslöser der Notabschaltung.

Das Donnern, Knallen, Krachen der misshandelten Triebwerke erstarb. Das flirrende Umhertanzen des Erdenrunds blieb.

Die Space-Disk torkelte – wirbelte – weiter.

Die plötzliche Stille klingelte in seinen Ohren.

Der zuletzt erhaltene Bewegungsimpuls wies grob Richtung Erde. Nicht frontal, aber dennoch in einem viel zu steilen Winkel, erkannte Bull. Längst war Terrania Orbital außer Sichtweite.

Er hob die Hand – endlich ohne Gegendruck – und aktivierte im entsprechenden Holo den Prallschirm.

Jedenfalls hätte der Schirm sich aktivieren sollen.

Nichts geschah. Nur die Positronik meldete sich: »Ich wiederhole: Schutzschirmprojektoren außer Funktion.«

»Status Korrekturdüsen?«

»Unbeeinträchtigt.«

In der Not frisst der Teufel Fliegen!

Im nächsten Moment lachte er voller Galgenhumor auf. Er dachte an das Eichhörnchen. Meine Metaphern sind wirklich das Letzte!

Er zog das Holo der Manöverdüsensteuerung zu sich heran.

Was Reginald Bull in der nächsten Viertelstunde tat, hatte er in seiner Anfangszeit als Astronaut in zahllosen Simulationen wieder und wieder geübt: eine rasende, chaotische Dreiachsenbewegung nur mit den Korrekturdüsen aufzuheben, erforderte Feingefühl und räumliches Vorstellungsvermögen zugleich. Es war möglich – aber alles andere als einfach.

Ungeachtet allem, was man über die gute, alte NASA sagen mochte – ihr Training machte sich ein weiteres Mal bezahlt. Mit minimalen Schubstößen bekam er die Torkelbewegungen der Disk allmählich in den Griff.

Erst als die IKARUS wie ein übergroßer, flacher Kieselstein auf der Erdatmosphäre dahinhüpfte, wagte Bull ein vorsichtiges Aufatmen. Er drehte sich zu Dahl um, der sich nach wie vor nicht rührte. Halt durch, Junge!

»Nächster Schritt«, murmelte Bull im Selbstgespräch, bevor er laut weitersprach: »Positronik! Funkkontakt mit Port Hope!«

Der Bordrechner bestätigte.

»Port Hope, hier ist die Space-Disk IKARUS, Systemadmiral Bull spricht. Wir haben einen vollständigen Triebwerksausfall. Impuls, Antigrav, alles. Schutzschirme sind ebenfalls außer Kraft. Wir kommen auf die gute, alte Space-Shuttle-Weise runter. Sehr wahrscheinlich sehen Sie uns lodern wie eine Fackel. Ich leite jetzt den Sinkflug ein, kann aber nur minimal den Kurs beeinflussen. Schicken Sie uns ein Schiff entgegen, das uns per Traktorstrahl einfängt. Erbitte anschließendes außerplanmäßiges Absetzen in Port Hope. Halten Sie Medokräfte bereit. Bull Ende.«

Als Zentrum eines züngelnden und nachwehenden Feuerballs steuerte Bull die IKARUS behutsam in die tieferen Schichten der Atmosphäre – im Sichtflug, was bedeutete: nahezu blind. Im Stillen dankte er den überragenden Eigenschaften des Praecellostahls, dessen Schmelzpunkt weit oberhalb dem von Keramik lag. Die untere Außenhülle der Space-Disk bildete somit ihren eigenen Hitzeschild.

Das Kunststück bestand indes darin, den idealen Eintauchwinkel möglichst zu halten und weder nach oben abzuprallen noch nach unten auszuscheren. Denn trotz seines hohen Temperaturwiderstands war auch Praecellostahl nicht unverwüstlich. Bull musste sein gesamtes Können aufbieten, um zu verhindern, dass die Disk in der Atmosphäre verglühte.

Am Ende war er schweißgebadet. Die Luft im Raumboot stank nach verschmorter Isolierung und kochte schier, als Bull in 10.000 Metern Höhe den Winkel allmählich abflachen konnte.

Irgendwo über Zentralasien fand das Rendezvous statt. Die MONKEY, ein Schwerer Kreuzer, war vom Raumhafen aufgestiegen und fing die IKARUS ein. Der Rest war Routine.

Wenig später setzte sie der Traktorstrahl des Kugelschiffs auf dem Raumhafengelände unweit der Port-Hope-Klinik ab. Ein Notrettungsteam enterte die Space-Disk, assistiert von Sicherheitskräften. Sie schnitten die beiden Insassen von den Sitzen – die Magnethalterungen der Gurte ließen sich nicht mehr desaktivieren.

Ein Rettungs-Quadrocopter brachte Bull und den weiterhin besinnungslosen Dahl in den Notaufnahmetrakt der Klinik.

Eine sofortige Schädel-Computertomografie erbrachte bei beiden Männern Entwarnung. Es war trotz der wellenartigen Gravitationsattacken zu keinen geplatzten Adern in ihren Gehirnen gekommen.

Bull als erfahrener Raumfahrer war den Umgang mit derlei Extremsituationen gewohnt; er würde allenfalls ein paar blaue Flecken und Striemen über Schultern und Brust zurückbehalten.

Dahl hingegen war kein Raumfahrer.

Der behandelnde Militärarzt hielt nichts von behutsamen Mitteilungen. »Sie werden vermutlich Ihren Gott verfluchen«, sagte er, kaum dass Dahl aus der Bewusstlosigkeit erwacht war. Er reichte Dahl die Silberkette mit dem Kreuz zurück. »Jeder Knochen wird Ihnen im Leib wehtun, das kann ich Ihnen versprechen. Die Sehstörungen werden aber nur vorübergehend sein, und an die geplatzten Äderchen im Augapfel müssen Sie sich eben gewöhnen. Danken Sie indes nicht mir, auch nicht Ihrem Gott, falls Sie einen haben, sondern Ihrem Piloten. Der hat Ihren Allerwertesten gerettet.«

»Danke, Chef«, sagte Dahl artig. Zur Abwechslung war er nicht mehr grün, sondern weiß im Gesicht. Immerhin konnte er schon wieder Faxen machen, das war nach Bulls Ansicht der Beginn jeder Genesung.

»Können wir die Klinik verlassen?«, erkundigte sich Bull mit einem Seitenblick auf Dahl.

»Spricht nichts dagegen«, sagte der Arzt. »Aber meiden Sie in den nächsten Tagen Aufregungen und vor allem körperliche Anstrengungen.«

Dahl kicherte fast hysterisch. »Sie wissen schon, mit wem Sie da reden, ja? Ein Tag an der Seite dieses Manns lässt einen um Jahre altern, Doc. Sehen Sie mich an, ich bin erst fünf. Dabei will ich die Attentatsversuche, die man in letzter Zeit auf ihn unternimmt, gar nicht mit anführen. Ich beschränke mich allein auf seine Flugkünste. Oder wie er im fünfzigsten Stock in einen Quadrocopter einzusteigen pflegt – man muss es sehen, um es zu glauben.«

Sie reichten dem plötzlich verwirrt dreinblickenden Arzt die Hand und verabschiedeten sich.

»Und genau aus diesen Gründen«, sagte eine weibliche Stimme hinter ihnen, »bin ich hier!«

Sie fuhren überrascht herum.

Vor ihnen stand eine etwa 25-jährige Frau, gekleidet in modisches und edles Zivil. Diese glänzenden Ensembles hießen Pluderhosenanzüge. Sie waren derzeit der letzte Schrei. In Bulls Augen nahmen sie Frauen viel von ihrer natürlichen Körperlichkeit, wenigstens an den Beinen. Aber was verstand er schon von Mode.

Die Frau hatte ihre Kleidung eine zur Farbe ihrer Augen passende Kolorierung annehmen lassen, denn selbstverständlich waren die neuen, sündhaft teuren Top-Designerstoffe allesamt chaméleonesque – ein neuer Begriff, der auf die Fähigkeiten eines Chamäleons anspielte. Ihre Augen schimmerten dunkelblau und waren ausdrucksstark geschminkt. Unter einer hochgesteckten, verspielten Frisur aus mehrfarbigen Haarsträhnen, in denen rote und goldene Töne vorherrschten, blickte sie die Männer selbstbewusst an.

»Special Agent Autum Legacy, GHOST«, stellte sie sich vor. »Von Megan Lynford auf Wunsch des Interimsadministrators zu Ihrem persönlichen Schutz abkommandiert, Sir.«

»Darf ich fragen, weshalb?«, erkundigte sich Bull ungehalten. Er hasste es, wenn andere über seinen Kopf hinweg entschieden. Vermutlich mehr, als Dahl die Katapultschleudern von Terrania Orbital hasste.

»Das mit der IKARUS war kein technisches Versagen«, erklärte sie. »Zufällig maßen GHOST-Satelliten, die sich zu diesem Zeitpunkt gerade in der Nähe von Terrania Orbital befanden, einen fein gebündelten und gerichteten Hyperstrahl an. Er traf Ihre Disk unmittelbar nach dem Einschalten der Triebwerke. Der Strahl entsprach in seinen Parametern denen von modifizierten Richtfunkgeräten, wie sie zum Beispiel Celista-Agenten einsetzen. Wer immer ihn abschickte und was auch immer damit auslöste, wollte, dass die IKARUS versagte. Jemand wusste exakt, wann Ihre Ausschleusung stattfand.«

»Sie wollen damit sagen ...?«, fragte Dahl argwöhnisch.

1.

Terrania, Stardust Tower, 1. Juni 2049

Ersuchen

»Gut«, sagte Interimsadministrator Maui John Ngata. Sein Charisma erfüllte den Raum wie ein schweres Aftershave. Er sprach per Holokom mit der Chefin von GHOST, der General Human Organization of Security and Trust, dem Geheimdienst der Terranischen Union. Dabei ließ er seinen Gast kaum aus den Augen, nickte ihm immer wieder zu, während er Megan Lynford instruierte. Der Regierungschef benutzte kein akustisches Absperrfeld. Fraglos wollte er, dass sein Gast jedes Wort des Gesprächs mitbekam.

Julian Tifflor fragte sich, was Ngata wohl damit bezweckte. Wollte er ihn beeindrucken? Es gab keinen Grund dafür. Wollte er seine Souveränität herausstellen, nach dem Motto »In meinem eigenen Haus bin ich König, und hier kann mir niemand etwas?« Vielleicht.

Unsinn, korrigierte sich Julian in Gedanken. Er will mir damit andeuten, wie ungefährlich – oder unwichtig – ich in seinen Augen bin.

Betont gelassen sah er sich in Ngatas weitläufigem Dienstzimmer um, das sich im 50. Stock des Stardust Towers befand. Die Einrichtung – dunkelgrau mit etwas helleren Schieferflächen – war edel, um nicht zu sagen teuer, aber sachlich und zweckdienlich. Seit dem ersten Attentat auf Reginald Bull, das in genau diesen Räumen stattgefunden hatte, in denen damals noch Seth Ripling residiert hatte, waren die Amtszimmer des Administrators renoviert und nach allen Regeln der Kunst sicherheitsoptimiert worden. Das wusste Julian aus der PR-Berichterstattung. Angeblich verbargen sich nun vier Kampfroboter in getarnten Wandnischen.

»Schön«, kam Ngata zum Schluss. »Ich verlasse mich auf Sie, Megan. Halten Sie mich auf dem Laufenden. Und noch mal: Es ist mir egal, ob er dagegen protestiert. Bis später.« Ngata beendete die Verbindung per Blickschaltung.

Ngata lehnte sich in seinem Ledersitz zurück. »Entschuldigen Sie, Julian. Manche Dinge dulden keinen Aufschub. Aber jetzt bin ich ganz bei Ihnen.«

»Wie geht es Reg?«

»Der Systemadmiral hat Schlimmeres verhindern können. Er lebt. Anscheinend haben es beide Space-Disk-Insassen ohne schwerere Verletzungen überstanden. Den Rest erfahren Sie aus den Nachrichten. Sie haben meine diesbezügliche Anweisung an Miss Lynford gehört. Ab jetzt wird Bull rundum von einem GHOST-Agenten bewacht werden.« Ngata blickte demonstrativ auf die Uhr. »Aber das ist nicht der eigentliche Grund Ihres Besuchs, nicht wahr, Julian? Sie wollten mich sprechen. Ich bin hier. Sie auch. Ich gab Ihnen genau fünfzehn Minuten. Sie verrinnen ab jetzt. Also sprechen Sie.«

Julian lächelte sein charmantestes Jungenlächeln.

Er wusste genau, dass der Interimsadministrator seiner Bitte um ein Gespräch nur wegen des hohen Ansehens von Julian Vaters nachgekommen war. William Tifflor, der weltweit bekannte Rechtsanwalt, galt in der politischen Szene der Hauptstadt mehr als ein ehemaliger Widerstandskämpfer von Free Earth. Ngata war dafür bekannt, dass er den damaligen Gewaltaktionen und damit den Personen, die sich daran beteiligt hatten, äußerst kritisch gegenüberstand.

»Der Mohr hat seine Schuldigkeit getan, der Mohr kann gehen«, dachte Julian. So war es schon 2038 gewesen. So ist es heute immer noch, und so wird es vermutlich auch morgen sein. Manche Dinge ändern sich nie.

Zum Major der Raumflotte hatten sie ihn befördert. Schön, mit 23 war das ganz nett, aber mal im Ernst – welcher Dreiundzwanzigjährige wollte schon Dienst- und Disziplinarverantwortung für Hunderte von Soldaten tragen, damals, nachdem die Erde befreit, die Arkoniden abgezogen und allen nur nach Feiern zumute war?

Er jedenfalls nicht.

Kurz und gut: Er hatte genug gesehen. Hatte genug Gewalt erlebt in seinem kurzen Leben. Hatte schlicht die Nase voll gehabt von Gefahr und Tod, von Bedrohung, Drill und allen möglichen Geheimnissen.

Er hatte keine militärische Karriere gebraucht, sondern Freiheit. Keine Orden an der Brust, sondern den Wind in den Haaren. Kein Haus mit Vorgarten und Swimmingpool, sondern das sonore Brummen seiner Harley. Das und die ungestörte Lust daran, die Erde, die er mit seinem Leben monatelang verteidigt hatte, endlich in allen ihren Winkeln kennenzulernen.

Alles, was er brauchte, waren ein Motorrad, ein bisschen Geld für Energie und Sprit unterwegs und die völlige Freiheit, zu ziehen, wohin immer es ihm gerade beliebte. Nach einem Monat als Major hatte er die Terranische Flotte verlassen. Hatte seine Siebensachen in einen Rucksack geworfen und war einfach davongebraust.

Wie es sich gezeigt hatte, war dieser Entschluss nicht gerade das, was sich Mildred Orsons erträumt hatte für die große Zeit nach dem Sieg über die Besatzer. Ihre Beziehung, die einerseits innig, andererseits latent schwierig war, zerfiel in immer seltenere Treffen. Je länger Julians Haare wuchsen, desto weniger sahen sie einander. Nach zwei Jahren war endgültig Schluss gewesen.

Leider? Gott sei Dank? Ein bisschen was von beidem. Seit neun langen Jahren hatten sie sich nicht mehr gesehen ...

»Wenn Ihr Vater zurückkehrt, richten Sie ihm bitte meine besten Grüße aus«, drang Ngatas Stimme plötzlich in seine Gedanken. »Also bitte, ich höre.«

Julian fand schlagartig zurück in die Gegenwart. »Mich führt eine gewisse Sorge zu Ihnen, Mister Interimsadministrator«, begann er. »Ich bin kein Fachmann, aber ich hatte Gelegenheit, mich in letzter Zeit mit Fachleuten intensiv auszutauschen. Ich bin dabei zu dem Schluss gelangt, dass die drei paradoxen Phänomene der letzten Zeit in einem ursächlichen Zusammenhang stehen.«

Ngata hob die Brauen. »Paradoxe Phänomene?«

»Zuerst die erhöhte Sonnenaktivität«, zählte Julian auf. »Dann das Auftreten des Taalstaubs und fast zeitgleich das Durchdrehen der Halatonintelligenz auf Vulkan.«

»Sie sind gut informiert. Aber das eine hat mit dem anderen nicht das Geringste zu tun.«

Julian nickte. »Ja. Es scheinen voneinander getrennte Ereignisse zu sein. Und doch lässt sich meiner Hypothese nach ein Zusammenhang herleiten. Ich bin hier, weil ich diesen Zusammenhang beweisen will. Darum ersuche ich Sie um Ihre Unterstützung.«

»Bei Gelegenheit interessiert mich mal, woher Sie das alles wissen wollen.«

»Aus gut unterrichteten Kreisen. Da wäre Doktor Vennegutt zu nennen, der Ordinarius der Astrophysikalischen Fakultät hier in Terrania. Dann hatte ich Kontakt mit einem Spezialisten, Pablo Ramirez von SPEC.«

»Schön. Geben Sie mir etwas mehr Details.«

»Sie erinnern sich an den Sonnensturm, im März, als die ersten Maahkschiffe aus dem Jupitertransmitter kamen? Seitdem erhalten wir immer häufiger Warnungen vor Eruptionen, und zudem sind diese stärker als in den Jahren zuvor. Die letzte Warnung kam am fünften Mai, am selben Tag, als Ihr Amtsvorgänger starb. Der dann ausbrechende Sonnenorkan – am neunten Mai – war der verheerendste seiner Art, nicht wahr? Die Sonne gebärdet sich dieser Tage ungnädig wie nie zuvor, ein Effekt, der die Raumfahrt im Sonnensystem für volle acht Tage – bis zum siebzehnten Mai – zum Erliegen brachte. Dazu fielen etliche Satelliten älterer Bauart aus, was auf der Erde immer noch für einiges Chaos sorgt. Ich weiß, es gibt viele Hypothesen für die Ursache, aber keine kann man verifizieren.«

»Und Sie behaupten, Sie können das?«

»Nein. Aber ich behaupte, dass es dringend nötig ist, direkt vor Ort nachzusehen, was da nicht stimmt. Meines Wissens wurde bisher keine Expedition zur Sonne geschickt.«

»In der Tat. Und das aus gutem Grund. So ein Unterfangen wäre nur mit einem Schlachtkreuzer, eher noch mit einem Schlachtschiff zu realisieren. Deren Anzahl aber ist begrenzt. Und keines unserer Schiffe ist dieser Tage, angesichts der potenziellen Maahkbedrohung, außerhalb der Systemsicherung abkömmlich. Ich muss Sie außerdem nicht eigens darauf hinweisen, dass ein Flug zur oder in die Sonne alles andere als ein Spaziergang ist? Arkoniden- oder Liduuritechnik hin oder her, das Risiko ist unakzeptabel hoch. Sie könnten selbst mit dem Schiff verlorengehen – und die Erde würde bei einem Verlust eine nicht hinzunehmende Lücke in ihrer Verteidigungskraft erleiden. Das kann und will ich nicht befehlen.«

»Dann haben Sie vor, die Sonneneskapaden einfach so hinzunehmen?«, fragte Julian ungläubig.

»Wir können nicht das Geringste dagegen tun«, stellte Ngata kategorisch fest. »Abgesehen davon hat es auch in der Vergangenheit immer wieder Sonnenextreme gegeben. Denken Sie nur an die Zunahme der Aktivitäten in den Jahren 2015/16. Zum Jahreswechsel waren die einfallenden Sonnenwinde seinerzeit so stark, dass man sogar in Deutschland Polarlichtsichtungen verzeichnete. Dann schwächte es sich in den Folgejahren wieder ab. Das Ganze ist ein zyklisches, aber eben auch ein natürliches Phänomen. Ärgerlich, aber ebenso unabänderlich.«

»Und genau hier liegt meines Erachtens der Irrtum«, ließ sich Julian nicht beirren. »SPEC berichtete, dass seit dem ersten Aktivieren des Transmitters im Großen Roten Fleck, die Staubkonzentrationen im gesamten System signifikant zugenommen haben – und zwar massiert ausgerechnet dort, wo sich Stationen oder Gerätschaften von der Erde befinden. Die Sky Eyes sind im Mai schon zu 50 Prozent erblindet gewesen. Inzwischen gehen SPEC-Spezialisten von über 80 Prozent aus. Tendenz steigend.«