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Es ist der Start in das größte Science-Fiction-Epos der Welt: Der amerikanische Astronaut Perry Rhodan fliegt mit drei Kameraden zum Mond - dort trifft er auf das Volk der Arkoniden. Rhodan erkennt seine einzigartige Chance und verhindert mithilfe der Außerirdischen den drohenden Atomkrieg. Mit seinen Gefährten gründet er die Dritte Macht und beginnt, die zerstrittene Menschheit zu vereinigen. Sie wehren Angreifer von fremden Welten ab, dann stoßen sie in die nähere kosmische Umgebung vor: Im Wega-System werden die Menschen in einen interstellaren Krieg verwickelt und kommen einem uralten Rätsel auf die Spur. Perry Rhodan erreicht den Planeten Wanderer, wo er auf das Geisteswesen ES trifft - er und seine engsten Gefährten erhalten das Geschenk der Unsterblichkeit.
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Seitenzahl: 6703
Veröffentlichungsjahr: 2011
Cover
Nr. 1 – Unternehmen »Stardust«
Vorspann
Die Hauptpersonen des Romans
1. Kapitel
2. Kapitel
3. Kapitel
4. Kapitel
5. Kapitel
6. Kapitel
7. Kapitel
8. Kapitel
9. Kapitel
10. Kapitel
Nr. 2 – Die dritte Macht
Vorspann
Die Hauptpersonen des Romans
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Nr. 3 – Die strahlende Kuppel
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Die Hauptpersonen des Romans
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Nr. 4 – Götterdämmerung
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Die Hauptpersonen des Romans
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Nr. 5 – Atom-Alarm
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Die Hauptpersonen des Romans
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Nr. 6 – Das Mutanten-Korps
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Die Hauptpersonen des Romans
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Nr. 7 – Invasion aus dem All
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Die Hauptpersonen des Romans
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Nr. 8 – Die Venusbasis
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Die Hauptpersonen des Romans
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Nr. 9 – Hilfe für die Erde
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Die Hauptpersonen des Romans
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Nr. 10 – Raumschlacht im Wega-Sektor
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Die Hauptpersonen des Romans
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Nr. 11 – Mutanten im Einsatz
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Die Hauptpersonen des Romans
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Nr. 12 – Das Geheimnis der Zeitgruft
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Die Hauptpersonen des Romans
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Nr. 13 – Die Festung der sechs Monde
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Die Hauptpersonen des Romans
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Nr. 14 – Das galaktische Rätsel
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Nr. 15 – Die Spur durch Zeit und Raum
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Nr. 16 – Die Geister von Gol
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Nr. 17 – Planet der sterbenden Sonne
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Nr. 18 – Die Rebellen von Tuglan
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Nr. 19 – Der Unsterbliche
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Nr. 20 – Venus in Gefahr
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Nr. 21 – Der Atomkrieg findet nicht statt
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Nr. 22 – Thoras Flucht
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Nr. 23 – Geheimschaltung X
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Nr. 24 – Im Dschungel der Urwelt
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Nr. 25 – Der Overhead
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Nr. 26 – Duell der Mutanten
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Nr. 27 – Im Banne des Hypno
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Nr. 28 – Der kosmische Lockvogel
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Nr. 29 – Die Flotte der Springer
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Nr. 30 – Tifflor, der Partisan
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Nr. 31 – Der Kaiser von New York
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Nr. 32 – Ausflug in die Unendlichkeit
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Nr. 33 – Eiswelt in Flammen
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Nr. 34 – Levtan, der Verräter
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Nr. 35 – Im Land der Götter
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Nr. 36 – Die Seuche des Vergessens
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Nr. 37 – Ein Planet spielt verrückt
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Nr. 38 – Vorstoß nach Arkon
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Nr. 39 – Die Welt der drei Planeten
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Nr. 40 – Aktion gegen Unbekannt
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Nr. 41 – Der Partner des Giganten
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Nr. 42 – Raumschiff TITAN funkt SOS
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Nr. 43 – Rauschgifthändler der Galaxis
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Nr. 44 – Der Mensch und das Monster
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Nr. 45 – Seuchenherd Aralon
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Nr. 46 – Geschäfte mit Arkon-Stahl
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Nr. 47 – Gom antwortet nicht
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Nr. 48 – Rotes Auge Beteigeuze
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Nr. 49 – Die Erde stirbt
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Die Hauptpersonen des Romans
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Leseprobe PR 2700 - Andreas Eschbach – Der Technomond
Vorwort
Prolog
1.
2.
3.
Gespannt darauf, wie es weitergeht?
Die Welt des Perry Rhodan
Vorwort
Die Welt des Perry Rhodan
Ein kleines Who's Who des Perry Rhodan-Universums
Häufig gestellte Fragen
Neu im PR-Universum?
Die PR-Produktpalette
Impressum
Impressum
Nr. 1
Unternehmen »Stardust«
Sie kamen aus den Tiefen der Galaxis – nie hatte man mit ihnen gerechnet ...
von K. H. SCHEER
LIEBER LESER!
Mit dem vorliegenden Titel »Unternehmen Stardust« halten Sie den ersten Band der Perry Rhodan-Serie, eines großen Roman-Zyklus', in der Hand. In spannenden, jeweils in sich abgeschlossenen Abenteuern wird darin über den Aufstieg der Menschheit zum galaktischen Machtfaktor Nr. 1 berichtet.
Perry Rhodan ist eine Vision – die unter großen Schwierigkeiten erfolgende Ausdehnung der Menschheit in die unfasslichen Weiten der Galaxis.
Das, was bisher auf der Erde geschah, ist in den historischen Werken nachzulesen. Die Geschichte unserer neuen Roman-Serie Perry Rhodan aber beginnt in der Gegenwart und setzt sich fort bis in immer fernere Zukunft.
Perry Rhodan, der Erbe einer galaktischen Großmacht, ist Forscher, Raumpilot und fanatischer Verfechter des Gedankens an eine vereinte und starke Erde. Mit ihm beschreitet die Menschheit einen Weg, dessen Ende nicht abzusehen ist. Er führt hinein in die vor uns liegenden Jahrtausende und über Abgründe hinweg zu Sternenreichen, die seit Millionen von Jahren auf uns warten. Er führt in eine Zeit, in der die Nachkommen der Menschen von der Erde nur noch wie von einem Mythos reden und ein vereinsamter Planet um eine längst erloschene Sonne kreist, die einst Mittelpunkt des Universums war.
Die Perry Rhodan-Serie konnte nur in Gemeinschaftsarbeit geschaffen werden, wir schrieben sie daher zusammen mit namhaften anderen deutschen SF-Autoren. Sie aber, als Leser von Perry Rhodan, werden das große Abenteuer der Zukunft miterleben können, und wir wünschen, dass Sie uns auf unserer weiteren Reise in das Universum ein treuer Begleiter sein werden.
CLARK DARLTON K. H. SCHEER
Major Perry Rhodan – Kommandant der STARDUST und Erbe des Universums.
Captain Reginald Bull – Elektronik-Ingenieur der STARDUST.
Captain Clark G. Flipper – Astronom der STARDUST.
Dr. Eric Manoli – Schiffsarzt der STARDUST.
General Lesly Pounder – Chef des US-Raumforschungs-Kommandos.
Dr. Fleeps – Chefmediziner der US-Space-Force.
Allan D. Mercant – Chef der internationalen Abwehr.
Crest – der wissenschaftliche Führer der Expedition einer fremden Rasse.
Thora – die Kommandantin des Arkonidenschiffes.
Professor Lehmann
Im Zentrale-Hauptbunker der Nevada-Fields, dem elektronischen »Nervensystem« des Raumhafens, herrschte die sinnlos erscheinende Emsigkeit der allerletzten Startvorbereitungen. Sämtliche Handgriffe, Durchsagen und Detailberechnungen galten einzig und allein dem Zweck, die längst festliegenden Endresultate nochmals zu kontrollieren.
Die Männer des für die Schiffselektronik verantwortlichen Ingenieurteams überprüften die zahllosen Schaltungen innerhalb des Astro-Elektronischen-Rechengehirns, dessen Aufgabe lediglich in eventuell erforderlichen Kurskorrekturen bestand.
Automat »B«, Spezialrobot für Start, Stufentrennungs-Kontrolle und Fernlenkung wurden ebenfalls durchgesehen.
E-Gehirn »C«, Robotkoordinator für alle eingehenden Radarechos, gleichzeitig Kommandostation für die ferngelenkten Spezialkameras der Infrarot-Ortung, funktionierte so einwandfrei, wie man es auch erwarten konnte. Die letzten Kontrollberechnungen nach festliegenden Schablonen-Aufgaben stimmten bis zur zehnten Dezimalstelle.
Die drei Hauptautomaten, allgemeingültig bezeichnet mit dem Ausdruck »Start- und Fernlenkelektronik«, wurden vom verantwortlichen Chefingenieur klargemeldet.
Es geschahen all die Dinge, die bereits bei tausend vorangegangenen Starts mit hochspezialisierter Routine erledigt worden waren. Nur eine winzige Nuance im Grade der vorherrschenden Nervosität hätte dem erfahrenen Beobachter verraten, dass es sich diesmal nicht um einen »normalen« Raketenstart handelte.
Die schwerbewaffneten Soldaten am nördlichen Eingang des Zentrale-Hauptbunkers salutierten nachlässig. Dreisterne-General L. Pounder, Befehlshaber des Nevada-Space-Port und Chef des Raumforschungs-Kommandos, legte in solchen Augenblicken keinen großen Wert auf exakte Ehrenbezeugungen. Ihm genügte es völlig, seine Männer mit wachen Sinnen auf dem Posten zu wissen.
Punkt null Uhr 15, genau nach Plan, betrat Pounder die Hauptschaltstation des Bunkers. In seiner Begleitung befanden sich der Chef des Stabes, Oberst Maurice, sowie der wissenschaftliche Leiter des Projektes, Professor Dr. F. Lehmann. Lehmann war in erster Linie als Direktor der seit 1968 bestehenden »California Academy of Spaceflight« bekannt geworden.
Die sinnverwirrende Geschäftigkeit innerhalb der Hauptzentrale erlitt durch den Eintritt der leitenden Persönlichkeiten keine Unterbrechung. Der General war eben da, das war alles!
Lesly Pounder, quadratisch von Gestalt und Charakter, für das kompromisslose Durchsetzen seiner Forderungen bei den Mitarbeitern berühmt, im Kapitol zu Washington berüchtigt, schritt auf den großen Kontroll-Bildschirm zu.
Was im Pressebunker noch nicht klar erkennbar war, gleißte hier in vollster Größe auf dem gewölbten Glas der Röhre.
Pounder stützte sich mit beiden Händen auf die Lehne des schwenkbaren Sessels. Einige Augenblicke verharrte er in regloser Haltung. Professor Lehmann griff mit einer nervösen Geste an die randlose Brille. In ihm brannte es. Seiner Meinung nach gab es nun andere Dinge zu tun, als in Begleitung des allmächtigen Chefs längst kontrollierte Nebensächlichkeiten nochmals zu inspizieren. Er bedachte den Chef des Stabes mit einem beschwörenden Blick.
Oberst Maurice hob unmerklich die Schultern. Abwarten, hieß es. Pounder hatte offenbar noch einige Fragen auf dem Herzen, obwohl er besser informiert war als mancher Teamwissenschaftler.
»Schön, atemberaubend schön und gewaltig«, sagte Pounder verhalten. Noch immer schaute er auf den großen Bildschirm.
»Etwas in mir fragt hartnäckig, ob wir nicht doch zu weit gehen. Die Fachleute der Raumfahrtbehörde halten es jetzt noch für Wahnsinn, den Start von der Erde aus zu riskieren. Wir haben nicht nur den Luftwiderstand zu überwinden! Wir haben auch noch zusätzlich jene Geschwindigkeit zu erreichen, die sich bei einem Abflug von der Raumstation von selbst geschenkt hätte. Das sind genau 7,08 Kilometer pro Sekunde oder 25.400 km pro Stunde.«
»Die Bahngeschwindigkeit der bemannten Raumstation, Sir«, murmelte Professor Lehmann hastig. »Sie ist in unserem Falle nicht ausschlaggebend. Ich gebe nochmals die ungeheuren Schwierigkeiten zu bedenken, die sich beim Zusammenbau vorgefertigter Einzelteile im freien, schwerelosen Raum ergeben. Wir haben trübe Erfahrungen gesammelt. Es ist wesentlich einfacher, ein Raumschiff in erdgebundenen Werften herzustellen, als 1730 Kilometer über der Erdoberfläche. Die eingesparten Kosten beziffern sich pro Einheit auf mehr als 350 Millionen Dollar.«
»Damit haben Sie in Washington gewaltigen Eindruck gemacht«, spöttelte der General. »Nun schön, jetzt lässt sich nichts mehr ändern. Wollen wir hoffen, dass die glänzenden Ergebnisse der Versuchsflüge den heutigen Einsatz rechtfertigen. Professor – an Bord dieses Schiffes werden meine vier besten Leute sein! Wenn etwas schiefgeht, dann hören Sie von mir.«
Lehmann verfärbte sich unter dem eisigen Blick.
Oberst Maurice, der kluge Taktiker, ewig herumgeworfener Spielball zwischen den Fronten der wissenschaftlichen Forderungen und des militärischen Interesses, lenkte in gekonnter Art ein.
»Sir, ich darf an die Pressekonferenz erinnern. Die Elite unserer Berichterstatter dürfte auf heißen Kohlen sitzen. Ich habe noch keine näheren Informationen durchgeben lassen.«
Pounder wurde unvermittelt zur bissigen Bulldogge.
»Muss das unbedingt sein, Maurice?«, grollte er. »Ich habe jetzt andere Sorgen.«
»Ich würde dazu raten, Sir«, wich der Oberst geschmeidig aus.
Der Astromediziner Dr. Fleeps hüstelte krampfhaft unter der vor den Mund gehaltenen Hand. Fleeps war verantwortlich für raummedizinische Fragen, desgleichen für den tadellosen Gesundheitszustand der so genannten »Risiko-Piloten.«
Pounder schmunzelte plötzlich.
»Also gut, dann wollen wir einmal. Aber über Bildsprechverbindung.«
Maurice fiel von einer Bestürzung in die andere. Die umstehenden Techniker grinsten unterdrückt. Das war wieder einmal typisch für den Alten.
»Sir, um Himmels willen, die Leute erwarten Ihr persönliches Erscheinen. Das hatte ich zugesichert.«
»Dann sichern Sie es zurück«, meinte Pounder unbeeindruckt.
»Welches Gerät kann ich nehmen? Melden Sie mich an, Maurice!«
»Sir, sie werden uns in den Leitartikeln durch den Fleischwolf drehen«, flehte der Chef des Stabes. »Das wissen Sie.«
»Ich lasse die Burschen so lange einsperren, bis sie sich wieder beruhigt haben. Das werden wir ja sehen. Schalten Sie ein.«
Im kahlen Beobachtungsbunker erwachten die Lautsprecher zum Leben. Auf einem Bildschirm erschien Pounders Kopf. Mit seinem süßlichsten Lächeln wünschte er einen »recht schönen guten Morgen«, da es bekanntlich schon nach null Uhr Ortszeit sei. Anschließend wurde der General dienstlich. Die verbissenen Gesichter der Berichterstatter übersah er.
Kurz und bündig, so, als erklärte er die Grundlagen zur Herstellung einer Sahnetorte, gab er bekannt: »Gentlemen, das, was Sie seit einigen Minuten auf den Schirmen Ihres Bunkers sehen, ist identisch mit einer nur dreistufigen Rakete, deren Einzelzellen allerdings wesentliche Neuerungen enthalten. Der Start erfolgt in etwa drei Stunden, die letzten Vorbereitungen laufen. Die vier Risikopiloten liegen zur Zeit noch im nervenschonenden Tiefschlaf. Sie werden erst zwei Stunden vor dem Start geweckt.«
Noch blieben die Berichterstatter gleichmütig. Bemannte Raumflüge waren längst keine Seltenheit mehr. Pounders Augen verengten sich etwas. Er genoss seinen Trumpf, den er überraschend ausspielte.
»Das Raumforschungskommando hat unter Berücksichtigung gemachter Erfahrungen darauf verzichtet, das Raumschiff auf der Satellitenbahn zusammenzubauen. Die Schwierigkeiten und Fehlschläge früherer Versuche sind bekannt. So wird die erste Mondlande-Rakete direkt von hier aus starten. Das Schiff heißt STARDUST. Kommandant der ersten Mondlande-Expedition ist Major Perry Rhodan, Risikopilot der Space-Force, 35 Jahre alt, Astronaut und Kernphysiker, Nebengebiet atomare Strahltriebwerke. Perry Rhodan dürfte hinreichend bekannt sein. Er ist der Mann, der als erster Pilot der Space-Force den Mond umkreiste.«
Pounder schwieg erneut. Befriedigt registrierte er das lautstarke, von höchster Erregung zeugende Stimmengewirr.
Jemand brüllte um Ruhe. Es wurde wieder still in dem kahlen Raum.
»Vielen Dank«, hüstelte der General. »Sie waren etwas laut. Nein, bitte keine Rückfragen. Das erledigt mein Informationsoffizier direkt nach dem Start. Ich kann Ihnen nur kurze Hinweise geben. Meine Zeit ist begrenzt. Die STARDUST startet mit einem ausgesuchten Viermann-Team. Außer Major Rhodan nehmen an der Expedition teil Captain Reginald Bull, Captain Clark G. Flipper und Leutnant Dr. Eric Manoli. Es handelt sich um ein militärisch-wissenschaftliches Spezialteam. Jeder Risikopilot hat die Diplome für zumindest zwei abgeschlossene Studiengebiete in der Tasche. Es ist eine so genannte Ergänzungsmannschaft. Alle Namen dürften bekannt sein. Die Männer gehören zu den großartigsten Spezialisten der westlichen Welt. Sie sind fachlich und psychologisch aufeinander abgestuft, der Raum ist ihre zweite Heimat geworden. Fotografien und andere Daten über die Risikopiloten erhalten Sie ebenfalls vom Informationsoffizier.«
General Pounder schien in der Tat nicht gewillt zu sein, die gebannten Zuhörer mit einer längeren Rede zu beglücken. Er blickte jetzt schon auf die Uhr.
»Bitte, Gentlemen, Ihre Rückfragen sind fruchtlos«, unterbrach er grob den Lärm. »Sie erhalten von mir klare Tatsachen, das ist alles. Die STARDUST ist für einen vierwöchentlichen Mondaufenthalt ausgerüstet. Das Forschungsprogramm für unsere Leute liegt fest. Nach den gelungenen Fernsteuerlandungen unbemannter Sonden, werden wir es heute riskieren, vier Männer auf die Reise zu schicken. Gebe Gott, dass wir keine Fehler gemacht haben. Natürlich wissen Sie genau, dass dieser erdgebundene Start enorme Energien verschlingt, zumal die letzte Stufe mit eigener Kraft auf dem Mond landen und sich von dessen Oberfläche wieder erheben muss. Mit den herkömmlichen Triebwerken wäre das nicht möglich gewesen, wenigstens nicht mit einem nur dreistufigen Schiff von diesen relativ geringen Abmessungen.«
»Technische Daten«, schrie jemand erregt in die Übertragungsmikrofone.
»Die sollen Sie noch haben«, knurrte der General zurück. »Gesamtlänge des Schiffes beträgt 91,6 m. Die erste Stufe mit 36,5, Nummer zwei mit 24,7 und Nummer drei, das eigentliche Raumschiff, mit 30,4 Meter. Startgewicht vollgetankt einschließlich Nutzlast 6850 Tonnen, Schubleistung der ersten Stufe 13.600 Tonnen. Nutzlast des Mondschiffes 64,2 Tonnen. Dennoch sieht die Mondrakete kaum größer aus als die üblichen Versorgungsschiffe. Ursache: nur die erste Stufe besitzt noch chemische Flüssigkeitstriebwerke. Stufe zwei und drei arbeiten erstmals mit kernchemischen Atomstrahl-Triebwerken.«
Das war Pounders zweite Bombe. Er hatte sie gänzlich überraschend losgelassen. Unbewegt fuhr er fort: »Stufe eins arbeitet mit unserem besten chemischen Kraftstoffgemisch. Es handelt sich um N-Triäthyl-borazan als Brennstoffkomponente auf der Borwasserstoff-Basis. Als Sauerstoffträger fungiert die herkömmliche Salpetersäure, die unter einem Mischungsverhältnis von 1 : 4,9 die selbstzündende Reaktion ergibt. Der Schubwert beläuft sich auf 180 Prozent gegenüber dem Schub des alten Hydrazins unter naturgemäß gleichen stöchiometrischen Bedingungen.
Die erste Stufe erreicht ihren Brennschluss bei einer Endgeschwindigkeit von 10.115 km/h in 88 Kilometer Höhe. Dann fällt sie ab. Stufe zwei besitzt bereits das neue kernchemische Triebwerk, das unter Verwendung unserer neuen molekülverdichteten Legierungen mit einer Reaktor-Arbeitstemperatur von 3920 Grad Celsius läuft. Wir haben die neuen Mikro-Reaktoren sehr gut unterbringen können. Sie arbeiten auf der Plutonium-Basis. Ihre rein thermische Arbeitsenergie geben sie über das Arbeitsmedium an die Wärmeaustausch- oder Expansionskammern ab. Als Strahlmedium, das letztlich erhitzt und durch die Düsen ausgestoßen wird, verwenden wir fast reinen, flüssigen Parawasserstoff. Nachdem wir Verdampfungsverluste unbedingt vermeiden können, eignet sich Flüssigwasserstoff in hervorragender Weise als Strahlmedium. Es waren harte Probleme zu lösen, die nicht zuletzt mit dem extrem tiefen Schmelzpunkt des Wasserstoffs begannen. Flüssigwasserstoff beginnt bereits bei –252,78 Grad Celsius zu sieden. Das kernchemische Strahltriebwerk läuft mit einer Ausströmgeschwindigkeit von 10.102 m/sec. Das ist ein unerhörter, atemberaubender Wert, der mit einer chemischen Reaktion unter keinen Umständen erreichbar wäre. Weitere Daten erhalten Sie später. Von mir haben Sie die wesentlichen Dinge erfahren.
Gentlemen, die STARDUST startet um drei Uhr. Sie wird nahe des Newcomb-Kraters, dicht beim Mond-Südpol, landen. Wir sind daran interessiert, auch etwas auf die Rückseite zu spähen. Wegen der erforderlichen Funkverbindung müssen wir jedoch mit einem Fuß auf der Vorderseite bleiben. Ultrakurze Wellen erfordern nun einmal eine direkte Sichtlinie. Immerhin werden unsere vier Männer mit dem neuartigen Spezialpanzer weite Fahrten unternehmen. Das wäre alles, Gentlemen. Wenden Sie sich nach dem Start an den Informationsoffizier.«
General Pounder lachte grimmig, als er die Verbindung mit einer kurzen Schaltung unterbrach. Das Stimmengetöse in den Lautsprechern verging abrupt.
Zahllose Augen richteten sich auf den Chef. Pounder hatte so klar und sicher gesprochen, als wären bereits hundert andere Schiffe vor der STARDUST auf dem Mond gelandet. Aber niemand wusste besser als Pounder, dass er einen überspitzten Optimismus zur Schau getragen hatte.
Pounders Unruhe spiegelte sich in seinen grauen Augen, als er sich Professor Lehmann zuwandte.
»Wollen wir hoffen, Professor, dass Ihre neuen Reaktoren halten. Bestünden sie aus einer unserer üblichen Legierungen, liefen sie ohnehin blasenwerfend davon, nicht wahr! Ihre Arbeitstemperaturen regen zwar unser Plutonium nicht auf, wohl aber befürchte ich, dass es irgendwo in den Rohrsystemen zumindest zu Verformungserscheinungen kommt. Wollen Sie die Meiler wirklich mit fast 4000 Grad Celsius laufen lassen? Das ist eine Höllenhitze!«
»Unser Verdichtungsstahl verformt sich bei den Werten niemals«, behauptete Lehmann gelassen. »Oberflächen-molekülverdichtet bedeutet, dass MV-Strahl erst bei 7000 Hitzegraden zur Verformung neigt. Das Material bildet die unerlässliche Grundlage zur Konstruktion der Atomtriebwerke. Auf den Prüfständen haben wir ...«
Pounder winkte ab. Er warf einen Blick auf die Uhr. Null Uhr 48, 19. Juni 1971.
Seine Stimme klang jetzt etwas kälter.
»Doktor Fleeps, ich darf Sie bitten, die Männer zu wecken.«
Punkt ein Uhr stand Dr. Fleeps vor den vier schlafenden Männern. Sie ruhten nun seit 14 Stunden unter der Einwirkung des Psychonarkotins. Man hatte den Körpern unbeschwerte Entspannung gegönnt, besonders aber den Geistern, deren unerwünschter Ruhelosigkeit mit keinem anderen Mittel begegnet werden konnte.
Fleeps zögerte noch einige Sekunden, ehe er mit einem Gefühl unbestimmbaren Mitleids die Schlafnarkose durch das Gegenmittel aufhob. Damit kehrten die Gedanken zurück, damit erwachte der Geist und damit musste all das auf die vier Männer einstürzen, was man unter größten Mühen von ihnen fernzuhalten wünschte.
Ein nervöser, unausgeschlafener, psychisch und physisch erschöpfter Pilot war ein wenig vorteilhafter Partner für seelenlose Rechenmaschinen und höchstbeanspruchte Triebwerke. Der menschliche Geist musste klar bleiben, denn nur er konnte in letzter Konsequenz beherrschend sein.
Dr. Fleeps wartete. Neben ihm standen schweratmende Männer seines medizinischen Teams. Natürlich kamen jetzt noch die üblichen Testuntersuchungen. Etwa eine Stunde würden sie beanspruchen. Die letzte Stunde gehörte den Ausrüstungsingenieuren. Erst zehn Minuten vor dem Start würde man die Männer an Bord der STARDUST lassen. Sie hatten innerhalb der Kommandozentrale nichts mehr zu tun, als sich möglichst sorgfältig und unter Ausschaltung einer jeden geistigen Anstrengung auf die Konturbetten zu legen.
Mit dem Start war die Entspannung ohnehin vorüber. Dann ging es hart auf hart; dann begann die Zerreißprobe für Körper und Verstand. Dann begann die Qual im engen Leib eines tobenden Ungeheuers aus MV-Stahl und Plastik.
Die vier flachen Betten mit ihren porenaktiv atmenden Schaumstoffmatratzen wurden von einem sanften Leuchten umschmeichelt. Es war wie eine letzte, gnädige Liebestat für einige Menschen, die sehr bald Ungeheuerliches ertragen mussten.
Major Perry Rhodan, Chefpilot der US-Space-Force, öffnete die Augen. Sein Schlaf verwandelte sich nahezu übergangslos in ein sofort reagierendes Wachsein.
»Sie haben mich zuerst behandelt?«, fragte er. Es war mehr eine Feststellung als eine Erkundigung. Dr. Fleeps registrierte äußerst befriedigt die klare Reaktion des Kommandanten. Kein Zweifel, Rhodan war »da«!
»Genau nach Plan, Sohn«, bestätigte er gedämpft.
Sehr bedächtig, dabei tief durchatmend, richtete sich der Risikopilot auf. Jemand entfernte die dünne, atmungsaktive Decke. Rhodan trug ein weitgeschnittenes, hemdähnliches Schlafgewand, das dem ruhenden Körper eine jede einschnürende Beengung ersparte.
Rhodans gemurmelte Verwünschung über die umfangreiche Vermummung zauberte ein erstes Grinsen auf die Lippen der Männer. Es wirkte befreiend in dieser etwas unwirklichen Situation.
»Wenn ich Ihre bildschönen Waden hätte, Doc, ließe ich mir das zur Not noch gefallen«, stellte Rhodan mit seinem trockenen Humor fest. In seinen Augen lag ein helles Flimmern. Dagegen blieb sein schmales, hageres Gesicht nahezu ausdruckslos.
Ein hohles Röcheln ließ Rhodans Kopf herumgehen. Interessiert beobachtete er das »Erwachungsmanöver« seines Sorgenkindes, das gleich ihm den Mond schon einmal umflogen hatte. Für Perry Rhodan war es jedoch nach wie vor rätselhaft, wie man diesen pausbäckigen Riesen mit der zarten Haut eines Säuglings und den ewig roten Händen einer geplagten Scheuerfrau in die enge Sondenkapsel gebracht hatte.
Captain Clark G. Flipper, Fachgebiete Astronomie und Mathematik, Nebenzweig Physik, erwachte mit der Geräuschentwicklung eines Mammuts.
»Ist mein Sohn schon angekommen?«, dröhnte Flippys Stimme auf. Der bevorstehende Start schien ihn erst in zweiter Linie zu interessieren.
»Wie ist das, Doc? Haben Sie sich um meine Frau gekümmert?«
Dr. Fleeps seufzte unterdrückt.
»Hören Sie, Sohn, wenn Sie Ihre Frau für ein anatomisches Wunderwerk halten, so ist das nicht meine Schuld. Jedenfalls haben Sie noch gute drei Monate Zeit. Wenn Sie mich vorher nochmals fragen, dann ...!«
»Es hätte ja sein können, oder?«, unterbrach der Riese mit dem bartlosen Gesicht. »Die Unsicherheitsfaktoren im mathematisch unstabilen Gebilde eines menschlichen Körpers gehen in die Millionen. Ich muss also noch warten?«
Der dritte Mann der Besatzung zeugte mit einem leisen, angenehm klingenden Gelächter von seinem Erwachen.
Leutnant Dr. Eric Manoli, Mediziner und Geologe, war der unauffälligste, ruhigste und wahrscheinlich auch der beherrschteste Mann des Teams.
Er grüßte wortlos. Auch sein Blick huschte zur Uhr. Natürlich befolgte Dr. Manoli das ungeschriebene, heiligste Gesetz der Risikopiloten, das da klar und einfach lautete: »Sprich niemals von dem Start, ehe es nicht unbedingt sein muss. Du hast deshalb geschlafen, um Geist und Körper erholen zu können. Verringere die gute Wirkung nicht dadurch, indem du meinst, du müsstest dich augenblicklich mit dem Ernst der Dinge beschäftigen.«
Das war eine sehr einfache Formel. Sie hatte sich bewährt.
»Alles okay, Eric?«, forschte Rhodan. »Wie ich sehe, hat dein enormer Bartwuchs noch nicht einmal auf die Schlafdroge reagiert.«
»Ein Erbe meiner italienischen Vorfahren«, nickte Manoli bekümmert. »Was ist mit Bully los? Der Mensch schläft wie ein Murmeltier.«
Captain Flipper wälzte sich auf dem Lager herum. Seine Rechte landete klatschend auf den gut gepolsterten Schultern des kleineren, untersetzt gebauten Mannes mit dem offensichtlichen Hang zur Dickleibigkeit.
Wer Captain Reginald Bull jedoch kannte, hätte eher von einem unerhört elastischen Gummiball gesprochen. Sein scheinbares Fett war eine geniale Täuschung für leichtgläubige Gemüter. Jedenfalls hatte »Bully« die vorgeschriebenen 18 Gravos in der Großzentrifuge besser überstanden als der kleine, drahtige Manoli.
»Hammel«, pfiff es aus dem Schaumgummikissen heraus. Ein breites, großflächiges Gesicht mit zahllosen Sommersprossen schälte sich aus dem Überzug. Wasserblaue, farblos wirkende Augen blinzelten zu Flipper hinüber.
»Ich bin seit einer Stunde wach«, behauptete Bully lässig. »Für einen Mann wie mich war die Schlafdosis natürlich zu schwach.«
»Natürlich«, nickte Rhodan ernsthaft. Unter seinem Blick wurde Bully etwas kleiner. »Ich bewundere deine Geduld. Um uns nur nicht zu stören, hast du sicherlich flacher geatmet als eine ägyptische Mumie.«
»Er kriegt einen Orden«, fiel Flipper ein. Prustend wälzte er seinen schweren Körper von dem flachen Lager herunter.
»Leidende Menschen und werdende Väter kommen zuerst dran«, betonte er. »Ich möchte überhaupt wissen, was es an uns noch zu untersuchen gibt.«
Flipper schwieg plötzlich. Etwas verlegen sah er zu dem Kommandanten hinüber. Ums Haar hätte er das ungeschriebene Gesetz gebrochen. Rhodan hörte darüber hinweg. Gähnend, betont gleichmütig, sagte er: »Fangen Sie mit dem Baby an, Doc. Unser Kreislauf dürfte schätzungsweise in Ordnung sein. Mit den Neutralisations-Spritzen warten Sie aber noch.«
Perry Rhodan lauschte in sich hinein. Er fühlte die bohrende Unruhe im tiefsten Winkel seines Unterbewusstseins. Das sinnlos erscheinende Plappern der Männer war nicht mehr und nicht weniger als ein psychologischer Trick zur Selbstberuhigung.
Nur nicht über den Start reden! Um Himmelswillen nicht! Es kam noch dick genug, dessen war sich Rhodan sicher. Der Ritt auf dem tosenden Gasstrahl einer kernchemischen Atomrakete mochte sich hinsichtlich der entstehenden Beharrungskräfte nicht von dem Start mit einem Normalschiff unterscheiden.
Dennoch war es etwas ganz anderes. Die wahren Belastungen stellten sich in den kaum kontrollierbaren Tiefen des Geistes ein. Man hatte Angst! Ganz natürlich hatte man Angst. Niemand hatte es jemals abgestritten; aber diese Männer konnten sie überwinden. Nur das war wichtig.
Rhodan beobachtete scharf und unauffällig. Sie schienen alle okay zu sein. Möglicherweise war Clark Flipper etwas unruhig. Er dachte zu oft an das erwartete Baby. Wenn es nach Perry Rhodan gegangen wäre, hätte man Flipper diesmal zu Hause gelassen. Jedoch durfte das sorgfältig aufeinander eingespielte Team nicht zerrissen werden. Ein fremder Testpilot konnte nicht so einfach in die Mannschaft aufgenommen werden. Er hätte nicht ins Gefüge gepasst.
So hatte sich Rhodan mit der Tatsache abgefunden. Sonst aber entdeckte er keine weiteren Gründe für eine negative Bewertung.
Die Konturlager waren hydropneumatisch gesteuerte Gebilde von allerhöchster Vollendung. Bequemer und weicher ging es nicht mehr, zumal die automatischen Niveauregler jede Gewichtsveränderung sofort ausglichen.
Beim Start der ersten bemannten Raumsonden hatte man allergrößten Wert darauf gelegt, die jeweiligen Piloten mitsamt der schweren und ungefügen Raumanzüge auf die Konturlager zu betten. Hier und da waren die Männer infolge der Sicherheitsvorschriften sogar gezwungen worden, zusätzlich noch die Druckhelme mit den transparenten Gesichtsscheiben zu tragen.
Natürlich hatte es bei den hohen Andruckbelastungen immer wieder kleinere Verletzungen gegeben. Der übelste und bedauerlichste Fall in der Geschichte der bemannten Raumfahrt hatte sich beim Bau des Satelliten ereignet. Ein nicht genau sitzender Druckhelm hatte bei einer Startbeschleunigung von 11,3 Gravos einen Genickbruch verursacht.
Perry Rhodan war niemals mit einem Raumanzug gestartet. Es war sein ganz spezielles Privileg, das er auf sein Team ausgedehnt hatte. Die Techniker sahen es noch immer als überspitztes Risiko an. Beim geringsten Riss an der Außenzelle des Schiffes musste es zu einer explosiven Dekompression kommen, also zu einem explosiven Druckverlust. Man wusste sehr genau, wie leicht das menschliche Blut zum Kochen neigte.
Rhodan hatte jedoch gute Erfahrungen gesammelt. Seine Kabinen waren niemals von Meteoren getroffen oder durch mechanische Startkräfte eingerissen worden.
So lagen die vier Männer in ihren zartblauen, enganliegenden Uniformkombinationen auf den Konturlagern. Die Raumanzüge hingen griffbereit in den Spezialhalterungen. Rhodan hatte den Leuten damit eine qualvolle Belastung erspart, zumindest aber unvermeidbare Quetschungen und schmerzhafte Druckstellen.
Die Kontrollschaltungen waren beendet. Tief unter ihnen, mehr als 85 Meter entfernt, zogen sich die letzten Techniker zurück. Sie hatten nochmals die Flossen-Verankerungen der ersten Stufe überprüft.
Captain Bull, Fachingenieur für atomare Strahltriebwerke, Nebengebiet Elektronik, hatte zur Überprüfung seiner Messgeräte mehr Zeit benötigt, als Rhodan für die Start- und Fernlenkautomatik.
Die Zeiger der Spezialuhr sprangen auf die nächste Zahl. Es war 3 Uhr 1. Punkt 3 Uhr 2 musste der Start erfolgen.
Rhodan wandte den Kopf. Es war etwas mühevoll, da ihn die Servoautomatik mit der Schaumstoff-Auflage eingehüllt hatte.
»Alles okay bei euch?«, fragte er. Flipper und Dr. Manoli ruhten hinter den beiden Hauptlagern. Sie hatten zur Zeit nichts zu tun. Die Kabine war naturgemäß eng, eingeschnürt von zahllosen Kabelsträngen, elastischen Rohrleitungen und sorgfältig eingebauten Gerätekasten. Hier war Maßarbeit geleistet worden. Unter der Zentrale gab es einen winzigen Aufenthaltsraum mit Miniaturküche und sanitärer Anlage. Mehr Platz hatte man den vier Risikopiloten nicht einräumen können. Beide Räume lagen noch dicht unterhalb der scharfen Raketennase.
Darauf folgte das Magazin für die mit ungeheurer Präzision verstaute Nutzlast. Was darunter lag, sollte von den Männern möglichst niemals betreten werden. Hinter den isolierten Tanks mit dem flüssigen Wasserstoff kamen die Pumpenanlagen und das zusätzliche Stromaggregat. Die dicke Strahlschutzwand bedeutete praktisch das Ende der »gesunden Zone«. Hinter ihr lauerte der schnelllaufende Plutonium-Reaktor, die Umformerbank zur Erzeugung des Arbeitsstroms und schließlich kam das monströse Gebilde der Expansionskammer mit ihren Hochdruckzuleitungen, Thermo-Rohrschlangen und Kühlsystemen. In ihr wurde der vorher verdampfte Wasserstoff zum Expansionsvorgang gezwungen.
Die STARDUST besaß nur eine einzige Hauptdüse neben vier kleinen, schwenkbaren Steuerdüsen. Die volle Schubleistung des Triebwerks belief sich auf 1120 Tonnen bei einer Ausstrahlungsgeschwindigkeit von 10.102 m/sec.
Rhodans Frage wurde mit einem Lächeln beantwortet. Alle hörten sie die knarrende Stimme des »Zählers«. Die letzte Minute war angebrochen. Jeder hatte schon über das monotone Herunterleiern der einzelnen Zahlen gespöttelt. Viele Male hatten sie es gehört und niemals hatten sie sich sonderlich darüber aufgeregt.
Nun war auch das anders geworden. Der Gedanke an das atomare Strahltriebwerk wurde zu einem Albtraum.
»... achtzehn – siebzehn – sechzehn – fünfzehn ...«
Rhodan schob das Mikrofon noch etwas dichter vor die Lippen. Seine Blicke konzentrierten sich auf die Anzeigen. Die eingeschwenkten Armaturentafeln hingen unweit über seinen Augen.
»Endmeldung STARDUST an Zentrale«, brach seine Stimme aus den Lautsprechern. Man hörte sie überall, auch im Pressebunker der Nevada-Fields.
»An Bord alles wohl. Wir melden uns ab bis zum Brennschluss von Stufe eins. Ende!«
»... drei – eins – zero – Feuer!«
Es war wie immer. Sie wussten, dass die Zelle eines Raumschiffes trotz aller Dämpfungen ein Resonanzkörper erster Güte war. Daran änderte auch die mehrstufige Anordnung nichts.
Sie hörten das seltsame Gurgeln und Zischen der Turbopumpen tief unten im bauchigen Leib der ersten Stufe. Dann kam das erste, stotternde Dröhnen der Vorzündung, dem sofort darauf das Geräuschinferno planmäßig reagierender Stoffe folgte.
N-Triäthyl-borazan als Brennstoff vermischte sich mit der als Sauerstoffträger fungierenden Salpetersäure. In den 42 Großbrennkammern der ersten Stufe begann der chemische Prozess mit monströser Gewalt.
Weißglühende Flammenzungen verdrängten die Düsternis der Nacht. Die Zündungsdruckwelle jaulte über das weite Gelände, bis sie vom betäubenden Tosen des kombinierten Riesentriebwerkes gegenstandslos gemacht wurde.
Die STARDUST hob auf den Sekundenbruchteil genau ab. Aus dem gemächlichen, majestätischen Emporgleiten wurde ein wildes Anrucken, ein beängstigendes Neigen des oberen Drittels. Es war der gefährlichste Augenblick beim Start eines wahrhaft großen Schiffes. Es war der sekundenschnelle Kampf von Automatik und Triebwerk um die gesunde Stabilisation des noch nahezu fahrtlosen Körpers.
Nur aus den huschenden Diagrammen des Fernlenk-Elektronengehirns ging hervor, dass die schwenkbaren Steuerbrennkammern augenblicklich den so bedrohlichen Kippvorgang verhinderten.
Die unbewussten Rufe der Berichterstatter gingen in dem dröhnenden Lärm unter. Es war wie ein Weltuntergang, ein unbeschreiblich machtvolles Geräusch, das nur noch von dem einer detonierenden Kernbombe übertroffen werden konnte.
Noch nicht einmal in den Bunkern waren die Worte der Männer zu verstehen. Wer keine schalldicht abschließenden Kopfhörer trug, war in diesen Augenblicken zur absoluten Taubheit verdammt. Lippen bewegten sich, Hände gaben kurze Zeichen. Jede Geste war ein Ausdruck größter Anspannung und Nervenbelastung.
Dann kam die STARDUST endgültig in Fahrt. Nach dem kurzen, sekundenlangen Zögern und Vibrieren sofort nach dem Abheben erfolgte der jähe Sprung des Titanen, der urplötzlich nach seinem Element zu gieren schien.
Maßlos in ihrer Lärmentwicklung, schoss die STARDUST in den blutrot aufleuchtenden Nachthimmel. Der grelle Glutstrom ihrer Großbrennkammern konnte von dem weiten Abgasschacht nicht mehr aufgenommen werden. Mit enormer Wucht peitschten die Partikel auf das Material des Starttisches nieder, hieben auf den Betonbelag des Platzes, von dem sie schauerartig abgelenkt und erneut zum Himmel emporgeschleudert wurden.
Momente später erfassten die Kameras nur noch den weißglühenden Feuerball des startenden Giganten. Senkrecht, nun endgültig ausstabilisiert, röhrte er empor, bis seine flammende Gassäule nur noch als schwacher Lichtpunkt erkennbar war. Auch er verging inmitten des wolkenlosen Sternenhimmels.
In der Lautsprecheranlage knackte es. Auf dem großen Bildschirm erschien Pounders Gesicht.
»Die STARDUST ist planmäßig 3 Uhr 2 gestartet«, gab er ruhig bekannt. »Keine besonderen Vorkommnisse, alles normal. Sie werden die Sprechfunkmeldungen der Piloten mithören können. Die Abtrennung von Stufe eins steht kurz bevor. Die maximale Endbeschleunigung liegt bei 9,3 Gravos. Das zu Ihrer Information. In etwa drei Minuten kommt die STARDUST in den Tasterbereich der Raumstation. Von da an werden Sie das Schiff wieder einwandfrei sehen und die Abtrennung von Stufe zwei verfolgen können. Ich mache Sie nochmals darauf aufmerksam, dass Sie das Gelände der Nevada-Fields erst dann verlassen dürfen, wenn die STARDUST wohlbehalten auf dem Mond gelandet ist. Wir planen diesmal eine Überraschung. Das wäre alles. Ende!«
General Pounder schloss mit einem Lächeln.
»Noch fünf Sekunden bis Trennung eins«, dröhnte die Stimme eines Technikers aus den Lautsprechern der Hauptschaltstation. »Funktion einwandfrei, keine Abweichungen ... zwei – eins – Kontakt!«
Die elektronische Vollautomatik schaltete mit unerhörter Präzision. Niemand bewegte eine Hand, kein Finger krümmte sich. Es gab nur lauernde Augen, fiebernde Nerven und, im krassen Gegensatz dazu, in stoischer Ruhe abwartende Männer.
Aus den Lautsprechern der Geräusch-Fernübertragung kam das akustische Signal der vollzogenen Trennung.
Auf den Beobachtungsschirmen der Radar-Relieftaster wurden plötzlich zwei verschiedene Körper bemerkbar. Die Nebenschaltstation zur Landung der Startstufen übernahm die Fernlenkung des abgestoßenen Raketenteils.
Die Besatzung der STARDUST hatte acht Sekunden Zeit zur so genannten »Intervallerholung«. Das elektronische Gehirn bereitete jetzt schon die Triebwerkszündung der zweiten Stufe vor.
Perry Rhodans Stimme kam ruhig und gelassen. Vielleicht etwas gepresst, aber das war auch alles.
»Rhodan spricht. Keine Abweichung, Anzeigen normal, Vibrationen in Grenzwerten. Besatzung fertig für Zündung zweite Stufe. Ende.«
Mehr hatte er nicht zu sagen. Es genügte den Wissenschaftlern und Technikern der Bodenstation.
Im antriebslosen Flug raste die STARDUST dem Raum entgegen. Rhodan warf noch einen raschen Blick in die Runde. Reginald Bull schien in Ordnung zu sein. Auch Flipper und Manoli hatten die 9,3 Gravos gut überstanden.
Nun kam das Atomtriebwerk der zweiten Stufe an die Reihe. Rhodan fühlte die Feuchtigkeit seiner Handflächen, doch seine lauernden Sinne registrierten keine ungewöhnlichen Geräusche. Für einige Augenblicke war es still geworden.
Dann kam das urplötzliche Anrucken, verbunden mit einem kreischenden Heulen, das jedes einzelne Molekül des Materials zu erschüttern schien. Auch diesmal diente die weite Zelle des Raumschiffes als Resonanzkörper.
Die Beschleunigung wuchs nach einigen Augenblicken auf 8 Gravos an. Damit begann die schwere Belastung, zu deren Beseitigung es noch kein Mittel gab.
Rhodan fühlte die stabilisierende Wirkung des starken Kreislaufmittels. Noch hielt der Körper durch, nur die Atmung wurde zur Qual. Aus verschleierten Augen, unfähig, nur einen Finger zu rühren, stierte er auf die dicht über seinem Gesicht hängenden Kontrollbildflächen.
Es schien Ewigkeiten zu dauern, bis der mörderisch gewordene Anruck für genau 7 Sekunden auf den Normalwert von einem Gravo zurückging. Es war eine kurze Erholungspause, die man in der Form von exakten Berechnungen und unter Berücksichtigung des enorm leistungsfähigen Triebwerks festgelegt hatte.
Rhodan krächzte sein »Alles wohl!«, in das Mikrophon. Die Antwort verstand er nicht. Nur seine Augen erfassten das huschende Lichtsymbol. Dann kam die zweite Intervallbeschleunigung von Stufe zwei. Ihr Strahlmassenvorrat war noch nicht erschöpft.
Drei Sekunden nach der zweiten Schubzündung wurde die irdische Fluchtgeschwindigkeit überschritten. Die Fahrtmesser zitterten auf 11,5 km/sec.
Bei 20 km/sec erreichte die zweite Stufe ihren Brennschluss. Das Abtrennen erfolgte wieder so jäh und übergangslos, dass die spontan eintretende Schwerelosigkeit wie ein urgewaltiger Hammerschlag wirkte.
Die Männer fühlten sich nach oben gerissen, mit wilder Kraft gegen die breiten Gurte der Konturlager gezwängt.
Rhodan verlor für einige Augenblicke das Bewusstsein. Als er wieder die Augen öffnete und das rote Flimmern mehr und mehr den Blick freigab, befanden sie sich längst im freien Raum.
Die Grobumlenkung von 43 Grad war bereits erfolgt. Weit hinter ihnen, auf den Schirmen nicht mehr erkennbar, wurde die zweite Stufe durch die Bodenkontrolle zum Wiedereintauchkurs gezwungen. Zu der Zeit hatte die STARDUST bereits die Kreisbahn der Raumstation überflogen. Sie hing mit noch unverminderter Fahrt im freien Fall 3250 km über der Erdoberfläche.
Nun hatten sie Zeit, einige Minuten Zeit zur Erholung. Theoretisch reichte die Endgeschwindigkeit des Schiffes völlig aus, um es aus der zerrenden Gravisphäre der Erde restlos zu befreien. Theoretisch hätte es nun ohne jeden weiteren Antrieb jeden nur denkbaren Punkt innerhalb des Alls anfliegen können.
Zwischen Theorie und Praxis klaffte jedoch ein gewaltiger Abgrund. So war die irdische Schwerkraft wohl bezwungen worden, aber sie war nach wie vor vorhanden und – sie zerrte an der Fahrt des Raumschiffes.
Auch war es mit einem einfachen Weiterfliegen nicht getan. Es hatten noch zahllose Manöver zu erfolgen, deren Daten noch lange nicht genau feststanden. Winzigste Kursabweichungen waren zu berechnen und auszugleichen. Noch kleinere Differenzen in den theoretischen Geschwindigkeits-Grenzwerten, die letztlich zu neuen Schwierigkeiten beim Zielanflug führten, mussten ebenfalls korrigiert werden.
Rhodans Konturlager klappte in den beiden Scharnieren zusammen. Es entstand ein weichgepolsterter Sessel. Die Armaturen folgten der Bewegung. Endlich hingen sie wieder vor und nicht über den Augen. Es war ein erlösendes Gefühl.
Reginald Bull erholte sich in der Form von wenig gesellschaftsfähigen Wortgebilden. Captain Flipper hustete rau und trocken. In seinen Mundwinkeln hing verkrustetes Blut.
»Es war hart, härter als sonst«, sagte Rhodan rau. »Sie haben uns während der letzten Sekunden auf 15,4 Gravos gebracht. Damit sind wir durch die gefährlichen Strahlungsgürtel gedonnert. Flippy – was ist mit dir los?«
Clark G. Flipper war blass. Die gesunde Röte seines pausbäckigen Gesichtes hatte sich verloren. Nur der Glanz seiner strohblonden Haare war unverändert.
Er verzog etwas unglücklich die Lippen, als er stöhnte: »Der Teufel soll's holen, aber ich sollte aussteigen, ehe ich noch mehr Dummheiten mache. Ich hatte noch bei 7 Gravos die Zungenspitze zwischen den Zähnen. Blödsinn, sage ich. Jedem Akademieschüler bringt man zuerst bei, dass er solche Anwandlungen tunlichst unterlassen soll. Und ausgerechnet ich ...!«
Er schloss mit einem Schulterzucken. Sein Gesicht war schmerzverzerrt. Rhodans Blick war prüfend. Der forschende Ausdruck wurde von einem maskenhaften Lächeln übertüncht.
Bullys Magnetsohlen knallten auf die Metallfolie des Bodenbelags. Seltsam schwankend kämpfte er um das Gleichgewicht. Solange das Triebwerk der STARDUST schwieg, waren sie schwerelos. Wortlos, mit klackenden, schwerfällig abhebenden und wiederaufprallenden Magnetsohlen, stapfte er die wenigen Schritte zu Manoli hinüber.
Sein kurzer Griff an Doc Manolis Puls ließ ihn erleichtert nicken.
»Okay«, erklärte er knapp. »Ist gleich wieder da. Der Puls läuft wie ein Uhrwerk. Zeig die Zunge her, Flippy. Los schon, die Lippen auf.«
Dunkelrotes, schwärzlich schimmerndes Blut quoll hervor. Rhodan hatte genug gesehen. Das war eine Sache für Dr. Manoli.
Während der Kommandant den Lautstärkeregler des Funksprechgerätes nach rechts schob und die verworrenen Geräusche endlich klarer wurden, erwachte Dr. Manoli.
Rhodan hörte das leise Zischen der Hydropneumatik. Manolis Liegebett wurde zum Sessel. Augenblicke später stand er neben Flipper.
Die Männer verloren kein unnützes Wort. Manoli wusste, dass der Kommandant auf sein Urteil wartete.
»Glück gehabt«, klang die Stimme des Mediziners auf. »Mehr angebissen als durchgebissen. Ich brauche zehn Minuten, besser zwölf. Geht das?«
»Es geht. Fang an. Bully, nimm die neuen Werte vom Hauptautomaten auf Magnetband. Ich möchte eine Kontrollberechnung. Wir verschieben um zwölf Minuten. Gib mir die Ausgleichsberechnung herein. Ich schätze, wir werden den Verlust mit etwa vier Sekunden Vollschub ausgleichen können.«
Augenblicke später tauchte sein Gesicht auf den Riesenbildschirmen der Bodenstation auf. Pounder, nervös und unruhig vor dem Mikrofon stehend, atmete auf.
»STARDUST an Nevada-Fields«, klang es lautstark und vollkommen klar durch die Hauptschaltstation. »Captain Flipper leicht verletzt. Bisswunde an der Zunge. Manoli stillt eben die Blutung. Der Riss kann geklebt und mit Plasmakonzentrat rasch verheilt werden. Ich brauche zwölf Minuten Aufschub, Ende.«
Pounder richtete sich auf. Sein Blick zu Professor Lehmann hinüber sagte alles. Der Wissenschaftler nickte kurz. Es war möglich. Mit solchen Komplikationen hatte man auf den Nevada-Fields immer gerechnet.
Das elektronische Robotgehirn begann zu arbeiten. Augenblicke später lagen die Korrekturwerte vor. Sie gingen automatisch über eine Spezial-Richtstrahlantenne an die STARDUST ab.
Vor Reginald Bull leuchtete das Diagramm auf. Die kleineren, jedoch leistungsfähigen Rechenautomaten der STARDUST quittierten den Empfang. Praktisch gesehen, wurde eine Vielzahl sorgfältigst auskalkulierter Ergebnisse im gleichen Augenblick ungültig gemacht. Neue Zahlen rasten in der Form von Funkimpulsen in den Raum. Eine großartige Planung wurde in wenigen Momenten umgeworfen und auf völlig neue Werte gebracht.
Bullys Finger hieben die erhaltenen Grunddaten in die Tastatur. Rhodan gab die üblichen Routinemeldungen über Höhenstrahlung, Messergebnisse, Temperaturwerte, Kabinendruck und Gesundheitszustand durch.
Manoli brauchte nur elf Minuten. Dann war Flipper wieder in Ordnung. Der tiefe Riss in seiner Zunge war sorgfältig und kaum sichtbar verklebt.
Mit einem hilflosen, beschämten Ausdruck in den hellen Augen, sah er sich um.
»Nimm diesmal den Daumen, Baby«, meinte Rhodan mit einem schattenhaften Grinsen. »Der hält mehr aus.«
Die Sessel klappten wieder zurück. Gleich darauf begann jenes Gebilde zu orgeln, dessen Funktion sie noch immer mit einem Gemisch aus erwartungsvoller Hochachtung, instinktiver Angst und nervenzermürbender Neugierde ansahen.
Es war das kernchemische Atomstrahltriebwerk, das in genau gleicher Ausführung innerhalb der zweiten Stufe so hervorragend gearbeitet hatte.
Wieder kam das wilde Aufbrüllen, das harte Anrucken. Der Wert stieg jedoch auf nur 2,1 Gravos; eine Sache, die weder Rhodan noch den anderen Männern sonderliche Schwierigkeiten bereitete.
Auf einem flammenden Strahl hocherhitzter Wasserstoffgase jagte das Raumschiff in die Tiefen des Alls hinaus.
Damit erschienen die tatsächlichen Probleme der bemannten Raumfahrt, nachdem die ursprünglichen Schwierigkeiten eines gelungenen Starts einwandfrei gelöst waren.
Rhodan lauschte auf das gleichmäßig gewordene Tosen des Atomstrahltriebwerks. Im Nichts, dicht hinter dem kreisförmigen Heck des Schiffes, hing die blauweiß leuchtende Gasflamme. Es war der in der atomar aufgeheizten Expansionskammer zur gewaltsamen Ausdehnung gekommene Flüssigwasserstoff.
Die Reaktorfüllung reichte für ein gutes Jahr. Nur mit dem Strahlmedium galt es wesentlich vorsichtiger umzugehen. Der Vorrat war begrenzt. Wenn die Tanks leer waren und wenn es demnach nichts mehr auszustoßen gab, musste der leistungsfähigste Atomreaktor zur absoluten Ohnmacht verdammt sein.
Während Rhodan schwer atmend auf dem Konturlager ruhte und in genau bemessenen Abständen seine Kurzmeldungen an die empfangsbereite Raumstation gab, dachte er flüchtig an dieses so wundervolle und doch noch so primitive Triebwerk.
Noch musste man den Umweg über ein Strahlmedium wählen, um zu dem unerlässlichen Schub zu kommen. Ob man eines Tages das reine Atomstrahl-Triebwerk besitzen würde? Einen gewaltigen Motor, dessen Grenzen erst nahe der Lichtgeschwindigkeit lagen?
Rhodan verzog mühevoll die Lippen. Ihm war nach einem trockenen Auflachen zumute.
Reginald Bull schien sich mit ähnlichen Gedanken zu beschäftigen. Er keuchte plötzlich: »Romanhelden haben es einfacher, mein Wort darauf. Die haben keine Andruckprobleme, und sie zerbeißen sich auch niemals die eigenen Zungen. Flippy – wie geht es? Hältst du durch? Es dauert noch einige Minuten. Für fünf Sekunden gehen wir hoch auf 8,4 Gravos. Okay?«
»Okay«, schnaufte der Riese über die Bord-zu-Bord-Sprechanlage. Sein Atem rasselte in den Muscheln der Kopfhörer. »Alles okay. Guter Gott, wir sind unterwegs! Mit vier Mann hoch unterwegs. Eines Tages werde ich es meinem Jungen erzählen. Er wird Augen haben rund und glänzend wie polierte Marmorkugeln.«
Flipper schwieg erschöpft. Es gehörten Übung und ein widerstandsfähiger Körper dazu, um bei einer Belastung von etwas über zwei Gravos überhaupt noch klar sprechen zu können. Diese Männer konnten es. Nur Dr. Manoli verzichtete darauf. Dafür verriet die Andeutung eines milden Lächelns all seine Gefühle.
Ja, sie waren unterwegs. Den Start hatten sie so gut wie hinter sich. Was jetzt noch kam, war mehr eine Sache des Verstandes und der blitzschnellen Reaktion. Die grausamen, unvermeidbaren Andruckgewalten waren fast vorbei. Sie hatten die Erde hinter sich gelassen, jenen riesigen, grünblauen Ball mit all seinen Meeren, Kontinenten, aufgetürmten Wolkengebirgen und Milliarden Menschen.
Sie konnten sich erhaben fühlen über das erdgebundene Dasein und zur Zeit fühlten sie sich noch erhaben.
Nur Rhodans glasklarer Verstand machte bei diesem Gefühlschaos nicht mit. Das skeptische Flimmern seiner seltsamen Augen sah niemand.
Noch waren sie nicht da! Noch waren sie nicht gelandet und noch waren sie nicht zur Heimkehr gestartet. Dieses Unternehmen galt nicht einer relativ harmlosen Mondumkreisung, sondern einer unerhört schwierigen Mondlandung.
Diesmal war sogar Perry Rhodan vorsichtig gewesen. Nachdem die sehr harten Andruckintervalle der Bremsbeschleunigung vorüber waren und die STARDUST mit einer leicht aufzuhebenden Restfahrt von nur noch 3,5 km/sec auf die errechnete Mond-Kreisbahn eingeschwenkt worden war, hatte er den Befehl erteilt, die Raumanzüge anzulegen.
Sie hatten die Anweisung wortlos befolgt. Während die STARDUST unter Fernsteuerkontrolle des großen Raumstation-Gehirns planmäßig in immer engere Bahnen um den Mond gezwungen wurde, hatten sie die relativ leichten und doch so monströs wirkenden Gebilde angelegt. Es waren supermoderne Schutzanzüge. Absolut druckfest, hermetisch abgeschlossen, mit eigener Energieversorgung, Klimaanlage, Sauerstoffzufuhr und transparenten Kugelhelmen aus einem stahlfesten Kunststoff.
Rhodan hatte sogar die durchsichtigen Kugelhelme schließen lassen. Nur die Ventile rechts und links der Aufsatzwulste waren noch geöffnet, wonach die Männer die normale Kabinenluft atmen konnten. Die eingebaute Automatik würde die Ventile sofort schließen, sobald der Außendruck unter Normalwert abfiel.
Damit hatte Rhodan alles getan, um die Wahrscheinlichkeit eines Unfalls auf ein Mindestmaß zu reduzieren.
Die STARDUST flog mit dem Heck voran, damit die Triebwerksdüse ihren Schub gegen die Fahrtrichtung zur Wirkung bringen konnte. Die Bahn führte von Pol zu Pol. Damit entschwand das Schiff aus dem Wirkungsbereich der Fernsteuerung, sobald es hinter der für Funkwellen unerreichbaren Mondrückseite untertauchte. Dort übernahm die Bordautomatik den Steuervorgang, der nach der fünften Bremsellipse zur Landung führen musste.
Diese fünfte Umkreisung war soeben angebrochen. Über der sichtbaren Vorderseite des Trabanten war die Sonne zu einem der langen Mondtage aufgegangen. Die rückwärtige Halbkugel lag bereits zu 60 Prozent in tiefster Finsternis.
Nur die Radar-Relieftaster vermittelten ein sauberes Abbild der zerrissenen Oberfläche. Sie unterschied sich kaum von der bekannten Vorderseite, doch das waren längst bekannte Tatsachen. Der Mond barg in dieser Hinsicht keine Geheimnisse mehr.
Dann tauchten sie wieder aus dem Mondschatten auf. Ihre Höhe betrug noch knapp 90 Kilometer, die Fahrt war durch kurze Bremsstöße auf 2,3 km/sec gedrosselt worden.
Der Registrationsrobot begann schrill zu pfeifen. Die mächtigen Richtstrahler der Raumstation hatten das Schiff bereits wieder eingefangen. Die Zentrale-Automatik der STARDUST bekam neue Anweisungen in der Form letzter Rechenergebnisse. Bully gab den Kontakt für die Separatauswertung.
Auf dem Reliefschirm war die Rakete als grüner Punkt zu sehen. Er glitt genau auf der vorgezeichneten Linie der Landungsbahn entlang. Das Ende lag dicht am Mondsüdpol, kurz hinter dem Newcomb-Krater. Der rote Kreis bezeichnete die Landestelle. Es handelte sich um ein recht flaches, offenbar steiniges Gelände, das den großen Landetellern des Schiffes einen guten Aufsatzpunkt bieten musste.
Ebenso klar wie die Lenkimpulse der Automatik, war auch die Stimme des Projektchefs zu hören. Infolge der großen Entfernung entstanden zwischen den Meldungen sekundenlange Zwischenräume. Auch die lichtschnellen Ultrawellen benötigten schon einige Zeit, um die Distanz zu überbrücken.
Mit noch hoher Fahrt, die der geringen Mondschwere nach dem Zentrifugenprinzip beachtlichen Widerstand leistete, kam die STARDUST über den westlichen Ausläufern des Mare Nubium an. Direkt voraus tauchte der große Walter-Krater auf. Es war nicht mehr weit bis zum Landepunkt.
»Bodenkontrolle, General Pounder spricht«, klang es unter einigen Störgeräuschen aus den Lautsprechern. »Sie erreichen Ihren Umlenkpunkt in 72 Sekunden. Impulsgebung erfolgt unter Berücksichtigung der von den Funkwellen zu überbrückenden Entfernung. Wir schalten vorläufig ab, um Störungen zu vermeiden. Wir haben Sie klar auf den Tasterschirmen. Empfang gut, kaum Störungen. Haupt-Fernsteuerautomat läuft an. Wir werden Sie gut auf den Boden bringen. Fahren Sie Ihre Landebeine aus. Erbitte Vollzugsmeldung. Ich antworte nicht mehr. Bis nach der Landung viel Glück und lasst euch nicht unterkriegen. Ende.«
Rhodan schaltete. Die vier Teleskopbeine der STARDUST schoben sich auseinander, dabei im Winkel von fast 45 Grad von der Schiffshülle wegstrebend. Weiter und weiter presste die Hydraulik die langen, vielfach abgestrebten Rohre auseinander. An den unteren Enden entfalteten sich die Auflageteller mit einer Kontaktfläche von vier Quadratmetern pro Einheit.
Kurz danach war der Kontaktpunkt erreicht. Die STARDUST befand sich noch immer auf der Fluglinie der Reliefkarte. Kleine Abweichungen waren sauber korrigiert worden.
»Fertig, Kontakt kommt«, presste Bully hervor. Er hörte das schwere Atmen der anderen Männer. Es war ein Augenblick, auf den praktisch alles ankam. Das planmäßige Gelingen der Landung hing davon ab.
Urplötzlich, ohne jede weitere Vorbereitung, schrillte es im Registriergerät auf. Der Impuls war angekommen; auf den Bruchteil einer Sekunde genau.
Das Triebwerk der Rakete brüllte auf. Es war ein nur kurzer, dafür aber ungemein harter Gegenschub mit zwölf Gravos, der die Restfahrt des Schiffes um weitere 50 Prozent aufzehrte.
Als es vorüber war und die errechnete Korrekturpause eintrat, atmeten die Männer mit keuchenden Lungen. Beim nächsten Bremsstoß musste die Umlenkung um 60 Grad kommen, danach die genaue vertikale Ausrichtung der Heckdüsen zur Bodenfläche.
Wenn das geschah, hatte das Schiff über dem Landepunkt zu stehen und auf dem eigenen Gasstrahl von einwandfrei dosierter Schubstärke zu landen. Mit einer Fallgeschwindigkeit von höchstens vier Meter pro Sekunde. So schrieb es die Anweisung vor.
Blitzschnell huschten die einzelnen Daten durch Rhodans Hirn. Es hatte sich alles so einfach angehört, so spielerisch und unfehlbar. Nun, da er in dem zerbrechlichen Gebilde lag, erfasste er in vollster, qualvoller Stärke die ungeheuren Schwierigkeiten.
Die STARDUST begann in einer flachen Parabel zu fallen. Nun machte sich die Gravitation des Mondes sehr stark bemerkbar. Es wurde höchste Zeit zur Umlenkung. Die Düsen der Expansionskammer mussten nach unten gerichtet werden, nicht mehr in die Horizontale. Die STARDUST fiel flach wie ein Brett. Von selbst dachte sie nicht daran, ihr Triebwerk in Richtung des Fallwinkels gegen den Boden zu stemmen.
»Noch drei Sekunden – zwei – eins – Kontakt«, rief Bully gepresst aus.
Der Kontakt kam auch, jedoch mit einem derartigen Heulen und Zwitschern, als stünde eine 1000-Kilowatt-Station direkt neben der Rakete.
Die Geräusche brachen aus den Kontroll-Lautsprechern wie eine Wasserflut. Ultrahohes Pfeifen und Schrillen traktierte die Ohren der auffahrenden Männer. Reginald Bull blickte für den Bruchteil einer Sekunde verständnislos. Dann verzerrte sich sein breites Gesicht zur Fratze der Panik.
Rhodan war in seiner Haltung erstarrt. Nach Überwindung der Schocksekunde reagierte er aber ungeheuer rasch. Seine Rechte knallte auf den Katastrophenschalter. Zuschnappende Magnetbänder fesselten die Männer an ihre herumkippenden Sitze.
Niemand überhörte das schrille Warnsignal der Automatik. Das eingebaute E-Gehirn der STARDUST meldete die Störung. Aufzuckende Lampen bewiesen, dass der erwartete Umlenkimpuls der irdischen Fernsteuer-Station nicht durchkam. Auch wenn die hochwertige Maschine niemals individuell denken konnte, so hatte sie in unerhört schnellen Rechenergebnissen festgestellt, dass höchste Gefahr drohte.
Schon leuchteten die Diagramme auf. Sie kamen automatisch und fehlerlos.
»Abweichung«, schrie Bully außer sich. »Kein Zündimpuls. Wir fallen über den Landepunkt hinaus. Die Störungen verhindern den Empfang der Fernlenkimpulse. Wo kommen die her? Sie liegen genau auf unserer Frequenz. Perry ...!«
Rhodan verzichtete auf jedes zeitraubende Nachdenken. Die von der aufgegangenen Sonne hell erleuchtete Mondoberfläche kam rasend schnell näher. Er tat das, was er als Kommandant in solchen Fällen zu tun hatte.
Es war eine atemberaubend schnelle Reflexbewegung, die ihn den in der Armstütze eingebauten Hauptschalter umschlagen ließ. Damit war die STARDUST aus der erdgebundenen Fernkontrolle heraus.
Das teuflische Heulen in den Kontrollgeräten verstummte. Es war wie abgeschnitten, wie niemals dagewesen.
Eine Glocke begann zu schrillen. Die seelenlose Tonbandstimme des Selbststeuer-Automaten dröhnte auf. Es waren vorgezeichnete Worte, aber sie waren kompromisslos in ihrem Inhalt.
»Zentralegehirn übernimmt Landungsautomatik. Berechnungen laufen, sind beendet. Landung wird eingeleitet, Notimpuls QQRXQ mit höchster Sendestärke auf Kanal 16 abgestrahlt. Landung beginnt.«
Das war alles, was ein Techniker noch vor dem Start auf das Band gesprochen hatte. Er hatte dabei mitleidig vergessen, zu erwähnen, dass diese so schön klingenden Landungsabsichten im krassen Widerspruch zu den Sicherheitsvorkehrungen standen.
Es war nicht mehr als ein Verzweiflungsakt auf gut Glück; ein Herunterholen des hilflos gewordenen Schiffes auf Biegen oder Brechen. Eine spontane Fahrtaufnahme war in diesem Stadium nicht mehr möglich. Der Boden war schon zu nahe, die Fallgeschwindigkeit wieder über 2 km/sec angewachsen, und die erforderliche Umlenkung hätte zuviel Zeit beansprucht. Es war eine Notlandung, ganz egal, ob unter dem feuerspeienden Heck der STARDUST nun eine Ebene lag, oder ein Kraterwall mit nadelscharfen Felsspitzen und steil abfallenden Wänden.
Das Triebwerk brüllte. Die Rakete wurde von den schwenkbaren Steuerdüsen so hart herumgerissen, dass sie schlagartig zur vertikalen Lage kam. Die scharfe Spitze wies nun in den tiefschwarzen Sternenhimmel, der auf dem luftleeren Mond identisch mit dem Weltraum war.
Heulende Kreisel übernahmen die Einstabilisierung. Jemand schrie, niemand wusste, wer es war.
Rhodan verzichtete auf Befehle und Anweisungen. Sie wären sinnlos gewesen. Kein Mensch hätte hier noch etwas tun können, auch Rhodan als »Sofortumschalter« nicht.
Die erforderlichen Berechnungen und Schaltungen konnte nur noch die Automatik ausführen. Jedes menschliche Hirn hätte hier versagen müssen.
Auf den Bildschirmen der Außenbord-Beobachtung tauchten die zackigen Ränder eines Walls auf. Der Bodenschirm gleißte in grellster Weißglut. Dort tobten die Gewalten der expandierenden Gase.
Bully brüllte etwas. Es war mehr ein hilfloses Röcheln, und es war erstaunlich, dass er es bei 16 Gravos noch aus dem Halse gequetscht hatte.
Dann hörten sie das Tosen und Bersten. Ein weiterer Stoß hieb sie in ihre Pneumobetten. Es knirschte in der Zelle, einzelne Armaturen zersprangen mit hellen Lauten.
Das harte Rütteln und Vibrieren kam sofort danach. Ehe sich die Schwankungen ausglichen, wurde es so plötzlich still, dass die gemarterten Sinne aufzuspringen schienen wie die Federdeckel alter Uhren.
Abnorm laut vernahmen sie das seltsame Gurgeln der Landebeinehydraulik. Am Pendelmesser sahen sie, dass sich das Schiff bolzengerade aufrichtete. Da erlosch auch noch dieses Geräusch. Zurück blieb nur das Knacken und Knallen in den Verbindungen der Gesamtzelle. Hochbeanspruchte Teile entspannten sich, und das geschah niemals lautlos.
Über Perry Rhodan leuchtete die grüne Lampe auf. Sie flackerte nicht, sondern strahlte ruhig.
In diese Stille hinein tönte ein schrilles, hysterisches Gelächter.
»Captain Flipper!«
Rhodans Stimme war nicht laut, aber messerscharf. Die hohen Laute brachen schrill und misstönend ab.
Als Flipper verstummte, lockerten sich die harten Linien in Rhodans Gesicht. Ein milder Ausdruck erschien in den hellen Augen des Kommandanten.
»Okay, Flipp, vergiss es.«
Sein Blick streifte nochmals die grüne Lampe. Ihr Schein war so unendlich beruhigend. Der Zentralerobot gab damit ein wortloses Signal. Die Rakete stand, offenbar kaum beschädigt.
Bully zeigte ein atemloses Grinsen. Sein logischer Verstand schien sich noch zu weigern, die Tatsache als gegeben zu nehmen. Dr. Manoli schwieg wie immer. Sein blasses Gesicht wurde von kohlschwarzen Augen belebt. Sie fragten.
Perry Rhodan versetzte den Männern einen seelischen Nackenschlag. Selbstverständlich hatten sie nun eine Bemerkung über die erfolgreiche Notlandung erwartet, ganz selbstverständlich sogar! Jeder normale Mensch hätte so reagiert und wenn es nur in der Form eines kurzen Stoßseufzers gewesen wäre. Irgend etwas hätte kommen müssen, etwas, was mit der grausamen Not der letzten Augenblicke in Zusammenhang stand.
Rhodan reagierte anders.
»Flipp, du wirst sofort feststellen, wo der unbekannte Störsender steht. Die Unterlagen sind auf den Magnetbändern des Zentralehirns. Ich möchte sehen, wie gut du als Mathematiker bist.«
Das war alles. Mehr sagte er nicht.
Der kleine, lebhafte Mann mit dem seltsam jung erscheinenden Gesicht unter einem gewaltigen Kahlkopf nannte sich Allan D. Mercant. Rein äußerlich erkannte man ihn sofort an dem schütteren Haarkranz, dessen goldblonder Farbton in der Schläfengegend von einem hellen Silberweiß unterbrochen wurde.
Allan D. Mercant gehörte zu den friedfertigen Naturen, die mit einem stillen Gefühl der Freude Regenwürmer und andere Kriechtiere von den Gartenwegen räumen, nur damit die Geschöpfe nicht zertreten werden. Das war Mercants rein private Seite.
Geschäftlich, besser gesagt dienstlich betrachtet, war Mercant der gewaltige Mann im Hintergrund. Er war identisch mit dem nahezu allmächtigen Chef der Internationalen Abwehr, einer von der NATO geschaffenen Geheimdienstorganisation mit der offiziellen Bezeichnung »International Intelligence Agency«. Mercant war damit nur der NATO-Vollversammlung verantwortlich. Er stand in engster Zusammenarbeit mit den nationalen Abwehr- und Geheimdiensten.
Als er in Begleitung eines älteren Mannes den großen Konferenzraum betrat, erlosch das Summen der gedämpften Unterhaltung.
General Pounder, Chef der Space-Force, machte die Anwesenden miteinander bekannt. Es handelte sich um eine Geheimsitzung im 16. Stock des Department of Space in Washington.
Allan D. Mercant machte es kurz und schmerzlos. Das gebräunte Jungengesicht unter der hochgewölbten Stirn erschien freundlich und ungemein sympathisch.
Er wies auf den Zeitungsberg auf einer Ecke des langen Tisches.
»Gentlemen, über diese Panne brauchen wir uns nicht mehr zu unterhalten. Ich sehe ein, General, dass Sie die nun einmal anwesenden Berichterstatter nicht für alle Ewigkeiten auf den Nevada-Fields festhalten konnten. Es sind ohnehin einige handfeste Beschwerden eingelaufen, die Colonel Kaats jedoch abgebogen hat.«
Der ältere Mann an seiner Seite nickte bedächtig. Kaats gehörte zur Bundeskriminalpolizei. Er fungierte als Chef der Sonderabteilung »Innere Abwehr«.
»Wesentlich beunruhigender sind verschiedene Zeitungsmeldungen und Fernsehreportagen. Danach ist unsere STARDUST nicht nur verschollen, sondern regelrecht abgestürzt. Es werden teilweise so genaue Details gegeben, dass wir uns besorgt fragen, mit welchem prozentualen Anteil die Wahrheit beteiligt ist. Noch wichtiger erscheinen mir die Quellen zu diesen Angaben. Dies nur zu Ihrer Information. Wir haben unsere Fühler ausgestreckt. Nun ...«, Mercant sah nachdenklich auf die Uhr, »die STARDUST ist seit mehr als 24 Stunden verschollen. Bleiben wir bei dem Begriff, der noch alle Hoffnungen in sich birgt. Mich interessiert Ihre Meinung über die Leitartikel einiger führender Blätter, in denen klipp und klar behauptet wird, es wäre ein Notruf Ihres Raumschiffes aufgefangen worden. Es handelte sich um das Kurzsignal QQRXQ, das nach dem Kode der Space-Force soviel bedeute wie Angriff, geplante Fernsteuerstörung und Einleitung zu einem Absturz. Wenn das so ist, so bitte ich um nähere Angaben.«
Allan D. Mercant nickte freundlich in die Runde. Dann setzte er sich. General Pounder erhob sich müde. Sein Gesicht wirkte zerfurcht und eingefallen. Das Organ klang etwas brüchig.
»Sie haben recht, Sir. QQRXQ ist identisch mit diesen Begriffen. Es ist uns rätselhaft, wie einige Berichterstatter an den Kode kommen konnten. Ich habe unseren Sicherheitsdienst eingeschaltet. Ergebnislos bis jetzt, leider! Dagegen ist der Empfang des Kurzsignals weniger verwunderlich. Einige Großstationen waren auf das lunare Südpolargebiet eingerichtet. Wir hatten um die Unterstützung der großen Observatorien gebeten. Da kann etwas durchgesickert sein, womit natürlich noch nicht erklärt ist, woher man den Sinn von QQRXQ kennt. Mehr kann ich dazu nicht sagen.«
»Lassen wir es. Was ist nun wirklich mit Ihrem Schiff geschehen? Halten Sie eine ganz bewusste und planmäßige Störung Ihrer Fernsteuerimpulse in der Tat für möglich? Wie mir von Fachleuten erklärt wurde, könnte das eigentlich nur durch eine auf dem Mond postierte Funkstation bewerkstelligt worden sein.«
Pounder neigte den Kopf. In seinen Augen glomm hilfloser Zorn. »Ja, so ist es. Es gibt keine andere Möglichkeit, so wahnwitzig es auch klingt. Wir haben während der vergangenen 24 Stunden unsere Geräte überprüft. Sie sind einwandfrei in Ordnung. Versager liegen auf keinen Fall vor. Wir sind zu zwei Endergebnissen gekommen, Sir.«
Pounder wischte sich mit einem riesigen Taschentuch über die schweißbedeckte Stirn. Schwer atmend fuhr er fort: »Entweder hat Major Perry Rhodan ein unrichtiges Kodesignal ausgelöst oder die Empfänger der STARDUST sind tatsächlich durch eine starke Überlagerungssendung ausgeschaltet worden. Was nun Major Rhodan betrifft, so halten wir es für ausgeschlossen, dass diesem Mann ein derart entscheidender Irrtum unterlaufen ist. Rhodan ist unser As, es dürfte bekannt sein. Außerdem beweisen unsere Berechnungen einwandfrei, dass die Rakete im entscheidenden Augenblick aus der Fernsteuerung geriet. Sie muss unter Berücksichtigung des bekannten Fallwinkels, der Mondgravitation und Schiffsmasse etwa 60 bis 70 Kilometer hinter der Polargegend auf den Boden gekommen sein. Es ist durchaus möglich, dass es sich um eine harmlose Bruchlandung handelt. Es kann auch ein Totalverlust eingetreten sein. Niemand weiß es.«
Mercants klare Augen hatten sich umschattet. Colonel Kaats räusperte sich gemessen. Die Daten stimmten mit den Ermittlungen der Abwehr überein.
»Angenommen, General«, warf Mercant gedehnt ein, »angenommen, die Schiffsgeräte wären wirklich gestört worden: was folgern Sie daraus?«
Pounder knurrte wie eine bissige Dogge. Sein blasses Gesicht rötete sich bedenklich.
