Persephones gestohlene Geschichte - Hartwig Biedermann - E-Book

Persephones gestohlene Geschichte E-Book

Hartwig Biedermann

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Beschreibung

Persephones gestohlene Geschichte Die Historie der Frauen in einer neuen Sicht Vor- und Frühgeschichte, Religionsgeschichte Die archäologischen Funde der verschiedenen Steinzeiten und der Antike zeigen, dass den Ursippen Alteuropas und des Vorderen Orients eine Matrone vorgestanden hat, denn es gibt fast nur Funde weiblicher Muttergottheiten aus den Steinzeiten. Sie werden aber als „Figurinen eines Fruchtbarkeitskultes“ abgewertet, um ihnen den viel umfassenderen Charakter einer Steinzeitreligion zu nehmen. Sie zeigen deutlich, dass die erste Gottesvorstellung der Menschheit eine Weibliche war. Die Jagdbeuter kannten sie als Geist-Mutter und Herrin von Mensch und Tier, die alles aus sich selbst hervor brachte. Die sesshaft werdenden Clane und Kleinstämme der Jungsteinzeit transformierten sie zu ihrer Ackerbau-Mutter. Sie übernahmen aus den Steinzeiten das matriarchale Prinzip der Zeugung eines heiligen Kindes dieser Göttin, dass als ein „Grundgesetz” der frühen theokratischen Kulturen und der späteren Großreiche gelten kann. Daher konnte sich ihr Adel auch von den Göttern ableiten und eine „heilige“ Rolle in der Gesellschaft beanspruchen. Analogien dazu lassen sich noch beim frühen Christentum finden, dass seine göttliche „Dreieinigkeit“ aus der ägyptischen Göttertriade Isis, Horus und dem sterbenden männlichen Fruchtbarkeitsgott Osiris bezog. Dieses Buch untersucht das antike Clansystem und seine Entwicklung von einem Matrilinearem zu einem frühen Patrilinearem. Es zeigt, welche Änderungen der entstehende Staat an dem älteren Gentilstem von Curien der Stämme Griechenlands und Roms vornahm, um die Stellung des Mannes zu verbessern, der ursprünglich seinen biologischen Kindern nicht einmal sein eigenes Erbteil übertragen konnte, da es in seine Muttersippe zurückfließen musste. www.persephonesgestohlenegeschichte.de www.mutterrechtmatriarchatundmythos.de www.mythosjesus.de

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Seitenzahl: 488

Veröffentlichungsjahr: 2014

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Inhaltsverzeichnis

1. KAPITEL:

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Teil 1: Die uralte Muttergöttin

Von der Urgöttin des Paläolithikum zur Erdmutter der sesshaften Ackerbauvölker

Teil 2: Die Herrscherin des Himmels

Von der Mutter der Götter zur Himmelskönigin der frühen Theokratien

Teil 3: Geheime Frauenkulte in der Antike

Göttin, Matriarchat und religiöses Königtum

2. KAPITEL :

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Teil 1: Die theokratisch gelenkten Gesellschaften

Herrschaft der Frau in Religion und dem matriarchalem Adel

Teil 2: Das Aufkommen der politischen Gesellschaft

Vom Zerbrechen der Adelsgesellschaft bis zu den Reformen des Kleisthenes in Athen

Teil 3: Der römische pater familias

Ein falscher Vaterbegriff verwirrt bis heute die Gemüter

Teil 4: Das Erbrecht und das Bürgerrecht

Vermittlung des Namens über die Mutter oder den pater familias?

3. KAPITEL :

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Teil 1: Die Teilung der Geschlechter

Muttersippen kannten Exogamie nur für den Mann

Teil 2: Die Frau, Anfang und Ende ihrer Familie

Fortpflanzung des Namens in männlicher Linie kommt auf

Teil 3: Die scheinbare Abgeschiedenheit der Frau im Haus

Oder: Frauen führten die Geschäfte im ehelichen Oikos

„Wir gehen von einer männlichen Herrschaft aus – und daher von einer Unterordnung und Unterwerfung der Frauen – so weit der Horizont der Geschichte reicht. Die Mehrzahl der Humanwissenschaften einschließlich der Anthropologie ist sich hierin einig. Das Matriarchat ist ein Konzept der Anthropologen und Historiker des 19. Jahrhunderts (Bachofen, Morgan) und ein nostalgischer Traum der ersten amerikanischen Feministinnen. In den historischen Gesellschaften, zu denen wir Zugang haben, ist davon keine Spur zu finden.“

Vorwort der französischen Historiker Georges Duby und Michelle Perrot zur „Geschichte der Frauen“, Frankfurt am Main, 1993

Chor: „Sahst du nicht, wie wenig vermag die traumgleiche Ohnmacht, Die das blinde Geschlecht der Männer bindet?“

(Aischylos, „Der gefesselte Prometheus“)

Stimmt es wirklich, dass Frauen in der Antike rechtlos waren, dass sie nicht einmal das Bürgerrecht der Stadtstaaten besaßen? Ist es wahr, dass eine Frau als Jugendliche ihrem Vater ganz unterworfen war und es später in der Ehe ihrem Gatten zeitlebens blieb? Kann es stimmen, wenn vor allem Juristen immer wieder behaupten, dass die antike Frau als juristische Person vor dem Stadtgericht der Polis nicht existierte und keine Verträge schließen konnte?

Die wahre Antike war ganz anders, muss der erste Satz einer alternativen, die echte Geschichte der Frauen rekonstruierenden Historie heißen. Denn sie wurde – ob wissentlich oder unwissentlich – auf jeden aber Fall gründlich, bis zu ihrer völligen Unkenntlichkeit zerstört. Noch immer gilt es als anstößig oder mindestens als naiv, eine neue, echte Geschichte der Frauen schreiben zu wollen. Persephone, die ihrer Mutter Demeter von Hades, dem Unterweltsgott geraubt wurde, kam mit ihrem Mutterhaus auch ihre Rolle als Creatrix erster menschlicher Kulturblüte abhanden. Nicht anders ergeht es bis heute dem ganzen Geschlecht der Frauen, dem seine Historie geraubt, enteignet und gründlich unkenntlich gemacht wurde.

Auch heute noch in unserem scheinbar so aufgeklärten Zeitalter, ist jede Autorin, jeder Autor gezwungen, gegen die in der Altertumswissenschaft verinnerlichten Vorurteile und falschen Gewissheiten anzuschreiben, welche die monopolisierten Denkschulen der Forscher nach wie vor kultivieren. Doch anders ist die Geschichte der Frauen aus den Trümmern einer sie entstellenden, fast ausschließlich männlich geprägten Geschichtsdeutung nicht wieder herzustellen, deren Horizont leider oft nicht weit reicht.

Filigran sind bisher die Gedankenkonzepte, die versuchen, der herrschenden These von der ewigen Vorherrschaft des Mannes über das Weib die Theorie vom vorzeitlichen Matriarchat, also der Herrschaft der Frau über Sippe, Geschlecht und frühen Stamm, entgegenzustellen. Der mythische Reichtum ist noch nicht erschlossen, die Büchse der Pandora nicht geöffnet worden für die echte Erschließung der antiken Gesellschaft und Kultur.

Wurde doch im Altertum das ganze Universum mit all seinen kreativen Lebenskräften weiblich gedacht, als schöpferisch-mütterliches Urprinzip, und deshalb als heilig betrachtet. So waren denn auch Wissen und die Weisheit in der Antike weiblich besetzt, galt die „Sophia“ als Eigenschaft der Großen Göttinnen, bildete sie den Humus, aus dem die Philo-Sophia erst entstand. Das Land galt doch noch den Kelten als eine magisch-weibliche Kraft, der sich ihre Heroskönige regelmäßig neu vermählen mussten, um überhaupt gerecht und rechtmäßig herrschen zu dürfen. Die ägyptische Himmelsgöttin Maat verkörperte nicht nur die Wahrheit und Gerechtigkeit. Die Sonnenkönige der Ägypter wurden wie das Gestirn täglich durch ihren Leib im himmlischen Universum wiedergeboren. Ebenso nahm sie die Toten in ihrem Leib wieder auf, um ihnen ein neues Leben einzuhauchen, wie die Sargmalereien und das Totenbuch der Ägypter zeigen. Denn die Pharaonen starben nicht, sie wurden wie Osiris zu beschirmenden Gottheiten des Reiches am Nil.

Wie erklärt sich vor diesem Hintergrund der antiken Sakralgesellschaften die Behauptung, dass die Antike angeblich schon patriarchal organisiert gewesen sein soll? Gab es vielleicht Patriarchen ohne ein Patriarchat? Woher resultiert die tiefe Kluft zwischen den reichen antiken Zeugnissen und dem künstlich erzeugten Bild der modernen Forschung über die antike Frau? Sind es nicht unsere Vorurteile, Unverständnis und die Prägung durch unsere moderne Kultur, die Arroganz unseres modernen Ethnozentrismus, die unser antikes Weltbild formten und auch nach wie vor prägen?

Es muss auch in Rechnung gestellt werden, dass auch schon die christlichen Überlieferer der Antike diese verfälscht wiedergaben, da ja die griechische Übersetzung des Alten Testaments (Septuaginta) erst im 3. Jahrhundert vor, die masoretische Fassung sogar erst im 4. Jahrhundert n.u. Z. niedergeschrieben wurde. Zudem war der Geschlechterkampf auch im frühen Christentum keineswegs patriarchalisch abgeschlossen, wie die Briefe des Paulus an die christlichen Gemeinden zeigen. Die interessante Frage aber ist, warum diese Schreiben notwendig waren, wenn doch die Frauen in den christlichen Gemeinden bereits damals nichts mehr zu sagen hatten? Die Sieger einer neuen Epoche schreiben ja die Geschichte (1)

Es gilt daher nicht erst für unsere Zeit, dass die gesellschaftlichen Systeme der Antike missverstanden werden. Denn ihre Grundlage, das religiös determinierte, polytheistische Gentilsystem, wurde schon im Mittelalter durch christliche Übersetzer nicht mehr richtig verstanden und wohl auch aus religiösen Gründen bekämpft. Daher wissen wir heute leider so wenig darüber. Für sie war es ein überlebtes Stammessystem, dessen innere Struktur und Funktion sie selbst nicht mehr kennen gelernt hatten und das theoretisch nur schwer nachvollzogen werden konnte. Selbst dann, wenn die Schreiber an den Klöstern es noch ernsthaft gewollt hätten.

Daher knüpft die Untersuchung an die familiären Strukturen des antiken Gentilsystems an und versucht zu zeigen, wie es wahrscheinlich an seinem Beginn aussah. Und wie es sich von seinen Anfängen durch die Zeitläufe bis zu seiner Aufhebung in der Spätantike fortentwickelte. Jede Geschichte der Frauen, die nicht in oberflächlichen Spekulationen verhaftet bleiben will, hat die gewissenhafte Verpflichtung, diese Untersuchung nach bestem Wissen und Können zu leisten und ihren Aussagen zugrunde zu legen, bevor leichtfertig so weitgehende Schlussfolgerungen über die soziale Stellung der antiken Frauen gezogen werden. Zudem wird hier der antike Vaterbegriff kritisch hinterfragt, den die Historiker des 19. Jahrhunderts vermeintlich in der Antike vorfanden und pauschal dem ihren gleichsetzten. So, als hätten sich der gentile Familienverband und seine komplizierten Verwandtschaftsverhältnisse durch die Jahrtausende hindurch nie verändert. Offenbar haben die europäischen Forscher, durch den zu ihrer Zeit bei der Entstehung der europäischen Nationalstaaten grassierenden Nationalstolz getrieben, mittels unzulässiger Rückprojektion aus Phratriarchen, (den Gensoder Sippenvorstehern der Curien), der Einfachheit halber Patriarchen gemacht. Und deren besondere Befugnisse wurden dann einfach auf alle Väter der Kleinfamilie übertragen. Dabei ist noch nicht einmal empirisch gesichert, ob der Vaterbegriff der Antike dem eines biologischen Vaters entsprach, wie es im 18. und 19. Jahrhundert in Europa der Fall war.

Bei den meisten indianischen Völkern Amerikas, welche die Europäer zu dieser viel späteren Zeit kennenlernten, war das nämlich auch noch nicht der herrschende Familienstand. Sicher ist nur, dass viele Völker rund um das Mittelmeer einen vorpatriarchalen „Vater“ als Erzieher der Kinder seiner Schwester kannten, der zumeist der Mutterbruder war und unserem Onkel entsprechen würde. Oft war er auch der Großväter mütterlicherseits oder der Bruder einer fürstlichen Schwester, in deren Namen er die Sippe vertrat. In ihnen finden wir die „Väter“, die ersten Ahnen und Heroen, auf deren Verehrung die gentilen Sippenverbände noch in viel späterer Zeit so großen Wert legten. Adoptierte nicht Julius Cäsar als Großonkel noch seiner Schwester Julia Enkel, Oktavian (den Cäsar Augustus), als „Sohn“, um ihm Namen, Status und das Vermögen, aber auch sein politisches Erbe in weiblicher Sippenlinie, wie bei uns der Vater, zu hinterlassen?

Ein jeder, der die gesellschaftlichen Strukturen der antiken Volksstämme und Stadtstaaten sowie die Stellung der Frauen darin genau analysieren will, hat doch zumindest nachvollziehbar darzulegen, wann und wodurch dieser vorpatriarchale Vaterbegriff sich änderte und auf den Gatten einer Ehefrau, also auf die im Entstehen begriffene Kleinfamilie als kleinste Organisation innerhalb einer Gens, übertragen wurde. Und natürlich auch, welche besonderen Rechte der „echte“ pater familias, der Vorsteher und Phratriarch einer ganzen Curie oder einer Vielzahl untereinander verwandter Gentes, mithin als fürstlicher Geschäftsführer oftmals Dutzender von Kleinfamilien innehatte. Ebenso ist die wissenschaftliche Untersuchung zu leisten und empirisch zu begründen, wodurch er diese besondere Stellung überhaupt erst erhielt. Durch Verbindung und Untersuchung dieser komplex ineinander verwobenen Komponenten stellt sich uns hier die Historie der Frauen diametral anders dar, als die wissenschaftliche Forschung sie beschreibt und unserer Öffentlichkeit als antike Wirklichkeit präsentiert.

Sie wurde durch Unwissenheit, Gleichgültigkeit und Ignoranz verfälscht, um den Mythos von der ewigen männlichen Vorherrschaft aufrecht zu erhalten. Egon Friedell hat in seiner Kulturgeschichte von „der Erfindung der Antike“ gesprochen. Dem kann man sich in wichtigen Teilen nur anschließen. Wie sich immer wieder in Diskussionen gezeigt hat, die der Autor mit interessierten Personen und Freunden führte, ist das Thema Stellung der Frau in der Antike durchaus nicht nur von wissenschaftlichem Interesse. Sondern es hat vielmehr gerade auch für viele Männer in der heutigen Zeit sehr starke emotionale, psychische und sogar politische Implikationen. Es birgt auch heute genug verdeckten gesellschaftlichen Sprengstoff in sich.

Dieses Buch wird Widerspruch hervorrufen, soviel ist gewiss. Denn es stellt die festgefügten Denkmuster infrage, widerlegt falsche Gewissheiten und versucht mit neuen Denkansätzen, die seit Beginn der europäischen Altertumsforschung verbogene, verleugnete und krass entstellte Historie der Frauen wieder herzustellen. Begeben wir uns also auf die spannende Reise in eine ferne Vergangenheit und lassen wir die wahre Geschichte Persephones an den Ursprüngen des Menschengeschlechtes wiederkehren.

1. Kapitel: DIE GÖTTIN-RELIGIONENALS URSPRUNGDER KULTUR

Teil 1: Die uralte Muttergöttin

Von der Urgöttin des Paläolithikum zur Erdmutter der sesshaften Ackerbauvölker

„Chorführer: Und nun hinein ins heilige Rund, in den Blütenhain der Göttin, auf das froh sich tummle, wer an unserm Gottgefälligem Feste teilnimmt Führer des Frauenchores: Ich aber will mit den Mägdlein und Frauen dorthin ziehen, wo sie der Göttin das Nachtfest feiern, und ihnen mit heiliger Fackel leuchten!“

(Aristophanes, Die Frösche)

Gab es bei Beginn der Sesshaftwerdung einen männlichen Gott? Finden wir nicht in der Antike überall noch Göttinnen, die den wichtigsten Bereichen der Menschen, dem Ackerbau, dem Handwerk und der Produktion im Tempel vorstehen? Wie kommt es, dass alle Welt glaubt, die herrschenden Götter der Antike seien Vatergötter gewesen? Wurde das Sippensystem der Alten falsch verstanden, weil man die Funktion des Vaters darin nicht richtig verstand? Ist nicht denkbar, dass eine falsche Bewertung der gentilen Familienverbände zu einer falschen Analyse des Götterpantheons führte?

Die Erdgöttin der Alten ist es, aus der die spätere Sippe der Himmelsgötter erst hervorging. Der Mythos aller Völker zeigt sie uns an der Spitze des ältesten Götterpantheons, an dessen Beginn sie allein thront. Nichts ist weit und breit zu sehen von einem monotheistischen Vatergott, und je weiter wir an den Beginn von Gemeinschaft und Kultur zurückgehen, desto weniger sind männliche Gottheiten überhaupt nachweisbar. Diese Urgöttin trug viele Namen, bei jedem Volk einen anderen. Rheia, Demeter, Ceres, Neith, Shing-Moo, Agdistis, Bona Dea, Ana-Perennia, Rhoma, Nerthus, Cailleach Bhiarach, Fir Dea, Bu-Anu, Anaitis, Bellona, Harmonia, Kybele, Coatlicue,– um nur einige zu nennen. Schomalonga, Muttergottheit der Erde nennen die Völker des Himalaya ihren heiligen Berg, dem wir den Namen Mount Everest gaben. Ge oder auch Gaia (Damater) nannten die frühen Griechen ihre Erdmutter, deren Heros Poseidon ebenfalls ein erdverbundener Gott war, der noch in später Zeit als „Erderschütterer“ galt, der die Erdbeben hervorrief. Dies sind Namen der Großen Erdmutter, die wir weltweit bei allen alten Stämmen, Kulturen, Völkern und den ersten entstehenden Hochkulturen als älteste Gottheit vorfinden. Und ebenfalls weltweit sind Schlange und Drachen ihre mythischen Symbole, welche die Völker in ihrem sakral-symbolisch geprägten Kunsthandwerk, auf ihren Webstoffen oder ihrer Keramik verarbeiteten.

„Die ältesten, ehrwürdigsten Gottheiten, vor denen alle oberen Götter sich beugen, sind ursprünglich alles Erdmütter, die den Schicksalsfaden der ganzen Welt spinnen und das tiefe Geheimnis in Mysterien bewahren.“ (1)

„Ebbe und Flut, Wachsen und Schwinden, Auflösung des Fleisches, Gärung und Verwandlung der Weine, Fosforeszenz, Fäulnis der Hölzer, Eibrut, leichte Geburt treiben unter ihr.“

Sumpfzeugung und Sumpfgeburt des Adels in weiblicher Linie rechnet Johann Jakob Bachofen ihr zu, oder deutet diese zumindest an. Als Isis gleitet die Göttin auf der himmlischen Barke, der Mondsichel durch das obere Fruchtwasser (des Nils), als Große Göttin fährt sie auf dem Kultwagen der Nomadenvölker einher. Als Nordgöttin (Nerthus) wird sie auf einem Schiff (wie Isis und Athene) in heiligen Prozessionen übers Land gezogen, oft von Weberinnen begleitet, da sie ja selbst die „Große Weberin“ allen Lebens ist und den Menschen den Schicksalsfaden spinnt.

„Siehe, das Netz ist geworfen, es breitet sich weithin das Garn aus. Eilends dringen herzu durch die Mondnacht die Scharen der Thune.“

Diese dunkle Metapher spricht der griechische Seher Amphilytos anlässlich der Machtübernahme des Peisistratos zu Athen, der Historiker Herodot überlieferte sie uns. Er spricht dabei ausdrücklich von einem „gottbegeisterten Seher“. Auf welche Gottheit sich diese Begeisterung bezog, liegt offen zu Tage. Wir erkennen sie schon an der Netzsymbolik. Es ist die Große Mutter, die Weberin der Netze und Schnüre, deren Symbole: Fäden, Stricke und Vulven wir bereits in die Höhlenwände der Altsteinzeit eingegraben finden. So ist sie denn zugleich auch die schreckliche Mutter, Welche die Toten wieder in ihren uterinen Schoss aufnimmt. Sie, die das neue Leben gibt, überträgt sogar noch in der späten Antike bei vielen Stämmen die Macht auf den Herrscheradel. Ihre „Söhne“ sind es, die man inthronisiert. Herodot beschreibt, wie zu Argos auf dem spartanischen Peloponnes einlässlich eines Festes zu Ehren der Hera die heiligen, zum Opfer bestimmten Zugstiere nicht rechtzeitig zur Verfügung standen. Sie sollten den Kultwagen der Göttin zum Heiligtum ziehen. Da nahmen die Söhne der Königin, Kleobis und Biton eigenhändig die Deichsel des Wagens, damit zugleich aber auch die Stelle der Opfertiere ein. Herodot beschreibt es so:

„Und nachdem sie dies getan hatten, wurde vor den Augen der Menge ihnen der schönste Tod zuteil und die Gottheit offenbarte an ihnen, dass der Tod für den Menschen besser ist, als das Leben. Denn als die Männer sich um sie herum versammelten und ihre Stärke priesen, die Frauen aber ihre Mutter glücklich priesen über solche Kinder, da trat die Mutter, hocherfreut über die Tat und über das Lob, vor der Göttin Bild und flehte, dass sie ihren Söhnen Kleobis und Biton, die sie so hoch geehrt hatten, das Schönste verleihen möchte, was ein Mensch erlangen kann. Nach diesem Gebet begingen sie das Opfer und hielten das Festmahl, und danach legten sich die Jünglinge im Heiligtum nieder zum Schlaf und standen nicht wieder auf, sondern fanden dort ihres Lebens Ziel.“

Die Argeier aber ließen Bilder von ihnen machen und weihten sie in Delphi (= Mutterschoß), als solche von Männern, die große Tugend bewiesen hatten. Die Große Göttin gebot aber auch dem Totengott der Unterwelt. Minos, Rhadamantis, Osiris, die Mythen dieser Könige berichten uns davon, wie sie durch die Heilige Hochzeit, den hieros gamos, von Heroen der Göttin zu Königen erhoben wurden und dann eine zeitlang auf Erden herrschten. Schließlich tötete man sie rituell nach Ablauf einer kalendarischen Frist, ursprünglich wurden sie sogar kultisch zerstückelt, was auch noch in den Jesuslegenden und ihrem „Gottessen“ anklingt. Die Zerreißung des Osiris in 13 Teile, die bis auf den Penis in die Äcker der 12 ägyptischen Gaue vergraben wurden, (daher konnte Isis diesen auch nicht wiederfinden, denn er schwamm längst in einem Worfelkorb, dem liknos, im Meer) zeigt, ebenso wie die anschließende Zeremonie der rituellen Wiederbelebung des Vegetationsgottes und frühen Königs Osiris, dass die Göttin Isis selbst den Totengott Anubis beherrschte. Wir sehen hier einen typischen Brauch der frühen, mutterrechtlichen Ackerbauvölker (James G. Frazer hat sie in seinem interessanten Werk „Der goldene Zweig“ beschrieben), der bei einigen Völkern weit bis in die Spätantike hineinreichte. (3) Natürlich geschah die anschließende Wiederauferstehung, die uns übrigens auch an Jesus den Christus und die Essenersekte von Qumran denken lässt im nächsten Frühjahr, wenn die Göttin erneut die neue Vegetation aus der Erde sprießen ließ, damit sie die magische Kraft dafür besaß.

Da machte sich bereits der nächste Darsteller des Gottes Osiris auf Zeit bereit, über die Heilige Hochzeit (hieros gamos) mit der Göttin-Königin, die Rolle seines Vorgängers zu übernehmen. Die dreizehn Teile des Gottes geben uns Aufschluss über den Zeitraum, in dem vermutlich der frühe Priesterkönig herrschte:13 Mondmonate nämlich, ein ganzes Mondjahr oder besser gesagt, ein ganzes altes matriarchales Jahr. Denn der Mondkalender beherrschte die alte Welt, bestimmte die Daten der Feste und der Aussaat, den Kreislauf der Jahreszeiten, bevor Cäsar den Sonnenkalender mit religiösen Neuerungen in Rom einführte. Nach ihrer kurzen Herrschaft und der anschließenden rituellen Tötung avancierten die frühen Könige im Mythos zu Richtern und Herrschern im Totenreich, übernahmen wie König Minos von Kreta Funktionen in der Unterwelt des Hades, die sie auch im Leben ausgeübt hatten. Ein König starb daher nach diesem animistischen Denken nicht, vielmehr erhielt er durch sein Opfer den Kreislauf der Natur aufrecht und bei vielen Kulturen wurde seine Seele rituell auf den Nachfolger übertragen. Im Leben wie im Tode sorgte er so dafür, dass die Fruchtbarkeit in der Ackerbaugesellschaft erhalten blieb. Er nahm seine sakrale Aufgabe als Herosgott des Wachstums für die Schöpfergöttin – und analog damit für die ganze menschliche Kultur der Frühzeit wahr. Wenn Jesus sich in diese alte Tradition des „Ur-Adam“ stellt und sein Bruder Jakobus der „Gerechte“ genannt wurde, oder auch der „Aufrechtstehende“, wobei die Metapher vom „Opferlamm“ für diese Heroen Verwendung fand, dann ist hier wohl auch dieses Prinzip des adligen Menschenopfers für die frühe menschliche Kultur-Gemeinschaft bezeichnet. Wie uns Strabon und Pomponius Gallus überlieferten, verboten die Römer nach der Eroberung Galliens solche traditionellen Menschenopfer und Kaiser Augustus hat später den Römern die Teilnahme an der Religion der Druiden generell gesetzlich untersagt.

Wie Osiris der Isis, so finden wir den Mann der Frau in den frühen Zivilisationen der matrifokalen Gesellschaften untergeordnet, er ist der passive Teil der matriarchalen Tribes und Gesellschaften gewesen. Er führte aus, was die „Herrin des Hauses“ anordnete und regelte die gesellschaftlichen Aufgaben des Clans nach außen. Sie dagegen empfing ihre – und folglich auch seine Gäste – wie die Königin Arete auf der Phäakeninsel Scherie den Fürsten Odysseus und seine griechischen Freunde und Begleiter in ihrer Halle empfing. Der „Vater“ der Erbprinzessin, der König Alkinoos, (4) bietet dem Fürsten Odysseus in der „Ilias“ die Hand seiner Tochter Nausikaa an. Er schlug ihm vor, er möge doch da bleiben und sich „mein Eidam“ nennen, er würde ihm Tochter, Haus und Besitztum geben. Odysseus jedoch lehnte wohl aus gutem Grund das Angebot des Königs ab, in Befolgung der matrilokalen Sitten der Insel in sein Haus zu ziehen und die matriarchale Erbpinzessin zu ehelichen. Er ahnte wohl, was ihm kurz über lang blühen würde und überdies wäre er als Gatte der Königin in ihrer Sippe ganz ohne Einfluss gewesen, da er ihr nicht blutsverwandt war. Folglich hätte er höchstens als königlicher Repräsentant auf Zeit gedient und später als Opfer, weshalb viele der antiken Völker ursprünglich gern Ausländer zu ihren Königen machten.

Dem griechischem Mythos nach war seine Gattin Penelope die erste Frau Griechenlands, die ihre Sippe verließ und patrilokal zu ihrem Gatten an seinen Fürstenhof auf der Insel Ithaka zog. Die Fürstin Penelope tat das der Überlieferung nach durchaus gegen den Willen ihrer Eltern, oder besser gesagt, ihrer eigenen Sippenverantwortlichen in weiblich-agnatischer Linie, zu der wir auch ihren Mutterbruder, den „pater familias“ und geschäftsführenden Vorsteher der mütterlichen Sippe nach außen rechnen dürfen. Bereits in den ältesten Kulturen der Menschheit von denen wir Kunde haben, bei den paläolithischen Mammutjägern, fanden sich die Idole der uralten Muttergöttin, zumeist in den von den Dörfern der Menschen abgesonderten Höhlen der den Göttern nahen Schamanenpriestern. So ist unsere Annahme mehr als berechtigt, dass sie die älteste Form des Göttlichen darstellt, das wir Menschen in den Frühkulturen der Vorzeit verehrten. In den Steinzeithöhlen sehen wir die Symbole ihrer Religion abgebildet und im steinzeitlichen Kult vor allem durch viele Darstellungen von Netzen und Vulven gekennzeichnet. Wodurch sie uns als „Mutter allen Lebens“, aber ebenso auch als eine wiederaufnehmende Gottheit der Toten erscheint. Neben ihr findet sich noch im späten Neolithikum nicht die leiseste Spur eines männlichen Gottes. Als der zuerst im frühen Pantheon erscheint, ist er entweder ein Sohn- oder Herosgott der mächtigen Muttergöttin, aber noch lange kein allmächtiger Vatergott aus eigenen Gnaden.

Lewis H.Morgan, der etliche Jahre bei den Irokesen lebte und ihre innere Stammesstruktur genau kennenlernte, hat in seiner darauf beruhenden „Urgesellschaft“ beschrieben, dass die australischen Aborigines neben ihrem späteren Clan- und Totemsystem zwei ältere Klassen kannten: nämlich die nach dem Geschlecht von Frau und Mann. Die frühen neolithischen Ackerbaustädte von Catal Hüyik und Hacilar in Anatolien, die um ca. 7000 vor unserer Zeitrechnung entstanden, zeigen uns Begräbnispraktiken, die nach dem Geschlecht unterschieden wurden. Während nämlich die Gebeine der Männer offenbar achtlos in Massengräbern verscharrt wurden, bekamen die Frauen dieser Kultur fürstliche Einzelgrabbestattungen mit entsprechenden Grabbeigaben, die bereits einen Glauben an ein Weiterleben im Jenseits – oder aber eine spätere Wiederkehr der Toten nahelegen. In den späteren sesshaften Ackerbaukulturen ist es wiederum die Große Mutter, um deren Wasser- und Hainheiligtümer herum die ersten Städte entstehen. Wenn es auch im frühen Rom eine Wolfspriesterin (Völva) gab, welche die fürstlichen Stadtgründer Romulos und Remus an einem Naturheiligtum des Tiber aufzog, ist dies nur ein Beleg mehr für unsere These. Die Erziehung eines privilegierten Adelsstandes an abgelegenen Naturheiligtümern der Göttinnen lässt sich noch in der Klassischen Antike belegen, wie nicht nur die Tätigkeit der Dichterin Sappho zeigt. So ist die Große Mutter die erste große kulturschöpferische Gottheit, die sich in der Geschichte der Menschheit nachweisen lässt. Die ersten komplexen Stadtstaaten der Sumerer im Lande zwischen Euphrat und Tigris entstehen nach der Sintflut in ihrem Namen und dem ihrer Religion erstmals zu der hohen Kulturblüte, die wir noch heute so bewundern. Und bereits die älteste Kultur Europas, die „Donauzivilisation“ entstand in ihrem Namen, wie die vielen Funde der Göttinnen-Statuetten und Idole gezeigt haben. (Maria Gimbutas, 1991)

Diese uralte Religion der Muttergöttin wurde ökonomisch zuerst über eine frühe kollektive Tempelwirtschaft ausgeübt, die ersten alten Siedlungen und Stadtgründungen wurden um solche Heiligtümer herum gegründet, die für die Wirtschaft, Handel und die gerechte Verteilung der erwirtschafteten Güter zuständig waren. (Distribution) Denn Geld gab es natürlich noch nicht und die Güter mussten untereinander ausgetauscht werden, wofür ein ritueller Akt im Tempel notwendig war. Noch die Griechen tätigten ihre Handelsgeschäfte nur mit dem Segen der Götter unter einem Eid auf sie. Die Tempel wurden später die ökonomischen Zentren einer hochentwickelten, theokratisch über sie gelenkten Gesellschaften der Bronzezeit. Wir dürfen bei den Königssitzen der mykenischen Griechen und Kretas unterstellen, dass sie auch noch solche sakralen Tempelstädte waren und keine Königssitze im mittelalterlich-feudalen Sinne. Weshalb auch die „Könige“ dieser Kulturen nichts anderes waren, als magisch repräsentierende Priesterkönige auf Zeit, welche wie in den orientalischen Königtümern für die Fruchtbarkeit, sowie die Organisation des Feldbaus des weiblich gedachten Landes und natürlich auch seine Verteidigung nach außen zuständig waren. Diese frühen Stadtstaaten funktionierten noch ausschließlich theokratisch, was selbstverständlich auch auf die Inthronisation und Nachfolge des Königs bezogen werden darf. Vom Tempel und seinen Priestern her wurden sowohl die Aussaat der Felder, als auch die sakrale Bestellung derselben organisiert. Alle männlichen Mitglieder der Clan-Gemeinschaft produzierten ursprünglich kollektiv, wie uns beispielhaft die kretische „Schnittervase“ zeigt. Sie wurden offenbar im Austausch für ihre Produkte vom Tempel entlohnt, der auch den Außenhandel zentralisierte und die Lebensmittelverteilung an die einzelnen Sippenverbände und Clans nach ihrer Arbeitsleistung und Bedeutung vornahm. Natürlich bekamen auch die Götter ihren Anteil daran, wie die Schriftarchive zeigen, die man in diesen Tempelpalästen ausgrub.

Weil diese frühe Art der Produktion bald komplexe bürokratische Hilfsmittel erforderlich machte, entstanden die Schrift und folglich das ganze System der Aufzeichnung von Verwaltungsdaten entweder auf Tontafeln oder auf Schilfträgern. Der frühe Tempel funktionierte also wie eine heutige Bank, die nicht nur Kredite vergab und die Produktionsmittel stellte, sondern auch den Handel mit Produkten nach außen organisierte und die gerechte Verteilung der Güter zwischen den Clans, Sippen und Stämmen der frühen mutterrechtlichen Gentilgesellschaft besorgte. Dadurch erklären sich die umfangreichen Magazine und Warenlager, welche die Ausgräber in den „Palästen“ des Nahen Ostens fanden. Vermutlich wurde die Technik der Aussaat des Getreides auch von den Priesterinnen der Großen Mutter entdeckt, wenn diese ihrer Göttin Naturalspendeopfer darbrachten. Auf diese Weise besaßen die magischen Zwecken dienenden naturalen Spende- und Opfergaben einen geheimnisvollen und kulturstiftenden Nebeneffekt, den die Frauen zuerst entdeckten und sicherlich der Menschheit schnell über den schon lange existierenden Gartenanbau zugänglich machten. Durch den Kornanbau und seine gezielte Verbreitung wurde es erstmals in der Geschichte der Menschheit möglich, Nahrungsmittelüberschüsse zu produzieren, was ein Anwachsen der menschlichen Populationen zur Folge hatte, die vordem nicht möglich gewesen war. Ja, war es nicht geradezu eine Bestätigung der großen Muttergöttin mit dem Füllhorn der Gaben (Amalthea), wenn im nächsten Frühjahr die neue Saat wieder aufkeimte, die den Überfluss an Nahrung in die Speicher brachte, welche die Menschen im Winter überleben ließ? Auf solche Weise brachte die Göttin den Menschen den Kornanbau, den Weinstock, die Olivenbäume sowie die Veredelung und Bearbeitung ihrer agrarischen Produkte. Und natürlich auch alle anderen wichtigen Kulturleistungen, die in den frühen sesshaften Ackerbaukulturen entdeckt wurden.

Deshalb war es auch selbstverständlich, dass die Götter in allen frühen Systemen der Lagerhaltung und Archivierung von Nahrungsmitteln ihre Speisen und Opfergaben ebenso zugeteilt bekamen, als seien sie lebende Wesen, die ihren Verbrauch von Gütern des täglichen Lebens selbst für sich einteilten. Oder sollten sie vielleicht ursprünglich auch real unter den Menschen gelebt, geliebt und gelitten haben? Kannten sie womöglich Eifersucht und Hader, Missgunst und Neid, wie wir gewöhnlichen Menschen? Gab es womöglich sogar auch menschliche Abbilder dieser Götter auf Erden, die eine Zeitlang ihre Stelle einnahmen? Es lassen sich tatsächlich sehr starke Anhaltspunkte dafür finden, wir werden später noch auf dieses spannende Kapitel früher Menschheitsgeschichte zurückkommen. Jedenfalls ist es eine feststehende Tatsache und nicht weiter verwunderlich, dass alle antiken Völker noch in später Zeit die Entdeckung all ihrer großen Kulturleistungen ihren Großen Göttinnen zuschrieben. Der Mythos von Aktaion zeigt uns dies anschaulich. Wie der ägyptische Gott Osiris trat er als Kulturbringer der Griechen auf, der die Menschen das Leben und die Künste der Sesshaftigkeit lehrte. Der Jüngling, zuerst selbst noch ein Jäger, Sohn der Nymphe Kyrene und des Gottes Apollon – und von diesem nach der Geburt an das Heiligtum der Erdmutter Gaia gebracht, die das Götterkind an ihrem Heiligtum aufzog (!), wurde nach seiner Erziehung zu einem Kulturheros, der den Menschen die kulturstiftenden Gaben der Großen Göttin überbrachte.

Von den Horen hatte Aktaion sein ganzes Wissen erlernt, die Heilkunst, das Bogenschießen, die Weissagung, aber auch die Kunst des Landbaues, die der Bienenzucht, sowie auch der Käsezubereitung und des Olivenanbaues. So lebte der Heros als Prophet der Mutter im Tempetal und brachte seinen Bewohnern, die noch allesamt nomadisierende Jäger waren, den Ackerbau und die Viehzucht und handwerkliche Fähigkeiten bei. Sein Wissen, seine Weisheit und Fertigkeiten waren so groß, dass man ihn alsbald wie einen Gott verehrte. Schließlich erwählte er sich die Prinzessin Autonoe, eine Tochter König Kadmos von Theben zur Frau, die er als Göttersohn natürlich auch zugesprochen bekam. Sein früher tragischer Tod ereilte ihn, als er eines Tages die Göttin Artemis traf und sie nackt im Bade sah. Sie verwandelte ihn in einen Hirschen, sodass Aktaion von seinen eigenen Hunden, die ihn nicht mehr erkannten, zerrissen wurde. Wir finden hier sicher einen Hinweis auf den uralten steinzeitlichen Hirschkult, in dem in den alten Zeiten die Heroen der Göttin kultisch getötet wurden. Er lebte auch dann noch konservativ bei vielen Stämmen fort, als die Frühkultur der Menschheit sich von einer jagdbeuterischen zu einer solchen von sesshaften Ackerbauern zu wandeln begann. Anklänge an diese alten sakralen Opferpraktiken lassen sich auch in der Artussage, in den keltischen Mythen um den Hirschgott Cernunnos, der Siegfriedsage oder den Wandmalereien der minoischen Ägäiskultur, ja selbst noch im frühen christlichen Mythos nachweisen.

Das System der kollektiven Produktion sesshaft gewordener Clans und die jetzt notwendig werdende Verteilung der erwirtschafteten Güter hatte bald die Erfindung der Schrift auf die Tagesordnung gerufen. Ohne sie war ja bei ansteigender Komplexität der Gesellschaft und dem dadurch hervorgerufenen Ansteigen der menschlichen Populationen eine Verwaltung und gerechte Verteilung der anwachsenden Nahrungsmittelüberschüsse und des kollektiv erwirtschafteten Reichtums nicht zu gewährleisten. Die Hochkulturen des Nahen Ostens, Anatoliens und des frühen Griechenlands übernahmen ihre religiös-kulturellen Grundlagen noch aus den segmentären Muttersippen der schweifenden, nomadisierenden Jägervölker. Und gaben diese erst in einem sehr zähen, jahrtausendelang währenden evolutionären Prozeß langsam und stückweise wieder auf. Menschliche Kultur und ihre Normen und so auch ihre Familienmodelle, sind immer konservativ und neigen selbst dann noch zur Bewahrung, wenn ihr ursprünglicher Inhalt längst gesellschaftlich überlebt worden ist. Gerechtigkeit und Gleichheit waren am Beginn von Kultur die Grundsätze der frühen Matriarchate, so wie eine Mutter auch stets bemüht ist, möglichst allen Familiengliedern gleiches Recht widerfahren zu lassen und niemanden zu benachteiligen. Das galt allerdings nur mit der Einschränkung, dass die Familienmitglieder in der weiblich-agnatischen Linie gerechnet wurden und solange das so war ein Ehemann, (sofern es die feste Einehe überhaupt damals schon gab), blutsmäßig nicht mit zur Sippe oder engeren Familie gezählt wurde. Denn er kam schließlich aus einer anderen Heiratsklasse oder einem Subclan (ursprünglich nach Tiertotems gegliedert). Aus einer solchen nämlich, die sich verwandtschaftlich von seiner eigenen Muttersippe herleitete. Und das hatte zur Folge, dass der Mann nicht nur nicht der Sippe seiner Frau nicht blutsverwandt war. Er war es auch nicht seinen leiblichen Kindern gegenüber, sodass er auch sein Erbteil ihnen nicht vermachen konnte, wenn er starb, sondern es seinen engsten Agnaten seiner Muttersippe übertragen musste. Das brachte sicher auf lange Sicht erhebliche Nachteile mit sich, die zugleich die gesellschaftliche Struktur segmentär erhielt, solange diese Sitte sich hielt. Diese Norm konnte nur dann durchbrochen werden, wenn sich das ganze System der untereinander in verschiedene Heiratsklassen gegliederten Gentilgesellschaft änderte. Und das wiederum war ohne eine soziale Revolution in den Stämmen kaum zu bewerkstelligen.

Alle frühe Kosmogonie, schon in der Altsteinzeit nachweisbar, war bis in die Klassische Antike hinein weiblich geprägt. Die religiöse Ideologie der Philosophen (selbst die der frühen Christen) zeugt davon, wenn sie sagt, dass es ursprünglich keine Teilung der Geschlechter gab und alle Wesen sowohl männlich als auch weiblich waren, bevor sie mythisch getrennt wurden. Das Phänomen des „Weibmanns“, auch heute noch bei einigen Naturvölkern vorhanden, erklärt sich so. (5) Sie waren religiös determinierte Transvestiten und Schamanen, die der Göttin ähnlich sein wollten und deshalb sogar ihr Geschlecht kastrierten, wie es von der Religion der phrygischen Göttermutter Kybele rituell bezeugt ist. Ihr Kult, noch in der späten Antike in vielen mediterranen Kulturen ausgeübt, ist Beweis für das lange Überleben dieser uralten religiösen Praxis. Als die gesellschaftlichen Grundlagen, auf denen sie entstanden war sich wandelten und ins Gegenteil verkehrten, dürfte der Kybelekult sich auch verändert haben und von einer vorherrschenden Göttinnenreligion zu einer esoterischen Geheimlehre mutiert sein, die man nur noch stark abgemildert im Untergrund ausübte.

Das Geschlecht des Mannes musste also jahrtausendelang um seine gesellschaftliche Gleichberechtigung und um seine Emanzipation von der Großen Mutter ringen. Er lernte dabei zunächst als ihr Unterworfener die Planung und Organisation von Gesellschaft, was ihn viel später dazu befähigen sollte, den Frauen über die Entstehung des politischen Staates, der zuerst nur neben die gentilen Einrichtungen der Clans und Curien gestellt wurde, allmählich die Macht zu entreißen. Dass die Männer das erste unterdrückte Geschlecht in der Geschichte gewesen sind, hören sie allerdings nicht gern und wollen es auch nicht glauben. Das eisern hoch gehaltene Motto ist daher: Es darf nicht sein, was nicht sein soll. Sicherlich ist das einer der Gründe dafür, dass sich eine fast ausschließlich männliche Geschichtsschreibung nun schon seit mehr als 200 Jahren in Europa darum bemüht, die Vorherrschaft der Frauen, oder anders gesagt: Die einstige Herrschaft der Frauen in Kultur und Gesellschaft der geschichtlichen Vorzeit zu leugnen. Und das oftmals selbst wider besseres Wissen und unter Leugnung der schriftlichen antiken Zeugnisse darüber, dass es solche Gesellschaftsformen sogar noch in der Antike gab. Der Historiker Tacitus sagte von den frühen deutschen Stämmen in seiner „Germanica“:

„Die Deutschen glauben, dass dem Weibe etwas Heiliges und Prophetisches innewohnt, darum achten sie des Rates der Frauen und horchen ihren Aussprüchen.“ (6)

Wobei das „horchen“ wohl für hören und/oder gehorchen steht, soll das Wort überhaupt einen Sinn haben. Die Stadtstaaten von Athen und später auch Rom waren die ersten gentilen Gesellschaften der Antike, welche die alten Vorrechte der Frauen in ihren senatorischen Ältestenräten abschafften. Sie drängten die bis dahin geltenden Gesetzmäßigkeiten der matriarchalen Gentilgesellschaft zurück, welche die Frauen in den Feudalgesellschaften beherrschten, indem sie die Macht des Adels beschnitten, der noch matrilinear organisiert war. Was aber noch nicht damit gleichzusetzen ist, dass die Frauen ihre Stimmenmacht auch in den Clans oder Gentes verloren hätten, wie immer behauptet wird. Jedenfalls geschah das solange nicht, wie die Gentilgesellschaft gleichberechtigt neben dem politischen Senat bestand. Mit dem Ausschluss der Frauen aus den Senaten wurde also ein gesellschaftlicher Gleichstand geschaffen, der das alte Übergewicht der Frauen aus der Vorzeit beseitigte und den Männern mehr Spielräume und Beteiligung an der Machtausübung gab. Solange aber die von den Frauen beherrschten Curien nicht patriarchal organisert waren, entstand also eine Art Doppelherrschaft zwischen den Geschlechtern der antiken Stadtstaaten. In den Gentileinrichtungen behielten die Frauen ihr Stimmrecht bei und beeinflussten die politischen Entscheidungen im Senat nach Kräften über ihre Hausmacht in den Curien. Wir wissen inzwischen, dass die adligen Frauen sogar regelrechte Wahlkämpfe für die Kandidaten ihrer Partei führten, die auch von ihren Klienten unterstützt wurden. In ihrer hohen Stellung als „Herrinnen des Hauses“, denen die Geschäftsführung des Oikos (des antiken Haushalts) oblag, als Wirtschafterinnen, als Leiterinnen von Produktionsstätten des Tempels, (etwa im Textil- Medizin- oder Parfümbereich) verteidigen konnten. Das System der mutterrechtlichen Gesellschaften hatte es ja seit ältesten Zeiten mit sich gebracht, dass die Frauen innerhalb der Lineage den prägenden Einfluss besaßen. Ursprünglich standen sie den Göttern schon deshalb nahe, weil sie Kinder gebären konnten und so die Lineage und den Stamm am Leben erhielten. Überdies wusste man auch erst sehr spät in der Antike über die wahren Zusammenhänge von Zeugung und Geburt bescheid und solange dieses Wissen um den männlichen Anteil an der Kindergeburt unbekannt war, musste der Glaube an eine übernatürliche Gabe der Frauen ihnen sowohl soziologisch als auch sozial einen quasi göttlichen Nimbus verschaffen, der zugleich eine gesellschaftliche Höherstellung mit sich brachte. Die Mütter, ihre Töchter und Enkel blieben in einer Sippe oder Gens wohnen und erzogen die Kinder und versorgten diese mit Nahrung, Kleidung sowie auch mit medizinischen Diensten. Wurden die männlichen Glieder der Gans erwachsen, zogen sie exogam in eine Abspaltung der mütterlichen Gens und bei der Heirat in diejenige ihrer Frauen. Innerhalb dieser frühen sozialen Einheiten besaßen die Frauen so auf natürliche Weise das Sagen, was zu einer Überlegenheit ihres Geschlechtes im ganzen Stamm führte. Und das dürfte auch der Grund dafür gewesen sein, dass Männer sich seit den ältesten Zeiten ihre sozialen Einflussbereiche außerhalb der mütterlichen Sippen suchen mussten, weil sie innerhalb des sozialen Systems der matrilinearen Muttergruppe von jeder Beteiligung oder Machtausübung ausgeschlossen waren. Männer mussten sich also die Anerkennung ihrer Frauen immer wieder erwerben und durch ihre Dienstleistungen regelmäßig neu verdienen, wollten sie nicht Gefahr laufen, von ihnen verstoßen und dadurch randständig zu werden. Solange die frühe Gesellschaft eine Jagdbeuterische gewesen ist, war das natürlich leichter durch die Versorgung mit Fleisch und tierischen Nahrungsmitteln. Wir wissen, das dieser soziokulturelle Zustand bei den Lakedaimonern noch während der athenischen Demokratie nicht anders war. Die Spartaner hatten ja ihre alte oligarchische Verfassung im Gegensatz zu den Athenern beibehalten, ihr König Lykurg hatte sie als großer Gesetzgeber lediglich in einigen Punkten reformiert. Die im kretischen Gortyn gefundene dorische Gesetzestafel zeigt, dass ihre Stämme matrilinear organisiert gewesen sind und sie ihre Erbteile nur über die Mutter auf die Kinder übertrugen. Wir wissen von ihnen, dass die spartanischen Frauen nicht nur wie die Männer erzogen und in der Kriegskunst unterwiesen wurden, sondern auch, dass ihnen 80% des gesamten Bodenbesitzes der dorischen Stämme gehörte. Die modernen Wissenschaftler wie auch Moses I. Finley schreiben das gerne dem behaupteten Umstand zu, dass die lakedaimonischen Männer angeblich immer auf Kriegszügen waren. Doch das ist purer Unsinn und es erklärt weder die Erbfolgeregelung über die Matrilinie noch den großen Landbesitz der Frauen. Und schon gar nicht erklärt es, warum die spartanischen Männer so oft mit Tätigkeiten außerhalb der gentilen Stammesstrukturen beschäftigt waren. Eine echte Erklärung kann Finley für das Phänomen auch nicht bieten. Hippokrates, der um 460 v.u. Z. geboren wurde, berichtet seinen Zeitgenossen über einen Stamm der Amazonen im südlichen Russland mit ausgeprägter Frauenherrschaft folgendes:

„In Europa gibt es einen Skythenstamm, welcher um den Mäotischen See herum wohnt und sich von den übrigen Stämmen erheblich unterscheidet. Man nennt ihn die Sauromaten. Die Frauen aus jenem Volksstamm reiten, schießen mit dem Bogen, schleudern den Wurfspeer vom Pferde herab und kämpfen, solange sie Jungfrauen sind, gegen die Feinde. Sie schlafen nicht eher mit einem Mann, bis sie drei Feinde erlegt haben, und erdulden nicht eher den Beischlaf, als bis sie die gesetzlich vorgeschriebenen Opfer dargebracht haben.“

Eine Jungfrau musste also erst einmal im Kampf beweisen, dass sie würdig war, ein Kind zu gebären. War dieser Beweis erbracht, zog sie mit den anderen Frauen aus, um sich bei Spiel, Tanz und Wein solange zu vergnügen, bis sie sicher sein konnte, schwanger zu sein. Erst dann suchte sie sich einen Mann, mit dem sie ihre Kinder aufziehen wollte. Die Artemis-Kulte der jagenden Jungfrau oder wilden Jägerin, haben diesen einstigen allgemeinen Kulturzustand des frühen Menschengeschlechtes, der bei den Sauromaten noch lange nachlebte, bewahrt. In Griechenland fanden die Initiationsriten der jungen Frauen an den heiligen Artemis-Heiligtümern statt, an denen sie vor dem Übergangsritus eine zeitlang lebten, um in die Bräuche und Kulte dieser Göttin der Jagd eingeweiht zu werden. Als die römische Kaiserzeit mit der Abschaffung des männlichen, republikanischen Patriziersenates sich als neues herrschendes Entscheidungszentrum etablierte, waren es schnell wieder Frauen aus dem alten etruskischen und latinischen Herrscheradel, deren Söhne die Herrscher des Imperiums stellten. Aus ihren Sippen kamen nämlich die Cäsaren, deren Nachfolger mussten gewöhnlich deshalb von den amtierenden Herrschern als deren „Söhne“ adoptiert werden, weil sie agnatisch gar nicht zu den Sippen der Cäsaren gerechnet wurden und es noch keine patriarchale Erbfolgeregelung gab. („Auch du mein Sohn Brutus?“) Die jungen Fürsten rekrutierten sich matrilinear aus den Sippen der Vorgänger-Kaiserinnen und besaßen allein aufgrund ihrer Abstammung einen Anspruch auf die Herrscherwürde. Der Kaiser Oktavian war der Enkel von Cäsars Schwester Julia Minor, den Cäsar adoptierte, weil ihr Sohn bereits verstorben war. Kein einziger Kaiser der Julisch-Claudischen „Dynastie“ war ein leiblicher Sohn des Amtsinhabers und nur der Kaiser Claudius war kein Adoptivsohn eines Kaisers und wurde durch die Garde auf den Thron gehoben. Augustus adoptierte zwei Söhne seiner Schwester Octavia, Gaius Cäsar und Lucius Cäsar, die beide vor ihm starben. „Väter“ waren die Cäsaren ihren über die weibliche Linie verwandten „Söhnen“, (Nachfolgern), entweder nur ideologisch, oder aber als Onkel und Mutterbrüder. Wie in „Tristan und Isolde“ König Marke der Onkel und daher matrilineare Vater des Helden Tristan ist, der nicht nur mit der Gattin seines „Vaters“, Fürstin Isolde schläft, sondern überdies auch sein natürlicher herrschaftsberechtigter Nachfolger nach Mutterrecht ist. Der Begriff Vater war generell in der Antike beim Herrscheradel lediglich ein Epitheton, der als Begriffshülle seit den ältesten Zeiten stets auf den Vorgänger angewandt wurde, aber eben nicht biologisch im Sinne unseres Familienmodells einer Kleinfamilie gemeint war. Nach Auskunft Catos des Älteren haben die Senatoren der Republik Rom die ehemalige Macht der Frauen über die Männer deshalb Männer gebrochen, („denn sobald die Weiber uns gleichgestellt sind, sind sie uns überlegen“), damit der ständige Kampf des Adels der latinischen Stämme um ihren Anteil an der Herrschaft endlich ein Ende nahm. Solche Aussagen völlig negierend, behauptet Moses I. Finley das genaue Gegenteil und spricht mit einer seltenen Arroganz einfach allen Frauen des Klassischen Zeitalters Griechenlands jeglichen Bürgerstatus ab:

„Zur Mehrheit gehörten die Nichtbürger (das Wort ‚Ausländer‘ vermeidet man besser, da die meisten von ihnen doch Griechen waren), unter ihnen die nicht nur vorübergehend Ansässigen, die in Athen und an manchen anderen Orten ‚Metöken‘ hießen, ferner die Sklaven, eine zahlenmäßig noch breitere Schicht, und dann grundsätzlich alle Frauen.“ (Moses I. Finley, „Die Griechen“, eine Einführung in ihre Geschichte und Zivilisation).

Der Mann scheint nicht recht zu wissen, was er da sagt. Stellt er doch alle Frauen nicht nur als völlig rechtlos dar, sondern obendrein auch noch auf einer direkten Ebene mit den Sklaven angesiedelt. Natürlich besaßen nur Patrizier alle Rechte der Gentileinrichtungen inklusive des aktiven und passiven Wahlrechts, die bei der Gründung der ersten Polis das Bürgerrecht und Wohnrecht sowie Besitz an den Ländereien der Tempel zugesprochen bekommen hatten, oder solche Stämme und Völker, die es wie Latiner und Sabiner später durch Eingemeindung (in Rom) erhielten. Während aber Finley nur den adligen Männern das Bürgerrecht zuerkennen will, können wir überall in der Antike eine andere Wirklichkeit feststellen: Bei einer genauen Analyse finden sich nämlich noch deutliche Anzeichen eines früheren Matriarchats im gesamten Mittelmeerraum gespiegelt. Reste davon bestanden sogar noch bei vielen Stämmen und Gesellschaften in der klassischen Zeit und darüber hinaus bis weit in die hellenistische und römische Epoche hinein. Mehr noch, gab es offenbar bereits eine entfaltete Theokratie mit dem sakralen Glauben an eine Göttin und Vorherrschaft der Frauen bei den segmentären Völkern der Jungsteinzeit, die diese ihrerseits auch schon von ihren Ahnen aus den kleinen Muttergruppe der Altsteinzeit übernommen hatten. Sie gaben dieses Prinzip ihrer Kulturen weiter an die in der Bronzezeit erblühenden Hochkulturen des Nahen Ostens, und von diesen auch noch in die neu entstehenden Krieger-Gesellschaften der Bronzezeit. Hier erst begannen die mutterrechtlichen Sippen- und Clanvorrechte, auch unter dem Druck zuwandernder Völker aus Asien und ständiger Kriege, sich allmählich zu verändern und schließlich in der archaischen Periode (800–500 v. u. Z.) allmählich aufzulösen.

Es bleibt aber festzustellen, dass die Frauen in dieser Epoche noch immer eine sehr hohe Stellung einnahmen, die sie sich aus den ältesten Zeiten der Menschheitsgeschichte bewahrt hatten. Jedenfalls besaßen die Frauen dieser Zeit noch immer wesentlich mehr Macht und politische Rechte als ihre europäischen Geschlechtsgenossinnen des 18. und 19. Jahrhunderts. Diese hohe Stellung sollten sie allerdings schrittweise durch die Überwindung der tribalistisch ausgerichteten Gentilgesellschaften und durch Entstehung des antiken Stadtstaates neuen Gepräges verlieren. Über dessen politische Senate und neue Einrichtungen sicherten sich die patrizistischen Männer die Herrschaft im selben Maße, wie die älteren Gentil-Einrichtungen, die zunächst noch lange gleichberechtigt neben ihm bestanden, überflüssig wurden und abstarben. Davon wird später ausführlich die Rede sein. Allerdings darf nicht vergessen oder unterschlagen werden, dass sich auch die römischen Senate noch aus den adligen Vorstehern der Gentes, Clans und Sippen zusammensetzten, die ihren ererbten Adel und ihre agnatischen Rechte aus den mutterrechtlichen Curien bezogen, in denen die Frauen auch noch in republikanischen Zeiten den Ton angaben und die Politik derselben beeinflussten. Wir wissen beispielsweise, dass Frauen Wahlkämpfe finanzierten und ihre Politiker favorisierten, sowie die Kandidaten ihrer politischen Richtung entweder unterstützten, oder aber deren Gegner vehement bekämpften. Wobei sie häufig auch ihr ganzes Vermögen und hohe Geldsummen einsetzten, um ihre politischen Ziele zu erreichen. Dass die Frauen aber ursprünglich auch in Rom die herrschende Adelsschicht bildeten, wird vor allem daran deutlich, dass die adligen Curien nach ihren Fürstinnen benannt wurden, als das römische Pomerium gegründet wurde. Auch die Parzellen des Staatslandes benannte man nach ihnen. Wäre die Kultur dieser Stämme aber bereits damals patriarchal gewesen, so hätten sie ja nach ihren männlichen Fürsten oder Ahnen benannt werden müssen. Das war aber nicht der Fall. Weil die Sippennamen der Gentes weiblich determiniert waren, wurden die Namen der männlichen Mitglieder der römischen Curien deshalb einfach mit einem zusätzlichen Verb versehen und dann dem weiblichen Sippennamen angehängt. (Horatius, Claudius, Julius, u. s. w.) Dass die Horatier aber natürlich aus der Sippe oder der Gens der Fürstin Horatia, die Julier aus dem der Julia und die Claudier natürlich aus der Gens der Fürstin Claudia kamen, wird an diesen Clan-Benennungen sicher ganz deutlich. Wir verdanken diese Erkenntnisse dem Basler Patrizier J. J. Bachofen, der sie in seinem „Mutterrecht“ ausführlich beschrieben hat. Natürlich wurde der Schweizer Privatgelehrte seinerzeit für seine daraus gezogenen Schlussfolgerungen heftigst kritisiert und verlacht und selbst heute werden seine Thesen standardmäßig in fast jedem Buch über die soziokulturelle Rolle der antiken Frauen erwähnt, – und zugleich als historisch falsch verworfen. Das gehört geradezu zum guten Ton der altertumswissenschaftlichen Zunft. Die Curien oder Gentes der Römer (daher stammt der Ausdruck Gentilgesellschaft) waren jedenfalls noch unter dem römisch-senatorischen Patriziat nach ihren einst herrschenden Fürstinnen der matrilinear organisierten Adelsgeschlechter benannt, deren Namen sie bei der ersten Neuordnung der gentilen Clan- und Stammesgesellschaft bei Gründung des römischen Stadtpomeriums durch den König Romolus erhielten. (7)

Allein schon dieses Beispiel zeigt uns, das die stets bestrittene Aussage Catos des Älteren eben doch historisch richtig ist, wonach die Römer späterer Zeit die alte Vormacht der Frauen brachen und sich das männliche Geschlecht in Latium von seiner einstigen Unterlegenheit nach dem Vorbild Athens emanzipierte. Und Cato dürfte wohl besser gewusst haben worüber er schrieb, als M. I. Finley.

Teil 2: Die Herrscherin des Himmels

Von der Mutter der Götter zur Himmelskönigin der frühen Theokratien

„Das große Runde ist das All, die vorweltliche Dunkelheit und der gebärende Nachthimmel, vor allem das Wasser und die Erde, die irdisch gebärenden Kräfte der unteren Welt. Und wenn auch die ägyptische Theologie den Gott der Erdscheibe der weiblichen Himmelsgöttin Nut als männlich entgegensetzt, ist das Weibliche die zu befruchtende schwarze Erde, und die Königin die Herrin des Landes.“

(Erich Neumann, „Die Große Mutter“)

Wie kam es dazu, dass neben der Erdmutter neue Göttinnen des Himmels an Bedeutung im Kult gewannen? Wieso taucht jetzt ein himmlischer „Vater“ auf, der kultische Verehrung einfordert? Dürfen wir diesen „Vater“ schon als leiblichen Vater von Kindern einer Kleinfamilie betrachten, oder ist mit ihm erstmals ein „Sippenvater“ erschienen, da sein Auftauchen im Götterpantheon doch sicherlich eine soziologische Veränderung im gentilen Sippengefüge der antiken Völker und Stämme wieder spiegelt?

Mit der durch längere Sesshaftigkeit beförderten, rasch weiter ansteigenden Komplexität der frühen Ackerbaukulturen gewann die Himmelsbeobachtung an Bedeutung, während zugleich durch die Erkenntnis astraler Vorgänge die Erde in ihrer alten, alleinigen Vorherrschaft im Denken der Menschen an Bedeutung verlor. Durchaus möglich ist, dass das Interesse an den himmlischen Vorgängen auch durch das Einschlagen von Kometen auf der Erde und durch diese hervorgerufene kosmische Katastrophen gefördert wurde, die dann neuen Gottheiten die Bahn brachen. Die logische Folge dieser mythischen „Teilung von Himmel und Erde“ war es nun, dass die Göttin der Erde eine himmlische Konkurrentin bekam. Astrologie und Astronomie gewannen mit zunehmender Kenntnis über die astralen Vorgänge schnell gesellschaftlich an Bedeutung und der Tierkreis, dem wir unsere in den Horoskopen verwendeten Tiersymbole verdanken, wurde bei seiner Entstehung der Himmelsgöttin geweiht. Göttin Venus war es, die fortan als „Himmelskönigin“ das neue Universum, der weiblich gedachten Hülle des Kosmos (= griechisch Ordnung), beherrschte. Der Ort der göttlichen Ordnung (Eunomia) dieser Göttin wurde nämlich als himmlische Gegenerde und astrales Universum, als die große Fruchtblase oder ihre Gebärmutter (Milchstraße) gedacht, aus der alles Leben des Alls heraus entstand. Im Mittelpunkt derselben befand sich die Polis der einzelnen Völker und Stämme gedacht, der antike Stadtstaat, den die Göttin lenkte. Auch in Homers „Ilias“ findet sich diese gesellschaftliche Umwälzung und das neue Denken der Menschen beschrieben, allerdings muss man genau Hinschauen, um es indes wahrnehmen zu können. Die älteren griechischen Göttinnen Artemis und Athene, beide noch Apotheosen (oder Töchter) der Erdmutter (Mondgöttinnen), bekämpfen nämlich vor Troja mit den Troern zugleich auch die himmlische Venusgöttin der nahöstlichen Völker, die sie schließlich auch nach einem blutigen zehnjährigem Kampf, mit allen Mitteln geführt, besiegen werden. Bezeichnenderweise finden wir diese Göttinnen als die wahren Anführer der Heere beider Lager von Homer beschrieben, deren männliche Heroen allein ihrem göttlichen Willen unterliegen. Beide treten sogar persönlich auf, greifen gar mit in die Kämpfe ein und entscheiden sie letztlich durch ihr Handeln und Wirken auch. Dadurch gewinnt der Kampf um die Stadt am Bosporus durchaus auch religiöse Züge. Dieser Aspekt des homerischen Schaffens ist bisher nicht – oder doch kaum gewürdigt worden – und interessiert die meisten Historiker auch gar nicht.

Die Geschichtswissenschaft übergeht ihn völlig oder bezeichnet ihn bestenfalls als ein poetisches Phantasiebild, jedoch verdient er in Wahrheit unsere ganze Beachtung. Prinz Aeneas beispielsweise wird während der Kämpfe um Troja schwer verwundet, von seiner Mutter Aphrodite jedoch mit Hilfe Apollons aber aus dem Getümmel entführt und gerettet. Die Göttinnen Artemis und Leto heilen ihn, sodass Apollon ihn später auffordern kann, den Achilles herauszufordern. Aber Poseidon entrückt den Fürsten wieder aus der Schlacht, indem er gegenüber den anderen Göttern argumentiert, dass es Aeneas und den Seinen bestimmt wäre, über die troischen Geschlechter zu herrschen. Als die mykenischen Griechen, die Homer die Stämme der Achäer nennt, endlich die Stadtfestung Troja besiegen und zerstören, ist dies folglich auch ein Sieg ihrer tribalistischen Religion der mykenischen Erdmutter, bzw. ihrer späteren Göttin Hera. Sie ist als erste Göttin überhaupt im griechischen Mythos mit dem Aufkommen der festen Ehe vergesellschaftet. Hera verfolgt die fliehenden Troer denn auch mit ihrer Rache quer durch den Mittelmeerraum bis nach Italien, wo sie sogar noch die Latiner und Rutuler gegen die Kleinasiaten aufbringt, bis es Aeneas endlich gelingt, den Rutulerfürsten Turnus zu töten und Frieden zu schließen. Dem griechischen Mythos nach beherrschte ursprünglich die kretische Erdmutter Dyktianna über ihr Zentralheiligtum in Knossos die ganze Ägäis, von dem aus sie ihre religiösen Handwerkergilden der Kureten und Daktylen in die umliegenden Königreiche verschickte. Die organisatorischen Fähigkeiten der Priesterschaften der kretischen Mutter bildeten somit den ökonomischen Rahmen für die erste Thalassokratie Griechenlands, ebenso wie für ein ausgedehntes und erfolgreiches System des Fernhandels bis in das Zweistromland Mesopotamien, wie anhand von archäologischen Funden zu belegen ist. (8) In den Ländern des Zweistromlandes, dem alten sumerischen Reich, in Mari am oberen Euphrat, wie auch in den phönizischen und libanesischen Stadtstaaten, in Ägypten und Anatolien hatte zu dieser Zeit bereits unter dem Einfluss der hurritisch-semitischen Wanderungen die kriegerische „Himmelskönigin“ Aschera/Ischtar ihre sakrale Herrschaft über die friedlichen Kulturen der alten sesshaften Ackerbauvölker angetreten. In Babylon avancierte die Göttin Ischtar zur alleinigen Stadtgöttin, deren Kulte alle älteren Göttinnen an den Rand drängten. So finden wir in den entwickelten Reichen der Bronzezeit, die ihre alten segmentären Strukturen oft auch durch kriegerische Überlagerungen überwanden, die alte Göttin der Erde in ihrer neuen Form als Himmelsmutter wieder. Sie ist es, die jetzt den theokratischen Gesellschaften dieser Völker kultisch-religiös vorsteht, sie regiert und lenkt sie über ihren Tempel, dessen wirtschaftlichen Erträgen der König als ein magischer Fruchtbarkeitsgott repräsentativ vorsteht. Sie inthronisiert (als Priesterin) den herrschenden Priesterkönig auf Zeit, dem die „weltliche“ Organisation des Landes und seine Verteidigung obliegt und feiert mit ihm als ihrem Heros die kultische „Heilige Hochzeit“ auf dem Tempeldach, die das Königtum und seine Investitur legitimiert. Eigentlich taucht die Himmelskönigin auch noch in der himmlischen Jesusmutter Maria wieder auf, welche die frühen Christen später an ihre Stelle setzen werden. Dieser frühe „König“ auf Zeit organisiert die Bewässerung des Landes, den Tempel- und Städtebau ebenso, wie die Verteidigung dieses „Mutterlandes“. Diese Könige Sumers nennen sich allesamt „Söhne der Mutter“ und leiten sich direkt von den Göttern her, (9) sodass wir schon aufgrund dieser Tatsache auf einen mutterrechtlichen Zeugungskult in der weiblichen Linie der Göttinnen/ Königinnen schließen können. Denn die Königinnen waren es, welche die Göttin (wohl als deren Priesterinnen) kultisch auf Erden vertraten und ihre sakralen Riten ausführten.

Nur über die weiblich-agnatische Abstammung der Sippe der Königinnen, die mit der Großen Göttin sakral verbunden waren, wurde das Königtum in den Hochkulturen Ägyptens und des Nahen Ostens vermittelt, wie Geschichte und Mythen dieser aufblühenden Völker zeigen. Andere Bewerber oder aber Okkupanten des Throns hatten in aller Regel keine Chance, sie wurden nach kurzer Zeit der Herrschaft wieder aus dem Amt gejagt. Und stets starb der König vor seiner Gattin, die seinen Tod betrauerte und dann den Nachfolger, ein Kind ihrer Sippe, inthronisierte. Der Mythos von Isis und Osiris, der für die Ägypter eine sakrale Handlungsanweisung bildete, beschreibt dieses Szenario. Dieses „Horuskind“ wurde stets als neuer Pharao inthronisiert, wenn die Totenreise des verstorbenen Osiris-Pharao zum Stern des Orion abgeschlossen und sein Ka rituell auf den Nachfolger übertragen worden war. Allerdings kommt das Wort Tod nirgends in den Pyramidentexten vor, denn der Pharao starb nicht, wie denn auch Gott Osiris niemals starb. Das Ergebnis des Rituals wurde im Totenbuch so ausgedrückt: „Ich keime wie die Pflanze, mein Fleisch keimte. Ich bin, ich bin, ich lebe, ich lebe, ich keime, ich keime.“ Das Grundgesetz des frühen Matriarchats war also das männliche Herosopfer. Es musste der gebärenden Schöpfergöttin gegeben werden, damit die menschliche Kultur durch ihre parthenogenen Kräfte weiterhin Wachsen, Gedeihen und Erblühen konnte. Wir sehen diese sakrale Vorstellung nicht nur in der Verehrung der babylonischen Ischtar ausgedrückt, die bei den Griechen Aphrodite und bei den Hebräern Astarte/Ashtoreth hieß. Da sie auch der ägyptischen Göttin Isis, der römischen Venus sowie der germanischen Freya/Frigg entspricht, finden wir in ihr die Himmelsgöttin und Königin der antiken Völker wieder.

„Ich flehe zu dir, Frau der Frauen, Göttin der Göttinnen, Ischtar, Königin aller Städte, Führerin aller Menschen. Du bist das Licht der Welt, du bist das Licht des Himmels, mächtige Tochter Sins... Erhaben ist deine Macht, oh Herrin, gepriesen bist du über alle Götter. Du sprichst Urteil und dein Entscheid ist gerecht. Dir sind die Gesetze der Erde, die Gesetze des Himmels untertan, die Gesetze der Tempel und der Schreine, die Gesetze des Privathauses und wie lange, Königin des Himmels und der Erde, wie lange, Schäferin der blassen Menschen, wirst du säumen? Wie lange, oh Königin, deren Füße nicht müde sind und deren Knie in Eile? Wie lange, Herrin der Heerscharen, Herrin der Schlachten? Glorreiche, die alle Geister des Himmels fürchten, die du alle zornigen Götter unterwirfst. Mächtige über alle Herrscher, die du die Reihe der Könige hälst(!) Öffnerin des Schoßes aller Frauen, groß ist dein Licht. Leuchtendes Licht des Himmels, Licht der Welt, Erleuchter aller Orte, wo Menschen wohnen, die du sammelst die Völker. Göttin der Männer, Gottheit der Frauen, dein Rat übersteigt alles Begreifen. Wo du hinblickst, ersteht der Tote zum Leben, und der Kranke erhebt sich und schreitet; der Geist des Erkrankten wird geheilt, wenn er in dein Antlitz schaut. Wie lange Herrin, wird mein Feind über mich frohlocken? Befiehl, und auf deinen Befehl wird der zornige Gott zurückweichen. Ischtar ist groß, Ischtar ist Königin! Meine Herrin sei gepriesen, meine Herrin ist Königin, Inini, die mächtige Tochter Sins. Es gibt niemand, der ihr gleich ist“. (10)