Pfarrer Hugo Johann Heinrich Schmidt -  - E-Book

Pfarrer Hugo Johann Heinrich Schmidt E-Book

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Beschreibung

Neu aufgefundene Dukumente, darunter Briefe aus der Zeit des Neuwerks, Briefe, von Georg Flemmig und Otto Salomon Flugbätter aus dem Umkreis der Bekennenden Kirche, Schreiben zur Afrika -Mission, der Kritik an der europäischen Mission und ihrer Reformierbarkeit, Unterlagen aus dem NS-Deutschland sowie Dokumente des Pfarrers Hugo Schmidt zur Auseinandersetzung mit Bethel und den Bodelschwingschen Anstalten wie dem Erbgesundheuitsamt. Nach der erfolgreichen doch nur zeitweisen Abweisung des Erbgesundheitsamtes Planungen in Thüringen ein Altersheim zu eröffnen. Verhaftung und Briefe aus dem KZ Buchenwald und KZ Ravensbrück (betreffend Frau Pastorin Ilse Schmidt).

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Seitenzahl: 484

Veröffentlichungsjahr: 2024

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"nüchterner denken lernen"

Hugo Johann Schmidt

Briefe, Reiseberichte und Dokumente aus dem Nachlass herausgegeben von Nataly Ritzel

Mit freundlichen Dank an des evangelische Landesarchiv Berlin und Brandenburg, An das Karl Barth Archiv Basel, Das Literaturmuseum Marbach Das Stadtarchiv Zehdenick Das Institut für Zeitgeschichte, München Besonderen Dank an Frau Dorothea Glass und Frau Annemarie Girardin, Bethel Für die Überlassung der Dokumente

Die Abschriften wurden erstellt dank der tüchtigen Mitarbeit von Tobias Baldzuhn, Hristo Georgiev, Karolina Fischer, Automne und Nataly Ritzel

HUGO JOHANN HEINRICH SCHMIDT

Kurzbiographie:

Geboren am 1.August 1901 in Bohlenberge

Vater Heinrich Schmidt, Rektor Volksschule Oldenburg

Eintritt in (die evangelische Landeskirche Oldenburg) Ende 1924 Tätigkeit Hilfspfarrer 1929 Heirat mit Hanna-Elisabeth, genannt Ilse, geborene Nebinger (geb. am 1883, gestorben 1980).

Verbindung mit der "Bruderschaft des Offenen Rings" (Georg Flemmig, Otto Salomon, Norman Körber) in den zwanziger Jahren

Eintritt in (die Berliner Missions-Gesellschaft) ca 1928/ 29 Missionsantritt

Missionsort. Kidugala / Tanzania 1933 Entlassung aus der Berliner Mission und 1934 Rückkehr nach Deutschland Ende 1934 Aufnahme einer Pfarrerei in Zehdenick / nach 1936 zusätzlich Hilfspfarrer in Bad Belzig.

November 1936 Kontakt Pfarrer Link 1937/38 Rechtsstreit wegen Suspendierung 1938/39 Versuch der Eröffnung eines Altersheimes, häufige Reisen in die Schweiz

Herbst 1939 Verhaftung und am 17.10.1939 Einlieferung ins KL Buchenwald.

Häftlingsnummer 1266 Politischer Häftling. Arbeit im Steinbruch Tod 17.4.1940.

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Dt.Bibelkreis

Rundschreiben Afrika

Kritik aus den Reihen des Neuwerks

Auseinandersetzungen mit der Berliner Mission

Sondervotum

Rückkehr nach Deutschland

Flugblätter des Bundes

Untersuchung der Evangelischen Landeskirche Mark Brandenburg

Aussage zu Reichsparteitag

Medizinische Gutachten

Korrespondenz von H. Schmidt aus der Psychiatrie von Bethel

Altersheim Trügleben

Schweiz

Darlehensvertrag

Schreiben aus dem KZ Buchenwald und KZ Ravensbrück

Schreiben der Gedenkstätte Buchenwald

Bericht des Albert Girardin

Gedenkgottesdienst für Hugo Schmidt

Briefe Hanna-Ilse Schmidt an Otto Salomon / Bruder (Literaturarchiv Marbach Nachlass Otto Bruder)

Einleitung

Nataly Ritzel

Mit dem Rat an Hugo Schmidt, "nüchterner zu denken" , den Otto Salomon 1932 an den Missionar noch in Afrika richtete, möchte die Edition der Dokumente aus dem Nachlass von Hugo Schmidt beginnen.

Mit der Aufforderung, nüchtern zu denken, setzte das Flugblatt ein, welches Walter Hochstädter in einem französischen Lazarett in Annecy verfaßte und vervielfältigte : "Darum seid nüchtern! Ein Gruss an die Brüder" -

Beides zusammenzusetzen, aus einem und demselben Geist der Nüchternheit stammend, würde bedeuten einer Gruppe nachzuforschen, die vor 1933 und VOR der Bekennenden Kirche existierte, deren Credo der Nüchternheit sich mit der Missionsarbeit in Afrika auseinandersetzte, aber 1933 nicht bei der Missionsarbeit in Afrika stehenblieb: deren Ethos zu einer anderen, dringlicheren Auseinandersetzung zwang: Es würde bedeuten, einen inhaltlichen Zusammenhang herzustellen von " der Erschütterung", die im Lemppschen Kreis über die Vernichtung der Juden herrschte (zitiert nach Werner T.Angress, Ursula Büttner: Die Deutschen und die Judenverfolgung im Dritten Reich) mit dem widersprüchlich anmutenden, provokanten Verhalten des Zehdenicker Pastors Hugo Schmidt und seinen den Nationalsozialisten offen opponierenden Verhalten während er gleichzeitig darauf bestand, bei ihren Umzügen und Versammlungen mit dabei zusein - wofür er mit Gewalt entfernt oder "unter Hinzuziehung des Lagerarztes" nach Hause verfrachtet werden mußte.

Der letzte Gedenkgottesdienst, den die Freunde und Bundesbrüder mit dem Pastor Immer aus Emden dem im Jahr 1940 im KZ Buchenwald Gestorbenen ausrichteten - steht unter dem eindrücklichen Appell des Flugblatts und dessen, was währenddessen in den Vernichtungslagern und KZs geschah und eine eindrückliche Warnung aussprach, daß da, wo Gott das von ihm erwählte Volk nicht schonte, doch der Christ sich seiner Sache nicht zu sicher sein sollte... Es fällt mir schwer, eine theologische Einschätzung über den geistigen Stellenwert der Flugblätter und Briefe der Neuwerk-Bewegung zu geben, die ich aus dem Nachlass von Frau Pastor Hanna-Elisabeth, Schmidt im Dezember 2021 erhalten habe und die - wie unschwer zu erkennen war - seit mindestens 70 Jahren, unter Kladden von Rechtsanwaltsbriefen versteckt, in einem Keller zugebracht hatten. Die Schwierigkeit einer Interpretation liegt nicht nur an der komplexen Struktur der Neuwerk-Bewegung, zu der sich Pastor Hugo Schmidt und seine Frau bekannten, sondern auch in den ambivalenten und widersprüchlichen Vorstellungen derer, denen sich Ilse Schmidt nach ihrem Aufenthalt im KZ Ravensbrück und nach dem Krieg angeschlossen hatte (und von denen ich die Dokumente in einem zweiten dritten Schritt bekam):

Albert Girardin und seinen beide Frauen, Annemarie und Ruth Girardin, die letztere hatte sich ab ca 1944 der Frau Pastorin und Witwe Ilse Schmidt angeschlossen und ihren Bruder, dann ihren Mann mitgebracht, was in diesem Fall eine einzige Person war. (Es findet in den mir vorliegenden Dokumenten eine Behauptung Albert Girardins, wonach Ruth Girardin von Hugo und Ilse Schmidt adoptiert worden sei - diese Behauptung liess sich aber bislang durch nichts verifiziert - taucht auch nirgendwo anders in den vorliegenden Dokumenten von Hugo und seiner Frau Hanna-Elisabeth Schmidt auf).

Albert Girardin, mutmaßlich der Waffen-SS zugehörig, so lassen weitere Fundstücke sowie der Briefwechsel mit Otto Salomon, der sich im Literaturarchiv Marbach befindet, erkennen, hatte Otto Salomon nach 1945 angeschrieben, der ihm geistlichen Beistand und Hilfe bei der Umorientierung anbot.

Wilhelm Stählin, der Oldenburger Bischof, erwähnt Albert Girardin zu Beginn der 50er Jahre, als seinen Privatsekretär, der ihm beim Verfassung seiner Memoiren "Via Vitae" (1968 Kassel S.606) half, nicht ohne zugleich die nachbarschaftliche Nähe zu Robert Ernst, dem ehemaligen NS-Oberbürgermeister von Straßburg ins Lokalkolorit seines Chiemseer Alterssitz mit aufzunehmen. In Wilhelm Stählins Michaelisbruderschaft und Berneuchener Dienst sei auch Ilse Schmidt zu finden gewesen - was erklären würde, warum Albert Girardin kurzerhand die Eheleute Schmidt für Nicht-Anhänger der Bekennenden Kirche erklärte - ohne jedoch sich den Hausrat der bei ihm lebenden Hochbetagten und als Putzfrau arbeitenden Ilse Schmidt genauer anzusehen. Zu Wilhelm Stählins theologischer Stellung und seiner Postion "zwischen allen Stühlen" (Meyer, Blanck) zu Bonhoeffer, seiner Position als Anti-Barthianer, seiner Mitarbeit und Absage an die Bekenntnisfront, seiner Freundschaft und Opposition zu der anthroposophischen Gruppierung der Christgemeinde um Rittelmeyer ... ..verweise ich u.a. auf Michael Meyer-Blanck: "Leben, Leib und Liturgie. Die praktische Theologie Wilhelm Stählins".

Otto Salomon, seit den zwanziger Jahren Lektor des Christian Kaiser-Verlags bis zu seinem erzwungenen Ausscheiden und ergebener Anhänger Karl Barths, dem er das Zustandekommen seiner Übersiedelung 1937 in die Schweiz zuschrieb -wie ich aus den Briefen Otto Salomons an Christine Kirschbaum herauszulesen meine ( die ich dank der freundlichen Mitteilung Peter Zochers, Herausgeber des Karl-Barth-Archiv einsehen konnte), hatte mit Georg Flemmig und Norman Körber den "Bund des Offenen Ringes" gegründet, zu dem sich Hugo und Ilse Schmidt zählten.

Otto Salomon, mit auffallenden Misstrauen gegen Ilse Schmidt ausgestattet, machte Albert Girardin schliesslich in den 1960er Jahren sogar zum Obmann seines "Bundes des offenen Rings". Girardin wickelte diesen Bund jedoch innerhalb weniger Jahre ab und zwang Otto Salomon somit, das historisch bedingt gesellschaftlich eingeschlafene Interesse an diesem Bund anzuerkennen.

Nicht ganz klar ist die Stellung des "Bundes des Offenen Rings" innerhalb der NeuWerk-Bewegung - dennoch muss der Einfluß beträchtlich gewesen sein. Die Darstellung von Antje Vollmer "Die Neuwerk-Bewegung" (Freiburg 2018), zeigt sehr klar die verschiedenen Strömungen der Neuwerk-Gruppe auf, von Schlüchtern ausgehend, zum Ehepaar Arnold, zu Georg Merz und zu den der pazifistischen Quäkern (den Kreuzritter der Rundschrieben), zu Karl Barth, zu Tillich und auch für Martin Buber, zu pädagogischen Einrichtungen wie dem Habertshof - aber auch zu den konservativen, nationalistisch, um nicht zu sagen, völkisch gefärbten Gruppen, wie beispielsweise dem "Köngener Bund" des Tübinger Religionswissenschaftlers Wilhelm J.Hauer : Dieser galt als mit Martin Buber "befreundet", den er jedoch für die Gestapo überwachte (Aufgrund seines radikal gnadenlosen "Preisgeben" des Judentums, im Brief an Anna Schieber vom 24.Mai 1933, Bundesarchiv Koblenz Nachlass Hauer). Antje Vollmers Buch enthält jedoch Aussagen zu der Stellung des Neuen Werks zur Bekennenden Kirche, die den mir vorliegenden Rundschreiben widersprechen:

Keinesfallsist die Entstehung der Bekennenden Kirche, des Pfarrer-Notbundes unbemerkt an der Gruppe des Bundes des Offenen Ringes und des Neuwerks vorbeigegangen. Ganz im Gegenteil. Selbst der Brief Georg Flemmigs, dessen Rückzug aus altersbedingten Gründen in den Rundschreiben mehrfach thematisiert wurde, könnte auch - vor dem Hintergrund der Auseinandersetzung und angesichts des BRUCHs innerhalb des Neuwerks - als ein Bereitwerden für neue Aufgaben innerhalb der Gruppe signalisieren (Briefkarte Flemmig an Hugo Schmidt über Beschäftigung mit und Enttäuschung über die Deutschen Christen) und vermittelt vielmehr- statt Resignation - seine Zustimmung zu neuen Plänen und Strategien. Die Frage ist - welche?

Schwierig für den theologischen Außenseiter ist auch Otto Salomon zu bewerten. Die wichtige Position Otto Salomon zu Karl Barth in seiner Eigenschaft als Lektor im Christian - Kaiser-Verlags erfährt bereits 1933 und vor Karl Barths Prozess mit dem NS-Staat eine einschneidende Wendung durch die NS-Gesetze, die ihn einerseits zur Mobilisierung der Gruppe zwang ("Otto: "ich brauche Euch!") und in seiner Postion als nicht-arischer Christ, der sehr früh dezidiert gegen den Irrweg des völkischen National-Sozialismus warnte ( Vortragsentwurf zur Pfingsttagung 1933 in Hof, der sich als unsicher datierter Entwurf im Literaturarchiv Marbach befindet und doch präzise im hektographierten Rundbrief zur Pfingsttagung angekündigt findet), in einer sehr gefährdeten Lage zeigt: Diese Lage ist nicht mehr eine rein diskursive, argumentative Notlage gegenüber dem Nationalsozialismus, sondern besteht in einer radikalen existenziellen Bedrohung. Hier davon auszugehen, dass "nüchternes Denken" nur einen rhetorische Figur intellektuellen Interesses gewesen sei, kann nicht ernsthaft behauptet werden. (Es sei denn, man möchte das "antijüdische " Moment der christlichen Konversion Otto Salomon Bruders als solcher und als Hauptmotiv in den Vordergrund und dem (theologischen, aber mutmaßlich nicht praktischen?) Antisemitismus des Karl Barth an die Seite stellen.) Otto Salomons Wirken, das im Schweizer Exil zum Situationsgewusel eines Bittstellers herabgesunken scheint - bis er die Herausgeberschaft im Zöllikon Verlag übernehmen konnte - und auf relativ verlorenem Posten die Zeit bis zum Ende des Krieges überbrückte, dank der Vermittlung von Visser t'Hooft, für den Genfer Weltkirchenbund und ohne den Einfluß und das weitgesteckte Tätigkeitsfeld A.Freudenbergs zu Referatsentwürfen verdammt (sic, sorry), sich in Gedanken über die wehrhafte Kirche, die milites ecclesiae verlor - für die er von Visser t'Hooft und Karl Barth kritisiert wurde (Diskussion im Literaturarchiv Marbach) - sprengt leider hier den Rahmen meiner Darstellung.

Was den "BUND des OFFENEN RINGS" , als einer Gründung durch Otto Flemmig und oder Norman Körber, betrifft, seine Stellung innerhalb der Neuwerk-Bewegung (die ersten Briefe die sich in Marbach zu diesem Bunds finden, deuten eine Gründung für die frühen zwanziger Jahre an), ab wann Hugo Schmidt diesem Bund zugehörte und wie weit Hugo Schmidt mit Georg Flemmig als Mitstreiter bekannt und vertraut war, ob "Hermann" als Hermann Diehm, Hermann Sauter oder Hermann Schafft zu identifizieren ist - muß ich vorerst dahin gestellt lassen. (Hermann Sauter nennt sich einmal der geistige Beichtvater Hugo Schmidts - was die Vermutung nahelegt, der Bund habe eine Hierarchie der Supervision ) und hier besonders die Auswirkung für und in der afrikanischen Mission, scheint mir einer besonderen Untersuchung zu bedürfen.

Noch schwieriger wird es, was die Zeit Ende der zwanziger und den Beginn der dreissiger Jahre mit dem Brüsseler Anti-Kolonialismus Konferenz einerseits betrifft oder das Erstarken der nationalistischen völkischen Strömung in internationaler Hinsicht.

Da der Adressat und Empfänger der Debatten und Gespräche, die hier wiedergegeben werden, nämlich Hugo Schmidt, sich von diesem Zeitpunkt eben in Afrika befindet und die Diskussion nun in den Reiseberichten zu verschwinden droht -meine ich, daß es wichtig wäre, darauf zu verweisen, daß dem Missionar-Ehepaar Schmidt entscheidende Veränderungen und Verschärfungen der politischen und theologischen Situation in Deutschland in den Jahren 1931-1933 möglicherweise verborgen blieben - oder sie ihnen erst spät zur Kenntnis kamen ( so der private Hinweis von Frau Dorothea Glass, Nichte von Hugo Schmidt, die darauf verwies, dass beiden von Seiten der Familie der dringende Rat gegeben wurde, nach Möglichkeit NICHT nach NS-Deutschland zurückzukehren, weil es zu gefährlich geworden wäre, was ihnen aber nicht eindrücklich genug gemacht werden konnte).

So, meine ich, läßt sich der empörte Vorwurf von Hermann Sauter oder Hermann Schafft an Hugo Schmidt, er habe, um sich gegen dem Direktor der Berliner Mission Recht zu verschaffen, ausgerechnet Unter-stützung bei denen geholt, die sich der Macht um der Macht willen verschrieben hätten - vielleicht ein wenig mit dem Hinweis korrigieren, daß Hugo Schmidt die Entwicklungslinien in Deutschland von der Warte seines Missionshauses in Kidugala aus nur begrenzt nachvollziehen konnte. Auffallend ist, daß in den seitenlangen Begründungen, die er für sein widersätzliches und derespektierliches Verhalten anbringt und den Charakterzeugen, die er benennt, um sehr frühe Zeugnisse der Studentenzeit und seines Engagments für den Weltbundes christlicher Jungmännervereine verweist.

In den Bruchstücken dieser Argumentation ist Genf, der Weltkirchenbund, und die Minoritätenfrage oder das Flüchtlingsbüro ein sehr fragmentierter, kaum zu erkennender Horizont - der aber wieder hinüber zu Otto Salomon, aber auch zu Elisabeth Rotten und professor F.Siegmund-Schultze hinüberlführt..

Afrika und die afrikanische Mission - ob nun aus einem Geist christlicher Erneuerung und als Lehrbeispiel für eine mögliche oder notwendige Kritik an europäischer Kultur und falscher Kulturmission gesehen - bietet, so scheint es, nur Hugo Schmidt ein ebenso theologisches wie politisches "Kampffeld" - und das daher kein theoretisches noch politisches Feld sein kann, auf dem andere mit ihm stehen, fechten oder diskutieren könnten. Beide verblassen so als Themen in ihren falschen Prämissen und Zielen vor dem Hintergrund des grosseuropäischen Vernichtungskampfes, die in einem gescheiterten einzelnen Lebensentwurf nur noch als Anekdote vor der neuen grausamen Welt des Nationalsozialismus gelesen werden muß, in der Afrika als "Entscheidungsort" keine Rolle zukommt (oder kommen soll), allein von der falschen Mystik eines querulantischen Versagers getragen.

Immerhin scheint mir, dass in den Reiseschilderungen sich ein Bild von Hugo Schmidt und seiner Frau gewinnen lässt, dass sicherlich nicht frei von Vorurteilen und Ressentiments gewesen ist, doch zumindest einen Blick auf den Menschen ermöglich das noch frei von Angst ist- der zumindest (noch) nicht unter dem Druck steht, im Schweinestall gelyncht zu werden oder bei Umzügen mit „Musik und verrückten Pfarrer“auf dem Reichsparteitag in Nürnberg herumgetragen zu werden - wenn auch nicht frei von dem Wissen, von afrikanischer Seite äussert mißtrauisch beobachtet zu werden.

Ob in den Schilderungen des "Fremden Kontinents" die wichtigen Punkte des ("neuen") Umgangs miteinander zur Darstellung kommen und ob sich nicht in den "unwichtigen Details des - ebenso unwichtigen - literarischen Talents des Pastorenehepaares nicht eine tiefere Darstellung des europäischen Lumpenimperialismus verbirgt, um eine zugegeben dämliche Paraphrasierung einer Formulierung Walter Benjamins an einen Ort zu kleben, wo der heutige Ethnologe sie nicht haben will ( nach T.Altena stand..."jungen, aus finanziell minderbemittelten Familien eine probate Möglichkeit offen, Versäumtes zu kompensieren, Wissensdurst zu stillen und sich eine Bildung anzueignen, die deutlich über den Möglichkeiten lag, die ihren formalen Qualifikationen ursprünglich zugestanden hätte." in: Ein Häuflein Christen mitten in der Heidenwelt des dunklen Erdteils", Münster 2003)

Dennoch ist hier, meine ich, durch die neuen Dokumente dringender Forschungsbedarf gegeben, denn es scheint nicht nur so zu ein, dass, wie Antje Vollmer schrieb, AUCH "Fragen des Imperialismus und des Kolonialismus im Neuwerk" und seinen Publikationen "zur Sprache" kommen (Freiburg 2018, S.201), die darin ein starkes sozialpolitisches Element des Neuwerks sieht, dass sich jedoch nur in den einzelnen Biographien der Neuwerkler verfolgen liesse und in ihren erstaunlichen Leistungen innerhalb sozialpädagogischer und sozialpolitischer Arbeit. Aus den Rundbriefen, die ich hier mit dem einzelnen (und bislang als absoluten Außenseiter und Querulanten betrachteten) Hugo Schmidt verknüpfe, klingt ein ganz anderes Bild an, das ein größeres Werk von Kirche und Mission anstrebt. Über die Bedeutung der "Volkskirchen" wie auch deren Bedeutung für die "Fixierung indigener Sprachen und Dialekte, für die Erforschung afrikanischer Ethnien und ethnischer Gruppen oder für die Schaffung einer auf indigenen Sprachen basierenden Literatur" kann ich nur auf das Buch T.Altena verweisen, der mit dem Begriff "Volksmission" und "Volksschule" und den Fragen nach der kulturellen Dynamik einer eigenständigen autonomen Entwicklung zumindest die Brücke von lokal afrikanischen und (paradoxal transnational/deutschen) zu den "Forschermissionaren wie B.Gutmann schlägt, und muß mich damit begnügen, auf einen weiteren möglichen Zusammenhang von Bildung und Volkskirche in Afrika und ihre Bedeutung für die Unabhängigkeitsbewegungen in Afrika und ihr Echo in Europa flüchtig hinzuweisen.

Meine These würde dahin lauten, dass in dem persönlichen Versuch des Missionars Hugo Schmidt, eine neue Form der Mission zu wagen, die an seiner eigenen paradoxalen, widersprüchlichen Einstellung scheitert (einerseits immer noch dem überlegenen Anspruch desPfarrers und Europäers verpflichtet : und dies von den "Eingeborenen" auch fordernd - andererseits offen, widersprüchlich-tolerant und zugleich paternalistisch-herablassend auf politische Fragen zugehend), obwohl er sich bemüht, politische Fragen mit pädagogischen und theologischen Anforderungen - und damit mit der Reflektion und den Reformprojekten des Neuwerks - zu verschmelzen - (von deren ungewöhnliche Tendenzen zumindest einige zu erkennen sind), bereits eine ungewöhnliche Menge an Detailbeobachtungen, zeitgenössischen Betrachtungen und politischen - pädagogischen Ideen zu finden sind, die nicht allein auf egozentrisch-destruktives Herrschaftsdenken zurückzuführen sind..

Ob darin das Thema oder Problem der "völkischen Selbstbestimmung" die Oberhand hat, als Thema nationalistischer Selbstbestimmung oder eher als eine Strategie radikaler Selbstbestimmung zu werten ist, die mit der Frage der Religionen der Völker und mit den Politischen Fragen des Rechts der anderen Nationen - zu dem die politischen Fragen nach dem Recht der Eingeborenen gehören - aber auch die des verfolgten Volkes - ein genuin universelles anzusehen sei und damit zu den Fragen der GEISTIGEN UNABHÄNGIGKEIT und freien Selbstentwicklung beitragen könnte - oder ob dieser zukunftsträchtige, weit über die Jahre VOR dem Dritten Reich bis in die 1960 und 70er Jahre hineinreichende / hinausreichende Ansatz nur als Verschleierung einer regressiven white supremacist Theorie anzusehen ist ( so sollen aktuell ja jegliche Fragen zur "Progressivität" des Weltkirchenbundes und nationalistischer Selbstbestimmung ethnografischer Gruppen als rein reaktionär und antisemitisch zu werten sein) oder ob die Erwartung, ein deutscher Missionar habe sich argumentativ auf einer Ebene wie der uns Heute geläufigen zu bewegen, realistisch umzusetzen oder nur normativ sollens-ethisch (wie W.Ritzel dies formuliert hätte) zu fordern sei, müsste sich in einer weiterführenden Untersuchung - beispielsweise anhand der literarischen und evtl politischen Verbindungen von Otto Salomon / Bruder zu Albert Luthuli vertiefen oder zurückweisen lassen:

So verschmilzt in Hugos eigener Darstellung die Kritik, die ihm von Otto Salomon, Hermann Sauter und Norman Körber zu teil wird ("ich schäme mich vor Norman Körber" - eine Briefstelle Hugo Schmidts nach seinem Rauswurf aus der Berliner Mission) - und die als Kritik darin Positionen des Neuwerks sichtbar werden lassen, welche eine starke Anti-institutionelle Haltung erkennen lassen und der Vorwurf, stattdessen bei Deutschchristen und bei Institutionen Schutz gesucht zu haben, die "mit Gewalt" ins Leben gerufen wurden, zu einer inhaltlichen Fixierung auf christliche Rechtfertigung, die jegliches politische Engagement nur noch zu einem individuellen Sakrileg macht: des "Sich Rühmens". Hugo Schmidts Stellung zum "Bund der Köngener" ist schwieriger nachzuweisen (was nicht zuletzt an merkwürdiger Störmitschriften - Computerstörungen während meiner / unserer Abschriften - zusammenhängt). Aus den Briefen, die 1932 an Hugo Schmidt, der zu dieser Zeit seit zwei Jahren in Afrika weilt, gerichtet wurden, läßt sich ein schwerer Vorwurf seitens Otto Salomon und Hermann Immer, Emden, erkennen, welche beide Hugo Schmidt vorwerfen, die "deutschen Christen" zu Hilfe genommen zu haben sowie seine Nähe zu den "Köngenern" um Professor Wilhelm Hauer, Tübingen, der spätestens 1934 sich ganz den Deutschen Christen wie der SS zuwendete.

In einem handschriftlichen Brieffragment ist es uns nun teilweise gelungen, eine Stellungsnahme Hugo Schmidts zu rekonstruieren. Die Nähe zu dem Bund der Köngener scheint aus seinen Tübinger Studententagen herzurühren, als Schmidt Vertreter im Bund der christlichen Stundeten war ( mit Hilfe und Unterstützung von Hermann Immer), aber, so Hugo Schmidt, seit der Übernahme und Ausrichtung des Köngener Bundes durch den Tübinger Religionsforscher W.J. Hauer sei ihm das Tor verschlossen gewesen. (Wer anderes behaupten möchte, soll bitte Beweise vorlegen). Auch ist damit nicht klar, ob die unterstellte Bekanntschaft respektive Anhängerschaft Hugo Schmidts zu und für W.J.Hauer - auch eine Bekanntschaft mit Martin Buber bedeutet, der ja zumindest Hauer gegenüber Nähe zuließ. Ob es eine Bekanntschaft zu Martin Buber VOR 1933 oder aber ein Wissen um dessen "Verdeutschung der Schrift" und Bubers Psalmenübersetzung (1935) belegen lässt (wie ein Exemplar von Bubers Psalmenübersetzung im Nachlass der Ilse Schmidt anzudeuten scheint) oder bloß um ein typisch deutsches ("opportunistisches") Wissen NACH 1945 - muß offenbleiben.

Die theologische Entwertung und die soziale Isolierung seiner persönlichen Rechtfertigungsstrategien - in medizinischer, dann juristischer Hinsicht - macht deutlich, daß Hugo Schmidt aus einem anderen " Kontext" nach Deutschland zurückkehrt: daß seine eigenen Vorstellungen der kirchlichen Autorität nicht aus einem obrigkeitstreuen wilhelminischen Deutschland stammen (wie beispielsweise in Ruth Rehmann, Der Mann auf der Kanzel) und somit dem gesellschaftlichen Umformungsprozeß der deutschen Christen und den Unterwerfungsritualen des NS-Staates brachial und absurd gegenüberstand, so daß die Verbringung nach der Psychiatrie und die Auseinandersetzungen mit dem Erbgesundheitsamt wegen der Sterilisierung als "Erbkranker" schizophrener Patient nicht allein nur ein Auswuchs der NS_Bürokratie sein muss. Dabei doch NUR erkennbar werden läßt, daß Hugos Ab/ oderAnwesenheit Participation in Deutschland ein Engagement erkennen lässt, dass die Betonung auf "VOLK" eine gefährliche Nähe zu den Idealen der Nationalsozialismus erkennen läßt - dem sich Pastor Hugo Schmidt ab 1933 stellen muss - ob darin ein eigener lebendiger Gedanke zu finden ist, der den Steinbruch des KZ Buchenwald überlebt hat, muß man vielleicht bei A.Freudenberg oder Hellmuth Gollwitzer suchen...

Die Infragestellung der Europäischen Mission mit einem - sich zwischen allen Fronten befindenden - Kampf gegen die "alten" Autoritäten, die nun vom Kampf und der Auseinandersetzung mit dem NS Staat aufgesogen werden - scheint mir in der heutigen Diskussion, die - allzuoft -einen Gegensatz am Werke sieht zwischen dem Weltkirchenbund und Israel, in der Beschäftigung mit den "Unheil" (so Hugo Schmidt) und oder den Irrtümern der kulturimperialistischen christlichen Mission behauptet, - scheint mir, nochmals, eine tiefere Beschäftigung mit den Zielen des Neuwerks auszuschliessen und seinem Engagement für "nichtarische" Christen sowie in weiterem Sinne für "Nichtariern" zB von Walter Höchstädter wie in dem Engagement des Albert Lempp-Kreises, der Thüringer bekennenden Kirche, des Jenaer und Dahlemer Kreises um Hellmuth Gollwitzer und oder des Jenaer Mittagstisches der Ricarda Huch - mit gezieltem Desinteresse zu begegnen.

Leider ist es mir bisher nicht möglich gewesen, Näheres zu den Kontakten, Treffen, Begegnungen innerhalb Hugo und Ilse Schmidts Umfeld in Jena, Weimar, Gotha und Templin zu erfahren. Das mag daran liegen, dass innerfamiliär der soziale Druck dem „Asozialen“gegenüber, was ja der KZHäftling und seine Familie war, und die Etikette (durchaus in Kniggescher Form, wenn hier eine Formulierung von H.Ridley, Oxford aufzugreifen ist) des "Sich-Nichtrühmens" beträchtlich sind, und daß es angesichts des Holocaustes als unangebracht gilt, als Deutsche sich in widerlich philosemitischer Weise mit KZ und dem Schmerz in Szene zu setzen...

Korrespondenz betr.Afrika

Bund deutscher Bibelkreise

Wuppertal. Barmen, den 11. Juni 1931

e.V.

B.k.

Parlamentstr. 19a

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Bankkonto: Städt. Sparkasse, Wuppertal-Barmen 2952

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Der Reichswart

Herrn

Mappe: RSm Nr. 1765

Missionar Hugo Schmidt

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Mwakaleli

Post Tukuyn Taganyika Ostafrika

Lieber Hugo!

Dein Gruß vom 8. Mai ist mir eine große Freude gewesen. Leider traf er nicht mehr rechtzeitig ein, um ihn mündlich weiterzugeben an die Schar der 2000, die in Greiz zur 4. Reichstagung beieinander waren. Aber ich denke, daß in der Verarbeitung der Zeitschriftenberichte Dein Wort aufgenommen wird. Ich habe es an Heinrich Oltmann weitergegeben. Wir dürfen mit großer Dankbarkeit zurückschauen auf diese Tagung. Sie hat etwas offenbar gemacht von der Entwicklung der letzten Jahre und hat die guten Früchte bündischen Wollens ins rechte Licht gestellt. Äusserlich war’s ein packendes Bild. In wunderbarer Umgebung Zelt an Zelt. Aber davon kannst Du bald ausführlicher in unsern Zeitschriften lesen, die ich Dir dann zugehen lasse. Darauf kommt nun in der Tat alles an, daß in diese äussere Geschlossenheit innere Kraft und lebendige Frucht hineindringt. Nach einer solchen Tagung spürt man erst die ungeheuer große Verantwortung, welche mit der rechten Auswertung uns aufgelegt wird. In meiner Arbeit stehe ich in der dankbaren Gewissheit, daß nicht eigenes Wollen und Drängen mich hineingeführt hat. Es bedeutet viel, daß wertvolle Menschen und treue Freunde helfend und ratend mir zur Seite stehen.

Und nun Dein neuer Dienst. Wäre es nicht doch möglich, daß Du einmal für unseren Führerdienst ein Gruß- und Berichtwort schreibst? Viele unserer Generation, die hier heute mitarbeiten, würden sich freuen, von Dir einmal zu hören. Ich wünsche Dir von ganzem Herzen, daß Gott Dich dort mit Deiner lieben Frau täglich rüste zumWerk. Für den der Pfingsttagung zugedachten Betrag von M32,- danke ich Dir im voraus recht herzlich. Die Verwendung wird Deinem Wunsch entsprechend erfolgen.

Unser friesischer Gau liegt mir begreiflicherweise sehr am Herzen. Mein Nachfolger im Landeswartamt ist nach Bentheim verzogen und hat seine Arbeit im BK aufgegeben. Nun suchen wir wieder einmal. Dieser beständige Wechsel schädigt die Entwicklung stark.

Im Augenblick stecke ich in den Vorbereitungen für die Weltbundkonferenzen in Amerika. Das Schiff geht am 15. Juli in Bremen ab. Vom BK aus wird ausser mir auch Heinrich Oltmann fahren. Getreu und herzlich Dir verbunden grüßt und dankt

Dein Udo Smidt

*

Bund deutscher Bibelkreise

Wuppertal. Barmen, den 7

. September 1931

e.V. B.k.

Parlamentstr. 19a

Postschef-Konto: Essen 2812 Rechs B. R. Geschäftstelle

Heidterstr.7

Bankkonto: Städt. Sparkasse, Wuppertal-Barmen 2952

Fernsprecher 57700

Der Reichswart

Herrn

Mappe: RSm Nr. 1765

Missionar Hugo Schmidt

Bei Rückantwort angeben

Mwakaleli Post Tkuyn Taganyika Ostafrika

Lieber Hugo!

Seit einigen Tagen bin ich nun wieder im Lande und habe mit dem Besuch der Weltbundkonferenzen in Nordamerika überaus anstrengende, aber auch ebenso anregende Wochen hinter mir.

Was eben so an ersten kurzen Berichten geschrieben wurde, lege ich Dir bei, weil Du doch mit Deinen Gedanken oft bei uns und unserer Arbeit sein wirst. Unter der sich hier inzwischen angehäuften Post fand ich auch die Bestätigung über den Eingang Deiner Geldgabe. Hab noch einmal recht herzlichen Dank dafür. Inzwischen werden die Zeitschriften mit den Berichten über die Reichstagung Dich erreicht haben und Du hast hoffentlich ein klein wenig aus der Ferne von dem nacherleben können, was uns dort geschenkt wurde.

Mit unserer ganzen Arbeit sind wir ja in die Dunkelheit der gegenwärtigen Zeitlage hineingestellt und wir wissen nicht, was uns in wirtschaftlicher und politischer Beziehung der kommende Winter noch bringen wird. Die Anzeichen dafür, daß es eine bitterschwere Zeit geben wird, sind zu Mal hier im Industriegebiet handgreiflich nahe. Wir dürfen Dankbar sein, das wir bisher für die Durchführung unserer Arbeit im Bund immer wieder empfangen haben an äusseren Mitteln was notwendig war. Es würde mir eine große Freude sein, wenn Du mir einmal aus Deiner dortigen Arbeit und Welt einen Freundesgruß schriebest, der dann evtl. durch den Führerdienst auch unsern Kreisen zugänglich gemacht würde. Ein Brief von der Missionsfront wiegt oft manchen langen grundsätzlichen Artikel auf.

In der Hoffnung, daß es auch Deiner lieben Frau gut geht und mit der Bitte um freundliche Grüße bin ich in alter Freundschaft

Dein Udo Smidt

Hermann Sauter an Hugo Schmidt

Kassel 16.08.32

Lieber Hugo, Liebe Ilse!

Als ich zu Pfingsten eure Geschichte las, die so ganz anders anklang als die ersten frohen Berichte, war ich erschüttert. Und habe lange nicht gewusst, was ich zu allem sagen sollte, so daß es mir auch nachgegangen ist. Ich hoffe zu Gott es hat sich bereits alles geklärt, sonst gibt es immer nur den einen Weg, der guter äußerlich mühsam ist aber auch immer zum Ziele führt, den Weg des Lammes nach, den Weg der tragenden Geduld.

Ich lese so viel zu Missionsprobleme Afrikas, hier aber traten sie mir doch in ganz anderer Weise entgegen. Auch habt ihr die Erfahrung einer Hilfe von oben ..… so schwer gemacht wird. Lest regelmäßig die Psalmen. Jeden Wochentagabend einen halben und dann noch einmal die ...psalmen… ...in einem halben Jahre den ganzen Psalter. Ich kann gar nicht sagen, was darin Lesen für eine Hilfe für mich lag, wenn mir Menschen das Leben schwer machten. Denn das geschieht ja auch hier, und man kommt sich auch in einem deutschen Ort oft einsam vor und doch ist es etwas anderes, aber Gott ist der Selbe hier und in Afrika. Es war ja in der letzten Zeit, besonders in der ( …) zu … wie die Menschen auch die Parteien entfremdet wurden ist …

jetzt ist ja Gott bei …

aber das Gift hat doch gewirkt.

In vielen Zeiten hat die Mission eine ungeheure Bedeutung und deshalb ist es so niederschmetternd, wenn...… Aber wie sollte es nicht? Ist's nicht die selbe Christenheit, die Kirche und Mission bestimmt? Durch diese… werden wir gehen müssen, damit etwas (echtes ?-NR) wieder herauskommt. Und Gott Stärke euch den Mut und lasse euch auch erleben, dass eine Arbeit Freude bringt

Es grüßt euch von Herzen

Hermann Sauter

*

Otto Salomon an Hugo Schmidt

19.8.32

Lieber Hugo,

ich trage mich schon lange mit einem Brief an dich, aber es fällt mir sehr schwer die rechten Worte zu finden es liegt sicher mit daran, dass wir solange uns nicht mehr gesehen (und) auch, dass ich deine l.Frau nicht kenne.

An allem was dich betrifft nehme ich herzlichen Anteil. Dein grosser Brief, den ich in Schlüchtern las hat mich sehr bewegt - aber es ist mir nicht leicht dir dazu etwas zu sagen. Ich gestehe dir offen, dass ich deine "pädagogischen" Gaben nicht so sehr entwickelt sehe (und) weiss von früheren Zusammenstössen mit der Welt, die nicht immer ohne deine Schuld geschehen sind. Diese Schuld sehe ich aber wesentlich in einer gewissen Naivetät deines Wesens, einem Mangel an realem Blick für die Dinge, bei aller innerlichen Ehrlichkeit (und) Begeisterung (und) ich weiss nicht, ob nicht manche Ereignisse vor deinen Augen anders dastehen als sie bei nüchterner Auffassung angesehen werden müssten.

Das soll kein Vorwurf sein! Ich bin überzeugt, dass von Seiten der Missionsgesellschaft kleinere Nachlässigkeiten (und) Versäumnisse ....sind. Aber die Herren dort haben dich vielleicht durch ihren Verkehr mit dir (und) durch deine etwas enthusiastische Art zu schreiben als ein bisschen schwärmerisch kennen gelernt (und) nehmen daher manches (was ich sehr verurteile) nicht ernst. Ein Beispiel wäre Dein Verlangen ein Clavier mit nach Afrika zu nehmen etc. Eure Rundbriefe haben Elfriede (und) mich auch nicht so ganz befriedigt. Wir sahen da noch viel Spielerisches, nicht ganz Nüchternes (z.B. die von der Heimat mitgebrachte Rose) (und) ich kann mir denken, dass diese ersten Rundbriefe der Berliner Missionsgesellschaft zu denken gegeben haben - jedenfalls sah man aus dem Begleitbrief, dass die Herren ein wenig skeptisch waren, vielleicht nicht ganz ohne Grund.

Grade um unserer Bruderschaft willen muss ich dir das so deutlich sagen, nicht um dich zu entmutigen, sondern um dich zur Selbstprüfung zu veranlassen (und) dich zu bitten darüber nachzudenken, ob eure Lage nur als die von Märtyrern aufzufassen ist oder ob ihr doch in gewissen Punkten noch nüchterner denken lernen müsst.

Alle christliche Arbeit kann, wie ich sie sehe, heute nur im Warten auf den Heiligen geist geschehen, denn wir sind keine Urgemeinde mehr (und) von den ersten Gnadengaben weithin entblösst. Begeisterung für die (wichtige!) Sache der Mission besagt noch nicht, dass ich nun wirklich "apostolischen" Auftrag habe. jedenfalls müssen wir in Kirche und Mission (und ) wo es sonst sei immer mit viel Menschlichkeiten einfach rechnen (und) als praktische Hauswirte uns benehmen, die dem Rechnung tragen (und) keine Illusionen haben.

Ich will damit nicht sagen, dass ich die Schwierigkeiten deiner Lage nicht ernst nehme. Sie sind gewiss da, aber vielleicht auch durch eine Illusion deinerseits (durch ein...Bild von dem wie es sein müßte und nicht ist) entstanden.

Sei versichert, dass wir dich weiter in gedenken behalten werden. Hermann Thoböll wird versuchen, in Berlin die Herren zu Rechenschaft zu stellen. Es wird sich aber alles bessern, wenn du weniger Forderungen stellst, (und) dich auf den Boden der Tatsachen begibst (und) ganz langsam und geduldig weiterbaust, dich auch von Enttäuschungen nicht niederdrücken lässt. Eigentliche Autorität (auch bei Eingeborenen) wird wohl weniger durch einen Machtspruch deiner vorgesetzten

Behörde geschaffen als durch dein Wesen und Verhalten selbst.

Sei mit deiner lieben Frau aufs herzlichste gegrüßt dein Otto

*

Hermann Immer an Hugo Schmidt

Zur Zeit 21 Kandersteg, (Berner Oberland), den 9.August 1932

Mein Lieber Hugo!

Dein Rundbrief kam am Anfang der vergangenen Woche kurz vor meiner Abreise in die Ferien in meine Hände. In den letzten Arbeitstagen vor Ferienbeginn hatte ich nicht Zeit und Stille, ihn recht zu lesen und dir recht antworten zu können. So habe ich mir erlaubt den Brief etwas länger zu behalten und ihn hier in Ruhe zu lesen und dir recht zu antworten.

Was hast du alles durchmachen müssen. Du und deine liebe Frau, sie vielleicht noch mehr! Denn derartige Kämpfe müssen ein Frauengemüt noch viel mehr beschweren als das eines Mannes. Wir, meine Frau und ich, waren tief erschüttert, als wir den Bericht deiner Frau lasen. Nur was sollen wir nun hierzu sagen? Zunächst möchte ich dir die Losung des heutigen Tages zurufen: Die Furcht des Herrn ist Zucht zur Weisheit, und ehe man zu ihm kommt, muß man zu vor leiden. Spr. 15,33

Will mein Herr durch sanfte Zucht mich nach seinem Bild gestalten o so will ich ohne Flucht seiner Hand nur Wille(?) halten, so erschreckt mich kein Gericht, das ist meine Zuversicht. Leidet jemand als ein Christ, so schäm er sich nicht; er ehre aber Gott in solchem Fall. 1.Petr 4,16.

Leiden bringt empörte Glieder endlich zum Gehorsam wieder, mach sie Christo untertan, daß er die zerbrochenen Kräfte zu dem Heiligungsgeschäften sanft und still ernennen kann. Diesertags hörte ich von den Möttlingern, daß sie auf die Frage: „Wer hat Frieden?“ die Antwort zu geben pflegten: Wer alles Gott hinzugeben und alles aus Gott Hand zu nehmen bereit ist. Darauf kommt vor allen Dingen an, daß wir für dich Kraft von Gott erbitten, daß du auch diese schweren Heimsuchungen aus seiner Hand nehmen kannst, dann werden sie dir reichen Segen bringen. „Ohne seinen Willen fällt kein Haar von meinem Haupt und muss mir alles zu meiner Seligkeit dienen.“ Es war mir ganz seltsam aus dem Bericht deiner Frau zu lesen, daß an einem besonders entscheidenden …(Tage?) derselbe Spruch im Mittelpunkt stand, den ich dir bei deiner Einsegnung zurief: Es sei denn daß das Weizenkorn in die Erde falle und ersterbe, so bleibt es allein, wenn es aber erstirbt, so bringt es viele Frucht. Wer ein Leben erhalten wird, der wird es verlieren, wer aber ein Leben verliert um meinet Willen, der wird es finden, wer mir dienen will, der folgt mir nach und wo ich bin, da soll mein Diener auch sein. (am Kreuz!) Damals ahnte ich noch nicht, daß dies Wort so in Erfüllung gehen würde, aber es ist Gottes Weg so, und sein Weg ist heilig. So ist es auch nicht von ungefähr, daß du in die Berliner Mission kommen musstest, deren Mängel nach deinen Berichten ja unverkennbar sind. Gerade der Weg in dieser und durch diese Mission sollte dein Sterbensweg(?) werden. Das Weizenkorn muss sterben, so bringt es viele Frucht.

Wenn ich mich anschicke als Freund deine Last mit dir zu tragen, so möchte ich das wir diesen Gesichtspunkt überordnen. Wir neigen so sehr dazu, alle Anfeindungen die uns treffen immer gleich als die Schmach Christi anzusehen, daß liegt auch darin, aber ich glaube wir tun gut, immer die Frage so zu stellen: „Warum muss mich Gott diesen Sterbensweg führen. Was muß in mir vom alten und eigenen (?) Wesen sterben, was muß in mir zerbrochen werden, damit ich sein Werkzeug werden kann?

Die Furcht des Herrn ist Zucht zur Weisheit und ehe man zu Ehren kommt, muß man zuvor leiden, so lautet die heutige Tageslosung. Ich hab den Eindruck, daß es bei dir, mein Lieber, eben an dieser Zucht, die in der Furcht vor Gott ihre Ursache hat und damit auch an der rechten Weisheit fehlt, und das so manches Andenken im Oldenburger Lande darin begründet ist. Es bestanden aus diesem Grunde bei der B.M.G. schwere Bedenken dich auszusenden, ich bin auch um meine Meinung gefragt worden und bin warm für dich eingetreten. Ich muss sagen, daß es mir außerordentlich schmerzlich ist, daß es nun doch in der B.M.G. nicht gegangen ist.

Ich kann mich des Eindrucks nicht erwehren, daß dir deine Person noch zu sehr im Mittelpunkt steht, daß die lang zahlreichen Briefe an die Missionsleitung mit darin begründet sind und das sie in dem Maße von der Missionsleitung nicht ernstgenommen sind als du dich selbst noch zu ernst nimmst. Ich kann darin auch ein wenig das Lächeln des Missionsdirektors, von dem du an einer Stelle schreibst, verstehen.

Wir, und ganz besonders ich, als früherer friesischer BK-Gauwart, wir sind Mitschuld daran, daß sich bei dir ein Selbstbewusstsein heraus bilden konnte, das dir bei deiner Arbeit im Wege sein wird, bis es völlig hineingegeben wird in den Tod Christi. Wir haben euch Jungen und ganz besonders dich viel zu sehr den Hof gemacht, es ging uns ein wenig wie Eltern die ihre Kinder, wenn sie mit ihnen bisher unbekannten modernen Ideen heimkommen, darob anstaunen. Wir haben es in der Erziehung an der nötigen Grobheit fehlen lassen. Andererseits frage ich mich, ob nicht von den Eierschalen des Idealismus etwas hängengeblieben ist. Der Idealismus ist eine Verherrlichung des Menschen. Und zu den Idealisten, den Köngenern, den Neuwerkern, dem „Neuen“ hast du dich immer besonders hingezogen gefühlt. Ich glaube, daß es darin solche Sterbenswege zu gehen gibt. Gott will diesen Idealismus diesen Menschenkult mit Stumpf und Stil ausrotten. Darin hat er das Kreuz seines Sohnes aufgerichtet als ein Gericht über den Menschen und sein Tun, auch über sein edelstes und bestes. Er will keine anderen Götter haben neben sich. Hier setzt auch meine Kritik ein an deinen Verhandlungen mit der Missionsleitung. Schon das da so viel verhandelt werden musste erscheint mir ungesund.

Ich glaub, daß so auch wieder moderner Geist sich bemerkbar macht. Als dem früheren Missionsinspektor Rosenhans(?) von der Basler Mission in seinen jungen Jahren meine Missionsarbeit im heiligen Lande angeboten wurde, da fragt er erst, welchem Komitee er vorgestellt sein würde. Als ich ihm zur Antwort gab: „Gar keinem. Sie sollen ihre Arbeit in völliger Selbständigkeit und auf eigene Verantwortung hin tun,“ - da lehnte Rosenhans ab mit der Begründung: „Ich will wissen, wem ich zu gehorchen habe.“ In diesem Sinne hat er dann später von seinem Missionszöglingen und Missionaren unbedingten Gehorsam verlangt. Und wenn einmal ein Missionszögling nicht gehorchen wollte so hieß es: Der Bruder N.N. hat binnen 24 Stunden seine Sachen zu packen und das Missionshaus zu verlassen! Das heißt: Wer nicht unbedingt gehorchen kann, ist nicht geschickt zum Missionsdienst.

So ist auch meine Meinung. Darum halte ich die ganze Behandlung des Missionslehrers Wolff für grundfalsch. Hier konnte es kein Verhandeln geben. Dieser Mann, der sich den Anordnungen seiner vorgesetzten Behörde widersetzte, musste sofort entlassen werden. Darum betrachte ich die 3 wöchentliche Reise die du „im Interesse“ (sic.) deines …ummels zu den betr. Superintendanten unternommen hast für einen schweren Fehler. Der Erfolg ist ja auch dementsprechend geworden.

Die Sache hat sich ins … verschlimmert. Daß der Fall Wolff zu einem schweren Schaden für die Missionsarbeit geworden ist. Daran ist die Missionsleitung selber Schuld.

Hätte man den Mann wegen seines Ungehorsams fristlos entlassen, so wäre eine Furcht auf die Gemeinde gefallen, und die ganze Angelegenheit hätte reichen Segen bringen können. Nun haben Du und deine liebe Frau ausessen müssen, was diese falsche Behandlung euch eingebrockt hat. Aber in deiner Stelle wäre ich lieber Hugo dem Manne ganz anders entgegengetreten. Ich hätte ihn links liegen lassen, anstatt ihn immer wieder zu bitten, doch die Reihe zu kommen. Ein widerspenstiger Missionslehrer, der auch noch meint, in dem Kirchenstreik treten zu können, der soll draußen bleiben, nicht nur außerhalb des Kirchenraums, sondern auch der Mission.

Aber nun zu dir: Es war nach meinem Empfinden ein ganz falscher Ansatz, daß du bei deinem Eintritt in die B.M.G. überhaupt Bedingungen stelltest. Wenigstens hätte ich mich als Missionsdirektor nicht darauf eingelassen. Ich hätte gesagt: „Wenn sie Vertrauen zu mir haben, dann kommen sie bedingungslos zu uns!“. So ist mir ein unerträglicher Gedanke, wenn ein Soldat, der in eine Armee eintritt Bedingungen stellt. So will es mich auch unerträglich dünken, daß einer der noch nicht draußen war mit bestimmten Methoden und Grundsätzen in meine Missionsarbeit eintritt, auch wenn er Guttmann und Keysser gelesen hat und wenn er aus diesem Grunde seine selbstständige Arbeit mit genügender Bewegungsfreiheit verlangt, um „seine Ziele“ zu verfolgen und „seinen Grundsätzen“ gemäß arbeiten zu können. Entweder man hat das Vertrauen zu einer Missionsgesellschaft, daß sie der freien Entfaltung ihrer Arbeiter Raum lässt, oder man hat das Vertrauen nicht, dann nützen aber auch alle Bedingungen und Verhandlungen nichts.

Mir scheint in deinen Bedingungen und Verhandlungen, „in diesen Grundsätzen“, Zielen und Methoden daß selbstbewusste eigene Ich sich auszuwirken, das eben sterben muss, wenn es jemals Frucht geben soll, und dieses Sterben ist schmerzlich!

Ich schaue ja nicht durch alles hindurch. Weil ich die Verhältnisse nicht weiß, aber es kehrt sich etwas in mir um, wenn ich den Satz lese, den du an deinen Direktor schreibst.

„Ich habe nie behauptet, Sie hätten mir Manoje versprochen, sondern ich habe nur gesagt, meine Entsendung ins Kondeland sei m.W. von dem Gedanken an Manoje bestimmt gewesen, dieser Plan stünde im Einklang mit den Verabredungen.“ Fußnote: „Denn sonst hätte ich schon in Deutschland protestiert!“ So redet der alte Hugo, der auf Rechte pocht.

Ich mache vor allen Dingen der Missionsleitung den Vorwurf, daß sie einen Missionsarbeiter aussendet, der nicht ohne Bedingungen und Voraussetzungen, zu ihr kommt, sondern mit ihr Verhandlungen führt, die von der Frage bestimmt sind, wo in ihrem Missionsbereich für seine besonderen „Gaben“ und „Wünsche“ (!) Ein Arbeitsfeld sei. Da lag von vornherein ein kranker Ansatz. Ebenso darin, daß du vor Eintritt in die Arbeit der Missionsleitungen Bedenken äußertest über die Zusammenarbeit mit dem aus dem Seminar herausgegangenen Missionaren, die etwa andere Arbeitsmethoden verfolgen. Das war von vornherein eine schiefe Stellung gegen deine -inaristischen (?) gebildeten Mitarbeiter. So konnte es draußen nicht gehen. Diese Einstellung machte von vornherein das rechte Zusammenarbeiten unmöglich. Wer in die Mission geht, darf den Unterschied zwischen Theologen und Seminarristen überhaupt nicht kennen. Betrübt hat mich die Anspielung auf die schweren Komplikationen, die es geben könnte, wenn du deine Arbeitsmethoden ausüben würdest und dich mit den etwa rein pietistischen anderen Mitarbeiter(n) zu reiben gezwungen wärest. Auch diese Einstellung ist ungesund. Man sollte nicht von vornherein mit schweren Komplikationen rechnen und was weiß einer, der noch nicht draußen war von rein pietistischen Arbeitsmethoden. Wer in die Mission geht, der lasse überhaupt jede Voreingenommenheit zu Hause. Dann hättest du nicht der Hoffnung Ausdruck zu geben brauchen, daß es dir gelingen werde, im Frieden mit deinen Mitarbeitern auszukommen. Das wäre dir dann selbstverständlich gewesen. Ich kann in all dem nur Selbstüberhebung sehen, und wundere mich nicht, wenn du von den ersten Punkt deines Schreibens an den Direktor mit dem Satz abfindest, der mir wiederum in deinem Interesse wehtut: „aus diesen Grundzügen wird ersichtlich, dass ich mich der Zumutung einer Hilfsmissionarstätigkeit am Superintendenturort widersetzen müsste.

Wiederrum sage ich: Ich kenne die Verhältnisse draußen nicht, aber ist ein solches sich Widersetzen nicht an sich eine Unmöglichkeit in der Mission? Wäre es nicht besser gewesen den niedrigsten Dienst anzunehmen? Nach meiner in der Schrift begründeten Auffassung kann man nur dann Frucht bringen, wenn man in allen Dingen den untersten Weg des Dienens, des Sterbens geht. (Allesamt seid untereinander untertan und haltet fest an der Demut, denn Gott widersteht den Hoffertigen, aber den Demütigen, gibt er Gnade(?))

Was die Gehaltsfrage angeht, so erscheint es mir selbstverständlich, dass der akademisch gebildete Missionar nicht anders gestellt wird, als der seminaristisch vorgebildete. Räumt man ihm eine Ausnahmestellung ein, so kann das für sein Verhältnis zu den anderen Mitarbeitern nur ungünstige Folgen haben. Jedenfalls kann ich beim Durchlesen deiner Niederschrift über die Verhandlungen mit dem Schatzmeister ein Befremden nicht unterdrücken, wenn du ihm gegenüber zum Beispiel vorhältst, wie du in Deutschland „gestellt“ sein würdest und daß du in Oldenburg und in Reuß nicht wie in Preußen nach den niedrigen Gehältern der preußischen Beamten, sondern nach den höheren Gehältern der Reichsbeamten bezahlt würdest.

Zum Schluss noch ein ernstes Wort über das sich Rühmen im persönlichen Sinne, wie du schreibst. Ich halte auch es in dieser Weise nicht für richtig und glaube nicht, dass es irgendwie die Sachlage ändert, wenn du auf die Schmach Christi hinweisest, die du von Jugend auf getragen hast, wie du schreibst. (Darüber redet man nicht) Auch von deiner Tätigkeit im friesischen Gau, in der CJW/CJV und in der Neuwerkbewegung zu reden und auf Personen hinzuweisen, die über das Auskunft geben können, war jetzt zwecklos. Man könnte von der Missionsleitung aus dagegen einwenden. Wir haben seinerzeit bei diesen Personen Auskünfte eingeholt, die Auskünfte waren gut, (so z.B. die von mir), aber es ist trotzdem nicht gegangen. Die Hinweise auf dein Erscheinen auf zwei Tagungen zu denen du nicht eingeladen warst, könnten eher das Gegenteil bewirken. Mir scheint, du kannst w.(wirklich) jetzt nicht durch Berichte aus deinem früheren Leben und Wirken und durch Zeugnisse Dritter das Vertrauen der Missionsleitung erwerben, sondern lediglich durch dein augenblickliches Verhalten ihr gegenüber.

Bringe den Beweis, daß du dich unterordnen kannst, dass du auf alle „Bedingungen“ verzichtest, daß du bereit bist den untersten Weg des selbstlosen, demütigen Dienens und du wirst in der BMG im reichen Segen wirken können. Zusammenfassend muss ich sagen, dass es mir ein tiefer Schmerz ist, dass es so gekommen ist. Bei Anerkennung all der Mängel der MBG, die in deinem Berichte zu tage traten, kann ich nicht glauben(?), dass es sich in deinem Falle um Tragen der Schmach Christi handelt. Ich weiß, dass ich jetzt ein für dich sehr schmerzliches Wort sage: es hängt an deinem ungebrochenen natürlichen Wahn, lieber Hugo, an deinem eigenen lieben Ich,dass dir viel zu sehr im Vordergrund und im Mittelpunkt steht. Du bist in Gottes Schule, wenn du die schwere Lektion lernst, die er dir jetzt aufträgt, wenn du jetzt lernst dich beugen und dich selbst verleugnen, dann wirst du ein brauchbares Werkzeug in deines Meisters Hand werden. Sonst wird es weder dort noch anderswo gehen, denn nicht deine Freunde können dir nach deinem Ausscheiden aus der Mission Stellungen verschaffen, sondern das kann allein Gott. Wie soll er dich aber in seinen Dienst stellen, wenn du ihm aus der Schule läufst.

Unsere Schuld in der ganzen Angelegenheit liegt weit zurück, ich habe sie vorhin im Oben angedeutet. Wir sind dir schlechte Erzieher gewesen. Dann trifft all das, was über dich hereinbricht auch uns, wir wollen es mit dir tragen und uns mit dir unter die harte Zucht Gottes beugen. Er ist unser aller Erzieher, daß wir ihm nur Stelle halten und jetzt hören was er uns zu sagen hat. Eins beschäftigt mich noch, eine weitere Schuld, daß ich erst jetzt dir schreibe, wo es ein Brief sein muss, der dir wehtut. Daß ich dich in deiner Einsamkeit und in deinen Nöten so alleine gelassen habe bisher und dir nicht zur Seite gestanden habe mit meinem freundschaftlichen Rat und meiner Fürbitte. Diese schwere Schuld habe ich dir zu bekennen und ich bitte dich: vergib sie mir. Gott schenke mir die Kraft zu wahrer Treue, damit ich ein wenig wiedergut machen kann, was ich versäumt habe an dir. Und meine Bitte für dich ist: Herr, stehe ihm und seiner treuen Frau in ihrer tiefen Not, hilf ihnen, daß sie nicht verzagen. Aber hilf auch meinem Freund, daß er lerne sich beugen unter deine Hand und Stille zu warten (?) vor dir, damit er höre was du ihm jetzt zu sagen hast.

In herzlicher Liebe grüßt dich und deine Ehefrau

Dein Hermann Immer, Emden

Ostfriesland (Deutschland)

Jungfernbrückstr. 11

*

Antwortfragment Hugo

Brieffragment vom .....

„Bei dieser ganzen Angelegenheit schmerzt mich besonders, dass Du meine Bitten garnicht berücksichtigst, auf den Inhalt meiner „Freunde“ einzugehen. Es handelt sich um die angeblich typischen Eigenarten meines Charakters : 1.Ich sei unbeständig und 2.unverträglich. Ist es Täuschung meinerseits, wenn ich mich weigere, eine solche Charakterisierung anzuerkennen als von meinen Freunden stammend? Bitte gehe doch noch darauf ein und falls Du irgendwie zustimmen musst, nenne mir möglichst viele konkrete Begebenheiten. Ich wäre Dir dankbar, wenn Du hülfest den Star zu stechen....

...dass ich es ablehne, überall im Christenleben Schuld zu wittern und da, wo davon nicht gesprochen wird, auf ein übersteigertes, unchristliches Selbstbewusstsein zu schliessen....“

*

(Folgende Seite besitzen einen inhaltlichen Zusammenhang, jedoch passen die Bruchstücke nicht ganz ineinander, deshalb werden sie hintereinander gesetzt: Nichtadressiertes Blatt, Durchschlag ohne Empfänger - NR)

Herzlichen Dank sagen wir Dir für den Freundschaftsdienst, dass Du Dir soviel Zeit und Mühe für diese ausführlichen Darlegungen über unsern Konflikt mit der B. M. genommen hast. Wir erkennen daraus Deine ernste Absicht, uns zu helfen und rechnen Dir Deine Offenheit hoch an. Du kannst erwarten, dass ich Dir ebenso rückhaltlos erwidere. Ich bin allerdings dabei in einer misslichen Lage, da meine Antwort ganz nach Selbstgerechtigkeit aussehen wird und bei Dir schon ein dahingehender Verdacht vorhanden ist. Soll ich als schweigen? Das wäre Verzicht auf die Gemeinschaft, die zwischen uns bestanden hat. Der Ton in dem Schreiben an den Direktor hat Dich an manchen Stellen stutzig gemacht. Das begreife ich. Der ganze Brief ist nicht ohne Kenntnis der Vorkorrespondenz zu verstehen. Das habe ich leider erst nach Fertigstellung und Versand des Briefes richtig gemerkt. Die vielen Lücken müssen ja die Leser mit Vermutungen ausfüllen. Und diese verleiten leicht auf eine irrige Bahn. So ist es Dir ergangen, wie aus allem hervorgeht, auf das Du Bezug nimmst.

Es ist mir nicht möglich, die Irrtümer zu berichtigen. Das würde viel zu weit führen. Ich muss mich auf einiges beschränken.

Es hat mir weh getan zu sehen, in welcher Weise Du meinen Bericht über Anfeindungen, etc. aufgenommen hast. Hast Du gar nicht bemerkt, dass diese Ausführungen einen letzten Versuch darstellen, Auskünfte zu entkräften, bezw. richtig zu stellen, die Knak und Weichert für völlig gesichert halten, da sie angeblich von meinen Freunden stammen, bezw. von ihnen bestätigt seien? Weshalb ich diese Anstrengung machte? Die für sicher gehaltenen Angaben über meinen Charakter bestimmten vollständig das Bild, das die Heimatleitung von mir hatte. Davon hing aber nicht nur die ganze Art des Verkehrs ab - Unfreundlichkeiten usw. sind zu ertragen – sondern auch die Arbeitszuweisung. Hätte ich geschwiegen, so hätte das den Verzicht bedeutet auf eine christliche Arbeitsgemeinschaft in Unter- und Überordnung und zwischen der Heimatleitung und mir ein behördliches Verhältnis hergestellt. Damit hätte ich nicht nur den Bruch der Verabredungen bejaht, die meinen Eintritt in die B. M. bestimmten, sondern auch die Normen missachtet, die jeder christl. Arbeit, insbesondere aber der Missionsarbeit gesetzt sind.

Ob es einen andern Weg gab, dieses Ziel zu erreichen, als den beschrittenen der rückhaltlosen Offenheit angesichts der Verdächtigungen, vermag ich nicht zu sagen. Ich sehe keinen andern, obwohl er mich zu dem Rühmen zwang, was ich gern vermieden hätte. Vielleicht kannst Du mir einen andern nennen?

Über die ethischen Grundfragen, die mit dem Rühmen in N. Tlichen (neutestamentlichen - NR) Sinne zusammenhängen, werden wir uns nicht so schnell einigen können. Ich (nächste Seite fehlt)

*

Bl.2

...reichende Zeugendienst erst das Privileg seien für Leiden in christlichem Sinne und das „Sich-Rühmen“ -. Vielmehr bringt es m.E. jeder echte Christenstand solches Leiden und zwar in unseren Jahren mancherorts sehr schnell, aber damit auch die Freude, sich in der Nachfolge Jesu zu wissen.

Ebensowenig werden wir uns wohl sogleich verständigen können darüber, dass ich es mit dem alten Schlatter ablehne, überall im Christenleben Schuld zu wittern und da, wo nicht davon gesprochen wird, auf ein übersteigertes, unchristliches Selbstbewusstsein zu schliessen. M.E. gibt es christliche Taten in jedem Christenleben, ohne dass der dem sie geschenkt wurden, dem Verdienstgedanken und seinen Folgen erliegen muss. Ich kann der ernsten Meinung vieler Lutheraner nicht beistimmen, als ob das Schuldbewusstsein, seine Vertiefung und den ganzen Bewusstseinsinhalt umfassende Durchdringung der einzige Schutz sei gegen diese zweifellos grossen Gefahren. Das N.T. enthält und bietet andere Hilfen.

Ich müsste Deiner Abweisung recht geben, wenn ich Erlebnisse im Neuwerk und in der D.C.S.V. unter Kreuz Christi gebucht hätte. das habe ich aber nicht getan. Vielmehr habe ich nur in dreierlei Beziehung von Leiden gesprochen, die durch die Nachfolge Christi verursacht waren:

1.In der Schulzeit (B.K.-Zugehörigkeit) und in den Studienjahren bei der Mitarbeit im B.K. Verkennung und Anfeindung von den „Alten“.

2. In der Oldenb.Landeskirche durch den Gegensatz der Kirchenbehörde gegen missionarische Grundsätze (Volksmission und Jugendarbeit)

3. Bei den Verleumdungen, die sich über mich ergossen, als die Strackholter mich zu ihrem Pastor haben wollten.

Bei dieser ganzen Angelegenheit schmerzt mich besonders, dass Du meine Bitte garnicht berücksichtigst, auf den Inhalt der Angaben „meiner Freunde“ einzugehen. Ich bat Euch, es mir zu sagen, wenn meine Mitteilungen aus dem Zeitraum nicht genau stimmen, in dem jeder Augenzeuge meines Lebens und Verhaltens gewesen ist.

Es handelt sich um die angeblich typischen Eigenarten meines Charakters:

1.Ich sei unbeständig und 2. unverträglich. Ist es Täuschung meinerseits, wenn ich mich weigere, solche Charakteristik anzuerkennen als von meinen Freunden stammend? Bitte gehe doch noch darauf ein, und falls Du irgend- wie zustimmen musst, nenne mir möglichst viele konkrete Begebenheiten. Ich wäre Dir dankbar, wenn Du hülfest, mir den Star zu stechen. Du bist es doch gewesen, der mich zusammen mit anderen zum Kreiswart in der D.C.S.V. Tbg. gemacht hat. habe ich Dich in den Erwartungen, die Du damals in mich gesetzt hast, enttäuscht und in welcher Beziehung? Hast Du Deine damalige Überzeugung, ich könne auch mit „engen“ C.S.Vern zusammenarbeiten, geändert?

Bl.3.

Ferner möchte ich Dich bitten, mir nähere Auskunft und Begründung zu geben für zwei Äusserungen, die Du unbegrenzt und mit einer Bestimmtheit aus- sprichst, die andere Möglichkeiten ausschliesst:

1. Ich schätzte die Oldenburger Kirchenbehörde sicher zu tief ein.

2. Unsere Schwierigkeiten mit der B.M. hätten ihre Ursachen auch in ernsten Fehlern meinerseits.

Sehr dankbar wäre ich Dir, würdest Du Deine Antwort mit der Flugpost senden.

Auf Wunsch teile ich Dir gern noch näheres über die wirklichenVerhältnisse hier draussen. Du konntest ja bisher nur erfahren, was die Zensur des Missionshauses passiert hat. – Seit einigen Wochen ist uns die Verantwortung für die hiesige Arbeit immer grösser geworden. das ist der Grund, der uns hindert, aus der B.M. auszutreten. Es ist der einzige.

Die Heimatleitung macht uns das Leben in geradezu unglaublicher Weise schwer – glaube nicht, dass ich das irgendwie leichtfertig sage. Du würdest mir recht geben, wenn Du wüsstest, was passiert ist -, während sich das Verhältnis zu den Mitarbeitern deutlich wandelt.

*

Handschriftlicher Entwurf streng vertraulich. (Handschriftlich 5)

An den Direktor der Berl. Miss.-Ges.

Herrn Dr. Siegfried Knak, Bln N.O.43

Georgenstrasse 70

Magoje den 12.IV.32

Geehrtester Herr Direktor!

Heute möchte ich auf den Inhalt Ihres Schreibens vom 14.Okt.v.Jhrs (ohne 7.Nr) eingehen.

Es war m.E. besonders klar aus der Nachricht S.14. "Sie sehen trübe in die Zukunft ... Ihre Berufung auf sogenannte Bedingungen, die Ihnen bald von mir, bald vom Schatzmeister, bald vom Komitee gemacht sein sollen, u. von denen wir alle nichts wissen, läßt fürchten, daß wir noch vor vielen anderen Mißverständnissen stehen."

Da es sich um eine entscheidungsvolle (?) Angelegenheit handelt - es geht um meinen Verblieb in der B.M.G. - muß ich Sie bitten, mir noch einmal eine Spanne Ihrer kostbaren Zeit zu gönnen.

Die hier zu klärenden Angelegenheiten sind für mich eine bedeutsame Ergänzung des Auftrags, der dem Komitee durch die Hand des Superintendenten zugestellt worden ist. Es kann kein Vertrauen zwischen uns bestehen, solange diese Dinge nicht geklärt u. geordent (?/) beendet sind.

Ich habe mich niemals auf " sogenannte Versprechungen" des Komitees berufen, habe auch niemals behauptet, daß das Komitee über die Frage meines zukünftigen Arbeitsgebietes grundsätzliche Entschlüsse gefaßt habe.

Ihre dahingehenden Bemerkungen beruhen auf Mißverständnissen. Sie können sich allen(falls?) beziehen auf meine Sätze zu dem Schreiben an Sie, sehr geehrter Herr Direktor, vom 24.IX.31: "

Die grundsätzliche Haltung (gem. des Komitees) zu der Frage meines zukünftigen Arbeitsgebietes scheint nicht in Übereinstimmung zu stehen mit den Verabredungen, die zu meinem Eintritt in die B.M.G. geführt haben." ... Daß der Entschluß des Komitees über meine Verwendung im Kondlande ohne Rücksicht auf die Zuteilung einer eigenen Station gefaßt ist, - so scheint es nach den erhaltenen Ausführungen - davon ist mir nie etwas bekannt geworden."

Ich kann verzichten auf eine Auslegung dieser Sätze, da sie klar genug meine Gedanken wiedergeben. Die Worte beziehen sich auf das Komiteeschreiben vom 20.VII.31 / Nr7055/31)x x) z.Verständnis. ich.....Mwakakli beauftragt worden. 10 Monate waren wir....jetzt sollte für eine... .Wohnung gesorgt werden.

Ich habe mich also nur auf "sogenannte Versprechungen von Ihnen", sehr geehrter Herr Direktor, u. vom Schatzmeister Baumberufen u. zwar in den Beziehungen:

I.) Mir sei bei den Verhandlungen, die zu meiner Berufung führten, eine selbstständige Arbeit u. zwar mit genügendem Raume zur Bewegungsfreiheit im Sinne der mich bei der Missionsarbeit zu leistenden Ziele u. Grundsätze (Gutmann- Kayßer) zugesagt.

Ich habe nie behauptet, Sie hätten mir Manowe versprochen, sondern ich habe nur gesagt: meine Entsendung ins Kondland sei m.W. von dem Gedanken an Manow bestimmt gewesen. Und ich sei gar überzeugt gewesen, dieser Plan stünde im Einklang mit den Verabredungen,denn sonst hätte ich schon in Deutschland protestiert.

Ich bleibe bei dieser Erklärung und erwarte Ihre Bestätigung, geehrtester Herr Direktor. Um Ihnen zu helfen, sich an unsere Unterhandlungen zu erinnern, verweise ich auf folgendes:

a). Der Brief, den ich an Liz.Rob. Fick, damals in Sarnow, jetzt in Bethel, schrieb, ergibt bereits, daß ich nicht ohne Bedingungen u. Voraussetzungen zur B.M. gehen würde. Der Brief ist Ihnen vom Empfänger zugestellt u. hat unsere Verhandlungen zur Folge gehabt. Sie waren bestimmt von der Frage, wo in Ihrem Missions-Bereich in Süd-und Ostafrika für meine besonderen gaben u. Wünsche ein Arbeitsfeld sei.

Auch harrten? die Richtlinien, die mir für meine Ausbildungszeit für draußen von Ihnen, sehr geehrter Herr Direktor, von Inspektor D. Weichert gegeben worden sind.

Es war mir gleich von vornherein bekannt gegeben, daß meine mir zur Verfügung stehende Zeit wahrscheinlich kürzer sein würde, als mir lieb wäre.

Als dann das Kondland als mein Arbeitsgebiet in den Gesichtskreis rückte, wurde mir aufgetragen, mit allen Stationen des Synechgebietes(?) zu lernen u. ganz besonders auf die wertvollen Kenntnissen. Fähigkeiten von Bruder Jauer (?) hingewiesen. Diese Richtlinien wurden ausdrücklich bestätigt, als für die vorläufige Stationierung Mwakaleli bestimmt wurde.

Da mir für meinen Berliner Aufenthalt keine Missionsordnung zum Gebrauch überlassen, geschweige denn eine mitgegeben werden konnte - ( Das wertvolle Werk von Wangemann ist nur in

2 Exemplaren im Missionshaus vorhanden. Eine neue Ordnung wird seit längerem vorbereitet) - war mir nicht bekannt geworden, daß Sie mir für die Ausbildung gegebenen Anweisungen nicht im

Einklang mit den Wort der Missionars-Ordnung für die Ausbildung sandten. Es war für mich eine enttäuschende Erfahrung von Bruder Superintendent zu hören, daß ihm von meinen Richtlinien nichts bekannt sei. Meine Benachrichtigungen u. Bitten an die Heimatleitung hatten kein Inkenntnissetzen des Superintendenten zur Folge. - Nebenbei bemerkt: