74,99 €
Dieses langjährige Standardwerk der Homöopathie ist Handbuch und Lehrbuch zugleich.
Die ausführliche Beschreibung pferdespezifischer Symptome ist in dieser Art einzigartig und ermöglicht es, für jedes Pferd individuell das passende Mittel zu finden. Der Einstieg über einen Fragenkatalog erleichtert die Orientierung und Zuordnung der Arzneimittelbilder. Mit praxisnahen Informationen zu den häufigsten Krankheitskomplexen beim Pferd (wie z.B. COPD und Kolik) sowie zu der homöopathischen Therapie rund um die Geburt, systematisiert in:
Neu in der 7. Auflage:
Ideal für ganzheitlich arbeitende Tierärzte, Tierheilpraktiker und Pferdebesitzer.
Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:
Seitenzahl: 266
Veröffentlichungsjahr: 2017
Pferde - gesund durch Homöopathie
Arbeitsbuch für die Praxis
Michael Rakow
7., aktualisierte Auflage
22 Abbildungen
Das Buch wendet sich an den interessierten Laien, Hobbyreiter oder Turnierreiter, aber auch an den homöopathisch interessierten oder bereits homöopathisch arbeitenden Tierarzt.
In der 7. Auflage wurden Arzneimittel, Potenzangaben, Dosierungen und Beschreibung der Symptome den Erfahrungen der letzten Jahre und dem aktuellen Stand angepasst. Eine kurze Einführung in die Grundlagen der Homöopathie und die Dosierung der homöopathischen Arzneien beim Pferd gibt eine fachliche Basis.
Die Aufteilung der Kapitel wurde beibehalten, da sie sich in der Praxis sehr bewährt hat und bewusst die Brücke zwischen Klinik und Homöopathie bilden soll. Sie erhalten Informationen zu den häufigsten Krankheitskomplexen beim Pferd und zu der homöopathischen Therapie rund um die Geburt:
Atemwege
Magen-Darm
Bewegungsapparat
Haut
Verletzungen
Verhalten
Trächtigkeit, Geburt, Laktation
In den einzelnen Kapiteln bekommen Sie zunächst einen Überblick zu den Krankheitsursachen und Symptomen aus klinischer Sicht. Danach werden die für eine homöopathische Therapie wichtigen Symptome erklärt, meist in Form eines Fragenkatalogs ergänzt, um mehr Übersicht zu schaffen und die Differenzierung der Arzneien zu erleichtern. Im Anschluss werden die Symptome der wichtigsten Arzneien mit Überblick, auslösender Ursache, Modalitäten u.a. dargestellt, wo es sinnvoll erschien auch tabellarisch erfasst.
Es ist selbstverständlich dass bei jeder Erkrankung eine klinische Untersuchung, gegebenenfalls auch Laboruntersuchungen oder sonstige diagnostische Verfahren durchgeführt werden, um – soweit möglich – zu einer klinischen Diagnose zu kommen. Sie ist die Voraussetzung für die Entscheidung, ob eine homöopathische Therapie angezeigt und sinnvoll erscheint.
Die Grundlagen zum Gebrauch des Buches (siehe Vorwort zur 1. Auflage) haben weiterhin ihre Gültigkeit.
Ich wünsche Ihnen mit dem Buch viel Freude und eine erfolgreiche und effektive Unterstützung bei der homöopathischen Therapie beim Pferd.
Zeil am Main, im Januar 2017
Dr. med. vet. Michael Rakow
Homöopathische Therapie beim Pferd ist nicht nur einfach ein Trend unserer Zeit. Immer mehr Erkrankungen verlaufen auch bei unseren Tieren chronisch und können mit konventionellen Therapiemethoden nicht befriedigend zur Heilung gebracht werden. Das Pferd als Hochleistungstier, aber auch als Hobbytier mit einem hochgezüchteten Bewegungsapparat, mit der bekannten Krankheitsanfälligkeit im Verdauungs- und Atmungsapparat, reagiert sehr gut auf eine homöopathische Therapie, wenn sie gekonnt und mit großer Sorgfalt angewandt wird.
Dieses Buch ist Information über die Möglichkeiten homöopathischer Therapie beim Pferd, ist Nachschlagewerk und Lehrbuch zugleich. Es ist gedacht sowohl für den interessierten Laien, ganz gleich ob Hobbyreiter oder Turnierreiter, als auch für den an der Homöopathie interessierten und für den bereits homöopathisch arbeitenden Tierarzt.
Bei der homöopathischen Therapie von Tieren ist man auf die genaue Beobachtung des Tieres durch Tierbesitzer und Tierarzt angewiesen. Dieses Buch soll helfen, den Austausch von Beobachtungen, die Kommunikation zwischen Tierhalter und Therapeuten zum Wohle des Pferdes zu erweitern.
Nach einer knappen Einführung in die Grundlagen der Homöopathie werden die wichtigsten Erkrankungen, Krankheitskomplexe und ihre homöopathische Behandlung beschrieben. Dabei wurde besonderer Wert auf die ausführliche Darstellung der Symptome am Pferd gelegt. Erstmals wurden sehr ausführlich die Symptome am Pferd beschrieben, die bei einer bestimmten Erkrankung und einer bestimmten Symptomatik für die Arzneimittelwahl ausschlaggebend sind.
Sodann habe ich auf die kurze, knappe Form der Arzneinennung nach nur einem Leitsymptom mit Absicht verzichtet, da diese „Patentrezepte“ im Einzelfall oft nicht zum Erfolg führen: Sie berücksichtigen nicht die Gesamtheit der Symptome, wie wir sie für die Wahl eines homöopathischen Arzneimittels nach Anwendung der Simileregel brauchen und wie sie Hahnemann gefordert hat.
Zum besseren Verständnis wurde zu Beginn eines größeren Kapitels, jeweils nach einer kurzen Erklärung des klinischen Sachverhaltes, eine Zusammenfassung der Fragen erstellt, die für einen bestimmten Krankheitskomplex, z. B. Lahmheiten, Magen-Darm-Erkrankungen, Atemwegserkrankungen usw., relevant sind, um die für die Arzneimittelwahl wichtigen Symptome und vor allem Modalitäten aufzuzeigen.
Der interessierte Laie erfährt auf diese Weise, auf welche Symptome er achten muss, wenn er sein Pferd homöopathisch behandeln bzw. behandeln lassen möchte. Der noch wenig erfahrene Therapeut hat hier eine Orientierungshilfe, um wichtige Angaben der Fallaufnahme (Anamnese) nicht zu übersehen.
Die nachfolgend dargestellten Symptome der Arzneimittel werden in ihrer Bedeutung dadurch verständlicher und ihre Differenzierung erleichtert. Es werden in erster Linie die Arzneimittel genannt und beschrieben, die für eine bestimmte Erkrankung von besonderer Bedeutung sind oder die sich in der Praxis des Autors besonders bewährt haben. Daneben werden auch weniger gebräuchliche Arzneimittel genannt, wenn eine entsprechende Symptomatik beim Pferd zu beobachten war.
Die Konsequenz dieser Vorgehensweise bedingt, dass eine Beschränkung der Indikationen erfolgen musste. Dieses Buch ist nicht gedacht als Lexikon, das für jede Erkrankung einen knappen Hinweis bringt. Es wurden schwerpunktartig nur die Erkrankungen beschrieben, für die sich das oben genannte Konzept verwirklichen ließ und die für die homöopathische Behandlung von tagtäglicher Bedeutung sind.
Angefügt wurde auch ein Kapitel über die Möglichkeiten der homöopathischen Behandlung von Verhaltensstörungen und Fehlverhalten beim Pferd, die in der Praxis immer größere Bedeutung erlangen.
Sollte das Konzept Anklang finden, wird es eine Erweiterung in zukünftigen Auflagen sicher geben.
Die Behandlung chronischer Fälle erfordert eine ausführliche Anamnese (Fallaufnahme), die alle Vorkrankheiten, Verhaltensänderungen, konstitutionellen Merkmale, haltungs- und umgebungsbedingten Besonderheiten erfasst und bewertet. Sie gehören in die Hand eines erfahrenen homöopathisch arbeitenden Tierarztes.
Ebenso selbstverständlich ist es, dass für jede Erkrankung eine klinische Untersuchung, gegebenenfalls auch Laboruntersuchungen, und die Erstellung einer klinischen Diagnose – soweit möglich – unabdingbare Voraussetzung für eine homöopathische Therapie sind. Nur so kann entschieden werden, ob eine homöopathische Therapie angezeigt und Erfolg versprechend erscheint.
Zeil am Main, im Herbst 1996
Dr. med. vet. Michael Rakow
Vorwort zur 7. Auflage
Vorwort zur 1. Auflage
Teil I Grundprinzipien homöopathischer Praxis
1 Homöopathie – eine bewährte Regulationstherapie
1.1 Grundprinzip: „Simileregel“
1.2 Grundprinzip: „Arzneimittelprüfung am gesunden Menschen“
1.2.1 Methodik
1.2.2 Vom Symptom zum Simile
1.3 Grundprinzip: Potenzierung
1.3.1 Wesen und Methodik
1.3.2 Darreichungsformen potenzierter Arzneimittel
1.3.3 Potenzwahl
1.3.4 Ausgangsstoffe und Herkunft homöopathischer Arzneimittel
1.3.5 Anwendung und Einsatz homöopathischer Arzneimittel
1.4 Grundprinzip: Individualisierung
1.4.1 Auslösende Ursachen (Causa)
1.4.2 Die Verhaltenssymptome
1.4.3 Die Allgemeinsymptome
1.4.4 Die Modalitäten
1.4.5 Die Lokalsymptome
1.4.6 Zusammenfassung in der Anamnese
1.5 Möglichkeiten und Grenzen der Homöopathie in der Veterinärmedizin
1.5.1 Grenzbereiche der Anwendung
1.6 Unterschiede Homöopathie – konventionelle Therapie
1.6.1 Eine Besonderheit: Die homöopathische Erstreaktion
Teil II Therapie der Atemwegserkrankungen
2 Einführung
3 Bronchitis
3.1 Alle Erscheinungsformen
3.1.1 Ätiologie
3.1.2 Symptomatologie
3.1.3 Therapiekonzepte
3.2 Akute Bronchitis
3.2.1 Therapie
3.3 Chronische Bronchitis
3.3.1 Ätiologie
3.3.2 Therapie
3.3.3 Dämpfigkeit – unheilbare Form der chronischen Bronchitis
Teil III Therapie der Krankheiten des Magen-Darm-Traktes
4 Einführung
5 Diarrhö
5.1 Ätiologie
5.1.1 Verlaufsformen
5.2 Symptomatologie
5.2.1 Fragenkatalog
5.3 Therapie
5.3.1 Arzneimittel
6 Koliken
6.1 Alle Erscheinungsformen
6.1.1 Ätiologie
6.1.2 Symptomatologie
6.1.3 Therapie
6.2 Krampfkoliken
6.2.1 Therapie
6.3 Obstipationskoliken
6.3.1 Therapie
6.4 Rezidivierende Koliken
6.4.1 Therapie
7 Obstipation
7.1 Ätiologie
7.2 Therapie
7.2.1 Arzneimittel
Teil IV Therapie der Krankheiten des Bewegungsapparates
8 Lahmheiten
8.1 Ätiologie
8.2 Symptomatik
8.2.1 Fragenkatalog
8.3 Distorsion
8.3.1 Therapie
8.4 Akute Tendinitis, Tendovaginitis
8.4.1 Ätiologie
8.4.2 Symptomatologie
8.4.3 Therapie
8.5 Subakute, chronische und rezidivierende Tendinitis und Tendovaginitis
8.5.1 Therapie
8.6 Arthritis (Gelenkentzündung)
8.6.1 Therapie
8.7 Arthrose
8.7.1 Ätiologie
8.7.2 Therapie
8.7.3 Akute Arthroseschübe
9 Erkrankungen der Wirbelsäule
9.1 Ätiologie
9.2 Symptomatologie
9.2.1 Fragenkatalog
9.3 Therapie
9.3.1 Arzneimittel
Teil V Therapie der Erkrankungen der Haut
10 Einführung
11 Ekzeme
11.1 Rötung und Schwellung
11.1.1 Ätiologie
11.1.2 Therapie
11.2 Schuppenbildende Ekzeme
11.2.1 Therapie
11.3 Eiternde Ekzeme
11.3.1 Therapie
12 Pusteln und Papeln, Verbrennungen, Sonnenbrand, Allergie
12.1 Therapie
12.1.1 Arzneimittel
13 Sommerekzem
13.1 Ätiologie
13.2 Therapie
13.2.1 Folge von Insektenstichen
13.2.2 Linderung augenblicklicher Beschwerden
14 Mauke – ekzematöse Dermatitis
14.1 Ätiologie
14.2 Therapie
14.2.1 Arzneimittel
15 Papillome – Warzen
15.1 Ätiologie
15.2 Therapie
15.2.1 Arzneimittel
16 Granulome und Fibrome
16.1 Aussehen
16.2 Therapie
16.2.1 Arzneimittel
17 Equines Sarkoid
17.1 Ätiologie
17.2 Therapie
17.2.1 Arzneimittel
18 Melanom
18.1 Ätiologie
18.2 Therapie
18.2.1 Arzneimittel
Teil VI Behandlung von Verletzungen
19 Alle Erscheinungsformen
19.1 Ätiologie
19.2 Symptomatologie
19.2.1 Fragenkatalog
19.3 Therapie
19.3.1 Grundsätzliche Therapiehinweise
19.3.2 Arzneimittel
20 Nageltritte, Vernagelungen
20.1 Therapie
20.1.1 Arzneimittel
21 Hufverletzungen
21.1 Therapie
21.1.1 Arzneimittel
Teil VII Therapie bei Verhaltensstörungen
22 Gesundes und gestörtes Verhalten
22.1 Ursachen und Zusammenhänge
22.2 Symptomatologie
22.2.1 Fragenkatalog
23 Prüfungs- und Leistungsstress
23.1 Therapie
23.1.1 Arzneimittel
24 Koppen, Krippensetzen, Aufsetzen, Freikoppen
24.1 Therapie
24.1.1 Grundsätzliche Therapiehinweise
24.1.2 Arzneimittel
25 Weben
25.1 Therapie
25.1.1 Arzneimittel
26 Angst, Panik, Unarten
26.1 Ätiologie
26.2 Therapie
26.2.1 Arzneimittel
Teil VIII Homöopathische Geburtshilfe
27 Hilfe in allen Phasen
27.1 Vorbereitung der Geburt
27.2 Geburtshilfe
27.2.1 Verletzungen bei der Geburt
27.3 Nach der Geburt
27.3.1 Milchmangel, Euterödem, Entzündung
Teil IX Anhang
28 Arzneimittelrechtliche Aspekte der homöopathischen Therapie beim Pferd
29 Wichtige homöopathische Fachausdrücke von A–Z
30 Literaturverzeichnis
Autorenvorstellung
Anschriften
Sachverzeichnis
Impressum
1 Homöopathie – eine bewährte Regulationstherapie
Homöopathie ist eine genau definierte Therapiemethode, die nach festen Regeln angewandt wird. Begründer ist Christian Samuel Hahnemann, er lebte von 1755–1843, war Apotheker und Arzt.
Er veröffentlichte 1796 in Hufelands Journal den Artikel: „Versuch über ein neues Prinzip zur Auffindung der Heilkräfte der Arzneisubstanzen, nebst einigen Blicken auf die bisherigen.“
Grundgedanken und genaueste, sehr differenzierte Anweisungen zur homöopathischen Behandlung finden wir in Hahnemanns „Organon der Heilkunst“. Es erschien in der ersten Auflage 1810. Hahnemann war ein sehr genau beobachtender und auch kritischer Mensch, immer wieder passte er einzelne Formulierungen in seinem „Organon“ seinen Erfahrungen an, sodass es am Ende in der 6. Fassung vorlag.
Weitere, sehr umfangreiche Werke von Hahnemann sind „Die Reine Arzneimittellehre“ und die „Chronischen Krankheiten“.
Die wichtigsten Prinzipien der Homöotherapie sind:
Hahnemann machte in seinem berühmten Chinarindenversuch die Erfahrung, dass eine kleine Menge der Chinarinde in der Lage war, bei ihm ein ganz ähnliches Wechselfieber zu erzeugen, wie er es von der Malaria her kannte.
Er schloss daraus – und konnte dies in sehr vielen Beobachtungen bestätigen – dass eine kleine Dosis dieser Chinarinde in der Lage sein müsse, ein solches Wechselfieber zu heilen.
Es gab einige Vorläufer dieser Idee, z.B. Paracelsus, auch Cullen. Hahnemann aber gelang es, aufgrund seiner umfassenden Kenntnisse der Medizin und Pharmazie seiner Zeit und durch seine genauen Beobachtungen, das Gesetzmäßige dieser Beobachtung zu erkennen und zu formulieren.
Die Simileregel bedeutet:
Ein Mittel, z.B. Belladonna, die Tollkirsche, das für sich in der Lage ist, ein bestimmtes Fieber mit einer ganz spezifischen Symptomatik, beim Pferd z.B. starkes Schwitzen, Übererregbarkeit, weite Pupillen u.a. hervorzurufen, ist in der Lage, in einer kleinen Dosis ebensolche Fiebersymptome zu heilen.
Lachesis, das Gift einer Viper, verursacht ganz andere Fiebersymptome, die mehr mit Sepsis, Nekrose (Zerstörung) des entzündeten Gewebes und Kreislaufstörungen einhergehen. Eine kleine Dosis dieses Mittels Lachesis ist in der Lage, die ihm ähnlichen Fiebersymptome zu heilen.
Merke
Hierbei zeigt sich schon, dass es in der Homöopathie nicht einMittel für eine Erkrankung, z.B. Fieber, Bronchitis, Durchfall, gibt. Je nach Ausprägung der individuellen Symptome am Tier muss das „ähnlichste“ Arzneimittel für das Pferd gefunden werden.
Um die Symptome zu erhalten, die zu einer Arznei gehören, führte Hahnemann – und nach ihm noch viele andere Homöopathen – Arzneimittelprüfungen durch: Kleine Dosen eines Arzneimittels, z.B. Nux vomica, wurden und werden über einen bestimmten Zeitraum von gesunden Menschen eingenommen und alle Symptome, die dabei auftraten bzw. auftreten, genauestens aufgeschrieben.
Noch heute werden – angepasst an moderne wissenschaftliche Methoden – Arzneimittelprüfungen am Menschen im sogenannten Doppelblindversuch durchgeführt: Der Prüfling weiß nicht, welches Arzneimittel er nimmt, oder ob er überhaupt eine Arznei nimmt, da immer eine sogenannte Placebogruppe geführt wird, die eine Arznei ohne Wirkstoff, in der Regel Milchzucker, erhält.
In genau zu führenden Protokollheften wird der allgemeine Gesundheitsstatus mit Laborwerten vor und nach der Prüfung erfasst und die auftretenden Symptome werden genau beschrieben und eingetragen. Man kann sich leicht vorstellen, dass die individuellen Unterschiede auch eine ganz unterschiedliche Ansprechbarkeit auf eine Arznei ergeben. So ist es möglich, dass bei einem Prüfling bei Nux vomica bestimmte Symptome der Atemwege, z.B. morgendlicher Schnupfen, auftreten, beim nächsten mehr Magensymptome, beim übernächsten mehr Darmsymptome, die sich dann in ihrer Ausprägung noch sehr deutlich unterscheiden.
Merke
Aufgrund der individuell unterschiedlichen Ansprechbarkeit auf eine Arznei kommt man zu einerVielzahl von Symptomen, die nach dem sogenannten „Kopf-zu-Fuß-Schema“ in Symptomenreihen zusammengestellt werden. Die Zusammenfassung ergibt das Arzneimittelbild einer Arznei. Diese Arzneimittelbilder sind in Arzneimittellehren nachzulesen.
Die Symptome der Arzneimittelbilder sind ein wichtiges Kernstück homöopathischer Therapie, denn man sucht für ein krankes Pferd das Arzneimittel, dessen Symptomenreihe den Symptomen des kranken Tieres am ähnlichsten ist. Dieses Simile wird therapeutisch eingesetzt.
Aus den Arzneimittelprüfungen hat man sehr differenzierte Symptome erhalten. Es gibt jedoch noch andere Quellen für die Arzneimittelbilder, die bei den Tieren von großer Bedeutung sind: Die Toxikologie, d.h. die Lehre von der Giftwirkung einer Arznei, gibt oft die Richtung der Arzneiwirkung auch für die homöopathische Therapie an.
Bei Belladonna, der Tollkirsche, gibt es zahlreiche, sehr genaue Berichte über die akuten Vergiftungssymptome, besonders bei Kindern, da diese leicht die giftigen Beeren aufnehmen.
Es treten Symptome auf wie: starke Bewusstseinsstörung mit zunächst Übererregbarkeit und Schreckhaftigkeit bei Licht, Berührung, Geräuschen, die sich in heftigsten Bewegungen bis zu Krämpfen äußern können. Der Kopf ist hochrot mit weiten Pupillen. Später stellt sich ein Stadium mit delirienhaften Zuständen ein, in denen eine Ansprechbarkeit kaum noch gegeben ist. Personen werden nicht erkannt, angstvolle Träume von Geistern usw. herrschen vor. Der Körper ist von Schweiß bedeckt.
Auch diese Symptome des Vergiftungsbildes gehören zum Arzneimittelbild von Belladonna. Man findet ähnliche bei Kindern, wenn sie stark fiebern und setzt dann Belladonna sehr erfolgreich ein.
Die Symptome, die bei einer chronischen Vergiftung, d.h. der längeren Einwirkung einer kleineren Giftmenge auf einen Organismus, auftreten, geben nicht so dramatische, dafür aber differenziertere Zeichen, die ebenfalls in die Arzneimittelbilder einfließen.
Gut zu wissen
Chronische Bleivergiftungen waren früher bei Menschen und den verschiedenen Tierarten gar nicht so selten. Die dabei auftretenden Lähmungen, beim Pferd z.B. des Nervus recurrens, die zum Kehlkopfpfeifen führen, als auch Sektionsberichte mit entsprechenden organischen Veränderungen, z.B. der Nieren, sprechen für sich.
Die sogenannte „Bleikolik“ war gefürchtet und hat eine ganz spezifische Symptomatik. Diese Symptome gehören ebenfalls zum Arzneimittelbild, hier von Plumbum, und wir setzen dieses Mittel beim Pferd sehr erfolgreich in homöopathischer Potenz ein, wenn Koliksymptome ähnlich denen sind, die wir von der Bleikolik her kennen (die Ursache ist in der Regel eine andere, z.B. Kotanschoppung durch Darmlähmung).
Eine weitere Möglichkeit, Symptome in ein Arzneimittelbild aufzunehmen, ist die therapeutische Erfahrung mit einem homöopathischen Arzneimittel bei einer bestimmten Symptomatik am kranken Tier (gilt auch für den Menschen).
Wird bei einer bestimmten Tierart eine ganz bestimmte Symptomatik, z.B. schmerzhafte Exostosen am Griffelbein nach einem Trauma beim Pferd, von verschiedenen Therapeuten immer wieder mit einem bestimmten Arzneimittel (hier Symphytum, der Beinwell) geheilt, so fließen diese Symptome ebenfalls in das Arzneimittelbild ein.
Merke
Diese Quelle der Symptome spielt beim Tier eine größere Rolle als beim Menschen, da hier die tierartspezifischen Gegebenheiten direkt berücksichtigt werden können. Die Beobachtung am kranken Tier ist auch bei Arzneimitteln wichtig, die erst in neuerer Zeit entdeckt wurden (z.B.Flor de Piedra, Harpagophytum) und von denen noch keine ausreichenden Arzneimittelprüfungen vorliegen.
In der Veterinärmedizin müssen Symptome der Arzneimittelprüfungen am Menschen bzw. der Arzneimittelbilder beim Menschen auf die Gegebenheiten der verschiedenen Tierarten übertragen werden.
Ideal wären Arzneimittelprüfungen an Tieren. Diese haben jedoch bisher nur zu unbefriedigenden Erfolgen geführt, da die subjektiven Empfindungen, z.B. Magenschmerzen, die nach dem Essen auftreten mit dem Gefühl eines Steines im Magen, so beim Tier nicht zu objektivieren sind. Daher hat es sich bewährt, die Symptome der Arzneimittelbilder vom Menschen (ergänzt durch die akute und chronische Toxikologie) auf das Tier zu übertragen. Dabei müssen z.B. die ganz unterschiedlichen Verdauungssysteme der verschiedenen Tierarten berücksichtigt werden. Das Zyklusgeschehen der weiblichen Tiere unterscheidet sich ebenfalls sehr deutlich von dem des Menschen und auch zwischen den verschiedenen Tierarten usw. Auch unterschiedliche Verhaltensweisen (das Pferd als Fluchttier reagiert auf äußere Reize ganz anders als ein Hund oder eine Katze) müssen beachtet und berücksichtigt werden.
Merke
Die Übertragung oder Transduktion der Symptome erfolgt z.B. unter Beachtung anatomischer, physiologischer und pathophysiologischer Zusammenhänge und Gegebenheiten.
Gut zu wissen
Die Darmkolik eines Pferdes, die auftritt, wenn das Pferd sich über eine Kiste mit Hafer hergemacht hat, entspricht bei einer bestimmten Symptomatik, z.B. starke Schmerzen mit aufgekrümmtem Rücken, heftiges Ausschlagen bei Berührung, Blähungen, Kotdrang, dem Nux-vomica-Bild. Beim Menschen werden beschrieben: Plötzliche, krampfartige, starke Schmerzen mit Blähungen, Drang auf den Stuhl nach Aufnahme von zu vielem Essen.
Merke
Symptome der Arzneimittelbilder beim Tiersind die Grundlage der Auffindung des ähnlichsten Arzneimittels.
Quelle dieser Symptome:
Symptome der Arzneimittelprüfung am gesunden Menschen
Symptome der akuten Vergiftung
Symptome der chronischen Vergiftung
Symptome durch Bestätigung am kranken Tier
Übertragung/Transduktion von Symptomen auf die verschiedenen Tierarten
Hahnemann erkannte sehr bald, dass seine homöopathischen Arzneimittel in geringerer Dosis sehr viel besser und milder wirkten. Er entwickelte daher das sogenannte Potenzierungsverfahren.
Merke
Beim Potenzierungsverfahren wird die Arznei nach einem ganz bestimmten Verfahren im Verhältnis1:10 (Dezimalpotenzen, D-Potenzen), 1:100 (Centesimalpotenzen, C-Potenzen) oder 1:50000 (Q-Potenzen, LM-Potenzen) verdünnt.
1 Teil der Urtinktur, beispielsweise von Belladonna, wird verdünnt mit 9 Teilen eines vorgeschriebenen Alkohols. Dann wird Energie in Form von 10 kräftigen Schüttelschlägen hinzugefügt, und man erhält so die D1, die die Ausgangssubstanz in einer Konzentration von 10-1 enthält.
1 Teil der D1 wird nun wieder mit 9 Teilen eines vorgeschriebenen Alkohols verdünnt und 10-mal geschüttelt. Man erhält damit Belladonna D2, das die Ausgangssubstanz im Verhältnis 10-2 enthält.
Nun wird entsprechend weiter potenziert: 1 Teil der D2 wird mit 9 Teilen Alkohol verdünnt, 10-mal geschüttelt usw.
Belladonna D6 enthält die Ausgangssubstanz dann im Verhältnis 1:10-6.
Merke
Ab der D23 wird die Loschmidt’sche Zahl erreicht, bei der in 1ml kein Molekül der Ausgangssubstanz mehr nachweisbar ist. Aber auch die sogenannten Hochpotenzen wieBelladonna D30 und D200 haben am Patienten deutliche Wirkung gezeigt. Man geht davon aus, dass die Informationder Arznei weitergegeben wird und dadurch den spezifischen Reiz im kranken Organismus setzen kann.
Gebräuchliche Klassifizierungen:
tiefe Potenzen: Urtinktur, D1–D8
mittlere Potenzen: D9–D20
hohe Potenzen: ab D21
Die Angaben sind bei verschiedenen Autoren etwas unterschiedlich.
Homöopathische Arzneimittel gibt es als alkoholische Verschüttelung (Tropfen) wie zuvor beschrieben, die man als Dilution bezeichnet.
Außer mit Alkohol wird in entsprechender Weise auch mit Milchzucker potenziert. Man erhält damit Trituration (Pulver) oder Tabletten (werden aus der Trituration durch Pressen hergestellt).
Die Globuli (Streukügelchen) entstehen durch Besprühen von Rohrzuckerkügelchen mit der entsprechenden Potenz des Arzneimittels.
Bis auf wenige Ausnahmen gibt es homöopathische Arzneimittel in allen genannten Zubereitungsformen, viele zusätzlich auch als Injektionslösung.
Merke
Die Herstellung der sogenannten Urtinkturen bzw. Ausgangssubstanzen sowie die Potenzierungsverfahren sind für die verschiedenen Arzneimittel genau definiert und vorgeschrieben im Deutschen Homöopathischen Arzneibuch. Dieses ist damit die gesetzliche Grundlage für die Sicherung der Qualität der homöopathischen Arzneien.
Welches Arzneimittel in welcher Potenz am besten anzuwenden ist, ist von Arznei zu Arznei verschieden. Die anzuwendende Potenz richtet sich auch nach der Art der Erkrankung, der Individualität des Tieres und der persönlichen Erfahrung des Therapeuten.
In der Homöopathie Unerfahrene richten sich am besten zunächst nach den in der Literatur gemachten Angaben. Als grobe Richtlinie können die Angaben in ▶ Tab. 1.1 gelten.
Tab. 1.1
Orientierungshilfe zur Anwendung homöopathischer Potenzen.
Indikation
Potenz
akute Erkrankungen einzelner Organe oder Organsysteme (Magen-Darm, Atemwege usw.)
eher tiefe Potenzen
subakute Erkrankungen und funktionelle Störungen (Leber, Niere)
eher mittlere Potenzen
chronische Erkrankungen (Hauterkrankungen)
eher höhere Potenzen
Dies ist jedoch nur eine ganz allgemeine Richtlinie, es gibt im Einzelfall für bestimmte Erkrankungen und bestimmte Arzneimittel zahlreiche davon abweichende Angaben und Ausnahmen. So hat sich z.B. bei einem akuten Trauma mit Hämatom (Bluterguss) oder Blutung, das mit Schmerzhaftigkeit einhergeht, Arnica montana in der D30 sehr bewährt.
Wie sich aus dem zuvor Beschriebenen z.T. schon ergeben hat, sind zwar die meisten der fast 3000 bekannten homöopathischen Arzneimittel pflanzlichen Ursprungs, aber keineswegs alle. Man unterscheidet daher die in ▶ Tab. 1.2 aufgeführten Gruppen.
Tab. 1.2
Herkunft homöopathischer Arzneimittel.
Arzneimittel
Beispiel
pflanzliche Herkunft
Belladonna (Tollkirsche)
Arnica (Bergwohlverleih)
Rhus toxicodendron (Giftsumach)
tierische Herkunft
Lachesis (ein Viperngift)
Apis (Honigbiene)
Sepia (Tintenfisch)
mineralische Herkunft
Calcium carbonicum Hahnemanni (Austernschalenkalk)
Silicea (Kieselsäure)
Arsenicum album (Arsenik)
Sulfur (Schwefel)
aus Krankheitserregern oder aus deren Produkten
Pyrogenium (zersetztes Rindfleisch)
Tuberculinum (abgetötete Tuberkelerreger)
Diese sogenannten Nosoden in homöopathischer Zubereitung werden selbstverständlich aus abgetöteten Erregern hergestellt und sind in homöopathischer Zubereitung ungefährlich. Sie haben sich bei bestimmten Erkrankungsformen sehr bewährt. Auch von diesen Arzneien gibt es Arzneimittelprüfungen und Arzneimittelbilder und entsprechend diesen werden sie von erfahrenen Homöopathen eingesetzt.
Auch hier kann es nur allgemeine Richtlinien geben, im Einzelfall muss individuell die Arzneigabe wiederholt werden. Grundsätzlich gilt, dass mit deutlicher Besserung der Symptome die Arzneigabe (Häufigkeit der Verabreichung) verringert werden oder das Arzneimittel abgesetzt werden sollte. Es ist beim Tier nicht immer einfach festzustellen, ob bei objektivierbarer Besserung der Symptome noch Restbeschwerden (z.B. Blähungen mit zeitweisen Schmerzen) vorhanden sind. Daher ist es beim Tier bei organischen Veränderungen oft notwendig, ein Mittel noch weiterzugeben, auch wenn eine Besserung eingetreten ist.
Merke
Zu beachten ist, dass bei deutlicher Veränderung der Symptomatik die dann vorhandenen Symptome möglicherweise nicht mehr der zunächst gegebenen Arznei entsprechen. Wenn die Ähnlichkeit nicht mehr gegeben ist, ist entsprechend den dann vorhandenen Symptomen eine Folgearznei zu wählen.
Bei einer akuten Atemwegsinfektion beispielsweise kann es sein, dass zunächst ein sehr trockener, krampfhafter, anfallsweiser Husten ohne Auswurf besteht. Das passende Arzneimittel wäre Cuprum aceticum. Wenn der Husten sich dann ändert und beispielsweise rasselnd wird, mit gelblichem Nasenausfluss, die Hustenanfälle nicht mehr so krampfhaft sind, dann passt die nun vorliegende Symptomatik nicht mehr zu Cuprum, es muss ein Folgemittel gefunden werden, das z.B. Stannum sein könnte.
Wie häufig eine Arznei im Einzelfall gegeben, wann ein Folgemittel eingesetzt wird, ist auch abhängig von der persönlichen Erfahrung des Therapeuten. Grundsätzliche Richtlinien für die Häufigkeit der Verabreichung sind in ▶ Tab. 1.3 angegeben.
Tab. 1.3
Richtlinien für die Häufigkeit der Verabreichung homöopathischer Arzneimittel.
Krankheitsform, Krankheitsphase
Häufigkeit der Gabe
perakute Erkrankungen (plötzlich hohes Fieber, Kolik usw.)
alle 10–20–30 min
Wichtig: Bei Anzeichen einer Besserung Arzneigabe verringern oder Arzneimittel absetzen!
akute Erkrankungen (akute Bronchitis, Darmerkrankung, Lahmheit)
2–3 × täglich, eher tiefe Potenzen
subakute Erkrankungen (schon einige Tage bestehende Lahmheit, Bronchitis etc.)
1–2 × täglich, eher mittlere Potenzen
chronische Erkrankungen (Haut, Atemwege)
1–2 × pro Woche D30
1-malig D200, eventuell Wiederholung nach 3–4 Wochen
chronische Erkrankungen mit Vorliegen von irreparablen organischen Veränderungen (z.B. Arthrosen, Lungenemphysem oder Ähnlichem)
tägliche Verabreichung eines der Pathologie entsprechenden Arzneimittels in tiefer oder mittlerer Potenz oder tiefer greifende Reaktionsmittel 1–2 × pro Woche D30
in bestimmten Fällen eine 1-malige Gabe von D200 (z.B. Tuberculinum bei chronischen Atemwegserkrankungen
In der Regel bereitet die Verabreichung der homöopathischen Arzneimittel wenig Schwierigkeiten, da sie von den meisten Pferden gut aufgenommen werden. Verschiedenste Möglichkeiten haben sich in der Praxis bewährt.
Merke
Die Wirkung ist am intensivsten und schnellsten bei direkter Aufnahme über die Mundschleimhaut.
Praxistipp
Die Aufnahme der Wirkstoffe über die Maulschleimhaut ist auf folgende Art und Weise zu erreichen:
Auf einen kleinen Plastiklöffel gibt man etwas Wasser, dazu das Arzneimittel in Dilution, zieht das Ganze mit einer kleinen Plastikspritze auf und verabreicht es seitlich in die Mundhöhle. (Manchen Pferden kann man auch angewöhnen, ihre Arznei mit dem Löffel direkt zu nehmen.)
In gleicher Weise kann man mit Globuli verfahren. Diese sind auf Rohrzuckerbasis, und die Lösung wird wegen ihres süßen Geschmacks in der Regel sehr gut aufgenommen. Man muss dabei nur berücksichtigen, dass die Globuli sich erst nach einigen Minuten auflösen. Man lässt den Plastiklöffel mit Wasser und den Globuli einfach solange liegen, bis diese sich aufgelöst haben.
Globuli können aber genauso gut direkt eingedrückt in frisches Brot, Karotten oder Äpfel verabreicht werden. Entsprechend ist auch eine direkte Applikation über die Auflösung von Tabletten oder Trituration möglich, die sich beim Pferd aber nicht so bewährt hat.
Besonders bei den Hochpotenzen D30 und höher und bei sehr akuten Erkrankungen, z.B. Koliken, ist die direkte Verabreichung sinnvoll.
Wo die direkte Verabreichung nicht möglich ist, besonders wenn eine Verabreichung über längere Zeit notwendig wird, hat sich bewährt,
die Dilution auf ein Stück Brot oder ein Stück Zucker aufzuträufeln,
die Globuli in Brot einzudrücken und dann dem Pferd zu geben.
Die Dosierung ist für alle homöopathischen Arzneimittel für eine Tierart gleich, da es um den spezifischen Energiereiz geht und nicht um eine Einwirkung auf substanzieller Basis wie bei konventionellen Arzneimitteln.
Praxistipp
Die Dosisempfehlung
Ein erwachsenes Pferd erhält
10 Tropfen Dilution oder
10 Globuli oder
3 Tabletten oder
1 Löffelspitze Trituration oder
8,0ml Injektionslösung
Ponys oder Fohlen erhalten entsprechend nur die Hälfte oder ⅔ der Dosis. Bei allen Potenzen D30 oder D200 genügen nach der Erfahrung des Autors:
5–8 Tropfen Dilution (je nach Größe) oder
5–8 Globuli (je nach Größe) oder
5,0ml Injektionslösung
Beim Pferd hat sich die Verabreichung von Dilution oder Globuli oder auch die i.v.-Injektion am besten bewährt. Letztlich ist es aber die persönliche Erfahrung des einzelnen Therapeuten, welche Arzneiform ein Pferd am besten aufnimmt oder welche Arzneiform am besten zu verabreichen ist.
Aus dem bisher Beschriebenen ergibt sich schon, dass es in der Homöopathie nicht ein Mittel für eine bestimmte Erkrankung gibt, sondern für die individuelle Symptomatik, die ein Tier mit einer bestimmten Erkrankung und in seiner Krankheit zeigt.
Diese Individualität, d.h. die individuelle Ausprägung von Symptomen, zeigt sich auf verschiedene Art und Weise. Pferde mit einer fieberhaften Erkrankung der Atemwege beispielsweise können sich unterscheiden durch:
auslösende Ursache (Causa)
die Verhaltenssymptome
die Allgemeinsymptome
die Modalitäten
die Lokalsymptome
Hierin werden alle Einflüsse zusammengefasst, die eine Krankheit auslösen können. Diese auch als Causa bezeichneten Krankheitsursachen spielen für die Arzneimittelwahl sehr oft eine wichtige Rolle. Man findet sie unter der Bezeichnung: Folge von ...
Wichtig ist dabei jedoch, dass z.B. die als Causa angenommene Auslösung durch Kälte und Nässe oder einen kalten Wind auch tatsächlich ursächlich für die Erkrankung ist. Man muss sich davor hüten, in jeden Krankheitsfall eine Causa hineinzuinterpretieren. Lässt sich für eine Erkrankung die auslösende Ursache nicht feststellen, so muss die Arzneimittelwahl eben aufgrund anderer Symptome erfolgen.
Es ist ein bekanntes Prinzip, dass alle möglichen Umwelteinflüsse das Immunsystem von Tier und Mensch beeinträchtigen und damit Wegbereiter für Erkrankungen sein können ( ▶ Tab. 1.4). Dies bezieht sich sowohl auf Witterungseinflüsse als auch auf sonstige körperliche Einflüsse (z.B. Trauma, Überanstrengung, Geburt, Aufnahme von zu viel oder verdorbenem Futter) oder auf psychische Einflüsse (Schreck, Angst, Verbringen in einen anderen Stall, Verkauf usw.).
Tab. 1.4
Beispiele für Umwelteinflüsse als Wegbereiter von Erkrankungen.
Einflüsse
Beispiel (Folge von …)
Witterungseinflüsse
Kälte, Nässe, kalter Wind
Überhitzung, Hitze, Sonneneinstrahlung
Wetterwechsel (warm zu kalt, aber auch umgekehrt)
körperliche Einflüsse
Überanstrengung, Schwitzen
Sturz, Anschlagen
Aufnahme von zu viel, nicht artgerechtem, verdorbenem Futter
übermäßiger Endoparasitenbefall
psychische Einflüsse
übermäßiges Training (körperliche und/oder psychische Überforderung)
Verbringen in einen anderen Stall, eine andere Box, auf die Weide, von der Weide zurück
Verkauf, Besitzerwechsel
Angst, Schreck (Erlebnisse beim Verladen)
Hierzu gehören bei Fieber z.B. folgende:
Die Tiere können in ihrem Fieber sehr unruhig sein, schreckhaft, berührungsempfindlich, heftig reagieren auf Geräusche, auf die Untersuchung, sogar auf Personen, die auch sonst mit ihnen umgehen.
Pferde können umgekehrt durch das Fieber ganz matt und apathisch–teilnahmslos erscheinen. Sie reagieren dann kaum auf ihre Umgebung. Man sieht ihnen sofort an, dass sie schwer krank sind.
Pferde können im Allgemeinbefinden ganz ungestört erscheinen, obwohl sie hohes Fieber haben. Dies hat den Nachteil, dass man oft viel zu spät merkt, dass sie wirklich krank sind.
Hierzu gehören all die Symptome, die das Pferd in seiner Gesamtheit betreffen, unabhängig vom Krankheitsherd. In unserem Beispiel wäre das möglicherweise:
starke Schweißbildung im Fieber oder auch überhaupt kein Schweiß
Inappetenz oder normale Nahrungsaufnahme
großer Durst oder Durstlosigkeit im Fieber
Rötung der Schleimhäute (zu sehen an den Bindehäuten, in der Mundschleimhaut), Blässe oder bläuliche Verfärbung
Kreislaufsymptome wie harter, schneller Puls, schwacher Puls usw.
Das sind alle Einflüsse, die sich bessernd oder verschlimmernd auf einen Krankheitszustand auswirken. Hierzu gehören z.B. Besserung oder Verschlimmerung eines Hustens
durch Wärme oder Kälte, durch Nässe, Wind oder andere Witterungseinflüsse,
durch Ruhe oder Bewegung,
im Freien oder im Stall,
durch Futteraufnahme, Tränkeaufnahme und vieles andere.
Lokalsymptome wie z.B. Bronchitis, Durchfall o.Ä. sind, wenn sie nicht näher bezeichnet sind, für die Arzneimittelwahl nicht von sehr großer Bedeutung. Es muss jedoch berücksichtigt werden, dass ein Mittel immer Bezug (Homöopathizität) auch zur Lokalsymptomatik eines Tieres haben muss. Nur erlaubt die Bezeichnung des Krankheitsherdes allein keine Differenzierung mehrerer infrage kommender Arzneien. Diese Differenzierung ist leichter möglich, wenn das Lokalsymptom so genau wie möglich in seiner Ausprägung beschrieben werden kann.
Ein vollständiges Lokalsymptom hat seine Bedeutung, vor allem bei akuten Erkrankungen. Es hat außerdem den Vorteil, dass wir es am Tier objektiv feststellen können, was eine Fehlinterpretation wie sie z.B. bei Verhaltenssymptomen gegeben sein kann, ausschließt.
Zu einem vollständigen Lokalsymptom gehören beispielsweise:
Aussehen einer Veränderung (z.B. bei Verletzungen oder Sekreten):
Nasenausfluss: wässrig, schleimig, gelblich, grünlich
Kot: wässrig, hell, dunkel, blutig usw.
Art der Veränderung oder des Sekretes:
Nasenausfluss mild oder wundmachend, dünnflüssig oder dickschleimig
Art der Beschwerden, die damit verbunden sind:
mit oder ohne Schmerzen, stark – weniger stark (Ausprägung der Schmerzäußerung), ständig oder z. B. nur bei Beginn der Bewegung oder längerer Bewegung, bei Berührung – bei Druck o.Ä.
Dauer der Erkrankung:
wenige Stunden, 1 Tag, mehrere Tage, Wochen, Monate
Beginn der Erkrankung:
plötzlich, allmählich
Welches Tier ist erkrankt:
Fohlen, Jungtier, älteres Pferd, Turnierpferd, Hobbypferd, sonst gesund, schon andere Erkrankungen gehabt usw.
Die in Kapitel 1.4.1 bis 1.4.5 genannten Symptome sind bei einer Erkrankung eines Pferdes individuell zu erfassen. Bei schon länger bestehenden, chronischen Erkrankungen müssen außerdem alle Vorkrankheiten berücksichtigt werden. Das Pferd muss in seiner Konstitution (groß – klein, kräftig – schwach, ruhig – unruhig, aggressiv/ungeduldig – geduldig, nach Knochenbau und Gelenken), nach seinem Gesamtverhalten gegen fremde und vertraute Personen, Verhalten in seiner Umgebung (andere Pferde, Stall usw.) und vielen Dingen mehr untersucht werden wie auch die Besitzer intensiv zu befragen sind. Man nennt dies die homöopathische Anamnese oder Fallaufnahme.
Nur ein erfahrener homöopathischer Tierarzt kann nach einer solchen Anamnese eines chronisch kranken Pferdes abschätzen, ob eine homöopathische Therapie in diesem bestimmten Fall überhaupt angezeigt und wie eine Wertung der klinischen und individuellen Befunde möglich ist, um zu einem ähnlichen Arzneimittel, einem Simile, zu kommen.
Oft ist – vor allem bei vorbehandelten Pferden – auch ein Therapieplan notwendig, da durch Vorbehandlung sogenannte „Blockaden“ für die Ansprechbarkeit homöopathischer Arzneimittel vorliegen können. Auch muss unterschieden werden, welche Symptome möglicherweise iatrogen (durch Arzneimittel) hervorgerufen wurden und welche zur Erkrankung selbst gehören. Es muss in diesen Fällen oft eine Behandlung und Heilung in mehreren Schritten erfolgen.
In den nachfolgenden Kapiteln zur Therapie sind jeweils wichtige Fragen zur Erfassung der individuellen Symptome, besonders des Lokalsymptoms, der Beschreibung der Arzneimittel vorangestellt. Sie sollen einmal für den Tierbesitzer einen Hinweis geben, auf welche Symptome bei einer bestimmten Erkrankung überhaupt zu achten ist, um zu einem homöopathischen Arzneimittel zu kommen.
Sodann sind sie für den in der Homöopathie noch wenig erfahrenen Therapeuten als Hinweis und Gedächtnisstütze gedacht.
Homöopathie ist kein Allheilmittel. Sie ist eine Therapieform innerhalb der Medizin und Veterinärmedizin, die viele Möglichkeiten hat, aber auch ihre Grenzen.
Grenzen können auf verschiedenen Ebenen liegen:
Die Symptome am Tier sind so wenig charakteristisch, dass eine Arzneimittelwahl nach der Simileregel nicht möglich ist. Dies kann z.B. der Fall sein, wenn eine genaue Beobachtung des Tieres und seiner Symptome nicht realisierbar ist, wenn mehrere Personen ein Pferd versorgen, es aber keine feste Bezugsperson hat oder eine genaue Beobachtung aus zeitlichen Gründen nicht möglich ist.
Die Entscheidung, ob ein Pferd mit einer bestimmten Erkrankung homöopathisch erfolgreich behandelt werden kann oder nicht, hängt sicher auch von der persönlichen Erfahrung des Therapeuten ab. Es ist oft ausschlaggebend, ob es zwischen Pferd, Tierbesitzer und Tierarzt zu einer Kommunikation kommt, die eine individuelle Erfassung möglich macht.
Es gibt Erkrankungen, z.B. schwere Arthrosen, hochgradige Dämpfigkeit, bei denen organische Veränderungen so weit fortgeschritten sind, dass auch homöopathisch eine Ausheilung nicht mehr möglich ist. Hier können Homöopathika oft noch Linderung bringen.
Erkrankungen, die einen operativen Eingriff erfordern, z.B. größere Verletzungen, die chirurgisch versorgt werden müssen, bestimmte Frakturen
