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Mit den Händen sieht man mehr!
Das Buch bietet das gesamte Spektrum der Pferde-Osteopathie: Parietale, fasziale, kraniosakrale und viszerale Therapie. Lernen Sie alle Einsatzmöglichkeiten kennen!
Werden Sie zum Experten für das einfühlsame Erspüren mit den Händen. Anschaulich und perfekt illustriert vermitteln die Verfasser das Wesentliche der Pferde-Osteopathie: Anatomische Grundlagen, osteopathische Techniken und Handgriffe sowie Hinweise, was Sie bei der Anwendung beachten und vermeiden sollten.
Das Gefühl ist das Wichtigste in der Osteopathie. Einerseits das Gefühl für die Läsionen, für die Veränderungen im Gewebe, andererseits das Gefühl für deren Auflösung.
Die beiden Autoren sind Top-Experten und haben die rechtlich geschützte EPOS Methode entwickelt: „Energetische Pferde-Osteopathie nach Salomon“. Eine Synthese aus Osteopathie, kraniosakraler Osteopathie und energetischer Behandlung.
Neu in der 4. Auflage:
Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:
Seitenzahl: 346
Veröffentlichungsjahr: 2019
Brigitte Salomon, Walter Salomon
4., aktualisierte und erweiterte Auflage
183 Abbildungen
Osteopathie ist nicht „Pferdeflüstern“, aber als Osteopath treten wir in Dialog zu unseren Patienten. Dieser Dialog findet auf der Ebene der Gewebe und einer energetischen Ebene statt.
Wir möchten in diesem Zusammenhang Dr. Dominique Giniaux zitieren: „All jene, die Handgriffe lehren und lernen, ohne das notwendige Gespür (im Sinne von Gefühl, „feeling“) zu haben, sind keine Osteopathen und werden es niemals sein“.
Das Gefühl ist das Wichtigste in der Osteopathie besonders in der kraniosakralen faszialen und der viszeralen Osteopathie. Einerseits meinen wir das Gefühl für die Läsionen, für die Veränderungen im Gewebe, andererseits das Gefühl für deren Auflösung.
Die aktuelle Auflage haben wir um das Thema viszerale Osteopathie erweitert, da man Faszien und innere Organe nicht isoliert sehen und behandeln kann. Faszien sind das Bindeglied zwischen dem kraniosakralen, dem parietalen und dem viszeralen System, aber auch zwischen Energie und Struktur. Probleme der inneren Organe, insbesondere des Gastrointestinaltrakts und des Urogenitalsystems, sind in zunehmenden Maße für Schmerzen des Muskel-Skelett-Systems verantwortlich.
Erst durch Berücksichtigung dieser Zusammenhänge wird die Osteopathie zu einer ganzheitlichen Behandlungsform.
Auch Faszien können strukturell und energetisch behandelt werden. Als energetisch arbeitende Therapeuten bevorzugen wir die sanfte Art und erleben immer wieder die positiven Reaktionen der Pferde.
Dieses Buch ist ein Lehrbuch und zeigt viele am Pferd anwendbaren Handgriffe und Techniken. Es ersetzt aber keinesfalls eine solide Ausbildung.
Meersburg, Frühjahr 2019
Brigitte Salomon
Walter Salomon
Ein italienischer Gelehrter namens Galileo Galilei blickte durch sein Fernrohr und entdeckte Unerhörtes: Die Erde dreht sich um die Sonne. Entgegen Spott und Angriff seiner Zeitgenossen blieb er bei seiner Meinung „Und sie bewegt sich doch“. Er sollte recht behalten.
Ist es mit der kraniosakralen Bewegung nicht ähnlich? Entgegen allen schulmedizinischen Erkenntnissen behaupten Osteopathen, Bewegungen der Schädelknochen zu spüren. Werden auch sie recht behalten?
Wissenschaftlich erklären kann man diese Bewegung bis heute nicht. Man kann aber als Patient die wohltuenden Wirkungen und Reaktionen spüren. Beim Menschen mag man diese Wirkungen als Placebo-Effekt erklären. Bei Tieren entfällt dieses Erklärungsmodell. Sie reagieren, auch wenn sie nicht daran glauben. Vor allem Pferde sind empfänglich für sanfte energetische Methoden und zeigen durch ihre Körpersprache deutlich, wenn wir etwas falsch oder richtig gemacht haben. Alle Strukturen des Schädels bewegen sich in einem bestimmten Rhythmus und in bestimmten Bewegungsachsen. Kenntnisse der Schädelanatomie sind zwar die Voraussetzung für das Erlernen der Kraniosakral-Therapie, aber möglich wird sie erst mit der Fähigkeit zu fühlen, mit den Händen „zu sehen“ und sich in das Gewebe hineinzudenken. Wenn diese Fähigkeiten fehlen, nützt auch alles medizinische Wissen nichts. Aber man kann dieses Fühlen lernen.
Wir möchten mit einem weiteren Zitat von Galilei schließen und Ihnen viel Freude mit den subtilen Techniken der Kraniosakral-Therapie wünschen: „Wenn man die Bewegung nicht begreift, kann man auch die Natur nicht begreifen.“
Meersburg, Frühjahr 2003
Brigitte Bäcker
Walter Salomon
Brigitte und Walter Salomon sind Human- und Tierheilpraktiker sowie Pferdeosteopathen. Sie verfügen über eine umfangreiche Ausbildung in Osteopathie, kraniosakraler Therapie, Akupunktur und Applied Kinesiology. Behandlungsschwerpunkte in ihrer Human-Praxis sind Lernstörungen bei Kindern, Störungen des Bewegungsapparates und psychosomatische Probleme. Walter Salomon ist zusätzlich APM-Therapeut und Homöopath.
Gemeinsam haben sie ihre Erfahrungen in die Pferde-Therapie integriert und die warenrechtlich geschützte Methode EPOS (Energetische Pferde-Osteopathie nach Salomon) gegründet. EPOS ist eine Synthese aus Osteopathie, kraniosakraler Osteopathie und energetischen Behandlungsformen wie Akupressur und Akupunktund Meridianmassage. Das diagnostische Testverfahren der Applied Kinesiology ist das Kernstück der energetischen Pferde-Osteopathie nach Salomon. Neben der Therapie von Pferden bilden Brigitte und Walter Salomon Tierärzte, Heilpraktiker und Physiotherapeuten zu EPOS-Therapeuten aus.
Unser besonderer Dank gilt Dr. Christian Gaudron, Pferde-Tierarzt und Osteopath aus Frankreich. Dr. Gaudron verfügt über große Erfahrung in Traditioneller Chinesischer Medizin und energetischen Behandlungsmethoden. Er arbeitet extrem sanft und hat uns in unserer sanften energetischen Art zu behandeln bestätigt. Mit seiner energetischen Arbeits- und Denkweise in der faszialen und viszeralen Therapie hat er wesentlich zum neuen Kapitel beigetragen. Besonderer Dank auch an Monika Hornburg, EPOS-Therapeutin, die sich auf die fasziale Osteopathie spezialisiert hat und bei diesem Thema aktiv mitgewirkt hat.
Titelei
Vorwort zur 4. Auflage
Vorwort zur 1. Auflage
Autorenvorstellung
Danksagung
Teil I Grundlagen der Osteopathie
1 Einführung in die Osteopathie
1.1 Vorbemerkung
1.2 Grundsysteme der Osteopathie
1.3 Tierärztliche Osteopathie
2 Behandlungsformen
2.1 Strukturelle Osteopathie
2.2 Fluide Osteopathie
3 Prinzipien der Osteopathie
3.1 Grundlagen
3.2 Grundsätze und Regeln
3.2.1 Wechselbeziehung Struktur – Funktion
3.3 Erstellen der Diagnose
3.4 Anamnese
3.5 Adspektion
3.6 Reiterliche Probleme
3.7 Grundlagen der osteopathischen Behandlung
3.7.1 Die Vorbereitung
3.8 Diagnose
3.8.1 Palpation (Fühlen und Berühren)
3.8.2 Triggerpunkte
3.8.3 Diagnostische Akupressur
3.8.4 Ergänzende Tests
3.9 Der Ablauf einer Behandlung
3.9.1 Kraftaufwand
3.10 Die osteopathische Läsion
3.10.1 Was ist eine Läsion?
3.10.2 Point of Balance
3.10.3 Entstehung von Läsionen
3.10.4 Auswirkungen von Läsionen
3.10.5 Läsionsketten
3.10.6 Einteilung von Läsionen
4 Osteopathische Techniken
4.1 Grundlagen
4.2 Rhythmische Techniken
4.3 Strain-Counterstrain-Techniken
4.4 Impulstechniken
4.5 Dehnungsübungen
4.6 Kraniosakrale (fluide) Techniken
4.6.1 Direkte Technik
4.6.2 Indirekte Technik
4.6.3 Exaggeration
4.6.4 Disengagement und Dekompression
4.6.5 Unwinding
4.6.6 V-Spread
4.6.7 Stillpoint
4.6.8 Kompressions-Traktions-Technik
4.6.9 Die Gewebeentspannung, das „Release“ (Befreiung)
4.7 Reaktionen des Pferdes auf die Behandlung
Teil II Parietale Osteopathie
5 Behandlung einzelner Strukturen
5.1 Dysfunktionen der Muskulatur
5.1.1 Korrektur
5.2 Blockierungen der Wirbelsäule
5.2.1 Symptomatik
5.3 Rücken – Test und Korrektur
5.3.1 Test der Beweglichkeit der Wirbelsäule
5.4 Rücken-Korrektur
5.5 Blockierungen der Wirbel
5.5.1 Test und Korrektur
5.6 Blockierungen des Atlantookzipitalgelenks
5.6.1 Symptomatik
5.6.2 Korrektur
5.6.3 Zusätzliche Maßnahmen
5.6.4 Test und Korrektur der Halswirbel
5.7 Sternum
5.7.1 Symptomatik
5.7.2 Blockierungen des Sternums
5.7.3 Test und Korrektur
5.7.4 Zusätzliche Maßnahmen
5.8 Sakrum
5.8.1 Muskuläre Verbindungen
5.8.2 Bewegung des Sakrums
5.8.3 Läsionen des Sakrums
5.8.4 Flexionsblockierung
5.8.5 Extensionsblockierung
5.8.6 Seitneigungsblockierung
5.8.7 Torsionsblockierung
5.8.8 Zusätzliche Maßnahmen
5.9 Lumbosakrale Blockierungen
5.9.1 Symptomatik
5.9.2 Korrektur
5.10 Blockierungen des Iliosakralgelenks
5.10.1 Symptomatik
5.10.2 Test und Korrektur
5.10.3 Zusätzliche Maßnahmen
5.11 Blockierungen des Beckens
5.11.1 Lateralflexion
5.11.2 Einseitige Hüftverdrehung
5.11.3 Torsion
5.11.4 Beckenkorrektur muskulär
5.11.5 Beinlängendifferenz
5.12 Blockierungen der Gelenke
5.12.1 Test und Mobilisierung der vorderen Extremitäten
5.12.2 Test und Mobilisierung der hinteren Extremitäten
5.12.3 Techniken zur allgemeinen Gelenkmobilisierung
Teil III Fasziale Osteopathie
6 Grundlagen
6.1 Vorbemerkung
6.2 Histologie der Faszien
6.3 Aufgaben der Faszien
6.4 Einteilung der Faszien
6.5 Bewegung und Ausrichtung der Faszien
7 Faszien beim Pferd
7.1 Faszien der Kopf- und Hals-Region
7.1.1 Kopffaszie
7.1.2 Halsfaszien
7.2 Faszien von Rumpf und Vordergliedmaßen
7.2.1 Faszien der Schulter und der Vordergliedmaßen
7.2.2 Faszien des Rumpfes
7.3 Faszien des Beckenbereichs und der Hintergliedmaßen
7.3.1 Faszien des Lenden- und Beckenbereichs
7.3.2 Fazien der Hintergliedmaßen
7.4 Faszienketten
7.4.1 Aufgaben der Faszienkette
7.4.2 Verlauf der Faszienketten
7.5 Fasziale Gürtel
7.5.1 Tentorium cerebelli-Gürtel
7.5.2 Zungenbein-Gürtel
7.5.3 Brusteingangs-Gürtel
7.5.4 Brust- oder Herz-Gürtel (Herz, Lunge)
7.5.5 Diaphragma-Gürtel (Zwerchfell)
7.5.6 Bauch- oder Nabelgürtel
7.5.7 Beckeneingangs-Gürtel
7.5.8 Perineal-Gürtel (Beckenausgang)
7.6 Fasziale Läsionen
8 Behandlung der Faszien
8.1 Überblick
8.2 Durchführung der strukturellen Faszientechniken
8.2.1 Faszienmassage
8.2.2 Fasziendehnungen
8.2.3 Myofaszial Release
8.3 Narben
8.3.1 Klassifizierung von Narben
8.3.2 Behandlung von Narben
8.3.3 Narben und Osteopathie
8.3.4 Osteopathische Behandlung von Narben
8.4 Durchführung der energetischen (fluiden) Faszientechniken
8.4.1 Ablauf der energetischen Faszientests und Korrekturen
8.4.2 Die Diagnose in der faszialen Osteopathie
8.4.3 Diagnostische Tests
8.4.4 Durchführung der globalen Tests
8.4.5 Durchführung der tiefer gehenden Tests
8.4.6 Behandlung der Faszien
Teil IV Kraniosakrale Osteopathie
9 Grundlagen
9.1 Geschichte
9.2 Kritik an der kraniosakralen Osteopathie
9.3 Konzeption
9.3.1 Bewegung der Hirn- und Rückenmarkshäute
9.3.2 Bewegung des Kraniosakralrhythmus
9.4 Anwendungsbereiche
9.4.1 Indikationen beim Pferd
10 Anatomische Grundlagen
10.1 Kraniosakralsystem
10.2 Das Nervensystem
10.3 Der Schädel des Pferdes
10.3.1 Knochen der Mittellinie
10.3.2 Knochen der Peripherie
10.3.3 Schädelknochen und ihre Bewegungen
10.3.4 Membranen
10.3.5 Liquor
10.4 Fließen des Liquors
11 Behandlung einzelner Strukturen
11.1 Läsionen der Synchondrosis sphenobasilaris
11.1.1 Äußere Merkmale und Symptomatik
11.1.2 Palpation und Test
11.1.3 Korrektur
11.1.4 Flexions- und Extensionsläsion
11.1.5 Torsionsläsion
11.1.6 Lateral Strain
11.1.7 Vertical Strain
11.1.8 Seitneigungsläsion
11.1.9 Kompression
11.2 Läsionen der Schädelknochen
11.2.1 Os temporale
11.2.2 Os parietale
11.2.3 Os frontale
11.3 Läsionen des Kiefergelenks und des Os hyoideum
11.3.1 Kiefergelenk
11.3.2 Os hyoideum
11.4 Läsionen der Suturen
11.4.1 Symptomatik
11.4.2 Korrektur
11.5 Restriktionen der Membranen
11.5.1 Symptomatik
11.5.2 Restriktionen der intrakraniellen Membranen
11.5.3 Restriktionen der Dura mater spinalis
11.6 Störungen des Liquorabflusses
11.6.1 Funktionen des Liquors
11.6.2 Produktion des Liquors
11.6.3 Rückresorption des Liquors
11.6.4 Symptomatik
11.6.5 Verbesserung des Liquorflusses
11.7 Zirkulationsstörungen des venösen Systems
11.7.1 Symptomatik
11.7.2 Verbesserung der venösen Zirkulation
11.8 Störungen des Lymphabflusses
11.8.1 Funktion des Bindegewebes
11.8.2 Symptomatik
11.8.3 Verbesserung des Lymphabflusses
Teil V Viszerale Osteopathie
12 Grundlagen
12.1 Vorbemerkung
12.2 Nervensystem (NS)
12.2.1 Sympathikus, Parasympathikus und enterisches System
12.2.2 Ganglien und Grenzstrang
12.2.3 Wirbelsegmente und ihr Zusammenhang mit Nerven und Organen
12.2.4 Bewegung der Organe
12.3 Tast-Empfindungen – was können wir fühlen?
12.3.1 Palpation
12.3.2 Tension
12.3.3 Tonus
12.3.4 Dichte
13 Organe – ihre Bewegung, ihre Konsistenz und ihre Verbindungen
13.1 Peritoneum viscerale (Bauchfell)
13.2 Mesenterium
13.3 Omentum
13.4 Mediastinum
13.5 Zwerchfell
13.5.1 Innervation
13.6 Lunge
13.6.1 Verbindungen
13.6.2 Konsistenz
13.6.3 Innervation
13.7 Herz
13.7.1 Verbindungen
13.7.2 Innervation
13.8 Leber
13.8.1 Bewegung und Tast-Empfindung
13.8.2 Verbindungen
13.8.3 Innervation
13.8.4 Auswirkungen auf den Bewegungsapparat
13.9 Magen
13.9.1 Bewegung und Tast-Empfindung
13.9.2 Verbindungen
13.9.3 Auswirkungen auf den Bewegungsapparat
13.10 Milz und Pankreas
13.10.1 Verbindungen
13.10.2 Auswirkungen auf Bewegungsapparat
13.11 Zäkum
13.11.1 Bewegung und Tast-Empfindung
13.11.2 Palpation
13.12 Dickdarm und Dünndarm
13.12.1 Kolon (Grimmdarm)
13.12.2 Duodenum (Zwölffingerdarm)
13.12.3 Jejunum (Leerdarm)
13.12.4 Ileum (Krummdarm oder Hüftdarm)
13.12.5 Innervation
13.13 Nieren
13.13.1 Verbindungen
13.13.2 Auswirkungen auf den Bewegungsapparat
13.14 Blase und Geschlechtsorgane
13.14.1 Blase
13.14.2 Ovarien
13.14.3 Uterus
13.15 Blätter von Glenard
14 Viszerale Läsionen
14.1 Ptose
14.2 Verklebung (Adhäsion)
14.3 Stase
14.4 Spasmus
15 Ablauf der viszeralen Untersuchung und Behandlung
16 Viszerale Techniken
16.1 Technik bei Ptose
16.1.1 Energetische Korrektur
16.1.2 Direkte Mobilisierung
16.2 Technik bei Verklebung
16.2.1 Fasziendehnung
16.2.2 Pump-Technik
16.3 Technik bei Spasmus
16.3.1 Recoil
16.3.2 Vibrationen
16.4 Technik bei Entzündung
16.5 Behandlung über Reflexzonen
17 Indikationen und Kontraindikationen für viszerale Behandlungen
17.1 Hinweis auf organische Probleme
17.2 Sonstige Indikationen
17.3 Kontraindikationen
17.4 Reaktionen des Pferdes
Teil VI Ursachen von Störungen des Bewegungsapparates
18 Stoffwechselstörungen
19 Herde und Störfelder
19.1 Herde
19.2 Störfelder
19.2.1 Geopathologie
20 Untugenden und Verhaltensprobleme
21 Disharmonie zwischen Pferd und Reiter
Teil VII Anhang
22 Glossar
23 Literatur
Anschriften
Sachverzeichnis
Impressum
1 Einführung in die Osteopathie
2 Behandlungsformen
3 Prinzipien der Osteopathie
4 Osteopathische Techniken
Die Osteopathie ist ein heilkundliches System, das Mitte des 19. Jahrhunderts in den USA entwickelt wurde. Der geistige Vater der Osteopathie ist Dr. Andrew Taylor Still (1828–1917). Er suchte nach Möglichkeiten, Krankheiten erfolgreich ohne Medikamente und Chirurgie zu behandeln.
Er erkannte, dass alle Erkrankungen des Menschen mit Beeinträchtigungen der körpereigenen Strukturen (Muskeln, Bänder, Knochen und Gelenke) im Zusammenhang stehen. Dies führt zur verminderten Funktion der inneren Organe. Die Osteopathie ist bestrebt, Heilung zu ermöglichen, indem diese Beeinträchtigungen gefunden und sanft korrigiert werden. Gelingt dies, so kann eine bisher beeinträchtigte Funktion wieder normal verlaufen und die Selbstheilungskräfte werden wirksam.
Man unterscheidet 4 große Systeme der Osteopathie:
Die ▶ kraniosakrale Osteopathie zur Behandlung des zentralen Steuerungssystems des Körpers, des Gehirns und der dieses System umgebenden Strukturen. Im Vordergrund steht die Behandlung der Schädelstrukturen (Schädelknochen, Suturen, Membranen), der Kopfgelenke sowie der intrakranialen und intraspinalen Dura. Ziel ist die Anregung des Liquorflusses, wodurch sich eine Auswirkung auf den Gesamtorganismus und den Bewegungsapparat ergibt.
Die ▶ fasziale Osteopathie zur Behandlung des Muskel-Faszien-Systems. Schwerpunkte hierbei sind Gewebetechniken (Muskeln, Bänder, Sehnen). Es werden sanfte Techniken angewendet, um den Druck auf Nerven, Arterien, Venen und Lymphgefäße zu beheben und dadurch wieder die Voraussetzung für eine gesunde Physiologie zu schaffen.
Die ▶ parietale Osteopathie zur Behandlung des Muskel-Skelett-Systems (Knochen, Wirbel, Gelenke, Muskel, Faszien). Traditionell stellt die parietale Osteopathie die Basis osteopathischer Behandlung dar. In der parietalen Osteopathie werden verschiedene Behandlungstechniken verwendet, um krankhafte Veränderungen des Muskel-Skelett-Systems zu finden und zu behandeln. Es gibt sowohl strukturelle Techniken mit relativ starkem Kraftaufwand als auch sanfte osteopathische Techniken. Im Kapitel „parietale Osteopathie“ beschränken wir uns auf die sanften, energetischen Methoden.
Die ▶ viszerale Osteopathie zur Behandlung der inneren Organe (Viszera). Schwerpunkt der Behandlung ist die Wiederherstellung der Beweglichkeit der Organe und der sie einhüllenden oder stützenden faszialen Gewebe wie beispielsweise des Peritoneums (Bauchfell). Die Funktion der Organe wird unterstützt und angeregt.
Die tierärztliche Osteopathie geht im Wesentlichen auf 2 Pioniere zurück:
Auf Pascal Evrard, Mitglied der belgischen Registrierung der Osteopathen (ROB) und der amerikanischen Akademie für Osteopathie (AAO). Er war Professor für Pferde-Osteopathie sowie Begründer der International School of Equine Osteopathy und arbeitete mit der veterinärmedizinischen Fakultät der Universität Lüttich (Belgien) zusammen. Außerdem auf Dr. Dominique Giniaux, Tierarzt. Er übertrug in den 70er-Jahren des letzten Jahrhunderts die Osteopathie auf Pferde.
Bedeutende Institute der Osteopathie sind unter anderen im Humanbereich die STILL ACADEMY und im Veterinärbereich TIAMO (Tierärztliches Institut für Alternative Medizin und Osteopathie).
Pferde-Osteopathie ist eine eigenständige Behandlungsmöglichkeit im Dienst der Gesundheit des Pferdes. Sie unterscheidet sich von Physiotherapie, Chiropraktik und Heilmassagen. Die Pferde- Osteopathie beachtet die enge Verflechtung des Haltungs- und Bewegungsapparates mit allen wichtigen Funktionskreisen des Körpers wie z.B. Atmung, Herz-Kreislauf-System (Durchblutung), Lymphfluss, Stoffwechsel und psychische Funktionen. Vorrangiges Ziel der Pferde-Osteopathie ist es, durch gezielte sanfte Handgrifftechniken Störungen der Körperfunktion zu beseitigen und zu vermeiden, Fehlentwicklungen zu korrigieren und Heilungsprozesse einzuleiten oder zu unterstützen. Physikalische Maßnahmen wie Massage, Wärme und Laser können unterstützend angewendet werden.
Innerhalb der genannten osteopathischen Bereiche gibt es verschiedene Behandlungsformen. So hat z.B. Giniaux hauptsächlich die strukturelle und fluide Osteopathie angewendet.
Unter struktureller Osteopathie versteht man alle Techniken, die sich mit der Mobilisation und der Korrektur von Blockierungen in Gelenken, Muskeln, Sehnen, Ligamenten und Faszien beschäftigen. Es geht um das Auffinden und um eine allgemeingültige Korrektur von Fehlstellungen im Körpergefüge.
Der strukturell arbeitende Osteopath geht mit einem der Situation angemessenen, manchmal auch intensiveren Kraftaufwand gegen die Spannungsverhältnisse, also auch häufig gegen die motorische „Barriere“, aus der Läsionsstellung heraus. So manipuliert er – im besten Sinn des Wortes – das Gewebe hin zu seiner vorgestellten Idealposition und Funktionalität. Die strukturelle Osteopathie bedient sich direkter Techniken mit gezielten Griffen und indirekter Techniken, die über Muskeln oder Reflexzonen wirken.
Die fluide Osteopathie wirkt direkt auf Körperflüssigkeiten, deren Fluss gehemmt ist (zerebrospinale Flüssigkeit). Diese Art der Behandlung ist extrem sanft, es wird ohne Kraft gearbeitet.
Insgesamt ist die Osteopathie ein in sich geschlossenes Medizinsystem, das den Prinzipien angewandter Anatomie, Physiologie und Pathologie folgt. Die osteopathische Behandlung folgt dabei den von Still entwickelten Prinzipien:
Der Körper ist eine Einheit.
Er ist immer als Ganzes an Gesundheit und Krankheit beteiligt.
Der Körper verfügt über innewohnende Heilungskräfte.
Struktur und Funktion stehen in gegenseitiger Abhängigkeit.
Die Osteopathie bedient sich zur Diagnose und zur Therapie der Hände. Ihr Ziel ist die Wiederherstellung der Mobilität und damit auch der Möglichkeit zur Selbstheilung. Der Weg dazu führt über die Struktur des Körpers. Strukturelle Störungen oder Mobilitätseinschränkungen haben Fernwirkungen auf alle Körpersysteme. Die Osteopathie umfasst die Beschäftigung mit allen Körperstrukturen: knöchernes Skelett, Muskeln, Faszien, innere Organe, endokrine Drüsen usw. Im Gegensatz zur Chiropraktik werden mit sehr geringem Kraftaufwand Dysfunktionen in Gelenken und anderen Gewebestrukturen korrigiert.
Die harmonisierenden Techniken der Osteopathie werden langsam, sanft und unter ständiger Beachtung der Gewebereaktion durchgeführt. Die sanfte Behandlung zielt darauf ab, neurovaskuläre, neuromuskuläre und neuroendokrine Regulationsmechanismen in Gang zu setzen und damit die Selbstheilung zu ermöglichen. Darüber hinaus wirkt sich die Behandlung auf das emotionale Wohlbefinden aus, wenn Körperspannungen gelöst werden, die mit seelischen Traumata korrespondieren.
Die osteopathische Therapie bezieht immer das ganze Lebewesen in die Behandlung ein: Sie versucht, dem Patienten in seiner körperlichen, emotionalen und geistigen Einzigartigkeit gerecht zu werden und das Behandlungsziel gemeinsam mit ihm zu erreichen.
„Bewegung ist Leben.“ So lautet ein wichtiger Grundsatz der Osteopathie.
Bewegung ist Ausdruck von Lebenskraft, die sich als das Funktionieren des Körpers äußert. Allgemein verstehen wir unter der Beweglichkeit des Körpers die Motorik des gesamten Bewegungsapparates, die Atmung, den Herzschlag usw.
Der Osteopath überprüft, ob sich alles optimal bewegt. Von Bedeutung ist also nicht so sehr die Form eines Gelenks oder des Gewebes, sondern vielmehr wie es sich bewegt und wie es lebt. Der Therapeut setzt zur Untersuchung und zur Therapie ausschließlich seine Hände ein und beachtet dabei die folgenden Regeln:
Strukturelle Störungen ziehen Funktionsstörungen nach sich. Da die verschiedenen Strukturen des Körpers (knöcherne, muskuläre und viszerale, das heißt die inneren Organe betreffende) zusammenarbeiten, können sich Störungen der einen Struktur auf eine andere auswirken. Ein Beispiel, wie sich die Funktion auf die Struktur auswirkt, ist das Überbein: Eine Veränderung der Belastung (Funktion) bewirkt falsche Spannungsverhältnisse der Muskeln und Faszien und ein Knochen bildet zur Stabilisierung ein Überbein (Struktur).
Eine Störung der Versorgung mit Flüssigkeit (Blut, Lymphe, Liquor) wirkt sich negativ auf die Funktion des unterversorgten Organs aus.
Defekte in einem bestimmten Bereich des Körpers können sich auf den Gesamtorganismus auswirken.
Ziel des Therapeuten ist es, durch gezielte Stimulation die vorhandenen Blockierungen zu lösen und die Selbstheilungskräfte des Körpers zu aktivieren, um ihn auf Dauer zu stärken.
Die Feststellung von Störungen des Bewegungsapparates beim Pferd ist schwierig. Röntgenaufnahmen zeigen oft nicht alle Probleme. Vor allem geringfügige, aber oft schon schmerzhafte Veränderungen wie Wirbel- und Beckenblockierungen oder arthrotische und arthritische Prozesse sind auf dem Röntgenbild nicht oder erst spät erkennbar. Muskel-, Sehnen- und Faszienprobleme sind weder durch Röntgenaufnahmen noch durch Ultraschall oder andere bildgebende Verfahren festzustellen.
Die schulmedizinischen Untersuchungen wie Blut-, Urin- und Kotuntersuchungen, Röntgen- und Ultraschalldiagnostik müssen natürlich unbedingt zur Klärung der Krankheitsursache herangezogen werden. Jedoch stehen uns weitere einfache und aussagekräftige Methoden zur Verfügung. Zu diesen zählen unter anderem:
Anamnese
Adspektion (Beobachtung von Haltung, Haut, Muskeln, Bewegungsablauf usw.)
Diagnose durch Palpation (Abtasten zum Feststellen von Verspannungen und Verhärtungen)
Diagnose durch Triggerpunkte
Mobilitätstest
diagnostische Akupunktur (Hinweis- und Diagnosepunkte)
Jede Störung im Bewegungsapparat bereitet früher oder später Schmerzen. Doch im Gegensatz zu uns Menschen kann das Pferd sie nicht verbalisieren. Wir sind auf unsere eigenen Beobachtungen und die Beobachtungen der Besitzer angewiesen. Das größte Problem besteht darin, dass viele Pferdebesitzer selbst gravierende Probleme nicht erkennen und die Tiere für ihre Schmerzreaktionen sogar bestrafen. Nur wenn Probleme erkannt werden, kann auch für deren Lösung etwas getan werden.
Genaues Befragen ist deshalb der erste Schritt der Behandlung. Der folgende Fragenkatalog listet alle Fragen auf, die dem Besitzer gestellt werden sollten ( ▶ Tab. 3.1). Er ist zwar zeitaufwendig, erleichtert aber das Stellen der richtigen Diagnose.
Um effektiv therapieren zu können, ist eine genaue Diagnostik erforderlich.
Tab. 3.1
Fragenkatalog zur Anamnese.
Frage
Hinweis auf …
Zu welchem Zeitpunkt begannen die Symptome? Was war zu dieser Zeit? Ein Wettkampf oder vielleicht ein Stallwechsel?
–
Wie wird das Pferd eingesetzt? Welche Muskeln oder Muskelgruppen werden besonders beansprucht?
Der Verwendungszweck ist wichtig für das Finden der beteiligten Muskeln. Schulpferde haben eher Rückenprobleme, Springpferde sind eher anfällig für Gelenk- und Sehnenprobleme usw.
Woher kommt das Pferd? Was hat es erlebt?
Die Vorgeschichte des Pferdes gibt wertvolle Hinweise auf mögliche psychische Ursachen. Bei häufigem Besitzerwechsel und misshandelten Pferden sind die emotionalen Probleme Ursachen für die Verspannungen. Hier sollte zusätzlich zur manuellen oder energetischen Behandlung eine Therapie mit homöopathischen Mitteln oder Blütenessenzen eingesetzt werden.
Zeigt das Pferd Schmerzreaktionen? Macht das Pferd beim Satteln oder Putzen den Rücken hohl oder wölbt es ihn extrem auf? Legt es bei bestimmten Tätigkeiten die Ohren an? Zuckt es beim Putzen zusammen?
Vor allem, wenn diese Verhaltensweisen früher nicht da waren, sind sie Hinweis auf Schmerzen. Beißen beim Putzen ist oft Hinweis auf schmerzhafte Zonen.
Hat das Pferd sogenannte „Untugenden“?
Weben und Koppen sind meist Ausdruck von Schmerzen oder Verspannungen in der oberen Halswirbelsäule. Auch Langeweile kann eine Ursache sein. Die Diagnose „Langeweile“ sollte aber erst gestellt werden, wenn alle strukturellen Ursachen behoben sind.
Kopfschlagen und Kopfschütteln können Hinweise auf Probleme in der oberen Halswirbelsäule sein. Aber auch ein zu enger Stirnriemen kann der Grund sein – vor allem, wenn das Symptom erst beim Reiten auftaucht. Durch die Anstrengung werden Gefäße im Kopf gedehnt und es kommt zum Stau von venösem Blut und Liquor. Auch eine Lichtempfindlichkeit oder Sonnenallergie kann Symptom gestauter Hirnflüssigkeit sein. Eine weitere harmlose, aber oft übersehene Ursache von Kopfschlagen und Schütteln sind Mähnenhaare, die unter dem Halfter eingeklemmt sind und zupfen.
Stampfen in der Box kann seine Ursache in einer Ischialgie haben. Das Pferd versucht, sich vom Schmerz zu befreien. Die Folge dieser „Untugend“ ist dann oft eine Piephacke. Sie entsteht auch durch Boxenschlagen.
Bei allen Untugenden muss aber auch an allergische Reaktionen gedacht werden. Meist sind es Futterunverträglichkeiten. Wenn die osteopathische Behandlung keinen Erfolg zeigt, ändern Sie das Futter und vermeiden Sie möglichst Kraftfutter.
Hat das Pferd Angst vor „Gespenstern“? Scheut es vor jedem neuen Gegenstand, auch in gewohnter Umgebung?
Hier sollte man an Sehstörungen denken.
Blockierungen oder Läsionen im kranialen System oder Leberfunktionsstörungen können dafür verantwortlich sein.
Auch ein blockiertes Atlantookzipitalgelenk kann zu solchen Reaktionen führen.
Reagiert das Pferd unwillig auf das Anziehen des Sattelgurtes?
Das kann ein Hinweis auf eine Blockierung der Brustwirbel Th3–Th10 oder auf Blockierung des Zwerchfells, der Interkostalmuskulatur oder des M. trapezius sein.
Auch sich entwickelnde Probleme im Hufbereich zeigen sich reflexzonenartig im Bereich der Sattelgurt-Vorderseite in Höhe des Ellbogens.
Welche Tätigkeit verbessert, welche verschlimmert die Symptome?
Wenn die Schmerzen in Ruhe besser werden, dafür danach die Muskulatur steif ist (das Pferd kommt steif aus der Box), kann die Ursache eine Kälte-/Nässe-Empfindlichkeit, aber auch Arthrose oder ein Bandscheibenproblem sein (mit daraus resultierender Schonreaktion der Muskeln).
Schmerzen, die beim Tragen (Sattel) auftreten, deuten ebenfalls auf Bandscheibenprobleme hin. Da das Pferd seinen Schmerz nicht äußern kann, ist es wichtig, die Reaktionen des Tieres beim Aufsatteln sowie Unterschiede der Bewegung beim Longieren oder Reiten genau zu beobachten.
Schmerzen und instabile Körperhaltung beim längeren Stehen (das Pferd ist unfähig, länger ruhig zu stehen) können ein Hinweis auf überdehnte Bänder sein.
Ständiges Entlasten eines Fußes kann ein Hinweis auf Meniskusprobleme, aber auch auf eine Hüft- oder Iliosakralgelenk-Blockierung sein.
Wie verhält sich das Pferd beim Beschlagen? Lässt es sich problemlos alle Füße aufnehmen?
Wenn nicht, kann das an verkrampften Muskeln (häufig ist M. iliopsoas, der Lenden-Darmbein-Muskel, betroffen), blockiertem Iliosakralgelenk, aber auch an Knie- und Sprunggelenksproblemen liegen.
Legt sich das Pferd auffallend häufig hin oder verlagert es ständig das Gewicht von einem Bein auf das andere?
Oft sind die Trachten zu niedrig. Die Statik muss verändert werden.
Auch Knieprobleme machen diese Symptome.
Beim ersten Blick ist schon sehr viel zu erkennen, sowohl Probleme im Bewegungsapparat als auch Störungen des Stoffwechsels. Die Statik des Pferdes kann wertvolle Hinweise auf die Ursache des Problems liefern ( ▶ Tab. 3.2).
Tab. 3.2
Wichtige Aspekte der Adspektion.
Merkmale
Hinweis auf …
Sind Stellungsfehler vorhanden? Steht das Schulterblatt leicht schräg?
Die falsche Winkelung der Hintergliedmaßen führt zu verkürztem Schritt.
Eine steil gestellte Schulter erlaubt keine raumgreifenden Bewegungen der Vorhand.
Wie ist die Haltung und Form des Halses? Hat das Pferd genügend Ganaschenfreiheit?
Ein zu enger Bereich zwischen Unterkiefer und Atlas lässt eine Beizäumung nicht zu.
Wie ist die Form des Rückens? Sehr gerade? Senkrücken oder Karpfenrücken?
Aus der Form des Rückens können wir auf muskuläre Verspannungen schließen.
Wie ist die Stellung der Gliedmaßen?
Vorder-/Rückbiegigkeit, zehenweite/-enge, bodenweite/-enge Stellung deuten auf muskuläre und/oder fasziale Dysbalancen hin.
Hat das Pferd eine deutliche Neigung zu Sehnenproblemen? Ist das Pferd hinten überbaut?
Das lässt durch die falsche Gewichtsverteilung auf Sehnenprobleme der Vorderbeine schließen. Oft liegt eine Leberfunktionsstörung vor. (In der TCM sind die Sehnen der Leber zugeordnet.)
Wie sieht die Wirbelsäule aus? Sind Erhebungen oder Absenkungen einzelner Wirbel oder Wirbelsäulenabschnitte zu erkennen?
Probleme der Rückenmuskulatur und der Faszien.
Wie ist die Kruppenform? Ist die Kruppenmuskulatur symmetrisch?
Eine ungleiche Höhe deutet auf ein gekipptes Becken hin.
Schwellungen, Vorwölbungen im muskulären Bereich sind Hinweise auf mechanisch bedingte primäre Läsionen, da durch die Muskelkontraktion eine palpable Schwellung des Muskelbauchs erzeugt wird. Einziehungen deuten oft auf eine organische Ursache hin.
Gibt es atrophierte Muskeln?
Das zeigt dem Therapeuten, dass Muskeln nicht „benutzt“, also nicht oder falsch trainiert werden.
Der atrophierte M. trapezius pars thoracalis sowie der kraniale Teil des M. longissimus dorsi weisen auf einen schlecht passenden Sattel hin.
Wie sehen die Hufe aus?
Ausgefranste Hufe und Hufspalten weisen auf Stoffwechselprobleme und energetische Störungen in den Meridianen hin. Wir sehen sie häufig im Zusammenhang mit Arthrose und Sehnenproblemen. Energetisch sind sie dann ein Hinweis auf eine Nierenschwäche.
Jede Fehlstellung führt erst zu Unbehagen, später zu Schmerzen, Fehlhaltungen und damit zu Muskelanspannungen im Rumpf und Rückenschmerzen.
Zu lange Zehen, oft in Verbindung mit zu niedrigen Trachten, verursachen eine ständige Dehnung der hinteren Sehnen und Bänder. Zunächst verkürzt das Pferd die Anschubphase der Hinterhand. Bei anhaltender Überlastung der Sehnen kommt es zu Sehnenschäden.
Zu kurze Zehen mit zu hohen Trachten beeinträchtigen das Abfedern und führen zu Verschleißerscheinungen der Gelenke.
Wie ist der Fellzustand?
Stumpfes Fell und/oder Stichelhaare sind ein Hinweis auf Stoffwechselprobleme.
Passt der Sattel?
Ein unpassender Sattel kann schwerwiegende Folgen nach sich ziehen. Lassen Sie gegebenenfalls den Sattel überprüfen, auch wenn noch keine sichtbaren Satteldruckstellen vorhanden sind.
Einige wichtige Grundregeln:
Der Sitz des Sattels sollte nicht zu weit hinten liegen.
Der vordere Rand darf nicht auf die Schulterblätter und die Schulterblattknorpel drücken. Sie sollten noch Ihre Hand darunterschieben können.
Unter der Sattelkammer soll noch Platz für die Dornfortsätze der Wirbel sein. Prüfen Sie das möglichst nach dem Reiten, wenn sich die Muskulatur durch die Bewegung verändert hat.
Sind die Beine angelaufen/geschwollen?
Angelaufene Beine sind meist ein Zeichen für einen verzögerten Lymphabfluss. Die Ursache liegt oft in der Fütterung.
Zeigt das Pferd Auffälligkeiten beim Reiten oder wenn es sich bewegt, so kann dies auch ein wichtiger diagnostischer Hinweis sein ( ▶ Tab. 3.3).
Tab. 3.3
Beobachtungen in Bewegung und beim Reiten.
Problem
Hinweis auf …
Das Pferd wehrt sich gegen das Gebiss oder die Trense.
Entzündungen in der Maulhöhle, Zahnfleischentzündungen, Zahnfisteln u.Ä.
weitere Möglichkeiten: Wolfszähne, scharfe Hakenzähne, Hengstzähne
Das Pferd steigt beim Abnehmen der Zügel.
meist Zahnprobleme
Das Pferd ist nicht in der Lage, den Rücken aufzuwölben und in Dehnungshaltung zu gehen.
Probleme in der Halswirbelsäule
verspannte Rückenmuskeln (häufig ist der M. iliopsoas betroffen)
Das Pferd lässt sich nicht rückwärts richten.
Zahnprobleme
Beckenläsionen
Knieprobleme
Das Pferd ist immer hinter dem Zügel.
Wolfszahn und Fehlstellungen der Vorbackenzähne
zu feste oder zu weit hinten liegende Kinnkette
Kiefergelenks- und/oder Zahnprobleme
Blockierungen der Halswirbel
Das Pferd zeigt beim Reiten Kopfschlagen.
zu enge Stirnriemen
Nasennebenhöhlenprobleme
kraniosakrale Läsionen, Halswirbelprobleme
Allergien
Der innere Hüfthöcker ist im Zirkel tiefer.
Wenn nicht, dann
ist das Sakrum oder das Iliosakralgelenk blockiert
oder der ganze Beckenring hat eine Fehlstellung.
Der Rücken ist fest und schwingt nicht.
Ein fester, schmerzender Rücken kann durch abgesunkene Wirbel im Sattelbereich, durch unkorrekte Winkelung der Zehen oder falsche Hufkorrektur verursacht sein.
Kiefergelenksprobleme
Überprüfung des Sattels
Der Galopp ist unharmonisch. Das Pferd hat Probleme beim Gangwechsel.
Blockierung des 6. Lendenwirbels bzw. des 14. Brustwirbels
Sakrum ist rotiert
Beckenfehlstellungen
Blockierung des Iliosakralgelenks
Seitliche Biegungen sind nicht möglich.
Blockierung des 16. und 17. Brustwirbels
Blockierung des Sakrums
Ischialgie durch komprimierten Ischiasnerv. Durch hartes Training wird sich das Tier vielleicht unter Schmerzen fügen. Die Biegung wird trotz alledem unbefriedigend bleiben und als Folge werden sich weitere sekundäre Läsionen entwickeln.
seitliche Faszienkette blockiert oder seitliche Muskeln auf einer Seite verkürzt
Es ist nicht genügend Schub aus der Rückhand vorhanden.
blockiertes Sakrum oder Iliosakralgelenk
schwache Muskeln, vor allem M. psoas, Unterschenkelflexoren und M. biceps femoris
falsche Winkelung des Hüftgelenks
Das Pferd berührt im Schritt die Vorderfüße mit den Hinterfüßen (Greifen).
Verspannungen des breiten Rückenmuskels blockieren die Protraktion (Vorwärtsbewegung) der Vorhand.
Der Druck des Sattelgurtes kann ebenso zur Beeinträchtigung der Vorhandbewegung führen.
Mangelnder Raumgriff der Hinterhand hat seine Ursache in Störungen des Mauls. Die Übertragung der diagonalen Bewegungswelle von hinten nach vorne ist nicht möglich.
verspannte Kruppenmuskeln oder zu schwache Oberschenkelmuskeln
Das Pferd kann nicht taktrein gehen.
Verspannungen
Schmerzen
Das Pferd hat Probleme mit der Anlehnung.
Störung im Kiefergelenk
Probleme mit der Ohrspeicheldrüse
mangelnde Ganaschenfreiheit
Blockierung des Atlantookzipitalgelenks
Das Pferd kann den Hals nicht strecken.
Blockierung zwischen Os occipitale und Atlas
Verspannungen der Hals-, Schlund- und Nackenmuskeln
Das Pferd stolpert häufig mit den Vorderbeinen.
Hinweis auf Blockierung des 7. Halswirbels und/oder blockierte Wirbel im Widerrist
hypertoner M. supraspinatus
allgemeines Stolpern kann mit Blockierung des Zungenbeins zusammenhängen
Das Pferd zeigt eine Lahmheit der Vorhand.
viele mögliche Ursachen, z.B. Huferkrankung oder Störungen im Nervensystem
häufig jedoch: Blockierung des 7. Halswirbels (Pferd legt Kopf zur schmerzfreien Seite) oder Blockierung des Schultergelenks
Das Pferd zeigt eine Lahmheit der Hinterhand.
Gelenkentzündungen
Beckenrotationen und Kippungen
Blockierung des Iliosakralgelenks
Kniegelenkprobleme
Problem des diagonalen Vorderbeins
Das Pferd trägt in der Bewegung den Schweif schief. Es schlägt mit dem Schweif.
Beides kann ein Zeichen für Schmerzen in der hinteren Wirbelsäule und im Sakrum oder für einseitig verspannte Schwanzheber sein.
Schmerzen durch verdeckte Wolfszähne oder Hakenzähne
Kiefergelenksprobleme und Kieferfehlstellungen
organische Probleme z.B. im Dickdarm oder in der Gebärmutter
Das Pferd stellt während der Arbeit seine Hinterhand seitlich ab.
Lendenwirbel blockiert
Bevor mit der Behandlung begonnen wird, ist es wichtig, fühlen zu lernen. Lernen Sie, die „Sprache“ des Gewebes zu verstehen und im wahrsten Sinne des Wortes zu „begreifen“. Die Kunst der Osteopathie ist das Warten und Zuhören. Warten, bis Impulse, Bewegungen in unseren Händen ankommen, und „zuhören“, was uns das Gewebe sagt, und zu erkennen, was zu tun ist. Wir müssen lernen, unsere Wahrnehmung auf die Hände zu konzentrieren. Wenn wir nur noch Hände sind und Kopf und Verstand ausgeschaltet haben, empfangen wir die Botschaften des Gewebes.
Das heißt aber nicht, dass Osteopathie und kraniosakrale Osteopathie nur Handauflegen bedeuten. Wichtige Voraussetzung ist das Wissen um die anatomischen Verhältnisse und Strukturen, damit wir erkennen, wo etwas nicht stimmt, und dem Körper die richtigen Impulse geben können. Die Kenntnisse über Anatomie und Physiologie sind eine Fähigkeit der linken Hirnhemisphäre. Verstand und logisches Denken sind hier zu Hause. Für die Wahrnehmung aber, für das Spüren und Fühlen, benötigen wir die rechte Hemisphäre, die Intuition. Wir brauchen zuerst das Wissen über die Strukturen, die wir palpieren, müssen aber dann lernen, die Logik und den Verstand „auszuschalten“ und der Wahrnehmung der rechten Hirnhälfte zu vertrauen. Logik und Verstand sind zwar sehr nützlich, würden hier aber nur stören. Beide würden Sie entweder an Ihren Feststellungen zweifeln lassen oder Sie zu bestimmten Schlussfolgerungen führen, die Sie vielleicht aufgrund der Symptome oder der Adspektion erwarten.
Das ist nicht ganz einfach, weil wir gelernt haben, nur unserem Verstand zu glauben. Upledger und Vredevoogt beschreiben dies in ihrem Lehrbuch so:
„Wir dürfen nicht zulassen, dass unser Intellekt die Entwicklung unserer palpatorischen Fähigkeiten behindert. Wenn man beginnt zu zweifeln oder analytisch zu interpretieren, wird man die feine Sprache des Gewebes nicht mehr wahrnehmen.“
Der Wahrnehmung vertrauen ist eines der wichtigsten Dinge bei allen Arten der Osteopathie, insbesondere der faszialen und der kraniosakralen Osteopathie. Entspannung ist dafür die erste Voraussetzung.
Sorgen Sie dafür, dass Sie entspannt sind. Jede Spannung wirkt sich auf Ihre Wahrnehmung aus und blockiert die Empfindungen. Sie werden sogar die Spannungen und Schmerzen des eigenen Körpers von den Botschaften des untersuchten Körpers nicht mehr unterscheiden können. Nur durch Entspannung gelingt es, in den Alpha-Zustand zu kommen.
In der Entspannung verändert sich die elektrische Hirnspannung. Die Beta-Wellen verwandeln sich in die langsamen Alpha-Wellen. In dieser Phase öffnet sich das Tor zum Unterbewussten und wir sind offen für die Informationen, die wir vom Patienten erhalten.
Der Kraniosakralrhythmus wird langsamer. Spannungen des Therapeuten lösen sich. Er wird sensibler. Auch das Pferd kann bei einem völlig entspannten Therapeuten in den Alpha-Zustand gelangen.
Nur wenn sich der Therapeut leer macht, ist er wach und aufnahmefähig für die Information der Gewebe. Wir siedeln die Osteopathie, so wie wir sie anwenden, bei den energetischen Therapieformen an. Das bedeutet, dass auch die Energie von Kosmos und Erde in die Therapie mit einfließt. Der Therapeut ist der Kanal zwischen Kosmos und Erde und lässt die Energie zum Patienten fließen ( ▶ Abb. 3.1). Nicht seine eigene Energie ist die heilende Energie, sondern er ist nur der Kanal.
Abb. 3.1 Der Therapeut als Mittler zwischen Kosmos und Erde.
Zur Entspannung eignen sich z.B. Yoga, autogenes Training, Qi Gong und Entspannung nach Jacobson. Als besonders gut geeignet empfinden wir die Qi-Gong-Übungen. Viele dieser Übungen wirken positiv auf das Fasziensystem und lösen damit Spannungen des Therapeuten. Beim Qi Gong wird viel Wert auf die Haltung und die Atmung gelegt. Beides ist in der Pferde-Osteopathie wichtig.
Einfache Atemübung als Vorbereitung:
Sitzen Sie bequem. Hören Sie, wenn möglich, Entspannungs-Musik.
Schließen Sie die Augen, lassen Sie Ihren Atem fließen, nicht forcieren. Es geschieht von selbst.
Atmen Sie weich und tief in den Bauch ein. Spüren Sie, wie Sie beim Einatmen positive Energie aufnehmen.
Atmen Sie aus und lassen Sie das Ausatmen sanft in das nächste Einatmen übergehen.
Spüren Sie, wie sich Ruhe in Ihnen ausbreitet.
Spüren Sie, wie sich beim Ausatmen alle Spannung löst. Sie lassen los. Sie fühlen sich sicher, geborgen und geliebt. Licht, Ruhe und Energie breiten sich in Ihnen aus.
Atmen sie weiter weich und tief.
Verlängern und vertiefen Sie den Atem.
Lernen Sie, auf Ihre Wahrnehmung zu achten und ihr zu vertrauen. Versuchen Sie, sich nur auf das zu konzentrieren, was Sie in Ihren Händen spüren.
Zu Beginn der osteopathischen Behandlung ist es wichtig, Kontakt zum Pferd aufzunehmen. Der Therapeut sollte sich bewusst sein, dass er in die Aura des Pferdes eintritt. Der Therapeut sollte sich nicht sofort auf die zu behandelnden Strukturen „stürzen“, sondern erst ein Vertrauensverhältnis schaffen. Das Pferd begrüßen, es beim Namen nennen, ihm in die Augen schauen. Berührung, sanfte Massage am Hals und ein inneres Gespräch mit dem Tier gehören unbedingt zur Therapie. Pferde sollten in einer ihnen vertrauten Umgebung behandelt werden. In einer fremden Umgebung sind sie oft verspannt und unruhig, meist sogar ängstlich. Das Pferd sollte nicht durch das Halfter fixiert werden. Die Person, die das Pferd hält, hindert das Pferd am Weglaufen, lässt aber Bewegungen zu, denen der Therapeut folgt.
Nach der Vorbereitung und der Anamnese erfolgt die Palpation. Das Abtasten sollte für den Pferdeosteopathen selbstverständlich sein. Hierbei lassen sich viele Hinweise auf eventuell zugrunde liegende Ursachen finden ( ▶ Tab. 3.4). Aber auch dem Pferdebesitzer kann die Reaktion des Pferdes wichtige Hinweise geben.
Tab. 3.4
Wichtige Aspekte der Palpation.
Merkmale
Hinweis auf …
Wie fühlen sich die einzelnen Körperzonen an? Gibt es kalte oder warme Regionen?
Kälte deutet eher auf chronische Prozesse hin.
Wärme zeigt akute, entzündliche Prozesse.
Sind Verhärtungen oder Schwellungen zu spüren?
Verhärtungen können sowohl Myogelosen als auch Narben sein.
Schwellungen können durch Blutergüsse, Lymphansammlungen oder Insektenstiche entstehen.
Ist die Haut verschiebbar?
Durch „Rollen“ der Haut zwischen den Fingern können Veränderungen des Gewebes festgestellt werden. Unverschiebbare, verhärtete Stellen, die sich anfühlen, als seien sie fest mit dem darunterliegenden Gewebe verbunden, können auf Muskelverspannungen, Myogelosen, Faszienverklebungen, aber auch auf organische Ursachen hinweisen.
Palpation bedeutet Untersuchung durch Berührung. Osteopathie heißt, Berühren und Fühlen. Ohne diese Voraussetzungen ist eine osteopathische Therapie nicht möglich. Zuerst kommt die Berührung. Durch Berührung nehmen wir nicht nur Kontakt zum Körper und seinen Strukturen, sondern auch mit dem „Inneren“ des Patienten, mit seiner Seele auf. Wir lassen uns auf ihn ein. Sie sollte deshalb nicht mechanisch oder gar gedankenlos sein, sondern mit Respekt und liebevoller Zuwendung verbunden sein. Der Patient fühlt die Zuwendung und fasst Vertrauen, ohne das Heilung nicht möglich ist. Kinder entwickeln erst durch Berührungen der Haut eine Vorstellung vom „Ich“. Berührung ist Voraussetzung für die physische und psychische Entwicklung des Menschen. Die Untersuchung durch den Arzt erfolgte vor der Entdeckung von Röntgen und Labordiagnostik ausschließlich durch Inspektion und Palpation. In der Osteopathie ist diese Fähigkeit wieder gefragt.
Die Palpation der Muskulatur geschieht durch eher sanften bis mäßigen Druck der Fingerkuppen. Vergleichen Sie gesunde Stellen im Gegensatz zu Stellen mit verspannten Muskeln.
Grundsätzlich kann jeder Muskel betroffen sein. Beim Pferd zeigen sich Muskelprobleme vermehrt an folgenden Regionen:
Atlasbereich
Widerrist
Hals-Schulter-Region
rund um das Ellbogengelenk
Lenden-Kreuzbein-Bereich
Hüftgelenk
Hinterhandmuskulatur
Harte verspannte Kaumuskeln sind ein Hinweis auf ein blockiertes Kiefergelenk oder auf Probleme des 2. Halswirbels. Das Pferd nimmt dann bei der Arbeit das Gebiss nicht an.
Auch die Kibler-Falten-Palpation ist eine effektive Methode, Störungen im Muskel- und Bindegewebe festzustellen. Eine Hautfalte wird zwischen Daumen und Zeigefinger genommen und „gerollt“. Wenn dies nicht möglich oder schmerzhaft ist, deutet es auf Verklebungen zwischen Haut, Faszien und Muskulatur hin.
Triggerpunkte sind Stellen im Muskel, bei denen das Pferd bei Palpation mit Schmerz reagiert. Der Schmerz strahlt in andere Gebiete aus, die mit dem betreffenden Muskel nicht unbedingt in neurologischem Zusammenhang stehen müssen. Beim Pferd ist das Ausstrahlen nicht feststellbar. Trotzdem sprechen wir generell bei schmerzhaften Punkten von Triggerpunkten. Triggerpunkte können sich an jedem Teil des Muskels befinden. Meist findet man sie jedoch in Ansatz- oder Ursprungsnähe.
Die Palpation der Triggerpunkte geschieht mit festem Druck der Fingerspitzen oder des Daumens. Begonnen wird an gesunden Stellen mit mäßigem Druck, bis sich das Tier an die Untersuchung gewöhnt hat. Schmerzhafte Zonen finden sich häufig im Verlauf der Rücken- und Kruppenmuskeln.
Diagnosepunkte aus der klassischen Akupunktur können helfen, Ursachen für Probleme schnell zu finden ( ▶ Tab. 3.5 und ▶ Abb. 3.2).
Sie sind besonders geeignet, um Lahmheit und Schmerzen zu lokalisieren. Hierzu werden die Zustimmungspunkte, die Alarmpunkte und einige wenige andere Akupunkturpunkte verwendet. Bei Druckschmerz geben sie Hinweise auf die betroffenen Strukturen.
Als mögliche Reaktionen des Pferdes können leichtes Muskelzucken, Zurückschrecken von der Druckstelle und Einziehen des Rückens auftreten. Bei einem starken Schmerz will das Pferd den Therapeuten abschlagen oder beißen.
Tab. 3.5
Wichtige Diagnosepunkte der Wirbelsäule.
Akupunkturpunkt
betroffene Region/Erkrankung
Bl 10
Schmerz im Hinterbein der gegenüberliegenden Körperseite
Funktionsstörung im gleichseitigen Kopfgelenk
Bl 16
steife oder schmerzende Wirbelsäule
Hinweis auf eine chronische Blockierung des zervikothorakalen Übergangs
Bl 18
Probleme im Muskelbereich
Bl 19
entzündete, wunde Bänder
Lahmheit im Hüftgelenk durch Problem der Vor- oder Mittelhand, Seitwärtsbiegung schwierig
chronische Blockierung des zervikothorakalen Übergangs
Bl 20
Lahmheit im Knie- und Sprunggelenk
Spat
Probleme mit dem Bindegewebe
Bl 22
schmerzhafter Halswirbel
Hinweis auf mögliche Funktionsstörungen im Genitalbereich
Bl 24
schmerzhafter Brust- und Lendenwirbelbereich
Bl 25
Probleme im hinteren Vorderfußbereich (Sehnen, Bänder, Strahlbein, Hufbein)
evtl. Hinweis auf Erkrankung der gegenüberliegenden Vorhand, Verdacht erhärtet durch schmerzhaften Di 16
Schmerz der Kruppenmuskeln, Hinweis auf eine Blockierung des lumbosakralen Übergangs
Bl 28
verrenkter Halswirbel (meist kontralateraler Atlas)
Zerrung von M. semimembranosus und M. semitendinosus (Rückseite Oberschenkel), Blockierung des gleichseitigen Iliosakralgelenks
Bl 36 + Bl 37
Schmerzen im Kniebereich
Bl 39
Schmerzen im Sprunggelenksbereich
Ni 5
Schilddrüsenprobleme, Unfruchtbarkeit
Ni 23
schmerzhafter Brust- und Lendenwirbelbereich
schmerzhaftes Sprunggelenk
He 9
Probleme in hinteren Vorderfußbereich (Sehnen, Sesambein), oft mit Ängstlichkeit, Nervosität
Dü 9
lahme Schulter
Dü 16
Lahmheit der Hinterbeine
starke Muskelschmerzen
Dü 19
Problem im gleichseitigen Kiefergelenk
3E 14
lahme Schulter
3E 15
schmerzhaftes Unterstützungsband
blockierte Halsbasis
meist aber Probleme des gesamten Halses
3E 16
Ovulationsprobleme, Zysten, Hoden
KS 1
Huf- und Sohlenerkrankungen
KS 6
Ganglion stellatum
Ma 25
Magengeschwüre
Lu 1
Schmerz am Griffelbein, Karpalgelenk, Gleichbein
Abb. 3.2 Diagnosepunkte der Akupunktur. Bl – Blase, D – Dünndarm, 3E – Dreifacher Erwärmer, KS – Kreislauf-Sexualität, Ma – Magen, Ni – Niere, He – Herz, Lu – Lunge.
Der Muskeltest der Applied Kinesiology ist ein wertvolles Instrument, um Wirbel- und Beckenblockierungen exakt lokalisieren zu können. Über die verschiedenen Muskelreaktionen können zudem sowohl die Ursachen als auch die beste Therapieform festgestellt werden.
Der Reflexe Auriculocardiaque (RAC)
