Pflege von Menschen mit Multipler Sklerose - Halper - E-Book

Pflege von Menschen mit Multipler Sklerose E-Book

Halper

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Beschreibung

Halper und Holland bieten das umfangreichste und detailreichste Praxishandbuch für die Pflege von Menschen mit multipler Sklerose (MS). Es hilft, den Pflegebedarf von Menschen mit MS professionell einzuschätzen und zu erkennen, um Leiden zu lindern, Symptome zu behandeln und Risiken zu minimieren. Es bietet praxisorientiertes Wissen, um psychosoziale Folgen zu bewältigen, Kenntnisse und Fertigkeiten zu lernen, Funktionen wiederzuerlangen sowie Ressourcen und Fähigkeiten zu fördern.

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB
MOBI

Seitenzahl: 483

Veröffentlichungsjahr: 2014

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Halper/Holland (Hrsg.)

Pflege von Menschen mit Multipler Sklerose

Verlag Hans Huber

Programmbereich Pflege

Beirat

Angelika Abt-Zegelin, Dortmund

Jürgen Osterbrink, Salzburg

Doris Schaeffer, Bielefeld

Christine Sowinski, Köln

Franz Wagner, Berlin

June Halper

Nancy Joyce Holland

(Herausgeberinnen)

Pflege von Menschen mit Multipler Sklerose

Aus dem amerikanischen Englisch von Michael Herrmann

Deutschsprachige Ausgabe herausgegeben von Jörg Kraus

Verlag Hans Huber

June Halper. US-Hauptherausgeberin, MSN, APN-C, FAAN, MSCN

Nancy Joyce Holland. US-Zweitherausgeberin, EdD, RN, MSCN

Jörg Kraus. PD, Dr. med., leitender Oberarzt, Spezialambulanz für Multiple Sklerose, Stationäre Spezialeinheit für Neuroimmunologie und Neuroonkologie

Paracelsus Medizinische Privatuniversität

Christian Doppler Klinik, Universitätsklinik für Neurologie

Ignaz-Harrer-Str. 79

AT-5020 Salzburg

E-Mail: [email protected]

Lektorat: Jürgen Georg, Silvan Schmid, Lisa Schmidt

Herstellung: Jörg Kleine Büning

Titelillustration: pinx. Winterwerb und Partner, Design-Büro, Wiesbaden

Satz: punktgenau gmbh, Bühl

Druck und buchbinderische Verarbeitung: AALEXX Buchproduktion GmbH, Großburgwedel

Printed in Germany

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Angaben sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar.

Dieses Werk, einschließlich aller seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung außerhalb der engen Grenzen des Urheberrechtes ist ohne schriftliche Zustimmung des Verlages unzulässig und strafbar. Das gilt insbesondere für Kopien und Vervielfältigungen zu Lehr- und Unterrichtszwecken, Übersetzungen, Mikroverfilmungen sowie die Einspeicherung und Verarbeitung in elektronischen Systemen.

Die Verfasser haben größte Mühe darauf verwandt, dass die therapeutischen Angaben insbesondere von Medikamenten, ihre Dosierungen und Applikationen dem jeweiligen Wissensstand bei der Fertigstellung des Werkes entsprechen.

Da jedoch die Pflege und Medizin als Wissenschaften ständig im Fluss sind, da menschliche Irrtümer und Druckfehler nie völlig auszuschließen sind, übernimmt der Verlag für derartige Angaben keine Gewähr. Jeder Anwender ist daher dringend aufgefordert, alle Angaben in eigener Verantwortung auf ihre Richtigkeit zu überprüfen.

Die Wiedergabe von Gebrauchsnamen, Handelsnamen oder Warenbezeichnungen in diesem Werk berechtigt auch ohne besondere Kennzeichnung nicht zu der Annahme, dass solche Namen im Sinne der Warenzeichen-Markenschutz-Gesetzgebung als frei zu betrachten wären und daher von jedermann benutzt werden dürfen.

Anregungen und Zuschriften bitte an:

Hogrefe Verlag

Lektorat: Pflege

Länggass-Strasse 76

CH-3000 Bern 9

Tel: 0041 (0)31 300 45 00

Fax: 0041 (0)31 300 45 93

[email protected]

www.hogrefe.ch

Das vorliegende Buch ist eine Übersetzung aus dem Amerikanischen. Der Originaltitel lautet «Comprehensive Nursing Care in Multiple Sclerosis» von June Halper und Nancy Joyce Holland.

© 2011. Springer Publishing Company, New York

© der deutschsprachigen Ausgabe 2014 by Hogrefe Verlag, Bern

1. Auflage 2014. Hogrefe Verlag, Bern

(E-Book-ISBN_PDF 978-3-456-95285-8)

(E-Book-ISBN_EPUB 978-3-456-75285-3)

ISBN 978-3-456-85285-0

Inhaltsverzeichnis

Inhaltsverzeichnis

Widmung

Geleitwort

Einleitung

Teil I

Einführung in die Multiple Sklerose

1 Multiple Sklerose im Überblick

June Halper und Nancy Joyce Holland

Einleitung

Epidemiologie, Inzidenz und Prävalenz

Pathologie und Ätiologie der MS

Krankheitsverlauf

Domänen der Pflege bei MS

Das Wellness-Modell in der MS-Pflege

Pflege- und Versorgungsabläufe bei MS: Wo Pflegende pflegen

Settings der Akutversorgung

Rehabilitation

Comprehensive Care

Häusliche Pflege und Versorgung

Langzeitpflege und -versorgung

Den Herausforderungen der MS-Pflege begegnen

Literatur

Weiterführende Literatur

2 Integration des Konzepts Hoffnung in die klinische Praxis

Linda A. Morgante †

Einleitung

Hintergrund

Eigenschaften, die Hoffnung unterstützen

Hoffnung und Hoffnungslosigkeit

Fallstudien

Lisa

Analyse des Falls von Lisa

Mary

Analyse des Falls von Mary

Barbara

Analyse des Falls von Barbara

Joan

Analyse des Falls von Joan

Kando

Analyse des Falls von Kando

Schlussfolgerung

Literatur

3 Edukation des Patienten und seiner Familie

June Halper und Nancy Joyce Holland

Einleitung

Faktoren der Patientenedukation

Die Perspektive der Rollenentwicklung im Laufe des Lebens

Das Shifting Perspectives Model of Chronic Illness

Das Internet

Eine Untersuchung des Lernens und der MS

Literatur

4 Fürsprache für den Patienten mit MS

Dorothy E. Northrop

Einleitung

Die Pflegeperson als FürsprecherIn

Krankenversicherung

Lebensplanung und rechtliche Verfügungen

Vorausverfügung

Vollmacht

Testament

Trust

Anspruchsberechtigungen

Interdisziplinäre Intervention

Worauf es ankommt

Fürsprache in der öffentlichen politischen Arena

Literatur

Teil II

Management der Krankheit und ihrer Symptome, Fördern gesunden Copings

5 Kulturell kompetente Pflege und Versorgung

June Halper

Einleitung

Das Konzept des Medical Home

Kulturell kompetente Pflege und Versorgung

Die Kultur der Behinderung

Schlussfolgerung

Literatur

6 Management und Minimieren von Symptomen

Randall T. Schapiro und Diana M. Schneider

Einleitung

Symptome der Multiplen Sklerose

Management der Multiplen Sklerose

Spastik

Dehnen und Übungen des Bewegungsumfangs

Mechanische Hilfsmittel

Medikamente

Physikalische Interventionen

Botulinumtoxin

Baclofen-Pumpe (Baclofen intrathekal)

Chirurgische Verfahren

Tremor

Medikamentöse Behandlung eines Tremors

Sonstige Formen der Behandlung eines Tremors

Gleichgewicht

Paresen

Fatigue (übermäßige Erschöpfung)

Gehen

Immobilität verhindern

Schmerz

Schlafstörungen

Sprech- und Schluckbeschwerden

Sehen

Leichter Schwindel und Drehschwindel

Krampfanfälle

Gewichtszunahme

Taubheitsgefühl

Kalte und marmorierte Füße

Knöchelödeme

Lungenprobleme

Gute Gesundheit

Weiterführende Literatur

7 Management von Ausscheidungsstörungen

Marie A. Namey

Einleitung

Blasenmanagement

Normale Blasenanatomie und -funktion

Probleme bei Multipler Sklerose

Diagnose der Blasenfunktionsstörung

Weitere Untersuchungen der Blasenfunktion

Interventionen für das Blasenmanagement

Operative Verfahren

Darmmanagement

Normale Darmfunktion

Diagnosen von Ausscheidungsstörungen

Obstipation

Diarrhö

Stuhlinkontinenz

Literatur

8 Umgang mit Risikofaktoren aus dem gesamten Krankheitsspektrum

Colleen Harris

Einleitung

Ernährung bei Multipler Sklerose

Flüssigkeitszufuhr

Schluckstörungen

Lungenkomplikationen

Harnwegsinfekte

Spastik

Osteoporose

Hautpflege

Literatur

9 Integration der Komplementär- und Alternativmedizin ins Symptommanagement

Patricia M. Kennedy

Komplementär- und Alternativtherapien und Multiple Sklerose

Diät

Pflanzliche Mittel und Nahrungsergänzungsmittel

Vitamine und Mineralstoffe

Nichtbiologische Therapien

Literatur

10 Umgang mit psychosozialen Aspekten

Nicholas G. LaRocca und Rosalind C. Kalb

Einleitung

Auswirkungen der MS auf Individuum und Familie

Die Rolle der Pflegeperson

Ziel dieses Kapitels

Emotionale Belastungen bei MS

Stress

Ungewissheit und Unkalkulierbarkeit

Verleugnung und Anpassung

Trauer und Depression

Emotionale Unausgeglichenheit und Persönlichkeitsveränderung

Stimmungsschwankungen

Emotionale Labilität

Pseudobulbäraffekt

Anweisungen, die akzeptiert werden

Kognitive Veränderungen

Gedächtnis

Denken und Urteilsvermögen

Weitere kognitive Veränderungen

Verlauf der Störungen kognitiver Funktionen

Intervention

Auswirkungen der MS auf die Familie

Gegensätzliche Coping-Strategien

Rollenveränderungen

Gemeinsame Trauer

Kommunikationsverhalten in der Familie

Fragen der elterlichen Fürsorge

Herausforderungen für Pflegende

Emotionale Reaktionen auf die Arbeit mit jungen, zunehmend behinderten Patienten

Der abhängige und fordernde Patient mit MS

Unterweisen von Patienten mit Gedächtnisstörungen in Selbstversorgungsfertigkeiten

Literatur

Weiterführende Literatur

11 Sexualität würdigen und Familienplanung umsetzen

Rosalind C. Kalb

Einleitung

Erkennen und Managen MS-bedingter sexueller Probleme

Primäre sexuelle Funktionsstörungen – Definition

Behandlung primärer sexueller Funktionsstörungen

Veränderungen der Libido

Veränderungen der Sensibilität

Verminderte Lubrikation der Scheide

Erektile Dysfunktion

Sekundäre sexuelle Funktionsstörung – Definition

Behandeln der sekundären sexuellen Funktionsstörung

Spastik

Blasen- und Darmstörungen

Fatigue

Schmerzen

Kognitive Beeinträchtigung

Nebenwirkungen von Medikamenten

Tertiäre sexuelle Funktionsstörung – Definition

Behandeln der tertiären sexuellen Funktionsstörung

Familienplanung

Der genetische Faktor bei Multipler Sklerose

Fertilität

Auswirkungen der MS auf Schwangerschaft, Entbindung und Stillzeit

Auswirkungen von Schwangerschaft und Entbindung auf die MS

Auswirkungen des Stillens auf die MS

Multiple Sklerose und Elternschaft

Schlussfolgerung

Literatur

12 Pädiatrische Patienten mit der Diagnose MS

Jennifer R. Boyd und Maria C. Milazzo

Einleitung

Diagnostische Herausforderungen bei pädiatrischer MS

Überlegungen zur Entwicklung

Herausforderungen bei der Behandlung

Behandlung von Schüben

Krankheitsmodifizierende Therapien

Initiieren krankheitsmodifizierender Therapien

Therapien der zweiten Wahl

Symptommanagement

Therapieadhärenz

Psychosoziale Belange

Unterstützen von Kindern und Jugendlichen

Informationsbezogene Unterstützung

Emotionale Unterstützung

Unterstützen der Eltern

Enthüllen der Diagnose gegenüber Dritten

Schulbesuch

Kognitive Probleme

Anpassungen des Schulprogramms

Fördern einer gesunden Lebensweise

Der Übergang zum Erwachsenenalter

Ressourcen für Familien

Literatur

Teil III

Verbessern der Ergebnisse

13 Kooperation mit dem Reha-Team

Patricia M. Kennedy

Einleitung

Definition der Rehabilitation

Die Ziele der Rehabilitation

Das Reha-Team – ein interdisziplinärer Ansatz

Pflegeperson

Facharzt für physikalische und rehabilitative Medizin

Physiotherapeut

Ergotherapeut

Logopäde

Sozialarbeiter

Psychologe

Freizeittherapeut

Berater für berufliche Rehabilitation

Weitere Angehörige des Teams

Interaktion im Team

Mobilitätshilfen und andere adaptive Ausrüstung

Forschungsstudien

Die Rolle der Pflegeperson in der Rehabilitation

Case-Management

Physisches Assessment

Psychologisches Assessment

Kognitives Assessment

Soziales Assessment

Assessment und Beitrag der Familie

Assessment der Kommunikation

Berufliches und Produktivitätsassessment

Freizeitassessment

Sichten der Patientenakte

Beiträge kommunaler Einrichtungen

Entlassungsplanung

Schlussfolgerung

Literatur

Weiterführende Literatur

14 Maximieren der Wirksamkeit von Medikamenten

Aliza Bitton Ben-Zacharia

Einleitung

Das Konzept der Frühbehandlung

Klinisch isoliertes Syndrom

Radiologisch isoliertes Syndrom

Klinisch manifeste MS

Langzeitbehandlung und das Konzept der Adhärenz

Umstellen krankheitsmodifizierender Therapien

Kombinationen krankheitsmodifizierender Therapien

Verbessern der Lebensqualität durch realistische Erwartungen

Maximieren des Symptommanagements bei MS

Zusammenfassung

Literatur

Teil IV

Spezifische Ressourcen

Anhang A – Umgang mit Ressourcen

Nancy Clayton Reitman

Einleitung

Literaturverzeichnis

Fachbücher

Sachbücher/Ratgeber

Adressen- und Linkverzeichnis

Anhang B – MS-Schübe und -Symptome: Medikamentenübersicht

Herausgeberinnen, Autorinnen und Autoren

Herausgeberinnen

Autorinnen und Autoren

Abkürzungsverzeichnis

Sachwortverzeichnis

Bücher aus verwandten Sachgebieten

Widmung

Wir widmen die dritte Auflage dem Gedenken an Linda A. Morgante, deren liebevolles Vermächtnis der Fürsorge und Hoffnung in der Seele ihrer Angehörigen, Freunde, Kollegen und Studenten sowie der Patienten und ihrer Familien nachhallt. Ihre Hoffnung auf morgen ist noch immer in jedem von uns lebendig.

Geleitwort

Die Multiple Sklerose (MS) ist eine chronische, entzündliche und demyelinisierende Erkrankung des Zentralnervensystems (ZNS), bei der es zu Axondegeneration und allmählichen neurologischen Funktionsverlusten kommt. Sie hat beträchtliche Auswirkungen auf das Leben von Menschen mit dieser Erkrankung und deren Familien. Neure Fortschritte bei der Klärung der Immunpathologie und im Management der MS haben dieses Gebiet der Pflege und Versorgung dynamisiert und anspruchsvoll gemacht.

In den acht Jahren seit Erscheinen der zweiten Auflage des vorliegenden Buches hat sich die Rolle der Pflegenden als unterstützende Betreuungsperson um die der Schulenden und Forschenden sowie der Patientenfürsprecherin erweitert. Pflegende stehen vor der Herausforderung, über das traditionelle Symptommanagement hinauszugehen und den Patienten und seine Familie darin zu unterstützen, sich mit Aspekten wie den psychischen Auswirkungen der Erkrankung, der Risiko-Nutzen-Evaluation neuer Therapien und Verhandlungen mit dem Gesundheitsversorgungssystem zu beschäftigen.

Am Anfang dieses Buches steht eine umfassende Übersicht über MS, beginnend mit einer Fallstudie. Dieser realistische Ansatz ermöglicht es dem Leser, sich mit den Dingen zu identifizieren, denen Pflegende täglich gegenüberstehen. Aktuelle Informationen zur Pathophysiologie und Epidemiologie der MS werden besprochen und der Leser wird bezüglich der aktuellen diagnostischen Kriterien sowie der Pflege- und Versorgungsschemata bei MS auf den neuesten Stand gebracht. Besondere Betrachtung erfährt ein Wellness-Modellansatz in der Pflege und Versorgung von Menschen mit MS. Das Implementieren des Konzepts Hoffnung in die Praxis beschreibt, wie Pflegende jetzt in einer Position sind, dieses Konzept in das klinische Management einer früher als hoffnungslos geltenden Krankheit zu integrieren. Indem sie als Fürsprechende für Patienten und deren Familien agieren, können Pflegende den Patienten befähigen, sich im heutigen komplexen Gesundheitsversorgungssystem zurechtzufinden. Die International Organization of MS Nurses (IOMSN) bezeichnet Fürsprache für Patienten formell als organisatorische Verantwortlichkeit. Sie sieht in Fürsprache eine fundamentale Rolle der auf MS spezialisierten Pflegeperson und eine Verpflichtung, die von allen im Laufe der Zeit an der Unterstützung von Patienten mit MS beteiligten Gesundheitsfachpersonen geteilt werden muss. Dieser Ansatz umfasst voll und ganz das für das Leben von Patienten mit MS so wichtige Konzept Hoffnung.

Heutzutage haben Patienten mit MS vermehrt Zugang zu Informationen über die Krankheit, und zwar aus vielen Quellen, darunter auch dem Internet. Die Pflegeperson steht in ihrer Rolle als Schulende zunehmend vor der Aufgabe, Patienten zu helfen, die von ihnen gesammelten Informationen zu verstehen und deren Glaubwürdigkeit zu evaluieren.

Im Zentrum von Teil II des Buches stehen das Management der Erkrankung und ihrer Symptome sowie die Förderung eines gesunden Copings. Neben der umfassenden Übersicht über das aktuelle Symptommanagement enthält dieser Teil neue Kapitel. Eingehend wird die Integration der Komplementär- und Alternativmedizin in die Praxis behandelt. Zunehmend beobachten Pflegende, wie Patienten mit MS auf der Suche nach weiteren Optionen die Komplementär- und Alternativmedizin nutzen, um ihnen im Umgang mit ihren Symptomen und in der Lebensführung zu helfen. Auf MS spezialisierte Pflegende müssen in den verschiedenen Komplementär- und Alternativtherapien auf dem Laufenden bleiben, um ihre Patienten besser zu schulen und besser für sie sprechen zu können. In einem weiteren neuen Kapitel wird die Gruppe betroffener Kinder besprochen. Mit wachsendem Einblick in die Pathologie der Erkrankung und zunehmenden diagnostischen Möglichkeiten stehen wir allesamt speziellen Populationen, darunter auch Kindern, gegenüber. In diesem Kapitel werden ausführlich Themen wie Eigenheiten der Entwicklung und Probleme der Behandlung betrachtet, die für diese Population spezifisch sind.

Ergebnisse der Pflege und Versorgung sowie des Managements von Menschen mit MS haben in der heutigen Gesundheitsversorgung hohe Priorität. Schwerpunkte dieses Abschnitts sind die Rehabilitation, der Umgang mit Ressourcen sowie die Maximierung der Wirksamkeit medikamentöser Therapien. Eine umfassende pharmakologische Übersicht erlaubt dem Leser, den Umgang mit Schüben und Symptomen genauer zu betrachten. In den Anhängen finden sich Ressourcen (Anhang A) sowie eine Aufstellung verschiedener medikamentöser Therapien (Anhang B).

Dieses Buch unterscheidet sich von anderen über MS insofern, als darin gängige Themen betrachtet werden, denen Patienten, ihre Familien und in der Pflege und Versorgung Tätige in einer Zeit globaler Unsicherheit und der Besonderheiten und Veränderungen des sozialen Netzes täglich gegenüberstehen. Die Prävention von Komplikationen bei Behinderten, Rehabilitationsansätze im Krankheitsmanagement und Frauenthemen werden zusammen mit den aktuellen Implikationen für die Pflege untersucht. Von besonderem Nutzen ist dabei der Fallstudienansatz, um die reale Welt von MS-Herausforderungen zu beleuchten.

Das vorliegende Werk ist eine interdisziplinäre Leistung zahlreicher Fachleute aus der Gesundheitsversorgung, herausgegeben von June Halper und Nancy J. Holland. Deren jahrelange Erfahrung auf dem Gebiet der MS und ihr Einsatz für die MS-Pflege werden in jedem Kapitel deutlich. Dieses Buch repräsentiert den aktuellen Stand der Pflege und Versorgung von Patienten mit MS und ihren Familien. Es wird allen Pflegenden, die sich um Patienten mit MS und deren Familien kümmern, eine unübertroffene Ressource sein. Ich danke Ihnen, June und Nancy, für die Aktualisierung dieses wunderbaren Beitrags zur Literatur über MS.

Amy Perrin Ross, APN, MSN, CNRN, MSCN

Neuroscience Program Coordinator

Loyola University Medical Center

Maywood, IL

Einleitung

Willkommen zur dritten Auflage des vorliegenden Buches, eines Werkes, das im vergangenen Jahrzehnt parallel zu den Veränderungen, die wir in unserem Beruf gesehen haben, gewachsen ist. Als dieses Buch zum ersten Mal verfasst wurde, kam es in der Welt der Multiplen Sklerose (MS) gerade zu einem bedeutsamen Wandel. Ausgehend von einer Krankheit, die strikt als neurologisches Problem gesehen wurde, erfuhren wir nach und nach etwas über die immunologischen Ursprünge der Grunderkrankung. Von einem medizinischen Modell mit Neurologen als Vorreitern wurde die MS zu einem Schwerpunkt für Pflegende, Reha-Spezialisten, Beratern und Fürsprechern. Die Herausgeberinnen hatten die Ehre, an diesen Veränderungen teilzuhaben und sind nun der Ansicht, diese vorliegende Ausgabe bedürfe eines neuen Schwerpunkts, und zwar auf unserem neuen Verständnis von MS und den neuen, für MS-Fachpflegende entstehenden Verantwortlichkeiten. Auch glauben wir, dass es an der Zeit ist, einen konzeptionellen Bezugsrahmen der MS-Pflege zu präsentieren, und zwar einen, der die zahlreichen Rollen und Verantwortlichkeiten umfasst, die uns bei unserer Arbeit in Anspruch nehmen und Leitmotiv für unsere Pflegeaktivitäten sein könnten.

Den Boden bereiten für Linda A. Morgantes konzeptionellen Bezugsrahmen der Hoffnung

Die verstorbene Linda A. Morgante trat mit all ihren Pflegeaktivitäten bei MS für das Konzept Hoffnung ein. In ihrem Büro hatte sie einen «Krug der Hoffnung» den ihre Patienten bei den Konsultationen bei ihr berührten. Sie brachten auch Hoffnungssteine für Lindas Sammlung mit. Linda hielt weltweit Vorlesungen über dieses Konzept und veröffentlichte mehrere Artikel, in denen dieser konzeptionelle Bezugsrahmen angewandt wurde. Sie glaubte, Pflegende müssten sich auf positive und dennoch realistische Ergebnisse von Aktivitäten im Umgang mit MS konzentrieren, um Patienten und deren Familien erfolgreich zu helfen. Ihrer Philosophie nach war das Glas eher halbvoll als halbleer. Weltweit inspirierte sie ihre Mitpflegenden, die Mitglieder ihres MS-Teams und, was das Wichtigste war, ihre Patienten und deren Familien.

Die Herausgeberinnen haben das vorliegende Werk neu konzipiert und dabei diesen wunderbaren Bezugsrahmen aufgenommen, um das Andenken an die verstorbene Linda A. Morgante zu ehren und zu wahren. Die neue Ausgabe ist so ausgelegt, dass dieser Bezugsrahmen in jedes Kapitel integriert wird, um unseren Lesern praktische Anwendungen dieses Modells im professionellen Handeln zu vermitteln. Diese neue Sichtweise der MS ist sowohl dem Konzept als auch der Realität angemessen. Als die Autorinnen und Autoren mit ihrer MS-Pflege begannen, konzentrierte sich berufliches Handeln noch auf Symptommanagement, Reha-Leistungen (soweit verfügbar) und einen ziemlich düsteren Ausblick auf das Fortschreiten der Krankheit. Während des vergangenen Jahrzehnts hat sich in der Welt der MS ein breites Spektrum an Behandlungsoptionen eröffnet, international konzentrierte man sich auf MS-bezogene Forschung, Pflege und Versorgung und die Anzahl der auf MS spezialisierten Pflegenden nahm zu. Die Autorinnen und Autoren haben den Inhalt dieses Buches neu konzipiert, damit er sich mit einer neuen und positiveren Philosophie der MS-Pflege und -Versorgung und der MS-Forschung deckt. Wir hoffen, dass dieses neue Pflege- und Versorgungsmodell unseren Lesern eine neue Sichtweise der MS vermittelt, die zu ihrem beruflichen Handeln beiträgt und Patientenergebnisse über das gesamte Krankheitsspektrum hinweg verbessert.

June Halper, MSN, APN-C, FAAN, MSCN

Nancy Joyce Holland, EdD, RN, MSCN

Teil I

Einführung in die Multiple Sklerose

1 Multiple Sklerose im Überblick

June Halper und Nancy Joyce Holland

Fallstudie ...

Janet, eine 21-jährige, alleinstehende Frau, kommt mit anamnestisch bekannter Optikusneuritis und anhaltenden Gesichtsschmerzen in die Praxis ihres Neurologen. In der Notaufnahme des nahegelegenen Krankenhauses war sie vom Notarzt und von einem Neurologen untersucht worden. Zusammen mit Blutuntersuchungen wurde ein MRT angeordnet. Sie erhielt intravenös Medikamente und man sagte ihr, sie möge sich von ihrem Neurologen weiterbehandeln lassen. Sie ist sehr ängstlich und versteht den Grund dieser Konsultation nicht. Sie ist sehr verängstigt, weil man ihr weder die Testergebnisse erläutert noch die Bedeutung ihrer Symptome erklärt hat.

Einleitung

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

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