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Das Buch "Planet Centered Innovation" gewährt einen Einblick in die Welt der nachhaltigen Innovation. Zwei grundlegende Perspektiven werden dargelegt, die sich gegenseitig ergänzen und unterstützen: die transformative Kraft der Innovation in Richtung mehr Nachhaltigkeit und die Rolle der Nachhaltigkeit als Treiber für Innovation. Diese Zusammenführung impliziert eine Schlussfolgerung, dass sich Innovation und Nachhaltigkeit gegenseitig unterstützen und verstärken. Von den grundlegenden Prinzipien der Nachhaltigkeit bis hin zu einem planetenzentrierten Innovations- und Investitionsansatz führt dieses Werk den Leser durch die vier Phasen des planetenzentrierten Innovationsprozesses: Sustainability, Feasibility, Desirability und Viability. Nicht nur auf theoretische Grundlagen beschränkt, gewährt das Buch praxisnahe Einblicke von renommierten Unternehmen wie Hansgrohe, Bosch, Vaude, Meiko und mutigen Gründern und Professoren, die bereits erfolgreich nachhaltige Innovationen vorantreiben. Es verdeutlicht, wie selbst kleine Teams Großes bewirken können, vermittelt Schlüsselkompetenzen für nachhaltige Innovationen und beleuchtet die entscheidende Rolle von Leadership und Unternehmenskultur, ebenso wie die Bedeutung von Impact Venture-Investments. Der Abschnitt zu GreenTech wirft einen Blick auf aufstrebende Technologiebereiche, die maßgeblich für die grüne Transformation unserer Wirtschaft und Gesellschaft sind und unser Leben in Zukunft prägen werden. Das Buch schließt mit einem nachdrücklichen Aufruf, Nachhaltigkeit als Innovationsmotor und Komplexitätsfilter zu nutzen. Hier wird verdeutlicht, wie eine konsequente Ausrichtung auf nachhaltige Projekte die Klarheit, Struktur und Sinnhaftigkeit im Innovations- und Projektportfolio steigert und sogar als treibende Kraft für Prosperität dienen kann. "Planet Centered Innovation" ist mehr als ein Leitfaden für nachhaltige Innovationsstrategien – es ist eine inspirierende Quelle für Macher, die nicht nur ihre unternehmerische Verantwortung gegenüber der Gesellschaft und Umwelt ernst nehmen, sondern auch die Zukunftsfähigkeit ihres Unternehmens erfolgreich und nachhaltig gestalten möchten. Nachhaltiges Handeln und wirtschaftlicher Erfolg dürfen sich nicht ausschließen. Angesichts der Dringlichkeit können wir nicht darauf warten, dass sich neue Wirtschaftsmodelle und Innovationsmethoden durch den politischen und gesellschaftlichen Druck in der Unternehmenswelt etablieren. Wir müssen vor die Welle kommen. Dieses Buch fungiert daher als Prototyp, nicht perfekt, aber mit dem Ziel, so viele Innovatoren und Führungskräfte wie möglich rasch zum Umdenken und Handeln zu inspirieren. Jetzt ist der Moment, sein Wissen zu teilen, um die bevorstehenden Herausforderungen gemeinsam zu meistern. Let´s innovate for Sustainability.
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Seitenzahl: 233
Veröffentlichungsjahr: 2025
Steffen Erath
planet centered
innovation
Nachhaltigkeit als Innovationstreiber
Ein Wegweiser für Unternehmenslenker, Innovatoren
und Gründer für das grüne Jahrzehnt
»Kreativität ist,
sich neue Dinge auszudenken.
Innovation ist,
neue Dinge zu tun. «
(Theodore Levitt, Wirtschaftswissenschaftler)
Innovatoren sind Problemlöser und lieben nichts mehr als handfeste Herausforderungen. Nach 20 Jah-ren Design Thinking und Lean Startup ist es an der Zeit, die wirklich relevanten Probleme anzugehen – und davon haben wir heute mehr als genug.
Wenn wir die planetaren Probleme als Ausgangspunktunserer Innovationsreise betrachten, dann können wir mit der Kraft der Innovation Gutes tun und gleich-zeitig die Zukunftsfähigkeit unserer Unternehmen sichern. Nachhaltigkeit wird dann zum strategischen Innovationssuchfeld und die Wirtschaft zum Motor der grünen Transformation.
Genau darum geht es beim planetenzentrierten Inno-vieren. Nachhaltigkeit ist weit mehr als CSRD, CCFund Klimaneutralität. Nachhaltigkeit ist der Innova-tionstreiber unserer Zeit.
Let´s Innovate for Sustainability!
Inhaltsverzeichnis
Vorwort 9
Let’s innovate for sustainability 12
Einleitung 14
Innovation kurz zusammengefasst 19
Innovationsarten 20
Das Innovationsportfolio 23
Das 3-Horizons-Modell 26
Technology-Push- und Market-Pull-Innovationen 27
Nachhaltigkeit kurz zusammengefasst 30
Der Brundtland-Bericht 31
ESG 33
Corporate Sustainability Reporting Directive 33
EU-Taxonomie 34
Die Triple Bottom Line 35
Die Donut-Ökonomie 37
Science Based Targets 40
Klimaneutralität 41
Industry Insight:Bosch Climate Solutions 42
Der ökologische Fußabdruck 44
Circular Economy 46
Cradle to Cradle 47
Nachhaltige Lieferketten 48
Industry Insight:VAUDE 49
Nachhaltiges Design 51
Die EKS-Strategie 54
Der Sustainable Innovation Sweet Spot 57
Der planetenzentrierte Innovationsansatz 62
Lean Innovation 67
PoC – Proof of Concept 69
Pretotyping 70
Prototyping 71
Preto Selling 72
MVP – Minimal Viable Product 73
Proto Selling 73
Planet Centered Innovation Canvas 76
Phase 1: Nachhaltigkeit – Sustainability 79
Industry Insight:Bosch Quigo Green 80
Die Sustainable Development Goals 87
Planetare Probleme 89
Envisioning 95
Industry Insight:Green Vision von Hansgrohe 96
Backcasting 100
The Problem Disc 102
Der Knowledge Square 103
Planet Centered User Journey 105
Planetare Personas 107
Planetary Problem Profile 109
Phase 2: Machbarkeit – Feasibility 111
Technologiescreening 113
Biomimicry 114
Circular Business Model Innovation 115
Freedom-To-Operate-Recherche 117
Technological Solution Canvas 119
Phase 3: Wünschbarkeit – Desirability 121
Value Proposition Design 124
Umweltgerechte Produktgestaltung 125
Industry Insight:EcoDesign-Kriterien von Hansgrohe 127
Cambridge Sustainable Design Strategy Cards 129
Biophilic Design 132
Nudging – Design für Verhaltensänderungen 133
Industry Insight: Coolstart-Technologie von Hansgrohe 135
Customer Profile Canvas 136
Phase 4: Wirtschaftlichkeit – Viability138
Lean Testing 139
Pricing 143
Die Innovations-Adoptions-Kurve 144
Geistiges Eigentum 146
Zulassungen und Zertifizierungen 147
Pep – Produktentstehungsprozess 148
Product-Planet Fit 149
Industry Insight:Sustainability Diamond von Hansgrohe 150
Validierter Planet Centered Innovation Canvas 153
Thriving Mindset157
Leadership 158
Ambidextrie 163
Kleine Teams bewirken Großes 164
Skills: Von T zu π-Shaped Skillset 165
Diversität 167
Insight:Vinisha Umashankar 168
Haltung 171
Lernen durch Experimentieren 172
Industry Insight:Innovationsprozess von Hansgrohe 173
Unternehmenskultur 177
Industry Insight:Green Company Team von Hansgrohe 179
Organisatorische Verankerung 181
Key Learnings kurz zusammengefasst 182
Planetenzentrierte Venture Investments 185
Corporate Venture Capital 187
Impact Investing 192
Venture Clienting 199
Accelerator 200
Insight:WFP Innovation Accelerator 201
Mergers & Acquisitions 204
Green Tech – Aufstrebende Technologien 206
Biotechnologie 207
Ocean Tech 208
Grüne Energien 210
Industry Insight:MEIKO 211
Grüner Wasserstoff 215
Energiespeicherung 216
C02-Abscheidung und -Speicherung 217
Urban Mining 218
Industry Insight:VAUDE Altreifen-Upcycling 220
Nachhaltiges Bauen 223
Urbane und vertikale Landwirtschaft 224
Wassertechnologien 225
Industry Insight:AquaCycle von Hansgrohe 226
Künstliche Intelligenz 229
Industrie 5.0 232
Schlusswort 236
Autor 243
Dank 244
Literatur 247
Abbildungsverzeichnis 248
Templates zum Ausprobieren 250
Impressum 256
Wasser für alle.
Die Einnahmen des Autors aus dem Verkauf dieses Buches
fließen zu 100 Prozent in die Projektarbeit von Viva con Agua.
Steffen Erath
planet centered
innovation
Nachhaltigkeit
als Innovationstreiber
Ein Wegweiser für Unternehmenslenker,
Innovatoren und Gründer für das grüne Jahrzehnt
Für Tiago, Pepe und Paco,
die nächste Generation.
9
Vorwort
Nachhaltigkeit ist ein verzwicktes Problem. Es ist schwer zu erkennen, zu defi-nieren und zu lösen. Es ist gesellschaftlich komplex, hat keinen eindeutigen Endpunkt und ist mit vielen Abhängigkeiten verbunden. Verzwickte Probleme können nie vollständig bewältigt werden, schon gar nicht durch eine einzelne Person oder Organisation. Bei dem Versuch, sie zu lösen, schaffen wir oft neue Probleme. Um Nachhaltigkeit durch Innovation zu erreichen, muss der menschliche Einfallsreichtum eine systemische Perspektive einnehmen, die auf echten Wandel abzielt.
Somit müssen wir anders als bisher vorgehen. Wir können nicht einfach mit denselben Modellen wie in der Vergangenheit innovieren. Dies hat vier wesentliche Gründe: Erstens kann die Nachhaltigkeitstransformation nicht durch inkrementelle Innovation erreicht werden. Zwar ist die überwiegende Mehrheit der Innovationen inkrementeller Natur, da bestehende Geschäfts-modelle hierbei nicht geändert werden. Nachhaltigkeitsinnovationen erfor-dern jedoch eine disruptive Veränderung beziehungsweise eine radikale Innovation, wenn sie einen echten Wandel bewirken sollen. Dies bedeutet oft auch eine Änderung der zugrunde liegenden Geschäftsmodelle, sei es bei den Produktionsmethoden, der Zusammenarbeit mit Lieferanten oder dem Konsumverhalten.
Zweitens müssen nachhaltige Innovationen in alle Produkte und Prozesse des Unternehmens integriert werden. Isolierte Nachhaltigkeitsinnovationen werden wahrscheinlich nicht die erforderliche große Wirkung erzielen. Dies wirft die Frage auf, wie Pilotprojekte für Nachhaltigkeitsinnovationen durch-geführt werden können und wie solche Projekte später in das gesamte Unter-nehmen integriert werden können.
Drittens erfordert Nachhaltigkeitsinnovation einen Kulturwandel in Bezug auf Innovation. Organisationen brauchen einen anderen Ansatz, der nicht nur nutzerzentrierte Innovation durch Market Pull oder unternehmenszentrierte Innovation durch Technology Push in Betracht zieht. Vielmehr müssen wir die großen planetarischen und gesellschaftlichen Herausforderungen berück-sichtigen und überlegen, wie Innovation diesen begegnen kann. Da solche Probleme oft systemischer Natur sind, sind sie viel schwieriger zu lösen als nutzer- oder unternehmenszentrierte Herausforderungen.
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Viertens befindet sich Nachhaltigkeitsinnovation in einer Zwickmühle, die ich als »Wunderwaffen-Dilemma« bezeichne. Während herkömmliche Wirtschafts-modelle vorschlagen, dass sich Probleme im Zusammenhang mit der Ressour-cennutzung und -beschränkung durch technologische Innovationen lösen las-sen, zeigen uns empirische Erkenntnisse, dass in der Regel das Gegenteil der Fall ist. Der Grund dafür ist der sogenannte Rebound-Effekt, bei dem eine tech-nologische Effizienzverbesserung das Wachstum, die Nachfrage und die damit verbundene Ressourcenentnahme antreibt. Darüber hinaus können technolo-gische Innovationen die Nachfrage erhöhen, indem sie neue Optionen wie neue Produktionsmethoden oder Verwendungsmöglichkeiten für die Produkte bie-ten – ein Phänomen, das als Induktionseffekt bekannt ist. Um den Rebound- und den Induktionseffekt zu überwinden, brauchen wir eine Verhaltensänderung beim Individuum und bei den Unternehmen. Wir müssen uns mit Konzepten wie Suffizienz und Konsistenz auseinandersetzen, und nicht nur mit Effizienz.
Keiner dieser vier Faktoren, die der Nachhaltigkeitsinnovation zugrunde lie-gen, ist einfach zu lösen. Steffen Eraths Buch bietet jedoch eine Fülle interes-santer Ansätze, die uns auf den richtigen Weg bringen können.
Eraths Konzept der planetenzentrierten Innovation zielt genau darauf ab, die Rolle des menschlichen Erfindungsreichtums bei der Bewältigung der Nach-haltigkeitskrise hervorzuheben. Seine Arbeit zeigt nicht nur auf, wie die Mensch-heit neue Produkte, Dienstleistungen und Systeme entwickeln kann, sondern fragt auch, wie wir neue Szenarien für Nachhaltigkeit schaffen können.
Der Zeitpunkt dafür könnte nicht passender sein. Bis 2030 werden wir die hochriskante planetare Grenze des Klimawandels überschritten haben. Die Grenze der biologischen Vielfalt haben wir bereits heute überschritten. Die Erdsysteme verlieren rapide an Widerstandskraft, und wenn wir so weiterma-chen wie bisher, wird die Fähigkeit der Erde, sich auf natürliche Weise zu erho-len, schnell verloren gehen. Wirtschaftliche Aktivitäten und menschlicher Konsum sind die Hauptursachen für diese Probleme. Der Stand der Wissen-schaft ist in dieser Angelegenheit sehr eindeutig: Es muss sich etwas ändern.
Verhaltensänderungen bei Einzelpersonen, Unternehmen und Regierungen gehören zu den schwierigsten Aufgaben im Bereich der Nachhaltigkeit. Die rich-tige Art von Innovation kann dabei helfen; eine Innovation, die echte Alternativen bietet und sich auf die Befriedigung grundlegender Bedürfnisse konzentriert, anstatt unnötige Wünsche zu wecken. Kurz gesagt: Innovation kann Menschen unterstützen, ihr Verhalten zu verändern und Dinge anders anzugehen.
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planet centered innovationVorwort
Steffen Erath legt in diesem Buch dar, wie Innovation Teil der Lösung sein kann. Sein Ansatz der planetenzentrierten Innovation zeigt auf, wie Innovation den (negativen) ökologischen Fußabdruck verringern und gleichzeitig den (positiven) sozialen Handabdruck fördern kann. Seine Arbeit veranschaulicht nicht nur, wie die Menschheit neue Produkte/Dienstleistungen oder Systeme entwickeln kann, sondern auch, wie wir neue Szenarien für Nachhaltigkeit schaffen können.
Eine planetenzentrierte Innovation stellt buchstäblich den Planeten in den Mittelpunkt der Innovationstätigkeit. Es reicht nicht mehr aus, nur zu prüfen, ob eine Innovation wirtschaftlich, wünschbar und machbar ist, sie muss auch nachhaltig sein. Erath betont, dass dies ein Umdenken erfordert. Anstatt bei unseren kreativen Prozessen den Nutzer in den Mittelpunkt zu stellen, müssen wir den Planeten in den Mittelpunkt stellen, sodass wir uns auf die langfristi-gen Auswirkungen unserer Aktivitäten konzentrieren.
Dieses Buch fördert Innovationen für die Erde und nicht für Verbraucher oder Unternehmen. Durch einen langfristigen und zukunftsorientierten systemi-schen Ansatz kann (und sollte) Innovation eine Rolle bei der Lösung unserer planetarischen Krisen spielen.
Judith L. Walls
Professorin für Nachhaltigkeitsmanagement und Direktorin des
Instituts für Wirtschaft und Ökologie an der Universität St. Gallen (HSG)
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Let’s innovatefor sustainability
Wir leben in der Dekade der Entscheidung. Die nächsten zehn Jahre sind geprägt von Klimakrise, künstlicher Intelligenz und Nachhaltigkeit als domi-nierende Faktoren unseres wirtschaftlichen Handelns. Nachhaltigkeit webt sich dabei wie ein Netz durch alle Lebens- und Industriebereiche, sie verbin-det und transformiert unsere Gesellschaft und Wirtschaft.
Viele Fach- und Führungskräfte stehen vor der Aufgabe, das erforderliche Wis-sen zu erlangen und die entsprechenden Werkzeuge zu nutzen, um diese Her-ausforderungen erfolgreich zu bewältigen und effektive Lösungen zu entwickeln.
Unsere bisherigen wirtschaftlichen Denkmuster vom unendlichen Wachstum sind überholt. Die Zeit ist reif für einen Wandel. Das Buch »Planet Centered Innovation« gewährt einen Einblick in die Welt der nachhaltigen Innovation. Zwei grundlegende Perspektiven werden dargelegt, die sich gegenseitig ergänzen und unterstützen: die transformative Kraft der Innovation in Rich-tung mehr Nachhaltigkeit und die Rolle der Nachhaltigkeit als Treiber für Inno-vation. Diese Zusammenführung impliziert eine Schlussfolgerung, dass sich Innovation und Nachhaltigkeit gegenseitig unterstützen und verstärken.
Von den grundlegenden Prinzipien der Nachhaltigkeit bis hin zu einem plane-tenzentrierten Innovations- und Investitionsansatz führt dieses Werk den Leser durch die vier Phasen des planetenzentrierten Innovationsprozesses: Nachhaltigkeit, Machbarkeit, Wünschbarkeit und Wirtschaftlichkeit.
Nicht nur auf theoretische Grundlagen beschränkt, gewährt das Buch praxis-nahe Einblicke in renommierte Unternehmen wie etwa Hansgrohe, Bosch, Vaude und Meikound berichtet von mutigen Gründern und Professoren, die bereits erfolgreich nachhaltige Innovationen vorantreiben. Es verdeutlicht, wie selbst kleine Teams Großes bewirken können, vermittelt Schlüsselkom-petenzen für nachhaltige Innovationen und beleuchtet die entscheidende Rolle von Leadership und Unternehmenskultur ebenso wie die Bedeutung von Impact-Venture-Investments.
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planet centered innovationVorwort
Der Abschnitt zu Green Tech wirft einen Blick auf aufstrebende Technologie-bereiche, die maßgeblich für die grüne Transformation unserer Wirtschaft und Gesellschaft sind und unser Leben in Zukunft prägen werden.
Das Buch schließt mit einem nachdrücklichen Aufruf, Nachhaltigkeit als Inno-vationsmotor und Komplexitätsfilter zu nutzen. Hier wird verdeutlicht, wie eine konsequente Ausrichtung auf nachhaltige Projekte die Klarheit, Struktur und Sinnhaftigkeit im Innovations- und Projektportfolio steigert und sogar als trei-bende Kraft für Prosperität dienen kann.
»Planet Centered Innovation« ist mehr als ein Leitfaden für nachhaltige Inno-vationsstrategien – es ist eine inspirierende Quelle für Macher, die nicht nur ihre unternehmerische Verantwortung gegenüber der Gesellschaft und Umwelt ernst nehmen, sondern auch die Zukunftsfähigkeit ihres Unterneh-mens erfolgreich und nachhaltig gestalten möchten. Nachhaltiges Handeln und wirtschaftlicher Erfolg dürfen sich nicht ausschließen.
Angesichts der Dringlichkeit können wir nicht darauf warten, dass sich neue Wirtschaftsmodelle und Innovationsmethoden allein durch den politischen Druck in der Unternehmenswelt etablieren. Wir müssen vor die Welle kom-men. Dieses Buch fungiert daher als Prototyp, nicht perfekt, aber mit dem Ziel, so viele Innovatoren und Führungskräfte wie möglich rasch zum Umdenken und Handeln zu inspirieren. Jetzt ist der Moment, sein Wissen zu teilen, um die bevorstehenden Herausforderungen gemeinsam zu meistern.
Let’s innovate for sustainability.
Steffen Erath
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Einleitung
1961 hat es bei Yuri Gagarin klick gemacht. Bei vielen anderen erst 60 Jahre später. Die Rede ist vom »Overview-Effekt«. Wenn Astronauten zum ersten Mal den blauen Planeten aus dem Weltall betrachten, wird eines schnell klar. Man sieht keine Grenzen, keine Religionen, keine ethnischen Unterschiede, kein Geld und keine Wirtschaft. Man sieht einen Planeten, der extrem fragil scheint, und man sieht die Verbindungen, wie alles miteinander zusammenhängt.
»Als ich aus dem Fenster der Internationalen Raumstation schaute, sah ich die paparazziartigen Blitze von Gewittern, ich sah tanzende Vorhänge von Polarlichtern, die so nah schienen, als könnten wir sie anfassen. Und ich sah die unglaubliche Dünnheit der Atmosphäre unseres Planeten. In diesem Moment wurde mir die ernüchternde Erkenntnis zuteil, dass diese hauchdünne Schicht jedes Lebewesen auf unserem Planeten am Leben erhält«, erzählte Ron Garan, ein US-amerikanischer Astronaut, der 178 Tage im Weltall verbrachte.
»Ich sah eine schillernde Biosphäre, in der es von Leben wimmelte«, fuhr er fort. »Die Wirtschaft habe ich nicht gesehen. Aber da unsere von Menschen-hand geschaffenen Systeme alles, einschließlich der lebenserhaltenden Sys-teme unseres Planeten, als hundertprozentige Tochtergesellschaft der glo-balen Wirtschaft behandeln, ist es aus dem Blickwinkel des Weltraums offensichtlich, dass wir eine Lüge leben.«
Abb. 1: Overview-Effekt
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planet centered innovationEinleitung
In diesem Moment wurde ihm klar, dass die Menschheit ihre Prioritäten neu bewerten muss.
»Wir müssen von der Denkweise Wirtschaft, Gesellschaft, Planet zu Pla-net, Gesellschaft, Wirtschaft übergehen. Nur dann werden wir unseren evolu-tionären Prozess fortsetzen«, fügte er hinzu. (Perry 2023)
»Wir sind die erste Generation, die die Auswirkungen des Klimawandels zu spüren bekommt, und die letzte Generation,die etwas dagegen tun kann.«
(Barack Obama, US-Präsident von 2009–2017)
Wir leben in der Dekade der Entscheidung. In den kommenden zehn Jahren entscheidet sich, wie spätere Generationen leben werden. Wir sind die letzte Generation, die das Unvermeidbare noch abwenden kann. Einige der Umweltkipppunkte sind schon existent oder werden bald erreicht sein, allen voran die Klimakrise bestimmt vermehrt nun auch das wirtschaftliche Han-deln. Wir bewegen uns auf eine zivilisationsfeindliche Welt zu, und es scheint, als verfielen wir in eine Art Schockstarre.
Vielen Unternehmenslenkern fehlen das Wissen, das Verständnis und die richtigen Werkzeuge, um die nachhaltige Transformation richtig anzupacken.
Das traditionelle Wirtschaftsverständnis, das sich weiterhin auf Adam Smiths Konzept von unendlicher Nachfrage und Angebot aus dem Jahr 1776 stützt, wird heute zunehmend infrage gestellt. An seine Stelle tritt eine neuartige Perspektive, wie sie von Kate Raworths Donut-Ökonomie vertreten wird, die ein Wirtschaften innerhalb der planetaren Grenzen vorsieht. Dieser Ansatz gewinnt zunehmend an Bedeutung in der akademischen Welt und markiert einen Paradigmenwechsel hin zu einem nachhaltigeren und ganzheitlicheren Verständnis von wirtschaftlichem Handeln. Bis die neue Lehre sich in der Wirtschaft verbreitet, vergeht allerdings zu viel Zeit. Die heutigen Studenten sind frühestens in den 2030er-Jahren in der Lage, tiefgreifende Entscheidun-gen in den Unternehmen umzusetzen.
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Um die vor uns liegenden Herausforderungen zu meistern, braucht es mehr denn je einen Schulterschluss zwischen Wissenschaft, Gesellschaft, Politik und Wirtschaft. Das ist auch der Grund, warum ich es mir zum Ziel gemacht habe, mein Wissen, meine Erkenntnisse und meine Hypothesen mit Ihnen zu teilen. Dieses Buch soll einen Denkprozess anstoßen, etwas Klarheit und Ori-entierung in das Themenfeld der nachhaltigen Innovation bringen und im besten Fall zum Ausprobieren ermutigen.
Aufgrund der Dringlichkeit des Themas muss es gelingen, schnellstmöglich mit der Umgestaltung zu beginnen. Deswegen ist dieses Buch auch ein halb fertiger Pretotype (Pretends to be a prototype), nicht mit dem Anspruch auf Ein-zigartigkeit und Vollständigkeit, sondern mit dem Ziel, schnellstmöglich viele Innovatoren, Wirtschaftslenker und Investoren zum Umdenken und Handeln zu animieren.
Bei wirklich nachhaltigen Innovationen geht es nicht nur darum, dem Plane-ten weniger zu schaden, sondern ihm nützlich zu sein. Effektivität vor Effizienz. Die richtigen Dinge zu tun, nicht die Dinge richtig zu tun. Wenn Nachhaltigkeit ausschließlich als Effizienzmaximierung betrachtet wird, wäre es wahr-scheinlich schwierig, damit das Wirtschaftswachstum zu unterstützen. Dies könnte zu einer Phase des Degrowthführen, einer zirkulären Wirtschaft, die eher auf qualitativem Wachstum basiert, auf Stabilität und Wohlergehen.
Bevor wir jedoch eine breite Zustimmung in der Wirtschaft und Gesellschaft haben, um diese Phase ohne soziale Unruhen zu erreichen, können wir durch planetenzentrierte Innovationen noch zum umweltfreundlichen Wirtschafts-wachstum beitragen, indem wir auf Green Growthsetzen.
Denn wenn man Nachhaltigkeit als Innovationstreiber definiert, dann ist es auch für den Planeten gut, das für den Planeten nützliche Produkt in großen Mengen zu verkaufen. So wird der Kunde zum Change Agent und der Konsum zum Transformationsbeschleuniger. Sollten wir es schaffen, den Rebound-Effekt einzudämmen, sprich die durch Effizienzsteigerungen erzielten Einspa-rungen nicht durch erhöhten Verbrauch zu kompensieren, sondern sie statt-dessen für eine weitere Verbesserung der Nachhaltigkeit zu nutzen, könnten wir eine tiefgreifende Veränderung in unserem Wirtschaftssystem erleben. Dies würde nicht nur den Weg für eine reduzierte Gesamtauswirkung auf die Umwelt ebnen, sondern auch dazu beitragen, soziale Gerechtigkeit zu för-dern und eine inklusivere Gesellschaft zu schaffen. Durch die Integration von Umweltbewusstsein in jede Geschäftsentscheidung und den Einsatz von
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planet centered innovationEinleitung
Technologie zum Schutz natürlicher Ressourcen können Unternehmen eine führende Rolle in der Transformation zu einer nachhaltigeren Wirtschaft übernehmen.
Der Schlüssel dazu liegt vor allem im radikalen Innovationsmanagement und nicht im risikoscheuen Effizienz- und Nachhaltigkeitsmanagement. Somit widersprechen sich die Disziplinen Innovation und Nachhaltigkeit nicht, son-dern sie ergänzen sich hervorragend und können sogar als Wachstumsmotor für einige Unternehmen, Industriezweige und gesamte Volkswirtschaften dienen.
Das Ziel von planetenzentrierter Innovation ist es, eine sozial gerechte Welt zu schaffen, die innerhalb der Ressourcen eines einzigen Planeten existiert, den Anstieg der globalen Erwärmung auf unter 1,5 Grad Celsius zu begrenzen, wie im Pariser Klimaabkommen vereinbart, und zur Regeneration des Planeten beizutragen.
innovation kurz zusammengefasst
innovationsarten 20
das innovationsportfolio 23
das 3-horizons-modell 26
technology-push- und market-pull-Innovationen 27
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planet centered innovationInnovation kurz zusammengefasst
Innovation kurz zusammengefasst
Die Innovation als eigenständige Disziplin befindet sich in ständiger Verän-derung und Weiterentwicklung, da sich die Welt um sie herum auch ständig verändert. Schaut man die letzten siebzig Jahre zurück, dann ergeben sich folgende Schwerpunktbereiche der Innovationsarbeit.
1950–1970 → F&E-getriebene Innovationen
1980–1990 → Businessgetriebene Innovationen
2000–2020 → Nutzerzentrierte Innovationen
2020–2040 → Planetenzentrierte Innovationen
Abb. 2: Schwerpunktbereiche der Innovation
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Hierbei ist wichtig zu erkennen, dass die weiterentwickelte Art der Innovation immer auf der vorherigen aufbaut, das heißt, von Forschung und Entwicklung getriebene Innovationen spielen nach wie vor eine Rolle in der heutigen Inno-vationslandschaft, allerdings hat sich der Schwerpunkt verlagert und baut auf den Errungenschaften der Vergangenheit auf.
Innovationsarten
Der Anspruch vieler innovativer Unternehmen ist es, auch in Zukunft schneller, profitabler und nachhaltiger zu wachsen als der Markt. Wir sehen heute, dass sich die Anforderungen branchenübergreifend verändern. Früher konnten Unternehmen mit schrittweisen Verbesserungen – also mit inkrementellen Innovationen – überdurchschnittliches Wachstum erzielen. Doch in Zukunft werden vermehrt nur radikale Sprünge zu überdurchschnittlichen Erfolgen führen. (Hagmann 2018).
Aber auch visionäre Konzepte funktionieren nicht ohne das Kerngeschäft. Die Zukunft baut auf Tradition. Man braucht beides:
a) Mitarbeiter, die ständig den Status quo infrage stellen und nach neuen Wachstumschancen über das Kerngeschäft hinaus suchen, und
b) Mitarbeiter, die das Bestehende optimieren.
Das eine geht nicht ohne das andere. Und beide sind gleich wichtig, um die Über-lebensfähigkeit eines jeden Unternehmens zu sichern. Bei der Wahl der Innova-tionsmethodik ist der Kontext entscheidend, in dem das Projekt stattfindet.
Man unterscheidet mindestens drei Arten von Innovationen: die Core Inno-vations, dieIncremental Innovationssowie die Radical Innovations.
Die Innovationen, die den vermeintlich schnellsten Return on Investment brin-gen und bei denen das Risiko am geringsten ist, sind die Core Innovations. Das kontinuierliche Verbessern des bestehenden Geschäftsmodells stellt die Hauptaufgabe jeder größeren Organisation dar. Allerdings muss man auf-passen, dass man nicht in das Innovator’s Dilemma verfällt. Das Innovator’s Dilemma beschreibt das Paradoxon, dass erfolgreiche Unternehmen, die sich auf bewährte Geschäftsmodelle und Produkte konzentrieren, oft Schwie-rigkeiten haben, innovative Technologien und radikal neue Produkte zu ent-wickeln und zu integrieren, die Wachstum auch in der Zukunft ermöglichen.
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planet centered innovationInnovation kurz zusammengefasst
Abb. 3: Wachstumsmöglichkeiten der Innovationsarten (Hagmann, 2018)
22
Clayton Christensen erkannte schon vor über 25 Jahren, dass Unternehmen oft auf ihre bestehenden Kunden und Märkte hören und sich auf die Verbes-serung ihrer aktuellen Produkte und Dienstleistungen konzentrieren, anstatt in disruptive Technologien und innovative Geschäftsmodelle zu investieren. Dies kann dazu führen, dass sie den Anschluss an neue Wettbewerber verlie-ren, die diese Technologien nutzen, um den Markt zu transformieren (Chris-tensen 1997). Die bekanntesten Negativbeispiele dafür sind Kodak, Nokia oder auch General Motors.
Um die Zukunftsfähigkeit jedes etablierten Unternehmens zu sichern, ist es deshalb unausweichlich, auch in angrenzende sowie in neue Märkte und Technologien zu investieren.
Je weiter man sich vom Kerngeschäft entfernt, desto größer ist die Unsicher-heit und somit auch das Innovationsrisiko. Es kommt somit darauf an, eine gesunde Balance zu finden und Ambidextrie, eine Art Beidhändigkeit, zu entwickeln. Es handelt sich dabei um zwei unterschiedliche Innovationsbe-triebssysteme.
Abb. 4: Innovationsarten (Dan Toma et al., 2017)
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planet centered innovationInnovation kurz zusammengefasst
Bei Core Innovations geht es um Exploitation,die Verbesserung und Aus-schöpfung des Bestehenden, bei Radical Innovations um Exploration, die Suche nach dem Neuen.
Das Innovationsportfolio
Wichtig sind das strategische Management und das Ausbalancieren des Innovationsportfolios. Es kommt auf die richtige Mischung der Aktivitäten an.
Generell hat es sich etabliert, dass man ca. 80 Prozent seiner Ressourcen auf die Kernbereiche fokussiert und 20 Prozent auf die angrenzenden und die ganz neuen Bereiche. Je nach Industriesektor und Unternehmen unterschei-den sich diese Prozentwerte etwas, aber spannend zu sehen ist, dass es hier auch Parallelen aus der Natur gibt.
Ähnlich wie Unternehmen, die einen Großteil ihrer Ressourcen auf die Kernbe-reiche konzentrieren und dennoch einen Teil für ganz neue Entwicklungen
Abb. 5: Exploration vs. Exploitation
Strategie
Prozess
Investment
Projektrahmen
Absatzmenge
Branding
Zielkunde
Fokus
Erfolgskriterium
Exploration
Exploration des Neuen
Lean Innovation Prozess
Relativ gering
Flexibel, dynamisch
10 - 100 (MVP)
Test Marke / Inkognito
Early Adopters
Geschwindigkeit
Product-Market Fit
Exploitation
Weiterentwicklung des Bestehenden
Stage Gate Prozess
Große Investitionen, kapitalintensiv
Vorgegeben durch Lastenheft
Hoch
Standard Marke
Alle erreichbaren Kunden
Qualität
Forecast übertreffen
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reservieren, zeigen auch Bienen dieses Muster. Der Schwänzeltanz, der uns allen aus dem Biologieunterricht bekannt ist, dient dazu, den anderen Bienen eine Nahrungsquelle zu offenbaren.
Es ist bemerkenswert, dass nicht alle Bienen dem Schwänzeltanz folgen, son-dern etwa 20 Prozent bewusst andere Wege wählen und alternative Richtun-gen erkunden, wie neueste Erkenntnisse aus der Naturforschung zeigen.
Diese »abweichenden« Bienen spielen eine wichtige Rolle in der Strategie des Bienenvolkes. Sollte die gefundene Nahrungsquelle nur ein lokales Maxi-mum darstellen, strebt das Volk danach, seine Chancen zu diversifizieren und andere Optionen zu erkunden. Dieses Verhalten zeigt, dass das Streben nach Effizienz und Innovation nicht nur in menschlichen Organisationen, sondern auch in der Natur tief verwurzelt ist. (Yip 2020).
Abb. 6: Innovationsportfolio (Hagmann, 2018)
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planet centered innovationInnovation kurz zusammengefasst
Man kann sowohl im Kerngeschäft als auch bei inkrementellen und radikalen Innovationen planetenzentriert innovieren.
Im Kerngeschäft geht es bei planetenzentrierten Innovationen eher darum, die Umweltschäden des bestehenden Leistungsangebots zu reduzieren, bei radikalen Innovationen darum, Neues zu erschaffen, das dem Planeten und der Gesellschaft von zusätzlichem Nutzen ist. Diese Unterscheidung sollte jedoch nicht dogmatisch betrachtet werden. Es gibt beeindruckende Bei-spiele, die zeigen, wie man auch durch radikale Innovationen Umweltschäden effektiv minimieren kann. Ein anschauliches Beispiel hierfür ist das Schweizer Start-up Climeworks, das mit der Implementierung von Direct-Air-Carbon-Capture-Anlagen (DAC) einen wichtigen Beitrag zur Reduzierung von Umwelt-schäden durch CO2leistet.
Die meisten Innovationen, die seit dem Aufkommen der Design-Thinking-Bewegung auf den Nutzer ausgerichtet sind, zeichnen sich jedoch durch einen inkrementellen Ansatz aus.
Technologischer Inkrementalismus wird uns vermutlich nicht helfen, die gro-ßen Probleme dieser Generation zu lösen, denn man neigt dazu, in bestehen-den Rahmenbedingungen zu verharren, während die Dringlichkeit unserer globalen Umweltprobleme radikalere und transformativere Ansätze erfor-dert (Braungart).
Wann immer die Mittel zur Verfügung stehen, sollte man sich an die radikale-ren Innovationen wagen. Wir brauchen Innovationssprünge, keine Innovati-onsschritte, um die großen Herausforderungen der nachhaltigen Entwicklung zu lösen. Im Mittelpunkt dieses Buches steht deshalb vor allem das transfor-mative, radikale Innovieren.
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Das 3-Horizons-Modell
Bei transformativen Innovationen verändert sich oft der zu erwartende Zeit-rahmen für den Return on Investment. Das 3-Horizons-Modell von McKinsey kann hier die Grundlage bilden, um die Erwartungshaltung gegenüber allen Stakeholdern transparent zu machen.
Für die radikalen, transformativen Innovationen in Horizon 2 und 3 braucht es ein anderes Innovations-Set-up als für die Sustaining Innovations aus Horizon 1. Am besten geeignet sind dafür ausgelagerte Innovationsabteilungen, die direkt an den CEO, Co-CEO oder CTO berichten. Dabei gilt der Grundsatz: weit genug weg, damit man nicht mit dem Tagesgeschäft kollidiert, aber nah genug dran, um Synergieeffekte der Kernorganisation zu nutzen. Es ist ein Balanceakt.
Diese ausgelagerten Innovationsabteilungen können auch als avantgardis-tische Strategieeinheit aufgefasst werden. Getreu dem Strategieleitsatz der
Abb. 7: 3-Horizons-Modell von McKinsey (Dan Toma et al., 2017)
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planet centered innovationInnovation kurz zusammengefasst
Universität St. Gallen (HSG) »Strategy is about options« geht es darum, mög-liche zukünftige Strategien zu testen. Am besten funktioniert das mit kleinen Start-ups (Corporate oder externe Start-ups), deren Leistungsangebote wie-derum mit Experimenten validiert oder invalidiert werden.
If you want to test a STRATEGY,
You run START-UPS
If you want to test a START-UP,
you run EXPERIMENTS
(Timan Rebel, Co-Founder Ground Control)
Das heißt, die radikale Innovationsentwicklung orientiert sich ebenfalls an der Lean-Start-up-Methodik, bei der schlanke Prozesse und schnelles Lernen durch iteratives und kundenzentriertes Testen im Fokus stehen.
Technology-Push- und Market-Pull-Innovationen
Technology Push und Market Pull sind zwei grundlegende Ansätze für Innova-tionsprozesse. Beim Technology-Push-Ansatz liegt der Fokus auf der Ent-wicklung von Innovationen, die auf neuartigen Technologien oder Verfahren basieren, relativ unabhängig von der aktuellen Marktnachfrage. Der Start-punkt liegt oft in der wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit grundle-genden Problemen. Kunden- und Marktbedürfnisse liegen eher in der Zukunft. Diese Innovationen werden oft als radikaler angesehen und können einen langfristigen Forschungs- und Entwicklungsprozess erfordern.
Im Gegensatz dazu basiert der Market-Pull-Ansatz auf bereits bestehenden Bedürfnissen und Anforderungen des Marktes. Hier werden Innovationen entwickelt, um heutige Kundenbedürfnisse zu erfüllen, deren Umweltwirkun-gen zu reduzieren oder bereits bestehende Marktchancen zu nutzen. Diese Art von Innovationen ist daher eher inkrementeller Natur und mit einem ver-gleichsweise kurzfristigen Umsetzungshorizont. Es ist wichtig, zu beachten, dass erfolgreiche Innovationen oft eine Kombination aus beiden Ansätzen erfordern, wobei die Fähigkeit, auf Marktbedürfnisse zu reagieren, genauso wichtig ist wie die Fähigkeit, neue Technologien zu entwickeln.
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Der in diesem Buch beschriebene Prozess der planetenzentrierten Innovation legt bewusst den Schwerpunkt auf den Technology-Push-Ansatz, da bereits ein reichhaltiger Diskurs und eine Vielzahl von Publikationen zum Customer-Pull- oder Market-Pull-Innovationsansatz existiert. Namhafte Beratungs-agenturen wie Strategyzer, das Hasso-Plattner-Institut und bekannte Auto-ren wie Eric Ries, Alexander Osterwalder, Tendayi Viki und Jean-Philippe Hagmann haben den Customer-Pull-Ansatz bereits erschlossen und tiefgrei-fend behandelt. Innovation im Kontext von Technology Push zu untersuchen, bietet einen frischen und recht unverbrauchten Blickwinkel in der heutigen Innovationslandschaft und ergänzt die bestehenden Methoden.
Zudem erfordern planetenbezogene Herausforderungen öfter neue Techno-logien sowie radikalere und systemischere Lösungen als nutzerzentrierte Ansätze. Darüber hinaus sind planetenbezogene Innovationen oft mit erheb-lichen Unsicherheiten verbunden, da die Lösungen möglicherweise heute noch nicht vollständig bekannt oder auf dem Markt etabliert, geschweige denn zugelassen sind. Der Technology-Push-Ansatz erfordert oft langfristige Investitionen in Forschung und Entwicklung, um »Breakthrough-Innovationen«zu ermöglichen, die die Art und Weise, wie wir mit unserem Planeten inter-agieren, grundlegend verändern können.
Der Fortschritt kommt allerdings nicht nur durch die Entwicklung und Anwen-dung neuer Technologien. Die Veränderung von Verhaltensweisen spielt eine ebenso wichtige Rolle bei grünen Innovationen. Erst im harmonischen Zusam-menspiel von innovativen
