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Butler Parker ist ein Detektiv mit Witz, Charme und Stil. Er wird von Verbrechern gerne unterschätzt und das hat meist unangenehme Folgen. Der Regenschirm ist sein Markenzeichen, mit dem auch seine Gegner öfters mal Bekanntschaft machen. Diese Krimis haben eine besondere Art ihre Leser zu unterhalten. Butler Parker ist seinen Gegnern, den übelsten Ganoven, auch geistig meilenweit überlegen. In seiner auffallend unscheinbaren Tarnung löst er jeden Fall. Bravourös, brillant, effektiv – spannendere und zugleich humorvollere Krimis gibt es nicht! »Das ist doch niemals eine Straße, Mr. Parker«, stellte Lady Simpson mißbilligend fest. »Das ist ein Kanal!« »Diesem Eindruck kann man sich in der Tat kaum verschließen, Mylady«, gab Josuah Parker gemessen zurück. Er saß am Steuer seines hochbeinigen Monstrums und lenkte das Gefährt vorsichtig durch Schlaglöcher und Pfützen. »Sie haben sich verfahren, Mr. Parker.« Lady Simpson schob ihren Kopf prüfend an die Wagenscheibe und versuchte etwas zu erkennen. Doch das war einfach unmöglich. Riesige Wassermassen ergossen sich vom nächtlichen Himmel. Die Scheibenwischer auf der Frontscheibe hatten Mühe, Parker etwas Sicht zu verschaffen. Ein schlimmeres Unwetter hätte man sich kaum vorstellen können. Myladys Anspielung auf einen Kanal, in dem man sich laut ihrer Behauptung befand, war nicht von der Hand zu weisen. Zu beiden Seiten der schmalen Straße stiegen Böschungen steil an. Gelbbraunes Schmutzwasser ergoß sich in Strömen über den Weg. Falls ein Ruderboot erschienen wäre, hätte Butler Parker sich kaum gewundert. »Sie haben sich verfahren«, wiederholte die Lady eigensinnig. »Mitnichten, Mylady, wenn ich widersprechen darf.« Parker ließ sich nicht aus der Ruhe bringen. Das Zusammenleben mit Lady Agatha Simpson hatte seinen an sich schon starken Nerven den letzten Schliff gegeben. »Diese unangenehme Passage dürfte bald überwunden sein.« »Wir werden noch ertrinken«, unkte Lady Simpson weiter und wandte sich dann ihrer Begleiterin zu. »Warum sagen Sie nichts, Kindchen? Ist es Ihnen vollkommen gleichgültig, wie wir enden werden?« Kathy Porter lächelte nur. Sie war schon seit Jahren Myladys Sekretärin und Gesellschafterin. Die langbeinige, junge Frau, äußerst attraktiv anzusehen, wußte nur zu gut, wie temperamentvoll die ältere Dame war. Lady
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Seitenzahl: 131
Veröffentlichungsjahr: 2017
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»Das ist doch niemals eine Straße, Mr. Parker«, stellte Lady Simpson mißbilligend fest. »Das ist ein Kanal!«
»Diesem Eindruck kann man sich in der Tat kaum verschließen, Mylady«, gab Josuah Parker gemessen zurück. Er saß am Steuer seines hochbeinigen Monstrums und lenkte das Gefährt vorsichtig durch Schlaglöcher und Pfützen.
»Sie haben sich verfahren, Mr. Parker.« Lady Simpson schob ihren Kopf prüfend an die Wagenscheibe und versuchte etwas zu erkennen. Doch das war einfach unmöglich. Riesige Wassermassen ergossen sich vom nächtlichen Himmel. Die Scheibenwischer auf der Frontscheibe hatten Mühe, Parker etwas Sicht zu verschaffen. Ein schlimmeres Unwetter hätte man sich kaum vorstellen können.
Myladys Anspielung auf einen Kanal, in dem man sich laut ihrer Behauptung befand, war nicht von der Hand zu weisen. Zu beiden Seiten der schmalen Straße stiegen Böschungen steil an. Gelbbraunes Schmutzwasser ergoß sich in Strömen über den Weg. Falls ein Ruderboot erschienen wäre, hätte Butler Parker sich kaum gewundert.
»Sie haben sich verfahren«, wiederholte die Lady eigensinnig.
»Mitnichten, Mylady, wenn ich widersprechen darf.« Parker ließ sich nicht aus der Ruhe bringen. Das Zusammenleben mit Lady Agatha Simpson hatte seinen an sich schon starken Nerven den letzten Schliff gegeben. »Diese unangenehme Passage dürfte bald überwunden sein.«
»Wir werden noch ertrinken«, unkte Lady Simpson weiter und wandte sich dann ihrer Begleiterin zu. »Warum sagen Sie nichts, Kindchen? Ist es Ihnen vollkommen gleichgültig, wie wir enden werden?«
Kathy Porter lächelte nur.
Sie war schon seit Jahren Myladys Sekretärin und Gesellschafterin. Die langbeinige, junge Frau, äußerst attraktiv anzusehen, wußte nur zu gut, wie temperamentvoll die ältere Dame war. Lady Simpson war ungemein aktiv und eigentlich nie zu bremsen. Kathy Porter wußte, daß Mylady diese Ausfahrt im Grunde genoß. Eine glatte Fahrt bei strahlender Sonne hätte sie bestimmt nur gelangweilt.
»Da ist ja ein Schild«, stellte Kathy Porter fest. Sie hatte ihren Satz noch nicht beendet, als Josuah Parker seinen hochbeinigen Wagen anhielt. Er konnte trotz der voll eingeschalteten Scheinwerfer die Aufschrift auf dem Wegweiser nicht erkennen. Die drei Richtungsschilder waren verwittert und verwaschen. Parker griff nach seiner Taschenlampe, schaltete sie ein und beleuchtete damit das Wegekreuz.
»Nach rechts«, ließ Lady Agatha sich energisch vernehmen. »Wolverton House liegt rechts, Mister Parker.«
»Nach meinen bescheidenen Informationen, Mylady, die ich vor Antritt der Fahrt aus einer Straßenkarte schöpfte, muß es nach links gehen.«
»Papperlapapp, Mister Parker. Können Sie denn nicht lesen? Es geht nach rechts weiter.«
»Mylady dürfen versichert sein, daß ich nur ungern zu widersprechen wage, aber...«
»Bringen Sie meinen Kreislauf nicht in Unordnung«, grollte Lady Simpson. »Es geht nach rechts weiter.«
»Wie Mylady befehlen.« Parker schaltete seine Taschenlampe aus, befestigte sie wieder in der Halterung am Armaturenbrett und ließ sein hochbeiniges Monstrum wieder anrollen. Er fuhr also nach rechts weiter, obwohl er nach wie vor anderer Meinung war.
In Anbetracht der späten Stunde wollte er sich auf keine weitere Diskussion einlassen. Er schloß zudem auch nicht aus, daß er sich vielleicht doch getäuscht haben könnte. Behutsam ließ er den Wagen über die schmale Straße rollen, die jetzt ein wenig anstieg. Sie wurde erfreulicherweise auch erheblich besser. Die Anzahl der tiefen Schlaglöcher und Wasserlachen verminderte sich zusehends.
»Warum kriechen Sie wie eine Schnecke?« beschwerte sich Lady Simpson wieder. »Soll ich Sie ablösen, Mister Parker? Sie scheinen sich ein wenig übernommen zu haben.«
»Auf keinen Fall, Mylady!« Parkers Stimme bekam einen panischen Unterton. Er kannte die Fahrkünste Lady Simpsons nur zu gut. Saß sie am Steuer eines Gefährts, gleich welcher Bauart, verwandelte sie sich augenblicklich in eine Todesfahrerin. Myladys Verhältnis zur Technik war mehr als unbefangen. Sie konnte sich wahrscheinlich gar nicht vorstellen, daß selbst die perfekteste Technik nicht fehlerlos war. Hinzu kam dann leider noch eine erhebliche Selbstüberschätzung. Im Gegensatz zu ihrer Umwelt hielt Lady Agatha sich selbst für eine gute Fahrerin.
Um Lady Simpson vom Steuer fernzuhalten, steigerte der Butler die Geschwindigkeit, obwohl gerade in diesen Sekunden der Regen noch dichter wurde. Er verschluckte das Licht der voll eingeschalteten Scheinwerfer und gaukelte Parker eine wahre Wand aus Wasser vor.
Er näherte sich mit dem hochbeinigen Monstrum einer Biegung, die um einen Hügel herumführte. Parker bremste ab, schaltete herunter und ließ den Wagen um die Biegung rutschen. Vor ihm lag jetzt eine Gerade. Um sie auszuleuchten, schaltete der Butler den Spezialsuchscheinwerfer ein. Der grelle Lichtfinger fraß sich durch die vom Himmel stürzenden Wassermassen und erfaßte plötzlich die Rückseite eines Lastwagens, auf dessen Ladefläche ein Öltank befestigt war.
Der Lastwagen am Ende der Geraden bot ein Hindernis, das völlig unpassierbar war. Die Breite des Lasters füllte die schmale Straße vollständig aus.
»Eine Unverschämtheit«, ließ Lady Simpson sich vernehmen. »Der Wagen hat noch nicht einmal die Rücklichter eingeschaltet.«
»Und kommt direkt auf uns zu.« Kathy Porters Stimme verriet Überraschung und Bestürzung.
Parker hatte seinen Wagen bereits angehalten und musterte mißtrauisch den Lastwagen, der sich tatsächlich in Bewegung gesetzt hatte. Immer schneller werdend, rollte er auf sie zu. Es wurde höchste Zeit, etwas zu unternehmen.
Parker reagierte mit der Präzision eines programmierten Roboters. Und das war gut so, denn es ging um Sekunden, wenn er und seine Mitreisenden von dem Laster nicht zermalmt oder von der Straße gefegt werden wollten. Der Butler legte den Rückwärtsgang ein, gab Vollgas und zuckte mit keiner Wimper, als genau in diesem Augenblick vom Laster aus eine gleißend helle Feuerzunge blitzschnell auf das Monstrum zujagte.
*
Josuah Parker war ein Meisterfahrer.
Er hatte sich halb umgewendet und steuerte sein hochbeiniges Monstrum in einem wahnwitzigen Tempo zurück zur Biegung. Falls er es schaffte, sie zu erreichen, war die erste Gefahr gebannt.
Die Feuerzunge erwies sich als ungeheuer schnell. Sie holte auf und ließ selbst Lady Simpson vor Erregung keuchen. Kathy Porter hatte sich vorgebeugt und fixierte die Feuerschlange. Dann drehte sie ihren Kopf zurück und versuchte herauszubekommen, wie weit es noch bis zur Biegung war.
Kathy war entsetzt.
Von der Straße war kaum etwas zu sehen und von der Biegung gar nichts mehr. Es war Kathy ein Rätsel, wieso Parker sich mit dem Wagen überhaupt noch auf dem richtigen Weg befand und woher er wußte, welchen Kurs er zu steuern hatte.
»Wir werden es nicht schaffen«, erklärte Lady Simpson mit sichtlich belegter Stimme.
»Mylady erlauben, daß ich mir die Kühnheit nehme zu widersprechen«, antwortete Parker höflich und mit einer Stimme, die eiserne Selbstbeherrschung verriet. Im gleichen Moment riß er das Steuer herum, fing den wegrutschenden Wagen ab und brachte ihn wieder auf festen Untergrund.
Natürlich war Parker vollkommen klar, daß ihre Chancen nicht besonders groß waren. Er konnte tatsächlich nicht mehr viel sehen. Die beiden Rückscheinwerfer lieferten nicht ausreichend Licht. Und die breite Feuerschlange, die so ungewöhnlich grell war, raste immer näher auf sie zu. Da Parker beschäftigt war, konnte er sich nicht weiter um den Lastwagen kümmern.
Parker trat mit aller Kraft auf das Bremspedal, doch diesmal verzichtete Lady Agatha auf jeden Kommentar. Sie beobachtete nur die Feuerwalze, zu der die gleißend-helle Schlange jetzt geworden war. Sie befand sich ihrer Schätzung nach nur noch knapp zehn Meter vor dem Kühler des Monstrums. Nein, sie würden es nicht mehr schaffen. Insgeheim bedauerte Lady Simpson, so hartnäckig auf diesem Weg bestanden zu haben. Er hatte direkt in die Katastrophe geführt, wie sich jetzt zu beweisen schien.
Parker ließ durch Gegenlenken den Wagen herumdriften, gab wieder Vollgas und hielt dann an.
»Sind Sie wahnsinnig, Mister Parker?« Lady Simpsons Stimme war inzwischen nicht mehr belegt, sondern schon heiser. »Warum halten Sie an?«
»Die Gefahr, Mylady, dürfte meiner bescheidenen Ansicht nach gebannt sein.« Parker deutete mit seiner rechten Hand fast lässig auf die Feuerwand, die jetzt die Biegung erreicht hatte, doch die Kurve nicht nehmen konnte. Sie stürzte lotrecht weiter und hüpfte dann über den Steilhang weiter nach unten.
»Puh«, stieß Kathy Porter hervor und holte tief Luft. »Das war sehr knapp.«
»Nun übertreiben Sie mal nicht, Kindchen«, sagte Lady Simpson. »Ich wäre vielleicht noch etwas schneller gewesen.«
»Gewiß, Lady Simpson«, antwortete Kathy Porter und lächelte bereits wieder. So war sie nun einmal, Lady Agatha Simpson. Sie wußte alles besser und mußte kritisieren. Wahrscheinlich waren solche Behauptungen nur eine Art Ventil, um »inneren Dampf« abzulassen.
»Der Lastwagen, Mylady«, meldete der Butler gemessen. Lady Simpson und Kathy Porter beugten sich vor und beobachteten den Wagen, dessen aufgeschraubter Kastentank lichterloh brannte.
Diese riesige Fackel hatte die Biegung erreicht und schoß mit großer Fahrt über den Straßenrand hinweg nach unten auf den Steilhang. Sekunden später war eine Detonation zu hören.
*
»Wenn Mylady gestatten, möchte ich dem abgestürzten Tankwagen meine bescheidene Aufmerksamkeit widmen.«
»Aber beeilen Sie sich«, verlangte Lady Agatha. »Ich möchte endlich meinen Tee nehmen.«
»Damit kann ich selbstverständlich dienen, Mylady.«
Der Butler griff nach einem Bastkorb, der neben ihm im Wagen stand, öffnete den Deckel und holte eine Thermosflasche hervor. Da er den äußerst schwachen Kreislauf Lady Simpsons kannte, hatte er für jede Fahrt sicherheitshalber einen französischen Cognac mitgenommen.
»Das mache ich schon, Mister Parker«, schaltete Kathy Porter sich ein, als Parker den Cognac servieren wollte.
»Laufen Sie nicht in die nächste Falle, Mister Parker«, warnte die Lady, als Parker den Wagen verlassen wollte.
»Eine Falle, Mylady?« Parker sah Lady Agatha ernst und gemessen an.
»Haben Sie das noch nicht herausgefunden?« wunderte sich Lady Simpson. »Das wundert mich aber doch sehr, Mister Parker.«
»Mylady haben Tatbestände entdeckt, die diese Annahme rechtfertigen?«
»Mein gesunder Menschenverstand«, sagte die Lady energisch. »Es kann doch kein Zufall gewesen sein, daß der Lastwagen ausgerechnet dort oben auf der Geraden stand, oder?«
»Über diesen Punkt werde ich ein wenig nachdenken«, versprach der Butler. Er griff nach seinem Universal-Regenschirm und öffnete ihn. Es war erstaunlich, daß dieses Gerät tatsächlich auch gegen Regen schützte. Normalerweise war dieser Schirm nichts anderes als ein geschickt getarntes Schießgerät, mit dem der Butler Blasrohrpfeile durch die Lüfte schicken konnte.
Er rückte seine schwarze Melone zurecht und schloß dann die Wagentür hinter sich. Der Wind griff sofort nach seinem Covercoat, den er trug. Regen peitschte auf den Schirm. Der Butler stemmte sich gegen den Sturm und ging dann gemessen zur Biegung.
Der Lastwagen brannte noch, obwohl der Regen in Sturzbächen vom Himmel rauschte. Er lag gut und gern fünfzig bis sechzig Meter unten auf dem Steilhang. Im Feuerschein war nicht zu erkennen, ob dort unten menschliches Leben war. Parker mußte also notgedrungen absteigen und sah sich nach einem geeigneten Weg um.
Er fand eine Art Pfad, nur wenige Fuß breit, der in steilen Serpentinen nach unten führte. Der Butler stieg ab und ließ sich dabei Lady Simpsons Behauptung durch den Kopf gehen. Sollte es sich wirklich um eine Falle gehandelt haben? Hatte man Lady Simpson, Kathy Porter und ihn vielleicht umbringen wollen? Falls dem so war, mußte diese Falle von langer Hand vorbereitet worden sein. Der Aufwand war beträchtlich gewesen und ließ auf gute Organisation schließen. Laien konnten so etwas wohl kaum inszeniert haben.
Nun, zur Zeit standen Lady Simpson, Kathy Porter und er nicht im Mittelpunkt irgendeines Gangsterrings. Das Trio arbeitete an keinem Fall. Man befand sich auf dem Weg nach Wolverton House, um einer Verwandten Myladys einen Besuch abzustatten.
Lady Dorothy Wolverton hatte sehr dringend um diesen Besuch gebeten und dazu das richtige Stichwort geliefert. Sie hatte Lady Simpson gegenüber von einem geheimnisvollen Spuk gesprochen und damit natürlich sofort eine Zusage ausgelöst. Für Geister und Spuk war Lady Simpson immer zu haben. Sie ließ sich keine Gelegenheit entgehen, Gespenstern auf den Zahn zu fühlen.
Die beiden Damen waren miteinander verwandt. Lady Dorothy Wolverton war die Schwägerin Lady Agathas, inzwischen auch längst verwitwet und ebenfalls nicht gerade unvermögend. Lady Agatha und Lady Dorothy Wolverton waren sich nicht gerade in überströmender Herzlichkeit zugetan. Normalerweise hätte Lady Agatha eine Einladung abgelehnt, doch wie gesagt, der Hinweis auf einen Spuk hatte sie geradezu belebt und ihre Aversion gegen Lady Wolverton vergessen lassen.
Parker hatte inzwischen die eigentliche Unfallstelle erreicht. Der Tankaufsatz des Lastwagens war auseinandergeborsten. Der Inhalt – es schien sich um Heizöl zu handeln – brannte lichterloh und schlug eine‘ Zone, die wegen der Hitze einfach nicht zu durchbrechen war. Die Tankflüssigkeit war ausgelaufen, breitete sich immer weiter aus und bildete überall kleine Tochterbrände, gegen die selbst der Regen nicht ankam.
Nein, hier war nichts mehr zu machen. Wer immer sich im Lastwagen befunden haben mußte, der konnte einfach nicht mehr leben, es sei denn, er war im letzten Moment aus dem Wagen geschleudert worden.
Parker rechnete mit solch einer Möglichkeit und suchte erst die nähere, dann die weitere Umgebung der Brandstelle ab. Vom Fahrer des Lastwagens war weit und breit nichts zu sehen. Er befand sich entweder im fast weißglühenden Lastwagen, oder es war ihm sogar gelungen, noch rechtzeitig auszusteigen.
*
Lady Agatha Simpson hatte auf ihren Tee verzichtet, dafür aber einen doppelten Cognac zu sich genommen. Nachdem ihr Kreislauf auf diese Art und Weise wieder auf Touren gebracht worden war, sah sie ihre Gesellschafterin wieder einmal mißbilligend an.
»Spüren Sie denn nichts, Kindchen?« fragte sie Kathy Porter.
»Was denn, Lady Simpson?« wollte Kathy wissen.
»Da braut sich wieder was zusammen«, behauptete Lady Agatha kriegerisch. »Ich spür’s in den Fingerspitzen. Irgend etwas tut sich da draußen im Regen.«
»Sie rechnen mit einem zweiten Lastwagen, Mylady?«
»Seien Sie nicht albern, Kindchen. Aber es gefällt mir einfach nicht, daß wir hier im Wagen herumsitzen. Besser könnten wir uns doch gar nicht anbieten.«
»Das Wetter draußen ist grauenhaft, Mylady.«
»Der Tod ist aber noch grauenhafter, Kindchen.« Lady Simpson nickte nachdrücklich und griff dann nach ihrem Südwester. »Wir werden sofort den Wagen verlassen. Werfen Sie sich was über.«
»Mylady, Sie werden sich erkälten.«
»Papperlapapp, Kindchen. Mich wirft so leicht nichts um. Kommen Sie, oder wollen Sie als Zielscheibe dienen?«
»Die Wagenfenster bestehen aus schußsicherem Glas, Mylady.«
»Müssen Sie immer widersprechen?« Lady Simpson kümmerte sich nicht weiter um ihre Sekretärin. Sie band sich den Südwester unter dem faltenreichen Kinn fest zusammen und erinnerte jetzt an den energischen Kapitän eines Dreimastschoners, der sich anschickt, Kap Horn zu umsegeln. Sie griff nach ihrem weiten, wallenden Umhang, drückte die Wagentür auf und stieg beherzt ins Freie.
Kathy Porter mußte notgedrungen folgen. Eine Lady Agatha Simpson ließ man tunlichst nicht allein. Selbst hier draußen im Unwetter fand sie bestimmt eine Möglichkeit, eine mittelmäßige bis große Dummheit zu begehen. Ihre Energien brauchten einfach ein Betätigungsfeld. Kathy streifte sich ebenfalls ihren Südwester über und band sich ein Tuch um den Kopf.
»Mir nach, Kindchen!« Lady Simpson marschierte bereits los, doch zu Kathys Überraschung nicht in Richtung Feuerschein, der inzwischen etwas schwächer geworden war. Lady Agatha hielt auf die Biegung zu, stieg dann in den Straßengraben und arbeitete sich erstaunlich rüstig und kraftvoll die Böschung hinauf. Hinter einem mannshohen Wacholderstrauch, der vom Sturm gepeitscht wurde, ging sie in Deckung.
»Gleich wird sich hier was tun«, flüsterte sie Kathy ins Ohr, mit einer Lautstärke, die recht beachtlich war. Lady Simpson schwenkte unternehmungslustig ihren perlenbestickten Pompadour, der ihren Glücksbringer enthielt, nämlich ein echtes Hufeisen, das nur recht oberflächlich mit dünnem Schaumstoff umwickelt war.
Kathy konnte sich wirklich nicht vorstellen, was sich hier noch tun sollte, doch sie nahm die Gelegenheit wahr, sich vor dem Sturm zu schützen. Sie baute sich dicht neben Lady Simpson auf, die sich vom Unwetter überhaupt nicht beeindrucken ließ. Ihr schien dieses Intermezzo außerordentlich zu gefallen.
Kathy Porter wunderte sich wieder einmal über den Sportsgeist und die Form der älteren Dame, die ihr Alter stets vage mit annähernd sechzig angab. Lady Agatha Simpson war eine immens vermögende Frau, die sich jede Extravaganz leisten konnte und dies auch genußvoll tat.
Mit dem Blut- und Geldadel der Insel verschwistert und verschwägert, hätte sie sich ein luxuriöses und bequemes Leben leisten können. Aber nein, Lady Simpson gab sich voll und ganz ihrer Leidenschaft als Amateurdetektivin hin und jagte Gangster aller Kaliber. Seitdem Josuah Parker in ihren Diensten stand, war Lady Agatha ungemein erfolgreich geworden.
