Polen auf Kurs West - Hartmut Spieker - E-Book

Polen auf Kurs West E-Book

Hartmut Spieker

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Beschreibung

Nach dem Fall der Mauer am 9. November 1989 und der deutschen Wiedervereinigung am 3. Oktober 1990 war Polen plötzlich unmittelbarer Nachbar von NATO und EU geworden. Rasch drängten die ersten frei gewählten polnischen Regierungen in die westlichen Sicherheits- und Wirtschaftsstrukturen, in NATO und EU. Und Deutschland war dabei das Tor zum Westen. Die deutsche Bundesregierung unter Bundeskanzler Kohl hatte die Normalisierung der Beziehungen zwischen Deutschland und Polen ganz weit oben auf die Prioritätenliste der auswärtigen Politik gesetzt. Die Entwicklung hin zu freundschaftlicher Zusammenarbeit erfolgte in rasanter Geschwindigkeit. Dabei spielten die Streitkräfte eine hervorgehobene Rolle: von ehemaligen Gegnern in NATO bzw. Warschauer Pakt wurden in wenigen Jahren Freunde. Am 12. März 1999 wurde Polen Mitglied in der NATO. In 85 Essays werden Begegnungen zwischen Deutschen und Polen in dieser spannenden Zeit dargestellt. Sie reichen von der einfachen Marktfrau bis hin zu den Präsidenten Roman Herzog und Aleksander Kwasniewski. Vor dem Hintergrund der deutsch-polnischen Geschichte ist die Nachhaltigkeit einer guten Entwicklung der bilateralen Beziehungen nach der friedlichen Revolution in Europa in den neunziger Jahren von besonderer Bedeutung. Die Essays dokumentieren, dass sich viele Bürger in beiden Ländern engagiert für eine Normalisierung der Beziehungen zwischen unseren beiden Ländern einsetzen. Diese Beispiele positiver persönlicher Begegnungen sollen das Verständnis zwischen den Menschen unserer beiden Nachbarvölker weiter vertiefen helfen. Sie sollen auch jene motivieren, die diesen Prozess kritisieren oder Vorurteile gegen die Menschen der jeweils anderen Nation hegen sowie Vorurteile und Intoleranz sowie evtl. vorhandene Befangenheit abbauen helfen.

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Seitenzahl: 335

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Photo auf der Titelseite:

Józef Oleksy (polnischer Ministerpräsident 1995-1996), Ursula Spieker, Hartmut Spieker beim Empfang am 3. 10. 1995

für meine polnischen FreundePaweł, Andrzej, Witek und Tomasz

Inhalt

Vorwort von Minister Volker Rühe

Grußwort von Staatssekretär Dr. Andrzej Karkoszka

Zum Titel und zur Zielsetzung

Polen im September 1994

1994

Auf dem Wege nach Warschau

NATO und Ex-Warschauer Pakt in gemeinsamem Manöver

Deutsche Soldaten in Auschwitz

Streit über die parlamentarische Kontrolle der Streitkräfte

Wojciech Jaruzelski beim Deutschen Nationalfeiertag

Pan Schweitzer, Zeitzeuge des Warschauer Aufstandes

Einzug in die

Ulica Okrężna 99A

Strategische Vorstellungen für eine Zusammenarbeit

Minister Jerzy Milewski

Hauseinweihung

Einkaufsmöglichkeiten in Warschau und Begegnungen auf dem Wochenmarkt

VIP-Abendessen und seine Folgen

Die polnische Sprache

Gutes tun und Freude erfahren

1995

Betrug auf Bestellung - Mit Autoschiebern unterwegs

Ausstellung eines polnischen Künstlers in Jever und in Warschau

Ausbildung für die Polnische Armee zur Vorbereitung auf die NATO

Bedeutung der Sprachkenntnisse

Geste der Versöhnung auf dem Soldatenfriedhof in Warschau

Bremer Tabak-Collegium im Warschauer Königsschloss

Eindrücke von der polnischen Jugend

Die polnischen Marineflieger feiern ihren 75. Geburtstag

Bundeskanzler Helmut Kohl zu offiziellem Besuch in Polen

Wo steht Polen im Vergleich zu den anderenMOE/SOE-Staaten?

Die Münchner Philharmoniker in Warschau

Einweihung des deutschen Soldatenfriedhofs in Przemyśl

40 Jahre Bundeswehr - auch in Warschau wird gefeiert

Informationstagung für polnische Offiziere, die in Deutschland studiert haben

Gepanzerte Begegnungen in Sagan

Polnische Gastfreundschaft

Sylvester-Gala in der Staatsoper

1996

Erstes Kolloquium für die Führung der polnischen und deutschen Streitkräfte in Zakopane

Der Verteidigungsausschuss des Deutschen Bundestages in Warschau

Rudolf, bist Du´s?

Offizieller Besuch von Minister Volker Rühe in Polen

Karsten Voigt, MdB und Präsident der Parlamentarischen Versammlung der NATO zu Besuch in Polen

Internationales Militärmusikfestival in Krakau

Dixieland-Jazz in einem Biergarten in der Warschauer Innenstadt

Major Scheffel beendet als erster Offizier der Bundeswehr die polnische Generalstabsausbildung

Zweites Kolloquium für die Führung der deutschen und polnischen Streitkräfte in Markdorf am Bodensee

Auf der Oder von Swinemünde nach Stettin

Konsularische Hilfe für deutsche Staatsbürger in Not

Deutsch-polnischer Brückenschlag über die Oder

Restaurierung des Blücher-Mausoleums

General Dieter Stöckmann in seiner Geburtsstadt Stolp

1997

Treffen der Verteidigungsminister im Rahmen des Weimarer Dreiecks

Trauerfeier für Minister Jerzy Milewski

Der 75. Geburtstag von Władisław Bartoszewski

Auf Spuren der Königlich Preußischen Ansiedlungskommission

Sommerfest von 6 deutschen Offizieren in Warschau

Pawel Seydak

Die Big-Band der Bundeswehr zu Gast in Polen

Besuch der Fregatte „Lübeck“ in Danzig

Bundespräsident Roman Herzog bei „1000 Jahre Danzig“

NATO-Gipfel in Madrid; Polen wird zu Beitrittsverhandlungen eingeladen

Das Jahrtausendhochwasser

Die Flutkatastrophe an der Oder hält an

Trilaterales Ministertreffen DEU - POL - DAN

Marketender beim 3. Kolloquium für die Führung der polnischen und deutschen Streitkräfte in Drawsko

Exkursion deutscher Offiziere an historische Plätze, nach Grunwald / Tannenberg

Staatssekretär Dr. Andrzej Karkoszka

Deutsch-Polnische Offizierseminare

Von Rendsburg nach Stettin

Die Zukunft der NATO nach der Osterweiterung

Grundstück für die neue Deutsche Botschaft in Warschau

Die polnische Regierung bedankt sich mit Jazz und Klassik auf dem Petersberg bei Bonn

Die „Willy-Brandt-Schule“ in Warschau

1998

Bronisław Komorowski bei uns zu Gast zur Weinprobe

Deutsche Schnellboote vor der Hakenterrasse in Stettin

23 MiG-29 von Rostock-Laage nach Minsk-Mazowiecki

Hausausweise für die Militärattachés in Bonn und Warschau

Schlesische Lehrstunde

General Hartmut Bagger in seinem Geburtsort Braunsberg

Herbert Hupka erhält die Ehrenmedaille seiner Heimatstadt Ratibor

Im Hubschrauber über die pommersche Küste

Witold Szymański

Begegnung mit polnischen Veteranen

Feierliches Gelöbnis deutscher und polnischer Rekruten in Guben und Gubin

Viertes Kolloquium für die Führung der deutschenund polnischen Streitkräfte in Bad Mergentheim

Geburtsurkunde für das „Multinationale Korps Nord-Ost“

Beginn in Stettin, der Stadt des „Multinationalen Korps Nord-Ost“

Vom Barkeeper zum erfolgreichen Unternehmer: Tomasz Gołębiewski

Polnischer Orden für einen deutschen Offizier

Der Schlüssel: Symbol der Versöhnung

Ein kurzes Nachwort

Ko-Autoren

Dank

Quellen

Bildnachweis

Personenregister

Vorwort

von Volker Rühe, Bundesminister der Verteidigung (1992 - 1998)

Kapitän zur See Hartmut Spieker hat mit seinem Buch „Polen auf Kurs West“

ein sehr lesenswertes Buch über seine Zeit als deutscher Militärattaché‘ in Polen von 1994 bis 1998 geschrieben.

Mit viel Herz und Sachverstand beschreibt er die Zeit des Aufbruchs Polens in Richtung Westen, eine großartige Zeit der deutsch - polnischen Beziehungen!

Seine Erinnerungen zeigen, dass es ein Glücksfall war, zu dieser Zeit Kapitän Spieker im Team mit seiner Frau in Warschau zu haben. Das Buch vermittelt Vertrauen, dass trotz mancher Irritationen auch das Polen von morgen diesen Kurs weiter erfolgreich steuern wird!

Ich wünsche seinem in dieser Zeit besonders wichtigen Buch Erfolg in Deutschland und in Polen! Kapitän Spieker danke ich auf diesem Wege für seinen Dienst für Deutschland und die freundschaftliche Entwicklung der deutsch - polnischen Beziehungen!!

im Juli 2020

Volker Rühe

Grußwort

von Dr. Andrzej Karkoszka,

Staatssekretär und 1. Stellvertreter des Ministers für Nationale Verteidigung der Republik Polen (1995-1998)

Erinnerungen, die das vorliegende Buch schildern, stellen eine Fotografie von Geschehnissen dar, die einen ungewöhnlichen Zeitabschnitt der Beziehungen zwischen den Deutschen und den Polen erfüllen.

Obwohl sie vornehmlich staatliche Aktivitäten betreffen, sind die Erinnerungen trotzdem sehr persönlich. Recht deutlich kommt darin die Überzeugung zum Ausdruck, dass sich in jener Zeit ein seltenes Wunder der Wandlung in Beziehungen zweier Völker ereignete, die sich jahrhundertelang feindlich gegenüberstanden, sich in ihrer Masse einander nicht akzeptieren wollten, argwöhnisch Intentionen der jeweils anderen Seite betrachteten und häufig mit schrecklichen Erfahrungen des Krieges und der Okkupation belastet waren.

Ein derartiges „Wunder“ erfordert einen Umbruch, eine grundsätzliche Infragestellung der Vergangenheit als einzige Möglichkeit des weiteren Handelns. Es erfordert ebenfalls einen festen Glauben, dass eine bessere, gemeinsam geformte Zukunft doch möglich ist. Solche Momente nennen wir „historisch“.

Dieses neue Herangehen erforderte selbstverständlich Handlungen von Staatsmännern, gründete sich auf geistiger Reife beider Gesellschaften, im praktischen Sinne machte es aber zahlreiche kleine Schritte einzelner Menschen notwendig. Um Stereotype und Vorurteile überwinden zu können, haben viele einzelne Personen an den Erfolg ihrer Anstrengungen glauben, als Vorbild dienen und die Wirklichkeit aktiv mitgestalten müssen. Ein solcher Mensch war und ist der Autor dieser Erinnerungen.

Ihr Inhalt deckt sich mit der Zeit, als der Gedanke an die Aufnahme Polens in das Nordatlantische Bündnis und in die Europäische Union für viele noch als viel zu optimistisch galt. Zweifel dieser Art äußerte insbesondere das polnische Offizierkorps, das mehrheitlich unter jahrelanger Indoktrination über eine Bedrohung von der NATO, insbesondere seitens des „revisionistischen“ Deutschlands stand. Dass die Polnische Armee und die Bundeswehr zu Verbündeten werden können, die zugunsten einer gemeinsamen Sicherheit integriert sind, war nur schwer vorstellbar. Doch ohne eine politische und materielle Unterstützung von Deutschland wäre unsere Aufnahme in die beiden Organisationen, das Bündnis und die EU, kaum möglich gewesen.

Es ist sehr schade, dass jetzt, zur Zeit „des guten Wandels“ in unserem Lande, wir diese historische Schlüsselrolle Deutschlands oft vergessen.

Die Seiten des Buches dokumentieren, wie wir innerhalb weniger Jahre, gestützt auf die gleichen politischen Werte und sich angenäherte Ausbildungsstandards, zu gemeinsamen Kampfverbänden, vereinten Führungsstäben und einem tiefen gegenseitigen Vertrauen gekommen sind. Das, was fast unmöglich, zumindest sehr schwierig erschien, wurde Alltäglichkeit.

Der Autor dieser Erinnerungen spielte in diesem Prozess eine wesentliche Rolle und ist dieser seiner Verpflichtung gewissenhaft nachgekommen. Zudem wird deutlich, dass ihm seine Aktivitäten zugunsten einer polnisch-deutschen Zukunft eine echte Freude bereitet haben, dass ihn eine jede Meile auf diesem Weg wirklich erfreute.

Ich war ein Augenzeuge des Prozesses und bin dem Schicksal sehr dafür dankbar, dass es mir die Gelegenheit gegeben hat, mit dem hervorragenden Deutschen, einem Freund Polens und der Polen, zusammenarbeiten zu dürfen. Hartmut, ich danke Dir dafür, was Du gemacht hast und, selbstverständlich, auch für das Zeitzeugnis, das Dein Buch darstellt.

im Juli 2020

Zum Titel und zur Zielsetzung

„Herr Kapitän, ich bin sicher, dass Polen auch weiterhin Kurs 270o steuern wird“1 schrieb Bronisław Komorowski als Vorsitzender des Verteidigungsausschusses im Sejm am 24. Februar 1998 in unser Gästebuch. Später, von 2010 bis 2015 wurde er Präsident der Republik Polen.

Von 1994 bis 1998 haben meine Frau Ursula und ich in Warschau gelebt. Als Kapitän zur See hatte ich die Aufgabe des Verteidigungsattachés an der Deutschen Botschaft in Warschau übernommen.

Bronisław Komorowski war an dem genannten Abend mit seiner Ehefrau Anna als Gast bei uns zum Abendessen mit einer Weinprobe eingeladen. Ich hatte in den zurückliegenden 3 Jahren bei Interviews, in Zeitungsartikeln und bei Vorträgen immer wieder betont, dass ich von der breit und tief verankerten politischen Richtung im Lande beeindruckt sei. Alle politischen Parteien in Polen von links bis rechts vertraten m.E. eine ähnliche bis gleiche Auffassung: sie steuerten Kurs 270°, den Kurs in Richtung Westen, nach Brüssel in die europäischen und transatlantischen Wirtschafts- und Sicherheitsstrukturen, also in die EU und in die NATO. Meine maritime Wortwahl hatte Bronisław Komorowski am Ende des Abendessens nun zum Eintrag in unser Gästebuch gewählt. Diese Aussage des späteren polnischen Staatspräsidenten gab den Impuls für den Titel dieses Buches.

Da Deutschland bei den polnischen Bemühungen um Integration in die europäischen und trans-atlantischen Wirtschafts- und Sicherheitsstrukturen das „Tor zum Westen“ war, wurde die Entwicklung der Beziehungen zwischen beiden Staaten und ihren Menschen besonders wichtig. Unsere Erfahrungen in den 4 Jahren von 1994 bis 1998 belegen, dass es hier eine außerordentlich rasante, erfreuliche Entwicklung gegeben hat. Vor dem Hintergrund der deutsch-polnischen Geschichte - insbesondere der in den knapp zweihundert Jahren von 1795 bis 1990 - ist die Nachhaltigkeit einer guten Entwickung der bilateralen Beziehungen nach der friedlichen Revolution in Europa in den neunziger Jahren von großer Bedeutung. Leider hat sie seit 2015 jedoch einen - hoffentlich nur temporären - Einbruch erlitten.

85 Essays mit sehr unterschiedlichem Charakter sollen einen kleinen Eindruck über diese rasante Entwicklung geben. Es sind sehr sachliche Essays, Essays über eindrucksvolle persönliche Begegnungen und auch sehr emotionale Essays, die Begegnungen von Menschen unserer beiden Nationen sehr nahe gegangen sind. Allesamt sollen sie dokumentieren, dass sich viele Bürger in Polen wie in Deutschland engagiert für eine Normalisierung der Beziehungen einsetzen. Diese Beispiele positiver persönlicher Begegnungen zwischen Polen und Deutschen sollen das Verständnis zwischen den Menschen unserer beiden Nachbarvölker weiter vertiefen helfen. Sie sollen auch jene motivieren, die diesen Prozess kritisieren oder Vorurteile gegen die Menschen der jeweils anderen Nation hegen. Sie sollen Vorurteile und Intoleranz sowie evtentuell vorhandene Befangenheit abbauen helfen.

1 Kurs 270o in der Navigation ist Kurs West

Polen im September 1994

Nach der Wahl des polnischen Papstes im Jahre 1978, nach der zwei Jahre später gegründeten Gewerkschaft Solidarność, nach der Wahl von Michail Gorbatschow zum Generalsekretär des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei der Sowjetunion im März 1985 und nach dem Fall der Mauer im Jahre 1989 mit der nur kurze Zeit später erfolgten Vereinigung der beiden deutschen Staaten befand sich Polen in einer völlig neuen geopolitischen Lage: man hatte plötzlich eine unmittelbare Grenze zum Westen, zur Europäischen Union und zur NATO. Die drei bisherigen Nachbarstaaten Sowjetunion, DDR und Tschechoslowakei waren von der Weltkarte verschwunden. Dafür hatte man in Warschau nun diplomatische Beziehungen mit den 7 neuen Nachbarstaaten aufnehmen müssen, also mit Deutschland, der Tschechischen Republik, der Slowakei, der Ukraine, mit Weißrussland, Litauen und Russland.

Kritik an der Führung des kommunistischen Polen wurde vor der Wende nur in der Form von Anekdoten geduldet, die vor allem in intellektuellen und höheren politischen Kreisen die Runde machten. So kursierte noch wenige Jahre vorher in Warschau die Anekdote über die „Neue Welt“, eine Welt, die nun plötzlich in greifbare Nähe gerückt war. Was hatte man sich in der kommunistischen Zeit in Warschau, dem Zentrum „der fröhlichsten Zelle im Kommunistischen Gefängnis“ erzählt? Hier kommt die kleine Anekdote: „Wenn man mit dem Rücken zum Zentralkomitee der Polnischen Vereinigten Arbeiterpartei (PVAP) steht, dann sieht man die Neue Welt!“ Zur Erklärung: Das Gebäude der PVAP stand am Ende der Warschauer Prachtstraße Nowy Swiat (zu deutsch „Neue Welt“).

Seit 1990 war Lech Wałęsa Staatspräsident. Waldemar Pawlak, der Vorsitzende der Bauernpartei war 1993 zum Ministerpräsidenten einer Koalitionsregierung aus den linken Sozialisten (SLD) und seiner Bauernpartei (PSL) gewählt worden.

Hanna Suchocka, von 1992 bis 1993 Ministerpräsidentin des Landes und Vorgängerin von Waldemar Pawlak hatte die polnische Zielsetzung klar und deutlich ausgesprochen, wenn sie feststellte „wir würden es begrüßen, wenn der Dialog im Nordatlantischem Kooperationsrat (NAKR) zu größerer Sicherheit für Polen führen könnte. Obwohl Polen nun sowohl innen- als auch außenpolitisch betrachtet ein sicheres Land ist, besteht das Ziel der polnischen Regierung nämlich darin, für Polen selbst wie auch für andere europäische Staaten eine umfassende Reform von Sicherheit zu erreichen. Daher erwarten wir, dass die NATO im Laufe der Zeit weitere und zunehmend bedeutendere Verpflichtungen im Hinblick auf Tschechien und die Slowakei, auf Ungarn und Polen eingeht - Verpflichtungen, die schließlich zur Integration dieser Staaten in das atlantische Sicherheitssystem führen werden. Wir betrachten unsere Beziehungen zur NATO als dynamischen Prozess. Ich bin davon überzeugt, dass es keinen Grund zu der Annahme gibt, der derzeitige Stand der Kontakte sei bereits die Endstufe. Wir wollen diesen Prozess auch dadurch weiter entwickeln, indem wir neue Elemente einbringen und neue Möglichkeiten aufzeigen, wobei wir stets unser strategisches Ziel im Auge behalten, nämlich die Vollmitgliedschaft im atlantischen Bündnis.“2

In Deutschland hatte die Bundesregierung unter Bundeskanzler Helmut Kohl in dieser neuen geopolitischen Lage und vor dem Hintergrund der deutsch-polnischen Geschichte die Verbesserung und die Normalisierung der Beziehungen zwischen beiden Ländern ganz oben auf die außenpolitische Agenda gesetzt. Diese Schwerpunktsetzung hatte sicherlich mehrere Gründe. Ein Grund ist die historische Entwicklung zwischen beiden Ländern, insbesondere seit der 3. polnischen Teilung im Jahre 1795. Einen weiteren Grund nannte Wolfgang Schäuble mit der Feststellung: „Die Deutschen haben ein stärkeres Bedürfnis nach Stabilität und Sicherheit als andere, darüber ist nicht zu spotten oder zu klagen, das ist die Folge der Brüche zumindest in der ersten Hälfte des letzten Jahrhunderts. Es hat schließlich auch etwas damit zu tun, dass wir in der Mitte Europas gelegen sind und dass alles, was in Europa geschieht, uns unmittelbar und schneller als andere betrifft. Wir haben mehr Nachbarn als andere, von der Stadtgrenze der deutschen Hauptstadt Berlin bis zur polnischen Westgrenze sind es 60 Kilometer. Und wenn in Polen die Entwicklung schlecht verliefe, wäre Deutschlands Stabilität unmittelbar berührt“.3

Im Geschäftsbereich des Verteidigungsministers galt die Schwerpunktsetzung „Polen“ in besonderem Maße. Die Spitze des Ministeriums mit Minister Volker Rühe, Staatssekretär Jörg Schönbohm und Generalinspekteur General Klaus Naumann zeigte ein überaus großes Interesse an Polen sowie Engagement für Polen und dessen Westbindung. Die Tatsache, dass Polen von Volker Rühe im Zeitraum September 1994 bis September 1998 Polen insgesamt 12 Mal besucht wurde - häufiger als er die USA in der Zeit besucht hat - dokumentiert dieses Engagement und führte zu einer großen Popularität Rühes in den politischen Kreisen Warschaus. In diesen Jahren wurde Vertrauen aufgebaut - auf beiden Seiten für die jeweils andere Seite, eine völlig neue Erfahrung in den Beziehungen zwischen Deutschen und Polen seit Ende des 18. Jahrhunderts.

Der Wunsch nach einer raschen und vollständigen Einbindung in die transatlantischen Bündnisstrukturen stießen 1994 bei den Allianzpartnern auf unterschiedliche Reaktionen. Die britische Haltung zur Möglichkeit einer NATO-Mitgliedschaft der Visegrad-Staaten war bislang von großer Skepsis gekennzeichnet. Weitgehend einheitlich schien die ablehnende Haltung Frankreichs in dieser Frage zu sein und die Position der USA zum Problem der Aufnahme osteuropäischer Länder in das atlantische Bündnis war in jener Zeit von großer Ambivalenz gekennzeichnet.4

Dagegen war die deutsche Haltung eindeutig. Bereits am 26. März 1993 hatte Verteidigungsminister Volker Rühe vor dem Internationalen Institut für strategische Studien (IISS) in London die Aufnahme osteuropäischer Staaten in die NATO vorgeschlagen. In Abweichung der innerhalb der Allianz häufig vertretenen dehnbaren Formulierung einer NATO-Erweiterung „zu gegebenem Zeitpunkt“ regte Volker Rühe an, den Staaten Osteuropas noch vor deren möglichen EG-Beitritt die Mitgliedschaft in der NATO zu gewähren.5

Die vier Jahre in Polen wurden für uns tatsächlich eine außergewöhnlich interessante Zeit. Zunächst einmal drängte Polen - wie gesagt - mit Nachdruck in die EU und in die NATO, mit Deutschland als dem Tor zum Westen! Und dann breitete sich nach dem Zerfall der Sowjetunion und der Auflösung des Warschauer Paktes in diesem großen Land mit seinen knapp 40 Millionen Einwohnern sehr schnell eine allgemeine Aufbruchsstimmung aus. In einem solchen Land zu leben, ist eine besonders große Freude. Als ich im Jahre 1993 für die Aufgaben eines Verteidigungsattchés in Polen ausgewählt wurde, waren Rasanz und Intensität der Entwicklung, wie sie folgen sollte, nicht absehbar. Diese Entwicklung hat dann aber zu unserem ganz persönlichen Wohlbefinden stark beigetragen.

Und schließlich waren wir in doppelter Hinsicht privilegiert: wir besaßen den Diplomatenstatus und hatten vorher intensiv die polnische Sprache erlernt. Beides trug zusätzlich zum Wohlbefinden bei. Wie heißt es so schön? „Wenn man die Sprache des Landes spricht, öffnet das die Türen“. Das ist wohl korrekt, bedarf für Polen aber noch einer Ergänzung: „Wenn man vor dem Hintergrund der deutsch-polnischen Geschichte als deutscher Offizier in Polen die polnische Sprache spricht, so öffnet dies nicht nur die Türen, sondern die Herzen“. Eine solche Erfahrung konnten wir in den vier Jahren immer wieder machen.

Nachdem die Zielsetzung dieses Buches wie auch die geopolitische Lage Polens im September 1994 kurz vorgestellt wurden, sollen nun ausgesprochen unterschiedliche und vielfältige Ereignisse der deutschpolnischen Beziehungen im Zeitraum 1994 bis 1998 beleuchtet werden.

2 Ministerpräsidentin Hanna Suchocka, NATO-Brief 1993, Seite 6

3 Wolfgang Schäuble in „Europa wohin?“ Seiten 124/125

4 Karl-Heinz Kamp „Die Frage einer Osterweitering der NATO“ in Innere Studien und Berichte Nr. 57/93 der Konrad-Adenauer-Stiftung aus dem November 1993

5 Die Rede ist abgedruckt in: Volker Rühe. Betr.: Bundeswehr, Berlin 1993 S 172 ff

1994

12. September Auf dem Wege nach Warschau

Nachdem Ursula und ich am Bundessprachenamt in Hürth gemeinsam für ein Jahr ganztägig die polnische Sprache erlernen durften und nachdem unsere Umzugswagen abgefahren waren, hatten wir am Vortage das Rheinland zu zweit mit unseren beiden Pkw in Kolonne verlassen und im Raum Hannover übernachtet. Wir sind auf dem Weg zum Grenzübergang in Frankfurt/Oder. Der Rundfunksender „Antenne Brandenburg“ bringt in den Verkehrsnachrichten die Meldung: “Wartezeit für die Ausreise nach Polen für Lkw 48 Stunden, für Pkw 1 Stunde“. Dieses ist der erste hautnahe Kontakt mit unserer neuen temporären Heimat. Auf der Autobahn vor Frankfurt/Oder fahren wir auf der linken Fahrspur und passieren eine etwa 15 km lange Schlange aus einer Unzahl von kleinen und großen Auto-Transportern, die alte Autos und Autoteile aus Deutschland nach Polen und andere Länder des früheren Ostblocks bringen. Etwa einen Kilometer vor der Grenze kommt auch der PKW-Verkehr zum Stehen. Wir warten etwa 10 Minuten, als uns langsam ein Auto des deutschen Zolls passiert. Wir halten die Zöllner an und fragen, ob wir mit dem Diplomatenpass die Kolonne passieren dürfen. Wir erhalten eine Bestätigung und passieren nun mit Zoll-Geleit die lange Autoschlange.

Ein ausgesprochen schlechtes Gewissen plagt uns schon, als wir die lange Reihe an wartenden PKW passieren, doch nach wenigen Minuten sind wir auf der Oder-Brücke, sehen die weiß-rote polnische Flagge und können in Polen einreisen. Was wird uns erwarten, was werden wir in den nächsten Jahren erleben? Wie wird man uns als deutsche Offizierfamilie aufnehmen? Der Dienstherr hat uns 16 Monate Zeit zur Vorbereitung auf unser neues Gastland gegeben. Und das nicht nur durch das Erlernen der polnischen Sprache. Für das Studium der polnischen Geschichte, der polnischen Kultur und des deutschpolnischen Verhältnisses war ausreichend Zeit gegeben, die wir auch intensiv genutzt haben. Wir fühlen uns gut vorbereitet. Das Wissen um die deutsch-polnische Geschichte soll der Leitfaden unserer Arbeit und unserer Kontakte in Polen sein. In dem Bewusstsein der Verbrechen Nazi-Deutschlands in Polen möchten wir zum Ausbau der gutnachbarschaftlichen Beziehungen, zu ihrer Normalisierung beitragen und freuen uns sehr auf diese neue Herausforderung.

Das sind die Gedanken, die uns durch den Kopf gehen, als wir die Oder, die Grenze überqueren. Doch schon geht es auf der „Warschauer Allee“ gen Warschau weiter, der Europastraße 8, die von Frankfurt/Oder über Warschau nach Brest/Litowsk in Weißrussland führt. Der gesamte Autoverkehr - Pkw wie Lkw - für Polen und die weiter im Osten gelegenen Länder führt über diese zweispurige Landstraße. Eine Autobahn gibt es noch nicht. Sehr schnell lernen wir ein weiteres Wort der polnischen Sprache kennen, das uns bisher nicht bekannt war: koleiny. Dieses Wort taucht wiederholt auf Schildern entlang der Straße auf und bedeutet „Spurrillen“. Übermüdet nach einer langen und anstrengenden Fahrt erreichen wir kurz vor Mitternacht das Hotel „Intercontinental Victoria“ am Warschauer Piłsudski-Platz. Die Herausforderung „Polen“ kann beginnen!

16. September NATO und Ex-Warschauer Pakt in gemeinsamem Manöver

„Das ist der größte Taschenspielertrick, den sich die NATO einfallen lassen hat“. Mit dieser Bewertung stellt sich Andrzej Karkoszka auf dem Truppenübungsplatz Biedrusko (1900 bis 1945 der Truppenübungsplatz Warthelager) nördlich von Posen vor. Er ist Leiter des Planungsstabes im polnischen Ministerium für Nationale Verteidigung und begrüßt Botschafter und Militärattachés aus vielen Ländern, die sich den letzten Tag des ersten PfP-Manövers6, das unter dem Namen Cooperative Bridge läuft, ansehen wollen. Beteiligt sind Soldaten aus Bulgarien, Dänemark, Deutschland, Großbritannien, Italien, Litauen, Niederlande, Polen, Rumänien, Slowakei, Tschechien, der Ukraine und den USA. Beobachter stellen viele andere Nationen, darunter auch Russland.

Dieses erste gemeinsame Manöver unter Beteiligung von Truppen aus NATO-Ländern und Ländern des zerfallenen Warschauer Paktes sollte ursprünglich in den Niederlanden stattfinden. Doch die polnische Regierung unter Ministerpräsident Waldemar Pawlak (Bauernpartei) und Verteidigungsminister (Vizeadmiral a.D.) Piotr Kołodziejczyk setzte alles daran, das erste Manöver in diesem Rahmen auf polnischem Territorium ausrichten zu können. So erscheint es auch nur logisch, dass Präsident Lech Wałęsa und Verteidigungsminister Piotr Kołodziejczyk an diesem Abschlusstag teilnehmen. Cooperative Bridge ist ein politisches Ereignis der Sonderklasse, es findet bei der Presse der gesamten Welt hohe Beachtung: erstmals nach Ende des Kalten Krieges treffen sich Soldaten der NATO und des ehemaligen Warschauer Paktes zu einem gemeinsamen Manöver! Scherzhaft wird allerdings behauptet, dass mehr Journalisten als Soldaten an diesem kurzen Manöver teilnehmen.

Wenngleich PfP von den meisten NATO-Ländern zunächst lediglich als eine politische Geste gegenüber all jenen Ländern gesehen wird, die soeben ihre Freiheit gewonnen haben, erkennen einige Regierungen in Ost-Mittel-Europa sehr schnell die Möglichkeiten, PfP als Vehikel für ihre Bestrebungen nach einer Mitgliedschaft in der NATO zu nutzen. Der anfangs zitierte Andrzej Karkoszka wird zu einem der Vorkämpfer für Polens NATOMitgliedschaft. Für Polen, Tschechien und Ungarn sollte dieser Weg schon bald Realität werden: sie sollten auf dem NATO-Gipfel am 8./9. Juni 1997 in Madrid zu Beitrittsverhandlungen eingeladen und schließlich am 12. März 1999 vollwertige Mitglieder in der Allianz werden. Andrzej Karkoszka sollte schon bald zum Staatssekretär im polnischen Ministerium für Nationale Verteidigung befördert und als solcher zum stellvertretenden Leiter der polnischen Verhandlungsdelegation, die mit der NATO die Beitrittsverhandlungen führt, ernannt werden.

6 PfP: Partnership for Peace

18. September Deutsche Soldaten in Auschwitz

Wir sind noch keine Woche in Polen und schon steht mir eine besonders schwierige Aufgabe bevor. Das polnische Ministerium für Nationale Verteidigung hatte das deutsche und das dänische Verteidigungsministerium zu einem ersten trilateralen Heeresmanöver auf dem Truppenübungsplatz Nowa Dęba im äußersten Südosten Polens eingeladen. An dem Manöver, das unter dem Namen „Tatra 94“ steht, beteiligen sich 50 polnische, 96 deutsche und 50 dänische Fallschirmjäger. Für das Wochenende ist ein Betreuungsprogramm mit Besuchen in Krakau und Auschwitz geplant. Für uns ist es der erste Besuch in Auschwitz - weitere sollten später folgen.

Vor dem Hintergrund, dass deutsche Soldaten in größerer Zahl in Auschwitz sein werden, ist man an der Botschaft ausgesprochen unruhig. Wir wissen nicht, wie die öffentliche Meinung in Polen reagieren wird. Bereits früh um 5:30 Uhr am Sonntagmorgen breche ich mit meiner Frau in Warschau auf, um rechtzeitig in Auschwitz anzukommen. Meine Aufgabe ist die Begleitung der jungen deutschen Fallschirmjäger bei ihrem Besuch in dem früheren deutschen Vernichtungslager.

Als wir auf dem Parkplatz vor der Gedenkstätte ankommen, verschlägt es mir die Sprache: die Soldaten sind im Flecken-Tarnanzug gekleidet, die deutschen wie die polnischen und die dänischen Soldaten. Im Jahre 1994 sind deutsche Soldaten im Kampfanzug in Auschwitz! Wie wird die polnische Öffentlichkeit hierauf reagieren? Meine bisherige Unruhe verstärkt sich weiter. Doch unter den anwesenden Polen ist davon nichts zu spüren. Langsam wird mir aber erklärlich, warum alle einen Kampfanzug tragen: die Soldaten sind im Manöver und zivile Kleidung konnte aus den Standorten in ihren Heimatländern nicht mitgenommen werden.

In gemischten Gruppen à 20 Teilnehmer werden die jungen Soldaten durch die Gedenkstätte des früheren Konzentrationslagers geführt. Die deutschen Soldaten beider Konfessionen sind offensichtlich durch die sechs begleitenden Militärpfarrer sehr gut vorbereitet worden. Zu Beginn legen sie gemeinsam mit ihren dänischen und polnischen Kameraden an der Todesmauer neben dem berüchtigten „Todesblock 11“ einen Kranz nieder.

Bei der Führung durch dieses Vernichtungslager bekommen fast alle jungen Soldaten Tränen in die Augen. Niemals zuvor haben wir so viele junge Menschen weinen gesehen. Auch wir sind erschüttert und tief ergriffen und können die Tränen nicht unterdrücken. Wie ist es möglich, dass Menschen, dass unsere eigenen Vorfahren ein solches Vernichtungssystem entwickelt und dann auch nachhaltig durchgeführt haben? Auschwitz ist und bleibt der Tiefpunkt in den Beziehungen zwischen unseren beiden Nationen. Die Gaskammern, die Baracken, die Berge von Haaren, Koffern, Brillen und Spielzeug und schließlich die Todesmauer schockieren uns alle. Dieser Tag wird in unserem Gedächtnis tief verwurzelt bleiben.

Am Ende reisen die Soldaten nach Krakau weiter und wir zurück nach Warschau.

Die internationale Presse ist in großem Maße vor Ort, um über diesen Besuch deutscher Soldaten im früheren Konzentrationslager zu berichten. Die Berichterstattung in den Zeitungen und im Fernsehen in Deutschland wie in Polen ist jedoch ohne Dissonanzen, Misstöne oder Zwischenfälle, ohne jegliche Sensationslust. Sie ist sachlich und fair. Ich persönlich werte diesen Besuch als einen historischen Schritt hin zu einer guten nachbarschaftlichen und freundschaftlichen Beziehung zwischen unseren beiden Völkern.

An der Botschaft sind wir am folgenden Montag wieder beruhigt, unserer aller Befürchtungen sind unbegründet gewesen.

Die Soldaten schreiten offenbar voran auf dem Wege der Normalisierung der Beziehungen zwischen den beiden Völkern, den Deutschen und den Polen - weit vor anderen Bereichen. Noch vor fünf Jahren standen sie sich als Gegner gegenüber, nun dokumentieren sie den Beginn einer Zusammenarbeit oder gar den Beginn einer Freundschaft.

Welch eine positive Wandlung!

30. September Streit über die parlamentarische Kontrolle der Streitkräfte

An diesem sonnigen Herbsttag treffen sich die 13 höchsten Generale und Admirale der polnischen Streitkräfte im Offizierheim des Truppenübungsplatzes Drawsko (deutsch: Dramburg) in Pommern. Am Essen nehmen auch Präsident Lech Wałęsa, Verteidigungsminister Piotr Kołodziejczyk sowie Mieczysław Wachowski, Leiter des Präsidialkabinetts und engster Vertrauter des Präsidenten, teil.

Im Verlaufe des Treffens lässt Generalstabschef Tadeusz Wilecki auf Drängen von Minister Mieczysław Wachowski über die Frage abstimmen, wer von den Generalen noch Vertrauen in seinen Minister habe. Elf Generale stimmen gegen ihren eigenen, ihnen vorgesetzten Minister; nur der einzige Admiral und ein General enthalten sich!

Präsident Lech Wałęsa und sein Generalstabschef Tadeusz Wilecki haben offensichtlich das Ziel, eine Machtachse Präsident - Generalstab zu bilden, am Parlament und am Ministerpräsidenten vorbei. Dazu muss der zudem von den Heeresgeneralen ungeliebte Verteidigungsminister und frühere Admiral Piotr Kołodziejczyk entlassen und durch einen „genehmeren“ Minister ersetzt werden. Bekannt und explosiv sollte dieser Vorgang unter dem Namen Obiad Drawski in die polnische Geschichte eingehen. Was war weiter geschehen? Als Folge des Abendessens in Drawsko entlässt der Präsident tatsächlich den Verteidigungsminister am 10. November 1994. Die Öffentlichkeit erfährt von der Entlassung zunächst dadurch, dass der Minister an den Paraden und Feierlichkeiten zum polnischen Nationalfeiertag am 11. November 1994 nicht teilnimmt.

Unmittelbar im Anschluss an die Feierlichkeiten zum Nationalfeiertag treffe ich mich mit einigen anderen Verteidigungsattachés aus NATO-Ländern, um mich mit ihnen darüber auszutauschen, wie wir über diese Entwicklung in unsere jeweiligen Hauptstädte berichten sollten.

Unsere einhellige Meinung geht dahin, dass der Bruch zwischen dem Verteidigungsministerium und dem Generalstab noch größer geworden ist, dass der Verteidigungsminister und sein Ministerium gegenüber dem Staatspräsidenten an Durchsetzungskraft deutlich verloren haben, dass der Generalstabschef weiter an Boden gewonnen hat, dass das Parlament und insbesondere der Verteidigungsausschuss an Einfluss und Gesicht verloren haben, und dass der große Gewinner Präsident Lech Wałęsa ist - kurzfristig jedenfalls. Uns ist allen eindeutig klar, dass ein solches Verhalten eine Mitgliedschaft Polens in der NATO verhindern würde. In den Demokratien der NATO-Länder ist die parlamentarische Kontrolle über die Streitkräfte festgeschrieben und dies bedeutet auch die Loyalität der Soldaten gegenüber der politischen Führung. Eine NATO-Mitgliedschaft mit einem Generalstabschef Wilecki können wir uns nicht vorstellen.

Diese Bewertung berichten wir nach Bonn, Washington und London und die Berichte tragen dann mit dazu bei, dass westliche Politiker anlässlich vieler Besuche in Polen immer wieder die parlamentarische Kontrolle über die Streitkräfte anmahnen und somit eine regelmäßige Diskussion in allen Bereichen der polnischen Öffentlichkeit anregen. Es führt letztendlich dazu, das kurz nach dem Präsidentenwechsel am 23. Dezember 1995 ein neues Gesetz in Kraft tritt. Alexander Kwasniewski, der Nachfolger von Lech Wałęsa unterzeichnet am 14. Februar 1996 das Gesetz über den Minister für Nationale Verteidigung. Darin werden der Generalstabschef und die Streitkräfte eindeutig und klar dem zivilen Minister für Nationale Verteidigung unterstellt. Mit Inkrafttreten dieses Gesetzes werden bereits in den ersten zwei Monaten des Jahres 1996 die Rüstungsabteilung und die Finanzabteilung sowie der militärische Nachrichtendienst dem Minister für Nationale Verteidigung unterstellt. Bis dahin unterstanden diese dem Generalstabschef. Mit diesen Entscheidungen erfüllt Polen eine der unabdingbaren Voraussetzungen für den Eintritt zur NATO: Parlamentary oversight over the military - wie es in der NATO-Sprache Englisch heißt.

Die ganze Geschichte in Drawsko wird zudem von der Presse aufgegriffen und auch diese trägt zu den Entscheidungen des neuen Präsidenten bei. Ausgesprochen plakativ ist dabei eine Karikatur in der satirischen Wochenzeitschrift Wprost (deutsch: Direkt), auf der ein hochdekorierter General mit vielen Orden zu sehen ist, von denen ein Orden besonders blinkt. Ein einfacher polnischer Bürger bewundert das und fragt ihn mit Blick auf Schlachten des 2. Weltkrieges „Arnheim? Montecassino?“ Und der General antwortet: “Nein, Drawsko“.

Im Verlaufe der nächsten Monate sollte das Obiad Drawski nur eine kleine Episode bleiben. Die demokratische Entwicklung der Wojsko Polskie, der Polnischen Streitkräfte, sollte zügig voranschreiten.

3. OktoberWojciech Jaruzelski beim Deutschen Nationalfeiertag

Empfang der Deutschen Botschaft zum Deutschen Nationalfeiertag im Teatr Wielki, der Warschauer Staatsoper. Knapp eine Stunde lang stehen wir zu sechst (Botschafter, Gesandter und ich mit unseren Ehefrauen) in der Receiving line und begrüßen die 1.500 Gäste. Darunter befinden sich mit dem Ministerpräsidenten Waldemar Pawlak, dem Außenminister Andrzej Olechowski, dem Innenminister, dem Justizminister, dem Außenhandelsminister und dem Minister für Nationale Verteidigung die gesamte Spitze des polnischen Kabinetts. Viele Botschafter, wie die aus den USA, aus Großbritannien, Frankreich und Russland sowie eine große Anzahl von Verteidigungsattachés und viele andere Gäste aus Polen und anderen Ländern geben Deutschland 4 Jahre nach der Wiedervereinigung die Ehre. Auch Wojciech Jaruzelski, der erste und letzte kommunistische Präsident, der am 13. Dezember 1981 das bis zum 22. Juli 1983 andauernde Kriegsrecht in Polen verhängt hatte, ist mit seiner Ehefrau Barbara eingeladen und erschienen. Er ist zweifellos eine historische Persönlichkeit, die nach weit verbreiteter Auffassung der Historiker mit der Verhängung des Kriegsrechtes den Einmarsch der Truppen des Warschauer Paktes (und damit auch den Einmarsch deutscher Soldaten der NVA!) verhindert hat. Ich flüstere meiner Frau sogleich zu, dass wir - falls wir jemals mit den Begrüßungen fertig sein sollten - diese historische Persönlichkeit suchen und sprechen sollten.

Gegen 19:00 Uhr bröckelt die Receiving line ab und wir alle sechs mischen uns unter unsere Gäste. Meine Frau und ich suchen als erstes die Gelegenheit für ein Gespräch mit dem früheren polnischen Präsidenten, dem General a.D. Wojciech Jaruzelski und dessen Ehefrau Barbara. Wir finden die beiden in einem Gespräch vertieft mit dem amtierenden Außenminister Andrzej Olechowski und Szymon Szurmiej, dem Direktor des Jiddischen Theaters in Warschau. Welch eine Zusammensetzung! Der letzte kommunistische Präsident, der Außenminister Andrzej Olechowski von der Solidarność und einer der bekanntesten und einflußreichsten Juden in Polen. Dazu kommt nun der deutsche Verteidigungsattaché mit seiner Frau. Wir stellen uns noch einmal in polnischer Sprache vor, als uns Barbara Jaruzelska in einem akzentfreien Deutsch antwortet. Wir si,nd überrascht, wussten wir doch nicht, dass sie eine promovierte Germanistin ist und als Professorin an der Warschauer Universität gelehrt hat. Im Kreise dieser 6 Personen mit sehr unterschiedlichen persönlichen und politischen Hintergründen ergibt sich eine ausgesprochen interessante Unterhaltung über Warschau, über Polen und über die deutsch-polnischen Beziehungen in Gegenwart und Zukunft. Über die Vergangenheit wird nicht gesprochen.

Gegen 21:30 Uhr geht ein sehr schöner, erfolgreicher und interessanter Abend zu Ende, ein Abend in einem angemessenem Rahmen für unseren Nationalfeiertag und Deutschlands Rolle in Europa und der Welt nach der Wiedervereinigung vor 4 Jahren.

Eine eindrucksvolle, nachhaltige Folge hatte diese Gesprächsrunde aber noch. Wir sollten in den folgenden Jahren wiederholt das Jiddische Theater in Warschau besuchen, allein und mehrfach mit Freunden aus Deutschland und einmal aus Isreal. Wir bestellten die Eintrittskarten in der Regel vorher telefonisch. Und wenn wir die Karten abholten, dann bekamen wir sie an der Kasse mit freundlichen Grüßen von Szymon Szurmiej. Er freue sich über unseren Besuch und wir seien seine Gäste; die Eintrittskarten seien kostenlos für uns, ein kleines Zeichen deutschjüdischer Aussöhnung!

8. Oktober Pan Schweitzer, Zeitzeuge des Warschauer Aufstandes

Gleich nach unserer Ankunft in Warschau im September werden wir auf pan Andrzej Schweitzer aufmerksam gemacht. Wir müssten unbedingt eine Stadtführung mit ihm einplanen.

In der polnischen Sprache lautet die Anrede für Herr und Frau pan und pani. Für die Botschaft arbeitet zuweilen jener pan Schweitzer, eine Persönlichkeit, ein älterer polnischer Bürger, der den Krieg als Kind erlebt hat und der als Junge in dieser Zeit in einer Untergrundorganisation tätig gewesen ist - ähnlich Marcel Reich-Ranicki. Kurzum: pan Schweitzer ist für jeden Diplomaten an der Botschaft ein Begriff. Er ist zwar kein lokaler Angestellter der Botschaft, oder „Ortskraft“ wie das in der Terminologie des Auswärtigen Amtes lautet; er wird aber immer wieder gefragt, besondere Aufgaben zu übernehmen und er ist jederzeit verfügbar. Natürlich spricht pan Schweitzer gut deutsch.

Da sich der Umfang des Kraftfahrzeugparks der Botschaft in Grenzen hält, besteht immer wieder Bedarf zur Anmietung eines Mietwagens. Und pan Schweitzer, der einen etwas älteren Mercedes fährt, erhält häufig und auch kurzfristig eine Anfrage der Botschaft, für Politiker oder Diplomaten, die aus Deutschland kommen und die von der Botschaft betreut werden müssen, zu fahren. Das Interessante daran ist natürlich sein Wissen um die polnische Hauptstadt und ihre Geschichte. Und er gibt dieses Wissen auch gern an seine Fahrgäste weiter.

Pan Schweitzer wird aber auch immer wieder als Stadtführer für private Besucher eingesetzt, als Stadtführer, der seine Stadt wie kaum ein anderer kennt, der als Zeitzeuge die „Warschauer Unterwelt“ im 2. Weltkrieg persönlich kennengelernt hat und aus diesen Zeiten authentisch zu berichten weiß. Und so haben wir uns am heutigen Sonnabend mit pan Schweitzer verabredet, der uns Warschau näher bringen soll - und näher bringt.

Zu Fuß führt er uns an die unterschiedlichen Schauplätze des Aufstandes der Soldaten der Armia Krajowa (AK), der Heimatarmee, die sich vom 1. August bis zum 2. Oktober 1944 gegen die Besatzungsmacht erhob. Er erzählt uns, dass es die größte einzelne bewaffnete Erhebung gegen die Wehrmacht in Europa in jenen Jahren gewesen sei. Massenmorde an der zivilen Bevölkerung und eine fast vollständige Zerstörung der Stadt sind die Folge gewesen und nach 63 Tagen Kampf gegen die deutsche Besatzung hätten die Widerstandskämpfer kapituliert. Am östlichen Ufer der Weichsel hätten zwar russische Verbände gestanden, sie hätten aber in die Kämpfe in der Altstadt und im Stadtteil Wola nicht eingegriffen, sie hätten die AK allein gelassen. Das sei schon sehr entmutigend gewesen, so pan Schweitzer.

Er selbst schildert uns seinen Lebensweg und so soll er zu Wort kommen:7

„Ich wurde am 1. April 1931 in Warschau geboren und habe deutsche Vorfahren, die in der Mitte des 19. Jahrhunderts aus dem Raum Berlin in das damals russisch besetzte Warschau kamen. Im Jahre 1856 haben sie hier eine Senffabrik gegründet. Diese Fabrik hat in ihren Händen die beiden Weltkriege überdauert. Erst im Jahre 1953 kamen drei Herren der Staatssicherheit und forderten sämtliche Schlüssel der Fabrik. Das war das Ende für unseren Familienbesitz.

Die erste Generation meiner deutschen Vorfahren war offensichtlich nur deutschsprachig. Davon zeugen ihre Gräber auf dem ältesten Warschauer Friedhof Powązki mit ausschließlich deutscher Beschriftung. Gräber der nächsten Generation sind in polnischer Sprache beschriftet. Mein Vater kämpfte als polnischer Soldat während des polnischsowjetischen Krieges 1920. Im Zweiten Weltkrieg geriet er als polnischer Reserveoffizier in deutsche Gefangenschaft und saß bis 1945 in einem Gefangenenlager für Offiziere in Bayern, in Murnau.

Im Zweiten Weltkrieg gehörte ich ab 1942 den Szare Szeregi (“Graue Reihen“) an. Dieses war eine Untergrundorganisation der polnischen Pfadfinder und ich führte als 12 bis 13-jähriger Junge sog. kleine Sabotagen durch: das Malen von patriotischen, antideutschen Aufschriften an Wänden, das Übergießen von Bekanntmachungen der deutschen Behörden mit schwarzer Farbe oder aber Erkundungsaufgaben und vieles andere mehr. Am Aufstand selbst habe ich weder als Kämpfer noch als Melder teilgenommen, da ich gezwungen war, meiner Mutter bei meinem infolge der Kinderlähmung erkrankten Bruder zu helfen. Sie war eine sehr kleine Frau und hatte nicht die ausreichende Kraft dafür. Nach der Kapitulation des Aufstandes verließen wir mit anderen Flüchtlingen das zerstörte Warschau.

Nun zu der Frage meiner deutschen Sprachkenntnisse. Als ich vier Jahre alt war, beschäftigten meine Eltern für mich und meinen drei Jahre älteren Bruder eine deutsche Betreuerin. Das Fräulein sprach kein Wort polnisch, so dass wir mehrere Jahre lang zu Hause mit den Eltern polnisch, mit dem Fräulein dagegen nur deutsch gesprochen haben. Wir haben von ihr nicht nur die Sprache sondern auch den richtigen Akzent übernommen. Und dann hat der Krieg mit der deutschen Besatzung auch meinen Sprachkenntnissen gedient.

Im Jahre 1985 habe ich begonnen, als Taxifahrer zu arbeiten. Eines Tages fuhr ich eine deutsche Frau die, wie sich herausstellte, Diplomatin an der Botschaft der Bundesrepublik Deutschland war. Wir kamen ins Gespräch. Frau Jensen - so hieß sie - war von meinen Deutschkenntnissen beeindruckt und fragte mich, ob ich an einer Arbeit für die Botschaft interessiert wäre. So begann es. Seit 1987 arbeitete ich auf der Basis eines Vertrages für die Botschaft, obwohl ich nie formal zum Botschaftspersonal gehört habe. Zuweilen arbeiteten auch mein Sohn und meine Schwiegertochter für die Botschaft. So war es in besonderen Maße im Jahre 1989. Das war die Zeit, als große Gruppen von DDR-Bürgern in der westdeutschen Botschaft Asyl gesucht haben. Im Auftrage der Botschaft fuhren wir diese Menschen in ihre Unterkünfte in Ferienzentren in der Umgebung von Warschau, besorgten Ihnen die notwendige Verpflegung etc.. Nachdem ich 1991 das Taxi-Geschäft aufgegeben hatte, stand ich der Botschaft aber weiterhin mit meinem privaten Mercedes zur Verfügung. So manches Mal fuhr ich auch in offiziellen Fahrzeugkolonnen in Warschau und bei Fahrten in entlegenere Städte wie Posen oder Danzig die Gäste der Botschaft. Die Kontakte zur Botschaft sind für lange Zeit erhalten geblieben und so wurde ich, auch als ich wegen meines Alters nicht mehr gearbeitet habe, von der Botschaft zu offiziellen Anlässen wie dem „Tag der deutschen Einheit“ immer wieder eingeladen.

Die Arbeit als Stadtführer war eine logische Folge meiner Arbeit für die deutsche Botschaft. Immer dann, wenn ich mit meinem Privatauto für die Botschaft fuhr, erzählte ich den Mitfahrenden dieses und jenes über Warschau und seine Geschichte. Offensichtlich gefiel das vielen Gästen, die ihre Erfahrungen mit mir an Freunde und Bekannte weitergegeben haben. So wurde ich immer häufiger beauftragt, Gästen der Botschaft und privaten Freunden der deutschen Diplomaten Warschau zu zeigen und zu erklären.

Aufgrund meiner Familiengeschichte und meiner Sprachkenntnisse habe ich viele Regionen von Deutschland kennen gelernt. Bereits seit Ende der 60er Jahre, als es bei uns in Polen mit den Reisebeschränkungen lockerer wurde und man Devisen in Höhe bis zu 100 $ mitnehmen durfte, reiste ich nach Deutschland und in andere Staaten des Kontinents.“

Soweit pan Schweitzer.

Die mit vielen persönlichen Erlebnissen gespickten Erzählungen von pan Schweitzer treffen uns sehr. Es ist erlebte Geschichte. Und das motiviert uns, für jeden unserer künftigen privaten Besucher eine Stadtführung mit pan Schweitzer vorzusehen.

Stadtführung mit pan Schweitzer ist ein MUSS für alle unsere Freunde, die uns in den kommenden Jahren in Warschau besuchen werden.

7 Pan Schweitzer (inzwischen 89 Jahre alt) am 20. Mai 2020 in Warschau in einem Gespräch mit Pawel Seydak. Wenige Monate später, am 14. September 2020 starb Pan Schweitzer in Warschau

19. Oktober Einzug in die Ulica Okrężna 99A

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