Power Hour - Adrienne Herbert - E-Book

Power Hour E-Book

Adrienne Herbert

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9,99 €

Beschreibung

Hinter der Power Hour verbirgt sich ein ebenso simples wie geniales Konzept: Investiere eine Stunde am Tag und du bekommst das Leben, das dich endlich glücklich macht. Mithilfe zahlreicher Beispiele zeigt Adrienne Herbert, wie man die Kraftstunde in sein Leben integriert, Klarheit über persönliche Ziele gewinnt und diese Stück für Stück umsetzt. Als neue Gewohnheit fördert die Power Hour außerdem das Selbstbewusstsein, verbessert das Immunsystem, führt zu einem besseren Zeitmanagement und einer positiven Lebenseinstellung.

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Seitenzahl: 288

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Inhalt

CoverÜber dieses BuchTitelImpressumWidmungEinleitungDie Macht des DenkensWie man sich mächtige Gewohnheiten aneignetDie Macht der BewegungDie Macht des SchlafesDie Macht der MenschenDie Macht der ZieleGestalte deine eigene Power HourDanksagungEndnoten

Über dieses Buch

Hinter der Power Hour verbirgt sich ein ebenso simples wie geniales Konzept: Investiere eine Stunde am Tag und du bekommst das Leben, das dich endlich glücklich macht. Mithilfe zahlreicher Beispiele zeigt Adrienne Herbert, wie man die Kraftstunde in sein Leben integriert, Klarheit über persönliche Ziele gewinnt und diese Stück für Stück umsetzt. Als neue Gewohnheit fördert die Power Hour außerdem das Selbstbewusstsein, verbessert das Immunsystem, führt zu einem besseren Zeitmanagement und einer positiven Lebenseinstellung.

Vollständige E-Book-Ausgabe

des in der Bastei Lübbe AG erschienenen Werkes

Titel der englischen Originalausgabe:

»Power Hour. How to Focus on Your Goals and Create a Life You Love«

Für die Originalausgabe:

Copyright © Adrienne Herbert, 2020

First published as POWER HOUR by Hutchinson, an imprint of Cornerstone.

Cornerstone is part of the Penguin Random House group of companies.

Für die deutschsprachige Ausgabe:

Copyright © 2021 by Bastei Lübbe AG, Köln

Textredaktion: Iris Rinser, München

Umschlaggestaltung: ZERO Werbeagentur, München unter Verwendung von

Illustrationen von © Rolau Elena/shutterstock.com

eBook-Produktion: hanseatenSatz-bremen, Bremen

ISBN 978-3-7517-1499-0

luebbe-life.de

luebbe.de

lesejury.de

Für jeden, der weiß,dass er mehr tun,mehr erreichen,mehr werden kann.

Einleitung

Manchmal kommt es mir vor, als hätte ich während der letzten paar Jahre über nichts anderes geredet als über die Power Hour. Die Idee zu einer morgendlichen Kraftstunde hatte ich zuerst im Januar 2017, und ich muss gestehen, dass der Jahreswechsel oft einen Energieschub für mich mit sich bringt: Neues Jahr, neues Glück! Und ich liebe Listen, liebe es, Pläne zu schmieden, und folglich habe ich immer ein Tagebuch bei mir, in das ich meine Ziele und Hoffnungen für das bevorstehende Jahr notiere. Im Januar 2017 brauchte ich ganz dringend einen Neustart. Das vorausgegangene Jahr war hart gewesen, und ich hatte jenen Punkt erreicht, wo die Not eine Veränderung erzwingt. Wenn du am absoluten Tiefpunkt bist, kann es sich erdrückend anfühlen, über seinen »großen Lebensplan« nachzudenken, vor allem, wenn dein Leben in eine völlig andere Richtung geht, als du es dir vorgestellt hast. Damals war meine Vision, mein Traum, eine große Familie zu haben. Mein Sohn Jude war fünf Jahre alt, und seit seinem zweiten Geburtstag hatten mein Mann und ich versucht, wieder schwanger zu werden. Wir hatten uns immer Kinder gewünscht – von Anfang an waren wir uns einig gewesen, mindestens drei sollten es werden, vielleicht sogar vier. Sodass ich nach fast drei Jahren, in denen wir alles probiert hatten, frustriert, wütend und hoffnungslos war.

Was tut man, wenn man den Eindruck hat, nichts läuft nach Plan? Ich denke, man sollte wissen, wann man mit etwas anfängt, wann man weitermacht und wann man damit aufhört. Wir hatten alles Mögliche unternommen und gelangten – nach unzähligen Diskussionen, Recherchen, Arztterminen und Tests – endlich zu dem Schluss, dass unsere größte Chance auf ein zweites Baby eine künstliche Befruchtung war. Falls du das jetzt liest und dich nie einer In-vitro-Fertilisation unterzogen hast, so hast du wohl doch schon davon gehört oder kennst jemanden, der eine durchgestanden hat. Und wenn du dies liest und selbst schon eine hinter dir hast, dann verneige ich mich vor dir. Du hast einen verdammten Orden verdient. Was mich angeht, hat die IVF den Beweis erbracht, dass verzweifelte Menschen imstande sind, so ziemlich alles zu erdulden. Damals habe ich das wohl nicht so gesehen, doch wenn ich heute zurückblicke, sehe ich, dass ich mich während des gesamten Verfahrens exakt so gefühlt habe: verzweifelt. Ich wünschte mir verzweifelt ein Geschwisterchen für unseren Sohn, mit dem er aufwachsen und später seine Erinnerungen teilen könnte. Ich wollte beim Babyschwimmen unbedingt mit den anderen Müttern, die alle ihr zweites Baby erwarteten, mitreden können. Fragte mich jemand, wann wir denn unser zweites Kind bekämen, wünschte ich mir verzweifelt, eine Antwort darauf zu haben. Verzweifelt wollte ich meinem Mann die gute Nachricht verkünden, statt die Enttäuschung und den Kummer in seinem Gesicht zu lesen, wann immer ich mit einem weiteren negativen Schwangerschaftstest aus dem Bad kam. Fast drei Jahre lang betete, weinte, wartete ich und klammerte mich an meine Hoffnung.

Als wir mit der künstlichen Befruchtung begannen, fühlte ich mich zerrissen. (Und nicht nur wegen der irrwitzigen Menge an Hormonen, die man sich während der Behandlung täglich selbst spritzen muss.) Zwar sagte mir mein Verstand, dass es bestimmt funktionieren würde; schließlich verstanden die Spezialisten ihr Handwerk, und ich war jung und kerngesund, sodass es keinen Grund gab, warum es nicht klappen sollte. Auch denke ich ehrlich gesagt nicht, dass ich die physischen wie emotionalen Belastungen der Behandlung ohne den Glauben an den letztendlichen Erfolg ertragen hätte. Immer wieder musste ich mich überzeugen, dass es die Sache wert ist. Ich kenne viele Frauen, die sich einer IVF-Behandlung unterzogen haben, und denke, dass sie mir zustimmen dürften – dies ist die einzige Möglichkeit, sie zu überstehen. Andererseits aber blieb ich in meinem tiefsten Innern zaghaft und ängstlich. Wie würde ich damit klarkommen, wenn es nicht funktionierte? Dies war unsere letzte Möglichkeit, und wir wussten, eine weitere Behandlung konnten wir uns – sollte sie scheitern – nicht leisten. Mir war, als würde mein ganzes Lebensglück davon abhängen.

Es als emotionale Achterbahnfahrt zu bezeichnen klingt lustiger, als es eigentlich war, doch nach wochenlangen schmerzhaften Prozeduren – von den emotionalen Torturen ganz zu schweigen – verließen wir die Kinderwunschklinik zuletzt mit der guten Nachricht. Ja, es hatte geklappt – ich war schwanger! Ich erinnere mich an jede einzelne Minute unserer Autofahrt nach Hause. Ich war so aufgeregt, und meine Gedanken überschlugen sich, wenn ich an das vor mir liegende Jahr dachte. Ich stellte mir vor, wie ich, erneut mit dickem Bauch, Jude erzählen würde, dass er einen kleinen Bruder oder eine kleine Schwester bekäme. Ich wünschte es mir so sehr für ihn – vielleicht mehr als für mich selbst. Man kann die Geschwisterbeziehung wohl mit keiner anderen vergleichen, und es fällt mir schwer, mir mein Leben ohne meine Geschwister vorzustellen. Und da ich während der letzten drei Jahre von diesem Moment geträumt hatte, hatte ich bereits eine ansehnliche Liste möglicher Namen. Ich konnte mir das Gesicht des Babys schon vorstellen. Mit jedem Tag, der verging, wurden wir entspannter und freuten uns noch mehr, bald erzählten wir es unserer Familie und einer Handvoll enger Freunde. Bei Jude wollten wir noch einige Wochen warten (Fünfjährige können bekanntlich nur schlecht etwas für sich behalten, und er würde es wahrscheinlich bei erster Gelegenheit der ganzen Klasse verkünden).

Wir erzählten es ihm nie. Keine vier Wochen später wurde ich von Schmerzen und Magenkrämpfen geweckt. Ich wusste, irgendetwas stimmte nicht, aber ich versuchte, es zu ignorieren, so zu tun, als sei alles in Ordnung. Mein Mann fuhr zur Arbeit, ich brachte Jude zur Schule und betete auf dem Heimweg, dass die Schmerzen doch bitte wieder weggehen sollten. Aber gegen Mittag wand ich mich vor Qualen und konnte sie nicht mehr ignorieren. Ich wusste, was es war: Ich erlitt eine Fehlgeburt. Wie lange hatten wir auf dieses Baby gewartet, und binnen eines einzigen Nachmittags war alles vorbei, vorbei alle Freude und Hoffnung. Wir alle müssen uns schmerzhaften Erfahrungen stellen – leider, denn niemand ist vor Widrigkeiten und Rückschlägen, vor Scheitern, Leid, Kummer oder Verlust gefeit. Manchen wird sehr viel mehr zugemutet als anderen, und für die Menge an Leid, die einige Menschen im Laufe ihres Lebens erdulden müssen, gibt es keinerlei Grund oder Rechtfertigung. Wir alle haben unsere Geschichte, und dies ist nur ein kleiner Ausschnitt aus meiner.

Auch wenn ich es damals noch nicht ahnte, sollte diese schwere Zeit alles für mich verändern. Damals schien es mir, als könne ich gerade das, was ich mir am meisten wünschte, nicht haben, doch ich wusste auch, dass ich – unter Vernachlässigung aller anderen Lebensbereiche – meinen Traum von weiteren Kindern nicht ewig weiterverfolgen konnte. Es belastete nicht nur meine Ehe, sondern auch meine Finanzen, meine Freundschaften und – was am wichtigsten war – meine gesamte Lebenseinstellung. Ich war eifersüchtig auf Freundinnen, die Kinder kriegten, und ärgerte mich, wenn sie sich über schlaflose Nächte beklagten. Ich litt unter einem ständigen Schuldgefühl, weil Jude Einzelkind war. Ich kapierte einfach nicht, wie oder weshalb es so gekommen war. Welchen Sinn hatte es? Sollte es mich etwas lehren? Sosehr ich auch Ausschau hielt, ich konnte nirgends einen Silberstreif am Horizont entdecken – meine Enttäuschung war abgrundtief, und ich war untröstlich und haderte mit Gott. Zwar empfand ich auch unglaubliche Dankbarkeit wegen Jude, an die ich jedes Mal, wenn ich ihn »Mami« rufen hörte, erinnert wurde, doch auch das konnte mir die unterschwellige Traurigkeit nicht nehmen. Beim Blick in die Zukunft sah ich nicht mehr das Leben vor mir, von dem ich geträumt hatte. Wenn man bäuchlings auf dem Boden liegt, ist es schwer, ein Licht am Ende des Tunnels zu erkennen. Damals war mein Denken starr und fixiert, und ich glaubte, dass jede Zukunftsalternative immer nur eine zweitbeste sein könnte.

So war das, bis mir dann zwei sehr wichtige Dinge passierten. Das erste war eine Gelegenheit, die sich mir genau zum richtigen Zeitpunkt bot; das zweite meine Bereitschaft, sie zu ergreifen.

Anfang 2017 erhielt ich einen Anruf von Paul Brady, dem PR-Manager von Adidas UK, mit dem ich bereits zusammengearbeitet hatte. Er erzählte mir, dass Adidas einige Startplätze für den legendären London-Marathon zu vergeben habe, und ob ich vielleicht Lust hätte, als Mitglied der Adidas-Runners-Community mitzulaufen? Es war Januar, bis zum April-Marathon waren es nur noch 14 Wochen, und ich war noch nie mehr als zehn Kilometer gelaufen. Sodass die logische Antwort natürlich lautete: »O mein Gott, ja! Ich bin zwar noch nie einen Marathon gelaufen, aber ja! Ich bin dabei!« Als ich auflegte, zitterte ich vor Aufregung. Doch die Begeisterung wurde rasch von den einsetzenden Selbstzweifeln verdrängt. Bist du bescheuert? Du kannst doch keine 42 Kilometer laufen!, tadelten sie mich. Du bist keine Marathonläuferin. Du bist Mutter und Fitnesstrainerin. Du weißt ja nicht mal, wie man für einen Marathon trainiert. Da brauchst du doch bestimmt einen Coach? Nur echte Läufer wagen sich an einen Marathon. Es muss Unmengen anderer Läufer geben, die mit Begeisterung an diesem berühmten Rennen teilnehmen würden, einem von denen solltest du den Startplatz überlassen. Hast du denn überhaupt Zeit dafür? Es ist Januar und eiskaltda draußen. Du bist eine Schönwetterläuferin, Adrienne. Ruf zurück und sag ihm, dass du es dir anders überlegt hast. Nach einigen Minuten der Panik beruhigte ich mich wieder und verbrachte die nächsten zwei Stunden damit, online Marathontrainingspläne zu studieren und Artikel darüber zu lesen, wie man sich auf seinen ersten Marathon vorbereitet. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte ich nie begriffen, wie dringend ich diese Fokussierung brauchte – wie wichtig es für mich war, meine mentale und physische Energie auf etwas völlig Neues auszurichten. Die letzten Jahre hatte ich damit verbracht, meinen Monatszyklus zu verfolgen und den jeweiligen Zeitpunkt des Eisprungs zu berechnen. Ich hatte stundenlang Statistiken und Daten über fruchtbarkeitsfördernde und die Spermienbeweglichkeit optimierende Ernährungsformen gewälzt. Wenn ich das Training für dieses Rennen mit der gleichen Hingabe, dem gleichen Engagement betreiben würde, so war mein erster Marathon vielleicht gar keine so abwegige Idee.

Blieb allerdings die Zeitfrage – um seinen Körper für einen Marathon vorzubereiten, muss man jede Woche etwas länger trainieren. Und neben der tatsächlichen Laufzeit heißt es auch noch Zeit für Erholung, Stretching, den Physiotherapeuten, Krafttraining sowie für Übungen zur Verbesserung der Technik und zur Vermeidung von Verletzungen zu finden. Wo sollte ich all diese Extrastunden hernehmen? Abgesehen von meinen familiären Verpflichtungen, coachte ich allwöchentlich acht Klienten in Einzeltrainings-Sessions. Ich schrieb Blogbeiträge sowie hin und wieder Artikel für Gesundheits- und Wellness-Zeitschriften, außerdem hatte ich begonnen, Social-Media-Kampagnen für verschiedene Marken zu entwickeln. Wenn dann am Ende des Tages Jude im Bett lag und ich zu Abend gegessen hatte, wäre der Gedanke, noch mal zu einem 60-minütigen Lauftraining in die Kälte aufzubrechen, gelinde gesagt, nicht besonders attraktiv. Und da dämmerte es mir dann: Wollte ich jeden Tag eine Extrastunde für mich herausschinden, war es am einfachsten, wenn ich morgens eine Stunde früher aufstand.

Jude wachte normalerweise gegen halb sieben auf, was bedeutete, dass ich gegen halb sechs loslaufen musste. Wenn dich schon allein der Gedanke daran abschreckt, muss ich dich um ein wenig Geduld bitten. Auch ich konnte der Idee zunächst nicht viel abgewinnen. (Habe ich erwähnt, dass es Januar war?) Doch ich musste eine Möglichkeit finden, mich für dieses Rennen fit zu machen, sodass ich mir dachte, versuch’s halt mal. (Eine Sache, die du beim Lesen dieses Buches über mich erfahren wirst: Wenn ich sage »versuch’s halt mal«, meine ich eigentlich: Ich werde absolut alles geben. Ich beschäftige mich dann wie besessen mit jedem einzelnen Detail und habe entweder Erfolg oder gebe zumindest mein Bestes. Das ist meine Definition von »es mal versuchen«.) Als ich Paul am Telefon zugesagt hatte, war ich naiv gewesen, hatte nicht gewusst, worauf ich mich einließ – doch tief in mir drin wusste ich auch, dass, egal wie schwierig es werden mochte, ich einen Weg finden und es schaffen würde. Ich suchte eine neue Herausforderung, eine, bei der ich den Ausgang bestimmte.

*

In diesem ganzen Buch geht es mir darum, dir zu erzählen, was infolge dieser frühmorgendlichen Extrastunde in den nächsten Monaten und Jahren geschah. Damals ahnte ich noch nicht, dass sich durch dieses Zurückdrehen der Uhr um eine Stunde so gut wie alles in meinem Leben verändern würde – von meinen Beziehungen über meine Karriere bis hin zu dem, was ich grundsätzlich vom Leben erwartete. Ich habe diese Extrastunde genutzt, um mehr zu lesen, mir Podcasts und komplette Online-Kurse anzuhören, um für Marathons zu trainieren, Dehnübungen zu machen, zu meditieren, Tagebuch zu führen und sogar, um dieses Buch zu schreiben. Bei der Power Hour geht es weder darum, um fünf Uhr morgens aufzustehen, noch darum, wahnsinnig produktiv oder jeden Tag vor dem Frühstück schon zehn Kilometer gelaufen zu sein. Solange es sich dabei nur um die erste Stunde deines Tages handelt, ist es mir egal, wann du aufstehst – der Zeitpunkt an sich ist irrelevant. Die Power Hour ist eine innere Einstellung: Es geht darum, dass du dich selbst ermächtigst, eine Entscheidung triffst, aktiv wirst. Es ist eine Möglichkeit, dich auf deine Ziele zu fokussieren und ein Leben aufzubauen, das du liebst. In der Prä-Power-Hour-Ära (wie ich sie heute nenne) konnte ich mir das Leben, das ich heute führe, überhaupt nicht vorstellen. Ich hatte keine Ahnung, was alles möglich ist, weil ich mir nie die Zeit genommen habe, es herauszufinden.

Die Power Hour hatte einen enormen Einfluss auf mein Leben, das kann ich mit ehrlicher Überzeugung behaupten. Heute arbeite ich im Bereich Lifestyle als Coach und Markenberaterin, als Motivationsrednerin und Podcasterin. Ich bin in mehr als 14 Ländern Straßenrennen gelaufen und habe vor den Mitarbeitern einiger der größten Unternehmen der Welt, darunter Apple, ASOS und Barclays, Vorträge gehalten. Für den Power Hour Podcast habe ich mehr als hundert Interviews geführt. Ich arbeite mit Branchenführern und Unternehmensgründern zusammen, mit Olympioniken und Psychologen, Innovatoren und Visionären, um mehr über ihre alltäglichen Gewohnheiten und die Regeln, nach denen sie leben, in Erfahrung zu bringen und herauszufinden, was sie jeden Morgen aufs Neue zum Aufstehen motiviert. Aus der Zusammenarbeit mit diesen leistungsstarken Menschen habe ich viel gelernt, und in der Folge Eigenschaften und Grundsätze identifiziert, die viele von ihnen teilen. In diesem Buch zeige ich, auf welche Bereiche du dich konzentrieren musst, wenn du dein volles Potenzial erschließen und sowohl persönlich als auch beruflich erfolgreich sein willst.

Nun möchtest du ja vielleicht nicht Marathon laufen, ein Unternehmen gründen oder ein Buch schreiben, doch irgendetwas, da bin ich bin mir sicher, willst auch du erreichen. Egal wie groß oder klein die Sache anderen erscheinen mag – in der Power Hour geht es um dich und deine Ziele. Wir alle haben Bücher gelesen, die uns sagen, dass wir lediglich unsere Bestimmung finden und unserer Leidenschaft folgen müssen. Doch in der schnelllebigen Welt von heute, in der wir alle einen randvollen Terminkalender haben, ist es leichter, diesen Rat auszusprechen, als ihn zu befolgen. Unsere moderne Welt ist komplex, und vom Moment des Erwachens am Morgen bis zum Zeitpunkt des Zubettgehens am Abend werden wir von Wahlmöglichkeiten, Ideen, Trends und Lärm geradezu überwältigt. Viele Menschen haben dabei das Gefühl, unbedingt mithalten zu müssen. Klar, eines Tages wird man vielleicht seiner Leidenschaft folgen, aber jetzt, in diesem Moment – hat man einfach keine Zeit. Wie viele Male hast du schon gesagt: »Ich würde das ja so gerne machen, aber ich hab keine Zeit«, oder: »Eines Tages werde ich dieses Projekt angehen – wenn ich mehr Geld habe vielleicht oder wenn die Kinder älter sind?« Solche Kommentare höre ich oft von Freundinnen oder Klientinnen – und oft habe ich selbst so dahergeredet. Nie war deine Zeit wertvoller als heute: Sie ist das Einzige, von dem man nichts nachkaufen kann. Damit will ich nicht andeuten, dass jede Stunde jeden Tages »produktiv« zu sein hat – eher im Gegenteil. Man muss nur mal mit einer Stunde beginnen. Wer sich am Anfang jedes Tages eine Stunde vornimmt, um etwas Bestimmtes – egal was – zu tun, trifft die Entscheidung, sich seine Zeit und seine Verfügungsgewalt über sie zurückzuerobern. Im Lauf des Tages verlangen dann immer mehr Dinge unsere Aufmerksamkeit: E-Mails und WhatsApp-Nachrichten, Abgabetermine, Kinder und alle möglichen Besorgungen. Daher solltest du, ehe der Rest der Welt erwacht, ehe die anderen deine Zeit und Energie beanspruchen, den Tag damit beginnen, dass du eine Stunde dir selbst widmest, um dir ein Leben aufzubauen, das du liebst, und um die zu werden, die du wirklich sein willst.

Ob es um die Bedeutung täglicher Bewegung, die Etablierung neuer Gewohnheiten, die Entwicklung einer wachstumsorientierten Haltung oder die Förderung deines Selbstvertrauens geht, dieses Buch wird dir Werkzeuge und Verfahren an die Hand geben, die ich mir angeeignet habe, auf dass auch du dir eine ganz eigene, spezifisch auf dich zugeschnittene Routine erarbeiten kannst. Ich will, dass du dieses Buch liest und dich motiviert fühlst, etwas in deinem Leben – sei es klein oder groß – zu verändern, doch ich warne dich, ein Gefühl wird nicht reichen. Du musst aktiv werden! Betrachte dieses Buch als Handbuch, Blaupause und Werkzeugkasten. Um ein Auto zu steuern, reicht es auch nicht, einfach nur eine Anleitung zu lesen. Wir müssen die Theorie in den Fahrstunden schon in die Praxis umsetzen. Falls dich einige der Vorschläge in diesem Buch inspirieren, probiere sie aus. Aber nicht vergessen, es sind nur Vorschläge – ein idiotensicheres Erfolgsrezept gibt es nicht. (Auch wenn du zur letzten Seite vorblätterst, wirst du dort – leider – keinen Spickzettel und keine simple To-do-Liste finden.) Ich hoffe, du entdeckst in diesem Buch Dinge, über die du vielleicht noch nie nachgedacht hast. Und ich vermute, dass du bei einigen davon anderer Meinung bist und dich nicht überzeugen lässt. Was völlig in Ordnung ist. Ich fände es super, wenn sich daraus ein Gespräch ergibt. Im ganzen Buch findest du immer wieder Gespräche mit Menschen, die ich aus unterschiedlichen Gründen respektiere und bewundere und von denen ich viel gelernt habe. Ich hoffe, ich bin allen gerecht geworden und dass auch du von ihren goldenen Worten profitierst. Die Kapitel sind in sich abgeschlossen, du kannst sie in beliebiger Reihenfolge lesen; wenn du dich daher sofort auf die Macht der Bewegung stürzen oder lieber mit der Macht des Schlafes beginnen willst, nur zu! Du solltest lediglich einen Stift bereithalten, um dir Dinge, auf die du zurückkommen oder die du mit mit anderen besprechen willst, zu unterstreichen. Das ist kein Bibliotheksbuch – es muss nicht sauber und fleckenlos bleiben. Ich wünsche mir, dass du dieses Buch in der Tasche mit dir herumträgst, und ich sehe schon vor mir, wie manche Seiten voller Kaffeeflecken und Brösel sind, wie sich die Seiten unten wellen, weil du es versehentlich ins Badewasser getunkt hast, wie Kassenzettel als behelfsmäßige Lesezeichen aus dem Buch hervorlugen. Und ich würde mich geehrt fühlen, wenn du es nach dem Lesen weiterreichen würdest. Denn es wurde nicht geschrieben, damit es sich nett auf dem Couchtisch macht oder gemeinsam mit deinem Kaktus das Bücherregal verschönert. Ich hoffe, dass es eine Wirkung entfaltet und dass du, wenn du eine Dosis Inspiration und Ermutigung brauchst, immer wieder darin blätterst. Bist du bereit für die Aufnahme ins offizielle Power-Hour-Team? Dann Hand aufs Herz, und sprich mir nach: »Ich werde auf gar keinen Fall die Schlummertaste drücken. NIEMALS.« Für mein tiefes Misstrauen gegenüber der Schlummertaste gibt es einen Grund. Stell dir vor, du wartest auf einen Bus, der alle zehn Minuten nach/zum *hier bitte den gewünschten Ort eintragen* (etwa Disneyland, Konzert deiner Lieblingsband, Sale bei Gucci…) fährt. Du würdest doch diesen Bus, wenn er endlich da ist, auch nicht vorbeifahren lassen und dir denken: Ach, macht nichts, nehme ich halt den nächsten oder vielleicht auch den übernächsten? Nein – du nimmst den ersten, weil du froh bist, dass es endlich losgeht. Wenn du dann am Montagmorgen wieder einmal endlos auf die Schlummertaste haust, gibst du dir selbst die Botschaft, dass du dich eben nicht freust, in die Gänge zu kommen. Und dass, was immer du an diesem Tag auch vorhast, es etwas ist, das du lieber aufschieben würdest. Du willst dich nicht damit befassen, wenigstens nicht in den nächsten zehn bis zwanzig Minuten. Ist dies tatsächlich der Fall, musst du Wege finden, mehr Freude in deinen Alltag zu bringen. Ich will zwar nicht behaupten, dass ich jeden Morgen aus dem Bett hüpfe, als ginge es nach Disneyland, aber ich habe beim Aufwachen immer ein Gefühl, das mich vorwärtsdrängt. Ja, an jedem Tag meines Lebens gibt es Freude, weil ich mir ein Leben aufgebaut habe, das ich liebe, und weil ich ganz bewusst nach den »guten« Dingen Ausschau halte. Ob groß oder klein, ich weiß, dass sie da sind. Ich werfe einen Blick auf meinen Terminplan, den ich mir in mein Tagebuch notiert habe, und kann es kaum erwarten, endlich loszulegen. Deswegen ist die erste Stunde so entscheidend für den Rest des Tages. Sie gibt den Ton vor für alles Folgende.

Sobald du erst einmal die lebensverändernden Vorzüge der Power Hour entdeckt hast, solltest du dich darauf gefasst machen, mit allen und jedem darüber zu diskutieren. »Warum?«, werden die Leute fragen. Warum sollte man freiwillig eine Stunde früher aufstehen wollen? Aber lass dich nicht davon abschrecken, wenn die Leute spötteln und dir einzureden versuchen, du wärst verrückt – schließlich hat noch »kein großer Geist jemals ohne einen Hauch von Wahnsinn existiert« (danke, Aristoteles!). Vertrau mir, schon nach wenigen Monaten werden sie dich statt »Warum?« nur noch »Wie?« fragen. Denn wenn wir etwas entdecken, das Veränderungen bewirkt, fällt dies in der Regel auch anderen auf.

Ehe du dich nun auf die nächsten Kapitel stürzt, würde ich gerne noch etwas sagen: Wenn du nur eines aus diesem Buch für dich mitnimmst, dann bitte den Gedanken, dass es möglich ist, sich zu verändern und sein Leben umzukrempeln. Denn du bist es dir schuldig, ein Leben zu führen, an dem du wirklich Freude hast. Wenn du nicht weißt, wie du es anpacken sollst, beginne mit einer Stunde am Tag. Der ersten Stunde. Der Power Hour.

Du kannstschwierige Dingeschaffen.

Die Macht des Denkens

Als jemand, der in seinem Leben schon vor vielen Herausforderungen stand, war ich immer neugierig und wollte begreifen, warum manche Menschen angesichts von Not und Unglück untergehen, andere aber schwimmen. Warum reagieren manche auf eine Niederlage, indem sie noch entschiedener nach Erfolg streben, während andere von der Angst vor erneutem Versagen geradezu gelähmt werden? Was bestimmt unsere Einstellung und prägt unser Denken? Eine Münze hat immer zwei Seiten, jede Situation eine ganze Liste von Vor- und Nachteilen, jede Geschichte stets eine positive und eine negative Version. Und die schlichte Antwort lautet: Es liegt an dir, dich auf die Seite zu konzentrieren, die dir am meisten nutzt, und eine Mentalität zu entwickeln, die man als »wachstumsorientierte Haltung« oder »wachstumsorientiertes Denken« bezeichnet.

Die Begriffe »fixierte« bzw. »wachstumsorientierte Haltung« wurden von der Wissenschaftlerin Dr. Carol Dweck in ihrem Buch Selbstbild. Wie unser Denken Erfolge oder Niederlagen bewirkt geprägt. Dweck erklärt darin, dass fixiertes Denken mit der Überzeugung einhergeht, der eigene Charakter, die eigenen Fähigkeiten und kreativen Möglichkeiten wären von vornherein festgelegt. Mit den Karten, die einem das Leben nun einmal ausgeteilt hat, wäre eben nicht mehr zu erreichen; in anderen Worten, wenn du nicht mit einer außergewöhnlichen Gabe, einem großen Talent gesegnet bist, ist dein Potenzial von vornherein begrenzt, da letztendlich die Genetik über deinen Erfolg entscheiden wird. Mit wachstumsorientiertem Denken geht die Überzeugung einher, dass man seine Fähigkeiten fortwährend weiterentwickeln und neue Dinge lernen kann. Mit dieser Einstellung lässt du nicht zu, dass Fehlschläge dich entmutigen, du betrachtest vielmehr jedes Scheitern als Gelegenheit zu lernen und dich zu verbessern. Die Entwicklung einer wachstumsorientierten Denkweise wird es dir ermöglichen, nahezu alles zu erreichen.

Denn, wie Dweck ausführt: »Es sind nicht nur unsere Fähigkeiten und unsere Talente, die uns erfolgreich machen – sondern ob wir unsere Ziele mit einer fixierten oder wachstumsorientierten Haltung angehen. Mit der richtigen Mentalität können wir sowohl unsere Kinder motivieren, ihre Noten zu verbessern, als auch unsere eigenen Ziele verwirklichen – und zwar in persönlicher wie beruflicher Hinsicht.« Eine wachstumsorientierte Denkweise hilft uns, Lösungen für die unvermeidlichen Probleme und Herausforderungen des Lebens zu finden, und ermächtigt uns, aus unseren Fehlern zu lernen, anstatt sie zu wiederholen. Eine wachstumsorientierte Einstellung zu kultivieren ist ganz entscheidend, wenn du imstande sein willst, auch unter Druck erfolgreich zu sein, Risiken einzugehen und zu akzeptieren, dass Scheitern nun einmal dazugehört. Sie wird es dir ermöglichen, dein Leben in die Hand zu nehmen und nach jenen Erfahrungen, Gelegenheiten und Menschen zu suchen, die dich beim Verfolgen deiner Ziele unterstützen. Und alles, was du tust und sagst, wird deine Denkweise Tag für Tag weiter stärken. Die letztendlich darüber entscheiden wird, was andere von dir erwarten, und – was am wichtigsten ist – du selbst von dir erwartest.

*

Ich erinnere mich, Dwecks Buch zum ersten Mal vor etwa vier Jahren auf einem Heimflug von Paris gelesen zu haben. Ich reiste allein, und als ich die letzte Seite umblätterte, war ich frustriert, weil ich niemanden hatte, mit dem ich dieses aufregende Aha-Erlebnis teilen konnte. (Mein Sitznachbar schlief und hätte es wohl kaum begrüßt, wenn ich ihn aufgeweckt hätte, um das Konzept der Entwicklung einer ermächtigenden Denkweise mit ihm zu diskutieren.) Das Buch inspirierte mich, über meine Karriere, meine Beziehungen und meine Erziehungsmethoden nachzudenken. Es ließ mich meine Lebenseinstellung und die Entwicklung meines jugendlichen Denkens hinterfragen.

In meiner Kindheit und Jugend hatte ich immer das Gefühl gehabt, dass ich im Grunde alles machen könnte. Vielleicht rührte dieses angeborene Selbstvertrauen daher, dass ich jüngere Geschwister hatte und bereits früh Verantwortung trug, oder vielleicht war es auch nur Veranlagung. Immer wieder erlebe ich, dass Kinder sehr viel neugieriger sind als Erwachsene und – in ihrem Versuch, die Welt zu erkunden und ihre Grenzen zu verschieben – auch weit mehr Fragen stellen. In unseren Jugendjahren sind wir noch viel aufgeschlossener und setzen uns selbst und unserer Vorstellung keine Grenzen. Durch Spielen und So-tun-als-ob verwandeln wir alltägliche Gegenstände in etwas völlig anderes: Ein Stock wird so zu einem Schwert; ein Karton verwandelt sich in ein Haus und gleich danach in einen Rennwagen; ein Bettlaken wird zu unserer geheimen Höhle; und das Sofa verwandelt sich in einen Schwebebalken. Wir malen uns aus und spielen dann, wie wir zu Astronauten oder Tiefseetauchern werden. Mein Sohn liebt Avengers- und Superheldengeschichten, und so verbringen wir Stunden beim gemeinsamen Lesen von Marvel-Büchern und Comics. Dabei erzähle ich ihm dann, dass wir, wenn auch keine Superhelden, so doch Supermenschen sein können, wobei unsere Vorstellungskraft eine unserer Superkräfte darstellt.

Denn unsere bewusste Imagination könnte, wenn wir uns mit anderen Spezies vergleichen, womöglich unser größter evolutionärer Vorteil sein. In seinem Buch Der Unterschied. Was den Menschen zum Menschen macht liefert der Psychologe Thomas Suddendorf eine vollumfängliche Darstellung dessen, was den menschlichen Geist von dem anderer Lebewesen unterscheidet und wie es zu diesem Unterschied kam. Er zeigt, dass zwei Innnovationen für diese offensichtlichen Abweichungen verantwortlich sind: unser unbegrenztes Vermögen, uns Dinge vorzustellen und darüber nachzudenken, sowie unser unersättlicher Drang, mit anderen zu kommunizieren und geistig in Verbindung zu treten. Unsere bewusste Einbildungskraft verleiht uns die Fähigkeit zu träumen, so zu tun, als ob und uns völlig neue Realitäten auszumalen. Mental Coach Natalie Pennicotte-Collier spricht vom »Theater in unseren Köpfen«. Sie bringt einigen der weltbesten Sportler und Sportlerinnen, unter anderem Formel-1-Fahrern und dem britischen Paralympics-Team, Visualisierungstechniken bei. »Sehen ist glauben, aber wenn du es noch nicht sehen kannst, so schließ die Augen und stell es dir vor«, meinte sie zu mir.

Diese »Superkraft« schwindet jedoch meist, wenn wir erwachsen werden, mehr über die Welt erfahren und uns der Kluft zwischen Wirklichkeit und Fantasie schmerzlich bewusst werden. Für die meisten Menschen bedeutet dies, dass sie sich dann weniger auf das Was wäre, wenn als auf das Wie konzentrieren. Wir lernen, unsere Begeisterung zu bremsen; und traurigerweise bleiben dann für viele, sobald sie erwachsen sind, ihre Träume genau das: nur Träume.

Wenn ich als Kind einmal nicht wusste, wie etwas funktioniert, versuchte ich, es herauszufinden, meist durch schlichtes Ausprobieren (und oft völlig auf mich gestellt). So brachte ich mir Fahrrad fahren, Zöpfe flechten, Essen kochen bei und lernte sogar, als mal die Waschmaschine nicht mehr ging, wie man eine Sicherung auswechselt. Vielleicht lag es ja daran, dass ich ohne einen Mann im Haus aufwuchs. Meine Mum schuftete hart und gab wohl ihr Bestes, aber ein Elternteil kann nicht immer den Job von zweien erledigen. In den 90ern gab es keine YouTube-Tutorials, und bis zu meinem dreizehnten Lebensjahr hatten wir zu Hause keinen Internetzugang, doch wie wir alle wissen, gibt es dort, wo ein Wille ist, auch einen Weg. Und dann machte ja die Technologie alles ein wenig leichter. Im Jahr 2012, als ich mit dem Bloggen begann, lernte ich, mittels einer einfachen Blog-Vorlage und durch das Anschauen von Video-Tutorials auf YouTube, wie man eine Website erstellt. Als ich mit meinem Personal-Training-Business anfing, hatte ich keine Ahnung, was ich tat. Ich wusste nicht, wie viel ich für Werbung ausgeben sollte, wie man seine Kosten kalkuliert oder wie man eine Steuererklärung abgibt, sodass ich eine Buchhalterin bat, es mir zu erklären. Als ich mehr Leute erreichen wollte als die zwanzig Kunden, die ich damals vor mir versammelt hatte, lernte ich, wie man Workout-Videos filmt, schneidet und ins Internet hochlädt. (Das war etwa fünf Jahre, bevor es Video-Bearbeitungs-Apps, GIF-Editoren und TikTok gab.) Im Rückblick habe ich meine wachstumsorientierte Einstellung wahrscheinlich aus der Not entwickelt und unwissentlich seit jeher Techniken des positiven Denkens praktiziert, lange bevor ich auf Dr. Dweck und ihr Buch gestoßen bin. Das Buch aber bestätigte mir, dass meine in der Jugend erworbene Mentalität sich auf meine spätere Fähigkeit, im Leben Erfolg zu haben, ausgewirkt hat, und lehrte mich, dass jeder seine Einstellung durch überlegtes Handeln und Wiederholen verändern und weiterentwickeln kann.

Ich hatte das Glück und das Privileg, mit einer Reihe unglaublicher Menschen über ihre Einstellungen sprechen zu dürfen, mit Manchester-United-Fußballspieler Chris Smalling oder dem internationalen DJ und Fernsehsprecher Trevor Nelson bis hin zu Wirtschaftspionieren wie Jacqueline Gold, die durch die Idee, Sextoys über private Verkaufspartys zu vertreiben, reich wurde, oder Ben Branson, der Seedlip, die weltweit erste alkoholfreie Spirituose, kreiert hat. Natürlich gibt es von Person zu Person gewisse Unterschiede – nicht zuletzt wegen der verschiedenen Persönlichkeiten, Herkunftsfamilien und Branchen – doch eines, was all diese erfolgreichen Menschen durch die Bank auszeichnet, ist ihre wachstumsorientierte Einstellung. Ich habe mich mit Lena Kessler, einer Sportpsychologin und Performanceberaterin, über diese gemeinsame Eigenschaft unterhalten. Sie arbeitet mit jungen Spitzenathleten unterschiedlicher Sportarten, darunter Boxen, Eiskunstlauf, Gewichtheben und Lacrosse. Als ich sie fragte, wie unser Denken unsere sportliche Leistung beeinflusst, erklärte sie mir:

Bis zu einem gewissen Ausmaß können wir unseren Gedanken erlauben, uns im Weg zu stehen, aber wir sollten uns dessen bewusst sein, dass wir die Fähigkeit haben, negatives Denken zu überwinden. Unsere Gedanken sind keine unumstößlichen Fakten. Sie geben uns einen Hinweis, worum es geht und wie wir uns fühlen, aber wir haben die Wahl, ob wir diesen Hinweis beachten oder nicht. Achtsamkeit bedeutet, seine Gedanken beobachten zu lernen, und dann kann man entscheiden – was fange ich damit an? Wir können auch falsche Gedanken und falsche Gefühle haben, weshalb es wichtig ist, sie zu hinterfragen.

Dies alles führt mich zurück zu meiner ursprünglichen Frage: Welche Faktoren bestimmen unsere Lebenseinstellung und unsere Wahrnehmung der Welt? Und: Ist es möglich, unseren Geist umzuprogrammieren?

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Nachdem ich Dwecks Buch entdeckt hatte, neigte ich immer stärker der Auffassung zu, dass unsere Denkart für alles in unserem Leben die Grundlage bildet – angefangen damit, wie wir Situationen einschätzen und darauf reagieren, bis hin zu unserer Fähigkeit, zu lernen und uns weiterzuentwickeln. Ich kann dir nur empfehlen: Nimm dir Zeit, deine eigene Denkweise zu hinterfragen. Wie oft machst du dir Gedanken über deine Einstellung und den inneren Dialog, der deine Handlungen – zum Guten oder zum Schlechten – beeinflusst? Agierst du aus einer vorgegebenen starren Denkweise heraus? Wenn ja, so wird es Zeit, einige Änderungen vorzunehmen. Denk daran, unser Gehirn ist formbar, sodass Veränderungen stets möglich sind, solange nur der Wille und der Wunsch dazu besteht. Doch um wachsen zu können, müssen wir erst einmal offen sein fürs Lernen. Es geht nicht um das Streben nach Perfektion oder um unerreichbar hohe Standards. Kein Mensch ist vollkommen: Wir alle haben unsere eigenen einzigartigen Stärken und Schwächen, vergiss also die Perfektion, und konzentriere dich stattdessen auf deine Fortschritte.

Ein entscheidender Teil des Lernprozesses ist das Feedback. Such dir ehrliches und genaues Feedback bei Menschen, denen du vertraust, das können Freunde, Arbeitskollegen oder auch eine Mentorin sein. Und denk daran, wenn du deinen Zielen näher kommen willst, ist Feedback ganz wesentlich. Versuche, negative Rückmeldungen nicht als Kritik zu sehen, da dies dein Wachstum nur hemmen kann. Richte deine Aufmerksamkeit auf deine Schwächen, um herauszufinden, was du tun oder mit wem du sprechen musst, um dazuzulernen und dich zu verbessern; und scheue dich nicht, um Hilfe zu bitten oder dir einzugestehen, dass du (noch) nicht alle Antworten kennst. Fragen zu stellen bedeutet nicht, dass es an Wissen fehlt, sondern verrät deine Bereitschaft zu lernen. Eine Gemeinsamkeit leistungsstarker Menschen ist ihr Lerneifer. Wie Stephen Covey, Autor des internationalen Bestsellers Die 7 Wege zur Effektivität, sagt: »Lebenslanges Lernen ist der Schlüssel zum Erfolg.« Ob man Bücher liest, Meisterklassen besucht oder sich um einen Mentor bemüht, die obersten zehn Prozent halten sich in ihren Spitzenpositionen, indem sie dazulernen und ihre Fertigkeiten weiterentwickeln.

Was das Lernen angeht, gilt es eine Reihe von Dingen zu berücksichtigen. Sprechen wir als Erstes von der Qualifizierung, dem Erwerb bestimmter Fertigkeiten. Stell dir die Frage: Was ist wirklich