Practicing Open Space - Our First Ten Years - Hans-Georg Wicke - E-Book

Practicing Open Space - Our First Ten Years E-Book

Hans-Georg Wicke

0,0

Beschreibung

It is no longer a secret that Open Space events are pure joy. Set up in a jiffy, these events turn the traditional way of working and leading upside down. And in regard to productivity and action orientation there is nothing better under the sun. How do we know? Well, we have worked with Open Space Technology for decades now and seen the effects. Thanks to Hans-Georg Wicke and the National Agency Youth in Germany, we now have a detailed report on what happens if you go beyond one solitary, stand-alone Open Space event. He describes the sustained transformation of working and living in the organization as Open Space Technology is used over a decade, several times a year, invading every nook and cranny of the Agency. As dictated structure, external control and traditional leading are reduced, selforganisation can more freely unfold, bringing into play the vast resources of everyone involved in the Agency. Without consulting firms that cost a lot of money and have no lasting effect, organizations evolve resilient structures and processes that equip them to navigate in a sea of constant change. And they do this on their own. We invite you to read this slim report if you are searching for a truly productive workplace in which everyone happily invests in cooperation and joint leadership… in hospitals, IT-businesses, foundations, unions, industrial production plants, NGOs… in any business and organization. And: Be Prepared to be Surprised. Dass open space Veranstaltungen ein reines Vergnügen sind, ohne Energie raubende Vorbereitungszeiten auskommen, herkömmliches Arbeiten und Leiten auf den Kopf stellen und im Hinblick auf Produktivität und Handlungsorientierung alles in den Schatten stellen, steht nach jahrzehntelanger Praxis inzwischen außer Frage. Hier allerdings - dank Hans.Georg Wicke und der deutschen Agentur "Jugend für Europa" samt etlicher Teilgruppen - liegt ein Erfahrungsbericht darüber vor.

Sie lesen das E-Book in den Legimi-Apps auf:

Android
iOS
von Legimi
zertifizierten E-Readern
Kindle™-E-Readern
(für ausgewählte Pakete)

Seitenzahl: 153

Veröffentlichungsjahr: 2013

Das E-Book (TTS) können Sie hören im Abo „Legimi Premium” in Legimi-Apps auf:

Android
iOS
Bewertungen
0,0
0
0
0
0
0
Mehr Informationen
Mehr Informationen
Legimi prüft nicht, ob Rezensionen von Nutzern stammen, die den betreffenden Titel tatsächlich gekauft oder gelesen/gehört haben. Wir entfernen aber gefälschte Rezensionen.



10 Jahreopen spacein der Praxis

„JUGEND für Europa“

Direkt zum Deutschen

Practicing Open Space – Our First Ten Years

“YOUTH for Europe”

Click here for English

10 lat open space w praktyce

“MŁODZIEŻ dla Europy”

Wersja w języku polskim

10 ans de pratique du Forum Ouvert

“JEUNESSE pour l’Europe”

Cliquez ici pour lire la version française

PracticandoOpenSpace– Nuestros Diez Primeros Años

“Juventud para Europa”

Clica aquí para leer la versión en español

开放空间实践 - 我们的第一个十年

“欧洲青年”

点此阅读中文版

Impressum

Practicing Open Space – Our First Ten Years

How Open Space transformed the way of doing business in the German Agency

“YOUTH for Europe”

Hans-Georg Wicke

Die Originalausgabe ist erschienen als Kapitel 5 des Buches

Meine open space Praxis

Michael M Pannwitz

[email protected]

in Zusammenarbeit mit Georg Bischoff

[email protected]

© 2010 Westkreuz-Verlag GmbH Berlin/Bonn

Herstellung: Westkreuz-Druckerei Ahrens KG Berlin

Bibliografische Information Der Deutschen Bibliothek

Die Deutsche Bibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie;

detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.ddb.de abrufbar.

ISBN 978-3-939721-22-2

E-Book Ausgabe

© 2013 Westkreuz-Verlag GmbH Berlin/Bonn

Herstellung: KOMAG mbH Berlin/Brandenburg

ISBN 978-3-944836-05-8

English translation by Michael Dills: [email protected]

Autorem polskiej wersji językowej artykułu jest Piotr Banach.

Kontakt z autorem pod adresem [email protected]

Jean-Luc Bernet, Catherine Corbaz et Christine Koehler ont réalisé la version française de cet article.

Ils peuvent être contactés respectivement aux adresses suivantes Jean-Luc Bernet:[email protected], Catherine Corbaz:[email protected] Christine Koehler:[email protected]

Eleder Aurtenetxe Pildain estuvo a cargo de la versión española de esta historia. Puedes contactar con él en: [email protected]

感谢陈胡露为本故事中文版翻译提供的帮助。如您欲与她联系,请写邮件至: [email protected]

10 Jahreopen spacein der Praxis

„JUGEND für Europa“

kreativer & verantwortungsvoller & partizipativer & systemischer

Hans-Georg Wicke

Mit einem Vorwort von Harrison Owen

Vorwort

Als Michael M Pannwitz mich fragte, ob ich ein kurzes Vorwort für Hans-Georg Wickes Artikel „JUGEND für Europa – 10 Jahre open space in der Praxis“ schreiben könne, meinte ich: Das wäre mir ein Vergnügen. Nachdem ich nun den Artikel gelesen habe, muss ich noch hinzufügen: Es ist mir sogar eine Ehre.

Vor 28 Jahren hatten wir bei einer Konferenz in Monterey in Kalifornien einfach weder Zeit noch Energie für die übliche Konferenzplanung, also tauchte open space zum ersten Mal wie ein „komisches Etwas“ auf. Weder ich noch sonst jemand ahnte damals, dass open space nicht nur Spaß machte, sondern auch noch nützlich war. Nach einigen Jahren und etlichen Wiederholungen wurde klar, dass die seltsamsten Dinge im open space passieren. Was da geschah, widersprach praktisch allen Erkenntnissen der verschiedenen Theorien und der Praxis des Leitens von Treffen. Vielleicht sogar des herkömmlichen Leitens selbst.

Wir alle wussten ja, wie eine Konferenz zu organisieren ist. Open space passte eigentlich auf keinen Fall in unsere Muster, wie sollte das bloß funktionieren? Oder genauer gesagt, es konnte eigentlich so gar nicht funktionieren. Und doch ging es. Es war unerklärlich, es ging sogar richtig gut! Heftige Konflikte wurden aufgelöst, für große Herausforderungen wurden ungeahnte Lösungen gefunden, entmutigte Leute fanden plötzlich ihre Stimme wieder. Und scheinbar passierte all das wie von selbst. Und wir merkten, dass es tatsächlich umso besser ging, je weniger wir (als Begleiter) eingriffen.

Skeptiker würden wohl sagen, dass diese außergewöhnliche Erfahrung einfach ein Sonderfall wäre. Vielleicht hatte es irgendetwas mit der Einzigartigkeit der Beteiligten zu tun, oder mit irgendwas im Wasser – oder war es einfach ein verdammter Glücksfall? Wir konnten dem kaum etwas entgegensetzen. Pech für die Skeptiker, denn die Erfahrung setzte sich fort, die Fragen allerdings wurden immer mehr und grundsätzlicher. Was um Himmels willen lief da?

Nachdem nun ein paar Jahre ins Land gegangen sind, tauchen Antworten auf. Unser Geheimnis scheint das uralte Phänomen der Selbstorganisation zu sein. Diese wirkt auf der Ebene der von uns erfundenen Systeme genauso, wie Selbstorganisation seit 13,7 Milliarden Jahren im ganzen Kosmos wirkt. Nichts Neues, nichts Seltsames, nur das, was immer schon stattfand. Open space ist nicht irgendein exotischer neuer Prozess, noch weniger ist er das Produkt meines kreativen Geistes. Open space ist einfach da.

Nach 28 Jahren und mehr als 200 000 open space Veranstaltungen in 143 Ländern sind wir ein bisschen schlauer geworden. Und es tauchen neue grundsätzliche Fragen auf. Die nicht am wenigsten gestellte ist: Was machen wir denn nach open space? Meine humorvoll gemeinte Antwort war vor ein paar Jahren noch: Open more space! Also mehr davon. Aber ich ahnte eigentlich nicht, was dabei herauskommen würde. Allerdings haben wir nun ein großartiges Bild der Folgen von 10 Jahren open space in einem Betrieb, dank Hans-Georg Wicke und all der tollen Menschen bei JUGEND für Europa. Was mit einer Einzelveranstaltung begann, ist anscheinend fast eine Lebensweise geworden, auf jeden Fall aber ein prägender Bestandteil der täglichen Arbeit bei JUGEND für Europa. Diese Geschichte ist ganz besonders. Und ich empfehle sie jedem, der nach einem befriedigenderen und produktiveren Miteinander in der eigenen Organisation sucht. In dieser Geschichte geht es um junge Menschen und um Dienstleistungen für junge Menschen. Ich bin sicher, es lässt sich genauso auf jede x-beliebige andere Organisation übertragen. Deshalb ist es mir sowohl ein Vergnügen als auch eine Ehre, Euch zu ermuntern, diese Geschichte zu lesen, von ihr zu lernen und Euch über sie immer wieder zu freuen.

Harrison Owen

Potomac, Maryland, USA

2013

Hans-Georg Wicke leitet seit 1995 JUGEND für Europa, die deutsche Agentur für das EU-Programm JUGEND IN AKTION in Bonn.

Mit 30 Angestellten, einer Reihe nebenberuflicher Mitarbeiterinnen und einem großen Netzwerk beteiligter Organisationen setzt sie das Programm im Auftrag der Europäischen Kommission in Deutschland um. Die Agentur vergibt Zuschüsse für europäische Jugendprojekte, die Jugendlichen Europa näherbringen sollen: internationale Jugendbegegnungen, Freiwilligendienste, Jugendinitiativen, Trainings, Seminare, Tagungen... und fördert Jugendorganisationen und Einrichtungen der Jugendarbeit bei der Entwicklung europäischer Projekte. JUGEND für Europa unterstützt auch die Gestaltung europäischer Jugendarbeit und Jugendpolitik. Sie ist eine von 35 Nationalagenturen für das Programm JUGEND IN AKTION in 33 Ländern Europas.

Wie alles anfing

Die Geschichte von open space bei JUGEND für Europa begann im Jahr 2000. Eine Mitarbeiterin erzählte begeistert, was sie gerade in einer Veranstaltung erlebt hatte, auf der mit einer Methode gearbeitet wurde, die uns allen unbekannt war: open space. Was sie über Hummeln und Schmetterlinge, „Das Gesetz der zwei Füße“, „Die da sind, sind genau die Richtigen“, „Vorbei ist vorbei“ und andere Dinge berichtete, klang anders als alles, was wir bis jetzt kannten. Aber wir hatten das Gefühl, dass es einen direkten Bezug zum Arbeitsalltag in unserer Agentur gab: Wir zweifelten schon länger an unserer „Sitzungskultur“ – der Vielzahl von internen Sitzungen, dem hohen Aufwand und dem Ertrag, der nicht immer mit der Zeit übereinstimmte, die wir dafür aufwandten. Die Art und Weise, wie wir Besprechungen abhielten, war für uns alle zu wenig produktiv.

Hier kamen die Grundsätze von open space und das Gesetz der zwei Füße wie gerufen. Wir hatten das Gefühl, dass es uns weiterhelfen könnte und zu unserer Organisationskultur passen würde.

Wir entschieden uns schnell: Abhängig davon, wen die einzelnen Punkte etwas angingen, konnten jetzt alle selbst entscheiden, ob sie an den regelmäßigen Sitzungen überhaupt teilnehmen oder bei welchen Abschnitten sie dabei sein wollten. Auf einmal herrschte ein ständiges Kommen und Gehen auf unseren Besprechungen – für alle eine neue Erfahrung, gewöhnungsbedürftig und folgenreich: Themen wurden vorher bei allen Mitarbeiterinnen gesammelt, ihr Zeitbedarf festgelegt, der Verlauf bekanntgegeben und nachher ein Bericht für alle geschrieben.

Alle waren begeistert davon, jetzt ihre Prioritäten selbst setzen und sich ihre Zeit selbst einteilen zu können, sich selbst zu organisieren und Verantwortung zu übernehmen. Die Konsequenz war, dass man nicht mehr alles mitbekam, was in der Agentur geschah. Es gehörte jetzt zur Arbeit, Informationen selbst einzuholen und sie für andere verständlich aufzubereiten. Diese Arbeitsweise erwies sich im Ergebnis als weit wirksamer, effektiver und viel interessanter.

Open space hat also lange, bevor wir das Verfahren zum ersten Mal in der Agentur anwandten, Auswirkungen auf unsere Organisation und unsere Arbeit gehabt.

Dies war für mich Anlass genug, mehr über open space erfahren zu wollen. Sechs Monate später nahm ich an einer Veranstaltung mit Jugendlichen aus über 30 Ländern zum Thema „We work together for tolerance and democracy“ teil, in die ein open space eingebettet war. Ich wollte das Verfahren einmal live erleben, um zu sehen, wie es genau funktioniert und ob es tatsächlich zu unserer Arbeit passt.

Der open space wurde von Michael M Pannwitz begleitet. Was dort geschah, war einfach begeisternd. Ich engagierte Michael noch während der Konferenz für unsere nächste Jahrestagung der Mitarbeiterinnen von JUGEND für Europa Ende 2001, und auch für die wichtigste Veranstaltung, die wir bis dahin gemacht hatten: die 2. Deutsche Jugendkonferenz zum Weißbuch Europäische Jugendpolitik, die etwas mehr als ein halbes Jahr später stattfinden sollte.

So nahm die Geschichte von open space bei JUGEND für Europa ihren Anfang: Eine Geschichte, die bis zum heutigen Tag andauert und inzwischen zu über 30 Veranstaltungen mit mehr als 3000 Teilnehmenden geführt hat, auf denen wir das open space Verfahren eingesetzt haben. Wir benutzen es regelmäßig bei den jährlichen Mitarbeiterinnentagungen von JUGEND für Europa, bei den jährlichen Arbeitstreffen unseres Netzwerkes, das mit uns das Programm JUGEND IN AKTION umsetzt, auf einzelnen Trainings, Tagungen und Seminaren mit Jugendlichen und Erwachsenen. Sehr oft finden die Veranstaltungen hauptsächlich im open space statt, in selteneren Fällen auch ganz. Wir wenden das Verfahren bei nationalen und internationalen Veranstaltungen an. Meistens gibt es ein Vorbereitungstreffen, und viel zu selten ein Nächstes Treffen. Fast immer greifen wir auf Unterstützung durch externe Begleiterinnen zurück; einmal haben wir uns getraut, den open space selbst zu organisieren und durchzuführen.

Heute ist bei JUGEND für Europa jegliche Anwesenheitspflicht bei internen Besprechungen abgeschafft. Es gibt kaum noch regelmäßige Besprechungen. Einmal im Monat versammeln sich unaufgefordert alle, die da sind und etwas lernen wollen oder beizutragen haben, zum einstündigen Jour fixe. Einmal im Jahr trifft sich die Agentur zur dreitägigen Auswertungs- und Planungstagung, seit 2001 vor allem im open space. Hierzu wird eingeladen; nur diejenigen nehmen teil, die wirklich dabei sein wollen.

Wer andere Besprechungen braucht, organisiert sie selbst: anlass- und bedarfsbezogen. Er oder sie organisiert einen Raum, legt Uhrzeit und Dauer fest, benennt das Thema, überlegt wer dazugehört, lädt ein, öffnet den Raum für eine Diskussion, sorgt für einen Bericht...

Open space hat JUGEND für Europa in den letzten Jahren geprägt und verändert. Das Gesetz der zwei Füße, Hummeln und Schmetterlinge, die vier Grundsätze und die Ermahnung, die Ideen von open space, seine Haltung und Wirkungen sind heute nicht mehr aus unserem Alltag wegzudenken – auch ohne open space Veranstaltung.

Die regelmäßige Anwendung von open space innerhalb der Organisation

Entfaltung von Selbstorganisation, Eigeninitiative und gemeinsamer Leitung

Über Jahre hatten sich die Mitarbeiterinnen von JUGEND für Europa alle zwölf Monate getroffen, um ihre Arbeit auszuwerten und neu zu planen. Die jährlichen Tagungen wurden aufwendig vorbereitet. Auch wenn die Themen nicht immer alle betrafen und sehr unterschiedliches Interesse fanden, war die Teilnahme verbindlich.

Im Dezember 2001 führten wir diese jährliche Mitarbeiterinnentagung erstmals im open space durch. In einem vierstündigen Vorbereitungstreffen hatten wir einige Wochen vorher die Rahmenbedingungen organisiert, aber uns vor allem gemeinsam auf einen Titel verständigt. Wie bei open space Veranstaltungen üblich, wurde dazu eingeladen und die Teilnahme war freiwillig – alle sind gekommen. Erst auf dem open space entstand, was konkret besprochen werden sollte. Nach der zwanzigminütigen Einführung durch Michael M Pannwitz hatten wir alle die Möglichkeit, das einzubringen, was uns auf den Nägeln brannte, uns am Herzen lag und wir diskutieren wollten. Eine halbe Stunde später waren 22 Anliegen gesammelt sowie Orte und Zeiten für die Kleingruppen bestimmt. Dort wurden sie im Laufe des Tages von denen diskutiert, die daran Interesse hatten. Viele Anliegen waren in den üblichen Besprechungen oder auf den Jahrestagungen bisher nicht aufgetaucht. Die Ergebnisse wurden dokumentiert und für alle sichtbar noch während der Veranstaltung ausgehängt. Danach fand die Handlungsplanung statt. Innerhalb kurzer Zeit benannten wir 16 Vorhaben, für die noch vor Ort Pläne geschmiedet und Nächste Schritte verabredet wurden. In der Schlussrunde betonten viele, was für eine neue und arbeitsintensive Erfahrung der open space war – ohne dass sich die übliche Erschöpfung einstellte.

Seitdem findet die dreitägige jährliche Mitarbeiterinnentagung von JUGEND für Europa vor allem im open space statt. Sie ist weit mehr als früher ein interaktiver und offener Ort für die Auswertung und Planung unserer Arbeit. Der open space ermöglicht, dass alle ohne Einschränkung das einbringen und zur Diskussion stellen können, was für sie wichtig ist. Das Verfahren bietet einen sicheren Raum, in dem auch experimentiert und mit kreativen Ideen gespielt werden kann. Im open space gehen Ideen, Anliegen, Visionen, Notwendigkeiten und Wünsche dynamische Verbindungen ein, die in Handlungen münden. Hier gestalten und entwickeln wir gemeinsam unser System. Unsere Mitarbeiterinnentagungen sind so der Ausgangspunkt für die kontinuierliche Transformation unserer Organisation, ihre ständige Anpassung und Weiterentwicklung über das ganze weitere Jahr hinweg.

Die regelmäßige Anwendung des open space Verfahrens und seiner Prinzipien innerhalb der Agentur, insbesondere in unseren Mitarbei-terinnentagungen, erweitert den Raum für Selbstorganisation und Eigeninitiative. Open space unterstützt die Einleitung von Veränderungen: für die eigene Situation, für das Team und die gesamte Organisation. Es wird deutlich, dass die Gestaltung und Weiterentwicklung der Organisation, wenn sie erfolgreich sein soll, davon abhängt, dass sich alle einbringen, mit ihrer Expertise, ihren Erfahrungen und ihrem Wissen, individuell und im Team. Open space erlaubt aber gleichzeitig auch die eigenständige Übernahme von Verantwortung: für Verfahren, Inhalte, Projekte und Strukturen. Leitung wird von vielen wahrgenommen und nicht allein auf die Funktion des Leiters der Organisation projiziert – eines der heute prägenden Merkmale unserer Organisationskultur. Dadurch ist die Basis für eine transformierende Organisation gelegt: die ständige Anpassung unserer Strukturen und Verfahren an die wechselnden Verhältnisse, die Entstehung neuer Ideen und kreativer Projekte, die gemeinsame Gestaltung und Weiterentwicklung unserer Organisation und ihrer Kultur, die Aufhebung ihrer engen Grenzen.

Das heißt nicht, dass alle open space immer nur großartig finden. Bis heute heißt es immer mal wieder: „Oh Gott, nicht schon wieder ein open space!“ Aber niemand denkt ernsthaft daran, das wieder rückgängig zu machen, was aus der regelmäßigen Anwendung des Verfahrens bis jetzt entstanden ist.

Angepasste Strukturen und Verfahren

Eines meiner eigenen Anliegen in unserer ersten Mitarbeiterinnentagung im open space (2001) trug den Titel „Zeitsparkasse“, entstanden aus den ständigen Beschwerden über die hohe zeitliche Belastung und den fehlenden Raum für inhaltliche Arbeit. In dieser Anliegengruppe kamen wir fast alle zusammen. Wir sammelten Vorschläge, wie sich in der Agentur unsere Arbeit effektiver gestalten ließ und welche Dinge möglicherweise überflüssig waren. Das Thema beschäftigte uns so sehr, dass wir uns am Nachmittag noch einmal dazu trafen. Es ging nicht darum, Arbeitsplätze zu streichen, sondern freiwerdende Kapazitäten zur Entlastung und für inhaltliche Aufgaben zu nutzen. Noch auf der Tagung wurde in der Handlungsplanung das weitere Vorgehen festgelegt. Zwei Wochen danach waren 80% der Ideen umgesetzt – ein atemberaubendes Tempo! Die „Zeitsparkasse“ schuf am Ende Raum für inhaltliche Arbeit in der Agentur im zeitlichen Umfang von mehr als einem Vollzeitarbeitsplatz. Gleichzeitig war dies der Startschuss dafür, neben dem klassischen Management des Programms, inhaltliche Schwerpunkte der Agentur zu diskutieren, in denen wir in Zukunft tätig werden wollten.

Ein Jahr später habe ich dasselbe Anliegen in der Mitarbeiterinnentagung unter dem Titel „Sperrmüllsammlung“ eingebracht und dazu einfach einen Karton, Kärtchen und Stifte hingestellt. Alle konnten ihre Ideen, welche Hindernisse sich aus dem Weg räumen ließen, um noch stärker inhaltlich arbeiten zu können, in den Karton werfen: Ein Anliegen ohne Gruppe, aber mit vielen, die sich daran beteiligten und Vorschläge für weitere Zeitressourcen zugunsten inhaltlicher Arbeit einbrachten – die kurze Zeit später wieder in die Tat umgesetzt wurden.

Von Anfang an gab es regelmäßig Anliegen zu unseren Arbeitsabläufen und -strukturen. Die Auseinandersetzung über die Arbeitsverteilung, die Verbesserung der Zusammenarbeit zwischen Einzelnen, in den Teams und der gesamten Agentur, die Beschäftigung mit unseren Strukturen und Arbeitsprinzipien führt zu einer kontinuierlichen Anpassung an die aktuellen Bedingungen und manchmal zu Neustrukturierungen, die durch die offene Diskussion von allen mitgetragen werden. Veränderungen werden direkt von denen angestoßen, die Anpassungsbedarf und die Notwendigkeit von Veränderungen sehen – und keinesfalls nur von der Leitung. Selbstorganisation, Eigeninitiative und Übernahme von Verantwortung kommen zum Tragen, gemeinsame Leitung wird durch open space initiiert.

So haben zum Beispiel häufiger Kolleginnen angesichts von Personalveränderungen oder Elternzeit untereinander und ohne Einmischung der Leitung Vertretungsregelungen organisiert. Daraus sind zum Teil sogar neue Formen der Arbeitsteilung entstanden.

In einem Anliegen diskutierten Mitarbeiterinnen, wie mehr Eigenverantwortung in alltäglichen Arbeitsabläufen zu bewerkstelligen sei. Das führte langfristig zu einer Umstellung der Bearbeitung von Förderanträgen und Verwendungsnachweisen, die die Verantwortung eines Teils der Mitarbeiterinnen erheblich vergrößert hat.

Zum Thema Strukturen machte ich in einem Anliegen den Vorschlag, dass jeder sein persönliches Wunschorganigramm unserer Agentur entwickelt. Dabei kam viel Neues und Überraschendes zusammen, so auch der Vorschlag einer Mitarbeiterin, unsere Teams in Zukunft nach Aktionen des Programms aufzuteilen: Überraschend deshalb, weil wir uns in den Jahren davor in eine andere Richtung bewegt hatten. Nach gründlichen Diskussionen und in gemeinsamer Entwicklung wurde dieser Vorschlag zwei Jahre später in die Praxis umgesetzt.

Selbst die Leitungsstrukturen und -praxis der Agentur werden in den Anliegen behandelt. Eines beschäftigte sich mit der Koordination der Umsetzung des Programms. In der Diskussion wurde der Bedarf für eine verstärkte inhaltliche Koordination der verschiedenen Aktivitäten und Projekte der Agentur deutlich. Inzwischen ist dafür eine neue Stelle eingerichtet, die eine große Bereicherung für unsere Arbeit darstellt.

Im open space gibt es keine heiligen Kühe. 2006 beschäftigte sich ein Anliegen auf der Mitarbeiterinnentagung damit, ob wir doch wieder zu regelmäßigen Treffen zurückkehren sollten. Die Mehrheit wollte jedoch nicht zurück zur alten „Sitzungskultur“ der Agentur. Stattdessen wurde das Prinzip der anlass- und bedarfsbezogenen Treffen – die als eine der ersten Reaktionen auf open space eingeführt worden waren – bekräftigt und alle ermuntert, es auch aktiv anzuwenden.

Innovation und Kreativität

„Augen auf! Mit Überraschungen ist zu rechnen!“ Kaum etwas ist so wahr wie diese ständig gegenwärtige Ermahnung im open space. Und kaum etwas ist auch so prägend, wie die vielen überraschenden, neuen und kreativen Ideen zeigen, die auf den Mitarbeiterinnentagungen im open space entstanden sind. Niemand hatte sie sich vorher ausgedacht, niemand damit gerechnet, und kein Vorbereitungsteam einer normalen Konferenz hätte jemals in Erwägung gezogen, solche Themen auf die Agenda zu setzen und dafür Workshops einzurichten. Dabei überraschen nicht nur die Anliegen, sondern auch die kreativen Lösungen.