Präventionsmarketing - Viviane Scherenberg - E-Book

Präventionsmarketing E-Book

Viviane Scherenberg

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Beschreibung

Gesundheitsverhalten positiv beeinflussen Rauchen, Bewegungsmangel oder falsche Ernährung – ungesunde Lifestylefaktoren verursachen chronisch-degenerative Erkrankungen. Prävention und Gesundheitsförderung gewinnen daher zunehmend an Bedeutung. Viviane Scherenberg beleuchtet anschaulich und praxisorientiert die Hintergründe, Möglichkeiten und Anwendungsfelder des Präventionsmarketings – angefangen bei der zielgruppenspezifischen Konzeption bis hin zur Evaluation. Das Buch richtet sich sowohl an Studierende der Gesundheitswissenschaften und des Marketings als auch an Praktiker:innen aus dem Gesundheitswesen und der betrieblichen Gesundheitsförderung.

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EPUB

Veröffentlichungsjahr: 2022

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Viviane Scherenberg

Präventionsmarketing

Ziel- und Risikogruppen gewinnen und motivieren

UVK Verlag · München

Umschlagabbildung: © AndreyPopov | iStockphoto

Autorinnenbild: © APOLLON Hochschule

 

Prof. Dr. Viviane Scherenberg, MPH, leitet den Fachbereich Public Health und Umweltgesundheit an der APOLLON Hochschule der Gesundheitswirtschaft.

2., überarbeitete und erweiterte Auflage 2022

1. Auflage 2017

 

DOI: https://doi.org/10.36198/9783838559018

 

© UVK Verlag 2022— ein Unternehmen der Narr Francke Attempto Verlag GmbH + Co. KGDischingerweg 5 • D-72070 Tübingen

 

Das Werk einschließlich aller seiner Teile ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung außerhalb der engen Grenzen des Urheberrechtsgesetztes ist ohne Zustimmung des Verlages unzulässig und strafbar. Das gilt insbesondere für Vervielfältigungen, Übersetzungen, Mikroverfilmungen und die Einspeicherung und Verarbeitung in elektronischen Systemen.

 

Alle Informationen in diesem Buch wurden mit großer Sorgfalt erstellt. Fehler können dennoch nicht völlig ausgeschlossen werden. Weder Verlag noch Autor:innen oder Herausgeber:innen übernehmen deshalb eine Gewährleistung für die Korrektheit des Inhaltes und haften nicht für fehlerhafte Angaben und deren Folgen. Diese Publikation enthält gegebenenfalls Links zu externen Inhalten Dritter, auf die weder Verlag noch Autor:innen oder Herausgeber:innen Einfluss haben. Für die Inhalte der verlinkten Seiten sind stets die jeweiligen Anbieter oder Betreibenden der Seiten verantwortlich.

 

Internet: www.narr.deeMail: [email protected]

 

Einbandgestaltung: siegel konzeption | gestaltung

 

utb-Nr. 4742

ISBN 978-3-8252-5901-3 (Print)

ISBN 978-3-8463-5901-3 (ePub)

Inhalt

Vorwort zur zweiten AuflageVorwort zur ersten AuflageAbkürzungsverzeichnisAbschnitt I: Hintergründe zum Thema Prävention und Gesundheitsförderung1 Einführung: Gesundheit und Prävention als Gegenstand des Marketings1.1 Gesundheit1.1.1 Definition und Dimensionen der Gesundheit1.1.2 Präventive Herausforderungen durch chronische Erkrankungen1.1.3 Präventive Herausforderungen durch Infektionskrankheiten1.1.4 Präventive Herausforderunge durch den Klimawandel1.1.5 Hintergründe zur Gesundheits- und Präventionspolitik1.1.6 Wirtschaftsfaktor Gesundheit1.1.7 Wirtschaftsfaktor Prävention1.1.8 Heterogenität des Gesundheitssektors1.2 Prävention und Gesundheitsförderung1.2.1 Definition, Zielsetzung und Handlungsfelder1.2.2 Akteure von Präventionsinterventionen1.2.3 Strategien der Prävention1.2.4 Methoden der Prävention1.2.5 Onlinemedien und Prävention1.2.6 Gamification und Serious Games als spielerischer Zugang zu Präventionsthemen✺ Zusammenfassung✺ Wichtige Schlagwörter✺ Wiederholungsfragen✺ Literaturempfehlung2 Spezifische Herausforderungen des Präventionsmarketings2.1 Präventionsdilemma2.2 Legitimationsdruck und Wettbewerbsdruck der Akteure2.3 Paradigmenwechsel der Prävention✺ Zusammenfassung✺ Wichtige Schlagwörter✺ Wiederholungsfragen✺ LiteraturempfehlungAbschnitt II: Hintergründe und Entwicklungen des Gesundheitsmarketings3 Gesundheits- und Präventionsmarketing3.1 Entwicklungslinien und Grenzen des Gesundheitsmarketings3.2 Teilbereiche und Disziplinen des Gesundheitsmarketings3.3 Übergreifende Besonderheiten des Präventionsmarketings3.4 Gestaltungsspezifische Besonderheiten des Präventionsmarketings3.4.1 Gesundheitspsychologische Hintergründe3.4.2 Neuropsychologische Hintergründe3.4.3 Ethische und diskriminierende Aspekte3.4.4 Rechtliche Aspekte und übergreifende Qualitäts­anforderungen✺ Zusammenfassung✺ Wichtige Schlagwörter✺ Wiederholungsfragen✺ LiteraturempfehlungAbschnitt III: Marketing als Teilgebiet von Präventionsintervention4 Marktforschung4.1 Informationsgewinnung durch Sekundär- und Primärforschung4.2 Ethik in der Marktforschung4.3 Auswahl der Stichproben✺ Zusammenfassung✺ Wichtige Schlagwörter✺ Wiederholungsfragen✺ Literaturempfehlungen5 Strategische Aspekte des Präventionsmarketings5.1 Situationsanalyse5.2 Alleinstellungsmerkmal5.3 Zielgruppen- und Marktsegmentierung5.4 Marketingziele und -strategie✺ Zusammenfassung✺ Wichtige Schlagwörter✺ Wiederholungsfragen✺ Literaturempfehlungen6 Anwendungsbezogene Aspekte: Marketing­strategische Hintergründe zu spezifischen Präventionsformen6.1 Universelle Präventionsinterventionen6.2 Selektive Präventionsinterventionen6.3 Indizierte Präventionsinterventionen6.4 Strukturellen Präventionsinterventionen6.5 Settinginterventionen✺ Zusammenfassung✺ Wichtige Schlagwörter✺ Wiederholungsfragen✺ Literaturempfehlungen7 Operative Aspekte des Präventionsmarketings7.1 Marketingmix7.1.1 Leistungspolitik (Produktpolitik)7.1.2 Prozesspolitik7.1.3 Preispolitik (Gegenleistungspolitik)7.1.4 Distributionspolitik7.1.5 Kommunikationspolitik7.2 Branding von Präventionsmaßnahmen✺ Zusammenfassung✺ Wichtige Schlagwörter✺ Wiederholungsfragen✺ Literaturempfehlungen8 Qualitätssicherung, Evaluation und Kontrolle8.1 Good-Practice-Kriterien der Prävention8.2 Qualitätssicherung in der Prävention8.3 Evaluation von Präventionsmaßnahmen8.4 Kontrolle im Präventionsmarketing✺ Zusammenfassung✺ Wichtige Schlagwörter✺ Wiederholungsfragen✺ Literaturempfehlungen9 Planung: ChecklisteLiteraturverzeichnisRegister

Vorwort zur zweiten Auflage

Bemühungen im Bereich der Prävention und Gesundheitsförderung sind einem ständigen Wandel unterlegen. Seit der Herausgabe der 1. Ausgabe dieses Buches gab es vielfältige globale Veränderungen, die es notwendig machen, das Werk anzupassen.

Lange Zeit stand die Reduzierung chronischer Erkrankungen im Fokus präventiver Bemühungen und dies nicht ohne Grund, denn durch den veränderten Lebenstil in den Industrienationen galten chronische Erkrankungen als größte Herausforderung für die Gesundheitssysteme des 21. Jahrhunderts. Der Ausbruch der Coronavirus-Krankheit (COVID-19) hat die Aufmerksamkeit wieder stärker auf die Bedeutung und damit die Bedrohung durch Infektionskrankheiten gelenkt.

Im Zuge der Präventionsbemühungen rückten, bedingt durch Ausgangsbeschränkungen, digitale Interventionen in den Vordergrund. Ebenfalls stärker in in den Mittelpunkt traten präventive Interventionen, die Menschen mit „sanften Anstupsern“ (Nudging) in die gewünschte Richtung lenken sollten: Ziel war es bspw., zur Einhaltung der AHA+A+L-Regeln (Abstand, Hygiene, Alltag mit Maske, App, Lüften) beizutragen oder die Impfbereitschaft zum Schutz der Bevölkerung zu erhöhen. Auch wird in dieser Auflage darauf eingangen, wie Entscheidungen durch die Art und Weise bzw. den Rahmen (Framing) der Informationsdarstellung in Gesundheitskampagnen positiv beeinflusst werden können.

Eng in Verbindung mit der zunehmenden Verbreitung von Infektionskrankheiten, chronischen Erkrankungen sowie akuten Gesundheitsbelastungen stehen umweltbezogene Veränderungen, wie z. B. die globalen Auswirkungen des Klimawandels. Dabei trägt das veränderte Klima nicht nur dazu bei, dass sich in neuen Regionen Krankheitserreger (durch z. B. Zecken, Mücken) übertragen, sondern auch dazu, dass sich, bedingt durch Hitzewellen, u. a. Herz-Kreislauf-Erkrankungen verschlechtern können. Dieser zunehmenden Bedeutung umweltbezogener und globaler Veränderungen sowie den damit verbundenen präventiven Möglichkeiten soll diese Auflage Rechnung tragen.

 

Bremen, März 2022

Prof. Dr. Viviane Scherenberg MPH

Hinweis ∣ Gendergerechte Sprache

In diesem Band wird für Berufs- und Personenbezeichnungen das generische Maskulinum verwendet. In dieser genderneutralen Ausrichtung schließt es alle Geschlechtsidentitäten mit ein.

Vorwort zur ersten Auflage

Präventionsmarketing ist eine sehr neue Disziplin. Demgegenüber blickt Marketing und Werbung auf eine lange Geschichte zurück. Hannes Buchli beschreibt in seinem Buch „6.000 Jahre Werbung: Altertum und Mittelalter“ bereits 1962 Werbung als „eine Beeinflussung des Menschen, die ihn veranlasst, etwas freiwillig zu tun“ (vgl. Buchli 1962: 41). Hierbei ist die Freiwilligkeit hervorzuheben, die Ausdruck dafür ist, dass Werbung Kunst der Überzeugung darstellt und Zwang als Gegenstück verstanden werden kann (vgl. Buchli 1962: 49). Kommerzielles Marketing weckt die Sehnsucht auf und nach Produkten und Dienstleistungen, indem positive Emotionen und Motive angesprochen und in uns geweckt werden. Prävention fokussierte sich hingegen lange Zeit auf die Weckung negativer Emotionen, um gesundheitsbewusste Verhaltensweisen bei Menschen zu stimulieren. Die Darstellung drohender Konsequenzen mithilfe von Angstappellen, eine vermutete Defizitorientierung sowie der Fokus auf vermeintliche Fehler, Versäumnisse, Mängel, Unzulänglichkeiten und Versagen stand und steht teils immer noch in der Aufmerksamkeit des Präventionsgeschehens.

Ohne Zweifel können und sollten die Gesundheitswissenschaften von den Erkenntnissen des kommerziellen Marketings lernen. Intention des Buches ist es daher, aufzuzeigen, wie Risikozielgruppen mithilfe strategischer und operativer Marketingansätze erreicht werden können und welche unterschiedlichen Möglichkeiten der Qualitätssicherung hierbei zur Verfügung stehen.

Darauf hinzuweisen ist, dass Präventionsinterventionen – angefangen von Präventionskursen, Präventionsreisen, Aufklärungskampagnen, Onlinecoaching bis zu Gesundheits-Apps – für die unterschiedlichsten gesundheitlichen Handlungsfelder samt der jeweiligen Bedürfnis- und Motivlagen der Zielgruppe enorm vielschichtig, höchst komplex und die spezifischen Ausgangslagen sehr heterogen sind. Das Buch dient daher dazu, anhand einer Vielzahl von Praxisbeispielen Einblicke zu gewähren und Möglichkeiten aufzuzeigen, da Projekte im Bereich des Präventionsmarketings immer individuell auf die jeweiligen präventiven Herausforderungen und Belange der Zielgruppe differenziert konzipiert werden müssen.

Ein besonderes Anliegen der Autorin ist es, auf die vielfältigen sozialen, ethischen und gesetzlichen Besonderheiten dieser höchst sensiblen Marketingdisziplin hinzuweisen, die bei präventiv agierenden Institutionen mit einem hohen Verantwortungsbewusstsein einhergehen sollten. Das Buch richtet sich damit sowohl an Studierende aus den Bereichen Gesundheitswissenschaften und Marketing als auch an interessierte Praktiker.

An dieser Stelle ein ganz herzliches Dankeschön an zahlreiche Kollegen aus Forschung und Praxis. Sie tragen mit ihren Erfahrungen und ihrem außerordentlichen Engagement zum Wohle der Gesundheit – insbesondere für schwer erreichbare und vulnerable Gruppen – dazu bei, dass dieses Buch mit zahlreichen nützlichen und praxisrelevanten Verweisen auf Plattformen, Checklisten, Leitlinien etc. gespickt ist.

 

Bremen, Juni 2017

Prof. Dr. Viviane Scherenberg MPH

Abkürzungsverzeichnis

ADM ∣ Arbeitskreis Deutscher Markt und Sozialforschungsinstitute

AIDA ∣ Attention, Interest, Desire, Action

AOK ∣ Allgemeine Ortskrankenkasse

ARD ∣ Arbeitsgemeinschaft der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten der Bundesrepublik Deutschland

ASI ∣ Arbeitsgemeinschaft Sozialwissenschaftlicher Institute

ASIDAS ∣ Attention, Search, Interest, Desire, Action, Share

AWMF ∣ Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften e.V.

BBG ∣ Behindertengleichstellungsgesetz

BDGS ∣ Bundesdatenschutzgesetz

BGBI ∣ Bundesgesetzblatt

BKK ∣ Betriebskrankenkasse

BMEL ∣ Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft

BMG ∣ Bundesministerium für Gesundheit

BMWi ∣ Bundesministerium für Wirtschaft und Energie

BoD ∣ Burden of Disease

BVM ∣ Berufsverband Deutscher Markt- und Sozialforscher

BZgA ∣ Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung

CEM ∣ Customer-Experience-Management

COVID ∣ Coronavirus Disease

CRM ∣ Customer-Realtionsship-Management

DAK ∣ Deutsche Angestellten Krankenkasse

DEAS ∣ Deutscher Alterssurvey

DEGS ∣ Deutsche Erwachsenen-Gesundheits-Survey

denic ∣ Regristireungsstelle für deutsche Domains

DGOF ∣ Deutsche Gesellschaft für Online-Forschung e.V.

DIN ∣ Deutsche Industrienorm

DISCERN ∣ Qualitätskriterien für Patienteninformationen

DMP ∣ Disease Management Programm

DPMA ∣ Deutsches Patent- und Markenamt

ECDC ∣ European Center for Disease Control

EFSA ∣ Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit

EID ∣ Emerging and Re-emerging Infectious Diseases

ESOMAR ∣ European Society for Opinion and Marketing Research

FAMOS ∣ Fragebogen zur Analyse Motivationaler Schemata

GBE ∣ Gesundheitsberichterstattung

GbR ∣ Datenbank der Werbung

GEDA ∣ Gesundheit in Deutschland aktuell

GeschmMG ∣ Geschmacksmustergesetz

GHO ∣ Global Health Observatory

GKV ∣ Gesetzliche Krankenversicherung

GKV- GMG ∣ GKV-Modernisierungsgesetz

GKV-GRG 2000 ∣ Gesetz zur Reform der gesetzlichen Krankenversicherung ab dem Jahr 2000

HCV ∣ Health-Claims-Verordnung

HMG ∣ Heilmittelgesetz

HTA ∣ Health Technology Assessment

ICC ∣ International Chamber of Commerce

IDF ∣ International Diabetes Federation

IDG ∣ Informations- und Dokumentationszentrum

IfSG ∣ Infektionsschutzgesetz

IGEL ∣ Individuelle Gesundheitsleistungen

IPCC ∣ Intergovernmental Panel for Climate Change

IS-GBE ∣ Informationssystem im Internet (eingerichtet von der Serviceeinrichtung des Statistischen Bundesamts)

ISO ∣ International Organization for Standartization

JÖSchG ∣ Jugendschutzgesetz

KIGGS ∣ Kinder- und Jugendlichen-Gesundheitsstudie

KKV ∣ Komparativer Konkurrenzvorteil

LOHAS ∣ Lifestyles of Health and Sustainability

MarkenG ∣ Gesetz über den Schutz von Marken und sonstigen Kennzeichen

MDS ∣ Medizinischer Dienst der Spitzenverbände der Krankenkassen

MWV ∣ Mobilfunk-Warn-Verordnung

MRSA ∣ methicillin-resistente Staphylococcus aureus

NCDs ∣ non communicable diseases

NPO-Marketing ∣ Non-Profit-Marketing

OECD ∣ Organisation for Economic Co-operation and Development

OTC ∣ over the counter

PrävG ∣ Gesetz zur Stärkung der Gesundheitsförderung und der Prävention

RABE ∣ Rauchen, Alkoholkonsum, Bewegungsmangel, ungesunde Ernährung

RKI ∣ Robert Koch-Institut

RNS ∣ ribonucleic acid

DNS ∣ desoxyribonucleic acid

ROI ∣ Return-on-Investment

RStV ∣ Rundfunkstaatsvertrag

RUMBA ∣ relevant, understandable, mesurable, behavioral, attainable

SERVQUAL ∣ Service Quality Assessment

SGB ∣ Sozialgesetzbuch

SMART ∣ specific, mesurable, achievable, relevant, targeted

SOEP ∣ Sozioökonomischer Panel

SWOT ∣ strengths, weakness, opportunities, threats

TK ∣ Techniker Krankenkasse

TMG ∣ Telemediengesetz

UAP ∣ Unique Advertising Proposition

UCP ∣ Unique Communication Proposition

UPP ∣ Unique Passion Proposition

UrhG ∣ Urheberrechtsgesetz

USP ∣ Unique Selling Proposition

UV-Strahlung ∣ ultraviolette Strahlung

UWG ∣ Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb

VBG ∣ Verwaltungs-Berufsgenossenschaft gesetzliche Unfallversicherung

VR ∣ Virtual Reality

WHO ∣ World Health Organisation

ZDF ∣ Zweites Deutsches Fernsehen

Abschnitt I: Hintergründe zum Thema Prävention und Gesundheitsförderung

1Einführung: Gesundheit und Prävention als Gegenstand des Marketings

Lernziele

In diesem Kapitel erfahren Sie,

wie Gesundheit definiert wird und welche Dimensionen Gesundheit einnehmen kann.

welche Krankheitsbilder in den Industrienationen dominieren.

welche gesundheits- und präventionspolitischen Maßnahmen zur Verbesserung der Gesundheit und des Gesundheitsverhaltens vollzogen wurden.

welche Bedeutung die Gesundheit aus unterschiedlichen Perspektiven als Wirtschaftsfaktor einnimmt.

1.1Gesundheit

1.1.1Definition und Dimensionen der Gesundheit

Es existiert in der Wissenschaft eine Vielzahl an Definitionen von Gesundheit. Die wohl bekannteste Definition wurde in der Verfassung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) (Constitution of the World Health Organisation) erstmals 1946 festgehalten und definiert Gesundheit als „Zustand des vollständigen körperlichen, geistigen und sozialen Wohlergehens und nicht nur das Fehlen von Krankheit oder Gebrechen“ (WHO 2006a: 1). Einerseits beinhaltet diese Definition einen hohen und medizinisch schwer fassbaren Anspruch, der mitunter falsche Erwartungen erweckt und zudem gesellschaftliche Verhältnisse und gesundheitliche Ungleichheiten nicht berücksichtigt (vgl. Kickbusch 1982: 267). Darüber hinaus schließt die Definition die Bedeutung der subjektiv wahrgenommenen Gesundheit, die als ein wesentliches Bewertungskriterium des Gesundheitszustandes in Form der gesundheitsbezogenen LebensqualitätLebensqualität des salutogenetischen Konzepts beschrieben wird, aus. Andererseits bietet die WHO-Definition eine Perspektive, die ganzheitlich ist und weit über eine biomedizinische (körperliche) Ebene hinaus soziale sowie emotionale Aspekte miteinschließt. Das Konzept der SalutogeneseSalutogenese wurde von dem israelischen Medizinsoziologe Aaron Antonovsky entwickelt auf der Erkenntnis, dass Menschen trotz vielfältiger Gesundheitsrisiken gesund bleiben können. Damit stellt das Konzept der Salutogenese das Gegenstück zur Pathogenese dar, das die Entstehung und Entwicklung von Krankheit in den Fokus stellt. Bei der salutogenetischen Sicht wird Gesundheit und Krankheit nicht traditionell dichotom klassifiziert, da das Konzept von einem Gesundheits-Krankheits-Kontinuum (health easy-disease continuum) ausgeht, bei dem sich der Gesundheitszustand eines Menschen aus den dynamischen Wechselwirkungen zwischen Gesundheitsrisiken und -ressourcen und seiner Umwelt ergibt. Somit betrachtet die Salutogenese „den Kampf in Richtung Gesundheit als permanent und nie ganz erfolgreich“ (Antonovsky 1993: 10). Inwiefern ein Mensch von den Endpolen „völliger Gesundheit“ und „völliger Krankheit“ entfernt ist, wird nach der Auffassung von Antonovsky von den vorhandenen Widerstandsressourcen und dem Kohärenzgefühl beeinflusst (vgl. Hurrelmann 2006: 125). Dabei wird das KohärenzgefühlKohärenzgefühl als Orientierungsmaßstab des salutogenetischen Modells verstanden und beschreibt, inwiefern das Gefühl des Vertrauens (vgl. Antonovsky 1997: 36)

die Anforderungen aus der inneren oder äußeren Umwelt im Verlauf des Lebens strukturiert, vorhersehbar und erklärbar macht (Verstehbarkeit: sense of comprehensibility),

die Ressourcen verfügbar sind, um den Anforderungen gerecht zu werden (Handhabbarkeit: sence of manageability), und

es sich lohnt, Energie zu verwenden (Bedeutsamkeit: sence of meaningfulness).

Insbesondere in Belastungssituationen wirkt sich ein starkes Koheränzgefühl positiv auf den Gesundheitszustand aus, da das Stresserleben als weniger belastend empfunden wird. In welchem Maße sich ein Kohärenzgefühl, Selbstwertgefühl, Selbstvertrauen und soziale Kompetenzen entwickeln und damit Menschen eine Stärkung der Problemlösungsfähigkeit erfahren, hängt u. a. von den jeweils gesammelten Partizipationserfahrungen ab. Nicht ohne Grund beschreibt die Verfassung der WHO zudem:

„Gesundheit wird von Menschen in ihrer alltäglichen Umwelt geschaffen und gelebt: dort, wo sie spielen, lernen, arbeiten und lieben. Gesundheit entsteht dadurch, dass man sich um sich selbst und andere sorgt, dass man in die Lage versetzt ist, selbst Entscheidungen zu fällen und eine Kontrolle über die eigenen Lebensumstände auszuüben sowie dadurch, dass die Gesellschaft, in der man lebt, Bedingungen herstellt, die all ihren Bürgern Gesundheit ermöglichen.“ (WHO 2006a).

Weiter heißt es:

„Der Besitz des bestmöglichen Gesundheitszustandes bildet eines der Grundrechte jedes menschlichen Wesens, ohne Unterschied der Rasse, der Religion, der politischen Anschauung und der wirtschaftlichen und sozialen Stellung“ (WHO 2006a: 1).

Mit der Definition wird deutlich, dass Gesundheit ganzheitlich und mit allen ihren körperlichen, psychischen und sozialen Dimensionen (im Rahmen des Präventionsmarketings) betrachtet werden muss. Die → Tab. 1 zeigt daher beispielhaft, was sich hinter den einzelnen Dimensionen der Gesundheit verbergen kann.

Dimension

Beispiele

soziale Aspekte der Gesundheit

Ausgestaltung und Zufriedenheit mit sozialen Beziehungen, Wahrnehmung sozialer Akzeptanz und Unterstützung, Zugehörigkeit und Gebraucht­werden

physische Aspekte der Gesundheit

Funktionsfähigkeit und Beeinträchtigung des körperlichen Gesundheitszustandes

psychische Aspekte der Gesundheit

emotionale Befindlichkeit, Selbstwertgefühl, Körperselbstbild, Optimismus

Tab. 1:

Dimensionen der Gesundheit

Quelle: Eigene Darstellung.

Werden Marketingkonzepte für Präventionsmaßnahmen entwickelt, so muss genauestens analysiert werden, welche Dimensionen der Gesundheit angesprochen werden. Dabei ist zu beachten, dass sich die beschriebenen Dimensionen der Gesundheit gegenseitig – positiv wie negativ – beeinflussen können. So kann sich eine körperliche Beeinträchtigung (z. B. ausgelöst durch eine chronische Erkrankung) auf die psychische Gesundheit negativ auswirken und bspw. bei einem drohenden Arbeitsplatzverlust dazu führen, dass die soziale Gesundheit der Betroffenen (z. B. durch Ausgrenzung, Isolation, Einsamkeit) stark in Mitleidenschaft gezogen wird.

1.1.2Präventive Herausforderungen durch chronische Erkrankungen

Gerade chronische Erkrankungenchronische Erkrankungen stehen im Fokus von Präventionsbemühungen. Zu den häufigsten nicht übertragbaren Krankheitennicht-übertragbaren Krankheiten („non communicable diseases“, kurz NCDs) zählen bspw. Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Krebs, psychische Gesundheitsprobleme, Diabetes mellitus, chronische Atemwegserkrankungen und Muskel-Skelett-Erkrankungen aber auch Suchterkrankungen.

Laut GEDA-Studie 2019/2020-EHIS geben 51,9 % der Frauen und 46,4 % der Männer an (gesamt: 49,2 %), mindestens von einer chronischen Krankheit betroffen zu sein (vgl. Heidemann et al. 2021: 7). Dabei wird der höchste Anteil der Krankheitslast auch als „burden of disease“ (kurz BoD) tituliert. Innerhalb der letzten 12 Monate im Untersuchungszeitraum lag bei 30,9 % der deutschen Bevölkerung eine Allergie, bei 17,1 % Athrose, bei 8,9 % Diabetes Mellitus, bei 8,3 % depressive Sympthome, bei 8,0 % Asthma bronchiale und bei 5,8 % eine koronale Herzerkrankung (KHK) vor (vgl. Heidemann, 2021: 9ff.). Liegen mehrere Erkrankungen gleichzeitig vor, so wird von Multimorbidität gesprochen. Mit 4.140 € pro Einwohner war im Jahr 2015 rund die Hälfte (49,3 %) der Krankheitskosten für

Herz-Kreislauf-Erkrankungen (570 €),

Erkrankungen des Verdauungssystems (510 €),

psychische Verhaltensstörungen (540 €) und

Muskel-Skelett-Erkrankungen (420 €) verantwortlich (vgl. Statistisches Bundesamt 2019a).

NCDs bergen einen gesamtgesellschaftlichen Schaden in sich, da chronische Erkrankungen

nicht nur mit persönlichem Leid, sondern einer Einbuße der selbstbestimmten Lebensführung, -qualität (intangible Kosten) und -erwartung verbunden sind,

Versorgungskosten (direkte Kosten) und

durch Arbeitsunfähigkeit und Frührente indirekte Kosten verursachen, da sie oft lebenslang auf das medizinische Versorgungssystem angewiesen sind.

Nicht nur die Betroffenen, sondern auch Angehörige sind betroffen. Denn die Pflege chronisch erkrankter Angehöriger (caregiving burdencaregiving burden) kann dazu führen, dass Angehörige ihren Beruf aufgeben müssen oder aufgrund der hohen Belastung selbst erkranken (vgl. Lange et al. 2000: 1130f.). Die so fehlende wirtschaftliche Leistungsfähigkeit durch den hohen Anteil krankheitsbedingt nicht erwerbsfähiger Bevölkerungsteile stellt eine Belastung für eine Volkswirtschaft dar. Daher ist es Aufgabe der Gesundheitspolitik, den Gesundheitszustand der Bevölkerung – zur Sicherstellung des gesellschaftlichen Humankapitals – zu stärken und unnötige Krankheitskosten für die Gemeinschaft zu vermeiden (vgl. Schwartz 2003: 3). Denn ein langfristig geschwächter Arbeitsmarkt durch Erwerbslosigkeit bzw. -minderung und die zunehmende Verrentungstendenz führt zu einer wirtschaftlichen Leistungsschwächung des sozialen Sicherungssystems. Letztlich können nur dann Sozialleistungen an Bedürftige verteilt werden, wie sie zuvor erwirtschaftet wurden (vgl. Eichenhofer 2007: 30).

Wichtige Informationen über die Entwicklung u. a. chronischer Erkrankungen für die Politik und Forschung, für die Akteure des Gesundheitswesens sowie die breite Öffentlichkeit liefert die GesundheitsberichterstattungGesundheitsberichterstattung (GBE) (vgl. Bardehle/Annuß 2012: 404). Die in der GBE verwendeten Datenquellen, die sich mit den Häufigkeiten von Erkrankungen und Todesursachen befassen (sogenannte deskriptive EpidemiologieEpidemiologie), werden von unterschiedlichsten Institutionen zu unterschiedlichen Gebiets- oder Sachbezügen bereitgestellt. Oft handelt es sich hierbei um aggregierte Daten, die routinemäßig in Sammelstatistiken erhoben werden. Aspekte, die bei der GBE betrachtet werden, sind vielfältig und können sich auf gesundheitliche RisikofaktorenRisikofaktoren und -verhaltensweisen, auf Krankheiten und Gesundheitsstörungen, auf die Inanspruchnahme des Gesundheitssystems und auf die Gesundheitskosten beziehen. Die GBE speisen sich aus amtlichen Statistiken, Statistiken unterschiedlicher Akteure des Gesundheitswesens sowie Surveys.

Wichtigste amtliche StatistikenStatistiken des Bundes und der Länder sind z.B. Bevölkerungsstatistik, Mikrozensus, Pflegestatistik, Krankenhausstatistik, Pflegestatistik, Todesstatistik sowie Statistik meldepflichtiger Erkrankungen, Schwangerschaftsabbrüche, Berufskrankheiten, Geburten und Sterbefälle.

Verschiedene Akteure des Gesundheitswesens erstellen Basis- und Spezialberichte. Während BasisberichteBasisberichte einen Überblick über übergreifende Bereiche (z. B. Geburtenstatistik) bieten, beziehen sich Spezialberichte auf ausgewählte Thematiken. Gerade die GKVn verfügen über eine Vielzahl epidemiologisch routinemäßig erhobener Daten, die in Spezialberichten münden.

Barmer GEK: GesundheitsreportGesundheitsreports der Länder, Zahnreport, Heil- und Hilfsmittelreport, Arzneimittelreport, Pflegereport, Krankenhausreport, Arztreport

BKK-Bundesverband: BKK-Gesundheitsreport

DAK-Gesundheit: Gesundheitsreport

Deutsche Rentenversicherung: Reha-Bericht

Die Nationale Präventionskonferenz: Präventionsbericht

Fachverbände: Deutsche Diabetes Union: Gesundheitsbericht Diabetes

IKK classic: Berichte „Gesundheit im Handwerk“

Medizinischer Dienst des Spitzenverbandes Bund der Krankenkassen: Präventionsbericht

Techniker Krankenkasse: TK-Gesundheitsreport

WHO: Europäischer Gesundheitsbericht etc.

WIdO AOK: Versorgungs-Report; Fehlzeiten-Report, Gesundheitsatlas etc.

Zudem existieren weitere Register, die z. B. von Universitäten oder Instituten gepflegt werden. Hinsichtlich der regionalen Perspektive und des Einzugsgebiets lassen sich weitere Gesundheitsberichterstattungen auf internationaler Ebene (z. B. der OECD, WHO oder Europäischen Kommission) und nationaler Ebene (GBE des Bundes, das Robert Koch-Institut sowie die einzelnen Bundesländer) nennen. Wichtige nationale SurveySurveys werden u. a. vom Robert Koch-Institut durchgeführt, z. B. der Bundes-Gesundheits-Survey bzw. die „Gesundheit in Deutschland aktuell“-Studie (GEDA)der Deutsche Erwachsenen-Gesundheits-Survey (DEGS), die telefonische Kinder- und Jugendlichen-Gesundheitsstudie (KiGGS) oder der Deutsche Alters-Survey (DEAS). Darüber existieren zahlreiche weitere nationale Surveys zu unterschiedlichsten Themen (wie z. B. „Health Literacy Survey Germany, kurz HLS-GER) oder auch zu Krankheitsbildern (wie der „Epidemiological Survey of Substance Abuse“, kurz ESA). Wichtige internationale Surveys sind bspw.: International Health Policy Survey (IHP), Global Drug Survey (GDS), Health Behaviour in School-aged Children und National Health Interview Survey (HBSC). Spezifische Datenselektionen können auf nationaler Ebene mithilfe des Informationssystems für die Gesundheitsberichterstattung selbst vornehmen. Das Informations- und Dokumentationszentrum (IDG), eine Serviceeinrichtung des Statistischen Bundesamts, hat hierzu im Internet das Informationssystem IS-GBE eingerichtet (➽ www.gbe-bund.de). Mit der Hilfe des Informationssystems können individuelle Selektierungen, bspw. zur Bedarfsermittlung und Argumentationsuntermauerung, für präventive Marketingmaßnahmen vorgenommen werden. Auch auf internationaler Ebene existieren Informationssysteme zur Gesundheitsberichterstattung, wie bspw. die OECD-Datenbank oder der WHO. In der Datenbank der Organisation for Economic Co-Operation and Development (OECD), also eine Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (➽ stats.oecd.org) können nicht nur wirtschaftliche Indikatoren, sondern auch Gesundheitsindikatoren (z. B. Mortalität, Lebenserwartung, arbeitsbedingte Fehlzeiten, Übergewicht, Tabakkonsum) der Mitgliedsstaaten selektiert werden. Über das Global Health Observatory (GHO) der WHO (➽ www.who.int/data/gho) können vielfältige Indikatoren (z. B. Verkehrsicherheit, Gewaltprävention, Ernährung, Body-Mass-Index (BMI), Umwelt und Gesundheit, Luftqualität, ansteckende Krankheiten, Impfquoten etc.) der unterschiedlichen Länder selektiert und eingesehen werden.

Linktipps

Gesundheitsmonitoring des RKI: ➽ www.rki.de (Gesundheitsmonitoring)

Informationssystem IS-GBE: ➽ www.gbe-bund.de

Gesundheitsmonitoring der WHO: ➽ www.who.int/data/gho

1.1.3 Präventive Herausforderungen durch Infektionskrankheiten

Welche drastischen Folgen InfektionskrankheitenInfektionskrankheiten für Mensch und Gesellschaft haben können, wurde spätestens nach dem COVID-19COVID-19-Ausbruch im Dezember 2019 deutlich. Dabei können Infektionskrankheiten als ständiger Begleiter des Menschen angesehen werden, da Menschen von einer unüberschaubaren Anzahl von Viren, Bakterien, Pilzen und Parasiten befallen werden und entsprechend erkranken können (vgl. Vogel/Schaub 2021: 1). Neue sowie vermehrt auftretende Infektionskrankheiten werden unter dem Begriff „emerging and re-emerging infectious diseases“ (kurz EID) zusammengefasst und stellen trotz verbesserter hygienischer, diagnostischer und therapeutischer Errungenschaften eine große Herausforderung für Medizin und Gesundheitspolitik dar. Der Grund für die gewachsene Bedrohung des Menschen durch die Einschleppung und Verbreitung von InfektionskrankheitenInfektionskrankheiten kann in der Zunahme weltweiter Handelsbeziehungen und Fernreisen sowie der steigenden internationalen beruflichen Mobilität gesehen werden (vgl. Hellenbrand 2003: 7). Dabei können sich Infektionskrankheiten mehr oder weniger über die eigenen Landesgrenzen hinaus ausbreiten: Von einer EndemieEndemie wird dann gesprochen, wenn eine Erkrankung bzw. ein Erreger innerhalb eines geografisch definierten Gebietes oder einer bestimmten Bevölkerungsgruppe konstant auftritt. Eine EpidemieEpidemie liegt dann vor, wenn mehr Krankheitsfälle auftreten als überlicherweise erwartet werden. Liegt eine Erkrankungswelle vor, bei der eine große Anzahl von Menschen betroffen ist und die sich weltweit oder über ein weites Gebiet inklusive des Überschreitens internationaler Grenzen ausbreitet, dann kann von einer PandemiePandemie gesprochen werden (vgl. Ammon 2020: 201). Dabei setzt das Vorliegen einer Infektion einen Erreger, einen Übertragungsvorgang sowie einen empfänglichen Wirtsorganismus voraus (vgl. Ammon 2020: 206).

Die Übertragung, das Haftenbleiben und das Eindringen von Mikroorganismen (Viren, Bakterien, Pilze, Protozoen) in einen Makroorganismus (Mensch) kann direkt oder indirekt erfolgen. Eine direkte Übertragung liegt vor, wenn der Erreger direkt aus dem Reservoir auf den Wirtsorganismus übergeht (z. B. durch Berührung, Einatmen infektiöser Tröpfchen, Tierbiss). Bei einer indirekten Übertragung erfolgt die Übertragung vom Erreger zum Wirtsorganismus über ein Transportmittel. Dies kann entweder über ein Vehikel (z. B. Lebensmittel, Wasser, ärztliche Instrumente) oder einen Vektor (z. B. Insekten, Nagetiere) geschehen. Auch Luft kann zum Vehikel werden und den Erreger indirekt übertragen, so dass die Infektion nicht durch den direkten Kontakt (wie bei der Tröpfcheninfektion) erfolgt (vgl. ebd.).

Infektionkrankheiten können danach unterteilt werden, über welchen Übertragungsweg der Erreger den Wirtsorganismus befällt (vgl. Groß 2013: 30; Weiß 2013: 206ff.; Schulz-Stübner 2017: 317):

Infektionen durch Bakterien: Bakterielle InfektionskrankheitenInfektionskrankheiten (z. B. Diphterie, Tetanus, Scharlach) werden durch einzellige Lebenswesen (Bakterium) in der Umwelt (Luft, Wasser, Lebensmittel etc.) ausgelöst.

Infektionen durch Viren: Virale Infektionskrankheiten können über Tröpfcheninfektionen, Blutderivate, Schmierinfektionen, Sperma oder Tiere übertragen werden. Unterschieden werden RNS-Viren (z. B. Mumps, Masern, HIV, Influenza, Hepatitis A) sowie DNS-Viren (z. B. Pockenvirus, Hepatitis-B-Virus).

Infektionen durch Zoonosen und Parasiten: Zoonotische InfektionskrankheitenInfektionskrankheiten (wie z. B. FSME, Borriliose, Malaria, Tollwut, BSE) liegen vor, wenn Erreger zwischen Wirbeltier und Mensch übertragen werden. Parasitäre Infektionskrankheiten werden durch Parasiten bzw. Protozonen (Einzeller), Helminthen (Würmer) oder Arthopoden (Gliederfüßler) hervorgerufen.

Infektionen durch nosokomiale Erreger: Nosokomiale Infektionen (bzw. Krankenhausinfektionen) stellen Infektionen (z. B. durch Staphylokokken) dar, die Patienten in Krankenhäuser bekommen können. MRSA-Stämme, die zu einer nosokomialen Infektion führen, können sowohl von betroffenen Patienten stammen (endogene Infektionen) als auch exogen von anderen Menschen oder Tieren bzw. durch die unbelebte Umgebung (z. B. gemeinsam benutzte Badetücher) übertragen werden. 

Infektionen durch Pilze: Pilzinfektionen werden durch Mykosen (Pilze) verursacht. Solche krankheitsauslösenden Erreger können bspw. Dermatophyten, Hefepilze oder Schimmelpilze sein.

Grundsätzlich kann eine Immunität und damit der Schutz vor der krankmachenden Wirkung des Erregers natürlich, durch eine frühere durchgemachte Infektion mit demselben Erreger (spezifsche Immunität) aktiv (durch Impfung) oder passiv (durch spezifsche Immunglobuline) erreicht werden (vgl. Ammon 2020: 206). Dabei erzeugen Impfungen sowohl eine individuelle Immunität als auch eine kollektive Immunität (HerdenimmunitätHerdenimmunität) gegen die InfektionskrankheitInfektionskrankheiten, wenn eine hohe Durchimpfungsrate erreicht wird. Wird eine Herdenimmunität von bspw. 95 % erreicht, profitieren die restlichen 5 % der nicht geimpften Personen, da die Wahrscheinlichkeit, sich zu infizieren, sinkt (vgl. Krauth/Oedingen 2021: 131). Für Präventionsinterventionen ist es wichtig zu wissen, dass die Motive für eine positive Impfentscheidung teils geschlechtsunabhängiger, teils aber auch geschlechtsspezifischer Natur sind. Dabei stellen eine gute Imformationsbasis zum Nutzen von Impfungen, das Vertrauen in das Gesundheitssystem sowie eine vertrauensvolle Arzt-Patienten-Beziehung geschlechtsunabhängige Faktoren dar, die eine Impfentscheidung begünstgen. Bei Männern scheint besonders der Abbau von Barrieren (Zeit, Entfernung, reibungsloser Ablauf der Impfung etc.) sowie die Sensibilisierung für potenzielle Gesundheitsgefahren im Falle einer Nichtimmunisierung relevant zu sein, während bei Frauen soziale Faktoren (z. B. bereits geimpfte Angehörige, Schutz der Familie) einen großen Einfluss auf die Impfwahrscheinlichkeit ausüben. Genderspezifische Motive sowie z. B. der Beziehungsstatus oder das Vorhandensein von schutzbedürftigen Kindern oder Angehörigen etc. sind folglich auch bei der Gestaltung von Impfkampagnen von Bedeutung, um die Impfbereitschaft mithilfe einer zielgruppenspezifischen Ansprache erhöhen zu können (vgl. Scherenberg/Preuß 2021: 59). Daneben stehen weitere Konzepte zur Eindämmung wie z. B. Aufklärung, Kontaktreduzierung, Identifizierung und Isolierung von Erkrankten, Screening und neuere Ansätze wie Apps zur Kontaktnachverfolgung im Zentrum der Präventionsbemühungen (vgl. Vogel/Schraub 2021: 56). Die Grundlage für die Verordnungen zur Eindämmung von PandemienPandemie (z. B. Kontaktbeschränkungen oder Schließungen von Schulen etc.) bildet das „Gesetz zur Verhütung und Bekämpfung von Infektionskrankheiten beim Menschen“ (Infektionsschutzgesetz, kurz IfSG). Dabei stellt die Meldepflicht für InfektionskrankheitenInfektionskrankheiten ein international etabliertes Instrument zur Krankheitskontrolle (Surveillance) und Krankheitsprävention dar. Während die meldepflichtigen Krankheiten (Arztpflicht) im § 6 des IfSG hinterlegt sind, regelt der § 7 des IfSG meldepflichtige Krankheitserreger (Labormeldepflicht). Während das RKI in Deutschland die zentrale Behörde zur Überwachung von Infektionskrankheiten ist, hat sich seit 2005 mit dem „European Center for Disease Controll“ (kurz ECDC) ein EU-weites Netzwerk zur Überwachung von Infektionskrankheiten etabliert (vgl. Ammon/Faensen 2009: 176). Infektionskrankheiten gewinnen hierzulande nicht nur angesichts der Globalisierung an Bedeutung, sondern auch der KlimawandelKlimawandel beeinflusst die Zunahme an InfektionskrankheitenInfektionskrankheiten und damit die Bedeutung von präventiven Interventionen, wie das folgende Kapitel verdeutlicht.

1.1.4Präventive Herausforderunge durch den Klimawandel

Umweltbezogene Veränderung und insbesondere der KlimawandelKlimawandel bringt weltweit ein vermehrtes Auftreten von extremen Wetterereignissen (Stürme, Gewitter, Hitze, Dürren etc.) mit Gefahrenpotentialen für den Menschen mit sich. Die mit den Extremwetterereignissen (z. B. Starkregenereignisse, Überflutungen, langanhaltende Trockenphasen) verbundenen klimabezogenen Gesundheitsgefahren äußern sich sowohl in einem verstärkten Aufkommen hitzebezogener Erkrankungenhitzebezogene Erkrankungen (Hitzekrämpfe, Hitzeerschöpfung, Hitzschlag etc.) als auch von Infektionserkrankungen (z. B. Dengue-Fieber, Malaria, Borreliose, Durchfallerkrankungen) (vgl. IPCC 2019: 240ff.). Zudem gehen klimabezogene Veränderungen mit einer negativen Beeinflussung der Luftqualität (z. B. Ozonkonzentration), der Bedrohung der Ernährungssicherheit sowie klimabezogenen Migrationsbewegungen einher (ebd.). Auf die damit verbundenen umwelt- und gesundheitsbezogenen Folgen wies der „Intergovernmental Panel for Climate Change“ (IPCC), ein zwischenstaatlicher Ausschuss für Klimaänderungen, der auch als Weltklimarat tituliert wird, bereits 2018 in seinem Sonderbericht „Global Warming of 1,5°C“ hin (vgl. ICCP 2019: 53f.). Die → Tab. 2 verdeutlicht exemplarisch, welche Gesundheitsgefahren für den Menschen durch Hitzewellen, länger anhaltende Pollenflüge, erhöhte UV-Strahlung und Ozonwerte ausgehen können.

gefährdete Zielgruppen

Gesundheitsgefahren

Hitze

 

alte Menschen (über 60-Jährige)

chronisch Kranke (Kreislauf, Atemwege u. a.)

Menschen mit psychiatrischer Grunderkrankung

sozial isolierte, Menschen mit niedrigem sozialökonomischem Status, Wohnungslose

Arbeitende, die der Hitze nicht ausweichen bzw. sich nicht schützen können

Personen, die ihre Freizeit im Freien verbringen (mit ggf. hoher körperlicher Aktivität, z. B. Sportler, Kinder)

Hitze-Ausschlag, Hitze-Pusteln

geschwollene Beine

Muskelkrämpfe

Hitzschlag oder Krampfanfälle

Kreislaufbeschwerden, Kreislaufkollaps, Herzbeschwerden, Kurzatmigkeit, Erschöpfungszustände

Austrocknung durch vermehrtes Schwitzen

UV-Strahlung

 

Gesamtbevölkerung, insbesondere hellere Hauttypen, Kinder und Jugendliche sowie Personen, die durch Beruf oder Freizeitverhalten der UV-Strahlung besonders ausgesetzt sind

Immunsupprimierte und mit bestimmten Medikamenten behandelte Patienten

Sonnenbrand als akute Schädigung

erhöhte Gefährdung für schwarzen Hautkrebs und chronische Schädigung mit Voralterung der Haut und erhöhter Gefährdung für weißen Hautkrebs

Schädigung des Auges (bzw. der Hornhaut mit der erhöhten Entwicklung einer Hornhauttrübung (grauer Star)

Pollen

 

Pollenallergiker

gerötete, brennende, tränende, juckende, geschwollene Augen

stark laufende Nase, Juckreiz im Nasen-, Mund- und Rachenbereich, Niesanfälle, Reizhusten bis hin zu Atemnot

Ozon

 

Personen mit Vorerkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems

Menschen, die hohen Ozonwerten im Freien bei Spiel, Sport oder Arbeit mit häufig längerer, anstrengender körperlicher Tätigkeit ausgesetzt sind

Säuglinge und Kleinkinder, da sie – auf ihre Körpergröße bezogen – ein relativ erhöhtes Atemvolumen haben und als Risikogruppe gelten

mehrstündige Exposition und körperliche Belastung können Reizungen der Atemwege, Husten und Atembeschwerden auslösen

Asthmaanfälle

bei Hochleistungssport ist eine Reduzierung der körperlichen Leistungsfähigkeit möglich

Tab. 2:

Gesundheitsgefährdungen durch Hitze, UV-Strahlungen, Pollen und Ozon

Quelle: Eigene Darstellung in Anlehnung an Capellaro/Sturm 2015: 56.

Die in der → Tab. 2 dargestellten umwelt- und klimabedingen Auswirkungen haben einen direkten Einfluss auf die Prävalenzen der angeführten Krankheitsbilder. Präventionsinterventionen, die sich auf die Folgen des KlimawandelsKlimawandel konzentrieren, werden daher in Zukunft an Bedeutung zunehmen. Insbesondere digitale Informations- und Frühwarnsysteme werden hierbei an Relevanz gewinnen, da hierbei sowohl die breite Bevölkerung, spezifische Bevölkerungsgruppen als auch Akteure in gesundheitsbezogenen Settings (z. B. Pflegeheime, Schulen, Betriebe) in die Lage versetzt werden, vorsorgliche Maßnahmen zum Gesundheitsschutz zu treffen. Hierbei gilt es besonders vulnerable Bevölkerungsgruppen, wie z. B. ältere Menschen zu schützen. Die Fähigkeit, dass Gesundheitssysteme und gesundheitsbezogene Settings trotz umwelt- und klimabezogenen Belastungen ihre Grundfunktion aufrechterhalten können, wird unter dem Begriff KlimaresilienzKlimaresilienz zusammengefasst (vgl. Herrmann/Danquah 2021: 29ff.). Bereits heute existieren zahlreiche digitale Informations- bzw. Frühwarnsysteme (z. B. UV-Index, Hitzewarnsystem, Pollenflug- und Ozonvorhersage) für gesundheitsbezogene Umweltfaktoren. Unterschieden werden können sowohl internetbezogene Informationssysteme (z. B. Starkregenkarten, Hitzekarten) wie auch Apps. Dabei werden Apps, trotz der „Verordnung für die Aussendung öffentlicher Warnungen in Modilfunknetzen“ (Mobilfunk-Warn-Verordnung, kurz MWV) und der damit verbundenen Möglichkeit, die Bevölkerung per SMS zu informieren, einen wichtigen Teil des „Warn-Mix“ aus Sirenen, Ansagen im Rundfunk und auf Ansagetafeln darstellen (vgl. BMWi 2021a: o. S.). Dies vor allem vor dem Hintergrund, dass in eine App integrierte Leitfäden, Checklisten oder kommunale Informationen für die relevanten Zielgruppen auch nach einem Netzausfall offline einsehbar sind (vgl. Nestler 2017: 4). Unterschieden werden können umweltbezogene Apps zum Schutz der Gesundheit danach, ob sich die Warnhinweise an die allgemeine Bevölkerung oder an spezifische Bevölkerungsgruppen richten:

Gesundheits-Apps, die sich populationsübergreifendaufumweltbezogene Gesundheitsbelastungen konzentrieren (z. B. Pollenwarn-App),

Gesundheits-Apps, die sich auf umweltbezogene Gesundheitswarnhinweise für spezifische Bevölkerungsgruppen (z. B. Asthma-App mit Pollenflughinweisen) konzentrieren,

Bevölkerungsschutz-Apps, die populationsübergreifend umweltbezogene Warnhinweise (z. B. NINA-App) aussprechen und

Bevölkerungsschutz-Apps, die (umweltbezogene) Warnhinweisefür spezifische Bevölkerungsgruppen (z. B. in Risikogebieten; Meine Pegel-App) aussprechen.

Dabei beschränken sich im Bereich des Bevölkerungsschutzes Einzelgefahren-Apps auf spezifische Gefahren (z. B. Erdbeben, Stürme, Starkregen, Überflutungen, Brände, EpidemienEpidemie), während Multi-Gefahren-Apps (oder multiszenarischeGefahren-Apps) sämtliche Gefahren einschließen (vgl. Dallo/Marto 2021: 2). Die Auswirkung und das Ausmaß umwelt- und klimabezogener Gesundheitsgefahren für den Menschen hängen von der individuellen (Prä-)Disposition und Resilienz, dem individuellen Verhalten sowie den individuellen und gemeinschaftlichen Anpassungsleistungen ab. Ungeachtet dieser Einflussfaktorensind als weitere Parameter bspw. der Wohnort, die natürliche Umwelt, das soziale Netzwerk sowie die Anpassungsfähigkeit des Gesundheitssystems zu nennen (vgl Bunz/Mücke 2017: 637), die durch vorausschauende Maßnahmen (u. a. der Gesundheitspolitik) positiv beeinflusst werden können. Wie eng die Themen Umwelt- und Klimaschutz sowie Gesundheit miteinander verknüpft sind, verdeutlicht ein Beispiel. So können gesundheitsbezogene Marketingsmaßnahmen im Bereich des Umwelt- und Klimaschutzes, die sich auf die Verändung sozialer Normen als Strategie zur Verhaltensänderung beziehen, sowohl auf der individuellen als auch der gesellschaftlichen Ebene angesiedelt sein. Eine solche Maßnahme stellt die Aktion „Zu gut für die Tonne“ (➽ www.zugutfuerdietonne.de) des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) zur Reduzierung der Lebensmittelverschwendung dar (vgl. Debbeler et al. 2021: 254).

1.1.5Hintergründe zur Gesundheits- und Präventionspolitik

Da ein kurativ orientiertes Gesundheitswesen nicht proaktiv auf die beunruhigenden (sozial-)epidemiologischen Entwicklungen einwirken kann, wird die Prävention, Gesundheitsförderung und die verbesserte Versorgung chronisch-degenerativ Erkrankter als Weg zur Erschließung gesundheitlicher Produktivitätsreserven angesehen. Dabei dienen der GesundheitspolitikGesundheitspolitik volkswirtschaftliche Krankheitskosten bei der Allokation des knappen Gesundheitsbudgets als Entscheidungshilfe festzulegender prioritärer Handlungsfelder. Da eine fehlende wirtschaftliche Leistungsfähigkeit durch einen hohen Anteil der krankheitsbedingt nicht erwerbsfähigen Bevölkerung eine Belastung für eine Volkswirtschaft darstellt, ist es Aufgabe der Gesundheitspolitik, den Gesundheitszustand der Bevölkerung – zur Sicherstellung des gesellschaftlichen Humankapitals – zu stärken und unnötige Krankheitskosten für die Gemeinschaft zu vermeiden (vgl. Schwartz 2003: 3). Die gesundheitliche Lage und die Leistungsfähigkeit einer Gesellschaft sind eng miteinander verknüpft. Aufgrund der steigenden Kluft zwischen Arm und Reich und der daraus resultierenden gesundheitlichen Negativeffekte und den direkten Auswirkungen auf den Wohlstand eines Landes sollte eine Orientierung nicht nur an quantitativ-ökonomischen (z. B. Steigerung des Bruttosozialprodukts), sondern verstärkt an qualitativ-sozialen Gesichtspunkten (z. B. Abwendung sozialer Missstände) (doppelte Produktivität) erfolgen (vgl. Opaschowski 2006: 65f.). Die Armutsgefährdungsquote 2019 lag gemäß der Sozialberichterstattung des Bundes in Deutschland auf Basis des Mikrozensus 2018 bei 15,9 %, während Bremen das bundesweit höchte Armutsrisiko mit 24,9 % und Bayern mit 11,9 % das niedrigste Armutsrisiko aufwiesen (vgl. Statistisches Bundesamt 2019b). Die Armutsquote misst den Anteil der Personen mit einem Einkommen von weniger als der Armutsgrenze, sprich 60 % des durchschnittlichen Haushaltsnettoeinkommens der Gesamtbevölkerung.

In Bezug auf Prävention wies der Sachverständigenrat für die Konzertierte Aktion im Gesundheitswesen bereits 2001 darauf hin, dass Prävention nicht vorrangig Kostendämpfung zum Ziel hat, sondern die Gesundheitsvorsorge einen Wert an sich darstellt (vgl. SVRG 2001: 71). So hat sich die Gesundheitspolitik von einer rein ökonomisch-fiskalischen Kostendämpfungspolitik zu einer gesundheitsorientierten Steuerungspolitik entwickelt (siehe Rosenbrock/Gerlinger 2004; Rosen­brock 2006). Diese Trendwende stellt indes keine Abkehr der dominierenden ökonomischen Steuerungsmechanismen dar, sondern sollte durch den Blick auf priorisierte GesundheitszieleGesundheitsziele (→ Tab. 3) zu einer wirksameren Mittelallokation beitragen (vgl. Bauch 1996: 159).

Priorität

nationale Gesundheitsziele

Start

Ausrichtung

1

Diabetes mellitus Typ 2:

Erkrankungsrisiko senken, Erkrankte früh erkennen und behandeln

2003

krankheits­bezogen

2

Brustkrebs:

Mortalität vermindern, Lebensqualität erhöhen (2003)

3

Tabakkonsum:

reduzieren

präventionsbezogen

4

Gesund aufwachsen:

Ernährung, Bewegung, Stressbewältigung

zielgruppenbezogen

5

Gesundheitliche Kompetenzen:

erhöhen, Patient(inn)ensouveräntität stärken

populationsbezogen

6

Depressive Erkrankungen:

verhindern, früh erkennen, nachhaltig behandeln

2006

krankheits­bezogen

7

Gesund älter werden

2011

zielgruppenbezogen

8

Alkoholkonsum:

reduzieren

2015

präventionsbezogen

9

Gesundheit rund um die Geburt

2017

zielgruppenbezogen

Tab. 3:

Nationale Gesundheitsziele

Quelle: Eigene Darstellung in Anlehnung an gesundheitsziele.de (07.12.2021).

Für diesen Paradigmenwechsel waren maßgeblich die Gesundheitsberichterstattungen auf supranationaler Ebene verantwortlich, die auf die Komplexität gesundheitlicher Determinanten aufmerksam machten. Die Grundlage lieferte bspw. der kanadische Lalonde-Bericht (vgl. Lalonde 1974), der Epp Report der WHO „Achieving Health for All“ (Epp 1986), der britische Black Report (Department of Health and Social Security 1980) und die Ottawa-Charter (WHO 1986). 1984 verabschiedete die WHO ihr erstes Zielprogramm „Health for All“, das in überarbeiteter Form „Health21“ 1998 veröffentlicht wurde (WHO 2005: 26). Seit 1985 macht sich auf nationaler Ebene der von der Bundesregierung eingesetzte „Sachverständigenrat für die Konzertierte Aktion im Gesundheitswesen“ für eine zielorientierte Gesundheitsberichtserstattung stark (vgl. u. a. SVRG 1995). Dieser beschrieb in einem Sondergutachten 1995 ein hierarchisches Zielsystem (vgl. SVRG 1995: 47f. und 58ff.), dass sich an der WHO Programm „Health for all by the year 2000“ orientierte (vgl. Tophoven 1998: 92). Für die operative Erarbeitung wurde von der Arbeitsgruppe 4 (Stärkung der Prävention) – des vom Bundesgesundheitsministerium eingerichteten „Runden Tischs“ – das „Deutsche Forum für Prävention und Gesundheitsförderung“ eingesetzt, das im Jahre 2000 die Konsensplattform „gesundheitsziele.de“ (vgl. BMG 2007) initiierte. Entscheidende ordnungspolitische Maßnahmen zur Stärkung der Prävention wurde mit Inkrafttreten des Gesundheitsreformgesetzes (GKV-GRG 2000, BGBl I S. 2626) bzw. der Novellierung des § 20 SGB V vorgenommen. Seither sind Präventionsinterventionen ein fester Bestandteil des GKV-Leistungskatalogs und die Kassen sind dazu angehalten für die Verminderung der sozialen Ungleichheiten von Gesundheitschancen einzutreten. Zudem wurden die GKVn verpflichtet, einheitlich und gemeinsam prioritäre Handlungsfelder und Kriterien hinsichtlich Bedarf, Zielgruppen, Zugangswegen, Inhalten und Methodik zu beschließen (siehe AGdSvGKV 2010). Effizienzaspekte bei Präventionsmaßnahmen, wie es das Wirtschaftlichkeitsgebot (§ 12 Abs. 1 SGB V und § 4 Abs. 4 SGB V) vorsieht, wurden erstmals mit der Einführung der Bonusmodelle für gesundheitsbewusstes Verhalten (GKV-Moderni­sierungsgesetz; vgl. GKV-GMG 2004) berücksichtigt. Denn die Aufwendungen initiierter Programme (lt. § 65a Abs. 4 SGB V) müssen sich mittelfristig tragen und die Kassen nach spätestens 3 Jahren Rechenschaft abgeben. Mit diesem Passus sollten marktpolitische Eigeninteressen (z. B. Neukundengewinnung; Kundenbindung guter Risiken) zu Ungunsten des Gemeinwohls (Vernachlässigung schlechter Risiken) unterbunden werden. Keinen Aufschluss gibt indes der jährlich veröffentliche Präventionsbericht des Medizinischen Dienstes der Spitzenverbände der Krankenkassen über die (vgl. MDS 2016) Tragweite, Nachhaltigkeit und Wirksamkeit hinsichtlich einer Reduzierung sozial bedingter gesundheitlicher Ungleichheit (vgl. Gerlinger 2007: 25ff.). Erschwerend kommt hinzu, dass die Wirksamkeit und (objektive) Qualität präventiver Maßnahmen aufgrund der Vielschichtigkeit gesundheitlicher Einflussfaktoren nur indirekt anhand quantitativer und qualitativer Indikatoren bzw. health gainsHealth Gains (d. h. ein Gesundheitsgewinn bspw. durch gewonnene Lebensjahre, Inzidenzen, Prävalenzen) nachvollzogen werden kann. Anzumerken ist, dass die Nachfrage nach Gesundheits- und Präventionsmaßnahmen von der subjektiv wahrgenommenen Qualität abhängt. Entsprechend hängt es von einer Gesellschaft ab, was sie als Qualität definiert und welche Art der Qualität ihr wichtig ist (vgl. Fleßa 2007: 22). Die gesundheitspolitische Herausforderung ist es daher, Rahmenbedingungen für ein effizientes Gesundheitswesen zu schaffen, und die Prinzipien von gesellschaftlicher Solidarität, dem Recht auf Eigenständigkeit und Eigenverantwortung des Einzelnen ständig auszutarieren oder neu zu justieren (vgl. Reichmann 2004: 100). Ohne Zweifel haben hierbei neben gesundheitspolitischen Interventionen (implizite Gesundheitspolitik) wirtschafts-, bildungs-, wohnungs-, verkehrs- sowie umweltpolitische Maßnahmen einen Einfluss auf die Volksgesundheit (explizite Gesundheitspolitik) (vgl. Rosenbrock/Kümpers 2006a: 372; 2006b: 246). Daher ist das Problem unzähliger Präventionsprogramme (z. B. Unfall-, Sucht-, Kriminal-, Gewaltprävention oder einzelne Präventionsaktivitäten der GKVn) der monothematische Parallelbetrieb ohne die synergetische Vernetzung (vgl. Altgeld 2008: 1). Je mehr davon bei Interventionen diverser (Politik-)Bereiche in ein Gesamtkonzept miteinander verschmelzen, desto wahrscheinlicher ist ein positives Ergebnis (vgl. Judge et al. 2006: 7). Denn um die Quelle Upstream von Gesundheitsgefährdungen (z. B. geringes Einkommen, Arbeitslosigkeit) zu beseitigen und nicht nur die Folgen am Ende der kausalen Kette Downstream zu eliminieren, sind kombinierte Up- und Downstream-Interventionen entlang der gesamten Kausalkette notwendig (vgl. Mielck 2006: 446). Damit liegt das größte Potenzial einer vorsorgenden Gesundheitspolitik in dem verbesserten Gesundheitszustand unterer Schichten, in die Angleichung der Schichten und der Verringerung gesundheitlicher Gradienten (vgl. Graham 2004: 118; Graham/Kelly 2004: 7). Die Tatsache, dass Prävention eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe ist, hat die Bundesregierung mit dem Gesetz zur Stärkung der Gesundheitsförderung und der PräventionGesetz zur Stärkung der Gesundheitsförderung und der Prävention (PrävG – kurz PräventionsgesetzPräventionsgesetz) Rechnung getragen. Die zielorientierte Prävention wurde ab dem 01.01.2016 durch die Nationale Präventionskonferenz der sozialen Präventionsträger (gesetzliche Kranken-, Renten-, Unfall- und Pflegeversicherung) unter Mitwirkung von Bund, Ländern, Kommunen, der Bundesagentur für Arbeit sowie der Sozialpartner strategisch geplant. Die Geschäftsstelle der Nationalkonferenz ist bei der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) angesiedelt und hat zur Aufgabe, die Mitglieder der Präventionskonferenz bei der Entwicklung der erarbeiteten Nationalen Präventionsstrategie zu unterstützen. Der Spitzenverband der gesetzlichen Krankenkassen beauftragt die BZgA mit der Entwicklung krankenkassenübergreifender Leistungen zur Gesundheitsförderung und Prävention in unterschiedlichen Lebenswelten (z. B. Kita, Schule, Pflegeeinrichtungen). Weitere Aufgaben der BZgA sind die Implementierung, wissenschaftliche Evaluation und Qualitätssicherung (vgl. Deutscher Bundestag 2015: 2ff.). Genauere Informationen zur Umsetzung wurden in den Bundesrahmempfehlungen nach § 20d Abs. 3 SGB V der Nationalen Präventionskonferenz zusammengefasst, die die Qualitätssicherung und Evidenzorientierung sowie die Partizipation als wichtige Anforderung von Präventionsinterventionen an unterschiedlichen Stellen des Dokumentes betonen (vgl. Die Nationale Präventionskonferenz 2018: 14ff., 21, 38).

Linktipps

Informationen zur Gesundheitspolitik: ➽ www.bpd.de (Politik/Innenpolitik/Gesundheitspoltik)

Informationen zur nationalen Präventionskonferenz: ➽ www.npk-info.de

Europäisches Überwachungssystem für InfektionskrankheiteInfektionskrankheitenn (ECDC): ➽ www.ecdc.europa.eu

1.1.6Wirtschaftsfaktor Gesundheit

Während ein Wirtschaftswachstum gemessen an Umsatz- und Beschäftigungszuwächsen aus volkswirtschaftlicher Sicht positiv wahrgenommen wird, werden im Gesundheitswesen steigende Gesundheitsausgaben eher negativ empfunden und mit explodierenden Kosten (Kostenexplosion) gleichgesetzt (siehe auch Mackenthun/Henke/Schreyögg 2004). Diese Sichtweise blendet aus, dass das Wachstum des Gesundheitsmarktes mit einer Verschiebung von Konsumentenpräferenzen und einer Leistungsausweitung verbunden sind, um den erhöhten Bedarf zu decken. Denn ein wachsender Gesundheitsmarkt fördert den Wohlstand einer Gesellschaft. Das betrifft insbesondere den stark wachsenden zweiten GesundheitsmarktGesundheitsmarkt, erster und zweiterzweiter Gesundheitsmarkt. Dieser umfasst alle gesundheitsrelevanten Dienstleistungen und Waren, die nicht von einer privaten oder gesetzlichen Krankenkasse und somit durch Mitgliedsbeiträge übernommen oder durch Steuern finanziert werden (erster Gesundheitsmarkterster Gesundheitsmarkt). Gesundheitsrelevante Dienstleistungen können sich zum einen auf die Kernbereiche der Gesundheitswirtschaft, sprich auf alle direkten Ausgaben des Gesundheitswesens beziehen. Zum anderen können sich gesundheitsrelevante Dienstleistungen auch auf die erweiterte Gesundheitswirtschaft, sprich auf alle Güter und Dienstleistungen mit einem indirekten Gesundheitsbezug beziehen, die nicht von Institutionen des Gesundheitswesens miteinander in Verbindung gebracht werden und erst aufgrund einer subjektiven gesundheitsbezogenen Kaufentscheidung erworben werden (vgl. Czypionka et al. 2015: 60) (→ Tab. 4).

güterbezogene Abgrenzung

Abgrenzung nach Finanzierung

erster Gesundheitsmarkt

zweiter Gesundheitsmarkt

Kernbereiche der Gesundheitswirtschaft

z. B. erstattungsfähige Arzneimittel, Krankenhausbehandlung

z. B. OTC Präparate, individuelle Gesundheitsleistungen

erweiterte Gesundheitswirtschaft

z. B. Zuschüsse Präventionskurse; Berufsausbildung

z. B. Wellness, Kleidung, Ernährung mit Gesundheitsbezug

Tab. 4:

Abgrenzung der Gesundheitswirtschaft

Quelle: Henke/Neumann/Schneider 2010: 73.

Der Bedeutungszuwachs privat finanzierter Gesundheitsprodukte und -dienst­leistungen des zweiten Gesundheitsmarktes rührt daher, dass immer mehr Menschen bewusster mit ihrer Gesundheit umgehen. Hierfür reicht ihnen die Versorgung des ersten Gesundheitsmarktes nicht mehr aus. Sie nutzen Dienstleistungen und Produkte, die der Gesunderhaltung oder ihrem Wohlbefinden dienen, wie bspw. Ernährung, Sport, Wellness, freiverkäufliche Arzneimittel aber auch Schönheitsoperationen.

Die wirtschaftliche Bedeutung des zweiten Gesundheitsmarktes zeigt sich darin, dass der zweite Gesundheitsmarkt (+5,8 %) zwischen 2011 und 2020 stärker gewachsen ist als der erste Gesundheitsmarkt (+3,5 %). Die Konsumausgaben privater Haushalte für individuell finanzierte Gesundheitsleistungen (IGEL-Leistungen) beliefen sich im Jahr 2020 auf rund 131 Milliarden Euro (2011: 79 Milliarden) (vgl. BMWi 2021b: 20).

Der zweite Gesundheitsmarkt bietet insbesondere vor dem Hintergrund des demografischen Wandels und des Bewusstseinswandels in vielfältigen Bereichen, wie bspw. Leben im Alter, Gesundheit zu Hause, individualisierte Medizin, Biotechnologie, Gesundheitstourismus sowie E-Health, vielfältige Anknüpfungspunkte für die innovative Entwicklung neuer Gesundheitsprodukte und -dienstleistungen.

1.1.7Wirtschaftsfaktor Prävention

Prävention kann aus unterschiedlichen Perspektiven als wichtiger Wirtschaftsfaktor angesehen werden. Als einer davon wird die Kosteneinsparung angesehen, die seit Jahren in zwei Zukunftsszenarien im Hinblick auf den ökonomischen Nutzen heftig debattiert wird.

Nach der optimistischen MorbiditätskompressionstheseMorbiditätskompression-These (auch Kompressionsthese) (nach Fries) bleiben Menschen länger gesund und schwere gesundheitliche Einschränkungen werden durch eine gesündere Lebensweise altersmäßig hinausgezögert (vgl. Fries 2005: 810f.). Gesundheitsförderung und Primärprävention begründen eine Verschiebung chronischer Morbidität und zudem, dass das Ausgabenprofil erst vor dem Todeszeitpunkt exponentiell ansteigt, da die Morbidität infolge des verbesserten Gesundheitszustandes erst mit dem Alter zunimmt.

Nach der pessimistischen der MorbiditätsexpansionstheseMorbiditätsexpansion-These (auch Medikalisierungsthese nach Grueneberg) wird eine Ausdehnung der krankheitsbedingten Lebenszeit postuliert, da Krankheiten früher erkannt und behandelt werden (vgl. Niehaus 2006: 4f.). Die Gesundheitsausgaben würden somit aufgrund der höheren Lebenserwartung in die Horizontale gestreckt.

Einigkeit herrscht darüber, dass durch Prävention und Gesundheitsförderung vorzeitige Todesfälle und krankheitsbedingte Frühverrentungen vermieden, die krankheitsbedingten Produktionsverluste in Unternehmen reduziert, die Autonomie im Alter bewahrt und die Pflegebedürftigkeit verhindert oder hinausgezögert wird. Mehr als 20 Jahre nach Aufstellung der Hypothese von Fries gilt die compression of morbidity and disability auf der Ebene der Lebensqualität (im Vergleich zur monetären Kompression) als weitgehend erwiesen (siehe Niehaus 2006 und Fetzer 2005). Ob Kompression oder Expansion, der größte Gesundheitsgewinn und damit das höchste Einsparpotenzial liegt im Bereich altersassoziierter Erkrankungen (wie bspw. Diabetes, Asthma), die nachweislich durch die Vermeidung und Eliminierung von Lifestyle- und Risikofaktoren präventabel sind. Kosten für Prävention und Gesundheitsförderung stellen insofern nicht nur für die Gesellschaft und für die GKVn, sondern gerade für Unternehmen eine lohnende Zukunftsinvestition dar. Denn Investitionen, die im Bereich präventiver Maßnahmen getätigt werden, zahlen sich bei wirksamen und zielgerichteten Maßnahmen doppelt aus: So führen laut einer Studie bspw. Maßnahmen im Bereich der Betrieblichen Gesundheitsförderung aus Arbeitgebersicht zu einer Senkung krankheitsbedingter Fehlzeiten um durchschnittlich 25 %, einem Return-of-Investment (ROI) bei krankheitsbedingten Fehlzeiten um 2,73 € und bei Krankheitskosten um 3,27 € (vgl. Chapman 2005: 5). Folglich kann Prävention nicht nur für die potenziell anvisierten Zielgruppen (z. B. am Arbeitsplatz) zu einer positiven Veränderung der körperlichen und psychischen Verfassung führen, sondern auch die Arbeitgeber können von solchen Investitionen profitieren. Das kann sich auf wirtschaftlicher Ebene in präventiven Einsparungen und leistungsbezogenen Produktivitätssteigerungen zeigen. Dabei lässt sich der

präventive Nutzen (z. B. durch Verringerung von Arbeitsbelastungen, Verbesserung der Gesundheit, des Wohlbefindens und des Arbeitsklimas),

produktivitätsbezogene Nutzen (z. B. Vermeidung von Betriebsstörungen, Steigerung der Arbeitszufriedenheit und Mitarbeitermotivation, Erhaltung der Arbeits- und Leistungsfähigkeit, Verringerung der Fluktuation und Erhöhung der Mitarbeiterbindung) sowie

marketingstrategische Nutzen