Praxis Heilpflanzenkunde - Ursel Bühring - E-Book

Praxis Heilpflanzenkunde E-Book

Ursel Bühring

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Beschreibung

Gezielt behandeln mit Heilpflanzen
Praxis Pflanzenheilkunde liefert fundiertes Wissen für alle, die Heilpflanzen gezielt in Ihrer Behandlung einsetzen möchten: klar strukturiert, auf den Punkt und direkt anwendbar.

Echtes Praxiswissen griffbereit
Lernen Sie wirksame Anwendungen und Behandlungskonzepte der Phytotherapie kennen. Die nach Organsystemen gegliederten Indikationen helfen beim schnellen Nachschlagen – ob für einzelne Verordnungen oder komplette phytotherapeutische Behandlungskonzepte.

Expertise, der Sie vertrauen können
Die Autorinnen Ursel Bühring und Michaela Girsch sind renommierte Heilpflanzenexpertinnen und verbinden moderne Phytotherapie mit dem Wissen der Erfahrungsheilkunde zu hochwertigen Behandlungskonzepten.

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB
MOBI

Seitenzahl: 364

Veröffentlichungsjahr: 2026

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Praxis Heilpflanzenkunde

Ursel Bühring, Michaela Girsch

2., vollständig überarbeitete und erweiterte Auflage

50 Abbildungen

Vorwort

Was veranlasst zwei in der Heilpflanzenkunde Beheimatete, deren Arbeit und zugleich Freude seit nun schon Jahrzehnten in der Praxis und dem Weitergeben der Phytotherapie besteht, zu einem Buch wie diesem? Gibt es nicht genügend Bücher, haben sie nicht selbst schon genügend dazu geschrieben? Nein, ein solches Buch gibt es noch nicht auf dem Markt, es füllt eine Lücke.

Das vorliegende Buch ist „Das Heilpflanzen-Praxisbuch für den Therapeutenschreibtisch“. Bei all dem was in meinem (U. Bühring) Lehrbuch Heilpflanzenkunde auf vielen Seiten ausführlich steht und als wesentliche Basis- und Hintergrundinformation dient, was wir gemeinsam in unseren Lernkarten Heilpflanzenkunde und dem Arbeitsheft Moderne Heilpflanzenkunde als Lernhilfe geschrieben haben und was es alles an wirklich hervorragender wissenschaftlicher und Praxisliteratur in Sachen Heilpflanzenkunde und Phytotherapie gibt – eines fehlte immer: Ein Buch, das Heilpflanzen sofort einsatzfähig macht. Am Therapeutenschreibtisch. Und da wir beide seit Jahrzehnten nicht nur in Deutschland, sondern auch in Österreich und der Schweiz unterrichten, richtet sich dieses Buch ganz explizit an (angehende) Therapeuten dieser drei Länder der DACH-Region (Deutschland, Austria/Österreich, Confoederatio Helvetica/Schweiz).

Die Suche nach Teemischungen und pflanzlichen Arzneimitteln braucht Zeit, die im beruflichen Alltag häufig fehlt. Kaum jemand hat diese Zeit, in Ruhe die Kompendien der verschiedenen Phyto-Arzneimittelhersteller durchzuarbeiten. PatientInnen brauchen jedoch sofortige Hilfe bei akuten Beschwerden – und bei länger bestehenden Beschwerden ein ausgereiftes Therapiekonzept. So sehr das Erstellen von Therapiekonzepten den persönlichen Erfahrungshintergrund der Therapeutin darstellt, so benötigt es doch jahrelange Erfahrung, um die Routine zu erlangen, die es braucht, um „abzuliefern“. Im Alltag stellen sich die ganz praktischen Fragen: Wie sind die einzelnen Therapieschritte? Wie kann ich akute Beschwerden lindern, ohne das „große Ganze“ aus den Augen zu verlieren? Welche Teemischung hat sich bewährt? Und wie war noch mal die Dosierung? Eine Vielzahl an Teerezepturen in diesem Buch, Präparaten mit Dosierungsempfehlungen und äußerlichen Anwendungen, die sich in der Praxis bewährt haben, ermöglichen Ihnen, seriös und verantwortungsbewusst Heilpflanzen anzuwenden. Somit können Sie loslegen – und das ist unser Anliegen mit diesem Werk. Hier haben wir zweierlei anzubieten:

Jedes Indikationskapitel wird eingeleitet mit einer Übersicht über die gängig verwendeten Heilpflanzen, und welche Arzneidroge sich warum hier am ehesten anbietet bzw. welche Alternativen es gibt. Kurz, knapp und übersichtlich in Tabellenform, bestückt mit Praxis- und naturheilkundlichen Tipps oder Maßnahmen und deren Wirkung. Die darin vorgestellten Therapiekonzepte sind aus ganzheitlich-naturheilkundlicher Sicht erstellt und berücksichtigen die Vielschichtigkeit von Erkrankungen. Sie basieren auf der Basis jahrzehntelanger praktischer Erfahrung und stellen nicht der „Weisheit letzter Schluss“ dar.

Abgerundet wird das Buch durch eine Kurzübersicht der wichtigsten Wirkstoffe samt der sie enthaltenden Arzneidrogen und ein Abschnitt über Teezubereitung und -mischung.

Die aktualisierte Auflage haben wir bereinigt von Überholtem und ergänzt durch Aktuelles. Erfreulicherweise gibt es auch in der Phytotherapie immer wieder neue Untersuchungen und Pflanzen, auf die ein neuer Fokus liegt.

Unser Anliegen mit diesem Buch ist es, der Phytotherapie mehr Geltung zu verschaffen im medizinischen und pflegerischen Alltag. Heilpflanzen bieten in Zeiten, in denen stressbedingte Beschwerden, chronische und Autoimmunerkrankungen sowie Antibiotikaresistenzen rasant zunehmen, eine gute Ergänzung zur schulmedizinischen Therapie. Und in einigen Bereichen reicht die alleinige Therapie mit Phytotherapeutika. Viele der Erkenntnisse basieren auf wissenschaftlichen Untersuchungen und Studien. Unser Herz schlägt jedoch auch für die Heilpflanzen der Erfahrungsmedizin, die bei vielen Erkrankungen wichtige therapeutische Leerstellen füllen. Auch sie finden daher in den Therapieempfehlungen ihren Platz.

Wir hoffen, Sie genauso für die Pflanzenheilkunde zu begeistern, wie wir es sind und können Sie nur ermutigen, loszulegen.

Viel Freude mit unseren grünen Kolleginnen wünschen

Freiburg und Merdingen, im August 2025

Ursel Bühring und Michaela Girsch

Aufbau der Kapitel

Teil 1 – Heilen mit Pflanzen Hier sind die Indikationen als Einstieg ins Thema jeweils nur kurz erläutert. Es geht im Wesentlichen um eine strukturierte Übersicht und schnell auffindbare Antworten auf Fragen wie: Was sind die wichtigsten Arzneidrogen und warum, wann und wie werden sie bei welcher Indikation eingesetzt? Dem folgten eine Übersicht über die zugehörigen Heilpflanzen mit ihren wesentlichen Wirkstoffgruppen, Wirkprinzipien oder therapeutischen Wirkungsschwerpunkten und Eigenheiten zur Unterscheidung sowie naturheilkundliche Tipps und kleinere Rezepte.

Bei den anschließenden Therapiekonzepten geht es ausschließlich um das Anwenden, um Therapieziele und Therapieschritte. Durch die übersichtliche Darstellung wird ein „roter Faden“ zur Orientierung angeboten. Hier finden sich Teemischungen, Präparate und teilweise auch äußerliche Anwendungen. Anwendungen und Rezepturen zu Wickel und Auflagen haben wir beispielhaft in die entsprechenden Indikationskapitel eingefügt. Wir erachten sie als wichtig, denn sie können gut zum therapeutischen Angebot Ihrer Praxis gehören oder, korrekt angelernt, von Patienten zuhause eigenständig durchgeführt werden.

Teil 2 – Wirkstoffe Hier finden Sie kurz und übersichtlich, was wie wirkt in den Pflanzen: die wichtigsten Inhaltsstoffe, Wirkungen und Anwendungen in Tabellen zusammengefasst, eine Übersicht über die zugehörigen Heilpflanzen und evtl. deren Nebenwirkungen. Manchmal finden sich spezielle Hinweise oder Anregungen, wie Sie auf einfache Weise eine Wirkung an sich selbst erspüren – und sich so bestens merken können.

Teil 3 – Praxis Heilpflanzentees Hier geht es um das praktische Anwenden: die korrekte Art der Teezubereitung, damit daraus mehr als Genuss wird, nämlich ein Heilmittel, und natürlich um therapeutisch gekonnte Teemischungen. Es möge Ihnen Anregung, Kenntnis und Mut schenken, selbst individuelle Teemischungen für Ihre Patienten fachkompetent zusammen zu stellen.

Teil 4 – Service und Co. Am Schluss des Buches finden Sie weiterführende Adressen, die Ihnen die tägliche Arbeit mit Heilpflanzen erleichtern.

Zur Arbeit mit den Therapiekonzepten

Hinweis

Die Präparate- und Therapieempfehlungen werden aufgrund der Erfahrungen der Autorinnen gegeben. Die individuellen Anwendungsmöglichkeiten sollten von jeder Leserin und jedem Leser eigenständig geprüft werden.

Zu den Tees Die Teemischungen sind erprobt und bewährt. Nicht alle Teedrogen sind einfach zu beschaffen und das Zusammenstellen einer Teemischung in der Apotheke ist dort mittlerweile mit einem hohen Dokumentationsaufwand verbunden. Daher scheuen sich viele Therapeuten, Tees zu rezeptieren – und Apotheken, diese zuzubereiten. Dennoch empfehlen wir ausdrücklich, individuelle Teemischungen für Patienten zusammenzustellen. Es stellt nach wie vor eine ausgezeichnete Möglichkeit dar, verschiedenste therapeutische Aspekte (akute Beschwerden, individuelle Schwachpunkte, konstitutionelle Faktoren etc.) gekonnt zu vereinen, und ist zudem ein absolutes „Alleinstellungsmerkmal“, denn welcher Therapeut beherrscht diese hohe Kunst heute noch? Das individuelle Teerezept ist die Königsdisziplin der Pflanzenheilkunde, hier kann der Therapeut seine ganze Erfahrung einfließen lassen und die Patienten wissen dies sehr zu schätzen.

Rein rechtlich gehört die Herstellung und Abgabe von Arzneimitteln in die Hand des Apothekers, Teemischungen gehören auch dazu. Schauen Sie sich in Ihrer Umgebung um, welche Apotheke sich im Umgang mit Arzneidrogen auskennt, oder erkundigen Sie sich, welche Versandapotheke Teemischungen zusammenstellt – und lassen Sie sich vor allem nicht entmutigen! Teedrogen in der Apotheke entsprechen den arzneimittelrechtlichen Vorschriften, d.h., der Mindestwirkstoffgehalt ist genau definiert und die Drogen sind rückstandskontrolliert. Selten finden sich in Apotheken Arzneidrogen in Bioqualität. Da es mittlerweile aber immer mehr Lieferanten gibt, die biologisch angebaute Heilpflanzen in „Arzneibuchqualität“ anbieten, lohnt sich oft das Gespräch mit den Apothekern.

Wir führen in unseren Teemischungen nicht ausschließlich Arzneidrogen auf, die eine Positiv-Monografie durch die Kommission E bekommen haben. Einige haben eine sogenannte „Null-Monografie“, was vereinfacht bedeutet, dass die Wirkung nicht bewiesen ist, sie aber auch keinen Schaden anrichten können. In diesem Bereich finden sich v.a. traditionell verwendete Heilpflanzen, die man wissenschaftlich oft gar nicht weitergehend untersucht hat, die aber einen festen Platz innerhalb der Pflanzenheilkunde haben. Wir möchten auch ermuntern, diese alten Heilpflanzen nicht dem Vergessen preiszugeben und sie im Praxisalltag in die therapeutischen Überlegungen miteinzubeziehen.

Heilpflanzen, die in der Tabelle fett formatiert stehen, sind besonders wichtig/üblich in der Therapie.

Zu den Präparaten Die Präparate, die wir aufführen sind eine Momentaufnahme der aktuell erhältlichen Phytotherapeutika. Außerdem spiegeln sie individuelle Vorlieben und Bewährtes wider. Zudem befindet sich der Markt permanent im Wandel; das Erlöschen von Zulassungen sowie ökonomische und politische Aspekte spielen dabei eine große Rolle. Die Auflistung der Phytopharmaka in der Roten Liste stellt nur eine kleine Anzahl der erhältlichen Phytopharmaka dar. Therapeuten kommen nicht umhin, die Kompendien der kleinen und mittleren Firmen, oft sind es traditionelle Familienbetriebe, anzufordern und mit Lust und Muße durchzuarbeiten. Es lassen sich hier immer wieder richtige Schätze finden! Auch das macht individuelles und patientenbezogenes Arbeiten aus.

In einigen Heilpflanzenpräparaten werden homöopathische Urtinkturen eingesetzt, diese werden dann als homöopathische Arzneimittel vertrieben, obwohl die Pflanze in stofflicher und nicht in potenzierter Form eingesetzt wird. Die von uns empfohlenen Dosierungen dieser Arzneimittel fallen manchmal höher aus als die von den Herstellern empfohlene Dosierung. Die Dosierung homöopathischer Arzneimittel ist gesetzlich geregelt und für potenzierte Arzneimittel sinnvoll und richtig, für Urtinkturen jedoch zu niedrig. Urtinkturen werden nach dem HAB (Homöopathischen Arzneibuch) meist aus Frischpflanzen in sehr hoher Konzentration (Droge/Extrakt-Verhältnis) hergestellt und daher niedriger dosiert als nach dem DAB (Deutschen Arzneibuch) hergestellte Tinkturen. Während für DAB-Tinkturen eine Tageseinnahmedosis von 3-mal täglich 20–25 Tropfen empfohlen wird, ist die Dosierung bei Urtinkturen entsprechend niedriger, in der Regel 3-mal täglich 10 Tropfen. Diese kann bei verschiedenen Herstellern aufgrund der Produktionsweise abweichen. Wir haben die Dosierungsempfehlungen entsprechend angepasst.

Neu: In der vorliegenden 2. Auflage finden Sie zahlreiche Schweizer Phytopharmaka mit Dosierungsempfehlungen. Die meisten werden bei ärztlicher Verordnung von der Grundversicherung übernommen. Voraussetzung dafür ist, dass die ÄrztInnen über eine Zusatzqualifikation verfügen und dass die Arzneimittel in der „Spezialitätenliste“ aufgeführt sind (www.spezialitätenliste.ch). Zusatzversicherungen übernehmen die Kosten für Phytotherapie dann, wenn das Medikament von einem zugelassenen Therapeuten verordnet wird.

In Österreich gibt es weitestgehend die gleichen Phytopharmaka wie in Deutschland, sie sind daher nicht gesondert aufgeführt. Durch die Akademisierung der Pflegeausbildung in Österreich soll es diplomierten Pflegekräften demnächst ermöglicht werden, eigenständig Arzneimittel zu verordnen (Stand 10-2025).

Erstattungsfähigkeit Seit der Gesundheitsreform 2004 werden die meisten naturheilkundlichen Arzneimittel nicht mehr durch die gesetzlichen Krankenkassen erstattet, das betrifft mit wenigen Ausnahmen auch Phytopharmaka.

Erstattet werden durch die gesetzlichen Krankenkassen:

ärztlich verordnete Phytopharmaka grundsätzlich für Kinder bis 12 Jahre

ärztlich verordnete Phytopharmaka für Kinder mit Entwicklungsverzögerung bis zur Vollendung des 17. Lebensjahrs

ärztlich verordnete standardisierte Ginkgopräparate bei beginnender Demenz vom Alzheimer-Typ

ärztlich verordnete Flohsamenschalen in der Rezidivprophylaxe bei Patienten mit Morbus Crohn, Kurzdarmsyndrom und HIV-assoziierter Diarrhö

ärztlich verordnete Lektin-standardisierte Mistelpräparate zur Verbesserung der Lebensqualität bei Patienten mit malignen Tumoren in palliativer Situation

Phytotherapeutika, in denen verschreibungspflichtige pflanzliche Bestandteile (z.B. Belladonna, Colchicum, Hyoscyamus) enthalten sind oder die generell verschreibungspflichtig sind (bestimmte Johanniskrautpräparate).

Das Grüne Rezept Die Mehrheit der Krankenkassen machen mittlerweile davon Gebrauch, die Kosten für bestimmte rezeptfreie, jedoch apothekenpflichtige Arzneimittel als individuell festgelegte Satzungsleistung zu übernehmen. Dies betrifft pflanzliche, homöopathische und anthroposophische Arzneimittel, die vom Arzt auf dem „Grünen Rezept“ (Privatrezept) verordnet werden; hierzu findet sich auch ein Hinweis auf dem Rezept. Erstattet wird meist bis zu einer bestimmten jährlichen Summe, je nach Krankenkasse zwischen 50 und 400 Euro. Für die Kostenerstattung eines solchen Medikaments muss der Versicherte die Quittung aus der Apotheke zusammen mit dem Grünen Rezept bei seiner Krankenkasse einreichen. Für Einzelheiten erkundigt man sich am besten direkt bei der Krankenkasse.

Erstattung durch private Krankenversicherungen und Beihilfe Alle in den Therapiekonzepten aufgeführten Präparate werden erstattet. Nahrungsergänzungsmittel, Medizin- und Pflegeprodukte werden nicht erstattet.

Berücksichtigung bei der Steuererklärung Gibt es keine Erstattung durch die Krankenkasse, kann das Grüne Rezept zusammen mit der Quittung aus der Apotheke auch bei der jährlichen Einkommensteuererklärung des Patienten als außergewöhnliche Belastung eingereicht werden. Rezepte, die durch Heilpraktiker im Rahmen einer Behandlung ausgestellt werden, können ebenfalls mit Quittung und Rechnung des Heilpraktikers bei der Einkommensteuererklärung geltend gemacht werden.

Inhaltsverzeichnis

Titelei

Vorwort

Aufbau der Kapitel

Zur Arbeit mit den Therapiekonzepten

Teil I Heilen mit Pflanzen

1 Darmerkrankungen

1.1 Durchfall

1.1.1 Arzneidrogen

1.1.2 Therapiekonzept akuter unspezifischer Durchfall

1.1.3 Therapiekonzept chronisch-entzündliche Darmerkrankungen

1.2 Verstopfung

1.2.1 Arzneidrogen

1.2.2 Therapiekonzept chronische Verstopfung

1.3 Blähungen

1.3.1 Arzneidrogen

1.3.2 Therapiekonzept Blähungen

1.3.3 Therapiekonzept Roemheld-Syndrom

1.4 Reizdarm

1.4.1 Arzneidrogen

1.4.2 Therapiekonzept Reizdarm

1.5 Darmmykose

1.5.1 Arzneidrogen

1.5.2 Therapiekonzept Darmmykose

1.6 Dysbiose – Darmsanierung

1.6.1 Arzneidrogen

1.6.2 Therapiekonzept Darmsanierung

2 Magenerkrankungen

2.1 Unkomplizierte akute Magenbeschwerden

2.1.1 Arzneidrogen

2.1.2 Therapiekonzept leichte akute Magenbeschwerden

2.2 Chronische Gastritis, Magengeschwür und Sodbrennen

2.2.1 Arzneidrogen

2.2.2 Therapiekonzept Chronische Gastritis, Magengeschwür und Sodbrennen

2.3 Verdauungsstörungen (funktionelle Dyspepsie, Reizmagen)

2.3.1 Arzneidrogen

2.3.2 Therapiekonzept Verdauungsstörungen (funktionelle Dyspepsie, Reizmagen)

3 Erkrankungen der Leber, Galle und Bauchspeicheldrüse

3.1 Arzneidrogen

3.2 Erkrankungen der Leber/Hepatopathie

3.2.1 Arzneidrogen

3.2.2 Therapiekonzept Hepatopathie

3.3 Funktionelle Gallenerkrankungen und Reizgalle

3.3.1 Arzneidrogen

3.3.2 Therapiekonzept Funktionsstörungen der Gallebildung und Reizgalle

3.4 Funktionelle Pankreasinsuffizienz

3.4.1 Arzneidrogen

3.4.2 Therapiekonzept funktionelle Pankreasinsuffizienz

4 Atemwegserkrankungen

4.1 Erkältung, Grippe

4.1.1 Arzneidrogen

4.1.2 Therapiekonzept Erkältung

4.1.3 Therapiekonzept Infektanfälligkeit

4.2 Akute Bronchitis und produktiver Husten

4.2.1 Arzneidrogen

4.2.2 Therapiekonzept akute Bronchitis

4.2.3 Therapiekonzept chronische Bronchitis

4.2.4 Therapiekonzept Asthma bronchiale/COPD

4.3 Unproduktiver, trockener Husten, Reizhusten und Heiserkeit

4.3.1 Arzneidrogen

4.3.2 Therapiekonzept unproduktiver, trockener Husten und Reizhusten

4.4 Schnupfen – Sinusitis

4.4.1 Arzneidrogen

4.4.2 Therapiekonzept akute Sinusitis

4.4.3 Therapiekonzept chronische Sinusitis

4.5 Heuschnupfen

4.5.1 Arzneidrogen

4.5.2 Therapiekonzept Heuschnupfen

4.6 Mund- und Rachenerkrankungen

4.6.1 Arzneidrogen

4.6.2 Therapiekonzept akute Tonsillitis

4.6.3 Therapiekonzept chronisch-rezidivierende Tonsillitis

5 Harnwegs- und Prostataerkrankungen

5.1 Harnwegsinfekte

5.1.1 Arzneidrogen

5.1.2 Therapiekonzept akute Harnwegsinfekte

5.1.3 Therapiekonzept chronisch-rezidivierende Harnwegsinfekte

5.2 Funktionelle Beschwerden – Reizblase und (abakterielle) Prostatitis

5.2.1 Arzneidrogen

5.2.2 Therapiekonzept Reizblase

5.3 Benigne Prostatahyperplasie (BPH)

5.3.1 Arzneidrogen

5.3.2 Therapiekonzept benigne Prostatahyperplasie

6 Rheumatische Erkrankungen: Arthrose und Arthritis

6.1 Rheumatische Beschwerden

6.1.1 Arzneidrogen

6.2 Degenerativ-rheumatische Erkrankungen: Arthrose

6.2.1 Arzneidrogen

6.2.2 Therapiekonzept Arthrose

6.3 Arthritis

6.3.1 Arzneidrogen

6.3.2 Therapiekonzept Arthritis und andere entzündlich-rheumatische Erkrankungen

7 Erkrankungen der Haut und Wundbehandlung

7.1 Wundbehandlung: Wunden und offene Verletzungen

7.1.1 Arzneidrogen

7.1.2 Therapiekonzept akute Wunden

7.1.3 Therapiekonzept chronische Wunden

7.2 Wundbehandlung: geschlossene Wunden und stumpfe Traumen

7.2.1 Arzneidrogen

7.2.2 Therapiekonzept stumpfe Verletzungen

7.3 Chronische Hauterkrankungen: Ekzeme

7.3.1 Arzneidrogen

7.3.2 Therapiekonzept Ekzeme

7.4 Neurodermitis

7.4.1 Arzneidrogen

7.4.2 Therapiekonzept Neurodermitis

7.5 Psoriasis

7.5.1 Arzneidrogen

7.5.2 Therapiekonzept Psoriasis

8 Herz-, Kreislauf- und Gefäßerkrankungen

8.1 Erkrankungen des Herzens

8.1.1 Arzneidrogen

8.1.2 Therapiekonzept funktionelle Herzbeschwerden und Rhythmusstörungen

8.1.3 Therapiekonzept Altersherz und Herzinsuffizienz

8.2 Erkrankungen des Blutdrucks

8.2.1 Arzneidrogen

8.2.2 Therapiekonzept Hypertonie

8.2.3 Therapiekonzept Hypotonie

8.3 Arteriosklerose/Hyperlipidämie/koronare Herzkrankheit

8.3.1 Arzneidrogen

8.3.2 Therapiekonzept koronare Herzkrankheit und Arteriosklerose

8.4 Chronische venöse Insuffizienz

8.4.1 Arzneidrogen

8.4.2 Therapiekonzept venöse Durchblutungsstörungen – venöse Insuffizienz

9 Erkrankungen Nervensystem und Psyche

9.1 Schlafstörungen und Nervosität

9.1.1 Arzneidrogen

9.1.2 Therapiekonzept nervöse Unruhezustände und Schlafstörungen

9.2 Erschöpfung und Burn-out

9.2.1 Arzneidrogen

9.2.2 Therapiekonzept Erschöpfung und Burn-out

9.3 Depressive Verstimmungen und Ängste

9.3.1 Arzneidrogen

9.3.2 Therapiekonzept depressive Verstimmung und Ängste

9.4 Kopfschmerz und Migräne

9.4.1 Arzneidrogen

9.4.2 Therapiekonzept Spannungskopfschmerzen und Migräne

10 Heilpflanzen in der Frauenheilkunde

10.1 Menstruationsbeschwerden

10.1.1 Arzneidrogen

10.1.2 Therapiekonzept Dysmenorrhö

10.1.3 Therapiekonzept Menorrhagie, Hypermenorrhö und Metrorrhagie

10.1.4 Therapiekonzept Hypo- und Amenorrhö

10.2 Prämenstruelles Syndrom (PMS)

10.2.1 Arzneidrogen

10.2.2 Therapiekonzept PMS

10.3 Wechseljahresbeschwerden

10.3.1 Arzneidrogen

10.3.2 Therapiekonzept Wechseljahresbeschwerden

11 Frühjahrskur – Entgiftungskur

Teil II Wirkstoffe

12 Kohlenhydrate/Schleimstoffe

13 Gerbstoffe

14 Bitterstoffe

15 Anthranoide

16 Ätherische Öle

17 Flavonoide

18 Saponine

19 Senfölglykoside

20 Arbutin

21 Salicylate

22 Cumarine

23 Alkaloide

Teil III Tee

24 Heilpflanzentees

24.1 Die Kunst der Heiltee-Zubereitung

24.1.1 Infus: heißer Aufguss/Überbrühung

24.1.2 Mazerat: Kaltwasserauszug

24.1.3 Dekokt: Abkochung

24.1.4 Kombinationsmethoden

24.2 Die Kunst der Teemischung

Teil IV Service und Co.

25 Abkürzungsverzeichnis

26 Adressen

27 Literatur

Autorenvorstellung

Anschriften

Sachverzeichnis

Impressum

Teil I Heilen mit Pflanzen

1 Darmerkrankungen

2 Magenerkrankungen

3 Erkrankungen der Leber, Galle und Bauchspeicheldrüse

4 Atemwegserkrankungen

5 Harnwegs- und Prostataerkrankungen

6 Rheumatische Erkrankungen: Arthrose und Arthritis

7 Erkrankungen der Haut und Wundbehandlung

8 Herz-, Kreislauf- und Gefäßerkrankungen

9 Erkrankungen Nervensystem und Psyche

10 Heilpflanzen in der Frauenheilkunde

11 Frühjahrskur – Entgiftungskur

1 Darmerkrankungen

Abb. 1.1 Blutwurz.

Abb. 1.2 Heidelbeere.

Abb. 1.3 Lein.

Abb. 1.4 Fenchelfrüchte.

Der Darm ist mit seinen ca. 500 m2 Fläche und 9 m Länge das größte Organ des Körpers. Er ist eine Art Tunnel und in Bezug auf die Ernährung „Außenwelt“. Kein Wunder, sitzt ein Großteil unseres Immunsystems im Darm: Alles, was sich im Darm befindet, steht dem Körper noch nicht zur Verfügung.

Aber der Darm ist mehr als ein Sammelrohr für Abfallprodukte: über seinen selektiven, mehrphasischen Barriereschutz entscheidet sich, was in den Blutkreislauf aufgenommen und was ausgeschieden wird. Das Darmmikrobiom, als mikrobielle Barriere dicht besiedelt mit Billionen physiologischer Bakterien, wehrt pathogene Erreger ab, schult und aktiviert das darmeigene Immunsystem, ernährt die Darmschleimhaut und produziert Energie, Vitamine u.v.m. Die Schleimschicht (Mukus) bildet mittels ihres zähen Schleims die physikalische Barriere gegen Schadstoffe und Krankheitserreger. Die Darmschleimhautzellen selbst steuern als mechanische „Diffusions“-Barriere mittels der engen Verbindungen zwischen ihren Epithelzellen (Tight Junctions) den Stofftransport vom Darm in den Körper. Die immunologische Barriere findet sich mit den Peyer-Plaques vor allem im Ileum: die Anhäufung von Lymphfollikeln gelten als Bestandteil des darmassoziierten Immunsystems (GALT: gut-associated lymphoid tissue) und machen den Darm zum größten Immunorgan des Körpers.

Bei geschädigter Darmschleimhaut ändert sich ihre Durchlässigkeit (Leaky-Gut-Syndrom: „undichter Darm“) und beeinträchtigt den Barrieremechanismus. Dann können schädigende Stoffe ungehindert in den Blutkreislauf gelangen und Entwicklung und Pathogenese von Erkrankungen beeinflussen, von Allergien oder Entzündungsreaktionen (silent inflammation) bis zu neurologischen/psychiatrischen Störungen. Eine immer größere Rolle spielt das enterische Nervensystem im Darm, ein komplexes Geflecht aus Millionen Neuronen, die dem zentralen Nervensystem entsprechen und mit diesem über die Darm-Hirn-Achse (gut-brain-axis) verbunden sind und kommunizieren. Den komplexen Interaktionen zwischen zentralem und enterischem Nervensystem geht der neu entstandene Forschungszweig der Neurogastroenterologie nach.

Gesundheit, Wohlbefinden und Stärke der Abwehrkraft hängen also von einem gesunden Darm mit einem intakten Darmmikrobiom und einer ungestörten Funktion des darmeigenen Immunsystems ab.

Bei Darmerkrankungen spielen Arzneidrogen ( ▶ Abb. 1.1, ▶ Abb. 1.2, ▶ Abb. 1.3, ▶ Abb. 1.4) – neben einer gesunden Ernährung – eine große, oftmals die Hauptrolle.

1.1 Durchfall

Durchfall ist die Zunahme der täglichen Stuhlfrequenz auf mehr als 3-mal am Tag, mit verkürzter Kolontransitzeit, verminderter Stuhlkonsistenz und vermehrter Stuhlmenge, breiig bis wässrig.

Symptome

meist Übelkeit, Erbrechen oder Darmkrämpfe/Darmkolik

Flüssigkeits- und Elektrolytverlust im Körper; das ist besonders bei Säuglingen bedrohlich

häufig Leitsymptom bakterieller/viraler Infektionskrankheiten oder funktioneller Darmstörungen

UrsachenAkuter Durchfall: Infektionen mit Viren oder Bakterien, Bakterientoxinen (verdorbene Lebensmittel). Chronischer Durchfall: Besteht länger als 3–4 Wochen.

Meist liegen funktionelle oder organische Störungen zugrunde. Je nach Ursache wird differenziert therapiert.

Störungen von Leber, Galle oder Pankreas

Allergien, Nahrungsmittelunverträglichkeiten

Reizdarm, chronisch-entzündliche Darmerkrankungen

Ernährungsfehler, Alkoholabusus

Hyperthyreose

psychische Einflüsse

Medikamente

Tumore

Praxistipp

Durchfälle bei infektiösen Prozessen nicht zu rasch/intensiv hemmen, um die erforderlichen Ausscheidungs- und Selbstreinigungsmechanismen nicht vorschnell zu unterbinden. Die Therapie nach 1–2 Tagen einleiten, bevorzugt mit Gerbstoffen, bis die akute Phase abgeklungen ist (4–7 Tage). Gerbstofftees hierbei ungesüßt trinken: Zucker ist ein Nährmedium für Hefen und Gärungsbakterien im Darm und begünstigt Gärungsprozesse. Dauern Durchfälle länger als 3–4 Tage, sollten sie ärztlich abgeklärt werden.

1.1.1 Arzneidrogen

Die wichtigsten Informationen auf einen Blick finden sich in ▶ Tab. 1.1 .

Tab. 1.1 

Phytotherapie bei Darmerkrankungen: Durchfall.

Heilpflanzen

und deren Wirkung

Blutwurz ( ▶ Abb. 1.1)

Brombeere

Eichenrinde

Frauenmantel

Gänsefingerkraut

Heidelbeere ( ▶ Abb. 1.2)

Teestrauch: Grün-/Schwarztee

Gerbstoffdrogen:

gerbend, zusammenziehend (adstringierend), austrocknend, sekretionshemmend, entzündungshemmend, reizmildernd

durchfallhemmend, keimhemmend

Heilerde

Kaffeekohle

Medizinalkohle

Adsorbenzien:

binden mit ihrer stark vergrößerten Oberfläche und hohem Adsorptionsvermögen Gifte, Gärungs- und Bakterienprodukte

Cave: binden auch Enzyme, Vitamine und Arzneistoffe → nur kurzfristig einnehmen

Kamille

Antiphlogistika:

entzündungshemmend

bei chronischem Durchfall: Curcuma, Myrrhe, Äpfel (gerieben)

Bananen (geschlagen)

Karotten (lange gekocht)

Pektine:

absorbieren Flüssigkeit, Gifte und Krankheitskeime, wirken entzündungshemmend, schleimhautschützend, hemmen abnormes Darmmikrobiom

Karotte blockiert das Andocken der Keime an die Darmwand

Flohsamen

Leinsamen ( ▶ Abb. 1.3)

Hinweis: mit wenig zusätzlicher Flüssigkeit einnehmen

Quellstoffdrogen:

Entzündungshemmend, binden überschüssige Flüssigkeit im Darm, absorbieren Bakterientoxine u.a. Gifte, schützen Schleimhäute vor Reizung

Beachte

Frische Heidelbeeren ▶ Abb. 1.2 wirken nicht stopfend, sie führen ab.

1.1.2 Therapiekonzept akuter unspezifischer Durchfall

Alle Therapieschritte werden parallel durchgeführt ( ▶ Tab. 1.2 ).

Tab. 1.2 

Therapieziel.

Beschwerdelinderung

Dauer

Präparate

Gerbstoffdrogen

Pektine

Adsorbenzien

je nach Beschwerdebild 3–4 Tage

Tees, Präparate, Lebensmittel

1.1.2.1 Beschwerdelinderung durch Gerbstoffdrogen

Tees

Stopfende Teemischung:

Rubi fruticosi folium (Brombeerblätter) 30 g

Alchemillae herba (Frauenmantelkraut) 30 g

Matricariae flos (Kamillenblüten) 20 g

Foeniculi fructus cont. (Fenchelfrüchte, angestoßen [ ▶ Abb. 1.4]) 20 g

M.D.S. 1 TL der Mischung mit 1 Tasse kochendem Wasser übergießen, 10 Min. bedeckt ziehen lassen, dann abgießen. Mehrmals tägl. 1 Tasse trinken.

Heidelbeertee: Myrtilli fructus (Heidelbeerfrüchte) 100 g. 1 EL im Mörser anstoßen und mit 250 ml Wasser 20 Min. köcheln lassen, dann abgießen. Mehrmals tägl. 1 Tasse trinken.

Präparate

Tormentillae tinctura DAB (Blutwurztinktur): Mehrmals tägl. 30–50 Tr. bis zur Beschwerdelinderung, dann Dosis reduzieren.

1.1.2.2 Beschwerdelinderung durch Pektine

Präparate

Aplona (Apfelpulver): Kinder ab 3 Jahre und Erwachsene mehrmals täglich 1 Portionsbeutel in 1 Tasse lauwarmes Wasser oder Tee einrühren, 5–10 Min. stehen lassen, dann trinken.

Diarrhoesan (Apfelpektin, Kamille):

Für Kinder besonders geeignet

2–3 Jahre: Anfangsdosierung 10 ml, dann stündlich 5 ml

4–5 Jahre: Anfangsdosierung 20 ml, dann stündlich 10 ml

ab 6 Jahren: Anfangsdosierung 30 ml, dann stündlich 15 ml

Erwachsene: Anfangsdosierung 30 ml, dann stündlich 15 ml

Beachte

Pektine wegen der bindenden Eigenschaften nicht gleichzeitig mit anderen Arzneimitteln einnehmen. Empfohlen wird ein Abstand von mindestens einer Stunde.

Lebensmittel

Geriebener Apfel: Mehrmals tägl. 1 ungeschälten Apfel auf der Glasreibe reiben und essen.

Karottensuppe nach Moro: 500 g geschälte Karotten zerkleinern und in 1 l Wasser 1–1½ Std. kochen, 3 g Kochsalz (1 knapp gestrichener TL) zufügen, ca. 1 TL Butter und 1 EL Zucker dazugeben und zu einem Brei verarbeiten. Über den Tag verteilt essen. Geeignet für Säuglinge ab 6 Monaten.

1.1.2.3 Beschwerdelinderung durch Adsorbenzien

Präparate

Birkenkohle Weleda (Antimonit D2, Birkenkohle, Kamille):

6–12 Jahre: 2- bis 3-mal tägl. 1 Kps.

ab 12 Jahre und Erwachsene: 3- bis 5-mal tägl. 1 Kps.

Carbo Koenigsfeld (Kaffeekohle): 4-mal tägl. 1 gestrichenen Messlöffel

Kohle Hevert (Medizinische Kohle): 3- bis 4-mal tägl. 2–4 Tbl.

Myrrhinil intest (Myrrhe, Kamille, Kaffeekohle): 3-mal tägl. 2–4 Drg. vor der Mahlzeit

1.1.3 Therapiekonzept chronisch-entzündliche Darmerkrankungen

Alle Therapieschritte werden parallel durchgeführt ( ▶ Tab. 1.3 ).

Tab. 1.3 

Therapieziele.

Beschwerdelinderung

Entzündungshemmung

evtl. Darmsanierung

▶ Therapiekonzept akuter unspezifischer Durchfall

Flohsamen/Leinsamen

Gelbwurz

Kamille

Myrrhe

Weihrauch

Wermut

▶ Therapiekonzept Darmsanierung

Dauer: symptombezogen, je nach Beschwerden

Dauer: mehrere Wochen bis Monate

Dauer: mehrere Wochen bis Monate

Tees

Präparate

Präparate

Nahrungsergänzungsmittel

Tees

Präparate

1.1.3.1 Beschwerdelinderung

▶ Therapiekonzept akuter unspezifischer Durchfall

1.1.3.2 Entzündungshemmung

Präparate

Absinthium Urtinktur (Wermut): 3-mal tägl. 3 (Ceres) oder 10 (DHU) Tr.

Chamomilla Urtinktur (Kamille): 3-mal tägl. 3–5 (Ceres) oder 10 (DHU) Tr.

Curcu-Truw (Gelbwurz): 2-mal tägl. 1 Kps.

Myrrhinil intest (Myrrhe, Kamille, Kaffeekohle): 3-mal tägl. 4 Drg.

Flosa balance (Flohsamen): 3-mal tägl. 1 Beutel/Dosierlöffel

Flosine balance (Flohsamen): 2–3-mal tägl. 5 g Granulat

Kamillin Konzentrat Robugen (Kamille): 3-mal tägl. 20 Tr.

Mucofalk Apfel/-Fit/-Orange Granulat (Flohsamen): 2- bis 3-mal tägl. 1–2 Beutel bzw. Messlöffel

Tinctura absinthii DAB (Wermut): 3-mal tägl. 20 Tr.

Schweiz

Agiolax mite (Flohsamen): nach dem Abendessen 2 TL

Laxiplant soft (Flohsamen):

6–12 Jahre: ¼–½ TL 1- bis 2-mal tägl.

ab 12 Jahre und Erwachsene: 1- bis 2-mal tägl. 1–2 TL

Metamucil (Flohsamen):

6–12 Jahre: ½ TL 1- bis 3-mal tägl.

ab 12 Jahre und Erwachsene: 1- bis 3-mal tägl. 1–2 TL

H15 Gufic (Weihrauch): 3-mal tägl. 1–3 Kps.

Beachte

Flohsamen und Flohsamenschalen sowie daraus hergestellte Medikamente in 200–250 ml Wasser oder Saft einrühren und zügig trinken. Ggf. noch ein weiteres Glas Wasser hinterher trinken. Zwischen den Mahlzeiten oder am Abend einnehmen.

Nahrungsergänzungsmittel

Curcuflex (Gelbwurz): 2-mal tägl. 2 Kps.

Curcumin-loges (Gelbwurz): 2-mal tägl. 1 Kps.

Curcumin Extrakt 45 Dr. Wolz (Gelbwurz): 3-mal tägl. 1 Kps.

Curcusol (Gelbwurz): 2-mal tägl. 1 Kps.

Kurkuma Kapseln liposomal Pascoe: 3-mal tägl. 1 Kps.

Weihrauch-Dragees verschiedener Hersteller, z.B. H15 Hecht Pharma, MantraPharm: Tagesdosis je nach Beschwerdebild 1200–4800 mg auf 3 Gaben verteilt, nach dem Essen einnehmen, bei Besserung Dosis reduzieren auf individuelle Erhaltungsdosis

Schweiz

Curcumaforte Liquid: 1- bis 3-mal tägl. 1 TL

Curcuma Intest (Omega-3-Fettsäuren, Vitamin A, Molybdän, Fenchelöl, Pfefferminzöl): 2 Kps. tägl.

1.1.3.3 Darmsanierung

▶ Therapiekonzept Darmsanierung

1.2 Verstopfung

Funktionsstörung des Dickdarms mit erschwertem, manchmal schmerzhaftem Stuhlgang, geringer Stuhlfrequenz und harter Stuhlkonsistenz. Bis zu 50 % der erwachsenen Bundesbürger leiden gelegentlich darunter; Kinder sind ebenso davon betroffen.

Bei chronischer Verstopfung liegt die Stuhlfrequenz mindestens 12 Wochen lang unter 2- bis 3-mal/Woche. Das kann das Entstehen von Hämorrhoiden oder Analfissuren fördern. Chronische Verstopfung sollte ärztlich abgeklärt und auf alle Fälle behandelt werden.

Symptome

Stuhlentleerung zu selten, verzögert, schmerzhaft oder unvollständig, oft nur unter starkem Pressen erfolgreich

harter, zu trockener, klumpiger Stuhl

oft verbunden mit weiteren Symptomen wie Blähungen, Krämpfen, Bauchschmerzen

Ursachen

Akute Verstopfung: Tritt häufig bei Reisen, im Verlauf von Erkrankungen, Aufregungen oder Ernährungsänderungen auf; sie ist meist unbedenklich und nicht unbedingt behandlungsbedürftig.

Beachte

Akut auftretende Verstopfung, plötzliche Änderung des Stuhlverhaltens sowie Blut im Stuhl und Gewichtsverlust dringend abklären. Es besteht der Verdacht auf einen kolorektalen Tumor.

Chronische Verstopfung:

konstitutionelle Veranlagung

Fehlernährung (Ballaststoffmangel), Flüssigkeitsmangel, Bewegungsmangel

Laxanzienabusus (30 % der Deutschen), Medikamente (Opiate, Antazida, Antidepressiva, Laxanzien)

Adipositas, Hämorrhoiden, Hypothyreose, Reizdarm, Tumore, psychosomatische Faktoren, Stress

Praxistipp

Auf ballaststoff- und bitterstoffreiche Ernährung, ausreichende Bewegung und Trinkmenge achten.

1.2.1 Arzneidrogen

Die wichtigsten Informationen auf einen Blick finden sich in ▶ Tab. 1.4 .

Tab. 1.4 

Phytotherapie bei Darmerkrankungen: Verstopfung.

Heilpflanzen

und deren Wirkung

Aloe

Faulbaum

Rhabarber

Senna

Beachte: Am verträglichsten sind Rhabarberwurzeln und Faulbaumrinde. Am stärksten wirksam sind Aloeextrakte; am beliebtesten sind Sennesblätter bzw. die wohlschmeckenden Sennesfrüchte.

Anthranoiddrogen (Laxanzien):

reizen die Darmschleimhaut, regen somit die Peristaltik an: verkürzte Verweildauer und erleichterte Stuhlabgabe

halten Darminhalt flüssig, indem mehr Wasser ins Darmlumen gelangt (erhöhen Sekretion von Wasser/Elektrolyten in den Darm)

hemmen zugleich die Resorption von Flüssigkeit aus dem Dickdarm: mehr Wasser im Darm → keine Stuhlverfestigung → Volumenzunahme → verstärkter Füllungsdruck und Dehnungsreiz: steigert reflektorisch die Kontraktion

Beachte: kurzfristig (8–10 Tage) einsetzen: so viel wie nötig, so wenig wie möglich

Beachte: Wirkeintritt nach 8–10 Std.

Gelber Enzian, Löwenzahn, Tausendgüldenkraut, Wermut u.a.

Bitterstoffhaltige Lebensmittel: Chicorée, Endivie, Radicchio

Bitterstoffhaltige Gewürzkräuter: Beifuß, Bohnenkraut, Rosmarin, Salbei, Thymian

Bitterstoffdrogen/Cholagoga:

regen durch aktivierte Verdauungstätigkeit die Darmtätigkeit und Stuhlentleerung an

Beachte: Vor dem Essen einnehmen, damit der Appetit geweckt wird und der Verdauungstrakt die Gallenproduktion ankurbeln kann.

Nach den Mahlzeiten: zur gezielten Verdauungsförderung

Flohsamen/-schalen

Leinsamen

Beachte: Mittel der ersten Wahl, weil als alleinige Therapie und für Langzeitanwendung geeignet

Quellstoffdrogen (unverdauliche Kohlenhydrate mit hoher Wasserbindungskapazität):

quellen unter Aufnahme von Wasser auf ein Vielfaches ihres ursprünglichen Volumens im Darm auf

vergrößern dadurch das Darmvolumen und erhöhen den Füllungsdruck: der Dehnungsreiz durch Darmwanddehnung setzt reflektorisch die Defäkation in Gang

sind gleichzeitig Gleitmittel, erzeugen weichen Stuhl

entzündungshemmend, schützen Schleimhaut vor Reizung

adsorbieren Bakterientoxine, Karzinogene u.a.

sanieren Darmmikrobiom durch schleimhautschützende, bakterien- und giftbindende Effekte

Beachte: Mit viel zusätzlicher Flüssigkeit (1:10) einnehmen, sonst wird die Verstopfung verstärkt!

Beachte: Wirkeintritt nach 2–10 Tagen.

Feigen (Mannitol)

Manna (Mannitol)

Pflaumen (Sorbitol)

osmotisch wirksame Zucker:

binden Flüssigkeit (deshalb mit viel zusätzlicher Flüssigkeit einnehmen)

verhindern Eindickung des Stuhls und weichen ihn auf

das vergrößerte Darmvolumen regt Stuhlreiz an

1.2.2 Therapiekonzept chronische Verstopfung

Alle Therapieschritte werden parallel durchgeführt ( ▶ Tab. 1.5 ).

Tab. 1.5 

Therapieziele.

Anregung der Darmperistaltik

Anregung der Verdauungssäfte mit Bitterstoffen

bei spastischer Obstipation evtl. Spasmolytika

evtl. Darmsanierung

Anthranoide

Quelldrogen

▶ Therapiekonzept Blähungen

Fenchel

Gänsefingerkraut

Kamille

Kümmel

Melisse

Schafgarbe

Zahnstocherammei/Khella*

▶ Therapiekonzept Darmsanierung

Dauer: Anthranoide kurzfristig: maximal 8–10 Tage; Quelldrogen langfristig: Monate bis dauerhaft

regelmäßig über die Ernährung

Dauer: 4–6 Wochen; regelmäßig über die Ernährung (bitterstoffreiches Gemüse/Obst)

Dauer: 4–6 Wochen

Dauer: 4–6 Wochen, evtl. mehrere Monate

Tees

Präparate

Nahrungsergänzungsmittel

Diätetika

Tees

Präparate

Tees

Präparate

Auflagen

Präparate

Nahrungsergänzungsmittel

* Trotz Negativ-Monografie durch die Kommission E eine bewährte und ausschließlich in Präparaten enthaltene Heilpflanze, die bei Berücksichtigung der Einnahmevorschriften ein überschaubares Nebenwirkungsprofil hat.

1.2.2.1 Anregung der Darmperistaltik: kurzfristige Darmentleerung

Tees

Mild abführende Teemischung:

Sennae folium (Sennesblätter) 25 g

Millefolii herba (Schafgarbenkraut) 25 g

Foeniculi fructus cont. (Fenchelfrüchte, angestoßen) 25 g

Menthae pip. folium (Pfefferminzblätter) 25 g

M.D.S. 1 TL der Mischung mit 1 Tasse heißem Wasser übergießen, 10 Min. bedeckt ziehen lassen, dann abgießen. Abends 1 Tasse trinken.

Kräftig abführende Teemischung:

Frangulae cortex (Faulbaumrinde) 25 g

Sennae folium (Sennesblätter) 25 g

Carvi fructus cont. (Kümmelfrüchte, angestoßen) 25 g

Matricariae flos (Kamillenblüten) 25 g

M.D.S. 1 TL der Mischung mit 1 Tasse kochendem Wasser übergießen, 10 Min. bedeckt ziehen lassen, dann abgießen. Abends 1 Tasse trinken.

Präparate

Agiolax Granulat (Flohsamen, Sennesfrüchte): abends 1–2 Messlöffel

Alasenn Kräutergranulat (Sennesblätter, Sennesfrüchte): abends 1–2 Messlöffel

Kräuterlax Dr. Henk 15 mg (Aloe): abends 1–2 Drg.

Legapas (Cascara/Amerikanischer Faulbaum): abends 30–50 Tr. oder 1–1½ Tbl.

Midro Abführ Tabletten (Sennesfrüchte): abends 1–4 Tbl.

Neda Früchtewürfel (Sennesblätter, Sennesfrüchte, Feige): abends ½–1 Würfel

Schweiz

Agiolax mit Senna (Flohsamen, Sennesfrüchte): 1–2 Messlöffel nach dem Abendessen oder vor dem Frühstück

Darmol Abführkapseln (Sennesblätter): 1 Kapsel vor dem Schlafen

Darmol Tabletten (Sennesblätter): ½–1 Tbl. vor dem Schlafen

Linoforce/LinoMed (Leinsamen, Sennesblätter, Faulbaumrinde): ½–1 Messlöffel morgens oder abends mit mind. 200 ml Wasser

Midro Tabs (Sennesfrüchte): 2–6 Tbl. tägl.

Beachte

Präparate zur Anregung der Darmperistaltik nicht länger als 1 Woche einnehmen und die Dosierung so wählen, dass der Stuhl weich, aber nicht flüssig wird. Die Wirkung tritt nach 8–12 Std. ein, daher abends einnehmen.

1.2.2.2 Anregung der Darmperistaltik: langfristige Therapie

Diätetika

Flohsamenschalen (Apotheke, Reformhaus, Bioladen): 3-mal tägl. 1 TL in 150 ml Wasser einrühren und zügig trinken, zwischen den Mahlzeiten einnehmen

Leinsamen (z.B. Linusit Leinsamen gold): 3-mal tägl. 1 EL mit 150 ml Wasser zwischen den Mahlzeiten einnehmen

Trockenobst: 2–3 Backpflaumen, Feigen oder Aprikosen über Nacht einweichen, morgens in Müsli oder Joghurt einnehmen

Präparate

Agiolax mite (Flohsamen und -schalen):

ab 6 Jahre: 1 TL und bei Bedarf zusätzlich 1 TL vor dem oder zum Frühstück

Erwachsene: abends nach dem Essen (spätestens 1 Std. vor dem Zubettgehen) 2 TL und bei Bedarf zusätzlich 1–2 TL vor dem oder zum Frühstück

Flosa balance (Flohsamenschalen): 3-mal tägl. 1 Beutel oder Dosierlöffel

Flosine balance (Flohsamenschalen): 2–3-mal tägl. 5 g Granulat

Mucofalk Apfel/Fit/Orange Granulat (Flohsamenschalen): 2- bis 3-mal tägl. 1–2 Beutel bzw. Messlöffel

Pascomucil (Flohsamenschalen, Milchzucker):

6–11 Jahre: 2–3 gestrichene Messlöffel

ab 12 Jahre und Erwachsene: 3–4 gestrichene Messlöffel jeweils auf 2–3 Gaben über den Tag verteilt einnehmen

Schweiz

Agiolax mite (Flohsamen): Nach dem Abendessen 2 TL

Laxiplant soft (Flohsamen):

6–12 Jahre: ¼–½ TL 1- bis 2-mal tägl.

ab 12 Jahre und Erwachsene: 1- bis 2-mal tägl. 1–2 TL

Metamucil (Flohsamen):

6–12 Jahre: ½ TL 1- bis 3-mal tägl.

ab 12 Jahre und Erwachsene: 1- bis 3-mal tägl. 1–2 TL

Beachte

Flohsamen und Flohsamenschalen sowie daraus hergestellte Medikamente in 150–250 ml Wasser oder Saft einrühren und zügig trinken. Gegebenenfalls noch ein weiteres Glas Wasser hinterher trinken. Zwischen den Mahlzeiten oder am Abend einnehmen.

Nahrungsergänzungsmittel

Linusit Darmaktiv Portionsbeutel (Leinsamen): 2- bis 3-mal tägl. 1 Beutel

Manna Feigen-Sirup: Kinder 20–30 ml und Erwachsene 30–60 ml morgens oder abends einnehmen

Zirkulin Früchtewürfel (mit Feigen, Datteln, Pflaume): Dosierung nach Packungsbeilage

1.2.2.3 Anregung der Verdauungssäfte mit Bitterstoffen

▶ Therapiekonzept Blähungen

1.2.2.4 Spasmolytika

Tees

Krampflösende Teemischung:

Millefolii herba (Schafgarbenkraut) 30 g

Matricariae flos (Kamillenblüten) 20 g

Anserinae herba (Gänsefingerkraut) 20 g

Foeniculi fructus cont. (Fenchelfrüchte, angestoßen) 20 g

Absinthii herba (Wermutkraut) 10 g

M.D.S. 1 TL der Mischung mit 1 Tasse heißem Wasser übergießen, 7 Min. bedeckt ziehen lassen, dann abgießen und 3-mal tägl. 1 Tasse trinken.

Krampflösende Teemischung für Kinder:

Melissae folium (Melissenblätter) 40 g

Anserinae herba (Gänsefingerkraut) 40 g

Foeniculi fructus cont. (Fenchelfrüchte, angestoßen) 20 g

M.D.S. 1 TL der Mischung mit 1 Tasse heißem Wasser übergießen, 7 Min. bedeckt ziehen lassen, dann abgießen und 3-mal tägl. 1 Tasse trinken.

Präparate

Carmenthin (ätherisches Pfefferminz-/Kümmelöl): 1 Kps. morgens und mittags mind. 30 Min. vor dem Essen

Cefaspasmon (Ammi visnaga Urtinktur, Atropinum sulfuricum D4, Podophyllum peltatum D4, Chamomilla recutita D1): akute Zustände: alle ½–1 Stunde, höchstens 6-mal tägl., je 5 Tr., chronische Verlaufsformen: 1- bis 3-mal tägl. 5 Tr.

Ceres Millefolium Urtinktur (Schafgarbe): 3-mal tägl. 3–5 Tr. nach dem Essen

Gänsefingerkraut Tropfen Hofapotheke St. Afra: 3-mal tägl. 20 Tr.

Potentilla anserina Urtinktur (Gänsefingerkraut) DHU: 3-mal tägl. 10 Tr.

Tinctura millefolii DAB (Schafgarbe): 3-mal tägl. 20 Tr.

Schweiz

Carmenthin/Gaspan (ätherisches Pfefferminz-/Kümmelöl): 1 Kps. morgens und mittags mind. 30 Min. vor dem Essen

Ceres Millefolium Urtinktur (Schafgarbe): 3-mal tägl. 3–5 Tr. nach dem Essen

Colpermin (ätherisches Pfefferminzöl): 2 Kps. tägl. mind. 2 Std. vor oder nach dem Essen

Valverde Magen-Darm (Schafgarbe): 3- bis 4-mal tägl. 1–2 Tbl.

Auflagen

▶ Schafgarben-Bauchwickel

1.2.2.5 Darmsanierung

▶ Therapiekonzept Darmsanierung

1.3 Blähungen

Blähungen sind häufige Begleitsymptome einer gestörten Verdauung. Eine übermäßige Ansammlung von Gasen im Magen-Darm-Trakt, zum Teil mit Auftreibung des Bauches, nennt man Meteorismus, ein vermehrter Abgang von Darmgasen Flatulenz.

Roemheld-Syndrom nennt man den „gastrokardialen Symptomenkomplex“, bei dem sich das Zwerchfell aufgrund übermäßig vorhandener Gase im Darm hochwölbt. Das kann die Durchblutung des Herzens vermindern und Herzsymptome verursachen ( ▶ Tab. 1.6 , Therapiekonzept ▶ Roemheld-Syndrom).

Die Behandlung dieser eher unangenehmen Beschwerden ist eine Domäne der Phytotherapie und zugleich genussvoll, denn blähungstreibende Mittel sind aromatische Gewürze.

Symptome Vermehrt gebildete „duftende“, oft quälende Winde sind häufige Begleitsymptome einer gestörten Verdauung.

Ursachen Es gibt vielfältige Ursachen:

Ernährung (blähende Speisen u.v.m.), Lebensweise (Hektik, Stress)

Verdauungsstörungen (Enzymmangel), Verstopfung

entzündliche Darmkrankheiten, Reizdarm

bakterielle Fehlbesiedelung des Darmes, Nahrungsmittelallergien

Erkrankungen/Funktionsstörungen der Gallenblase

ein „chronischer Blinddarm“

Medikamente

1.3.1 Arzneidrogen

Die wichtigsten Informationen auf einen Blick finden sich in ▶ Tab. 1.6 .

Tab. 1.6 

Phytotherapie bei Darmerkrankungen: Blähungen.

Heilpflanzen

und deren Wirkung

Engelwurz

Enzian

Schafgarbe

Wermut

Bitterstoffdrogen:

regen die Verdauung an, sodass es erst gar nicht zu Blähungen kommen muss

Anis

Fenchel

Kümmel

Kamille (karminativ durch Spasmolyse)

Koriander

Kümmel

Lavendel

Melisse

Pfefferminze

Karminativa: blähungswidrig

regen die Durchblutung der Schleimhäute des Verdauungstrakts an → vermehrte Resorption von Gasen: blähungswidrig

tonisieren die Magen- und Darmmuskulatur

die ätherischen Öle setzen den Druck des Ösophagussphinkters (Speiseröhrenschließmuskels) herab → gleicht den Druck zwischen Mageninnenraum und Speiseröhre aus → 5–15 Min. nach Einnahme kommt es zu erleichtertem Aufstoßen

spasmolytisch und antimikrobiell

verdauungsfördernd

Galgant

Herzgespann

Weißdorn

zusätzlich beim Roemheld-Syndrom: Kardiaka

herzstärkend

Karminativa Die Behandlung von Blähungen mit Karminativa gehört zur Domäne der Phytotherapie und ist genussvoll, da viele aromatische Würzkräuter zugleich blähungstreibende Mittel sind.

Die klassischen Karminativa Kümmel, Fenchel und Anis gehören zu den Gewürzen:

In der karminativen Wirkung ist Kümmel am stärksten und Anis am schwächsten.

Als Expektorans ist Anis am stärksten und Kümmel am schwächsten.

Fenchel steht jeweils in der Mitte, er ist geschmacklich am beliebtesten.

Beachte

Die Früchte der Karminativa umschließen ihr wirksames ätherisches Öl wie kleine Parfümfläschchen, die zuerst zu öffnen sind. Deshalb die Samen immer (erst) direkt vor der Teezubereitung zerdrücken oder zerquetschen (mörsern).

1.3.2 Therapiekonzept Blähungen

Alle Therapieschritte werden parallel durchgeführt ( ▶ Tab. 1.7 ).

Tab. 1.7 

Therapieziele.

Beschwerdelinderung mit Karminativa

Anregung der Verdauungssäfte mit Bitterstoffen

evtl. Darmsanierung

Kümmel

Fenchel

Anis

Koriander

Kamille

Pfefferminze

Lavendel

Melisse

Löwenzahn

Benediktenkraut

Enzian

Wermut

Engelwurz u.a.

▶ Therapiekonzept Darmsanierung

Dauer: symptombezogen, je nach Beschwerden 1–2 Wochen, evtl. auch länger

Dauer: 4–6 Wochen

Dauer: 4–6 Wochen, evtl. mehrere Monate

Tees

Präparate

Einreibungen

Auflagen

Tees

Präparate

Präparate

Nahrungsergänzungsmittel

1.3.2.1 Beschwerdelinderung mit Karminativa

Tees

Blähungswidrige Teemischung:

Carvi fructus cont. (Kümmelfrüchte, angestoßen) 25 g

Foeniculi fructus cont. (Fenchelfrüchte, angestoßen) 25 g

Anisi fructus cont. (Anisfrüchte, angestoßen) 25 g

Coriandri fructus cont. (Korianderfrüchte, angestoßen) 25 g

M.D.S. 1 TL der Mischung mit 1 Tasse kochendem Wasser übergießen, 10 Min. bedeckt ziehen lassen, dann abgießen und 3-mal tägl. 1 Tasse nach den Mahlzeiten trinken.

Blähungswidrige Teemischung für Kinder:

Foeniculi fructus cont. (Fenchelfrüchte, angestoßen) 40 g

Matricariae flos (Kamillenblüten) 30 g

Melissae folium (Melissenblätter) 20 g

Lavandulae flos (Lavendelblüten) 10 g

M.D.S. 1 TL der Mischung mit 1 Tasse heißem Wasser übergießen, 7 Min. bedeckt ziehen lassen, dann abgießen und 3-mal tägl. 1 Tasse nach den Mahlzeiten trinken. Säuglinge trinken davon 3-mal tägl. 50 ml.

Präparate

Carmenthin (ätherisches Pfefferminz-/Kümmelöl): Erwachsene 1 Kps. morgens und mittags mind. 30 Min. vor dem Essen

Carum carvi Zäpfchen Weleda:

Säuglinge: 1- bis 2-mal tägl. ½ Zäpfchen

ab 6 Jahren, Jugendliche und Erwachsene: 1- bis 3-mal tägl. 1 Zäpfchen in den Mastdarm einführen

Carum carvi Kinderzäpfchen Wala (Belladonna D2, Kamille, Kümmel, Nicotiana tabacum D2):

Säuglinge: 1- bis 3-mal tägl. ½ Zäpfchen

unter 7 Jahre: 1- bis 3-mal tägl. 1 Zäpfchen in den Mastdarm einführen

Pascoventral (Kamille, Kümmel, Pfefferminze): ab 12 Jahre und Erwachsene: 3-mal tägl. 2 ml nach oder zwischen den Mahlzeiten

Schweiz

Carmenthin/Gaspan (ätherisches Pfefferminz-/Kümmelöl): 1 Kps. morgens und mittags mind. 30 Min. vor dem Essen

Colpermin (ätherisches Pfefferminzöl): 2 Kps. tägl. mind. 2 Std. vor oder nach dem Essen

Nahrungsergänzungsmittel

Carminativum-Hetterich Balance (Fenchel, Kamille, Kümmel, Pfefferminze, Pomeranzenschalen):

Säuglinge: 3-mal tägl. 3–5 Tr. in das Fläschchen

1–4 Jahre: 3-mal tägl. 5–10 Tr.

4–12 Jahre: 3-mal tägl. 10–15 Tr.

Erwachsene: 3-mal tägl. 25–30 Tr. zu den Mahlzeiten;

Praxistipp

Die Carum-carvi-Zäpfchen von Weleda und Wala sind besonders für den Einsatz bei Säuglingen und Kleinkindern geeignet.

Einreibungen

Einreibungen können bei Babys ab etwa der 5. Woche durchgeführt werden, dann hat sich der Nabel auch innerlich ausreichend stabilisiert.

Baby-Bäuchleinöl (Kardamom, Majoran, Römische Kamille)

Bäuchleinsalbe Babynos (ätherisches Anis- und Kümmelöl)

Melissenöl Wala (Fenchel, Kümmel, Melisse, Oregano): jeweils 2-mal tägl. das Öl sanft im Uhrzeigersinn einreiben

Auflagen

Beachte

Für Säuglinge Kreuzkümmelöl statt Kümmelöl verwenden. Es wirkt weniger hautreizend.

Kümmelöl-Kompresse: :

Säuglinge: 0,5–1%iges Kreuzkümmelöl (5–10 Tr. ätherisches Kreuzkümmelöl, z.B. von Primavera, auf 50 ml Mandelöl)

bis 12 Jahre: 1–3 % (10–30 Tr. ätherisches Kümmelöl auf 50 ml Mandelöl)

Erwachsene: 3–5 % (30–50 Tr. ätherisches Kümmelöl auf 50 ml Mandelöl)

Kümmelöl-Kompresse

Auf ein Innentuch aus Leinen- oder Baumwolle von ca. 15 × 15 cm ca. 60–80 Tr. des Ölgemischs geben; bei kleineren Kindern ca. 30–40 Tr. Das Tuch auf den Bauch legen und mit einem Zwischentuch und einem Wolltuch abdecken. Auf das Außentuch eine wohltemperierte Wärmflasche legen. Dauer: 20–30 Min. bis zu mehreren Stunden (z.B. über Nacht), 1–2-mal tägl. anwenden.

1.3.2.2 Anregung der Verdauungssäfte mit Bitterstoffen

Tees

Verdauungsfördernde Teemischung:

Millefolii herba (Schafgarbenkraut) 30 g

Taraxaci radix (Löwenzahnwurzel) 20 g

Foeniculi fructus cont. (Fenchelfrüchte, angestoßen) 20 g

Menthae pip. folium (Pfefferminzblätter) 15 g

Aurantii pericarpium (Pomeranzenschale) 15 g

M.D.S. 1 TL der Mischung mit 1 Tasse heißem Wasser übergießen, 10 Min. bedeckt ziehen lassen, dann abgießen und 3-mal tägl. 1 Tasse nach den Mahlzeiten trinken.

Präparate

Amara Pascoe (Chinarinde, Gelber Enzian, Pomeranze, Zimtrinde): ab 12 Jahre und Erwachsene: 3-mal tägl. 15–20 Tr. nach dem Essen

Amara Weleda (Löwenzahn, Meisterwurz, Salbei, Schafgarbe, Tausendgüldenkraut, Wacholder, Wegwarte, Wermut):

1–5 Jahre: 3–5 Tr.

6–11 Jahre: 5–8 Tr.

ab 12 Jahre und Erwachsene: 3-mal tägl. 10–15 Tr. jeweils nach dem Essen

Carvomin Verdauungstropfen (Angelikawurzel, Benediktenkraut, Pfefferminze): 1- bis 4-mal tägl. 45–50 Tr. (ca. 2 ml) mit etwas Flüssigkeit vor oder nach den Mahlzeiten

Iberogast classic (Angelika, Bittere Schleifenblume, Kamille, Kümmel, Mariendistel, Melisse, Pfefferminze, Schöllkraut, Süßholz):

3–5 Jahre: 3-mal tägl. 10 Tr.

6–12 Jahre: 3-mal tägl. 15 Tr.

ab 12 Jahre und Erwachsene: 3-mal tägl. 20 Tr. vor oder zu den Mahlzeiten

Wala Bitter Elixier (Enzian, Ingwer, Kalmus, Pfeffer, Wermut):

ab 6 Jahre: 1- bis 3-mal tägl. 5 ml

ab 12 Jahre und Erwachsene: 1- bis 3-mal tägl. 15 ml

Schweiz

Ceres Absinthium Urtinktur (Wermut): 3-mal tägl. 3 Tr. nach dem Essen

Ceres Gentiana lutea Urtinktur (Gelber Enzian): dito

Iberogast classic (Angelika, Bittere Schleifenblume, Kamille, Kümmel, Mariendistel, Melisse, Pfefferminze, Schöllkraut, Süßholz):

6–12 Jahre: 3-mal tägl. 15 Tr.

ab 12 Jahre und Erwachsene: 3-mal tägl. 20 Tr. vor oder zu den Mahlzeiten

Wala Bitter Elixier (Enzian, Ingwer, Kalmus, Pfeffer, Wermut):

ab 6 Jahre: 1- bis 3-mal tägl. 5 ml

ab 12 Jahre und Erwachsene: 1- bis 3-mal tägl. 15 ml

Weleda Amara-Tropfen (Löwenzahn, Meisterwurz, Salbei, Schafgarbe, Tausendgüldenkraut, Wacholder, Wegwarte, Wermut):

ab 6 Jahre: 5–8 Tr.

ab 12 Jahre und Erwachsene: 3-mal tägl. 10–15 Tr. jeweils nach dem Essen

1.3.2.3 Darmsanierung

▶ Therapiekonzept Darmsanierung

1.3.3 Therapiekonzept Roemheld-Syndrom

Alle Therapieschritte werden parallel durchgeführt ( ▶ Tab. 1.8 ).

Tab. 1.8 

Therapieziele.

Beschwerdelinderung mit Karminativa

Anregung der Verdauungssäfte mit Bitterstoffen

Herzstärkung, Eurhythmisierung

evtl. Darmsanierung

▶ Therapiekonzept Blähungen

▶ Therapiekonzept Blähungen

Galgant

Herzgespann

Weißdorn

▶ Therapiekonzept Darmsanierung

Dauer: 8–12 Wochen

Dauer: 8–12 Wochen

Dauer: 8–12 Wochen

Dauer: 4–6 Wochen, evtl. mehrere Monate

Tees

Präparate

Einreibungen

Auflagen

Tees

Präparate

Tees

Präparate

Präparate

Nahrungsergänzungsmittel

1.3.3.1 Beschwerdelinderung mit Karminativa

▶ Therapiekonzept Blähungen

1.3.3.2 Anregung der Verdauungssäfte mit Bitterstoffen

▶ Therapiekonzept Blähungen

1.3.3.3 Herzstärkung, Eurhythmisierung

Tees

Blähungswidrige, herzberuhigende Teemischung:

Leonuri cardiacae herba (Herzgespannkraut) 30 g

Melissae folium (Melissenblätter) 30 g

Foeniculi fructus cont. (Fenchelfrüchte, angestoßen) 30 g

Lavandulae flos (Lavendelblüten) 10 g

M.D.S. 1 TL der Mischung mit 1 Tasse heißem Wasser übergießen, 7 Min. bedeckt ziehen lassen, dann abgießen und 3-mal tägl. 1 Tasse zwischen den Mahlzeiten trinken.

Blähungswidrige, herzstärkende Teemischung:

Crataegi folium cum flore (Weißdornblätter mit -blüten) 30 g

Menthae pip. folium (Pfefferminzblätter) 30 g

Rosmarini folium (Rosmarinblätter) 30 g

Aurantii amari flos (Bitterorangenblüten) 10 g

M.D.S. 1 TL der Mischung mit 1 Tasse heißem Wasser übergießen, 10 Min. bedeckt ziehen lassen, dann abgießen und 3-mal tägl. 1 Tasse zwischen den Mahlzeiten trinken.

Präparate

Balsamischer Melissengeist Weleda (Destillat aus Angelikawurzel, Koriander, Melisse, Muskatnuss, Zimtrinde, Zitronenöl): akut bis zu 5-mal tägl. 10–20 Tr., sonst 3-mal 20 Tr.

Fenchel-Galgant Kautabletten Jura: 3-mal tägl. 1 Tbl.

Gastrovegetalin 225 mg Kapseln/Gastrovegetalin Lösung (Melisse): 3-mal tägl. 1 Kps./3 ml

Oxacant sedativ liquid (Baldrian, Herzgespann, Melisse, Weißdorn): 3-mal tägl. 30 Tr.

akut: Galgant 0,1 oder 0,2 g Tabletten Jura: 1–2 Tbl. zerkauen; Ceres Gentiana lutea (Enzian) Urtinktur DHU: mehrere Tropfen direkt auf die Zunge

1.3.3.4 Darmsanierung

▶ Therapiekonzept Darmsanierung

1.4 Reizdarm

Das Reizdarmsyndrom (RDS), auch Reizkolon oder Colon irritabile genannt, gehört zu den häufigsten gastrointestinalen Krankheitsbildern. Man spricht von einer „funktionellen Störung des Darms ohne krankhaften Befund“. Mikroinflammationen, also mikroskopisch kleine Entzündungen der Darmschleimhaut, gelten inzwischen als gesicherte Auslöser des Reizdarmsyndroms.

Eine sorgfältige Differenzial- bzw. Ausschlussdiagnose ist wichtig:

Verdauungs- oder exokrine Pankreasinsuffizienz

Darmentzündung, Darminfektion

Leaky-Gut-Syndrom, gestörtes Darmmikrobiom

Nahrungsmittelunverträglichkeiten

Symptome Charakteristisch ist eine Symptomen-Trias von krampfartigen diffusen Bauchschmerzen, starken Blähungen und einem Wechsel von Diarrhöe (mit Schleimbeimengung) zu Obstipation, oft verbunden mit Völlegefühl, Aufstoßen, Übelkeit. Nahrungsverzicht, also Fasten, bessert die Symptome fast schlagartig.

Ursachen Vermutlich spielen psychosomatische Hintergründe, permanenter Stress und eine Übererregbarkeit des vegetativen bzw. enterischen Nervensystems eine Rolle; evtl. auch entzündliche Prozesse in der Darmschleimhaut, die eine neuromuskuläre Dysfunktion im Darm hervorrufen. Der Schweregrad der Beschwerden steigt und fällt mit dem Stressniveau. Falsche Ernährungsgewohnheiten (zu viel, zu oft, zu hektisch, zu unregelmäßig) begünstigen das Krankheitsbild.

1.4.1 Arzneidrogen

Die Therapie erfolgt je nach vorherrschender Symptomatik, eine kausale Therapie existiert derzeit nicht:

Sinnvoll sind eine gezielte Nahrungsumstellung, körperliche Bewegung (löst viele Verdauungsprobleme!) sowie Stressreduktion und Entspannungsübungen.

Bei Bauchkrämpfen sind feuchtwarme Auflagen auf den Unterbauch empfehlenswert, bevorzugt ▶ Heublumenauflagen.

Unerlässlich ist eine ▶ Darmsanierung.

Zur S3-Leitlinie (www.dgvs.de/leitlinien/unterer-gi-trakt/reizdarmsyndrom) gehört u. a. die Therapie mit Flohsamen, Pfefferminz- und Kümmelöl. Im Update der S3-Leitlinie Reizdarmsyndrom von 2022 wird der Einsatz von Pfefferminzöl „stark empfohlen“, vor allem zur Behandlung der Symptome „Schmerz“ und „Blähungen“.

Die wichtigsten Arzneidrogen bei Reizdarm sind Kamille, Kümmel, Fenchel und Pfefferminze.

Die wichtigsten Informationen auf einen Blick finden sich in ▶ Tab. 1.9 .

Tab. 1.9 

Phytotherapie bei Darmerkrankungen: Reizdarm.

Heilpflanzen

und deren Wirkung

indischer Flohsamen

Leinsamen

stuhlregulierende Schleimdrogen:

Flohsamen lindert laut klinischer Studien deutlich Schmerzen und Obstipation, gilt mit seinen reizlindernden, flüssigkeitsbindenden und peristaltikanregenden Eigenschaften als besonders prädestiniert bei der Reizdarmproblematik

Baldrian

Hopfen

Passionsblume

Sedativa:

entspannend

Gänsefingerkraut

Kamille

Pfefferminze

Spasmolytika:

krampflösend

Anis

Fenchel

Galgant

Kümmel

Karminativa:

blähungswidrig

Artischocke

Galgant

Gelbwurz

Amara:

verdauungs- und gallefördernd

Johanniskraut

Antidepressivum: stimmungsaufhellend

beeinflusst den bei Reizdarm häufig gestörten Serotoninspiegel positiv und reguliert zusätzlich eine gestörte Reizempfindlichkeit der Darmmuskulatur

ätherisches Pfefferminzöl

Spasmolytikum: krampflösend, schmerzlindernd

bei schmerzhaften Spasmen/spastischer Obstipation (Weichgelatinekapsel, damit die Magenschleimhaut nicht gereizt und die Wirkung erst im betroffenen Darmabschnitt entfaltet wird: Carmenthin (ätherisches Pfefferminz-/Kümmelöl):

zugleich zur Reduzierung von Diarrhöe mit gesteigerter Peristaltik

10%iges ätherisches Kümmelöl

Karminativum:

Blähungswidrig, krampflösend

Indische Gelbwurz

Cholagogum:

verdauungsfördernd, entzündungshemmend, reizlindernd, entblähend, krampflösend

erfasst mit ihren breit gefächerten Eigenschaften die vielschichtige Reizdarmproblematik auf unterschiedlichen pathogenetischen Ebenen

1.4.2 Therapiekonzept Reizdarm

Alle Therapieschritte werden parallel durchgeführt ( ▶ Tab. 1.10 ).

Tab. 1.10 

Therapieziele.

Regulation der Verdauung

Stuhlregulation

Stabilisierung des vegetativen Nervensystems

evtl. Spasmolytika

evtl. Darmsanierung

Aromatika

Bitterstoffdrogen

Flohsamen

Myrrhe/Kamille/Kaffeekohle

Sedativa

Anxiolytika

Antidepressiva (Johanniskraut, Baldrian, Passionsblume, ätherisches Lavendelöl, Bitterstoffdrogen)

Fenchel

Gänsefingerkraut

Kamille

Kümmel

Melisse

Schafgarbe

▶ Therapiekonzept Darmsanierung

Dauer: mehrere Wochen bis Monate

Dauer: mehrere Wochen bis Monate, evtl. als Dauertherapie

Dauer: mehrere Monate

Dauer: 4–6 Wochen, symptomatisch nach Bedarf

Dauer: 4–6 Wochen, evtl. mehrere Monate

Tees

Präparate

Präparate

Tees

Präparate

Tees

Präparate

Auflagen

Präparate

Nahrungsergänzungsmittel

1.4.2.1 Regulation der Verdauung

Tees

Verdauungsfördernde Teemischung:

Cnici benedicti herba (Benediktenkraut) 30 g

Juniperi fructus cont. (Wacholderbeeren, angestoßen) 20 g

Menthae pip. folium (Pfefferminzblätter) 20 g

Melissae folium (Melissenblätter) 20 g

Matricariae flos (Kamillenblüten) 10 g

M.D.S. 1 EL der Mischung mit 1 Tasse heißem Wasser übergießen, 10 Min. bedeckt ziehen lassen, dann abgießen und 3-mal tägl. 1 Tasse nach den Mahlzeiten trinken.

Präparate

Amara-Pascoe (Chinarinde, Enzianwurzel, Pomeranzenschale, Zimtrinde): 15–20 Tr. ½ Std. vor den Mahlzeiten

Amara Weleda (Löwenzahn, Meisterwurz, Salbei, Schafgarbe, Tausendgüldenkraut, Wacholder, Wegwarte, Wermut):

1–5 Jahre: 3–5 Tr.

6–11 Jahre: 5–8 Tr.

ab 12 Jahre und Erwachsene: 3-mal tägl. 10–15 Tr. jeweils nach dem Essen

Bitter Elixier Wala (Enzian, Ingwer, Kalmus, Pfeffer, Wermut): 1- bis 3-mal tägl. 1 EL Sirup mit Wasser vor den Mahlzeiten

Carvomin Verdauungstropfen (Angelikawurzel, Benediktenkraut, Pfefferminze): 1- bis 4-mal tägl. 45–50 Tr. (ca. 2 ml) mit etwas Flüssigkeit vor oder nach den Mahlzeiten

Iberogast classic (Iberis amara, Angelikawurzel, Kamille, Kümmel, Mariendistel, Pfefferminze, Schöllkraut, Süßholz): 3-mal tägl. 20 Tr. vor oder zu den Mahlzeiten

Schweiz

Ceres Absinthium Urtinktur (Wermut): 3-mal tägl. 3 Tr. nach dem Essen

Ceres Gentiana lutea Urtinktur (Gelber Enzian): dito

Iberogast classic (Angelika, Bittere Schleifenblume, Kamille, Kümmel, Mariendistel, Melisse, Pfefferminze, Schöllkraut, Süßholz):

6–12 Jahre: 3-mal tägl. 15 Tr.

ab 12 Jahre und Erwachsene: 3-mal tägl. 20 Tr. vor oder zu den Mahlzeiten