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Ganzheitliches Training für hohe Stabilität
Die Autoren zeigen in Ihrem Buch, wie Sie die Therapie Ihrer Patienten durch funktionelles Training effektiv unterstützen können.
Beim funktionellen Training werden nicht nur einzelne Muskelgruppen gekräftigt, sondern ganze Muskelketten trainiert. Ziel ist es, eine höhere Stabilität, Mobilität und Elastizität innerhalb des Bewegungsablaufes zu erlangen.
Dieses Buch liefert Ihnen zahlreiche Ideen zu Übungen mit Slackline und Sling-Trainer, im Bewegungsbad, an der Sprossenwand sowie ohne Geräte. Auf den Punkt gebrachte Erklärungen und anschauliche Abbildungen helfen Ihnen dabei, das theoretische Wissen in die Praxis zu übertragen.
Freuen Sie sich auf einen Ideenpool mit praktischen Handlungsanweisungen für Ihren Arbeitsalltag.
Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:
Seitenzahl: 321
Veröffentlichungsjahr: 2019
Dirk Ehrhardt, Katrin Dirschauer, Thomas Clemens
798 Abbildungen
Nach dem großen Erfolg des ersten Bandes „Praxishandbuch funktionelles Training“ fragten uns immer mehr Kursteilnehmer nach weiteren Praxisübungen in Buchform. So entstand die Idee eines zweiten Bandes, welcher weitere Inhalte der Functio-Kurse enthält. Da es aber inzwischen unzählige Bücher über funktionelles Training auf dem Markt gibt, sahen wir unseren Schwerpunkt auf dem präventiven und therapeutischen Sektor mit einer Schnittmenge zur Fitness.
Einige Übungen erscheinen auf den ersten Blick schwierig, aber auch hier gilt: „Der Weg ist das Ziel.“ Ist die Übung zu schwer, ist der Patient zu schwach!
Funktionelles Training bedeutet ja vereinfacht, einen Alltagsreiz zu reproduzieren und diesen zu trainieren. Und da der Alltag oftmals höhere Reize bietet, als wir in der Therapie reproduzieren, haben auch die schwierigen Übungen in diesem Buch durchaus ihre Berechtigung.
Auch dieses Buch sollte als Ideengeber für Übungen aus dem funktionellen Training gesehen werden. Welche Übung bei welcher Indikation durchgeführt wird, das obliegt dem Anwender. Einige Indikationsbeispiele zu ausgewählten Pathologien sind im Buch aufgeführt.
Bedanken möchten wir uns besonders bei Almut Sellschopp vom Thieme Verlag, für ihre Geduld mit uns und die freundlichen und motivierenden Hinweise doch endlich mal „zu Potte“ zu kommen. Ebenso Dank an Catharina Brandes für die Redaktion und Joachim Schwarz für die Planung des Buches. Unser Respekt gilt aber unserem Fotomodell Sid-Nemo Kobs, der an 2 Tagen trotz erheblichen Muskelkaters alle Übungen in Szene setzen konnte. Dank auch an das RehaZentrum Bremen, welches uns die Räumlichkeiten zur Verfügung gestellt hat.
Dirk Ehrhardt ist seit 1994 Physiotherapeut und hat sich neben vielen weiteren Fortbildungen auf Sportphysiotherapie spezialisiert (VPT und DOSB). Er betreut seit 1995 verschiedene Sportler und Mannschaften und hat sich in medizinischer Trainingstherapie (MTT), medizinischem Aufbautraining (MAT) und gerätegestützter Krankengymnastik (KGG) weitergebildet. Seit 2010 ist er fachlicher Leiter am „Functio-Institut für funktionelle Therapie und Sportmedizin“, www.functio.eu
Katrin Dirschauer absolvierte eine Ausbildung zur Physiotherapeutin und erlangte an der Carl von Ossietzky Universität den BA Sportwissenschaften/Biologie. Sie arbeitet in Bremen als Physiotherapeutin und Sportlehrerin. Zudem ist sie seit 2011 bei Functio in den Bereichen MAT/MTT und KGG, Slingtraining, Sportphysiotherapie und Sturzprophylaxe als Dozentin tätig.
Thomas Clemens absolvierte ein duales Studium zum Physiotherapeuten am UKE in Hamburg. Er arbeitet in Hamburg als Physiotherapeut und Berufsfachschullehrer. Seit 2014 gehört er zum Lehrteam von Functio in den Bereichen KGG, MTT und Sportphysio.
Die Autoren, von links: Katrin Dirschauer, Thomas Clemens, Dirk Ehrhardt
Titelei
Vorwort
Autorenvorstellung
1 Einleitung
2 Warm-up-Routine
2.1 Warm-up-Übungen
2.1.1 Übungsabfolge zur Mobilisation und Aktivierung
2.1.2 Übungen für die Schnellkraft
3 Sling-Übungen
3.1 Einleitung
3.2 Untere Extremität
3.2.1 Oberschenkelmuskulatur und Gesäß
3.2.2 Hüftabduktoren
3.2.3 Hüftadduktoren
3.2.4 M. triceps surae
3.3 Rumpf
3.3.1 Bauchmuskeln
3.3.2 Rückenmuskulatur
3.4 Obere Extremität
3.4.1 Schultergürtelmuskulatur
3.4.2 Oberarmmuskulatur
3.5 Mobilisierende Übungen mit dem Sling
3.5.1 Untere Extremität
3.5.2 Schulter
4 Slackline und hofa line
4.1 Slackline
4.1.1 Übungen im Stand
4.1.2 Übungen im Liegen
4.2 hofa line
4.2.1 Übungen im Stand
4.2.2 Übungen im Sitzen
4.2.3 Übungen im Vierfüßlerstand
5 Funktionelles Bodyweight-Training
5.1 Einleitung
5.2 Beine
5.2.1 Kniebeugen
5.2.2 Ausfallschritte
5.2.3 Sprünge (Jumps)
5.2.4 Weitere Übungen
5.3 Arme
5.3.1 Arme – Push
5.4 Rumpf
5.4.1 Rumpf – Fokus ventral
5.4.2 Sit-ups (Fokus Punctum mobile craniale)
5.4.3 Leg-Lifts (Fokus Punctum mobile caudale)
5.4.4 Rumpf – Fokus dorsal
5.5 Partnerübungen
5.5.1 Squat
5.5.2 Liegestütz
5.5.3 Boxen
5.6 Kardio-Übungen
5.6.1 Stand
5.6.2 Liegestütz
5.6.3 Laufen
6 Bewegungsbad
6.1 Einleitung
6.2 Obere Extremität
6.2.1 Rumpf
6.2.2 Schultergürtel
6.2.3 Wirbelsäule
6.3 Untere Extremität
6.3.1 Lendenwirbelsäule
6.3.2 Hüfte
6.3.3 Oberschenkel
6.3.4 Knie
6.3.5 Unterschenkel
6.3.6 Sprunggelenk
7 Muskeldehnung und fasziales Mobilisieren
7.1 Einleitung
7.2 Wirkung auf Muskelgewebe
7.2.1 Detonisierende Effekte
7.3 Wirkung auf kollagenes Bindegewebe
7.4 Beinmuskulatur
7.4.1 Ischiokruralmuskulatur
7.4.2 M. gastrocnemius
7.4.3 M. soleus
7.4.4 M. rectus femoris
7.4.5 M. adductor brevis und pectineus
7.4.6 M. adductor longus und M. adductor magnus
7.4.7 M. gracilis
7.4.8 M. iliopsoas
7.4.9 M. piriformis
7.5 Arm- und Handmuskulatur
7.5.1 M. pectoralis major
7.5.2 M. trapezius pars descendens
7.5.3 Handflexoren
7.5.4 Aktive Dehnung
7.5.5 Handdorsalextensoren
7.5.6 M. biceps brachii caput longum
8 Sprossenwand
8.1 Übungen an der Sprossenwand
8.1.1 Übungen für die Beine
8.1.2 Übungen für die Arme
8.1.3 Übungen für den Rumpf
9 Anhang: Übungsvorschläge für ausgewählte Indikationen
9.1 Obere Extremität
9.2 Wirbelsäule und ISG
9.3 Untere Extremität
Anschriften
Sachverzeichnis
Impressum
Dieses Buch wurde von Therapeuten für Therapeuten geschrieben. Wie das Praxishandbuch funktionelles Training soll es Ihnen als Ideengeber für Übungen und Heimprogramme dienen und die vielfältigen Nutzungsmöglichkeiten der vorgestellten Übungs- und Trainingsgeräte zeigen.
Bevor es losgehen kann, stellen wir Ihnen in Kapitel 2 eine mögliche Übungsabfolge als Warm-up-Routine vor.
Sling. Therapeutisch ist der Sling ein wunderbares Mittel, um Krafttraining zu gestalten. Darüber hinaus ermöglicht der Sling Mobilisationen und die Vermittlung von Körpergefühl.
Die Slackline hat sich ursprünglich aus dem Klettersport und dem Seiltanz entwickelt und findet im Bereich der Therapie immer mehr Anwendung. Slack bedeutet „schlaffe Leine“. Durch sie entsteht eine hohe Dynamik, sie zwingt Patienten oder Sportler, reaktiv den gesamten Körper zu stabilisieren. Die hofa line ist endlos um zwei Rollen gelagert. Die destabilisierenden Reize sind damit wesentlich umfangreicher und der Trainingseffekt ist deutlich erhöht. Der Schwierigkeitsgrad kann unter anderem durch eine unterschiedliche Spannung des Gurtes variiert werden.
Das Bodyweight-Training ist für viele Patienten in vielerlei Hinsicht funktioneller als das isolierte Training. Die Athletik eines Trainierenden ist um ein Vielfaches wichtiger als die pure Kraft oder Masse eines Muskels. Und zur Athletik gehören nicht nur die Kraftentwicklung, sondern auch die Beweglichkeit sowie die neuronale Ansteuerung im Sinne der intermuskulären Koordination. Da Belastungsfähigkeit, Kontrolle und Stabilität immer nur für diejenigen Bewegungen trainiert werden, die in der jeweiligen Übung angeboten werden, sollten die Übungen so dicht am Alltag sein wie möglich und dabei bestenfalls aus verschiedenen Varianten bestehen, um den Körper auch koordinativ bestmöglich zu fordern.
Das Bewegungsbad stellt für die meisten Patienten ein angenehmes Medium dar. Das sollte für den Therapieerfolg nicht unterschätzt werden. Im Wasser lassen sich der Wasserwiderstand, die Auftriebskraft und die Sogkraft ideal therapeutisch nutzen.
Muskeldehnung und fasziales Mobilisieren. Man darf nie vergessen, dass diese beiden Strukturen, Muskeln und Faszien, eng miteinander verbunden sind und somit auch eng zusammenarbeiten. Es ist absolut sinnvoll, dass die Faszien „wiederentdeckt“ wurden und in der Therapiewelt einen hohen Stellenwert erhalten haben. Da man bei einer Dehnung, egal ob passiv oder aktiv, keine der beiden Strukturen ausschließen kann, gilt es, die Wirkung der Dehnung auf beide Strukturen zu betrachten.
Die Sprossenwand gehört in vielen Trainingsräumen zur Standardausrüstung. Nutzen Sie sie. Sie hat ihren „Oldie-but-Goldie-Status“ dank vielfältiger funktioneller Trainingsmöglichkeiten absolut zu Recht.
Thomas Clemens
Folgend eine mögliche Übungsabfolge als Warm-up-Routine. Die Übungen sind nicht als statisch zu haltende Dehnungen zu verstehen, sondern eher dynamisch einmal ans Bewegungsende und nach evtl. kurzem leichtem Federn wieder raus. Es geht unter anderem um Wasserbindung, Spannungsaufbau und Gelenkschmiere.
ZieleAktivierung der stabilisierenden Muskulatur im Standbein, Aktivierung Rücken- und Gesäßmuskulatur.
Durchführung Linkes Bein steht leicht im Knie gebeugt. Die linke Hüfte ist möglichst 90° gebeugt. Zwischen der rechten Hacke und dem Nacken entsteht eine möglichst horizontale, aber vor allem gerade Linie. Die Hände können entweder nach vorne gestreckt werden oder zur Seite als Balance-Helfer genutzt werden ( ▶ Abb. 2.1).
Abb. 2.1Standwaage links.
ZieleAktivierung der ischiokruralen Muskulatur rechts. Dehnung der faszialen Strukturen der Oberschenkelrückseite rechts.
Durchführung Rechte Hacke vorne aufsetzen, Fußspitze hochziehen, über das Becken ein Hohlkreuz einleiten. Nun den Oberkörper en bloc nach vorne schieben. Die Arme können als Richtungslinie vorgehalten werden ( ▶ Abb. 2.2).
Abb. 2.2 Stretch Hamstrings rechts (rechtes Bein vor).
ZieleAktivierung des M. iliopsoas und dessen faszialer Strukturen.
Durchführung Prinzenstand mit rechtem Bein vorne, das Becken nach dorsal gekippt. Nun das Becken nach vorne schieben und den Oberkörper nach rechts neigen ( ▶ Abb. 2.3).
Abb. 2.3 Psoasdehnung links (rechtes Bein vor).
ZieleMobilisation der Wirbelsäule
Durchführung Das linke Bein etwas nach hinten. Mit dem rechten Ellenbogen auf die Innenseite des rechten Knöchels, dann mit der rechten Hand zur Decke. Einige Male hin und her ( ▶ Abb. 2.4).
Abb. 2.4Rotation Wirbelsäule (rechtes Bein vor).
Abb. 2.4a Rechten Ellenbogen auf die Innenseite des Knöchels.
Abb. 2.4b Rechte Hand zur Decke strecken.
ZieleAktivierung der Adduktoren des rechten Beines und deren faszialer Strukturen.
Durchführung Linkes Knie wieder abstellen, das rechte Bein gestreckt zur Seite, den Oberkörper aufrichten und mit dem linken Arm über den Kopf, so weit es geht, nach rechts greifen ( ▶ Abb. 2.5).
Abb. 2.5Stretch Add rechts (rechtes Bein zur Seite).
ZieleMobilisation der Wirbelsäule
Durchführung Auf den Bauch legen, die Arme zu beiden Seiten abgespreizt. Nun das linke Bein wie den Stachel eines Skorpions, so weit es geht, zur rechten Hand bringen, danach zurück und dann den rechten Fuß zur linken Hand ( ▶ Abb. 2.6).
Abb. 2.6 Skorpion.
ZieleMobilisation der Wirbelsäule.
Durchführung Aus der Bauchlage die Hände unter den Schultern aufstellen, von da aus die Arme strecken, das Becken bleibt dabei liegen ( ▶ Abb. 2.7).
Abb. 2.7 Cobra.
ZieleAktivierung der Stützmuskulatur der Arme und des ventralen Rumpfes.
Durchführung Aus der Kobra das Gesäß, so weit es geht, zur Decke bringen ( ▶ Abb. 2.8).
Abb. 2.8 Herabschauender Hund.
ZieleAktivierung der Stützmuskulatur der Arme, Mobilisation der Schultergelenke und Dehnung der ventralen Rumpfstrukturen.
Durchführung Rechtes Bein und rechte Hand vom Boden lösen und in die Brückenposition umdrehen. Dann erst die eine und dann die andere Hand, so weit es geht, über die gegenüberliegende Schulter hinausstrecken ( ▶ Abb. 2.9).
Abb. 2.9 Vierfüßler beidseits.
ZieleAktivierung der Gesäßmuskulatur und deren faszialer Strukturen.
Durchführung Aus der Brücke hinsetzen, dabei das rechte Bein nach vorne und das linke Bein nach links ablegen, die Knie sind 90° gebeugt. Nun den linken Ellenbogen in Verlängerung des rechten Unterschenkels an das rechte Knie legen und von da aus so weit vom Knie entfernen wie möglich. Danach das Gleiche auf der anderen Seite ( ▶ Abb. 2.10).
Abb. 2.10 Aus der Brücke hinsetzen.
Abb. 2.10a Den rechten Ellenbogen an das linke Knie legen und so weit wie möglich vom Knie entfernen.
Abb. 2.10b Den linken Ellenbogen an das rechte Knie legen und so weit wie möglich vom Knie entfernen.
ZieleAktivierung der Adduktoren des linken Beines und deren faszialer Strukturen.
Durchführung Aus dem Sitz in den Prinzenstand hochkommen, dann das linke Bein gestreckt zur Seite, den Oberkörper aufrichten und mit dem rechten Arm über den Kopf, so weit es geht, nach links greifen ( ▶ Abb. 2.11).
Abb. 2.11Stretch Add links (linkes Bein zur Seite).
ZieleAktivierung des M. iliopsoas und dessen faszialer Strukturen.
Durchführung Zurück in den Prinzenstand mit linkem Bein vorne, das Becken nach dorsal kippen. Nun das Becken nach vorne schieben und den Oberkörper nach links neigen ( ▶ Abb. 2.12).
Abb. 2.12Psoasdehnung rechts (linkes Bein vor).
ZieleMobilisation der Wirbelsäule
Durchführung Das rechte Bein etwas nach hinten. Mit dem linken Ellenbogen auf die Innenseite des linken Knöchels, dann mit der linken Hand zur Decke. Einige Male hin und her ( ▶ Abb. 2.13).
Abb. 2.13Rotation Wirbelsäule (linkes Bein vor).
Abb. 2.13a Linken Ellenbogen auf die Innenseite des Knöchels.
Abb. 2.13b Linke Hand zur Decke strecken.
ZieleAktivierung der ischiokruralen Muskulatur links. Dehnung der faszialen Strukturen der Oberschenkelrückseite links.
Durchführung Aus dem Prinzenstand in den Stand kommen und die linke Hacke vorne aufsetzen. Fußspitze hochziehen, über das Becken ein Hohlkreuz einleiten. Nun den Oberkörper en bloc nach vorne schieben. Die Arme können als Richtungslinie vorgehalten werden ( ▶ Abb. 2.14).
Abb. 2.14Stretch Hamstrings links (linkes Bein vor).
ZieleAktivierung der stabilisierenden Muskulatur im Standbein, Aktivierung Rücken- und Gesäßmuskulatur.
Durchführung Das linke Bein nach hinten abgeben. Dabei steht das rechte Bein leicht im Knie gebeugt. Die rechte Hüfte ist möglichst 90° gebeugt. Zwischen der linken Hacke und dem Nacken entsteht eine möglichst horizontale, aber vor allem gerade Linie. Die Hände können entweder nach vorne gestreckt werden oder zur Seite als Balance-Helfer genutzt werden ( ▶ Abb. 2.15).
Abb. 2.15 Standwaage rechts.
Folgend können noch beliebige andere Übungen aus der Schnellkraftkategorie angehängt werden. Diese sollten nun mit hohem Tempo durchgeführt werden. Die ausführliche Beschreibung der Durchführung der einzelnen Übungen ist im Bodyweight-Kapitel nachzulesen.
DurchführungAus der Standwaage in den Parallelstand, von da aus die Hände so nah wie möglich vor den Füßen abstellen und nach vorne krabbeln, bis die Hände unter den Schultern angekommen sind ( ▶ Abb. 2.16).
Abb. 2.16Halber Bärengang (hier nur als Transfer, nicht so schnell wie möglich).
DurchführungErst die rechte Hand zur linken Schulter, dann die linke Hand zur rechten Schulter ( ▶ Abb. 2.17).
Abb. 2.17 Shouldertouch.
DurchführungNun das rechte Knie zur linken Schulter, dann das linke Knie zur rechten Schulter ( ▶ Abb. 2.18).
Abb. 2.18 Mountain Climbers.
DurchführungEinmal mit der Brust bis kurz vor den Boden und wieder nach oben, der Körper bleibt dabei in einer geraden Linie ( ▶ Abb. 2.19).
Abb. 2.19 Liegestütz.
DurchführungDie Beine im Sprung außen neben die Hände, aufrichten, Strecksprung ( ▶ Abb. 2.20).
Abb. 2.20 Halber Burpee.
DurchführungNach der Landung vom Strecksprung einen kurzen (ca. 10m Distanz) Sprint ansetzen ( ▶ Abb. 2.21). Falls kein Platz zur Verfügung steht, können auch einige Skippings auf der Stelle durchgeführt werden. Hauptsache, der Puls kommt noch mal richtig in Schwung.
Abb. 2.21 Sprint.
Katrin Dirschauer
Das Sling-Training bietet vielseitige Übungen, welche Patientengruppen mit klassischen TEPs bis hin zum gut trainierten Sportler ansprechen. Therapeutisch ist der Sling ein wunderbares Mittel, um Krafttraining zu gestalten. Darüber hinaus ermöglicht der Sling eine Mobilisation und die Vermittlung von Körpergefühl.
Durch die richtige Übungsauswahl werden Patienten während ihrer Genesung oder auch in der Prävention in allen Stufen gefordert. Zudem bietet der Sling einen mehrdimensionalen Trainingsreiz, der dem Alltag und Sport entspricht, und ist somit ein Trainingsgerät, welches in der Therapie bestmöglich zum Einsatz kommt.
In diesem Kapitel wird vom Fixpunkt, dem Befestigungspunkt des Slings an der Decke, gesprochen. Dabei wird immer aus Sichtweise des Patienten zum Sling gesprochen ( ▶ Abb. 3.1, ▶ Abb. 3.2).
Abb. 3.1 Der Patient befindet sich hinter dem Fixpunkt.
Abb. 3.2 Der Patient befindet sich vor dem Fixpunkt.
Um die optimale Schlaufenhöhe einzustellen, wird der Körper des Patienten als Bezugspunkt genommen. Die Bezeichnung bezieht sich auf den Patienten im aufrechten Stand. Wenn der Patient die Übung beispielsweise auf einem Jumper ausführt, erhöht sich die Schlaufenhöhe dementsprechend um einige Zentimeter. Wird von der Schlaufe auf Kniehöhe gesprochen, dann ist die Kniehöhe im aufrechten Stand gemeint, auch wenn die Übung liegend durchgeführt wird. Die Einstellungen des Slings und die Position des Patienten zum Sling sind Richtwerte, häufig bietet sich die Möglichkeit, eine längere Einstellung des Slings mit einer veränderten Ausgangsstellung des Patienten zu kompensieren.
Hier wird ein Sling mit Umlenkrolle verwendet. Die sich daraus ergebenden Bewegungen des Slings stellen einen zusätzlichen Stabilisationsreiz dar und können die Übungen erschweren. Eine bewegliche Umlenkkontrolle wird alsoffenes System bezeichnet. Das geschlossene System bezeichnet eine blockierte Umlenkrolle, um zusätzliche Bewegungen des Slings zu vermeiden. Übungen, die in beiden Systemen möglich sind, werden durch das offene System anspruchsvoller im Hinblick auf das Gleichgewicht. Häufig bietet es sich an, Übungen zunächst im geschlossenen System zu erlernen und dann in das offene System zu wechseln.
Da die Schlaufen des Slings immer Kontakt zu einem Körperteil haben, lohnt es sich, verschiedene Schlaufen oder Griffe parat zu haben, um eine für den Patienten angenehme Handhabung zu gewährleisten. Die Intensität einiger Übungen wird besser planbar, wenn Orientierungspunkte auf dem Boden vorhanden sind. Dies kann in Form einer beschrifteten Matte, einer Skala oder eines Tapes geschehen.
ZieleKräftigung des M. quadriceps femoris, der ischiokruralen Muskulatur, des M. glutaeus maximus. Beinachsentraining, Rumpfaufrichtung, Haltungsschulung.
Sling-Position Der Patient steht zwei Schritte hinter dem Fixpunkt, die Schlaufen befinden sich auf Hüfthöhe. Der Sling kann sich im offenen oder geschlossenen System befinden.
Ausführung Die Schlaufen werden mit den Händen gegriffen, die Arme bleiben lang mit nur leichter Flexion in den Ellenbogen. Die Füße stehen hüftbreit auseinander, die Wirbelsäule ist aufgerichtet, Knie und Hüften werden aktiv durch die Muskulatur gesichert ( ▶ Abb. 3.3). Der Sling bleibt während der Übung unter Spannung.
In der Endstellung befindet sich der Patient in der Kniebeuge, hierbei bleiben die Knie senkrecht über dem Fuß und schieben sich nicht über die Fußspitzen. Die Hüftgelenke sind flektiert. Insbesondere die Wirbelsäule befindet sich nach wie vor in aufrechter Position ( ▶ Abb. 3.4).
Abb. 3.3 Ausgangsstellung für den M. quadriceps femoris.
Abb. 3.4 Endstellung für den M. quadriceps femoris.
Zu beachten Beide Beine werden gleichmäßig belastet und während der Übung achsengerecht stabilisiert. Auf die interskapuläre Spannung ist zu achten, der Schultergürtel darf sich nicht in Protraktion bewegen. Die Endstellung wird durch Bewegung im Hüftgelenk und nicht durch Flexion in der LWS erlangt. Die Intensität an M. trapezius transversus und M. erector spinae steigt, wenn sich der Patient näher an den Fixpunkt stellt und sich dadurch vermehrt in Rücklage befindet.
Variation: Squat mit RücklageEs wird eine stärkere Rücklage eingenommen, indem der Patient näher am Fixpunkt steht. Durch diese Position kann der Squat mit weniger Hüftflexion ausgeführt werden, die Muskulatur der Arme und des Schultergürtels wird höher belastet ( ▶ Abb. 3.5, ▶ Abb. 3.6).
Abb. 3.5 Ausgangsstellung für den Squat mit Rücklage.
Abb. 3.6 Squat mit Rücklage.
ZieleKräftigung des M. quadriceps femoris, der ischiokruralen Muskulatur, des M. glutaeus maximus. Beinachsentraining, Rumpfaufrichtung sowie Stabilisationstraining der Sprunggelenke, Knie und Hüften.
Sling-Position Der Patient steht zwei Schritte hinter dem Fixpunkt, die Schlaufen befinden sich auf Hüfthöhe. Der Sling kann sich im offenen oder geschlossenen System befinden.
Ausführung Der Unterschied zur Übung Squat ist lediglich die Unterlage. Die Füße stehen mittig auf dem Ballkissen ( ▶ Abb. 3.7, ▶ Abb. 3.8). Ballkissen und Körper werden bei der Übung möglichst ruhig gehalten. Der Anspruch an die schnelle Muskulatur ist durch das Ballkissen erhöht.
Zu beachten Der Patient muss deutlich hinter dem Fixpunkt stehen, um genügend vertikalen Druck auf das Ballkissen auszuüben. Ist die Ausgangsstellung zu schräg gewählt, besteht die Gefahr, dass das Ballkissen wegrutscht.
Abb. 3.7 Ausgangsstellung für den M. quadriceps femoris mit Ballkissen.
Abb. 3.8 Endstellung für den M. quadriceps femoris mit Ballkissen.
ZieleKräftigung des M. quadriceps femoris, der ischiokruralen Muskulatur, des M. glutaeus maximus. Beinachsentraining, Rumpfaufrichtung, Stabilisationstraining der Sprunggelenke, Knie und Hüften.
Sling-Position Die Schlaufen befinden sich auf Hüfthöhe, der Patient steht einen bis zwei Schritte hinter dem Fixpunkt. Der Sling kann im offenen oder geschlossenen System verwendet werden.
Ausführung Die Ausführung gleicht der Übung ohne Jumper. Die Füße stehen mittig und parallel auf dem Jumper. Der Anspruch an die schnelle Muskulatur ist erhöht, da durch den Jumper kleine Ausgleichsbewegungen provoziert werden. Der Therapeut kann, je nach Bedarf und Können des Patienten, den Bewegungsradius während der Übung wählen ( ▶ Abb. 3.9, ▶ Abb. 3.10).
Abb. 3.9 Ausgangsstellung mit Jumper.
Abb. 3.10 Endstellung mit Jumper.
Zu beachten Durch den Jumper können gute Variationen durch Positionsveränderungen der Füße geschaffen werden. Bei seitlichem Auftreten auf den Jumper werden verstärkt die Pronatoren des Fußes angesprochen. Sprünge auf dem Jumper erhöhen die Anforderung an die Stabilisation. Durch die Rutschfestigkeit des Jumpers sind zudem Positionen des Patienten vor dem Fixpunkt des Slings möglich, dies führt zu einer verstärkten Beanspruchung von Rumpf und Armen ( ▶ Abb. 3.11).
Abb. 3.11 Ausgangsstellung nahe des Fixpunktes.
ZieleKräftigung des M. quadriceps femoris, der ischiokruralen Muskulatur, des M. glutaeus maximus, M. multifidus, der Mm. rotatores breves et longi, des M. interspinalis, M. semispinalis. Stabilisationstraining des Rumpfes, der Sprunggelenke, Knie und Hüften. Rumpfaufrichtung.
Sling-Position Der Patient steht zwei Schritte hinter dem Fixpunkt, die Schlaufen befinden sich auf Hüfthöhe, um eine zu schräge Ausgangsstellung zu vermeiden. Der Sling kann im offenen oder geschlossenen System verwendet werden.
Ausführung Beide Slings werden mit den Händen gegriffen, der Patient steht mittig und ohne seitlichen Bodenkontakt des Pedalo Surfs auf dem Brett. Knie und Hüften werden aktiv durch die Muskulatur gesichert, der Rumpf ist aufgerichtet und wird stabilisiert ( ▶ Abb. 3.12). Pedalo und Körper werden bei der Übung möglichst ruhig gehalten. Der Anspruch an die schnelle Muskulatur zur Stabilisierung der Sagittal- und Longitudinalachse ist erhöht. Die Slings bleiben während der Übung gespannt.
Abb. 3.12 Stabilisationstraining mit Pedalo.
In der Endstellung ( ▶ Abb. 3.13) befindet sich der Patient in der Kniebeuge, die Knie bleiben hinter den Fußspitzen. Die Ellenbogen sind leicht gebeugt, die Handinnenflächen zeigen zueinander, und der Rücken befindet sich in aufgerichteter Position. Die Übung kann mit einer kleinen Bewegungsamplitude begonnen werden.
Abb. 3.13 Endstellung mit Pedalo.
Zu beachten Der Patient muss hinter dem Fixpunkt stehen, um genügend axiale Last auf das Pedalo zu bekommen. Ist die Ausgangsstellung zu schräg gewählt, besteht die Gefahr, dass das Pedalo wegrutscht. Es ist sinnvoll, als Vorübung mit dem Pedalo Surf eine gewisse Standsicherheit zu erarbeiten. Reaktiv anspruchsvoll, da es nur eine kleine Kontaktfläche zum Boden gibt.
Steigerung Während der Übung rollt der Patient kontrolliert mit dem Pedalo von links nach rechts.
ZieleKräftigung des M. quadriceps femoris, der ischiokruralen Muskulatur, des M. glutaeus maximus, M. multifidus, der Mm. rotatores breves et longi, des M. interspinalis, M. semispinalis. Dynamisches Stabilisationstraining des Rumpfes in Rotation und Lateralflexion. Rumpfaufrichtung, Koordinationstraining.
Sling-Position Die Griffe befinden sich auf Hüfthöhe, der Patient steht einen Schritt hinter dem Fixpunkt. Der Sling kann im offenen oder geschlossenen System verwendet werden.
Ausführung In der Ausgangsstellung wird der Sling mit einer Hand gegriffen, in der zweiten Hand befindet sich eine Hantel. Aus dem Squat wird die Hantel vom Boden gegriffen, indem eine Rotationsbewegung der Wirbelsäule den Bewegungsradius vergrößert und der Patient nach hinten unten greift ( ▶ Abb. 3.14). Die Hantel wird diagonal über eine Ellenbogenflexion nach oben bewegt, dabei entsteht eine Lateralflexion der Wirbelsäule. Gleichzeitig richtet sich der Patient aus dem Squat auf ( ▶ Abb. 3.15).
Abb. 3.14 Ausgangsstellung im Squat.
Abb. 3.15 Endstellung mit Hantel.
Zu beachten Je schwerer das Gewicht, desto mehr Intensität ergibt sich für den Rumpf. Es bietet sich an, diese Übung mit leichtem Gewicht zu beginnen.
Variation Wird diese Übung mit einem kleineren Bewegungsradius ausgeführt, sodass keine Rotation und Lateralflexion in der Wirbelsäule entstehen, ist sie ebenfalls für frische Bandscheibenoperationen in der LWS geeignet. Die Hantel liegt näher am Patienten und wird über eine Abduktion im Schultergelenk nach oben geführt ( ▶ Abb. 3.16, ▶ Abb. 3.17).
Abb. 3.16 Ausgangsstellung im Squat ohne Rotation in der Wirbelsäule.
Abb. 3.17 Endstellung in Aufrichtung ohne Lateralflexion.
ZieleKräftigung des M. quadriceps femoris, der ischiokruralen Muskulatur, des M. glutaeus maximus. Verbesserung der Exzentrik. Beinachsentraining, Rumpfaufrichtung, Haltungsschulung.
Sling-Position Der Patient steht zwei Schritte hinter dem Fixpunkt, die Schlaufen befinden sich auf Hüfthöhe. Der Sling kann sich im offenen oder geschlossenen System befinden.
Ausführung Der Patient befindet sich in der tiefen Hocke. Der Oberkörper wird aktiv aufgerichtet und die Slings werden mit beiden Armen gehalten. Durch eine schnelle, kräftige Bewegung kommt es zum Sprung. Die Slings sollten dabei immer unter Spannung stehen. Ziel ist es, die Landung sicher exzentrisch zu stabilisieren. Die Sprünge können von kleinen Hüpfern bis zu hohen Sprüngen variiert werden, die Landung sollte möglichst tief erfolgen ( ▶ Abb. 3.18), d.h., die Knie werden bis zu einem Winkel von 90° flektiert.
Abb. 3.18 Ausgangs- und Endstellung für den Sprung.
Zu beachten Die Landung muss sicher stabilisiert werden können. Die Wirbelsäule weicht nicht in Flexion aus, die Beinachsen werden gehalten. Um den Anspruch an die schnelle Muskulatur zu erhöhen, kann zusätzlich mit einem Jumper gearbeitet werden.
Abb. 3.19 Sprung mit Sling.
ZieleKräftigung des M. quadriceps femoris, der ischiokruralen Muskulatur, des M. glutaeus maximus. Verbesserung der Exzentrik. Beinachsentraining, Rumpfaufrichtung, Haltungsschulung.
Sling-Position Die Schlaufen des Slings werden auf Hüfthöhe eingestellt, der Patient steht zwei Schritte hinter dem Fixpunkt. Der Sling kann im offenen oder geschlossenen System verwendet werden.
Ausführung Beide Hände greifen den Sling, die Ellenbögen sind leicht gebeugt. In der Ausgangsstellung im aufrechten Stand wird ein Bein auf 90° Hüftflexion gebeugt. Das zu trainierende Standbein wird in Hüfte und Knie bis auf 90° gebeugt, sodass das Becken zum Boden absinkt. Gleichzeitig bewegt sich das vordere, abgehobene Bein nach hinten, bis sich die Tibia waagerecht über dem Boden befindet, jedoch keinen Bodenkontakt hat ( ▶ Abb. 3.20, ▶ Abb. 3.21).
Abb. 3.20 Ausgangsstellung für die einbeinige Kniebeuge.
Abb. 3.21 Endstellung in der Knieflexion.
Zu beachten Das zu trainierende Bein ist das Standbein, eine gute Beinachse während der Übung ist wichtig. Der Rumpf bleibt während der gesamten Übung aufgerichtet. Die Arme sollen nicht dazu eingesetzt werden, sich an den Sling heranzuziehen, die Ellenbogen bleiben in leichter Flexion fixiert. Ist die Übungsausführung ohne Bodenkontakt des hinteren Beines im Squat zu schwer, kann das Bein abgesetzt werden. Das Knie des Standbeins schiebt sich nicht vor die Fußspitzen.
Variation Eine mögliche Variation der Ausführung besteht darin, den hinteren Fuß jeweils auf dem Boden abzusetzen. Der Patient befindet sich dann im Ausfallschritt.
ZieleStabilisationstraining der Sprunggelenke, Knie, Hüften und der LWS in der Landungsphase, exzentrische Stabilisationsarbeit des M. quadriceps femoris und des M. triceps surae während der Landung. Training der Schnellkraft des M. quadriceps femoris, der ischiokruralen Muskulatur, des M. glutaeus maximus. Beinachsentraining, Rumpfaufrichtung, Koordinationstraining.
Sling-Position Der Patient steht zwei Schritte hinter dem Fixpunkt, die Schlaufen sind auf Hüfthöhe eingestellt. Der Sling kann im offenen oder geschlossenen System verwendet werden.
Ausführung Diese Übung baut auf der Übung ▶ „Antrag“ auf. Die Ausführung unterscheidet sich in der Bewegungsgeschwindigkeit. Aus dem einbeinigen Squat drückt sich der Patient schnell und kräftig nach oben ab. In der Flugphase wird das freie Bein in Hüft- und Kniegelenk flektiert. Zur Landung wird es wieder in die Ausgangsstellung bewegt. Die Landung erfolgt tief mit viel Knieflexion ( ▶ Abb. 3.22, ▶ Abb. 3.23).
Abb. 3.22 Ausgangs- und Endstellung im einbeinigen Squat.
Abb. 3.23 Flugphase mit einseitig flektierter Hüfte.
Zu beachten Es ist darauf zu achten, dass sich das Knie des Standbeins, insbesondere bei der Landung, nicht über Fußspitzenniveau vorschiebt. Die Wirbelsäule bleibt aufgerichtet, das Becken wird waagerecht stabilisiert. Es kann mit verschiedenen Unterlagen wie dem Jumper oder einem Balance-Kissen gearbeitet werden, um den Stabilisationsreiz zu erhöhen.
ZieleTraining der Schnellkraft und exzentrische Kräftigung des M. quadriceps femoris, der ischiokruralen Muskulatur, des M. glutaeus maximus. Beinachsentraining, Rumpfaufrichtung. Stabilisationstraining der Sprunggelenke, Knie, Hüften und der LWS in der Landungsphase, exzentrische Stabilisationsarbeit des M. quadriceps femoris und des M. triceps surae während der Landung. Training der Schnellkraft des M. quadriceps femoris, der ischiokruralen Muskulatur, des M. glutaeus maximus. Beinachsentraining, Rumpfaufrichtung, Koordinationstraining.
Sling-Position Die Schlaufen sind auf Knielänge eingestellt, der Patient steht einen Schritt vor dem Fixpunkt. Der Sling kann im offenen oder geschlossenen System verwendet werden.
Ausführung In der Ausgangsstellung wird die Schrittstellung eingenommen, das zu trainierende Bein steht vorne. Es befindet sich während der Übung in der Standbeinphase und führt den Sprung aus. Die Schlaufen werden mit beiden Händen gegriffen und mit gebeugten Ellenbogen zwischen Thorax und Unterarmen eingeklemmt. Aus der Schrittstellung findet ein schneller und kräftiger Absprung nach vorne oben statt. Die Landung findet auf der Stelle des Absprungs statt und sollte möglichst weich erfolgen ( ▶ Abb. 3.24, ▶ Abb. 3.25).
Abb. 3.24 Ausgangsstellung zum Sprung nach vorne oben.
Abb. 3.25 Flugphase Känguru.
Zu beachten Die Wirbelsäule bleibt aufgerichtet, die Landung erfolgt auf der Stelle des Absprungs. Die Landung muss sicher stabilisiert werden können.
Variation Der Sprung kann mit beiden Beinen ausgeführt werden ( ▶ Abb. 3.26), die Ausgangsstellung ist im Squat mit Vorlage ( ▶ Abb. 3.27).
Abb. 3.26 Ausgangsstellung im Squat mit Vorlage.
Abb. 3.27 Sprung aus dem Squat mit Vorlage.
ZieleKräftigung des M. quadriceps femoris, des M. glutaeus maximus, der ischiokruralen Muskulatur. Koordinationstraining. Aufwärmen am Sling. Stabilisationstraining der unteren Extremität.
Sling-Position Der Patient steht zwei Schritte hinter dem Fixpunkt, die Schlaufen sind auf Hüfthöhe eingestellt. Der Sling kann im offenen oder geschlossenen System verwendet werden.
Ausführung Der Patient steht in aufgerichteter Position mit beiden Händen an den Griffen. Der Sling ist unter Spannung, die Ellenbogen sind leicht flektiert. Die Füße stehen parallel zueinander ( ▶ Abb. 3.28). Es wird ein Bein nach hinten gesetzt und im Knie gebeugt, bis es kurz vor dem Bodenkontakt steht. Das vordere Bein flektiert in Hüfte und Knie ( ▶ Abb. 3.29).
Abb. 3.28 Ausgangsstellung im Stand.
Abb. 3.29 Ausfallschritt nach hinten.
Bei einer wechselseitigen Ausführung mit schnellerem Tempo und niedriger Bewegungsamplitude eignet sich die Übung gut, um ein Aufwärmen am Sling durchzuführen. Variationen: Der Ausfallschritt wird eingenommen, und in einer kleinen Bewegungsamplitude bewegt sich der Patient auf und ab. Aus dem Ausfallschritt wird ein kleiner Sprung ausgeführt ( ▶ Abb. 3.30). Die Landung erfolgt tief und weich.
Abb. 3.30 Sprung aus dem Ausfallschritt.
Zu beachten Das Knie des vorderen Beins schiebt sich nicht über das Fußspitzenniveau nach vorne, bei einer tiefen Ausführung der Übung gelingt dies nur, wenn Gewicht auf das hintere Bein übertragen wird. Die Wirbelsäule bleibt während der Übung aufgerichtet.
Ziele Kräftigung des M. glutaeus maximus, der ischiokruralen Muskulatur und des M. quadriceps femoris des Standbeins, Aktivierung M. biceps brachii, M. trapezius transversus.
Sling-Position Der Patient steht einen Schritt hinter dem Fixpunkt, die Schlaufen befinden sich auf Hüfthöhe. Der Sling kann im offenen oder geschlossenen System verwendet werden.
Ausführung In der Ausgangsstellung befindet sich der Patient im Ausfallschritt, die Wirbelsäule ist aufgerichtet und das hintere Bein ca. 90° im Knie gebeugt. Das vordere Bein wird in Hüft- und Kniegelenk flektiert. Das hintere Bein wird nach vorne bewegt, gleichzeitig drückt sich der Patient mit dem vorderen Bein in die Streckung. Die Wirbelsäule und der Schultergürtel bleiben in aufgerichteter Haltung.
Die Arme ziehen den Oberkörper an die Slings, dabei gibt es verschiedene Ausführungsmöglichkeiten:
Die Bewegungskraft kommt verstärkt aus den Armen, dabei werden die Ellenbogen flektiert ( ▶ Abb. 3.32).
Die Bewegungskraft kommt verstärkt aus den Beinen, dabei bleiben die Ellenbogen extendiert.
Abb. 3.31 Ausgangsstellung für den Roly-Poly mit instabilen Unterlagen.
Um den Stabilisationsreiz an die Gelenke zu erhöhen, können verschiedene instabile Materialien eingesetzt werden, hier eine Kombination aus Jumper und großem Ballkissen ( ▶ Abb. 3.32). Je nach Können des Patienten kann der Schwierigkeitsgrad durch verschiedene Unterlagen variiert werden.
Abb. 3.32 Endstellung Roly-Poly mit Jumper und großem Ballkissen.
Zu beachten Bei Verletzungen der unteren Extremität kann zum Erlernen der Übung die Variante mit flektierten Ellenbogen gewählt werden, um mit einer niedrigeren Intensität der verletzten Struktur zu arbeiten. In der Ausgangsstellung muss das hintere Bein belastet werden, die Wirbelsäule bleibt insbesondere in der HWS aufgerichtet. Das vordere Knie darf sich nicht nach vorne über das Fußspitzenniveau schieben.
ZieleKräftigung der des M. quadriceps femoris, der ischiokruralen Muskulatur, des M. glutaeus maximus. Koordination der Beinbewegung.
Sling-Position Die Schlaufen des Slings werden auf Hüfthöhe eingestellt, der Patient steht zwei Schritte hinter dem Fixpunkt. Der Sling kann im offenen oder geschlossenen System verwendet werden.
Ausführung Der Patient befindet sich im einbeinigen Kniestand, dabei ist das vordere Bein in Hüft- und Kniegelenk gebeugt, der Fuß befindet sich unter dem Knie. Das hintere Bein berührt nur mit der Fußspitze den Boden, die Tibia verläuft waagerecht zum Boden, und das Knie befindet sich unter dem Hüftgelenk ( ▶ Abb. 3.33). Aus dem einbeinigen Kniestand wird ein Sprung ausgeführt. Während der Flugphase werden die Beine in der Position gewechselt ( ▶ Abb. 3.34). Die Landung erfolgt wieder im einbeinigen Kniestand ( ▶ Abb. 3.35).
Abb. 3.33 Ausgangsstellung im Ausfallschritt.
Abb. 3.34 Wechselsprung in der Flugphase.
Abb. 3.35 Position nach Wechselsprung.
Zu beachten Der Sling bleibt auch während der Flugphase gespannt. Die Landung muss vom Patienten sicher kontrolliert werden können. Angepasst an das Leistungsniveau kann die Übung auf Jumpern o.Ä. ausgeführt werden. Der Rumpf bleibt während der gesamten Übung aufgerichtet. Die Arme sollen nicht dazu eingesetzt werden, sich an den Sling heranzuziehen, die Ellenbogen bleiben in leichter Flexion fixiert.
ZieleKräftigung des M. quadriceps femoris, der ischiokruralen Muskulatur, des M. glutaeus maximus. Beinachsentraining, Rumpfaufrichtung, Haltungsschulung.
Sling-Position Der Patient steht zwei Schritte hinter dem Fixpunkt, die Schlaufen sind auf Taillenhöhe eingestellt. Der Sling kann im offenen oder geschlossenen System verwendet werden.
Ausführung In der Ausgangsstellung befindet sich der Patient im Einbeinstand mit beiden Schlaufen in den Händen. Das frei schwebende Bein wird nach vorne abgehoben, die Ellenbogen liegen nah am Körper, der Rumpf ist aufgerichtet, der Sling ist unter Spannung ( ▶ Abb. 3.36). In der Endstellung befindet sich der Patient in der Kniebeuge mit 90° Knieflexion, hierbei bleibt das Knie hinter den Fußspitzen. Die Hüfte ist flektiert ( ▶ Abb. 3.37). Der Rückweg erfolgt über die Beinkraft, ohne das Heranziehen über die Arme.
Abb. 3.36 Ausgangsstellung für ein einbeiniges Training am Sling.
Abb. 3.37 Endstellung der einbeinigen Bank.
Zu beachten Der Sling bleibt während der gesamten Übung unter Spannung, das Knie des Standbeins wird nicht über Fußspitzenniveau geschoben. Der Rücken bleibt insbesondere in der LWS in physiologisch aufgerichteter Position.
ZieleKräftigung des M. quadriceps femoris, der ischiokruralen Muskulatur, des M. glutaeus maximus, des M. trapezius pars transversa. Beinachsentraining, Rumpfaufrichtung, Haltungsschulung. Stabilisationstraining der Sprunggelenke, Knie und Hüften.
Sling-Position Der Patient steht unter dem Fixpunkt. Die Schlaufen reichen dem Patienten bis zum Thorax. Der Sling kann im offenen oder geschlossenen System verwendet werden.
Ausführung Der Patient steht mit einem Bein mittig auf dem Jumper und versucht, während der Übung möglichst wenige Mikrobewegungen, die durch den Jumper verursacht werden, zuzulassen ( ▶ Abb. 3.38). Ein Bein wird nach vorne abgehoben, der Patient lehnt nach hinten. Das zu trainierende Standbein wird bis zu 90° im Knie flektiert. Hüfte und Rumpf bleiben während der gesamten Übung aufgerichtet ( ▶ Abb. 3.39).
Abb. 3.38 Ausgangsstellung Pistole mit Rücklage und Jumper.
Abb. 3.39 Endstellung Pistole mit Rücklage.
Zu beachten Durch die horizontale Position des Patienten werden verstärkt die Hüftextensoren, der M. erector spinae im Bereich der LWS und der M. trapezius pars transversa angesprochen. Der Standpunkt des Patienten kann hinter den Fixpunkt verschoben werden. Dadurch richtet sich der Patient auf, die Intensität für Hüftextensoren und Schultergürtel nimmt dabei ab.
ZieleStabilisationstraining der Sprunggelenke, Knie, Hüften und der LWS in der Landungsphase, exzentrische Stabilisationsarbeit des M. quadriceps femoris, der ischiokruralen Muskulatur und des M. triceps surae während der Landung.
Sling-Position Die Schlaufen sind auf Taillenhöhe eingestellt, der Patient steht zwei Schritte hinter dem Fixpunkt. Der Sling kann im offenen oder geschlossenen System verwendet werden.
Ausführung Der Patient nimmt die Ausgangsstellung der Pistole ein ( ▶ Abb. 3.40) und drückt sich schnell und kräftig nach hinten oben ab. Das nach vorne abgehobene Bein bleibt während der Übung fixiert. In der Flugphase ist zu beachten, dass die Slings gespannt und die Ellenbogen in leichter Flexion fixiert bleiben ( ▶ Abb. 3.41). Die Landung sollte weich mit deutlicher Knieflexion erfolgen, um den exzentrischen Trainingsreiz zu betonen.
Abb. 3.40 Ausgangsstellung für den einbeinigen Absprung.
Abb. 3.41 Flugphase des Sprungs am Sling.
Zu beachten Die Landung ist das eigentliche Stabilisationstraining und muss daher sicher vom Patienten kontrolliert werden können. Um die Intensität langsam aufzubauen, sollte zunächst nur ein angedeuteter Sprung vom Patienten ausgeführt werden. Je schneller und kräftiger dieser sich abdrückt, desto höher ist die Intensität bei der Landung. Als Variation kann ein Wechselsprung auf das andere Bein erfolgen.
ZieleKräftigung des M. glutaeus maximus und der ischiokruralen Muskulatur, Stabilisationstraining des Standbeins, Kräftigung M. quadriceps femoris.
Sling-Position Der Sling befindet sich im geschlossenen System, die Slings werden auf Kniehöhe eingestellt, der Patient steht einen Schritt vor dem Fixpunkt.
Ausführung Der Patient steht aufrecht, und ein Bein befindet sich in der Schlaufe ( ▶ Abb. 3.42). Ein standfester, hoher Hocker o.Ä. dient als Hilfe. Das Gewicht bleibt auf beide Beine verlagert. Das Standbein wird durch eine Hüft- und Knieflexion bewegt, sodass sich der Körper nach hinten unten verlagert. Der Rumpf bleibt aufgerichtet, die Arme schwingen reziprok mit ( ▶ Abb. 3.43).
Abb. 3.42 Ausgangsstellung im Einbeinstand.
Abb. 3.43 Endstellung in der einbeinigen Kniebeuge.
Zu beachten Je weiter das Standbein gebeugt wird, desto höher wird die Intensität. Das vordere Knie bewegt sich dabei nicht über die Fußspitzen hinaus. Das gelingt nur, wenn das Gewicht auf das hintere Bein in den Slings verlagert wird. Für die Patienten ist diese Übung häufig besser greifbar, wenn sie den Bewegungsauftrag bekommen, das hintere Knie Richtung Boden zu bewegen.
Achtung!
Für Anfänger unbedingt Standhilfen (Wand, Hocker, Bank etc.) verwenden.
Variationen
Ausführung mit Balance-Kissen Der reaktive Anspruch wird erhöht. Ziel ist es, die Bewegungen sauber und mit möglichst wenigen kleinen Ausweichbewegungen durchzuführen ( ▶ Abb. 3.44).
Abb. 3.44 Endstellung im „Po-to-Go“ mit Balance-Kissen.
Ausführung mit dem Jumper Diese Variation erfordert eine sehr gute Stabilität in den Gelenken der unteren Extremität. Bei einem Sprung muss die Landung mittig auf dem Jumper erfolgen ( ▶ Abb. 3.45).
Abb. 3.45 „Po-to-Jump“ mit instabiler Unterlage.
Achtung!
Ein Misslingen der Übung kann nicht kompensiert werden, da das zweite Bein in der Schlaufe hängt, daher Standhilfen verwenden.
ZieleTraining der Schnellkraft des M. quadriceps femoris, der ischiokruralen Muskulatur, des M. glutaeus maximus. Stabilisationstraining der Sprunggelenke, Knie, Hüften und der LWS in der Landungsphase, exzentrische Stabilisationsarbeit des M. quadriceps femoris und des M. triceps surae während der Landung.
Sling-Position
