Privatsphäre gesucht! - Jörn Müller-Quade - E-Book

Privatsphäre gesucht! E-Book

Jörn Müller-Quade

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Beschreibung

Big Data polarisiert. Großem Nutzen stehen große Befürchtungen gegenüber. Es geht um grundlegende gesellschaftliche Werte. Jörn Müller-Quade stellt den Effizienzgewinn durch Datennutzung den Einschnitten an der Privatsphäre gegenüber, denn öffentliches Auftreten wandelt sich durch das Internet, ebenso wie das Bild, das man von der Öffentlichkeit hat. Positiv wird wahrgenommen, dass sich durch Datenanalyse Vorhersagen zu öffentlichen Verhalten und Trends der Gesellschaftsentwicklung treffen lassen. Nachteilig ist der Verlust der Selbstbestimmung des Nutzers.

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Seitenzahl: 19

Veröffentlichungsjahr: 2014

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Jörn Müller-Quade

Privatsphäre gesucht!

Neue Big-Data-Techniken auf dem Vormarsch

Eigentlich sind wir ganz gut darin, den Übergang vom Privaten ins Öffentliche zu erkennen. Doch im Umgang mit dem Internet versagt dieses Einschätzungsvermögen – angesichts der von Unternehmen und Geheimdiensten verwendeten Big-Data-Techniken. In diesem Essay geht es um den Wandel, den öffentliches Auftreten durch das Internet erfährt. Weil Daten dort lange gespeichert, elektronisch gesammelt und verarbeitet und aus unterschiedlichen Quellen korreliert werden, können wir intuitiv nicht mehr abschätzen, wie viel von unserer Privatsphäre dadurch verloren geht und wie öffentlich wir sie schon gemacht haben. Beispiele sollen dies im Folgenden verdeutlichen. Es wird aber auch die Rede sein von Datenschutzprinzipien, die verhindern sollen, dass unsere Privatsphäre bedroht wird, eben weil die Grenze zwischen Privatem und Öffentlichem nicht mehr erfahrbar ist.

Für den Umgang mit großen Datenmengen und neuartigen Big-Data-Techniken ist noch kein gesellschaftlicher Konsens gefunden, weitgehend unklar ist, für welche Zwecke wie tief in die Privatsphäre eingegriffen werden darf. Die in Zukunft unbedingt nötige Diskussion darüber, wo und inwieweit wir Big-Data-Techniken zulassen wollen, gewinnt an Präzision und Klarheit, wenn man das Ausmaß der Verletzung der Privatsphäre in formalen Modellen beschreiben und messen kann.

Der Unterschied zwischen realer und digitaler Öffentlichkeit

Die Spuren, die wir in der gelebten Öffentlichkeit hinterlassen, sind eher flüchtig. Gesichter, die man sieht, sind meist schnell wieder vergessen, und unser Verhalten hat sich daran angepasst, dass das meiste, was wir tun, zwar gesehen werden kann, aber ebenso schnell wieder aus dem Gedächtnis verschwindet. Nicht alles, was einmal öffentlich war, bleibt ewig öffentlich. Ist die eigene Erinnerung an erlebte öffentliche Situationen vergangen, kann man davon ausgehen, dass auch sonst sich niemand mehr daran erinnert, und wenn, betrifft es immer nur einen sehr kleinen Lebensausschnitt einer Person, einen kleinen Splitter aus ihrem Gesamtbild. Ganz anders im Internet. Dort werden unsere Spuren lange gespeichert, sortiert und verarbeitet, dort können wenige viele beobachten, und diese wenigen können zudem sehr viele der kleinen Personensplitter, die hinterlassen werden, zusammentragen und so ein wenn nicht vollständiges, so doch festes Bild erzeugen. Online verfügbare Bildersammlungen können beispielsweise mit Gesichtserkennungssoftware durchsucht und Bekanntschaftsbeziehungen aus längst vergessenen Schnappschüssen abgeleitet werden. Mit anderen Daten abgeglichen ergibt sich aus dem, was früher flüchtig war, ein bleibendes Bild.