34,99 €
Wundern Sie sich, warum es immer wieder schwierig ist, aus Verlustgeschäften rechtzeitig auszusteigen? Bereiten Ihnen zu früh geschlossene Erfolgstrades Phantomschmerzen? Sind Sie auf der Suche nach einer für Sie passenden Handelsstrategie? Erdal Cene als gelernter und erfolgreicher Börsenhändler zeigt in seinem Buch, wie man die klassischen Trading-Fallen umgeht und zu einem bewussten und dadurch entspannten Umgang mit dem Auf und Ab des Börsenalltags gelangt. Im Buch vollzieht er die Aha-Erlebnisse seines eigenen Ausbildungswegs nach und führt so angehende Trader anschaulich, amüsant und tiefgreifend in den professionellen Handel ein. Er erklärt alles, was man beherrschen muss, wenn man mit den Profis mithalten will: die Grundlagen der Kursentstehung, das Börsenalphabet und – vielleicht am wichtigsten – Methoden zur Selbstkontrolle und einen produktiven Umgang mit Verlusten. Der Fokus liegt auf der Erarbeitung einer individuellen Handelsstrategie mit im konkreten Tradingalltag anwendbaren Einstiegs- und Ausstiegstechniken und der zugehörigen Stopplogik. Mit zahlreichen Grafiken und Tabellen.
Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:
Seitenzahl: 772
Veröffentlichungsjahr: 2013
Für alle meine Mentoren
Dieses Buch orientiert sich an meiner eigenen Ausbildung zum Händler auf dem Parkett der Frankfurter Wertpapierbörse Anfang der neunziger Jahre. Ich beschreibe, wie ich von meinem Chef, einem erfahrenen und sehr erfolgreichen Seniorhändler, an die Hand genommen und selbst zu einem erfolgreichen Börsenhändler ausgebildet worden bin. Die Beherrschung des Börsenalphabets ist eine Grundvoraussetzung für den Erfolg. Darum werden alle Elemente des Chartaufbaus, die man kennen und begreifen muss, um realisieren zu können, was genau an der Börse vor sich geht, aufeinander aufbauend vorgestellt. Ohne Abkürzungen und Umwege zu nehmen, erschließt sich so das System Börse.
Zielgruppe meines Buches sind Trader, die mit dem »Lesenkönnen« von Charts und dem Verstehen des Marktgeschehens an den Börsen mit kurz- bis mittelfristigen Spekulationen Geld verdienen wollen. Vorkenntnisse sind zwar willkommen, aber nicht Voraussetzung. Anfänger werden sicherlich den größten Nutzen aus dem Buch ziehen können, da es als Ausbildungslehrgang konzipiert ist. Es richtet sich an Leser, die nicht die Mühe scheuen, sich intensiv mit der Materie auseinanderzusetzen, da sie wissen, dass nur hierüber stetige Gewinne an der Börse generiert werden können. Für bereits erfahrene Händler sind der mittlere Teil und die Überlegungen zum Umgang mit Verlusten und vor allem die Auswirkungen der Verluste auf den Trader selbst interessant. Sowohl Händler, die noch keine Handelsstrategie haben, als auch solche, die bereits erfolgreich handeln, werden beim Lesen ihre Aha-Erlebnisse haben. Ziel des Buches ist es, angehende Händler bis zur Börsenreife zu begleiten.
Das Buch spiegelt den Erfahrungsschatz zweier Generationen wider: den des Oldschool-Parketthändlers und den seines Lehrlings, der in die digitale und derivative Handelswelt hineinwächst. Daher werden sich sowohl jüngere als auch ältere Trader angesprochen fühlen und in beiden Charakteren wiedererkennen sowie Antworten auf ihre jeweiligen Fragestellungen finden. Immer wissen, was man tut und in der Folge auch genau das tun, was man weiß – was im Berufshandel als Maxime gilt, sollte nach der Lektüre dieses Buches auch für den Neueinsteiger möglich werden.
Das Buch ist kein staubtrockenes Sachbuch, sondern fast schon ein Bildungsroman, in dem sich informative und erzählerisch-anschauliche Passagen abwechseln. Leser, die sich in einer Atmosphäre von Sachlichkeit und Ernst trotzdem einen Sinn für Ironie und Humor wünschen, werden voll auf ihre Kosten kommen. Wichtige Themen für erfolgreichen Börsenhandel werden nicht oberflächlich gestreift, stattdessen wird tief bis auf sicheren Verstehensgrund gebohrt. Geheime Formeln, mit denen man binnen kurzer Zeit zum Millionär wird, kenne ich nicht. Der Erfolg wird sich allmählich bei denen einstellen, die den Handel ernsthaft unter realistischen Annahmen betreiben wollen.
In der Konzeption des Buches besteht ein wesentlicher Unterschied zur Masse der bereits vorhandenen Börsenbücher. Während dort primär einfach zu realisierende, große Gewinne das Hauptthema sind, wird hier der Leser von Anfang an gezwungen, sich mit Verlusten auseinanderzusetzen. Es geht kein Weg daran vorbei: Wer an die Goldklumpen will, muss viel Sand, Erde und Geröll durch seine Hände rieseln lassen. Das Thema Verluste ist nicht wirklich »sexy«, aber erst die Beherrschung der Verluste ebnet den Weg zu den Gewinnen.
Im ersten Kapitel werden die Todsünden des Börsenhandels vorgestellt, im zweiten dann Techniken aufgezeigt, wie der Händler diese psychologischen Fallen umgeht. Die Auseinandersetzung mit Verlusten und geeignete Strategien des Umgangs mit ihnen stellen das langfristige Überleben des Traders sicher.
Nachdem dieses Fundament gegossen ist, wird im dritten Kapitel der Prozess der Kursentstehung ausgeleuchtet. Obwohl jeder Chart und jedes Geschäft seinen Ursprung in einem zustande gekommenen Kurs hat, machen sich nur wenige die Mühe, sich mit den Grundlagen der Kursentwicklung zu beschäftigen. Aus dem einzelnen Kurs wird das Konzept der Liquidität abgeleitet und hieraus die Implikationen für die unterschiedlichen Handelsstile aufgezeigt. Inwieweit die eigene Erwartungshaltung die Kursverläufe und die Wahrnehmung beeinträchtigt, wird im Anschluss behandelt.
Nachdem das Grundlagenwissen durch die Identifikation der verschiedenen am Handel beteiligten Marktteilnehmer und ihrer unterschiedlichen Ziele vervollständigt ist, wird in Kapitel 5 der Trend unter die Lupe genommen. Der Trend wird in seine Bestandteile zerlegt und es wird analysiert, wie die Einzelteile sinnvoll gehandelt werden können. Der Fokus ist dabei auf die Praxis des Berufshandels gelegt: Was lässt sich unter Chance-Risiko-Aspekten gut handeln?
Nachdem der Aufbau und der Ablauf von Marktbewegungen vollumfänglich erklärt wurden, werden anwendbare Einstiegs- und Ausstiegstechniken mit den dazugehörigen sinnvollen Stopplogiken erläutert. Sehr ausführlich wird im anschließenden Kapitel 6 das Auftreten von Gaps aus der Trendlogik heraus vermittelt. Intensiv wird in Kapitel 7 und 8 auf das Ineinandergreifen der Zeiteinheiten und die Übergänge von Trends, die Wendepunkte, eingegangen. Meines Wissens liegen die in diesen drei Kapiteln aufgezeigten Wirkungszusammenhänge bisher nicht in Buchform vor.
In Kapitel 9 werden markante Linien und Zeitpunkte, die der Berufshandel immer im Blick hat, genannt. Erst dieses Wissen befähigt den lernenden Trader nachzuvollziehen, an welchen Stellen und zu welchen Zeiten Hektik und damit große Bewegungen in den Markt kommen werden.
In Kapitel 10 und 11 werden die bisher behandelten Themen zusammengebracht und dahingehend vertieft, wie sie ganz konkret im Tradingalltag angewandt werden können.
Mit dem jetzt erworbenen Wissen wird der Leser in die Lage versetzt, sich eine zu seiner Persönlichkeit, seinen Zielen und vor allem seiner Risikoneigung passende Handelsstrategie zu erarbeiten. Das Wissen um die Entstehung eines Kurses, die möglichen Positionen der Marktteilnehmer und den Trendaufbau ermöglicht dem angehenden Händler, seinen eigenen Handelsstil zu finden.
In Kapitel 13 wird das sich als roter Faden durch das Buch ziehende Thema des Aufkommens von Verlusten im Börsenhandel noch einmal intensiv erörtert. Es wird dargestellt, wie es zu Wahrnehmungsverzerrungen im Börsenhandel kommen kann. Da Trader immer wieder den Fehler machen, Verluste nicht zu begrenzen und sie stattdessen zu pyramidieren, wird aufgeschlüsselt, was genau während einer Verlustphase durchlebt wird. Die Offenlegung von fünf Verlustphasen wird beim Händler zu einer verbesserten Selbstwahrnehmung führen und ihn aus Ohnmachtsgefühlen befreien, sodass er voll handlungsfähig bleibt.
Langfristig kann ein Profi einem anderen Profi kein Geld aus der Tasche ziehen. Die Gewinne des Berufshandels sind meistens die Verluste von Anfängern oder Unsachverständigen, die sich zudem noch massiv in ihrem Können überschätzen. Nach der Lektüre dieses Buches werden Sie keine leichte Beute mehr für den Profihandel sein. Sie werden Berufshändlern auf Augenhöhe begegnen können, sowohl was handwerkliches Können betrifft, vor allem aber durch einen professionellen Umgang mit den an der Börse unumgänglichen Verlusten. Wenn es erst einmal gelingt, sich im Haifischbecken von den darin patrouillierenden Profis nicht durch die Zahnritze ziehen zu lassen, sind die Gewinne nicht mehr weit.
Sofern es sich nicht um gängige Börsensprache handelt, versuche ich, den Börsenhandel mit einprägsamen Denkbildern und nicht mit Anglizismen und Fremdwörtern in einfacher und verständlicher Weise zu vermitteln. Sie sollen mit Freude und Spaß ein tiefes Verständnis vom Funktionieren der Börse bekommen, aber auch und vor allem durchschauen, was in Ihnen selbst vorgeht, sobald Sie mit dem Börsenhandel in Berührung kommen. Insgesamt ca. 250 Grafiken und 50 Tabellen unterstützen dabei, die Börse als eigenständiges Denksystem zu durchdringen.
Die Ausbildung zum Trader kann mit einer Bergbesteigung verglichen werden. Verschiedene Wege führen zum Gipfel. Die Masse der Trader gelangt nie dorthin, da sie bestenfalls um den Berg herumläuft und die Mühen des Aufstiegs scheut, das heißt nicht konsequent einen Weg zu Ende geht. Alle Top-Trader, die zum Gipfel gelangt sind, berichten übereinstimmend von den gleichen Fähigkeiten, Fertigkeiten und Persönlichkeitsstrukturen, die hierfür notwendig sind. Wie sie tatsächlich vorgegangen sind, um ihr Ziel zu erreichen, unterscheidet sich jedoch erheblich. Daraus kann abgeleitet werden, dass nicht ein einziger, sondern viele Wege zum Gipfel führen. Einzig wichtig ist, sich für einen Weg zu entscheiden und diesen beharrlich zu Ende zu gehen. Das Basislager, von dem jede Gipfelbesteigung ausgehen sollte, ist das Erlernen eines neuen Denksystems, des Börsenalphabets.
Diese Erfahrung musste auch ich machen. Im Juli 1993 hatte ich meine Banklehre als einer der Jahrgangsbesten des Landes Hessen abgeschlossen und begann als Börsenhändler bei einem Makler an der FWB1 zu arbeiten. Kurz hintereinander legte ich die Prüfungen zum Börsenparketthändler, zum Terminhändler an der EUREX und zum Kursmakler ebenfalls mit sehr guten Noten ab. Meine Annahme, diese Qualifikationen würden mich dazu befähigen, schnell ein erfolgreicher Trader zu werden, war weit gefehlt. Meine eigentliche Ausbildung zum Trader, also einem Händler, der nicht nur fremde Orders abarbeitet, sondern sich eigene Gedanken macht und mit vollem Risiko aus selbständig eingegangenen Positionen einen stetigen Gewinnstrom generiert, wurde von meinem damaligen Chef durchgeführt. Trotz eines Mentors mit 40 Jahren Börsenerfahrung an meiner Seite, beging ich so ziemlich jeden Fehler, den ein Anfänger machen kann. Mein Chef sorgte mit starker Hand dafür, dass ich trotz häufiger Misserfolge nicht vom einmal eingeschlagenen Weg abgewichen bin. Genauso möchte ich Sie, lieber Leser, heute an die Hand nehmen und Sie auf Ihrem Weg zum Gipfel begleiten.
Erdal Cene September 2011
1 Frankfurter Wertpapierbörse
Bereits in der ersten Woche, nachdem ich bei einem Kursmakler als dessen Stellvertreter zu arbeiten begonnen hatte, dachte ich, meine Börsenkarriere sei zu Ende. Heute, zwanzig Jahre später, kann ich über den Verlust, der mir damals so viel Angst eingeflößt hatte, nur schmunzeln. Als Reaktion darauf erklärte mir mein Chef, dass es in jedem Menschen eine Programmierung gibt, die im Allgemeinen zwar sinnvoll, im Börsenkontext aber verhängnisvoll ist: Wir neigen dazu, Verluste laufen zu lassen und Gewinne zu früh mitzunehmen. Er verdeutlichte mir sehr eindringlich und überzeugend, dass Erfolg an den Börsen nur haben kann, wer diese Neigung erkennt und abstellt. Jegliche Anstrengung, Überlegung und Technik ist zweitrangig und wird keine Früchte tragen, wenn es zuvor nicht gelungen ist, diese nur allzu menschliche Verhaltensweise zu überwinden.
Wird beispielsweise im Straßenverkehr die Grundregel nicht beachtet, bei Rot zu halten und bei Grün zu fahren, braucht man sich erst gar nicht um weitergehende Verordnungen zu kümmern, ein Totalschaden ist unvermeidlich. Dies ist der Grund, warum ich das Thema, dass Gewinne verfrüht mitgenommen und Verluste verspätet geschlossen werden, an den Anfang dieses Buches stelle. Nichts ist für den Erfolg im Wertpapierhandel wichtiger als die Beachtung dieser Grundregel.
Konkret war Folgendes passiert: Ich stand neben meinem Chef und stellte die Kurse für einige Nebenwerte fest. Er selbst kümmerte sich um die großen Dax-Werte in unserem Skontro. Die umsatzschwachen Werte hatte er mir abgetreten, damit ich üben konnte. Ich nahm also alle Orders in diesen Papieren mündlich, schriftlich oder elektronisch entgegen und stellte handelbare Geld-Brief-Kurse. Dabei sollte ich dreierlei trainieren: Erstens musste ich regelkonforme Kurse stellen. Zweitens musste ich lernen, zur gleichen Zeit zu telefonieren, Orders entgegenzunehmen, den Markt und diverse Nachrichtenticker zu beobachten und in schnellstmöglicher Abfolge Kurse zu rechnen. Drittens sollte ich im Rahmen des mir zugestandenen Limits Eigenhandel betreiben. Mit dem Kurserechnen selbst gab es keine Probleme, ich musste nur schneller werden. Aber zur gleichen Zeit so viele unterschiedliche Sachen zu machen, überforderte mich damals noch in Stoßzeiten.
Mein Eigenhandel brachte in den ersten Tagen keine besonderen Resultate. Ich bewegte mich auf der Nulllinie, mal auf der roten, mal auf der schwarzen Seite. Natürlich hatte mein Chef diese Zahlen im Maklertagebuch gesehen, aber darüber kein Wort verloren. Er ließ mich einfach machen.
Am Mittwoch musste ich aus der Orderbuchsituation heraus zum ersten Kurs 2500 Buderus kaufen. Ebenfalls zum ersten Kurs hatte ich in Linotype eine Verkaufsorder über 1000 bestens im Buch. Da keine Kauforder vorlag, kaufte ich die 1000 Aktien leicht unterhalb des Vortageskurses bei 810 DM. Bei beiden Aktien handelte es sich um relativ illiquide Werte.
Beide Positionen bin ich nicht als Eigenhandelsposition im eigentlichen Sinne eingegangen. Ich musste diese Geschäfte tätigen, da es unter anderem Aufgabe eines Kursmaklers ist, den Markt durch Eigengeschäfte liquide zu halten.
Ich will es kurz machen: Die Buderus fiel im Tagesverlauf und notierte vor dem Schlusskurs knapp über 50. Auf dem Weg nach unten hatte ich noch weitere 5500 Buderus dazugekauft, sodass ich jetzt insgesamt 8000 Buderus mit einem Schnittkurs von 51,50 in den Büchern hatte. An dieser Position hatte ich einen unrealisierten Verlust von ca. 12.000 DM.
Mit Linotype hatte ich Glück. Damals konnte ich noch nicht übersehen, dass es sich dabei um nichts anderes handelte. Ich war noch zu unerfahren, um zu realisieren, dass, wenn das Glück einen trifft, man stehen bleiben muss, damit sich die Konten füllen. Auch wusste ich damals nicht, dass es nicht auf Glück oder Pech ankommt. Diese neutralisieren sich gegenseitig, wenn man lange genug dabei ist. Erfolgreiche Händler sind deshalb erfolgreich, weil sie ihr Handwerk beherrschen, und nicht, weil sie Glück haben. Die andere Seite dieser Erkenntnis besteht darin, dass diejenigen, die in diesem Geschäft verlieren, dies nicht tun, weil sie Pech oder ein unglückliches Händchen haben, sondern weil sie die Gesetze und Regeln des Handels missachten.
Im Laufe des Vormittags wurde bekannt, dass ein viel beachteter Analyst die Linotype zum Kauf empfohlen hatte. Die sofort massiv einsetzende Nachfrage stieß auf wenig Angebot, sodass es zu einem Kursfeuerwerk kam. Gegen Mittag verkaufte ich alle 1000 Linotype bei 910 DM. Mein Verkauf war nur dadurch motiviert, dass ich noch nie einen Gewinn von 100.000 DM gemacht hatte. Ich konnte es buchstäblich nicht mehr ertragen, die Position länger zu halten. Die Angst, der Gewinn könne mir genommen werden, schaltete meinen Verstand aus. Dies war völlig unberechtigt. Als Kursmakler hatte ich ja Orderbucheinsicht und sah, dass vielen Kauforders nur wenige Verkaufsorders gegenüberstanden. Die Käufer rissen sich förmlich um Linotype. Umgekehrt wollten die Verkäufer bei dieser Nachrichtenlage natürlich nur zu deutlich höheren Kursen verkaufen oder sie strichen ihre Verkaufsorder ersatzlos. Nach meinem Verkauf musste ich zusehen, wie der Kurs bis zu den Schlusskursen auf 995 DM weiterstieg.Der mir durch mein voreiliges und unlogisches Schließen der Position entgangene Gewinn von 85.000 DM verleidete und vermieste mir meinen bisher höchsten Gewinn. Ich war so sehr mit der Kursentwicklung von Linotype beschäftigt, obwohl ich sie nicht mehr hatte, dass ich mir keine Gedanken um meine unrealisierte Schieflage in Buderus machte. Ich weiß zwar nicht warum, aber für mich war klar, dass Buderus nicht unter die 50 fallen konnte. Die von mir in den Chart eingezeichnete Unterstützungslinie schien mir stärker zu sein als die Berliner Mauer. Weil ich mir nicht vorstellen konnte, dass die Buderus sehr wohl deutlich unter diesen Level fallen könnte, machte ich mir keine Sorgen. Im Gegenteil: Im Kopf verrechnete ich den realisierten Gewinn der Linotype mit dem unrealisierten Verlust in Buderus. Und bei dieser Betrachtungsweise war die Welt noch in Ordnung, da ich im Plus war. Erst viel später lernte ich, dass dies eine Falle ist, in die Anfänger allzu gerne tappen: Die mentale Verrechnung von Verlusten mit Gewinnen dient oft und gerne als Entschuldigung und Legitimation, seine Verlusttrades nicht zu schließen. Ich berücksichtigte leider nicht, dass niemand außer mir selbst diese Betrachtungsweise hatte. Die Verrechnung von Buderus mit Linotype fand bei den übrigen Marktteilnehmern nicht statt. Im Gegenteil: Das, was sich in meinem Kopf abspielte, beeinflusste in keiner Weise den Kurs der Buderus-Aktie. Während der Markt den Kursverfall in Buderus als solchen erkannt hatte und sich so schnell wie möglich von diesen Papieren trennen wollte, war ich durch meine Sichtweise tief entspannt, da ich mir einbildete, in Wirklichkeit keinen Verlust zu haben.
Die Wirklichkeit holte mich am Donnerstag ein: Buderus notierte bei 50 und ich kaufte weitere 2000 Stück. Auf der 50 lagen sehr viele Stopp-Verkaufsaufträge, die mit dem gerechneten Kurs aktiviert wurden. Dadurch wäre der zweite Kurs von Buderus bei 46 ausgeglichen gewesen. Ich wollte allerdings den Kurs nicht so weit fallen lassen und rechnete den Kurs 48. Hierzu musste ich jedoch 10.000 weitere Aktien kaufen. Ich hatte jetzt insgesamt 20.000 Aktien. Meine Buderus-Position, die ich mit einem Durchschnittskurs von 49,60 DM gekauft hatte, notierte zum Börsenschluss bei 45.
Damit saß ich auf einem unrealisierten Verlust von 92.000 DM. Der Verlust allein war aber nicht Schmach und Frust genug. Die Linotype, die ich tags zuvor bei 910 verkauft hatte, war den ganzen Donnerstag über gestiegen und notierte zum Schluss bei 1.120 DM. Es war zum Verrücktwerden! Hatte ich denn die Seuche an den Händen? Ich konnte nicht fassen, dass ich die Gewinnposition geschlossen hatte. Was das für einen fantastischen Gewinn ergeben hätte! Stattdessen musste ich zuschauen, wie aus einem kleinen Verlust ein riesengroßer wurde. Die Kraft, einfach die gesamte Buderus-Position am Donnerstag zu schließen, konnte ich nicht aufbringen.
Nach einer gefühlt schlaflosen Nacht kam ich am Freitagmorgen in unser Büro. Mein Chef war bereits vor mir da und hatte sich die Maklertagebücher angeschaut. Er rief mich in sein Zimmer und ordnete kurz angebunden an, ich solle die Buderus-Position heute direkt zur Eröffnung schließen. Außerdem teilte er mit, dass er nach Börsenschluss, damals war das schon um 13.30 Uhr, mit mir essen gehen wolle. Ich war geschockt und mir war schlecht. Das konnte ja nur das Ende meiner kurzen Börsenkarriere bedeuten.
Bei Börsenbeginn hätte ich den ersten Kurs 2 DM besser mit 47 rechnen können. Zu diesem potenziellen Kurs waren aber meine 20.000 Aktien nicht eingerechnet, die ich zu verkaufen hatte. Diese große Verkaufsorder drückte den Kurs massiv. So konnte ich meine 20.000 Buderus erst bei einem Kurs von 43 anbringen. Ich zögerte nicht und rechnete den Kurs 43. Damit war der Verlust realisiert. Die rechts unten in der Ecke des elektronischen Orderbuches aufleuchtende Ziffer von minus 132.000 verschlug mir zuerst die Sprache. Dennoch fühlte ich mich erleichtert. Eine enorme Last war mir von den Schultern gefallen.
Nach einem kurzen Moment ging es aber zügig weiter. Die Hektik und der Stress der Börse ließen keinen Raum, mich weiter mit meinem Verlust zu beschäftigen. Mit dem Erklingen der Schlussglocke rutschte mir allerdings das Herz in die Hose. Mein Chef würde mit mir ja gleich zu meiner Henkersmahlzeit gehen. Bestimmt wollte er mich nicht für die tolle Performance, die ich hingelegt hatte, belohnen. Von gestern auf heute hatte ich meine P&L2 von +100.000 DM um 132.000 DM reduziert. Während mein Chef in dieser Woche einen siebenstelligen Betrag verdient hatte, war es mir sogar gelungen, die sicheren Courtage-Einnahmen zu zersägen. Meine erste und wohl auch die letzte Börsenwoche schloss ich jetzt mit einem Verlust von rund 20.000 DM. Das war doch eine gigantische Leistung!
Was hatte ich mir alles darauf eingebildet, dass ich die Banklehre als einer der Jahrgangsbesten des Landes Hessen und kurze Zeit später sowohl die Prüfungen zum Börsenhändler an der FWB als auch zum Kursmaklerstellvertreter und zum EUREX-Terminhändler mit Bravour abgeschlossen hatte. Und jetzt das! Mein Chef würde mir gleich zu Recht kündigen. »Ich Vollidiot« hämmerte es mir entgegen, als ich gerade den Schlusskurs für Linotype mit 1.400 DM feststellte. So wie ein amputierter Körperteil Schmerzen verursachen kann, führte die nicht mehr vorhandene Position in Linotype bei mir zu Phantomschmerzen.
Das durfte nicht wahr sein. Noch vor zwei Tagen hatte ich 1000 Aktien mit 810 einstehen und sie ohne Not mit einem läppischen Gewinn verkauft. Was für eine Chance! Mir waren 490.000 DM Gewinn durch die Lappen gegangen. Stattdessen hatte ich mich zwei ganze Tage lang wie ein Pitbull in die Buderus-Position verbissen. Und dieser Verlust hatte meinen mickrigen Gewinn gekillt! Jetzt lag ich hinten3. Ich hatte sicherlich nicht die Erwartungen meines Chefs und schon gar nicht meine eigenen erfüllt. Jetzt hieß es für mich: »Börse ade, Geld ade, Zukunft ade.«
Ich hatte das Gefühl, auf voller Linie versagt zu haben. Schon jetzt konnte ich nicht mehr nachvollziehen, warum ich die Verlustposition pyramidiert und so lange gehalten hatte. Was war bloß in mich gefahren, dass ich den Gewinn förmlich von mir abgestoßen hatte? Mein Handeln war, daran gab es nichts zu rütteln und zu deuteln, in höchstem Grade unverantwortlich. Aber gerade auf diese Fragen würde ich meinem Chef gleich antworten müssen. Mir fiel absolut nichts ein, womit ich mein dilettantisches und idiotisches Vorgehen hätte begründen können.
Ich hatte mir den Strick selbst um den Hals gelegt und war mir sicher, dass mein Chef ihn im Restaurant zuziehen würde. Als wir uns am Tisch bei seinem Lieblingsitaliener gegenübersaßen, wollte die lockere und heitere Stimmung, die von ihm ausging, so gar nicht zu der von mir erwarteten Exekution passen. Er wollte wissen, wie mir die erste Woche bei ihm gefallen habe und ob ich mir vorstellen könne, mit der Hektik des Börsengeschäfts langfristig zurechtzukommen. Ich antwortete, das habe sich ja nun wohl erledigt nach der Leistung, die ich in den letzten Tagen gezeigt hatte. Er erwiderte, dass ich im Gegenteil heute Morgen die Feuerprobe bestanden hätte.
Ich muss so konsterniert dreingeschaut haben, dass er sofort anfügte: »Hätten Sie heute Morgen nicht die Stärke gehabt, meine Order widerspruchslos auszuführen und den für Sie großen Verlust zu realisieren, wären Ihre Befürchtungen eingetroffen«. Heute weiß ich, wie Recht er damit hatte, dass jemand, der zu schwach ist, Verlustpositionen zu schließen, an der Börse nicht überleben kann. Die Stärke, die Verluste aktiv begrenzen lässt, ist die gleiche Stärke, die Gewinne groß werden lässt.
Ich war sehr erleichtert. Jetzt sprudelte es aus mir heraus, dass ich aber weder ihm noch mir erklären könne, warum ich die Verlustposition so groß werden ließ und die Gewinnposition viel zu früh geschlossen hatte. Er klopfte mir väterlich auf die Schulter und sagte, das sei ein ganz typischer und nur allzu menschlicher Anfängerfehler. Er werde mir jetzt während des Essens erklären, warum ich ohne Vorwissen zwangsläufig so handeln musste, wie ich gehandelt hatte. In den nächsten drei Stunden sollte ich die wichtigste Lektion für den Börsenhandel bekommen.
2 P&L steht für Profit und Loss und bedeutet die Gewinn- und Verlustrechnung des Händlers.
3 Das bedeutet in der Börsensprache: im Verlust liegen.
TEIL A
Mein Chef forderte mich auf, mir vorzustellen, dass wir nach einer langen Wanderung mit großem Hunger in dieses Restaurant eingekehrt sind. Schnell die Karte durchgeblättert, entscheide ich mich für eine leckere Minestrone, die ich bestelle. Der Kellner weist darauf hin, dass in diesem Restaurant die Minestrone immer frisch zubereitet wird und ich dafür mindestens 45 Minuten Wartezeit einkalkulieren müsse. Als Alternative schlägt er eine Tomatensuppe vor, die bereits gekocht ist und daher sehr schnell serviert werden kann.
Die Überlegung ist jetzt: Soll ich warten, um meine favorisierte Minestrone zu bekommen? Dafür muss ich jedoch eine Dreiviertelstunde gegen meinen Hunger kämpfen und mich disziplinieren. Oder soll ich nicht lange nachdenken, die Tomatensuppe bestellen und meinen Hunger sofort stillen? Mein Chef wollte wissen, wie ich mich entscheiden würde.
Wenn ich mich für die Tomatensuppe entschiede, wäre ich nicht allein. Im Gegenteil, ich wäre in Gesellschaft der großen Masse, da seiner Erfahrung nach sich nur ganz wenige Anfänger für das Warten und damit für die Minestrone entscheiden würden.
Der Zusammenhang mit der Börse wurde mir klar, als er die Tomatensuppe mit einem Gewinn von 1 000 DM gleichsetzte, den ich sofort realisieren könne, und die Minestrone mit einem Gewinn von 3.500 DM, auf den ich aber noch warten müsse.
Offensichtlich gibt es einen Zusammenhang zwischen der Bereitschaft, im aktiven Handel kleine Gewinne schnell mitzunehmen, also bei Hunger die erstbeste Suppe zu akzeptieren, und andererseits Gewinne nicht laufen zu lassen, obwohl jedem klar sein müsste, dass nur auf diese Weise langfristig die wirklich großen Gewinne eingefahren werden können.
Ich werde nie in den Genuss einer frisch zubereiteten Minestrone kommen, wenn ich mich wegen meines Hungergefühls mit der Tomatensuppe zufriedengebe.
Niemand kann im aktiven Trading einen wirklich großen Gewinn machen, wenn die Veranlagung besteht, gewinnbringende Positionen zu früh zu schließen. Ein solches Verhalten wird zu keinem befriedigenden Resultat führen.
Der erwartete Lohn wird sich nicht einstellen, wenn im Plus nicht geduldig ausgeharrt werden kann. Die impulsive und oft nicht nachvollziehbare Tendenz, zu früh einen Gewinntrade zu schließen, führt immer wieder zu lausigen Gewinnen. Selbst Wochen, nachdem eine Position zu früh geschlossen wurde, kann einem das Herz schwer werden, weil man fassungslos vor der ursprünglich erwarteten und sogar noch günstiger verlaufenen Kursentwicklung steht. Das sind die Phantomschmerzen der Börse! Obwohl ich die Linotype-Position zwar mit meinem bis dahin größten Gewinn geschlossen hatte, schmerzte mich dieser Gewinn stark. Unbewusst hatte ich meinen Profit als Verlust gefühlt und abgespeichert. Das ist bei genauerer Betrachtung auch gar nicht so unberechtigt. Der Vergleich des entgangenen Gewinns mit dem tatsächlich realisierten führt fast immer dazu, dass das positive Vorzeichen negativ gefühlt wird.
In den ersten Jahren bin ich nicht selten am Ende eines Börsentages trotz eines ordentlichen Gewinns schlecht gelaunt nach Hause gegangen. Objektiv gesehen bestand hierfür kein Grund. Und wenn die Partnerin einem Beruf mit einem durchschnittlichen Einkommen nachgeht, ist es für sie nicht nachvollziehbar, dass der Gewinn eines Tages, der zumindest der Höhe ihres Monatseinkommens entspricht, beim Börsenhändler zu schlechter Laune führt. Sie kann nur den realisierten Gewinn sehen und diesen in Relation zu einer Bezugsgröße aus ihrer Erfahrungswelt setzen. Der Händler dagegen hat eine ganz andere Vergleichsbasis. Er setzt den realisierten kleineren Gewinn in Beziehung zu dem entgangenen und muss zu Recht feststellen, dass er beispielsweise dreimal so viel verdient hätte, wenn er geduldig gewesen wäre. Genau hier setzt der Frust ein. Er selbst hat unbewusst das Netz mit den kleinen Fischen eingezogen und den großen Fang vorbeiziehen lassen.
Am schmerzhaftesten ist dabei immer wieder die Erkenntnis, dass der Händler selbst, ganz aus freien Stücken, ohne äußeren Zwang, die kleine Gewinnposition zugemacht hat. Im Nachhinein sieht es so aus, als ob er in allergrößter Not vor dem »gefährlichen und bösen« Gewinn flüchten musste. Der größere Gewinn war zum Greifen nahe. In erster Linie haben ihn seine Psyche, latente Verlustängste und dann erst mangelnde Kenntnis von Handelstechniken vom großen Gewinn abgehalten.
Auf meine Frage als absoluter Tradinganfänger, ob ich nicht langfristig auch mit vielen kleinen Gewinnen erfolgreich sein könne, erhielt ich damals die Antwort, dies sei in der Realität des Börsenhandels ein gewaltiger Trugschluss. Abgesehen davon, dass viele kleine Gewinne nicht wirklich reich machen, führt der Anblick potenziell großer Gewinne unausweichlich zu Frust. Ein Trader, der zu schwach ist, seine Position laufen zu lassen, wird überwiegend kleine Gewinne einfahren. Genau die gleiche Schwäche wird ihn bei negativen Geschäften davon abhalten, seine Verluste entschieden zu begrenzen.
Daher ist es elementar, sich bewusst zu machen, dass am Ende die vielen kleinen Gewinne nie ausreichen werden, um die wenigen großen Verluste auszugleichen. Der Trader muss Gewinne erwirtschaften, die die mit jedem Geschäft verbundenen Risiken rechtfertigen, da ansonsten ein einziger größerer Verlust mit einem Schlag die über einen langen Zeitraum nach dem Eichhörnchenprinzip angesammelten kleinen Gewinne zunichtemachen kann.
Gerade heutzutage, wo der Zugang zu den Wertpapiermärkten erheblich vereinfacht wurde, sodass breite Schichten der Gesellschaft aktiv am Handel teilnehmen können, ist die Vorstellung weit verbreitet, mit einem schnellen Handel immer wieder kleine Gewinne erwirtschaften zu können. Dieses Modell ist wegen der deutlich höheren Volatilität in noch viel stärkerem Maße zum Scheitern verurteilt. Ich höre immer wieder von Menschen, die mit Börsenspekulation ihr Einkommen etwas aufbessern wollten und dabei ihr gesamtes eingesetztes Kapital verloren haben.
Während mein Chef redete, dämmerte mir langsam, in welche Falle ich mit dem Gewinntrade in Linotype getappt war. Warum hatte ich bisher noch nie etwas darüber gelesen und warum war ich während der ganzen Ausbildungszeit nicht darauf aufmerksam gemacht worden? Wie viel ich noch zu lernen hatte, wurde mir erst klar, als der Senior begann, meinen Buderus-Trade wie ein Chirurg zu sezieren. Er verglich mich mit einem Reh, das geblendet vom Scheinwerferlicht eines Fahrzeugs auf der Autobahn wie gebannt stehen bleibt und wartet, bis es angefahren wird. Ich hatte mich genauso verhalten. Der anfänglich kleine Verlust hatte mich paralysiert. Nur deshalb blieb ich auch stehen und schaute zu, wie der Verlust mir über den Kopf wuchs. Dass ich mit einem Reh gleichgesetzt wurde, ärgerte mich damals. Wahrscheinlich weil ich ahnte, wie recht er damit hatte.
Warum war es mir damals eigentlich so schwergefallen, diesen Verlust zu akzeptieren? Der alte Herr erklärte, dass wir von Grund auf darauf konditioniert sind, alles von uns fernzuhalten, was uns in irgendeiner Form wehtun könnte. So weiß jeder, es wird empfohlen, zweimal jährlich den Zahnarzt zur Kontrolle aufzusuchen. Entweder tue ich dies regelmäßig und nehme das kleine Übel und die damit verbundenen vergleichsweise geringen Unannehmlichkeiten hin. Oder ich unterlasse den regelmäßigen Arztbesuch und gehe erst zur Behandlung, wenn ich starke Schmerzen habe. Was dabei verdrängt wird: Auf diese Weise wird die Behandlung langwieriger, schmerzhafter und deutlich teurer werden.
Der Transfer zur Börse ist einfach: Die regelmäßigen Kontrolluntersuchungen sind die im Börsenhandel regelmäßig eintretenden kleinen Verluste. Die große, teure und viel schmerzhaftere Zahnbehandlung entspricht dem großen Verlust, der nie beabsichtigt war, der aber eingetreten ist. Obwohl ich eigentlich nur allzu deutlich vor Augen hatte, was passierte, verdrängte ich, dass der Verlust wuchs und gedieh – und war nicht in der Lage, die Notbremse zu ziehen.
Die fehlende Bereitschaft, immer wieder einen kleinen Verlust zu realisieren, führt irgendwann zum großen Verlust.Die Frage ist hier nicht, ob, sondern wirklich nur wann der Verlust das gesamte Vermögen vernichtet. Diesen Sachverhalt solle ich nie anzweifeln und als Grundregel verinnerlichen, sagte mein Chef. Mein Einwand, Positionen, die anfänglich im Verlust sind, könnten sich ja auch erholen und sogar in einen Gewinn verwandeln, sodass das frühzeitige Schließen nicht immer sinnvoll sei, wurde weggewischt. Sein Argument war, ich müsse nur lange genug dabei sein, um vom Monsterverlust getroffen zu werden. Gerade die Tatsache, dass manchmal ein Verlust sich gewinnbringend umkehrt, verführt dazu, in nachfolgenden Geschäften ohne jeglichen Stopp zu arbeiten. Die fehlende Verlustbegrenzung muss unausweichlich zum Desaster führen.
Die Mutter eines jeden Totalverlustes ist immer zuerst ein kleiner Verlust, der gegen alle Regeln der Vernunft und Handelslogiken nicht realisiert worden ist.1 Große Verluste resultieren aus einer psychologisch eingeschränkten Entscheidungs- bzw. Handlungsbereitschaft und den fehlenden Entscheidungskriterien bzw. -techniken, also dem Wissen darum, wann es Zeit ist, einen Verlust hinzunehmen.
Ich beobachte immer wieder diese Verhaltensweisen, die auf den ersten Blick völlig irrational erscheinen. Es entsteht der Eindruck, als ob der Händler sich ganz bewusst schaden möchte. Außenstehende können oft nicht nachvollziehen, wie ein ansonsten erfolgreicher, intelligenter Mensch, der mit beiden Füßen auf der Erde zu stehen scheint, solch gravierende Fehler begeht. Wieso lässt er zu, dass sein Vermögen vor seinen Augen dahinschmilzt?
Sehr leicht kann der Eindruck entstehen, es handele sich um eine Form von Selbstsabotage. Wie anders sollte sich auch jemand erklären, der bisher noch nie gehandelt hat, dass der Händler eine Aktie, mit der er im Gewinn liegt, die für ihn läuft und sein Konto stetig wachsen lässt, mit Energie und Entschiedenheit verkauft, um später zu sehen, dass er ein Vermögen verdient hätte, wenn er nur die Füße stillgehalten und geduldig abgewartet hätte. Ganz freiwillig hat er sich um den ihm zustehenden Lohn für sein eingegangenes Risiko gebracht. Die investierte Arbeitszeit für die Analyse der Märkte, die Auswahl des Titels und die Durchführung des Trades ist ebenso verlorene Zeit.
Auf der anderen Seite hält er jedoch die Aktie, mit der er von Anfang an im Verlust liegt. Er verdreht den Spruch aus dem bekannten Märchen von Aschenputtel: »Die Guten ins Töpfchen, die Schlechten ins Kröpfchen«: »Das, was gut ist, gebe ich dem Markt zurück und das, was schlecht ist, behalte ich für mich.«
Händler, die gegen alle Regeln der Vernunft und Handelsgesetze agieren, gehen noch einen Schritt weiter: Regelmäßig verkaufen sie Gewinnpositionen sehr frühzeitig, wovon die meisten sich später als sehr gute Trades erwiesen hätten. Und Positionen, die ihnen Verluste bringen, sprich Schmerzen, werden nicht glattgestellt, sondern – nein – jetzt wird erst richtig dagegengehalten2.
Der bei den Gewinnpositionen so um seinen kleinen Gewinn besorgte Angsthase wandelt sich bei Verlusten zum wahren Herkules. Er schultert also nicht nur den Anfangsverlust der ersten Position, sondern fühlt sich auch stark genug, noch mehr von dieser schlecht laufenden Aktie ins Depot zu nehmen. Sein Depot wächst über alle ursprünglich gesetzten Grenzen hinaus. Je mehr die Aktie fällt, desto mehr kauft der Händler von dieser Aktie.
Der ambivalent handelnde Anfänger verhält sich an der Börse so, dass er das, was er eigentlich haben will, den großen Gewinn, nicht zulässt und sich mit einem kleinen zufriedengibt. Das Fatale daran ist: Diese Entscheidung führt später im Angesicht des großen Gewinns immer zu Ärger und Frustration über die zuerst gefällte Entscheidung. Es ist selbsterklärend, dass kleine Gewinne nicht zufriedenstellen werden, wenn große Gewinne nicht realisiert wurden. Dies kann zu abwertenden Selbstbeurteilungen und folgenschweren, handlungshemmenden Reaktionen führen.
Der Börsenhandel ist unnachgiebig und erzieht die Anleger sehr hart. Ich musste also lernen, dass ich, solange ich nicht bereit bin, Verluste hinzunehmen, auch keine nennenswerten Gewinne machen kann. Viele Anleger möchten eine Börse ohne Verluste haben. Dies ist der Stolperstein, der zu den wirklich großen Verlusten führt. Es gibt keine ewige Schönwetterbörse!
Dass ein erwachsener Anleger glaubt, mit dem ihm haushoch überlegenen Markt darüber diskutieren zu können, wer Recht hat, und vor allem, trotz besseren Wissens, nicht in der Lage ist, einfach einen kleinen Verlust, der ihm nicht wehtut, hinzunehmen, kann am Anfang einer Handelstätigkeit noch akzeptiert werden. Danach kann ein solches immer wieder auftretendes Fehlverhalten den persönlichen Ruin bedeuten.
Mechanismen, die uns im Handel schaden, wurden mir also gleich zu Beginn entschlüsselt, damit ich nicht mehr in diese Fallen tappen musste. Erst wenn man eine Wirkungsweise versteht, kann diese mit Bewusstheit angeschaut werden. Ein nachvollziehbares Verhalten, auch und gerade, wenn es völlig irrational scheint, führt zu Verständnis. Verständnis wiederum führt dazu, dem Neuen mit Aufmerksamkeit zu begegnen. Erst diese Aufmerksamkeit kann den Händler dazu befähigen, bewusst den Miniverlust dem großen Monsterverlust und den großen Gewinn dem kleinen vorzuziehen. Ich musste erkennen und akzeptieren, dass gelegentliche Verluste auf dem Weg zum großen Gewinn hingenommen werden müssen. Um diesen Bewusstwerdungsprozess geht es in diesem Buch.
Das Wissen um unsere innerpsychischen Prozesse, gepaart mit Achtsamkeit und Aufmerksamkeit im Handel, ist letztendlich der Schlüssel für den Erfolg. Jeder, der an der Börse und vielleicht auch in anderen Lebensbereichen erfolgreich sein will, sollte diesen Schlüssel haben. Keine noch so ausgefeilte Analyse, nicht das allerbeste Handelstool und nicht die beste Handelsstrategie der Welt, werden verhindern können, dass aus dem größten Vermögen ein kleines wird, wenn die oben beschriebene Grundhaltung nicht beachtet wird.
Alle großen Börsendesaster, individuelle wie kollektive, haben immer ihren Ursprung darin, dass Verluste nicht frühzeitig geschlossen wurden. Dabei war entweder das Anfangsvolumen zu hoch oder die Position wurde umso größer ausgebaut, je stärker sie in den Verlust lief.
Diese Risiken im ersten Schritt zu erkennen – gemeint ist hier ein Erkennen des Selbst, also der Frage, wie reagiere und agiere ich warum in welcher Situation –, ist notwendig, um dann im zweiten Schritt diese Risiken weiträumig zu umschiffen. Das war neben der Vermittlung von anwendbarem, praktischem Börsenwissen das Hauptanliegen dieses Gesprächs. In den kommenden Jahren zog sich dies wie ein roter Faden durch meine Ausbildung. Ich wurde nie mit den allgemein üblichen Binsenweisheiten wie »Gewinne laufen lassen und Verluste abschneiden« abgefertigt. Immer wurde mir eine konkrete Technik zum Erkennen und Lösen von Problemen aufgezeigt. Zuerst wurde ich darauf aufmerksam gemacht, was ich falsch gemacht hatte. Dann wurde erklärt, warum trotz gesunden Menschenverstandes Trader die Disposition haben, es immer wieder falsch zu machen. Hieraus ließ sich dann die Erkenntnis ziehen, welches Verhalten richtig und zielführend ist.
Im Kern geht es darum, dass dort, wo selbstbeherrschtes Verhalten unabdingbar ist, von Anfängern eher impulsiv und ungeduldig reagiert wird. Umgekehrt wird dort, wo schnelles entschiedenes Handeln und Durchgreifen gefordert ist, zögerlich und unentschieden gehandelt. Angst- oder Schockstarre führt zu einer Handlungsohnmacht, die sich kein Trader ungestraft leisten darf.
Mein Chef machte mich darauf aufmerksam, dass ich sowohl die Linotype- als auch die Buderus-Position weitgehend unbewusst geschlossen hatte. Prozesse, die wir ohne Bewusstsein machen, die also im Vorbewussten stattfinden, müssen irgendwann einmal für die Spezies Mensch in einem größeren Zusammenhang sinnvoll gewesen sein. Unbewusste Reaktionen, für unser Überleben früher unabdingbar und deshalb richtig, können sich heute als falsch erweisen. Unsere Lebensumstände haben sich in den letzten Jahrhunderten dramatisch verändert. Ein Beispiel: Früher war es sehr gut, einen leichten Schlaf zu haben. Das konnte unter Umständen unser Leben retten, das ja permanent durch wilde Tiere oder menschliche Feinde bedroht war. Heute in Zeiten relativer Sicherheit erweist sich diese von der Natur seinerzeit sinnvolle »Programmierung« jedoch manchmal als Fluch und Hindernis für einen guten und gesunden Schlaf.
Wieso kann die »Programmierung« Sinn gemacht haben, Gewinne und Belohnungen sofort mitzunehmen und Unangenehmes, negative Ereignisse, also Verluste, so weit wie möglich vor sich herzuschieben? Diese psychologischen Mechanismen hatte ich ja in den letzten drei Tagen an mir selbst beobachten können.
Im Handel kommt es oft zum Konflikt zwischen Kopf und Bauch, was in der Kollision zwischen Disziplin und Impulsivität zum Ausdruck kommt. Wann und warum kann für die Spezies Mensch ein impulsives Verhalten lohnend gewesen sein? Um diese Frage wirklich befriedigend beantworten zu können, muss der Blick weit in die Vergangenheit gerichtet werden. Als vor einigen zehntausend Jahren die Urmenschen noch durch die Steppe zogen, war ihre Lebenserwartung sehr niedrig. Oft erreichten nur wenige die Geschlechtsreife, da sie von außen ständig bedroht wurden und vor wilden Tieren, aber auch den Keulen anderer Urmenschen nicht sicher waren. Zudem waren sie Naturgewalten wie Hitze, Kälte und Dürre und damit einhergehend einem extremen Nahrungsmangel ausgesetzt. Möglichkeiten, in die Zukunft zu planen, waren sehr eingeschränkt. Es war ja nicht einmal sicher, ob die kommende Nacht überlebt würde.
Vor diesem Hintergrund war es für den Menschen optimal, immer schnell das zu nehmen, was gerade da war, es zu nutzen oder zu konsumieren. Aufschub war unter diesen Bedingungen nicht sinnvoll. Nur diejenigen, die impulsiv im Augenblick lebten, konnten überleben. Sah ein »Fred Feuerstein« beispielweise ein Weibchen, so war es für ihn unter dem Aspekt der Erhaltung und Weiterreichung der eigenen Gene am sinnvollsten, sich sofort mit ihr zu paaren. So haben sich über die Jahrtausende hinweg diejenigen, deren Gene sie impulsiv reagieren ließen, gegenüber jenen durchgesetzt, die gezögert und ihre Bedürfnisse in die Zukunft verlagerten. Ein herausragendes Merkmal des »Survival of the Fittest« war also, impulsiv zu handeln und kurzfristige Ereignisse höher zu bewerten als weiter weg liegende.
In gewisser Weise ist auch der heutige Mensch noch dazu veranlagt, das, was da ist, sofort zu greifen und zu vertilgen. Deshalb besteht in unserem Verhalten die Tendenz, Gewinne immer zu früh mitzunehmen. Es war also auch der Hominide in mir, der mich die Keule schwingend dazu gezwungen hatte, den kleinen Gewinn mitzunehmen.
Die Disposition, kleine Verluste nicht realisieren zu können, wurde mir ebenfalls unter dem Gesichtspunkt der Evolution erklärt. Warum hätte der Hominide eine Beere, die ihm nicht schmeckt, überhaupt essen sollen? Es war für ihn viel einfacher und sinnvoller, seinem Impuls folgend das Unangenehme einfach links liegen zu lassen und sich etwas anderem zuzuwenden oder einfach weiterzuziehen.
Die Zeit, in der aus dem kleinen Verlust ein schmerzhafter, riesengroßer Verlust werden würde, hat der Hominide ja vielfach gar nicht erlebt. Warum hätte er seine Zähne putzen sollen, wenn er durchschnittlich nicht das zwanzigste Lebensjahr erreichte, aber bis zu diesem Zeitpunkt seine Zähne trotz Karies ihre Funktion noch im Wesentlichen erfüllten? Bevor die mangelnde Zahnpflege zu Zahnschmerzen führte, trat – aus anderen Gründen – längst der Tod ein.
Ein anderes Verhalten, das bei Börsenverlusten häufig auffällt und am besten mit »sich tot stellen« beschrieben werden kann, muss ebenso als vom Urmenschen ererbt angesehen werden. Wenn der Hominide von einem stärkeren und mächtigeren Gegner angegriffen wurde, hatte er zwei Alternativen: entweder, wie bereits beschrieben, alles liegen und sein zu lassen, wegzurennen und zu hoffen, dass sich schon alles richten wird. Oder sich tot zu stellen und zu hoffen, so zu überleben. Vielfach hat diese Reaktionsweise auch geholfen. Genau das gleiche Verhalten legen Menschen unbewusst beim Handeln an den Tag, vor allem, wenn es sich um hohe Kursverluste handelt. Sie sehen einen gewaltigen Gegner. Wegrennen können sie nicht mehr, da der Bär ihnen bereits zu nahe ist. Am Ende ist die Angst so stark, dass keine vernunftbezogenen psychisch-physischen Reaktionen mehr erfolgen können. Die genetische Programmierung führt dazu, sich auch im Börsenkontext tot zu stellen. Dieses Verhalten führt zum sicheren Tod des Kontos.
Es wird ignoriert, dass der ursprüngliche Verlust immer größer wird. Die Wahrnehmung ist sehr stark eingeschränkt. Die einzige Hoffnung ist, die Gefahr möge bald vorüberziehen und man irgendwie überleben. Das ist die Stunde von Hoffen und Beten. Nichtbeteiligte, die nicht in dieser Ohnmacht gefangen sind, können nicht nachvollziehen, warum sich der Totstellende nicht rettet, seine Position nicht verkauft und einen kleinen Verlust realisiert. Für den Außenstehenden ist der gefährliche Bär nicht existent.
Der Unbeteiligte sieht die Börse und denkt, er kann jederzeit eine Position eröffnen und schließen und nichts und niemand könne ihn daran hindern. Dabei übersieht er völlig das in ihm schlummernde Urwesen, das in extremen Stresssituationen sein eigenes automatisches Schutzprogramm ablaufen lässt. Noch einmal wurde ich darauf hingewiesen, dass mein Aushalten der Verlustposition in Buderus nicht das Resultat von selbstbeherrschtem Verhalten war. Selbstkontrolliert verhält sich derjenige, der erkennt, dass die Börse nicht das gefährliche Raubtier ist, und der, statt abzuwarten, selbst bestimmt, jetzt den Verlust, wo er noch klein und verschmerzbar ist, zu begrenzen und die Position zu schließen.
Ich hatte verstanden, dass unsere von der Evolution vorgegebenen Verhaltensmöglichkeiten, sowohl wenn es um positive als auch wenn es um negative Ereignisse geht, im Börsenkontext schaden können. Wer zukünftige Ereignisse unterbewertet, die praktisch mit Gewissheit eintreten werden, folgt insgesamt nicht der besten Entscheidungsstrategie. Mit dieser Disposition lassen sich langfristig die Chancen, die der Handel bietet, nicht realisieren.
Selbstkontrolliertes, d. h. erfolgsorientiertes Verhalten an der Börse zeichnet sich dadurch aus, dass
1.ich mich auf meine Aufgaben konzentriere und nicht ablenken lasse,2.ich mein Verhalten ändere, indem ich Einflüsse verändere, die mein Verhalten steuern – in diesem Geiste sind Fehler unvermeidbar und nicht schlimm, solange aus ihnen gelernt und sie nicht wiederholt werden,3.ich nicht aus Zorn, Wut, Frust, Angst, Gier und Ärger heraus eine Position eröffne oder schließe,4.ich nicht aus Zorn, Wut, Frust, Angst, Gier und Ärger heraus eine Position nicht eröffne oder nicht schließe,5.ich Gewinne nicht impulsiv mitnehme, sondern mit einer sinnvollen Ausstiegslogik immer den größeren Gewinn anstrebe,6.ich Verluste nur bis zu einer Höhe zulasse, die ich ertragen kann, mit der ich mich wohlfühle.Impulsives Verhalten zeichnet sich durch rasches, unüberlegtes und sprunghaftes Handeln aus, ist also immer kurzfristig motiviert. Die langfristigen Auswirkungen der Handlungen werden nicht in die kurzfristige Befriedigung von Wünschen beziehungsweise Umgehung von Schmerzen eingerechnet.
Ein Spezifikum der Selbstkontrolle ist, dass sie speziell im Börsenkontext mit jedem Blick auf den Kurs oder den Chart von Neuem aufgebaut werden muss, damit sie erhalten bleibt. Wenn ich eine Aktie bei 50 Euro gekauft habe und diese jetzt bei 60 notiert, genügt es nicht zu sagen: »Okay, ich verkaufe die Aktie nicht, da ich erwarte, dass sie auf 100 steigt.« Ist der Kurs auf 70 gestiegen, muss die Entscheidung von Neuem getroffen werden. Beim nächsten Blick, wenn sie weiter auf 80 gestiegen ist, muss sich der Händler in viel stärkerem Maße davor schützen, den jetzt deutlicheren Gewinn mitzunehmen. Je näher der Kurs an die avisierten 100 Euro herankommt, umso mehr Kraft kostet es ihn, nicht einfach den immer höher gewordenen Gewinn mitzunehmen. Die Selbstkontrolle aufrechtzuerhalten wird deshalb schwerer, weil parallel zum Anstieg des Gewinns die Angst, diesen wieder zu verlieren, in viel stärkerem Maße ansteigt. Genau diese Angst sabotiert die Selbstkontrolle. Händler, die acht oder mehr Stunden vor dem Monitor sitzen und immer sofortigen Zugriff auf die Märkte haben, können leicht Gefahr laufen, ganz und gar von ihrer Angst gefangen genommen zu werden.
Menschen, die erste Erfahrungen an Börsen gesammelt haben, berichten genau von dieser Art der Verführung. Sie wissen oft gar nicht, warum und wie sie eine Position eingegangen oder auch geschlossen haben. Neben der permanenten Verlockung ist es leicht nachvollziehbar, dass sich Anfänger in diesem Überangebot an Möglichkeiten verlieren. Grundsätzlich werden Selbstkontrolle und Impulsivität dadurch bestimmt, wie ich den Wert eines spezifischen Ereignisses und die Zeitspanne bis zum Eintritt dieses Ereignisses beurteile. Heutige Handlungen, Entscheidungen und Verhalten werden also von einem zukünftigen Ereignis und der Zeitspanne bis zu dessen Eintritt beeinflusst.
Selbstkontrolle nimmt in dem Maße ab, in dem die Zeitspanne bis zum Eintritt des gewünschten Ereignisses zunimmt. Je länger ich auf die Minestrone warten muss, umso unwahrscheinlicher ist es, dass ich mich dafür entscheide. In der Börse würde es viel leichter fallen, einen aktuellen Gewinn von 1000 Euro laufen zu lassen, wenn die Gewissheit da wäre, dass in fünf Minuten 1500 Euro Gewinn zu realisieren sind. Je länger ich auf den höheren Betrag warten muss, umso höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass ich mich dagegen entscheide. Der Spruch »Lieber den Spatz in der Hand als die Taube auf dem Dach« reflektiert ganz eindrucksvoll die Tendenz, kurzfristige Ereignisse langfristigeren vorzuziehen, auch wenn das Langfristige objektiv die bessere Option ist.
Je wichtiger oder positiver Händler das gewünschte Ergebnis einstufen, umso eher sind sie bereit, selbstkontrolliert zu handeln, sprich zu warten. Das heißt, je wichtiger das Erzielen von großen Gewinnen und das Zulassen von kleinen Verlusten wird, umso leichter fällt es, die hierfür notwendige Energie und Disziplin aufzubringen. Dies setzt eine Verzichtsleistung voraus.
An der Börse muss man sich zwischen zwei möglichen Konsequenzen seines Verhaltens entscheiden, ohne sie vorab genau zu kennen. Die Entscheidung ist für den Ungeübten schwieriger und schmerzvoller. Sowohl das Laufenlassen von Gewinnen als auch das Begrenzen von kleinen Verlusten sollte immer wieder neu bestätigt, verstärkt und gefestigt werden. Gelingt diese Verhaltensänderung, dann wird das, was vorher schwer war, mit jedem Geschäft einfacher und die Willensstärke nimmt zu. In vielen Börsenbüchern wird empfohlen, emotionslos zu handeln. Das ist falsch. Der Mensch hat sehr starke und mächtige Emotionen. Diese werden während des Börsenhandels verstärkt und lassen sich nicht abstellen. Mit ihnen sollte ein richtiger Umgang gefunden werden. Es gilt, Gefühle bewusst wahrzunehmen und sein Handeln unbeeinflusst von diesen starken Emotionen mit ruhigem Kopf zu steuern.
Der Ratschlag, der mir damals gegeben wurde, war nicht, emotionslos zu sein, sondern im ersten Schritt den Fred Feuerstein in mir zu erkennen, um ihn dann im zweiten Schritt zu kontrollieren. Das aufmerksame Beobachten unserer inneren Programmierung schützt davor, immer wieder fundamentale Fehler an der Börse zu begehen, und ermöglicht erst ein selbstbestimmtes und selbstkontrolliertes Handeln.
Selbstkontrolliertes Verhalten wird umso wichtiger, je weniger äußere Strukturen vorhanden sind, da diese per se impulsives Handeln verbieten. Ein Angestellter, der seinem Arbeitgeber Rechenschaft ablegen muss, wird immer selbstkontrollierter handeln als ein selbstständiger Daytrader. Das ist der entscheidende Nachteil der privaten Händler gegenüber dem professionellen Handel. Der Händler einer Bank kann es sich nicht erlauben, eine Verlustposition nicht zu schließen und zuzuschauen, wie der Verlust immer größer wird. Damit läuft er Gefahr, sofort entlassen zu werden. Während beim privaten Händler niemand außer ihm selbst verhindern kann, dass die Verluste bis zum Totalverlust anwachsen, wird das beim Profi durch die Risikokontrollabteilungen unterbunden.
Derjenige, der tun und lassen kann, was er will, wird dies auch immer machen! Er wird alles sein lassen, was anstrengt, und alles tun, was ohne Anstrengung zu erreichen ist. Erfahrungen mit großen Gewinnen, die erhebliche Anstrengungen voraussetzen, fördern die Tendenz, sich für solche Belohnungen zu entscheiden, auch weil mit steigendem Erfolg das Vertrauen des Händlers zu sich selbst sowie zu seinen Handelsstrategien wächst und die Anstrengungen abnehmen.
Als mir mein Chef beim Dessert auftrug, über das Wochenende auszuarbeiten, mit welchen Methoden ich meine Disziplin steigern könne, war mir endgültig klar, dass es sich doch nicht um meine Henkersmahlzeit gehandelt hatte. Wie klug er bei meiner Ausbildung vorging, kann ich erst heute wertschätzen. Er ließ mich nie spüren, wie haushoch überlegen er mir in allem war, was die Börse betraf. Statt mich zu kritisieren, motivierte er mich, mir selbst umfangreiches und tiefreichendes Börsenwissen anzueignen. Das ist es, was man sich von einem guten Lehrer nur wünschen kann.
1 Realisieren meint hier zweierlei: zum einen das im allgemeinen Sprachgebrauch gängige physische Wahrnehmen. Der Verlust wird als solcher einfach nicht erkannt. Zum anderen bedeutet an der Börse die Realisierung die Schließung einer bestehenden Position. Als Folge von Positionsschließungen können Gewinne oder Verluste entstehen.
2 Das bedeutet an der Börse, eine in den Verlust laufende Position auszubauen.
Am darauffolgenden Montag gab ich meinem Arbeitgeber eine DIN-A4-Seite mit meinen Vorstellungen, wie ich Selbstkontrolle steigern könne. Diese waren unvollständig, sehr theoretisch und nicht wirklich brauchbar. Sein Wissen jedoch, wie ein Börsenhändler effektiv die Selbstkontrolle steigern kann, gab mir der Chef nicht einfach so weiter. Vielmehr schuf er Situationen, in denen ich mir dieses Wissen selbst erarbeiten und aneignen musste. Seine Hilfe bestand darin, mich auf den richtigen Pfad zu lenken und diesen auszuleuchten. Den wichtigsten Punkt habe ich noch nicht genannt: Sollte ich ein weiteres Mal Verluste unkontrolliert laufen lassen, würde dies die sofortige Kündigung nach sich ziehen. Das saß!
Im Laufe der Zeit haben sich folgende Methoden zur Stabilisierung der Selbstkontrolle im Börsenhandel bewährt:
Unmittelbar kann Selbstkontrolle verstärkt werden, indem man Positionen beim ersten Aufkommen von Unsicherheit oder Impulsivität reduziert. Wenn Sie einen kleinen Gewinn haben und spüren, wie Sie nervös werden, können Sie den inneren Druck verringern, indem der Gewinn beispielsweise zur Hälfte realisiert wird. Analog können Sie, sobald Sie bemerken, dass Sie sich innerlich dagegen wehren, einen kleinen Verlust zu realisieren, dies im ersten Schritt mit der halben Position tun. Positionsverkleinerungen werden Sie entlasten und helfen, selbstkontrollierter und damit rationaler zu handeln. Dies ist eine sinnvolle Strategie. Es wird Ihnen zunehmend leichter fallen, dann auch einmal eine ganze Gewinnposition laufen zu lassen oder einen kleinen Verlust mit der gesamten Positionsgröße sofort einzustecken. Positionsteilungen sind nur ein Hilfsmittel, um langfristig dahin zu kommen, Gewinnpositionen bis zum Ende laufen zu lassen.
Positionsverkleinerungen beruhigen die Nerven, helfen wieder klar zu denken und seiner Regeln gewahr zu werden. Mit vermindertem Volumen können Sie Ihre Regeln einhalten. Kleine Positionen sind wie Schutzzäune für junge Bäume.
Für unsere psychologische Konstitution ist es unerheblich, ob ein gesetztes Regelwerk mit ganzem oder reduziertem Volumen erfüllt wurde. Allein die Tatsache, dass Sie es geschafft haben, stimuliert Ihre Psyche positiv und gibt Ihnen die Kraft und Sicherheit, dies beim nächsten Trade zu wiederholen. Vergangene Trades wirken auf diese Weise in unsere zukünftigen Trades hinein. Positive Aktionen pflanzen sich fort. Umgekehrt wird falsches Handeln wie eine Erbsünde in die zukünftigen Geschäfte weitergereicht.
Eine ebenfalls sinnvolle Methode, die Selbstkontrolle zu steigern, ist die der Vorabfestlegung. Zum Beispiel kann von vornherein festgelegt werden, dass jede Position geschlossen wird, sobald sie 3 % im Gewinn oder 1 % im Verlust ist. Der in uns wohnende Saboteur hat nichts mehr zu melden. Schon seit alters her werden Verfahren der Vorabfestlegung eingesetzt, um Selbstkontrolle zu verstärken. So wie Sie jeden Abend mit dem Wecker vorab festlegen, wann Sie am nächsten Morgen aufstehen wollen, können Sie jeden Tag von Neuem festlegen, welches Verhalten Sie an der Börse an den Tag legen möchten. Und so, wie Sie nach einer gewissen Zeit ohne Wecker morgens zur gleichen Zeit wach werden, verhalten Sie sich schon nach kurzer Zeit im Börsengeschäft automatisch richtig. Das selbstkontrollierte Handeln geht in Fleisch und Blut über.
Selbstkontrolliertes bzw. impulsives Verhalten ist auch eine Funktion von Hunger. Ein sehr eindringliches Bild von Börsenhunger habe ich in einem Seminar erlebt, in dem ich die Teilnehmer bat, in der Runde zu erzählen, welchen Betrag sie als Gewinn im Monat verdienen möchten. Die Frage diente ursprünglich dazu, die sinnvolle Positionsgröße im Futurehandel je nach Gewinnziel zu bestimmen. Zwei Teilnehmer sagten übereinstimmend, dass sie im Monat 20 000 Euro zu verdienen anstreben. Da es sich um ein Zweiwochenseminar handelte, wusste ich aus persönlichen Gesprächen, dass einer der Teilnehmer über ein Tradingkapital von ca. 1 Million und der andere über 20 000 Euro verfügte. Nun erschließt sich das Bild vom Börsenhunger. Ein Trader mit lediglich 20 000 Euro möchte im Monat 20 000 Euro verdienen. Das entspricht einer Kapitalverdopplung. Der Trader mit der Million wollte auch 20 000 Euro verdienen, das entspricht 2 %. Welcher dieser beiden wird besonnener und selbstkontrollierter handeln können? Wer wird wahrscheinlich völlig überzogene, jeglichen Risikoregeln widersprechende Geschäfte eröffnen und diese impulsiv schließen? Wer wird zu Aktionismus neigen?
Der schwach kapitalisierte Händler ist hier das in der Nacht vom Scheinwerferlicht auf der Autobahn irritierte Reh. Auch in der Realität war dieser Händler geblendet. Er wusste nicht, ob Long, Short, Flat, Optionen oder besser Währung, vielleicht auch Aktien, und hätte am liebsten alles auf einmal gehandelt. Noch im Laufe des Seminars erkannte er, dass der unersättliche Hominide in ihm vollkommen die Kontrolle hatte. Damit konnte er sich selbst seinen Renditerambo-Milchzahn ziehen. So wie man satt sein sollte, wenn man einkaufen geht, weil man sonst impulsiv dazu neigt, mehr zu kaufen, als man braucht, muss man an den Börsen satt sein, um erfolgreich handeln zu können.Das Sattsein hat dabei nichts mit der absoluten Kontogröße zu tun. Vielmehr spiegelt es die Relation von den Handelszielen zum Handelskonto wider.Bücher mit reißerischen Titeln wie »Millionär werden in 7 Tagen« zielen genau auf diesen Hunger ab. Inhalt solcher Bücher ist das hirnlose Zocken, nicht das solide Ausüben des Börsenhandwerks. Spekulieren hat mit Glücksspiel nichts gemeinsam.
Eine weitere Möglichkeit, die Selbstkontrolle zu steigern, besteht darin, Entscheidungssituationen im Wertpapierhandel als Chance-Risiko-Rechnungen zu betrachten. Sie sollten bewusst trainieren, alle Vor- und Nachteile einer Entscheidung zu bedenken und zu überlegen, welche Chancen durch bestimmte Entscheidungen nicht wahrgenommen werden können. Entgangene Chancen sind nicht realisierte Gewinne, also Quasiverluste. Dieses Training befähigt dazu, den Wert einer Entscheidung richtig einzuschätzen.
Eine Abwägung von Chancen und Risiken jeder Wahlmöglichkeit macht es wahrscheinlicher, dass die Alternative mit dem größten Vorteil gewählt wird. Der Trader kann und muss sich fragen, ob es für ihn nicht langfristig sinnvoller und gesünder ist, den kleinen Verlust zu realisieren, da dies sein Überleben garantiert. Die Gewinnchancen sollen in einer gesunden Relation zum eingegangenen Risiko stehen. Keine noch so große Gewinnchance rechtfertigt das Risiko, sein gesamtes Tradingkapital mit einem Schlag zu verlieren.
Der Trader soll auf langfristig wertvolle Ziele hinarbeiten und sich an diesen orientieren. Auch der reichste Mensch der Welt wird langfristig mit einer Strategie pleitegehen, in der seine Ausgaben ständig höher sind als seine Einnahmen. Das Gleiche gilt an der Börse: Wenn Sie lang genug dabei sind, muss eine Strategie, in der ständig kleine Gewinne sofort realisiert, Verluste hingegen laufen gelassen werden, zum Verlust des eingesetzten Kapitals führen. Dieser Sachverhalt sollte verinnerlicht werden.
Wenn diese unumstößliche Grundwahrheit sich erst einmal in tiefere Schichten des Bewusstseins gesetzt hat, fällt es auch nicht mehr schwer, immer wieder kleine Verluste realisieren zu können. Wenn es nicht mehr schwerfällt, kleine Verluste zu akzeptieren, aus dem Wissen heraus, dass diese dazugehören, wird das Laufenlassen von Gewinnen im zweiten Schritt besser gelingen.
Eine im Börsenhandel verbreitete Methode, Selbstkontrolle zu steigern und aufrechtzuerhalten, ist, das aufgeschobene Ergebnis mit einem weiteren positiven Ergebnis zu kombinieren, sodass der Gesamtwert insgesamt steigt. Konkret bedeutet dies, dass mit steigendem Kurs in vorher festgelegten Abständen nachgekauft wird. Das Pyramidieren in den Gewinn hinein schützt vor zu schnellem Schließen, da die Gedanken mit dem Ausbau der Position beschäftigt sind. Mit zunehmendem Kursanstieg wird der Stopp für die gesamte Position nachgezogen. Diese Sicherheit führt zu Selbstsicherheit und das führt wiederum zum selbstkontrollierten Ausbau der Position. Der Fred Feuerstein in uns springt im Dreieck, da er bei dieser Methode weitgehend schachmatt gesetzt ist. Deshalb ist das Belohnungsniveau dieser Geschäfte am höchsten. Die erste Entscheidung wird immer wieder durch neue Entscheidungen bestätigt.
Das Pyramidieren von Gewinnpositionen wird sowohl im sehr kurzfristigen als auch im langfristigen Handel angewandt. Noch einmal: Die Rede ist hier vom Pyramidieren von Gewinnen. Anfänger verwechseln dies oft mit dem Pyramidieren von Verlusten. Banken und Broker bieten unerfahrenen Tradern an, ihr eingesetztes Kapital zu hebeln, sprich mit einem Vielfachen davon zu handeln. Deshalb ist es umso wichtiger, dass gutes Geld nur in profitable Geschäfte gepumpt wird. Mit dem Pyramidieren von Verlusten wird aber gutes Geld in schlechte Trades gelenkt.
Im Leistungssport wird Monitoring angewandt, um Selbstkontrolle zu stärken. Aktiver, täglicher Börsenhandel kommt von den Anforderungen her dem Hochleistungssport nahe. Das sorgfältige Beobachten und Überwachen der eigenen Reaktionen und der damit verbundenen Konsequenzen kann dazu beitragen, sein Verhalten zu erkennen und im Gedächtnis zu behalten.
Sie werden dies bestimmt von Fußballspielen her kennen, wo der Spielablauf wie auch die einzelnen Leistungen der Spieler im Sinne einer Stärken-Schwächenanalyse beurteilt werden. Monitoring kann zu Sternstunden der Selbsterkenntnis führen. Selbstbeobachtung kann, richtig angewandt, so weit gehen, das eigene Verhalten lückenlos zu protokollieren. Der Trader kann ein Handelstagebuch führen, Listen erstellen oder in Charts seine Ein- und Ausstiegspunkte einzeichnen. Im Börsenhandel lassen sich eingeschliffene Verhaltensmuster dadurch am besten erkennen und verändern. Es empfiehlt sich, die Gründe für das Eingehen und Schließen von Positionen zu notieren. Besonders interessant sind hierbei neben dem nackten Zahlenmaterial die eigenen Emotionen. Also, wie habe ich mich kurz vor der Eröffnung, während der Haltedauer und nach dem Closing der Position gefühlt?
Schulen Sie Ihre Aufmerksamkeit darauf, zu erkennen, wo Sie impulsiv gehandelt haben. Meist ist das der Fall, wenn starke Gefühle im Spiel waren. Vergessen Sie auch nicht, all jene Geschäfte zu protokollieren, die Sie zwar gesehen, aber am Ende nicht einzugehen gewagt haben. Die aus Unsicherheit und aus Angst vor Verlusten unterlassenen Geschäfte beeinflussen die Psyche und damit spätere Handlungen oft zum Negativen.
Monitoring erstreckt sich auf die Phase vor dem eigentlichen Handel, was man heute tun oder unterlassen möchte, über die Beobachtung während des Handels bis hin zur Nachhandelsphase. Eine schonungslose Evaluierung des eigenen Handelns kann die Leistungen erheblich verbessern. Dies setzt aber voraus, sich selbst ehrlich im Spiegel anzuschauen. Einen Fehler zu machen und ihn nicht zu korrigieren, das erst heißt wirklich einen Fehler zu machen.
