16,99 €
Was ist Public Health? Public Health ist der erste Band einer neuen Reihe, die sich unter dem Titel Kompaktreihe Gesundheitswissenschaften an ein breites Publikum im deutschsprachigen Raum wendet. Das Buch beschäftigt sich mit der Frage "Was ist das überhaupt: Public Health?". Es führt in die interdisziplinäre, praxisorientierte Wissenschaft Public Health ein und zeigt, welche Bedeutung sie für unsere Gesellschaft - und -damit auch für unsere persönliche Gesundheit - hat. Zu Beginn werden kurz die geschichtlichen Ursprünge von Public Health geschildert. Anschließend wird das interdisziplinäre Fach mit seinen wichtigsten Disziplinen vorgestellt. Es wird erläutert, womit sich Public Health beschäftigt, dann werden beispielhafte Programme auf nationaler und internationaler Ebene gezeigt. Ein kurzer Überblick über die von Public Health verwendeten Methoden leitet schließlich über zu den aktuellen Entwicklungen und Herausforderungen, die in den nächsten Jahrzehnten in diesem Bereich auf uns warten. •Aktuell, leicht verständlich und wissenschaftlich fundiert •Umfangreiches Glossar und Verweise auf aktuelle Literatur- sowie Internet-Quellen •Praxisbezogene Fragen am Kapitel-Ende und ausführliche -Lösungsvorschläge erlauben die Verknüpfung der Textinhalte mit der eigenen Erfahrungswelt •Geeignet für -Studierende fast aller Gesundheits-Studiengänge Wissenschaftlich fundiert, leicht verständlich geschrieben und gut -illustriert - eignet sich optimal zur Prüfungsvorbereitung und für alle Interessierten auch ohne Fachkenntnisse!
Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:
Seitenzahl: 177
Veröffentlichungsjahr: 2017
Kompaktreihe GesundheitswissenschaftenPublic Health
Lotte Habermann-Horstmeier
Wissenschaftlicher Beirat Programmbereich Gesundheit
Ansgar Gerhardus, Bremen; Klaus Hurrelmann, Berlin; Petra Kolip, Bielefeld; Milo Puhan, Zürich; Doris Schaeffer, Bielefeld
Lotte Habermann-Horstmeier
Kompaktreihe Gesundheitswissenschaften
Public Health
Kompakte Einführung und Prüfungsvorbereitungfür alle Studienfächer im Gesundheitsbereich
Korrespondenzadresse der Autorin:Dr. med. Lotte Habermann-Horstmeier, MPHLeiterin des Villingen Institute of Public Health (VIPH)der Steinbeis-Hochschule BerlinKlosterring 5D-78050 Villingen-SchwenningenE-Mail: [email protected]: www.studium-public-health.de
Wichtiger Hinweis: Der Verlag hat gemeinsam mit den Autoren bzw. den Herausgebern große Mühe darauf verwandt, dass alle in diesem Buch enthaltenen Informationen (Programme, Verfahren, Mengen, Dosierungen, Applikationen, Internetlinks etc.) entsprechend dem Wissensstand bei Fertigstellung des Werkes abgedruckt oder in digitaler Form wiedergegeben wurden. Trotz sorgfältiger Manuskriptherstellung und Korrektur des Satzes und der digitalen Produkte können Fehler nicht ganz ausgeschlossen werden. Autoren bzw. Herausgeber und Verlag übernehmen infolgedessen keine Verantwortung und keine daraus folgende oder sonstige Haftung, die auf irgendeine Art aus der Benutzung der in dem Werk enthaltenen Informationen oder Teilen davon entsteht. Geschützte Warennamen (Warenzeichen) werden nicht besonders kenntlich gemacht. Aus dem Fehlen eines solchen Hinweises kann also nicht geschlossen werden, dass es sich um einen freien Warennamen handelt.
Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek
Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://www.dnb.de abrufbar.
Dieses Werk einschließlich aller seiner Teile ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung außerhalb der engen Grenzen des Urheberrechtes ist ohne Zustimmung des Verlages unzulässig und strafbar. Das gilt insbesondere für Kopien und Vervielfältigungen zu Lehr- und Unterrichtszwecken, Übersetzungen, Mikroverfilmungen sowie die Einspeicherung und Verarbeitung in elektronischen Systemen.
Anregungen und Zuschriften bitte an:
Hogrefe AG
Lektorat Gesundheit
Länggass-Strasse 76
3000 Bern 9
Schweiz
Tel: +41 31 300 45 00
E-Mail: [email protected]
Internet: http://www.hogrefe.ch
Lektorat: Susanne Ristea
Bearbeitung: Elisabeth Dominik, Allendorf
Herstellung: René Tschirren
Umschlag: Claude Borer, Riehen
Satz: Claudia Wild, Konstanz
Druck und buchbinderische Verarbeitung: Finidr s.r.o., Český Těšín
Printed in Czech Republic
1. Auflage 2017
© 2017Hogrefe Verlag, Bern
(E-Book-ISBN_PDF 978-3-456-95706-7)
(E-Book-ISBN_EPUB 978-3-456-75706-3)
ISBN 978-3-456-85706-0
http://doi.org/10.1024/85706-000
Der Erwerber erhält ein einfaches und nicht übertragbares Nutzungsrecht, das ihn zum privaten Gebrauch des E-Books und all der dazugehörigen Dateien berechtigt.
Der Inhalt dieses E-Books darf von dem Kunden vorbehaltlich abweichender zwingender gesetzlicher Regeln weder inhaltlich noch redaktionell verändert werden. Insbesondere darf er Urheberrechtsvermerke, Markenzeichen, digitale Wasserzeichen und andere Rechtsvorbehalte im abgerufenen Inhalt nicht entfernen.
Der Nutzer ist nicht berechtigt, das E-Book – auch nicht auszugsweise – anderen Personen zugänglich zu machen, insbesondere es weiterzuleiten, zu verleihen oder zu vermieten.
Das entgeltliche oder unentgeltliche Einstellen des E-Books ins Internet oder in andere Netzwerke, der Weiterverkauf und/oder jede Art der Nutzung zu kommerziellen Zwecken sind nicht zulässig.
Das Anfertigen von Vervielfältigungen, das Ausdrucken oder Speichern auf anderen Wiedergabegeräten ist nur für den persönlichen Gebrauch gestattet. Dritten darf dadurch kein Zugang ermöglicht werden.
Die Übernahme des gesamten E-Books in eine eigene Print- und/oder Online-Publikation ist nicht gestattet. Die Inhalte des E-Books dürfen nur zu privaten Zwecken und nur auszugsweise kopiert werden.
Diese Bestimmungen gelten gegebenenfalls auch für zum E-Book gehörende Audiodateien.
Sofern der Printausgabe eine CD-ROM beigefügt ist, sind die Materialien/Arbeitsblätter, die sich darauf befinden, bereits Bestandteil dieses E-Books.
Mein besonderer Dank gilt Frau Susanne Ristea, Programmleiterin Psychiatrie, Gesundheitswesen und Medizin bei der Hogrefe AG, die diese Buchreihe möglich gemacht und die Arbeit an dem vorliegenden ersten Band durch zahlreiche wertvolle Hinweise und Anregungen unterstützt hat.
Der vorliegende Band Public Health ist der erste Band einer neuen Reihe, die sich unter dem Titel Kompaktreihe Gesundheitswissenschaften an ein breites Publikum im deutschsprachigen Raum wendet. Die wissenschaftlich fundierten, aktuellen, leicht verständlichen und gut illustrierten Texte bieten jeweils einen ersten Einstieg in ein abgegrenztes Gesundheitsthema. Praxisbezogene Fragen zum Ende jedes Kapitels erlauben es, die Textinhalte mit der eigenen Erfahrungswelt zu verknüpfen. Um diesen Transfervorgang zu unterstützen, finden sich am Ende des Buches ausführliche Lösungsvorschläge.
Die Grundlagentexte eignen sich zur Einführung in das jeweilige Thema, aber auch zum Repetieren oder zur Prüfungsvorbereitung. Hierbei unterstützen zum einen die praxisbezogenen Fragen, aber auch das umfangreiche Glossar und die zahlreichen Verweise auf aktuelle Literatur- und Internetquellen. Als Adressaten kommen nicht nur Studierende im Gesundheitsbereich an Universitäten und Fachhochschulen (z.B. in den verschiedensten Studiengängen von Public Health/Gesundheitswissenschaften, Medizin, Gesundheitsökonomie, Rehabilitation, Versorgungsforschung, Pflegewissenschaften etc.) in Frage, sondern auch andere Interessenten ohne spezielle Fachkenntnisse, die beispielsweise ein bestimmtes Gesundheitsthema in ihrem Betrieb, ihrer Einrichtungen oder Behörde voranbringen möchten.
Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wird im Buch bei personenbezogenen Bezeichnungen die im Deutschen übliche, meist männliche Form verwendet. Selbstverständlich sind damit jeweils Frauen und Männer gleichermaßen gemeint. Dies gilt insbesondere, da im Bereich der Gesundheitsberufe überwiegend Frauen tätig sind.
Thema dieses ersten Bandes ist die Frage „Was ist das überhaupt: Public Health?“. Der aus dem angelsächsischen Raum stammende Begriff ist vielen Menschen in Deutschland, Österreich und der Schweiz nicht geläufig. Aber auch mit dem in diesem Zusammenhang in Deutschland verwendete Begriff Gesundheitswissenschaften können nur wenige etwas anfangen. Dieses Buch möchte einen Beitrag dazu leisten, dies zu ändern. Es zeigt, welche Bedeutung die interdisziplinäre, praxisorientierte Wissenschaft Public Health für unsere Gesellschaft – und damit auch für unsere persönliche Gesundheit – hat. Zu Beginn geht der Band kurz auf die geschichtlichen Ursprünge von Public Health ein und stellt anschließend das interdisziplinäre Fach mit seinen wichtigsten Disziplinen vor. Nachdem erläutert wurde, womit sich Public Health beschäftigt, werden beispielhafte Programme auf nationaler und internationaler Ebene gezeigt. Ein kurzer Überblick über die von Public Health verwendeten Methoden leitet dann über zu den aktuellen Entwicklungen und Herausforderungen, die in den nächsten Jahrzehnten im diesem Bereich auf uns warten.
Villingen Schwenningen, Oktober 2016Lotte Habermann-Horstmeier
Dieses Buch soll
Sie mit dem Begriff Public Health vertraut machen,Ihnen einen ersten Überblick über die Herkunft des Begriffes Public Health sowie den Gegenstand, die Fachbereiche und Handlungsfelder von Public Health geben und Sie auf aktuelle Entwicklungen in diesem Fachgebiet hinweisen,es Ihnen ermöglichen, die hier gelernten Begriffe und Konzepte in Ihr eigenes berufliches Tätigkeitsfeld zu transferieren, um später dort darauf zurückgreifen zu können.Anders als die Medizin1 beschäftigt sich Public Health mit der Erhaltung und Förderung der Gesundheit ganzer Bevölkerungen oder Gruppen der Bevölkerung (wie z.B. den Beschäftigten in einem Betrieb). Public-Health-Fachleute sehen also nicht nur den einzelnen Menschen, sondern auch die Umgebung, in der er sich befindet. Ihre Maßnahmen setzen daher in beiden Bereichen an.
In Deutschland wird seit den 1980er Jahren oftmals auch synonym für Public Health der Begriff Gesundheitswissenschaften verwendet. Beide Begriffe bezeichnen jedoch nicht exakt dasselbe. Gegenstand der Gesundheitswissenschaften sind die körperlichen, psychischen und sozialen Bedingungen von Gesundheit und Krankheit innerhalb einer Gesellschaft. Sozial- und geisteswissenschaftliche Fächer spielen hier eine besonders große Rolle (s. Kap. 2).
Im Bereich Public Health finden sehr verschiedene Fächer aus zwei unterschiedlichen wissenschaftlichen Traditionen zusammen: der medizinisch-naturwissenschaftlichen und der sozial- und verhaltenswissenschaftlichen Tradition. Public-Health-Studierende erhalten auf diese Weise Einblick in Bereiche wie Gesundheitsförderung und Prävention, Chronische Krankheiten, Epidemiologie, Umwelt & Gesundheit, Demografie, Gesundheitssysteme, Gesundheitspolitik, Gesundheitsrecht und Gesundheitsökonomie (s. Abbildung 1-1).
Abbildung 1-1:Public Health ist ein interdisziplinär2 arbeitendes Fach. Es greift dazu auf die Erkenntnisse verschiedenster Disziplinen3 zurück. In den blauen Sechsecken sind die wichtigsten Fachbereiche und Arbeitsgebiete von Public Health angeführt.
Im Bereich von Public Health arbeiten Fachleute verschiedener Disziplinen aktiv zusammen. Diese Zusammenarbeit ist stets anwendungsorientiert. Dabei können Public-Health-Maßnahmen – wie z.B. im Bereich der Betrieblichen Gesundheitsförderung – nur dann nachhaltig und Erfolg versprechend umgesetzt werden, wenn sie sich an den Bedürfnissen der Beteiligten orientieren und von Beginn an mit diesen geplant und durchgeführt werden.
Das Fach Public Health hat sehr unterschiedliche Wurzeln. Sie liegen in Deutschland insbesondere im Bereich der Sozialhygiene (s. Kap. 2.3). Diese ehemals starke Tradition fand während des Nationalsozialismus ein abruptes Ende. Vor allem im Westen Deutschlands konnten ihre Ideen dann auch später in der Nachkriegszeit lange Zeit nicht wieder Fuß fassen. Besonders stark ausgebildet sind die Wurzeln von Public Health dagegen in den angelsächsischen Ländern (Näheres dazu s. Kap. 2.2).
Der amerikanische Bakteriologe und Public-Health-Experte Charles-Edward Amory Winslow (1877–1957) definierte den Begriff „Public Health“ bereits in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts folgendermaßen:
„Public health is the science and art of preventing disease, prolonging life and promoting health through the organized efforts and informed choices of society, organizations, public and private, communities and individuals.“
Er beschrieb Public Health darin als Wissenschaft und Praxis zur Verhinderung von Krankheiten, zur Verlängerung des Lebens und zur Förderung der Gesundheit. Seiner Ansicht nach wird dies durch die organisierten Bemühungen einer informierten Gesellschaft möglich, in der öffentliche und private Organisationen mit den Vertretern des Gemeinwesens (der Gemeinden, des Staat etc.) und Einzelpersonen zusammenarbeiten.
In dieser frühen Public-Health-Definition wird deutlich, dass Winslow Public Health als angewandte Wissenschaft sieht, in der die Umsetzung von wissenschaftlichen Erkenntnissen in die Praxis eine maßgebliche Rolle spielt. Zu den Zielen von Public Health gehörte seiner Ansicht nach nicht nur die Verhinderung von Krankheit, sondern auch die Förderung von Gesundheit. Weitere wichtige Stichworte, die sich hier bereits andeuten und die später auch in vielen Dokumenten der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zu finden sind, sind z.B. das „koordinierte Zusammenwirken“ und die „informierte Entscheidung“ (informed consent).
Liest man die Definition der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zum Begriff Public Health, wird sofort der Einfluss deutlich, den die Winslow-Definition hierauf hatte:
WHO-Definition „Public Health“
Public health refers to all organized measures (whether public or private) to prevent disease, promote health, and prolong life among the population as a whole. Its activities aim to provide conditions in which people can be healthy and focus on entire populations, not on individual patients or diseases. Thus, public health is concerned with the total system and not only the eradication of a particular disease. The three main public health functions are:
The assessment and monitoring of the health of communities and populations at risk to identify health problems and priorities.The formulation of public policies designed to solve identified local and national health problems and priorities.To assure that all populations have access to appropriate and cost-effective care, including health promotion and disease prevention services.Quelle: s. Linkverzeichnis [1] in Kap. 11.
Nach der WHO-Definition versteht man unter Public Health also alle öffentlichen oder privaten Maßnahmen, die dazu dienen, Krankheiten vorzubeugen, die Gesundheit der gesamten Bevölkerung zu fördern und das Leben der Menschen zu verlängern. Public Health beschäftigt sich dabei nicht mit der Behandlung einzelner Patienten oder der Bekämpfung einzelner Erkrankungen. Ziel von Public-Health-Maßnahmen ist es, der Bevölkerung als Ganzes Bedingungen zu bieten, die es ihr erlaubt, möglichst gesund zu sein.
Die WHO-Definition nennt darüber hinaus die drei wichtigsten Aufgaben von Public Health:
Die Überwachung von Gemeinwesen (Kommunen, Länder, Staaten) und Risikogruppen im Hinblick auf dort auftretende Gesundheitsgefahren, die Erkennung dieser Gefahren und die Einordnung der Gefahren nach ihrer Wichtigkeit.Die Formulierung gesundheitspolitischer Ziele und Handlungsanweisungen (Policies), um die auf diese Weise identifizierten, örtlich begrenzten oder nationalen Gesundheitsgefahren bekämpfen zu können.Die Sicherstellung, dass alle Bevölkerungsgruppen eines Gemeinwesens Zugang zu geeigneter und kostengünstiger Versorgung haben. Dies schließt Maßnahmen der Gesundheitsförderung und Krankheitsprävention mit ein.In der WHO-Definition finden sich damit verschiedene Aspekte, die für das Fach Public Health von zentraler Bedeutung sind:
Public-Health-Maßnahmen sollen der Gesunderhaltung der Bevölkerung bzw. von Untergruppen (Subgruppen) der Bevölkerung dienen.Public Health befasst sich also nicht mit der Gesundheit einzelner Individuen, sondern mit der Gesundheit der Bevölkerung als Ganzes oder von Teilen der Bevölkerung.Public-Health-Maßnahmen werden im Rahmen von organisiertem gesellschaftlichem Handeln geplant und durchgeführt.Hierzu gehören auch systematische und kontinuierliche Überwachungsmaßnahmen (Surveillance4), um Gesundheitsgefahren frühzeitig zu erkennen.Alle Teile der Bevölkerung müssen gleichermaßen Zugang zu grundlegenden Versorgungsstrukturen haben, die es ihnen ermöglichen, möglichst gesund zu leben.Damit Public-Health-Fachleute in der Praxis sinnvoll und zum Nutzen der Bevölkerung tätig sein können, benötigen sie wissenschaftliche Erkenntnisse aus vielen verschiedenen Fachgebieten. Sie müssen z.B. wissen, wie häufig bestimmte Erkrankungen auftreten und wie sie in der Bevölkerung eines Landes oder eines bestimmten Gebietes verteilt sind. Hierzu brauchen sie v.a. die Erkenntnisse aus der Epidemiologie und der Medizin.
Wichtig ist auch das Wissen über die Ursachen von Gesundheit und Krankheit und die Wirksamkeit von Maßnahmen, um Gesundheit zu fördern und Krankheiten vorzubeugen. Dieses Wissen haben u.a. Fachleute aus den Bereichen der Sozial- und Präventivmedizin, der Gesundheitssoziologie, der Gesundheitspsychologie.
Public-Health-Fachleute müssen darüber hinaus auch die Wirtschaftlichkeit von gesundheitsfördernden und präventiven Maßnahmen beurteilen können. Das nötige Wissen hierzu bietet die Gesundheitsökonomie.
Sie sollten auch Fachleute im Hinblick auf Fragen des Versorgungsbedarfs (Versorgungsforschung), der möglichst optimalen Gestaltung des Gesundheitssystems (Gesundheitssystemforschung, Gesundheitspolitik) und der Verteilungsgerechtigkeit (Public-Health-Ethik, Gesundheitspolitik) sein.
Neben den genannten gibt es noch zahlreiche weitere Fächer, die zu den Grundlagen von Public Health beitragen (s. Kap. 3). Public-Health ist also ein multidisziplinäres Fach, d.h. viele verschiedene Disziplinen liefern unabhängig voneinander Erkenntnisse, die dann durch Public-Health-Fachleute genutzt werden. Im Idealfall entsteht daraus eine integrative Zusammenarbeit ganz unterschiedlicher Disziplinen mit einer interdisziplinären oder fächerübergreifenden Arbeitsweise.
Allerdings wird – v.a. in Deutschland – nicht immer deutlich, dass es sich bei einem bestimmten Thema um ein zentrales Public-Health-Thema handelt, da sich eben viele verschiedene Disziplinen damit beschäftigen können. Die Deutsche Gesellschaft für Public Health beschreibt dies in ihrem Positionspapier zu Situation und Perspektiven von Public Health (2012) so: „Nicht überall, wo Public Health drin ist, steht auch ‚Public Health‘ drauf.“
Public Health ist also aufgrund seiner multi- bzw. interdisziplinären Arbeitsweise bisher in seiner Eigenständigkeit oft nur schwer erkennbar. Außerdem ist der aus dem Englischen stammende Begriff des „Public Health“ im deutschen Sprachraum bisher kaum bekannt (s. Kap. 2). Hier ergibt sich noch ein weites Betätigungsfeld für Public-Health-Fachleute, um das Fach mit seiner Bedeutung für die Gesundheit der Bevölkerung bekannt zu machen und seine Inhalte zu vermitteln. Dies wird wohl nur dann gelingen, wenn Public-Health dabei auch auf die Bedürfnisse der Individuen in einer Gesellschaft eingeht.
Aufgabe 1
Fassen Sie kurz zusammen, was Sie unter dem Begriff „Public Health“ verstehen. Erläutern Sie bitte dabei auch, ob und ggf. wie sich Ihr Verständnis von „Public Health“ durch die Lektüre von Kap. 1.1 geändert hat.a) Wo finden Sie in Ihrem Arbeitsbereich, Studienbereich oder in Ihrem familiären Bereich Beispiele für Public-Health-Betätigungsfelder?b) Nennen Sie bitte drei konkrete Beispiele für Maßnahmen, die man entsprechend unserer Definition als Public-Health-Maßnahmen bezeichnen könnte. Falls Sie keine konkreten Maßnahmen finden, überlegen Sie sich bitte drei fiktive Maßnahmen, die in einem der drei Bereiche durchgeführt werden könnten.
Der Begriff der „Gesundheitswissenschaften“ (engl.: Health Sciences) wurde zu Beginn der 1980er Jahre in Deutschland geprägt. Er wird häufig synonym zum Begriff „Public Health“ verwendet, was jedoch nicht ganz korrekt ist. Beide Begriffe bezeichnen nicht exakt dasselbe. Gegenstand der Gesundheitswissenschaften sind die körperlichen, psychischen und sozialen Bedingungen von Gesundheit und Krankheit innerhalb einer Gesellschaft. Sozial- und geisteswissenschaftliche Fächer spielen daher bei den Gesundheitswissenschaften eine besonders große Rolle.
In Deutschland gibt es – anders als z.B. in der Schweiz – zahlreiche renommierte Vertreter in diesem Bereich, die sich für die Verwendung des Begriffs „Gesundheitswissenschaften“ anstatt „Public Health“ einsetzen. Hierzu gehören etwa Klaus Hurrelmann und Oliver Razum (im Handbuch der Gesundheitswissenschaften, 5. Aufl. 2012). Sie betonen dabei, dass es – ganz im Sinne von „Public Health“ – auch bei den Gesundheitswissenschaften vor allem darum geht, die Gesundheit der Bevölkerung durch Krankheitsverhütung und Gesundheitsförderung zu verbessern.
Doch weshalb gibt es überhaupt diese beiden unterschiedlichen Begriffe für einen Wissenschaftsbereich? Der Begriff „Public Health“ kommt aus dem englischen Sprachraum. Das Fach kann dort bereits auf eine mehr als 100-jährige Tradition zurück blicken (s. Kap. 2.2). Anders dagegen im deutschen Sprachraum. Hier wurde eine ähnliche Entwicklung, der Aufbau der „Sozialhygiene“ (s. Kap. 2.3), abrupt durch den Nationalsozialismus unterbrochen. Nach dem zweiten Weltkrieg dauerte es bis in die 1980er Jahre, bis Wissenschaftler in der Bundesrepublik Deutschland versuchten, an diese alte Tradition anzuknüpfen und dabei auch neuere Erkenntnisse aus anderen Ländern zu berücksichtigen. Sie prägten dann den Begriff „Gesundheitswissenschaften“. Ganz unterschiedlich verlief dagegen die Entwicklung in der DDR, in Österreich oder in der Schweiz.
Anders als im deutschen Sprachraum, kann Public Health im angelsächsischen Sprachraum auf eine mehr als 100-jährige Tradition zurückblicken. Zu den weltweit führenden Public-Health-Forschungs- und Ausbildungszentren gehören heute etwa die London School of Hygiene & Tropical Medicine (s. Abbildung 2-1) und die John Hopkins Bloomberg School of Public Health in Baltimore (USA).
Abbildung 2-1: Logo der London School of Hygiene & Tropical Medicine. Quelle: Mit freundlicher Genehmigung der London School of Hygiene & Tropical Medicine vom 07. April 2014.
