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100% PUNK. 0% BULLSHIT. Dies ist die einzige Punk-Story, die du brauchst! Wir reden über Blut, Schweiß und drei Akkorde. Wir reden über Musik, die auf Röntgenbilder gepresst wurde, um den KGB zu verarschen. Wir reden über Frauen, die lauter brüllten als Männer, und über den globalen Aufstand gegen Langeweile. Foo King Kant nimmt dich mit auf eine wilde, versiffte und verdammt laute Reise zu den wahren Ursprüngen des Lärms. Wir möchten uns ausdrücklich von dem Inhalt dieses... "Werkes" distanzieren. Der Autor "Foo King Kant" (ein Pseudonym von zweifelhaftem Geschmack) missachtet in diesem Manuskript sämtliche Regeln des guten Anstands. Die Glorifizierung von Lärmbelästigung, Drogenkonsum und Verstößen gegen diverse DIN-Normen spiegelt nicht die Werte eines Bildungsbürgers wider!
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Veröffentlichungsjahr: 2025
Punk‘‘s NOT dead!
Die verdammt nochmal überfällige Punk Story
Foo King Kant
Nicht tot? Doch, ist er!
Der Lektor
1. Auflage – © 2026
WARNHINWEIS FÜR MUSIKALISCHE FEINGEISTER UND ORDNUNGSLIEBENDE
Bevor Sie das Kapitel „DREI AKKORDE FÜR DIE EWIGKEIT“ betreten, lesen Sie bitte aufmerksam die folgenden Sicherheitshinweise.
Dieses Kapitel enthält explizite Darstellungen von musikalischem Minimalismus und subkultureller Unangepasstheit, die auf Personen mit klassischer Musikausbildung oder einer Vorliebe für Sauberkeit verstörend wirken könnten.
Zu den möglichen Inhalten gehören:
Harmonische Unterforderung:
Es werden maximal drei Akkorde
verwendet. Das Fehlen einer Bridge oder eines komplexen Solos ist beabsichtigt und kein technischer Defekt.
Akustische Gewalt:
Erwähnung von übersteuerten Verstärkern, ungestimmten Gitarren und Gesang, der eher als „Rhythmisches Schreien“ klassifiziert werden muss.
Hygienische Grenzüberschreitungen:
Das Kapitel enthält Referenzen zu klebrigen Dosenbier-Pfützen, schweißnassen Kellern, Sicherheitsnadeln
in Körperteilen und Frisuren, die der Schwerkraft spotten.
Soziale Unruhe:
Es kann zu Beschreibungen von Pogo-Tänzen kommen, bei denen physikalischer Kontakt unvermeidbar ist und als Zuneigung missverstanden wird.
Empfehlung: Sollten Sie beim Hören von mehr als 120 BPM Herzrasen bekommen oder der Meinung sein, dass Musik erst ab dem vierten Akkord beginnt, atmen Sie tief durch. Legen Sie zur Sicherheit eine Jazz-Platte bereit, um sich nach der Lektüre wieder zu erden.
Betreten auf eigene Gefahr. Oi!
Man hat uns gesagt, es sei nur eine Phase. Man hat uns mitleidig getätschelt wie einen debilen Patienten, süffisant gelächelt und gesagt: „Warte nur ab, Kleiner. Wenn du erst mal einen Job hast, wenn du erst mal Steuern zahlst, wenn du erst mal Angst um deinen Leasingvertrag hast und eine Zahnzusatzversicherung abschließt, dann hörst du auf mit diesem Mist.“
Sie haben gelogen. Sie haben verdammt nochmal gelogen!
Ich schreibe dieses Vorwort im Jahr 2026. Schau dich um. Die Welt ist poliert. Alles ist glatt. Deine Musik wird von Algorithmen kuratiert, die genau berechnen, nach wie vielen Sekunden der Refrain kommen muss, damit du nicht weiterwischt. Deine Ängste werden mit Medikamenten weggedröhnt. Wir leben in einer Diktatur der Freundlichkeit, in der jedes E-Mail mit „Liebe Grüße“ endet, auch wenn man am liebsten den Kopf des Empfängers in eine Schüssel tauchen würde.
Punk entstand nicht aus einer Laune heraus. Er war die Antwort auf eine Welt, die für eine ganze Generation keine Verwendung mehr hatte. Es war der Moment, in dem 'Gut genug' nicht mehr reichte. Es war der Moment, in dem wir merkten, dass die Rockstars in ihren Villen, mit ihren privaten Jets und ihren zehnminütigen Gitarrensoli, nichts mehr mit uns zu tun hatten.
Dieses Buch ist keine trockene Geschichtsstunde. Ich bin kein elender Historiker. Historiker sind Leute, die den Staub von den Gräbern pinseln und eine Fliege tragen. Ich bin hier, um die Leichen auszugraben und ihnen Stromstöße zu verpassen. Wenn du wissen willst, an welchem Tag genau The Clash ihre Saiten oder Unterhosen gewechselt haben, geh in die Bibliothek und langweile dich zu Tode. Dieses Buch ist ein Reiseführer durch die stinkenden Scheisshäuser des CBGB, durch die besetzten Häuser in Kreuzberg, wo der Putz von der Decke rieselte, während die Polizei die Tür eintrat, und die versifften Londoner Clubs.
Es ist die Chronik von drei Akkorden, die mächtiger waren als jede Symphonie, weil sie wahr waren. Musik war vor dem Punk eine exklusive Party für reiche Leute, die jahrelang am Konservatorium studiert hatten. Punk hat die Türen eingetreten, das Buffet umgeworfen und ins Punschglas gespuckt, und zwar mit ordentlich grünem Material. Punk hat gesagt: „Hier ist eine Gitarre. Du kannst nichts? Egal. Deine Wut ist dein Talent. Gründe eine Band. Jetzt!“
Und an den verklemmten Typen im Lektorat, der hier gleich seine korrekten Kommata und Fußnoten reinballern will: Ich sehe dich und weiß, wo dein Haus wohnt. Ich bin mir bewusst, dass du dieses Manuskript hasst. Nimm deinen verdammten Rotstift und steck ihn dir dahin, wo die Sonne niemals scheint. Das hier ist Punkrock, keine Bachelorarbeit über mittelhochdeutsche Lyrik. Wenn ich „Scheiße“ schreibe, dann bleibt das „Scheiße“ und wird nicht zu „Exkrement“. Hast du das verstanden, du Korinthenkacker?
Also, zurück zu Euch, Punker: Legt die Platte auf. Dreht den Verstärker auf 11. Reißt das Fenster auf, damit die spiessigen Nachbarn auch was davon haben. Dies ist nicht nur eine Geschichte über Musik. Es ist eine Anleitung zum Ungehorsam.
Foo King Kant, 2026
Warum drei Akkorde mehr wert sind als eine Symphonie
Was ist Punk? Wenn man diese Frage zehn verschiedenen Leuten stellt, bekommt man elf verschiedene Antworten, und wahrscheinlich wird man zweimal angespuckt. Für die Modeindustrie ist Punk eine Lederjacke mit Nieten, die bei H&M 49,99 Pfund kostet. Für den Musikhistoriker ist es eine kulturelle Explosion zwischen 1976 und 1979 in London und New York. Für den Nachbarn, der am Samstagmorgen seine Ruhe will, ist es einfach nur Krach.
Aber Punk ist mehr als das. Punk ist der Sand im Getriebe der Popkultur. Bevor Punk kam, war Musik eine exklusive Party. Man musste virtuos Gitarre spielen können, man musste aussehen wie ein Gott oder nervig sein wie Greta, und man musste in teuren Studios aufnehmen, die von Männern in weißen Kitteln bedient wurden. Rockmusik in den frühen 70ern war aufgeblasen, pompös und so weit weg von der Realität der Jugend wie der Mond von der Erde, die ja eine Scheibe ist. Bands wie Pink Floyd oder Led Zeppelin füllten Stadien, aber sie hatten nichts mehr mit dem Leben der Kids zu tun, die in der Schlange zum Arbeitsamt standen.
Punk riss diese Barriere nieder. Die Kernbotschaft war radikal demokratisch: Hier sind drei Akkorde. Jetzt gründe eine Band! Und: Wer probt, fällt den Kollegen in den Rücken. Es war die Rückeroberung der Kultur durch die Amateure. Es ging nicht um Perfektion. Es ging um Dringlichkeit. Ein schlecht gespielter Song, der die Wahrheit sagt, ist wertvoller als ein perfekt produziertes Liebeslied, das lügt.
Dieses Buch erzählt die Geschichte dieser kulturellen Kernschmelze ohne Anspruch auf politische Korrektheit und totale Vollkommenheit. Wir schauen nicht nur nach London und New York. Wir schauen dorthin, wo es wehtat: In die grauen Betonwüsten Deutschlands, in die sauberen Straßen der Schweiz, die plötzlich brannten, und in die Keller des Ostblocks, wo Punk echte Gefahr bedeutete. Wir erkunden Japan, Australien und Indonesien. Punk ist nicht tot. Er riecht nur etwas streng.
16. Jahrhundert: Die Hure und der Faulpilz
Wenn du im elisabethanischen England jemanden „Punk“ nanntest, hast du ihm nicht geschmeichelt.
Die Prostituierte:
William Shakespeare benutzte das Wort in
Measure for Measure
(Möglicherweise abgeleitet vom französischen
punais
– was so viel heißt wie „stinkend“ oder „faulig“). Ein „Punk
“ war eine billige Hure, der unterste Abschaum der Gesellschaft.
Das faule Holz:
In der amerikanischen Umgangssprache bezeichnete „Punk
“ (oder „punk wood“) verfaultes Holz, das man als Zunder benutzt. Es glimmt, aber es ist nutzlos zum Bauen. Es ist
morsch
. Ein perfektes Bild für die Szene später: Wir bauen nichts auf, wir brennen nur ab.
20. Jahrhundert: Die „Knast-Schlampe“
Springen wir in die amerikanischen Gefängnisse der 1920er bis 50er Jahre. Hier wird es richtig ungemütlich. Im Knast-Slang war ein „Punk“ der junge, unerfahrene Häftling, der sexuell unterwürfig war. Die „Bitch“ eines stärkeren Häftlings. William S. Burroughs (der Junkie-Schriftsteller und Patenonkel des Punk) benutzte es oft so. Bedeutung hier: Ein Schwächling. Ein Opfer. Niemand. Sorry für den Anflug von spontaner Romantik!
Die 70er: Musikkritiker als Taufpaten
Wie kam der Begriff von der Gefängnisdusche auf die Bühne? Durch arrogante Musikjournalisten. Anfang der 70er suchten Kritiker wie Dave Marsh und Lenny Kaye ein Wort für die Garagen-Bands der 60er (wie The Seeds oder ? and the Mysterians). Diese Bands konnten ihre Instrumente kaum spielen, waren laut und aggressiv. Die Kritiker nannten sie „Punks“ – im Sinne von: „Kleine, talentlose Amateur-Versager.“ Lenny Kaye benutzte den Begriff „Punk Rock“ 1972 in den Liner Notes zur Compilation Nuggets. Er meinte damit: rohen, ungeschliffenen Lärm.
1975: Die Aneignung (Legs McNeil & Punk Magazine)
Der Moment, in dem das Wort zur Waffe wurde, passierte 1975 in New York. Legs McNeil und John Holmstrom wollten ein Fanzine über die neue Szene im CBGB (Ramones, Television, etc.) gründen. Sie brauchten einen Namen. Legs McNeil sagte: „Lass es uns PUNK nennen.“
Warum?
„Das Wort 'Punk' bedeutete damals, dass du Abschaum warst. Wir wollten den Namen, damit keine verdammten Hippies, keine Prog-Rocker und keine normalen Leute unser Heft kaufen. Wir wollten, dass es abschreckt.“
Sie nahmen die Beleidigung („Du wertloser Versager“) und schrieben sie in riesigen Lettern auf das Cover. Sie sagten: „Ja, wir sind Abschaum. Wir sind Dreck. Und wir haben mehr Spaß als ihr.“
England: Die politische Aufladung
Als das Wort nach London kam, veränderte es sich. In New York war „Punk“ eher künstlerisch/ironisch gemeint. In London, bei den Sex Pistols und The Clash, bekam es eine Klassen-Bedeutung. Die britische Jugend fühlte sich vom Staat wie „Abfall“ behandelt (Arbeitslosigkeit, keine Zukunft). Sie sagten: „Okay, wenn ihr uns wie Abfall (Punks) behandelt, dann benehmen wir uns auch so. Wir sind die Blumen im Mülleimer.“
Setz dich hin. Nimm dir ein Bier. Und jetzt zucke zusammen, denn ich muss dein verdammtes, euro- und anglozentristisches Weltbild zerstören. Was hast du gelernt? Punk startete 1976 in London mit den Sex Pistols? Oder vielleicht 1974 in New York mit den Ramones? Alles Bullshit.
Die Wahrheit tut weh: Der erste richtige Punk-Song der Weltgeschichte wurde weder in London noch in New York geschrieben. Er entstand in Lima, Peru. Wir schreiben das Jahr 1964. Die Beatles singen gerade brav „I Want to Hold Your Hand“. Die Welt ist geordnet. Aber in einem bürgerlichen Stadtteil von Lima namens Lince langweilen sich vier Typen zu Tode. Ihr Name: LOS SAICOS.
Stell dir die Szene vor: Lima in den 60ern. Eine konservative Gesellschaft. Kinos zeigen amerikanische Filme, im Radio läuft Schnulzen-Pop. Und dann kommen Erwin Flores (Gesang/Gitarre), Rolando Carpio (Gitarre), César Castrillón (Bass) und Pancho Guevara (Drums). Sie hatten keine politische Agenda. Sie waren keine Linken, keine Rechten. Sie waren Nihilisten, bevor sie wussten, was das Wort bedeutet. Sie wollten einfach nur Krach machen.
Die Zerstörung des Bahnhofs. Während der Rest der Welt noch versuchte, schöne, mehrstimmige Harmonien zu singen, tat Erwin Flores etwas, das es so noch nicht gab: Er schrie. Er sang nicht. Er bellte. Er würgte die Worte heraus, als ob sie giftig wären. Ihr Signature-Song „Demolición“ (1965) ist der Beweis. Der Text ist an Banalität und Aggression nicht zu überbieten:
„Echemos abajo la estación del tren / Echemos abajo la estación del tren / Demoler, demoler, demoler!“ (Lasst uns den Bahnhof niederreißen / Zerstören, zerstören, zerstören!)
Warum den Bahnhof? Hatte der Bahnhof ihnen etwas getan? Nein. Er stand einfach nur da. Und das reichte. Zerstörung aus purer Langeweile. Das ist Punk in seiner reinsten, unverfälschten Essenz. Zehn Jahre vor Johnny Rotten.
Anmerkung des Lektorats: Der Autor neigt hier zur historischen Übertreibung. Es gibt keine Belege dafür, dass Los Saicos optisch Rebellen waren. Bildmaterial aus der Zeit beweist, dass sie bei Auftritten adrette Anzüge und schmale Krawatten trugen. Sie sahen aus wie brave Schwiegersöhne oder Bankangestellte, während sie vom Zerstören sangen. Die visuelle Rebellion fand hier noch nicht statt, nur die akustische.
Wer:
Vier Jungs aus der Mittelschicht von Lima
.
Der Sound:
Stell dir vor, die „The Mamas and The Papas“ werden in einer dunklen Gasse verprügelt und ihre Instrumente werden die Treppe runtergeworfen. Verzerrte Surf-Gitarren, scheppernde Drums ohne jeden Hall und dieser Gesang...
Die Musikhistoriker haben Jahrzehnte gebraucht, um zu checken, was da in Südamerika passiert ist. Los Saicos sind das „Missing Link“. Ohne sie ist die Geschichte des Punk
eine Lüge. Sie lösten sich 1966 auf und gerieten in Vergessenheit, bis das Internet sie wieder ausgrub.
Wir verlassen Südamerika und gehen in den pazifischen Nordwesten der USA. Es regnete viel in Tacoma, Washington. Es gab nichts zu tun, außer Autos zu reparieren, einen runterzuholen, Bier zu saufen oder in der Garage der Eltern Lärm zu machen. 1960 gründete sich hier eine Band, die heute als der "Patient Null" des US-Punk gilt: The Sonics.
Der Sound der Übersteuerung. Die Sonics waren nicht nett. Sie wollten nicht gefallen. Ihr Gitarrist Larry Parypa hatte ein Problem: Die Verstärker damals waren zu sauber. Sie klangen zu "nett". Er wollte, dass seine Gitarre klingt wie ein startendes Flugzeug oder ein wütender Hornissenschwarm. Da es noch keine Verzerrer-Pedale (Fuzz-Boxen) im Laden gab, griff er zur Selbsthilfe. In einem Moment genialen Wahnsinns nahm er einen Eispickel und stach Löcher in die Papiermembranen seiner Lautsprecher. Als er den Verstärker einschaltete, klang es nicht mehr nach Musik. Es klang kaputt. Es klang gefährlich. Es schepperte und sägte. Er hatte den Distortion-Sound erfunden.
Anmerkung des Lektorats: Technisch gesehen führt das mechanische Durchstechen von Lautsprechermembranen zu einem irreparablen Frequenzverlust im Bereich von 200–500 Hz (den unteren Mitten) und stellt eine mutwillige Sachbeschädigung dar. Zudem erlischt dadurch jegliche Herstellergarantie.
Einschub des Autors: (Oh, hör ich da etwa ein Wimmern aus der Redaktion? Ja, technisch gesehen ist das Sachbeschädigung. Na und? Dein Gesicht ist auch gleich eine Sachbeschädigung, wenn du mir noch einmal mit physikalischen Gesetzen oder Herstellergarantien kommst. Rock’n’Roll scheißt auf Garantiescheine! Larry Parypa hat den Sound erfunden, der die Welt verändert hat, während du vermutlich noch Socken nach Farben sortiert hast!)
Dazu kam Gerry Roslie, der Sänger. Er sang nicht. Er schrie, als würde er gerade lebendig gehäutet. Seine Schreie waren so intensiv, dass er oft fast ohnmächtig wurde. Songs wie "The Witch" (1964) oder "Psycho" waren so düster und aggressiv, dass Radiostationen sich weigerten, sie vor 15:00 Uhr zu spielen, aus Angst, die biederen Hausfrauen zu verschrecken.
MC5: Kick Out The Jams Ein paar Jahre später, in Detroit. Die "Motor City". Fabrikschornsteine, Autos, Rassenunruhen. Hier war die Luft bleihaltig. Hier entstanden MC5 (Motor City 5). Sie waren politisch, sie waren laut, sie waren bewaffnet. Ihr Manager John Sinclair gründete die "White Panther Party". Sie nahmen ihr Debütalbum live auf, 1968, im Grande Ballroom. Sänger Rob Tyner, ein Bär von einem Mann mit riesigem Afro, brüllte den legendärsten Eröffnungssatz der Rockgeschichte ins Mikrofon: „Kick out the jams, motherfuckers!“
Es war eine Aufforderung, alles zu geben. Keine Zurückhaltung. Keine Kompromisse.
Anmerkung des Lektorats: Der Vollständigkeit halber sei erwähnt, dass die Plattenfirma Elektra angesichts möglicher Zensurmaßnahmen in Plattenläden das Wort „Motherfucker“ auf der zweiten Pressung durch „Brothers and Sisters“ ersetzte. Die Revolution wurde also aus vertriebstechnischen Gründen zensiert und familienfreundlich gemacht.
Iggy Pop: Der "Godfather". Und dann war da James Osterberg aus Michigan. Er nannte sich Iggy Pop. Seine Band: The Stooges. Iggy war kein Musiker im klassischen Sinne. Er war eine Naturgewalt. Er wollte die Barriere zwischen Band und Publikum vernichten. Bei einem Konzert in Cincinnati lief er auf den Händen der Zuschauer (er erfand das Stage Diving). Bei einem anderen beschmierte er seinen nackten Oberkörper mit Erdnussbutter und warf Brocken davon ins Publikum. Er wälzte sich in Glasscherben, bis er blutete. Er starrte die Leute an, bis sie wegsahen. Er verkörperte die totale Langeweile und den totalen Selbsthass der amerikanischen Vorstadtjugend. "No Fun", sang er. Und er meinte es ernst.
Anmerkung des Lektorats: Der Vollständigkeit halber sei erwähnt, dass das 'unzähmbare Tier' Iggy Pop im Jahr 2009 das Gesicht einer Werbekampagne für die britische Autoversicherung 'Swiftcover' war. Laut Vertrag durfte er dabei jedoch niemanden mit Erdnussbutter beschmieren oder beleidigen. Auch Rebellen müssen im Alter an ihre Rentenvorsorge denken.
Das FBI und die drei schmutzigen Akkorde. Ein paar hundert Kilometer weiter südlich, in Portland, nahm 1963 eine Band namens The Kingsmen einen Song auf, der zur Nationalhymne des Punk werden sollte: "Louie Louie". Das Original war ein harmloser Calypso-Song. Aber The Kingsmen machten daraus ein riff-basiertes Monster. Die Aufnahmebedingungen waren katastrophal. Der Sänger Jack Ely musste in ein Mikrofon brüllen, das an der Decke hing. Er trug eine Zahnspange. Er nuschelte. Das Ergebnis: Niemand verstand den Text.
Und genau das löste eine der absurdesten Episoden der amerikanischen Musikgeschichte aus. Konservative Eltern waren überzeugt: Dieser unverständliche Text muss obszön sein! Gerüchte verbreiteten sich auf Schulhöfen. Angeblich ginge es um sexuelle Perversionen. Die Spiesser waren alarmiert! Der Gouverneur von Indiana verbot den Song. Und dann schaltete sich das FBI ein. 31 Monate lang (!) ermittelte die Bundespolizei gegen "Louie Louie". Sie hörten die Platte vorwärts, rückwärts und in halber Geschwindigkeit. Sie befragten die Band. Das Dossier wuchs auf 118 Seiten an. Das Fazit des FBI nach zwei Jahren teurer Ermittlung: "Unintelligible at any speed" (Unverständlich bei jeder Geschwindigkeit).
Warum ist das wichtig? Weil "Louie Louie" bewies, dass Rockmusik die Autoritäten Angst einjagen kann, ohne dass man überhaupt etwas Konkretes sagt. Die bloße Haltung, die Wildheit, das "Unverständliche" reichte aus, um den Staat nervös zu machen. Jede Punkband, die jemals drei Akkorde geschrammelt hat (A, D, E), steht auf den Schultern der Kingsmen. Sie zeigten: Du brauchst keine Botschaft. Der Lärm ist die Botschaft.
Die Garagenbands der 60er (man nannte das später "Garage Rock") waren die Proto-Punks. Bands wie The Seeds, The Standells oder The Monks (fünf amerikanische GIs in Deutschland, die sich Mönchskutten anzogen und Glatzen rasierten – totale Avantgarde!) bereiteten den Boden. Aber es brauchte noch ein Jahrzehnt, bis aus diesem Garagen-Lärm eine weltweite Bewegung wurde. Und dafür musste die Musik erst noch viel, viel hässlicher werden.
Herkunft:
Detroit
, USA
(1964)
Der Sound:
Free Jazz trifft auf Hard Rock. Lautstärke als Waffe.
Essenzieller Song:
"Kick Out The Jams".
(Der Unkaputtbare. Lebt. Immer noch. Wahrscheinlich wird er uns alle überleben, zusammen mit den Kakerlaken.)
Ort: Ein sonniger, fast schon unverschämt idyllischer Garten in Miami, Florida. Ein Kakadu schreit jämmerlich im Hintergrund. Zustand: Iggy trägt keine Oberbekleidung. Seine Haut sieht aus wie eine gut gegerbte, sehr teure Handtasche, die zu lange in der Sonne lag. Er isst eine Avocado.
HACKFRESSE: Iggy, die Stooges gelten heute als der Urknall. War euch damals, 1969, bewusst, dass ihr gerade die Musikgeschichte umschreibt?
IGGY:[kommt sehr nah heran, bis seine Nase fast die des Interviewers berührt. Er riecht nach Kokosöl und Schweiß] Siehst du meine Augen? Siehst du irgendwas darin, das wie ein Vater aussieht?
HACKFRESSE: Äh... nein.
IGGY: Gut. Elternschaft ist was für Leute, die aufhören wollen. Wir wollten nicht anfangen. Wir wollten enden. Wir waren das Ende der Fahnenstange. [Er beißt herzhaft in die Avocado, samt der harten, grünen Schale. Es knirscht laut.]
HACKFRESSE:[schluckt] Du isst die Schale mit?
IGGY: Es muss knirschen. Das Leben muss Widerstand leisten. Wenn es zu weich ist, schlaf ich ein. Die Leute wollen immer alles geschält haben. Das Leben ist keine Banane, Mann.
HACKFRESSE: David Bowie ist weg. Lou Reed ist weg. Du bist noch da. Wie machst du das? Machst du Tai-Chi?
IGGY:[lacht, es klingt wie ein rostiger Auspuff eines 67er Chevy] Ich mache Tai-Chi, damit ich nicht jeden töte, der mir blöde Fragen stellt. Ich überlebe nicht. Ich warte nur länger.
HACKFRESSE: Worauf?
IGGY: Dass der verdammte Vogel die Klappe hält. [Brüllt den Kakadu an] SHUT UP! [Der Vogel schreit noch lauter zurück] Siehst du? Respekt. Er gibt nicht nach. Das ist Punk. Und jetzt verpiss dich aus meinem Garten.
