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Ein praktischer Leitfaden
Die komplexe Struktur der Kopf-Hals-Region ist eine besondere Herausforderung für die radiologische Diagnostik. Der gezielte Einsatz moderner bildgebender Verfahren dient der richtigen Analyse und detaillierten Detektion und führt zu einer exakten Erfassung der Differenzialdiagnose.
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Seitenzahl: 860
Veröffentlichungsjahr: 2024
Herausgegeben von
Thomas J. Vogl
Unter Mitarbeit von
Rania Helal
1426 Abbildungen
Mit dem neuen Werk „Radiologische Differenzialdiagnose: Kopf-Hals-Region“ soll ein Werk initiiert werden, das die Problematik der bildgebenden Diagnostik in der Kopf-Hals-Region erfasst und dem Leser und Anwender insbesondere helfen soll, die relevanten Fragestellungen in dieser komplexen Region zu beantworten. Der Leser soll einen Leitfaden an die Hand bekommen, mit dem es ihm möglich ist, pathologische Prozesse in der Kopf-Hals-Region richtig zu analysieren und differenzialdiagnostisch einzuordnen. Aufgrund der komplexen Topografie, der vielfachen Leitstrukturen und eines breiten differenzialdiagnostischen Spektrums stellt die Kopf-Hals-Region dabei eine besondere Herausforderung an die bildgebende Diagnostik dar. Der gezielte und an die Fragestellung adaptierte Einsatz moderner bildgebender Verfahren dient der richtigen topografischen Analyse und der detaillierten Detektion. Das Ziel ist eine exakte Erfassung der Differenzialdiagnose. Anhand von didaktisch dargestellten Fällen der kompletten Differenzialdiagnostik sollen die wichtigen differenzialdiagnostischen Kriterien für die Kopf-Hals-Region vorgestellt werden. Dies beinhaltet qualitative und auch quantitative Daten, jeweils auf der Basis der modernen bildgebenden Verfahren.
Das vorliegende Werk ist Teil eines Konzepts, das die komplette Differenzialdiagnostik des menschlichen Körpers umfassen soll. Sortiert nach der zu analysierenden Region werden kurz jeweils infrage kommende bildgebende Untersuchungsverfahren beschrieben, die wesentlichen technischen Parameter erläutert und die Interpretationskriterien vorgestellt. Die ausgesuchten Beispiele entsprechen modernen didaktischen Anforderungen und erlauben mithilfe der verschiedenen differenzialdiagnostischen Kriterien die Erfassung der jeweils zugrunde liegenden Pathologie. Dabei lassen sich vielfach Prozesse der Kopf-Hals-Region artdiagnostisch auf der Basis der vorhandenen bildgebenden Diagnostik sehr eng eingrenzen. Bei bestimmten Fragestellungen und Regionen kann jedoch nur die lokalisierte Biopsie oder Histopathologie die genaue Diagnose ermitteln.
Mein besonderer Dank gilt den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern meines Instituts, den Kooperationspartnern aus der HNO-Klinik, insbesondere Herrn Prof. Stöver, der Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie in domo, meiner Oberärztin Dr. Iris Burck, Conny Holtfoth, Frau Sigrid Potapczuk, Herrn Roland Schreiner für die Mithilfe bei der Erstellung des Technik-Kapitels sowie meiner Doktorandin, Frau Rania Helal, für die Erarbeitung der didaktischen Grundlagen dieser Ausführungen.
Frankfurt/Main, im Frühjahr 2024
Thomas J. Vogl
A.
Arteria
ADC
apparenter Diffusionskoeffizient
AIDS
erworbenes Immunschwächesyndrom
a.-p.
anteroposterior
CT
Computertomografie
CTA
computertomografische Angiografie
DSA
digitale Subtraktionsangiografie
DTPA
Diethylentriaminpentaessigsäure
DVT
digitale Volumentomografie
DWI
diffusionsgewichtete Bildgebung
FDG
Fluordesoxyglukose
FLAIR
Fluid-attenuated Inversion-Recovery
HE
Hounsfield-Einheit
HIV
humanes Immunschwächevirus
kVp
Kilovolt-Peak
Lig./Ligg.
Ligamentum/Ligamenta
M./Mm.
Musculus/Musculi
MDP
Methyldiphosphonat
MIBG
Metajodbenzylguanidin
MIP
Maximumintensitätsprojektion
MRA
Magnetresonanzangiografie
MRT
Magnetresonanztomografie
N./Nn.
Nervus/Nervi
p.-a.
posteroanterior
PET
Positronenemissionstomografie
R.
Ramus
STIR
Short-Tau Inversion-Recovery
T1w/T2w
T1-/T2-gewichtet
T
Tesla (Einheit)
Tc
Technetium
TE
Echozeit
TR
Repetitionszeit
V./Vv.
Vena/Venae
Titelei
Vorwort
Abkürzungen
I Allgemeiner Teil
1 Einleitung
1.1 Grundlagen des vorgestellten Konzepts
1.2 Systematische Vorgehensweise zur Analyse radiologischer Befunde der Kopf-Hals-Region
1.3 Klinische Untersuchungsverfahren
2 Bildgebende Untersuchungsverfahren allgemein
2.1 Sonografie
2.1.1 Allgemeine Technik
2.1.2 Konventionelle sonografische Techniken
2.1.3 Amplitudenmodus
2.1.4 Brightness-Modus
2.1.5 (Time-)Motion-Modus
2.1.6 Elastografie
2.1.7 Duplexsonografie
2.1.8 Kontrastmittelsonografie
2.2 Konventionelle digitale Röntgendiagnostik (Projektionsradiografie)
2.2.1 Axiale Aufnahme der Schädelbasis
2.2.2 Posteroanteriore Schädelaufnahme
2.2.3 Seitliche Aufnahme des Schädels
2.2.4 Aufnahme nach Schüller
2.2.5 Aufnahme nach Stenvers
2.2.6 Aufnahme nach Mayer
2.3 Tomografische Verfahren
2.3.1 Computertomografie
2.3.2 Magnetresonanztomografie
2.3.3 Diagnostische Angiografie und interventionelle Therapie
II Spezieller Teil
3 Anteriore Schädelbasis
3.1 Topografie
3.2 Spezifische anatomische Strukturen
3.2.1 Basale Foramina
3.2.2 Canalis pterygoideus
3.2.3 Sella turcica
3.2.4 Sinus cavernosus
3.2.5 Klivus
3.3 Spezifische Untersuchungsverfahren
3.3.1 Ultraschall
3.3.2 Konventionelle Röntgenaufnahmen
3.3.3 Computertomografie
3.3.4 Magnetresonanztomografie
3.3.5 Nuklearmedizinische Untersuchungstechniken
3.4 Spezifische Befunde
3.4.1 Läsionen kranialen Ursprungs
3.4.2 Läsionen intrinsischen Ursprungs
3.4.3 Entzündliche Veränderungen
3.4.4 Traumatologische Veränderungen
3.4.5 latrogene Veränderungen
3.5 Spezielle Differenzialdiagnosen
3.5.1 Liquide Raumforderungen
3.5.2 Lufthaltige Raumforderungen
3.5.3 Volumenauftreibungen der knöchernen Strukturen der Schädelbasis
3.5.4 Strukturdefekte der knöchernen Schädelbasis
3.6 Zusammenfassung und diagnostische Strategie
3.7 Literatur
4 Ohr und Felsenbein
4.1 Topografie
4.2 Spezifische anatomische Strukturen
4.2.1 Äußerer Gehörgang und Mittelohr-Mastoid-Komplex
4.2.2 Neurovaskuläre Kompartimente des Os temporale
4.3 Spezifische Untersuchungsverfahren
4.3.1 Konventionelle Röntgenaufnahmen
4.3.2 Computertomografie
4.3.3 Magnetresonanztomografie
4.3.4 Digitale Volumentomografie
4.4 Spezifische Befunde
4.4.1 Variationen und Missbildungen
4.4.2 Tumoren
4.4.3 Entzündungen
4.4.4 Vermehrte Pneumatisation des Os temporale
4.4.5 Erosion oder Destruktion des Os temporale
4.4.6 Otosklerotische Prozesse des Os temporale
4.4.7 Traumatische Prozesse des Os temporale
4.5 Literatur
5 Innenohr, innerer Gehörgang, Kleinhirnbrückenwinkel und Labyrinth
5.1 Topografie
5.2 Spezifische anatomische Strukturen
5.2.1 Innenohr (Meatus acusticus internus)
5.2.2 Kochlea
5.2.3 Vestibulum
5.2.4 System der Bogengänge
5.2.5 Kochleärer Aquädukt
5.3 Spezifische Untersuchungsverfahren
5.3.1 Konventionelle Röntgenaufnahmen
5.3.2 Computertomografie
5.3.3 Magnetresonanztomografie
5.4 Spezifische Befunde
5.4.1 Innenohr und innerer Gehörgang
5.4.2 Kochleaimplantat
5.5 Spezielle Differenzialdiagnosen
5.5.1 Asymmetrische Erweiterung des Meatus acusticus internus (konventionelles Röntgen und CT)
5.5.2 Solide kontrastmittelaufnehmende Raumforderung im Meatus acusticus internus größer als 5 mm (CT und/oder MRT)
5.5.3 Solide kontrastmittelaufnehmende Raumforderung kleiner als 5 mm im inneren Gehörgang (nur MRT)
5.5.4 Lineare Kontrastmittelaufnahme im inneren Gehörgang (MRT)
5.5.5 Solide kontrastmittelaufnehmende Raumforderung im Kleinhirnbrückenwinkel (CT und/oder MRT)
5.5.6 Zystische Raumforderung im Kleinhirnbrückenwinkel, inneren Gehörgang und Innenohr
5.5.7 Lufteinschlüsse im Kleinhirnbrückenwinkel und Meatus acusticus internus
5.5.8 Raumforderung oder Läsion mit erhöhter Signalintensität (native T1w Spin-Echo-Sequenz)
5.5.9 Kontrastmittelaufnehmende Strukturen des Labyrinths
5.5.10 Blutung in das Labyrinth
5.5.11 Raumforderung des Hirnstamms
5.5.12 Zystische oder nekrotische Raumforderung in der hinteren Schädelgrube
5.5.13 Raumforderung des Klivus und der präpontinen Zisterne
5.5.14 Ringförmig kontrastmittelaufnehmende Struktur in der hinteren Schädelgrube
5.5.15 Multiple kontrastmittelaufnehmende Raumforderungen im Zerebellum und in angrenzenden Räumen
5.5.16 Knöcherne Arrosion der Pyramidenspitze
5.5.17 Knöcherne Erosion des Meatus acusticus internus
5.5.18 Erosion der ossären Strukturen der mittleren Schädelgrube
5.5.19 Erosion des Os sphenoidale
5.5.20 Raumforderungen mit röntgenologisch erhöhter Dichte des Os temporale
5.5.21 Raumforderung im Foramen ovale
5.6 Zusammenfassung und diagnostische Strategie
5.7 Literatur
6 Orbita
6.1 Topografie
6.2 Spezifische anatomische Strukturen
6.2.1 Bulbus
6.2.2 Nerven der Orbita
6.2.3 Gefäße der Orbita
6.2.4 Muskulatur und orbitales Fettgewebe
6.2.5 Tränendrüse
6.3 Spezifische Untersuchungsverfahren
6.3.1 Konventionelle Röntgenaufnahmen
6.3.2 Dakryozystografie
6.3.3 Computertomografie
6.3.4 Magnetresonanztomografie
6.3.5 Sonografie
6.4 Spezifische Befunde
6.4.1 Leukokorie (klinisch)
6.4.2 Variationen, Missbildungen und kongenitale Läsionen
6.4.3 Tumoren
6.4.4 Entzündliche Veränderungen
6.4.5 Traumatologische Veränderungen
6.5 Spezielle Differenzialdiagnosen
6.5.1 Liquide Raumforderungen
6.5.2 Lufthaltige Raumforderungen
6.5.3 Tumoröse Raumforderungen
6.5.4 Ossäre Läsionen
6.6 Zusammenfassung und diagnostische Strategie
6.7 Literatur
7 Nasenhaupthöhle, Nasennebenhöhlen und angrenzender Gesichtsschädel
7.1 Topografie
7.2 Spezifische anatomische Strukturen
7.2.1 Kieferhöhle
7.2.2 Siebbeinzellen
7.2.3 Stirnhöhle
7.2.4 Keilbeinhöhle
7.3 Spezifische Untersuchungsverfahren
7.3.1 Sonografie
7.3.2 Konventionelle Röntgenaufnahmen
7.3.3 Computertomografie
7.3.4 Digitale Subtraktionsangiografie
7.3.5 Magnetresonanztomografie
7.4 Spezifische Befunde
7.4.1 Nasenhaupthöhle und Nasennebenhöhlen
7.4.2 Gesichtsschädel
7.5 Zusammenfassung und diagnostische Strategie
7.6 Literatur
8 Nasopharynx und Parapharyngealraum
8.1 Topografie
8.2 Spezifische anatomische Strukturen
8.3 Spezifische Untersuchungsverfahren
8.3.1 Sialografie
8.3.2 Magnetresonanztomografie
8.3.3 Computertomografie
8.4 Spezifische Befunde
8.4.1 Mukosaraum
8.4.2 Prästyloidales Kompartiment des Parapharyngealraums
8.4.3 Poststyloidales Kompartiment des Parapharyngealraums
8.4.4 Mastikatorraum
8.4.5 Nasopharyngealraum
8.4.6 Retropharyngealraum
8.4.7 Prävertebralraum
8.4.8 Spatium buccale
8.5 Zusammenfassung und diagnostische Strategie
8.6 Literatur
9 Speicheldrüsen
9.1 Topografie
9.2 Klinische Symptomatik und Leitsymptome
9.3 Spezifische Untersuchungsverfahren
9.3.1 Sialografie
9.3.2 Sonografie
9.3.3 Magnetresonanztomografie
9.3.4 Computertomografie
9.4 Spezifische Befunde
9.4.1 Angeborene Variationen und Missbildungen
9.4.2 Zystische Läsionen
9.4.3 Entzündliche, systemische und degenerative Veränderungen
9.4.4 Benigne Tumoren
9.4.5 Maligne Tumoren
9.4.6 Sekundäre Tumoren
9.4.7 latrogene und posttherapeutische Veränderungen
9.5 Zusammenfassung und diagnostische Strategie
9.6 Literatur
10 Mund, Kiefer und Gebiss
10.1 Topografie
10.2 Spezifische anatomische Strukturen
10.2.1 Maxilla
10.2.2 Mandibula
10.2.3 Kiefergelenk
10.2.4 Gebiss
10.2.5 Kaumuskulatur
10.2.6 Neurovaskuläre Kompartimente
10.3 Spezifische Untersuchungsverfahren
10.3.1 Konventionelle Röntgenaufnahmen
10.3.2 Computertomografie
10.3.3 Magnetresonanztomografie
10.3.4 Digitale Volumentomografie
10.4 Spezifische Befunde
10.4.1 Variationen und Missbildungen
10.4.2 Parodontopathien und Entzündungen der Kiefer
10.4.3 Kieferzysten
10.4.4 Odontogene Tumoren
10.4.5 Tumorähnliche Läsionen
10.4.6 Nicht odontogene Tumoren
10.4.7 Weitere Erkrankungen der Kieferknochen
10.4.8 Erkrankungen des Kiefergelenks
10.5 Literatur
11 Mundhöhle, Oropharynx und Mundboden
11.1 Topografie
11.2 Spezifische anatomische Strukturen
11.3 Spezifische Untersuchungsverfahren
11.3.1 Konventionelle Röntgenaufnahmen
11.3.2 Sonografie
11.3.3 Computertomografie
11.3.4 Digitale Subtraktionsangiografie
11.3.5 Szintigrafie
11.3.6 Magnetresonanztomografie
11.4 Spezifische Befunde
11.4.1 Angeborene Variationen, Missbildungen und liquide Raumforderungen
11.4.2 Tumoröse Raumforderungen
11.4.3 Lufthaltige Raumforderungen oder Läsionen
11.4.4 Entzündliche Veränderungen
11.4.5 Traumatologische Veränderungen
11.4.6 latrogene Veränderungen
11.4.7 Ossäre Destruktion
11.5 Zusammenfassung und diagnostische Strategie
11.6 Literatur
12 Hypopharynx und Larynx
12.1 Topografie
12.2 Spezifische anatomische Strukturen
12.3 Spezifische Untersuchungsverfahren
12.3.1 Computertomografie
12.3.2 Magnetresonanztomografie
12.4 Spezifische Befunde
12.4.1 Variationen und Missbildungen
12.4.2 Tumoren
12.4.3 Entzündliche Veränderungen
12.4.4 Degenerative Veränderungen
12.4.5 Traumatologische Veränderungen
12.4.6 latrogene und posttherapeutische Veränderungen
12.5 Zusammenfassung und diagnostische Strategie
12.6 Literatur
13 Halsweichteile
13.1 Topografie
13.2 Spezifische anatomische Strukturen
13.2.1 Viszerales Kompartiment
13.2.2 Posteriores Kompartiment
13.2.3 Laterales Kompartiment
13.3 Spezifische Untersuchungsverfahren
13.3.1 Sonografie
13.3.2 Computertomografie
13.3.3 Magnetresonanztomografie
13.3.4 Digitale Volumentomografie
13.4 Spezifische Befunde
13.4.1 Variationen und Missbildungen
13.4.2 Entzündliche Veränderungen
13.4.3 Tumoren
13.4.4 Vaskuläre Veränderungen
13.4.5 Traumatologische Veränderungen
13.4.6 Iatrogene oder posttherapeutische Veränderungen
13.5 Spezielle Differenzialdiagnosen
13.5.1 Liquide Raumforderungen
13.5.2 Lufthaltige Raumforderung
13.6 Zusammenfassung und diagnostische Strategie
13.7 Literatur
Anschriften
Sachverzeichnis
Impressum/Access Code
1 Einleitung
2 Bildgebende Untersuchungsverfahren allgemein
Thomas J. Vogl, Rania Helal
Die Zielsetzung des vorliegenden Buches umfasst die Vorstellung eines Konzepts zur Erarbeitung einer möglichst präzisen radiologischen Differenzialdiagnostik der Kopf-Hals-Region auf der Basis von bildgebenden Kriterien und umfangreichen ausgewählten Bildbeispielen. Diese stellen einen aktuell zu interpretierenden bildgebenden Befund den histologisch und klinisch gesicherten Befunden gegenüber. Nach Erarbeitung einer entsprechenden Differenzialdiagnose resultieren die Diagnosestellung sowie auch eine entsprechende Empfehlung zum weiteren diagnostischen und therapeutischen Vorgehen. Die klinischen Untersuchungsverfahren werden dabei nur am Rande behandelt.
Im allgemeinen Teil werden die wesentlichen klinischen und radiologischen Kriterien der Diagnostik der Kopf-Hals-Region vorgestellt. Schematisch werden die diagnostisch relevanten Krankheitsgruppen wie Missbildungen und Variationen, Tumoren, Entzündungen, Traumafolgen und therapieinduzierte Veränderungen behandelt. Dabei stellt die Kenntnis der klinischen Fragestellung stets einen wesentlichen Bestandteil der radiologischen Bildinterpretation dar.
Die allgemeinen Untersuchungstechniken werden getrennt nach klinischen und bildgebenden Verfahren diskutiert. Im Vordergrund stehen neben der konventionellen Röntgendiagnostik die CT (Computertomografie), die MRT (Magnetresonanztomografie), die Sonografie sowie die DSA (digitale Subtraktionsangiografie).
Im klinischen Abschnitt sollen spezifisch für jede Region die möglichen Wege zur Erarbeitung einer exakten Differenzialdiagnose über die Bearbeitung eines konstanten Systems, die klinische Symptomatologie sowie die spezifische Symptomkonstellation vorgestellt werden. Des Weiteren werden die allgemeindiagnostischen Kriterien und der Weg vom Befund bis zur präzisen Differenzialdiagnose aufgezeigt.
Seit Einführung der konventionellen Röntgentechnik um die Jahrhundertwende fand in der Diagnostik des Gesichtsschädels, der Schädelbasis und des Halses eine rasante Entwicklung statt. Die Einstelltechniken der meisten konventionellen Röntgenaufnahmen, die bereits kurze Zeit danach entwickelt wurden (z.B. Felsenbeinaufnahmen nach Schüller im Jahr 1905 und nach Stenvers im Jahr 1917), kommen noch heute weitgehend unverändert zum Einsatz.
Die Angiografie entwickelte sich bald als wichtige Ergänzung zur Abklärung stark vaskularisierter Prozesse. Erst die Einführung der DSA im Jahr 1978 aber ermöglichte eine präzise Erfassung des morphologischen Aufbaus und der hämodynamischen Verhältnisse in Gefäßen und Tumoren. Parallel dazu etablierte sich die Sonografie als Routineuntersuchung insbesondere im Bereich des Halses und der Gesichtsweichteile.
Den wohl bedeutsamsten Fortschritt in der Diagnostik der Kopf-Hals-Region stellt die Einführung der Schnittbildverfahren wie CT und MRT dar. Mithilfe dieser Methoden gelang erstmals eine lückenlose und überlagerungsfreie Darstellung anatomischer und pathologischer Prozesse in dieser Region.
Die Aufgabe der radiologischen Diagnostik liegt darin, den klinischen Anforderungen zur sicheren Diagnosestellung und zur Operationsplanung innerhalb der interdisziplinären Zusammenarbeit gerecht zu werden. Verfeinerte mikrochirurgische Operationstechniken sowie neue Möglichkeiten der Radio- und Chemotherapie stellen zunehmend höhere Ansprüche an die radiologische Diagnostik dieser Körperregion.
Zunächst obliegt es der Diagnostik, bei möglichst exakter Angabe der Fragestellung oder einer klinischen Verdachtsdiagnose aus der Vielzahl der zur Verfügung stehenden technischen Verfahren die aussagekräftigste und für den Patienten am wenigsten belastende Methode auszuwählen. Ziel jeder Untersuchung ist zum einen, Lokalisation und Ausdehnung einer Läsion genau zu beschreiben, und zum anderen, mittels ausreichender Sensitivität und Spezifität Aussagen über die genaue Diagnose zu treffen. Im Folgenden wird versucht, getrennt nach verschiedenen topografischen Regionen einen Einblick in die diagnostische Strategie bei verschiedenen Krankheitsbildern zu gewähren.
Die zusammenschauende Analyse der topografischen Informationen und der bildgebenden Parameter sowie die Kenntnis des differenzialdiagnostischen Spektrums stellen die Voraussetzung zur Erzielung einer exakten radiologischen Diagnose dar.
Im Vordergrund stehen im vorliegenden Buch das Training sowie die Bereitstellung erforderlicher Informationen für eine systematische Analyse radiologischer Untersuchungsverfahren in der Kopf-Hals-Region, angereichert mit ausführlichem Bildmaterial.
Eine weitere zuverlässige Hilfestellung erlaubt die Anwendung des im angloamerikanischen Sprachraum üblichen Systems „Fünf D“ für eine sorgfältige Bildinterpretation:
Detect: Dies steht für die wesentliche Aufgabenstellung der Identifizierung einer pathologischen Läsion oder Erkrankung. Dabei sollte zunächst versucht werden, alle wesentlichen Strukturen nach möglichen Ausgangspunkten einer Läsion abzusuchen. Klassische Läsionen der Kopf-Hals-Region können von einer Vielzahl topografischer Strukturen ausgehen ( ▶ Tab. 1.1 ).
Describe: „Describe“ bedeutet die Bestimmung der Zugehörigkeit einer Läsion. Dies bezieht sich auf die Zuordnung zu Knochen, Gelenken, Weichteilen, Speicheldrüsen, vaskulären oder neuralen und anderen Strukturen. Des Weiteren muss die exakte Lagebeziehung einer Läsion in Relation zu den mitbeteiligten oder benachbarten Strukturen dokumentiert werden. Wesentliche Informationen beziehen sich auf die Frage einer regionalen, fokalen oder generalisierten Erkrankung sowie die Detektion solitärer oder multipler Erkrankungen.
Discuss: Darunter versteht man die erste Bewertung der zusammengetragenen Ergebnisse der Befundung.
Differential Diagnosis: Diese umfasst die Bearbeitung, Auflistung und Abwägung der möglichen Differenzialdiagosen.
Diagnosis: Dieser Ausdruck beinhaltet den letzten Arbeitsschritt – die Diagnose – nach Berücksichtigung aller möglichen Kriterien und der Gesamtkonstellation.
Tab. 1.1
Ausgangspunkte von Erkrankungen der Kopf-Hals-Region.
Strukturen der Kopf-Hals-Region
Ausgangspunkte von Läsionen
Knochen
Substantia corticalis (z.B. knöcherne Wandung: Maxilla)
Substantia spongiosa (z.B. Pyramidenspitze)
Gelenke
Temporomandibulargelenk (Synovia, Substantia corticalis, Weichteilgewebe, Knorpel)
Schleimhaut
Mukosa
Submukosa
vaskuläre Leitstrukturen
Arterien
Venen
Lymphsystem
Gefäße
Lymphknoten
neurales System
Nerven
Ganglien
Speicheldrüsen
Glandula parotis
Glandula submandibularis
Glandula sublingualis
Weichteile
Bindegewebe
Faszien
Sehnen
Bei der differenzialdiagnostischen Erwägung klinischer Fragestellungen muss selbstverständlich davon ausgegangen werden, dass der Erhebung der Anamnese eine wesentliche Rolle zukommt. Eine entscheidende Bedeutung haben dabei für die Erfassung von Erkrankungen der Kopf-Hals-Region die Standarduntersuchungsmethoden wie Inspektion und Palpation. Das gilt im Wesentlichen für die Hals-Nasen-Ohren-Spiegeluntersuchung und die klassischen audiometrischen Messverfahren. Dabei umfassen die klinischen Untersuchungsmethoden im Rahmen der klinischen Otologie und der Schädelbasisdiagnostik zunächst die Inspektion sowie die Palpation der Ohrmuschel, der unmittelbaren Ohrumgebung und regionaler Lymphknoten. In einem weiteren Schritt kommen die Otoskopie, audiologische Untersuchungen sowie Vestibularis- und Tubenfunktionsprüfungen zum Einsatz. In Einzelfällen sind zusätzlich Untersuchungen wie Abstrich und bakteriologische Untersuchungen notwendig sowie – bei ausgedehnteren Schädelbasisprozessen – Untersuchungen sämtlicher Hirnnervengruppen.
Bei der Differenzialdiagnose von Hörstörungen werden Inspektion, Palpation und/oder Otoskopie durch Stimmgabelprüfungen mit Versuchen nach Weber, nach Renne oder nach Gelle im Tonaudiogramm der Sprachabstandsprüfung sowie der Sprachaudiometrie ergänzt. Zur Abklärung der Innenohrschwerhörigkeit muss eine Prüfung des Rekruitments erfolgen, ebenso wie der Fowler-Test. Weitere Methoden stellen die Prüfung der Hörermüdung sowie die Impedanzmessung dar. Bei Fragestellungen in Bezug auf Gleichgewichtserkrankungen umfasst das klinische Untersuchungsprogramm zusätzlich Verfahren wie thermische Prüfung, Dreh- und Pendelstuhlbewegung sowie eine Abklärung des okulomotorischen und somatischen Systems. Dies betrifft insbesondere die komplexe Abklärung bei Erkrankungen wie dem Schwindel.
Bei Erkrankungen der Gesichtsregion haben otorhinolaryngologische Untersuchungen der Gesichtsweichteile, der Nasennebenhöhlen, der Mundhöhle, des Ober- und Unterkiefers sowie der Glandula-parotis-Region entscheidende Bedeutung.
Speziell für die aus Nase, Nasennebenhöhlen und Nasenrachen bestehende Region kommen die optikgestützte Endoskopie, die Rhinomanometrie und Rhinorheografie sowie die Sinuskopie (Anteroskopie) zum Einsatz, bei Fragestellungen im Bereich von Mund und Rachen die Lupenendoskopie.
Für die Gruppen der Kopfspeicheldrüsen besteht die Möglichkeit einer Bestimmung der Speichelflussrate (Sialometrie). Diese erlaubt Rückschlüsse auf die Speichelproduktion und die Funktion der betroffenen Drüse. Ebenso kann die Speichelchemie zusätzlich Informationen über die biochemische Zusammensetzung des Speichels liefern.
Für die Region Larynx und Hypopharynx steht klinisch die Laryngoskopie als Pilotuntersuchung am Anfang jeder instrumentalen Larynxexploration zur Verfügung. Die Lupenlaryngoskopie (ebenfalls indirekt) bietet die Möglichkeit der optischen Vergrößerung. Die direkte Laryngoskopie in Form der Mikrolaryngoskopie erlaubt zusätzlich auch endolaryngeale Maßnahmen und Manipulationen.
Bei Stimm- und Sprachstörungen wird die Untersuchung der Stimm- und der Sprechfunktion durch exzessive klinische Verfahren ergänzt.
3 Anteriore Schädelbasis
4 Ohr und Felsenbein
5 Innenohr, innerer Gehörgang, Kleinhirnbrückenwinkel und Labyrinth
6 Orbita
7 Nasenhaupthöhle, Nasennebenhöhlen und angrenzender Gesichtsschädel
8 Nasopharynx und Parapharyngealraum
9 Speicheldrüsen
10 Mund, Kiefer und Gebiss
11 Mundhöhle, Oropharynx und Mundboden
12 Hypopharynx und Larynx
13 Halsweichteile
