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Dieses Buch ist mein Tagebuch. Es begleitete mich von meiner letzten Zigarette an ein Jahr lang. Es half mir die ganze Zeit auf meinem Weg, das Rauchen zu beenden. Während der Entzugszeit ist alles in Echtzeit geschrieben. In dieser Entwöhnungsphase habe ich meine Gedanken immer sofort notiert. Im weiteren Verlaufe habe ich abends meine Gefühle und Gedanken in mein Tagebuch geschrieben. Ich werde in diesem Buch ganz detailliert berichten, wie es mir auf meinem Weg ergangen ist und wie es war, meine letzte Zigarette für immer auszudrücken. Dies gelang mir mit so einer unglaublichen, faszinierenden Leichtigkeit, von der ich Ihnen gerne erzählen möchte. Sie können mich auf meinem Weg begleiten und erfahren, wie es für mich ganz persönlich war, ein Leben als Nichtraucher zu starten. ich habe 365 Tage lang meinen inneren Wandel, der durch das ausdrücken meiner letzten Zigarette zu Stande gekommen ist, niedergeschrieben und ich möchte meinen wunderbaren Weg mit Ihnen teilen. Ich werde Ihnen keinen Weg aufzeigen, mit dem Sie mit dem Rauchen aufhören können. ich werde Sie auf eine Reise mitnehmen, die meinen Weg, meinen Absprung aufzeigt. Womöglich kommen Sie dadurch ins Grübeln und fragen sich: "Warum rauche ich eigentlich?" Genau diese Frage habe ich mir vor einem Jahr gestellt: "Warum gebe ich für etwas Geld aus, das mich langsam aber sicher innerlich wie auch äußerlich zerstört?" Ich freue mich sehr darauf, meine Reise mit Ihnen zu teilen.
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Seitenzahl: 216
Veröffentlichungsjahr: 2019
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Ich möchte Allen Carr (2 September 1934, London – 29 November 2006, Benalmádena) von ganzem Herzen danken. Ohne sein Wissen über das Rauchen, dass er glücklicherweise mit der Welt geteilt hatte, würde ich sehr wahrscheinlich immer noch weiterqualmen.
Ich bin unheimlich stolz auf mich dass ich meinen Weg in ein rauchfreies Leben geschafft habe. Ich möchte zu guter letzt auch jedem einzelnen von Ihnen danken dass Sie sich für mein Buch interessiert- und es natürlich gelesen haben.
Vielen Dank
Vorwort
Der Anfang
Der Tag der erneuten Gefangenschaft
Das heimliche Rauchen
Lange Zeit
Gedanken ziehen ihre Kreise
Das Buch „Endlich Nichtraucher“
Der Tag ist gekommen
Die letzte Zigarette (in Echtzeit)
Die erste Woche als Nichtraucher
Alkohol
Tag 8, 9 und 14 als Nichtraucher
Der Ersatz
Tag 26, 28 und 31 als Nichtraucher
Warum habe ich aufgehört zu rauchen?!
Tag 43, 48, 55 und 56 als Nichtraucher
Tag 58 als Nichtraucher - 16.10.2017
Die E-Zigarette
Tag 61 und 63 als Nichtraucher
Wieso schreibe ich dieses Buch?
Tag 71, 77, 80 und 92 als Nichtraucher
Tag 97 als Nichtraucher
Warum habe ich geraucht und habe ich denn wirklich keine Zigarette genossen?
Tag 100 und 104 als Nichtraucher
Habe ich zugenommen, seit ich nicht mehr rauche?
Tag 106 als Nichtraucher - 03.12.2017
Was werde ich tun, falls ich den Zigaretten doch irgendwann nachtrauern würde?
Beobachtungen der Raucher/innen ( Echtzeit) - Teil 1
Tag 113 als Nichtraucher - 10.12.2017
Beobachtungen der Raucher/innen (Echtzeit) - Teil 2
Rauchersituationen, die ich durchlebt habe
Tag 122 und 123 als Nichtraucher
Was gebe ich für Tipps zum aufhören?
Tag 135 als Nichtraucher - 01.01.2018
Beobachtungen der Raucher/innen (Echtzeit) - Teil 3
Tag 157 als Nichtraucher - 23.01.2018
Was habe ich unterdessen begriffen, was ich vorher noch nicht wusste?
Beobachtungen der Raucher/innen (Echtzeit) - Teil 4
Tag 168, 169, 172, 175, 181, 189, und 200 als Nichtraucher.
Was bedeutet eigentlich „Nichtraucher“?
Tag 207 als Nichtraucher - 14.03.2018
Tag 209 als Nichtraucher - 16.03.2018
Warum rauchen die Menschen (noch)?
Gedanken sind Kräfte
Tag 225, 226, 235 und 250 als Nichtraucher
Tag 262, 267, 269 und 284 als Nichtraucher
Weltnichtrauchertag - 31.05.2018
Tag 302 als Nichtraucher
Tag 365 als Nichtraucher 19.8.2018
Dieses Buch ist mein Tagebuch. Es begleitete mich von meiner letzten Zigarette an ein Jahr lang. Es half mir die ganze Zeit auf meinem Weg, das Rauchen zu beenden. Während der Entzugszeit ist alles in Echtzeit geschrieben. In dieser Entwöhnungsphase habe ich meine Gedanken immer sofort notiert. Im weiteren Verlaufe habe ich abends meine Gefühle und Gedanken in mein Tagebuch geschrieben. Ich werde in diesem Buch ganz detailliert berichten, wie es mir auf meinem Weg ergangen ist und wie es war, meine letzte Zigarette für immer auszudrücken. Dies alles gelang mir mit so einer unglaublichen, faszinierenden Leichtigkeit, von der ich Ihnen gerne erzählen möchte. Sie können mich auf meinem Weg begleiten und erfahren, wie es für mich ganz persönlich war, ein Leben als Nichtraucher zu starten. Ich habe 365 Tage lang meinen inneren Wandel, der durch das Ausdrücken meiner letzten Zigarette zu Stande gekommen ist, niedergeschrieben und möchte meinen wunderbaren Weg gerne mit Ihnen teilen.
Ich werde Ihnen keinen Weg aufzeigen, mit dem Sie mit dem Rauchen aufhören können. Ich werde Sie auf eine Reise mitnehmen, die meinen Weg, meinen Absprung aufzeigt. Womöglich kommen Sie dadurch ins Grübeln und fragen sich: „Warum rauche ich eigentlich?“ Genau diese Frage habe ich mir vor einem Jahr gestellt: „Warum rauche ich eigentlich? Warum gebe ich für etwas Geld aus, das mich langsam, aber sicher innerlich wie auch äusserlich zerstört?“
Ich freue mich sehr darauf, meine Reise mit Ihnen zu teilen.
Mit 13 Jahren habe ich mit dem Rauchen angefangen. Wie die meisten habe ich mich nach der ersten Zigarette unwohl gefühlt. Mir wurde entsetzlich schlecht, aber ich habe mich mit langsamen Zügen vorgearbeitet.
Das Rauchen war nach meiner damaligen Sichtweise etwas Erwachsenes und Verbotenes. Etwas Cooles. Ich wollte dazugehören. Wie die meisten Raucher würde auch ich mit meinem jetzigen Wissensstand nie mit dem Rauchen anfangen. Wenn es einen Knopf gäbe, um an den Tag vor meiner ersten Zigarette zurückzukehren, würde ich ihn ohne zu zögern drücken. Doch diesen Knopf gibt es nicht. Das Rauchen begleitete mich vorerst während sieben Jahre meines Lebens. Mitten in den eigenen Reihen wurde ich von Kollegen und Freunden zum Rauchen verführt. Es war „in“ und schien zum Erwachsenwerden dazuzugehören. Jahre später gehörte ich schliesslich zu den Erwachsenen, die ihr Raucherdasein bedauern und beenden wollen, falls sie die Zigaretten bis dahin nicht schon umgebracht haben. Ich gehörte zu denen, die den Tag, als sie zum ersten Mal an einer Zigarette zogen, bereuen und gerne rückgängig machen würden. Ich wollte endlich dem elenden Teufelskreis, den ich mir nicht selbst ausgesucht hatte, entfliehen. Früher einmal geraucht zu haben, ist eine Erfahrung, die ich eines Tages mit ins Grab nehmen werde, aber es gibt Dinge im Leben, von denen ich besser die Finger gelassen hätte.
Die meisten Raucher fangen bereits als Teenager damit an. Weshalb ist das so? Ich denke, ein Teenager muss sich finden, muss seine Identität suchen, erwachsen werden, möchte neue Dinge ausprobieren und wird dabei vom Freundeskreis beeinflusst. Ich kenne kaum einen Erwachsenen, der nicht wenigstens einmal in seinem Leben eine Zigarette probiert hat. Eine Zigarette rauchen, das erste Mal Alkohol trinken und viele andere Dinge wollen in der Pubertät getestet werden. Das Rauchen scheint aus Sicht Jugendlicher etwas Verbotenes zu sein, das den Erwachsenen vorbehalten ist, etwas, das die Eltern nicht erlauben wollen, das den Reiz es dennoch zu tun, aber nur noch verstärkt. Der Jugendliche glaubt dem Erwachsenen nicht. Ich kann nur von mir selbst sprechen: Als meine Mutter mich vor dem Rauchen gewarnt hat, habe ich sie nicht ernst genommen. Mich hat es eher dazu bewogen, noch mehr zu rauchen.
Nach etwa sieben Jahren habe ich das erste Mal das Rauchen aufgegeben. Das war am 30.04.2004. Um bei der Wahrheit zu bleiben, es war damals bereits mein dritter Anlauf. Ich habe einmal kurze anderthalb Tage nicht mehr geraucht und am folgenden Tag spätabends wieder damit angefangen. Beim zweiten Anlauf war ich bei einem Hypnotiseur, um mir das Rauchen abzugewöhnen, aber auch dieser Versuch scheiterte kläglich. Nach sieben Jahren schaffte ich es endlich, das Rauchen für fünf Jahre aufzugeben. Ich fühlte mich diese fünf Jahre lang grossartig. Ich verspürte diese Nikotinsucht nicht mehr! Ich war vom Glimmstängel nicht mehr abhängig! Doch ich kann mich noch vage daran erinnern, wie ich damals in der ersten Entzugszeit gelitten habe. Ich gab das Rauchen auf. Ich verzichtete. Es war unendlich schwer. Ich sagte mir immer wieder, dass es ungesund sei, dass ich schlecht riechen würde. Mit logischen Argumenten versuchte ich mir, das Rauchen abzugewöhnen. Ich hielt mir vor Augen, dass das Rauchen diverse gesundheitliche Risiken mit sich bringt: Rauchen kann töten! Ich weiss noch zu gut, wie gerne ich geraucht hatte und wie gerne ich auch weiterhin geraucht hätte, also musste ich etwas aufgeben, das ich gerne tat. Ich musste auf etwas verzichten. Ich hörte also mit dem Rauchen auf und ich hielt mich selbst davon ab, wieder mit dem Rauchen anzufangen. Ich sagte mir, dass es sowieso nicht bei einer Zigarette bleiben würde, wenn ich mir jetzt wieder eine anzünden würde. Ich erinnere mich daran, wie ich die Stunden, ja, sogar die Minuten gezählt habe und auch daran, dass mir die Zeit endlos erschien. Für mich erschien diese Entzugszeit wie eine Ewigkeit. Ich sagte mir immer wieder, dass ich durchhalten musste und dass es irgendwann besser werden würde. Mein Wille war unerbittlich und so schaffte ich es letztlich durchzuhalten. Die Tage vergingen, die Wochen verstrichen und nach Monaten der Abstinenz ging es mir endlich besser. Die Zeit hat meine Wunden so langsam geheilt, aber es sollte nicht so bleiben.
fünf Jahre lang gelang es mir, Nichtraucher zu bleiben. Im Alter von 25 fing ich wieder mit dem Rauchen an. Wie es dazu kam, ist keine schöne Geschichte. Die Gedanken daran, wie ich zum zweiten Mal im Leben mit dem Rauchen anfing, führen mich in meine Lehrzeit. Im Alter von 22 war ich zwei Jahre rauchfrei und arbeitete im Lehrbetrieb mit Gleichaltrigen zusammen, mit denen ich mich bald gut anfreundete. Die meisten von ihnen rauchten und tranken. Diese Raucherei und Sauferei war mir aus meiner Jugendzeit bestens bekannt. Ich unternahm oft etwas mit den Arbeitskollegen. Wir zogen zusammen um die Häuser. Der Alkoholkonsum, den ich in der Jugend schon massiv übertrieben hatte, nahm unter dem Einfluss meines Freundeskreises wieder zu. Ich trank regelmässig einen über den Durst. Im Laufe der Zeit begann ich auch wieder, Wasserpfeife zu rauchen. Bereits in meinen Jugendjahren habe ich Shisha geraucht. Nach weiteren zwei Jahren schloss ich meine Lehre erfolgreich ab. Mein Freund Stefan und ich fühlten uns mit unserem Lehrabschlusszeugnis in der Tasche unbeschreiblich gut. Als Belohnung feierten wir gemeinsam und rauchten eine dicke Zigarre. Nach wie vor trank ich übermässig viel Alkohol. Der Alkoholkonsum hatte sich negativ auf meine Leistungen in der Lehre ausgewirkt. Dennoch kam ich im Lehrabschlusszeugnis auf einen guten Notendurchschnitt, wusste aber, dass ich auch einen sehr guten Lehrabschluss geschafft hätte, wäre der Alkohol nicht gewesen. Jedenfalls habe ich es mir selbst zu verdanken, meiner damaligen Lebenssituation und meiner eigenen Dummheit, dass ich damals so viel gesoffen habe, um meine „Probleme“ zu vergessen. Ich fiel wieder total in mein altes Verhaltensmuster aus Jugendzeiten zurück, in mein Muster des Verderbens. Als ich mich psychisch immer schlechter fühlte, die Lebensumstände es mit mir nicht gut meinten, begann ich mich zu erinnern, wie es als Raucher so war. Ich habe zwar erfolgreich fünf Jahre lang mit dem Rauchen nichts mehr zu tun gehabt, dennoch schlummerte anscheinend irgendwo in mir noch die Erinnerung daran, dass das Rauchen mir in schlechten Lebensphasen oder an schlechten Tagen hilfreich gewesen sein sollte. Der Glimmstängel – die Krücke, der Freund, der Lebensbeistand in jeder Situation!
Ich rauchte in immer kürzeren Abständen Shisha, eigentlich nie alleine, also war ich ja auch nicht süchtig. So redete ich es mir zumindest ein. Bald jedoch merkte ich, dass mir etwas zu fehlen schien, wenn ich in den Ausgang ging und die Shisha nicht dabei hatte. Es geschah schleichend, dass ich mir fast täglich Shisharauch reinzog. Eigentlich hatte ich gedacht, dass ich mit diesem Lebensabschnitt bereits abgeschlossen hätte. So war es aber nicht. Ich kaufte mir von nun an Zigarillos und paffte sie anfangs bloss. Sie hatten einen süsslichen Geschmack. Es war eine Umstellung von der Shisha auf die Zigarillos. Zigarillos waren die einfachere Alternative. Ich kann mich nicht mehr genau daran erinnern, wie lange es ging, bis ich die Zigarillos nicht mehr paffte, aber nach einigen Wochen oder Monate – nach einer gewissen Zeit – zog ich sie dann auf Lunge. Ein selten ekliges Gefühl. Tatsächlich sah ich mich selbst bis zu diesem Zeitpunkt aber nicht als Raucher. Paradox – ich weiss. Wenige Wochen vergingen und ich stand vor der Entscheidung, ob ich mich wieder an dieses widerliche Teufelskraut namens Nikotinzigarette gewöhnen wollte oder nicht. War es zu dieser Zeit die Beeinflussung der rauchenden und saufenden Menschen in meinem Umfeld? Hatte ich mit diesem Kapitel meines Lebens noch nicht abgeschlossen, obwohl ich für lange Zeit nicht geraucht hatte? Ich will und darf nicht mit dem Finger auf andere zeigen. Die Versuchung, wieder mit dem Rauchen anzufangen, habe ich sicherlich meinem damals übermässigen Alkoholkonsum zu verdanken. Ich war zu dieser Zeit auch noch nicht stark genug, um zu widerstehen und meine Persönlichkeit entwickelte sich noch.
Es war an einem Abend, an den ich mich erinnere, als ob es erst gestern war. Ich war wieder einmal stockbesoffen, deprimiert und einsam. Ich war nicht nur alleine, sondern wie erwähnt auch einsam. Dies ist ein grosser Unterschied. Denn alleine ist man, wenn man kein Lebewesen um sich hat, aber dennoch glücklich und entspannt sein Ding machen kann. Doch einsam ist man, wenn einem die Anwesenheit eines Lebewesens schmerzlich fehlt. Mir war in dieser dunklen Zeit nicht zum Lachen zu Mute, vor allem nicht an diesem Abend. Ich hatte damals eine Reihe solcher Abende erlebt. Sie wiederholten sich wie der Wellengang am Meer. Ich trank täglich sehr viel Alkohol. Ich sagte mir immer, dass ich zu meinem Glück kaum Hochprozentiges trank, sondern nur Wein und Bier. Aber beides lief fast wie Wasser meine Kehle hinunter. Zu allem Übel zog der Alkohol die Zigaretten an wie ein See an einem Sommerabend die Mücken. Zu diesem Zeitpunkt wusste ich aber nicht, dass ich mich an genau diesem Abend wieder in den Fängen des Teufels verlor sprich: wieder mit dem Rauchen anfing. An diesem Abend war ich wieder einmal ganz alleine auf mich gestellt. Ich war also einsam, recht besoffen, bedrückt, traurig und mir war so ziemlich alles oder sagen wir vieles egal. Also eine durchaus schlechte Kombination. Nach einem richtigen Gedankenkampf, der dem Überleben gleichkommt, kämpfte ich mit den Tränen. Ich kann mich noch bestens daran erinnern, wie in meinem Kopf ein Schalter umgelegt wurde. Die Entscheidung war gefallen. Ich wollte in mein altes Verhaltensmuster zurück. Ich kaufte mir am Kiosk eine Packung Zigaretten und zündete unverzüglich eine an. Ich musste mich fast übergeben und ich verstand nicht, warum ich husten musste und weshalb mir schlecht wurde. Ich verstand auch nicht, weshalb ich jetzt nicht „diese helfende Wirkung“ bekam, die ich mir erhofft hatte. Ich wollte unbedingt diese so genannte „Stütze“ wiederhaben, also rauchte ich an diesem Abend so viele Zigaretten, wie es nur möglich war, und nahm immer mehr Alkohol zu mir. Ich denke, dass ich mich einfach elend fühlen wollte. Ob ich es zugeben wollte oder nicht, ich war dem blauen Dunst wieder verfallen, noch bevor ich die Packung Zigaretten gekauft hatte. Zu lange hatte ich in den Wochen und Monaten davor Shisha und Zigarillos geraucht. Die Würfel waren bereits gefallen.
Am nächsten Morgen war mir entsetzlich übel. Ich schaute in den Spiegel und sah einen Versager vor mir, der einen enormen Rückschritt gemacht hatte! Ich stand also wieder am Anfang. Von da an brauchte ich die Zigaretten mehr denn je. Zumindest bildete ich mir das ein. Es war ohnehin nur eine Frage der Zeit gewesen, bis ich rückfällig werden sollte. Mit meiner Schischa und mit den Zigarillos hatte ich es schlichtweg übertrieben und so die mentale Sucht des Rauchens vorangetrieben und in meinem Denkmuster verankert. Im Nachhinein denke ich, ist es klar, weshalb das erhoffte Gefühl – die „Hilfe“ und „Unterstützung“ der Zigarette – nicht eingetroffen ist: Ich war zu diesem Zeitpunkt nicht mehr nikotinsüchtig und deshalb verschaffte mir die Zigarette auch nicht die erhoffte Erleichterung. Keine Nikotinsucht. Kein Verlangen nach Nikotin. Kein erlösendes Gefühl, das einen überkommt, sobald man den Nikotindurst stillt. Nikotinsucht ist aus meiner Sicht vergleichbar mit dem Gefühl eines unerträglichen Juckreizes, der sich ins Unermessliche steigert, sobald der Nikotinspiegel fällt. Das Verlangen nach einer Zigarette wird immens und verdrängt alle anderen wachen Gedanken und dann endlich folgt das erlösende Kratzen: Ein tiefer Lungenzug voll Rauch lindert den Juckreiz. Natürlich ging es mir nicht besser, nachdem ich mir nach fünf Jahren wieder eine Zigarette angezündet hatte. Das erlösende Gefühl, den Nikotinmangel zu stillen blieb aus, da ich zu diesem Zeitpunkt nicht nikotinabhängig war. Mental war jedoch schon lange, bevor ich mir wieder eine Zigarettenpackung gekauft und die Zigaretten inhaliert hatte, abhängig: Ich hatte es mit der Shisha und den Zigarillos gründlich übertrieben und mich dadurch wieder in den Fängen des blauen Dunsts verstrickt. Es verging nicht viel Zeit und ich rauchte wieder regelmässig Nikotinzigaretten. Ich war wieder Raucher.
Damals, nachdem ich erneut mit dem Rauchen angefangen hatte, konnte ich nicht rauchen, wann und wo ich wollte. An immer mehr öffentlichen Orten wurde das Rauchen verboten, was eigentlich paradox erscheint: Einerseits lassen sich Kippen an jeder Strassenecke kaufen, andererseits wurde das Rauchen möglichst überall verboten. Ich meine nicht einmal die gesellschaftlichen Verbote (in Zügen, an Bahnhöfen, in Einkaufszentren, Museen etc.), denen der Raucher unterworfen ist. Ich meine das Rauchen unter Freunden und Familienangehörigen. Die kannten mich fünf Jahre lang ohne Zigarette. Es war für mich erniedrigend und eine Schmach, vor ihnen zugeben zu müssen, dass ich nach dieser langen Zeit wieder mit dem Rauchen angefangen hatte.
Ich erinnere mich glasklar an einen Tag, als ich meine Grossmutter besuchte. Sie selbst ist auch Raucherin und hat zwischenzeitlich mehrere Jahre lang damit aufgehört und Jahre später wieder damit angefangen und ist bis zum heutigen Tage dabei geblieben. Bevor ich sie also besuchte, zog ich mir an der Bushaltestelle zwei, drei Zigaretten rein, weil ich mich in ihrer Anwesenheit nicht als gescheiterter Nichtraucher outen wollte. Zu dieser Zeit betrugen meine Rauchpausen etwa vier Stunden. Anfangs war es also kein Problem für mich, mein Geheimnis zu vertuschen. Hauptsache, sie bemerkte nicht, dass ich wieder rauchte! Mit der Zeit bemerkte ich, dass meine Besuche bei ihr immer kürzer wurden. Ich konnte es nicht ertragen, wie sie scheinbar genüsslich eine Zigarette nach der anderen in meinem Beisein rauchte. Eines Tages rauchte ich schliesslich doch vor ihr und machte ihr ganz selbstbewusst klar, dass ich wieder angefangen habe zu rauchen. Einerseits war ich froh, dass diese Heimlichtuerei endlich ein Ende gefunden hatte, aber ich wusste zugleich auch, dass ich nun wieder ein offizielles Mitglied der Mannschaft des sinkenden Raucherschiffs war. Meine Besuche bei meiner Grossmutter wurden wieder länger, da der Vorhang gefallen war und ich somit wieder in ihrer Anwesenheit rauchen konnte. Auch im Arbeitsalltag versuchte ich zunächst, mein Rauchen zu verbergen, was mir aber nicht lange gelang. Stellen Sie sich vor: Sie kennen einen Arbeitskollegen nur als Nichtraucher und dann raucht er auf einmal. Ein verwirrendes Bild, denn die meisten Raucher fangen als Teenager an zu rauchen. Damals war ich überzeugt davon, durch das Rauchen eine Stütze und einen Genuss wiedererlangt zu haben. Es mag gut sein, dass ebenfalls rauchende Familienmitglieder, Freunde und Arbeitskollegen insgeheim schadenfroh waren. Seien wir doch mal ganz ehrlich: Wenn ein ehemaliger Raucher wieder in der Nikotinfalle landet und gescheitert ist, ist das für andere Raucher nicht eine Genugtuung?
Im Jahre 2017 hatte ich meine Zigarettensucht weitere acht Jahre lang vorangetrieben. Ca. 50000 Zigaretten hatte ich in dieser Zeit in mich hineingejagt. Etwa ein halbes bis ganzes Pack, durchschnittlich pro Tag! An schlechten Tagen gut zwei Drittel mehr! Aber führen wir die Rechnung fort. Würde man diese Anzahl an Zigaretten auf einen Tisch legen, so könnte man es gar nicht richtig wahrhaben. Das sind 2500 20er-Zigarettenpackungen. 250 10er-Packstangen. Eine unglaubliche Menge, die alarmierend für mich ist! Genauso unfassbar wäre es, wenn die gesamte Anzahl meiner gerauchten Zigarettenstummel der letzten acht Jahre auf einem Tisch liegen würde. Würde ich alle meine gerauchten Zigaretten aus insgesamt 15 Jahre als Raucher addieren, so würden mir wahrscheinlich die Worte fehlen und ich würde mich fragen, warum ich so ein Idiot gewesen bin, meinem Körper und auch meinem Geist so zu schaden.
Im Frühjahr 2017 habe ich mehrere Monate mit einem trockenen und bellenden Husten verbracht, verursacht durch eine Grippe. Ich fühlte mich sehr schwach und hatte Gliederschmerzen. Die Grippesymptome flachten nach ein paar Tagen ab und verschwanden etwa nach einer Woche komplett, aber der Husten hielt sich hartnäckig. War es Zufall, dass der Husten bei mir mehrere Monate lang anhielt? Ich hatte zu dieser Zeit bereits mehrere dieser heftigen grippalen Infekte hinter mir und immer hatte ich danach mehrere Monate lang mit starkem Husten zu kämpfen. Dass dieser Husten nicht nur von der Grippe, sondern auch vom Rauchen kommen könnte, wollte ich nicht wahrhaben. Jedoch konnte ich nicht leugnen, dass ich in meinen fünf rauch-freien Jahren so gut wie nie krank gewesen war. Keine Grippe, kein Husten – ja, nicht mal eine Erkältung. War tatsächlich das Rauchen dafür verantwortlich, dass mein Immunsystem einfach viel länger brauchte, um mit den Viren fertig zu werden? Auch meine Lebenspartnerin hatte die Grippe erwischt. Auch bei ihr folgte darauf ein hartnäckiger Husten, der aber bereits nach etwa zwei Wochen wieder verschwand, während ich mich monatelang damit herumplagte. Sie ist Nichtraucherin. Ich begann mich ernsthaft zu fragen, ob mich das Rauchen irgendwann töten würde. Warum sollte es immer nur andere treffen? Warum nicht auch mich? Mein Husten bereitete mir steigende Sorgen. Meine Brust schmerzte bei jedem Abhusten. Ich konnte meinen Brustkorb auch nicht allzu sehr belasten, denn dadurch wurde erst recht ein Reizhusten in Gang gesetzt. Ich holte mir in der Apotheke Rat und besorgte mir jeweils ordentlich Hustensaft. Auf dem Beipackzettel immer: „Wenn Sie rauchen, können Sie die Wirkung des Hustensafts fördern, indem Sie auf das Rauchen verzichten“. Ich holte auch Rat bei meiner Ärztin ein. Ich schränkte das Rauchen gezwungenermassen enorm ein. Jede Zigarette löste erneut einen Hustenanfall aus. Doch ich konnte „die guten“ Zigaretten einfach nicht weglassen, auch wenn ich meinen Husten dadurch verstärkte. Nach aussen hin rechtfertigte ich mich und behauptete, mein Husten sei ganz klar eine Folge der Grippe und kein Raucherhusten. Doch die Wahrheit ist, mein starker und lang anhaltender Husten hat mich zum Nachdenken und letztlich auch zum Umdenken bewogen.
Im Mai 2017 beschäftigte ich mich also nach langer Zeit wieder intensiv mit der Frage, ob ich einen weiteren Versuch starten sollte, das Rauchen aufzugeben. Dazu möchte ich Ihnen eine kleine Geschichte erzählen.
Ich habe mit meiner Lebenspartnerin Alexandra eine Städtereise geplant. Ich konnte während der ganzen Hinreise mit der Bahn nach Frankfurt nicht rauchen. Als wir nach vierstündiger Reisezeit ankamen, checkten wir im Hotel ein. Wir hatten ein einfaches Hotel in Bahnhofsnähe gebucht. Mehr brauchten wir nicht. Wir brachten unsere Koffer ins Hotelzimmer und ruhten uns kurz aus, bevor wir Frankfurt erkundeten. Spätabends, wieder im Hotel angekommen, genehmigte ich mir vor der Hotelanlage noch eine Zigarette, denn wir hatten in unserem Hotelzimmer keinen Balkon, auf dem ich hätte rauchen können. Nach etwa einer Stunde, als wir bettfertig im Hotelzimmer lagen und noch in unsere iPads vertieft waren, juckte es mich mal wieder. Ein Verlangen machte sich bemerkbar, das Verlangen nach einer Zigarette! Ich zog mir fast widerwillig die Jogginghosen über, zog meine Schuhe an, lief zwei Stockwerke hinunter und begab mich vor das Hotel, um mir eine Zigarette anzuzünden. Als ich diese mit ein paar kräftigen Zügen aufgeraucht hatte, lief ich wieder nach oben. Alexandra verabschiedete sich schon bald ins Traumland. Ich hingegen starrte noch ein wenig in mein iPad. Ich zappte durch die YouTube-Videos, aber zeitgleich rollte ein anderer Film in meinem Innern ab. Ich fragte mich, ob jetzt das vorhin wirklich hatte sein müssen. Musste ich wirklich extra hinuntergehen, mitten in der Nacht, nur um zu rauchen? Ich hatte doch vorher schon eine geraucht. Ich tippte bei YouTube ein paar Stichworte über das Thema Rauchen ein. Ich fand es wahnsinnig spannend, was ich übers Rauchen erfuhr. Unter anderem schaute ich das Video eines Ex-Rauchers an, der seine überzeugenden Argumentationen gegen das Rauchen darlegte. Ich dachte mir, dass er in vielem Recht hatte und nicht einfach nur Behauptungen aufstellte, sondern klare Fakten auf den Tisch legte. Zum ersten Mal im Leben begriff ich, dass das Rauchen mir eigentlich nicht das gab, was ich mir erhoffte. Doch leider juckte es mich unterdessen schon wieder und ich wurde zunehmend unkonzentrierter. Ich brauchte schon wieder eine Zigarette und ärgerte mich darüber. Etwas schien mir zu fehlen. Etwas in mir begann, mich nicht in Ruhe zu lassen, genau so, wie ich es in einem Video zum Thema Nikotin-abhängigkeit erklärt bekommen hatte. Obwohl das Video lehrreich für mich war, änderte es leider nichts an der Tatsache, dass mein Inneres immer stärker nach einer Zigarette verlangte. Ich rang ein wenig mit mir selbst, gab dann aber dem Verlangen nach, zog mir wieder Schuhe und Jogginghose an, um nochmals hinunterzugehen. Es war mittlerweile etwa zwei Uhr nachts. Zu meinem Glück hatten wir ein Hotel mit 24-Stunden-Rezeption gebucht. Ich zog widerwillig an meiner Zigarette und sagte zu mir, dass ich am nächsten Tag bis um 14 Uhr keine Zigarette mehr rauchen würde. Ich wollte mich selbst testen und schauen, wie die Entbehrung oder – anders ausgedrückt – der Verzicht auf mich wirken würden.
Am nächsten Tag hielt ich es tatsächlich bis 14 Uhr durch, nicht zu rauchen. Es war jedoch nicht einfach und eine echte Herausforderung. Ich glaube, dass ich es nur schaffte, da ich mich so riesig darauf gefreut habe, dass ich um 14 Uhr wieder rauchen durfte! Dennoch nahm ich diese Erfahrung (dass es möglich ist, eine ganze Tageshälfte ohne eine Zigarette auszukommen, aber auch, dass das Nichtrauchen nicht so schlimm ist wie gedacht) als eine lehrreiche Lektion aus dem Urlaub mit nachhause. Hier beschäftigte ich mich hin und wieder mit dem Thema Rauchen, liess es ansonsten aber darauf beruhen. Ich machte mir jedoch nach wie vor ernsthafte Sorgen um meine Gesundheit. Hatte ich mir irgendetwas eingefangen oder hatte ich vielleicht sogar Lungenkrebs? Mich verfolgten diese Gedanken, bis ich am achten Juni durch die Innenstadt lief und dort – es muss ein Wink des Schicksals gewesen sein – ein Gratis-Lungentest angeboten wurde. Ich stellte mich natürlich gleich dafür an. Als ich an der Reihe war, musste ich in ein Rohr hineinpusten und während des Pustens war der Mund ziemlich weit geöffnet. Ich stülpte meine Lippen über das Rohr und liess meiner Lungenkapazität freien Lauf. Als mir das Testergebnis übereicht wurde, richtete die anwesende Ärztin noch ein paar Worte an mich. Sie
