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Überall wünschen sich Menschen ein harmonisches und produktives Miteinander am Arbeitsplatz, in Nachbarschaften, in der Welt, in unseren Familien und Freundschaften, auch in Chefetagen. Diesen Zustand herbeizuführen, versucht man mit großem Aufwand an Beratung. Dialog, Mediation, Supervision, Coaching, Krieg und Friedensverhandlungen...der erhoffte Erfolg bleibt oft aus. Harrison Owen ist auf eine Alternative gestoßen: open space. Im open space haben weltweit die unterschiedlichsten Gruppen verblüfft beobachtet, wie friedliche und produktive Zusammenarbeit von ganz alleine geschieht, trotz aller Gegensätze und Konflikte oder auch gerade wegen derselben. Das einfache Geheimnis liegt in den schier unerschöpflichen Möglichkeiten der Selbstorganisation, die sich in dem Raum und der Zeit einer open space-Veranstaltung frei entfalten können. Das open space-Verfahren lässt sich leicht erlernen, jede und jeder von uns kann es nutzen. Wie wir die dafür notwendigen Fertigkeiten durch ständiges Üben so vertiefen können, dass wir friedensstiftend wirken, beschreibt Harrison Owen in seinem vorliegenden Buch.
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Seitenzahl: 248
Veröffentlichungsjahr: 2013
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Harrison Owen
Raumfür
den Frieden
The Practice of Peace
Herausgeber der
deutschsprachigen Ausgabe
Michael M Pannwitz
Frühere Ausgaben erschienen unter dem Titel
The Practice of Peace
© 2002, 2004 Harrison Owen
Aus dem Amerikanischen übertragen von Georg Bischoff, Berlin
Herausgeber der deutschsprachigen Ausgabe
Michael M Pannwitz
Bibliografische Information Der Deutschen Bibliothek
Die Deutsche Bibliothek verzeichnet diese Publikation in der
Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten
sind im Internet über http://dnb.ddb.de abrufbar.
Broschur:
ISBN 3-929592-70-3
1. Auflage, 2005
© 2005 Westkreuz-Verlag GmbH Berlin/Bonn
Herstellung: Westkreuz-Druckerei Ahrens KG Berlin/Bonn
E-Book Ausgabe:
ISBN 978-3-943755-07-7
© 2013 Westkreuz-Verlag GmbH Berlin/Bonn
Herstellung: Westkreuz-Druckerei Ahrens KG Berlin/Bonn
E-Book Umsetzung: KOMAG mbH Berlin/Brandenburg
Raum für den Frieden – The Practice of Peace
Die Berlin Edition von Practice of Peace (2002) als auch die deutsche Übertragung mit dem Titel Raum für den Frieden – The Practice of Peace (2003) sind vergriffen.
Harrison Owen hat 2004 eine überarbeitete Fassung des Buches herausgebracht. Das hat mich ermuntert, mit diesem Projekt weiterzumachen. ... Frieden stiften ist ja wahrlich keine Eintagsfliege.
Wieder hat Georg Bischoff eine Übersetzung abgeliefert, die den Geist des Originals so trefflich transportiert, dass auch das deutsche Lesen zum Vergnügen wird.
Ich freue mich, dass nach dem ersten handgestrickten Vertrieb im Jahre 2002 der Westkreuz Verlag 2005 ein sehr schönes Buch daraus gemacht hat und es nunmehr auch als E-Book veröffentlicht.
Michael M Pannwitz
Berlin
Frühling 2013
Vorwort
Seit dem 11. September 2001 ist unsere Welt nicht mehr dieselbe. Vier Flugzeuge starteten zu einem Routineflug in den wolkenlosen Himmel. Die Passagiere erwarteten, dass ihr Leben so weitergehen würde wie bisher: Sie würden ihrer Arbeit nachgehen, Kinder großziehen, Freunde besuchen.
Aber unter ihnen war eine Gruppe junger Männer mit ganz anderen Vorstellungen. Sie wussten, dass sie in Kürze sterben würden und glaubten fest an den Sinn ihres Todes. Er würde ein Unrecht wieder gutmachen, ein Unrecht, das in ihren Augen ein schreckliches Ausmaß angenommen hatte.
Es dauerte keine Stunde, und alle vier Flüge endeten in einer unvorstellbaren Katastrophe. Tausende verloren ihr Leben, und die ganze Welt hielt den Atem an. Für einen Augenblick blieb die Zeit stehen, und Millionen Menschen überall auf der Erde starrten wie gebannt auf ihre Fernsehschirme, verbunden durch die Bilder der aufsteigenden Rauchwolken, die den wolkenlosen Himmel über New York und Washington verdunkelten.
Aber dieser Augenblick ging vorbei und mit ihm das Gefühl der Verbundenheit. Viele verliehen ihrem Zorn und ihrer Erschütterung Ausdruck, aber andere quittierten die Anschläge mit Siegesgeschrei und Freudenrufen. Die tödliche Spaltung unserer Welt wurde sofort erschreckend sichtbar.
In Wirklichkeit hatte sich die Welt gar nicht verändert. Die Hungernden haben immer noch nichts zu essen, während die Satten auf Diät sind. Menschen lieben sich, Kinder werden geboren, Geschäfte gemacht – und Sonne und Mond rahmen die vorüberziehenden Tage ein, wie sie es vor diesem entscheidenden Augenblick getan hatten. Aber unsere Wahrnehmung hat sich geändert, und wie immer ist die Wahrnehmung die Wirklichkeit. Nur, wie genau sieht diese neue Wahrnehmung aus? Und wie die Realität, die sie geschaffen hat? Ich habe darüber nachgedacht wie wir alle, nicht abstrakt und akademisch, sondern mit einem Gefühl existenzieller Bedrohung, das sich einstellt, wenn einem alle Eckpfeiler und Sicherheiten des eigenen Lebens aus den Händen geschlagen werden.
Ich war erst vor kurzem 65 geworden und schaute auf ein reiches, erfülltes Leben zurück, ein Leben, das mich mit Tausenden von Menschen auf dem ganzen Erdball zusammengebracht hat, die mich an ihren Erfahrungen teilhaben ließen: Dorfbewohner in Westafrika, Obdachlose aus den amerikanischen Städten, Zuckerrohrarbeiter in Lateinamerika, Manager in den USA und Europa, Staatsdiener aus allen Bereichen und ganz normale Leute, sie alle lieferten die farbigen Mosaiksteine zu meinem Leben. Wenn es etwas gab, was mich angetrieben hat, dann war es mein leidenschaftliches Interesse für das Phänomen der transformierenden Veränderung in unserem Alltag, darüber nachzudenken, zu schreiben und damit zu arbeiten. Dabei hatte ich das unverdiente Glück, über eine neue und ungewöhnliche Methode zu stolpern, wie Gruppen miteinander arbeiten können. Sie ist als open space bekannt geworden. Und jetzt plötzlich war mein ganzes Leben aus den Fugen geraten durch die Sprengkraft eines Augenblicks.
Die Einzelheiten meiner persönlichen Odyssee spielen hier weiter keine Rolle. – Nur soviel. Im Januar 2002 war ich in Israel, genauer gesagt auf der Dachterrasse eines Freundes in der Nähe von Tel Aviv. Ich war in diesen gequälten Teil der Welt gekommen in der Hoffnung, dass meine Erfahrungen hier vielleicht irgendwie von Nutzen sein könnten. Die Nachrichten quollen über von Bombenattentaten und ihren Opfern, aber der Abend war still und klar. Eine sanfte Brise streichelte meine Wangen, und ich fühlte mich hin- und hergerissen zwischen der Gelassenheit des Augenblicks und der abgrundtiefen Verzweiflung, die das Land erfüllt. Plötzlich, im Raum zwischen Gelassenheit und Verzweiflung, formten sich Worte auf meinen Lippen. Es geht um „Practice of Peace“, sagte ich in die Nacht.
In diesem Augenblick war mir alles klar. Aber – wie meistens in solchen Augenblicken – das lag nur daran, weil ich mich noch nicht mit den Einzelheiten beschäftigt hatte. Das habe ich inzwischen nachgeholt, und das Puzzle begann sich zusammenzufügen.
Hier ist das Ergebnis.
Harrison Owen
Camden, Maine
Im September 2002
Zu diesem Buch: Ursprung und Vertrieb
Als Autor dieses Buches bin ich alleine verantwortlich für dessen Inhalt. Aber es wäre mit Sicherheit nie entstanden ohne die Unterstützung der außergewöhnlichen Gemeinschaft von Menschen, die überall auf der Welt mit dem open space Verfahren arbeiten.
Druck und Verkauf sind dezentral organisiert. Wer das Buch erwerben möchte, kann sich an eine der folgenden Adressen wenden:
Deutschland
Michael M Pannwitz [email protected]
USA
Peggy Holman [email protected]
Kanada
Larry Peterson [email protected]
Australien
Brian Bainbridge, (verstorben 2010)
Schweden
Thomas Herrmann [email protected]
Dänemark und Niederlande
Gerard Muller [email protected]
Haiti
John Engle [email protected]
Taiwan
Gail West [email protected]
Israel
Tova Averbuch [email protected]
Österreich
Erich Kolenaty [email protected]
Estland
Mikk Sarv [email protected]
Die Estländische Ausgabe wird im Sommer 2003
erhältlich sein.
Andere
Harrison Owen [email protected]
Alle Einnahmen dienen der Verbreitung von open space. Ich verzichte auf die Tantiemen, alle anderen auf die Vergütung ihrer investierten Zeit. Nur die direkten Herstellungs- und Übersetzungskosten werden aus den Einnahmen bestritten. Der offizielle Verkaufspreis beträgt 20 US Dollar oder das Äquivalent dafür. In besonderen Fällen können Rabatte eingeräumt werden.
The Practice of Peace entwickelt sich weiter. Neue Erkenntnisse werden in spätere Auflagen eingearbeitet.
Harrison Owen
2002
Zur deutschsprachigen Ausgabe
Heute in fünf Tagen wird dieses Buch auf deutsch vorliegen.
Dahinter steckt weder ein eingeführter Verlag noch eine Vertriebsorganisation mit einer ausgefeilten Werbekampagne, noch ein irgendwie formal erkennbares System. Etwas viel Wirksameres ist hier am Gange, ein Selbstorganisierendes System, getragen von Leidenschaft und Verantwortung für eine friedlichere Zukunft.
Ganz traditionell werde ich deswegen einige von den mir bekannten Menschen nennen, die in diesem Projekt mitwirken ... ideell, materiell, mit ihrer ganzen Arbeitskraft und Phantasie. Und der Überzeugung, dass das Leben unweigerlich zum Frieden tendiert. In diesem Buch wird beschrieben, was für ein Frieden gemeint ist: Einer, der Chaos, Konflikt und Verwirrung enthält, aber diese produktiven Kräfte auch transzendiert. Ein dynamisches Zusammenspiel, das zu Ganzheit, Harmonie und Gesundheit führt.
Zuerst nenne ich Harrison Owen, der sein Werk verschenkt hat mit der Einladung, es überall zu verlegen, zu übersetzen und mich und viele (siehe auch den Abschnitt „Zu diesem Buch: Ursprung und Vertrieb“) ermuntert hat, es unter die Menschen zu bringen.
Und zu einer „Übersetzung“ gehört natürlich auch ein „Übersetzer“: Georg Bischoff. Er grübelt immer noch, was es eigentlich ist, was er da gemacht hat. Denn zum Glück ist es keine Übersetzung, sondern eben eine „Übersetzung“, die ich mit Vergnügen und Gewinn genieße. Vieles hat sich mir dadurch ganz anders, neu, aufregender erschlossen. Mit seiner Begeisterung für das Buch hat er mich noch mal neu angesteckt, ohne ihn hätte ich dieses Vorhaben nie in die Hand genommen.
Er hatte natürlich auch fabelhafte Unterstützung durch KollegInnen und Freunde, insbesondere der gesamten Familie Pfeifer: Toni, die als Amerikanerin manches Rätsel lösen konnte, der Philosoph Manfred, der Systeme auf Herz und Nieren prüfte, und Andy, der den Computer wunderbar bei Laune hielt. Nicht zu vergessen Roland Frey, der immer da war, wenn man ihn brauchte. Außerdem bin ich sicher, dass seine Frau Irmi Grünsteidel tage- und nächtelang an seinem Werk mitgewirkt hat und ihn nebenbei mit frischgebrühtem Kaffee versorgte.
Insbesondere zwei Menschen haben wesentlich zur Verwirklichung dieses Projektes beigetragen, ideell und materiell! Jo Töpfer und Agnes v. Walther, beides Kollegen der besonderen Art.
Ganz konkret und sehr deutlich ist mir die Liebe und Zuwendung aus dem engsten Familienkreis, insbesondere von Sabine und den beiden jüngsten unserer sechs Kinder, Friederike und Daniel: Während ich über dem Text des Buches brütete, haben sie unsere Silberhochzeit zusammen mit Geschwistern und Freunden genial organisiert. Ein anderes Beispiel eines Selbstorganisierenden Systems.
Ich wünsche mir sehr, dass es Sie und Euch fesselt und begleitet auf dem Weg zum Frieden, nach dem wir uns sehnen.
Michael M Pannwitz
Berlin
28.April 2003
Kapitel 1
Frieden und die Praxis des Friedens
Frieden! Ein wundervolles Wort. Seltsamerweise scheint es in dem Teil der Welt am selbstverständlichsten gebraucht zu werden, in dem es keinen Frieden gibt, ganz egal wie man ihn definiert. Im Nahen Osten grüßen nahezu alle einander mit „Friede“, Shalom auf Hebräisch und Salaam auf Arabisch. Bei Begrüßung und Abschied, jedes Mal beschwören Juden wie Araber den Frieden. Und sie sind nicht die einzigen. Bei den Christen ist der Friedenskuss wohlbekannt, und wer politisch Karriere machen will, führt den Frieden auch ständig im Munde. Überall auf der Welt sind Menschen von jeher auf der Suche nach dem Frieden in den Krieg gezogen.
Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!
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