Red Sails 1 - Annie Eisenhardt - E-Book

Red Sails 1 E-Book

Annie Eisenhardt

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Beschreibung

Wenn aus Freundschaft Hass, und die Liebe zur Gefahr wird. Was passiert, wenn man den Erzfeind des eigenen Vaters bestiehlt und dessen Sohn Leander verführt? Luciana sind die Folgen ihres Handelns egal, solange sie den sich anbahnenden Krieg mit ihrem Nachbarland Zirkaria gewinnen kann. Besessen von diesem Ziel, entfacht sie alte Feindschaften und vergisst, was sie einst geschworen hat. John hingegen will den Krieg verhindern. Dafür muss er nur Serena, die Prinzessin von Zirkaria, heiraten. Ein Übel, welchem er sich stellt, doch hat Serena darauf so gar keine Lust und begibt sich bei ihrer Flucht vor John auf eine gefährliche Reise. Als die Frauen von ihren Verfolgern eingeholt werden, scheint der Krieg deren geringstes Problem zu sein. Eine mitfühlende Romantasy auf Hoher See.

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Veröffentlichungsjahr: 2024

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Impressum © 2023 Annie Eisenhardt
Alle Rechte vorbehaltenVerlagslabel:Sternfeder VerlagBogenstr.858802 BalveDie in diesem Buch dargestellten Figuren und Ereignisse sind fiktiv. Jegliche Ähnlichkeit mit lebenden oder toten realen Personen ist zufällig und nicht vom Autor beabsichtigt.Kein Teil dieses Buches darf ohne ausdrückliche schriftliche Genehmigung des Herausgebers reproduziert oder in einem Abrufsystem gespeichert oder in irgendeiner Form oder auf irgendeine Weise elektronisch, mechanisch, fotokopiert, aufgezeichnet oder auf andere Weise übertragen werden.
Der Stolz der Rosen
Widmung
Für das mutige Herz,
den Wind in den Haaren,
und die stolzen Schultern.
Prolog - Luziana
„Lasst uns einen Schwur ablegen!“ Sofort verstummten die beiden Jungen an Luzianas Seite. Nur das Knistern des Lagerfeuers drang noch durch die Nacht. Das und das laute Klopfen in ihrer Brust. Es war nicht nur der Wein, den Luziana getrunken hatte, sondern auch das Rauschen in ihrem Blut, das ihre Gefühle ins Chaos stürzte. Schon die letzten Monate schwoll es an, wurde immer lauter, bis sie keinen Gedanken als diesen einen in sich spürte. Lass sie schwören!Luziana verstand nicht wieso, sie das sich so sehr wünschte. Tief in dem nicht von Wein benebelten Teil ihres Gehirns wusste sie, dass es einen Grund dafür geben musste.
Also wischte sie den Sand von dem Dolch, der eben noch im Boden gesteckt hatte und hielt ihn vor die kleine Flamme des Lagerfeuers, ohne dabei den Weinflaschen Beachtung zu schenken, die sie gerade umgestoßen hatte. „Ein Schwur ist jetzt genau das Richtige.“
Auf ganz Lunation brannten an diesem Abend Feuer, denn das Zuckerfest stand kurz bevor. Vielleicht verlor sie deswegen gerade ihren Verstand.  Sieben Tage Tanz und Festivitäten, in denen Morgans Wanderung in das Land südlich des Zittergebirges gefeiert wurde. Die Leute kamen zusammen und ruhten ein letztes Mal in Eintracht, bevor sie in einen Strudel der Verheißung eintauchten und das tagelang andauernde Fest sie verschlang. Die Welt würde danach eine andere sein. Heerscharen an Kindern würden die Inseln von Zanduns Tränen segnen, Verbindungen gelöst und neue geknüpft. Dabei war die Welt doch gerade perfekt. Am liebsten hätte Luziana diesen Moment festgehalten und nie wieder losgelassen. Sie, Leander und Finn, gemeinsam würden sie die Meere unsicher machen … für immer. Ein pulsartiger Strom aus Verlangen schoss durch ihre Adern und trieb ihr die Röte ins Gesicht. Tue es, oder du verlierst sie!Leander war der Erste, der sich rührte. Groß und schlaksig rückte er ein Stück näher heran und strich verwirrt über den Dolch in ihrer Hand. Seine dunklen Augen wirkten verschwommen hinter den schwarzen Locken, die ihm ins Gesicht fielen, doch seine einladenden Lippen verzogen sich zu einem schiefen Grinsen. „Wieso willst du einen Schwur ablegen?“, fragte eine andere Stimme. Finn. „Und viel wichtiger, was für einen Schwur?“ Ihr Stiefbruder klang misstrauisch. Er hatte sich aufgerichtet, versperrte ihr jetzt mit seinen breiten Schultern den Blick auf die See hinter sich. Luziana hatte geahnt, dass es schwer werden würde, ihn zu überzeugen. Finn war von ihnen schon immer der Klügste gewesen. Auch jetzt wirkte das Aquamarin seiner Augen wach, ein Meer, indem man jeden Moment ertrinken konnte. Dabei fühlte sie sich so trocken wie nie, wenn sie den Strand betrat.„Versteht ihr nicht, in welch einzigartiger Situation wir uns befinden?“ Ihr Lallen ließ sie unglaubwürdig klingen, erstickte die Argumente, die sie so sorgsam auf ihrer Zunge gesammelt hatte.„Ich bin mir sicher, dass noch mehr Menschen ein Lagerfeuer am Strand entzündet haben“, erwiderte Leander, erhob sich und deutete auf eines der Lichter in der Ferne. „Sieh! Da hinten brennt sogar schon eins.“ Er lachte, doch gleichzeitig fluchte er, als Luziana ihm einen Stoß in die Kniekehle versetzte, der ihn zurück in den Sand stürzen ließ.„Ihr wisst genau, dass ich das nicht meine.“ „Dann erkläre uns doch bitte, was du meinst“, antwortete Finn mit ruhiger Stimme. Er hatte sich vorgelehnt und nickte ihr aufmunternd zu. Im Vergleich zu Leander schien zumindest er zu verstehen, dass Luziana nicht scherzte. Auch wenn er die Stirn gerunzelt hatte, was sein faltenfreies Gesicht entsetzlich alt aussehen ließ. Obwohl Leander bereits versuchte, sich einen Bart stehen zu lassen, wirkte Finn mit seinen glatten Wangen und sommersprossigen Gesicht irgendwie älter. Luziana richtete sich auf und steckte den Dolch zurück in den Sand neben sich. „Diese Situation, das alles hier, ist besonders. Wir sind besonders! Zum ersten Mal seit hunderten von Jahren des Brandschatzens und der Kleinkriege sind sich die Korsaren, die Herrscher der See, einig. Es herrscht Frieden. Mein Vater und Anders Vater, die Mächtigsten der acht, sind Verbündete und das seit fast zwanzig Jahren.“ Luziana holte tief Luft, obwohl sie das Gefühl hatte zu ersticken, wenn sie nicht sofort weiterredete. „Wir können sie vollends vereinigen. Die Korsaren sollten unter einer Flagge segeln. Die Tränen könnten sich unter unserer Flagge von Zandun lossagen. Ein eigenes Reich, frei von den Regeln der alten Ordnung.“ Der metallische Geschmack von Blut durchdrang ihren Mund. Anscheinend hatte sie sich vor Aufregung in die Wange gebissen. Warum verstanden die Jungs nicht? Sie hatten immer gesagt, dass sie einmal die Welt verändern wollten, doch jetzt hielten die beiden sich zurück. „Was hat das mit einem Schwur zu tun?“, fragte Finn. „Sie will, dass wir einander Treue geloben. Dass wir die Herrscher der Korsaren werden“, flüsterte Leander und legte den Kopf schräg. „Ihr beiden könnt das vielleicht tun. Aber ich bin ein Bastard, ich bringe euch gar nichts.“ Finn zuckte gleichgültig mit den Schultern. „Du bist der Erbe meines Vaters, genau wie ich, Finn.“ Luziana streckte den Arm nach ihrem besten Freund aus, doch er zog nur zweifelnd eine Augenbraue nach oben, weigerte sich nach ihrer Hand zu greifen. Er war kein Bastard, sondern ihr Bruder.„Wenn ich dir Treue schwöre, könnte ich niemals mehr mit einer anderen Frau schlafen. Tut mir leid, Perlenkönigin, dafür bin ich eindeutig zu jung.“ Ruckartig fuhr ihr Kopf zu Leander herum, der sich immer noch dicht neben ihr im Sand herumfläzte. Nicht mal die Liebe ihres Lebens wollte ihr Treue schwören. Wut sauste durch ihre Ohren, übertönte die brechenden Wellen am Ufer, bis Finn sie zurück in die Wirklichkeit holte.„Wir sind alle zu jung für einen Schwur“, sagte er bestimmt. „Gerade du solltest wissen, Luzi, dass man Schwüre nicht leichtfertig ablegt, besonders nicht gegenüber einer de la Rose.“ Eben deswegen müssen wir es tun! Möglichst gleichgültig wirkend nahm sie wieder den Dolch in die Hand und strich sanft über dessen Klinge. Das geschmiedete Metall war so scharf, dass es ihr jeden Moment die Haut aufschlitzen konnte.„Das ist es ja, Finn. Eben, weil ich eine de la Rose bin, ist dieser Schwur besonders. Es wäre kein normaler Treueschwur, sondern etwas Einzigartiges. Nur wenn wir gemeinsam zusammenstehen, werden sich die Korsaren gegen das Festland behaupten können.“ „Du klingst ein bisschen größenwahnsinnig. Das ist dir schon bewusst, Luzi, oder?“„Größe ist nichts, wofür man sich schämen muss.“ Stolz reckte sie das Kinn nach vorne, genoss das Gefühl von Leanders Fingern in ihren Haaren und das dreckige Lachen an ihrem Ohr. Wie immer hinterließ seine Berührung ein verheißungsvolles Kribbeln auf ihrem Körper. „Ich bin dabei, mein Schatz. Wahnsinn hat mich noch nie abgeschreckt und für Größe stehe ich gerne jederzeit gerade. Allerdings denke ich nicht, dass wir einen Schwur brauchen. Ich könnte euch niemals etwas antun, selbst dann nicht, wenn das Schicksal der Welt davon abhinge.“ Dankbar drückte sie ihm einen Kuss auf die Lippen, gewährte sich einen kurzen Moment der Sicherheit. Aber das Brennen unter ihrer Haut blieb und zwang sie, sich ihrem Stiefbruder wieder zuzuwenden. „Verstehst du nicht, Finn? Wir sind füreinander bestimmt. Jetzt schon gibt es Lieder über uns. Die Perlenkönigin und der Bastard.“ Wie beiläufig strich sie über Leanders Schulter. „Der Erbe der Asche. Wir drei. Die Herrscher über die Meere. Gemeinsam können wir die Welt verändern.“Finn seufzte resigniert. „Leute, kommt schon. Das kann nicht euer Ernst sein!“ „Hast du etwa Angst?“, fragte Leander und zog Luziana enger an sich, einen der tätowierten Arme um sie geschlungen. Die Flammen darauf wirkten beinahe so echt wie das Feuer vor ihnen.„Einen Blutschwur mit einer de la Rose zu knüpfen? Einen Schwur, der mein restliches Leben bestimmen wird?“ Finns Stimme klang eisig. Er hatte sich aufgesetzt, während sie mit Leander noch immer ineinander verschlungen im Sand herumlungerte. „Also ja, Ander, das habe ich.“ Sanft drückte Luziana ihren Freund von sich. Plötzlich fühlte sie sich viel zu nüchtern. „Vertraust du mir nicht?“„Doch, aber ich vertraue unseren zukünftigen Ichs nicht. Wir sind siebzehn. Es kann noch so viel passieren …“ Finn senkte den Kopf, sodass man unter den kupferfarbenen Strähnen sein Gesicht kaum mehr erkennen konnte. Als sie sich diesmal vorbeugte, griff sie direkt nach seiner Hand. „Ich weiß nicht, was die Zukunft bringt, Finn. Aber ich weiß, dass ich euch niemals schaden könnte. Ihr seid meine Familie, und ihr werdet immer meine Familie sein. Etwas Großes steht bevor und dem können wir nur geeint gegenübertreten. Mein Blut schreit danach. Ich weiß nicht, wieso und woher dieses Gefühl kommt. Aber es ist da, bereits seit Monaten.“ Luziana stockte. Erst jetzt verstand sie wirklich, dass dieses Verlangen nicht nur ein seltsames Konstrukt ihres Geistes gewesen war. Es lag in ihr, ihre Magie sprach zu ihr und sie musste sie erhören. Das konnte nicht normal sein, oder? „Wenn ich diesem Drang nicht nachgebe, dann weiß ich nicht, wie lange es dauert, bis ich meinen Verstand verliere.“ Ein Zittern durchlief ihren Körper, als hätte er endlich begriffen, dass es hier keine Alternative gab. Sie spürte Finns Blick, vertraut und auch ein kleines bisschen besorgt. Er drückte ihre Hand, dann nickte er. Langsam, aber eindeutig. „Gut.“Nur ein Wort und doch bedeutete es die Welt. Leander rappelte sich auf und legte seine Hand auf die ihren. Auch in seinen Augen blitzte ein Hauch Besorgnis, wurde aber schnell von dem gelassenen Schelm verdrängt, der ihm so ähnelte. „Vielleicht funktioniert es auch gar nicht. Hat einer von euch schon einmal so etwas probiert?“„Einen Blutschwur dieser Art? Nein, und mein Vater hat mir von einem solchen noch nie erzählt.“ Nicht in der Geschichte, der de la Rose war so etwas jemals vorgekommen.„Das heißt, wir wissen nicht, welche Konsequenzen ein Bruch dieses Schwurs hätte?“ Jetzt klang Finn plötzlich viel sachlicher, ganz der kühle Analytiker, der er meiste Zeit seines Lebens war.„Nein, vermutlich nicht.“ Luziana schloss frustriert ihre Augen und rammte den Dolch zurück in den Sand, löste ihre Hand von denen der anderen. Einige der leeren Weinflaschen rollten über den Sand in die Schatten hinter ihnen. Tue es!„Es gibt Dutzende von Treueschwüren. Wir könnten ihn enger fassen, nur zur Sicherheit.“ Nachdenklich strich Leander über die schwarzen Stoppel an seinem Kinn und starrte gedankenverloren ins Feuer. Auch Luziana blickte in die immer kleiner werdenden Flammen. Es war schon fast heruntergebrannt. Sie wären in völliger Dunkelheit gefangen, wenn nicht die Sterne über ihnen so hell funkeln würden. Das hier war ihre Familie. Warum machten sie sich Sorgen, wenn doch eh nie jemand von ihnen die Treue brechen würde? Die Welt konnte nichts an dieser Verbundenheit, ändern. Niemals. Leander griff ins Feuer und holte eines der noch glühenden Kohlestücke hervor. Langsam zerrieb er es in seinen Fingern, bis sich das Glimmen in Schwärze wandelte. Finn machte ein angewidertes Geräusch, aber Luziana betrachtete seine Hand fasziniert. Der Erbe des Feuerbringers, der Erbe der Asche. Das Feuer konnte ihm nichts anhaben. Jeder der acht Korsaren hatte von Morgan Fähigkeiten geschenkt bekommen. Luzianas Familie, die de la Rose, waren die Herren des Blutes. Wer ihnen die Treue schwor oder nur einen Tropfen Blut opferte, der war ewig an sie gebunden. Ein Verrat konnte dem Schwörenden das Leben kosten. Doch Leanders Familie, die Chevandez, waren mit Abstand die Mächtigsten. Das Feuer machte die Korsaren unverwundbar und mit jeder Generation schienen sie stärker zu werden, erlangten mehr Kontrolle darüber.„Was, wenn wir schwören, einander nicht zu verletzen? Körperlich, meine ich“, schlug Luziana vor.Schwarze Augen hefteten ihren Blick auf sie. Wieder trat dieses Leuchten in sein Gesicht, brachte Leben in die Dunkelheit. Leanders Mundwinkel hoben sich leicht und formten ein feines Lächeln. „Aber, was ist, wenn du dir wünschst, von mir Schmerzen zugefügt zu bekommen? Wenn ich dich so richtig hart -“ Die Würgegeräusche von der anderen Seite des Feuers unterbrachen ihn. „Bitte nicht, Ander. Ich sehe jetzt schon zu viel von euch beiden, lass mir zumindest diesen blinden Fleck.“ Leander lachte schallend. „Dann nenn mir einen besseren Vorschlag, oh großer Finnley Morgan!“ Ungerührt griff ihr Stiefbruder nach der letzten Flasche Wein und schwenkte die Flüssigkeit hin und her. „Wir müssten den Schwur möglichst eng und genau verfassen, sonst ist es zu gefährlich. Da wir alle ihn schwören, ist es anders als bei den üblichen de la Rose Schwüren. Außerdem ist Treue ein weit gefasstes Thema, wie Ander ja treffend bemerkt hat. Ich würde ihn möglichst einfach und klar halten. Wir könnten schwören, einander nicht zu töten?“„Welchen Sinn hat das dann? Es geht doch genau um das. Einigkeit und Treue“, widersprach sie.„Ja, das ist zu einfach. Ich würde euch niemals ein Haar krümmen“, sagte ihr Freund.„Und wenn wir es weiter fassen? Einander nicht böswillig zu verletzen?“Luziana stutzte. Das Schreien ihres Blutes wurde ein kleines bisschen leiser. Es klang beinahe wie … wie eine Zustimmung. „Körperlich zu verletzen“, fügte sie langsam an. „Falls mich Leander betrügt, möchte ich ihm so viel seelischen Schaden zufügen, wie es nur geht.“„Romantisch, wie immer“, sagte er trocken, aber ein Grinsen stand auf sein Gesicht geschrieben. „Also dann ist es beschlossene Sache. Wir schwören, einander nicht böswillig körperlich zu verletzen!“, überging Finn ihre Kommentare. Leander nickte zustimmend und zog den Dolch aus dem Sand. Er wischte ihn an seinem Hemd sauber und reichte ihn Luziana. Als sie ihn in die Höhe hielt, spiegelten sich die Flammen in der glatt polierten Klinge. Ohne zu zögern, ballte sie eine Faust darum. Ein kleines Rinnsal Blut bildete sich in ihrer Handfläche und der altbekannte Geruch von Rosen überdeckte die von Wein und Seeluft geschwängerte Nacht. Auch die Jungs zogen ihre Messer und schnitten sich ins Fleisch und legten ihre Handflächen auf ihre. Endlich verstummte das Schreien in ihren Adern.
Kapitel I: Der Diebstahl - Luziana
Zehn Jahre später
Die Sonne hing schon fast hinterm Horizont, als die ersten Klänge der Violine die Luft zum Schwingen brachten. Ein Teil von Luzianas Crew hatte sich auf der Bühne versammelt, die zurückgelassenen Instrumente der Musiker vom Fest entdeckt und zu spielen begonnen. Sofort wurde die eben noch herrschende, geisterhafte Ruhe auf dem Dorfplatz von lebendiger Musik verdrängt. Das Dorf, das sie überfallen hatten, lag nicht weit entfernt von dem Anwesen der Chevandez, lediglich von einer Bucht getrennt. Es bestand nur aus wenigen Hütten, da fast alle Dorfbewohner auf dem Anwesen lebten oder arbeiteten. Nicht ohne Grund hatte sie diesen Ort für ihr Ablenkungsmanöver ausgewählt. Die Chevandez würden ohnehin von ihrem Eindringen erfahren, warum also nicht mit so viel Fanfaren wie möglich? Sieh her, Leander. Ich dringe in deine Heimat ein und du kannst nichts dagegen tun! Der kleine Platz inmitten der Steinhütten war in orange-goldenes Licht getaucht. Vereinzelte Strahlen fielen durch die getönten Scheiben der Laternen und warfen leuchtend rote Tupfer auf dem Boden. Die umliegenden Büsche standen in voller Blüte und die Holztische, an denen die Gesellschaft des Dorfes vor Kurzem noch gegessen hatte, waren zur Seite geschoben worden. Die Feierlichkeiten des Gewürzfestes wurden hier einfach gehalten, kein Vergleich zu dem Festmahl, das im Anwesen der Chevandez aufgetischt wurde. Wahrscheinlich feierte das halbe Dorf dort, betrunken und ahnungslos. Miriam, ihre Steuerfrau trat neben sie, die Augen kritisch auf das Geschehen vor ihnen gerichtet. „Wann kommt er?“Nachdenklich legte Luziana den Kopf schief, musterte die Barrikade aus Tischen, die sie zur Seite geschoben hatten. „Er hat Zeit, bis die Sonne untergeht.“„Und dann?“Luziana schürzte die Lippen. Sie brauchte es nicht aussprechen. Auch wenn Finn gesagt hatte, dass sie die Segel setzten, sollten, würde sie bleiben. Sie würde ihn niemals zurücklassen, genauso wenig wie er sie.Überfälle dieser Art gehörten zur Tagesordnung auf Zanduns Tränen, den Inseln der Korsaren. Seit die Feindschaft unter den Korsaren eskaliert war, beraubten und überfielen diese einander jeden Mondzyklus aufs Neue. Nur die größten Städte der Inseln, Lunation und Ereborn, blieben davon verschont, denn hier waren die Befestigungsanlagen für einen einfachen Überfall zu gut ausgebaut. Außerdem wagte es keiner, den Feuerbringer oder den ersten Korsaren, Luzianas Vater, herauszufordern. Bis heute. Bis sie mit ihrem Schiff an der Inselrückseite von Ereborn, der Heimat des Feuerbringers, angelegt und die Feierlichkeiten des Gewürzfests gesprengt hatte. Sieh her Charlie, sie ganz genau hin.„Immerhin haben die Dorfbewohner sich nicht versucht zu wehren“, murmelte Miriam. „Es sind kluge Menschen. Sie wissen, wann ein Kampf aussichtslos ist. Außerdem kennen sie die Regeln.“ Hin und wieder überspannte ein Korsar zwar das Maß, aber alle kannten die Grenzen. Grenzen, die Luziana und ihr Vater definierten. Grenzen, die Charlie Chevandez, der zweite Korsar, ignorierte. Und dafür würde sie ihn büßen lassen. „Wir lassen ihnen also genug zum Leben übrig?“ Luziana nickte. Sie würden Rum trinken und feiern und dann friedlich von dannen ziehen. Zumindest sah das ein Teil des Planes vor.Am heutigen Abend trug Luziana ihr Haar ausnahmsweise offen, sodass es ihr in langen, schwarzen Wellen über den Rücken fiel. Um einen möglichst harmlosen Eindruck zu vermitteln, hatte sie sogar ein Kleid über ihre Stiefel und Hosen gezogen. Das hier sollte schließlich nur ein Ablenkungsmanöver werden und keine Schlacht. Der dunkelrote Rock war in den Farben ihrer Familie gehalten, mit goldenem Saum und orangen und gelben Rüschen. Ein brauner, lederner Gürtel umschloss eng die Taille und umfasste ein großes Arsenal an Waffen. Naja, vielleicht wirkte sie doch nicht so harmlos. Auch wenn sie heute nicht kämpfen wollte, würde sie nicht ohne Messer, Pistolen und ihren Degen das Schiff verlassen. Ereborn war feindliches Land und selbst wenn der zweite Korsar nicht auf der Insel weilte, musste sie für alles gewappnet sein … falls Finn erwischt würde. Wo bleibst du nur, Bastard? Sie hatten alles auf diesen einen Versuch gesetzt und auch wenn sie lachte und tanzte, war ihr in Wirklichkeit speiübel. Als Kapitänin dieser Crew zeigte man keine Schwäche, das gehörte nicht zu ihren Aufgaben.Schnell hob Luziana die Hände über den Kopf und drehte sich um ihre eigene Achse. Miriam seufzte resigniert und verschwand aus ihrem Blickfeld, während die Welt sich in ein Wirrwarr aus Farben verwandelte. Ihre Ärmel rutschten langsam die Schultern hinab, wurden nur noch von dem dunkelroten Saum des tiefen Ausschnittes gehalten. Solch ein skandalöses Auftreten würde ihre Mutter nicht billigen, nicht in der Öffentlichkeit. Doch die feine Gesellschaft war heute nicht anwesend, und Luziana gehörte sowieso nicht dazu. Anwesend war die Schande und das Pack der See, die die guten Bürger von Zanduns Tränen in ihre Häuser getrieben hatten – falls es denn überhaupt ehrenhafte Bürger auf diesen Inseln gab. Zu den Klängen der Violinen gesellten sich nun auch donnernde Trommelschläge und Miriam, begann, mit ihrer dunklen Stimme zu singen. Wie jeder von Morgans Bastarden hatte Miriam dieses einzigartige Talent, aus ein paar Tönen Musik zu erschaffen, die die Menschen verzauberte. Die Frau mit Haut wie Asche und Haaren wie der Mond, welches zu dicken Zöpfen verwoben war, war für Luziana mehr Freundin als nur eine Steuerfrau. Miriams Stimme klang wunderschön und fühlte sich an wie warmer Samt. Eine bessere Ablenkung gab es nicht. Fast wünschte sie sich, dass die Dorfbewohner geblieben wären, um Miriam zuzuhören. Und mit einem Mal fiel die Anspannung von ihr ab, die sie schon den ganzen Tag begleitet hatte. Sie stieß ein lautes Lachen aus und reckte ihren Kopf gegen die Nacht. Wer war sie, Finn zu misstrauen? Finn kehrte noch von jeder seiner Touren zurück.Luziana hatte das Tanzen in den letzten Monaten vermisst. Die Suche nach der Uhr und dem Schlüssel hatte sie vollends vereinnahmt und keinen Platz für Musik und Alkohol gelassen. Die Zeit lief ihnen davon. Krieg lag in der Luft. Ein Krieg, der die Tränen unterjochen und sie ihrer Freiheit berauben würde. Ein Krieg, den sie verlieren würden. Dieser Krieg war größer als die Kämpfe, die die Korsaren seit einem Jahrzehnt miteinander führten. Hier ging es um das Schicksal ihrer Welt. Und dafür brauchten sie die Uhr und diesen verdammten Schlüssel. Luziana reckte den Kopf nach oben und blickte wieder in den Himmel. In dem dunklen Blau glitzerten die ersten Sterne, obwohl immer noch einige letzte Sonnenstrahlen den Hof erleuchteten. Der Horizont wurde nur von einem einzelnen roten Streifen erhellt, der kurz davor war hinter dem Meer zu versinken. Finn hatte gesagt, er würde bis zum Einbruch der Dunkelheit brauchen, und je weiter sich die Dunkelheit über ihnen ausbreitete, desto mehr wuchs Luzianas Besorgnis. Die Musik dirigierte sie über die Tanzfläche, gespielt von den Instrumenten in den schmutzigen Händen ihrer Crew, und sie hangelte sich wie eine Puppe von Ton zu Ton. Die Sorge gemischt mit Rum und Musik wühlten sie auf. Was, wenn Finn erwischt wurde? Charlie wusste, wie er die Leute zum Reden brachte. Der Geschmack von Angst lag auf ihrer Zunge, wurde nur schwer von dem süßen Rum verdeckt. Eigentlich sollte sie die Musik genießen, einen Moment des Glücks kosten, bevor er sie ausspuckte wie verdorbenes Fleisch. Die Striche der Streichbögen wurden hektischer, lauter. Sie rasten über die Saiten wie die Pferde, die ihr Haar für sie gegeben hatten. Ihr Klang war überirdisch und je länger sich Luziana drehte, desto mehr hatte sie das Gefühl, zu schweben. Ihr Rock wurde in die Luft gehoben und entblößte die langen, ledernen Stiefel. Die Crew johlte begeistert und begann, im Rhythmus der Musik in die Hände zu klatschen. Plötzlich erklang ein lautes, misstönendes Geräusch und die Musik verstummte. Jemand hielt Miriam ein Messer an die Kehle. Luziana stoppte abrupt und brauchte einen Moment, bis sich der Hof nicht mehr drehte. Dann fixierte sie den Mann auf der Bühne. Er hatte dunkel gebräunte Haut und schwarze Locken fielen im wirr in die Stirn. Das Messer, das er an Miriams Kehle presste, war schmutzig. Sie kannte diesen Mann, auch wenn sie ihn seit Jahren nicht mehr gesehen hatte. Es war niemand Geringeres als Leander Chevandez, Charlies Sohn. Ander!
Kapitel II: Versuchung - Luziana
Was machte Leander hier? Es hieß doch, dass Charlie Chevandez mit seiner Mannschaft losgefahren war. Wie hatte er seinen Sohn zurücklassen können? In ein paar Tagen sammelten sich die Korsaren auf der Toten-Insel, um wegen des bevorstehenden Krieges zu beratschlagen. Ein erneuter sinnloser Versuch, miteinander zu reden, der nicht ohne Blutvergießen vonstattengehen würde. Das war der Grund, warum sie genau diesen Zeitpunkt für ihren Überfall gewählt hatten. Ihr Überfall war nebensächlich im Vergleich zu dem, was auf der Toten-Insel geschehen würde.Leander trug wie Luziana hohe lederne Stiefel, dazu eine dunkle Hose, die ihm bis zur Taille reichte, und ein schwarzes Hemd mit passender Weste. Schwarz wie seine Seele. Ihr Herz zog sich für den Bruchteil einer Sekunde zusammen. Er sah älter aus. Erste Falten zierten sein Gesicht und eine Vielzahl an Ohrringen rahmten seine Ohrmuschel. Teilweise dunkel wie Asche, teilweise golden wie die Sonne. Und seine Wärme war verschwunden. Die Hitze in seinem Blick, in seinem Lächeln. Das unverschämt schöne Gesicht, das sie angrinste, war kalt geworden.„Leander Chevandez. Schön, dass du hergefunden hast. Wie ich sehe, lockt nicht nur mich gute Musik und gutes Essen vom Schiff.“ Luziana sprach, als würden sie ein Pläuschchen halten, dabei nahm sie die Klinge an Miriams Kehle nur allzu bewusst wahr. Auch wenn er Miriam nichts antun würde, mochte sie es nicht, dass er ihr Crewmitglied so in seiner Gewalt hatte. Ihre Wachen hätten ihn entdecken müssen, aber sie waren mehr auf eine Schar bewaffneter Dörfler gefasst gewesen und weniger auf einen Mann, der durch die Schatten schlich. Wieso war Leander allein gekommen? Ganz beiläufig glitt ihre Hand in eine Falte ihres Kleides und umfasste das darunterliegende Messer. So viele Schlitze und Risse unter den Rüschen von denen niemand wusste. Einige Männer ihrer Crew lösten sich aus ihrer stummen Meute und verschwanden hinter den Barrikaden. „Tu nicht so überrascht, Luziana. Du wolltest mich sehen. Wozu sonst dieser ganze Aufstand?“ Luziana atmete erleichtert auf. Er ahnte offenbar nichts von ihren Plänen. Wenn sie ihn nur genug ablenken konnte, würde es vielleicht auch dabei bleiben.„Es ist schön, zu wissen, dass du nach all der Zeit immer noch denkst, die Welt würde sich nur um dich drehen.“              Leander lächelte und entblößte dabei eine kleine, schwarze Kugel, die auf seiner Zunge tanzte. Sein Blick glitt lustvoll über ihre Statur und Luziana konnte nicht umhin, sich etwas gerader aufzurichten. Wie hatte er in all den Jahren noch unwiderstehlicher werden können? Und das, obwohl er sich offensichtlich seit Tagen nicht rasiert hatte. Ihr Magen zog sich zusammen. Die Musik und das Tanzen hatten sie berauscht, und sein Anblick weckte in ihr Gefühle, die sie eigentlich nicht mehr haben durfte. Zehn Jahre konnten die Erinnerungen an früher nicht auslöschen. An seine Küsse. An ihn. Er war ihr Erster gewesen, für eine lange, lange Zeit. „Du hingegen bist noch schöner geworden. Eine richtige Frau, so scheint es.“ Miriam verdrehte die Augen und einer ihrer Männer hustete trocken. Aber Leander schien es entweder nicht zu bemerken oder es interessierte ihn schlichtweg nicht. Sein Blick blieb an ihrem Dekolleté hängen und Luziana beugte sich ein wenig vor, um ihm einen tieferen Einblick zu gewähren. Immerhin darin hatte er sich nicht verändert.Sie hatten nie eine richtige Aussprache gehabt. Dafür war keine Zeit geblieben. Und jetzt standen sie auf verschiedenen Seiten, nicht nur durch die See zwischen ihren Inseln getrennt. Luziana konnte sich kaum gegen die Gefühle wehren, die mit seinem Anblick wieder über sie hereinbrachen. Dennoch drückte sie ihre Emotionen zu Boden und presste aus zusammengebissenen Zähnen hervor: „Was willst du, Leander?“„Die Frage ist doch eigentlich, was willst du? Nur ein Fest kann es nicht sein, das hättest du auch bei dir daheim veranstalten können.“ Sie trat einen Schritt auf ihn zu, sodass sie dicht vor der Bühne stand und zu ihm hinaufblicken musste. Oh, er liebte dieses Gefühl von Macht, sie sah es in seinen Augen. Und vielleicht konnte sie es ausnutzen. Sie musste ihn nur lange genug ablenken. „Nicht, wenn ich mir einen ganz besonderen Tanzpartner wünsche, oder?“ Jetzt grinste Luziana und Leander zog überrascht eine Augenbraue nach oben. Wo, bei Morgans Bastarden, blieb eigentlich Finn?„Naja, einer schönen Frau kann man doch keinen Tanz abschlagen. Du tanzt hier schon viel zu lange allein, als dass ich dabei noch länger zusehen könnte.“Er löste endlich das Messer von Miriams Kehle und steckte es zurück in seinen Stiefel. Miriam keuchte und rieb sich über die Kehle, dann fixierte sie Luziana, nickte ihr beinahe unbemerkt zu. Ihre verborgenen Wachen waren in Aufruhr. Das hier war Leanders Heimat. Dass er sie ungesehen überraschen konnte, lag zwar im Bereich des Möglichen, aber wenn er Begleitung hatte, würden sie es jetzt herausfinden. Leander sprang elegant von der Bühne und landete dicht vor ihrer Brust. Sofort drang der Geruch von Feuer und Tabak in ihre Nase. Er hatte etwas Warmes an sich, einen Hauch von Heimat, die er damals für sie gewesen war. Hastig trat Luziana einen Schritt weg von ihm. Er glaubte doch nicht tatsächlich, dass sie mit ihm tanzen wollte?Ihre Crew begann wieder zu spielen und Miriam stimmte nach kurzem Zögern ebenfalls in die Musik ein. Luziana bewunderte sie dafür, wie sie die Fassung bewahrte, obwohl Leanders Klinge einen blutigen Abdruck an ihrer Kehle hinterlassen hatte. Wie sie mitspielte, nur damit ihre Finte aufrecht erhalten blieb. Sie hatten alle um das Risiko gewusst, das mit einem Überfall von Ereborn einherging. Dennoch, dass Leander auf das Feld trat, war ganz und gar nicht geplant gewesen. Luziana hatte gedacht, dass sie sich mit ein paar geringeren Offizieren auseinandersetzen müsste, mit niemandem von großer Bedeutung. Aber jetzt würden sie Leander und damit auch seinem Vater auf die Füße treten. Ein Überfall war das eine, aber ein Diebstahl vor den Augen des Erben der Asche war mehr als nur eine Provokation. Ihr Einsatz war gerade um das Doppelte gestiegen. Doch ohne den Schlüssel und die Uhr würden sie den Krieg nicht gewinnen, egal was die Korsaren in den nächsten Tagen entschieden.Leander klatschte in die Hände. Die Musik verstummte. „Komm schon, Goldkehlchen. Sing mal etwas Passenderes“, rief er Miriam über die Schulter zu. Wütend bleckte Luziana die Zähne, doch da erklang eine neue Melodie. Sie kannte das Lied. Sie hatten schon einmal zu diesem Lied getanzt. Miriam wusste das und dennoch begann sie, zu singen. Ihr blieb keine andere Wahl, als mitzuspielen. Der erste Ton war langgezogen und verführerisch, wie Luzianas Finger, die über ihre Brüste und entlang der Taille nach unten glitten. Leander durfte nicht misstrauisch werden, das war ihre einzige Chance. Oh Ander, du dummer dummer Junge. Wieso tust du mir das an? Der Mann ihr gegenüber verzog keine Miene, sondern musterte sie schamlos. Mit dem zweiten Ton begann Luziana, ihre Hüfte zu kreisen, und trat einen Schritt nach vorne. Genau im richtigen Moment griff Leander nach ihrem Arm und umfasste ihre Taille mit der anderen Hand. Die Berührung brannte sich in ihre Haut unter dem Stoff. Nach all der Zeit … Sie durfte das eigentlich nicht genießen, aber seine Lippen kamen ihrer Wange viel zu nahe, sodass sie die Hitze seines Atems spüren konnte. „Wie lange ist es jetzt her?“, flüsterte er an ihrem Ohr. Ein hohles Lächeln stahl sich auf ihr Gesicht. Zumindest stellte er jetzt die richtigen Fragen. Genau dort wollte sie ihn haben, egal wie sehr es sie auch schmerzte. Sie war sein wunder Punkt und er der ihre, und so würde es immer sein. „Du weißt genau, wie viele Jahre es her ist“, erwiderte sie.„Und du bist seitdem nur noch schöner geworden.“ „Und du hast dich nicht verändert. Wobei …“, sie strich über seinen Nacken und das dort prangende schwarze K, das ihr schon vorher aufgefallen war, „ist das etwa ein neues Tattoo?“ Leander lachte leise an ihrem Hals. Dann drückte er sie von sich fort, sodass ihr Oberkörper über seinen Arm fiel und das Dekolleté ihrer Crew präsentierte. Die Männer johlten und hoben ihre Krüge an. Die Stimmung wurde ausgelassener, die Meute unaufmerksamer. Zumindest sollte er das denken. „Wie hast du mich gefunden?“, fragte sie. „Ich habe einfach die Nase in den Wind gehalten und nach der Frau mit dem Duft von tausend Rosen gesucht. Und siehe da. Plötzlich bist du hier.“ Leander knurrte frustriert, als erinnerte er sich plötzlich daran, dass ihr Besuch eigentlich nicht erwünscht war. „Wieso bist du hier, Luzi?“„Ich habe dich vermisst“, sagte sie an seinem Ohr. Ein hoffnungsvoller Funken glomm in seinen Augen und er verzog den Mund zu einem schiefen Grinsen. Doch so kurz, wie er aufgeleuchtet war, verschwand er auch wieder. Hoffnungen waren etwas für Träumer. Sie wusste, dass er ihr nicht glaubte, auch wenn sie sich wünschte, es wäre so. Doch die Morde, die seine Familie vor zehn Jahren begangen hatte, trieben eine unüberwindbare Kluft zwischen sie. Mit ihnen war das Bündnis der Korsaren aufgebrochen worden und alles, was sie sich erträumt hatten, zu Asche zerfallen. Wahrlich, der Erbe der Asche.Leander wirbelte sie in eine Drehung. Als sie danach an seine Brust gedrückt wurde, strich er ihre schwarzen Locken zur Seite und über die nackte Haut ihrer Schultern. Feuer brannte in seinen Augen. Das gleiche Feuer, das ihr Herz damals in Flammen gesteckt hatte.Sehnsuchtsvoll streckte es seine Fühler danach aus, nach dem Altbekannten und Verlorenen. Das Gefühl, das in ihr aufwallte, war unaufhaltsam. Sie konnte nicht dagegen ankämpfen, selbst wenn sie es wünschte. Stattdessen tauchte Luziana darin ein, spürte, wie es durch ihre Adern strömte. „Und ich habe das hier vermisst.“ Sie führte ihre Hand über die nackte, tätowierte Brust am Ausschnitt seines Hemdes, über den harten, muskulösen Bauch, bis hin zu dem Saum seiner Hose. Leander stöhnte und wirbelte sie erneut in eine Drehung. Sobald sie wieder in seinen Armen lag, spürte Luziana, dass sich der Druck um ihre Taille verstärkt hatte. Leanders Hand wanderte unmerklich tiefer. Sie lächelte süß zu ihm hinauf. „Und dennoch bist du zehn Jahre bestens ohne all das ausgekommen. Wieso bist du hier?“, flüsterte Leander. Sein Blick durchdrang sie, aber die Erregung hatte das Misstrauen überwältigt und die Kontrolle über ihn gewonnen. Es war unvernünftig. Er war so leicht zu manipulieren, nach all der Zeit hatte er immer noch die gleichen Schwächen. Ihre Schwächen. Zwei Seiten einer Münze. Gleich in so vielen Dingen. „Du weißt, wieso“, flüsterte Luziana. Er sah sie durchdringend an und ihr Atem stockte. Sie spürte, wie eine Gänsehaut ihren Nacken hinaufkroch und sich ihr Herzschlag beschleunigte. Er war in ihre Falle getappt, aber sie auch in seine. Dann erhob sie die Stimme und schrie rau und laut zu ihrer Crew. „Macht, dass ihr fortkommt! Ich will keinen im Umkreis von einer Meile sehen, oder ich reiße euch die Augen aus und stopfe sie in eure großen Ohren!“ Die Mannschaft murrte, aber sie beeilten sich, fortzukommen. Es waren noch nicht alle Schritte in den kleinen Gassen des Dorfes verklungen, da hatte Leander schon seinen Mund auf ihren gepresst und die Hand auf ihrer Brust. Luziana erwiderte seinen Kuss uneingeschränkt. Wärme stieg in ihr auf und der Geschmack seiner Lippen berauschte sie. Sie wollte mehr von ihm, sie brauchte ihn. Die Musik spielte zwar nicht mehr, aber in Luzianas Kopf erklang sie erneut, noch inbrünstiger und leidenschaftlicher. Hart und gefühlvoll, so wie es ihr Tanz gewesen war. Er hätte für immer ihr Ander sein sollen. Doch das entsprach nicht mehr der Wahrheit. Wie konnte sich etwas so gut anfühlen und gleichzeitig so falsch sein? Er war ihr Feind.Keuchend stieß Luziana Leander von sich. Seine Augen weiteten sich, als er verstand, was sie gerade im Begriff waren, zu tun. Man teilte nicht mit dem Feind das Bett. Das Verlangen brannte immer noch auf ihren Wangen und in ihrem Schoß, aber das hier war verboten. Sie durfte es nicht tun. Der Kuss war nur Teil des Ablenkungsmanövers, um Finn mehr Zeit zu verschaffen. Er bedeutete nichts. Zehn Jahre hätten ausreichen müssen, um die Gefühle von früher zu verdrängen. Langsam beruhigte sich ihr Atem. Luziana fuhr sich durch die zerzausten Haare und trat noch einen weiteren Schritt von Leander zurück, bis sie einen der zurückgeschobenen Tische in ihrem Rücken spürte.„Also?“, fragte er, als ob sie sich gerade in einem ganz normalen Gespräch befanden und er ihr eine einfache Frage gestellt hatte. „Wieso bist du hier, Luzi? Ich bezweifle, dass du nur wegen mir hergekommen bist, auch wenn ich es mir wünschen würde. Was willst du?“ Luziana ließ sich Zeit mit der Antwort, achtete darauf, dass alle Waffen wieder an Ort und Stelle waren. Sie ging zur Bühne und setzte sich auf deren Boden, nahm eine der herumliegenden Violinen und zupfte lustlos auf den Saiten herum. Ihr Blick war jedoch in die Ferne gerichtet, zu den kleinen Gassen, die zu dem Hof führten. Dort stand ihre Crew, in der Dunkelheit verborgen, aber von Leanders Männern gab es keine Spur. War er wirklich allein gekommen?„Wir müssen über den Krieg sprechen.“„Das erledigen doch unsere Väter bereits.“„Nun, du weißt, wie sie so etwas erledigen. Sie halten es kaum in einem Raum miteinander aus, ohne sich an die Kehle zu gehen. Wie sollen sie dann Seite an Seite segeln?“Leander lachte laut und ließ sich auf einem der Tische nieder, sodass sie wieder auf Augenhöhe waren. „Wie willst du das ändern?“„Gar nicht. Wir werden an ihrer statt Segeln.“Er hob fragend die Brauen, Belustigung spiegelte sich in seinen Augen wider. „Du willst, dass wir gemeinsam in den Krieg gegen Zirkaria ziehen?“ Luziana nickte langsam. Hinter ihm trat eine Person mit bronzefarbenem Haar und wütendem Blick aus dem Schatten einer Gasse. Finn war zurück. Der Stein, der eben noch auf ihrer Brust gelegen hatte, löste sich in Luft auf und sie atmete erleichtert aus. Leander hingegen nahm einen Schluck aus einem der noch halbvollen Krüge neben sich. Er schien Finn nicht bemerkt zu haben.„Dir ist bewusst, dass es nicht sinnvoll ist, ein solches Angebot vorzubringen, wenn du meine Leute überfällst. Es sind bereits andere für weniger hingerichtet worden.“Sie sprang von der Bühne hinunter und trat dicht an ihn heran, sodass ihr wieder der Geruch nach Rauch in die Nase stieg. Leander stellte den Krug ab und zog sie an ihren Röcken näher zu sich.„Wie hätte ich bitte sonst deine Aufmerksamkeit erlangen sollen, mein Lieber? Wir wissen doch alle, wie beschäftigt du bist.“ Sie drückte ihm einen Kuss auf die Lippen. Für einen winzigen Moment schloss sie die Augen, schwor sich, dass es das letzte Mal war, dass sie ihn küssen würde. Er zog sie enger an sich und sie spürte bereits die Beule in seiner Hose an ihrer Mitte. Luziana öffnete die Augen und blickte an Leander vorbei zur Gasse. Finn reckte das Kinn in die Höhe, in seinem Blick lag nichts als Abscheu. Da wusste sie, dass ihre Zeit abgelaufen war. Schweren Herzens löste sie sich aus Leanders Griff und sah ihm noch ein letztes Mal in die dunklen Augen. „Ich erwarte deine Nachricht.“ Dann entfernte sie sich von ihm. Folgte ihrer Mannschaft in die Dunkelheit. Das Meer rief nach ihnen.
Nachdem sie die Schatten der Nacht verschluckt hatten, begann Luziana zu rennen. Die Röcke waren hinderlich, aber sie war es gewohnt, im Kleid zu sprinten. Als Frau musste man in dieser Welt beides können. Lady sein und Korsarin. Sie fragte Finn nicht, ob er erfolgreich gewesen war, als sie zu ihm aufgeschlossen hatte. Es würde keinen Unterschied machen. Sie würden in jedem Fall so schnell wie möglich diese Insel verlassen müssen. „Was sollte das eben?“, knurrte Finn neben ihr. Natürlich war er wütend. Leander gehörte nicht zum Plan. „Ich habe mich um unvorhergesehene Probleme gekümmert.“ Sie keuchte jetzt, sodass Finn sein Tempo verlangsamte. „Und das hast du gemacht, indem du ihn verführen musstest?“ Finn war verdammt loyal. Er war zwar vom Blut her kein de la Rose, aber im Herzen mehr, als sie es jemals sein konnte. Ihr Bruder durch und durch. Ihn hatte der Bruch mit Charlie deutlich mehr mitgenommen als sie. Schließlich war Finn es gewesen, der damals die verbrannten Kinder vorgefunden hatte.„Es hat funktioniert, das ist alles.“„Es hätte auch funktioniert, ohne dass du Leander küsst.“Luziana bremste so abrupt, dass Finn ins Straucheln geriet, als er es ihr gleichtun wollte. Sie nutzte sein mangelndes Gleichgewicht und stieß ihm gegen die Brust, sodass er auf den Boden fiel. „Wage es ja nicht, meine Entscheidungen infrage zu stellen. Du bist zwar mein erster Offizier, aber das gibt dir nicht das Recht, mich in Frage zu stellen.“ Hätte er das vor der Crew getan, hätte sie ihn bestrafen müssen, und darauf hatte sie ganz und gar keine Lust. Egal, wie sehr er damit recht hatte. Ein kleiner rostbrauner Gecko krabbelte über seine Brust und schnalzte unzufrieden mit der Zunge. Finn rappelte sich auf, griff nach dem Gecko und setzte ihn sich auf die Schulter, bevor er sich den Dreck von der Hose klopfte. „Vielleicht nicht als dein erster Offizier, aber als dein Freund und Verlobter, schon.“ Dann griff er nach ihrer Hand und zog sie mit sich. Sie hatten keine Zeit für Diskussionen. Was geschehen war, war geschehen. Jetzt würden sie mit den Folgen leben müssen. Luziana sah Finn nicht an, während sie weiterrannten. Aber sie spürte, wie Finn ihre Hand drückte, und sie wusste, dass wenigstens ein Teil ihrer Mission erfolgreich gewesen war.
Kapitel III: Eine Verlobung - John
„Jooohn.“
Die schrille Stimme von Johns Mutter schallte durch die großzügigen Hallen der Residenz und brachte sein Trommelfell zum Beben. Genervt fasste sich John an die Schläfen und massierte sie mit kreisenden Bewegungen. Sein Federhalter lag noch mit Tinte benetzt auf dem Pergament vor ihm. Nur eine Überschrift hatte er bisher zustande gebracht. In großen schnörkeligen Buchstaben stand dort Ehegelöbnis. Darunter breitete sich von seinem Federhalter ein immer größer werdender, schwarzer Tintenfleck aus. Wie passend.„Jooohn“, schrie seine Mutter erneut. Für eine Lady war sie viel zu laut und penetrant. Es war das Sije, dass sie so aufputschte. Durch die Tinktur, die sie gegen ihre Krankheit nahm, verlor sie jegliche Hemmungen. Sie wurde unbeherrscht, neigte zu Lachanfällen und begriff die Nuancen der Sprache genauso wenig wie die Emotionen der sie umgebenden Menschen. Aber sie nahm es trotzdem. Denn alles war besser als der Geist, zu dem sie ohne das Sije verkam. Dann hatte er keine Mutter mehr, um deren Wohl er sich Sorgen machen konnte. Bevor sie erneut schreien konnte, eilte John zur Tür der Bibliothek und stieß diese auf. Das marmorne Treppenhaus dahinter erstreckte sich über drei Stockwerke und führte geradewegs bis hinunter in die große Eingangshalle. Als seine Mutter ihn am oberen Treppenabsatz entdeckte, breitete sich ein Strahlen auf ihrem Gesicht aus, das genauso verschwommen war wie der Rest ihrer Seele. Der schwere dunkelblaue Teppich schluckte seine Schritte, als er ihr in gemäßigtem Tempo die Stufen nach unten entgegenging. Neben seiner Mutter wartete seine Schwester, ein jüngeres, faltenfreies Abbild von eben dieser. Sie wirkte entspannter als das Sijeopfer namens Loraine Maindardt neben ihr, umklammerte jedoch krampfartig mit einer Hand den Oberarm ihres Gatten. Er beugte den Kopf leicht, der Ansatz einer Verbeugung. „John“, begrüßt er ihn förmlich. „Alistar.“ Er würde den Mann, den sein Vater für Gabriele auserkoren hatte, niemals mögen. Es hatte für seine Schwester nur einen würdigen Kandidaten gegeben und der war bereits vor Jahren gestorben. Eigentlich hätte Gabriele sie heute nicht begleiten sollen, nicht in ihrem Zustand. Der dicke Stoff ihres Kleides konnte schon lange nicht mehr die Zeichen der fortgeschrittenen Schwangerschaft verbergen. Doch seine Schwester hatte sich nicht davon abbringen lassen, sie zu dem Frühjahrsball zu begleiten. Sie würde ihm beistehen und hoffentlich ihre Mutter in Zaum halten, damit sie sie nicht vor der feinen Gesellschaft blamierte. „Es ist so schön, dass die ganze Familie hier ist.“ Johns Mutter hickste freudig und wischte sich noch in der gleichen Sekunde eine Träne aus den Augen. "Aber Mutter, du hast Eduard vergessen“, sagte Gabriele und strich sanft über die ausgeblichene Hand ihrer Mutter. Sofort wurde aus der einsamen Träne ein Strom, der den weißen Puder auf ihrem Gesicht durchbrach. „Wo ist mein kleiner Junge?“ Ihre Stimme zitterte leicht. Freude, so zerbrechlich wie die zarten Glieder einer Porzellanpuppe.Das Sije brachte Gefühlsschwankungen von einer Heftigkeit mit sich, die kaum jemand unter Kontrolle halten konnte. Bei der letzten Gesellschaft, der er beigewohnt hatte, war ein Mann plötzlich zusammengebrochen und hatte hemmungslos zu weinen begonnen. Kurz darauf hatte eine Frau einen Stuhl in Schutt und Asche zerlegt, als sie ihn gegen die Wand schleuderte. Alistar warf Gabriele einen strafenden Blick zu, den John nur mit einem Stirnrunzeln bemerken konnte. Es war nicht die Schuld seiner Schwester, dass ihre Mutter das jüngste ihrer Kinder ständig vergaß. Seit zwei Jahren war Eduard in der Salzstadt in Studien vertieft und hatte sich bisher kein einziges Mal zuhause blicken lassen. Und das, obwohl sein Bruder wusste, wie sehr sich der Zustand seiner Mutter verschlechtert hatte. Die scheinbar perfekte Gesellschaft verfiel der angeblichen Medizin immer mehr und kaum einer der Süchtigen schaffte es noch, seine Abhängigkeit zu verbergen. Nur wenige Familien hatten sich bisher vor so einer Blamage retten können. Seine gehörte dazu. „Eduard wird bald nach Hause kommen, Mutter.“ John reichte ihr ein besticktes Taschentuch und wischte die Tränen in ihrem Gesicht fort. Bevor er das Tuch zurück in seinen Mantel stopfen konnte, eilte bereits ein Diener heran und ersetzte es durch ein frisches.Die Mainardts waren eine der führenden Familien von Zirkaria und verkehrten in den höchsten Kreisen. Nein, nicht nur das. Sie waren das Zentrum des höchsten Kreises. Wenn sie fielen, würden sich die anderen wie Aasgeier auf sie stürzen. Also war es gut, dass seine Mutter gerade weinte. Zuhause durfte sie so viel weinen oder schreien, wie sie wollte. Die Wirkung würde abflachen und sie auf einem einigermaßen erträglichen Niveau stabil halten. Dann würde aus der Droge endlich Medizin. Seine Mutter würde wach sein und lächeln, aber niemand würde ihr das Sije anmerken. So war es zumindest die letzten Male abgelaufen.Auch jetzt schien sich ihre Miene aufzuhellen. Ein Lächeln breitete sich auf ihrem Gesicht aus, während sie sich bei ihm unterhakte. Ihre zarten Finger strichen entlang des dicken Brokats und der goldenen Stickereien mit dem Wappen ihrer Familie. Eine weiße Taube mit einem Stern im Schnabel. Sie lächelte aufgeregt. „John, Schatz, wo ist dein Vater?“ Beinahe war er eifersüchtig darauf, wie leicht es ihr viel, seinen Bruder zu vergessen. „Er ist auf einer Versammlung, Mutter, aber wir werden ihn im Palast treffen.“ „Was für eine Versammlung?“ „Die Versammlung der Logen, Mutter.“Er versuchte erst gar nicht, ihr zu erklären, wie wichtig dieses Treffen heute war. Sie würde es nicht verstehen. Früher … da hätte sie es verstanden. Damals, als sie zur dritten Loge gehört hatte, der Ora. Eine Dienerin der Götter, das Sprachrohr dieser.Doch heute war sie eine andere, verloren in den Hallen ihrer Residenz, dominiert von dem Namen seines Vaters. Mainardt. Manchmal hasste John sich selbst.Die sechs Logen von Zirkaria traten jeden Mondzyklus einmal zusammen. Jede Loge stand für eine Bevölkerungsklasse. Die gute Gesellschaft und die einflussreichsten Familien bildeten die ersten beiden Logen, darunter auch reiche Kaufmannsfamilien und Gelehrte. Die Ora war die dritte Loge, die Loge der Götter und der Frauen. Die letzten drei Logen gehörten den Künstlern, Handwerkern und Bauern. Zusammen wurden alle von dem Maxim, dem Herrscher von Zirkaria, regiert. Mit dem Frühjahrsfest wurde das erste Treffen der Logen für dieses Jahr anberaumt und anschließend der Beginn des neuen Jahres verkündet. Das, und Johns Verlobung mit der Enkelin des Maxims – eine Nichtigkeit im Vergleich zu dem, was das Volk einforderte. Der Winter war fast vorüber und das Eis auf dem See begann langsam zu tauen. Die Menschen erwachten aus ihrem Schlaf und bemerkten, wie viele dieser Winter das Leben gekostet hatte. Das Volk war wütend und es hatte Hunger[MF1].
„John, Schatz, wieso sind so viele Menschen auf den Straßen?“ Mittlerweile saßen sie fast eine Stunde in ihrer ruckelnden Kutsche und kämpften sich mit dem sechsspännigen Ungetüm durch die Meute an ungehobelten und lärmenden Menschen. Alle waren aus ihren Löchern hervorgekommen, trotz der eisernen Kälte und der Schneeflocken in der Luft. „Wegen der Versammlung, Mutter.“ John hasste es, in der Kutsche zu fahren. Liebend gerne wäre er mit seinem Pferd durch die engen Gassen gejagt, anstatt sich zäh über die Hauptstraße zu quälen. Entnervt musterte er die Menschenmassen, an denen sie vorbeifuhren. Sein Blick fiel auf eine weiß gepuderte Frau, die auf einem Podest am Straßenrand stand. Sie hatte rot geschminkte Lippen und die Haare zu einem Monstrum aus Locken aufgetürmt. Als sie ihn sah, hob sie ihre Brüste aus dem Mieder heraus und wackelte auffordernd mit ihnen, eine in jeder Hand. John verzog angewidert den Mund und schloss die Vorhänge, bevor seine Mutter etwas davon mitbekam. Er verfluchte seinen Vater dafür, dass er ihn nicht hatte mit zur Versammlung kommen lassen. Stattdessen saß er hier, wie ein aufgeplusterter Pfau in einem blau-goldenen Brokatmantel, und betüddelte seine Mutter, während andere Menschen über das Schicksal dieser Welt entschieden. Aber so waren die Regeln. Er würde erst ein vollwertiges Mitglied der ersten Loge sein, wenn er eine Frau nahm und einen Erben zeugte. Keine Macht den Männern ohne Erben. Eine Regel, die er ändern würde, sobald er an der Macht war. Er würde das ganze System ändern. Ein System, in dem die Armen keinen Platz hatten, in dem die niederen Logen einem Schein aus politischer Mitbestimmung erlagen. Ein Staat, der wieder und wieder einen Krieg heraufbeschwor. Der letzte war gerade einmal zehn Jahre her und doch hatte er zu viele das Leben gekostet. John würde nicht noch einmal töten. Niemals.„John, Schatz, du musst Serena heute unbedingt ein Kompliment machen, bevor ihr auf den Balkon tretet. Sie lächelt immer so wenig.“ Seine Mutter zupfte unzufrieden an seinen Haaren herum, welche er vorhin nur eilig mit einem feuchten Kamm nach hinten gestrichen hatte.„Ja, Mutter.“ Er seufzte und blickte resigniert zu seiner Schwester, die ihn mit versteinertem Gesicht anstarrte. Seit sie verheiratet war, lächelte sie auch kaum noch, und das, obwohl sie all die an sie gestellten Ansprüche perfekt erfüllte. Sie war ruhig, galant, schwanger und wurde weitestgehend von der Gesellschaft und ihrem Mann ignoriert, ganz so, wie es von einer sittsamen Frau in Zirkaria erwartet wurde. Wut kochte in ihm hoch, aber er schluckte sie herunter. Seit Jahren tat er dies schon.Als sie aus der Kutsche stiegen, reichte John seiner Mutter die Hand. Sie hatten fast unmittelbar vor dem Palasteingang gehalten. Eine andere Position wäre seiner Familie nicht würdig gewesen. Außerdem würde seine Mutter sich bei der Kälte sonst noch eine Lungenentzündung holen. Der große Steinbaldachin schützte sie vor den letzten Schneewehen des Jahres und nach ein paar Schritten waren sie durch das mit dunklem Holz verzierte Eingangstor des Palasts geschritten.Lauwarme Abendluft streichelte über seine Wangen. Es hieß, dass der Maxim bis zu tausend Kerzen für den Frühjahrsball hatte anzünden lassen. Zurecht. Dass das Frühjahrsfest mit der Sitzung der Logen zusammenfiel, war kein Zufall. Heute würde eine Entscheidung gefällt, die die Gesellschaft in ihren Grundfesten erschüttern konnte. Je nach Ergebnis der Versammlung würde das Fest eine willkommene Untermalung für die bevorstehenden Änderungen werden … oder eine Ablenkung. Traditionell verkündete der Maxim am Frühjahrsfest die wichtigsten Verlobungen des Jahres. Dieses Jahr auch seine Eigene. Mainardt und Severin. Die zwei wichtigsten Familien von Zirkaria geeint. Übelkeit stieg in ihm auf. Seine Verlobung glich einer Nichtigkeit im Vergleich zu dem, was die Logen heute entscheiden würden. Diese Idee konnte nur von seinem Vater stammen. Meistens steckte er hinter den intelligenteren Entscheidungen des Maxims. Er war der Herrscher und der Maxim ein Instrument, dass er nur zu gut zu spielen beherrschte. Sollten sie sich für den Krieg entscheiden, würde es neben seiner noch mehr Verlobungen regnen. Denn kein Stammbaum durfte aussterben, wenn die Edelmänner in den Krieg zogen. Und als Erstgeborener seiner Familie war es an der Zeit, endlich seine Pflicht erfüllen. Eine Liebesheirat kam für John nicht infrage. Was diese anrichtete, hatte er bei seinen Eltern schon beobachten dürfen. Besser also eine Heirat mit der Enkelin des Maxims, der Prinzessin von Zirkaria. Sie würde die Stellung des Hauses Mainardt an vorderster Spitze noch einmal in die Höhe katapultieren und danach war es so gut wie sicher, dass ein Mainardt den nächsten Maxim stellen würde. Dazu ein Erbe und dann, endlich, würde John die Macht besitzen, die er benötigte, um dieses Land zu verändern. Um die verdorbenen Wurzeln auszureißen, deren Fäule immer weiter durchbrach. John ballte die Fäuste, öffnete sie wieder. Die Zeit lief ihm davon. Wenn er die Prinzessin nicht bald heiratete, würde er den Krieg nicht mehr verhindern können.
Sie betraten den Ballsaal und begrüßten den Maxim. Der alte Mann lächelte sie höflich an, als John sich verbeugte. Neben ihm standen die Tochter des Maxims und seine Enkelin. Serena, Johns Verlobte. Sie hielt ihren Kopf leicht gesenkt, sodass ihre Haare ihr silbern über das weiß glitzernde Kleid fielen. Die Eisprinzessin. Ein passender Spitzname, wie John fand. Serena war gerade einmal achtzehn Jahre alt und hatte unschuldige blaue Augen, die viel zu groß für ihren zarten Körper schienen. Dazu die Figur einer der Porzellanpuppen, mit denen seine Schwester früher gespielt hatte.Ein Kind, er heiratete ein Kind und konnte nichts dagegen tun.  Zwar war Serena wunderschön, wie eine Fee aus den Erzählungen seiner Kindheit, aber sie war zu jung. Viel zu unschuldig für das, wozu sie benutzt wurde. Doch wenn er sie nicht zur Frau nahm, würde es ein anderer tun. John verbeugte sich vor Serena und hauchte ihr einen Kuss auf die behandschuhten Finger. Scheinbar unglücklich wandte sie den Blick ab.Der Maxim verkündete heute ihre Verlobung, ob sie wollte oder nicht. Natürlich war sie wütend, weil er nie versucht hatte, sie in den letzten Wochen kennenzulernen. Doch dafür würden sie noch genug Zeit nach der Hochzeit haben. Es änderte ohnehin nichts. Ihre Ehe blieb unausweichlich. Er wollte in die Loge und sie war sein Schlüssel. Das Gesetz, das Männern den Zutritt in diese erst nach der erfolgten Eheschließung gewährte, hatte durchaus seinen Zweck in den letzten sechzig Jahren erfüllt. Kaum ein Mann sträubte sich mehr vor den Fesseln der Ehe. Denn die Aussicht auf politische Teilhabe war zu verlockend, um ein ewiges Junggesellenleben zu führen. Noch vor sechzig Jahren war das anders gewesen. Einige Familien waren ausgestorben, weil ihre Nachkommen die Fortführung des Familienstammbaums nicht allzu ernst nahmen. Der damalige Maxim war schließlich eingeschritten, um seinen eigenen Sohn zur Ehe zu zwingen. Nun wurden die Frauen auf Bällen wie diesen der Welt präsentiert. Allesamt zuckersüße, weiße, devote Püppchen, bis sie schließlich einen Erben zur Welt brachten. Dann wurden sie hinter die Türen des Hauses gesperrt und ihre Ehemänner besuchten die Freudenhäuser der Stadt. Zirkaria war ein grausames Land für Frauen und John gehörte dem System an, ob er wollte oder nicht. Er verstand, warum Serena nicht lächelte. Mit ihren langen, engelsgleich gelockten Haaren, ihrer alabasterfarbenen Haut und den großen blauen Kulleraugen galt sie als wunderschön. Jemand hatte etwas rosa Farbe auf ihre Lippen getupft, sodass ihr Mund aussah wie eine frische Rosenknospe. Sie war rein, wie die Bettlaken, in denen sie sich bald wälzen würden. John verabscheute den Gedanken daran jetzt schon. Er freute sich genauso wenig auf die anstehende Hochzeit wie sie. Aber ihm blieb keine andere Wahl, wenn er das Versprechen einlösen wollte, dass er vor zehn Jahren gegeben hatte. Es gab nun mal wichtigere Dinge als sein oder Serenas Glück.
Die meisten Gäste hatten sich mittlerweile eingefunden. Die Luft rauschte golden im Schein der vielen Kerzen, deren glänzende Ständer auf runden weißen Tischen platziert waren. Erste Paare drehten sich bereits auf der Tanzfläche. Alle Musiker des Orchesters trugen weiße Uniformen, mit goldenen Manschetten und Instrumenten. Eine Zierde für die weißen jungfräulichen Blüten, deren Hände jetzt für die Tänze von Mann zu Mann gereicht wurden. Blasse weiß gepuderte Gesichter und rot geschminkte Lippen. Wallende Kleider mit goldbestickten Röcken. Ein Geisterhaus. Johns Mutter kicherte leise, als er sie an den Tanzenden vorbei zu dem für sie bestimmten Platz in der vordersten Reihe führte. Er platzierte sie neben seiner Schwester, verbeugte sich und entschwand sogleich. Auf dem Weg zum Gesellschaftszimmer nickte er den wichtigsten Lords zu und ignorierte den Rest weitestgehend – ein Luxus, den er sich nur aufgrund seines Vaters erlauben konnte. Sein Schwager ging dicht an seiner Seite, er hatte sich schon immer danach gesehnt, so einflussreich wie ein Mainardt zu werden. In seinem Rücken spürte John Serenas Blick, ignorierte ihn aber. Später! Später würden sie noch genug Zeit haben, sich kennenzulernen. Selbst wenn ihm ihr Charakter missfiel, würde es dennoch nichts an der geplanten Hochzeit ändern. Sein Vater und der Maxim hatten sich bereits darauf geeinigt.
Im Gesellschaftszimmer roch es nach Rauch und Sije. Auch hier tanzten Frauen, jedoch trugen diese keine tüchtigen, ausladenden Kleider in Beige, Weiß und Gold. Nein, diese Frauen trugen rot und ihre Brüste hingen aus dem Mieder heraus. Huren. Alistar grinste glücklich und begab sich zugleich an einen der Spieltische, wo er Platz nahm und nach einer der Frauen griff. Die Dame kicherte keck und zog ihre Röcke vor Alistar hoch, um sich dann auf seinem Schoß niederzulassen und ihren nackten Hintern darauf zu reiben. Sein Schwager stieß ein begeistertes Jaulen aus und griff nach den vor ihm liegenden Karten. John schluckte die Wut, die in ihm aufkochte, hinunter, bevor sie überhandnahm. Seine Schwester hätte es schlimmer treffen können, zumindest schlug er sie nicht. Ihre Chance auf die wahre Liebe war mit Arthur gestorben.Die Tür im hinteren Bereich des Spielzimmers führte in die Bibliothek. Hier herrschte schon eine deutlich ruhigere Atmosphäre. Nur wenige Lords schienen sich an einem solchen Fest nach der stundenlangen Sitzung der Logen noch für sinnvolle Konversation zu interessieren. Die, die es taten, waren schon deutlich älter und zogen genüsslich an ihren Zigarren. Zwischen den Rauchschwaden konnte man die Bücher kaum noch erkennen. Doch mitten unter ihnen thronte ein Mann, den John überall sofort erkannt hätte. Sein Vater. John unterdrückte den Drang, schneller zu gehen, so sehr zerfraß ihn die Neugierde. Stattdessen verlangsamte er sein Tempo und versuchte, einen möglichst gleichgültigen Gesichtsausdruck aufzusetzen. Der Mann, den er seinen Vater nannte, war groß und schlaksig, so wie er. John wusste, dass sein Vater nur die ältere Version seiner selbst abbildete, und das beunruhigte ihn zunehmend. Nicht, dass sein Vater nicht ansehnlich aussah, das war nicht das Problem. William Mainardt alterte würdevoll. Zwar waren die blonden Haare nun grau, doch wirkten sie immer noch voll. Nein, das Problem stellte die Kälte dar, die sein Vater ausstrahlte. Kälter noch als die Eistruhen unter der Stadt, wo die verderblichen Lebensmittel gelagert wurden. Selbst John, der an diesen Anblick gewohnt war, überlief immer wieder ein Schauder, wenn er in die eisblauen Augen mit ihren farblosen Wimpern blickte. Zumindest dahingehend gab es einen Unterschied zwischen ihnen. John hatte zwar seine weißblonden Haare und das Gesicht mit der langen Nase geerbt, aber seine Augen hatte er von seiner Großmutter. Laut Johns Mutter waren sie warm wie flüssiger Honig und erinnerten an den kleinen Zweig der Familie, der einmal aus Zandun in den Norden nach Zirkaria geflüchtet war. Das war Generationen her und doch bestand seine Mutter darauf, dass er diesen Teil der Familiengeschichte ehrte. Es grenzte an ein Wunder, dass sein Vater sie trotz ihres schmutzigen Stammbaums geheiratet hatte.Sein Vater blickte kurz von dem Dokument auf, über das er sich mit zwei weiteren Gentlemen beugte. „John.“ Er klang wenig begeistert. „Habt ihr es sicher hergeschafft? Die Straßen sind voller Abschaum. Ekelhaft. Wir werden heute Nacht im Palast bleiben. Keine zehn Pferde treiben mich noch einmal da durch.“ „Wie ist die Abstimmung gelaufen?“, fragte John und ignorierte wie immer den überheblichen Tonfall seines Vaters, mit dem er über die frierenden Seelen auf den Straßen der Stadt spottete.William Mainardt seufzte und klopfte auf den Stuhl neben sich. Er wirkte unendlich müde, aber auch zufrieden. „Sie ist so gelaufen, wie sie sollte. Das Gesindel bleibt Gesindel und die Provokationen der Handelsgilde von Zandun werden ein Ende finden.“John stockte der Atem. „Das bedeutet Krieg.“ Ein Bild blitzte vor seinem inneren Auge auf. Weißer Schnee, darin ein Mann, halb verbrannt und blutüberströmt. Arthur.Die zwei Männer mit den weißen Bärten neben seinem Vater lachten rau. „Nein, mein Junge. Den Krieg haben wir schon vor sechzig Jahren gewonnen. Das hier bedeutet Eroberung.“Und dennoch werden Menschen sterben. Ein bitterer Geschmack legte sich auf Johns Zunge, und der rührte nicht von dem ihn umgebenden Zigarrenqualm. Tausende Menschen würden ihr Leben lassen und die, die den Krieg überlebten, würden nichts weiter als Gesindel bleiben, ohne Loge. Heute hätte der Gründungstag einer Loge sein können, für alle, die keine Stimme hatten. Für die Kranken und Heimatlosen. Stattdessen wurden sie in einen Krieg geschleppt, der ihnen den Tod versprach. „Zandun steht doch unter unserem Befehl, wir müssen die Handelsgilde nur daran erinnern. Wieso also der Krieg?“„Die Handelsgilde ist nur eines unserer Probleme. Das solltest du eigentlich wissen, Junge“, sagte einer der Lords. Sein Haar war bereits, bis auf einen Flaum an der Stirn, von seinem Haupt gewichen und die kleinen Schweinsäuglein wirkten wässrig. Brian Arc, der Schatzwart. Wut kochte in John hoch, aber er schluckte sie rasch herunter. Er war einunddreißig Jahre alt und wurde von diesen Männern trotzdem wie ein naiver Jüngling behandelt. Dabei hatte er die Aufstände in den Zitterbergen niedergeschlagen, in Zandun seine Studienjahre verbracht und verkehrte mit den belesensten Gelehrten der zweiten Loge. Und diese Männer? Sie feilschten in den Spielzimmern und tranken Sije. „Ihr wollt also mehr als nur Zandun erobern?“ Eigentlich hätte sich John die Frage auch sparen können. Er kannte die Antwort bereits.„Seit Jahren schon überfallen die Korsaren unsere Schiffe in der Meeresenge. Sie verkaufen die Waren an die Handelsgilde und diese schöpfen dann den Gewinn daraus, da die Gilde nur unter dem Schutz der Korsaren ihre Waren in Osten und Westen verfrachtet. Wir erleiden dabei enorme Verluste, da wir kaum ohne die Gilde agieren können. Trilla ist nun leider der Dreh- und Angelpunkt des Handels. Doch der Gilde fällt nichts weiter ein, als uns ihre Abgaben nicht zu zahlen“, erklärte sein Vater.