Red Sails - Die Macht der Tränen - Annie Eisenhardt - E-Book

Red Sails - Die Macht der Tränen E-Book

Annie Eisenhardt

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Beschreibung

Die See fordert, was ihr gehört! Die Farbe des Blutes ist schwarz und Liebe zur Nichtigkeit verkommen.  Verrat hat den Schwur zerrissen, der Luziana, Finn und Leander einst verbinden sollte, und nun könnte er sie das Leben kosten. Ausgerechnet jetzt, da der Norden sich gegen die Tränen erhebt und die Korsaren am Rand des Untergangs stehen. Ihre einzige Hoffnung liegt in der magischen Uhr des Maxims, die endlich gefunden wurde. Doch jene Macht befindet sich in den Händen einer zirkarianischen Prinzessin. Selbst wenn Luziana die Uhr erlangen kann, muss sie den Rat der Acht überzeugen, Seite an Seite mit ihr zu segeln. Gegen eine Armee, die von ihrer großen Liebe angeführt wird. Wo Blut versiegt und nichts als Tod den Atem webt, leuchten Tränen im Dunkel und flüstern von einer Hoffnung, die nicht sterben will.   In diesem epischen Finale eskalieren Liebe und Krieg – nur wer sein Herz verteidigt, hat eine Chance.

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Seitenzahl: 599

Veröffentlichungsjahr: 2025

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Red Sails

DIE MACHT DER TRÄNEN

ANNIE EISENHARDT

Inhalt

Playlist

Was bisher geschah

Prolog

Teil I

1. Die Waiseninsel

2. Bündnisse

3. Treueschwüre

4. Salzkrusten

5. Die Tugend einer Prinzessin

6. Die Tochter und ihr König

7. Die Tronjes

8. Die Zandûn

9. Die Tote Insel

10. Der Rat

11. Die Acht

12. Blut

13. Königin der Meere

14. Der Feuerbringer

15. Das Leben des Rosenkavaliers

16. Zeit

17. Die Uhr

Teil II

18. Heimat

19. Familie

20. Das Haus Mainardt

21. Das Begräbnis

22. Die Verräterin

23. Lord Gold

24. Slutwick

25. Eis

26. Das Haus Severin

27. Maskenball

28. Maxim

29. Eine Ehe

30. Blutsbrüder

31. Trillas Mauern

32. Die Macht der Acht

33. Feuersturm

34. Der König

Teil III

35. Ein Vermächtnis

36. Neuland

37. Vakuum

38. Die Farbe Blau

39. Die Krönung

40. Schwüre

41. Die Macht der Tränen

42. Krieg

43. Eine glückliche Familie

44. Die Krone

45. Schatten

46. Norden und Süden

47. Zwei Herzen

48. Morgans Kinder

49. Opfer

50. Heilung

51. Die Drei

Epilog I: Hoffnung

Neue Ufer

Die Alte Welt

Triggerwarnung

Danksagung

Klappentext

Über die Autorin

Weitere Werke:

Für den Blick nach vorne,

das Ziel vor den Augen

und die Hoffnung im Herzen.

Playlist

The Man Who Can’t Forget – The Bardbells

Leave Her, Johnny – Sail North

Demons – Imagine Dragons

Soldier – Tommee Profitt, Fleurie

Voilà – Barbara Pravi

Back To Black – Amy Winehouse

Hoist The Colours – The Wellermen

Dream – Imagine Dragons

Last Man Standing – Livingston

Feed The Machine – Poor Man’s Poison

Seven Nation Army – SKÁLD

Message in a Bottle – Livingston

Roll The Old Chariot – Seth Staton Watkins

The End – JPOLD

Into the Woods – Joel Sunny

Was bisher geschah

Luziana de la Rose hat die Hölle überlebt – die Folter ihres schlimmsten Feindes. Doch statt Frieden erwartet sie in ihrer Heimat ein Krieg mit Zirkaria.

Also begibt sich Luziana zu den anderen Korsaren, um neue Bündnisse zu schmieden und alte wieder aufleben zu lassen. An ihrer Seite reist Finn, ihr loyaler Stellvertreter und Scheinverlobter. Aber auch John Mainardt besitzt einen Platz auf ihrem Schiff. Trotz besserem Wissen weiht Luziana John in die Geheimnisse der Tränen ein, denn nur er, ein Zirkarier, kann sie zur Uhr führen – dem Schlüssel zum Frieden oder der Zerstörung der Welt.

Während Luziana nach Verbündeten sucht, heilt Serena auf Ereborn nicht nur ihr gebrochenes Bein, sondern auch ihr Herz. Dabei kommt sie Leander, dem von Schuld zerfressenen Erben der Asche, und dessen kleinem Bruder Alexis näher. Doch Alexis ist mehr als nur Leanders Bruder. Er besitzt eine gewaltige Kraft, die weder er noch sein Bruder beherrschen kann und die eine Gefahr für das Gleichgewicht der Korsaren bedeutet. Endlich erzählt Leander seine Geschichte. Der Grund, warum die Korsaren miteinander verstritten sind, bündelt sich in der Existenz von Alexis. Denn nicht Charlie hat das Waisenhaus der de la Rose damals in Brand gesteckt, sondern Alexis als unschuldiger vierjähriger Junge. Um seine Existenz zu verbergen, nahmen Charlie und Leander die Schuld auf sich. Auch wenn er damit die Liebe seines Lebens verlor.

Leander selbst leidet unter dem schwarzen Blut in seinen Adern, das sich wie Gift immer weiter in seinem Körper ausbreitet. Mit seiner Folter an Luziana hat er seinen Schwur ihr gegenüber gebrochen, und das könnte ihn nun das Leben kosten.

Nur stellt Serena fest, dass sie das nicht möchte. Mit jedem Moment, den sie mehr Zeit mit Leander verbringt, verliebt sie sich ein bisschen mehr in ihn, bis sie sich schließlich küssen.

Serena ist gezwungen, eine Entscheidung zu treffen. Zirkaria oder Leanders Leben retten.

Also begibt sie sich auf die Suche nach der Uhr, denn nur so kann sie beide retten.

Während die Korsaren nach der Uhr suchen, erwacht Axe in den Gewölben unterhalb Trillas beim Widerstand. Dort trifft er auf John Baltau, den verschollenen Gouverneur, der sich dem Widerstand angeschlossen hat und seit Jahren für die Unabhängigkeit Zanduns kämpft. Baltau heilt Axe und lässt ihn frei, denn er will mit Zirkaria verhandeln, und Axe wird als Bote zurück in den Palast entsendet. Dort gestaltet sich sein Aufenthalt jedoch recht kurz. Zwar zollen ihm die Wachen, besonders Jack, ihre Loyalität, doch Zirkaria ist über sein Versagen hinsichtlich des Schutzes von John Mainardt wütend. Statt ihn zum Tod zu verurteilen, schicken sie ihn zurück zum Widerstand, wo er sich als Spion einschleusen soll.

Axe sieht sein Todesurteil schon kommen, doch mit mehr Glück als Verstand überlebt er. Als unfreiwilliger Spion im Widerstand gegen Zirkaria wird er gezwungen, sich zwischen Loyalität und Moral zu entscheiden, und plötzlich klebt Blut an seinen Händen. Seine Freundschaft mit Maria, der Tochter eines mächtigen Gildenmeisters, bietet einen Funken Hoffnung.

Nachts unterrichtet er sie in Selbstverteidigung, während sie tagsüber kaum mit ihm spricht. Bis zu dem Augenblick, an dem Maria ihn darum bittet, ihren Vater zu ermorden. Als Gegenzug gewährt sie ihm eine Möglichkeit, seiner Funktion als Spion nachzukommen und sein Leben zu retten.

Axe weigert sich und muss zusehen, wie Maria kurz darauf mit John Baltau durch ihren Vater zwangsverheiratet wird. Zwar scheint Baltau ein anständiger Mann, doch er ignoriert die Narben auf Marias Rücken, die von ihrem Vater stammen, genauso wie die anderen Mitglieder des Widerstandes.

Als die Verhandlungen mit Zirkaria zu einem Ergebnis kommen, wird Marias Vater, der durch einen de la Rose Schwur an die Korsaren gebunden ist, wütend. Er versucht, sie zu boykottieren, und scheitert. Daraufhin lässt er seine Wut erneut an Maria aus und Axe geht dazwischen. In einem verzweifelten Kampf gegen Marias tyrannischen Vater wird Blut vergossen, und Axe muss erneut die Konsequenzen seiner Entscheidungen tragen. Während Zandun und Zirkaria ein fragiles Bündnis schmieden, bereiten sie sich auf eine finale Schlacht gegen die Korsaren vor.

Luziana und ihre Gefährten reisen derweil zu Merek Twist, dem achten Korsaren, um neue Hinweise auf die Uhr zu finden.

Finn begibt sich nach Marlon, wo er von Helena Heron erfährt, dass neben der Uhr und dem Schlüssel noch eine dritte Komponente benötigt wird: eine lange goldene Kette, verborgen in den Tiefen des Ozeans.

Während Finn recherchiert, kommen sich Luziana und John immer näher. Die Erlebnisse während ihrer Gefangenschaft haben sie zusammengeschweißt und Luziana leidet immer noch unter den seelischen Narben. Erst sind es Küsse, dann verbringen sie die Nacht Arm in Arm, denn nur durch John kann Luziana endlich wieder heilen.

Gemeinsam besuchen sie Belaure Rothmund, den vierten Korsaren in seiner Meeresstadt, und John beginnt endlich, die Macht der Korsaren zu verstehen. Als ehemaliger Liebhaber und guter Freund von Luziana schafft es Bel, sie zu ihren alten Kräften zurückzubringen und unterstützt sie in ihrem Unterfangen, die Uhr zu finden. Als er sich weigert, Luziana in den Kampf gegen die Snarks zu schicken, um die Kette zu bergen, überlistet ihn Luziana. Luziana, getrieben von Entschlossenheit und gestärkt durch Johns Unterstützung, wagt sich in die gefährliche Unterwasserwelt. Doch der Kampf gegen die monströsen Snarks fordert einen hohen Preis. Nur durch Johns opferbereite Entscheidung, sich gegen sein eigenes Land zu stellen, überlebt Luziana. Ihre Bindung vertieft sich, doch Johns Schuld und Loyalität zu Zirkaria reißen ihn innerlich auseinander.

Zusammen kehren die beiden nach Lunation zurück und nehmen am Zuckerfest teil, wo sie eine unvergessliche Nacht miteinander verbringen. Am nächsten Morgen erzählt Finn John, dass Luziana ihn freigelassen hat, und schickt ihn zurück nach Zirkaria.

Luziana erwacht einsam und mit gebrochenem Herzen, bis sie eine Veränderung auf der Waiseninsel vor Lunation bemerkt.

Während Luziana und Finn die Uhr gesucht haben, hat Serena ihre Zeit auf Ereborn gut genutzt. Die starken Kräfte von Alexis stammen von der Uhr, die sich auf der Waiseninsel befindet, auf der der Junge damals aufgewachsen ist.

Gemeinsam mit Leander und Alexis findet sie einen geheimen Zugang in einem Brunnen, der sie in eine Schatzkammer führt.

Als Serena die Uhr endlich in den Händen hält, erscheinen Luziana und Finn, bereit, um sie zu kämpfen. Voller Panik bleibt Serena nur noch eine Option. Sie aktiviert die Uhr.

Zehn Jahre zuvor

Prolog

JOHN

Zehn Jahre zuvor

„Beende ihn, John. Beende das alles. Zirkaria muss sich ändern. So wie wir es immer …“

Arthurs Worte brannten wie Feuer in seinem Leib, durchfuhren ihn tief ins Mark, bis kein Schmerz mehr übrig blieb, den es zu spüren gab. Sie waren Brüder gewesen, wenn nicht im Blute, dann im Geiste. Arthur, der seine Schwester hätte heiraten sollen. Der sie schon geliebt hatte, als sie noch mit ihnen an lauen Sommertagen am Eissee herumtollte, kaum größer als ein Gnom. Und jetzt war er tot. Sein bester Freund war gestorben. In einem Krieg, den er für sinnlos gehalten hatte. In den er nur gezogen war, um für die Liebe seines Lebens als würdig erachtet zu werden.

John musterte den Schlitten vor sich. Zwei herrenlose Pferde zogen ein kleines hölzernes Podest, auf dem sich Arthurs in Leinen gewickelter Körper befand. Tod. So viel Tod. Nach dem Hinterhalt in dem kleinen Bergdorf hatten sie den Rückweg antreten müssen. Die Bergstämme kannten sich im Gebirge zu gut aus, als dass ihnen ihre zahlenmäßige Überlegenheit oder die gute Ausrüstung von Nutzen gewesen wäre. Das Zittergebirge war ihr Reich und John war zu tief in dieses Reich vorgedrungen. Arthur und er hätten es wie die anderen Offiziere halten und die Gebirgskette am Rande der Südstadt sichern sollen, nachdem die entscheidende Schlacht gewonnen worden war. Stattdessen entschieden sie sich für diese wahnwitzige Mission, den Bergstämmen in ihr Reich zu folgen. Zu welchem Zweck? Um zu verhandeln?

Das war Arthurs Plan gewesen. Sein Freund, der an das Gute im Menschen glaubte, der friedliebend war und Gedichte in sein Tagebuch schrieb, statt sich im Kampf zu üben. Arthur hatte die Mäusefallen im Keller als Kind heimlich abgebaut und ihnen stattdessen Käse hingestellt, weil er ihr Fiepsen niedlich fand.

Wenn es auf dieser Welt einen Menschen gegeben hatte, der wahrhaftig gut im Herzen war, dann war er es gewesen. Doch was hatte es ihm gebracht? Das Volk, das er hatte beschützen wollen, hatte ihn getötet. Dabei hatten sie nur verhandeln wollen. Einen Vertrag mit den Bergvölkern, geregelte Handelsabkommen, damit der Hunger sie nicht in die Städte trieb. Doch wie sollte man mit jemandem verhandeln, der seine Vorratskammern mit Sprengkörpern bestückte?

Der Schlitten vor John fuhr über einen kleinen Felsbrocken und geriet ins Schlingern. Hastig sprang er von dem wiehernden Bregor und hielt die provisorische Befestigung im Gleichgewicht, bevor dutzende tiefgefrorene Leichname erneut auf den Boden stürzten.

Trotz der gefütterten Handschuhe spürte John, wie eine der Brandblasen an seinen Fingern aufplatzte und mit ihrem zähflüssigen Sekret den Stoff besudelte.

Gabriele hatte eigens seine Initialen in die Handschuhe sticken lassen. In ihrer beider Handschuhe. Seine Schwester würde an Arthurs Tod zerbrechen. Eine Liebesheirat barg eine Seltenheit, doch die Liebe in diesem Alter bereits wieder zu verlieren, würde ihr zartes Herz nicht verkraften. Gabriele war zu jung, um nicht jemand anderen heiraten zu müssen. Sein Vater würde eine passende Partie finden und ihr würde nichts übrig bleiben, als sie anzunehmen.

Tränen stiegen in Johns Augenwinkeln auf, aber er presste sie mit aller Macht zurück. Er durfte nicht weinen, nicht hier vor seinen Kameraden. Nicht kurz vor ihrem Ziel. Wenn sein Vater ihn weinen sah, würde John den Rest Ehre verlieren, den er sich noch anmaßte zu besitzen. Wobei, nein, er besaß keine Ehre. Besäße er sie, wäre er jetzt tot und Arthur würde mit seiner Schwester glücklich werden. Doch hier war er, lebendig, während sein Freund in Leinen gewickelt auf einem Karren fuhr.

Für die Liebe zu sterben, das war ein ehrenhafter Tod. Nicht für Gold oder Ländereien. Die Liebe war der einzige Grund, weshalb es sich lohnte zu sterben. Und genau deswegen würde John sehr alt werden. Denn John würde niemals lieben.

Er war nicht wie Arthur, rein und herzlich, das Herz offen auf der Zunge. Nachdenklich fuhr er sich über seinen Mantel. Das Leder war rau von der Kälte und das Fell darunter starr. Dennoch konnte er durch die dicken Stoffschichten das kleine Buch spüren. Arthurs Buch. John hatte es nach dessen Tod an sich genommen, um zumindest einen kleinen Teil seines Freundes bei sich zu behalten. Auch wenn er die Worte darin manchmal selbst nicht verstand.

Jemand stieß einen Pfiff aus und hastig sprang John zurück in den Sattel. Er gab Bregor die Sporen und galoppierte an die Spitze ihrer Karawane. Schon aus der Ferne erkannte er das Symbol, das auf der Standarte prangte. Sechs Circel, die einen Stern umringten. Die Wachen daneben hielten ebenfalls Flaggen in der Hand. Die Taube mit dem Stern im Schnabel. Das Haus Mainardt. Sein Haus. Und der Baum aus schwarzem Ebenholz, gerahmt im goldenen Blattwerk. Das Haus Gold.

Zwischen den beiden Wachen saß ein Mann auf einem Pferd. Schlaksig, blond und in einen grauen Fellmantel gehüllt. William Mainardt. Sein Vater starrte ihn mit wütend funkelnden Augen an.

„Du lebst“, quittierte er Johns Blick mit einem Nicken.

„Ja. Hat Euch die Kunde nicht erreicht?“ John hasste es, so formell mit seinem Vater zu sprechen. Aber unter Augenzeugen verlangte es die Etikette von ihnen. Arthur ist tot, Vater. Er liegt hinten auf dem Leichenkarren.

„Nicht so, wie ich es mir gewünscht hätte. Begleite mich, Sohn. Wir haben Einiges zu besprechen.“ Sein Vater warf ihm einen eisigen Blick zu und erneut gab er seinem Pferd die Sporen. Sie trabten eine Weile, bis sie sich außer Hörweite der Wachen befanden. Dann begann sein Vater.

„Der junge Lord Gold ist tot?“

„Ja. Er wurde bei einem Hinterhalt verletzt und erlag später seinen Wunden.“ Es klang immer noch falsch, das Leben eines Menschen in nur einem Satz zu beenden.

„Gut.“

Unwillkürlich versteifte John seinen Rücken, aber er schluckte die Galle in seinem Mund hinunter. Mit seiner Hand fuhr er sachte über seine Brust.

„Dann können wir endlich diese Farce von einer Verlobung lösen. Seit das Haus Gold die Stadt mit Bastarden verseucht hat, ist diese Familie keinen Mainardt in irgendeiner Weise wert.“

„Gabriele hat ihn geliebt“, knurrte John. Er hasste es, wie er vor seinem Vater die Kraft in der Stimme verlor. Schwach wie der Jüngling, der er selbst noch vor ein paar Jahren gewesen war.

„Liebe zählt in dieser Welt nicht, Sohn. Was zählt, ist das Blut und die Macht, die damit einhergeht. Halte deine Linien rein, so wie wir es tun, und keine zirkarianische Linie kann ihren Stammbaum mit dem deinen mehr messen. Selbst die Severin sind eifersüchtig auf unsere Abstammung, die sich bis zu dem ersten Maxim nachverfolgen lässt.“

„Und was ist mit Mutters Familie?“

Die Zornesfalte, die sich auf der Stirn seines Vaters bildete, sollte ihm genug Anzeichen sein, um das nicht weiter auszuführen. Aber John hatte dieses Gerede noch nie leiden können. Vor Edmund und seinen Schwestern waren sie alle gleich. Kinder der Götter, geliebt und geborgen. Zumindest behauptete das die Ora.

Allerdings wusste er, dass er mit solchen Worten in ein Wespennest stach. Seine Mutter hatte seinen Vater aus Liebe geheiratet. Sie war als Vertreterin der Ora eine angesehene Partie. Doch ihr Blut war unrein und John wusste nur zu gut, dass sein Vater diese Heirat mehr als bereute. Der Spott, den ihm die anderen Familien entgegengebracht hatten, hinterließ Spuren. Spuren, die er mit aller Vehemenz versuchte, auszumerzen.

„Deine Mutter tut hier nichts zur Sache. Wie viele Mann hast du verloren?“

„Sieben.“

„Nur sieben? Damit lässt sich arbeiten.“

John verzog das Gesicht. Sieben waren sieben zu viel. Die Aufstände hatten sich noch vor ihrer waghalsigen Mission auf den Bergpässen erledigt.

„Du hast ihren Anführer getötet. Ihr habt ihn bis in die hohen Bergpässe verfolgt und dort vernichtend geschlagen. Deine Männer werden die Geschichte bestätigen.“

Die Stimme seines Vaters duldete keine Widerworte. Das Ansehen der Mainardts würde durch dieses Manöver wachsen, bis selbst der Maxim ihnen keinen Einhalt mehr bieten konnte. John wusste das und er verabscheute es, wie sein Vater das Leben dieser Männer für sich instrumentalisierte. Manchmal fühlte es sich an, als wäre der Krieg für ihn eine erwünschte Gelegenheit, ein Trittbrett zur Macht. Doch so kalt konnte selbst sein Vater nicht sein.

Eine Weile ritten sie einvernehmlich schweigend nebeneinander her. Sein Vater gönnte ihm eine Pause, von was auch immer. John hatte keine Form der Anteilnahme von ihm erwartet. Dafür war ihre Beziehung nicht eng genug. Selbst für ihn als Erstgeborenen blieb das Herz seines Vaters verschlossen.

Manchmal fragte er sich, wie seine Mutter sich in jemanden wie ihn verlieben konnte. So sehr, dass sie die Roben der Ora ablegte, um sich die Ketten einer kalten Ehe anzulegen. Sie war der einzige Makel an William Mainardt. Nicht, dass ihre Position nicht von allen geachtet wurde oder man ihr offen missgünstig begegnete. Nein, es waren ihre Emotionen. Eine lose Zunge, Worte preisgebend, die ungehörig klangen. Die offen zur Schau getragenen Tränen, das gebrochene Herz. Loraine Mainardt strahlte in allem Wärme aus, worin sein Vater kalt blieb.

„Wirst du uns bis zurück in die Südstadt begleiten?“, fragte John, weil er die Gedanken in seinem Kopf nicht mehr aushielt. Hatte er seinen Vater jemals gemocht?

„Ja. Wir besteigen von dort ein Schiff, das uns direkt in die Eisstadt bringt.“

„Aber meine Männer-“ Mit einer raschen Handbewegung schnitt sein Vater ihm das Wort ab.

„Dafür haben wir keine Zeit. Du wirst erwartet.“

Das Leder schnitt ihm in die Handschuhe, als er seine Hände um die Zügel zu Fäusten ballte. Seine Kiefer mahlten. Seine Männer verdienten es, dass er an ihren Bestattungen teilnahm, die Familien informierte.

„Wo werde ich erwartet?“, presste John unter fest zusammengebissenen Zähnen hervor.

„Im Palast des Maxims. Wir haben einen Vertrag geschlossen. Du wirst Serena Severin heiraten. Ihr Vater ist vor zwei Wochen südlich der Bleche gefallen. Der Maxim will sein Erbe absichern.“

„Lord Severin ist tot?“ John stockte der Atem.

„Ja. Du weißt, was das heißt?“

John wäre ein Idiot, wenn er nicht die volle Bedeutung verstünde. Auch wenn der Maxim normalerweise von den Logen gewählt wurde, gab es ein klares Einvernehmen darüber, dass der Familie Severin die Krone gebührte. Die Kronfamilie stellte den Maxim. Doch wenn sie ausstarben …

„Serena Severin ist gerade mal neun Jahre alt.“

„Und sobald sie volljährig ist, hältst du um ihre Hand an. Schon jetzt wird der Eispalast von Opportunisten belagert, die hoffen, die Macht an sich zu reißen.“

„Und das sind wir nicht?“ Schon wieder stieg in Johns Mund der Geschmack von Galle auf. Er hatte gewusst, dass für ihn als Erstgeborener eine Liebesheirat nicht infrage kam, aber ein neunjähriges Mädchen …

„Wir sind die Mainardts. Und du, mein Sohn, wirst eines Tages Maxim sein.“

John packte die Zügel von Bregor fester, dann presste er seine Fersen hart in dessen Flanken. Sein Vater folgte ihm nicht, sondern ließ ihn einfach davon galoppieren. Auch ohne sich umzudrehen, wusste John, dass er lächelte.

Er würde die Eisprinzessin heiraten. Ein kleines Mädchen, verkauft, wegen eines sinnlosen Krieges in einem gewalttätigen Land. Beende es, John. Zirkaria muss sich ändern. Arthurs Worte, nicht mehr als Rauch. Und sein Versprechen. Er würde alles tun, um den Willen seines besten Freundes zu erfüllen. Noch an seinem Totenbett hatte John sich hingekniet und in seine Hand geschnitten, bis rotes Blut den Schnee durchtränkte.

Ich werde es tun, Arthur. Zirkaria wird besser sein als das. Keine Kriege mehr, kein Hunger und Gabriele in Sicherheit.

Die Ehe mit Serena würde ihm genau die Macht geben, die er benötigte, um dies zu tun. Warum fühlte es sich dann falsch an? Warum fühlte es sich an, als wäre er ein Instrument in den Händen eines weit besseren Dirigenten?

Teil I

DIE KÖNIGIN

KAPITEL1

Die Waiseninsel

SERENA

Ein ohrenbetäubendes Klicken hallte durch die Höhle und vier weitere Augenpaare richteten ihren Blick auf die goldene Uhr in Serenas Hand. Die Taschenuhr war klein, das Zifferblatt von einer runden, goldenen Kappe verborgen. Nur die Krone am Rand der Uhr hatte etwas herausgeragt, bereit dazu, hereingedrückt zu werden. Sie spürte das leise Vibrieren unter ihren Fingern, ein Rauschen in ihrem Blut. Es war, als würde sie die Zeit selbst in ihren Händen halten. Doch nichts geschah.

Jemand atmete scharf aus. Es musste der Rothaarige gewesen sein, denn er richtete sich auf und straffte die Schultern. „Sie funktioniert nicht“, murmelte er an Luziana gewandt.

„Wie auch? Sie hat weder den Schlüssel noch die Kette.“ Luziana verzog die Lippen zu einem spöttischen Grinsen.

„Aber vielleicht benötigt sie die nur, um ihre gesamte Kraft zu benutzen.“

Luziana zuckte mit den Schultern, dann erhob sie die Stimme. Nicht, als ob nicht jeder in der Höhle ihr Geflüster gehört hätte. „Gib uns die Uhr, Prinzessin.“ Ihre Worte duldeten keinen Widerspruch.

„Lasst sie in Ruhe“, knurrte Leander. Serena wusste nicht, wie, aber irgendwie war er ihr näher gekommen. Noch zu weit entfernt, um sie zu berühren, aber nah genug, um sich im Notfall vor sie zu werfen. Nicht, dass er das tun würde … Andererseits. Sie sah seine Hand, fest zur Faust geballt, bereit, sie alle in die Luft zu jagen.

Als hätte er ihren Blick bemerkt, fixierte Leander sie mit seinen dunklen Augen. Eine Frage stand darin, dicht gepaart mit einem entschlossenen Zug um seinen Mund. Ich habe dir ein Versprechen gegeben. Er musste es nicht laut aussprechen. Sie verstand ihn auch so. Leander war bereit, für dieses Versprechen zu sterben. Wenn sie ihnen die Uhr nicht geben wollte, dann würde er ihre Entscheidung unterstützen und ihr Rückendeckung geben. Sein Tod wäre auch der Tod der Korsaren und damit der Tod der Tränen.

Wollte sie das wirklich? Würde Serena die Uhr an Luziana de la Rose weiterreichen, läge eine Waffe in den Händen der Korsarin, die den kommenden Krieg entscheiden konnte. Eine Waffe, die Zirkaria vernichten konnte. Ihre Heimat.

Unwillkürlich umklammerte Serena fester die Uhr in ihrer Hand. Das Metall fühlte sich warm auf ihrer Haut an, glatt und doch mit ein paar feinen Schnörkeln am Rahmen. Wer hätte gedacht, dass sie einmal eine solche Waffe in den Händen halten würde? Sie! Serena Severin. Eine Frau. Die Macht über Zirkaria war weiblich geworden. Das Schicksal der Männer in den Händen einer Frau.

Serena hatte in den letzten Wochen Zeit genug gehabt, um zu bemerken, wie glücklich die Zeit auf den Tränen sie gemacht hatte. Es war paradox. Sie befand sich in einer Gefangenschaft, in der sie sich freier fühlte als in der Welt, in der sie aufgewachsen war.

Dennoch hatte sie daran festgehalten, dass sie sich nicht in den kommenden Krieg einmischen würde. Egal, wie sehr sie die Bräuche von Zirkaria verabscheute. Sie würde nicht ihre Heimat verraten, niemals. Und doch stand sie hier, darüber nachsinnend, ob sie bereit war, den Mann neben ihr für halsstarrige und frauenverachtende Lords zu opfern. Damit ein Regime sich verbreitete, in dem eine Frau zu nicht mehr als der Fortpflanzung diente.

„Gib sie mir“, sagte die Korsarin vor Serena noch einmal. Sie streckte ihre Hand aus, die Handfläche auffordernd offen. Auch ohne das Mal zu sehen, wusste Serena, was unter dem roten Tuch an ihrem Handgelenk verborgen war. Die Spuren einer Folter, die Folgen von Verrat. Die Perlenkönigin gebrandmarkt und zerbrochen, für eine Welt, die am Abgrund stand. Serena hätte diese Art der Folter niemals ertragen, nicht für Zirkaria. Nicht für das, was es bedeutete.

„Was geschieht, wenn ich sie Euch gebe?“

„Wir werden Euch am Leben lassen.“

Trotzig reckte Serena das Kinn vor. „Ich will mehr.“

Luziana de la Rose hob eine Augenbraue und ließ den Arm wieder sinken. „Was wollt Ihr, Prinzessin?“

„Ich will Zirkaria.“

Sie hörte Leander neben sich aufkeuchen, drehte sich aber nicht zu ihm um. Serena wusste selbst nicht, wieso sie es laut ausgesprochen hatte oder was dieser Wunsch bedeutete. Warum sie gegen die Prinzipien verstieß, an denen sie die letzten Monate eisern festgehalten hatte.

Vielleicht war es nur ein Reflex oder aus dem Wunsch heraus geboren, nicht kampflos aufzugeben. Aber zum ersten Mal in ihrem Leben fühlte sie sich absolut sicher in einer Sache. Seit Monaten lief sie davon, unglücklich über das Erbe, das sie antreten sollte. Ein Erbe, das keines war. In einem Land, das sie im Inneren ihres Herzens immer noch liebte.

„Ich will Zirkaria“, wiederholte Serena, diesmal ganz ohne das Zittern in der Stimme. Sie machte einen Schritt auf Leander zu und umschlang mit ihrer Hand die seine.

Luzianas Augenbrauen wanderten noch weiter nach oben. „Bitte präzisiert“, sagte eine andere Stimme. Der Rothaarige war neben die Korsarin getreten und legte ihr behutsam eine Hand auf den Arm, der immer noch den Degen umklammerte. Sanft drückte er ihn hinab, die blauen Augen leuchtend vor Wachsamkeit.

„Was genau möchtet Ihr von Zirkaria?“

„Es reicht nicht, Zirkaria aus Zandun zu vertreiben. Sie werden immer und immer wiederkommen. Das muss Euch bewusst sein. Zirkaria muss sich verändern. Nur so kann das Gift aus der Erde des Nordens verschwinden.“

„Und Ihr möchtet Zirkaria verändern?“

„Ich“, Serena stutzte, als ihr die Tragkraft ihrer Aussage endlich bewusst wurde. „Ich … ja.“ Sie nickte und der Rothaarige verzog seinen Mund zu einem schiefen Grinsen. Sie kannte dieses Grinsen. Es strahlte keine Freundlichkeit aus, sondern pure Berechnung, wie ein Zwinkern des Todes höchstpersönlich. Das hier war Finnley Morgan, der Bastard.

„Gut.“ Er streckte seine Hand aus. „Dann gebt uns die Uhr.“ Kurz zögerte Serena, aber schließlich streckte sie ihren Arm aus und trat einen Schritt nach vorn.

„Halt!“ Leander schlug ihren Arm weg und zog sie zurück an seine Seite. „Schwört es“, knurrte er.

Wie auf Kommando verfinsterten sich die Gesichter von Luziana und Finnley. Mit schmalem Mund musterte die Korsarin ihren einstigen Liebhaber, betrachtete die schwarzen Striemen, die sich seinen Hals hinaufschlängelten, und das getrocknete schwarze Blut auf seiner Stirn. Ihre Miene blieb dabei für Serena undeutbar.

„Du lebst“, stellte die Korsarin fest. Ihre Stimme klang bar jeder Emotion und jagte Serena einen Schauer über den Rücken. Mit Luziana de la Rose zu verhandeln, fühlte sich an wie auf einem Seil zu tanzen, ein falscher Schritt und sie würden unwiderruflich in den Tod stürzen.

„Noch“, antwortete Leander gelassen. Zumindest versuchte er, danach zu klingen. Seine Hand um Serenas Taille erzählte eine andere Geschichte.

„Ich hätte nicht gedacht, dass dir Schwüre wichtig sind, Schwurbrecher“, sagte der Bastard und trat einen Schritt vor. Er stand leicht vor Luziana, als würde er sich bereit machen, jeden Moment zwischen sie zu springen. Endlich begriff Serena. Finnley Morgan versuchte zu vermitteln, er fürchtete sich vor dem, was Luziana Leander antun konnte.

„Ich bin vielleicht ein Schwurbrecher, Luziana, doch du hast mich zuerst verraten. In der Nacht, in der du von Bündnissen sprachst und uns gleichzeitig beraubt hast. Dir muss bewusst gewesen sein, dass ein solcher Verrat nicht ungesühnt bleibt“, zischte Leander.

Die Korsarin verzog keine Miene, sie blickte nur starr auf die Platzwunde an Leanders Stirn.

„Ihr müsst den Fluch aufheben“, verlangte Serena schnell. „Das ist meine zweite Bedingung. Nehmt das, was auch immer Ihr mit seinem Blut gemacht habt, zurück.“

„Das kann ich nicht.“

„Ihr lügt“, fauchte Serena.

Luziana schüttelte den Kopf. „Sein Tod liegt nicht in meinem Interesse und das weiß er.“ Sie nickte Leander zu. „Oder denkst du, dass ich mich auf diese Weise an dir rächen würde?“

„Das ist nicht dein Stil“, bestätigte Leander mit zusammengebissenen Zähnen.

Luziana senkte das Kinn und sah Leander tief in die Augen. Es gefiel Serena nicht, wie Leander ihren Blick erwiderte. Die Verbindung zwischen den beiden hing wie ein dünner goldener Faden in der Höhle. Für alle sichtbar, aber bis zum Zerreißen gespannt.

„Ich weiß nicht einmal, ob wir auch sterben werden, sollte das Schwarz dein Herz erreichen.“

„Werdet ihr nicht“, sagte Leander. „Ihr seid rein, ihr habt den Schwur nicht gebrochen, zumindest nicht auf diese Weise.“

Luziana drehte den Kopf weg. Schimmerten da gerade Tränen in ihren Augen?

„Wieso bist du hier, Leander? Du hast nie Interesse an der Uhr bekundet“, fragte der Bastard plötzlich. Er schien dieses Talent zu besitzen, genau in den richtigen Momenten in das Gespräch einzuschreiten, bevor es sich in eine Richtung entwickelte, die für sie alle zu schmerzhaft wurde.

„Die Uhr soll mich von deinem Fluch befreien.“ Er brauchte nicht auf die schwarzen Striemen seiner Haut zu deuten. Der Blick der Korsarin bedeutete jähes Verstehen.

„Ich glaube nicht, dass die Magie der Uhr derartig funktioniert.“

„Wir müssen es ausprobieren“, sagte Leander.

„Nicht hier“, warf Luziana ein.

„Erst, wenn du es geschworen hast.“ Leanders Griff um Serenas Taille war mittlerweile so fest, dass sie glaubte, er würde Male auf ihrer Haut hinterlassen.

Die Korsarin seufzte. „Ich werde mich Euch nicht verpflichten, Prinzessin. Meine Loyalität gilt allein den Tränen.“

„Und doch könnt Ihr die Tränen nur halten, wenn ich Euch die Uhr überreiche“, erwiderte Serena knapp.

„Ich könnte Euch töten.“ Luzianas Blick wanderte zu dem Degen in ihrer Hand, den sie immer noch nicht gänzlich auf den Boden hatte sinken lassen.

„Du bist tot, ehe du sie auch nur berührt hast“, stieß Leander aus zusammengebissenen Zähnen aus und schob sich noch ein weiteres Stück vor Serena, sodass er sie fast gänzlich verdeckte. Die Spitze ihres Degens erhob sich und verharrte kurz vor seiner Kehle. Er zitterte nicht, sondern reckte Luziana trotzig das Kinn entgegen. Dann trat er noch einen Schritt vor. Sofort quoll schwarzes Blut aus der Stelle, an der das Metall seine Haut aufgeritzt hatte.

Der Bastard neben Luziana zischte wütend und fuhr mit der Hand an seine Kehle. Man sah keine richtige Wunde, nur einen winzigen roten Punkt, auf dem sich ein einzelner Blutstropfen bildete. Der Geruch von Rosen drang Serena in die Nase und sie wandte ihren Blick zurück zu der Korsarin, die mit ihrer freien Hand das Blut an ihrer Kehle fortstrich.

„Niemand wird heute sterben. Wir brauchen einander. Für Euch ist das schwarze Blut ebenso ein Fluch wie für Leander. Ich verlange, dass Ihr eine Möglichkeit findet, ihn zu heilen. Und ich verlange, solltet Ihr den Krieg gegen meine Heimat gewinnen, dass ich die neue Herrscherin von Zirkaria werde. Mit Eurer Unterstützung.“

Luziana de la Rose kniff die Lippen zusammen und Serena war sich nicht sicher, ob die Korsarin nicht einfach nur versuchte, sich ein Lachen zu verkneifen. Schließlich klang ihre Forderung selbst in ihren Ohren irrwitzig. Noch nie hatte eine Frau über die Zirkarier geherrscht. Sie würden sie wohl kaum als Maxim akzeptieren. Aber wenn die Korsarin ihr ihre Unterstützung zusicherte, bestand zumindest die Chance, einige Zirkarier vor dem Untergang zu retten. Zumindest die, die einer Frau folgten.

„Bedeutet das, dass der Feuerbringer an unserer Seite segeln wird?“ Der Bastard musterte nun Leander, dessen Körper langsam begonnen hatte zu zittern. Immer noch schnitt Luzianas Degen in seinen Hals und ließ Blut hervorquellen. Er konnte jederzeit zurücktreten, doch er tat es nicht. Es war seine Form der Machtdemonstration. Kein Feuer. Sondern die stete Erinnerung, was geschehen würde, sollte Luziana sich gegen ihn wenden.

„Ich weiß nicht, was der Feuerbringer tun wird. Doch der Erbe der Asche wird an eurer Seite segeln.“

Luziana warf dem Bastard einen Blick zu und ließ ihren Degen sinken, als dieser zufrieden nickte. Erleichtert atmete Serena aus, nur Leanders Zittern blieb unbeeinträchtigt. Seine Verfassung war bereits vor Betreten dieser Höhle schlecht gewesen, aber jetzt drohte er beinahe zusammenzubrechen. Das Blut brachte ihn um.

„Ich schwöre es.“ Luziana strich mit ihrem blutbesudelten Finger über ihre Lippen und hielt ihn anschließend in die Höhe. „Ich schwöre es, bei meinem Blute.“

Etwas veränderte sich. Serena konnte nur nicht sagen, was genau. Es fühlte sich wie ein Zupfen in ihrem Geist an, als würde jemand ein unsichtbares Band knüpfen und sie an die Korsarin binden. Schnell trat Leander zurück und der Bastard stieß einen erleichterten Seufzer aus.

„Du musst ihr die Uhr geben, Serena“, flüsterte Leander. Er hatte ihr den Kopf zugewandt und starrte sie aus halbgesenkten Lidern an. Er wirkte immer noch angespannt, aber da lag auch etwas Verwirrung in dem Schwarz seiner Augen.

Natürlich. Schließlich hatte sie ihre Meinung geändert. Statt mit der Uhr die alte Welt für immer zu verlassen, gab sie sie nun in die Hände der Korsaren und verlangte die Herrschaft über ihre Heimat. Aus ihrer Flucht in die Freiheit waren die Ketten eines Throns geworden. Eines Throns, den sie nicht einmal besitzen durfte. Serena wusste selbst nicht, was in sie gefahren war.

Was tust du da? Seine Frage hing unausgesprochen zwischen ihnen, aber ihre Entscheidung hatte sie längst beantwortet. Weder konnte sie die Tränen Zirkaria zum Fraß vorwerfen, noch wollte sie ihrer Heimat die Herrschaft eines rothaarigen Bastards oder der Perlenkönigin zumuten.

Also trat Serena an Leander vorbei, öffnete ihre Faust und streckte Luziana de la Rose die kleine goldene Uhr entgegen.

Ehrfürchtig ergriff die Frau die Uhr und hielt sie in das schummrige Licht der Fackeln. Dann ging ihre Kleidung in Flammen auf.

KAPITEL2

Bündnisse

SERENA

„Nein“, schrie Finnley und riss an der brennenden Bluse der Korsarin. Leander stieß einen kurzen, scharfen Fluch aus, seine Hände zitterten vor Anstrengung, während Luzianas schriller Schrei die Höhlenwände erzittern ließ.

Nicht vor Schmerzen, wie Serena jetzt begriff, sondern Panik. Blankes Entsetzen brannte in ihrem Gesicht, während sie wie wild auf ihre Bluse einschlug. Leander stürzte vor, im Versuch, die Flammen gänzlich zu ersticken. Er dämmte sie ein, sonst hätten sie schon längst die Haut der Frau geschmolzen. Doch der Bastard kam ihm zuvor und versetzte Leander einen Kinnhaken. Er taumelte nach hinten und rutschte auf dem Münzhaufen unter sich aus. Serena stürzte vor und hielt ihn fest, bevor er gänzlich zu Boden gehen konnte, und blickte sich in der Höhle um.

Die Korsarin hatte sich endlich ihrer Bluse entledigt. Stand beinahe barbusig vor ihnen, nur einen Fetzen Stoff um die Brüste geschlungen. Doch dann fing das Hemd des Bastards plötzlich Flammen. Sie kletterten über seine Schultern die Brust hinab, immer hungrig, bereit, ihn zu verschlingen.

Wieder hallte Fluchen durch die Höhle. Luziana schrie und Finn riss an dem Stoff seines Hemdes.

Schweiß trat auf Serenas Stirn und sie wischte ihn hastig mit ihrer Hand fort, während sie auf die beiden Korsaren starrte, die mehr mit den Flammen als sonst etwas beschäftigt schienen. Das hier wäre ihr Moment, sie konnte sich die Uhr zurückholen, wenn sie es wollte. Das Feuer würde ihnen Rückendeckung geben.

Ein unstetes Glimmen flackerte in ihren Augenwinkeln auf und zwang sie, ihren Blick auf das Gold unter ihren Füßen zu richten. Einige der Goldberge hatten zu flimmern begonnen, wurden glasig, ein leichtes Glühen schien von dem Metall auszugehen. Von ihnen ging eine unerträgliche Hitze aus, die von den Wänden der Höhle zurückgeworfen wurde. Mit jedem Herzschlag, der verging, schien diese Hitze immer mehr zuzunehmen.

Serena drehte sich langsam um, das Pochen ihres Herzens ein wilder Trommelschlag in ihren Ohren, und da war er – zwischen den glitzernden Goldbergen kauernd, ein Schatten seiner selbst. Alexis. Die Arme um die Knie geschlungen, den Kopf darin vergraben. Er summte, kaum hörbar unter dem Geschrei, doch konnte Serena es an den Bewegungen seiner Lippen erkennen.

Flieg, flieg, flieg mein Taubenkind.Flieg hinauf aufs Meer!

„Alexis“, rief Serena und löste ihre Hände von Leander. Völlig perplex ob der fehlenden Stütze, stürzte dieser nun doch zu Boden. Serena schlitterte über die Münzberge auf Alexis zu und zog ihn an ihre Brust. Sie ignorierte die Hitze, die von seinem Körper ausging. Das leichte Brennen auf ihrer Haut, als seine glühenden Haarspitzen sie berührten.

Sanft streichelte sie ihm über den Rücken und sang. Wie hatten sie ihn vergessen können? Den Jungen, der sie überhaupt hierhergebracht hatte. Ein Pulverfass auf einer Insel, die er einst selbst in Flammen gesetzt hatte. Komm schon, Alexis. Beruhige dich!

„Ander“, rief Serena über ihre Schulter. Doch Leander hatte genau wie sie eins und eins zusammengezählt und sich aufgerappelt. Hastig stolperte er auf sie zu.

„Alexis“, rief er erschrocken und zerrte den Jungen von ihr fort. „Es geht uns gut. Es ist alles gut. Niemand ist in Gefahr.“

Seine Worte stießen auf taube Ohren. Glühende, taube Ohren.

„Serena!“ Leander wandte sich um und diesmal stand Panik in seinen Augen. „Raus hier. Verlass die Höhle, bitte.“

„Ich gehe nicht ohne dich“, erwiderte sie und wollte wieder über Alexis’ Rücken streichen. Doch Leander stieß ihre Hand fort.

„Sei nicht albern! Verlass die Höhle, wenn dir dein Leben lieb ist. Wenn du tot bist, dann nützt du deinen Leuten auch nichts mehr.“ Deine Leute. Jetzt erst bemerkte sie den Schmerz in seinen Augen. Zwar hatte sie sich gegen Zirkaria gewandt und die Uhr den Tränen in die Hand gespielt, doch hatte sie sich im gleichen Zuge auf einen Thron gesetzt und damit einer Zukunft Adieu gesagt, über die sie sich nie wirklich unterhalten hatten. Einer Zukunft, in der sie gemeinsam die alte Welt hinter sich ließen, frei zu tun, was immer sie wollten. Eine Zukunft, in der es sie beide gab. Gemeinsam.

„Serena“, knurrte Leander und gab ihr mit seiner freien Hand einen Stoß. „Geh jetzt, bitte!“

Serena zögerte. Sie warf ihm noch einen letzten Blick zu, versuchte, all das Ungesagte zwischen ihnen in Worte zu fassen, und scheiterte kläglich. Also strich sie nur ein einziges Mal über Leanders stoppelige Wange und schloss das Gefühl seiner Haut tief in ihrem Herzen ein. Dann drehte sie sich um und lief zu dem kleinen Gang, durch den sie die Höhle erreicht hatten. Luziana de la Rose und ihr Bastard waren darin längst verschwunden.

Hitze betäubte Serenas Haut und machte sie gefühllos gegenüber den Grenzen von Schmerz und Erschöpfung. Ihre Augen brannten, die Tränen darin waren längst vertrocknet. Alles fühlte sich rot an. Rotorangenes Glühen, trockene Kehlen und der Durst nach Wasser. Vor ihr lag die Dunkelheit, hinter ihr der Tod.

Serena wusste, dass Leander versuchte, Alexis’ Kräfte in Schach zu halten. Sonst wäre sie schon längst erstickt oder ein verkohlter Klumpen Fleisch. Aber selbst der Erbe der Asche hatte keine Chance gegen einen Dämon aus Feuer. Alexis würde irgendwann die Überhand gewinnen, denn er war stärker als sie alle. Leander würde ihn nicht beruhigen können. Nicht hier, auf dieser Insel, die ihn mit seiner Macht und seiner Vergangenheit verband. Er hatte sie schon einmal in Brand gesteckt, und da war er gerade erst vier Jahre alt gewesen. Jetzt konnte er womöglich die halbe Welt in Brand stecken, wenn er es wollte … oder eben nicht.

Kriechen. Schneller. Der Hitze entkommen. Serenas Bein schmerzte bei jeder Bewegung. Der Knochen immer noch porös und die Muskeln zu schwach, um einen Kraftakt dieser Art zu bewerkstelligen. Nur blieb ihr nichts anderes übrig. Sie musste voran. Immer voran, so schnell sie konnte. Bis die Hitze sie nicht mehr zu verschlingen drohte oder gänzlich verbrannte.

Etwas riss an ihrem Arm. Sie kniff die Augen zusammen, sah weiterhin nur Rot. Jemand zerrte an ihr und ihr Körper wurde nach vorne gezogen. Plötzlich wandelte sich das Rot in ihren Augen und es wich einem klaren Blau.

Das Blau schmerzte in ihrem Körper noch mehr als das Rot des Feuers und die Dunkelheit der Höhle es getan hatten. Denn dort befand sich Leander, während hier niemand war. Außer kupferne Strähnen, die im falschen Rot vor ihrem Gesicht umherflogen. Ein fremdes Fluchen und noch fremdere Männer, die sie in die Höhe hoben und aus dem Krater hervorzogen, der einmal ein Brunnen gewesen war.

Jemand sagte ihren Namen. Raunen, weitere kehlige Stimmen durchrissen die Luft und befahlen, man müsse sofort die Insel verlassen. Ein Mann mit einer Glatze zog sie zur Böschung hinab und setzte sie in ein Beiboot.

Rot. Blau. Glasiges, glühendes Gold. Warum war sie gegangen? Sie hätte ihn nicht zurücklassen dürfen. Leander, der seinen Bruder fest umschlang. Seine schwarzen Augen, die sie voller Schmerz ansahen, weil sie einem Abschied entgegenblickten, den keiner von ihnen gewollt hatte. Ihre Brust fühlte sich eng an, schmerzhaft zusammengezogen, sodass nicht genug Platz für ein Herz darin blieb. Nicht in dem Krieg, der vor ihr lag, oder für den Mann, der unter der Erde gerade sein Ende fand.

Wasser benetzte ihre Knie, als eine Welle in das Boot schwappte, während die Insel nach und nach kleiner wurde. Jemand fluchte, aber das war nichts Neues für sie. Nur waren es die falschen Flüche. Die Wellen nahmen plötzlich zu und verwirrt richtete Serena ihren Blick auf das Wasser vor ihr. Weg von der Insel, fort von Leander.

„Der Boden bewegt sich“, rief eine Stimme, die sie nicht kannte.

„Die Insel. Seht!“

Serena hob den Kopf und blickte auf das Grün, das einmal eine Insel gewesen war. Doch da war keine Insel mehr. Nicht die, die sie eben zurückgelassen hatten. Erst wurde das Grün dunkler, dann wandelte es sich zu Grau mit orangenen Rändern, dunklem Blut und lichterlohen blauen Flammen.

Das Bild vor ihren Augen zerbarst und die Wellen, die sich vor ihr aufbäumten, kippten das Boot zur Seite und schleuderten sie ins Wasser.

Das salzige Meerwasser brannte in Serenas Kehle, füllte ihre Lungen wie flüssige Eisenketten und zog sie erbarmungslos in die Tiefe. Du kannst mir vertrauen. Er hatte es versprochen. Als sie sich an seine Brust geklammert hatte, vor Angst, dass die Fluten ihr das Leben aussaugten, hatte er ihr versprochen, dass sie nicht ertrinken würde. Und nun tat sie genau das. Schwurbrecher!

Das Feuer überlebt, dafür dem Wasser zum Opfer gefallen. Welch Ironie des Schicksals. Seit sie Zirkaria verlassen hatte, landete Serena immer im Wasser. Ob in den stinkenden Kanälen von Trilla oder dem kristallklaren Meer der Tränen. Das Wasser gewann, und sie verlor. Sie floh davor, lebendig begraben zu werden, um stattdessen ein feuchtes Grab zu finden. Vielleicht war das eine bessere Lösung als ihre plötzlichen Ziele. Ein nichtssagender Plan in ihrem Kopf. Sie, die Maxim von Zirkaria. Schwachsinn. Ein Größenwahn, der sie nun allen das Leben kostete.

Heiße Blubberblasen quollen um ihren Körper, drängten sie zurück an die Oberfläche. Aber sie wollte nicht dorthin zurück. Sie hatte die Uhr an die Korsaren weitergereicht. Sie hatte ihre Heimat verraten und dennoch Leander verloren. Es war besser, mit dem Wissen zu sterben, als damit leben zu müssen.

Die Korsaren würden gewinnen, sie würden die Macht an sich reißen und die alte Welt ins Chaos stürzen. Serena zweifelte nicht daran, dass Zirkaria zerfallen würde. All das, was man über Jahrhunderte erschaffen hatte, kaputt durch eine Horde ungepflegter Barbaren. Selbst wenn die Perlenkönigin geschworen hatte, dass Serena die Herrscherin dieses Reichs werden durfte. Wer war sie? Welche Macht besaß sie, um ihre Heimat zu beschützen? Eine Prinzessin, keine Königin. Keine Maxim.

Das Salzwasser brannte in ihren Augen, fühlte sich plötzlich unangenehm heiß an. Serena bewegte die Arme, ließ den Strom unter ihre Glieder gleiten und sich an die Oberfläche tragen. Sie würde nie herausfinden, wer sie war, wenn sie starb. Wenn sie jetzt starb, würde niemand mehr übrig sein, der sich Luziana de la Rose und dem Bastard entgegenstellen konnte. Zehntausend Soldaten hatten keine Chance gegen die Uhr. Doch ein Schwur der de la Rose konnte alles ändern.

Serena machte einen weiteren Zug mit ihren Armen. Sie zog sie mühsam vor ihre Brust, streckte sie aus, um sie erneut hinter sich zu ziehen. Eins. Zwei. Leander hatte ihr nicht nur beigebracht, was es bedeutete, frei zu sein. Schwimmen. Nicht elegant oder schnell. Aber sicher, ohne die Angst, stetig zu ertrinken.

Ihr Kopf durchstieß die Wasseroberfläche, Luft raste in ihre Lungen und beruhigte ihr pochendes Herz. Eine Hand griff nach ihr und zog sie zu dem Beiboot. Sie klammerte sich an das Holz und atmete hektisch ein und aus.

Doch die Wellen unter ihr wirkten komisch. Das Wasser sprudelte heiß, kochte beinahe, als würde heiße Luft aus dem Boden aufsteigen. Aus der Tiefe.

Serena blinzelte, kämpfte gegen das Brennen in ihren Augen an, bis sie endlich das rote Flimmern in der Ferne erkennen konnte. Die Waiseninsel stand lichterloh in Flammen. Nicht nur der Dschungel, dessen Pflanzen in sich zusammenfielen. Selbst der Fels darunter schien zu glühen, zu schmelzen in eine lebendige Masse aus Asche und Glut, die das Meer zum Kochen brachte.

Dann knackte etwas in ihren Ohren. Ein Brocken des Gesteins war einfach so abgebrochen. Die Insel gespalten und zur Seite geknickt. Wasserfontänen spritzten dazwischen umher, verdrängten den Stein und begruben ihn unter sich. Wieder knackte es und der nächste Teil der Insel versank im Meer. Stück für Stück, bis nichts mehr übrig blieb als eine brodelnde Wasseroberfläche, die einmal die Heimat von elternlosen Kindern gewesen war.

„Ander.“ Serena flüsterte seinen Namen, ein letztes Mal, bevor sie sich abwandte. Er war tot.

Das zweite Mal an diesem Tag war er vor ihren Augen gestorben, doch diesmal gab es kein Husten oder Augenöffnen. Das Feuer hatte nie eine Chance, nicht gegen das Wasser.

Ein ohrenbetäubender Knall ertönte. Serena riss den Kopf herum und schrie überrascht auf.

Eine Fontäne aus weißem Wasserdampf schoss in der Mitte der Insel in die Höhe bis hoch hinauf in den Himmel. Inmitten ihr, zwei dunkle Gestalten. Serena musste die Gestalt nicht erkennen, um zu wissen, wer es war. Niemand würde es in diesem Dampf aushalten, ohne bei lebendigem Leibe gekocht zu werden. Die Fontäne verebbte und die Gestalten fielen wie zwei tote Krähen vom Himmel hinab ins Meer.

„Zu ihnen“, rief eine volltönende Stimme. Luziana de la Rose jagte ihre Crew auf die Männer, die die Insel ausgespuckt hatte wie einen ungenießbaren Snack. Aber das war egal. Die Korsarin lebte und klang unversehrt. Und wenn Luziana de la Rose unversehrt war, dann bedeutete das, dass er lebte.

KAPITEL3

Treueschwüre

SERENA

Serenas Brust hob und senkte sich in rasenden Stößen, als sie Salzwasser ausspie, das auf die rauen Planken unter ihr klatschte. Die letzten Minuten waren wie im Traum an ihr vorbeigezogen. Männer und Frauen, Schreie, Hände, die an ihr gezerrt hatten. Sie hatten sie auf dieses Schiff gebracht, vollkommen durchnässt und dem Tod nur knapp entronnen.

Leanders Schwimmstunden hatten zwar dazu gereicht, sie am Leben zu erhalten, zu mehr jedoch nicht. Ander!

Keuchend stemmte sich Serena nach oben und strich sich die nassen Strähnen aus dem Gesicht. Um sie herum ließen sich andere Gestalten schwer auf die Planken fallen, ihre Kleidung triefend, die Augen leer vor Erschöpfung. Leander befand sich nicht unter ihnen.

„Was ist geschehen, Luzi?“

Ein glatzköpfiger Mann stürzte auf eine der Frauen neben Serena zu. Sie wandte den Kopf. Schwarze Haare, grüne Augen. Luziana de la Rose befand sich direkt neben ihr, vielleicht war sie es sogar gewesen, die sie an Bord des Schiffes gebracht hatte.

Die Korsarin nahm die ausgestreckte Hand des Mannes an und ließ sich aufhelfen. „Hast du es auch gespürt, das Vibrieren?“

Er nickte und zog sie eng an seine Brust. „Ich dachte, dir sei etwas zugestoßen!“

„Nein. Es war die Uhr. Leander hat sie gefunden, Vater. Sie war die ganze Zeit auf der–“

„Ruhig. Nicht hier, Luzi“, unterbrach der Mann sie und drückte sie noch enger an sich. Die Frau ließ ihn tatsächlich gewähren, aber fuhr mit ihrer Geschichte unberührt fort.

„Er hatte einen Jungen bei sich. Er hat die Macht des Feuers in sich, aber ohne es zu beherrschen. Die Insel“, sie hustete erneut, „er hat die Insel in Schutt und Asche gelegt. Wir konnten nur rechtzeitig fliehen, weil Ander ihn aufgehalten hat.“

„Wie kann das sein?“, fragte der Mann entgeistert.

Luziana zuckte ratlos mit den Schultern und löste sich aus der Umarmung des Mannes. Ein Fluchen erklang und beinahe synchron wandten sie sich der Reling zu. Erst sah Serena rote Haare, dann blickte sie in das Gesicht des Bastards. Vor Anstrengung presste er die Zähne aufeinander, die Augenbrauen zu einem entschlossenen Ausdruck verengt. Über seiner Schulter hing eine leblose Gestalt.

„Ander“, rief Serena und rannte auf den Korsaren zu. Doch zwei Männer kamen ihr zuvor und zogen Leander von Finnleys Schulter. Wie ein nasser Sack fiel er auf die Holzplanken, wie es Serena zuvor getan hatte, und begann zu husten.

„Lasst mich durch!“ Kräftiger, als sie es selbst von sich erwartet hatte, stieß sie die Männer zur Seite und sank vor Leander auf die Knie. Sanft strich sie ihm die Haare aus der Stirn. Es klebte immer noch etwas getrocknetes schwarzes Blut daran. Selbst Hitze und Salz hatten es nicht gänzlich fortwaschen können. „Alles in Ordnung mit dir?“

Ein Husten schüttelte Leanders Körper, und seine Lider zuckten, als würde er gegen eine unsichtbare Last ankämpfen, bevor sein Blick kurz den ihren traf und wieder erlosch.

Mit einer viel zu mühelosen Bewegung zog er Serena zu sich runter, sodass sie das Gleichgewicht verlor und auf seine Brust fiel. „Du lebst“, stöhnte er erleichtert. Trotz der Nässe seiner Kleidung strahlte er eine unnatürliche Hitze aus.

„Du auch!“, flüsterte Serena und legte sich enger an seine Brust. Sekundenlang verharrten sie so, ließen zu, dass ihr Atem sich beruhigte und sie einfach beieinander waren. Lebten.

Serena wusste, dass die Korsaren um sie herum sie beobachteten, aber das störte sie nicht. Leander lebte und das war alles, was zählte.

Viel zu früh lockerte Leander seinen Arm. „Wo ist Alexis?“

Serena erstarrte. „Ich– ich weiß nicht.“ Hastig richtete sie sich auf. Wie hatte sie den Jungen vergessen können? Der Junge, der für all das Chaos verantwortlich war. Der eine ganze Insel dem Erdboden gleichgemacht hatte.

„Wenn du den Feuerdämonen meinst. Er ist in sicherer Verwahrung!“ Luziana de la Rose stand neben ihnen. Die Arme vor der Brust verschränkt und dem Ausdruck in ihrem Gesicht nach zu urteilen, alles andere als amüsiert.

Sofort versuchte Leander, sich aufzurichten, doch seine Arme knickten bei der kleinsten Belastung unter seinem Körper ein. Keuchend rollte er sich zurück auf den Rücken, die Augen fest zusammengekniffen.

„Ich verlange seine Auslieferung!“

„Ich verlange meine Insel zurück“, sagte Finnley Morgan, der neben sie getreten war.

„Es ist nicht deine Insel“, erwiderte Leander wütend.

„Du meinst, es war nicht meine Insel. Nein, aber es war die Insel der Kinder Morgans und dein kleiner Feuerdämon hat sie versenkt. Daher kannst du vielleicht verstehen, dass wir ihn nicht in der Nähe von Lunation haben möchten.“

„Dann gebt ihn mir und ich segele davon. Das wäre euch doch das Allerliebste.“

„Nein“, sagte Luziana direkt. Ihr Blick war starr auf einen Punkt über Leander gerichtet. Nur befand sich dort nichts. Sie konnte ihn nicht einmal ansehen.

„Du hast gesagt, du wirst an unserer Seite segeln, also halte dich zumindest an dieses Versprechen.“

„Nicht, wenn ihr mir nicht den Jungen aushändigt.“ Die Tatsache, dass er von Alexis sprach, als wäre er nicht sein eigenes Fleisch und Blut, jagte Serena einen Schauer über den Rücken. Aber Leander besaß vermutlich nicht mehr die Kraft für die Feinheiten der Diplomatie. Nicht so wie sie.

„Gebt uns den Jungen und wir segeln mit euch bis nach Zirkaria. Ihr habt mir einen Schwur gegeben und wir werden uns an euch halten. Aber der Junge ist gefährlich. Nur Leander kann ihn kontrollieren. Wenn ihr die beiden voneinander trennt, könnte es zu einer weit schlimmeren Katastrophe kommen als die, die sich eben ereignet hat.“

„Dann sollten wir ihn besser töten.“ Der Bastard strich sich müde die Haare aus dem Gesicht. „Niemand sollte über eine derartige Macht verfügen.“

„Nein“, gab Serena zu. Es tat ihr weh, auf diese Weise über Alexis zu sprechen. Nur würde sie gerade alles sagen, um ihn zu retten. „Andererseits wäre er die perfekte Waffe. Wieso ihn nicht auf Spur bringen und gegen Zirkaria einsetzen? Der Junge unter Eurer Kontrolle könnte viel Macht bedeuten.“

Beruhigend legte Serena Leander eine Hand auf den Oberarm. Hoffentlich verstand er das Zeichen. Er hatte es mittlerweile geschafft, sich auf seine Ellenbogen zu stützen und lag nicht mehr ganz so wehrlos vor ihnen.

„Nur haben wir nicht die Kontrolle über ihn“, entgegnete Luziana und zog die Augenbrauen nach oben.

„Wir nicht, Luzi, aber er.“ Finnley nickte in Richtung von Leander und Luziana stieß einen schweren Seufzer aus. Auch ohne es auszusprechen, wusste Serena, dass sie Leander nicht vertrauten. Trotzdem schien es ihnen auszureichen, um Alexis vorerst am Leben zu lassen.

„Wir werden neben euch segeln. In fünf Tagen ist das Treffen der Acht auf der Toten Insel. Die Uhr ist in deinen Händen, Luzi. Ich nehme den Jungen und halte ihn unter Kontrolle. Dort können die Acht entscheiden, wie es weitergehen soll“, sagte Leander plötzlich. Er klang erschöpft und seine Arme zitterten vor Anstrengung. Doch er blieb auf sie gestützt. Der letzte Rest an Stolz, der ihm noch blieb.

„Woher weiß ich, dass du nicht bei der nächsten vielversprechenden Brise weg bist?“, erwiderte die Korsarin und streckte das Kinn vor. Sie sah ihm weiterhin nicht in die Augen. Aus der Entfernung musste es wirken, als blickte sie ihn an, doch aus der Nähe konnte jeder erkennen, dass ihr Blick den seinen nicht ein einziges Mal streifte.

„Ich werde auf seinem Schiff sein und ich behalte mir vor, Euch an das Versprechen zu erinnern, das Ihr mir gegeben habt.“

„Ich habe Euch etwas geschworen, Ihr mir nicht ein einziges Wort.“ Luziana verengte ihre Augen zu Schlitzen.

„Und dennoch tragt Ihr eine goldene Uhr um Eure Brust.“ Vielsagend blickte Serena auf das Gold, das halb verborgen unter ihrer Bluse schimmerte. Die Uhr – sie ruhte noch immer schwer um ihren Hals.

Luzianas Hand fuhr wie von selbst an das Metall, doch der Bastard hielt ihr Handgelenk fest. Er hatte die Lippen fest zusammengepresst und schüttelte nur leicht den Kopf. Luziana ließ die Hand sinken und legte sie stattdessen auf den Knauf ihres Degens.

„Vater?“ Der Mann mit der Glatze trat vor und musterte Leander und Serena vor sich.

„Ihr bekommt ein Beiboot. Rudern müsst ihr selbst. Ich nehme an, die Black Soul liegt nicht weit von hier vor Anker.“

Leander schüttelte nur den Kopf, während Serena keine Ahnung hatte, wo genau sie sich eigentlich befanden.

„Danke“, sagte Leander und sank zurück auf das Holz.

„Dankt nicht mir, sondern dem Blut, das in Euren Adern fließt. Ich hätte nie gedacht, dass es einen mal schützen würde, wenn man einen Schwur gegenüber einem de la Rose bricht“, sagte Luzianas Vater. Luzianas Vater. Der Rosenkavalier.

Serena ruderte. Sie war noch nie in ihrem Leben gerudert, aber irgendwie gelang es ihr, die Paddel in die Wellen zu drücken und ihr kleines Boot vorwärtszubewegen.

Stück für Stück kamen sie dem Viermaster, dessen nachtschwarze Segel eingeholt an den Masten ruhten, näher, bis sie endlich von der Crew entdeckt wurden. Schreie wurden laut. Zwei Männer sprangen ins Wasser und schwammen zu ihnen herüber. Sie kletterten in das sich gefährlich zur Seite neigende Boot, nur um Serena die Paddel aus den schmerzenden Armen zu reißen.

„Ihr lebt“, sagte einer von ihnen. Drews besorgte Miene tauchte vor ihrem Gesicht auf und sie spürte, wie jemand an ihr rüttelte.

„Was ist geschehen? Wir dachten, ihr seid tot. Erst erschien die Red King, dann haben wir eine Explosion gehört und der Ozean hat angefangen zu beben. Die Männer wollten für euch in die Schlacht ziehen, doch ich habe sie gerade noch zurückgehalten. Aber das Licht am Himmel. Ich habe so etwas noch nie gesehen. Es war, als hätte der Himmel Feuer gespuckt. Bei Morgan, was ist geschehen, Käpt’n?“ Seine letzten Worte schrie er beinahe in Leanders Gesicht. Leander hatte sich vor Kraftlosigkeit kaum rühren können. Auch wenn er angeboten hatte, zu rudern, war offensichtlich gewesen, dass ihn das Gespräch mit Luziana die letzten Kräfte gekostet hatte. Nicht zu vergessen Alexis. Der Junge schlief so fest, dass ihn nicht einmal das Gebrüll von zehn Löwen hätte wecken können.

„Bring uns einfach an Deck, Drew. Bitte. Danach segeln wir der Red Queen hinterher. Wir nehmen an der Versammlung der Acht auf der Toten Insel teil. Fragen kann ich später immer noch beantworten.“ Beinahe liebevoll tätschelte Leander die Wange seines ersten Offiziers und schloss dann wieder die Augen. Auch über Serenas Geist senkte sich so langsam die Dunkelheit. Sie stöhnte einmal, dann sank sie nach vorne, direkt an Leanders Brust. Sie hörte noch, wie sein Brustkorb unter ihrer Berührung zufrieden brummte.

KAPITEL4

Salzkrusten

SERENA

Als Serena erwachte, spürte sie etwas Weiches unter sich, das sich nicht wie eine Decke anfühlte. Dafür war es zu warm und bewegte sich zu sehr.

Ruckartig fuhr sie mit dem Kopf nach oben. Sie befand sich in einer Kajüte, draußen wippte vor dem kleinen Bullauge die See auf und ab, während unter ihr Leander seelenruhig schlief. Seine Brust hob und senkte sich langsam, die Augen waren fest geschlossen. Im Schlaf wirkte er jünger, die Falten an Stirn und Augenwinkeln waren weicher und die Narbe auf seiner Wange fast unsichtbar unter dem Bart, den er sich hatte stehen lassen. Eine weiße Kruste überzog sein Gesicht bis hin zum steifen Kragen seines Hemdes. Vorsichtig strich Serena darüber. Salz. Es überzog sie beide. Selbst hier im Süden ließ es sie nie ganz los.

Serena konnte sich an die Ankunft auf der Black Soul nicht erinnern. Jemand musste sie in Leanders Kajüte gebracht und auf seiner Koje abgelegt haben. Sie hatte keine Ahnung, wie lange sie seitdem geschlafen hatten. Aber es reichte wohl aus, um ihre Kleidung zu trocknen und den Drang nach frischem Wasser in ihrer Brust unabdinglich werden zu lassen.

Möglichst ohne Leander zu berühren, erhob sie sich aus dem Bett und wurde sofort mit einem Ächzen des Holzes bestraft. Erschrocken warf sie Leander einen Blick zu, doch dieser rührte sich nicht.

Auf Zehenspitzen schlich sie zu dem kleinen Tisch am anderen Ende der Kajüte und goss sich aus dem Krug etwas verwässerten Wein in den Becher. Sie nahm ein paar große Schlucke und atmete erleichtert auf. Dann musterte sie die Kajüte aufmerksamer. Es war nicht so, dass sie sich hier nicht auskannte. Auf ihrer Fahrt zur Waiseninsel hatte Serena mehrfach mit Leander gespeist, auch wenn sie zum Schlafen in ihre eigene Kajüte gegangen war. Aber es war etwas anderes, die Kajüte ohne die wachsamen Augen des Kapitäns zu betrachten. Neben dem großen Schreibtisch gab es noch ein kleines Bücherregal, eine Truhe und eine Kommode, auf der jemand tatsächlich zwei kleinere Waschschüsseln deponiert hatte. Beide waren angefüllt mit frischem Wasser. Dieses seltsame Zahnpulver, das viele der Adligen benutzten, fand sich in einer Dose und direkt daneben lagen eine Haarbürste und ein kleiner Handspiegel. Neugierig nahm Serena den Spiegel in die Hand und unterdrückte jäh den Drang, ihn gegen die Wand zu schmettern. Sie sah furchtbar aus. Ihre hellblonden Locken waren schmutzig und verknotet und auf ihrer Haut hatten sich dicke Salzkrusten gebildet. Hastig, nachdem sie sich vergewissert hatte, dass Leander weiterhin schlief, wusch sie sich notdürftig und bürstete die Knoten aus ihren Haaren. Sie träufelte etwas von dem Pulver auf ihre Zähne und genoss den frischen Geschmack in ihrem Mund.

Zwar fühlte sie sich jetzt besser, aber ihre Haare wirkten wie durch einen Wirbelsturm gedreht, wirr standen sie ihr vom Kopf ab und ließen sie wie eine Verrückte wirken. Seufzend tauchte sie ihre Finger in die Waschschüssel und verteilte das Wasser so lange auf ihrem Haar, bis die Locken wieder einigermaßen in Form waren. Dann schälte sie sich aus ihrem Kleid. Es war starr vor Salz und roch nach Meerwasser, und in ihrer Kabine nebenan würde sie sicher etwas Besseres finden. So lange würde ihr Unterkleid reichen müssen.

Bevor sie sich aus der Kajüte schleichen konnte, fiel ihr Blick auf die Schlafkoje. Dort, zu den Füßen des Bettes, lag ein Paar lederner Stiefel. Ihre Stiefel. Sie musste sie ausgezogen haben. Ohne groß nachzudenken, trat sie erneut auf Leander zu und … hielt inne.

Wieso floh sie eigentlich aus seiner Kajüte? Es war ja nicht so, dass ihr jemand verboten hatte, mit ihm allein zu sein. Sie konnte auch einfach hierbleiben. Es war ihre Entscheidung, ihr Leben. Zögerlich setzte sie sich auf die Koje und betrachtete den Korsaren vor sich. Er sah müde aus, abgekämpft, aber auch irgendwie zufrieden. Die schwarzen Striemen auf seiner Haut waren immer noch zu sehen, aber sie schienen nicht mehr ganz so deutlich, beinahe blass.

Erst zögerlich, dann mutiger strich sie über seine Wange. Mit dem Bart fühlte sie sich anders an, aber trotzdem rau nach der Haut eines Mannes, der sein Leben lang unter der Sonne gelebt hatte.

Bei ihrer Berührung flackerten seine Augenlider. Er stieß ein zufriedenes Brummen aus und griff nach ihrer Taille. Mit einer einzigen Bewegung hatte er sie zurück auf die Koje gezogen, in seine Arme.

„Guten Morgen“, flüsterte er in ihr Ohr und gab ihrem Hals einen Kuss. Serena lachte laut und versuchte, sich von ihm loszumachen, aber es gab kein Entrinnen. Selbst wenn sie es gewollt hätte.

Sie küsste ihn auf die ausgetrockneten Lippen und er stieß ein genüssliches Seufzen aus. „Du hast überlebt, Prinzessin!“, sagte er und verwuschelte ihre eben noch durchgekämmten Haare. „Du auch!“, sagte sie und legte ihren Kopf auf seiner Brust ab, damit sie seinen Herzschlag hören konnte. Sie hatten beide überlebt, auch wenn es haarscharf gewesen war.