Erhalten Sie Zugang zu diesem und mehr als 300000 Büchern ab EUR 5,99 monatlich.
Für Einsteiger als auch für Profis ein ideales Arbeitsbuch. Eine Fundgrube für die tägliche Praxis. Mit über 3'000 verkauften Exemplaren wurde es zu einem Standardwerk für hypnosetherapeuten. 5, 4, 3, 2, 1, ich tipp dir auf die Stirn, zurück, zurück, zurück". Wenn Hanspeter Ricklin zusammen mit seinen Klienten deren Unterbewusstsein beleuchtet, geht es ganz tief rein. Bis dahin, wo der Ursprung ihres Problems ist. Dieses wird dann aufgelöst. Das erreicht Ricklin durch das, was er eine "Neubewertung" der damaligen Situation nennt: Negative Gefühle werden neutralisiert. Aufdeckende & auflösende Hypnose nennt sich dieses Therapie-Verfahren. Ricklin hat es in jahrelanger Praxis erprobt und perfektioniert. Über 3000 Menschen konnte er so bereits helfen, sich zu befreien – von Waschzwang, Nikotin- und Alkoholsucht ebenso wie von Übergewicht, Selbstverachtung, Phobien oder Ängsten. SCHRITT FÜR SCHRITT PRAXISBEISPIELE In seinem Hypnose-Lehrbuch "Regressionshypnose" erklärt Ricklin Schritt für Schritt und auch für Laien verständlich, was Hypnose ist, wie sie funktioniert, welche Techniken dabei eingesetzt werden und welche sich wann am besten eignen. Er erklärt den genauen Ablauf einer Sitzung und die einzelnen Fachbegriffe von der Affektbrücke bis zum ISE so, dass es jeder versteht. Für angehende Hypnose-Therapeuten sowie für Seiteneinsteiger gibt er aus eigener Erfahrung zudem Tipps für den Berufseinstieg. Ausführlich widmet er sich der Entwicklung der Hypnose vom Altertum bis heute. Besonderer Höhepunkt des Buches ist der ausführliche Praxisteil mit Schilderungen von Fällen aus Ricklins Praxis. In einer Lehrhypnose protokolliert er schließlich Wort für Wort an einem konkreten Beispiel den Ablauf einer Hypnose-Sitzung. FÜR HYPNOTISEURE, PSYCHIATER, PSYCHOLOGEN UND INTERESSIERTE LAIEN Dieses Buch richtet sich vor allem an angehende und praktizierende Hypnose-Therapeuten. Es eignet sich aber auch sehr gut für Psychotherapeuten und Psychiater, die zusätzlich Hypnose anbieten oder sich einfach informieren möchten. Nicht zuletzt gibt es aber auch interessierten Laien hilfreiche und wertvolle Einblicke in die älteste und effektivste Methode, Menschen ein beschwerdefreies, glückliches und erfolgreiches Leben zu ermöglichen.
Sie lesen das E-Book in den Legimi-Apps auf:
Seitenzahl: 487
Veröffentlichungsjahr: 2020
Das E-Book (TTS) können Sie hören im Abo „Legimi Premium” in Legimi-Apps auf:
Hanspeter Ricklin
RegressionsHypnose
Probleme aufdecken und auflösen, Situationen neu bewerten
Wie, noch ein Buch über Hypnose? Gibt es davon nicht schon genug? Ist nicht längst alles gesagt? Ich gebe zu, dass diese Fragen nur allzu berechtigt sind. Auch ich stelle sie mir bisweilen, wenn ich auf ein neues Literaturwerk über Hypnosetherapie stoße.
Als das Lesen eines solchen mich mal wieder etwas desillusioniert von meinem Ohrensessel aufstehen ließ, hatte ich genug.
Ich fragte mich, warum es eigentlich praktisch keine Fachbücher über die von mir seit vielen Jahren praktizierte, aufdeckende und auflösende Regressionshypnose gibt. Am Thema kann das nicht liegen, denn dieses moderne Hypnose-Verfahren ist hoch effizient und folgt einem einfachen Workflow. Ich beschloss daher, die Sache selbst in die Hand zu nehmen; all das, was die aufdeckende und auflösende Hypnose wirklich ist und kann, in einem gut lesbaren, ebenso fachlich fundierten wie verständlichen und unterhaltsamen Buch abzubilden, das gleichzeitig auch spannend ist. Denn Hypnose wirkt nicht nur auf einfache und effektive Weise, sondern sie bringt uns auch an längst vergessene Orte oder zu verdrängten Ereignissen in der Kindheit zurück. Und sie kann, richtig angewendet, das Leben nachhaltig positiv verändern. Wie ich das gemeinsam mit meinen Klienten hinbekomme, werde ich Ihnen in diesem Buch anschaulich schildern.
Die Idee, selbst ein Buch über Hypnose herauszugeben, hatte ich freilich nicht erst an jenem Abend im Ohrensessel. Es hatte bis dahin vielleicht einfach nur der Zündfunke gefehlt – und ein geeigneter Autor, der mich dabei unterstützen könnte. Diesen fand ich in dem Journalisten Michael Gänzler, der sich seit einigen Jahren mit dem Thema Hypnose beschäftigt, also das nötige Expertenwissen mitbrachte.
Freilich war die ursprüngliche Idee für das Buch eine andere.
Denn seit Jahren arbeite ich mit meiner Methode der aufdeckenden Hypnose erfolgreich unter anderem auch mit Menschen, die mit der Diagnose Burnout in verschiedensten Therapien stecken. Nie hatte ich jedoch einen Fall mit der Diagnose „Burnout“, bei dem tatsächlich zu viel Arbeit Ursache war. Man brennt nicht durch die Arbeit aus, sondern weil man mit der Umgebung, dem Chef, der Art der Tätigkeit und wie sie auszuführen ist oder mit dem Anspruch an sich selbst nicht zurechtkommt. Auch das Festhalten an einer Beziehung mit dem falschen Menschen oder falsch verstandene Höflichkeit, die zu häufigen, überfordernden Gefälligkeiten führt, können Burnout-Verursacher sein.
Die wahren Ursachen von Burnout – Anker beziehungsweise Trigger aus der Jugend sowie die Ängste, die dahinter stecken: Darüber wollte ich ursprünglich also schreiben.
Konkret reifte der Plan, unter die Buchautoren zu gehen, letztendlich, als meine Frau mir über die Weiterbildung zum Thema Burnout berichtete, an der sie von Berufs wegen teilgenommen hatte. Sie arbeitet in einem Altersheim. Der Dozent hatte den Teilnehmern dem Bericht meiner Frau zufolge erklärt, dass Burnout durch Überforderung entstehe und man sich zu wenig Pausen gönne. Man habe angesichts der herrschenden Arbeitsbedingungen, Vorgaben und Anforderungen in diesem Beruf aber praktisch keine Chance, auf sich selber zu schauen. Und wer im Burnout drin stecke, der komme da selber nicht mehr raus. Es helfe nur sich abzugrenzen. Wie dies konkret gelingen kann, hatte der Vortragende auf Nachfrage einer Teilnehmerin allerdings nicht sagen können.[1] Meine Frau war deshalb sehr frustriert von der Weiterbildung nach Hause gekommen. Diese sei „sehr informativ, aber ohne praktischen Wert“ gewesen.
Ich nahm mir vor, diesen praktischen Wert zu liefern. Mit dem vorliegenden Buch ist es soweit. Freilich geht es in diesem nicht speziell um Burnout. Ich habe sehr schnell gemerkt, dass eine solche Einengung des Blickwinkels der aufdeckenden, auflösenden Regressionshypnose nicht gerecht würde. Sie ist, wie wir noch sehen werden, eine universell einsetzbare Methode. Daher wollte ich einen Schritt weitergehen und aufzeigen, was alles möglich ist.
Dass ein Lehrbuch über meine Art zu hypnotisieren entstehen würde, ahnte ich zu Beginn des Projektes nicht. Für was Frust und Langeweile im Ohrensessel doch gut sein können …
Noch ein Buch über Hypnose also. Denn es ist noch längst nicht alles gesagt. Und wir alle, die wir uns mit Hypnose beschäftigen, Hypnose bei uns selbst oder anderen Menschen anwenden und für die diese wunderbare Therapieform zu praktizieren vielleicht sogar Berufung ist, haben noch viel zu tun. Das Berufsfeld beziehungsweise der Markt für Hypnosetherapien ist, gelinde gesagt, stark ausbaufähig, denn die Menschen schlucken Tabletten wie die Wahnsinnigen: Die Pharmaindustrie setzte laut des Branchendienstes IQVIA im Jahr 2017 allein in Deutschland rund 41,5 Milliarden Euro um. Sie erwirtschaftet damit dem Statistischen Bundesamt zufolge fast ein Prozent der Bruttowertschöpfung.
Die Menschen in diesem Land geben pro Kopf fast 575 Euro pro Jahr für Arzneimittel aus.
Eine Hypnosetherapie kostet in der Regel weniger – und die Ausgabe fällt nur einmal an. Weltweit betrachtet, ist der Pharmamarkt sogar ein Billionengeschäft. Dazu noch eine Zahl: Ein mit Experten des Gesundheitsministeriums, des Versicherungsamtes und der gesetzlichen Krankenkassen besetzter Schätzerkreis prognostizierte für das Jahr 2018 Ausgaben im deutschen Gesundheitswesen in Höhe von rund 236,4 Milliarden Euro – eine Steigerung um noch einmal zehn Milliarden Euro gegenüber dem Jahr zuvor.[2] Viele dieser Milliarden könnten eingespart werden, wenn man die gesundheitlichen Probleme der Menschen an der Wurzel behandeln würde, statt nur die Symptome zu kurieren. So verweist etwa Rainer Schäfert, Chefarzt Psychosomatik an der Universitätsklinik Basel, darauf, dass eine Behandlung in Hypnose die Nebenwirkungen medikamentöser Therapien vermeidet, selbst aber keine Nebenwirkungen hat: „Hypnose kann dabei helfen, Kosten einzusparen.“ (Schäfert)[3].
Bei den Menschen ist diese Botschaft aber noch nicht angekommen.
Laut einer Umfrage des Online-Netzwerkes Statista vom Oktober 2016[4] kennt die Hälfte der 18- bis 29-Jährigen in Deutschland den Begriff Hypnose nicht, interessiert sich nicht dafür oder lehnt eine Hypnosetherapie rundweg ab. Lediglich vier Prozent haben es schon einmal mit einer solchen versucht. Immerhin 45 Prozent der Befragten gaben an, sich eine Hypnosetherapie als Möglichkeit vorstellen zu können. Ein Prozent geht sogar regelmäßig zur Hypnose.
Wie bitte, regelmäßig zur Hypnose?
Sehr erstaunlich! Wer das muss, sollte über einen Wechsel des Therapeuten nachdenken, denn dieses Therapieverfahren ist kein Perpetuum mobile. Im Idealfall, der eher Regel als Ausnahme ist, sollte das Problem, weswegen Menschen zu mir in die Praxis kommen, in maximal drei bis vier Sitzungen aufgelöst sein. Ich werde Ihnen in diesem Buch zeigen, dass das kein Hexenwerk ist.
Wenig erstaunlich also, dass sich in einem so großen Bereich des Nichtwissens Vorurteile, falsche Vorstellungen und fake news über Hypnose hartnäckig halten können.
Wenn ich gelegentlich die aktuellen News-Beiträge über Hypnose überfliege, die mir die Internet-Suchmaschine Google anzeigt, stehen mir bisweilen die noch vorhandenen Haare meilenweit zu Berge.
Da betitelte zum Beispiel der Autor eines Berichts über die Pläne, mit denen der deutsche Autozulieferer Bosch den Nutzern von Elektrofahrzeugen die Angst davor nehmen will, mangels Reichweite auf offener Straße stehen zu bleiben, doch glatt mit der Frage: „Mehr Hypnose als Therapie?“[5]
Ich fragte mich verwirrt, was diese denn nun mit dem Thema zu tun hat, außer, dass Menschen mit Hilfe einer Hypnosetherapie Ängste besiegen können – und warum der Autor zwischen Hypnose und Therapie trennt, schließlich ist die Hypnose eine Therapie. Die Antwort sollte ich erst im letzten Absatz zu lesen bekommen und sie zeigte erschreckendes Nichtwissen. Dort heißt es (inklusive Rechtschreibfehlern): „Was das System aber nach wie vor nicht kann ist die Reichweite der Akkumulatoren verlängern oder die Wartezeiten an den Ladestopps verkürzen. Insofern ist die Bosch-Psycho-Couch mehr Hypnose als Therapie in Bezug auf die Elektromobilität.“ Ein völlig verunglücktes Bild! Der Satz zeigt zudem, wie tief verankert das Vorurteil von der Hypnose als Psycho-Blendwerk ist.
Dass Hypnose in den Mainstream-Medien meist nur für spektakuläre Schlagzeilen gut ist und dort häufig in einen alternativlos falschen Zusammenhang gestellt wird, zeigt auch das Pech einer Frau aus dem Schweizer Ort Küssnacht (Kanton Schwyz). Sie hob auf Anweisung eines ihr eigentlich unbekannten Mannes 900 Franken von ihrem Konto ab und übergab ihm diese, ohne sich hernach daran erinnern zu können. Polizei und Medien vermuten dahinter eine neue Betrugsmasche, bei der die Täter ihre meist weiblichen Opfer hypnotisieren würden.[6] Tatsächlich reden sie auf die Frauen ein, bringen sie zum Lachen, hängen ihnen eine Kette um und legen ihnen einen Ring an.
Ich halte diese These der Ermittler für irreführend und unverantwortlich. Meine Vermutung ist, dass der Täter einfache Verwirrungstechniken und NLP nutzte oder die Frau schlicht übertölpelte, um sie zum Abheben des Geldes zu bringen. Hypnose wird hier nur als Vorwand oder Ausrede benutzt.[7]
Solche und ähnliche Berichte zeigen, dass es tatsächlich noch viel zu tun gibt für alle, denen das Therapieverfahren Hypnose am Herzen liegt, weil man die Menschen damit von Grund auf und nachhaltig von ihrem Leiden befreien kann. Dieses Buch will dazu einen wertvollen Beitrag leisten.
Es ist ebenso Lehrbuch wie unterhaltender, verständlicher, informativer Lesestoff.
Ich richte mich vor allem an angehende und praktizierende Hypnosetherapeuten, die sich in aufdeckender/ -lösender Regressionshypnose weiterbilden möchten. Es wird also durchaus etwas Vorwissen vorausgesetzt. Für viele Hypnosetherapeuten ist dies eine ganz neue Technik, für andere lediglich eine Variante oder eine Vertiefung. In jedem Fall lässt sich die Methode problemlos und hervorragend mit allen mir bekannten Hypnosetechniken kombinieren. Das Buch eignet sich meiner Meinung nach aber auch sehr gut für Psychotherapeuten und Psychiater, die zusätzlich Hypnose anbieten oder sich einfach informieren möchten.
Nicht zuletzt gibt es interessierten Laien hilfreiche und wertvolle Informationen über die älteste und effektivste Methode, Menschen ein beschwerdefreies, glückliches und erfolgreiches Leben zu ermöglichen.
Also: Steigen Sie mit mir in den Fahrstuhl zur Seele. Erhalten Sie Einblicke in die unermesslichen Tiefen des menschlichen Unterbewusstseins. Erfahren Sie von spannenden success stories aus meiner Praxis. Ich gewähre Ihnen in diesem Buch zudem detaillierte Einblicke in meine Arbeitsweise. Das macht dieses Buch auch zu einem für den Praxisalltag tauglichen Manual, zu einem Coach. Sie können dieses Buch in einem Rutsch durchlesen und/oder ihm als Nachschlagewerk einen Platz in Ihrem Regal geben.
Und wenn Sie nach dem Lesen dieses Buches Bescheid wissen und Ihr neu erworbenes Wissen anwenden, dann bleiben Sie dabei unbedingt sich selbst. Nutzen Sie Ihre Techniken und kombinieren Sie diese. Denken Sie daran: Unser Ziel ist immer, dem Klienten einfach, schnell und sicher zu helfen.
Viel Spaß beim Lesen wünscht Ihnen Ihr Hanspeter Ricklin
Mehr zu Burnout und Hypnose s. Pkt. „1.9.1.7 Wenn die Seele nur noch Asche ist: Mit Hypnose gegen Burnout“
https://de.statista.com/statistik/daten/studie/73331/umfrage/einschaetzung-der-einnahmen-und-ausgaben-der-gkv/
Zitat in: https://www.watson.ch/schweiz/gesundheit/379330591-hypnose-ist-in-schweizer-spitaelern-auf-dem-vormarsch-und-soll-sogar-die-kosten-senken
https://de.statista.com/statistik/daten/studie/630941/umfrage/umfrage-zur-nutzung-von-hypnose-behandlungen-in-deutschland-nach-altersgruppen/
https://www.n–tv.de/auto/Bosch-Programm-gegen-die-Strom-Angst-article20308034.html
http://www.20min.ch/schweiz/zentralschweiz/story/900-Franken-weg---stand-Opfer-unter-Hypnose--30677029
Dazu gibt es einige schöne Videos von Derren Brown, zum Beispiel dieses: https://youtu.be/DR4y5iX4uRY
Ich wurde 1954 geboren, bin glücklich verheiratet und habe vier, mittlerweile erwachsene Kinder. Meine berufliche Laufbahn begann ich als internationaler Oiltrader in der Schweizer Stadt Zug und wechselte anschließend – genau rechtzeitig – in die aufstrebende Informatikbranche. Dort war ich in den verschiedensten Positionen tätig, unter anderem als Geschäftsführer, Inhaber und Verwaltungsrat. Seit dem Jahr 2008 konzentriere ich mich aber komplett auf die faszinierende Welt der Hypnose, nachdem ich davor NLP und Hypnosen nur als Hobby gemacht hatte. Deren immense Möglichkeiten, der Spaß daran, mit Menschen zu arbeiten, und der unglaubliche Erfolg, der mir diese Therapie-Art bescherte, bestätigt meine Entscheidung jeden Tag aufs Neue und lässt mich seitdem nicht mehr über Alternativen nachdenken: Ich habe mein Hobby zum Beruf gemacht und damit meine Berufung gefunden. Dadurch konnte ich bis dato bereits Tausende von Menschen mit den verschiedensten Problemen durch Hypnose von ihrem Leiden dauerhaft befreien.
Dabei kam ich bereits im jugendlichen Alter von 14 Jahren erstmals mit Hypnose in Kontakt. Während dieser Zeit ging ich auf ein katholisches Internat, und eines Tages führte uns ein Showhypnotiseur sein Können vor. Ich war derart beeindruckt von den außerordentlichen Möglichkeiten, dass mich die Hypnose seither nie mehr ganz losließ. Zirka 18-jährig, kaufte ich zum ersten Mal ein Buch zum Thema Hypnose und wollte mich ernsthaft mit Hypnose und dem Beruf des Therapeuten beschäftigen. Doch selbst fünf Jahre später, als ich lernen wollte, Hypnose praktisch anzuwenden, war das nach Ansicht der Ausbilder noch zu früh. Sie empfahlen mir, mich in fünfzehn Jahren nochmals zu melden. Heute – viele Jahre später und mit reichlich Wissen und einer umfangreichen Lebenserfahrung – verstehe ich deren damalige Entscheidung sehr gut. Damals war ich freilich und natürlich tief enttäuscht, denn mir fiel kein Grund ein, warum ich nicht sofort mit der Hypnoseausbildung hätte beginnen können. Erst im Rückblick des weisen Mannes bin ich mir der Tragweite des damaligen Ratschlags bewusst.
Gezwungenermaßen habe ich mich in jenen Tagen anderen beruflichen Herausforderungen gewidmet. Das war okay, doch verlor ich durch den Erfolg im Berufsleben das Thema Hypnose leider viel zu lange aus dem Blick. NLP begleitete mich und immer wieder Sachbücher zum Thema Hypnose. Erst als mein beruflicher Erfolg unsanft durch eine Krankheitsdiagnose (CLL, also Blutkrebs) unterbrochen wurde, erinnerte ich mich wieder an die alte Liebe des Teenagers: die tollen Möglichkeiten der Hypnose. Ich suchte einige Hypnosetherapeuten auf und absolvierte verschiedene -ausbildungen diverser Richtungen. Dadurch erhielt ich einen umfassenden Einblick in die meisten Methoden und entschied mich für die aus meiner Sicht effektivste: die Regression, also aufdeckende und auflösende Hypnosetherapie nach Dave Elman, Gerald F. Kein (OMNI) und Cal Banyan. Es folgten fortlaufend mittlerweile über 50 Aus- und Weiterbildungen. Dabei habe ich mich immer mehr spezialisiert, denn die Wissenschaft kennt keine Pause. Quasi im Tagesrhythmus kommt die Gehirn- und Bewusstseinsforschung zu neuen Erkenntnissen. Deshalb bilde ich mich selbst heute noch permanent weiter und besuche nach Möglichkeit jedes Jahr einen Hypnosekongress. Außerdem war ich Mitbegründer und Co-Organisator des Hypnosekongresses in Zürich.
Sie ist eine Hilfe zur Selbsthilfe und ohne Gewähr oder Garantie. Das sollten Sie Ihren Klienten von Anfang an klarmachen. Körperliche und psychische Krankheiten sind vor der Sitzung unbedingt abzuklären. Gegebenenfalls ist Rücksprache mit einem Facharzt zu halten. Hypnosetherapeuten erstellen auch keine Diagnosen. Dies obliegt ausschließlich Ärzten.
Wie viele unterschiedliche Definitionen von Hypnose haben Sie schon gelesen oder mussten Sie in Seminaren beziehungsweise Ausbildungen lernen? Ich habe irgendwann einmal aufgehört zu zählen. Wenn ich gefragt werde, wie ich Hypnose definiere, erzähle ich gerne den zugegebenermaßen alten Witz vom Doktor und seinen Befunden: „Wenn du zu drei Ärzten gehst, erhältst du vier verschiedene Diagnosen.“ Fast scheint es so, als gelte bei der Erklärung des Begriffs Hypnose das Pippi-Langstrumpf-Prinzip: „Ich mache mir die Welt, widewide wie sie mir gefällt.“ Das hat im Wesentlichen zwei Gründe. Zum einen gibt es innerhalb der Hypnosetherapeuten-Branche verschiedene Richtungen beziehungsweise Schulen. Jede hat ihre eigene Herangehens- und Arbeitsweise – und damit auch eine eigene Sichtweise von Hypnose. Auf einige dieser Definitionen werde ich weiter unten noch näher eingehen.[9]
Zum anderen sind die diversen unterschiedlichen Definitionen Ausdruck verständlicher Ratlosigkeit. Denn es ist wirklich schwierig zu beschreiben, was Hypnose ist. Das liegt vor allem auch daran, dass es wohl kaum einen therapeutischen Fachbegriff gibt, der so umstritten ist, und keine Therapieform, die auf so vielen unterschiedlichen Feldern angewandt wird wie die Hypnose. Sie verbindet den Körper, also das Äußere samt rationalem Verstand, mit dem häufig Seele genannten Inneren, also dem irrationalen Unterbewusstsein. Keine Therapieform schafft es, dies so unmittelbar und direkt zu tun. Das macht die Hypnose zur Brücke zwischen Medizin auf der einen und Psychotherapie sowie Psychologie auf der anderen Seite. Zahnärzte nutzen sie bei Patienten mit Angst vor Spritzen, Anästhesisten als Alternative oder zusätzlich zum Narkotikum. Um Hypnobirthing ist, befeuert durch prominente Mütter, ein regelrechter Hype entstanden. Es verspricht entspanntes, schnelleres und leichteres Gebären und vor allem ohne Schmerzmittel. Die britische Herzogin Kate, Frau von Prinz William, gab Hypnobirthing sogar royalen Glanz: Sie hat alle ihre drei Kinder auf diese Art zur Welt gebracht. Von der jüngsten Geburt ist bekannt, dass Kate die Klinik bereits nach sieben Stunden wieder verlassen konnte.[10]Hypnose ist zudem vom Schleier des Mystischen, Esoterischen und Geheimnisvollen bedeckt.
Vor allem über die Massenmedien wird das, was sich bei der Hypnose abspielt, häufig in den Zusammenhang mit Zauberei, Schabernack oder gar Scharlatanerie gerückt. Seriöse Auseinandersetzungen mit dem Thema finden sich dort selten. Hypnose scheint im medialen Kessel Buntes nur für Schlagzeilen und Sensationsmeldungen gut zu sein. Zum Beispiel diese: „Selbstmord nach Hypnose – Mutter stürzt sich von Kreuzfahrtschiff in den Tod!“[11] Das ist zwar nicht unmöglich, aber als direkte, unmittelbare Folge einer Hypnose dann doch sehr unwahrscheinlich. Typisch an diesem Beitrag ist, dass die Leser mit der unterschwelligen Botschaft „Hypnose kann zum Suizid führen“ alleine gelassen werden. Es gibt keine Hintergrund-Informationen oder Erläuterungen, wichtige Fragen bleiben ausgeblendet, wie zum Beispiel: Was war in der Zwischenzeit, also nach der Hypnose passiert? Und wieso unterzog sich die Frau überhaupt einer Hypnosetherapie?
In die Kategorie Desinformation gehört auch der Streit eines TV-Magazins und eines Kondom-Herstellers (!) darüber, wer denn nun eigentlich und zuerst die Idee hatte, ein Menstruations-Hypnose-Experiment zu machen. Dafür wurden einige besonders suggestible Männer ausgewählt, die in Hypnose spüren sollten, welche Schmerzen Frauen erleiden müssen, wenn sie ihre Regel haben. Einen durchaus ernst zu nehmenden Aspekt – die Forensik – beleuchtet dagegen der Beitrag eines Schweizer Mediums über einen Mann aus Luzern, der sich hypnotisieren lassen wollte, um herauszufinden, wo und wann ihm ein Speicherstick abhandengekommen ist. Auf diesem hatten sich umgerechnet 850.000 Schweizer Franken in Form von Bitcoins, einer virtuellen Währung, befunden.[12] Das Ergebnis der „forensischen Hypnose“ stand bei Redaktionsschluss dieses Buches noch nicht fest.
Eine seltene Perle der Berichterstattung über Hypnose und daher noch erwähnenswert ist schließlich noch ein Beitrag der deutschen Tageszeitung „Neue Presse“ (Hannover) über den faszinierenden Fall des Wehrmachtssoldaten Heinrich Gerlach, der mitten im Krieg einen Roman über die Schlacht um Stalingrad mit dem Titel „Durchbruch bei Stalingrad“ geschrieben hatte, das Manuskript dann aber in russischer Kriegsgefangenschaft verlor. Per Hypnose ließ er sich deshalb nach seiner Entlassung zurück in den Krieg befördern, weil er die Bilder von damals neuerlich abrufen und so sein Werk rekonstruieren wollte. Das gelang tatsächlich. Der Hypnosetherapeut gab dem Russland-Heimkehrer im Laufe von 23 (!!) Sitzungen sein Gedächtnis zurück. Das Buch wurde ein Bestseller – und vor ein paar Jahren sogar das Manuskript wieder gefunden. Dieses zeigte dann aber doch ein paar Unterscheide zur via Hypnose rekonstruierten Fassung[13], wie die Analyse des Historikers Carsten Gansel ergab. Dieser stellt zum Beispiel fest: „Die Urfassung ist mit Blick auf die militärischen Gegebenheiten zwischen Oktober 1942 und dem Ende der Kampfhandlungen in Stalingrad Anfang Februar 1943 durchweg präziser. [Dem Autor] gelingt es in der Originalfassung besser, die immer aussichtsloser werdende militärische Lage der 6. Armee zu erfassen, er beschreibt atmosphärisch dichter die verzweifelte Situation der Landser und Offiziere.“ (Gansel, Carsten (Hrsg.)/Gerlach, Heinrich. Durchbruch bei Stalingrad, Berlin 2016).[14]
Das alles trägt natürlich nicht dazu bei, dass die Menschen besser verstehen, was Hypnose tatsächlich ist und kann. Dabei ist es, wie gesagt, schwierig genug, das genau zu definieren. Selbst Wissenschaftler haben meiner Meinung nach noch nicht annähernd erforscht und verstanden, was in Hypnose im Detail vor sich geht. Und die Definitionen widersprechen sich teilweise sogar erheblich. Die Verwirrung beginnt schon mit dem Namen. Hypnose leitet sich vom griechischen Wort für Schlaf (hypnos) ab. Diese Bezeichnung geht auf den britisch-belgischen Chirurgen James Braid zurück[15], der damit den „schlafähnlichen Zustand“ seiner Patienten[16] beschreiben wollte, wenn er sie in Trance versetzte. Der Name ist unglücklich gewählt, ließ sich aber bis heute nicht mehr aus der Welt schaffen, auch nicht von Braid selbst, als er bald danach zur Erkenntnis gekommen war, dass seine Patienten eben gerade nicht schlafen.
„Nicht“: Dieses Wort sollten Sie bei Ihrer Arbeit mit Klienten möglichst nicht verwenden. Grund: Viele Schulen beziehungsweise Hypnosetherapie-Richtungen gehen davon aus, dass das Unterbewusstsein, das wir in der Hypnose ansprechen, dieses Wort schlicht nicht kennt und nicht akzeptiert. Entsprechende Suggestionen verkehrt es damit ins Gegenteil. Aus meiner Erfahrung kann ich dies zwar nicht bestätigen. Trotzdem ist es sinnvoll, möglichst auf das Wörtchen „nicht“ zu verzichten, um Missverständnissen vorzubeugen. Positive Formulierungen sind ohnehin effizienter. Klienten können sich darunter zudem eher etwas vorstellen.
Um uns der Definition von Hypnose etwas zu nähern, ist das Wort „nicht“ dagegen zunächst durchaus hilfreich. Zäumen wir das Pferd also von hinten auf und streichen erst einmal von der Liste, was Hypnose nicht ist.
Zunächst einmal ist Hypnose, wie ich gerade schon betont habe, kein Schlaf und auch keine Bewusstlosigkeit, obwohl das, von außen betrachtet, durchaus so aussieht, was den Irrtum von James Braid verständlich macht. Menschen im Zustand der Hypnose haben meist die Augen geschlossen. Man kann aber durchaus auch mit offenen Augen in tiefster Hypnose sein. Das ist ein wesentlicher Unterschied zum Schlaf. In diesem Fall ist die Hypnose mit dem vergleichbar, was man gemeinhin einen Tagtraum nennt.Menschen in Hypnose sind zudem sehr entspannt und atmen gleichmäßig und ruhig – eben so, als ob sie schlafen würden. Das sieht aber nur so aus. Meine Klienten bestätigen mir das immer wieder, wenn ich sie frage, wie sich Hypnose für sie anfühlte: „Wie schlafen“ hat noch keiner gesagt. Häufiger höre ich das Wort dösen oder dämmern.[17] Tatsächlich ist ein ganz wesentlicher Unterschied zwischen Hypnose und Schlaf, dass Ihre Klienten Sie nicht nur hören, sondern das auch noch besonders gut. Die Klienten sind im Prinzip hellwach und voll fokussiert auf die Botschaften des und das Gespräch mit dem Therapeuten. Aufmerksamkeit und Konzentration sind sogar deutlich erhöht.[18] Sie bekommen im Gegensatz zu schlafenden Menschen alles, was um sie herum passiert, bewusst mit, auch wenn das meistens nichts ist, weil ein seriöser Hypnosetherapeut ein ruhiges Umfeld schafft. Bei mir tickt nur eine Wanduhr gleichmäßig und beruhigend vor sich hin.[19] Ein wesentlicher Unterschied zum Schlaf ist auch, dass Klienten sich hinterher bis ins Kleinste an die Hypnose erinnern können. Sie brauchen kein Aufnahmegerät, um die Hypnosesitzung zu dokumentieren.[20]Deshalb ist Hypnose auch nicht mit dem Narkose-Zustand vergleichbar. Wer aus der Narkose aufwacht, hat keinerlei Erinnerung.
Ich rate Ihnen, das Wort „aufwachen“ bei der Ausleitung der Hypnose tunlichst zu vermeiden. Es könnte dazu führen, dass Klienten die Suggestionen nicht annehmen, weil dieses Wort Ihre Glaubwürdigkeit in Frage stellen könnte und im Nachhinein einen Schatten auf den Rapport[21], also die vertrauensvolle Beziehung zwischen dem Klienten und Ihnen, legen würde. Es könnte in etwa intuitiv und im Inneren folgende Reaktion auslösen: „Was redet denn der da? Ich habe doch gar nicht geschlafen.“ Zweifel zerstören die positiven Effekte der Hypnose!
In Hypnose sind Menschen sehr entspannt. Sie lassen ihren Körper buchstäblich los. Das ist Voraussetzung für die therapeutische Arbeit in ihrem Inneren. So absurd es sich lesen mag, aber Hypnose ist trotzdem kein Synonym für Entspannung, denn zu dieser gesellt sich in Hypnose häufig auch die Anspannung, etwa bei der Armkatalepsie. Diese setze ich ein, um zu testen, wie tief der Klient bereits in der Hypnose ist.[22] Dabei bleibt dessen Arm oben, auch wenn ich ihn loslasse – ganz so, als ob er strecken würde wie ein Schüler im Klassenraum, wenn dieser glaubt, die Lösung einer Frage zu kennen. Auch andere derartige Tests, die ich einsetze, erfordern tatsächlich – bei aller Entspannung – höchste Anspannung. Auch die Regression in Traumata ist mit höchster Anspannung verbunden, weil es hier zu Abreaktionen[23] kommt, die von mir auch so gewollt sind. Bei der Vertiefungstechnik des Zahlenvergessens[24] dagegen beabsichtigen wir das Gegenteil. Hier lasse ich die Klienten von 100 abwärts zählen und suggeriere ihnen dabei, dass sie die Zahlen vergessen, weil sie unwichtig werden. Hier geht es nicht darum eine Anspannung auszulösen, sondern um mentale Entspannung.Entgegen einem weit verbreiteten Irrtum sind Menschen in Hypnose auch nicht beliebig steuer- und manipulierbar. Wie oben gerade erwähnt, ist die Konzentrationsfähigkeit deutlich erhöht. Das gilt auch für die Denkfähigkeit und Vorstellungskraft. Pause machen lediglich die negativen Geister, die destruktiven Kritiker und Stimmen im Inneren, der Teil des Verstandes, der Veränderungsbemühungen mit allen Mitteln zu boykottieren versucht. Das bedeutet im Umkehrschluss, dass der Wille zum Beispiel zur Veränderung durch Hypnose eben gerade nicht ausgeschaltet wird. Dieses Klischee, das über Showhypnosen, fiktive Thriller und Hollywood-Filme transportiert wurde und wird, stimmt definitiv nicht.Bitte vergessen Sie nicht: Showhypnosen sind quasi ein Finale. Die Teilnehmer haben sich zuvor in einer Art mehrstufigem Test als besonders suggestibel erwiesen und damit für dieses Finale qualifiziert. Sie vollziehen dort Handlungen oder lassen diese an sich vollziehen, die sie im Leben sonst wahrscheinlich nie tun oder sich gefallen lassen würden. Aber sie spielen in diesem Moment einfach mit. Sie haben sich freiwillig dazu gemeldet, es entspricht ihrem Willen – weil sie Spaß haben, ins Fernsehen oder auf die Bühne vors Publikum kommen wollen, aus purer Neugier oder weil sie sich etwas beweisen wollen. Aber wie gesagt: Sie tun es aus freiem Willen. Nur insoweit hat der Hypnotiseur Macht über sie.
Show-Hypnose funktioniert, weil die Teilnehmer fest daran glauben, unter der Kontrolle des Hypnotiseurs zu sein. Davon abgesehen geht es hier lediglich um den Spaßfaktor. Derlei Shows dienen nur der Unterhaltung eines sensationsheischenden Publikums. Von der Hypnose, wie wir sie verstehen und die in diesem Buch Thema sein soll, unterscheidet sich die Show- ebenso wie die Selbsthypnose lediglich im Anwendungszweck. Sie ist keine eigene Gattung und hat keinen therapeutischen Wert. Deshalb werden wir in diesem Buch darauf nicht näher eingehen. Für Showhypnosen gilt ansonsten wie in der ernsthaften Therapie: Was der Klient nicht will, weil es zum Beispiel seinen Wert- und Moralvorstellungen oder seinen Lebenszielen widerspricht, geschieht auch nicht.[25]
Niemand wird durch Hypnose zum Mörder oder verrät die Geheimzahlen seiner EC-Karte. Der Wille der Klienten bleibt erhalten und ist ganz wesentlich für das Gelingen der Therapie. Wenn jemand etwas partout nicht will, kann kein Hypnotiseur etwas aus- oder anrichten. Eine Suggestion, die nicht dem Willen des Klienten entspricht, wird dieser ganz automatisch und von innen heraus einfach abweisen. Er kann mit Ihnen in Hypnose aber auch verbal oder über Mimik und Gestik kommunizieren. Im drastischsten Fall beendet er von selbst umgehend die Hypnose.
Deswegen ist Hypnose auch keine Ohnmacht. Denn dann wären wir in Hypnose im wahrsten Sinne des Wortes ohne Macht, also dem Therapeuten vollkommen ausgeliefert. Das ist aber, wie wir gesehen haben, gerade nicht der Fall. Deshalb ist es auch nicht möglich, im hypnotisierten Zustand quasi steckenzubleiben wie mit dem Fahrstuhl und dann, überspitzt ausgedrückt, wie Dornröschen 100 Jahre zu schlafen. Würde ich mitten in der Hypnosesitzung einfach aufstehen und gehen, würde es mir der Klient wenig später bewusst und hellwach aus purer Langeweile gleichtun. Er würde danach meine Praxis aber sicherlich nie wieder betreten …Ein ohnmächtiger Mensch bekommt auch nichts mit, ein Mensch in Hypnose dagegen alles – wie ich ebenfalls schon betont habe. In Ohnmacht funktioniert Hypnose nicht, weil Letztere Ansprechbarkeit ebenso voraussetzt wie die Fokussierung auf die Worte des Therapeuten. Sie erhöht ja im Gegenteil sogar die Aufmerksamkeit. Und, ganz wichtig: Ein ohnmächtiger Mensch ist willenlos. In Hypnose dagegen kann, wie erwähnt, nichts gegen den Willen des Hypnotisierten geschehen. Er muss mitmachen, mitarbeiten. Wenn er Worte oder Suggestionen des Therapeuten ablehnt, bewirken diese rein gar nichts.
Das bedeutet automatisch, dass Hypnose auch nicht die Denkfähigkeit ausschaltet oder zu einem Kontrollverlust führt. Die gegenteilige Vorstellung wird vor allem durch Hollywood-Produktionen transportiert – meistens in Form von eher unheimlichen, Angst machenden Szenen mit zwielichtigen oder bösartigen Charakteren, die über Hypnose die Kontrolle über andere übernehmen.[26]Ein aktuelles Beispiel, wie Hypnose in Drehbüchern als Mittel eingesetzt wird, um durch Verbreitung von Angst und Schrecken Spannung zu erzeugen und Urängste vor Ohnmacht und Willenlosigkeit zu wecken, ist der Horrorfilm „Get out“ aus dem Jahr 2017. In diesem nutzt die Mutter der weißen Familie, eine Psychotherapeutin, die Hypnose, um den schwarzen Verlobten der Tochter willenlos zu machen – angeblich, um ihm das Rauchen abzugewöhnen. Sie setzt dazu einen Schlüsselreiz (Trigger)[27]: Der farbige Schwiegersohn in spe fällt als Folge der Suggestionen auf das Klimpern ihres Teelöffels hin jedes Mal umgehend in Ohnmacht. Gipfel der Horrorvorstellung ist, dass die Therapeutin dies tut, um dem jungen Mann das Gehirn eines blinden, alten Mannes einzupflanzen, damit Letzterer jung und gesund weiterleben kann. Im Film „Willenlos – eine Frau unter Hypnose“ (1995; Originaltitel „A Mother’s Deception“) wiederum geht es um eine Frau, die wegen unerklärlicher Schmerzen einen Hypnotiseur aufsucht. Dieser befreit sie zwar davon, bringt sie aber nach und nach in die Gewalt seiner Sekte.
Ein positives, wenn auch sehr vereinfacht dargestelltes Beispiel der Nutzung von Hypnose für ein Film–Drehbuch ist „Schwer verliebt“ (2001). Hier verliebt sich Jack Black nach einer Hypnose in die übergewichtige Gwyneth Paltrow, weil er unter dem Einfluss von Suggestionen die körperliche Schönheit von Frauen über deren innere Werte definiert.
Das sind allerdings Schauermärchen. Richtig ist vielmehr Folgendes: In Hypnose tritt das Denken als bewusst-rationaler Vorgang lediglich zurück, lässt dem Unterbewusstsein den Vortritt. Der kritische Verstand geht – wenn Sie so wollen – für die Zeit der Hypnose etwas Essen oder macht einen Spaziergang. Er ist dann mal kurz weg. Die Prozesse im Gehirn laufen trotzdem wie geschmiert, allerdings nicht im Sinne von rationalem Denken. Hypnosetherapeuten helfen ihren Klienten dabei, so viel Selbstbewusstsein aufzubauen, dass sie ihre anvisierten Ziele erreichen. Dies geschieht durch verstärkte Kontrolle über das eigene Leben. Und das ist das Gegenteil von Kontroll-Verlust. Gegen diesen spricht auch, dass die Klienten sich bewusst für eine Veränderung in ihrem Leben entscheiden müssen. Ansonsten ist langfristiger und dauerhafter Erfolg der Therapie sehr unwahrscheinlich.
Die Hypnosesitzung bei mir ist kein Brainstorming, keine Schmiede für Pläne, Ideen, Visionen. Freilich sind Vorstellungskraft und Fantasie trotzdem auf einem höheren Level. Beide sind Spezialgebiete des Unterbewusstseins, in das wir bei der Hypnose vordringen. Auch darauf werde ich noch ausführlicher eingehen.[28] Was wir dabei bedenken müssen, ist, dass das Unterbewusstsein Logik als solche nicht wirklich versteht. Diese ist Sache des Kopfes. Dagegen denkt das Unterbewusstsein in Bildern. Das machen wir uns zunutze, um Bilder aus der Vergangenheit abzurufen und neu erlebbar zu machen. Insofern ist Hypnose ein Nach-innen-Denken, das Zu-sich-selbst-Kommen ermöglicht.
Ebenfalls über Showhypnosen, fiktive Thriller und Hollywood-Filme gewinnen wir oberflächlich betrachtet den Eindruck, als sei Hypnose Magie oder gar ein billiger Trick aus der Kiste des Hobby-Zauberers. Aber wir Hypnosetherapeuten können – Hokuspokus fidibus – nicht mit einem Fingerschnipp oder ein paar geheimnisvollen Handbewegungen und Formeln sozusagen ein Kaninchen aus dem Zylinder zaubern. Hypnose ist kein Phänomen aus einer anderen Welt, weder überirdisch noch transzendental, weder mystisch noch esoterisch oder paranormal. Sie ist weder Geheimwissenschaft noch Deuteroskopie. Hypnosetherapeuten schauen auch weder in eine Glaskugel noch in den Kaffeesatz oder in die Karten. Hypnose ist allenfalls ein Mysterium: Seit Menschengedenken wird sie als Heilverfahren angewendet – und ist den allermeisten Menschen bis heute dennoch ein Geheimnis geblieben. Womöglich liegt das daran, dass Hypnose als sozusagen natürlichster Zustand der Welt schlicht zu unserem Wesen gehört. Zehntausendfach erlebt diesen jeder Mensch während seines Lebens, oft unbewusst, in jedem Fall automatisch – zum Beispiel unmittelbar vor dem Einschlafen und Aufwachen, beim Lesen, Autofahren, Musik hören oder wenn man ganz einfach gedankenverloren vor sich hinträumt.Auch wenn manches, was wir bei unserer Berufsausübung als Hypnosetherapeuten tun, von außen betrachtet tatsächlich wie ein Zauber erscheint oder ein wenig schräg wirkt, so vollbringen wir doch eine ernsthafte und ernst zu nehmende Dienstleistung. So wie der Friseur das Beste aus Ihren Haaren zu machen versucht und der Baustatiker die Gegebenheiten des Grundstücks (Untergrundbeschaffenheit, Steilheit, Größe) beachten muss, so müssen wir unsere Arbeit an das anpassen, was wir tief innen in den Klienten vorfinden.[29] Wir können, wie gesagt, nicht einfach nur ein paar Zauber- oder Beschwörungsformeln sprechen – und, schwuppdiwupp, sitzt ein neuer Mensch vor uns. Das ist auch nicht Sinn der Sache. Vielmehr geht es darum, mit Einfühlsamkeit, quasi detektivischem Spürsinn und der Beharrlichkeit eines Ermittlers sozusagen den Täter im Innersten des jeweiligen Klienten zu ermitteln, zu stellen und bestenfalls lebenslang hinter Gitter zu bringen beziehungsweise ihn so zu sozialisieren, dass er fortan das Leben des Klienten nicht mehr beeinträchtigen kann. Durch die Hypnose wird aus dem Störenfried, der im Innersten sein Unwesen treibt, bestenfalls ein guter Bekannter.
Hypnose ist also knallharte Realität und im Prinzip reine Psychologie. Wir wenden deren Prinzipien so an, dass das, was tief im Unterbewusstsein gespeichert ist und uns belastet, das, was wir mit negativen Folgen für unser späteres Leben erlebt haben, verändern – oder wie ich es nenne – neu bewerten können. Der Klient kann so zu dem Menschen werden, als der er eigentlich geboren wurde: unbelastet und innerlich frei. Diese Neubewertung kommt einem inneren Großreinemachen gleich. Dieses schafft eine innerliche Aufgeräumtheit, die auch nach außen strahlt. Der Mensch kommt mit sich ins Reine. Auch darauf werden wir später noch zu sprechen kommen.[30]
Das gerade Erwähnte bedeutet nicht, dass Hypnose die Persönlichkeit verändert – zumindest dann nicht, wenn sie seriös und in bester Absicht angewendet wird. Andernfalls läge Missbrauch der Hypnose vor mit der Absicht, Menschen zu verbiegen und zu manipulieren oder ihr Gehirn zu waschen, wie es etwa Sekten tun. Auch subtil versteckte, unmerklich-unterschwellig verbreitete Botschaften etwa in der Werbung, oder in Fernsehsendungen und -serien gehören im weitesten Sinne in diese Kategorie. Auch moderne Musikstilrichtungen wie Hip-Hop oder Rap werden in diesem Zusammenhang immer wieder genannt. Dabei trifft es sogar auf jede Art von Musik – mit und ohne Text – und Logomusik von Firmen zu, genauso wie auf Ansprachen bei Massenveranstaltungen, auf Presse-Erzeugnisse und das Radio. Hier wird allerdings Hypnose nicht bewusst als Mittel zum Zweck oder systematisches Verfahren genutzt, sehr wohl aber die Trance, also ein hypnotischer Zustand. Diese Unterscheidung zwischen dem Verfahren, um den Zustand herzustellen oder einzuleiten, und dem Zustand selbst finde ich ganz wichtig. Ebenfalls wichtig zu wissen ist, dass die Hypnosetherapie die Klienten nicht zu anderen Personen macht, sondern im Gegenteil sie auf sich selbst zurückführt, sie positiv denken, sich (er)leicht(ert) fühlen lässt und ihnen so zu einem glücklichen, erfüllten Leben verhilft.Noch einmal: Die Hypnosetherapie macht die Klienten nicht zu anderen Menschen, sondern zu dem Mensch, der sie eigentlich sind. An den Genen können und wollen wir nichts ändern, sehr wohl aber an dem, was sich im Laufe des Lebens durch äußere Einflüsse, gesellschaftliche Normen, Erziehung oder negative Emotionen belastend sozusagen auf diese Gene legt (Epigenetik). Das versuchen wir durch die Hypnosetherapie freizulegen und aufzulösen – immer vorausgesetzt, dass der Klient das auch wirklich möchte.
Hypnose verschafft den Klienten kein spezielles, aber ein individuelles Gefühl. Jeder nimmt dieses etwas anders wahr. Wenn man Klienten nach diesem Gefühl fragt, werden Wärme, Leichtigkeit, Schwere, Verbundenheit mit sich selbst und Vertrauen zum Therapeuten am häufigsten genannt.[31] Vertrauen heißt allerdings nicht Distanzlosigkeit oder eine wie auch immer geartete Intimität. Die Grenze setzt, darauf habe ich schon hingewiesen[32], der Wille der Klienten. Sie empfinden – unabhängig davon – sehr intensiv, beschreiben sich als fokussiert und konzentriert.Wenn man die Antwort auf eine Frage aus verschiedenen, vorgegebenen Lösungsmöglichkeiten ermitteln soll, ist das Ausschlussverfahren eine hilfreiche Methode. Auch wir haben uns der schwierigen Frage, was denn Hypnose eigentlich sei, nun auf diese Weise etwas angenähert. Im nächsten Schritt möchte ich ein paar Definitionsversuche zitieren. Es ist schon erstaunlich, dass dies nötig ist, weil dieser so natürliche Zustand noch immer nicht in dem Maße erforscht und enträtselt werden konnte, dass eindeutig klar ist, was dabei passiert und warum Hypnose so effektiv und verblüffend einfach wirkt. Ich möchte es Ihnen überlassen, welche der Definitionen Ihnen, Ihrer Arbeit und Ihrem Verständnis am nächsten ist und was Sie selbst davon in Ihren praktischen Alltag übernehmen wollen.
Die Definition von Hypnose hängt von der Schule beziehungsweise Therapeutenausbildung ab, die Sie besucht/absolviert haben. Wie ich schon erwähnt habe[33], sehen die Vertreter und Verfechter jeder Richtung die Hypnose mehr oder weniger anders. Teilweise widersprechen sie sich sogar. Ich werde auf einige dieser Definitionen im Folgenden eingehen und selbst den schwierigen Versuch unternehmen, aus meiner langjährigen Praxiserfahrung heraus Hypnose mit eigenen Worten zu beschreiben.
Eine weit verbreite Definition lautet:
„Hypnose ist ein Zustand erhöhter Suggestibilität.“
Das stimmt insoweit, dass das Unterbewusstsein zugänglich wird und dadurch Veränderungen von Glaubenssätzen oder negativen Emotionen in dem Maße möglich werden, wie sich der bewusste, kritische Verstand im wahrsten Sinne des Wortes entspannt zurückzieht.
Denn bei allen Meinungsverschiedenheiten darüber, was der hypnotische Zustand wirklich im Detail sei, herrscht doch bei Wissenschaftlern allgemein Einigkeit darüber, dass sich die durch das EEG messbaren Gehirnströme währenddessen im Alpha-Bereich zwischen 8 und 12 Hz bewegen – ganz so wie bei einer leichten Entspannung. Bei vertiefter Hypnose fallen sie sogar in den Theta-Bereich (3 – 8 Hz). Dieser ist typisch für meditative Zustände und tiefe Entspannung. In beiden Bereichen sind schöpferische Möglichkeiten und Vorstellungskraft deutlich erhöht. Letztere ist die Sprache und der Schatz des Unterbewusstseins.
Danach kommt nur der tiefe Schlaf. Den Alpha-Bereich durchlaufen wir also auf jeden Fall immer mindestens 2-mal am Tag: unmittelbar vor dem Einschlafen und unmittelbar vor dem Aufwachen. Er ist sozusagen das Verbindungsstück oder die Tür zwischen Bewusstsein und Unterbewusstsein. Wird diese geöffnet, erhalten wir Zugang zu der riesigen Unterwelt, in der alles gespeichert ist, was wir jemals erlebt und was uns geprägt hat: Erinnerungen, Ereignisse, Gefühle, jedes Musikstück, das wir gehört, und jeder Satz, den wir gelesen haben – schlicht jeder Moment und Impuls unseres Lebens. Diese Unterwelt wird unablässig mit neuen Informationen gefüttert.
Wir können den Alpha- oder Theta-Bereich also auch in der Hypnose nutzen, um das Unterbewusstsein mit frischen Infos zu versorgen – ungefiltert durch den kritischen Verstand.[34]
Meine Meinung: Diese Theorie um Alpha und Theta ist durchaus ein schlüssiger Erklärungsversuch für die Forschung. Ich halte das Ganze aber aus meiner Erfahrung heraus im Hypnosetherapieverlauf für vollkommen unwichtig. Wenn jemand zum Beispiel bei der Abreaktion zurück in sein Trauma geht, deshalb weint, schreit oder andere heftige Emotionen zeigt, dann ist er sicher nicht mehr in diesem Wellenbereich und trotzdem in tiefster Hypnose. Diese Theorie macht daher, wenn überhaupt, allenfalls für den Anfang der Hypnose Sinn – oder als Erklärungsversuch für die Wissenschaft. Auch Sportler sind im Wettkampf in Trance und sicher nicht in diesem Wellenbereich.
(Hunter: Ebd.)[35]
Aus dem gerade Gesagten ergibt sich, dass vor der Hypnose Vorstellungskraft und Glaubenssätze quasi im Minusbereich sind – und damit auch eine negative Erwartungshaltung und ebensolche Überzeugungen produzieren. Das Problem dabei ist, dass die negativen Vorstellungen wie bei einer sich selbst erfüllenden Prophezeiung sich ständig verstärken, solange wir im Minusbereich sind. Es ist eine Abwärtsspirale. Allerdings gilt auch, dass wenn wir also über die Hypnose durch die Tür ins Unterbewusstsein schreiten, wir auch in dessen Sprache sprechen können. Über den Parameter Vorstellungskraft können wir die gesamte Gleichung ins Positive umkehren. Wir nutzen also die Macht des Geistes und der Gedanken, um über die Worte der Suggestion die Gleichung umschreiben zu können: Glaubenssätze sorgen dann für eine optimistische Erwartungshaltung und Überzeugung. Sie ziehen uns nach oben. Aus dauerhaftem Minus wird durch die Hypnosetherapie ein dauerhaftes Plus. Das Bewusstsein in Form des kritischen Verstandes kann dies nicht verhindern. Es ist schließlich dann mal für die Zeit der Hypnose weg …
Der britische Hypnose-Lehrer C. Roy Hunter (in: Mastering the Power of Self-Hypnosis – a practical guide to self-empowerment“, second edition 2011) nennt diesen Vorgang „Etablierung positiver Erfolgsgewohnheiten“[36]. Für ihn ist die Hypnose deshalb auch schlicht eine „guided meditation“, also geführte Meditation in einem veränderten natürlichen Bewusstseinszustand beziehungsweise einer veränderten bewussten Wahrnehmung[37], die sich wohl am ehesten als „Herumschweifen des Geistes“[38] wie im Tagtraum bezeichnen ließe. Vom Bild her ist das wohl am ehesten vergleichbar mit dem Schalter umlegen an der Belastungsgrenze beim Sport, wenn der Puls hochschnellt. Weil das Potential zur Veränderung einem schlafenden Hund gleich in uns selbst liegt, ist der Hypnosetherapeut für Hunter lediglich eine Art Guide und Vermittler, der dieses interne Potential freilegt, indem er den hypnotischen Prozess durch die Fokussierung auf seine Stimme fördert, dirigiert und managt. Er animiert die Vorstellungskräfte und ermöglicht es dem Klienten, auf einfache Suggestionen zu antworten. Im Übrigen hält Hunter jede von außen geführte Hypnose in Wirklichkeit auch für eine Selbsthypnose, weil sie ohne bewussten Willen und ohne Zutun des Klienten nicht durchführbar wäre.
„Die Kraft liegt im Geist desjenigen, der hypnotisiert wird.“[39](Hunter. Ebd.)
Den Weg in die Hypnose und die Wege durch das eigene Innere geht der Klient in Wirklichkeit alleine. Deshalb ist es auch so wichtig, dass Sie schon im Vorgespräch einen guten Draht (Rapport) zu den Klienten finden und Vertrauen aufbauen beziehungsweise ein gutes Gefühl bei ihnen entstehen lassen können. Denn letztendlich ist die Hypnose eine Kooperation zwischen Ihnen und den Klienten. Ohne einen guten Rapport mit professioneller Führung kann diese keine Früchte tragen.
Hunters Thesen kann ich durchaus etwas abgewinnen, sie erklären die Wirkung während und die Vorgänge bei der Hypnose aber nur unzureichend. Deshalb möchte ich kurz noch auf einige weitere Definitionen eingehen, damit Sie sich ein möglichst umfassendes Bild machen und Ihre eigenen Schlüsse und Interpretationen daraus ziehen können.
Meinold hält die Hypnose für einen besonderen, gleichwohl natürlichen Bewusstseinszustand konzentrierter beziehungsweise eingeschränkter Wahrnehmungsbreite, der durch gleichzeitige Erweiterung des Bewusstseins „auf sonst unbewusste innerseelische, geistige und körperliche Bereiche“ die inneren Kräfte erschließt und uns so zum ursprünglichen Wesen und eigentlichen Ich zurückführt.
„Gegenüber der Reaktionsarmut im Schlaf besteht in der Hypnose eine Art besonderer Wachheit, mit einem nach außen in der Breite eingeengten, aber in erwünschte Richtungen vertieften bzw. erhöhten und nach innen erweiterten Bewusstsein.[…]
Vom Hypnotiseur ausgehende oder vorgegebene Reize werden derart intensiv wahrgenommen, dass andere Reize ihre Einwirkung in unterschiedlichem Grade verlieren. Die Hypnose ermöglicht [damit] körperliche, seelische und geistige Leistungen, die willkürlich nicht zu erbringen sind.“
(Werner J. Meinold: Das große Handbuch der Hypnose, 2006, S. 34/35)
In ähnlicher Weise definiert Revenstorf Hypnose als sowohl eine Methode, sich oder jemanden anders in Trance zu versetzen, als auch einen Trance-Zustand, „in dem man den Alltagszustand hinter sich lassen und sich so innerlich öffnen, das Tor zur Vergangenheit, zu Erinnerungen, Bildern und zu seinem Körper aufstoßen kann.“ (Dirk Revenstorf/Peter Burkhard (Hrsg.): Hypnose in Psychiatrie, Psychosomatik und Medizin; 2. Aufl., 2009, S. 4)
Die Antennen zur Wahrnehmung von äußeren Reizen werden ihm zufolge deutlich verkürzt zu Gunsten der Wahrnehmungsfähigkeit nach innen. In der Hypnose können wir dadurch auch sonst unbewusste beziehungsweise nicht bewusst merkbare, belastende und/oder verdrängte innere Prozesse und Vorgänge entdecken. Diese werden dann durch Regression aufgelöst.[40]
Zum Schluss möchte ich noch einen Blick auf jenes Hypnose-Verfahren werfen, das mich besonders geprägt hat: Die von mir praktizierte Regressions-, also aufdeckende/-lösende Hypnose basiert wesentlich auf dem Verständnis von OMNI.[41] Als Orientierung dient hier die Definition des US-Departements of Education, das sich dabei auf den bekannten und wegweisenden US-amerikanischen Kollegen Dave Elman[42] beruft:
„Hypnose ist die Umgehung des kritischen Faktors des Bewusstseins, um akzeptables und selektives Denken zu etablieren.“
Diese Definition leitet sich von der Annahme ab, dass das Unterbewusstsein generell eine Information als wahr akzeptiert, also nicht hinterfragt, was wir sehen, hören oder sonst irgendwie wahrnehmen. Ein vorgeschalteter, unsichtbarer Beobachter, der im Bewusstsein residiert und der in der OMNI-Philosophie als kritischer Faktor bezeichnet wird, dient aber als Filter beziehungsweise gleicht dieses „Defizit“ des Unterbewusstseins aus: Er prüft in Millisekundenschnelle und automatisch jede eingehende Information, jeden äußeren Reiz, jedes Wort, jede Emotion – und entscheidet ebenso schnell, was er akzeptiert, also ins Unterbewusstsein durchlässt. Der kritische Faktor ist die entscheidende Instanz auf dem Weg ins Unterbewusstsein. Allerdings kann der Verstand nicht komplett auf Dauer stillgelegt werden, sonst wären die Menschen willenlos. Und das sind wir in Hypnose gerade nicht.[43] Was wir in der Regressionshypnose tun, um das Unterbewusstsein zu einer neuen „Denke“ darüber zu bringen, was akzeptabel ist oder nicht, ist daher mit „Umgehen des kritischen Faktors“ wohl besser umschrieben.[44]
Ich habe Ihnen nun einige Definitionen von Hypnose vorgestellt. Ist Ihnen etwas aufgefallen? Tatsächlich kommt in keiner der Definitionen, die mir bekannt sind, das Wort Entspannung vor! Bei allen Meinungsverschiedenheiten darüber, was Hypnose denn nun genau sei, herrscht wenigstens in diesem Punkt Einigkeit: Sie ist tatsächlich keine reine Entspannung![45] Eine Hypnose-Einleitung über Entspannung ist zwar sehr zuverlässig, angenehm und entspricht noch immer weit verbreiteten Klischees. Allerdings sind Menschen, die in Hypnose eine Abreaktion[46] erleben, sicher nicht entspannt!
Aus meiner Sicht ist es daher sinnvoller und beschreibt die tatsächlichen Gegebenheiten auch besser, Elmans Definition um einen Satz zu erweitern:
„Hypnose ist die Umgehung des kritischen Faktors des Bewusstseins und die Etablierung von akzeptablem, selektivem Denken. Sie legt einen starken Fokus auf ein Thema, einen Gedanken, einen Zustand.“
Erfolgreiche Suggestionen setzen willentliche Akzeptanz voraus. Das Signal dazu kommt aus dem Unterbewusstsein. Suggestionen verwirklichen sich also, weil uns die Hypnose in einen Zustand versetzt, in dem wir sie besser annehmen können. Aus dem vermeintlichen Widerspruch zwischen beziehungsweise gegeneinander Arbeiten von Unterbewusstsein und Bewusstsein können wir lernen, dass wir den Klienten von den Suggestionen überzeugen müssen.
Die in der zuletzt genannten Definition erwähnte erhöhte, fokussierte Wahrnehmung ist gleichzeitig ein Argument dagegen, von Entspannung zu sprechen. Abgeleitet davon gilt aus meiner Sicht dann bei der Auflösung von Ängsten, Phobien, des Gedankenkarussells und anderer Probleme:
„Der Zustand der Angst, Depression u. Ä. ist eine Problemtrance. In der Regression führen wir die Klienten zurück in die Problemtrance und lösen das Problem in dieser dann auf. Das kann sehr emotional sein.“
Auch in der Sporthypnose ist es daher nicht empfehlenswert, nur mit Entspannung zu arbeiten. Wie ich schon erwähnt habe[47], ist mit dem Begriff Hypnose nicht nur der tranceartige Zustand gemeint. Er umfasst vielmehr auch die Einleitung dieses Zustandes zur Ruhe-Hypnose und Hypno(se)therapie.
Ich möchte aus meiner persönliches Sicht noch Folgendes anmerken: Für mich ist die Arbeit als Hypnosetherapeut eine wunderbare Möglichkeit, anderen Menschen dabei zu helfen, künftig ihr Leben zu leben statt das anderer. Letzteres legt der eigenen Persönlichkeit quasi ein Korsett an. Dann tut man nicht, was man ureigentlich müsste und sollte, sondern das, was andere oder die Gesellschaft als Ganzes wollen. Manchmal versucht man dann Erwartungen zu erfüllen, die eigentlich gar niemand hat. Letztendlich bedeutet unabhängig davon Fremdbestimmung, getrieben zu sein. Wer dagegen in den Stand gesetzt wird, sein eigenes Leben zu leben, der ist so frei, es selbst zu gestalten, statt nur zu verwalten.
Menschen, die zu mir kommen, haben ein Problem, dessen wahre Ursache meistens ein oder mehrere prägende, überwältigende oder auch schockierende Erlebnisse aus der Kindheit sind. Derartige Traumata sind keine Krankheit an sich, verursachen aber Ängste oder Angst vor der Angst, mit entsprechenden psychosomatischen Auswirkungen. Wer in eine meiner Praxen kommt, sei es wegen Gewichtsproblemen oder Süchten, sei es wegen Depressionen, Ängsten, Panikattacken, Zwängen, Stottern, Burnout, Beziehungstrauma, Mangel an Entscheidungsfindung oder Selbstbewusstsein, Liebespech trotz Beziehungswunsch oder generell zerstörerischem Verhalten gegenüber sich selbst, hat meist schon alles versucht, teilweise auch wiederholt. Doch die Wiederholung des immer Gleichen führt eben nicht zu anderen Ergebnissen und daher auch nicht ans Ziel, auch wenn dieses Verhalten verständlich ist. Dies umso mehr, da das Unterbewusstsein uns wie in einem Perpetuum mobile immer wieder mit den immer gleichen Problemen konfrontiert. Wir können im übertragenen Sinne noch so schnell laufen, können wie ein kleines Kind die Augen zumachen und glauben, dass wir dann auch nicht gesehen werden, wir können verdrängen, Ersatz- und Trosthandlungen vornehmen: Es wird immer so sein wie im Märchen vom Hasen und dem Igel. Letzterer ist durch einen Trick[48] immer schon am Ziel, wenn der eigentlich viel schnellere Hase dort ankommt. Täglich grüßt das Murmeltier… Erst wenn wir das erkannt haben, können wir die Probleme als Chance begreifen, den unheilvollen Mechanismus zu beenden, daraus lernen und eine Veränderung herbeiführen.
Die Hypnosetherapie ist für meine Klienten daher meistens die letzte Chance, der letzte Strohhalm, im ungünstigsten Fall ein letzter „Versuch“. Grund für ihr bisheriges Scheitern ist, dass in Wirklichkeit die Psyche Ursache ihres Leidens ist, die über körperliche Symptome signalisiert, dass etwas nicht in Ordnung ist. Auch wenn also keine Krankheit im medizinischen Sinne etwa eine Grippe vorliegt, ist es meiner Meinung nach dennoch berechtigt, einen positiven Aspekt der Hypnose in der Aktivierung der inneren Selbstheilungskräfte zu sehen. Denn sie schafft ein anderes, ein „bewusstes“ und positives Bewusstsein von sich selbst und dem, was wirklich in uns steckt. Folge davon sind stabile Beziehungen, mehr Lebensqualität und/oder einfach ein gutes Lebensgefühl.
Wir haben es also mit tief innen liegenden Ursachen von vom Unterbewusstsein gesteuerten, äußeren Symptomen zu tun. Diese kann man auch als Hilferufe und Warnsignale dessen deuten, was mitunter als „Seele“ bezeichnet wird. Sie sind auch der Grund, warum rein vom und über den Verstand gesteuerte Gespräche, wie sie in der Psychotherapie geführt werden, in der Regel nicht so schnell wirken können wie eine Hypnosetherapie, sondern mitunter sogar Jahre dauern. Der Veränderungsprozess, den die Hypnose anstößt, geht zwar am Ende vom Kopf aus, muss davor aber erst sozusagen vom Unterbewusstsein genehmigt, akzeptiert und dort eingepflanzt werden. In Abwandlung der schlichten, alten Fußballweisheit „Das Runde muss ins Eckige“ beschreibe ich es mal so: „Das Irrationale muss ins Rationale“. Es bleibt im Kern aber irrational, das heißt: Die Veränderung findet aus dem Unterbewusstsein heraus statt. Und dieses können wir am einfachsten und effizientesten über Hypnose ansprechen und zu Veränderungen bewegen.
Hypnose schafft also Veränderungskompetenz, schaltet die Klienten sozusagen in den Change-Modus um- und die raffinierten, heimlich und heimtückisch agierenden inneren Boykotteure aus, die für die bisherigen unbewussten Vermeidungsmechanismen und -strategien verantwortlich waren. Ergebnis der Hypnose ist ein regelrechter Systemwechsel (system change), indem das alte Verhalten nicht rational reflektiert wird, sondern wir die Klienten die Szenen, die zu diesem ursächlich führten, noch einmal erleben und anschließend neu und neutral bewerten lassen. Von positiv bewerten möchte ich an dieser Stelle deshalb nicht sprechen, weil zum Beispiel ein Missbrauchsopfer das, was passiert ist, sicher nicht positiv sehen soll. Neutral oder fast neutral bewerten lassen ist also besser …
Das Unterbewusstsein wird dadurch neu reguliert oder, um ein Bild aus der IT zu verwenden, die Datenbankeinträge werden bereinigt. Einträge in der Datenbank, die zu emotional oder traumatisch sind, korrigieren wir auf „normales“ oder vernünftiges, neutrales Empfinden. Bei einem erneuten Zugriff auf diese Datenbankeinträge wird keine übertriebene oder falsche, gar krank machende Reaktion mehr ausgelöst. Ausschließlich auf der Verstandesebene ist ein solcher Systemwechsel nicht möglich. Deshalb müssen wir von dort aus ein paar Stockwerke tiefer fahren – nämlich ins Unterbewusstsein.[49]
Das werden wir nach einem Ausflug in die Geschichte der Hypnose tun.[50]
Das funktioniert allerdings nicht bei allen Menschen gleich gut.
s. Pkt. „1.1.3 Annäherung an einen schwierigen Begriff: Hypnose aus verschiedenen Blickwinkeln“
http://brigitte.de/familie/schlau-werden/hypnobirthing-herzogin-kate-schwoert-auf-diese-geburtsmethode-11093872.html; in der OMNI-Ausbildung wird ein Video gezeigt, das eine Kaiserschnitt-OP zeigt. Die Gebärende singt währenddessen unablässig und völlig schmerzfrei! Das Video ist aus den 1960er Jahren und wurde in den USA aufgenommen
http://www.news.de/panorama/855689117/natasha-schofield-stuerzt-sich-von-kreuzfahrtschiff-in-den-tod-mutter-begeht-selbstmord-nach-hypnose/1/
http://www.20min.ch/schweiz/zentralschweiz/story/Luzerner-sucht-Krypto-Million-jetzt-mit-Hypnose-23385648
Diese trägt den Titel „Die verratene Armee“.
Der Beitrag unter http://www.neuepresse.de/Nachrichten/Politik/Deutschland-Welt/Per-Hypnose-zurueck-in-den-Krieg
s. Pkt. „1.2.6.3 Mit der Kraft der Augen: James Braid“
Braid war Augenchirurg, hatte also tatsächlich Patienten. Bei der Hypnosetherapie sollten wir dagegen von Klienten sprechen, denn wer zu uns kommt, ist nicht im medizinischen Sinne krank. Ich werde also, was unsere hypnotherapeutische Arbeit mit Menschen betrifft, in diesem Buch das Wort Klient benutzen – außer es handelt sich wirklich um Patienten, wie etwa bei Braid oder im gleich folgenden Kapitel über die 1.2 Geschichte der Hypnose (hier klicken)
s. Pkt. „1.7.1 Ich bin dann mal weg! Wie Klienten die Hypnose spüren“
s. Pkt. „1.1.2 Ja, was denn nun? Das ist Hypnose eben gerade nicht“
hier klicken
ebd.
s. Pkt. 1.4.3.1
sogenannte Convincer; s. Pkt. 1.6.1.3
innere Reinigung, bei der ein lange unterdrückter emotionaler Moment wieder erlebt wird, um so eine Befreiung von negativen Gefühlen zu bewirken. Diese erfolgt durch direkte Konfrontation des Klienten mit einem verschollenen, tief innen vergrabenen, möglicherweise auch vergessenen, jedenfalls unterdrückten, emotional belastenden Moment. Dieser wird in der Abreaktion von neuem er- und durchlebt.
s. Pkt. „1.4.3.3.5 Zahlen vergessen am Traumstrand: Wie ich Hypnose vertiefe“
Zu Showhypnosen aus therapeutischer Sicht, s. Pkt. „1.9.4 Gut zu kennen: Showhypnose“
s. „Manipulierbarkeit durch Hypnose?“, S. 27
s. Pkt. „1.4.9.2 Hoffnungszeichen für ein neues Leben: Anker/Trigger“
Wie Hypnose funktioniert: hier klicken
Wie das geht hier klicken
s. Pkt. „1.4.8 Frühjahrsputz für den Körper: Die generelle Seelenreinigung“
Wie sich Hypnose anfühlt: s. Pkt. „1.7.1 Ich bin dann mal weg! Wie Klienten die Hypnose spüren“
s. S. 29
s. Pkt. 1.1
Mehr darüber, wie Hypnose funktioniert und wirken kann, hier klicken
Zu Hypnose und dadurch ausgelösten Aktivitäten im Gehirn hier klicken
„establishing positive success habits“
„altered conscious awareness”
„our mind is wandering“
„The power is in the mind of the person being hypnotized.”
Mehr darüber, wie Hypnose funktioniert und wirken kann, hier klicken
s. Pkt. „OMNI®:“
s. Pkt. „1.1.2 Ja, was denn nun? Das ist Hypnose eben gerade nicht“
s. Pkt. „1.1.1 Therapie im Grenzbereich: Hypnose als interdisziplinäre Brücke“
Mehr darüber, wie Hypnose funktioniert und wirken kann, hier klicken
s. Pkt. „1.1.2 Ja, was denn nun? Das ist Hypnose eben gerade nicht“
FN 24
s. Pkt. „1.1.2 Ja, was denn nun? Das ist Hypnose eben gerade nicht“
Falls Sie das Märchen nicht kennen sollten: Der in der originalen Fassung Swinegel genannte Igel nutzt die Tatsache aus, dass bei Igeln Weibchen und Männchen nicht voneinander zu unterscheiden sind. Dies ist zwar auch beim Hasen so, er hat aber nicht die Schläue des Igels und kommt ihm daher nicht auf die Schliche. Der Igel spannt einfach sein Weibchen ein, indem er sie bittet, auf der anderen Seite des Ackers Position einzunehmen. So sind beide Seiten des Ackers schon besetzt, wenn der Hase ankommt, egal, zu wie vielen Revanchen er den Igel auffordert.
Warum Hypnose kein Versuch, sondern feste Absicht und fester Wille sein sollte: s. S. 31
Mehr darüber, wie Hypnose funktioniert und wirken kann, hier klicken
Ur-/ Frühzeit
Vertreter
Methode
Wirkung / Bedeutung
Heilung durch …
Sumerer, Griechen, Ägypter
Heil-/ Tempelschlaf
Bewusstseinserweiterung; Erhöhung der Fokussierung
Gott
Römerzeit
Vertreter
Methode
Wirkung / Bedeutung
Heilung durch …
–
Heil-/ Tempelschlaf
Anleitung zur Induktion; Selbsthypnose durch Fixation; Trance als Bewusstseinslage
keine; nur Blick in die Zukunft
Mittelalter
Vertreter
Methode
Wirkung / Bedeutung
Heilung durch …
Mönche mit Kristallkugeln
Heilschlaf
–
Gott; himmlische Kräfte
18. Jahrhundert
Vertreter
Methode
Wirkung / Bedeutung
Heilung durch …
Johann Joseph Gassner
Teufelsaustreibungen
Blitzinduktion durch Erwartungshaltung
Gott
Franz Anton Mesmer
Magnetischer Animalismus, Mesmerismus
geführte Selbsthypnose; Glaube an Wirksamkeit (Placebo)
Magnetiseur bzw. Universum
Marquis de Puységur
Magnetischer Schlaf
Somnambulismus
–
19. Jahrhundert
Vertreter
Methode
Wirkung / Bedeutung
Heilung durch …
Abbé de Faria
Fixed-gaze-Methode/Schreckhypnose
eigener Wille als entscheidendes Kriterium; Entdeckung der Imagination; Hypnose als Wissenschaft
aus dem Inneren durch Therapeut
John Elliotson
klinische Hypnose
dto.
dto.
James Esdaile
Esdaile State (hypnotisches Koma)
dto.
dto.
Dr. James Braid
Klinische Hypnose
Selbstheilungskräfte
dto.
Schule von Nancy
dto.
Bedeutung von Suggestionen; erhöhte Empfänglichkeit
dto.
20. Jahrhundert
Vertreter
Methode
Wirkung / Bedeutung
Heilung durch …
Émile Coué
Autosuggestion
Universaltherapie
aus dem Inneren durch Therapeut
Milton H. Erickson
indirekte Suggestionen
Selbstheilung durch innere Ressourcen
dto.
Dave Elman
direkte Suggestionen
schnellste Induktion; Regressionshypnose
dto.
21. Jahrhundert
Vertreter
Methode
Wirkung / Bedeutung
Heilung durch …
Gerald F. Kein
Methoden-Mix; Hypnose als Prozess
Selbstheilung in einem höheren Bewusstseinszustand; Arbeit im hypnotischen Koma
Regressionshypnose, Universaltherapie
„Geschichte ereignet sich. Deshalb ist es schwer, aus ihr zu lernen“, schrieb vor einiger Zeit der Publizist und ehemalige Chefredakteur der „Welt“-Gruppe, Thomas Schmid, als Titel über einen Beitrag seines Blogs.[51] So gesehen könnten wir darauf verzichten, uns mit der Geschichte der Hypnose zu beschäftigen, weil sie irrelevant wäre. Allerdings heißt „schwer lernen“ erstens nicht, das man nichts daraus lernen kann. Und zweitens sehe ich es ein wenig anders. Denn es gibt auch das von dem dänischen Schriftsteller, Theologen und Philosophen Søren Kierkegaard (1813 – 1855) überlieferte Zitat:
„Verstehen kann man das Leben rückwärts; leben muss man es aber vorwärts.“
