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Darf man es bereuen, Mutter zu sein? Das Buch der wegweisenden Autorin Orna Donath jetzt im Taschenbuch
»Regretting Motherhood« thematisiert, was bisher kaum ausgesprochen wird: Dass viele Frauen in der Mutterschaft nicht die »vorgeschriebene« Erfüllung finden. Dass sie ihre Kinder lieben und trotzdem nicht Mutter sein wollen. In ihrem bahnbrechenden Buch lässt die engagierte Soziologin Orna Donath Mütter selbst zu Wort kommen und analysiert anhand vieler Interviews mit Frauen, die bereit waren, ihre ambivalenten Gefühle offenzulegen, die Dimension des Tabus.
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Seitenzahl: 369
Veröffentlichungsjahr: 2016
Das Buch
»Regretting Motherhood« thematisiert, was bisher kaum ausgesprochen wird: Dass viele Frauen in der Mutterschaft nicht die »vorgeschriebene« Erfüllung finden. Dass sie ihre Kinder lieben und trotzdem nicht Mutter sein wollen. Ih ihrem bahnbrechenden Buch analysiert die engagierte Soziologin Orna Donath die Dimension des Tabus und lässt Mütter selbst von ihren Erfahrungen berichten.
Der Autor
Orna Donath, geboren 1976, erforscht als Soziologin an der Ben-Gurion-Universität des Negev in Be’er Sheva gesellschaftliche Erwartungen, die an Frauen, Mütter wie Nichtmütter, gestellt werden. Nach der Studie »Making a Choice« über jüdische Frauen in Israel, die sich gegen Kinder entscheiden (2011), ist »Regretting Motherhood« ihre erste internationale Buchveröffentlichung. Über ihre wissenschaftliche Arbeit hinaus engagiert sie sich ehrenamtlich für das Hasharon’s Rape Crisis Center in Raanana.
Weitere Informationen zu unserem Programm unter www.knaus-verlag.de
Orna Donath
#regretting
motherhood
Wenn Mütter bereuen
Aus dem Englischen von Karlheinz Dürrund Elsbeth Ranke
In Zusammenarbeit mit Margret Trebbe-Plath
Knaus
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Copyright © der Originalausgabe 2016
beim Albrecht Knaus Verlag, München,
in der Verlagsgruppe Random House GmbH
Umschlaggestaltung: Favoritbuero, München
Umsetzung eBook: Greiner & Reichel, Köln
ISBN 978-3-641-18701-9V001
www.knaus-verlag.de
Inhalt
Einleitung
Was meinen wir, wenn wir von Reue sprechen?
Die Studie
Eine Wegekarte des Buchs
1 Wege zur Mutterschaft: Das Diktat der Gesellschaft gegen die Erfahrungen der Mütter
»Lauf der Natur« oder »Entscheidungsfreiheit«
Mutter werden: Mit dem Strom schwimmen
Wünsche und verborgene Gründe, ein Kind zu bekommen
Mutter werden: Im Einverständnis, aber ohne eigenen Willen
2 Forderungen und Ansprüche an die Mutterschaft: Wie Mütter aussehen, handeln und sich fühlen sollen
»Gute Mutter« – »Schlechte Mutter«: Immer geht es gegen die Mütter
Seine Kinder lieben – Seine Kinder hassen – Die Mutterschaft hassen
3 Regretting Motherhood: Wäre ich doch niemals Mutter geworden!
Zeit und Erinnerung
Bereuen: Der Wunsch, das Unumkehrbare rückgängig zu machen
Geburtenpolitik und Reue als gesellschaftliches Machtinstrument
»Es war ein furchtbarer Fehler«: Was die Frauen zu sagen haben
Die Mutterschaft bereuen, aber nicht die Kinder
Wann begreifen Mütter, dass sie Reue empfinden?
Vorteile und Nachteile der Mutterschaft
4 Erfahrungen von Mutterschaft und Reue: Wie Frauen mit einem unerlaubten Gefühl leben
Wer ich war und wer ich bin
Mutterschaft als traumatische Erfahrung
Die Mutterliebe: Verbundenheit und Fessel
Zur Fürsorge verpflichtet
Mutter sein: Eine unendliche Geschichte
Wo sind die Väter?
Fantasien vom Verschwinden
Getrennt leben von den Kindern
Mehr Kinder – oder lieber nicht?
5 Wer bist du, Mama? Regretting Motherhood zwischen Schweigen und Reden
Versuchen zu sprechen, zum Schweigen gebracht
»Wissen die Kinder davon?«
Zum Schutz: Die Reue verschweigen
Zum Schutz: Darüber sprechen aus Verantwortung gegenüber den Kindern
6 Mütter – Subjekte: Was uns Reue über die Lage von Müttern sagen kann
Wie Mütter heute leben: Vorzüge und Mängel
Befriedigung in der Mutterschaft: Nur eine Frage der Bedingungen?
Vom Objekt zum Subjekt: Mütter als Menschen, Mutterschaft als Beziehung
Epilog
Anmerkungen
Dank
Anstatt zu fragen: Wie kann das wahr sein?, könnten wir fragen: Was wäre, wenn es wahr wäre? Was dann?
Arthur Bochner
Einleitung
»Du wirst es bereuen!Du. Wirst. Es bereuen, keine Kinder zu haben!«
Diese wenigen Worte prägten sich mir ein, als ich im Jahr 2007 eine wissenschaftliche Studie über jüdisch-israelische Frauen und Männer durchführte, die nicht den Wunsch hatten, Eltern zu werden. Diese Worte, in denen so etwas wie ein Kassandraruf liegt, der fast allen entgegengeschleudert wird, die ganz allgemein keine Kinder haben wollen, und insbesondere Frauen, die nicht Mütter werden wollen, hallten in meinen Gedanken nach: Sie werden es ganz bestimmt bereuen. Frauen bereuen es, wenn sie nicht Mütter geworden sind. Punkt.
Das klang fast wie ein Urteil, und genau das beunruhigte mich. Die Sache ging mir nicht mehr aus dem Kopf. Es fiel mir schwer, es bei dieser strengen Aufteilung zu belassen, dass Reue ganz klar damit verbunden wird, keine Kinder zu bekommen, und dabei als drohende Waffe gegen die Frauen eingesetzt wird, damit sie weiter Kinder gebären, während gleichzeitig jede Möglichkeit, über Reue auch nur nachzudenken, wenn das Kind erst da ist, und sich zu wünschen, wieder die »Mutter von Niemandem« zu sein, schlichtweg ausgeschlossen wird.
Und so machte ich mich 2008 daran, dieser Frage nachzugehen.
Ich begann in Israel, einem Land, in dem im Durchschnitt eine Frau drei Kinder zur Welt bringt.1 Damit weist es eine Fruchtbarkeitsrate auf, die deutlich über dem Mittel der OECD-Länder von 1,74 Kindern liegt und auch weit höher als in verschiedenen anderen westlichen Gesellschaften wie in den Vereinigten Staaten (1,9) oder in Europa, zum Beispiel in Österreich, Schweden oder Estland, und besonders auch in Deutschland mit einer besonders niedrigen Quote von 1,4 Kindern.2 Obwohl Frauen in Deutschland größere Freiheiten zu haben scheinen, ihre Mutterschaft nach ihren eigenen Vorstellungen zu verwirklichen, müssen auch sie den gesellschaftlichen Druck aushalten, die »richtige« Entscheidung zu treffen und Mütter zu werden.
Welches Land ich auch betrachtete, das Bild blieb immer dasselbe: Frauen gebären, ziehen ihre Kinder groß, nehmen die ungeheuren Mühen der Mutterschaft auf sich, aber dass sie diese bereuen könnten, kommt kaum jemals zur Sprache.
Mit diesem Sachverhalt wollte ich mich unbedingt genauer befassen. Ich ging von der Annahme aus, dass unser gesellschaftliches Sichtfeld stark eingeschränkt ist und uns etwas, das zwar existiert, aber keine Sprache hat, weder sehen noch hören lässt. Wir wissen, dass die Mutterschaft die erste und wichtigste Beziehung im Leben einer Frau sein kann, die ihr Gefühle wie Erfüllung, Freude, Liebe, Geborgenheit, Stolz und Befriedigung vermittelt. Wir wissen, dass die Mutterschaft Schauplatz von Spannungen und Ambivalenz sein kann, von Hilflosigkeit, Frustration, Schuld, Scham, Zorn, Feindseligkeit und Enttäuschung. Wir wissen, dass die Mutterschaft auf eine Frau bedrückend wirken kann, weil sie ihre Bewegungsfreiheit einengt und den Grad ihrer Unabhängigkeit verringert. Und wir sind bereits auf dem Weg zu begreifen, dass Mütter menschliche Wesen und somit durchaus fähig sind, andere bewusst oder unbewusst zu verletzen, zu missbrauchen und manchmal sogar zu töten. Und doch wollen wir fast sehnsuchtsvoll verhindern, dass diese von realen Frauen gemachten Erfahrungen unsere mythischen Vorstellungen von Mutter zunichtemachen. Deshalb fällt es uns so schwer anzuerkennen, dass auch die Mutterschaft zu den Lebensbereichen zählt, in denen ein Gefühl wie Reue auftreten kann – wie in so vielen anderen Lebensbereichen, in denen wir agieren oder die wir aushalten müssen und wo wir auch manchmal den Wunsch verspüren mögen, umzukehren und manche Dinge noch einmal, aber ganz anders zu machen. Doch Mütter dürfen das nicht – sie sollen weder fühlen noch denken, dass der Übergang zur Mutterschaft eine unglückliche Entscheidung war, ganz gleich, ob ihnen das Muttersein Probleme bereitet oder nicht.
Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!
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