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"Hat alle Zutaten für sofortigen Erfolg: Verschwörungen, Gegenkomplotte, Geheimnisse, tapfere Ritter und jung erblühende Beziehungen voller gebrochener Herzen, Täuschung und Verrat. Es wird Ihnen stundenlange Unterhaltung verschaffen und alle Altersgruppen begeistern. Eine Bereicherung für die Bibliothek aller Fantasy-Leser." – Books and Movie Reviews, Roberto Mattos (zu Ring der Zauberer) "Dies ist der Beginn von etwas Bemerkenswertem" – San Francisco Book Review (zu Queste der Helden) Von der #1 Bestseller-Autorin Morgan Rice, Autorin von Queste der Helden (über 1.300 5-Sterne-Bewertungen) kommt eine packende neue Fantasy-Serie: REICH DER DRACHEN (Das Zeitalter der Magier – Buch Eins) erzählt die epische Geschichte über das Erwachsenwerden eines höchst ungewöhnlichen 16-jährigen Jungen – der Sohn eines Schmieds aus einer armen Familie, dem keine Chance geboten wird, seine Kampffähigkeiten unter Beweis zu stellen und in die Reihen der Adligen einzubrechen. Doch er besitzt eine Macht, die er nicht leugnen kann, und einen vom Schicksal bestimmten Weg, dem er folgen muss. Es erzählt die Geschichte einer 17-jährigen Prinzessin, der Großes vorherbestimmt ist, am Vorabend ihrer Hochzeit – und ihrer jüngeren Schwester, von ihrer Familie verschmäht und den Tod durch eine seltene Seuche vor Augen. Es erzählt die Geschichte ihrer drei Brüder, drei Prinzen, die unterschiedlicher nicht sein könnten – alle wetteifern um die Macht. Es erzählt die Geschichte eines Königreichs im Wandel, von Invasion; von der aussterbenden Gattung der Drachen, deren Überlebende täglich vom Himmel herabfallen. Es erzählt die Geschichte zweier rivalisierender Königreiche, der Stromschnellen des Flusses, der sie trennt, einer Landschaft mit schlafenden Vulkanen und einer Hauptstadt, die nur während der Gezeiten zugänglich ist. Es ist eine Geschichte von Liebe, Leidenschaft, Hass und Geschwisterrivalität; von Schurken und verborgenen Schätzen; Geheimnissen; von Mönchen und Kriegern; von Ehre, Verrat und Täuschung. Es ist die Geschichte von Dragonfell, eine Geschichte von Ehre und Tapferkeit, von Magiern, Zauberei, Schicksal und Bestimmung. Es ist eine Geschichte, die Sie bis in die frühen Morgenstunden fesseln wird. Sie wird Sie in eine andere Welt entführen und Sie werden Figuren erleben, die Sie nie vergessen werden. Es ist großartige Unterhaltung, geschlechter- und generationenübergreifend für alle, die eine gute Fantasy-Saga zu schätzen wissen. Die Bücher zwei und drei (THRON DER DRACHEN und VON DRACHEN GEBOREN) können jetzt vorbestellt werden. "Eine temperamentvolle Fantasy-Saga … Der Beginn einer epischen Serie für junge Erwachsene." – Midwest Book Review (zu Queste der Helden) "Aktionsgeladen … Rices Stil ist wasserdicht und die Prämisse faszinierend." – Publishers Weekly (zu Queste der Helden)
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REICH DER DRACHEN
Morgan Rice
Morgan Rice ist #1 Bestseller-Autor und USA Today-Bestsellerautor der epischen Fantasy-Serie RING DER ZAUBEREI, die siebzehn Bücher umfasst; der Bestseller-Serie WEG DER VAMPIRE, bestehend aus zwölf Büchern; der Bestseller-Serie TRILOGIE DES ÜBERLEBENS, einem postapokalyptischen Thriller mit drei Büchern; der epischen Fantasy-Serie VON KÖNIGEN UND ZAUBERERN, bestehend aus sechs Büchern; der epischen Fantasy-Serie FÜR RUHM UND KRONE, bestehend aus acht Büchern; der epischen Fantasy-Serie EIN THRON FÜR SCHWESTERN, bestehend aus acht Büchern; der neuen Science-Fiction-Serie CHRONIK DER INVASION mit vier Büchern; der Fantasy-Serie OLIVER BLUE UND DIE SCHULE FÜR SEHER, bestehend aus vier Büchern; der Fantasy-Serie DER WEG DES STAHLS, bestehend aus vier Büchern; und der neuen Fantasy-Serie DAS ZEITALTER DER MAGIER. Morgans Bücher sind in Audio- und Printausgaben erhältlich, und Übersetzungen sind in über 25 Sprachen erhältlich.
GEWANDELT (Buch #1 in der Reihe Weg der Vampire), ARENA EINS (Buch #1 der Trilogie des Überlebens) und QUESTE DER HELDEN (Buch #1 in der Reihe Ring der Zauberei), DER AUFSTAND DER DRACHEN (Buch #1 in der Reihe Von Königen und Zauberern), EIN THRON FÜR SCHWESTERN (Buch #1), ÜBERMITTLUNG (Buch #1 der Reihe Chronik der Invasion) und DIE ZAUBERFABRIK (Buch #1 der Reihe Oliver Blue und die Schule für Seher) stehen jeweils als kostenloser Download bei Google Play zur Verfügung!
Morgan freut sich, von Ihnen zu hören. Besuchen Sie also www.morganricebooks.com
Ausgewähltes Kritikerlob für Morgan Rice
"Wenn Sie glaubten, dass es nach dem Ende der Serie RING DER ZAUBEREI keinen Grund mehr zum Leben gäbe, haben Sie sich geirrt. Mit DER AUFSTAND DER DRACHEN hat Morgan Rice eine weitere brillante Serie entwickelt, die uns in eine Fantasy-Welt von Trollen und Drachen, von Tapferkeit, Ehre, Mut, Magie und Schicksal entführt. Morgan hat es wieder geschafft, starke Figuren zu kreieren, mit denen wir auf jeder Seite mitfiebern. Eine Bereicherung für die Bibliothek aller Leser, die eine gut geschriebene Fantasystory lieben.“
– Books and Movie Reviews, Roberto Mattos
"Eine actiongeladene Fantasystory, die Fans von Morgan Rices früheren Romanen und Fans von Werken wie DIE ERAGON-TETRALOGIE von Christopher Paolini begeistern wird. Fans von Fiktion für junge Erwachsene werden diese neueste Arbeit von Rice verschlingen und um mehr bitten.“
– The Wanderer, A Literary Journal (zu Der Aufstand der Drachen)
„Eine temperamentvolle Fantasy-Erzählung, die Elemente von Geheimnis und Intrige in ihre Handlung einbindet. Bei Queste der Helden geht es darum, den Mut zu finden, seiner Bestimmung zu folgen, die zu Wachstum, Reife und Brillanz führt. Wer kraftvolle Fantasy-Abenteuer sucht, wird von den Protagonisten und Aktionen dieser Erzählung mit packenden Begegnungen belohnt. Thors Entwicklung von einem verträumten Kind zu einem jungen Erwachsenen mit unmöglichen Überlebenschancen findet vor diesem mitreißenden Hintergrund statt. Der Beginn einer epischen Serie für junge Erwachsene.“
– Midwest Book Review (D. Donovan, eBook-Rezensent)
“Der Ring der Zauberei hat alle Zutaten für einen umgehenden Erfolg: Komplotte, Gegenkomplotte, Geheimnisse, tapfere Ritter und junge, erblühende Beziehungen voller gebrochener Herzen, Täuschung und Verrat. Es wird Ihnen stundenlange Unterhaltung verschaffen und alle Altersgruppen begeistern. Eine Bereicherung für die Bibliothek aller Fantasy-Leser.“
– Books and Movie Reviews, Roberto Mattos
„In diesem actiongeladenen ersten Buch der epischen Fantasy-Reihe Ring der Zauberei
BÜCHER VON MORGAN RICE
DAS ZEITALTER DER MAGIER
REICH DER DRACHEN (BUCH #1)
THRON DER DRACHEN (BUCH #2)
VON DRACHEN GEBOREN (BUCH #3)
OLIVER BLUE UND DIE SCHULE FÜR SEHER
DIE ZAUBERFABRIK (BUCH #1)
DIE KUGEL VON KANDRA (BUCH #2)
DIE OBSIDIANE (BUCH #3)
DAS FEUERZEPTER (BUCH #4)
DIE INVASIONSCHRONIKEN
ÜBERMITTLUNG (BUCH #1)
ANKUNFT (BUCH #2)
DER WEG DES STAHLS
EHRE WEM EHRE GEBÜHRT (BUCH #1)
NUR DEN TAPFEREN (BUCH #2)
NUR DEN AUSERWÄHLTEN (BUCH #3)
EIN THRON FÜR SCHWESTERN
EIN THRON FÜR SCHWESTERN (BUCH #1)
EIN GERICHT FÜR DIEBE (BUCH #2)
EIN LIED FÜR WAISEN (BUCH #3)
EIN KLAGELIED FÜR DIE PRINZESSIN (BUCH #4)
EIN JUWEL FÜR KÖNIGE (BUCH #5)
EIN KUSS FÜR KÖNIGINNEN (BUCH #6)
EINE KRONE FÜR MÖRDER (BUCH #7)
EIN HÄNDEDRUCK FÜR THRONERBEN (BUCH #8)
FÜR RUHM UND KRONE
SKLAVIN, KRIEGERIN, KÖNIGIN (BUCH #1)
SCHURKIN, GEFANGENE, PRINZESSIN (BUCH #2)
RITTER, THRONERBE, PRINZ (BUCH #3)
REBELL, SCHACHFIGUR, KÖNIG (BUCH #4)
SOLDAT, BRUDER, ZAUBERER (BUCH #5)
HELD, VERRÄTER, TOCHTER (BUCH #6)
HERRSCHER, RIVALE, VERBANNTE (BUCH #7)
SIEGER, BESIEGTER, SOHN (BUCH #8)
VON KÖNIGEN UND ZAUBERERN
DER AUFSTAND DER DRACHEN (BUCH #1)
DER AUFSTAND DER TAPFEREN (BUCH #2)
DAS GEWICHT DER EHRE (BUCH #3)
DIE SCHMIEDE DES MUTS (BUCH #4)
EIN REICH DER SCHATTEN (BUCH #5)
DIE NACHT DER VERWEGENEN (BUCH #6)
DER RING DER ZAUBEREI
QUESTE DER HELDEN (BUCH #1)
MARSCH DER KÖNIGE (BUCH #2)
FESTMAHL DER DRACHEN (BUCH #3)
KAMPF DER EHRE (BAND #4)
SCHWUR DES RUHMS (BAND #5)
ANGRIFF DER TAPFERKEIT(BAND #6)
RITUS DER SCHWERTER (BAND #7)
GEWÄHR DER WAFFEN (BAND #8)
HIMMEL DER ZAUBER (BAND #9)
MEER DER SCHILDE (BAND #10)
REGENTSCHAFT DES STAHLS (BAND #11)
LAND DES FEUERS (BAND #12)
DIE HERRSCHAFT DER KÖNIGINNEN (BAND #13)
DER EID DER BRÜDER (BAND #14)
DER TRAUM DER STERBLICHEN (BAND #15)
DAS TOURNIER DER RITTER (BAND #16)
DAS GESCHENK DER SCHLACHT (BAND #17)
DIE TRILOGIE DES ÜBERLEBENS
ARENA EINS: DIE SKLAVENTREIBER (BAND #1)
ARENA ZWEI (BAND #2)
DER WEG DER VAMPIRE
GEWANDELT (BAND #1)
VERGÖTTERT (BAND #2)
VERRATEN (BAND #3)
BESTIMMT (BAND #4)
BEGEHRT (BAND #5)
VERMÄHLT (BAND #6)
GELOBT (BAND #7)
GEFUNDEN (BAND #8)
ERWECKT (BAND #9)
ERSEHNT (BAND #10)
INHALT
KAPITEL EINS
KAPITEL ZWEI
KAPITEL DREI
KAPITEL VIER
KAPITEL FÜNF
KAPITEL SECHS
KAPITEL SIEBEN
KAPITEL ACHT
KAPITEL NEUN
KAPITEL ZEHN
KAPITEL ELF
KAPITEL ZWÖLF
KAPITEL DREIZEHN
KAPITEL VIERZEHN
KAPITEL FÜNFZEHN
KAPITEL SECHZEHN
KAPITEL SIEBZEHN
KAPITEL ACHTZEHN
KAPITEL NEUNZEHN
KAPITEL ZWANZIG
KAPITEL EINUNDZWANZIG
KAPITEL ZWEIUNDZWANZIG
KAPITEL DREIUNDZWANZIG
KAPITEL VIERUNDZWANZIG
KAPITEL FÜNFUNDZWANZIG
KAPITEL SECHSUNDZWANZIG
KAPITEL SIEBENUNDZWANZIG
KAPITEL ACHTUNDZWANZIG
KAPITEL NEUNUNDZWANZIG
KAPITEL DREISSIG
KAPITEL EINUNDREISSIG
KAPITEL ZWEIUNDDREISSIG
KAPITEL DREIUNDREISSIG
KAPITEL VIERUNDDREISSIG
KAPITEL FÜNFUNDDREISSIG
KAPITEL SECHSUNDDREISSIG
KAPITEL SIEBENUNDDREISSIG
KAPITEL ACHTUNDDREISSIG
KAPITEL NEUNUNDDREISSIG
König Godwin III. vom Nordreich hatte zu seiner Zeit viele Dinge gesehen. Er hatte Armeen marschieren sehen und er hatte erlebt, was Magie bewirken konnte, doch jetzt konnte er nur auf den Körper der Kreatur starren, die ausgestreckt und unbeweglich vor ihm im Gras lag – dessen Knochen und Schuppen diesen Moment im Abendlicht surreal, ja gar unmöglich erscheinen ließen.
Der König stieg von seinem Pferd ab, das sich weigerte, näher heranzugehen, sei es, dass die Kreatur ihm Angst machte oder der Ort, an dem sie sich befanden. Sie waren mehr als einen Tag lang von Royalsport gen Süden geritten, sodass sie nun das Rauschen des Slate aus nur noch ein paar Dutzend Metern Entfernung hören konnten – die Landschaft seines Königreiches stürzte hier herab, in das brüllende, gnadenlose, gewaltige Wasser des Flusses. Dahinter, auf der anderen Seite, stünden vielleicht Beobachter aus dem Süden, die ihrerseits starrten, selbst über die gewaltige Breite des Flusses hinaus. Godwin hoffte, dass es nicht so war, und nicht nur, weil er und die anderen so weit von zu Hause entfernt waren, ungeschützt jedem ausgeliefert, der über die Brücken zwischen den Königreichen gelangen konnte. Er wollte nicht, dass sie dies hier sahen.
König Godwin trat vor und die kleine Menge, die mit ihm gekommen war, schien zu überlegen, ob sie das Gleiche tun sollte. Es gab nicht viele von ihnen, denn er war nicht sicher … ob er wollte, dass die Leute diesen Anblick sähen. Sein ältester Sohn, Rodry, war da, dreiundzwanzig, und das Ebenbild des Mannes, der Godwin einst gewesen war, groß und kräftig gebaut – allein das helle Haar, an den Schläfen rasiert, damit es seine Schwertkunst nicht behindern konnte, erinnerte an seine Mutter. Rodrys Brüder, Vars und Greave, waren immer noch zu Hause, keiner von ihnen war der Typ, der auf einen solchen Ausritt ging. Vars würde sich wahrscheinlich beschweren, dass Rodry dafür ausgewählt worden war – nicht, dass Vars sich jemals für irgendetwas, das den Hauch einer Gefahr bergen könnte, freiwillig gemeldet hätte. Greave steckte wahrscheinlich bei seinen Büchern in der Bibliothek.
Seine Töchter wären, offen gesagt, eher mitgekommen, oder zumindest zwei von ihnen. Die jüngste, Erin, hätte das Abenteuer genossen. Nerra hätte gerne die Seltsamkeit der Kreatur mit eigenen Augen gesehen und wahrscheinlich über ihren Tod getrauert, trotz dessen, was es war. Godwin lächelte bei dem Gedanken an ihr gütiges Wesen, doch, wie immer, starb das Lächeln bei dem Gedanken an ihren letzten Hustenanfall und an die Krankheit, die sie so sorgfältig verborgen hielten, ein wenig ab. Lenore hätte es wahrscheinlich vorgezogen, im Schloss zu bleiben, doch sie musste sich auch auf eine Hochzeit vorbereiten.
Anstelle dieser anderen jedoch, waren es Godwin und Rodry. Ein halbes Dutzend Ritter des Sporns begleiteten ihn, Lars und Borus, Halfin und Twell, Ursus und Jorin, alles Männer, denen Godwin vertraute und die ihm teilweise jahrzehntelang gute Dienste geleistet hatten – ihre Rüstungen, die mit den von ihnen gewählten Symbolen geprägt waren, glänzten leicht von der sprühenden Gischt des Flusses. Dann waren da noch die Dorfbewohner, die dieses Ding gefunden hatten, und, auf einem kränklich aussehenden Pferd, saß die in eine Robe gehüllte Gestalt seines Magiers.
„Grey“, sagte König Godwin und winkte den Mann heran.
Meister Grey trat langsam vor und stützte sich auf seinen Stab.
Unter anderen Umständen hätte König Godwin über den Kontrast zwischen ihnen gelacht. Grey war schlank und sein Kopf rasiert, seine Haut war so blass, dass sie seinem Namen gerecht wurde, und er kleidete sich in Gewänder aus Weiß und Gold. Godwin war größer, breitschultrig und, offen gesagt, diese Tage auch recht umfangreich um die Taille, in voller Rüstung und mit vollem Bart, mit dunklen Haaren bis zu den Schultern.
„Glaubt Ihr, die machen uns hier etwas vor?“, fragte König Godwin und nickte in Richtung der Dorfbewohner.
Godwin wusste, auf welche Weisen die Männer es versuchten, mit Kuhknochen und Lederstücken, aber sein Magier beantwortete seine Frage nicht. Grey schüttelte nur den Kopf und sah ihm direkt in die Augen.
Ein Schauer lief Godwins Rücken herunter. Es gab keinen Zweifel an der Realität. Dies war kein Schwindel, den die Männer erfunden hatten, um sich Geld oder Gefallen zu verschaffen.
Dies war ein Drache.
Die Schuppen waren rot wie Blut, das über rostiges Eisen gegossen wurde. Seine Zähne waren wie Elfenbein, so lang, wie ein Mann groß war, und seine Krallen waren rasiermesserscharf. Große Flügel breiteten sich aus, zerlumpt und zerrissen, riesig und fledermausartig, und schienen kaum kraftvoll genug, um ein so großes Tier in die Luft zu schwingen. Der Körper der Kreatur lag zusammengerollt auf dem Boden, länger als ein Dutzend Pferde, groß genug, um Godwin wie ein Spielzeug in die Höhe zu heben, wäre er noch am Leben.
„Ich habe noch nie zuvor einen gesehen“, gab König Godwin zu und legte eine Hand auf die schuppige Haut. Er erwartete halbwegs, dass sie warm wäre, doch stattdessen fühlte er nur die kalte Stille des Todes.
„Das haben auch nur wenige“, sagte Grey. Wo Godwins Stimme tief und klangvoll war, war Greys Stimme fast wie ein Flüstern, wie das Rascheln von Papier.
Der König nickte. Natürlich würde der Magier nicht alles preisgeben, was er wusste. Es war kein Gedanke, der ihn tröstete. Gerade jetzt einen Drachen zu sehen, und einen toten Drachen dazu …
„Was wissen wir darüber?“, fragte der König. Er ging die Länge der Kreatur entlang, bis zum Schwanz, der sich unglaublich lang dahinter erstreckte.
„Ein Weibchen“, sagte der Magier, „und rot – mit allem, was dies impliziert.“
Natürlich erklärte er nicht, was es bedeutete. Der Magier ging um den Drachen herum und sah nachdenklich aus. Gelegentlich warf er einen Blick ins Landesinnere, als würde er etwas berechnen.
„Wie ist sie gestorben?“, fragte Godwin. Zu seiner Zeit hatte er genug Schlachten erlebt, aber er konnte an der Kreatur weder eine Axt- noch eine Schwertwunde entdecken, mehr noch, er konnte sich auch nicht vorstellen, welche Waffe einem solchen Tier schaden könnte.
„Vielleicht … nur das Alter.“
Godwin starrte zurück.
„Ich dachte, sie würden ewig leben“, sagte Godwin. In diesem Moment war er kein König, sondern der Junge, der vor all den Jahren zum ersten Mal Meister Grey aufgesucht hatte, auf der Suche nach Hilfe und Wissen. Der Magier schien schon damals alt gewesen zu sein.
„Nicht ewig. Tausend Jahre, geboren nur am Drachenmond“, sagte Grey und klang, als würde er etwas zitieren.
„Tausend Jahre sind immer noch zu viele Jahre für uns, um hier einen toten Drachen zu finden“, sagte König Godwin.“Es gefällt mir nicht. Es fühlt sich zu sehr wie ein Omen an.“
„Möglich“, gab Grey zu und er war kaum der Mann, der so etwas gerne zugab. „Der Tod ist manchmal ein mächtiges Omen. Manchmal bedeutet es nur den Tod. Und manchmal auch das Leben.“
Er warf einen Blick zurück in Richtung des Königreichs.
König Godwin seufzte und zweifelte daran, dass er den Mann jemals wirklich verstehen würde. Dann starrte er das Tier an und versuchte, herauszufinden, wie etwas so Mächtiges, so Großartiges hatte sterben können. Es gab keine Anzeichen eines Kampfes, keine offensichtlichen Wunden. Er starrte in die Augen der Kreatur, als ob sie ihm irgendeine Antwort geben könnten.
„Vater?“, rief Rodry.
König Godwin wandte sich seinem Sohn zu. Er sah genauso aus wie Godwin in seinem Alter, muskulös und kraftvoll, obwohl er eine Spur von dem guten Aussehen und den helleren Haaren seiner Mutter hatte, die ihn nun, da sie gegangen war, an sie erinnerten. Er saß auf einem Streitross, seine Rüstung schimmerte blau. Er wirkte ungeduldig, die Aussicht, dort still und untätig herumzustehen, gefiel ihm nicht. Wahrscheinlich hatte er gehofft, als er hörte, dass man einen Drachen gefunden hatte, dass er die Gelegenheit erhalten würde, gegen einen zu kämpfen. Er war noch jung genug, um zu glauben, er könne jeden Kampf gewinnen.
Die Ritter um ihn herum warteten geduldig auf die Anweisungen ihres Königs.
König Godwin wusste, dass sie nicht all zu viel Zeit hier draußen verbringen sollten. So nah am Fluss bestand die Gefahr, dass die Südländer über eine der Brücken glitten, und es wurde dunkel.
„Wenn Ihr Euch zu viel Zeit lasst, wird die Königin denken, dass wir beide versuchen, uns vor den Hochzeitsvorbereitungen zu drücken“, bemerkte Rodry. „Wir werden lange genug brauchen, um zurückzukehren, auch wenn wir hart reiten.“
Und da war dieses. Da Lenores Hochzeit nur eine Woche entfernt war, würde Aethe wahrscheinlich nicht besonders verständnisvoll reagieren, besonders nicht, wenn er mit Rodry unterwegs war. Trotz seiner Bemühungen glaubte sie immer noch, dass er seine drei Söhne von Illia gegenüber den drei Töchtern bevorzugte, die sie ihm geschenkt hatte.
„Wir werden bald zurück sein“, sagte König Godwin. „Zuerst müssen wir jedoch etwas dagegen unternehmen.“ König Godwin warf einen Blick zu Grey hinüber, bevor er fortfuhr. „Wenn die Leute von einem Drachen hören, ganz zu schweigen von einem toten Drachen, werden sie denken, dass es ein böses Omen ist, und ich erlaube in der Woche von Lenores Hochzeit keine schlechten Omen.“
„Nein, natürlich nicht“, sagte Rodry und sah beschämt aus, dass er selbst nicht daran gedacht hatte. „Also, was machen wir?“
Darüber hatte der König schon nachgedacht. Seinen Taschen entnehmend, was immer er an Münzen hatte, ging er zuerst zu den Dorfbewohnern hinüber.
„Ihr habt meinen Dank dafür, dass Ihr mir davon erzählt habet“, sagte er und reichte ihnen die Münzen. „Kehrt jetzt nach Hause zurück und erzählt niemandem, was Ihr gesehen habt. Ihr wart nicht hier, dies ist nicht geschehen. Wenn ich etwas anderes höre …“
Sie nahmen die unausgesprochene Drohung wahr und verneigten sich hastig.
„Ja, mein König“, sagte einer, bevor sie beide davon eilten.
„Und nun“, sagte er und wandte sich an Rodry und die Ritter.“Ursus, Ihr seid der Stärkste; mal sehen, wie viel Kraft Ihr tatsächlich habt. Hole Seile, einer von Euch, damit wir alle das Biest ziehen können.“
Der größte seiner Ritter nickte zustimmend, und alle machten sich an die Arbeit und wühlten in ihren Satteltaschen, bis einer von ihnen dicke Seile hervorzog. Twell, dem Vorausplaner, konnte man vertrauen, dass er stets auf alles vorbereitet war.
Sie banden die Überreste des Drachen zusammen und brauchten dafür länger, als es König Godwin lieb war. Die schiere Masse des Tieres schien den Versuchen zu widerstehen, es zusammenzubinden, sodass Jorin, der wendigste unter ihnen, mit einem Seil über der Schulter über die Kreatur klettern musste, damit sie es fesseln konnten. Selbst mit seiner schweren Rüstung sprang er leichtfüßig wieder hinunter. Irgendwann hatten sie es geschafft, den Drachen zusammenzubinden. Der König ging zu ihnen hinunter und ergriff das Seil.
“Nun?“, sagte er zu den anderen.“Glaubt Ihr, ich werde das alleine in den Slate schleppen?“
Es gab eine Zeit, in der er vielleicht geglaubt hätte, dass er es tun könnte, als er so stark gewesen war wie Ursus oder Rodry. Jetzt kannte er sich jedoch gut genug, um zu wissen, wann er Hilfe brauchte. Die Männer dort verstanden den Hinweis und nahmen das Seil. König Godwin spürte den Moment, in dem sein Sohn begann, seine Kraft mit einzubringen, indem er von der anderen Seite gegen die Leiche des Drachen drückte und dabei vor Anstrengung stöhnte.
Langsam begann er sich zu bewegen und hinterließ Spuren im Dreck, als sie seine Masse verlagerten. Nur Grey beteiligte sich nicht an den Bemühungen. Ehrlich gesagt, es hätte auch kaum einen Unterschied gemacht. Schritt für Schritt zog die Gruppe den Drachen näher an den Fluss.
Schließlich erreichten sie das Ufer und hielten ihn an der Stelle in Position, an der der Boden in Richtung des Flusses abfiel, und die sowohl die Grenze des Königreichs als auch seine Verteidigungslinie darstellte. Sie hatten die Kreatur so perfekt in Position gebracht, als ob jederzeit ein Atemzug hindurchwehen könnte, und sie nach einem kurzen Blick zu König Godwin, wieder bereit wäre, in die Länder des Südens hinauszufliegen.
Er stellte einen Stiefel gegen seine Flanke und trat das Drachenweibchen, keuchend vor Anstrengung, über die Uferböschung.
„Es ist geschafft“, sagte er, als sie mit einem klatschenden Geräusch auf das Wasser schlug.
Sie verschwand jedoch nicht sofort . Stattdessen wogte sie dort hin und her, die schiere Wildheit des stahlgrauen Wassers genug, um es flussabwärts wegzutragen – der Körper des Drachen prallte gegen Felsen und drehte sich in der Strömung. Es war eine Strömung, gegen die kein Mann anschwimmen konnte und in der selbst ein gewaltiger Drache verschwindend geringe Bedeutung hatte. Er wurde in Richtung des wartenden Meeres heruntergezogen, und das dunkle Wasser raste, um sich mit dem größeren der beiden Körper zu verbinden.
„Hoffen wir nur, dass sie noch kein Gehege angelegt hat“, murmelte Grey.
König Godwin stand am Ufer, zu müde, um den Mann zu fragen, und seine Augen folgten der Leiche der Kreatur, bis sie außer Sichtweite war. Er wollte sicher sein, dass sie nicht in sein Königreich zurückkehrte, sagte er sich, dass sie nicht zurückkam, um erneut Ärger zu verursachen. Er sagte sich, dass ihm in diesem Moment der Atem stockte, weil er kein junger Mann mehr war. Das war jedoch nicht die Wahrheit. Die Wahrheit war, dass er besorgt war. Er hatte sein Königreich lange Zeit regiert und dergleichen hatte er noch nie zuvor erlebt. Dass es jetzt geschah, bedeutete, dass noch etwas Bedeutenderes im Anzug war.
Devin träumte und in seinem Traum befand er sich an einem Ort weit außerhalb der Schmiede, in der er arbeitete, und sogar außerhalb der Stadt Royalsport, in der er und seine Familie lebten. Er träumte oft und in seinen Träumen konnte er überall hingehen, alles sein. In seinen Träumen konnte er der Ritter sein, der er immer sein wollte.
Dieser Traum war allerdings seltsam. Zum einen wusste er, dass er sich in einem Traum befand, was er normalerweise nicht tat. Es bedeutete, dass er darin herumwandern konnte, und er schien sich zu verändern, während er ihn betrachtete, sodass er selbst die Landschaften um sich herum schuf.
Es war, als würde er über das Königreich schweben. Unten konnte er sehen, wie sich das Land unter ihm ausbreitete, der Norden und der Süden, geteilt durch den Slate, und Leveros, die Mönchsinsel, im Osten. Im hohen Norden, am Rande des Königreichs, fünf oder sechs Tagesritte entfernt, konnte er die Vulkane sehen, die seit Jahren ruhten. Weit im Westen konnte er gerade noch den Dritten Kontinent erkennen, von dem die Leute nur flüsternd sprachen, aus Ehrfurcht vor den Dingen, die dort lebten.
Es war nur ein Traum, aber er wusste, dass er dennoch eine bemerkenswert genaue Sicht auf das Königreich hatte.
Jetzt befand er sich nicht mehr über der Welt. Jetzt befand er sich in einem dunklen Raum, und etwas war mit ihm darin: es war eine Gestalt, die diesen Raum ausfüllte, sie roch muffig, trocken und reptilisch. Flackerndes Licht spiegelte sich in den Schuppen, und im Halbdunkel glaubte er, das Rascheln der Bewegungen und das Atmen zu hören, wie ein Blasebalg. In seinem Traum spürte Devin, wie seine Angst zunahm, seine Hand sich reflexartig um den Griff eines Schwertes schloss und eine Klinge aus blauschwarzem Metall hob.
Große goldene Augen öffneten sich im Dunkeln, erneut flackerte Licht auf. Darin konnte er einen großen Körper mit dunklen Schuppen erkennen, etwas so Großes hatte er noch nie zuvor gesehen. Die Flügel waren zusammengerollt und der Mund weit geöffnet, er offenbarte ein Licht im Inneren. Devin blieb nur ein Moment, um zu erkennen, dass es das Flackern von Flammen war, das aus dem Mund der Kreatur kam, und dann gab es nur noch Flammen, die ihn umgaben und die ganze Welt erfüllten …
Die Flammen wichen zurück, und jetzt saß er in einem Raum, dessen Wände ihn kreisförmig umgaben, so, als befände er sich ganz oben in einem Turm. Der Platz war vom Boden bis zur Decke mit Krimskrams gefüllt, der aus Dutzenden von Orten und Zeiten zusammengetragen worden sein musste. Siebdrucke bedeckten die Wände und in Regalen standen Messinggegenstände, von denen Devin nicht den Hauch einer Ahnung hatte, wozu sie gut sein könnten.
Dort saß ein Mann mit gekreuzten Beinen an einer der wenigen freien Stellen in einem Kreidekreis, umgeben von Kerzen. Er war kahl und er blickte sehr ernst drein – seine Augen waren auf Devin fixiert. Er trug üppige Roben, die mit Siegeln bestickt waren, und Schmuck, der mystische Muster verkörperte.
„Kennt Ihr mich?“, fragte Devin, als er näher kam.
Eine lange Stille folgte, sie war so lang, dass Devin sich fragte, ob er die Frage überhaupt gestellt hatte.
„Die Sterne sagten, wenn ich hier träume, würdest Du kommen“, sagte die Stimme schließlich. „Derjenige, der sein soll.“
Devin wurde klar, wer dieser Mann war.
„Ihr seid Meister Grey, der Magier des Königs.“
Er schluckte bei dem Gedanken daran. Sie sagten, dass dieser Mann die Macht habe, Dinge zu sehen, die kein vernünftiger Mann würde sehen wollen; dass er dem König den Moment des Todes seiner ersten Frau vorhergesagt hatte und alle gelacht hatten – bis der Ohnmachtsanfall sie überkam und ihr Kopf auf dem Stein einer der Brücken zersplittert war. Sie sagten, er könne in die Seele eines Mannes schauen und alles herausholen, was er dort gesehen habe.
Derjenige, der sein soll.
Was könnte das heißen?
„Ihr seid Meister Grey.“
„Und Du bist der Junge, der an dem unmöglichsten aller Tage geboren wurde. Ich habe gesucht und gesucht, und Du solltest nicht existieren. Aber Du tust es.“
Devins Herz raste bei dem Gedanken, dass der Magier des Königs wusste, wer er war. Warum sollte sich ein Mann wie dieser für ihn interessieren?
Und er wusste in diesem Moment, dass dies mehr als nur ein Traum war.
Dies war eine Begegnung.
„Was wollt Ihr von mir?“, fragte Devin.
„Wollen?“ Die Frage schien den Magier fast zu überraschen, wenn dies überhaupt möglich war.“Ich wollte Dich nur höchstpersönlich sehen. Dich an dem Tag sehen, an dem sich Dein Leben für immer verändern wird.“
Devin brannte mit Fragen, aber in diesem Moment griff Meister Grey nach einer der Kerzen um ihn herum und löschte sie mit zwei langen Fingern, während er etwas kaum hörbares murmelte.
Devin wollte vortreten, wollte begreifen, was vor sich ging, aber stattdessen spürte er eine Kraft, die er nicht verstehen konnte und die ihn rückwärts aus dem Turm zurück in die Dunkelheit zog.
***
„Devin!“, rief seine Mutter. „Wach auf, oder Du wirst das Frühstück verpassen.“
Devin fluchte und seine Augenlider flogen nach oben. Das Morgengrauen warf bereits die ersten Lichtstrahlen durch das Fenster des kleinen Hauses seiner Familie. Es bedeutete, dass er, wenn er sich nicht beeilte, nicht früh genug zum Haus der Waffen gelangte, er keine Zeit mehr für irgendetwas anderes haben würde, sondern sich direkt in die Arbeit stürzen musste.
Er lag schwer atmend im Bett und versuchte, die Schwere, die Echtheit der Träume abzuschütteln.
Aber wie er es auch versuchte, er schaffte es nicht. Es hing wie ein schwerer Umhang über ihm.
“DEVIN!“
Devin schüttelte den Kopf.
Er sprang aus dem Bett und beeilte sich, sich anzuziehen. Seine Kleider waren einfache, schlichte Stücke, stellenweise geflickt. Einige waren alte Kleidungsstücke seines Vaters, die ihm nicht gut passten, da Devin mit sechzehn Jahren immer noch schlanker war als er, nicht breiter als der Durchschnitt für einen Jungen in seinem Alter, auch wenn er etwas größer war. Er strich sich sein dunkles Haar aus den Augen, mit den Händen, die bereits ihren Teil an kleinen Brandflecken und Schnittwunden aus dem Haus der Waffen erhalten hatten, er wusste, dass es schlimmer werden würde, wenn er älter wäre. Der alte Gund konnte einige seiner Finger kaum bewegen, die anstrengende Arbeit hatte ihm so viel abverlangt.
Devin zog sich an und eilte in die Küche des Familienhäuschens. Er saß da und aß mit seiner Mutter und seinem Vater Eintopf am Küchentisch. Er moppte die Reste mit einem Stück hartem Brot auf und wusste, dass, auch wenn es einfaches Essen war, er es für den harten Arbeitstag im Haus der Waffen brauchen würde. Seine Mutter war so zart wie ein kleiner Vogel und neben ihm sah sie so zerbrechlich aus, dass es schien, als würde sie unter der Last der Arbeit, die sie jeden Tag leistete, zerbrechen, aber sie tat es nie.
Sein Vater war auch kleiner als er, doch er war breit und muskulös und hart wie Teakholz. Jede seiner Hände war wie ein Hammer, und auf seinen Unterarmen liefen Tätowierungen, die von anderen Orten erzählten, vom südlichen Königreich bis zu den Ländern auf der anderen Seite des Meeres. Es gab sogar eine kleine Karte, die beide Länder zeigte, aber auch die Insel Leveros und den Kontinent Sarras, der so weit weg über das Meer lag.
„Warum starrst Du auf meine Arme, Junge?“, fragte sein Vater mit rauer Stimme. Er war kein Mann, dem es jemals leicht gefallen war, Zuneigung zu zeigen. Selbst als Devin seine Arbeitsstelle im Haus bekommen hatte, selbst als er die Fähigkeit bewiesen hatte, Waffen zu schmieden, die denen der besten Meister in nichts nachstanden, hatte sein Vater kaum genickt.
Devin wollte ihm unbedingt von seinem Traum erzählen. Aber er wusste es besser. Sein Vater würde ihn demütigen, Eifersucht würde in ihm ausbrechen.
„Ich habe nur ein Tattoo entdeckt, das ich noch nicht gesehen habe“, sagte Devin. Normalerweise trug sein Vater längere Ärmel, und Devin war selten lange genug da, um genauer hinzusehen. „Warum hat dieses Sarras und Leveros darauf? Seid Ihr dorthin gegangen, als Sie ein …“
„Das geht Dich nichts an!“, schnappte sein Vater, das Maß seiner Verärgerung widersprach merkwürdigerweise der Einfachheit der Frage. Hastig zog er seine Ärmel herunter und band die Stege an den Handgelenken zusammen, sodass Devin nichts mehr sehen konnte. „Es gibt Dinge, nach denen Du nicht fragst!“
„Es tut mir leid“, sagte Devin. Es gab Tage, an denen Devin kaum wusste, was er seinem Vater sagen sollte; Tage, an denen er sich kaum wie sein Sohn fühlte. „Ich sollte mich auf den Weg zur Arbeit machen.“
„So früh? Du wirst doch wieder mit dem Schwert üben, oder?“, wollte sein Vater wissen. „Du versuchst immer noch, ein Ritter zu werden.“
Er wirkte wirklich wütend und Devin wusste einfach nicht warum.
„Wäre das so eine schreckliche Sache?“, fragte Devin vorsichtig.
„Kenne Deinen Platz, Junge“, spuckte sein Vater. „Du bist kein Ritter. Nur ein Bürgerlicher – wie der Rest von uns.“
Devin unterdrückte eine wütende Antwort. Er hatte mindestens noch eine Stunde, bevor er zur Arbeit gehen musste, aber er wusste, wenn er blieb, wäre ein Streit fast unumgänglich, so wie bei all den Streitigkeiten zuvor.
Er stand auf, machte sich nicht einmal die Mühe, sein Essen zu beenden, und ging hinaus.
Gedämpftes Sonnenlicht empfing ihn. Um ihn herum schlief der größte Teil der Stadt noch und sie lag ruhig in dieser frühesten Morgenstunde, selbst diejenigen, die nachts gearbeitet hatten, waren nach Hause zurückgekehrt. Es bedeutete, dass Devin die meisten Straßen für sich alleine hatte, als er sich auf den Weg zum Haus der Waffen machte und angestrengt, so schnell er konnte, über die Pflastersteine rannte. Je früher er dort ankam, desto mehr Zeit hätte er – in jedem Fall jedoch hatte er auch mitgehört, dass die Schwertmeister dort ihren Schülern sagten, dass diese Art von Übung unerlässlich sei, wenn sie Ausdauer im Kampf haben wollten. Devin war sich nicht sicher, ob einer von ihnen sie hatte, aber er hatte sie. Er würde jede Fähigkeit brauchen, die er nur erlangen könnte, wenn er Ritter werden wollte.
Devin ging weiter durch die Stadt, rannte schneller und härter und versuchte immer noch, die Überreste des Traumes abzuschütteln. War es wirklich eine Begegnung gewesen?
Derjenige, der sein soll.
Was könnte das heißen?
Der Tag, an dem sich Dein Leben für immer ändern wird.
Devin sah sich um, als suchte er nach einem Hinweis darauf, was sich für ihn an diesem Tag verändern würde.
Doch er sah nichts anderes als das gewöhnliche Treiben in der Stadt.
War es nur ein törichter Traum gewesen? Ein Wunsch?
Royalsport war ein Ort voller Brücken und Gassen, dunkler Ecken und seltsamer Gerüche. Bei Ebbe, wenn das Wasser des Flusses zwischen den Inseln, die ihn formten, niedrig genug war, gingen die Menschen über die Flussbetten, obwohl die Wachen versuchten, den Strom der Menschen zu regulieren und sicherzustellen, dass keiner von ihnen Gebiete betrat, in denen sie nicht erwünscht waren.
Die Wasserstraßen zwischen den Inseln bildeten eine Reihe konzentrischer Kreise, die reicheren Teile zum Herzen hin, waren geschützt durch die Ebenen des Flusses dahinter. Es gab dort Unterhaltungsviertel und Adelsviertel, dann die Viertel der Händler – und ärmere Gegenden, wo jeder, der sie passierte, gut beraten war, seinen Geldbeutel im Auge zu behalten.
Die Häuser ragten aus der Silhouette der Stadt heraus, ihre Gebäude beherbergten die alten Institutionen, die so alt waren wie das Königreich; älter noch, denn sie waren Relikte aus der Zeit, als die Drachenkönige regiert haben sollen, vor den Kriegen, die sie vertrieben hatten. Das Haus der Waffen stieß trotz der frühen Stunde schon Rauch aus, das Haus des Wissens bestand aus zwei ineinander verschlungenen Türmen, das vergoldete Haus der Kaufleute glänzte und das Haus der Seufzer stand im Herzen des Vergnügungsviertels. Devin schlängelte sich durch die Straßen und mied die wenigen anderen Gestalten, die wie er zu früher Stunde unterwegs waren, auf seinem Weg zum Haus der Waffen.
Als er ankam, war das Haus der Waffen fast so still wie der Rest der Stadt. Es gab einen Wachmann an der Tür, aber er kannte Devin vom Sehen und war es gewohnt, dass er zu seltsamer Stunde hereinkam. Devin nickte ihm im Vorbeigehen zu und trat ein. Er nahm das Schwert, an dem er zuletzt gearbeitet hatte – solide und zuverlässig, passend für die Hand eines echten Soldaten. Er beendete die Wicklung auf dem Griff und nahm es dann mit nach oben.
Dieser Raum hatte weder den Gestank der Schmiede noch den Dreck. Es war ein Ort aus sauberem Holz und Sägemehl, das verspritztes Blut auffangen sollte, dort lagen Waffen und Rüstungen auf Ständen und ein Übungsblock mit 12 Seiten stand in der Mitte. Er war umgeben von einer kleinen Anzahl von Bänken, auf denen die auf den Unterricht wartenden Personen Platz nahmen. Es gab dort Stangen und Bündel, alles war bereit, sodass edle Schüler hier üben konnten.
Devin ging zum drehenden Roland, einem Pfosten, der größer war als er, auf einem Sockel stehend und mit Metallstangen ausgestattet, die Waffen simulierten und als Reaktion auf die Schläge eines Schwertkämpfers frei schwangen. Die Fähigkeit, die man bei der Übung mit dem drehenden Roland erlangen sollte, war, zu schlagen und sich dann zu bewegen oder zu parieren, anzubinden, ohne die Waffe zu verlieren, und zu schlagen, ohne getroffen zu werden. Devin nahm eine hohe Position ein und tat den ersten Hieb.
Seine ersten Hiebe waren gleichmäßig, er vertiefte sich in seine Arbeit und testete das Schwert, das er hielt. Er fing die ersten paar Rückschläge der Pfosten auf, entglitt geschickt den nächsten und bekam langsam ein Gefühl für das Schwert, das er in der Hand hielt. Er begann, das Tempo zu erhöhen, seine Beinarbeit anzupassen und mit seinen Hieben von einer Seite des Roland zur nächsten zu wechseln: Ochs, Zornhut, Langer Ort und wieder zurück.
Irgendwo inmitten des Schauers von Hieben hörte er auf, an die einzelnen Bewegungen zu denken, an die Hiebe und Paraden und das Anbinden, und alles floss zu einem Ganzen zusammen – wo Stahl auf Stahl klang, und seine Klinge züngelte immer wieder vor, um zu schneiden und zu stoßen. Er arbeitete, bis ihm der Schweiß ausbrach. Die Stange bewegte sich jetzt mit Geschwindigkeiten, die Blutergüsse oder Verletzungen hervorrufen könnten, wenn er die Dinge einmal falsch einschätzte.
Schließlich trat er zurück und salutierte dem Roland, so wie er es bei Schwertkämpfern beobachtet hatte, die einem Gegner salutierten und prüfte dann die Klinge auf Schäden. Es gab keine Kerben oder Risse. Das war gut.
„Deine Technik ist gut“, sagte eine Stimme, Devin wirbelte herum und sah sich einem Mann von vielleicht dreißig Jahren gegenüber. Er trug eine Reithose und sein Hemd war fest an seinen Körper gebunden, um zu vermeiden, dass sich der Stoff mit einer vorbeiziehenden Klinge verhedderte. Er hatte langes dunkles Haar, das zu Zöpfen zusammengebunden war, die sich in einem Kampf nicht lösen würden, und eine Adlernase, über der stechend graue Augen seinem Blick begegneten. Er ging mit einem leichten Hinken wie von einer alten Verletzung. „Aber Du solltest Dein Gewicht von den Fersen lassen, wenn Du Dich umdrehst, es macht es Dir schwer, Dich anzupassen, solange Du in der Drehung bist.“
„Ihr … Ihr seid Schwertmeister Wendros“, sagte Devin. Das Haus hatte viele Schwertmeister, aber Wendros war derjenige, dem die Adligen am meisten zahlten, damit er sie lehrte, manche warteten Jahre darauf.
„Bin ich das?“ Er nahm sich einen Moment Zeit, um in einer Rüstung aus Plattenpanzern auf sein Spiegelbild zu starren. „Na, sieht so aus, als wäre ich das. Hmm, ich würde auf das hören, was ich dort gesagt habe, wenn ich Du wäre. Man sagt mir, ich weiß alles, was man über das Schwert wissen muss – als ob das viel wäre.“
„Jetzt höre Dir noch einen Rat an“, fügte Schwertmeister Wendros hinzu. „Gib es auf.“
„Was?“, sagte Devin geschockt.
„Gib Deinen Versuch auf, ein Schwertkämpfer zu werden“, sagte er. „Soldaten müssen nur wissen, wie man in einer Reihe steht. Ein Krieger zu sein, bedeutet mehr.“ Er beugte sich vor. „Viel mehr.“
Devin wusste nicht, was er sagen sollte. Er wusste, dass er auf etwas Größeres anspielte, etwas jenseits seiner Weisheit; er hatte jedoch keine Ahnung, was es sein könnte.
Devin wollte etwas sagen, aber ihm fielen keine Worte ein.
Und damit drehte Wendros sich um und marschierte in den Sonnenaufgang.
Devin dachte an den Traum, den er gehabt hatte. Er fühlte, dass diese beiden Ereignisse miteinander verbunden waren.
Prinzessin Lenore konnte kaum glauben, wie schön das Schloss war, als die Diener es zur Vorbereitung ihrer Hochzeit umgestalteten. Es verwandelte sich von einem Ding aus grauem Stein zu etwas, das mit blauer Seide und eleganten Wandteppichen überzogen war, Ketten von gewebten Versprechungen und baumelnden Schmuckstücken. Um sie herum beschäftigten sich ein Dutzend Dienstmädchen mit Kleidungs- und Dekorationselementen und sie schwirrten wie ein Schwarm von Arbeiterbienen um sie herum.
Sie taten es für sie und Lenore war wirklich dankbar dafür, auch wenn sie wusste, dass sie es als Prinzessin erwarten sollte. Lenore fand es immer erstaunlich, dass andere bereit waren, so viel für sie zu tun, nur weil sie es war. Sie schätzte Schönheit fast mehr als alles andere, und hier waren sie so fleißig dabei, gestalteten so viel mit Seide und Spitze, um das Schloss einfach wunderbar zu machen …
„Du siehst perfekt aus“, sagte ihre Mutter. Königin Aethe, ganz in dunklen Samt und glänzende Juwelen gehüllt, gab vom Zentrum dieser ganzen Geschäftigkeit aus ihre Anweisungen und sah dabei prächtig aus.
„Glaubt Ihr das?“, fragte Lenore.
Ihre Mutter führte sie vor den großen Spiegel, den ihre Dienstmädchen arrangiert hatten. Darin konnte Lenore die Ähnlichkeiten zwischen ihnen erkennen, von den fast schwarzen Haaren bis zu dem großen, schlanken Körper. Mit Ausnahme von Greave schlugen alle ihre Geschwister nach ihrem Vater, aber Lenore war definitiv die Tochter ihrer Mutter.
Dank der Bemühungen ihrer Zofen strahlte sie in Seide und Diamanten, ihr Haar war mit blauem Faden geflochten und ihr Kleid mit Silber bestickt. Ihre Mutter nahm geschickt noch die winzigsten Änderungen vor und küsste sie dann auf die Wange.
„Du siehst perfekt aus, genau wie eine Prinzessin es sollte.“
Von ihrer Mutter war dies das größte Kompliment, das sie bekommen konnte. Sie hatte Lenore immer gesagt, dass es ihre Pflicht als älteste Schwester war, die Prinzessin zu sein, die das Reich brauchte, und jederzeit so auszusehen und so zu agieren. Lenore tat ihr Bestes und hoffte, dass es genug sein würde. Und auch wenn es nie so schien, so versuchte Lenore dennoch, allen Erwartungen an sie gerecht zu werden.
Das erlaubte natürlich auch ihren kleinen Schwestern … andere Dinge zu sein. Lenore wünschte, Nerra und Erin wären auch da. Oh, Erin würde sich darüber beschweren, ein Kleid anprobieren zu müssen, und Nerra würde wahrscheinlich auf halbem Weg aufgeben müssen, weil sie sich unwohl fühlte, aber Lenore konnte sich niemanden vorstellen, den sie lieber hier haben wollte.
Nun, da war eine Person.
„Wann wird er hier sein?“, fragte Lenore ihre Mutter.
„Sie sagen, das Gefolge von Herzog Viris sei heute Morgen in der Stadt angekommen“, sagte ihre Mutter. „Sein Sohn sollte dabei sein.“
„Ist das so?“ Sofort rannte Lenore zum Fenster und hinaus zum Balkon, sie beugte sich darüber, als könnte sie, wenn sie sich etwas näher zur Stadt hinauslehnte, sehen, wie ihr Verlobter ankam. Sie blickte auf die durch Brücken verbundenen Inseln, die Royalsport ausmachten, aber aus dieser Höhe war es nicht möglich, Individuen zu erkennen, nur die konzentrischen Wasserringe zwischen den Inseln und die Gebäude, die dazwischen standen. Sie konnte die Wachbaracken sehen, in denen bei Ebbe Männer umherliefen, um den Verkehr über die Flüsse zu regeln, und die Häuser – mit Waffen und Seufzern, Wissen und Kaufleuten –, die jeweils im Herzen ihres Bezirks standen. Es gab die Häuser der ärmeren Leute auf den Inseln am Rande der Stadt und die großen Häuser der Reichen in der Nähe, einige sogar auf ihren eigenen kleinen Inseln. Das Schloss überragte selbstverständlich alles, aber das bedeutete nicht, dass Lenore den Mann finden konnte, den sie heiraten würde.
„Er wird hier sein“, versprach ihre Mutter. „Dein Vater hat morgen im Rahmen der Feierlichkeiten eine Jagd arrangiert, und der Herzog wird es nicht riskieren, sie zu verpassen.“
„Sein Sohn wird zu Vaters Jagd kommen, aber nicht, um mich zu sehen?“, fragte Lenore. Für einen Moment fühlte sie sich so nervös wie ein Mädchen, keine Frau von achtzehn vollen Sommern. Es war nur zu leicht vorstellbar, dass er sie nicht wollte, nicht liebte, in einer auf diese Weise arrangierten Ehe.
„Er wird Dich sehen und er wird Dich lieben“, versprach ihre Mutter. „Wie könnte jemand das nicht tun?“
„Ich weiß nicht, Mutter … er hat mich noch nicht einmal kennengelernt“, sagte Lenore und spürte wie ihre Nerven drohten, sie zu überwältigen.
„Er wird es bald tun, und …“ Ihre Mutter hielt inne, als ein Klopfen an der Tür zur Kammer zu hören war. „Komm herein.“
Ein anderes Dienstmädchen trat ein, sie war weniger reich gekleidet als die anderen, sie war eine Dienerin für die Burg, nicht für die Prinzessin.
„Eure Majestät, Eure Hoheit,“ begann sie mit einem Knicks. „Ich wurde geschickt, um Euch mitzuteilen, dass Finnal, der Sohn von Herzog Viris, angekommen ist und im Vorzimmer wartet, wenn Ihr Zeit habt, ihn vor dem Festmahl zu empfangen.“
Ah, das Festmahl. Ihr Vater hatte ein Festmahl für eine ganze Woche und mehr angekündigt, voller Unterhaltung und offen für jedermann.
„Wenn ich Zeit habe?“, fragte Lenore und erinnerte sich dann daran, wie die Dinge am Hof gehandhabt wurden. Schließlich war sie eine Prinzessin. „Natürlich. Bitte sagt Finnal, dass ich direkt nach unten komme werde.“
Sie drehte sich zu ihrer Mutter um. „Kann es sich Vater leisten, beim Festmahl so großzügig zu sein?“, fragte sie. „Ich bin nicht … ich verdiene keine ganze Woche und mehr und sicher reißt es ein großes Loch in unsere Finanzen und unsere Vorräte.“
„Dein Vater will großzügig sein“, sagte Lenores Mutter. „Er sagt, dass die Jagd morgen genug Beute bringen würde, um dafür wieder gutzumachen.“ Sie lachte. „Mein Mann hält sich immer noch für den großen Jäger.“
„Und es ist eine gute Gelegenheit, Dinge zu organisieren, während die Leute mit dem Schlemmen beschäftigt sind“, vermutete Lenore.
„Das auch“, sagte ihre Mutter. „Nun, wenn es ein Fest geben soll, sollten wir sicherstellen, dass Du dafür gut aussiehst, Lenore.“
Sie friemelte noch ein paar Augenblicke an Lenore herum, und Lenore hoffte, dass sie gut genug aussah.
„Gehen wir jetzt zu deinem zukünftigen Ehemann?“
Lenore nickte, es war ihr nicht möglich, die Aufregung zu dämpfen, die aus ihrer Brust quoll. Sie ging mit ihrer Mutter und ihren Dienstmädchen durch das Schloss und zu dem Vorzimmer, das in den großen Saal führte.
Es waren so viele Leute im Schloss, die alle an den Vorbereitungen für die Hochzeit arbeiteten, viele von ihnen gingen auch in Richtung des großen Saals. Die Burg war ein Ort verwinkelter Ecken und Räume, die ineinander übergingen. Die gesamte Anordnung war in ähnlicher Weise gewunden, wie die der Stadt, sodass sich jeder Angreifer Schicht für Schicht der Verteidigung stellen musste. Ihre Vorfahren hatten jedoch mehr daraus gemacht, als nur eine Verteidigungsanlage aus grauem Stein. Jedes Zimmer war in so strahlenden Farben gestrichen, dass es die Außenwelt hereinzubringen schien. Nun, vielleicht nicht die Welt aus dieser Stadt; vieles davon war durch Regen, Schlamm, Rauch und erstickende Dämpfe viel zu trübe geworden.
Lenore schritt durch eine Promenadengalerie, in der an einer Wand Gemälde ihrer Vorfahren zu sehen waren, von denen jeder stärker und raffinierter aussah als der vorherige. Von dort nahm sie eine Wendeltreppe, die durch eine Reihe von Empfangsräumen zu einem Ort führte, in dem sich ein Vorraum vor der großen Halle befand. Sie stand mit ihrer Mutter vor der Tür und wartete, bis die Diener sie öffneten und sie ankündigten.
„Prinzessin Lenore des Nordreichs und ihre Mutter, Königin Aethe.“
Sie traten ein und da war er.
Er war … perfekt. Sie fand kein anderes Wort dafür, als er sich zu Lenore umdrehte, mit der anmutigsten Verbeugung, die sie seit langer Zeit gesehen hatte. Sein dunkles Haar fiel in sanften Locken auf seine Schultern und umrahmte seine edlen, fast wunderschönen Gesichtszüge. Sein Körper, sowohl schlank als auch athletisch, war in ein rotes, geschlitztes Wams und eine graue Hose gekleidet. Er wirkte vielleicht ein oder zwei Jahre älter als Lenore, doch das war eher aufregend als beängstigend.
„Majestät“, sagte er mit einem Blick auf Lenores Mutter. „Prinzessin Lenore. Ich bin Finnal aus dem Haus Viris. Ich kann Euch kaum sagen, wie lange ich mich auf diesen Moment gefreut habe. Ihr seid noch schöner, als ich es mir vorgestellt hatte.“
Lenore errötete auf eine subtile, unmerkliche Weise. Ihre Mutter hatte ihr immer gesagt, dass das Erröten für eine Prinzessin unpassend sei. Als Finnal seine Hand ausstreckte, nahm sie sie so anmutig wie möglich, spürte die Kraft in diesen Händen und stellte sich vor, wie es für sie wäre, ihn an sich zu ziehen, damit sie sich küssen könnten oder mehr als nur küssen …
„Neben Euch fühle ich mich kaum wie die Schöne“, sagte sie.
„Wenn ich strahle, dann nur, weil ich Euer Licht reflektiere“, antwortete er. So gutaussehend und er konnte auch ein so poetisches Kompliment machen?
„Es ist schwer zu glauben, dass wir in nur einer Woche verheiratet sein werden“, sagte Lenore.
„Ich denke, das könnte daran liegen, dass wir nicht diejenigen sind, die monatelange Arbeit in die Aushandlung der Ehe stecken mussten“, antwortete Finnal. Er lächelte ein schönes Lächeln. „Aber ich bin froh, dass es unsere Eltern getan haben.“ Er sah sich im Zimmer um, blickte zu ihrer Mutter und den Dienstmädchen. „Es ist fast schade, dass ich Euch nicht für mich alleine haben kann, Prinzessin, aber vielleicht ist es auch gut. Ich fürchte, ich könnte mich beim Blick in Eure Augen verlieren und dann wäre Euer Vater verärgert, weil ich so viel von seinem Festmahl verpasst habe.“
„Gebt Ihr immer so schöne Komplimente?“, fragte Lenore.
„Nur wenn sie gerechtfertigt sind“, antwortete er.
