Reise Know-How Kauderwelsch Fränkisch - das Deutsch der Franken: Kauderwelsch-Sprachführer Band 186 - Jens Sobisch - E-Book

Reise Know-How Kauderwelsch Fränkisch - das Deutsch der Franken: Kauderwelsch-Sprachführer Band 186 E-Book

Jens Sobisch

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Beschreibung

Dieser kompakte Sprachführer enthält über 1000 Wörter und Redewendungen aus dem fränkischen Alltagswortschatz, praxisnah geordnet und anschaulich erläutert. Fränkisch ist mehr als ein Dialekt - viel mehr! Trotz aller regionaler Unterschiede in der Sprache haben die Franken eine Eigenheit gemeinsam: Sie bringen immer direkt zum Ausdruck, was sie wollen und meinen - und das oft eher deftig. Fernab von Klischees unternimmt in diesem handlichen Buch ein waschechter Franke einen Streifzug durchs Land der Bocksbeutel, das sich auch "Bayerns bessere Hälfte" nennt. Die typische Aussprache kann dabei meist unfreiwillig vor allem bei Nordlichtern für Heiterkeit sorgen: Babbriga (Paprika), Bollidiger (Politiker), Dagdig (Taktik), Gnalldüde (Knalltüte), ... Benutzer eines Smartphones können sich über QR-Codes ausgewählte Wörter, Sätze und Redewendungen aus dem Buch anhören. Kauderwelsch Dialekt stellt deutsche Dialekte und Mundarten vor: die besonderen Ausdrücke, Redensarten, Wortspiele und Sprüche, die es in jeder Mundart gibt, den speziellen Humor der Menschen und ihre Art zu reden: all das macht eine Region bunt und interessant. Dank der einfachen Lautschrift kann man auch als Ungeübter fast jeden Dialekt erlernen und so die Einheimischen überraschen. Kauderwelsch Sprachführer von Reise Know-How: handlich, alltagstauglich, für über 150 Sprachen.

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

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Seitenzahl: 106

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Inhalt

Inhalt des begleitenden Tonmaterials (AUDIO) (separat erhältlich)

Allerhand Einleitendes

Begleitendes Tonmaterial Track 1

Vorwort Track 2

Ä baar Dagde vorab

Frangnland un Frangn

Kadde vo Frangn

Di frängische Schbrooch

Wie mer’s schbrichd Track 3

Fränglisch un Frängzösisch Track 4

Grammadigalisches Track 5

Franken im Gespräch

Kleine Frankenkunde

Das Frankenlied

Hä?– Gell! Track 6

Sävus! Un Adele! Track 7

Schlåchdschüssel un Grubfder Track 8

Beim Wädd Track 9

Schafkopf un Waddln Track 10

Gleeder eikäff Track 11

Schobbe, Schlambe un Schlåcher Track 12

Schaff’ wås! Track 13

Dahemm Track 14

Viecher un Bodanig Track 15

Di buggliche Bagaasch Track 16

Dübbisch frängischs Gschdell Track 17

Romandigger un Mädlesschmegger Track 18

Aufn Abbord Track 19

Di Gräng hömm Track 20

Zåhle un Wochedooch Track 21

Unnerwechs Track 22

Der Herrgodd hodd an großße Diergodde Track 23

Gaschdiche Leud Track 24

Dulle Deifl un annere Kaschberlich Track 25

Schmarrköbf Track 26

Wardner Herr Nachber Track 27

Di Leud aufs Maul gschaud Track 28

Nützliches im Anhang

Dibbs zum Weidalase

Annere guade Büchle

Rechisda

Der, wo’s gschriem håd

Impressum

Begleitendes Tonmaterial

Zu diesem Buch ist zusätzlich begleitendes Tonmaterial als MP3-Download erhältlich unterhttps:///www.reise-know-how.de/produkte/kauderwelsch-aussprachetrainer-und-audio/audio-fraenkisch-mp3-1251

Auch erhältlich auf Audio-CD unterhttps://www.reise-know-how.de/produkte/kauderwelsch-aussprachetrainer-und-audio/audio-fraenkisch-audio-cd-874

Das begleitende Tonmaterial enthält fast alle fränkischen Sätze und Redewendungen in diesem Buch.

Hörproben: In ausgewählten Kapiteln dieses Buches können Sie sich unter den dort angegebenen Links Ausschnitte aus dem Begleitenden Tonmaterial anhören.

Vorwort

Für viele Menschen, den Verfasser dieser Zeilen eingeschlossen, ist die Mundart die erste und eigentliche Muttersprache. Sie zeigen in ihrem jeweiligen Dialekt eine höhere Sprachgewandtheit und Ausdrucksstärke als im Hochdeutschen. Daher: Ä baar Dagde under uns gsachd! In unnerm schönne Frangnland gibds ja wahrscheinds dausende Dialegde, gwasi in jede Urdschafd wenichsdns enn. Desderwechn hömmer väsüchd, so aweng a Frangn-Esberando ozurührn, dess mer in di Gechnd zwüscher Bamberch un Wördsburch (Mee-Frangn), ob ba aa in di Rhüa, im Nürmbercher „Schargoh“ un aa nooch im Öba- un Middelfrängische verschdett. Und nun die Übersetzung für Nicht-Franken: Vorbemerkung: In unserem schönen Franken gibt es vermutlich tausende Dialekte, in jedem Ort wohl mindestens einen. Daher haben wir versucht, ein Franken-Esperanto „anzurühren“, welches man sowohl zwischen Bamberg und Würzburg (Mainfranken) als auch in der Rhön und im Ober- und Mittelfränkischen (einschließlich Nürnberg und Umgebung) verstanden wird.

Jedzad åwer viel Freid beim Lese!

Nun viel Spaß beim Lesen!

Euer Jens Sobisch

Ä baar Dagde vorab

Einer konsequenten, einigermaßen lautgetreuen Schreibweise zuliebe folgen die in diesem Bändchen aufgeführten Begriffe folgenden besonderen Ausspracheregeln:

Mitlaute (Konsonanten) werden, anders als im Hochdeutschen, so geschrieben wie wir sie sprechen: Schdern statt „Stern“, schdriggn statt „stricken“. Die Länge eines Selbstlautes (Vokals) wird durch seine Verdoppelung hervorgehoben. Ein kurzer Selbstlaut wird dadurch kenntlich gemacht, dass ihm zwei Mitlaute folgen: hadd statt „hat“, Schbriddse statt „Spritze“, Schliidn statt „Schlitten“ oder auch Wadder(ufr) /Weeda(mfr) /Wedder(ofr) statt „Wetter“.

Schließlich macht es die lautgetreue Darstellung fränkischer Mundart erforderlich, ein im Deutschen nicht gebräuchliches Zeihen einzuführen: å als ein dumpfes, nach „o“ gehendes „a“.

Nicht unbedingt in ganz Franken gebräuchliche Aussprachen sind in diesem Buch mit (ufr) für unterfränkisch, (mfr) für mittelfränkisch (inkl. Nürnberger Stadtjargon) und (ofr) für oberfränkisch versehen. Eine Sonderrolle spielt der Raum Rothenburg, denn obwohl dieser zu Mittelfranken gehört, machen sich starke Einflüsse des Unterfränkischen bemerkbar. Diese Begriffe sind mit dem Kürzel (rb) kenntlich gemacht.

Frangnland un Frangn

Frangn – Wo is’n des übahaubd? will heißen „Franken – Wo ist das denn überhaupt?“. Franken war eines der fünf Stammesherzogtümer im Ostfrankenreich. Die heutige fränkische Region im Freistaat Bayern umfasst nur den östlichen Teil des ostfränkischen Herzogtums. Bekannte und historisch interessante Städte in der fränkischen Region sind u. a. das Städtedreieck Nürnberg, Fürth und Erlangen, sowie Würzburg, Schweinfurt, Bamberg, Forchheim und Bayreuth.

Bis zum 10. Jh. bestand Franken auch aus Rheinfranken (umfasst das heutige Hessen, Rheinland-Pfalz und Nordbaden) sowie aus Teilen des heutigen Thüringen (südlich des Rennsteigs mit den Landkreisen Sonneberg, Hildburghausen und Schmalkalden-Meiningen). Im Frühmittelalter bis ins 6. Jh. lag die ostfränkische Region (das heutige Franken in Bayern) im Spannungsfeld zwischen Thüringern und Schwaben. Im 7. Jh. wurde sie zunächst nur lose als östliche Mark dem Fränkischen Reich angegliedert. Im Ostfrankenreich entstand ab Mitte des 9. Jh. das Stammesherzogtum Franken.

Bis zur Wahl des Sachsenherzogs Heinrich war es dann zum Stammland und Machtzentrum der ostfränkischen bzw. deutschen Könige geworden. So fanden in der fränkischen Pfalz Forchheim die Königswahlen statt: 900 (Ludwig das Kind), 911 (Konrad I.), 919 (Gegenkönig Arnulf von Bayern) und letztmalig 1077 (Gegenkönig Rudolf von Rheinfelden).

Franken ist heute eine Region im Freistaat Bayern. Sie umfasst dort das nördliche Bundesland Bayern, mit den Regierungsbezirken Unterfranken, Oberfranken und Mittelfranken und Teilen von Oberbayern (Landkreis Eichstätt).

Als Franken wird ferner das nordöstliche Baden-Württemberg bezeichnet. Bis vor kurzem gab es sogar eine Region Franken, die jedoch 2003 in „Region Heilbronn-Franken“ umbenannt wurde.

Die Teilung in die westlichen Salfranken und östlichen Rheinfranken führte zu den späteren Teilreichen Neustrien und Austr(as)ien und diese noch später zu den heutigen Staaten Frankreich und Deutschland.

Die Franken

Un wos füa Leud wohne då? will heißen „Und welche Leute wohnen dort?“. Früher gehörten zu den Franken (wörtlich: die Freien!) die westgermanischen Stämme der Salier, Chamaven, Charttuarier, Brukterer, Usipier, Amsivarier und Chatten. Während der Völkerwanderung drangen diese Gruppen in Gebiete ein, die heute dem fränkischen Sprachraum zugeordnet werden. Dazu gehören Nord-Bayern, Süd-Thüringen, Hessen, Rheinland-Pfalz, Saarland, Nord-Baden, Nord-Württemberg und deutschsprachige Gebiete in Lothringen und Luxemburg.

Zu Beginn des 5. Jh. befand sich das Zentrum der Frankensiedlungen in und um Köln. Im Jahr 420 überschritt Herzog Pharamond mit seinen Anhängern den Rhein Richtung Westen und führte damit die, in den folgenden Jahrhunderten noch bedeutsame, Teilung der Franken in die westlichen Salfranken und die östlichen Rheinfranken durch.

Unter Chlodwig I. und seinen Nachfolgern ab dem frühen 6. Jh. errichteten die Franken ein Reich, welches sich über das heutige Gebiet von Deutschland, Frankreich, Belgien, Niederlande, Luxemburg und der Schweiz erstreckte.

Heute verrät die Statistik: In Franken leben derzeit weit über 4 Mio. Einwohner auf einer Fläche von etwa 25.000 m2. Die Region hat damit doppelt so viele Einwohner wie das benachbarte Thüringen und selbst in Ländern wie Norwegen und Irland leben nicht bedeutend mehr Menschen als in Franken.

Di frängische Schbrooch

Gibds’n übahaubd des Fränggisch? fragt „Gibt es denn überhaupt das Fränkische?“. Fränkisch (genauer: Ostfränkisch) ist eine sich über oberdeutsche und mitteldeutsche Sprachgebiete erstreckende Dialektgruppe, die in einem Teil Bayerns, Baden-Württembergs, Hessens und Thüringens gesprochen wird. Unter-, Mittel- und Oberfranken haben jeweils ihre eigene Art sich zu äußern. Darüber hinaus unterscheiden sich Aussprache und Wortschatz oft auch innerhalb einer Region. Insoweit liegt ein ausgeprägter „Sprachpluralismus“ auf sehr kleinem Gebiet vor. In Ermangelung eines „Hochfränkisch“ gibt es kein einheitliches Mundarttheater wie in Altbayern den Komödienstadl oder in Hamburg das Ohnsorg-Theater.

Linguisten gliedern die fränkische Sprachfamilie in 1) Ostfränkisch, 2) Mittelfränkisch, 3) Rheinfränkisch und 4) Südfränkisch und in sprachwissenschaftlichen Werken ist gelegentlich vom oberen Unterfränkisch, vom unteren Oberfränkisch oder gar von Ober- und Unterostfränkisch die Rede. Babylonisches Sprachengewirr also.

Ostfränkisch: Mainfränkisch (Mainfranken), Hennebergisch (Thüringen, südwestlich des Rennsteigs), Itzgründisch (Thüringen südlich des Rennsteigs), Südostthüringisch, Oberfränkisch.

Rheinfränkisch: Hessisch, Kurpfälzisch, Pfälzisch, Saarländisch.

Südfränkisch: Oberländisch (nördliches Württemberg, Mittelbaden) mit Hohenlohisch, Unterländisch (württembergisches Unterland um Heilbronn am Neckar).

Natürlich verstehen sich die Bewohner der drei fränkischen Regionen untereinander, wobei sie gewöhnlich schon nach drei Sätzen einschätzen können, aus welcher Gegend der Gesprächspartner in etwa stammt.

Kenner des Fränkischen werden feststellen, dass der überwiegende Teil der aufgeführten Begriffe und Beispielsätze aus dem Unter- und Mittelfränkischen stammen. Viele können dem Mainfränkischen zugerechnet werden, das (ganz) grob gesagt beidseitig des Mains in der Region zwischen Bayerischer Rhön und der Grenze zu Mittelfranken gesprochen wird. Es ist die Gegend, wo die Hasen „Hoosn“ und die Hosen „Huusn“ haasn (odder hessn).

Wie mer’s schbrichd

Zur Einstimmung auf die Variationsbreite des fränkischen Dialektes hier fast 50 Lautungsvarianten eines Satzes mit der jeweiligen ungefähren Ortsangabe. Manche der Orte liegen außerhalb der bayerischen Sprachgrenze, wurden jedoch aufgenommen, da sie einen signifikanten fränkischen Einschlag aufweisen. Der Satz bedeutet jeweils „Ich wollte ihr tragen helfen.“

I howwera droong helfn welln. (Bad Windsheim)

Ich hobbera helf droong welln. (Neustadt a. d. Aisch)

Ich hobbera helf droong gwelld. (Höchstadt a. d. Aisch)

Ich hobbera helf droong gewölld. (bei Forchheim)

Ich hobbera helfn droong wölln. (Aufseß)

Ich hobbera droong helfn welln. (Kulmbach)

Iich wolldera droong helfn. (Hummelgau bei Bayreuth)

Ich wolld ier droong helfn. (Hof)

Ich wolldera dråång helfn. (Rehau)

Ich wolldera dråång helfm. (Spielberg)

Ich håuera helf droong. (Hiltpoltstein)

Ich hooera helf droong wolln. (Lauf a. d. Pegnitz)

I hoonen helfa droong wölln. (nordöstlich von Hiltpoltstein)

I howwera droong helfn wolln. (zwischen Ansbach und Schwabach)

Ich hobbera helf droogng wolln. (bei Herzogenaurach)

I howwera helfn droong welln. (Gunzenhausen)

I hobbera helfe droocha gwelld. (Feuchtwangen)

I habbra helfe draaga gwelld. (bei Dinkelsbühl)

I howwera helfa droocha wolla. (Rothenburg o. d. Tauber)

I howwera helfe drooche wella. (bei Uffenheim)

I hobbera helfe drooche wölle. (Laudenbach)

I howwera half drooch wöll. (Marktbreit)

Ich hobbera baim Droocha halfe wölla. (Ochsenfurt)

Ich höüra half drååch wöll. (bei Würzburg)

I höira drooche wölle helfe. (Marktheidenfeld)

Ich honnere helfe drååche wölle. (bei Aschaffenburg)

Ich wolldera hölf drååch. (Gemünden)

Ich wooldera höölf drooch. (bei Bad Kissingen)

Ich honnera wölld helf drååch. (Bad Brückenau)

Ich hoore helf wöll dröö. (Mellrichstadt)

Ich hooera hölf drååch wöll. (Münnerstadt)

I hoora helf wöll drooch. (bei Schweinfurt)

Ich hooera helf drooch wöll. (Kitzingen)

Ich hobbera helf droong gwelld. (Scheinfeld)

Ich hobbera helf drooch gewölld. (im Steigerwald bei Haßfurt)

Ich horra half drooch wölln. (Hofheim in den Haßbergen)

Ich wolldera bain Drååchn half. (nördlich von Coburg)

Ich wollder bain Drååchn half. (südlich von Coburg)

Ich wolldera dråång helfm. (Staffelstein)

Ich houre dråång helf wölln. (Kronach)

Ejch wolldera droong helfn. (nördlich von Kronach)

Iich wollder half dråa. (Ludwigsstadt)

Ejch wolldera droung helfm. (bei Naila)

Dieser kleine Streifzug zeigt die ungeheure Vielfalt unserer Mundart. Auffällig ist die Vorliebe zum Zusammenziehen von Wörtern: Aus „habe ihr“ wird im Extremfall hooera. Weitere auffällige Beispiele für die Kleinräumigkeit des Frankenlandes: Jetzt“ wird je nach Region als edz, ezd, edzerd, jedzad, jedzerd und „wirklich“ als werkli, wergli, warkli oder gar wallich intoniert.

Fränkisch zu sprechen ist gar nicht so schwer, denn alles in allem vereinfacht auch dieser Dialekt mehr als er erschwert. Bis sich allerdings der typisch weich zeichnende fränkische Jargon einstellt, gibt es nachfolgende Grundregeln zu beherzigen.

Vo da Dande a Bageed griing

Dies bedeutet „Von der Tante ein Paket kriegen.“ und illustriert anschaulich die Lautschwächungen im Fränkischen, die vor allem bei Nordlichtern für (meist) unbeabsichtigte Heiterkeit sorgen. Die weiche (stimmhafte) Aussprache von harten (stimmlosen) Mitlauten, ist eines der charakteristischsten Merkmale des Fränkischen:

„p“ wird immer zu b

Bech

Pech

hubfm

(mfr)

hüpfen

Subbm

Suppe

„t” wird immer zu d

Diisch

Tisch

bidder

bitter

kaald

kalt

„k“ wird immer in der Mitte und am Ende eines Wortes zu g, am Wortanfang nur, wenn ein Mitlaut folgt.

Buggl

Buckel

Dagdig

Taktik

Graud

Kraut

Glaab mersch, des howwi selwer gmachd

Der Satz „Glaub’s mir, das habe ich selbst gemacht.“ steht stellvertretend für folgende Lautverschiebung: „s“ wird in der Wortmitte immer zu -sch-. Diese Lautverschiebung betrifft fast im gesamten deutschen Sprachraum nur das „s“ am Wortanfang vor „l, m, n, p, r, t, w“ (vgl. schlafen, schmal, schwimmen usw.).

raischbern

räuspern

rumkaschbern

rumkaspern

veschbern

vespern

Die Eigenart unserer schwäbischen Nachbarn, schd auch im In- und Auslaut eines Wortes zu bilden, trifft man auch im grenznahen „Kontaktraum“, etwa zwischen Rothenburg und Gunzenhausen:

Neschd

Nest

schdrengschdens

strengstens

Die Entwicklung vom alten Reibelaut „ch“ zum Hauchlaut „h“, den das Neuhochdeutsche in vielen Fällen genommen hat, wurde im Fränkischen nicht mitgemacht: ch statt einfaches „h“.

Viich

Vieh

es ziichd

es zieht

höcher

höher

Vor allem zwischen Selbstlauten und am Wortende, gilt: „g“ wird zu ch.

lüchen

lügen

Gechnd

Gegend

Dooch

Tag

lusdich

lustig

Je nach Gebiet ist das „g“ ganz weggefallen oder auch lautgetreu erhalten geblieben:

gsochd / gsoggd

gesagt

Ziichl / Ziigl

Ziegel

Vöichl / Väigl

Vögel

„b“ wird in der Wortmitte oft zu w

iiweri

übrig

owwer

aber

erwäddn

arbeiten

Di Schea khead fai mia

„Die Schere gehört übrigens mir.“ steht für den Lautwechsel beim „r“. Damit ist es ja auch im gesprochenen Hochdeutsch so eine Sache. Längst nicht jedes „r“ wird im gesprochenen Hochdeutsch artikuliert. Wie sprechen Sie z. B. den Satz „Wie wird denn morgen das Wetter, Herr Seiberl?“

„r“ in der Wortmitte wird unterdrückt oder durch einen Selbstlaut ersetzt

Berch/Beach

Berg

Durschd/Duschd/Duaschd

Durst

Erdn/Edn

Erde

Allerdings unterbleibt der Lautwechsel, wenn einem auslautenden „r“ unmittelbar ein Selbstlaut folgt:

Mai Obba wår ä lusdichs Haus.

Mein Opa war ein lustiger Typ.

Haid gemmer ins Kischeglaue.

Heute gehen wir Kirschen stehlen.