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Hartz IV: Wie kann ich das Beste daraus machen? Diese Frage stellt sich die Duisburger Autorin Birgit Stieler täglich aufs Neue. In ihrem Tagebuch hält die allein erziehende Mutter eigene Erfahrungen fest. Sie berichtet von Behördengängen, Geldsorgen und der ständigen Frage, wie sie ihre vier Kinder gesund satt bekommt. Hier sind Geduld, Kreativität und viel Optimismus gefragt. Birgit Stieler ist eine Frau, die sich nicht unterkriegen lässt und sich stets ihren Humor bewahrt. Sie schreibt Lyrik und Kurzprosa. Zwei Bücher hat sie bereits veröffentlicht. Dieses Buch entstand mit finanzieller Unterstützung der Stadt Duisburg. »... es macht den Alltag im »Leben in der Bedarfsgemeinschaft« sehr anschaulich und regt zum Nachdenken an. Der Kulturbeirat unterstützt dies sehr gern, da es sich um ein wichtiges gesellschaftliches Thema handelt.« (Kulturbüro der Stadt Duisburg)
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Seitenzahl: 133
Veröffentlichungsjahr: 2013
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Titelseite
Impressum
Armut
Vorwort
Einleitung
Januar
Neubeginn: Donnerstag, 1. Januar 2009
Samstag, 3. Januar
Sonntag, 4. Januar
Montag, 5. Januar
Dienstag, 6. Januar
Mittwoch, 7. Januar
Donnerstag, 8. Januar
Freitag, 9. Januar
Montag, 12. Januar
Dienstag, 13. Januar
Mittwoch, 14. Januar
Donnerstag, 15. Januar
Samstag, 17. Januar
Montag, 19. Januar
Dienstag, 20. Januar
Mittwoch, 21. Januar
Donnerstag, 22. Januar
Montag, 26. Januar
Donnerstag, 29. Januar
Freitag, 30. Januar
Februar
Montag, 2. Februar
Mittwoch, 4. Februar
Donnerstag, 5. Februar
Freitag, 6. Februar
Montag, 9. Februar
Dienstag, 10. Februar
Freitag, 13. Februar
Sonntag, der 15. Februar
Montag, der 16. Februar
Mittwoch, der 18. Februar
Donnerstag, der 19. Februar
Freitag, der 20. Februar
Samstag, der 21. Februar
Montag, den 23. Februar
Dienstag, der 24. Februar
Freitag, der 27. Februar
März
Dienstag, 3. März
Donnerstag, 5. März
Samstag, 7. März
Dienstag, 10. März
Freitag, 13. März
Sonntag, 15. März
Montag, 16. März
Mittwoch, 18. März
Donnerstag, 19. März
Freitag, 20. März
Samstag, 21. März
Sonntag, 22. März
Montag, 23. März
Dienstag, 24. März
Mittwoch, 25. März
Freitag, 27. März
Samstag, 28. März
Sonntag, 29. März
Montag, 30. März
Dienstag, 31. März
April
Mittwoch, 1. April
Donnerstag, 2. April
Freitag, 3. April
Montag, 6. April
Dienstag, 7. April
Mittwoch, 8. April
Donnerstag, 9. April
Freitag, 10. April
Samstag, 11. April
Ostersonntag, 12. April
Freitag, 17. April
Montag, 20. April
Dienstag, 21. April
Freitag, 24. April
Samstag, 25. April
Sonntag, 26. April
Montag, 27. April
Dienstag, 28. April
Donnerstag, 30. April
Mai
Freitag, 1. Mai
Dienstag, 5. Mai
Freitag, 8. Mai
Samstag, 9. Mai
Sonntag, 10. Mai
Dienstag, 12. Mai
Donnerstag, 14. Mai
Freitag, 15. Mai
Samstag, 16. Mai
Sonntag, 17. Mai
Montag, 18. Mai
Dienstag, 19. Mai
Donnerstag, 21. Mai
Montag, 25. Mai
Dienstag, 26. Mai
Mittwoch, 27. Mai
Freitag, 29. Mai
Samstag, 30. Mai
Juni
Dienstag, 2. Juni
Donnerstag, 4. Juni
Sonntag, 7. Juni
Montag, 8. Juni
Dienstag, 9. Juni
Freitag, 12. Juni
Samstag, 13. Juni
Dienstag, 16. Juni
Mittwoch, 17. Juni
Donnerstag, 18. Juni
Samstag, 21. Juni
Sonntag, 22. Juni
Mittwoch, 24. Juni
Freitag, 26. Juni
Samstag, 27. Juni
Sonntag, 28. Juni
Montag, 29. Juni
Juli
Mittwoch, 1. Juli
Donnerstag, 2. Juli
Freitag, 3. Juli
Samstag, 4. Juli
Montag, 6. Juli
Mittwoch, 8. Juli
Freitag, 10. Juli
Donnerstag, 16. Juli
Freitag, 17. Juli
Montag, 20. Juli
Dienstag, 21. Juli
Mittwoch, 22. Juli
Donnerstag, 23. Juli
Freitag, 24. Juli
Montag, 27. Juli
Mittwoch, 29. Juli
Donnerstag, 30. Juli
Freitag, 31. Juli
August
Samstag, 1. August
Sonntag, 2. August
Dienstag, 4. August
Mittwoch, 5. August
Donnerstag, 6. August
Freitag, 7. August
Samstag, 8. August
Montag, 10. August
Donnerstag, 13. August
Samstag, 15. August
Montag, 17. August
Mittwoch, 19. August
Donnerstag, 20. August
Freitag, 21. August
Samstag, 22. August
Montag, 24. August
Dienstag, 25. August
Mittwoch, 26. August
Donnerstag, 27. August
Freitag, 28. August
Samstag, 29. August
Sonntag, 30. August
Montag, 31. August
September
Dienstag, 1. September
Mittwoch, 2. September
Dienstag, 8. September
Donnerstag, 10. September
Samstag, 12. September
Sonntag, 13. September
Montag, 14. September
Dienstag, 15. September
Mittwoch, 16. September
Donnerstag, 17. September
Freitag, 18. September
Sonntag, 20. September
Montag, 21. September
Dienstag, 22. September
Mittwoch, 23. September
Freitag, 25. September
Samstag, 26. September
Dienstag, 29. September
Oktober
Freitag, 2. Oktober
Montag, 5. Oktober
Mittwoch, 7. Oktober
Freitag, 9. Oktober
Samstag, 10. Oktober
Montag, 12. Oktober
Dienstag, 13. Oktober
Donnerstag, 15. Oktober
Dienstag, 20. Oktober
Sonntag, 25. Oktober
Montag, 26. Oktober
Dienstag, 27. Oktober
Mittwoch, 28. Oktober
Donnerstag, 29. Oktober
Freitag, 30. Oktober
Samstag, 31. Oktober
November
Dienstag, 3. November
Samstag, 7. November
Sonntag, 8. November
Montag, 9. November
Dienstag, 10. November
Dienstag, 17. November
Samstag 21. November
Donnerstag, 26. November
Freitag, 27. November
Sonntag, 29. November
Montag, 30. November
Dezember
Dienstag, 1. Dezember
Mittwoch, 2. Dezember
Freitag, 4. Dezember
Samstag, 5. Dezember
Sonntag, 6. Dezember
Mittwoch, 9. Dezember
Donnerstag, 10. Dezember
Samstag, 12. Dezember
Montag, 14. Dezember
Mittwoch, 16. Dezember
Samstag, 19. Dezember
Sonntag, 20. Dezember
Montag, 21. Dezember
Dienstag, 22. Dezember
Mittwoch, 23. Dezember
Donnerstag, 24. Dezember
Montag, 28. Dezember
Dienstag, 29. Dezember
Mittwoch, 30. Dezember
Donnerstag, 31. Dezember
Birgit Stieler
Autorin und Mutter
von vier Kindern
lebt in Duisburg
von Arbeitslosengeld II
Veröffentlichungen:
„Unsere Gedankenwelten“ 2008
„Meine Gedankenwelt“ 2010
beide erschienen im Engelsdorfer Verlag
Foto: Jürgen Pucholt
Titelfoto: Eva-Maria Noack
Birgit Stieler
Leben in der Bedarfsgemeinschaft
Engelsdorfer Verlag Leipzig 2011
Bibliografische Information durch die Deutsche Nationalbibliothek: Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://www.dnb.de abrufbar.
Copyright (2011) Engelsdorfer Verlag Leipzig
Alle Rechte beim Autor
www.engelsdorfer-verlag.de
eISBN: 978-3-86268-687-2
Vier Kinder
allein erziehen
mit wenig auskommen
haushalten, sparen
Hartz vier
Tausendmal Nein
Discounter statt Kaufhaus
second hand statt Markenklamotten
positiv denken
Lebensmittel von der Tafel
Reste: Ein Segen
Warten
auf bessere Zeiten
haushalten, sparen
was bleibt noch übrig
zum Sparen
wovon
die Schulbücher bezahlen
und die Fußballschuhe
Nicht aufgeben
positiv denken
gar nicht denken
vor allem nicht
an die Zukunft meiner Kinder
Der Situation zum Trotz
die Kinder sind gesund
ich liebe sie
und bin stolz auf sie
Sie sind es
die mein Leben
ausmachen
ebenso wie
ein paar gute Freunde
die mir helfen
zu überleben
Ein Buch werde ich schreiben
über das Sparen . . .
Birgit Stieler
Im Rahmen der Local Heroes bei uns in Wesel machte ich mir Gedanken, wer für mich eine Heldin sein könnte. Zuerst dachte ich weitschweifend an Frauen, die Menschen retten und dafür irgendwelche Orden bekommen, ich dachte an meine Großmütter, die bei Kriegsende Großes geleistet haben.
Doch dann fiel mir meine Freundin Birgit ein. Sie ist allein erziehende Mutter von vier Kindern, bekommt Hartz IV und spart sich viele Sachen wirklich vom Mund ab. Sie muss sich mit der Bürokratie der Ämter herumschlagen und dem Unverständnis der Mitmenschen, die nicht verstehen können, wie eine Frau in der heutigen Zeit vier Kinder in die Welt setzen kann.
Sie macht sich Gedanken, wie und was sie ihren Kindern jeden Tag zu essen kochen soll. Meine Freundin hat eine stark geschädigte Hüfte, die ihr manchmal ganz schön Probleme bereitet und doch trägt sie regelmäßig Zeitungen aus.
Trotz Geldmangels versucht sie, ihren Kindern eine schöne Kindheit zu bieten. Sie denkt sich für das Wochenende oder die Ferien besondere Aktionen aus, die sie dann mir ihren Kindern unternimmt. Nebenbei schreibt sie auch noch Geschichten und Gedichte und hat schon zwei Bücher veröffentlicht.
Für mich ist sie eine Heldin. Es ist für mich heldenhaft, in diesen Zeiten seinen Kindern eine „normale“ Kindheit zu ermöglichen, obwohl man von Hartz IV lebt. Denn es ist schwer, mit vier Kindern eine Arbeit zu finden und so viel zu verdienen um davon leben zu können. Und alles noch unter einen Hut zu bringen: Kinder, Job und Haushalt.
Leider wird man als asozial abgestempelt, wenn man vom Vater Staat lebt. Denn wir neigen alle dazu, nicht den Menschen zu sehen, der hinter dieser Geschichte steht.
Aus diesem Grund sage ich: Für mich sind solche Frauen Heldinnen, die in diesen Situationen ihren Humor nicht verlieren und ihre Frau in einer immer unsozialeren Welt stehen. Ich bewundere solche Frauen wie meine Freundin, die nicht aufgeben und auch wenn es ihnen schlecht geht, nie die Hoffnung auf ein besseres Morgen verlieren. Trotz ihrer eigenen Probleme hat sie immer ein offenes Ohr für mich, um mich zu trösten und in den Arm zu nehmen.
Dafür bin ich ihr sehr dankbar: meiner ganz persönlichen Heldin!
Beate Sorge
Ich heiße Birgit Stieler und bin die Mutter von Stefan (fünfzehn), Michael (dreizehn) Carola (neun) und Katrin (acht Jahre alt).
Meine Kinder erziehe ich seit vielen Jahren allein und bin daher seit 2003 auf Sozialhilfe und seit 2005, der Einführung von Hartz IV, auf Arbeitslosengeld II angewiesen.
Ich bin achtundvierzig Jahre alt und gelernte Rechtsanwaltsgehilfin, habe sowohl in meinem Beruf als auch als Sekretärin gearbeitet. Insgesamt war ich trotz meiner Kinder siebenundzwanzig Jahre lang ganztags beschäftigt und habe entsprechend meine Beiträge eingezahlt.
Seit vier Jahren trage ich zweimal wöchentlich Zeitungen aus.
Ich bin Autorin der Niederrheinischen Frauenschreibwerkstatt „Leichte Feder“ in Rheinberg. Wir treffen uns zweimal monatlich zum gemeinsamen Schreiben und organisieren Lesungen.
Obwohl ich aus meinen Büchern keine Gewinne erziele, bereitet mir das Schreiben viel Freude und bietet einen Ausgleich zu meinem anstrengenden Alltag.
Ein Jahr lang habe ich diesen Alltag für Sie aufgeschrieben, damit Sie sich vorstellen können, wie es ist, mit vier Kindern an der Armutsgrenze zu leben.
Hier fließen unter anderem meine Erfahrungen mit der Agentur für Arbeit (ARGE) ein, deren Fördermaßnahme (Bewerbungstraining), einem Umzug mit der Duisburger Tafel und letztendlich mit meinem Start in eine neue Arbeitsstelle.
Merkwürdig, jetzt wieder in Duisburg zu wohnen nach fast zehn Jahren Landleben.
Nun brauche ich nicht mehr zum Einkaufen ins Nachbardorf. Hier gibt es Netto und Aldi gleich um die Ecke, zu Fuß erreichbar. Mein zwölf Jahre alter Skoda macht es wahrscheinlich sowieso nicht mehr lange.
Die Jungs wollten unbedingt nach Duisburg ziehen, weil ihr Papa hier wohnt und auch später wegen einer Arbeitsstelle. Immer meckerten sie, wenn sie sonntags zwei Stunden auf den Bus warten sollten, um ihre Freunde zu besuchen.
Vielleicht hab ich ja Glück und finde hier einen Job.
Und dann hat uns die Wohnung so gut gefallen. Hundertzwanzig Quadratmeter, Altbau. Mit Garten. Alle Vier haben sich gleich ihre Zimmer ausgesucht. Jetzt rennen sie durch die Wohnung und spielen Fangen.
Sogar ich habe ein eigenes Schlafzimmer und brauche nicht mehr abends das Wohnzimmer umbauen.
Seit zwei Wochen packe ich Kartons aus, räume, putze und versorge wie immer meine Leute; heute mit Pellkartoffeln und Kräuterquark.
Es wird toll hier. Nach und nach entsteht behaglicher Wohnraum. Nur der Blick aus dem Fenster ist nicht so schön. Der Garten sieht trostlos aus. Es liegt viel Gerümpel verstreut, aber es gibt eine Doppelschaukel und eine kleine Rutsche, beide noch in Ordnung.
Erfreulich, dass die ARGE (Agentur für Arbeit) die Mietzahlungen übernimmt. Für die Gartenbenutzung will der Vermieter 50 Euro zusätzlich. Dieses Geld zahlt die ARGE leider nicht. Ein Garten wäre natürlich schön für die Kinder, aber 600 Euro im Jahr, das kann ich mir wohl doch nicht leisten.
Wenn erst mal Frühling ist, sieht alles bestimmt ganz anders aus. Auch die Fenster nach vorne gehen auf eine olle Brücke und einen Autohof. Aber in der Ferne kann ich den Rhein sehen. Das gefällt mir. Wohnung mit Rheinblick . . .
Die Umzugskosten habe ich selbst bezahlt, weil laut ARGE kein Grund bestand, umzuziehen. Die Jungs hatten die Idee, mir etwas von ihren Sparbüchern zu leihen. Auf die Sparbücher bringen die Kinder ihr Geburtstags- und Weihnachtsgeld, das sie von Oma und Opa bekommen. Nun zahle ich das Geld in kleinen Raten zurück.
Leider habe ich für Januar noch kein Geld auf dem Konto, weil ich wegen personeller Überlastung bei der ARGE im alten Jahr keinen Termin bekommen konnte. Deshalb gibt es heute Bratkartoffeln mit Spiegelei. Michael fragt: „Wann gibt’s mal wieder Fleisch?“
„Bald“, antworte ich, „frag doch die ARGE! Ich bin ja froh, dass überhaupt etwas zu Essen da ist!“
„Ist ja schon gut Mama.“
Später muss ich nach Großenbaum, Zeitungen austragen. Ich habe für den Wochen-Anzeiger eine Vertretung übernommen und hoffe, dass ich bald einen eigenen Bezirk hier in Wanheimerort kriege. Die paar Euro zusätzlich können wir gut brauchen.
Mein neuer Vermieter ruft an, die Miete sei noch nicht eingegangen. Ich verspreche ihm, dass ich mich gleich am Montag darum kümmern werde.
Abends sitze ich am Küchentisch und fülle den Antrag auf Grundsicherung aus. Obwohl die Unterlagen von Rheinberg nach Duisburg abgegeben wurden, muss ich einen ganz neuen Antrag stellen.
Was die alles wissen wollen, aber das kenne ich ja schon. Es dauert eine Weile, bis ich sämtliche Unterlagen und Belege zusammengesucht habe. Auch das Ausfüllen dauert, immer wieder muss ich aufstehen, irgendwelche Zahlen heraussuchen und eintragen, noch einmal den Stapel durchgehen. Trotzdem fehlt mir noch einiges. Zum Beispiel soll ich für alle vier Kinder Schulbescheinigungen mitbringen. Wie soll das gehen, die Kinder sind ja noch gar nicht an den neuen Schulen, außerdem sind noch Ferien.
Heute habe ich endlich mal Zeit, meine Freundinnen Karin und Beate anzurufen und ein frohes neues Jahr zu wünschen.
Die Mädchen langweilen sich und quengeln. Also machen wir nach dem Mittagessen (Nudeln mit Tomatensoße) einen Sonntagsspaziergang über die Eisenbahnbrücke nach Rheinhausen. Bei der Trinkhalle gibt’s für beide einen Lutscher, mehr ist nicht drin. Das Wetter ist klar und kalt und die frische Luft tut uns gut. Tobias, der uns beim Umzug sehr geholfen hat, besucht uns und fragt, wie wir klarkommen.
Morgens um Sieben, alle schlafen noch, schleiche ich aus dem Haus zu meinem ARGE-Termin. Letzte Nacht konnte ich vor Aufregung kaum schlafen und bin besorgt, dass wegen der fehlenden Unterlagen mein Antrag nicht bearbeitet werden kann und wir immer noch kein Geld bekommen . . .
Die Sachbearbeiterin beruhigt mich, kopiert Unterlagen, die Sparbücher der Kinder und meine kompletten Kontoauszüge der letzten drei Monate.
Ich habe Glück: die fehlenden Belege kann ich nachreichen. Die Dame sichert mir die Gutschrift innerhalb der nächsten vier Tage zu. Hoffentlich stimmt das auch, denn ich möchte keinen Ärger mit meinem Vermieter . . .
Mittagessen: eine Dose Gemüsesuppe. Ein paar Tage muss es noch gehen.
Es hat geschneit und der Schnee ist liegen geblieben! Die Kinder freuen sich und toben draußen herum. Ich bin nicht so begeistert, wenn ich ans Auto fahren denke, denn mein Wagen hat nur Sommerreifen. Ich hatte gehofft, der Winter sei irgendwie schon vorbei und das Problem damit gelöst.
Zusammen mit Michael unternehme ich eine Probefahrt zur Gesamtschule nach Moers. Zwei Haltestellen mit der Straßenbahn, dann etwa dreißig Minuten mit dem Bus. Michael möchte gerne weiter die Moerser Schule besuchen.
Ich habe einen Antrag auf Erstattung der Fahrtkosten gestellt. Bis dahin braucht Michael alle zwei Tage ein Viererticket.
An den Vermieter schicke ich einen Vordruck, den er ausfüllen und zurücksenden soll.
Mittagessen: Eierpfannkuchen
Nachmittags bringe ich Stefan zu seinem Freund nach Rheinberg, wo er noch wohnen kann, bis er Mitte Januar die Schule wechselt. Er möchte an der alten Schule noch seinen Mofa-Führerschein zu Ende machen.
Bei einer Vollbremsung merke ich meine Reifen . . . Bitte, lieber Gott, bring mich sicher nach Hause zurück. Weil ich für Duisburg noch keinen Tafelausweis habe, versuche ich, bei der Rheinberger Tafel noch Lebensmittel für uns zu bekommen. Dort weiß man schon, dass ich weggezogen bin, ich stehe nicht mehr in der Liste. Aber man macht eine Ausnahme und ich komme mit einem großen Karton und zwei Tragetaschen voller Lebensmittel zurück nach Hause.
Das ist ein Fest! Glücklich breite ich unseren „Futtersegen“ auf dem Küchentisch aus, die Kinder kommen und gucken, was Gutes dabei ist. Endlich wieder Obst und Gemüse! Und jede Menge Brot. Ein Teilchen gibt es für jeden. Ich prüfe, welche Sachen zuerst aufgebraucht werden müssen, die gibt es dann gleich zum Abendessen. Später mache ich mir eine Liste, was ich an den nächsten Tagen koche und was ich dafür noch besorgen muss.
Abends fahren wir alle zur Theatergruppe. Heute ist wieder der monatliche Beitrag von zehn Euro fällig, ich kriege aber einen Aufschub.
Schulbeginn. Carola und Katrin hatten vor Weihnachten schon einmal in den Unterricht an ihrer neuen Grundschule „hinein geschnuppert“. Trotzdem sind sie natürlich aufgeregt. Michael macht sich auf den Weg nach Moers. Stefan ist ja versorgt.
Jedenfalls bin ich erleichtert, dass alles funktioniert und die Kinder wieder aus dem Haus sind. Zum Einräumen hab ich nun vormittags etwas mehr Zeit.
Mittagessen: Gemüse-Eintopf (frisch!!!!)
Es liegt immer noch dicker Schnee. Die Schreibwerkstatt wird abgesagt, was mir ganz recht ist. Ich habe wieder Vertretung übernommen und 450 Zeitungen verteilt – und das bei diesem Wetter! Abends kann ich mich kaum noch bewegen, gehe nur noch in die Badewanne (nachdem ich die Kinder versorgt habe) und dann ins Bett.
Gerade jetzt am Anfang muss ich jeden Auftrag annehmen, ich habe auch schon meine Gebietsleiterin kennen gelernt, als sie mir den Verteilplan vorbei brachte und unsere schöne Wohnung bewunderte.
