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Zwischen Rockstar Nick und Tänzer Jay ist es Liebe auf den ersten Blick, obwohl am Anfang alles auf das Gegenteil hinauszulaufen scheint. Von der ersten Sekunde an brennt die Luft zwischen den beiden, allerdings nicht im positiven Sinn. Der talentierte, aber leider erfolglose Tänzer Jay kann so gar nichts mit der aggressiven, arroganten Art des berühmten Musikers anfangen, zumal Nick in ihm nur ein billiges Abenteuer zu sehen scheint.
Doch das ändert sich schnell und alles könnte wundervoll sein, würden die beiden nicht in vollkommen verschiedenen Welten leben.
Nick ist weltberühmt und millionenschwer - Jay muss sich mühsam mit verschiedenen Jobs über Wasser halten.
Schnell entwickeln sich Konflikte, denn es gibt Menschen in Nicks Leben, die ihm sein Glück mit Jay ganz und gar nicht gönnen.
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Veröffentlichungsjahr: 2020
Sasha Lilus
Rock Dance Love_1
Jay
Gay Romance
Das vorliegende Buch ist reine Fantasie.Ähnlichkeiten mit lebenden oder bereits verstorbenen Personen sind zufällig und nicht beabsichtigt.
ImpressumV.i.S.d.P.Sasha Lilus c/o Autorencentrum.deEin Projekt der BlueCat Publishing GbRGneisenaustr. 6410961 Berlin
E-Mail: [email protected].: 030 / 61671496Copyright © Sasha Lilus Oktober 2018Coverfoto: iStock.com/Edelweiss81
Coverdesign: Sasha LilusAlle Rechte, einschließlich dem des vollständigen oder teilweisen Nachdrucks in jeglicher Form sind vorbehalten.
Inhaltsverzeichnis
Eins
Zwei
Drei
Vier
Fünf
Sechs
Sieben
Acht
Neun
Zehn
Elf
Zwölf
Dreizehn
Vierzehn
Fünfzehn
Sechzehn
Siebzehn
Achtzehn
Neunzehn
Zwanzig
Einundzwanzig
Zweiundzwanzig
Dreiundzwanzig
Vierundzwanzig
Epilog
Leseprobe
Jay
Es ist ein weit verbreitetes Klischee, dass Männer alle paar Sekunden an Sex denken und natürlich spukt Sex permanent in unseren Gehirnen herum, aber nicht ausschließlich. Eine Studie besagt, dass Männer auch sehr gern an Essen denken und das mindestens genauso oft wie daran, wann und wo sie den nächsten Schuss landen können.
Das beste Beispiel dafür bin ich, vor allem jetzt gerade. Okay, natürlich träume ich auch von den sexy Kerlen, die hier zum Greifen nah um mich herumtanzen, aber im Moment denke ich sehnsüchtig an eine riesige Pizza mit Thunfisch und Artischocken und eine extragroße Portion Tiramisu zum Nachtisch. Aber bis ich etwas zu essen bekomme, wird noch einige Zeit vergehen und dann wird es wahrscheinlich wieder nur irgendwelchen Fertigfraß geben, wie immer.
Mit knallengen, arschfreien Lederhosen und einem schwarzen Leder- Cowboyhut bekleidet, tanze ich mir im „Spirits“, einem der angesagtesten Schwulenclubs der Stadt, die Seele aus dem Leib. Seit zwei Monaten schwinge ich am Wochenende meinen süßen Hintern hinauf in einen der Käfige, die hier von der Decke hängen, und heize das Publikum an. Endlich wieder ein Tanzjob, wenn auch nur als Gogo- Tänzer. Aber es macht Spaß und wird sogar recht gut bezahlt. Heute habe ich Glück, in dem zweiten Käfig, der am anderen Ende der Tanzfläche hängt, ist mein bester Freund Noah zugange. Wir teilen uns nicht nur eine Wohnung, sondern auch das gleiche Schicksal - das des supertalentierten, aber leider vollkommen erfolglosen Künstlers.
Mein Name ist Jasper Caine, aber meine Freunde nennen mich Jay. Ich bin dreiundzwanzig Jahre alt, ausgebildeter Tänzer mit einem Faible für Choreografie und ich träume von einer eigenen Dance Company.
Vor vier Jahren zog ich aus Freeport, einem kleinen Kaff am Golf von Mexiko, nach Los Angeles, um mein Glück zu machen. In meinem kurzen Leben habe ich schon so einiges ausprobiert, war Mitglied in einer erfolglosen Boygroup, bin in Musikvideos als Backgroundtänzer aufgetreten und habe für einen wenig erfolgreichen Choreografen auf einer drittklassigen Experimentalbühne gestanden. Das nannte sich Tanztheater und fand so gut wie ohne Klamotten statt. Als Tänzer darf man nicht prüde sein, also tat ich Abend für Abend so, als würde ich meine Tanzpartnerin auf der Bühne begatten und als würde es für mich nichts Besseres geben. Was macht man nicht alles für die Karriere! Glücklicherweise wurde der Mist mangels Interesse nach der zehnten Aufführung abgesetzt, aber da das Honorar dafür sehr überschaubar war, trauerte ich auch nicht wirklich um den Job.
Manchmal gebe ich Kurse in einer Ballettschule, aber meinen Lebensunterhalt verdiene ich notgedrungen als Pfleger in einer Einrichtung für Demenzkranke. Das ist nicht gerade mein Traumjob und ich arbeite da auch nur stundenweise, aber außer Tanzen habe ich nichts gelernt und von irgendwas muss ich meine Miete zahlen.
Mein Magen knurrt mittlerweile gefühlt lauter als die Musik, die aus den Boxen dröhnt. Heute konnte ich mich erst auf den allerletzten Drücker aus dem Spätdienst loseisen und habe es nicht mehr geschafft, noch etwas zu essen.
Normalerweise tanzen wir zu viert und wechseln uns ab, doch an diesem Abend liegen gleich zwei meiner Kollegen mit Magen- Darm- Grippe flach und Robert, unser Boss, konnte auf die Schnelle keinen Ersatz organisieren. Also bekommen Noah und ich zwar einen Extrabonus, haben dafür aber kaum Pause. Egal, ich bin Profi, ich bin fit, ich kann das ab.
Die Hände fest um die Gitterstäbe des Käfigs geschlungen, lasse ich meine schmalen Hüften lasziv im Rhythmus der Musik kreisen. Zwischendurch präsentiere ich dem Publikum immer wieder das aufreizend verhüllte Paket zwischen meinen Beinen und heize die Meute damit ordentlich an. Von meiner exponierten Stelle kann ich alles gut beobachten und was ich sehe, gefällt mir - schwitzende, halbnackte Körper, die unter mir herumwirbeln, sich aneinander reiben. Gierig sauge ich die ganz besondere Mischung aus frischem Männerschweiß und frei herumfliegender Pheromone ein.
Auch wenn Robert ein ausgemachter Sklaventreiber ist, der seine Leute ausbeutet ohne Ende, ich fühle mich im Club zu Hause. Das hier ist meine Welt, hier bin ich unter Meinesgleichen, ohne mich für das, was ich bin rechtfertigen zu müssen. Hier gehöre ich hin.
Ich lasse meinen Blick über die Köpfe der Tanzenden schweifen und finde mich plötzlich von einem blauen Augenpaar fixiert, von stechend blauen Augen in einem gut geschnittenen, kantigen Gesicht, und sie lassen mich nicht los. Sie verfolgen mich, fesseln mich. Es scheint, als würden sie in mich hineinsehen, mein Innerstes nach außen kehren und ich versinke in ihnen, verliere sogar kurz den Rhythmus. Die Musik tritt in den Hintergrund, ich bewege mich mechanisch weiter, starre den Mann, dessen Augenfarbe im krassen Gegensatz zu seinem dunklen, fast schwarzen Haar steht, an. Plötzlich fühle ich mich wie in einer Blase, allein mit diesem geheimnisvollen, gefährlich anmutenden Fremden. Ich tanze nur für ihn, unter seinem Blick bewege ich mich noch geschmeidiger, noch verführerischer.
Mühsam fange ich mich wieder, wende mich verunsichert ab, nur um eine Sekunde später meinen Kopf, wie durch ein unsichtbares Band gezogen, wieder zurückzudrehen, doch der Mann, dem dieses faszinierende Augenpaar gehört, ist verschwunden.
Unmerklich schüttle ich den Kopf. Wahrscheinlich habe ich Halluzinationen durch den nagenden Hunger in meinen Eingeweiden. Bald müsste auch die langsame Runde beginnen und damit meine Pause. Irgendwie hat mich der Dienst im Heim heute ziemlich geschlaucht. Am liebsten würde ich ins Bett gehen und schlafen, aber vor fünf Uhr morgens werde ich den Club auf keinen Fall verlassen können. Aber egal, dann ist Sonntag und ich habe frei. Überhaupt wird Schlaf vollkommen überbewertet. Schlafen kann man, wenn man tot ist.
Im Moment komme ich aufgrund ausbleibender Engagements sowieso kaum zum Tanzen und bin froh über jede Minute, die ich auf einer Bühne verbringen darf. Oder eben im Käfig über der Tanzfläche des ‚Spirits‘. Aber das ist besser als gar nichts und ich tanze lieber hier als überhaupt nicht. Ich präsentiere mich nun mal gern und spätestens nach meinem ‚Coyote Ugly‘ Auftritt nachher auf dem Tresen wird die Kasse ordentlich klingeln.
Mit unterdrücktem Grinsen denke ich an die üppigen Trinkgelder, die ich dabei absahnen werde und verdränge das immer mächtiger werdende Hungergefühl. Ich schließe die Augen und lasse mich in die Musik fallen.
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Als der DJ die Musik endlich in langsamere Gewässer fährt, atme ich erleichtert auf und klettere aus dem Käfig. Gierige Blicke folgen jeder meiner Bewegungen, scannen meinen durchtrainierten Körper ab und nicht nur eine Hand grabscht nach meinem nackten Hintern, als ich mich durch die Menge der Tanzenden schlängele.
Auf dem Weg nach hinten muss ich an der Bar vorbei. Hier ist mächtig was los, es gibt eine kleine Rangelei und die Security ist noch nicht vor Ort. Handgreiflichkeiten sind hier nicht üblich, aber heute ist wohl einer dieser Tage, an denen alles anders ist. Als ich versuche, mich um die Streithähne herumzudrücken, bekomme ich von irgendwoher einen festen Stoß vor die Brust, stolpere rückwärts und werde von zwei starken Armen gehalten. Große Hände legen sich auf meine Schultern und drehen mich um, halten mich auf Abstand.
„Nicht so stürmisch, Stripperboy!“, knurrt der Mann, der mich aufgefangen hat und mein Herz beginnt, wild zu schlagen, denn es ist der geheimnisvolle Fremde mit den schönen, blauen Augen. Doch in seinem Blick ist keine Wärme, keine Freundlichkeit. Er taxiert mich abschätzig von oben bis unten und die Finger, die sich eben noch angenehm warm auf meiner nackten Haut anfühlten, drücken sich prüfend in meinen Bizeps. Schlagartig komme ich mir vor wie auf dem Sklavenmarkt.
„Ich bin kein Stripper!“, protestiere ich halbherzig, doch der Mann lächelt süffisant, dreht mich ein wenig zur Seite und begutachtet meinen nackten Hintern.
„Netter Arsch“, er streichelt sanft über meine festen Hinterbacken. „Sind dreihundert genug für einen Fick?“
Die Hand fühlt sich gut an, stark und warm und fast hätte ich mich dagegen gelehnt, die Berührung genossen. Doch dann wird mir bewusst, in welcher Situation ich mich befinde. Rigoros befreie ich mich aus dem Griff an meinem Arm und gehe auf Abstand.
„Ich bin Tänzer und kein Stripper!“, zische ich. „Und wenn du einen Stricher suchst, bist du bei mir erst recht an der falschen Adresse. Such dir einen anderen Idioten!“
Das heisere Lachen des Mannes verfolgt mich bis nach hinten. Meine enge Lederhose spannt im Schritt, der Kerl hat mich tatsächlich hart werden lassen! Wütend über mich selbst schlage ich die Tür zur Garderobe hinter mir zu und lasse mich auf die schäbige Couch neben Noah fallen. Mein Freund sieht an mir herab und seine Augen verharren kurz an meinem Schritt. Er verbeißt sich das Grinsen, das sehe ich ganz genau. Dann aber verlagert sich sein Interesse von meinem Ständer auf sich selbst.
„Bin ich froh, wenn die Nacht rum ist“, stöhnt er und betrachtet sorgenvoll seine Füße. Seine schwarzen Nietenstiefel sind neu und haben ihm ein paar ordentliche Blasen beschert. Mühsam hieve ich mich wieder hoch, krame Pflaster, eine Nadel und Desinfektionsmittel aus dem Erste- Hilfe- Kasten und versorge Noahs Füße, was mir einen dankbaren Blick und einen zarten Kuss auf die Wange einbringt.
Ich gehe zum Tisch und sehe nach, was Robert an Essbarem aufgetafelt hat. Es ist alles wie immer. Statt dem ersehnten Steak steht ein Teller mit eingeschweißten Sandwiches aus dem Supermarkt um die Ecke auf dem Tisch. Der Hunger lässt nicht zu, wählerisch zu sein. Ich schnappe mir eins davon, koste und verdrehe angewidert die Augen.
„Die Dinger sind wie immer ausgesucht scheiße“, murre ich. „Wahrscheinlich holt Robert extra die alten vom Vortag, um ein paar Cent zu sparen.“
„Was stopfst du auch diesen Mist in dich rein!“, schimpft Noah. „Wie lange arbeitest du schon hier? Du weißt doch, dass Robert nur das Billigste anschleppt.“
„Der Hunger treibts rein. Der Magen- Darm- Virus hat auch im Heim zugeschlagen und wir mussten uns zu dritt um alle Patienten kümmern. Ich hatte einfach keine Zeit zum Essen.“
Mit angeekeltem Blick stopfe ich mir den Rest des Sandwichs in den Mund und spüle mit einer halben Flasche Cola nach.
„Was hattest du eigentlich mit Pearce zu schaffen?“, fragt Noah plötzlich und seine Stimme nimmt dabei einen eigenartigen Klang an.
„Pearce? Wer ist Pearce? Und was soll ich mit dem zu tun haben?“, ich bin dabei, die schwarze Lederhose gegen einen hauchdünnen, goldenen Tanga, durch den man zwar nichts sieht, aber alles erahnen kann, zu tauschen und hüpfe auf einem Bein, um das Gleichgewicht zu halten.
„Du hast ihm doch eben in den Armen gelegen und wie man unschwer erkennen konnte, hat dich das nicht gerade kalt gelassen.“
Mein bester Freund nimmt ein paar dünne, goldfarbene Lederriemen vom Tisch und windet sie geschickt um meinen linken Bizeps.
„Wenn du dir den an Land ziehst, werden dich alle hassen.“
„Und wer ist dieser ominöse Pearce? Muss man den kennen?“
Noahs Gesichtszüge entgleisen leicht.
„Hallo? Das war Nicholas Pearce!“
Der Name sagt mir immer noch nichts, aber ich sehe sofort wieder die kalten, blauen Augen vor mir, fröstle und schüttle den Kopf.
„Aus welchem Erdloch bist du denn gekrochen?“, Noah kann immer noch nicht fassen, dass mir der Name nichts sagt. „ ‚The Royal Freaks‘ kennst du aber!“
„Die Rockband?“
„Genau die. Und Nick Pearce ist der Frontmann der Band und dazu noch einer der besten Gitarristen seiner Generation. Musst du doch kennen!“
„Muss ich nicht und von mir aus kann er der beste Gitarrist aller Zeiten sein. Das ist mir scheißegal.“
Vor dem Spiegel löse ich das Gummi, mit dem ich meine schulterlangen Locken in einem strengen Zopf gebändigt habe. Mit ein wenig Gel zupfe ich meine blonde Mähne in einen verwegenen ‚Out of Bed‘- Style und besehe prüfend mein Werk.
„Siehst aus wie ein Rauschgoldengel“, Noah tritt hinter mich und verwuschelt mein Haar noch ein bisschen mehr. Sehnsüchtig sagt er:
„Ich würde ihn jedenfalls gern mal kennenlernen, ich finde ihn ziemlich heiß.“
„Vergiss es“, antworte ich patzig. „Er ist ein arroganter Arsch.“
Noah verdrehte schwärmerisch die Augen.
„Mag ja sein, aber er sitzt am oberen Ende der Nahrungskette und sein arroganter Arsch ist toll und vor allem stinkreich. Seiner Familie gehört halb Kalifornien und er ist das schwule schwarze Schaf.“
Ich denke an die kräftigen, warmen Hände auf meinem Körper, Hände, die richtig zupacken können und mein Herz schlägt dabei gleich wieder ein paar Takte schneller. So egal ist er mir offensichtlich doch nicht. Ich verdränge das Gefühl und sage:
„Für den sind Leute wie wir doch nur Dreck. Er hat mir dreihundert Dollar angeboten für einen Fick.“
„Du hast tatsächlich Nick Pearce zurückgewiesen? Du bist so dämlich, Jay!“
„Du bist dämlich“, gebe ich harsch zurück. „Würdest du echt deinen Arsch verkaufen? Ich bin vielleicht ein armer Schlucker und auf jeden Cent angewiesen, aber ich bin keine Hure und werde auch nie eine sein!“
„Aber Robert hältst du doch den Hintern auch hin, wenn er es will. Genauso wie ich und alle anderen, die auf der Bar tanzen.“
Mittlerweile hat sich auch Noah umgezogen. Er trägt das gleiche knappe Outfit wie ich, allerdings in schwarz.
Um uns von den anderen Tresentänzern, die sich einfach nur irgendwie bewegen, abzuheben, und weil wir echte Profis sind, denken wir uns für jeden unserer Auftritte eine kleine Choreografie aus. Heute sind wir Engel und Teufel im Clinch um die Macht und es passt zu uns. Ich bin blond und hellhäutig und bei Noah schlägt das Erbe seiner kubanischen Mutter durch.
„Es gibt echt Schlimmeres, als sich von Robert ficken zu lassen“, sage ich wegwerfend. „Und wir kriegen Geld fürs Tanzen und nicht, weil wir ihm den Arsch hinhalten.“
„Aber wir dürfen nur auf den Tresen, weil wir ihm den Arsch hinhalten, und dort oben sind wir Freiwild und lassen uns von jedem angrabschen. Natürlich prostituieren wir uns. Wir sind vielleicht keine Huren, aber auf jeden Fall haben wir uns hochgeschlafen.“
„Das kannst du sehen, wie du willst. Jedenfalls kann mich dieser Nick Pearce mal kreuzweise …“
„Was er sicher gern machen würde“, Noah kichert glucksend und weicht geschickt dem Schlag aus, den ich auf seinem Arm landen will.
Mein bester Freund hat recht, als Tänzer auf dem Tresen ist man leichte Beute. Man wird angesabbert und natürlich auch angefasst, wenn man Scheine in den Slip gesteckt bekommt. Hier sitzt das Geld locker und wenn man Glück hat, geht man mit ein paar hundert Dollar extra nach Hause.
Das Tanzen ist okay, aber die Grabscherei ist mir persönlich unangenehm. Ich hasse sie regelrecht, aber solange es Extrageld dafür gibt und ich auf dem Tresen nur von hungrigen Blicken und nicht von realen Schwänzen gefickt werde, nehme ich es zähneknirschend in Kauf.
Kurz blitzen Nick Pearces harte Augen vor mir auf. Der Typ ist mit dem goldenen Löffel im Maul auf die Welt gekommen, der hat Beziehungen und musste garantiert nicht ackern wie ein Verrückter, um seine Träume zu verwirklichen. Ich hingegen bin seit meinem siebzehnten Lebensjahr auf mich allein gestellt. Vor meinen Eltern musste ich mich nicht outen, die wussten irgendwie, dass ich schwul bin und strichen mich von einem Tag auf den anderen aus ihrem Leben. Notgedrungen fand ich mich damit ab und fertig. Ich habe es bisher allein geschafft und ich werde es auch weiterhin schaffen, egal wie viel Kraft es kostet.
„Na los, ich bezahle euch nicht fürs Rumstehen!“, Robert reißt die Tür auf und scheucht uns aus der Garderobe. Im Gang hält er mich zurück.
„Du siehst heiß aus“, flüstert er. Er fährt mit der Hand in meinen engen Slip und lässt einen Finger zwischen meine Hinterbacken gleiten. „Wenn ihr auf dem Tresen durch seid, will ich dich in meinem Büro sehen.“
Ich nicke knapp und laufe Noah hinterher, der an der Tür zur Bar auf mich wartet.
„Oh, seine Hoheit will heute deinen Arsch“, kichert er. Gelassen zucke ich mit den Schultern.
„Von mir aus. Ich hoffe nur, dass ich während der Nummer nicht einpenne.“
Noah prustet los.
„Das wäre allerdings fatal, Schätzchen!“, er kneift mir in den Hintern und schubst mich nach draußen.
Während sich Robert das Mikrofon schnappt und die Musik einsetzt, erklimmen Noah und ich den Tresen und dann bricht die Hölle los. Wir ziehen unsere kleine Nummer durch und lassen das von Robert angeheizte Publikum laut johlen.
Der dunkle Teufel küsst den goldenen Engel, dann gleitet er wie eine Schlange an ihm hinab und zieht mit seiner Zunge eine feuchte Spur über seinen nackten Oberkörper. Der goldene Engel windet sich in gespielter Verzweiflung, entreißt sich ihm und wirbelt ans Ende der Welt, das heißt, ich flüchte ans andere Ende des Tresens und werde dort unverzüglich vom Teufel wieder eingefangen.
Noah geht vor mir auf die Knie, streichelt meinen Schwanz und züngelt über meinen Slip. Wir spielen das alte Spiel von Verführung und Unterwerfung, an dem am Ende nicht das Gute siegt. Nein, bei unserem Spiel triumphiert der Teufel über den gar nicht so unschuldigen Engel.
Unsere Show ist heiß, der Club brodelt. Immer mehr Hände greifen nach oben, berühren uns, wo sie uns erreichen können. Mittlerweile bin ich abgebrüht genug, um das auszuhalten und nicht übermäßig darauf zu reagieren. In der ersten Zeit stand ich regelmäßig zu Tode beschämt mit einem gigantischen Ständer hier oben, doch das hat sich mit der Zeit gegeben.
Als wir nach zehn Minuten den Tresen verlassen, klemmen in unseren Slips jede Menge Geldscheine. Leicht verdientes Geld, wenn man die unliebsame Fummelei mal außen vorlässt.
Noah wird von einem Bekannten aufgehalten, also gehe ich schon mal vor zu unserer Garderobe und laufe prompt wieder Nick Pearce in die Arme. Er steht lässig an die Wand gelehnt, hat die Arme verschränkt und sieht einfach nur verboten gut aus.
‚Der ist zu schön, um wahr zu sein‘, denke ich und will mich an ihm vorbei drücken, doch er zieht mich in eine Nische und drückt mich unsanft gegen die Wand. Er ist nur unwesentlich größer als ich, aber um einiges schwerer. Sein muskulöser Körper drängt sich gegen mich. Er ist erregt, ich spüre seinen harten Schwanz an meiner Hüfte und schlucke, denn es fühlt sich trotz der komischen Situation gut an. Trotzdem versuche ich, mich unter ihm hervorzuwinden. Aussichtslos, Pearce ist mir trotz meines täglichen Trainings körperlich klar überlegen. Dann treffen mich wieder die harten, blauen Augen, fesseln mich und ich weiß ihm nichts mehr entgegenzusetzen.
Lippen legten sich auf meine, fordernd und alles andere als zärtlich. Wie in Trance öffne ich den Mund, lasse seine Zunge ein und erwidere den rauen Kuss. Eine feste Hand versenkt sich in meinem Haar, zieht meinen Kopf nach hinten und Nicks Mund erkundet meinen Hals, saugt an der empfindlichen Haut und küsst sich weiter hinters Ohr an genau die Stelle, die mich verrückt macht.
In diesem Moment vergesse ich alles um mich herum, vergesse, wo wir sind und dass Robert auf mich wartet. Nicks Zunge drängt zurück in meinen Mund, er streicht über meinen harten Schwanz und ich biege mich ihm leise stöhnend entgegen.
Doch viel zu schnell ist die Hand verschwunden, er drückt mich nach unten auf die Knie und wickelt sich mein Haar um die Hand. Seine Erektion sprengt fast die edle Designerjeans und ich muss grinsen. Ob Rockstar oder armes Schwein, feine Klamotten oder billige Jeans, untendrunter sind sie alle gleich und wollen dasselbe. Ich lege meine Hand auf die beachtliche Beule, streiche sanft darüber und Pearce bekommt leichte Schnappatmung.
„Jetzt mach schon, ich hab nicht ewig Zeit“, stöhnt er und zieht derb an meinen Haaren. Die brutale Geste bringt mich auf einen Schlag zurück in die Realität. Will ich das hier tun? Will ich mich wirklich von diesem arroganten Schnösel erniedrigen lassen?
Robert nimmt mir die Entscheidung ab. Wie aus dem Nichts steht er plötzlich hinter uns und räuspert sich vernehmlich. Nie war ich dankbarer für sein Erscheinen, obwohl ich genau weiß, dass ich einen Heidenärger bekommen werde.
„Mister Pearce“, sagt Robert freundlich, aber bestimmt. „Unserem Personal ist körperlicher Kontakt zu den Gästen leider untersagt. Wenn ich Sie bitten dürfte, zurück in den Clubbereich zu gehen? Und Jay, dich möchte ich umgehend in meinem Büro sehen!“
Widerstrebend löst Nick Pearce die Hand aus meinem Haar. Ich sehe, dass er mit sich kämpft, dass er eine scharfe Erwiderung auf der Zunge hat, doch dann presst er seine vollen Lippen zu einem schmalen Strich zusammen und schweigt.
Noch immer knie ich vor ihm am Boden und fühle mich plötzlich wirklich wie ein Stricher. Fast nackt und mit einem peinlichen Ständer hocke ich hier. In meinem Slip klemmen noch die Geldscheine, die ich auf dem Tresen zugesteckt bekommen habe und ich war tatsächlich kurz davor gewesen, diesem Ekelpaket einen zu blasen.
Robert wirft mir einen angeekelten Blick zu, schnaubt wütend und verschwindet in seinem Büro. Ich rapple mich hoch und schlage die Augen nieder, kann Pearce nicht ansehen. Der kommt noch einmal ganz nah an mich heran und bläst seinen warmen Atem über meinen Hals. Gänsehaut überzieht mich und plötzlich sehe ich, wie er etwas Zusammengeknülltes vor mir auf den Boden fallen lässt.
„Wir sind noch nicht fertig, Stripperboy“, flüstert er und verlässt den Gang.
‚Dreihundert Dollar für Knutschen und ein bisschen fummeln, der Typ lässt sich echt nicht lumpen‘, denke ich sarkastisch, nachdem ich die Geldscheine mit spitzen Fingern aufgehoben habe. Pearce hält mich tatsächlich für eine Nutte. Es schüttelt mich innerlich, trotz der Wärme friere ich auf einmal und ich sehne mich nach einer schönen, heißen Dusche. Doch jetzt muss ich erst mal zu Robert, den kann ich auf keinen Fall noch länger warten lassen. Schnell mache ich einen Abstecher in die Garderobe und nehme die Geldscheine aus meinem Slip. Ohne sie zu zählen stopfe ich sie in meinen Rucksack.
„Hast du was angestellt?“, fragt Noah neugierig. „Robert ist stinksauer auf dich.“
„Erzähl ich dir später“, gebe ich zurück. „Bis dahin bete, dass ich meinen Job noch habe.“
Ich werfe einen dünnen Morgenmantel über und mach mich schweren Herzens auf zu Robert.
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„Ich sollte dich auf der Stelle feuern, Caine! Bist kaum zwei Monate hier und suchst dir schon einen reichen Gönner, oder was? Du kennst die Regeln! Wie kannst du es wagen, dich an meine Gäste ranzumachen!“
Ich schlinge den Morgenmantel fester um meinen Körper und senke den Blick, damit Robert die Wut in meinen Augen nicht sieht. Es ist mir vollkommen bewusst, dass ich gegen sämtliche Regeln verstoßen habe und ich bin wütend auf mich selbst. Wie konnte ich bloß auf Pearce hereinfallen! Zudem widerstrebt mir total, dass ich mich jetzt auch noch vor Robert rechtfertigen muss.
„Der Typ hat mich angemacht!“, sage ich trotzig und zwinge mich, ruhig zu bleiben.
„Verarsch mich nicht. Du wolltest ihm einen blasen!“, Robert tritt an mich heran und stößt gegen meine Schulter. Ich weiche zurück, kann kaum fassen, was hier gerade geschieht. Handgreiflichkeiten von meinem Boss? Ist der etwa eifersüchtig?
„Hier im Club gehörst du mir, so ist der Deal“, knurrt Robert. „Was du draußen machst, ist mir scheißegal, aber hier hast du allein mir zur Verfügung zu stehen und zwar wann ich will und wie ich will, sonst bist du schneller weg, als du denkst.“
„Ist klar“, antworte ich betont kleinlaut und sehe weiter zu Boden. Ich bin ein besserer Schauspieler, als gedacht. Robert kann mich mal. Das Einzige, was mir leid tut ist, dass ich mich von Nick Pearce habe einwickeln lassen. Die Befindlichkeiten meines Chefs gehen mir drei Meter am Arsch vorbei. Aber besser, klein beigeben, als einen lukrativen Job zu verlieren.
Schon ein wenig berechnend hebe ich den Blick und sehe Robert reuevoll an.
„Tut mir leid, wird nicht wieder vorkommen“, flüstere ich und lasse den seidigen Morgenmantel langsam über meine Schulten zu Boden sinken. Noch immer trage ich die Sachen vom Tresen und ich weiß, dass er voll drauf abfährt. Dann öffne ich geschickt Roberts Hose und gehe vor ihm auf die Knie. Als sich meine Lippen um seinen Schwanz legen, schließe ich die Augen und unterdrücke mühsam die Übelkeit, die plötzlich in mir aufsteigt.
„Stripperboy! Stricherboy!“, zischt Nicks Stimme hämisch in meinem Kopf und ich muss mich zwingen, weiterzumachen.
Kurz bevor Robert kommt, zieht er mich nach oben und legt mich bäuchlings über den Schreibtisch. Langsam fährt er mit seiner Hand über mein Rückgrat, dann reißt er mir mit einer schnellen Bewegung den Slip vom Hintern und fischt Kondom und Gleitgel aus dem Kästchen, welches immer gut gefüllt neben dem Foto von seiner glücklich lächelnden Frau und den beiden Kindern steht.
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Als Noah und ich den Club gegen fünf Uhr morgens verlassen, schiebe ich die drei Hundertdollarscheine, die mir Nick Pearce vor die Füße geworfen hat, vorsichtig einem Penner, der in einem Hauseingang auf einem Stück Pappe liegt und seinen Rausch ausschläft, in die Tasche.
„Davon hätten wir die Klimaanlage reparieren lassen können“, murrt Noah, doch dann sieht er meinen Blick und umarmt mich.
„Hast ja recht, Jay. Scheiß auf den Kerl.“
Ich küsse ihn sanft auf den Mund, Noah legt seinen Arm um meine Schulter und wir gehen nach Hause. Natürlich hätte ich das Geld gut gebrauchen können, aber nach der Aktion geht es mir bedeutend besser.
Nick
„Fuck you, Pearce!“, brüllt Jack Peterson, der Drummer unserer Band, und knallt wütend seine Sticks auf den Boden.
„Vielleicht solltest du weniger rumficken, wenn deine Kondition darunter leidet!“, schnauze ich zurück. „Du warst zu langsam, Peterson, und das gleich dreimal hintereinander. Falls du es vergessen haben solltest, wir spielen heute Abend nicht auf der Silberhochzeit von Tante Abigail, sondern im Staples Center, und das vor zwanzigtausend Leuten.
