Rock Dance Love_3 - DRAGON - Sasha Lilus - E-Book

Rock Dance Love_3 - DRAGON E-Book

Sasha Lilus

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Beschreibung

Der junge Tänzer Dragon, ehemaliges Straßenkind und bis vor kurzem noch ziemlich allein auf der Welt, hat bei Noah und Colin endlich ein Zuhause gefunden und ist zum ersten Mal glücklich mit seinem Leben. Das Einzige, was ihm noch fehlt, ist ein Mann an seiner Seite, doch „Yellow Pilots“- Drummer Tristan Strong, in den er sich unsterblich verliebt hat, ist ein ganzes Stück älter als er, lebt in einer festen Beziehung und würde seinen Freund niemals betrügen.
Aber dann zeigt sich, dass diese Beziehung auf tönernen Füßen steht und als Tristan bei einem Anschlag auf die Band schwer verletzt wird, scheint sein Leben als einer der besten Drummer der Welt vorbei zu sein.

In sich abgeschlossener Roman, Band 3 der „Rock Dance Love“ Reihe, in dem auch alle Jungs aus den ersten beiden Bänden wieder mit dabei sein werden.
Das Buch enthält eine Leseprobe des 4. Bandes Rock Dance Love_4 - Dylan, welches Ende Juni 2020 erscheinen wird.

Bücher von Sasha Lilus:
Rock Dance Love_1 – Jay
Rock Dance Love_2 – Noah
Rock Dance Love_3 – Dragon
Rock Dance Love_4 – Dylan

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EPUB

Veröffentlichungsjahr: 2020

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Sasha Lilus

 

Rock Dance Love_3

Dragon

 

Gay Romance

 

Das vorliegende Buch ist reine Fantasie.Ähnlichkeiten mit lebenden oder bereits verstorbenen Personen sind zufällig und nicht beabsichtigt.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

ImpressumV.i.S.d.P.Sasha Lilus c/o Autorencentrum.deEin Projekt der BlueCat Publishing GbRGneisenaustr. 6410961 Berlin

E-Mail: [email protected].: 030 / 61671496 

2. Auflage November 2019

Copyright © Sasha Lilus Mai 2019

Coverfoto: iStock.com/Edelweiss81

Coverdesign: Sasha LilusAlle Rechte, einschließlich dem des vollständigen oder teilweisen Nachdrucks in jeglicher Form sind vorbehalten.

 

Inhaltsverzeichnis

Prolog

Eins

Zwei

Drei

Vier

Fünf

Sechs

Sieben

Acht

Neun

Zehn

Elf

Zwölf

Dreizehn

Vierzehn

Fünfzehn

Sechzehn

Siebzehn

Achtzehn

Neunzehn

Zwanzig

Einundzwanzig

Zweiundzwanzig

Epilog

Leseprobe

 

Prolog

Dragon

 

 

 

 

Lautes Stimmengewirr durchzieht die Garderobe. Man versteht sein eigenes Wort kaum, obwohl gar nicht so viele Menschen im Raum sind. Aber nach der umjubelten Premiere vorhin sind alle noch voll auf dem Adrenalintrip und entsprechend aufgekratzt.

Auch ich natürlich. Mein ganzer Körper kribbelt, obwohl ich eigentlich hundekaputt sein müsste nach dem kräftezehrenden Auftritt. Am liebsten würde ich die ganze Zeit herumspringen und laut brüllen, um die Aufregung, aber auch die unbändige Freude herauszuschreien, die in mir brodelt.

Wir sind auf Tour und ich, Edgar Ryū Stewart, genannt Dragon, habe es geschafft, dabei zu sein, bin festes Mitglied der Stevenson Caine Dance Company und zwar so richtig, mit Vertrag und Gage und allem, was noch so dazu gehört.

 

Meinem Bewegungsdrang kann ich gerade nicht nachgeben, denn ich fläze bequem auf einem Sofa in unserer Garderobe und genieße es, denn Tristan lehnt neben mir. Gerade lacht er dröhnend und ich lache automatisch mit, obwohl ich gar nicht weiß, worum es geht.

Wahrscheinlich hat Donovan Novak, Leadgitarrist der „Yellow Pilots“, mal wieder einen eindeutig zweideutigen Witz gerissen. Das kann er gut, vor allem, wenn er wie jetzt gerade zu unseren Füßen auf dem Boden sitzt und gleich zwei Frauen im Arm hält. Links hat er Cally, eine unserer Tänzerinnen, am Wickel, rechts sitzt Anna, die Kostümbildnerin, und er flirtet, was das Zeug hält. Besonders Cally scheint es zu mögen, sie wirft den Kopf in den Nacken und lacht schallend.

 

Ich fühle mich so wohl neben Tristan. Heimlich spüre ich seiner Wärme nach. Wenn er sich bewegt, streift mich ein Hauch seines herben Duftes, umtanzt meine Nase und ich würde sie am liebsten in seiner Halsbeuge vergraben, um nie wieder etwas anderes riechen zu müssen.

Würde ich meinen Arm nur ein paar Zentimeter nach links verschieben, könnte ich seine schöne, kräftige Hand berühren, die ein Weinglas hält, während er mit den anderen scherzt. Ich stelle mir vor, wie meine Fingerspitzen die ausgeprägten Adern, die sich vom Handrücken über seinen Arm ziehen, verfolgen, und wie ich ihm dabei in seine sturmgrauen Augen sehe, von denen ich manchmal glaube, dass sie auf den Grund meiner Seele blicken können, dass sie genau wissen, was in mir vorgeht.

 

Ich bin so verliebt in ihn, so richtig, mit allem was dazugehört, Herzrasen, feuchte Hände, Schmetterlinge im Bauch, sobald ich nur erahne, dass er in meiner Nähe ist. Natürlich weiß das niemand, zumal es auch vollkommen hirnrissig ist, denn Tristan ist vergeben. Dabei tröstet mich auch nicht, dass niemand, wirklich niemand in der Band und auch nicht in der Dance Company, seinen Freund Martin mag. Aber Tristan liebt ihn aus irgendeinem Grund und damit ist er verloren für mich, denn er ist absolut treu, was natürlich für ihn spricht. Wer will schon einen Freund, der fremdgeht!

 

Ich war nicht auf den ersten Blick in ihn verliebt. Am Anfang fand ich ihn interessant, weil er so stark und ruhig daherkam, so unerschütterlich wie ein Felsen. Und weil er, wie ich, ein Drachen ist.

Ryū ist japanisch und bedeutet Drachen. Tristan wurde im chinesischen Jahr des Drachen geboren.

Ich liebe meinen Namen und so habe ich mir während meiner Zeit in der Straßengang viele, ineinander verschlungene Drachen auf Arme und Oberkörper tätowieren lassen. Tristan trägt einen ziemlich großen auf der Brust, einen wirklich hübschen Kerl mit goldbraunen und grünschimmernden Schuppen und einem langen Hals, der sich um eine seiner Brustwarzen schmiegt und den ich nur zu gern einmal liebkosen würde. Illusorisch, ich weiß. Tris hat mich gern, aber mehr ist da nicht, leider.

Für ihn bin ich nur ein Junge, mit dem er scherzt und lacht und über den er sich manchmal ein wenig lustig macht. Aber ich kann trotzdem nicht anders, als mir Abend für Abend vorzustellen, wie er mich küsst, wie seine sanften Lippen an mir hinabgleiten und mich verwöhnen, mich langsam …

„Leute … Leute!“, Jay klopft laut mit den Fingerknöcheln auf den Tisch und reißt mich damit aus meinem Tagtraum. Verlegen knülle ich meinen Hoodie auf dem Schoß zusammen, um meine beginnende Erektion zu verstecken.

„Auch, wenn ihr mich jetzt hasst, aber ich würde sagen, wir machen Schluss für heute. Die Nacht wird kurz. Abfahrt vom Hotel zum Flughafen ist sieben Uhr dreißig. Verschlaft nicht!“

„Nix mit Sex & Drugs & Rock’n‘Roll. Auf dieser Tour herrscht Zucht und Ordnung und um zehn Uhr ist Nachtruhe“, blökt Don, reicht Cally und Anna jeweils eine Hand und zieht die beiden schwungvoll vom Boden hoch. Sie lassen sich gegen seine Brust fallen und himmeln ihn theatralisch übertrieben an.

„Na komm, Süßer“, flötet Anna und Cally klapst ihm auf den Hintern. „Wir bringen dich ins Bett.“

Tristan verdreht die Augen und grinst mich an.

„Ich glaube, die Tour wird sehr interessant“, raunt er und zwinkert mir vielsagend zu. Ich zucke lachend mit den Schultern, ziehe meinen Hoodie über und mache mich langsam auf den Weg nach draußen.

 

Noah und Colin stehen schon vor der Tür. Colin hat die Hände in Noahs Haar vergraben und die beiden knutschen, was das Zeug hält.

„Könnt ihr nicht warten, bis ihr im Hotel seid?“, stichle ich und lege übermütig ein paar Steppschritte auf den Asphalt hinter der Halle. Cally kommt kichernd an meine Seite und auch Anna gesellt sich zu uns und gemeinsam legen wir so gekonnt los, dass Fred Astaire neben uns vor Neid erblasst wäre.

„Ich wusste gar nicht, dass du steppen kannst“, rufe ich Anna zu.

„Du weißt so einiges nicht, kleiner Drachen“, sie lacht und dreht gekonnt eine Pirouette.

 

Niemand beachtet den Wagen, der ein Stück hinter uns den Motor anlässt. Schließlich befinden wir uns auf gesichertem Gelände hinter der Halle. Doch dann bemerke ich, dass die Karre mit voll aufgeblendeten Scheinwerfern und viel zu hoher Geschwindigkeit auf uns zubrettert. Blinzelnd lege ich einen Arm über die Augen, höre noch, wie Colin erschrocken „Was ist das denn für ein Idiot!“ brüllt.

 

Etwas Großes, Hartes knallt gegen mich, schleudert mich zur Seite und ich krache gegen die Wand, schlage mir dabei den Kopf an. Benommen richte ich mich auf, höre schrille Schreie und das unerträgliche Kreischen durchdrehender Autoreifen.

Alles um mich herum scheint sich zu verlangsamen. Wie durch eine dicke Wolke aus Zuckerwatte sehe ich, dass Don, Colin und Noah seltsam ineinander verschlungen auf dem Boden liegen. Neben ihnen Cally. Ihre Beine stehen in einem grotesken Winkel von ihrem Körper ab, ihre Hose ist blutdurchtränkt und ihre Schreie bohren sich in mein Hirn. Halb auf ihr drauf liegt Anna und bewegt sich nicht.

Vor meinen Augen verschwimmt alles. Ich spüre, wie meine Beine unter mir nachgeben, lasse mich langsam an der Mauer heruntergleiten und als ich sitze, sehe ich nur ein kleines Stück neben mir Tristan liegen. Seine Klamotten sind zerfetzt, sein rechter Arm irgendwie verdreht, doch das Schlimmste ist das Blut, das aus seinem Kopf fließt. Es ist wirklich viel Blut und bei dem Anblick wird mir so übel, dass ich mich übergeben muss ...

Eins

Dragon

 

 

 

 

Drei Jeans, ein Stapel Shirts, eine ordentliche Stoffhose mit passendem Hemd. Unterwäsche, Socken, Handtücher, Kosmetiktasche, zwei Paar Sneakers. Notebook, Handy – Ladekabel nicht vergessen. Eine zerlesene Ausgabe von Frank Herberts „Wüstenplanet“. Die habe ich vor ein paar Tagen auf einer Bank am Venice Beach gefunden und mitgenommen.

Ich reise mit leichtem Gepäck. Prüfend lasse ich den Blick über das kleine Häufchen schweifen und packe alles in eine Reisetasche.

Morgen geht sie los, die Tour, sechzehn Shows in vier Wochen, mit Start in Seattle, dann einmal quer durchs Land und wieder zurück nach Los Angeles, wo wir unsere letzte Show tanzen. Wenn es gut läuft, wird es eine Europatournee geben, aber die steht noch nicht fest. Wir wollen erst einmal abwarten, wie unser Experiment beim Publikum ankommt.

 

„The Pilots lift off“ heißt das Gemeinschaftsprojekt der „Yellow Pilots“ und der Stevenson Caine Dance Company und das Ganze ist tatsächlich ein Experiment. Rockband trifft Tanztheater, das gab es in dieser Form noch nie, denn die Band wird nicht nur einfach auf der Bühne stehen und ihr Ding durchziehen. Sie und ihre Instrumente sind Teil des Programms und auch, wenn die Jungs am Anfang einige Probleme hatten, sind sie doch beweglicher, als vorher angenommen.

Colin, Don und Tristan haben alte und neue Songs der „Yellow Pilots“ für ein neunzigminütiges Event aufbereitet, Jay und Noah die Tanzsequenzen choreografiert und Nick, dessen Band gerade eine längere Pause einlegt, ist als Special Guest dabei und wird in einer Art Traumsequenz zwei Duette mit Colin singen.

Auf jeden Fall scheinen die Leute neugierig zu sein, denn die Tour war ratzfatz ausverkauft. Wie es aussieht, wollen sich die Fans die ‚tanzenden Piloten‘ nicht entgehen lassen.

 

Ich freue mich so. Meine erste Tour und die ganze Familie ist dabei, besser geht es nicht.

Familie … noch vor gar nicht allzu langer Zeit hätte ich nicht gedacht, jemals eine zu haben. Vor zwei Jahren noch war ich Mitglied in einer Streetgang, lebte von Gras verticken, Erpressung und Diebstahl, hatte keine Perspektive, keine Ziele. Alles drehte sich nur ums nackte Überleben und war so gar nicht das, was ich wollte. Ich hatte die Schnauze voll von der Gang und von den Typen dort, hatte genug davon, ein Kleinkrimineller zu sein und mein Schwulsein verleugnen zu müssen.

Doch dann trat Noah Stevenson in mein Leben. Er tanzte mit uns und mir eröffnete sich eine vollkommen neue Welt. Ich verliebte mich unsterblich, erst ins Tanzen und dann in Noah. Allerdings zog er mir diesen Zahn sofort und auch sein Partner Colin Masters, mit dem er seit fast zwei Jahren zusammenlebt, schob der Sache sehr schnell einen Riegel vor.

Colin sagt oft lachend, dass Noah mich einfach mitgebracht hat in ihre Beziehung, und genauso war es. Noah hatte mich im Schlepptau, als sie zusammenkamen und ich kann es Colin nicht hoch genug anrechnen, dass er mich, ohne mich überhaupt zu kennen, bei sich aufnahm.

Die beiden sind die großen Brüder, die ich nie hatte und ich liebe sie sehr. Sie halfen mir aus dem Dreck, ermöglichten mir, einen ordentlichen Schulabschluss zu machen und besonders Noah lehrt mich, das zu sein, was ich mir von allem am meisten wünsche – ein guter Tänzer.

 

Doch Noah und Colin gibt es nicht ohne Nicholas Pearce und seinen Partner Jasper Caine. Nick ist ein ebenso berühmter Rockstar wie Colin, und Jasper, den alle nur Jay rufen, ist Noahs bester Freund und Miteigentümer der Stevenson Caine Dance Company, der ich seit einigen Wochen ebenfalls als fest engagierter Tänzer angehöre.

Nick war ein weiterer Glücksfall in meinem Leben. Natürlich sind alle aus der Viererbande, wie ich die Jungs manchmal nenne, für mich da, doch zu Nick habe ich ein ganz besonderes Verhältnis. Er ist meine absolute Vertrauensperson, wenn es mir richtig Scheiße geht und manchmal wünsche ich mir tatsächlich, dass Nick mein Vater wäre. Aber wahrscheinlich ist es besser, dass er es nicht ist. Bis auf Noah hat keiner der Jungs meiner neuen Familie ein gutes Verhältnis zu seinem leiblichen Vater. Meiner ist einfach abgehauen, Nick und Jay sind zu Hause geächtet, weil sie schwul sind, Colin kennt seinen nicht mal.

Nein, alles ist gut so, wie es ist.

 

Ich verfrachte die Tasche auf den Boden und laufe eine Treppe tiefer, wo sich Colins und Noahs Schlafzimmer befindet. Die Tür steht offen, ich klopfe kurz an den Türrahmen und sehe mich um, doch ich kann die beiden nicht entdecken. Dafür dringt mir aus dem Schrankzimmer dumpfes Murmeln entgegen und als ich näher trete, höre ich, wie Noah sagt:

„Du hast schon zwei Koffer voll und jetzt willst du auch noch einen dritten mitnehmen? Wir machen doch keine Weltreise und extra Bühnenklamotten musst du diesmal auch nicht mitschleppen. Du übertreibst, mein Lieber.“

Colin brummelt irgendwas in seinen nicht vorhandenen Bart und schichtet unbeirrt einen weiteren Stapel Klamotten vor sich auf.

„Hui, das gibt Übergepäck“, frotzele ich, obwohl ich genau weiß, dass es scheißegal ist, wieviel Zeug jeder mitschleppt. Wir leisten uns nämlich den Luxus eines Privatjets, der uns quer durchs Land befördern wird.

Früher sind die Pilots noch mit großen Nightlinern durchs Land getourt, doch mittlerweile schwimmen sie im Geld und haben es gern bequem. Außerdem bekommen wir so den riesigen Tross, der aus Band, zwölf Tänzern und einem ziemlich großen Haufen Leuten, die den Laden am Laufen halten, besteht, unter ein Dach.

 

Ich überlasse Noah und Colin ihrer kleinen Kabbelei und überlege, ob ich schnell nochmal zu Nick und Jay rüberflitze. Aber die beiden sind sicher auch dabei, ihren Kram zusammenzupacken. Wenn ich bloß nicht so verdammt aufgeregt wäre …

Zwei

Tristan

 

 

 

 

„Ich weiß nicht, ob ich mir das noch lange ansehe.“

Martin, mein Lebensgefährte, lehnt am Kleiderschrank und versperrt mir den Weg. Er trägt noch seinen Anzug von dem langweiligen Abendessen mit einer potentiellen Kundin, zu dem ich unbedingt mitkommen musste, weil besagte Kundin total auf schwule Pärchen abfährt.

„Martin, bitte. Ich möchte meine Sachen fertig packen. Es ist schon nach Mitternacht und ich muss sehr früh am Flughafen sein.“

Leicht genervt will ich mich an ihm vorbeischieben, doch er stellt sich mir breitbeinig in den Weg. Alkoholdunst wabert mir entgegen und ich verziehe angeekelt das Gesicht. Martin hatte entschieden zu viele Drinks an diesem Abend, wie so oft in letzter Zeit.

„Du lässt mich vier Wochen allein“, jammert er. „Schon wieder. Wozu habe ich einen Mann, wenn er nie da ist?“

„Fuck, Martin!“, brause ich auf. „Ich gehe nicht auf Welttournee. Es sind bloß vier Wochen und wir sehen uns spätestens in zehn Tagen in Chicago, wenn du auf der Messe bist.“

„Werden wir nicht.“

„Wieso? Fliegst du nicht zur Messe?“, verwundert sehe ich ihn an. Martin handelt mit Yachten aller Art und die Chicago Boat war bisher immer eine Pflichtveranstaltung für ihn.

„Natürlich fliege ich hin, aber zu dir komme ich nicht.“

„Und warum nicht?“, langsam werde ich ungeduldig.

„Weil ich keinen Bock mehr auf den Mist habe!“, giftet er. Schwankend stößt er mich zur Seite und fegt mit einem Schwung alle Sachen vom Bett, die ich fein säuberlich dort aufgeschichtet habe. „Du bestellst mich auf dein Hotelzimmer, kommst irgendwann mitten in der Nacht auf eine schnelle Nummer und morgens bist du weg, bevor wir gefrühstückt haben. Das lasse ich nicht mit mir machen. Ich bin nicht deine Nutte, Tristan!“

„So siehst du dich?“, gebe ich getroffen zurück. „Du bekommst jedes Mal einen Backstagepass und wenn du ihn mal nutzen würdest, wenn du nur einmal mit zum Gig kommen würdest, könnten wir viel mehr Zeit miteinander verbringen.“

„Du weißt ganz genau, dass mich dieser Scheiß nicht interessiert!“

Ich raste wirklich nicht schnell aus. An mir prallt eine ganze Menge ab, aber gerade brodelt es gewaltig in mir.

„Dieser ‚Scheiß‘ ist mein Job“, sage ich und bemühe mich krampfhaft, ruhig zu bleiben. „Mit diesem ‚Scheiß‘ verdiene ich gutes Geld. Dieser ‚Scheiß‘ hat dir ermöglicht, dein Geschäft auf Luxusyachten zu erweitern.“

„Genau“, Martin verschränkt die Arme vor seiner Brust und sieht mich herausfordernd an. „Und damit hat sich der Scheiß auch erledigt. Das Geschäft läuft dank dir ausgezeichnet und wir haben eine ganze Menge Kohle auf der hohen Kante. Also wirst du aussteigen aus der Band.“

Das sagt er so dermaßen selbstsicher, als wäre es das letzte Wort in dieser Sache gewesen. Er beugt sich zu mir, küsst mich flüchtig auf die Wange und ich halte die Luft an, weil ich seinen alkoholgeschwängerten Atem nicht ertrage.

„Und außerdem …“, er lächelt wissend. „… außerdem habe ich keine Lust, länger dabei zuzusehen, wie Colin Masters dir in den Arsch kriecht, um dich ins Bett zu kriegen.“

 

Ich fasse es nicht. Diesen Mist höre ich mir wieder und wieder an, seit Martin und Colin sich kennengelernt haben. Ich fühle mich jedes Mal so mies, wenn er mir das an den Kopf knallt. Martin und ich sind seit fünf Jahren zusammen und ich habe ihn in dieser Zeit nicht ein einziges Mal betrogen.

„Ich kann es nicht mehr hören“, stoße ich hervor. „Zum letzten Mal: Colin will nichts von mir und ich will nichts von ihm.“

„Natürlich nicht“, sagt er herablassend und das bringt das Fass endgültig zum Überlaufen.

„Du bestimmst nicht über mein Leben!“, brülle ich. „Ich habe immer davon geträumt, in dieser Band zu sein. Niemals hätte ich geglaubt, dass dieser Traum wahr wird und jetzt, wo ich es geschafft habe, willst du, dass ich alles wieder hinschmeiße? Weißt du eigentlich, was ich erreicht habe im letzten Jahr? Es heißt, dass ich einer der besten Drummer der Welt bin. Ich spiele in einer der einflussreichsten Bands und ich bestimme ihre Musik mit. Ich habe fünf der neuen Songs für die Tour geschrieben! Warum erkennst du das nicht an? Warum freust du dich nicht für mich? Stattdessen bist du eifersüchtig und machst mir die Hölle heiß, seit ich in der Band bin. Erwartest du tatsächlich von mir, alles hinzuschmeißen, wieder störrische Siebenjährige zu unterrichten und zuhause mit dem Essen auf dich zu warten?“

Martin steht schon auf dem Flur, als er sich schwankend umdreht. Seinen leicht umnebelten Blick kann ich nicht deuten.

„Genau das erwarte ich. Nach der Tour wirst du die Band verlassen. Ansonsten kannst du deine Klamotten packen und verschwinden“, sagt er ruhig und geht. Perplex sehe ich ihm nach, doch dann erwache ich aus meiner Starre und brülle ihm hinterher:

„Du kannst mich nicht rausschmeißen! Das ist mein Haus!“

Ich knalle die Schlafzimmertür zu und lasse mich aufs Bett fallen. Tränen der Enttäuschung schießen mir in die Augen. Wann ist aus Martin so ein Scheißkerl geworden? Wieso habe ich das nicht bemerkt? Jeder hat das offenbar, nur ich nicht.

Niemand aus der Band mag ihn, Colin hasst ihn sogar regelrecht. Hätte mir das nicht eher zu denken geben sollen?

 

Natürlich haben wir uns verändert im Lauf der Zeit und als Martins Geschäft beschissen lief, war er eine ganze Weile überhaupt nicht gut drauf, ließ seinen Frust meistens an mir aus und verschwand manchmal tagelang. Ich weiß bis heute nicht, wo er damals war und was er gemacht hat. Ich hätte doch vielmehr Grund zur Eifersucht.

Als das erste große Geld von der Band hereinkam, war er der letzte, der etwas dagegen hatte, dass ich seinem Geschäft wieder auf die Beine half. Er hat auch das große Haus ausgesucht, in dem wir leben, und auch da war klar, dass ich es bezahle. Bisher kam ihm doch sehr zupass, dass ich mit der Band unverschämt viel verdiene.

Ich glaube, dass er nicht damit klarkommt, dass ich mittlerweile viel mehr Geld besitze als er. Für ihn haben sich damit die Machtverhältnisse in unserer Beziehung verschoben. Martin will das Sagen haben, das war schon immer so, und bisher ging das für mich auch in Ordnung. Aber inzwischen habe ich die ständigen Machtkämpfe so satt. Ich verstehe das alles nicht mehr. Wir haben uns doch mal so geliebt!

 

Klar war unser Leben geregelter vor der Band. Tagsüber arbeitete ich als Musiklehrer an verschiedenen Elementary Schools und spielte nebenbei Schlagzeug in einer Garagenband. Wir hatten ab und zu mal ein paar Gigs, aber die waren überschaubar und nahmen nicht überhand.

Als ich hörte, dass die Pilots einen Drummer suchen, wollte ich erst gar nicht hingehen, aber ausgerechnet die Jungs meiner Band bestärkten mich darin, meinten, dass ich viel zu gut wäre, um in der Garage zu versauern.

Martin war von Anfang an nicht begeistert davon und langsam frage ich mich, warum er überhaupt noch bei mir ist. Es ist so viel kaputt gegangen zwischen uns in den letzten Monaten.

Natürlich ist es Mist, wenn wir uns manchmal wochenlang nicht sehen, aber er kommt mir auch keinen Meter entgegen, geht keinen einzigen Kompromiss ein. Ich habe ihn so oft gebeten, einfach mal mitzukommen, doch da führt einfach kein Weg hin.

Mein Geld hat er gern genommen, doch ihm wäre es am liebsten, wenn ich nur noch nach seiner Pfeife tanzen würde. Aber ich bin nicht seine kleine Hausfrau, die er nach Lust und Laune herumkommandieren kann. Ich bin einer der besten Drummer der Welt und ich liebe es, auf der Bühne zu stehen. Und wenn Martin damit nicht klarkommt …

 

Wieder rollen mir Tränen über die Wangen. Ich wische sie weg und hebe meine Klamotten vom Boden auf. Unten höre ich die Haustür zuschlagen und kurze Zeit später einen Motor anspringen. Martin fährt weg, obwohl er so viel getrunken hat?

War es das jetzt? Fünf Jahre einfach so vorbei? Kälte steigt in mir hoch und am liebsten würde ich mich unter der Bettdecke verkriechen.

Drei

Dragon

 

 

 

 

„Wenn ihr nicht gleich Ruhe haltet, lege ich euch übers Knie. Es ist sieben Uhr morgens, wie kann man um diese Zeit schon so wach sein?“, Colin klammert sich an seinen XXL- Kaffeebecher und wirft Jason, Alice und mir wütende Blicke zu. Alice, eine der Tänzerinnen, streckt Colin hinter seinem Rücken die Zunge heraus, Jason, unser Fitnesscoach, verdreht die Augen und wir prusten sofort wieder los. Ich komme mir ein bisschen vor wie auf einem Schulausflug. Nicht, dass ich jemals auf einem war, aber so ungefähr stelle ich es mir vor.

Ob es Colin nun passt oder nicht, in der Lounge ist es laut, Scherze fliegen hin und her, es wird gekichert und gelacht. Kein Wunder, wir alle sind ziemlich aufgeregt. Tänzer, Musiker und Crew sitzen bunt durcheinandergewürfelt, noch etwas, was mir gefällt. Hier gibt es keinen Standesdünkel, und obwohl die „Yellow Pilots“ Superstarstatus besitzen, hat keiner der Jungs irgendwelche Starallüren und hält sich für etwas Besseres.

Trotz der frühen Morgenstunde sind alle gut drauf. Na ja, fast alle. Colin hat natürlich nicht ausgeschlafen und knarzt dementsprechend herum.

 

Spencer Johnson,unser Tourmanager, sieht besorgt auf die Uhr.

„Wenn Strong nicht gleich kommt, sehe ich schwarz für unseren Zeitplan“, brummt er.

„Er ist auf dem Weg“, sagt Morten Frings, seines Zeichens Gitarrist der Pilots. „Hab gerade eine Nachricht von ihm bekommen, es gab einen Unfall, sein Taxi muss einen Umweg fahren.“

„Taxi ist gut, dann schleppt er wenigstens nicht seinen blöden Freund zur Verabschiedungsoper an“, motzt Colin. „Den Idioten ertrage ich nicht auf nüchternen Magen.“

„Dich ertrage ich auch nicht auf nüchternen Magen und trotzdem bleibt mir nichts anderes übrig“, gibt Keyboarder Dylan Franklin grantig zurück. Obwohl sich das Verhältnis zwischen den beiden im letzten Jahr merklich verbessert hat, verbindet sie immer noch eine ausgeprägte Hassliebe und Colin zeigt ihm biestig den Mittelfinger.

„Keine Angst, ich lege den Kleinen schlafen sobald wir im Flieger sind“, Noah lacht und drückt Colin einen Kuss auf die Wange.

„Gib ihm einen Lutscher, damit er den Rand hält“, Dylan lässt sich breitbeinig auf einen Stuhl fallen und trinkt einen Schluck aus seiner Wasserflasche.

„Ich würde lieber an dir lutschen“, flüstert Colin in Noahs Ohr, doch das kommt trotzdem laut genug raus, dass es alle im Umkreis verstehen. Dylan verzieht angeekelt den Mund und Colin grinst hämisch, schnappt sich seinen Freund und küsst ihn mit weit offenem Mund. Noah, der vor Verlegenheit zartrosa angelaufen ist, schubst Colin von sich, setzt sich in einen Sessel und breitet die Arme aus.

„Na komm schon her, du Diva“, murrt er kopfschüttelnd und Colin lässt sich auf seinem Schoß nieder, legt den Kopf in Noahs Halsbeuge ab und kuschelt sich ein. Mir wird immer ganz warm ums Herz, wenn ich die beiden sehe und gleichzeitig beneide ich sie. Ich möchte auch jemanden haben, der mich liebt, selbst wenn ich mal mies drauf bin oder meine schlechten fünf Minuten habe.

 

Meine Laune ist schlagartig im Keller. In meinem Hals steckt ein Kloß von der Größe eines Footballs. Ich schnappe mir eine Flasche Wasser und trinke hastig, verschlucke mich natürlich und fange an, zu husten.

Nick ist plötzlich an meiner Seite, schlägt mir leicht auf den Rücken und sieht mich besorgt an.

„Was ist los?“, fragt er leise. „Du bist plötzlich so still, so in dich gekehrt. Ist alles in Ordnung?“

‚Nichts ist in Ordnung‘, würde ich am liebsten sagen, doch stattdessen nicke ich nur und ringe mir ein Lächeln ab. Nick schaut mich skeptisch an und rückt ein wenig näher, legt mir einen Arm um die Schulter und ich schmiege mich hinein, genieße die tröstliche Wärme, die von ihm ausgeht.

„Was immer dir auf der Seele liegt, du weißt, dass du damit zu mir kommen kannst.“

Ich nicke stumm und drücke mich unauffällig noch ein wenig fester an ihn. Manchmal brauche ich das einfach, so ein bisschen körperliche Nähe. Hatte ja nie viel davon. Mir ist klar, dass das komisch ist. Schließlich bin ich kein kleiner Junge mehr. Ich sollte mit meinem Lover kuscheln und nicht mit Nick.

Aber leider habe ich keinen Lover. Ich bin neunzehn Jahre alt und immer noch Jungfrau. Wie das so ist im Leben, die Typen, die mich wollen, will ich nicht und der eine, den ich sofort mit offenen Armen empfangen würde, will mich nicht.

 

Verstehe ich vollkommen, Tristan ist zwölf Jahre älter als ich und sein Freund Martin ist sogar schon sechsunddreißig. Der kennt alle Tricks und Kniffe, die einen Mann glücklich machen. Was also soll Tris mit einem Anfänger wie mir? Meine Erfahrungen gehen über ein bisschen Knutschen und Fummeln nicht hinaus. Ich könnte ihn nie so glücklich machen, wie er es verdient.

Manchmal liege ich nachts in meinem Bett und frage mich, ob er jetzt, gerade in diesem Moment, mit seinem Freund schläft, ob er ihm all das schenkt, was ich mir so sehr von ihm wünsche, und dann kommen mir die Tränen, denn ich weiß, dass dieser Mann, der ihn küssen, ihn berühren darf, ihn niemals so sehr lieben kann, wie ich es tue.

Tanzen ist meine Welt und Tristan ist ihre Sonne.

---ENDE DER LESEPROBE---