Rock Dance Love_4 - DYLAN - Sasha Lilus - E-Book

Rock Dance Love_4 - DYLAN E-Book

Sasha Lilus

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Beschreibung

Dylan Franklin, Keyboarder der „Yellow Pilots“ macht es der Welt schwer, ihn zu mögen. Vor allem die schwulen Bandmitglieder haben ihre Probleme mit ihm, denn Dylans Verhalten ihnen gegenüber grenzt hart an Homophobie. Aber dann lernt er Sandy kennen und mit der heißen Blondine verbringt er die Nacht seines Lebens.
Doch der Schein trügt, denn Sandy ist nicht das, was sie vorgibt, zu sein und Dylan offenbar doch nicht so hetero, wie er es gern hätte. Und als wäre das nicht genug, überrennen ihn mitten im größten Gefühlswirrwar die Dämonen seiner Vergangenheit und stellen ihn vor die Entscheidung seines Lebens.

In sich abgeschlossener Roman, 4. und letzter Band der „Rock Dance Love“ Reihe, in dem auch alle Jungs aus den ersten drei Bänden wieder mit dabei sein werden.

Bücher von Sasha Lilus:
Rock Dance Love_1 – Jay
Rock Dance Love_2 – Noah
Rock Dance Love_3 – Dragon
Rock Dance Love_4 – Dylan

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EPUB

Veröffentlichungsjahr: 2020

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Sasha Lilus

 

Rock Dance Love_4

Dylan

 

Gay Romance

 

Das vorliegende Buch ist reine Fantasie.Ähnlichkeiten mit lebenden oder bereits verstorbenen Personen sind zufällig und nicht beabsichtigt.

 

 

 

ImpressumV.i.S.d.P.Sasha Lilus c/o Autorencentrum.deEin Projekt der BlueCat Publishing GbRGneisenaustr. 6410961 Berlin

E-Mail: [email protected].: 030 / 61671496 

Copyright © Sasha Lilus, November 2019

Coverfoto: iStock.com/Edelweiss81

Coverdesign: Sasha LilusAlle Rechte, einschließlich dem des vollständigen oder teilweisen Nachdrucks in jeglicher Form sind vorbehalten.

Inhaltsverzeichnis

Prolog

Eins

Zwei

Drei

Vier

Fünf

Sechs

Sieben

Acht

Neun

Zehn

Elf

Zwölf

Dreizehn

Vierzehn

Fünfzehn

Sechzehn

Siebzehn

Achtzehn

Neunzehn

Zwanzig

Einundzwanzig

Zweiundzwanzig

Dreiundzwanzig

Epilog

Bücher von Sasha Lilus

 

Prolog

Aidan

 

 

 

 

Anaheim, Kalifornien, 2003

 

„Rote Schwuchtel!“, grölt es hinter mir und ich renne.

„Der ist hier lang! Hey, rote Schwuchtel! Warte auf uns!“

Vorsichtshalber lege ich einen Zahn zu, doch ich kann sie nicht abhängen.

„Na komm schon, wir wollen dir deinen süßen Arsch stopfen. Und dein Maul! Das gefällt dir doch!“

 

Ich renne schneller. Der Ärmel meines Hemdes flattert halb herausgerissen im Wind und ich versuche im Laufen, ihn irgendwie festzustecken. Mom wird mich killen. Das ist schon das zweite Mal in diesem Monat, dass mir jemand bei einer Rangelei die Klamotten zerfetzt hat.

Hinter die Turnhalle sprintend verfluche ich mich im selben Moment. Was für eine Scheißidee. Hier befindet sich außer den Mülltonnen nur eine übermannshohe Mauer. Ende Gelände. Sackgasse.

Ich gehe in Deckung hinter einem der großen Blechcontainer und presse mich gegen die Mauer, atme hektisch, sitze wie eine Maus in der Falle.

 

Genau das bin ich. Eine blöde Maus in der Falle. Der armseligste Typ, den die Welt je gesehen hat, obwohl die bis vor drei Monaten noch in Ordnung war. Vollkommen in Ordnung, bis … ja bis Dylan Franklin meinen Freund Wills und mich vor der Sunshine Bar erwischte, was an sich nichts sonderlich Spektakuläres wäre, würde über dem Eingang der Sunshine Bar nicht eine überdimensionale Regenbogenflagge hängen und hätten Wills und ich nicht knutschend darunter gestanden. Aber wer rechnet schon damit, dass Franklin und sein gehirnamputierter Kumpel Rodney Brown ausgerechnet auf der schwulen Meile auftauchen.

Jetzt könnte man behaupten, dass sie ihren beschränkten Horizont erweitern wollten. Die schnöde Wahrheit aber ist: Sie waren einfach nur auf der Jagd nach Freaks und wie man an mir sieht, äußerst erfolgreich.

 

Seitdem ist mein Leben nicht mehr das, was es einmal war. Dylan Franklin und seine tollen Freunde sorgen dafür. Ausgefeilt, akribisch und in einer Regelmäßigkeit, nach der man die Uhr stellen kann. Ich bekomme das volle Programm. Geklaute Unterlagen, Stinkbomben im Schließfach, zerrissene Klamotten, zerstörte Bücher, Psychoterror, Handgreiflichkeiten. Nur ins Klo getaucht haben sie mich bisher nicht, aber was nicht ist, kann ja noch werden.

Mein Abschlussjahr an der High-School hatte ich mir wirklich anders vorgestellt. Meine sogenannten Freunde, von denen ich viele schon seit der Grundschule kenne, haben sich von mir abgewandt und als würde das nicht reichen, hat Wills vor ein paar Tagen auch noch mit mir Schluss gemacht. Ich sei ihm zu verkniffen, hat er gesagt. Mit mir könne man überhaupt keinen Spaß mehr haben. Warum wohl? Liebeskummer gibt es also außerdem gratis obendrauf.

 

Fußgetrappel, nicht weit von mir. Ich schiele um die Ecke und sehe den fetten Maxwell, Rodney Brown, Ernie Nixon und noch zwei andere auf mich zukommen. Über Nixon bin ich besonders enttäuscht, habe ich ihn doch bis vor kurzem zu meinem engeren Freundeskreis gezählt.

Franklin latscht gemütlich hinterher. Wie immer wird er sich zurückhalten. Er macht sich nicht die Hände schmutzig. Er zieht bloß die Fäden. Ich begreife das nicht, denn wir haben uns eigentlich immer gut verstanden. Aber manche Dinge muss man nicht begreifen. Homophobie gehört dazu.

 

„Er hat sich hinter den Mülltonnen verkrochen“, höre ich ihn spöttisch rufen. „Passt. Er ist genau da, wo er hingehört. Lasst uns ihm seine neue Wohnung zeigen!“

„Yeahhh“, brüllen die anderen begeistert und ich spüre förmlich, wie ich erblasse. Sie werden doch nicht?

 

Sie werden …

Die Meute stürmt auf mich zu. Ich springe auf, balle die Fäuste. Bloß keine Schwäche zeigen. Sinnlos, ich weiß. War ja schon schwach genug, abzuhauen. Aber ich prügele mich nicht gern und ich stehe nicht auf Schmerzen. Nützt nichts, ich werde jetzt wohl beides bekommen und ein Bad in der Mülltonne obendrein.

 

Sie kreisen mich ein, der fette Maxwell vorn dran. Franklin bleibt, wie erwartet, im Hintergrund. Alles wie immer also. Obwohl, nein, er klappt den Deckel eines der Müllcontainer hoch und sofort überzieht fauliger Verwesungsgestank die schmale Gasse.

Das schrille Johlen schmerzt in meinen Ohren. Der Halbkreis um mich zieht sich enger. Hinter mir nur die Mauer. Ich bin ausgeliefert. Einer gegen fünf, Franklin kann man nicht mitzählen. Reicht trotzdem, schließlich bin ich nicht Chuck Norris.

 

Sie greifen nach mir, reißen an meinen Klamotten und der Ärmel geht endgültig flöten. Ich schlage zurück, versuche, sie abzuwehren. Vergeblich. Zwei Mann packen meine Arme, zwei meine Beine. Ich zapple hilflos wie eine Fliege im Spinnennetz, fühle mich so machtlos, so ausgeliefert. Tränen brennen hinter meinen Augenlidern, doch diese Blöße werde ich mir nicht auch noch geben. Mit aller Macht halte ich sie zurück, beiße mir auf die Lippen, um meinen Frust nicht verzweifelt herauszubrüllen. Keinen Ton werden sie von mir hören. Niemals!

 

„Eins!“

Ich werde ruppig hin und her geschwenkt.

„Zwei!“

Noch einmal.

„Drei!“

In hohem Bogen fliege ich in die Tonne. Es klatscht und ich lande weich, versinke in der stinkenden, feuchten Masse. Weiß Gott, wie lange das hier schon vor sich hinrottet.

Das Letzte, was ich sehe, ist Dylan Franklins hämisch lächelndes Gesicht und das tonlose „Schwuchtel“, das seine Lippen formen. Mir schießt der vollkommen irrationale Gedanke durch den Kopf, dass er eigentlich total gut aussieht. Bin ich komplett bescheuert?

Der Deckel knallt zu und ich liege im Dunklen in der Sotte, versuche, auf die Beine zu kommen. Der Gestank nimmt mir den Atem, ich muss würgen, kann das Kotzen kaum zurückhalten.

 

Draußen schreit jemand. Eine Frau? Eher zwei …

„Ihr seid das Allerletzte!“, das Schimpfen kommt näher.

„Verzieht euch bloß, ihr hirnamputieren Idioten!“, die zweite Frauenstimme gesellt sich dazu.

„Passt bloß auf, dass wir euch nicht dazustecken!“, tönt der fette Maxwell.

„Versuch es! Dann reiß ich dir die Eier ab und stopf sie dir ins Maul!“

Die Meute johlt und Franklin sagt:

„Lasst uns abhauen. Dann kann die rote Schwucke in Ruhe ihre Einweihungsparty geben.“

 

Endlich öffnet sich der Deckel. Frischluft … ich sauge sie gierig ein.

Zwei Paar Hände strecken sich mir entgegen, helfen mir heraus und jetzt erkenne ich meine Retterinnen: Amy Bishop und Felicity Urban … zwei der belächelten Schulfreaks. Sofort verpasse ich mir eine imaginäre Ohrfeige. Ich bin weiß Gott der letzte, der abfällig über andere denken sollte.

„Bist du verletzt?“, fragt Felicity.

„Nein … alles … alles okay soweit …denke ich. Danke“, stottere ich zutiefst beschämt, als sie mich aus der Tonne ziehen.

„Keine Ursache“, sagt Amy, sieht Felicity an und die nickt.

„Wäre wohl nicht so gut, so nach Hause zu gehen. Meine Eltern sind nicht da, du kannst mit zu mir kommen und dich saubermachen.“

 

Sie nehmen mich in die Mitte, eskortieren mich zum Parkplatz und Amy wickelt mich vor ihrem Wagen in eine alte Decke, die sie aus dem Kofferraum holt.

„Junge, wie kann man nur so runterkommen. Ich glaube, wir stopfen dich gleich mit in die Waschmaschine“, sagt sie grinsend und hält sich demonstrativ die Nase zu. Und obwohl ich am liebsten gleichzeitig heulen, kotzen und schreien möchte, grinse ich zurück, denn ich glaube, ich habe wider Erwarten neue Freunde gefunden …

 

 

 

 

 

Eins

Dylan

 

 

 

 

Los Angeles, Kalifornien, 2019

 

Tristan Strong und der Drachenjunge - Hochzeitsfeier, die zweite. Geheiratet haben die ja schon vor einer Weile, aber das war so ein heimliches, schnelles Ding, von dem nur Eingeweihte wussten. Nicht, dass ich dazuzähle, aber darauf verzichte ich auch dankend.

War ja angeblich eine echte Liebesheirat bei denen. Genau, wahre Liebe gibt es nur unter Männern. Pffff, dass ich nicht lache.

Die haben nur so schnell geheiratet, weil sie ein Kind aufnehmen wollten, Emma, die Tochter einer Freundin, die bei einem Attentat vor ein paar Monaten ums Leben kam.

Bedauernswertes Kind, nicht nur wegen des Todesfalls. Ich meine, wer braucht schon zwei Väter? Ist doch unnormal. Die Kleine ist zwar nervig, aber ganz niedlich, die hätte bestimmt eine richtige Familie, eine mit Vater und Mutter, finden können.

Wozu müssen Schwule überhaupt heiraten? Die Ehe ist eine Sache zwischen Mann und Frau und dazu da, Kinder in die Welt zu setzen. Schwule können keine Kinder in die Welt setzen, also …

 

Die Party ist ätzend, die Location voll mit feiernden Schwuchteln. Alles schön bunt und Heteros gnadenlos in der Unterzahl. Gescheite Frauen gibt es auch nicht. Warum bin ich nochmal hier?

Ach ja, weil ich mit Bräutigam Nummer eins in einer Band spiele und er ein Freund ist. Oder sowas Ähnliches. Wahrscheinlicher ist, dass Tristan mich nicht sonderlich mag und mich nur eingeladen hat, weil ich irgendwie dazugehöre. Ist mir aber scheißegal. Kann ich echt drauf verzichten.

Unsere Band ist ja mittlerweile schon sowas wie ne Schwulencombo. Noch einer von der Sorte und die Heteros sind in der Unterzahl.

Ich weiß, könnte mich einer von denen denken hören, würde er glatt behaupten, dass ich was gegen Schwule habe. Ist aber gar nicht so. Wirklich, ich hab nichts gegen die. Sonst hätte ich es nicht die ganzen Jahre mit Colin Masters ausgehalten und wäre spätestens zu dem Zeitpunkt geflüchtet, als Tristan Strong als neuer Drummer zu den Yellow Pilots stieß.

 

Masters hat seine Homosexualität lange unter Verschluss gehalten. Fand ich gut. Weniger gut fand ich sein plötzliches Outing, denn deswegen ist die Band beinahe vor die Hunde gegangen. Mann, waren die Fans sauer, weil er sie jahrelang belogen hat! Haben sich aber wieder eingekriegt. Die meisten jedenfalls. Einiges an Reputation gekostet hat es uns trotzdem.

Ich bin immer noch der Meinung, dass Colin seine Klappe hätte halten sollen. Geht schließlich keinen was an, mit wem man in die Kiste steigt. Ich muss da echt nicht ständig mit der Nase drauf gestoßen werden.

Aber mich fragt ja keiner. Bin ja nur der mittelmäßige Keyboarder, der das Orgelspielen in einer spießigen Vorstadtkirche gelernt hat und dessen Songs nie gut genug sind, um auf ein Album zu kommen.

Schwamm drüber. So toll sind sie wirklich nicht. Kann halt nicht jeder ein solches Songwriter- Genie wie Colin, Tristan oder Donovan sein.

 

Wenigstens sind Masters und Strong nicht tuntig. Jedenfalls tragen sie keine Netzshirts oder Glitzerklamotten und so hohe, näselnde Stimmen haben sie auch nicht. Sie tänzeln auch nicht rum. Den beiden merkt man nicht an, dass sie auf Kerle stehen. Würden sie es nicht allen unter die Nase reiben, käme man gar nicht drauf. Von mir aus könnten sie das echt lassen. Ich renne ja auch nicht rum und erzähle jedem, dass ich hetero bin.

 

Ach du Scheiße! Was wird das jetzt? Der DJ tritt ab und dafür eine Handvoll Transen auf. Oder Drag- Queens? Auf jeden Fall sind es grotesk geschminkte Kerle im Glitzerfummel. Aber was weiß ich schon? Ich kenne mich damit nicht aus.

Als sich die Gäste johlend und pfeifend vor der kleinen Bühne versammeln, verpisse ich mich lieber. Ich brauche ganz schnell einen Drink.

 

„Was Extrastarkes“, sage ich forsch zu dem Kerl hinter der Bar. Der trägt einen pinkfarbenen Irokesen und ein knallgelbes Latex-Shirt mit einem glitzernden, grünen Frosch, Augenkrebsgefahr inbegriffen.

„Zombie?“, gibt er genauso knapp zurück und ich nicke. Grinsend kippt er drei verschiedene Sorten Rum und irgendwelchen anderen Alkohol in den Shaker, füllt mit diversen Fruchtsäften und Eis auf und schüttelt das Ding energisch.

„Bitte sehr, der Herr, Ihr Bretterknaller!“, mit einer angedeuteten Verbeugung schiebt er mir das Glas auf einer kleinen Serviette über den Tresen.

„Genau das, was ich brauche“, gebe ich zurück. „So viel rosa Homoglück halte ich nüchtern nicht aus.“

„Schwul ist cool“, er zwinkert mir zu und ich schnaube abfällig, setze mich an einen leerstehenden Tisch und nehme einen tiefen Zug aus dem Glas.

 

Nach dem zweiten Zombie geht’s mir besser. Das Gejaule von der Transen-Show ist endlich vorbei und ich habe nett einen auf der Lampe. Alles um mich herum schwankt, aber das liegt nicht nur an den hammerstarken Cocktails.

Wir feiern auf einer verfickt luxuriösen Yacht. Die „Sea Bird“ ist riesig, hat hundertzwanzig Jahre auf dem Buckel und auf ihr ist Platz für dreißig Passagiere und zwanzig Mann Besatzung, die der geschätzten Kundschaft auf Wunsch auch den hochwohlgeborenen Arsch abwischt, wenn es verlangt wird.

Einer von Nick Pearces reichen Bonzenfreunden hat sie vor einiger Zeit gekauft und restaurieren lassen und weil er aus geschäftlichen Gründen keine Zeit hat, ‚opfern‘ sich die Jungs und spielen Versuchskarnickel für die Jungfernfahrt. Das heißt, dass sie sämtlichen Luxus in vollen Zügen genießen dürfen und es sie nur einen Bruchteil von dem kostet, was man normalerweise blechen muss.

Die Yacht soll nach Acapulco überführt werden und dort die ersten, zahlenden Passagiere an Bord nehmen.

Morgen, wenn man die letzten Besoffenen herausgekehrt hat, sticht die ganze Bagage einschließlich Pflegetochter in See und schippert die Küste entlang. In Acapulco werden die Herrschaften dann in der Privatresidenz eines weiteren Freundes urlauben.

 

Für Tristan und Dragon soll das sowas wie ne Hochzeitsreise sein und bis heute dachte ich tatsächlich, dass man auf einer solchen nichts anderes macht, als unter sich zu sein und sich pausenlos das Hirn rauszuvögeln. Aber nicht bei den Strong-Stewarts. Bei denen gibt es Familienprogramm mit Kind und weil die allein wahrscheinlich keinen hochkriegen, nehmen sie Colin und Noah mit und Nick Pearce und sein Anhängsel Jay sind natürlich auch mit von der Partie. Die sechs sind sowas von unzertrennlich, dass es weh tut. Man könnte glatt denken, dass die in jedem ihrer Häuser ein gemeinsames Schlafzimmer mit einem zehn Meter breiten Bett haben, in dem es jeder mit jedem treibt.

Ha … wenn es nur so wäre! Natürlich machen die sowas nicht, die sind nämlich allesamt grundanständig. Und monogam. Oder anders gesagt, die sind verdammte Langweiler. Nicht mal Masters fickt noch rum.

Vielleicht hält er ja die Laterne beim nicht ganz so frischgebackenen Hochzeitspaar, aber wahrscheinlicher ist, dass die abends alle Mann bei lauwarmem Kamillentee zusammensitzen und Scrabble spielen.

 

Ein kräftiger Schlag auf meinen Rücken lässt mich hochschrecken. Die beiden Bretterknaller kreiseln in meiner Blutbahn. So richtig klare Bilder sehe ich nicht mehr, aber die Bierflasche, die vor mir auf dem Tisch landet, erkenne ich noch.

„Na, Franklin, heulst du in dein leeres Glas?“, Donovan Novak, unser Leadgitarrist, setzt sich mit weit gespreizten Beinen neben mich und mein Blick fällt unweigerlich in seinen Schritt, wo sich Eier und Schwanz überdeutlich unter der engen Hose abzeichnen.

‚Wow … ordentlich!‘, denke ich anerkennend und schüttle sofort angewidert den Kopf. Was interessiert mich Dons Gehänge?

 

„Sieh sie dir an“, ätze ich. „Der Himmel hängt voller Geigen, alles ist so wunderhübsch idyllisch, dass ich glatt kotzen möchte. Strong und seine Primaballerina schweben auf Wolke sieben und spielen Vater, Mutter, Kind.“

„Sie spielen das nicht, sie sind eine richtige Familie“, tönt Don streng. „Gönnst du ihnen das bisschen Glück nicht? Sie haben genug durchgemacht nach dem Attentat. Und die Kleine auch. Hat ihre Mutter dabei verloren, das arme Ding.“

„Ich gönne ihnen alles, wirklich. Aber Emma und armes Ding? Vergiss es. Die weiß genau, was sie will und wie sie es bekommt und sie nervt total“, ich verdrehe die Augen und nachdem Don mich verständnislos anschaut, füge ich grantig hinzu:

„Ich kann nun mal nicht mit so kleinen Kröten.“

„So lange es nicht die eigenen Kröten sind, ist doch alles okay“, Don grinst und ich stöhne laut auf.

„Siehst du, deswegen heirate ich nicht. Ich habe nicht die geringste Lust, mich fortzupflanzen. Verrat mir doch mal, warum sich bei den Weibern immer alles ums Kinderkriegen dreht? Kannst du drauf warten, dass bei denen nach ein paar Monaten die biologische Uhr anfängt zu ticken. Ist immer wieder das Gleiche und so durchschaubar. Krall dir ‘nen reichen Typen und lass dich so schnell wie möglich schwängern, dann hast du ausgesorgt. Aber nicht mit mir!“

„Ist Inga deswegen schon wieder Geschichte?“, fragt Don und ich nicke.

„Was denkst du denn. Die hat nach sechs Wochen schon damit angefangen. Deswegen mach ich’s auch nie ohne Kondom. Da können die mir sonstwas erzählen von wegen ‚mach dir keine Sorgen, Honey, ich bin gesund und natürlich nehme ich die Pille‘. Den Weibern kannst du nicht trauen.“

 

„Oh! Mir schon!“, unvermittelt setzt sich eine sündhaft scharfe Blondine zu uns, hockt sich auf die Kante des Nachbartisches und schlägt ihre endlos langen Beine übereinander. Dabei blitzt kurz rote Spitze unter ihrem schwarzen Ledermini auf und Don hustet bei dem Ausblick in sein Bier.

Sie trägt nuttige, mörderisch hohe Fick-mich-Stiefel, die bis über ihre Knie reichen und in meinem Kopf rastet der entsprechende Schalter ein. In ihrem offenbar auch.

„Bei mir tickt garantiert nichts“, sie lächelt mich aufreizend an und ich lehne mich zurück, mustere sie ungeniert.

Die Kleine passt genau in mein Beuteschema. Mindestens D- Körbchen, schmale Taille, runder, wohlgeformter Hintern. Rauchig- tiefe Stimme, lange, blonde Haare, hübsches Gesicht mit ungewöhnlichen, smaragdgrünen Augen und einem breiten, sinnlichen Mund. Ich stelle mir vor, wie sich ihre blutrot geschminkten Lippen um meinen Schwanz schließen und mir wird heiß.

„Ausnahmen bestätigen natürlich die Regel“, sage ich und schenke ihr mein bestes, verführerischstes Lächeln.

 

„Hi, ich bin Sandy“, sie erhebt sich lasziv und stöckelt auf mich zu. Ich schlucke. Von wegen Kleine. Sie ist groß, viel größer als ich, aber das kenne ich nicht anders. Die meisten Frauen, die mich interessieren, sind größer als ich. Der liebe Gott hat leider an meiner Körpergröße gespart und daher bringe ich es gerade mal auf einen Meter fünfundsiebzig. Doch dieses Manko gleicht mein Schwanz wieder aus, denn der ist um einiges größer als der eines Durchschnittsmannes. Woher ich das weiß? Vom Wettwichsen in der High-School natürlich. Ich hatte schon immer den Größten von allen und in Punkto Standfestigkeit habe ich sie alle in den Schatten gestellt. Niemand äußerte sich anschließend noch abfällig über meine Körpergröße.

 

Ich stehe auf, vorsichtshalber langsam, um das Gleichgewicht besser halten zu können. Fuck, wenn ich gewusst hätte, was dieser Abend für mich bereithält, hätte ich nie im Leben die fetten Zombies gesoffen.

„Ich bin Dylan und so, wie du aussiehst, hast du nur auf mich gewartet“, flöte ich und Don verdreht die Augen.

„Wird wohl so sein. Tanzen?“

Hach, ich mag es, wenn sie wissen, was sie wollen. Grinsend halte ich ihr meinen Arm entgegen, doch bevor sie sich unterhaken kann, tippt Don mir auf die Schulter.

„Dylan? Du weißt aber schon, dass Sandy …“, setzt er an und ich unterbreche ihn rüde.

„Was? Verheiratet ist? Ne Nutte ist? Mir scheißegal. Komm schon Baby, lass uns diese lahme Party ordentlich aufmischen.“

Sandy kichert hinter vorgehaltener Hand und wirft Don einen Luftkuss zu.

„Bis dann, Süßer.“

 

Von da an kommt der Abend in Fahrt. Wir tanzen, meine Hände liegen locker auf ihren Hüften, ihre Arme schlingen sich um meinen Hals.

„Du hast schöne Augen“, säusele ich ihr ins Ohr und sie lacht. Schallend. Scheiße, sie lacht mich aus!

„Was Besseres fällt dir nicht ein?“

„Doch, warte … Wie fühlt es sich an, die schönste Frau auf dieser lausigen Party zu sein?“

„Ach, was, bin ich das etwa?“

„Definitiv“, hauche ich und spöttisch grinsend zieht sie mich ein bisschen näher. Sie nimmt mich nicht ernst. Sollte sie besser auch nicht.

 

Ihr Körper fühlt sich fantastisch an. Fest und muskulös ist er, nicht so weich wie ich es von den Frauen kenne, die ich bisher hatte. Sie benimmt sich auch nicht so weibchenhaft, ist in genau richtigem Maße dominant. Die Frau weiß, wo es langgeht und was sie will und das macht mich total an. Mit ihr werde ich vielleicht endlich mal wieder richtig Spaß haben.

Trinkfest ist sie auch. Wenn wir nicht tanzen, kippen wir einen Drink nach dem anderen und ich habe das Gefühl, dass sie mehr verträgt, als ich.

 

Lachend taumeln wir durch den schmalen Gang auf dem Kabinendeck. Keinen blassen Schimmer, wie wir hier gelandet sind. Ich stolpere, ziehe sie mit und plötzlich passt kein Blatt Papier mehr zwischen uns. Sandy drückt mich gegen die Wand, mit einer Kraft, die mich erschauern lässt, allerdings im erregenden Sinn. Was für eine Frau!

Ich lege die Hand in ihren Nacken und ziehe ihren Kopf zu mir herunter, damit ich mich beim Küssen nicht auf die Zehenspitzen stellen muss. Sie ist aber auch verdammt groß!

Ihr breiter Mund empfängt mich mit leicht geöffneten Lippen und ohne lange zu überlegen, schiebe ich meine Zunge dazwischen. Was dann kommt, ist neu. Zwischen unseren Zungen entbrennt ein Kampf um die Vorherrschaft, wir fechten miteinander, bis uns die Luft knapp wird. Das ist so geil. Ohne Scheiß, sowas Irres habe ich noch nie erlebt. Mir scheint, als wäre ich bis heute nie richtig geküsst worden.

Sandys Küsse sind fordernd und verheißungsvoll, der feste Körper, der sich an mir reibt, treibt mich fast in den Wahnsinn.

Verführerisch lächelnd dreht sie einen der Türknäufe und tatsächlich, es ist nicht abgeschlossen. Sie verpasst mir zwei, drei kleine Schubser und ich finde mich auf einem breiten Bett liegend wieder.

 

Und dann sehe ich nur noch bunte Sternchen.

 

Ich gehe unter in einem alkoholseligen Strudel aus duftender Wärme, schwitzigen Berührungen und feuchten Küssen, die irgendwann nicht mehr nur meinen Mund beglücken, sondern den Traum von blutroten Lippen um meinen geschwollenen Schwanz wahr werden lassen.

 

 

 

-----

 

 

 

 

Ich erwache, weil meine Blase drückt und mir zudem der Schädel brummt. War das ne Nacht!

Ich scheine noch immer auf der Yacht zu sein, denn als ich die Augen öffne, sehe ich durch ein Bullauge die Sonne über dem Meer aufgehen.

‚Viel zu früh‘, denke ich brummig, aber dann stutze ich. Da war doch noch was.

Mandy … Candy …? Wie hieß sie gleich? Na, egal …

Vorsichtig drehe ich den Kopf und entdecke eine menschliche Kontur, komplett vergraben unter der Bettdecke. Fuck, wieso ist die noch hier?

Langsam schwinge ich die Beine über die Bettkante und kicke das gut gefüllte Kondom beiseite, auf das ich fast getreten wäre. Trotz meiner Übelkeit grinse ich selbstgefällig. Egal, wie besoffen ich bin, ficken kann ich immer. Mit einem großen Schwanz hat man schließlich auch eine große Verantwortung und der bin ich heute Nacht garantiert gerecht geworden.

 

Okay! Pissen, eine Handvoll Wasser ins Gesicht und dann nichts wie raus hier. Die Nacht war eindeutig die Beste, die ich seit langem hatte, obwohl ich leider nicht mehr allzu viel davon weiß. Aber ich hab trotzdem keinen Bock, mir Brandy … oder wie auch immer … ans Bein zu binden.

Aber irgendwas stimmt nicht am Gesamtbild. Unter meinem Kissen schaut ein Haufen hellblondes Haar hervor.

Hä?

Ich ziehe vorsichtig daran und halte gleich darauf eine völlig derangierte Perücke in der Hand.

Was zum Henker haben wir getrieben? Scheiße war ich dicht. Glatter Filmriss.

Was macht das Haar von Sandy … ja genau, Sandy hieß sie … unter meinem Kissen? Und die Frage aller Fragen: Will ich wirklich wissen, wer oder was da neben mir liegt?

 

Vorsichtig hebe ich die Bettdecke an und erstarre. Nicht Sandy, mit der ich eine irrsinnig heiße Nacht gehabt zu haben glaubte, liegt vor mir, sondern ein Mann mit rotblonden Locken und völlig verschmiertem Augen- Make- up. Ein Rest grellroter Lippenstift hängt noch in seinen Mundwinkeln. Die aufdringliche Farbe beißt sich mit dem Rotgold seiner Haare und gibt ihm etwas Dekadentes. Er sieht verrucht aus und total sexy! Und was das Schlimmste ist, er kommt mir merkwürdig bekannt vor.

Aber stopp mal, sexy? Fassungslos über mich selbst schüttle ich den Kopf und nehme das nächste Detail zur Kenntnis. Er ist nackt. Genau genommen splitternackt, so wie ich, wie ich nach einem prüfenden Blick an mir herunter geschockt feststelle.

‚Lieber Gott, mach, dass Sandy schon weg ist und dieser Typ im Suff nur einen Platz zum Schlafen gesucht hat‘, bete ich stumm, doch noch während ich ihn hoffnungsvoll anstarre, schlägt er die Augen auf. Ich versinke in vor Müdigkeit leicht getrübtem Smaragdgrün und wenn Sandy nicht in der Nacht heimlich ihren Bruder hereingeschmuggelt hat, sind das ohne Zweifel ihre Augen.

 

Sie … er lächelt mich an und haucht:

„Guten Morgen, Dylan.“

Mein Name zergeht dabei weich auf seiner Zunge, seine Stimme klingt noch genauso rauchig verrucht, wie in der Nacht zuvor und ehe ich weiß, wie mir geschieht, zieht er meinen Kopf zu sich herunter und küsst mich. Wie paralysiert lasse ich es geschehen, ergebe mich willenlos seinen Lippen und seiner geschickten Zunge … bis es vernehmlich an die Kabinentür klopft und ich wieder zu mir komme.

Den Kerl von mir wegstoßen und aus dem Bett springen, ist eins. Ich flüchte in das Bad, das sich an die Kabine anschließt, verriegele die Tür und verschanze mich auf dem Klo.

War es das, was mir Don sagen wollte? Dass Sandy ein Mann ist?

Scheiße, ich habe einen Kerl gefickt!

 

Ganz langsam kommen ein paar Erinnerungen zurück, wabern in diffusen Fetzen durch mein vernebeltes Hirn.

Inbrünstiges Stöhnen …

Feuchtwarmes Züngeln an Stellen meines Körpers, die nie zuvor von einer Zunge berührt wurden …

Kleine, harte Nippel auf einer festen, von Schweiß ganz schlüpfrigen Brust …

Seidige Härte in meinem Mund …

Mein zum Bersten geschwollener Schwanz, der sich langsam in heiße Enge schiebt …

Ich, wie ich verausgabt und vollkommen befriedigt zusammenbreche und mich an warme Haut schmiege ...

 

Ich habe es tatsächlich getan. Zum ersten Mal. Nach so vielen Jahren und es fühlte sich so richtig an.

Aber es ist nicht richtig. Männer sollen nicht bei Männern liegen. Es ist widernatürlich. Ich habe IHM geschworen, es niemals zu tun.

‚Ist es das, was du willst?‘, drohend hallt SEINE Stimme in meinem Kopf und ich spüre wieder den längst vergessen geglaubten Schmerz und die Übelkeit, spüre, wie sie mich peinigen und wie sich mein Geist abkoppelt, sich von meinem Körper löst, von außerhalb beobachtet, wie ich widerstandslos das „Reinigungsritual“ über mich ergehen lasse und schließlich Schmerz und Wut herausschreie. Ich hasse mich und das, was ich bin.

ER will, dass ich schreie, denn nur dann lerne ich. ER lehrt mich, dass es pervers ist, einen Mann zu begehren, dass es eine Todsünde ist, mit einem Mann Sex zu haben. Ich verinnerliche, dass es schmerzhaft und abscheulich ist und ich dafür im ewigen Höllenfeuer brennen werde.

 

Und jetzt hatte ich Sex mit einem Mann.

Und es war wundervoll.

 

Zwei

Aidan

 

 

 

 

Sanftes Schaukeln weckt mich und zeigt mir, dass ich nicht zu Hause in meinem Bett liege. Ich habe Kopfschmerzen und ein bisschen schlecht ist mir auch. Herrje, bin ich tatsächlich auf dieser Yacht versumpft und das ausgerechnet mit Dylan Franklin? Mit dem Großmaul?

---ENDE DER LESEPROBE---