Röstigraben Rift Valley Velo Blues - Eddie Meier - E-Book

Röstigraben Rift Valley Velo Blues E-Book

Eddie Meier

0,0
21,99 €

-100%
Sammeln Sie Punkte in unserem Gutscheinprogramm und kaufen Sie E-Books und Hörbücher mit bis zu 100% Rabatt.

Mehr erfahren.
Beschreibung

"Vom Ost-Afrikanischen Lauf-Wunder" zum "Ost-Afrikanischen Velo-Wunder" – alles, was Du über den Rad-Rennsport wissen wolltest, von einem langjährigen Mentaltrainer in eine spannende Handlung verpackt. Bobby mit Lebensgefährtin Bigi sammeln schwarze afrikanische Radrennfahrer*innen und bauen sie zu schlagkräftigen Teams auf, mit denen sie immer erfolgreicher international Rennen bestreiten. Ueberleben Hangabsturz mit Wolfsangriffen und von Fremden im Bus platzierte Dopingmittel verschaffen ihnen – da unschuldig – Wildcard für Tour de France.

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB
MOBI

Seitenzahl: 270

Veröffentlichungsjahr: 2024

Bewertungen
0,0
0
0
0
0
0
Mehr Informationen
Mehr Informationen
Legimi prüft nicht, ob Rezensionen von Nutzern stammen, die den betreffenden Titel tatsächlich gekauft oder gelesen/gehört haben. Wir entfernen aber gefälschte Rezensionen.



Impressum

Alle Rechte der Verbreitung, auch durch Film, Funk und Fernsehen, foto-mechanische Wiedergabe, Tonträger, elektronische Datenträger und aus-zugsweisen Nachdruck, sind vorbehalten.
Für den Inhalt und die Korrektur zeichnet der Autor verantwortlich.
© 2024 united p. c. Verlag
ISBN Printausgabe: 978-3-7103-5894-0
ISBN e-book: 978-3-7103-0777-5
Umschlagfoto: www.pixabay.com
Umschlaggestaltung, Layout & Satz: united p. c. Verlag 
Gedruckt in der Europäischen Union auf umweltfreundlichem, chlor- und säurefrei gebleichtem Papier.

www.united-pc.eu

Röstigraben/Rift Valley Velo Blues

Eddie Meier

R o m a n

Fortsetzung von

„Jagd nach Gold und Diamanten inZentralafrika“

ISBN 978-3-7103-5827-2

„Verschleppt in Schwarz Afrika“

ISBN 978-3-7103-5647-4 und

„Schweiss, Blut und Drogen“

ISBN 178-3-7103-5479-3

Widmung:

Diesen Roman widme ich meinen sportlichen Familienmitgliedern, Gattin Victoria (generelle Fitness, Laufen), Söhnen Eddie III (Fussball: GC

Zürich Junioren und US Marines 1. Mannschaft) Norman Victor (2 x „Paar-Aerobic Schweizermeister“, Schwarzer Gurt Karate und Bushido 3.

Dan, Bodybuildung) und Michael Harry (Tennis), Tochter Dinah Akeer (generelle Fitness und Einladung in Kenianische Eishockey Nationalmannschaft) als Dank für ihre Mithilfe bei Computerproblemen, Carmen Monica (Reiten) und Ruth Frieda (Schwimmen, Radfahren und Gymnastik) für gute Stimmung und Ruth auch für die Bildauswahl für das Cover.

Die Handlung dieses Romans ist frei erfunden, wobei gewisse Abläufe so hätten stattfinden können, allerdings sind die Namen abgeändert.

Ernährungs- und Trainingsideen entsprechen den neuesten Erkenntnissen, doch können weder Author noch Verlag dafür irgendwelche Verantwortungen übernehmen.

Kap.01: Was vorher geschah…

Bauernsohn Bobby Bergmann war bereits in sehr jungen Jahren einer der erfolgreichsten Schweizer Radrennfahrer – zuerst bei den Junioren, dann bei den Amateuren und schliesslich bei den Elite-Amateuren, wie die Kategorien damals genannt wurden. Selber trat er zwar nicht zu den Profis über, aber er kannte dieses Geschäft sehr genau. Als er seine eigene sportliche Karriere beendete, wol te er sein erworbenes Know-how dem Nachwuchs zur Verfügung stellen und gründete ein „Roocky-Radteam“, mit welchem er Talente in das Profimetier einführte. Zusätzlich war er Aussen-dienst-mitarbeiter bei der Schweizer Lebensversicherung, wo er für eine Grosszahl von Amateuren Ver-sicherungsschutz abschloss, was sie als Profi nicht mehr konnten. Leider glaubten die Mehrzahl seiner Sponsoren, eine Konjunkturkrise oder eine Reze-ssion sei ausgebrochen und verlängerten ihr Sponsorship trotz nachweislicher Erfolge nicht weiter, sodass er seine Sportgruppe „Equipe Bergmann“ blutenden Herzens mangels Finanzen auflösen musste. Er sass gerade an einem trüben, nebligen und mufflig riechenden Novembertag nach einer „knall-harten, selbstzerfleischenden Entfrust-ungs-Trainingsfahrt“ (mit zweimaliger Ueberquerung des Brünig-Passes) im Hinterzimmer des Restaurants Seehof und öffnete die Post, die er auf dem Rückweg aus dem Postfach abgeholt hatte.

Darin fand er die Anfrage, ob er Nationaltrainer einer Ukrainischen Radnationalmannschaft werden wolle.

(Siehe Buch „Schweiss, Blut und Drogen“ ISBN 178-3-7103-5479-3).

Seine neue Begeisterung teilte er mit der Serviertochter/Kellnerin Bigi, die eigentlich an der Universität Zürich Jura studierte und nur zur Aufbesserung der „Brötchen“ diesen Job angenommen hatte. Sie wurde seine Freundin und zusammen reisten sie nach der Ukraine.

Die ukrainische Mannschaft begab sich zuerst mit Mini-Budget auf Europa-Tournée und schaffte tatsächlich eine Wildcard für die Tour de France.

Neben der sportlichen, gab es auch noch eine politische Dimension: im Team war auch Igor, früherer KGB-Scherge und nun Kriminalkommissar in Uzgorod in der Ukraine, der zufällig gefundenes/gekapertes Heroin höchst persönlich heimlich in Europa verkaufte und einen Teil des Erlöses dem russischen Grossmacht-Politiker Kirinowski zukommen liess, dessen Ziel es war, die Grenzen der früheren Sowjet-Union wieder zu etablieren. Von vielen wurde er aber eher als „Polit-Clown“

betrachtet, da er sich einige Eskapaden geleistet hatte. Ukrainische Riesen-Wildschweine spielten dabei eine gefährliche Rolle. Die Mannschaft wurde durch den französischen Routinier François Fischer als „Capitain de Route“ verstärkt, dessen Rennsport begeisterter Grossvater hochangesehener Atom-

/Teilchenphysiker am CERN (Conseil Européen pour la Recherche Nucléaire) dem weltgrössten Forschungszentrum bei Genf war und der sich an vorderster Front mit der Antimaterie-Forschung befasste. Bei der Preisverleihung auf den Champs Elysées am Ziel der Tour de France erschütterte einefürchterliche Explosiondie Feier und verursachte viele Tote und Verletzte, zu den letzteren auch Bobby gehörte. Dabei spielte ein kleinesDiktiergeräteine grosse Rolle.

Wieder zu Hause erfüllte sich Bobby den Buben-traum, mit dem Velo von der Schweiz aus durch den ganzen afrikanischen Kontinent zu radeln und dabei neue Talente zu entdecken. In Kenia wurde Bigi, die ihm nachgereist war, von somalischen Al ShabaabRebellen entführt und von Bobby und seinem Kumpel Vico – wie der bündnerische Schnulzen-sänger Vico Torriani – wieder befreit. (siehe Buch

„Verschleppt in Schwarz Afrika“ (ISBN 978-3-7103-5647-4) ). Auch dabei spielte ein kleines Diktiergerät eine grosse Rolle.

Nachdem Bobby seinen berets erwähnten Vorsatz, von der Schweiz mit dem Fahrrad (Mountainbike) den ganzen afrikanischen Kontinent bis ganz hinunter nach Cape Town zu fahren, trotz vielen Erschwerungen, ja Abenteuern erfüllt hatte und dabei nach afrikanischen Talenten für ein neues Rad-Team (wie vorher die ukrainische Rad-Nationalmannschaft) zu suchen, bekam er zuerst zusammen mit seiner Lebensgefährtin Bigi in der Zentralafrikanischen Republik den ehrenvol en Auftrag, die Wiederwahl des Staatspräsidenten GeneralFrançois Bozizéals Wahlmanager zu organisieren. Als auch diese Herausforderung erfolgreich geschafft war, machte er sich daran, auch den zweiten Vorsatz zu realisieren, denn er war der felsenfesten Ueberzeugung, dass ähnlich wie das „Laufwunder“ der ostafrikanischen Mittel-und Langstrecken-Athleten es in einigen Jahren ein schwarzes „Velorennfahrer-Wunder“ geben würde.

Dabei sollte seine heissgeliebte Gattin Bigi gleichzeitig dafür sorgen, dass auch ein Team des

„schönen Geschlechts“ aufgestellt werden konnte, da neuerdings für die Damen sogar ganz grosse Rennen, ja Rundfahrten wie die „Tour de France“,

„Tour de Suisse“, „Giro d’Italia“ und die „Vuelta“

veranstaltet wurden. Um dafür qualifiziert zu sein, musste sie al erdings zuerst den Spitzensport-Trainer Kurs absolvieren und das eidgenössische Diplom dafür erwerben.

In der Bibliothek des „Mermottan-Spitals“ in Paris, in das Bobby nach der schrecklichen Explosion an der Preisverleihung der „Tour de France“ bei den Champs Elysées eingeliefert worden war, entdeckte er ein für ihn sehr interessantes Buch: „Land ofsecond Chances – The impossible rise of Rwanda’sCycling Team“ von Tim Lewis. Darin fand er ganz viel Spannendes über den Radrennsport, sowie die Laufszene in Afrika. So waren bis etwa 1950 Afrikaner überhaupt nicht als Langstrecken-Läufer bekannt. 1960 gewann ein Aethiopier namensAbebe Bikila Gold am olympischen Marathon inRom. Er sollte Addidas Laufschuhe tragen, kam (typisch afrikanisch) zu spät, um seine Schuhe zu fassen und das Paar, das noch übrig war, war ihm mehrere Nummern zu klein. Kurz entschlossen zog er die Schuhe wieder aus und rannte die ganzen 42.190 km barfuss, über Pflastersteine, Asphalt und was sonst noch als Untergrund zu bezwingen war und gewann als erster Afrikaner Gold an einem olympischen Marathon. Vier Jahre später wiederholte er diesen Triumpf – diesmal allerdings mit Schuhen an den Füssen. Von Beruf warBikilaMitglied vonKaiser Haile Selassie’s kaiserlicherGarde. Wirklich los ging es dann mit den Läufern aus Afrika1968 an den olympischen Spielen in Mexiko.

Mit dem Duell zwischen dem amerikanischen Superstar Jim Ryun und dem kenianischen Polizei-Offizier „Kip“ Keino, der sich im Alter von 12 Jahren vor einem angreifenden Gepard, dem schnellsten Tier der Welt, dank seiner eigenen Schnelligkeit und Kletterfähigkeit auf einen Baum retten konnte. Für diesen Final waren die Voraussetzungen äusserst schlecht für Kip: nicht nur hatte ihm ein Arzt Gallensteine diagnostiziert, sondern der Bus, der ihm zum Final ins Stadion bringen sollte, blieb im Verkehrschaos stecken und er musste über 2 Meilen rennen, um rechtzeitig zum Start anzukommen.

Nach dem „ Depart“ hielten al e Experten seine Taktik entweder für naiv oder verzweifelt. Er rannte los wie ein Hundertmeter-Sprinter und hatte bald einmal 20 m Vorsprung auf seine Rivalen. Niemand glaubte, dass er dieses mörderische Tempo über die ganze Distanz würde halten können – aber er schaffte es! Das war der Auslöser des ostafrikanischen „Laufwunders“. 1972 an der nächsten Olympiade gewann er den 3000m Hindernislauf, für den er überhaupt nicht trainiert hatte. Ueber Distanzen von 800 m bis hin zu Marathons waren die ostafrikanischen Athleten seither praktisch unschlagbar. Bobby fragte sich, was wohl passieren würde, wenn solche Wunderläufer sich auf ein Rennvelo oder Mountainbike setzen würden? Würde wohl – wie von ihm erhofft, ja erwartet – aus dem „Laufwunder“ ein „Velo-Wunder“? Wäre es zu weit hergeholt, dass sich etwas Aehnliches wie in der Politik abspielen würde, in derBobby Kennedy, Justizminister und Bruder des inDal as/Texas ermordeten US-Präsidenten John F. Kennedyvoraussagte, dass in spätestens 40 Jahren ein Afro-Amerikaner Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika würde – was mitBarack Obamafast auf den Tag genau eintraf.

(Obama stammte übrigens von einem kenianischen Vater ab. Auch der neue britische Premier-Minister, Rishi Sunak mit indischen Wurzeln stammt aus der dortigen neuen Mittelschicht, den „Asian Kenyans“

von Kenia). Könnten afrikanische Radrennfahrer in zwanzig Jahren die Tour de France sogar dominieren? Schliesslich ist die Talentsuche ein Nummernspiel. Pro hundert Jugendliche haben so und so viele das Talent für Erfolg – und Afrika ist der Kontinent mit den meisten jungen Menschen auf der ganzen Welt! Bobby hatte während seiner Afrika-Durchquerung seine Augen weit offen gehalten und sich rund ein Dutzend potentielle Talente

„vorgemerkt“, welche er nun einberufen wollte, nachdem seine Aufgabe als Wahlmanager in der Zentralafrikanischen Republik beendet war.

Kap. 02: Das Betreuerteam formiertsich

Nachdem Bobby beim Besuch der Wahlzettel-Druckerei in der Ost-Slowakei seinen „alten Kumpel“, den Sportarzt Dr. med. NikolaiSemjonowitsch Korsakov persönlich in Uzgorod in der Ukraine wieder getroffen hatte, der mit ihm die „Ukrainische Rad-Nationalmannschaft“ an das grösste Radsport-Ereignis der Welt, an dieTour deFrancegebracht und dort sehr erfolgreich betreut hatte (mitGregorals Gewinner des „weissen Trikots“ des Sieger des Gesamtklassements für den besten Nachwuchs-Profi) und sie eine erneute Zusammenarbeit mit afrikanischen Talenten ab-gemacht hatten, rekapitulierten sie, was eigentlich alles schon für diesen Plan schon vorhanden war.

Finanziel war Bobby durch das Erbe des Bankkontos von Kriminalkommissar Igor, der sich versehentlich selber in die Luft gejagt hatte, weitgehend unabhängig. Was er nicht wusste war, dass das auf dem Konto bei der UBS Union Bank of Switzerland deponierte Geld mehrheitlich aus Igors(polizeilichem) Drogenhandel mit rund hundert Kilogramm geraubtem Heroin stammte und durch kluge Finanzinvestitionen sogar weiter ange-wachsen war. Selbstverständlich mussten weitere Sponsoren gefunden werden, wobei Nikolai sich an die italienische Kaffemaschinen-Firma Saeco und den Schweizer Kaffee-Bohnen und -Pulver-Vertreiber Nestlé, den viertgrössten Lebensmittel-konzern auf der ganzen Welt , zu wenden gedachte.

Der ihnen durch einen Glücksfall in den Besitz gekommeneMannschafts-Bus „Fatima“(siehe Schweiss, Blut und Drogen ISBN 978-3-7103-5479-3) stand unversehrt und fahrbereit beim Polizei-Ferienheim von Uzgorod und sogar ihre kalbsgrosse, schneeweisse Wach- und Schutz-hündin„Cuvatsch“freute sich ihre „Gesichter-abschleckend“ darauf, wieder dabei zu sein. Per Telefon versprach dies auchNatascha, die Physio-Therapeutin/Masseuse, welche seinerzeit mit ihremnymphomanischen(allerdings Bobby und ihrem offiziellen„Boyfriend“ Nikolai unbekannten) Belohnungssystem zusätzlich zum Team-Erfolg beigetragen hatte. Als sie erfuhr, dass sie diesmal „schwarze“ Beine kneten sollte, hüpfte ihr Herz vor Freude, denn sie hatte davon gehört, dass diese Afrikaner oft über „prachtvolle Dinger“ verfügten, für welche sie sich besonders interessierte.

Bobby hatte zwischenzeitlich alle von ihm ausgesuchten Talente kontaktiert und darauf hingewiesen, dass es nächstens „losgehen“ würde.

Ausser „Beat“ aus der Zentralafrikanischen Republik, der bereits in Europa, in Aigle an der „UCIRennfahrerschmiede“ trainierte, kamen die übrigen

„Auserkorenen“ entweder aus Ruanda, Kenia, SüdAfrika oder Eritrea. Natürlich besassen lange nicht alle eigene email-Adressen, sodass Bobby’s örtliche Vertrauenspersonen die Benachrichtigungen vornehmen und sicherstellen lassen musste, dass alle gültige Reisepässe besassen. Noch offen liess er die Lizenzfrage, denn bevor er seine Fahrer und Röstigraben/Rift Valley Velo Blues Fahrerinnen irgendwo lizenziert haben wol te, sollten sie eine (auf seine Rechnung, denn selber konnten sie sich die Prämien kaum leisten und die Gefahren in dieser Sportart waren doch enorm hoch)anständige Lebensversicherungmit einer saftigerInvalidenrenteerhalten, welche er trotz seines damaligen Frustes bei seinem früheren „Brötchengeber“Swiss Lifeabschliessen wol te, da er sie nach wie vor für die beste aller Versicherungen hielt. Allerdings war die „Krux“, dass sie dies einmal als Profi lizenziert nicht mehr konnten.

Nachdem er das Buch „The Climb“ von ChrisFroome gelesen hatte, war er von der Seriosität afrikanischer Radsport-Verbände nicht mehr überzeugt. Hier war wohl eine Lösung gefragt, dass eventuell sogar Doppelbürgerschaften angestrebt werden sollten, al erdings mit welchem Land wusste er noch nicht.

Bobby fragte gleichzeitig nach, wer „schnellbeinig-wirbelnde“ Sportlerinnen (wenn möglich sogar Freundinnen oder bessere Hälften) kannte, welche für ein Damenteam in Frage kämen. Er versprach, alle zuerst nach Kenia zu einem Trainingslager einzuladen, denn dort hatte er für Afrika recht ideale und einigermassen kostengünstige Verhältnisse und kannte sich gut aus, denn er besass zusammen mit Bigi ein eigenes Haus, einen Bungalow, auf dem weitläufigen Areal von Prof. Mül ers Sport-Akademie.

Was er nicht hatte voraussehen, noch gar hoffen können war, dass ein ganzes „Frauen-Team“ von sechs Rennfahrerinnen allein aus „Vertrauten“ seiner Talente gebildet werden konnte, welche aber noch gebührend auf wirkliche Renntauglichkeit ausgetestet werden mussten.

Natürlich hatte er auch ein Küchenteam, zwei Ernährungsspezialistenaus der Kochschule „Top Chefs“ vonFelix Huwyler,einem Freund und Landsmann von Prof. Müller in Nairobi engagiert, sowie einige weitere kenianische Helfer, wie einen Buschauffeur, zwei Velomechaniker und landes-kundige Motorradpiloten sowie Materialverwalter/Buchhalter und Einkäufer, die in der Lage waren, knallhart für die günstigsten Preise zu feilschen/verhandeln. Und alle mussten begeisterte Radsport-Fans sein, bereit weit über das normalerweise Verlangte arbeitszeitliche zu leisten.

Das zentrale Hauptquartier, von dem aus sich die ganze Truppe immer wieder verlagerte, war in der Sportakademie von Prof. Mül er in der Nähe von Joska im Kamba-Land.

Wie Bobby schon damals, als er mit Bigi und den Sportstudenten am „First Lady’s Half Marathon“ teilgenommen und öffentlich erklärt hatte, war die Teamleitung in ihren Trainingsaufbau recht weit dem Programm vonChris Carmichaelgefolgt, das im zwischenzeitlich verpönten Buch „Das Lance Armstrong Trainings-Programm“ detailliert beschrieben steht. Seine Meinung zum ganzen Doping-Skandal des Amerikaners war, dass dieser seine zwischenzeitlich aberkannten Tour de France Siege auch ohne verbotenes Blut-Doping errungen hätte. Dessen unbewiesene Behauptungen (ähnlich wie die vonEx-US-Präsident Donald Trump), die anderen hätten das gleiche auch getan, seien irrelevant und das Ganze reine Dummheit. Die Qualität des Programms wollte Bobby nun auch ohne verbotenes Doping beweisen.

Alle vier Verantwortlichen waren sich natürlich bewusst, dass das ganze Unternehmen – bei al er Sinnhaftigkeit – keineswegs problemlos war. Mit ins Kalkül hatten sie die kulturellen Unterschiede zwischen Afrika und Europa, ja schon nur zwischen den im Team eingegliederten verschiedenen afrikanischen Nationen, in Betracht zu ziehen.

Fast al en Afrikanern war ihr Verhältnis zur Zeit gemeinsam. Ohne eine strickte und eiserne, fast militärische Disziplin würde es nicht möglich sein, jeweils rechtzeitig aufzubrechen, weder zu Rennen, Trainings oder Flugreisen. Darum musste der ganze Tross zusammen, immer möglichst am gleichen Ort logieren. In ganz kurzer Zeit war deshalb auf dem weitläufigen Areal von Prof. Müllers Sport-Akademie ein einstöckiger Neubau von fünfzehn Doppelzimmern mit WC/Duschen dazugebaut worden.

Ebenfalls anders – absolut ohne rassistisch zu sein, war das Verhältnis der meisten Afrikaner zur Wahrheit. Aehnlich wie das der Pygmäen im Regen-Urwald von Zentralafrika zum Eigentum, respektive zum Diebstahl, war es weniger ein bewusstes Leugnen, als vielmehr eine eigene Form von Höflichkeit und Freundlichkeit, dem Gespächs-partner jeweils das zu sagen, was dieser wohl gerne hören würde. Das Kiswahili-Wort dafür warIkinamico,sowohl für kleine „weisse“ als auch „brandrabenschwarze“ Unwahrheiten. Dazu kam noch, dass es ja gar keine „absoluten“ Wahrheiten gab, sondern jeder Mensch auf der ganzen Welt nahm die „Realität“ individuel unterschiedlich war.

Das konnte einem jeder Verkehrspolizist bei Zeugenaussagen bestätigen. Und das Ganze wurde noch dadurch „potentiert“, dass jetzt rund ein Drittel des Teams weiblichen Geschlechts war.

Die beiden Köche Louis und Bantu, die nach Abschluss ihrer Ausbildung bei „Top Chefs“ zuerst ein Praktikum in einer Safari-Lodge absolviert hatten, sorgten dafür, dass das Menü so abwechslungsreich, als auch Ausdauersport-tauglich war. Dazu gehörten die vielen Carbs (Kohlenhydrate), das „Benzin“ der Sportler in Form von Ugali, Gemüse, Porridge, Birchermüsli, Spaghetti, Reis und Bananen, oft auch im Eintopf durcheinander gemischt zum Frühstück und unterwegs zum Lunch. Die Ugali/Maisbällchen auch mit Bananenstücken durchmixt. Aber natürlich am Abend entsprechende Proteine/Eiweisse, nicht nur wie in Europa meist Rind- oder Kalbfleisch, sondern liebend gerne Ziegen, Schafe, Hühner und Enten, sowie deren Eier. Dazu vegetarische Eiweisse wie Bohnen und Linsen. Als Vorspeise frischen Fruchtsalat für Vitamine und Balaststoffe.

Kap. 03: Erster Zusammenzug inKenia

Sobald die Organisation einigermassen auf festen Füssen stand, flog Bobby zuerst nach Ruanda in das dortige Sportzentrum Ruhengeri, um seine „Schäfchen“ abzuholen und sie nach Kenia zu begleiten. Sobald dort eingetroffen, wollte sich der bereits anwesendeDr. Nikolaimedizinisch um die frisch Angekommenen kümmern. Das betraf einerseitsBlut- und Haaranalysen, um allfällige Mängel an Aminosäuren, Vitalstoffen, Mineralien und Spurenelementen etc. aufzudecken und aus-zugleichen und andererseits die von vielen Ländern verlangtenImpfungenzum Beispiel gegen „gelbes Fieber“, „Starrkrampf“, „Tollwut“ usw sicher zu stellen. Bei mehreren waren die Zähne in einem absolut desolaten Zustand und er musste sie zu einem Zahnarzt nach Nairobi zur Behandlung bringen. Es ist nachgewiesen, dass ungesunde Zähne einen ganz massiv schädlichen, ja Spitzenleistungen sogar verhindernden Einfluss auf die Form eines Sportlers haben können.

Dann reiste Bobby zuerst über Johannesburg nach der 75 Kilometer entfernten Universitätsstadt Potchefstroom, zu dem von der UCI finanzierten African Continental Cycling Center in Süd-Afrika und darauf hin nach Eritrea, um die restlichen „Ausgehobenen“ nach Kenia zu transferieren. Bis vor Kurzem waren die Reisebestimmungen in Eritrea sehr streng, sind aber durch die sportlichen Erfolge etwas gelockert worden. Dort gab es einen Fahrer namensBini Girmay, der sogar bereitsGent-Wevelgemeinen der wichtigen Europäischen Klassiker und dieSilber Medallie an der U23 Weltmeisterschaftgewonnen hatte. Bei einem Etappensieg im Giro d’Italia hatte er sich leider auf ungewöhnliche Art und Weise verletzt, was ihn dann zur Aufgabe des Rennens gezwunden hatte: bei der Vorbereitung des jeweiligen Champagner-/Pro-secco-Spritzens war ihm der Korken direkt ins linke Auge geknallt! Diesen wol te er versuchen als

„Capitain de Route“ „an Land zu ziehen“, da er trotz seines jugendlichen Alters über die erforderliche strategische und taktische Erfahrung verfügen musste, was Bobby erfreulicherweise darum gelang, da dieser sich mit seinem derzeitigen sportlichen Leiter überworfen hatte (angeblich, weil er sich weigerte, als gläubiger Moslem unerlaubte Dopingmittel zu verwenden) und darauf per sofort freigestellt worden war. Wenn das tatsächlich zutraf, war es Bobby besonders recht, denn er wollte unbedingt ein „sauberes“ Team.

Ebenfalls klärte Bobby ab, was die Talente der einzelnen Sportler waren – ob sie Roller, Sprinter, Bergfahrer oder Kombinationen davon etc. waren.

Das trug Bobby gewissenhaft in seine Computerfiles ein, die er für jeden seiner Athlet*innen angelegt hatte. Auch, ob jemand sich eher für Eintagesrennen oder für Rundfahrten anbot.

Ehemalige Champions wie ein Ferdi Kübler, GinoBartali, Fausto Coppi, Rick van Steenbergen etc.waren sowohl am Berg, als auch in Zeitfahren und in Schluss-Spurts Spitze, also„Allrounder“und so in mehrtägigen Rundfahrten favorisiert. EinBeat Breu(neben Strasse, Quer-, Mountainbike und Steher) hingegen in erster Linie aufwärts in denSteigungengut, nicht jedoch im Spurt. EinUrs Freulerdagegen in Abfahrten und Sprints. Eine Kombination der beiden, ein„Breuler“wäre das Optimum und fast sicher ein grosser Champion.

Da ihm in Afrika keine Rennbahn zur Verfügung stand, konnte er (noch) nicht abklären, wer sich dort besonders eignete. Denn Bahnrennen, von „Americaines/Madison“, „6-Tagerennen“, als auch Verfolgungs-, Sprint- oder Steher-Prüfungen“ waren gute Möglichkeiten, auch nach Ende der Strassensaison für seine Fahrer weitere „Brötchen zu verdienen“. Aber das plante er dann inGrenchenin der Schweiz auf der dortigen Hallenbahn abzuklären, wobei er auf die Mithilfe vonDanielGisigerhoffte, der dort eine Art „Hausherr“ war und seinerzeit Mitglied der von Prof. Müller mental betreuten „Equippe Bergmann“.

Da Bobby feststellen musste, dass seine jungen Athleten nicht gewohnt waren, lange in einem „Theoriesaal“ sitzend mentalen Ausbildungen zu folgen und öfters die Tendenz zumEinnickenzeigten, brachte er – wie er es Prof. Müller abgekuckt hatte – einMini-TrampolinoderRebounder in den Unterrichtsraum mit, auf dem jede/r, wenn „Einschlaf-Attacken“ kamen, sich sofort darauf begeben durfte um nach einigen Minuten des „bouncens“ wieder geistig frisch den weiteren Ausführungen folgen zu können.

Beginnen wir ganz am Anfang: Es war um das Jahr 2'500 v. Chr. mit der wichtigsten Erfindung al er Zeiten, mit der wir hier ganz eng „verbandelt" sind.

Igendwo im Delta zwischen dem Euphrat und Tigris bastelte ein geschickter Sumerer aus Stangen und Brettern das erste RAD, welches rund drehte. Bei allem technischen Fortschritt seither - ohne das Rad würde sich bis heute nichts vorwärts bewegen. Im Jahre 1817 erfand dann der Freiherr von Drais die „Laufmaschine", welche ein direkter Vorfahre des modernen Velos war.

Kommen wir zum Menschen, der in unterschiedlichen körperlichen Phasen das Rad bewegt.

Von anspruchslos bis sehr anspruchsvoll: „Das mit der Fettverbrennungszone ist so zu verstehen“, erklärte Bobby weiter, „dass es für sporttreibende (oder mindestens sich bewegende) Menschen verschiedene Bereiche oder Zonen gibt, in denen ihr Körper auf unterschiedliche Art Energie gewinnt, resp. verbraucht: im niedrigen Pulsbereich (unterschiedlich von Mensch zu Mensch, alters- und geschlechtsbedingt) – die populäre Formel 220 minus Alter gleich maximale, noch gesundePulsbelastungist eigentlich vielzu ungenau, aber doch ein kleiner Hinweis. Dabei wird in erster LinieFett verbrannt, was für Abnehmwillige sehr wichtig ist. Denn die meisten Hobbysportler fahren oder rennen auf viel zu hohen Touren. Sie laufen dabei in Gefahr, sich zu übernehmen, um dann vom Muskelkater gekratzt und gebissen, viel zu leicht das ganze Training sogleich wieder an den berühmten Nagel zu hängen, und erneut zu ihren noch ungesunderen Verhaltensweisen als „Couch-Potatoe“ zurück zu kehren. Oberhalb des Fett-verbrennungsbereichs befindet sich dieKohlen-hydratverbrennungszone, in der das System hauptsächlich auf den als eigentliches „Benzin“ zu bezeichnendenCarbswie Spaghetti-, Pasta-, Risotto-Energienahrungsmittel „fährt“, die in der modernen Zeit von den Ausdauersportlern vor irgendwelchen Anstrengungen im Training oder Wettkampf verzehrt werden. Vor etwa achtzig Jahren, in der „K-K-Glanzzeit“ (Kübler/Koblet) des Schweizer Radsports, standen die Athleten jeweils um 03 Uhr früh auf und verzehrten riesige Steaks, um dann ab 09 Uhr im Training oder am Rennen entsprechend Energie zur Verfügung zu haben.

Die Radrennfahrer, vor allem die Profis, erklärte Bobby weiter, fahren in den Rennen und im Training so lange wie möglich im Fett-verbrennungsbereich. Wenn dann das Tempo schneller wird, werden die Kohlenhydratdepots relativ rasch aufgebraucht (oder eben verbrannt), sodass es zwingend notwendig ist, ständig „nachzufuttern“, um nicht einen „Hungerast“ einzufangen. Darum mehrmals pro Tag die sehr gefährliche „Müsette/Futtersack-Fasserei“, bei der hauptsächlich die Domestiken, die Helfer oder Wasserträger gefordert sind, für die Chefs die Verpflegung „fliegend“ zu erhaschen und dann zu verteilen. Darum ist es auch nach dem Ehrenkodex der Rennfahrer verpönt, in der Verpflegungszone anzugreifen. Wenn es dann aber wirklich ernst wird, wenn voll, oder„auf dem Zahnfleisch“und nicht mehr wie ein„Landbriefträger“gefahren wird, speziell in den Bergen, dann sind die Helden der Landstrasse immer wieder imroten Bereich, alsoüber der aerob/anaeroben Schwelle, in der nicht mehr verbrannt, sondern nur noch„vergart“wird.

Hier gilt es, seinen Körper und die augenblickliche Leistungsfähigkeit sehr genau zu spüren oder zu kennen, denn wenn eine gewisse Grenze überschritten ist, schlägt der Hammermann erbarmungslos zu. Darum fahren heute fast alle erfolgreichen Rennfahrer (sowie Triathleten und andere Ausdauersportler) mit einem Pulsmesser, der von einem Band um den Brustkasten per Funk an eine Art Uhr entweder am Handgelenk oder am Lenker des Rennrads den jeweiligen Pulsbereich überträgt. So kann der Athlet zusätzlich zu seinem Körpergefühl abschätzen, ob er noch im Mass ist, oder eben schon drüber. Die besten kommen aus Finnland, von der Marke „Polar“, dozierte Bobby weiter. „Jeder von euch bekommt einen, ebenso einen Radcomputer für Distanz und Geschwindigkeit.

Nikolai seinerseits untersuchte jede/n gründlich und sammelte wichtige Daten wie Geburtsdaten, wenn möglich mit Geburts-Uhrzeit, für die Bestimmung des „Bio-Rhythmus“, Grund- oder Ruhepuls (bei ungewöhnlicher Erhöhung Rückschlüsse auf gesundheitliche Probleme ermöglichend), aerobe-/anaerobe Schwelle, Blutgruppe mit Rhesusfaktor, Grösse inklusive Teilbereiche, welche für die Rahmenmasse des Velos wichtig waren, ph-Werte des Urins, welche aufzeigten, ob der Körper basisch oder sauer war, Gewicht und Fett-Anteil usw. Diese Daten speicherte er sowohl auf seinem, als auch auf dem Laptop von Bobby und dem von Bigi.

Und besonders wichtig: sicher abklären, dass niemand mit dem in Afrika leider immer noch recht häufigen, meist tötlichen HIV/AIDS Virus, ange-steckt war.

Wenn ein Mensch, ganz besonders ein Velorennfahrer, der starkenphysischenAnforderungen ausgesetzt ist, dann wünscht sich seinpsychisches System, möglichst viel Bekanntes und nicht ständig Neues und Unerwartetes. Dem trugen die„BB-NN-Teamleiter“insofern Rechnung, dass sie eine Struktur schufen, welche sowohl im täglichen Trainingsablauf, als auch bei den Renneinsätzen durchgezogen werden konnte. Das begann mit einem Muskelaufwärm- und generellen Lockerungsprogramm, dem das Frühstück und darauf dieTages-Teamsitzungfolgten, welche den Fahrern aufzeigte, was ihnen heute bevorstand.

StreckenprofileundRenntaktikgehörten dazu. Wer sollte an diesem Tag angreifen und Spitzenleistungen erbringen, und wer sich eher schonen und sich unauffällig verhalten. Bobby und Nikolai waren vom Nutzen des richtigen„Bio-Rhythmus-Einsatzes“überzeugt, denn kein Mensch war jeden Tag gleich „in Form“, auch wenn gewisse Zeitgenossen das von sich glaubten. Dabei hatten die Trainer nicht vor, jedem Sportlern den genauen täglichen Stand zu erläutern, damit sich das System nicht in eine „sich selbst erfüllende Prophezeiung“ ausartete:„Ich weiss, dass ich heute nicht meinenbesten Tag habe. Also muss mich deshalb nichtbesonders anstrengen, was plötzlich unerwartetschlimme Folgen haben konnte“. Aber in einer der nächsten Theorie-Sitzungen sollte das Grund-prinzip dargelegt und diskutiert werden. Das gleiche galt für die Frage, ob alle genau die gleiche „Einheits-Ernährung“ vorgesetzt bekommen sollten, oder ob nach derBlutgruppen-Diät von Dr. D’Adamo– so weit praktikabel, mehr Fleisch oder eher mehr Vegetarisches zum Abendessen auf den jeweiligen Tel er geschöpft werden sollte. Zum Glück für die Köche fielen die meisten Afrikaner wie auch Bigi und Bobby unter dieBlutgruppe Null, waren also eher„Carnivoren“, das heisst „Fleisch-(Fr-)Esser“. Bigi hatte für sich das Buch„Die Blutgruppen Diät“von Anita Hessmann-Kosaris(ISBN 3-576-11216-2) intensiv studiert und einige interessante Erkenntnisse gezogen:

Typ Blutgruppe 0: viel Fleisch, Fisch und etwas Gemüse

Typ Blutgruppe A: viel Gemüse, Reis und Getreide

Typ Blutgruppe B: Milchprodukte, Eier und Gemüse

Typ Blutgruppe AB: al e Nahrungsmittel, jedoch wenig Fleisch, dafür viel Fisch.

Eine besonders interessante Feststellung, die sie machte: das Hauptnahrungsmittel überhaupt für die mehrheitlich Typ Blutgruppe 0 habenden Afrikaner, Mais und daraus Ugali war für diesen Typ unter zuvermeiden angeführt! Konnte sich ein ganzer Kontinent mit fast einer Milliarde Bewohner irren, oder lag darin vielleicht die Erkenntnis der Ursache, warum das durchschnittliche Lebenalter so tief lag (vor kurzem erst von 59 auf 64 Jahre gestiegen)?

Im Internet hatte Bigi erfahren, dass ihr Freund und Idol Chris Froome beschlossen hatte, total auf VEGAN umzustellen, das heisst, überhaupt keine tierischen Produkte mehr zu essen. Wenn er tatsächlich Typ Blutgruppe A hatte, dann war das eine sinnvolle Umstel ung, ansonsten vom Tierschutz her zwar löblich, aber für die Rennleistung nicht sehr sinnvoll.

Ihren beiden Köchen/Ernährungsexperten lud sie von amazon.com je das Kindl/e-book von Dr. PeterD’Adamo„Eat right 4 your Type“ herunter und wies sie an, sich so weit wie möglich daran zu orientieren und empfohlene mit neutralen Nahrungsmitteln möglichst kreativ und wohlschmeckend zu mischen.

Einzige Ausnahme: Trotzdem Ugali zum Frühstück.

Nach der Massage stellten sie jeweils ein individuelles Abendprogramm zusammen, mal mit Filmen über frühere Rennen auf Netflix oder YouTube, sowie Gesellschaftsspielen, Tisch-Tennis oder -Fussball.

Kap. 04: Bigi bildet sich in derZwischenzeit im eidgenössischenSportzentrum in Magglingen weiter.

Da in der Sportwelt, besonders in den Ent-wicklungsländern, zum Teil absolut ungebildete, immer wieder sogar chaotisch gesundheitsgefährdende Trainer für junge Sportler die Verantwortung trugen und dabei aus Unwissenheit oft echte Talente schlicht und ergreifend „ver-heizten“, war Bigi als Akademikerin sofort einverstanden und bereit, nach ihrer juristischen, nun auch eine sportliche theoretische Grund-ausbildung zu durchlaufen. Als gebürtige Schweizerin kam naürlich das eidgenössische Sportzentrum in Magglingen, hoch über dem Bielersee am ehesten in Frage. An der dortigen „Eidgenössischen Hochschule für Sport“im Ausbildungslehrgang zur„Trainerin Spitzensport miteidgenössischem Diplom“– ähnlich wie das auchNikolaiund ganz früher schonBobbyabgeschlossen hatten. Letzterer damals, als er noch die„EquippeBergmann“gecoached hatte, bis sie mangels Sponsoren tragischerweise aufgelöst werden musste. Da der Partner ihres Gatten Bobby, derukrainische Sportarzt Nikolaiseit Jahren dort als Dozent tätig war, wurde sie sofort dafür aufgenommen. Aber sie interessierte sich nicht nur für die Theorie, sondern trainierte verbissen an ihrer eigenen Fitness, damit sie den durch sie zu betreuenden afrikanischen Rennfahrerinnen auch auf dem Rennvelo mindestens ebenbürtig war.

Wie es bei ihr nicht anders zu erwarten war, bestand sie auch diesen Kurs mit Bravour und kehrte nun für ihre zukünftige Aufgabe offiziell qualifiziert zu ihrem Bobby nach Kenia zurück. Zusammen mit Nikolai hatten sie geplant, beide Teams, die Herren und die Damen, möglichst weitgehend gemeinsam trainieren zu lassen, wobei sie dem „schönen Geschlecht“ teilweise etwas kürzere Trainingsstrecken zumuteten, das heisst, sie etwas früher in die Ruhephase entliessen. Die von den Damen verlangten Distanzen in den Rennen waren ja auch wegen der anatomischen Unterschiede der beiden Geschlechter kürzer, maximal um 150 km herum festgelegt.

Nachdem sie sich auch auf radsportlichem Gebiet zur „Fachfrau“ gemausert hatte, obwohl sie keine eigene Rennlaufbahn hinter sich hatte (ebenso wenig wie der bekannteste und super-erfolgreiche ex-DDR-Trainer Wolfram Lindner) half sie Bobby, die bisherigen Leistungen beider Geschlechter daraufhin zu bewerten, wer sich als „Leader“ aufdrängte und wer eher als„Domestike/-Wasserträger“zu betrachten war. Für diese zweite Kategorie war ein spezielles Training vorgesehen: das Fassen der„Müsette“, des Verpflegungsbeutels in vollem Renntempo.

Der in Kenia sehr oft recht kräftig blasende Wind, besonders wenn er von vorne oder von der Seite kam, verlangte von den Fahrern eine spezielle Technik, das„Fächerfahren“. Das wurde in Gruppen von acht Sportlern in der Weise geübt, indem jeweils der vorderste sich so breit wie möglich in den Wind „ausdehnte“, während sich der Nachfolgende den Windschatten zu Nutze machte, dessen Folgender ebenso, und so weiter... Nach jeweils einigen hundert Metern liess sich der Führende nach hinten zurückfal en, was ebenfal s gelernt sein wollte.

Ein richtiges „Hobby“ von Bobby war dieses Mannschaftsfahren, bei dem die Fahrer milimetergenau einer hinter dem Anderen den Windschatten optimal ausnützend fuhren und sich perfekt ablösten – sowohl auf der Strasse in Rundfahrten, als auch auf der Bahn in der Manschaftsverfolgung. Da ihnen noch keine Bahn zu Verfügung stand, trainierten sie diese Disziplin auf ebenen Strassen, wobei Bobby eine Demonstration einbaute um zu zeigen, wie leicht Anweisungen während des Rennen sich verändern und dann falsche Ergebnisse zur Folge haben konnten. Er schrieb einen Satz auf einen Zettel, den er den Führenden mitgab. Bei der Ablösung hatten diese nun den Auftrag, diesen dem Nachfolgenden leise zuzurufen, so dass er nicht vom nächsten gehört werden konnte. Dieser hatte dann wieder die gleiche Aufgabe bis hin zum letzten Fahrer der Mannschaft. Dann wurde kurz Halt gemacht und die beiden Sätze miteinander verglichen. Schallendes Gelächter war die Folge, denn der Sinn war völ ig anders geworden. Aber Röstigraben/Rift Valley Velo Blues alle waren auf diese Gefahr sensibilisiert und verstanden, warum Anweisungen sicherheitshalber „zurück-gemeldet“ oder „para-phrasiert“ werden sollten. Natürlich so, dass die Gegner diese nicht mitbekommen konnten.

Wie bei den Velos kamen die Fahrer*innen nicht mit einheitlicher Rennbekleidung an. Bigi hatte das Fabrikat „36.5“, welches sich besonders dem Körper anpasste, für sich als vortrefflich befunden und darum für alle – geliefert nach Wien – bestellt.

Kap. 05: Das theoretische Fundamenthinter dem Erfolg

Die Theoriestunden und das Mental-Training waren nun in englischer Sprache, welche sowohl die SüdAfrikaner, die Ruander, bei denen das ganze Schulsystem kürzlich vom Präsidenten PaulKagame von französisch auf englisch umgewechselt worden war, was die Eritreer, als auch die Kenianer als zweite Landessprache verstanden.

Bobby hatte seine Selektion auch darauf hin ausgerichtet, dass alle gut englisch sprachen.

Training auf den Rädern gab es grundsätzlich jeden Tag, wobei am Sonntag für die Christen und am Freitag für die Moslems jeweils etwas verkürzt.

Da im europäischen Herbst, was unterhalb des Aequators dem Frühling entsprach, in diesem Jahr der islamische Fastenmontat Ramadan anstand, wurden die „Frühstücks-Kohlenhydrate“ den zahlreichen Muslimen im Team schon vor dem Morgengrauen verabreicht und das Abendessen erst nach Sonnenuntergang. Da bei Rennen, wie auch bei längeren Trainingsfahrten ständiges „Futtern“ zwingend war und während des Ramadans den ganzen Tag über weder gegessen, noch getrunken werden durfte, mussten in dieser Zeit die Anforderungen drastisch reduziert werden, sollten die Athleten nicht von gefährlichen „Hungerästen“heimgesucht werden. Also galt es herauszufinden, wer von den Muslimen die religiösen Vorschriften vol ständig und streng befolgen und wer es nicht ganz so genau nehmen wollte. Dies galt speziell für die Damen, welche mindesten dasHijabgenannte Kopftuch unter dem obligatorischen Sturzhelm tragen sollten – die volle schwarze „Vogelscheuchen-Tracht“ war auf dem Velo allerdings undenkbar. Bigi hatte schon gesehen, dass Musliminnen eine Art „Vollkörper-Body“ trugen, zum Beispiel wenn sie in einem Swimming Pool ins Wasser wollten. Auf der anderen Seite waren diese religiösen Attribute in der modernen Türkei, deren Bewohner grösstenteils ja auch dem Islam angehörten, durch den Republik-GründerKemal Atatürksogar aus-drücklichverbotenworden. Da war also einiges abzuklären und je nach Bedarf unterschiedlich zu implementieren. Was Bobby bei seinen Studien zu diesem Thema noch herausgefunden hatte war, dass derKoran