Ruf der Runen - Igor Warneck - E-Book

Ruf der Runen E-Book

Igor Warneck

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Beschreibung

Das Runen-Alphabet birgt viele Geheimnisse, denn Runen sind nicht nur Schriftzeichen, sondern auch Hilfsmittel der Weissagung, nämlich jene Buchstaben = Buchenstäbe, mittels derer der Kundige einst und heute sucht, die Welt zu ergründen. In diesem Buch erhält der Leser eine Einführung in die Runen-Kunde, eine Anleitung zum Einsatz des Runen-Orakels und zum Herstellen eigener Runen-Steine sowie eine Übersicht über die einzelnen Runen und ihre Bedeutung. Runen-Rituale, eine Hinführung zur Arbeit mit den Runen und eine kleine germanische Götter- und Festtagskunde runden das Werk zu einem alltagstauglichen Arbeitsbuch für den Umgang mit den Runen ab.

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Seitenzahl: 162

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IGOR WARNECK

Ruf der Runen

Eine Einführung in die Welt der Runen

Über den Autor

Igor Warneck wuchs in den Wäldern des Vogelbergs auf. Er studierte intensiv das Leben, die Runen und das Tarot, wurde von einem Zigeuner in dessen alte Heilkunst eingeweiht, lernte bei den Samen im nördlichen Norwegen und verfasste mehrere Bücher.

Heute arbeitet er an einem zeitgemäßen Konzept der Naturreligionen Europas. Er bietet ganzheitliche Heilung und Harmonisierung in allen Lebensphasen und -bereichen an.

www.igor-warneck.de

Die Inhalte und Übungen in diesem Buch sind sorgfältig erwogen und geprüft. Sie bieten jedoch keinen Ersatz für kompetenten medizinischen Rat und Behandlung. Alle Angaben erfolgen daher ohne Gewährleistung oder Garantie seitens des Autors oder des Verlags. Eine Haftung des Autors bzw. des Verlags und seiner Beauftragten für Personen-, Sach- und Vermögensschäden ist daher ausgeschlossen.

Dieses Buch enthält Verweise zu Webseiten, auf deren Inhalte der Verlag keinen Einfluss hat. Für diese Inhalte wird seitens des Verlags keine Gewähr übernommen. Für die Inhalte der verlinkten Seiten ist stets der jeweilige Anbieter oder Betreiber der Seiten verantwortlich.

ISBN 978-3-8434-6353-9

Igor Warneck:

Ruf der Runen

Eine Einführung in die Welt der Runen

© 1997, 2001, 2005, 2016 Schirner Verlag, Darmstadt

Umschlag: Murat Karaçay, Schirner, unter Verwendung von # 110625290 (© Nik Merkulov), # 254925364 (© Trybex) und # 280864064 (© Studio10Artur), www.shutterstock.com

Print-Layout: Simone Leikauf, Schirner

Lektorat: Heike Wietelmann, Schirner

Gesetzt aus der Arimo (© Ascenderfonts.com)

unter der Apache-Lizenz 2.0: www.apache.org/licenses/LICENSE-2.0

E-Book-Erstellung: HSB T&M, Altenmünster, Germany

www.schirner.com

1. E-Book-Auflage 2017

Alle Rechte der Verbreitung, auch durch Funk, Fernsehen und

sonstige Kommunikationsmittel, fotomechanische oder vertonte Wiedergabe

sowie des auszugsweisen Nachdrucks vorbehalten

INHALT

Über den Autor

Vorwort

Vorwort zur Neuauflage

Dank

ODINS RUNEN-LIED

Einleitung

EINE ÜBUNG ZUM EINSTIEG: KRAFT SCHÖPFEN

Wenn die Runen rufen

Was sind Runen?

»Futhark« – was bedeutet das?

Was man mit Runen machen kann

Woher kommen die Runen?

Warum wir das ältere Futhark verwenden

Runen als Schriftzeichen

Die Runen und ihre Bedeutungsebenen

Runen als Symbole

Runen als Kraftwerkzeug

RUNEN-MEDITATION

Über die Kraft der Runen

Wie man Runen-Wissen empfängt

Über Meister und Besserwisser

Runen finden sich überall

Runen-Stellungen und was man darüber wissen sollte

Runen und andere magische Verfahren

Runen und die Verschmutzung der Quellen

ERDUNGSÜBUNG: »ICH BIN EIN BAUM«

Runen und ihre Gegensätzlichkeiten

Erste Schritte zum Runen-Orakel

Aufrechte und umgekehrte Runen

Wie stellt man eine Frage?

Die Einzel-Runen-Methode

Die Deutung des Orakels

Das Werkzeug: Die Runen-Steine

Was sind Runen-Steine?

Selbst machen oder kaufen?

Selbst machen – aber wie?

Die Bedeutung verschiedener Holzarten

Das richtige Material wählen

Herstellung

Der Runen-Beutel

Energetisierung von magischen Gegenständen

Das Weihen der Runen-Steine

Abschließende Bemerkungen zu den Runen-Steinen

Die Praxis des Runen-Orakels

Die runische Vorbereitung

Antworten vom Runen-Orakel

1. Deutung: Platz und Situation

2. Deutung: Materielle Dinge

3. Deutung: Beziehungen, Gefühlsleben und Sexualität

Die Runen und ihre Bedeutung

Runen-Familie des Gottes Freyr (Freyrs Aett)

Fehu

ÜBUNG: GLEICHGEWICHT DER KRÄFTE

Uruz

ÜBUNG: HEILENDES WASSER

Thurisaz

Ansuz

ÜBUNG: DAS ÜBERZEUGENDE GESPRÄCH

Raidho

ÜBUNG: DAS BEWUSSTSEIN SCHÄRFEN

Kenaz

Gebo

ÜBUNG: EINANDER IN EINKLANG BRINGEN

Wunjo

Runen-Familie der Göttin Hel (Hels Aett)

Hagalaz

Naudiz

Isa

Jera

Eiwaz

Perthro

ÜBUNG: SCHUTZ UND KRAFTGEWINNUNG

Algiz

ÜBUNG: SICH ZENTRIEREN

Sowilo

ÜBUNG: BEWEGLICHKEIT

Runen-Familie des Gottes Tyr (Tyrs Aett)

Tiwaz

ÜBUNG: ZIELFINDUNG

Berkana

Ehwaz

Mannaz

ÜBUNG: PARTNERSCHAFT

Laguz

Ingwaz

ÜBUNG: RUHE & SCHUTZ

Dagaz

Othala

Die Arbeit mit den Runen

Runen spielend begreifen

ÜBUNG: MEIN GANZ PERSÖNLICHER EINSTIEG

Analoges Denken und intuitive Fantasie

Runen-Analogiedenken

FREYRS AETT

Die Bauernanalogie

Die Geburtsanalogie

Die Hausbauanalogie

HELS AETT

Die Zauberer-Einweihungsanalogie

TYRS AETT

Die Lebensanalogie

Das Runen-Tagebuch

Runen bei der spirituellen Arbeit

Runen-Kekse

Runen-Medizin

Runen-Gesang

Runen-Tanz

Runen und Meditation

Verbindung zu den Göttern

Die Götter und ihre Runen

Die Götter und ihre Wochentage

Runen als Schutz- und Heilzeichen

Anhang

Weiterführende Literatur zum Thema Runen

Übersicht über die verschiedenen Runen-Alphabete

Das ältere Futhark

Das jüngere Futhark

Das anglo-friesische Futhark

Das Armanen-Futhark

Bildnachweis

Widmung

Gewidmet der ungebrochenen Tradition, die als Brüder und Schwestern des gewöhnlichen Lebens bekannt ist und von den Runen gerufen wurde.

Vorwort

Die Runen riefen mich vor einigen Jahren zu sich. Ich vernahm ihren Ruf, doch ich folgte nicht. Eine innere Stimme sagte zu mir: Es ist noch nicht so weit. – Hier und da schaute ich einmal in eines der damals bekannten Werke zum Thema Runen, legte es aber bald wieder uninteressiert zur Seite.

In der Folgezeit machte sich in mir ein Gefühl breit, das immer wusste, was richtig war, und fuchsteufelswild wurde, wenn jemand etwas über Runen erzählte, das nach diesem Gefühl nicht stimmig erschien. Ich veränderte mich, ohne diese Verwandlung benennen zu können. Irgendetwas in mir wusste etwas über die Runen, doch ich kannte »es« nicht.

»Es« regte sich immer wieder auf: über Literatur zu den Runen, über Wissende, Meister und Druiden – und rebellierte. Schließlich hatte »es« gewonnen, und »ich« gab nach, gab mich den Runen hin, nahm sie auf, nahm sie »schreiend« auf. Ein neues Leben begann, nicht vergleichbar dem vergangenen, mit immer neuen Überraschungen und Erlebnissen.

Bücher zum Thema konnte ich liegen lassen, mich nach innen wendend, meinem wissenden »Es« folgend, auf der Suche nach dem Wissen der Runen.

Was ich fand, lässt sich nur schwer niederschreiben, doch ich will es versuchen und dem Wunsch meines Verlegers entsprechen, dieses Wissen in einer allgemein verständlichen Sprache wiederzugeben.

Ich begab mich auf den Weg, die Runen selbst kennenzulernen, ohne die Umwege über theoretische Quellen. Ich kannte die Zeichen, ich kannte die Namen, das war es. Den Rest brachte »es« mir bei.

Die Runen hätten mich oft gern mit ihren Kräften in ihre Welt mitgenommen, doch ich blieb beharrlich in dieser hier, in der leiblichen, menschlichen, alltäglichen Wirklichkeit.

Ich brachte einiges mit von meinen Reisen: Geschenke der Runen – und diese möchte ich nun mit Ihnen teilen.

Igor Warneck, im Vogelsberg, 1997

Vorwort zur Neuauflage

Seit nun beinahe 20 Jahren lassen sich viele Menschen von diesem Buch zu den Runen führen, um ihren ureigenen Weg anzutreten. Die Runen sind heute aktueller denn je und die Entwicklungen in den letzten Jahrzehnten haben es durch radikale Aufklärung geschafft, den Runen den Beigeschmack infolge ihres Missbrauchs im sogenannten Dritten Reich zu nehmen.

Es erfüllt mich mit außerordentlicher Freude, dass das Wissen um die Kraft der Runen immer mehr von einem einstigen Geheimwissen zu einer Art spirituellem Gemeinwissen wird. So können wir uns unserem Land, unserer Heimat, wieder kraftvoll widmen und uns mit den Kräften von Mutter Erde sinnvoll verbinden.

Ich wünsche Ihnen von ganzem Herzen viel Freude bei der Suche nach Ihren Wurzeln!

Igor Warneck, in der Heimat, August 2016

Dank

Besonderer Dank gilt meinem Kollegen GardenStone, der für dieses Buch die Techniken des Runen-Orakels geschrieben hat, Vicky Gabriel für die Durchsicht des Manuskriptes, Werner Dragoner für seine fotografischen Kenntnisse bei den Runen-Stellungen und Kirsten Glück vom Schirner Verlag für das einfühlsame Lektorat.

Danken möchte ich all den Frauen, die mich das lehrten, was ich heute weitertrage.

Geschrieben im Vogelsberg, Frühjahr 1997

 

ODINS RUNEN-LIED

Ich weiß, dass ich hing am windigen Baum

Neun lange Nächte,

Vom Speer verwundet, dem Odin geweiht,

Mir selber ich selbst,

Am Ast des Baumes, dem man nicht ansehn kann,

Aus welcher Wurzel er spross.

Sie boten mir nicht Brot noch Met;

Da neigt’ ich mich nieder,

Auf Runen sinnend, lernte sie seufzend:

Endlich fiel ich zur Erde.

Hauptlieder neun lernt’ ich von dem weisen Sohn

Bölthorns, des Vaters Bestlas,

Und trank einen Trunk des teuern Mets,

Aus Odhrörir geschöpft.

Zu gedeihen begann ich und begann zu denken,

Wuchs und fühlte mich wohl.

Wort aus dem Wort verlieh mir das Wort,

Werk aus dem Werk verlieh mir das Werk.

Runen wirst Du finden und Ratestäbe,

Sehr starke Stäbe,

Sehr mächtige Stäbe.

Erzredner ersann sie, Götter schufen sie,

Sie ritzte der hehrste der Herrscher.

Odin den Asen, den Alfen Dain,

Dwalin den Zwergen,

Alswid aber den Riesen; einige schnitt ich selbst.

Weißt Du zu ritzen? Weißt Du zu erraten?

Weißt Du zu finden? Weißt Du zu erforschen?

Weißt Du zu bitten? Weißt Opfer zu bieten?

Weißt Du, wie man senden, weißt, wie man tilgen soll?

Besser nicht gebeten, als zu viel geboten:

Die Gabe will stets Vergeltung.

Besser nicht gesendet, als zu viel getilgt;

So ritzt' es Thundr zur Richtschnur den Völkern.

Dahin entwich er, von wannen er ausging.

Lieder kenn ich, die kann die Königin nicht

Und keines Menschen Kind.

Hilfe verheißt mir eins, denn helfen mag es

In Streiten und Zwisten und in allen Sorgen.

Ein andres weiß ich, des alle bedürfen,

Die heilkundig heißen.

Ein Drittes weiß ich, des ich bedarf,

Meine Feinde zu fesseln.

Die Spitze stumpf ich dem Widersacher;

Mich verwunden nicht Waffen noch Listen.

Ein Viertes weiß ich, wenn der Feind mir schlägt

In Bande die Bogen der Glieder,

Sobald ich es singe, so bin ich ledig,

Von den Füßen fällt mir die Fessel,

Der Haft von den Händen.

Ein Fünftes kann ich: fliegt ein Pfeil gefährdend

Übers Heer daher,

Wie hurtig er fliege, ich mag ihn hemmen,

Erschau ich ihn nur mit der Sehe.

Ein Sechstes kann ich, so wer mich versehrt

Mit harter Wurzel des Holzes:

Den andern allein, der mir es antut,

Verzehrt der Zauber, ich bleibe frei.

Ein Siebentes weiß ich, wenn hoch der Saal steht

über den Leuten in Lohe,

Wie breit sie schon brenne, ich berge sie noch:

Den Zauber weiß ich zu zaubern.

Ein Achtes weiß ich, das allen wäre

Nützlich und nötig:

Wo unter Helden Hader entbrennt,

Da mag ich schnell ihn zu schlichten.

Ein Neuntes weiß ich, wenn Not mir ist

Vor der Flut das Fahrzeug zu bergen,

So wend ich den Wind von den Wogen ab

Und beschwichtige rings die See.

Ein Zehntes kann ich, wenn Zaunreiterinnen

Durch die Lüfte lenken,

So wirk ich so, dass sie wirre zerstäuben

Und als Gespenster schwinden.

Ein Elftes kann ich, wenn ich zum Angriff soll

Die treuen Freunde führen.

In den Schild fing ich's, so ziehn sie siegreich

Heil in den Kampf, heil aus dem Kampf,

Bleiben heil, wohin sie ziehn.

Ein Zwölftes kann ich, wo am Zweige hängt

Vom Strang erstickt ein Toter,

Wie ich ritze das Runenzeichen,

So kommt der Mann und spricht mit mir.

Ein Dreizehntes kann ich, soll ich ein Degenkind

In die Taufe tauchen,

So mag er nicht fallen im Volksgefecht,

Kein Schwert mag ihn versehren.

Ein Vierzehntes kann ich, soll ich dem Volke

Der Götter Namen nennen,

Asen und Alfen kenn ich allzumal;

Wenige sind so weise.

Ein Fünfzehntes kann ich, das Volkrörir der Zwerg

Vor Dellings Schwelle sang:

Den Asen Stärke, den Alfen Gedeihn,

Hohe Weisheit dem Hroptatyr.

Ein Sechzehntes kann ich, will ich schöner Maid

In Lieb und Lust mich freuen,

Den Willen wandl' ich der Weißarmigen,

Dass ganz ihr Sinn sich mir gesellt.

Ein Siebzehntes kann ich, dass schwerlich wieder

Die holde Maid mich meidet.

Dieser Lieder, magst Du, Loddfafnir,

Lange ledig bleiben.

Doch wohl Dir, weißt Du sie,

Heil Dir, behältst Du sie,

Selig, singst Du sie!

Ein Achtzehntes weiß ich, das ich aber nicht singe

Vor Maid noch Mannesweibe

Als allein vor ihr, die mich umarmt,

Oder sei es meiner Schwester.

Besser ist, was einer nur weiß;

So frommt das Lied mir lange.

Des Hohen Lied ist gesungen

In des Hohen Halle,

Den Erdensöhnen not, unnütz den Riesensöhnen.

Wohl ihm, der es kann, wohl ihm, der es kennt,

Lange lebt, der es erlernt,

Heil allen, die es hören.

 

 

aus: DIE EDDA; die ältere und jüngere Edda und die mythischen Erzählungen der Skalda; übersetzt und mit Erläuterungen begleitet von Karl Simrock. Phaidon Verlag (HAVAMAL ZYKLUS); Rechtschreibung aktualisiert

 

EINE ÜBUNG ZUM EINSTIEG: KRAFT SCHÖPFEN

Stellen Sie sich doch einfach mal auf den Balkon, oder gehen Sie in den Park oder Wald. Genießen Sie die frische Luft. An einem schönen Platz stellen Sie sich gemütlich hin, suchen sich die Sonne oder – wenn es Nacht ist – den Mond, und strecken ihm die Arme entgegen. Die Handinnenflächen weisen dabei nach oben, und der linke Arm ist etwas höher als der rechte.

Atmen Sie so, wie Ihr Körper atmen möchte, ohne zu stocken. Wenn Sie keine Lust mehr dazu haben, nehmen Sie die Arme wieder herunter, entspannen sich kurz und gehen weiter. Bemerken Sie eine Veränderung? Behalten Sie sie in Ihrem Gedächtnis.

Wenn die Runen rufen

Es gibt Menschen, die interessieren sich ihr Leben lang nicht für Runen. Einige wenige stolpern jedoch auf ihrem Lebensweg über alte, archaische Zeichen, bewundern die Geometrie einer Bienenwabe, kommen ins Nachdenken, betrachten fasziniert Fachwerkhäuser und deren Strukturen, und eines Tages stoßen sie auf ein Buch über Runen, einen Artikel in einer Zeitschrift oder was auch immer. Plötzlich sind sie da, zum ersten Mal: DIE RUNEN. Und sie kommen wieder, manchmal schnell, manchmal langsam, teilweise ganz sanft, oft stark und heftig. Doch sie gehören nicht zu den Systemen, die man günstig auf dem esoterischen Flohmarkt kaufen kann, sie wollen einen Wegezoll, wenn man ihnen begegnet: Sie fordern die Bereitschaft des Suchenden, sich und seine Welt, seine bekannten und vertrauten Systeme infrage zu stellen, sie fordern eine unerbittliche Offenheit gegenüber dem Leben in all seinen Formen.

Irgendwann kommt in jedem von uns die Zeit dieser Offenheit, und dann ist es so weit: Der Ruf wird mit einem Ruf beantwortet, und die Suche beginnt. Vorher hat es gar keinen Sinn, sich die Mühe zu machen, etwas über Runen, über die Geheimnisse unserer germanischen Vorfahren erfahren zu wollen, was über ein wissenschaftliches Verständnis hinausginge: Der erlernte Stoff bliebe trocken wie Erde ohne Regen, unfruchtbar. So entstanden viele hochgeistige Runen-Weisheitslehren, die in den Regalen der Gelehrten verstauben. Runen wollen gelebt werden, belebt sind sie schon.

Der empfangene Ruf geht mit einer großen Neugier einher: Was bedeuten diese Zeichen? Was hat es mit ihnen auf sich? Woher kommen sie? Was kann man alles damit machen? Warum sind sie so überliefert und nicht anders? Tausende von Fragen treiben plötzlich aus dem scheinbaren Nichts in unser Leben und stellen sich vor. Wenn wir auch bereit dazu sind, uns ihnen zu stellen, geht die Runen-Reise los.

Am liebsten möchte man gleich mit ihnen arbeiten, sie anwenden, sie spüren – aber es braucht davor ein wenig (und ich bemühe mich, es so kurz wie möglich zu gestalten) an Vorwissen, das theoretisch daherkommen muss.

Was sind Runen?

Das Wort »Rune« bedeutet »Geheimnis«. Ein Geheimnis bergen die Runen auf alle Fälle, manchmal sogar nicht nur eines, sondern ganz viele. In ihnen stecken die Geheimnisse des Werdens, des Seins und des Vergehens.

Zunächst sind Runen Sinnbilder. Man kann sie als Zeichen für bestimmte Wesenheiten, Handlungen oder Lebensumstände betrachten, die als Sinnbild für sich sprechen.

Sie können aber auch als Buchstaben eingesetzt werden, und wir können unseren Namen oder einen Liebesbrief damit schreiben. In der Untergrundbewegung Norwegens wurden sie im Zweiten Weltkrieg gern als Geheimschrift verwendet.

Runen sind:

•  Sinnbild

•  Schriftzeichen

•  Energieträger

•  Lautwert

•  Zauberzeichen

»Futhark« – was bedeutet das?

Eine Runen-Reihe wird »Futhark« genannt. Das erklärt sich aus der Abfolge der Schriftzeichen und ihres Lautwertes:

• Fehu – f

• Uruz – u

• THurisaz – T

• Ansuz – a

• Raidho – r

• Kenaz – k

Was man mit Runen machen kann

Alles. Grenzen setzt uns nur die eigene Fantasie. Die Runen sind ein allumfassendes System und lassen sich ebenso einsetzen.

Woher kommen die Runen?

Das ältere Futhark (bestehend aus 24 Runen – Abb. siehe Anhang), mit dem wir in diesem Buch arbeiten werden, war von 200 v. u. Z.1 bis 500 u. Z.2 die allgemeingültige Form. Im Volk überlebte es bis ins späte Mittelalter.

Das jüngere Futhark (bestehend aus 16 Runen – Abb. siehe Anhang) entwickelte sich um 700 u. Z. und war um 800 abgeschlossen. Diese wunderliche Verkürzung einer Reihe von Schriftzeichen liegt nach Meinung mancher Runen-Forscher darin begründet, dass durch die Christianisierung unseren Vorfahren die Kraft genommen werden sollte und man aus diesem Grund die Runen-Reihe zurechtstutzte.

Das anglo-friesische Futhark (bestehend aus 33 Runen – Abb. siehe Anhang) überdauerte die Christianisierung und war bis ins 10. Jahrhundert gebräuchlich.

Das Armanen-Futhark mit seinen 18 Runen (Abb. siehe Anhang) ist eine künstliche Erfindung des Guido von List. Da der um 1920 lebende List sich unbedingt das Runen-Lied Odins mit seinen 18 Strophen erklären wollte, schuf er ein entfremdetes Futhark und begründete darauf seine esoterischen Schauungen. Da es sich hierbei nicht um ein ursprüngliches System handelt, werde ich auch nicht näher darauf eingehen. Leider treffen wir es auch heute in Büchern, die Runen behandeln, immer wieder als ernst genommenes und vermeintlich echtes System an.

Der tatsächliche Ursprung der Runen liegt wissenschaftlich noch immer im Dunkeln. Es gibt verschiedene Theorien, die jedoch alle nicht sehr überzeugend sind. Eine davon besagt, dass im zweiten Jahrhundert Zimbern und Teutonen die italienische Halbinsel eroberten, dort mit dem nordetruskischen und lateinischen Alphabet in Berührung kamen, die wichtige Bedeutung der Schrift erkannten und nach diesem Vorbild die Runen schufen. Diese Theorie lässt unsere Vorfahren als einfalls- und kulturlose Barbaren erscheinen, was sich jedoch im Hinblick auf ihre Kunst als unglaubwürdig herausstellt.

In unserem Kulturgebiet ist es schwierig herauszufinden, woher die Runen kommen und welchen Einflüssen sie in all den Epochen unterworfen waren. In Deutschland fand eine Hochzeit zwischen dem Kulturgut des Südens und dem des Nordens statt, wovon die Runen und ihre Bedeutung sicherlich beeinflusst wurden.

Für die magische Arbeit ist es nicht von großem Interesse, woher die Runen kommen – sie sind da und das laut der nordischen Göttergeschichte bereits vor Anbruch der Menschenwelt.

Von großer Bedeutung hingegen ist die Feststellung, dass es sich bei den Runen um Zeichen handelt, die aus einer magisch-bildlichen Tradition heraus entstanden und nicht aus einer sprachlichen. Wir finden in der Frühzeit überall in Europa Felszeichnungen, mit denen man versuchte, wichtige Ereignisse symbolisch festzuhalten.

Die Runen bergen eine starke Kraft, die auf der Gefühlsebene wirkt und auch bei Menschen, die keinerlei Ahnung von Runen haben, ihre Wirkung zeigt. Ich erinnere hier an das Zeichen der amerikanischen Notarztwagen (h – Hagalaz), das Andreaskreuz (g – Gebo) vor Bahnübergängen und die Schutzzeichen in Form der Eiwaz-Rune e an vielen Häusern, welche die Bewohner vor Feuer und unerwünschtem Besuch aus der Unterwelt bewahren sollen. Auch die Kirche hat sich der Runen-Kraft bedient, indem sie aus Wunjo und Gebo eine Binderune schuf – heute bekannt als Zeichen des PAX CHRISTI .

Auch in alten Fachwerkhäusern finden wir Runen-Formen wieder, mit denen man damals die Bewohner segnen und schützen wollte.

Der Suchende muss hierbei jedoch zwischen einem zielgerichteten Einsatz und Kunst am Bauwerk zu unterscheiden verstehen. Nicht alles, was wie eine Rune aussieht, ist auch als solche eingesetzt worden.

Meine Antwort auf die Frage, woher die Runen kommen, mag etwas aus dem üblichen Rahmen fallen und vor allem unwissenschaftlich erscheinen, doch vielleicht hilft sie dem einen oder anderen Leser bei seinen eigenen Gedankengängen weiter: In früheren Zeiten war der Gebrauch von Schrift, wie wir ihn heute kennen, nicht üblich. Wissen wurde nach altem Brauch durch Erzähler weitergegeben und durfte nicht niedergeschrieben werden. Dies hatte seinen Grund: Der Mensch ist buchstabengläubig und glaubt oft erst, wenn er etwas schwarz auf weiß vor sich sieht. Er hält sich dann an diesem Wissen fest, und zweifelt ihn jemand an, beruft er sich auf diese Schriften; sie geben ihm die Sicherheit für seine Meinung und Ansicht. Er wird durch diese Abhängigkeit jedoch sehr starr und kann Verantwortung leicht abgeben. Dies lag jedoch nicht im Sinne unserer Vorfahren und führt auf einem magischen oder spirituellen Weg nicht sonderlich weit.

Ein magisch handelnder Mensch ist selbst verantwortlich für sein Leben und damit für seine Taten sowie natürlich auch für sein Wissen.