Run - Alex Cross 19 - James Patterson - E-Book

Run - Alex Cross 19 E-Book

James Patterson

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Beschreibung

Lauf um dein Leben, ALEX CROSS!

Der einst angesehene Schönheitschirurg Elijah Creem, polizeibekannt für seine Vorliebe für Drogen und junge Mädchen, sitzt dank Detective Alex Cross im Gefängnis. Während Creem Pläne für ein neues Leben schmiedet, ist Alex bereits mit dem nächsten Fall beschäftigt: In Washington, D.C., werden kurz hintereinander drei grausam verstümmelte Frauenleichen gefunden. Gerüchte über drei skrupellose Serienkiller versetzen die Stadt in Angst und Schrecken. Noch nie stand Alex Cross unter so großem Druck, eine Mordserie aufzuklären, und daher merkt er nicht, dass jemand ihn beobachtet – jemand, dessen Durst nach Rache keine Grenzen kennt …

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Buch

Auch wenn Detective Alex Cross in seinem Beruf schon einiges erlebt hat, kommt es eher selten vor, dass er an eine Tür klopft und ein nacktes Mädchen ihm öffnet. So wie an jenem Abend, als er in eine der wilden Sexpartys des Top-Schönheitschirurgen Elijah Creem hineinplatzt und ihm den Spaß verdirbt. Creem ist nicht nur für seine Fähigkeiten im Operationssaal, sondern auch für seine Vorliebe für minderjährige Tänzerinnen und Drogenexzesse berühmt – und er will um jeden Preis einer Haftstrafe entgehen.

Bevor Alex Cross sich weitere Gedanken um den Fall machen kann, wird eine Frau ermordet in ihrem Auto aufgefunden; ihre Haare wurden ihr brutal abgeschnitten. Kurz darauf wird die Polizei zu einem zweiten Tatort gerufen: Eine tote Frau hängt aus einem Fenster im fünften Stock; ihren Bauch zieren frische Schwangerschaftsspuren. Als eine dritte, grausam verstümmelte Leiche entdeckt wird, versetzen bald schon Gerüchte über drei skrupellose Serienkiller Washington, D.C., in Angst und Schrecken. Noch nie stand Alex Cross unter so großem Druck, eine Mordserie aufzuklären, und so merkt er nicht, dass jemand ihn nicht aus den Augen lässt – jemand, der vor nichts zurückschreckt, um sein Bedürfnis nach Rache zu befriedigen …

Autor

James Patterson, geboren 1949, war Kreativdirektor bei einer großen amerikanischen Werbeagentur. Seine Thriller um den Kriminalpsychologen Alex Cross machten ihn zu einem der erfolgreichsten Bestsellerautoren der Welt. Auch die Romane seiner packenden Thrillerserie um Detective Lindsay Boxer und den »Women’s Murder Club« erreichen regelmäßig die Spitzenplätze der internationalen Bestsellerlisten. James Patterson lebt mit seiner Familie in Palm Beach und Westchester, N. Y.

Von James Patterson bei Blanvalet lieferbar:

Die Alex-Cross-Romane:

Stunde der Rache ∙ Mauer des Schweigens ∙ Vor aller Augen ∙ Und erlöse uns von dem Bösen ∙ Ave Maria ∙ Blood ∙ Dead ∙ Fire ∙ Heat ∙ Storm ∙ Cold ∙ Dark

Der »Women’s Murder Club«:

Der 1. Mord ∙ Die 2. Chance ∙ Der 3. Grad ∙ Die 4. Frau ∙ Die 5. Plage ∙ Die 6. Geisel ∙ Die 7 Sünden ∙ Das 8. Geständnis ∙ Das 9. Urteil ∙ Das 10. Gebot ∙ Die 11. Stunde

James Patterson

RUN

Thriller

Aus dem Amerikanischen von Leo Strohm

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Die amerikanische Originalausgabe erschien 2013 unter dem Titel Alex Cross, Run bei Little, Brown and Company, Hachette Book Group, New York

1. AuflageTaschenbuchausgabe Februar 2016 bei Blanvalet, einem Unternehmen der Verlagsgruppe Random House GmbH, MünchenCopyright © der Originalausgabe 2013 by James PattersonPublished by arrangement with Little, Brown and Company, New York, USA. All rights reserved.Umschlaggestaltung: © Johannes Wiebel | punchdesignUmschlagmotiv: © Silas Manhood PhotographyRedaktion: Gerhard Seidl, text in formHerstellung: samSatz: Uhl + Massopust, AalenISBN: 978-3-641-11402-2V001www.blanvalet.de

Prolog

Jung sterben und gut aussehen

1Es passiert mir nicht so oft, dass ich an eine Tür klopfe und mir ein nacktes Mädchen öffnet.

Verstehen Sie mich nicht falsch – ich habe zwanzig Jahre Polizeiarbeit auf dem Buckel, da kommt so etwas gelegentlich schon mal vor. Nur eben nicht so oft.

»Seid ihr die Kellner?«, erkundigte sich das Mädchen. Ihre Augen glänzten, aber ihr Blick war leer. Für mich war die Sache klar: Ecstasy. Außerdem roch es in der ganzen Wohnung nach Gras. Dazu die wummernde Musik, dieser erbarmungslose Techno-Stampf, der, wenn ich ihn längere Zeit hören müsste, in mir den dringenden Wunsch wecken würde, mir die Pulsadern aufzuschlitzen.

»Nein, wir sind nicht die Kellner«, erwiderte ich und zeigte ihr meine Dienstmarke. »Metro Police. Sie sollten sich etwas anziehen, und zwar sofort!«

Sie ließ sich nicht aus dem Konzept bringen. »Eigentlich sollten doch jetzt Kellner kommen«, brabbelte sie vor sich hin. Es machte mich traurig und ekelte mich gleichzeitig an. Dieses Mädchen sah so aus, als würde sie noch auf die Highschool gehen, aber die Männer, die wir hier festnehmen wollten, waren alt genug, um ihr Vater zu sein.

»Sehen Sie sich ihre Kleider an, bevor sie sich anzieht«, sagte ich zu einer der Beamtinnen, die ich mitgebracht hatte. Das ganze Team bestand aus mir selbst, fünf Streifenbeamtinnen und -beamten, einer Vertreterin des Jugendamts, drei Detectives aus dem Sittendezernat und drei aus dem zweiten Bezirk, darunter auch mein Freund John Sampson.

Der zweite Bezirk, das ist Georgetown, also für die Sitte ein eher ungewöhnlicher Einsatzort. Es ging um eine weiß getünchte Backsteinvilla in der N Street, wie es hier in dieser Gegend viele gab. Der Marktwert lag schätzungsweise bei etwas über fünf Millionen. Die Villa war vermietet und die Miete für sechs Monate im Voraus bezahlt worden – das war so üblich –, aber die diversen Dokumente hatten uns zu einem gewissen Dr. Elijah Creem geführt, einem der derzeit gefragtesten Schönheitschirurgen in Washington, D. C. Soweit wir es bisher beurteilen konnten, war Creem der Finanzier dieser »Kennenlernpartys«, während sein Partner, Josh Bergman, den Augenschmaus beisteuerte.

Bergman war der Besitzer von Cap City Dolls, einer legalen Modelagentur mit Sitz in der M Street. Allerdings gab es zahlreiche Gerüchte, die besagten, dass er im illegalen Mädchenhandel ein zweites Standbein hatte. Die ermittelnden Behörden waren sich ziemlich sicher, dass Bergman nicht nur seine Agentur unterhielt, sondern gleichzeitig auch Stripteasetänzerinnen, Escortdamen, Masseusen und »Pornotalente« vermittelte. So wie ich es momentan einschätzte, war das Haus im Augenblick voller »Talente«, alle mehr oder weniger achtzehn Jahre alt. Eher weniger.

Ich konnte es kaum erwarten, die beiden Drecksäcke auffliegen zu lassen.

Unsere Überwachungsteams hatten Creem und Bergman heute Abend gegen sieben Uhr in der Minibar in der Innenstadt von Washington gesichtet. Ab halb zehn waren sie dann hier im Partyhaus gewesen. Jetzt mussten wir sie nur noch ausräuchern.

Hinter dem abgeschlossenen Foyer war die Party in vollem Gang. Flur und Wohnzimmer waren dicht gefüllt. Queen-Anne-Möbel und Parkettfußböden einerseits und andererseits halb nackte, völlig durchgeknallte Jugendliche, die zur Musik tanzten und aus Plastikbechern tranken.

»Ich will, dass ihr alle hier im Zimmer festnehmt«, rief Sampson einem der Streifenbeamten zu. »Wir haben eine Durchsuchungsanordnung für dieses Haus, also sucht. Nach Drogen, Bargeld, Kontoauszügen, Terminkalendern, Handys, einfach nach allem. Und schaltet endlich diesen gottverdammten Krach aus!«

Wir ließen das halbe Team im vorderen Teil des Hauses und nahmen den Rest mit nach hinten, wo die Party noch weiterging.

In der offenen Küche wurde an einer riesigen Kücheninsel mit Marmorplatte anscheinend gerade Strip-Poker gespielt. Jedenfalls standen dort ein halbes Dutzend gut gebauter Männer und ungefähr doppelt so viele Mädchen in Unterwäsche herum, hielten Karten in der Hand, tranken und ließen den einen oder anderen Joint kreisen.

Als wir eintraten, zuckten einige zusammen. Ein paar Mädchen versuchten, kreischend zu flüchten, doch wir hatten die Ausgänge bereits blockiert.

Irgendwann schaltete jemand die Musik aus.

»Wo stecken Elijah Creem und Joshua Bergman?«, fragte Sampson mit lauter Stimme. »Der Erste, der mir eine ehrliche Antwort gibt, kriegt einen Freifahrtschein nach draußen.«

Ein mageres Mädchen in einem schwarzen Spitzen-BH und einer abgeschnittenen Jeans deutete auf die Treppe. Ihr Brustumfang legte, wenn man sich den Rest ihres Körpers betrachtete, den Schluss nahe, dass sie schon mindestens einmal unter Dr. Creems Messer gelegen hatte.

»Da oben«, sagte sie.

»Blöde Ziege«, knurrte jemand mit gedämpfter Stimme.

Sampson winkte mir mit dem gekrümmten Zeigefinger zu, und wir gingen nach oben.

»Kann ich jetzt gehen?«, rief uns das Mädchen hinterher.

»Wir sehen erst mal nach, ob es auch stimmt«, erwiderte Sampson.

Der Flur im ersten Stock war leer. Die einzige Lichtquelle war eine einsame Sturmlampe mit einer elektrischen Glühbirne auf einem glänzenden, alten Tisch nahe der Treppe. An der Wand hingen Reiterporträts. Ein langer Orientläufer führte bis zu einer geschlossenen Doppeltür am hinteren Ende des Flurs. Dahinter dröhnte ebenfalls laut wummernde Musik, die allerdings etwas älter war als unten. Talking Heads, »Burning Down the House«:

Watch out, you might get what you’re after.

Cool babies, stranger but no stranger.

Außerdem war Gelächter zu hören. Und zwei verschiedene Männerstimmen.

»Genau so, Süßer. Noch ein bisschen näher. Und jetzt zieh ihr das Höschen runter.«

»Oh Mann, ja, genau, das nenne ich mal hervorragende Perspektiven.«

Sampson sah mich an, als müsste er gleich entweder kotzen oder jemanden umbringen.

»Los geht’s«, sagte er, und wir machten uns auf den Weg den Flur entlang.

2»Polizei! Wir kommen jetzt rein!«

Sampsons Stimme übertönte alles andere. Er hieb einmal fest mit der Faust gegen die getäfelte Mahagonitür – das war seine Interpretation der Dienstvorschriften über die ordnungsgemäße Ankündigung vor dem Betreten eines Zimmers – und stieß sie auf.

Elijah Creem stand direkt hinter der Tür. Er sah genauso beherrscht aus wie auf den Bildern, die ich von ihm gesehen hatte – zurückgegelte blonde Haare, kantiges Kinn mit Grübchen, makelloses Erscheinungsbild.

Er und Bergman waren angezogen. Die drei anderen eher nicht. Bergman hatte ein iPhone in der Hand und filmte die kleine Ménage-à-trois, die sie auf dem riesigen Bauernbett arrangiert hatten.

Ein Mädchen lag flach auf dem Rücken. Ihr BH war vorn offen, und der pinkfarbene Stringtanga baumelte ihr um die Knöchel. Außerdem trug sie eine durchsichtige Atemmaske, die über einen Schlauch mit einer großen grauen Metallflasche neben dem Bett verbunden war. Der Junge, der auf ihr lag, war abgesehen von der schwarzen Augenbinde splitterfasernackt, während das zweite Mädchen über ihm stand und das Ganze mit einer kleinen Digitalkamera ebenfalls filmte.

»Was zum Teufel soll denn das?«, fragte Creem.

»Genau das wollte ich Sie auch gerade fragen«, sagte ich. »Keine Bewegung.«

Jetzt starrten uns alle mit großen Augen an, nur das Mädchen mit der Maske nicht. Sie schien insgesamt nicht mehr allzu viel mitzubekommen.

»Was ist in der Gasflasche?«, wollte ich wissen, während Sampson zu ihr ans Bett trat.

»Lachgas«, antwortete Creem. »Regen Sie sich nicht auf. Ihr geht es gut.«

»Arschloch«, sagte John und nahm dem Mädchen die Maske ab.

Die Wirkung von Lachgas hält normalerweise nicht sehr lange an, aber ich ging felsenfest davon aus, dass diese Teenager noch ganz andere Sachen geschluckt hatten. Auf dem Nachttisch lagen etliche blaue Tabletten – schätzungsweise XTC. Daneben standen ein paar braune Glasfläschchen, vermutlich Amylnitrit, und eine halb leere Flasche Cuervo Reserva.

»Hören Sie«, sagte Creem gelassen und blickte mir in die Augen. Es deutete alles darauf hin, dass er der Chef des Ganzen war. »Sehen Sie den Aktenkoffer da hinten in der Ecke?«

»Elijah? Was hast du vor?«, sagte Bergman, aber Creem zeigte keine Reaktion. Er fixierte mich immer noch, als wären wir die einzigen beiden Menschen im Zimmer.

»In dieser Tasche liegt ein Briefumschlag mit dreißigtausend Dollar«, sagte er. Dann ließ er den Blick ganz betont von einer braunen Ledermappe auf der alten Kommode zu einem der drei Fenster am hinteren Ende des Zimmers wandern. Die ausgefransten Gardinen waren zwar zugezogen, aber es war ziemlich eindeutig, worauf er hinauswollte.

»Was würden Sie sagen, wie viel Vorsprung kann ich mir für dreißigtausend Dollar kaufen?«, sagte er. Er wirkte unglaublich cool. Und arrogant. Ich glaube, er ging wirklich fest davon aus, dass ich anbeißen würde.

»Sie sehen mir nicht so aus wie der Typ, der aus dem Fenster klettert, Creem«, sagte ich.

»Normalerweise nicht, da haben Sie recht«, erwiderte er. »Aber wenn Sie wissen, wer ich bin, dann wissen Sie auch, dass für mich eine ganze Menge auf dem Spiel steht – meine Familie, meine Praxis …«

»Sechseinhalb Millionen Dollar Umsatz allein im letzten Jahr«, sagte ich. »Wenn unsere Unterlagen stimmen.«

»Und dann ist da natürlich noch mein Ruf, der in dieser Stadt absolut unbezahlbar ist. Also, was meinen Sie, Detective? Schlagen Sie ein?«

Ich sah ihm an, dass er in Gedanken schon halb zum Fenster draußen war. Dieser Mann war es gewohnt, das zu bekommen, was er haben wollte.

Andererseits … ich war kein siebzehnjähriges Mädchen mit einem nur mäßig ausgeprägten Selbstbewusstsein.

»Ich glaube, mein Partner hat vorhin schon den passenden Begriff gefunden«, sagte ich. »Wie war das noch mal, John?«

»Ich glaube, so was wie Arschloch«, sagte Sampson. »Wie alt sind diese Kinder hier eigentlich, Creem?«

Zum ersten Mal schien Dr. Creems überlegene Fassade Risse zu bekommen. Sein dämliches Grinsen verschwand aus seinem Gesicht, und seine Blicke huschten immer schneller hin und her.

»Bitte«, sagte er. »Ich kann Ihnen noch mehr Geld anbieten. Viel mehr. Wir können uns doch ganz bestimmt einigen. Bestimmt!«

Aber ich hatte schon jetzt die Schnauze voll von ihm. »Sie haben das Recht zu schweigen …«

»Ich will wirklich nicht betteln.«

»Dann lassen Sie’s bleiben. Alles, was Sie sagen, kann und wird vor Gericht gegen Sie verwendet …«

»Um Gottes willen, Sie stürzen mich in den Ruin! Kapieren Sie das denn nicht?«

Schon sein Narzissmus war absolut schwindelerregend. Aber noch schlimmer war, dass er nicht die geringste Ahnung zu haben schien, was er hier eigentlich angerichtet hatte.

»Nein, Herr Dr. Creem«, sagte ich, während ich ihn herumdrehte und ihm Handschellen anlegte. »Das haben Sie bereits selbst erledigt.«

3Auf den Tag genau zwei Monate, nachdem Elijah Creem mit diesem unglücklichen Skandal Schlagzeilen gemacht hatte, war er bereit, den nächsten Schritt zu tun. Einen großen Schritt. Es war schon verblüffend, was man mit ein wenig Zeit, einem guten Rechtsanwalt und einem Haufen Geld alles erreichen konnte.

Natürlich war er noch keineswegs aus dem Schneider. Und das Geld würde auch nicht ewig reichen. Nicht, wenn es nach Miranda ging. Mit ihr hatte er zurzeit nur über ihren Rechtsanwalt Kontakt. Und seitdem die zukünftige ehemalige Mrs. Creem auch Chloe und Justine zu ihren Eltern nach Newport mitgenommen hatte, hatte er die beiden Mädchen kein einziges Mal mehr zu Gesicht bekommen. Der Rechtsanwalt hatte ihm ausgerichtet, dass sie das Schuljahr dort zu Ende bringen würden.

Das Schweigen der Mädchen war ohrenbetäubend. Seine drei blonden Schönheiten – Miranda, Justine und Chloe – hatten ihm den Rücken zugekehrt, ganz mühelos, als hätten sie nur eine Tür zugemacht.

Und seine Praxis hatte keine einzige Patientin mehr gesehen, seitdem herausgekommen war, dass Dr. Creem – oder Dr. Creep, also »Dr. Scheusal«, wie er in etlichen der unfeineren Gazetten genannt wurde – bei mehr als nur einer von Joshua Bergmans bedauerlicherweise minderjährigen Schutzbefohlenen im Tausch gegen sexuelle Dienstleistungen chirurgische Eingriffe durchgeführt hatte. Das und die kleine Videosammlung auf Creems privatem Computer waren dafür verantwortlich, dass die Gefahr einer Gefängnisstrafe immer noch ausgesprochen realistisch war, vorausgesetzt, die ganze Angelegenheit kam irgendwann einmal vor den Richter.

Aber genau aus diesem Grund hatte Elijah Creem nicht vor, es so weit kommen zu lassen. Wie lautete noch mal dieser alte Spruch? Heute ist der erste Tag vom Rest deines Lebens?

Oh ja, ganz genau. Dafür würde er schon sorgen.

»Ich kann nicht ins Gefängnis gehen, Elijah«, sagte Joshua am anderen Ende der Leitung. »Und ich meine damit nicht, dass ich nicht will. Sondern, dass ich nicht kann. Ich glaube echt nicht, dass ich den Knast überleben würde.«

Creem legte die Hand über seinen Bluetooth-Ohrhörer, damit er seinen Gesprächspartner besser verstehen und von den Passanten auf der M Street weniger gut belauscht werden konnte.

»Immer noch besser du als ich, Joshua. Du hast zumindest was für Schwänze übrig.«

»Ich meine es ernst, Elijah.«

»Und ich mache nur Spaß. Glaub mir, ich finde die Aussicht genauso wenig verlockend wie du. Darum lassen wir’s ja erst gar nicht so weit kommen.«

»Wo steckst du eigentlich?«, wollte Bergman wissen. »Deine Stimme klingt so komisch.«

»Das liegt an der Maske«, erwiderte Creem.

»Maske?«

»Ja. Das will ich dir doch die ganze Zeit klarmachen. Unsere Pläne haben sich ein wenig geändert.«

Die Maske war ein kunstvoll gestaltetes Stück Latex, das man von einer menschlichen Vorlage abgenommen hatte. Der allerneueste Schrei. Creem hatte seit dem Beginn des Skandals, als sein Gesicht zu einer Art öffentlichen Ärgernisses geworden war, damit herumexperimentiert. Als er jetzt am Schaufenster von Design Within Reach vorbeiging, hätte er sich wirklich selbst kaum erkannt. Denn was er da sah, war ein hässlicher alter Mann – teigige Haut, eingefallene Wangen und ein paar bedauernswerte, vereinzelte, trockene silbergraue Haare auf einem Schädel voller Leberflecken. Es war eigentlich ein durch und durch spektakulärer Anblick. In gewisser Weise sogar von poetischer Größe. Der alte Mann im Spiegelbild sah genauso abgewrackt aus, wie Dr. Creem sich zurzeit fühlte.

Ein dunkles Brillengestell kaschierte die Augenöffnungen. Und die Lippen waren zwar eng und ziemlich unangenehm, lagen aber andererseits so fest an, dass er damit wirklich sprechen, trinken, essen und auch sonst alles machen konnte, was er wollte.

»Ich wollte es dir erst erzählen, wenn ich mir sicher bin, dass es funktioniert«, sagte Creem zu Bergman, »aber ich habe eine Überraschung für dich.«

»Eine Überraschung? Was denn für eine Überraschung?«

»Joshua, erinnerst du dich noch an Fort Lauderdale?«

Die Antwort ließ etliche Zeit auf sich warten.

»Natürlich«, sagte Bergman schließlich leise.

»Frühjahr 1988.«

»Wie gesagt, ich erinnere mich gut daran«, zischte Bergman, doch dann wurde seine Stimme wieder weicher. »Wir waren doch ahnungslose Schwachköpfe damals.«

»Ich weiß, es ist eine ganze Weile her«, sagte Creem. »Aber ich habe viel darüber nachgedacht, und ich bin nicht bereit, einfach lautlos abzutreten. Wie sieht es mit dir aus?«

»Nein, natürlich nicht«, erwiderte Bergman. »Aber du warst doch derjenige, der …«

»Ich weiß, was ich gesagt habe. Aber das ist lange her. Und jetzt ist jetzt.«

Creem hörte, wie sein Freund langsam und lange Luft holte.

»Mein Gott, Elijah«, sagte er dann. »Ehrlich?«

Seine Stimme klang ängstlich, aber nicht nur das. Sie klang auch aufgeregt. Trotz seiner Schüchternheit hatte er schon immer auch ein paar wunderbar verkorkste Züge gehabt. Die Morde hatten ihn zum Beispiel immer mehr erregt als Creem.

Für Creem hatten sie in erster Linie reinigende Wirkung gehabt, waren Mittel zum Zweck gewesen. Aber jetzt, hier und heute hatte er etwas völlig Neues im Sinn.

»Dann … willst du es jetzt also tun?«, sagte Bergman.

»Ganz genau«, erwiderte Creem.

»Und wann genau?«

»In dieser Sekunde. Ich warte gerade darauf, dass sie rauskommt.«

»Und? Kann ich zuhören?«

»Natürlich«, meinte Creem. »Was glaubst du denn, wieso ich angerufen habe? Aber still jetzt. Da ist sie.«

4Creem stand in der Potomac Street und beobachtete den Eingang des Down Dog Yoga auf der gegenüberliegenden Straßenseite. Der Kurs um Viertel vor acht war gerade zu Ende. Als eine der Ersten kam Darcy Vickers heraus, eine groß gewachsene, wohlproportionierte Blondine.

Mit ihrer Größe und ihrer Haarfarbe hatte er nichts zu tun, aber was die Formen anging, die hatte sie voll und ganz ihm zu verdanken. Darcys üppiger Busen, die perfekt symmetrisch geschwungenen Augenbrauen und Lippen sowie die wunderbar gestalteten Oberschenkel gehörten mit zum Besten, was Dr. Creem je geschaffen hatte.

Nicht dass Darcy Vickers sich jemals auch nur ansatzweise dankbar gezeigt hätte. Aus ihrer Sicht bestand die ganze Welt nur aus ihren persönlichen Lakaien. Sie war ein ziemlich typisches Exemplar für eine Lobbyistin, wie sie zu Tausenden in den Agenturen und Büros in Washingtons K Street saßen und ihre Strippen zogen, ausgestattet mit übergroßen Ansprüchen und dem verzweifelten Bedürfnis, so lange wie irgend möglich so schön wie irgend möglich zu sein.

Das kam ihm alles sehr bekannt vor. Fast wie zu Hause, um genau zu sein.

Er wartete vor Dean & Deluca, während sie nach drinnen hastete und sich irgendetwas bestellte, was Frauen wie sie eben heutzutage zu essen geruhten. Er sah, wie sie die Schlange an der Kasse aufhielt, weil sie vollkommen gedankenlos auf ihrem Handy telefonierte. Dann überquerte er erneut die Straße und verfolgte sie durch eine heimelige Kopfsteinpflastergasse bis zu dem Parkhaus, wo sie ihren BMW abgestellt hatte.

Er brauchte gar nicht besonders viel Abstand zu halten. Schließlich war er bloß ein alter Knacker mit Anorak und Gesundheitsschuhen – praktisch unsichtbar für die Darcy Vickers dieser Welt. Im menschenleeren dritten Stock des Parkhauses angekommen, lagen keine sieben Meter mehr zwischen ihm und ihr.

Darcy drückte auf die Taste eines Senders, und der Kofferraum des BMW sprang mit leisem Ploppen auf. Das war sein Startsignal.

»Entschuldigung – Miranda?«, sagte er ein klein wenig zögerlich.

»Tut mir leid, nein«, erwiderte Darcy und legte, ohne ihn eines Blickes zu würdigen, ihre Einkaufstüte und die lilafarbene Yogamatte in den Kofferraum.

»Komisch«, sagte er. »Sie sehen ihr sehr ähnlich.« Als die Frau nicht reagierte, kam er noch ein bisschen näher, überschritt die unsichtbare Grenze der persönlichen Sphäre. »Ehrlich gesagt, Sie sehen fast genauso aus wie sie.«

Als sie sich jetzt umdrehte, war ihr der Ärger deutlich ins Gesicht geschrieben, trotz Botox.

»Hören Sie«, sagte sie. »Ich möchte keinesfalls unhöflich sein …«

»Willst du doch nie, Miranda.«

Er streckte die Hand nach ihr aus, und sie wollte ihn abwehren. Aber Dr. Creem war stärker als der alte Mann, als der er sich gab. Und auch stärker als Darcy Vickers. Er legte ihr die linke Hand auf den Mund, damit sie nicht schreien konnte.

»Ich bin’s, Süße«, flüsterte er. »Dein Ehemann. Und keine Angst. Es ist alles vergeben und vergessen.«

Er verharrte gerade lange genug, bis Verblüffung sich in ihrem Blick zeigte, dann rammte er ihr das Steakmesser in den Unterleib. Ein Skalpell wäre natürlich auch sehr gut gewesen, aber es war wohl klug, zunächst einmal auf alles zu verzichten, was mit seinem Beruf zusammenhing.

Sämtliche Luft schien aus Darcy Vickers’ Lunge zu entweichen, und sie kippte nach vorn, knickte in der Mitte ein. Es dauerte eine Weile und war ziemlich mühsam, das Messer wieder herauszuziehen, aber dann kam die Klinge schlagartig frei.

Mit einer schnellen Fußbewegung trat Creem ihr gegen die Knöchel und hob sie in den Kofferraum. Sie wehrte sich nicht einmal. Ließ nur ein paar gurgelnde Geräusche hören und dann ein paar stockende, unvollendete Atemzüge.

Er beugte sich dicht über sie, damit Bergman am anderen Ende der Telefonleitung alles mitbekam. Dann stach er noch einmal zu, dieses Mal in die Brust. Und schließlich noch ein drittes Mal weiter unten, wobei er mit einer geschmeidigen, L-förmigen Bewegung die Oberschenkelarterie öffnete, damit sie wirklich keine Überlebenschance hatte.

Als Nächstes nahm er eine ihrer langen blonden Strähnen in die Hand und schnitt sie mit der gezackten Seite der Klinge ab. Dann noch eine, noch eine und noch eine, bis sie so gut wie keine Haare mehr hatte und nur noch die kahle Kopfhaut zu sehen war. Eine Handvoll behielt er für sich und steckte sie in eine verschließbare Plastiktüte, die restlichen Büschel verstreute er um ihren Körper.

Sie starb genauso hässlich, wie sie gelebt hatte. Und Dr. Creem fühlte sich bereits ein kleines bisschen besser.

Als er fertig war, klappte er den Kofferraum zu und nahm die nächstgelegene Treppe hinunter auf die M Street. Er sagte kein Wort, bis er das Parkhaus verlassen hatte und wieder auf dem Bürgersteig stand.

»Joshua? Bist du noch dran?«

Es dauerte ein paar Sekunden, bis Bergman antwortete: »Ich … ich bin noch dran.« Sein Atem ging in abgehackten, schnellen Stößen, seine Stimme war kaum lauter als ein Flüstern.

»Hast du …« Creem grinste, obwohl er auch ein kleines bisschen angewidert war. »Joshua, hast du etwa onaniert?«

»Nein«, stieß sein Freund eine Spur zu schnell hervor. Bergmans Bedürfnis, Sittlichkeit und Anstand zu wahren, entbehrte unter den gegebenen Umständen nicht einer gewissen Ironie. »Ist es vollbracht?«, erkundigte er sich dann.

»Alles erledigt und unter Dach und Fach«, sagte Creem. »Und du weißt, was das bedeutet.«

»Ja«, erwiderte Bergman.

»Du bist dran, Kumpel. Ich bin so gespannt, ich kann’s kaum erwarten, was du dir ausdenkst.«

Erster Teil

Sieg, Niederlage oder Unentschieden

1Es war der 6. April. Und es war dunkel. Die Morgendämmerung hatte noch nicht eingesetzt. Ron Guidice saß am Steuer seines Wagens und beobachtete das Haus auf der gegenüberliegenden Straßenseite.

Es war nichts Besonderes. Ein einfaches dreigeschossiges, mit weißen Schindeln verkleidetes Holzhaus in der Fifth Street in Southeast Washington. Die Fensterläden konnten eine neue Schicht Farbe vertragen. Und auf der Eingangstreppe hatte jemand fein säuberlich ein kleines Kräuterbeet angelegt.

Hier lebte Alex Cross, zusammen mit seiner Großmutter, seiner Frau und zwei seiner drei Kinder, Janelle und Alex junior alias Ali. Cross’ ältester Sohn Damon war jetzt, während der Frühjahrsferien, auch zu Hause, lebte ansonsten aber in einem Internat. Und dann war da noch so etwas wie ein Pflegekind. Ava Williams. Es war unklar, ob sie irgendwann adoptiert werden würde oder nicht. Da musste Guidice noch ein wenig ausgiebiger nachforschen. Er brachte gerne so viel wie nur möglich über seine Objekte in Erfahrung.

Er hatte ein Dutzend Beamte der Metro Police auf der Liste, deren Tun und Lassen er einigermaßen regelmäßig verfolgte, hauptsächlich, um ihre Aktivitäten vergleichen und einschätzen zu können. Aber Cross war ein spezieller Fall. Alex war derjenige, den Guidice töten wollte.

Nur noch nicht jetzt.

Einen Mann zu töten war nicht weiter schwierig. Jeder Halbtrottel mit einer Pistole konnte einem anderen eine Kugel in den Schädel jagen. Aber einen Mann wirklich zu kennen – seine Schwächen, seine wunden Punkte, und dann sein Leben Stück für Stück auseinanderzupflücken? Das erforderte einen gewissen Aufwand.

Und schließlich, ob Cross es nun wusste oder nicht, hatte er einen aufregenden Tag vor sich.

Guidice beobachtete die Fenster, die zur Straße zeigten, und wartete darauf, dass das Licht anging. Es war genau genommen nicht notwendig, so viel Zeit mit der Beobachtung eines einzigen Objekts zuzubringen, aber es machte ihm Spaß. Er genoss die Stille des frühen Morgens, auch wenn man einfach nur dasitzen und scheinbar bedeutungslose Details wahrnehmen konnte – die Macke in der Betontreppe vor dem Haus, die Energiesparlampe in der Terrassenleuchte. Das alles trug zum Gesamteindruck bei, und man wusste nie, welches winzige Detail am Schluss womöglich eine entscheidende Bedeutung bekommen würde. Er vertrieb sich die Zeit damit, seine Beobachtungen in ein Ringbuch zu notieren.

Dann, kurz nach fünf, war auf der Rückbank ein leises Rascheln zu hören.

»Papa? Müssen wir schon aufstehen?«

»Nein, Süße«, sagte er. Er hielt das Kinn gesenkt und den Blick weiterhin auf das Haus gerichtet. »Schlaf ruhig weiter.«

Emma Lee hatte sich zusammen mit ihrer Lieblings-Barbie, Cee-Cee, in einen Army-Schlafsack gekuschelt. Auf ihrem Kissenbezug prangte ein Bild von Disneys Cinderella. Den hatte sie sich wegen der kleinen helfenden Mäuse ausgesucht, die sie sehr ins Herz geschlossen hatte, warum auch immer.

»Singst du mir ein Lied?«, sagte sie. »›Hush, Little Baby‹?«

Guidice lächelte. Bei ihr hießen die Lieder immer wie die ersten Worte des Textes.

»›Hush, little Baby, don’t say a word‹«, sang er leise. »›Papa’s going to buy you a mockingbird …‹«

In Alex’ Haus ging das Flurlicht an. Durch das Milchglasfenster der Haustür konnte Guidice einen groß gewachsenen, dunklen Schatten die Treppe herunterkommen sehen.

Guidice notierte sich alles, während er weitersang: »›If that mockingbird don’t sing, Papa’s going to buy you a diamond ring …‹«

»Einen echten?«, unterbrach ihn Emma Lee. Wie jedes Mal. Und wie jedes Mal stellte sie ihm dieselbe Frage: »Einen echten Diamantring?«

»Versprochen«, sagte er. »Eines Tages, wenn du älter bist.«

Er drehte sich um und blickte in die sanften, verschlafenen Augen seiner Tochter. Ob es überhaupt möglich war, jemanden mehr zu lieben, als er sie liebte? Wahrscheinlich nicht.

»Leg dich wieder schlafen, Schnuffelbär. Wenn du das nächste Mal aufwachst, sind wir zu Hause.«

2Der erste Anruf traf gegen 14 Uhr in der Zentrale ein.

In einem Parkhaus in Georgetown war eine tote Frau im Kofferraum ihres Wagens gefunden worden. Ziemlich ungewöhnlich für Georgetown, darum war ich noch gereizter als sonst. Ich fuhr mit dem Fahrstuhl in die Tiefgarage des Daly Buildings und setzte mich in meinen Wagen. Unterwegs hatte ich mir noch einen extra großen Kaffee besorgt. Es würde ein verdammt langer Tag werden.

Trotzdem, ganz ehrlich, ich liebe meinen Job. Ich bin froh, dass ich Menschen eine Stimme verleihen kann, die nicht mehr für sich selbst sprechen können, weil ihnen die Stimme genommen wurde. Und zwar, in meinem beruflichen Umfeld, für gewöhnlich auf gewaltsame Art und Weise.

Der Bericht des Polizeibeamten, der als Erster am Ort des Geschehens gewesen war, besagte, dass ein Parkhausangestellter von American Allied Parking in der M Street unter einem BMW einen Fleck entdeckt hatte, der aussah wie getrocknetes Blut. Der BMW gehörte einer gewissen Darcy Vickers. Die Beamten hatten den Kofferraum aufgebrochen, und der Verdacht hatte sich bestätigt. Ms. Vickers war tot, und zwar schon seit geraumer Zeit. Jetzt warteten sie auf jemanden von der Mordkommission, der die Sache übernehmen sollte.

Das war mein Einsatz. Dachte ich zumindest.

Es war ein herrlicher Frühlingstag. Die schönste Zeit des Jahres in Washington. Das National Cherry Blossom Festival war gerade in vollem Gang, und bis jetzt hatte uns weder die erste Welle der hochsommerlichen Luftfeuchtigkeit noch die erste Welle der Sommertouristen erreicht. Ich hatte die Fenster heruntergefahren und Quincy Jones’ Soul Bossa Nova so laut aufgedreht, dass ich mein Handy beinahe überhört hätte.

Das Display verriet mir, dass Marti Huizenga mich sprechen wollte. Sie ist mein Sergeant in der Spezialeinheit für Kapitalverbrechen. Ich drehte die Musik leiser und erwischte sie gerade noch, bevor die Mailbox ansprang.

»Dr. C.«, sagte sie. »Wo stecken Sie gerade?«

»Pennsylvania Avenue, Ecke Twenty-First. Wieso?«

»Gut. Biegen Sie rechts ab auf die New Hampshire Avenue. Wir haben schon wieder eine Leiche. Nach allem, was ich gehört habe, eine fürchterliche Sache.«

»Und da haben Sie sofort an mich gedacht.«

»Logisch. Ich brauche sofort jemanden vor Ort. Es sieht wohl schlimm aus, Alex – eine tote junge Frau, die im fünften Stock zum Fenster raushängt. Möglicherweise ein Selbstmord, aber wir wissen noch nichts Genaues.«

»Sie wollen mich also lieber da haben als in Georgetown?«

»Ich will Sie sowohl da als auch in Georgetown haben«, erwiderte Huizenga. »Zumindest erst einmal. Ich brauche jemanden, der sich beide Örtlichkeiten genau anschaut, und zwar so schnell wie möglich. Und dann können Sie mir sagen, dass es da keinen Zusammenhang gibt. Dass das Ganze bloß ein einziger dummer Zufall ist, okay? Das ist eine ganz höfliche Bitte.«

Huizengas Humor war genauso schwarz, wie meiner gelegentlich sein konnte. Ich arbeitete gerne mit ihr zusammen. Und wir wussten beide, dass der Unterschied zwischen zwei nicht zusammenhängenden Leichen und zwei zusammenhängenden Leichen darin bestand, dass man im ersten Fall achtundvierzig Stunden lang kaum Schlaf bekam und im zweiten Fall gar keinen.

»Ich tue, was ich kann«, versprach ich.

»Vernon Street, zwischen Eighteenth und Nineteenth«, sagte sie. »Ich sage denen vom zweiten Bezirk, dass sie mit dem Parkhaus schon mal ohne Sie anfangen sollen, aber sehen Sie zu, dass Sie so schnell wie möglich da sind.«

Das ist so, als wollte man den Wolken sagen, wann sie anfangen sollen zu regnen. Ich hatte keine Ahnung, wie lange ich bei der ersten Leiche sein würde. Das weiß man nie, bevor man da ist.

Und es wurde der reinste Albtraum.

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