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Seit über 20 Jahren begleitet mich eine buddhistische Meisterin. Lange ignorierte ich ihre Warnungen in Bezug auf meine Kräfte, die ich als Beteiligter von 15 Unternehmen Schritt für Schritt verlor. Sie sah, was vor sich ging – lange bevor ich es mir selbst eingestehen konnte. Der Tag, an dem das Burnout mich aus dem gewohnten Leben warf, war der Beginn einer heilsamen Wandlung in einem buddhistischen Kloster auf Hawaii. Gleichzeitig war es der Start für ein Unternehmen, das sich nicht nur einfach der Gesundheit verschrieb. Ich kehrte mit einem besonderen Produkt nach Europa zurück, um die heilsame Wirkung einer speziellen Rezeptur und Verarbeitung der Papaya möglichst vielen Menschen zugänglich zu machen. Auf dem Weg dorthin stand von Anfang die Frage im Raum, wie ich Sinn und Arbeit, Nachhaltigkeit und unternehmerischen Erfolg sowie biologische Landwirtschaft und fairen Handel miteinander in Einklang bringen konnte. 2004 wurde die Marke Caricol geboren. Nun feiert sie ihr 20-jähriges Bestehen. Dies hier ist eine Unternehmensbiografie über tägliche Herausforderungen und nicht alltägliche Lösungen beim Aufbau einer Marke und eines Unternehmens, bei dem es nur Gewinner und keine Verlierer, kein Greenwashing, sondern erfolgreiche Authentizität gibt. Caricol ist eine Marke, die genauso ungewöhnlich ist wie die Geschichte des Unternehmens und seiner Partner, die dieses Buch porträtiert. Es soll zugleich Weg und Inspiration für eine andere Weltanschauung sein, in der wirtschaftlicher Erfolg und Fairness keinen Widerspruch in sich tragen.
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Seitenzahl: 112
Veröffentlichungsjahr: 2024
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Die Geschichte über Caricol ist die Geschichte einer Marke. Einer Marke, die für eine neue, nachhaltige Art der Unternehmenskultur steht. Einer Marke, die für alle gedacht ist, die Interesse an einem Geschäftsmodell haben, das auf einer anderen Weltanschauung beruht, das auf Haltung und Werten basiert und das Verantwortung für unseren Planeten übernimmt.
Caricol und ich persönlich stehen heute – nach 20 Jahren – für ein radikales Umdenken, für Menschlichkeit und Loyalität, ohne rücksichtsloses Wachstum und ohne die Ausbeutung von Mensch und Umwelt.
Franz Brenner
Die Caricol-Story
„Ich bin der Beweis für das, was mir fehlt.“
Asiatisches Sprichwort
Wir müssen nicht nach Erfolg, Macht und Reichtum streben. Wir alle wollen ein glückliches Leben führen. Aber wie sieht das Rezept dazu aus? Gibt es eines?
01Einleitung
02Am Anfang war das Ende
03Die ersten Tage im Kloster
04Das Kava-Kava-Experiment
05Die ersten Schritte mit dem Papayamus
06Die Geburt der Marke Caricol
07Zertifizierte Bio-Papayas aus Sri Lanka – Fair Trade ohne Kompromisse
08Der Schritt in andere Länder
09Wie Caricol wirkt - eine Reise in die Wissenschaft
10Die Lösung für ein Hautproblem – Caricol-Derma Sensitiv
11Hilfe für den gestressten Magen – Caricol-Gastro
12Die Vereinigung von Hafer und Papaya auf dem Prüfstand
13Und noch etwas Erfrischendes
14Die universellen Gesetze
15Die Geschichte des Sozialen Buddhismus
1620 Jahre Caricol und ein Wunsch für die Zukunft
17Danksagung
Am Anfang war ein Ende. Oft braucht es im Leben erst einen (Schicksals-)Schlag und eine besondere Begegnung, damit sich etwas Grundlegendes ändert und aus den Trümmern unerwartet etwas Neues entstehen kann. Wir haben unser Leben eingerichtet, haben unsere Gewohnheiten, stehen in der Früh auf und gehen unseren Aufgaben nach. Wir erleben Höhen und Tiefen, mal ist es spannend, mal langweilig, mal richtig stressig und manchmal auch entspannt. Mal fühlen wir uns himmelhoch jauchzend oder zu Tode betrübt. Solange im Leben alles „im grünen Bereich“ ist, zerbrechen wir uns den Kopf nur wenig über die Sinnhaftigkeit und die Folgen unseres Handelns für uns selbst und unser Umfeld. In derartigen Phasen sind wir auch nicht sonderlich empfänglich für die Erkenntnisse anderer Menschen oder für andere Weltanschauungen. Denn wir meinen ja, das meiste ohnehin schon zu wissen und ausreichend Erfahrungen gemacht zu haben. Wir sehen überhaupt keinen Grund, uns selbst und unser Leben zu hinterfragen. Es gibt unzählige Unternehmensbiografien, die eine chronologische Erfolgsgeschichte erzählen und verkaufen wollen. Aber ist das überhaupt richtig? Und macht Erfolg glücklich? Ich glaube heute nicht mehr, dass monetärer Erfolg allein glücklich macht. Ich glaube vielmehr, dass sich ein ganzheitlicher Erfolg, der weit über das persönliche Erfolgsempfinden hinausgeht, erst mit innerer Zufriedenheit und sinnvollem Handeln einstellt.
Wahrer Wohlstand ist mehr als monetärer Reichtum! Die primären Zutaten sind harmonische Beziehungen und innerer sowie äußerer Frieden. Um nicht den Eindruck zu erwecken, dass monetärer Wohlstand nicht auch wichtig für ein glückliches Leben ist, möchte ich an dieser Stelle ein gängiges Sprichwort zitieren: Geld macht nicht glücklich, aber es beruhigt. Monetäre Armut ist keine Tugend!
Die Geschichte von Caricol ist die Geschichte einer Marke. Einer Marke, die für eine neue, nachhaltige Art der Unternehmenskultur steht und die für alle gedacht ist, die Interesse an einem Geschäftsmodell haben, das auf einer anderen Weltanschauung beruht, das auf Haltung und Werten basiert, das Verantwortung für unseren Planeten übernimmt. Caricol steht heute, nach 20 Jahren, für ein radikales Umdenken. Es steht für Menschlichkeit und Loyalität, für Umweltschutz statt Ausbeutung von Mensch sowie Natur und es steht für Beziehungen, nicht hingegen für rücksichtsloses Wachstum. Doch bevor Caricol zu dem wurde, was es heute ist, musste erst eine vermeintlich heile Welt zusammenbrechen. Meine alte Welt. Den Abgrund vor Augen, ohne zu wissen, ob und wie es weitergehen würde, war nichts mehr, wie es gestern noch gewesen war. Was gestern noch selbstverständlich gewesen war, machte am nächsten Morgen keinen Sinn mehr. Was gestern noch ging, war plötzlich unmöglich geworden. Was war passiert? Warum ging nichts mehr? Und wie konnte ich es dennoch schaffen, nur zwei Jahre nach einem Burnout ein völlig neues Unternehmen aufzubauen, das heute, nach 20 Jahren, sein Jubiläum feiert, eine nachweislich heilende Rezeptur aus der Papaya-Frucht in mittlerweile 15 Ländern vertreibt, Landwirte fair bezahlt, biologisch anbaut und den überwiegenden Teil seiner Gewinne einem Kloster zukommen lässt, in dem Menschen geleitet und geführt werden, ihr wahres Selbst zu finden? Begleiten Sie mich auf eine kleine Reise durch die Geschichte von Caricol. Denn manchmal muss vor einem Anfang erst ein Ende stehen.
Begebe ich mich in jene Zeit zurück, in der ich mich rückblickend als egoistisch und ausgrenzend meinem gesamten Umfeld gegenüber wahrnehme, war der letzte Schuss vor den Bug Rettung und Segen zugleich. Was hat mich und meinen damaligen Partner, der nicht so viel Glück hatte, rechtzeitig die Reißleine zu ziehen, seinerzeit angetrieben, mit 38 Jahren eine Firma nach der anderen zu gründen oder zu kaufen? Ganz einfach, wir fühlten uns pudelwohl in unserer selbstgefälligen Rolle. Wir waren Helden einer Wirtschaftswelt, in der es nur ein Weiter und Schneller gab. Wir waren überzeugt: Wir würden alles packen. Also packten wir auch alles an, was nach Geld und Erfolg roch. Die Branche im eigentlichen Sinn? War uns völlig egal. Gestartet hatten wir mit einer aufstrebenden Direktmarketingagentur. Alles, was dazu gepasst hatte, hatten wir gekauft. Unsere Kundenliste konnte sich sehen lassen. Sie bestand aus den Top-Unternehmen Österreichs: Banken, Versicherungen, IT-Firmen, Monopolisten, ÖBB, ORF und so weiter. Aus heutiger Sicht waren wir echte Macher, Yuppies, hipp, erfolgreich, schick, sportlich und was sonst noch so zu diesem Klischee dazugehörte. Zu jenem Klischee, das unsere westliche Welt zum Vorbild hat, ja als Traum vergöttert – solange, bis es scheitert.
Auf all meinen Stationen, die am Ende zum Abenteuer Caricol führten, gab und gibt es eine Konstante. Ich lebe mit meiner Familie an genau dem Ort, an dem ich aufgewachsen bin. Heute kann ich den Wert dieser Entscheidung besser einschätzen als früher. Die Entscheidung, hier zu leben, hängt nicht nur mit dem Ort an sich zusammen, sondern mit einer gesellschaftlichen Entwicklung. Hier, wo ich heute gemeinsam mit einem unglaublichen Team den Sitz der Firma habe, habe ich schon immer unglaubliche Freiheit erlebt. Schon als Kind hatte ich das Glück, von meinen Eltern so gut wie gar nicht beeinflusst zu werden. Ich konnte jederzeit mit meinen Freunden den ganzen Tag im Wald verbringen. Solange ich zum Mittagessen und am Abend, wenn es dunkel wurde, nach Hause kam, war alles in Ordnung. Ein großes Vertrauen meiner Eltern mir gegenüber. Sie haben sich sehr um mich gekümmert, dennoch konnte ich einfach tun, was ich wollte. Zum Spielen musste ich mir keine Termine mit anderen Eltern vereinbaren oder lange planen. Meine Freunde und ich trafen uns einfach. Meine Eltern rannten mir auch nicht hinterher und fragten, ob ich meine Hausaufgaben gemacht hatte. Das war im Nachhinein ein großes Geschenk, dass ich so frei von Zwängen aufwachsen durfte. Die Verbundenheit zu meinem Heimatort ist nie abgerissen, weshalb ich ihn auch nie verlassen habe. Früher war es ein Ort, an dem gerade mal 80 Häuser und Familien existierten und an dem wirklich jeder jeden kannte – eine echt überschaubare Community. Das hat sich natürlich verändert. Die Gemeinde ist gewachsen und ich kenne heute bei weitem nicht mehr jeden, der hier wohnt. Rückblickend glaube ich, dass mir die Kindheit hier sehr viel Selbstvertrauen gebracht und mir für meine zweifellos abenteuerlichen Projekte den nötigen Mut und eine nicht zu kleine Portion Risikobereitschaft mit auf den Weg gegeben hat.
Dennoch musste ich als erwachsener Mensch noch eine Lektion lernen. Inmitten meines damaligen Erfolgsrausches flatterte eine Einladung auf meinen Schreibtisch. Zu einer Zen-Klausur, einer intensiven Zeit der buddhistischen Zen-Praxis mit verschiedenen Formen der stillen und dynamischen Meditation.
Die Einladung weckte Erinnerungen an einen Jugendfreund, der sein ganzes Leben nur Yoga im Kopf gehabt und, die Schule vernachlässigt hatte, sich in Indien von einer Yogaschule zu anderen geschlagen hatte und aus dem, so das gängige Urteil, nichts geworden war. Und doch mochte ich ihn, ein Teil von mir bewunderte ihn sogar. Er hinterließ bei mir ein Interesse an den asiatischen Lehren, insbesondere am Buddhismus als Philosophie, als spirituelle Lebensphilosophie.
Doch bis zu jenem Zeitpunkt, zu dem die besagte Einladung auf meinem Tisch landete, hatte ich bekanntlich erstmal einen ganz anderen Weg eingeschlagen gehabt. Ich blickte nochmal auf die mystisch wirkende Einladung – und ich, der sich jeden Tag, jede Stunde nur mit seinen Firmen beschäftige, sich für nichts Zeit nahm, wollte dann doch an der Zen-Klausur teilnehmen.
Wenige Wochen später fand ich mich demnach in einer Burg im Burgenland mit einigen anderen Teilnehmern und einer beeindruckenden Kursleiterin wieder. Es war eine Schülerin meiner späteren Meisterin. Was mich dort erwartete, mutete zunächst abenteuerlich an. Von 5 Uhr in der Früh bis 10 Uhr am Abend wurden Körper und Geist abwechselnd durch dynamische und stille Meditation angespannt und entspannt. Im Zuge der Übungen wurde der Zugang zum wahren ICH trainiert, aber nicht gefunden.
Schon ein halbes Jahr nach meinem Zen-Abenteuer im Burgenland nahm ich an einem Wochenend-Retreat der buddhistischen Meisterin Ji Kwang Dae Poep Sa Nim im österreichischen Schneeberggebiet teil. Bei einem persönlichen Interview übersetzte mir einer ihrer Mönche ihre Worte: „Du hast ein sehr niedriges Energielevel und es wäre gut für dich, für drei Monate ins Kloster zu kommen.“
Ich hatte keine Ahnung, wovon die Meisterin da sprach. Ich fühlte mich zu der Zeit kräftig, fast unbesiegbar. Was sollte ich in einem Kloster machen? Außerdem hatte ich nicht einmal drei Tage, und schon gar nicht drei Monate Zeit! Völlig absurd, dachte ich, und verwarf den leisesten Gedanken daran. Dennoch – schließlich war ich immer schon mit einer großen Neugierde ausgestattet gewesen – war die Lust, eine Reise nach innen anzutreten, entfacht. In Abständen von sechs Monaten nahm ich also an den Retreats, die die Meisterin zu der Zeit in Europa leitete, teil.
Jedes Mal ermahnte sie mich aufs Neue, ich würde mit meinem Energiehaushalt alles andere als gut umgehen. Sie forderte mich erneut auf, ins Kloster zu kommen und erhöhte die „Dosis“, die notwendige Dauer meines Aufenthalts stetig, bis sie schlussendlich bei einem ganzen Jahr landete.
Doch zunächst musste ich erst einmal Schritt für Schritt den Stress, der sich durch meine innere Einstellung und äußeren Zwänge ergab, realisieren. Ich war Geschäftsführer, Prokurist, Vorstand und Aufsichtsrat. Aber ich war nirgends Alleinherrscher. Da wurden also Dinge entwickelt oder Geschäftspraktiken umgesetzt, denen ich aus ethischen Gründen einfach nicht mehr zustimmen konnte. Das ist eine ganz andere Form von Stress. Klar, wir alle haben mal das Gefühl, gestresst zu sein, weil wir einen zu großen Haufen an Aufgaben vor uns haben, von dem wir glauben, ihn nicht abarbeiten zu können. Aber der Stress, wenn wir etwas im Außen tun, das uns im Innersten zutiefst widerstrebt, ist ein anderer. Denn wir folgen äußeren Zwängen. Und diese Diskrepanz, dieser Konflikt kann an uns den Rand des seelischen Bankrotts führen. Dieser Zustand, den ich da durchlebte, raubte mir alle Energien, ich war fast apathisch und völlig antriebslos, als der Knall kam. Er kam im Oktober 1996, ich war gerade 40 Jahre alt geworden und mit der Arbeit in 15 verschiedenen Unternehmen überlastet. Von einem Tag auf den anderen bekam ich meinen Schuss vor den Bug.
Jahre später und erholt mit Caricol, dem Produkt, das heute unglaublich vielen Menschen hilft, in den Händen.
Nun wusste ich, wovon Ji Kwang Dae Poep Sa Nim die letzten zwei Jahre nach unserer ersten Begegnung gesprochen hatte. Rien ne va plus! Nichts ging mehr. Mein jüngerer Sohn war gerade mal sechs Monate alt und ich saß am 26. Dezember im Flieger nach Hawaii ins Lotus Buddhist Monastery. Ich hatte überhaupt kein Problem damit gehabt, all meine Funktionen zurückzulegen und innerhalb weniger Wochen all meine Beteiligungen abzustoßen. Womit ich allerdings haderte, war meine Familie, meine Frau mit beiden Kindern zurückzulassen. Es zerriss mir fast das Herz. Aber ich wusste auch, dass ich mich nur so selbst retten konnte. Auch wenn ich meine Familie jetzt alleine lassen würde, nur so würde ich ihr in Zukunft dienen können.
Wenn du Wasser finden willst, grabe nur ein Loch.
Chinesisches Sprichwort
Nachdem ich über Frankfurt, San Francisco und Honolulu geflogen war, landete ich nach 30 Stunden Reise in Hilo, der Hauptstadt von Big Island Hawaii, dem regenreichsten Ort der USA. Am Flughafen las mich ein Mönch auf und brachte mich ins Kloster. Nachdem es schon spät am Abend war und ich lange nichts mehr gegessen hatte, stoppten wir bei Subway für ein reichlich belegtes Sandwich. Jetzt wusste ich: Auch wenn ich in Hawaii war, ich war in Amerika. Ein Sandwich bei Subway zu essen, war ein äußeres Zeichen, wie sehr Hawaii nach der Übernahme durch die Amerikaner amerikanisiert worden war. Von der alten hawaiianischen Kultur war nicht mehr viel übrig, die Ureinwohner prägten nicht mehr das Leben, und bis auf ein wenig Folklore für Touristen fand man kaum noch Spuren der alten Stämme.
Nach einer halben Stunde Autofahrt erreichten wir das Lotus Buddhist Monastery – auf 700 Metern Höhe, mitten im Regenwald, umgeben von zwei Vulkanen, die auch heute noch aktiv sind und hin und wieder ausbrechen.
So sah es im Dezember 1996 im Kloster noch nicht aus. Der Tempel und die Pagoden wurden erst später errichtet.
