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Sand E-Book

Max Ring

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Beschreibung

In Max Rings fesselndem Werk "Sand" entfaltet sich eine tiefgründige Erzählung, die die Abgründe der menschlichen Existenz in einer kargen Wüstenlandschaft spiegelt. Der autor schafft mit seiner prägnanten und poetischen Sprache einen lyrischen Raum, in dem die Protagonisten ihre innersten Konflikte ausfechten. Vor dem eindringlichen Hintergrund der Sanddünen werden Themen wie Identität, Verzweiflung und Hoffnung behandelt, was dem Roman sowohl einen zeitgenössischen als auch universellen literarischen Kontext verleiht. Max Ring, ein aufstrebender Schriftsteller der Gegenwart, ist bekannt für seine eindringlichen Erzählungen, die oft von persönlichen Erfahrungen und den Herausforderungen des modernen Lebens inspiriert sind. Aufgewachsen in einer Umgebung, in der Natur und menschliche Isolation eine zentrale Rolle spielten, bringt Ring diese Elemente in "Sand" überzeugend zur Geltung. Seine Faszination für die Wechselwirkung zwischen Mensch und Natur spiegelt sich in der Symbolik des Sandes wider, der sowohl Zeit als auch Vergänglichkeit verkörpert. "Sand" ist eine eindrückliche Einladung an die Leser, sich auf eine Reise zu begeben, die sowohl die Seele als auch den Geist herausfordert. Rings talentierte Erzählkunst fesselt und regt zum Nachdenken an, wodurch dieses Buch zu einem unverzichtbaren Werk für jeden Literaturinteressierten wird, der sich mit der menschlichen Condition auseinandersetzen möchte.

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Veröffentlichungsjahr: 2024

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Max Ring

Sand

Veröffentlicht im Good Press Verlag, 2024
EAN 8596547848301

Inhaltsverzeichnis

Cover
Titelblatt
Text
Historische Novelle von Max Ring.
I.
Die Freunde.

Ein frischer Herbstwind wehte über die Höhen des Thüringerwaldes, welcher noch in tiefe Nebel gehüllt war. Die ganze Landschaft glich einem wogenden Meere, aus dem nach und nach einzelne Punkte wie grüne Inseln emportauchten, wenn der Wind die wallenden Schleier hier und da zerriß. – Allmählich stieg auch die Morgensonne im Osten empor und ihre hellen Strahlen fuhren wie Schwerter in das Getümmel einer Schlacht. Wo sie hinfielen, zertheilte sich das dunkle, brodelnde Gewölk und öffnete eine freie Aussicht auf die freundliche Gegend. Die Spitzen der Berge traten immer klarer hervor und leuchteten in wunderbarer Pracht; der dichte Wald im Schmucke des Spätherbstes gewährte ein köstlich buntes Farbenspiel: vom fahlen Gelb bis zum leuchtenden Golde, vom sanften Rosa bis zum brennenden Purpur waren alle Tinten und Schattirungen vertreten, als hätte ein Maler seine riesige Palette über die Erde ausgeschüttet. –

Dieses entzückende Schauspiel genossen zwei junge Männer, welche vor dem Gasthofe zur „hohen Sonne“ standen, wo sie zufällig sich gefunden hatten. Ihrer Tracht nach waren es Studenten, die nach demselben Ziele wanderten. Bald waren sie mit einander bekannt geworden, wie dies auf Reisen so leicht geschieht, besonders unter Mitgliedern der heiteren Burschenwelt. Beide waren am vorhergehenden Abend ermüdet von dem weiten Wege in das Wirthshaus eingekehrt und hatten sich sogleich zur Ruhe gelegt, ohne sich gesehen zu haben. Erst beim Morgenimbiß, wo sie an einem Tische saßen, rückten sie sich näher und fanden, je länger sie mitsammen sprachen und ihre Gedanken austauschten, desto mehr Wohlgefallen aneinander, ungeachtet der großen Verschiedenheit, die sich in ihrem ganzen Wesen kund gab.

Der Aeltere, welcher sich Karl Ludwig Sand nannte, war von mittlerer Größe und schlank gewachsen; sein Gesicht, von Pockennarben vielfach verunstaltet, hatte trotzdem einen interessanten Ausdruck sanfter Melancholie. Ein Zug sinnigen Ernstes umschwebte seine jugendliche Gestalt und die puritanische Strenge seines zur Schwärmerei geneigten Charakters verrieth sich selbst in seinem Aeußeren. Seine Kleidung bestand in einem altdeutschen Rocke von schwarzem Sammet. Trotz der rauhen Jahreszeit, welche in den Bergen doppelt empfindlich war, trug er den Hals ganz bloß, ohne ein schützendes Tuch, nur von einem weißen Hemdekragen umgeben. Weite Beinkleider von grauer ungebleichter Leinwand, wie sie die damals auftauchenden Turner liebten, und dunkle Schnürstiefel vollendeten seinen Anzug. Diese Tracht, welche im Widerspruch mit der herrschenden französischen Mode stand, sollte auch äußerlich Sand als einen echten Deutschen kennzeichnen, als einen abgesagten Feind und Verächter aller fränkischen Unnatur, die er vom Grunde seiner Seele verabscheute,

Einen entschiedenen Gegensatz zu ihm bildete sein Reisegefährte, der Friedrich Hagen hieß und der Sohn eines höhern preußischen Beamten war. Frische Lebenslust sprach aus dem rosigen Gesicht, umgeben von einer Fülle blonder, langer Locken. Trotz einer vorherrschenden Heiterkeit konnte auch er zuweilen einen tüchtigen Ernst zeigen, und seine blauen, klaren Augen nahmen einen eigenthümlichen Glanz an, wenn das Gespräch die Stichwörter des Tages: „Freiheit“ und „Vaterland“ berührte.

Es war aber damals im Jahre 1817 eine seltsam bewegte Zeit, die besonders in der akademischen Jugend ihren Wiederhall fand. –

Die eben beendeten Freiheitskriege hatten zum ersten Male nach langer Zeit das deutsche Volk aus seinem Schlummer aufgerüttelt und das Gefühl seiner weltgeschichtlichen Bedeutung in ihm geweckt. Es hatte die größten Opfer gebracht, unsterbliche Thaten vollführt und seine Größe erkannt, sobald es einig war. Im Feuer der Schlachten verschwanden die Unterschiede und kleinlichen Eifersüchteleien der getrennten und oft gewaltsam auseinander gerissenen Stämme, die sich jetzt dem Feinde gegenüber als Brüder und Söhne der einen großen Mutter fühlten. Aus den Flammen der allgemeinen Begeisterung stieg der Gedanke an Deutschlands Einheit und der Wunsch nach einer besseren und freieren Gestaltung der verrotteten Verhältnisse wie der Phönix aus seiner Asche empor. Diese Ideen lebten in den Herzen aller Besseren auf, vorzugsweise aber in der Jugend. Sie hatte im Augenblicke der Gefahr nicht gezögert, ihr Leben für das Vaterland einzusetzen, sie war freiwillig in die Reihen der Krieger eingetreten und hatte auf den Schlachtfeldern mit Freudigkeit ihr Blut vergossen. – Das Alles gab ihr ein stolzes Bewußtsein ihren Werthes, und als der Friede geschlossen war und die Sieger heimkehrten, glaubte sie sich besonders berufen, das Palladium der neu errungenen Freiheit zu bewachen.

Dieser Geist offenbarte sich zumeist auf den deutschen Universitäten, wo sich bald ein bisher unbekanntes Leben entfaltete. Früher war die Studentenwelt nur ein getreues Abbild der allgemeinen Zerrissenheit, in Landsmannschaften und ähnlichen Verbindungen zersplittert, welche sich meist feindlich gegenüberstanden und im rohen Betragen miteinander wetteiferten. Unmäßiges Trinken, Schlägereien und Wüstheit aller Art standen auf der Tagesordnung, und in solch’ nichtigem Treiben vergeudete die deutsche Jugend ihre beste Kraft, um später als abgestumpfter Philister in das bürgerliche Leben zurückzukehren. Hier und da verfolgte zwar der Einzelne eine höhere Idee, aber die Mehrheit stand den Weltbegebenheiten und den großen Tagesfragen fern, in hochmüthiger und pedantischer Abgeschlossenheit verharrend.

Das sollte jetzt anders werden. Die Jünglinge, welche dem Feinde gegenübergestanden und deren Brust oft mit den höchsten Ehrenzeichen der Tapferkeit geschmückt war, konnten keine Freude mehr an dem kindisch rohen Treiben finden, welches früher noch auf den Universitäten vorherrschte; sie hatten Höheres kennen gelernt und ein edleres Streben mitgebracht. An die Stelle der früheren Landsmannschaften trat eine neue, allgemeinere Verbindung, welche unter dem Namen der Burschenschaft immer mehr Theilnehmer an sich zog, weil sie es sich zur Aufgabe gestellt hatte, Sittlichkeit, wahre Ehre und die Liebe zu dem gemeinschaftlichen Vaterlande in den Herzen der Studirenden, zu erwecken. So wurde nach und nach der Bund edler Jünglinge geschlossen, zu dem auch unsere beiden Wanderer gehörten.

Sobald sie sich als Theilnehmer derselben Verbindung erst erkannt hatten, was schnell geschah, wurden sie noch weit inniger befreundet, als hätten sie schon jahrelangen Umgang gepflogen. Der sonst so scheue Sand, der überhaupt etwas Zurückhaltendes in seinem Wesen hatte, war jetzt wie umgewandelt.

„Fort mit dem steifen „Sie“!“ rief er freudig aus. „Wir müssen miteinander Brüderschaft trinken.“

„Das nehme ich von Herzen gern an,“ entgegnete der Andere.

„Es soll aber in aller Form und nach altem, schönem Brauch geschehen.“

„Das versteht sich von selbst.“

„Es wird wohl eine Flasche Wein hier aufzutreiben sein.“

„Aber nur echter Rheinwein; von dem französischen Gebräu vermag ich keinen Tropfen herunterzukriegen.“

„Ich ziehe auch ein deutsches Traubenblut jedem fremden vor. Also, Herr Wirth, eine Flasche guten Rüdesheimer oder Liebfrauenmilch!“

Bald stand der gewünschte Trunk und zwei grün blinkende Römer vor ihnen, welche Hagen bis zum Rande vollschenkte.

„Schmollis, Herr Bruder!“ sagte er, sein Glas erhebend.

„Fiducit!“ lautete Sand’s Gruß.

Beide stießen zuerst mit den klingenden Römern an; dann tranken sie mit ineinander verschränkten Armen nach alter Studentensitte den Wein bis zum letzten Tropfen aus.

Eine herzliche Umarmung und ein inniger Kuß besiegelte den Bruderbund.

„Freunde für das ganze Leben!“ rief der Jüngere tief bewegt.

„Bis in den Tod und über das Grab noch hinaus!“ setzte Sand mit feierlich dumpfer Stimme hinzu, die wie eine schauerliche Mahnung klang.

Dabei stellte er das Glas mit solcher Gewalt auf den Tisch, daß es klirrend zerbrach.

„Sollte das ein Omen sein?“ fragte mit gezwungenem Scherze Hagen.

„Ich nehme es als ein solches an. Wie dieses Glas in meiner Hand zerbrochen ist, so sollen einst die alten Formen und Ketten brechen, welche noch den Geist der Freiheit gefangen halten. Ich selbst bin gern bereit, für diese heilige Idee mein Herzblut zu vergießen, wie hier den duftigen Wein. Das schwör’ ich Dir, so wahr ich ein Christ und Deutscher bin.“

Beide waren zu bewegt, um noch mehr zu sprechen. Schweigend leerten sie den Rest der Flasche, worauf Sand seinen Gefährten zum Aufbruch mahnte. Sie bezahlten ihre Rechnung und nahmen ihr leichtes Gepäck auf die Schultern, worauf sie den Weg nach Eisenach einschlugen, wo sie noch zur guten Zeit einzutreffen hofften, um an dem von der Jenaer Burschenschaft ausgeschriebenen Feste auf der Wartburg Theil zu nehmen.

„Es ist ein herrlicher Gedanke,“ sagte Sand im Gehen zu seinem neuen Freunde, „die dritte Säcularfeier der Reformation mit dem Jahrestage der Völkerschlacht bei Leipzig zu verschmelzen und dieses erhebende Doppelfest auf der alten Wartburg zu begehen, die so recht eigentlich die Zionsburg der Deutschen ist. In ihren hohen Hallen rauschte einst das deutsche Lied der edelsten Sänger, welche um den Preis mit ihrem vollen Leben rangen; denn, wie die Sage uns berichtet, stand hinter ihnen der Scharfrichter, Meister Hämmerlin von Eisenach, um den Besiegten mit dem blanken Schwerte das Haupt abzuschlagen.“

„Wunderliche Sitte!“ bemerkte Hagen.

„Mir gefällt sie,“ setzte Sand seine Rede fort, „als ein Zeichen, mit welchem hohen Ernste unsere Vorväter Alles vollführt und getrieben haben; selbst das Spiel war ihnen wichtig genug, ihr Leben daran zu setzen. So müßten wir auch denken, aber die Schlaffheit der Zeit, fälschlich und undeutsch Humanität genannt, hat dies ganze Geschlecht der Gegenwart entnervt. Unsere Dichter schreien schon laut, wenn sie nur leise getadelt werden. Man sollte auch ihnen den Scharfrichter an die Seite stellen, um sie abzuhalten, ihre Gaben zu mißbrauchen und die heilige Dichtkunst im Dienste der Hölle zu einweihen.“

„Wenn Dein Vorschlag angenommen würde, so möchte es wohl bald still sein im deutschen Dichterhaine.“