Sandsteinspuren - Dr. Joachim Eichler - E-Book

Sandsteinspuren E-Book

Dr. Joachim Eichler

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Beschreibung

Geschichte ist spannend. Sie besteht aus Geschichten, die entdeckt und erzählt werden müssen. Welche Neuigkeit entdeckte Bischof Esger 1150 in Dänemark? Welche Folgen hatte es, dass der Bildhauer Heinrich im Köln des Jahres 1380 schwer verliebt war? Warum ließ Freiherr Johann um 1590 seinen Kreuzweg in Sicherheit bringen und warum musste Steinhauer Theodor 1887 sein Leben lassen? Im Jahr 1946 verschwand im St.-Paulus-Dom in Münster der große Zeh des Heiligen Christophorus. Was steckt dahinter? Diesen und anderen Ereignissen geht das Buch nach. Es lässt die Zeiten lebendig werden und erzählt von den Menschen, die damals lebten, von ihrem Können, ihren Eigenheiten und gelegentlich von ihren Macken. Denn Geschichte wird von den Menschen getragen. Verbindendes Element dieser Geschichten hinter der Geschichte ist der Baumberger Sandstein. So verbinden sich Geschichte und Kunstgeschichte mit einer Lust am Fabulieren. Es wird berichtet: Wie es gewesen sein könnte - wie es war - wie es wirklich war.

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Seitenzahl: 63

Veröffentlichungsjahr: 2020

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Joachim Eichler

Sandsteinspuren

Mit den Teitekerlken unterwegs

1. Auflage 2020

Inhalt

So könnte es gewesen sein …

10 Köln, 1380: Die schöne Drutginis

12 Heek, 1520: Rätselhafte Zeichen

14 Coesfeld, 1692: Janskens Karriere

16 Kloster Gerleve, 1904: Katz und Maus

18 Havixbeck, 1990: Teitekerlken in Gennerich

20 Billerbeck, 1715: Große Kunst auf dem Land

22 Ostfriesland, 1250: Konkurrenz der Sandsteine

24 Münster, 1150: Die Domkuhlen

26 Hohenholte, 1535: Die Brabender an den Baumbergen

28 Havixbeck, 1580: Gefährdete Kunst

30 Ribe, 1251: Deutsche Steine in Jütland

So war es …

34 Münster, 1955: Christophs großer Onkel

36 Beerlage, 1985: Eine drückende Verpflichtung

38 Köln, 1769: Mittelalterliche Kunst im Kölner Dom

40 Bombeck, 1887: Theodor Fehmer † 9.11.1887

42 Darfeld, 1615: Der Bildhauer als Architekt

44 Holthausen, 1876: Bismarck und die Katholiken

46 Havixbeck, 1756: Erinnern an tödliche Blitze

48 Beerlage, 1755: Die mit dem Hobbit wandern

50 Münster, 1657: Bomben-Bernds Opfer

52 Oelde, 1560: Ein Steinmetz namens Laurenz

54 Billerbeck, 1897: Die Steinhauer-Familie Reiberg

So war es wirklich …

58 Tettens, 1525: Die Buße des schießwütigen Junkers

60 Bonn, 1687: Der Ärger des Bildhauers

62 Trechtingshausen, 1829: Kunst auf Wanderschaft

64 Havixbeck, 1487: Das Poppenbecker Kreuz

66 Bombeck, 1912: Die Steinhauer und der Korn

68 Ahlen, 1511: Ein kleiner Blick ins Mittelalter

Gut zu wissen …

72 Der Löwe ist los!

74 Wetzrillen, Schabespuren und Näpfchen

76 Der Teufel im Dom

78 Die Stadt der hellen Steine

80 Man denkt an eine feste Burg

82 Barock – der „schwülstige“ Stil?

84 Der rote Sandstein

86 Ein uralter Fehler

Geschichten hinter der Geschichte.

Mit den Teitekerlken unterwegs.

Geschichte ist spannend. Sie besteht aus Geschichten, die entdeckt und erzählt werden müssen. Welche Neuigkeit entdeckte Bischof Esger 1150 in Dänemark? Welche Folgen hatte es, dass der Bildhauer Heinrich im Köln des Jahres 1380 schwer verliebt war? Warum ließ Freiherr Johann um 1590 seinen Kreuzweg in Sicherheit bringen und warum musste Steinhauer Theodor 1887 sein Leben lassen? Im Jahr 1946 verschwand im St.-Paulus-Dom in Münster der große Zeh des Heiligen Christophorus. Was steckt dahinter? Diesen und anderen Ereignissen geht das Buch nach. Es lässt die Zeiten lebendig werden und erzählt von den Menschen, die damals lebten, von ihrem Können, ihren Eigenheiten und gelegentlich von ihren Macken. Denn Geschichte wird von den Menschen getragen.

Verbindendes Element dieser Geschichten hinter der Geschichte ist der Baumberger Sandstein.

Entdeckt wurden sie in 30 Jahren Arbeit für das Baumberger-Sandstein-Museum in Havixbeck. Auch die Teitekerlken – die in den Steinbrüchen hausenden Kobolde – wurden in diesem Zeitraum wiederentdeckt, und zwar von Julia Koch-Suwelack. Die 1921 in Billerbeck geborene Grafikerin hatte schon früh die in den Baumbergen verbreiteten Legenden um die regionalen Sagengestalten zeichnerisch umgesetzt. 1996 erschien dann ihr Kinderbuch „Annette, das Kleeblatt und die Teitekerlken“, in dem sie eine Verbindung der Dichterin Annette von Droste-Hülshoff zu den Kobolden herstellte. Nach dem Vorbild ihrer grafischen Darstellung schlug der Bildhauer Wilfried Pinsdorf ein Teitekerlken aus einem Block Baumberger Sandstein, das seitdem in der Dauerausstellung des Museums steht.

Die Kolumne »Teitekerlkens Blog«

Als ich begann, die Geschichten hinter der Geschichte im Internet zu erzählen, nannte ich diese Kolumne den „Teitekerlkens Blog“, weil man den Sagengestalten ja ein umfassendes Wissen über den Baumberger Sandstein unterstellen kann. Daher werden die Leser auch in diesem Buch immer wieder auf die Teitekerlken stoßen.

»Die Teitekerlken« Illustration von Julia Koch-Suwelack (1996)

Die Geschichten haben häufig einen engen Bezug zur Baumberge-Region, greifen aber auch darüber hinaus. Manchmal haben sie sogar einen hoch wissenschaftlichen Hintergrund. Die Recherchen zu den Figuren in der Kathedrale von Ribe in Dänemark, zu denen ich beitragen durfte, mündeten im März 2020 in einen Beitrag im BULLETIN OF THE GEOLOGICAL SOCIETY OF DENMARK. Meine Ideen zur Entstehung der in der Kunstgeschichte berühmten „Parlerbüste“ werden inzwischen auch von Fachleuten geteilt.

Vorrangig möchte ich mit diesem Buch aber Interesse und Spaß an der Geschichte vermitteln. Denn diese ist sehr spannend, wenn man die Menschen erzählen lässt.

Havixbeck, im August 2020

Dr. Joachim Eichler

So könnte es gewesen sein …

Die schöne Drutginis

Gegen Ende des 14. Jahrhunderts schuf der Bildhauer Heinrich Parler der Jüngere in Köln diese Büste: ein Kopf einer schönen Frau, deren Kopfbedeckung aus Beifuß-Blättern besteht. Der Kopf weist Züge eines Porträts auf. Es scheint wahrscheinlich, dass als Modell seine Gattin diente: Drutginis von Savoyen war die Tochter des Kölner Dombaumeisters Michael von Savoyen. Die Büste wird im Kölner Schnütgen-Museum gezeigt, als Material wird dort „Kalkstein“ angegeben. Allerdings hat sich alles, was an mittelalterlicher Skulptur in Köln so bezeichnet wurde, bislang als Baumberger Sandstein herausgestellt. So auch die 34 Propheten und Heiligenfiguren vom Petersportal des Kölner Doms. Bei der Erschaffung dieser Figuren arbeitete Heinrich Parler um 1378 mit Drutginis´ Bruder Michael zusammen und hier spätestens lernte er den Sandstein aus den Baumbergen kennen.

Die Parlerbüste im Schnütgen-Museum

Es ist bekannt, dass die Kölner Domwerkstatt seit 1266 bis zur Einstellung der Bauarbeiten um 1520 immer Baumberger Sandstein vorrätig hatte. Warum also sollte Heinrich für seine „Eva“ (denn so wird der Frauenkopf gedeutet) ein minderwertiges Steinmaterial nehmen? Immerhin gilt dieser Kopf als vorbildhaft für das späte Mittelalter, als eine ganz besondere Arbeit. Dafür nahm man auch nur den besten Stein.

Es waren sehr schwere Zeiten um 1380. Nach der ersten großen Pestwelle der Jahre 1347 – 1352, bei der ein Drittel der Bevölkerung Europas ums Leben kam, war die Krankheit nun erneut nach Europa zurückgekehrt. Auch in Köln gab es wieder Pesttote. Und doch ging das Leben weiter, es wurde weiter am Dom gearbeitet und vom Prager Veitsdom wurde ein talentierter Bildhauer nach Köln berufen: Das war Heinrich Parler der Jüngere. In Köln lernte er natürlich den Dombaumeister kennen – und auch dessen Familie. Mit Drutginis „funkte“ es und sie heirateten.

Dass Drutginis als Modell für die Eva herhielt, ist mitnichten erwiesen – aber es ist doch eine schöne Vorstellung.

Rätselhafte Zeichen

Natürlich hat das Sandsteinmuseum auch Stücke mit eingeschlagenen Steinmetz-Zeichen. Diese wurden in Romanik und Gotik bis Ende des 15. Jahrhunderts verwendet. Man kann davon ausgehen, dass jeder Steinmetz nach Abschluss seiner Lehre von der Zunft „sein“ Zeichen verliehen bekam.

Die Theorie besagt, dass das Zeichen für die Abrechnung gebraucht wurde. Die Stücke, für die der Steinmetz bezahlt werden musste, markierte er mit seinem Zeichen. Manchmal wurden die Werkstücke über den Tag gestapelt und das Zeichen kam nur auf den obersten Stein – dann waren Zeichen selten. In aller Regel wurden sie in eine Fläche geschlagen, die später mit vermauert wurde – so waren sie nicht zu sehen. Aber Ausnahmen bestätigen die Regel: So sind in St. Felizitas in Lüdinghausen beispielsweise die Steinmetz-Zeichen unübersehbar in Sichtflächen geschlagen.

Zeichen am Unterbau des Sakramentshauses in Heek

Da vier von diesen Zeichen auch in der Lebuinuskirche in Deventer zu finden sind, die kurz vor dem Baubeginn in Lüdinghausen fertig gestellt wurde, sind diese Zeichen ein Beleg für die Wanderungen der Steinmetzen von Baustelle zu Baustelle.

Eines der Steinmetzzeichen in der Kirche in Lüdinghausen

Sichtbare Zeichen sind sicher auch ein Beleg des Handwerkerstolzes und somit fast eine Signatur. Andere Zeichen sind nur mit großer Mühe zu finden und überaus rätselhaft: Das nebenstehend abgebildete Zeichen ist an verborgener Stelle am 1520 entstandenen Sakramentshaus in der Heilig-Kreuz-Kirche in Heek zu finden. Das eigentliche Steinmetzzeichen ist die aus einer 4 hervorgehende Form unten. Darum zieht sich eine Einfassung, eine Kartusche, innerhalb derer auch die Buchstaben G W eingeritzt sind. Darüber scheint ein Strichmännchen einen Balken zu tragen. Ob es sich um eine Klage aus dem späten Mittelalter handelt? Etwa so: „Ich, Gert Wenniker – hier mein Zeichen – musste an dieser Baustelle immer die schweren Sachen schleppen“? Dann wird auch klar, warum diese Gravur so versteckt ist.

Janskens Karriere

Johann Rendeles (1666 – ca. 1716) war einer der drei führenden Barockbildhauer im Münsterland. Er schuf viele Altäre und Heiligenfiguren und war auch bei den Schlössern Nordkirchen, Velen und Huis Bergh in den Niederlanden tätig. Im Sandsteinmuseum ist ein großer Putto von Rendels ausgestellt, der Bestandteil eines Altars in der Coesfelder Jesuitenkirche war (1945 zerstört).

Die Anfänge dieser Bildhauerkarriere sind eigenartig.