Schattenbilder - Bettina Gregshammer - E-Book

Schattenbilder E-Book

Bettina Gregshammer

0,0
10,99 €

-100%
Sammeln Sie Punkte in unserem Gutscheinprogramm und kaufen Sie E-Books und Hörbücher mit bis zu 100% Rabatt.

Mehr erfahren.
Beschreibung

Band 3: Schattenbilder Nach einem Autounfall mit Fahrerflucht verschwimmt so manche Erinnerung. Bethany und Harrison stehen plötzlich vor neuen Herausforderungen, in denen für Gefühle, Zuneigung oder auch Zorn kein Platz ist. Es beginnt eine Reise durch die Zeit, alles was in der Vergangenheit passiert ist, sei es schmerzlich, traurig oder erfreulich, wird nochmals durchlebt, um Collin zu helfen. Auf dem steinigen Weg der Erkenntnisse und Versöhnung, stoßen Vater und Sohn, Mutter und Kind, Großeltern und Enkel, Ex-Partner und beste Freunde aneinander. Doch wird das endlich die Gelegenheit sein, alle Unklarheiten aus der Welt zu schaffen und an eine Zukunft zu denken, in der alles möglich ist, … Freundschaft, Liebe & Familie?

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB
MOBI

Seitenzahl: 278

Veröffentlichungsjahr: 2023

Bewertungen
0,0
0
0
0
0
0
Mehr Informationen
Mehr Informationen
Legimi prüft nicht, ob Rezensionen von Nutzern stammen, die den betreffenden Titel tatsächlich gekauft oder gelesen/gehört haben. Wir entfernen aber gefälschte Rezensionen.



© 2023 Bettina Nosko (ehemalig Gregshammer)

ISBN Softcover: 978-3-384-03001-6

ISBN Hardcover: 978-3-384-03002-3

ISBN E-Book: 978-3-384-03003-0

Druck und Distribution im Auftrag der Autorin: tredition GmbH, Halenreie 40-44, 22359 Hamburg, Germany

Das Werk, einschließlich seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt. Für die Inhalte ist die Autorin verantwortlich. Jede Verwertung ist ohne ihre Zustimmung unzulässig. Die Publikation und Verbreitung erfolgen im Auftrag der Autorin, zu erreichen unter: tredition GmbH, Abteilung "Impressumservice", Halenreie 40-44, 22359 Hamburg, Deutschland.

Schattenbilder

Band III

Bettina Nosko

Inhalt

Cover

Urheberrechte

Titelblatt

Kapitel 1

Kapitel 2

Kapitel 3

Kapitel 4

Kapitel 5

Kapitel 6

Kapitel 7

Kapitel 8

Kapitel 9

Kapitel 10

Kapitel 11

Kapitel 12

Kapitel 13

Kapitel 14

Kapitel 15

Kapitel 16

Kapitel 17

Kapitel 18

Kapitel 19

Kapitel 20

Kapitel 21

Kapitel 22

Kapitel 23

Kapitel 24

Kapitel 25

Kapitel 26

Kapitel 27

Kapitel 28

Kapitel 29

Kapitel 30

Kapitel 31

Kapitel 32

Kapitel 33

Kapitel 34

Kapitel 35

Kapitel 36

Kapitel 37

Kapitel 38

Kapitel 39

Kapitel 40

Schattenbilder

Cover

Urheberrechte

Titelblatt

Kapitel 1

Kapitel 40

Schattenbilder

Cover

1

2

3

4

5

6

7

8

9

10

11

12

13

14

15

16

17

18

19

20

21

22

23

24

25

26

27

28

29

30

31

32

33

34

35

36

37

38

39

40

41

42

43

44

45

46

47

48

49

50

51

52

53

54

55

56

57

58

59

60

61

62

63

64

65

66

67

68

69

70

71

72

73

74

75

76

77

78

79

80

81

82

83

84

85

86

87

88

89

90

91

92

93

94

95

96

97

98

99

100

101

102

103

104

105

106

107

108

109

110

111

112

113

114

115

116

117

118

119

120

121

122

123

124

125

126

127

128

129

130

131

132

133

134

135

136

137

138

139

140

141

142

143

144

145

146

147

148

149

150

151

152

153

154

155

156

157

158

159

160

161

162

163

164

165

166

167

168

169

170

171

172

173

174

175

176

177

178

179

180

181

182

183

184

185

186

187

188

189

190

191

192

193

194

195

196

197

198

199

200

201

202

203

204

205

206

207

208

209

210

211

212

213

214

215

216

217

218

219

220

221

222

223

224

225

226

227

228

229

230

231

232

233

234

235

236

237

238

239

240

241

242

243

244

245

246

247

248

249

250

251

252

253

254

255

256

257

258

259

260

261

262

263

264

265

266

267

268

269

270

271

272

273

274

275

276

277

278

279

280

281

282

283

284

285

286

287

288

289

290

291

292

293

294

295

296

297

298

299

300

301

302

303

304

305

306

307

308

309

310

311

312

313

314

315

316

317

Kapitel 1

3 h 12 min 45 sec

Ohne noch einmal zurückzublicken, mich berühren zu lassen oder auf das Rufen meines Namens zu reagieren, stürme ich aus dem Gebäude. Ich knalle die Glastür so laut zu, sodass ich eine Sekunde Sorge darüber habe, ob das empfindliche Glas nun brechen wird. In meinen hochhakigen Schuhen bekomme ich leider keinerlei Geschwindigkeit zusammen, weswegen er mich schnell einholt und schroff am Arm packt. Ich kann ihm gerade nicht in die Augen sehen. Ich weiß, dass meine Welt schon am Zusammenbrechen ist, den Zeitpunkt möchte ich jedoch noch so lange wie möglich hinauszögern. „Lass mich los!“ brülle ich wütend und reiße mich los, um meinen Weg fortzusetzen.

In der Wohnung angekommen, lege ich meinen Mantel und den leichten Schal ab und blicke in den großen Vorzimmerspiegel. Die tiefe Verzweiflung ist mir direkt ins Gesicht geschrieben. Nun ist es so weit, ich werde sie endgültig verlieren…

Während ich diesen Gedanken abschließe, wird die Haustür hastig aufgerissen. Die Wut in seinen Augen lässt mich urplötzlich klein werden… ich lasse mir jedoch nichts anmerken, und behalte meinen stolzen Gesichtsausdruck. Harrison atmet einige Male entspannt durch und versucht sich, mit einigen Handgesten, selbst zu beruhigen. „Wenn du dann bald fertig bist, würde ich den Vortrag gerne hinter mich bringen!“ sage ich angriffslustig und schnappe mir die Bürste, um meine Haare zu kämmen. Er reißt sie mir, bevor ich überhaupt anfangen kann, aus der Hand und wirft sie gegen die nächste Wand. Oh, … „Ich werde gar nichts sagen, aber du! Erkläre es mir!“ brüllt er mir laut entgegen. „Was soll ich dir erklären?!“ antworte ich und ziehe eine Augenbraue hoch. „Woher kennen dich Charles und Rose? Sie wussten auf der Stelle deinen Namen!“ fährt er aufgebracht fort.

Ich zucke nur kurz mit den Schultern. „Das war ein Zufall, deswegen weiß ich auch nicht, wieso du dich so aufregst, nur weil mich so ein dementes Paar zu erkennen glaubte…“ „Hör auf Witze darüber zu reißen, verdammt Allison!“ schreit Harrison auf und vergräbt seine Finger in den Haaren. „Weißt du, was ich glaube?“ beginnt er Minuten später, nachdem er ein paar Mal im Kreis gelaufen war. Ich blicke hoch, um in seinen Augen zu lesen, was er meinen könnte. „Bethany hatte recht…“ Mein aufgesetzter Stolz scheint sich blitzartig in Luft aufzulösen. „Erwähne bloß nicht diesen Namen, in meiner Gegenwart!“ „Bethany hatte mit allem recht, du bist tatsächlich mit Mia aufgewachsen, warst ihre beste Freundin!“ wirft er mir weiter vor, während ich immer wütender werde. Mit geballter Faust und zitternder Unterlippe versuche ich bestmöglich, die Fassung zu bewahren. „Und… was war dein Plan, hm?“ beginnt Harrison und schenkt mir einen herausfordernden Blick.

„Du wolltest uns nach ihrem Tod aufspüren, um das bisschen Geld, dass sie, laut dem Tagebuch, von dir geliehen hat, zurückzufordern? Warst du wirklich so verzweifelt?“ wirft er mir vor. „Du… du hast keine Ahnung!“ antworte ich voller Zorn, den ich in jeder Faser meines Körpers spüren kann. „Du warst eifersüchtig auf sie. Wir waren füreinander bestimmt, verliebt, bekamen wunderbare Zwillinge, lebten gemeinsam in einer großen Stadt. Ich liebte diese Frau von ganzem Herzen, ich hätte alles für sie getan! Und du, du wolltest ihren Platz einnehmen!“ provoziert er mich weiter. „Das nimmst du sofort zurück, du Mistkerl!“

Plötzlich wird, ohne Vorwarnung, die Tür aufgerissen und Collin tritt schweißgebadet herein. „Schlechter Zeitpunkt, Junge!“ sagt Harrison aufgebracht und schenkt ihm keinerlei weitere Beachtung. „Das ist meine Wohnung, und hier bestimmte ich!“ ruft Collin mitten in unser Streitgespräch. „Keine Sorge. Es ist bereits alles gesagt, zumindest von meiner Seite!“ grinst mich Harrison an. „Du denkst, du weißt Bescheid? Du irrst dich!“ brülle ich ihn an. Im Augenwinkel kann ich Collins traurigen Gesichtsausdruck sehen. Ich kann das nicht, wenn er in der Nähe ist… „Du hast dich in diese Familie geschlichen, du hast Bethany von Anfang an weggestoßen, du bist, verdammt nochmal, bei ihr eingebrochen und hast das Tagebuch gestohlen!“ flucht Harrison weiter, während ich nur zusehen kann, wie in Collin nach und nach alles zusammenbricht. „Was soll dieser dumme Vorwurf? Sie hat euch das Tagebuch immerhin zuerst gestohlen, ich wollte es nur zurückholen, für euch!“ rechtfertige ich mich. „Tu nicht so, als wolltest du nicht nur deine eigene Haut retten!“ schnauft er mir entsetzt entgegen, worauf mir die Worte fehlen. „Ich bin so froh, dass wir uns schon längst getrennt haben, aber nun will ich mit der Scheidung keine Sekunde mehr warten!“ spricht Harrison weiter, während Collin die Augen aufreißt.

„Was soll das bedeuten? Ihr seid getrennt? Wie meinst du das?“ unterbricht er uns getroffen. Ich kann das nicht mehr ertragen. Ich gehe auf ihn zu, und greife nach seinem Arm. „Lass mich in Ruhe!“ erwidert Collin auf meine Handlung und entzieht sich mir völlig. Er geht wieder auf die Haustür zu, und möchte sie öffnen. „Warte!“ schreie ich ihm hinterher. „Bleib hier, sprechen wir darüber, als Familie!“ schlage ich ihm vor, um nicht dabei zusehen zu müssen, wie er geht. „Welche Familie?“ sagt er noch, bevor er den Vorraum mit knallender Tür verlässt.

„Bist du nun zufrieden, du Arsch?!“ frage ich Harrison aufmüpfig. „Na-nu? Kaum ist Collin aus der Tür, verhältst du dich wieder wie der Teufel persönlich… du warst schon immer streichelweich, wenn er in der Nähe war, woran das wohl liegt?“ fragt sich Harrison und legt seine Finger unter sein Kinn. „Hör auf, mich zu analysieren!“ murre ich ihm entgegen. „Das wurde schon höchste Zeit, ich habe sowieso viel zu wenig hinterfragt, was dich betrifft. Und das haben wir jetzt alle davon!“ antwortet er mit schüttelndem Kopf und streckt seine Arme aus. „Aber aus diesem Riesenfehler habe ich gelernt, glaub mir! Ich werde dafür sorgen, dass du weder Collin, unseren Töchtern oder Bethany je wieder begegnest!“ Meine unglaubliche Wut wird nach Abschluss seines Satzes durch Verwunderung ersetzt. „Was?“ frage ich nach. „Was, was?“ äfft mich Harrison nach.

„Was meinst du mit Bethany? Wieso drohst du mir mit ihrem Schutz?“ frage ich verwirrt nach, während ich seinen Gesichtszuckungen aufmerksam zusehe. „Du hast dich wirklich verliebt, in diese Tussi, oder?“ frage ich ihn verächtlich, ohne die Antwort abzuwarten. „Dieses Miststück ist dir wichtiger als deine eigene Familie? Wieso nicht auch nicht… ist ganz normal für einen Mann in deinem Alter eine Geliebte zu haben!“ spotte ich über ihn und möchte ihm mit meinem falschen Lachen davon überzeugen, dass es mich überhaupt nicht juckt. Tut es ja auch nicht… „Du allein, hast diese Familie kaputt gemacht!“ murmelt Harrison mit leiser Stimme. „Wieso plötzlich so still? Ist es dir peinlich, in eine so junge Frau verliebt zu sein, während du schon dahinvegetierst?“ „Pass auf, was du sagst!“ antwortet Harrison mit bedrohlicher Stimme. „Ich erzähle dir jetzt mal was, über deinen lieben Schatz!“ kichere ich. Harrison schluckt erschwert, als ob er schon wüsste, was auf ihn zukommt.

„Ich habe damals mit John zusammengearbeitet, um sie zu terrorisieren, um sie zu brechen und um sie fertig zu machen!“ grinse ich ihm entgegen und setze einen provokanten Blick auf. „Nein… nein, das hast du… nicht…“ stottert er getroffen dahin. „Oh, doch mein Lieber. Was denkst du, wieso habe ich sonst so oft meine Mutter ‚besucht‘, letztes Jahr?“ Wortlos steht er mir gegenüber. Sein zuvor so rotes Gesicht, färbt sich sekundenschnell weiß, zu meiner Genugtuung. „W… Wieso?“ bringt er kaum mit seiner heiseren Stimme heraus und lässt sich kurze Zeit später auf einen naheliegenden Sessel fallen. „Oh, naja, vor einem Jahr wollte ich nur sichergehen, dass mein Geheimnis nicht rauskommt oder von diesem Flittchen aufgedeckt wird. Als ich euch dann bei der Geburtstagsfeier von Collin miteinander erwischt habe, wusste ich sofort, ich kann mich nun endlich rächen!“ fahre ich fort. „Wofür bitte? Was habe ich, oder was hat Bethany dir je getan? Unsere Beziehung ist schon lange vorbei, wir haben uns nie geliebt!“ wirft mir Harrison verzweifelt vor. „Ich wusste, nun kann ich dir Bethany wegnehmen, genauso, wie du mir Mia weggenommen hast!“ brülle ich lautstark, um meinen Frust endlich loszuwerden. Harrison reißt die Augen auf und blickt mir schockiert entgegen. „Was sagst du da zu mir?“

„Hättest du Mia damals nicht geschwängert, wäre sie noch immer hier, bei mir, und hätte mich niemals so leichtsinnig verlassen!“ werfe ich ihm vor und lasse meiner Wut freie Bahn. Er erhebt sich langsam vom Sessel und starrt nachdenklich auf den Boden. „Jetzt verstehe ich endlich. Wieso du gleich nach dem Begräbnis in Blueport warst, wieso du schon immer so fixiert auf Fynn und Collin warst, wieso du sie bei jedem Anlass andauernd nur in Schutz genommen hast, wieso dich Fynns Tod so fertig gemacht hat, sodass du nicht mal zur Beerdigung fliegen konntest…“

Mit leeren Augen sehe ich ihm dabei zu, wie er alle Bereiche meines Lebens aufschlüsselt. „Du bist verliebt in sie, du warst schon immer besessen von ihr!“ beendet er seine Geschichte und tritt ein paar Schritte weiter weg. Ich antworte ihm nur mit einem kurzen Schulterzucken.

„Du bist verrückt!“ brüllt er, während er an Geschwindigkeit zulegt, und zum Ausgang stürmt. „Ich verspreche dir, wir sehen uns heute zum letzten Mal, du wirst weder Luisa, noch Charlotte oder Collin je wieder sehen!“ droht er mir, während er bei mir vorbeiläuft. „Es sind meine Kinder, du kannst sie mir nicht wegnehmen!“ warne ich ihn. „Ich sag dir jetzt einmal was, entweder du hältst dich für immer fern von uns, oder Bethany erfährt, was du getan hast! Ich wette, das zieht eine Anzeige und Ermittlungen nach sich!“ verrät er mir und möchte seinen Plan stolz vorstellen. Ich trete einige Schritte an ihn heran, worauf er nur Bedauern zum Ausdruck bringt. „Ich sag dir jetzt einmal was, Harrison. Deine süße, kleine Freundin weiß es schon!“ Mit offenem Mund starrt er auf mich herab. „Ich mach dich fertig!“ flüstere ich ihm leise entgegen, während er aus der Wohnung stürmt und die Tür hinter sich zuschlägt. Ich bin froh, dass diese Beziehung nun endlich ein krönendes Ende gefunden hat. Doch er irrt sich zu glauben, dass ich Collin oder meine Töchter jemals aufgeben werde.

Kapitel 2

2 h 46 min 14 sec

„Ich habe sowieso nichts mehr zu sagen, nie wieder!“ brüllt Charles in die Runde. Ohne jegliche Reaktionen abzuwarten, greift er nach meiner Hand und schleppt mich aus der Galerie. Ich werfe einen Blick über meine Schulter zu Owen, Mary… und Bethany. Ich fasse nicht, was sie uns da eben erzählt hat.

Gemeinsam quetschen wir uns durch die Menschenmenge, viele Leute betrachten noch immer das Kunstwerk meiner Kleinen. Als mir der Rahmen entgegenstrahlt, spüre ich deutlich, wie alle alten Schuldgefühle wieder hervorbrechen. Die ganzen Tränen, das große Verzweifeln, die zahlreichen Stunden in tiefer Verschwiegenheit. Es fühlt sich an, als würde das alles wieder auf uns zukommen.

Charles öffnet die große Glastür und tritt, während er mich noch immer fest im Griff hat, hinaus auf den Bürgersteig. Die anschließende Straße lässt uns sofort Halt machen. Hysterisch beginne ich zu atmen, zu weinen, zu schwitzen. Ich lege mir die Handflächen über die Augen, um Schutz vor den erdrückenden Selbstvorwürfen zu finden. Charles tut nichts, außer mich sofort in den Arm zu nehmen, um für mich da zu sein. Er hält mich so fest, sodass ich beinahe von dem Schmerz in meiner Brust abgelenkt werde. Ich kann nicht fassen, dass wir uns erneut in diesem riesigen Albtraum befinden. Einige Minuten vergehen, in denen wir unserer Verzweiflung freien Lauf lassen. Immer wieder kreuzen Personen unseren Weg, verlassen die Galerie, schauen skeptisch bei unserem Gefühlsausbruch zu. Wir lösen die strenge Umarmung und schleppen uns zum Auto in nächster Nähe. Ich öffne die Beifahrertür, steige ein und blicke zu meinen zitternden Beinen hinab. Charles tut es mir gleich, er hält sich am Lenkrad fest, um sich wieder zu sammeln. Ich weiß nicht, was jetzt am besten ist, zu reden, oder zu schweigen? Vor der Entscheidung stand ich jetzt schon so oft, jedoch habe ich in den letzten Jahren immer nur im falschen Moment angefangen, zu sprechen. Was nun?

20 Minuten sind vergangen, in denen Charles weder losgefahren ist noch etwas gesagt hat. Ich weiß nicht, wieso es uns immer wieder leichter fällt, nicht zu sprechen. Haben wir aus der Vergangenheit nichts gelernt? Haben wir uns nicht schon viel zu lange einsam, und allein innerlich gequält? Ich will das nun nicht mehr. Wir sind nicht allein.

„Hast du von dem Gemälde gewusst?“ frage ich meinen Mann ganz vorsichtig. Dieser Blick, den er mir Sekunden später zeigt, verrät mir, dass auch er keine Ahnung hatte. Das waren auf jeden Fall die falschen, ersten Wörter… noch ein Versuch. „Denkst du wirklich, sie wollte sich mit uns versöhnen?“ frage ich unter Tränen und blicke aus der Fensterscheibe. „Sieht so aus…“ antwortet er nur knapp. „Wie ist es bloß hier gelandet, wenn sie es doch uns geschickt hat?“ frage ich weiter. „Das weiß ich nicht…“ erwidert er. „Sprechen wir bitte darüber, Charles!“ ermahne ich ihn, nach dem ich seine kurzen Antworten satt habe. „Was willst du von mir hören?“ brummt er etwas lauter. „Sei wütend, weine, zeige irgendwelche Emotionen!“ werfe ich ihm sauer vor. „Was würde das bringen? Das bringt mir mein Mädchen auch nicht zurück, verdammt Rose!“ „Ich will doch nur wissen, was passiert ist!“ rechtfertige ich mich.

„Ich kann dir sagen, was passiert ist. Wir haben in einer schwachen Sekunde unsere schwangere Tochter auf die Straße gesetzt, am selben Tag noch begonnen sie zu suchen, ohne Anhaltspunkt, ohne das Wissen, wohin sie gegangen ist. Der einzige Tipp hätte dieses Gemälde sein können, welches wir, aus welchem Grund auch immer, nicht erhalten haben. Dieses Bild da drinnen, hätte der Hinweis sein können, den wir so lange gesucht haben, um unsere Tochter zu finden, um sie nochmal zu sehen, um sich versöhnend in die Arme fallen zu können… bevor… bevor sie… Aber wie ist es stattdessen abgelaufen? Mia geht einen Schritt auf uns zu und ist in dem Wissen gestorben, dass wir ihr nicht einmal geantwortet haben!“ brüllt Charles vor sich hin, während sein Blick steif geradeaus, aufs Lenkrad, gerichtet ist. Erneut beginne ich verzweifelt zu weinen. „Waren das jetzt genug Worte für dich?“ fügt er noch wütend hinzu, und krallt sich immer fester am Steuer fest. Obwohl ich das alles jetzt am liebsten nicht gehört hätte, bin ich dennoch froh, ihn endlich darüber sprechen zu hören. Das war so ein langer Weg dorthin.

„… und was zum Teufel hat Allison mit alldem zu tun, verdammt? Was macht sie gemeinsam mit dem Freund von Mia? Wieso sind die beiden verheiratet?“ spricht er weiter. Das hatte ich schon wieder ganz vergessen. „Das ist eine gute Frage, ich habe keine Ahnung…“ „Die beste Freundin von Mia, sie hing ihr immer an ihren Fersen, Tag ein, Tag aus. Doch als Mia plötzlich verschwunden war, wendete sich Allison von uns ab… half uns nicht, sie wieder zu finden, sie zeigte überhaupt kein Interesse daran…“ sagt Charles. „Sie konnte uns eines Tages nicht mal mehr in die Augen sehen…“ stottert er dahin, während mir noch immer dutzende Tränen über die Wangen laufen. „Du hast recht…“

„Wir müssen herausfinden, was mit dem Gemälde passiert ist!“ wirft er selbstsicher ein und greift nach meiner Hand. „Wir werden das nicht wieder irgendwo im Sand vergraben. Gemeinsam werden wir herausfinden, wer uns diesen Augenblick mit unserer Tochter geraubt hat!“ Ich richte mich auf und blicke ihm tränenüberströmt entgegen. „Ich habe kein Interesse daran, irgendjemand anderen die Schuld daran zu geben, Charles!“ ermahne ich ihn. „Blödsinn, ich suche keinen Sündenbock. Ich suche eine Möglichkeit, damit abzuschließen, gemeinsam…“ erklärt er mir ruhig. Ich nicke ihm verständnisvoll zu. „Und weißt du, was wir danach machen?“ spricht er weiter. „Wir gehen in diese Galerie und betrachten das Kunstwerk unserer Tochter, und sagen ihr all das, was wir ihr damals gesagt hätten…“ Laut schluchzend falle ich ihm in die Arme. „Das ist eine fantastische Idee, das machen wir!“ antworte ich ihm begeistert. Es würde mich wirklich interessieren, was damals passiert ist, diese Erklärung möchte ich gerne hören. „So, lass uns Nachhause fahren!“ sagt Charles wenig später und legt den Gang ein. Im Seitenspiegel kann ich noch klar das gedämpfte Licht der Galerie erblicken, und wie schon einige grinsende Menschen aus der Tür treten. Wir kommen bald zurück, Mäuschen. Das verspreche ich dir… und wir werden diese Galerie ebenso glücklich verlassen.

Kapitel 3

2 h 31 min 02 sec

„Bethany!“ brülle ich ihr hinterher, während sie davonläuft und mir keinen weiteren Blick mehr schenkt. Ich sehe dabei zu, wie sie um die Ecke läuft und fühle die tiefe Angst in mir hochsteigen, dass ich meine Tochter, so wie sie früher war, bald nicht mehr erreichen kann. Ich schaue zu Owen, wie auch er ihr traurig hinterher blickt. „Was ist bloß mit ihr los?“ wende ich mich zu ihm und erhoffe mir eine plausible Erklärung. Er schüttelt betroffen den Kopf. „Sie möchte es jedem recht machen und findet keinen Weg…“ spricht er leise vor sich hin, während er weiterhin in die Richtung blickt. Verzweifelt blicke auch ich wieder an diese Ecke. Sie war so ein süßes, aufgewecktes Kind, ließ nie eine Chance aus, laut loszulachen, doch seitdem ihr Vater gestorben ist… ist alles anders…

„Soll ich dich Nachhause fahren, Mary?“ erkundigt sich Owen, als er sieht, wie sich so manche schmerzlichen Gedanken in mir breit machen „Ach, das brauchst du nicht, Everwood ist doch viel zu weit weg…“ antworte ich kurz, und senke meinen Kopf zu Boden, sodass mir Owen nicht anmerkt, wie fertig ich bin. Jedoch bin ich gemeinsam mit Rose und Charles hergekommen, ich habe also gar kein Auto hier… „Blödsinn, ich bringe dich heim!“ sagt Owen lautstark und lässt mir keine andere Wahl mehr. Zum Glück…

Während Owen noch seiner Chefin Bescheid gibt und sich umzieht, schlendere ich durch die Gänge der Galerie. Ein paar Leute sind nach wie vor da, und betrachten die besonderen Gemälde an der Wand. Endlich hat sich der Aufruhr vor dem Kunstwerk von Mia aufgelöst, sodass auch ich endlich einen Blick darauf werfen kann. Als ich direkt davorstehe, werde auch ich augenblicklich in den Bann der Landschaft gezogen. Ich beachte die feinen Pinselstriche und achte auf den Vater von Harrison, der auf dem Gemälde entspannt angelt. Er sieht ihm sehr ähnlich… Ich kann nicht fassen, dass Mia das alles an einem Nachmittag in der freien Natur gemalt hat, nur mit ein paar alten Pinseln. Sie war wirklich äußerst begabt. Ein Blick auf die Landschaft verrät mir, wie schön es in Bridgerleave sein muss… genauso wie es Bethany immer beschrieben hat…

Wenig später fällt mein Blick auf das goldene Namensschild unter dem Gemälde. „Mia Pleydell…“ flüstere ich dahin und starre verwirrt dem Schriftzug entgegen. „Der Nachname von Harrison…“ beantwortet mir Owen, meine nicht gestellte Frage. „Wieso sein Name?“ hacke ich nach. „Bethany wollte es so…“ erwidert er mit einem sanften Schulterzucken. Das verstehe ich nicht… „Ich bin fertig, wir können los…“ fügt er noch hinzu und legt den Arm über meine Schultern, um mich aus der Galerie herauszuführen.

Kurze Zeit später kommen wir bei seinem Wagen an und wir steigen ein. Mir fällt sofort der wunderbare Duft im Auto auf. „Was ist das?“ frage ich nach und nehme nochmals eine Nase voll. „Den hat mir Bethany geschenkt, grüner Tannenbaum…“ grinst er mir entgegen, während er den Schlüssel in die Zündung steckt und das Auto startet. Ich schüttle lächelnd den Kopf. „Sie liebt dieses Weihnachtszeug…“ stottere ich vor mich hin. Owen lacht zustimmend und parkt dabei aus.

„Weißt du, was zwischen ihr und Harrison läuft?“ frage ich direkt heraus, weil ich einfach nicht mehr darüber schweigen kann. „Oh, wow, Mary… also… das war jetzt ein flotter Themenwechsel!“ stellt Owen schockiert fest, während er weiter konzentriert das Auto lenkt. „Was findet sie bloß an ihm? Schlecht aussehen tut er ja nicht, das gebe ich selbst zu…“ spreche ich weiter. „Mary, also das…“ gibt Owen verstört von sich. „Ich verstehe das nicht, immerhin ist er alt genug, um…“ setze ich an und beende abrupt den Satz. „Sprich ruhig weiter…“ fordert mich Owen verständnisvoll auf. „Ich… ich habe nur die Sorge…“ beginne ich, während Owen wartend nickt. Einige Minuten schweigen wir beide vor uns hin.

„Denkst du, dass sie einen Vaterkomplex entwickelt hat?“ frage ich emotionslos, während ich ihm einen besorgten Blick schenke. „Ganz ehrlich, das habe ich am Anfang auch gedacht!“ stimmt mir Owen belustigt zu. „Das ist nicht witzig!“ ermahne ich ihn und verschränke die Arme vor meinem Körper. „Nein, ist es nicht. Ich finde nur die Tatsache lustig, dass wir beide denselben Gedanken hatten…“ erklärt er sein Gelächter. Ich verdrehe die Augen und schenke ihm meinen genervten Gesichtsausdruck. Eindeutig nicht die Antwort, die ich hören wollte. Als er einige Sekunden nicht weiterspricht, hacke ich nach: „Ja, und, was denkst du?“ „Nein, ich glaube nicht, dass es ein Vaterkomplex ist… ich glaube, sie mag ihn…“ spricht Owen weiter. „Aber, wieso?“ stelle ich als nächste Frage in den Raum. „Er ist der Vater von Collin und Fynn, hat vier Kinder und ist verheiratet… was denkt sie sich eigentlich?“ rege ich mich auf. „Ach, wer weiß schon, wohin die Liebe fällt… Es kann ein zufälliger Austausch von Blicken sein, oder eine Berührung…“ erklärt er mir verzaubert und muss dabei grinsen. Er, mit seinem endlosen Optimismus…

„Zuerst liebt sie Fynn, einen stillen, zurückhaltenden, JUNGEN Mann. Danach mag sie Collin, der etwas mehr zu sagen hat, aber auch JUNG ist. Und dann plötzlich, Harrison?“ zähle ich auf, und nummeriere meine Aussage anschaulich an meinen Fingern. „Fynn, das war der erste Junge, den sie gekannt hat, natürlich mochte sie ihn… als er starb, verstärkte das ihre Gefühle. Collin war ihr Rettungsbot kurz danach, er sah aus wie Fynn und war für sie da. Es ist klar, dass das mit einer gewissen Verliebtheit verbunden war, oder immer noch ist…“ erklärt mir Owen ruhig, während er entspannt das Auto steuert. „Und… weiter…?“ frage ich ungeduldig nach und lausche seiner Theorie. „Aber Harrison… das überkam sie flutartig, ohne danach gesucht zu haben… Bethany hat mit solchen Gefühlen noch nicht zu tun gehabt. Ich glaube, sie wusste bis zu dem Zeitpunkt noch gar nicht, was Liebe ist…“ sagt er abschließend und lächelt dabei. Ich antworte ihm nicht und starre auf sein Seitenprofil. „Und mal ehrlich, welche Beziehung würdest du dir für deine Tochter wünschen? Eine Unerreichbare, eine Eingebildete oder eine Echte?“ Schockiert wende ich mich von ihm ab und fange an, an meinen Fingernägeln zu kauen. „Ich wusste nicht, dass du so Bescheid weißt, mit mir spricht sie nicht darüber…“ gebe ich traurig zu. „Warte, Mary… das habe ich mir aus ihren lückenhaften Erzählungen zusammengereimt, aber ich bin mir ziemlich sicher, dass es so ist, ich kenne sie nun mal sehr gut. Auch wenn sie immer denkt, sie wäre geheimnisvoll…“ spricht er weiter und beginnt dabei zu lächeln. „… und das mit Allison, wieso schützt sie diese… ach, ich will es gar nicht aussprechen, wofür ich diese Person halte!“ beginne ich rasend vor Wut, um mich nicht mit seinen Worten auseinander setzen zu müssen. „Wen denkst du, will sie in erster Linie damit schützen?“ fragt er mich und legt wieder seinen psychologischen Unterton auf. „Ich… ich weiß nicht…“ antworte ich abgelenkt. „Sie will seine Familie schützen… seine Töchter und auch Collin, den Menschen, die man liebt, fügt man keinen Schmerz zu, auch wenn es einen selbst nicht weiterbringt…“ erwidert er gelassen. „Hast du eigentlich auf jede Frage immer gleich eine Antwort parat… das ist so nervig!“ platzt mir heraus, weswegen ich mir sofort die Hand auf den Mund lege. Owen muss laut loslachen. „Nein, habe ich nicht. Bethany ist nur einfacher gestrickt, als du denkst, oder sie selbst!“ „Ach, echt? Ich finde, mein Mädchen ist ganz schön schwierig…“ gebe ich ihm als Antwort. „Du hast das sehr gut mit ihr gemacht… Mary…“ Fassungslos starre ich ihm entgegen, und muss gegen so manche Tränen ankämpfen. „Meinst du das ernst?“ erkundige ich mich berührt. „Sie ist ein wahrer Schatz… oder sagen wir besser, ein Rohdiamant…“ antwortet er belustigt, woraufhin ich nicht anders kann, als laut loszulachen. „Du hast so recht, Owen. Ich bin so froh, dass sie dich hat. Danke!“ füge ich noch hinzu, und klopfe ihm freundlich auf die Schulter. Er nickt mir respektvoll zu. Es scheint, als wären meine Sorgen, meine Wut und Trauer mit einem Hauch verschwunden. Ich weiß, dass mein Mädchen ihren Weg gehen wird… auch wenn er lange und steinig wird…

Kapitel 4

0 h 35 min 56 sec

„Ich wollte dich eben nur fragen, ob du vielleicht in die Galerie mitkommen möchtest, damit du das Bild deiner Mutter ausgestellt betrachten kannst? Vorher hattest du keine Gelegenheit… und diese will ich dir bieten, ohne etwas zu verlangen. Bitte Collin, ich habe einen Schlüssel. Los gehen wir!“ bietet sie mir aufrichtig an. „Nein, danke…“ antworte ich ihr abfällig, mache kehrt und verschwinde in der Finsternis.

Diese Frau raubt mir noch den letzten Nerv. Warum hat sie nur diese nervige Angewohnheit, alles sofort wieder in Ordnung bringen zu müssen? Egal ob sie diese Person kennt oder nicht. Dabei kommt sie immer auf die skurrilsten Ideen. Hauptsache sie hilft sich selbst damit! Aber sie kann nun mal nicht anders, das weiß ich eigentlich. Still vor mich hin schweigend, komplett gedankenversunken und mit brodelnder Wut im Magen, laufe ich am Bürgersteig entlang und versuche einen klaren Kopf zu bekommen. Ich möchte auf keinen Fall Nachhause, und dabei zusehen wie Allison und mein Vater die Scheidungspapiere unterschreiben… Naja, zuhause? Das hier war niemals mein Zuhause, nur ein vermeintlicher Versuch unsere Beziehung am Leben zu erhalten, bei so einer großen Distanz zwischen uns. Und was hat es mir gebracht, außer Kummer und Sorgen? Nichts… Mit gesenktem Kopf spaziere ich weiter geradeaus und stecke meine Hände in die Hosentaschen. Wenn sie mir doch nur aus dem Kopf gehen könnte! Ich habe keine Ahnung, was diese Frau mit mir angestellt hat… und nun will sie mich nicht mehr…

Laut seufzend gehe ich auf die nächste Parkbank zu, um mich wieder hinzusetzen, hoffentlich ohne erneuten, unangekündigten Besuch. „Collin?“ höre ich dann doch plötzlich jemanden flüstern. Kann man hier nirgends seine Ruhe haben, verdammt?! „Oh, Allison, was machst du hier draußen?“ erkundige ich mich, als ich sie neben mir stehen sehe und biete ihr einen Platz an. „Will ich überhaupt wissen, was passiert ist?“ frage ich nach, als ich sehe, wie fertig sie aussieht.

„Es tut mir so leid, dass du den Streit vorhin mitbekommen hast!“ sagt sie mit zittriger Stimme. „Wieso hast du uns alle belogen, und dann noch Bethany so verrückte Sachen unterstellt?“ frage ich sie zornig. Sie zückt ein Taschentuch und wischt sich ihre Tränen weg. „Ich habe damals Mia versprochen, dass ich für ihre Familie da sein werde, egal was kommt. Nachdem ihre Eltern sie fallen gelassen haben, musste ich es schwören!“ beginnt sie zu erzählen. „Als ich mich jedoch in dem Lügennetz zu verstricken begann, tat ich alles, um meine Familie zu beschützen. Ich wollte in meinem Leben nie etwas anderes, als euch, meine Familie nennen zu dürfen, genauso wie Mia es für mich war…“ spricht sie weiter und verliert dabei unzählige Tränen. Ich rutsche näher an sie heran, und lege meinen Arm über sie. „Wir sind eine Familie, Ally!“ sage ich aufheiternd und streiche ihr über die Schulter. „Nein, so wie Bethany schon treffend formuliert hat, bin ich nicht deine Mutter. Vielleicht wird es wirklich Zeit, sich zurückzuziehen. Das habe ich verdient…“ sagt sie tränenreich und schluchzend vor sich hin. „Unsinn, du wirst immer ein Teil von mir sein.“ Als ich merke, dass meine tröstenden Worte keinerlei Wirkung zeigen, starre ich zu den Sternen hinauf, um mich wieder zu sammeln.

„Weißt du noch, als ich das erste Mal so richtig betrunken war?“ frage ich sie amüsiert. Endlich merke ich das Anzeichen eines Lächelns an ihren Mundwinkeln. „Wie könnte ich das jemals vergessen, du hast mich um 05:00 Uhr morgens angerufen, ich habe kaum einen Ton verstanden, von dem was du da gebrabbelt hast…“ antwortet sie schnaufend, während sie sich die restlichen Tränen mit den Handrücken wegwischt. „Du hast