Scheiß auf Kameras - AlexiBexi - E-Book

Scheiß auf Kameras E-Book

AlexiBexi

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15,99 €

  • Herausgeber: Riva
  • Kategorie: Lebensstil
  • Sprache: Deutsch
  • Veröffentlichungsjahr: 2019
Beschreibung

Wer braucht schon eine sündhaft teure Spiegelreflexkamera, um großartige Fotos zu machen? Die Zukunft des Fotografierens steckt in jeder Hosen- oder Handtasche – das Smartphone! Fotografie mit dem Handy ist so viel mehr als "draufdrücken und fertig". Clever eingesetzt macht es das Smartphone möglich, unglaubliche Ideen zu realisieren. Dieses Buch offenbart Techniken und Finessen, um mit dem Smartphone perfekte Bilder und Videos entstehen zu lassen. Nach einem kleinen Exkurs in die Kamerageschichte werden die Grundlagen der Fotografie wie Blende, ISO-Wert, Weißabgleich und Verschlusszeit erläutert und Möglichkeiten der Bildgestaltung gezeigt – von der Motivwahl bis zum optimalen Bildausschnitt. Wie setzt man Farben und Licht bestmöglich ein? Was gilt es beim Filmen mit dem Smartphone zu beachten? Welche Apps helfen dabei, Aufnahmen zu perfektionieren? Diese und weitere Fragen werden ausführlich beantwortet und lassen die winzige Kamera im Smartphone in neuem Licht erscheinen.

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB
MOBI

Seitenzahl: 186

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ALEX »ALEXIBEXI« BÖHM

MIT CAROLIN SCHWARTAU

SCHEISS AUF KAMERAS

ALEX »ALEXIBEXI« BÖHM

MIT CAROLIN SCHWARTAU

SCHEISS AUF KAMERAS

PERFEKT FOTOGRAFI EREN UND FILMEN MIT DEM SMARTPHONE

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie.Detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://d-nb.de abrufbar.

Für Fragen und Anregungen

[email protected]

Originalausgabe

1. Auflage 2019

© 2019 by riva Verlag, ein Imprint der Münchner Verlagsgruppe GmbH

Nymphenburger Straße 86

D-80636 München

Tel.: 089 651285–0

Fax: 089 652096

Alle Rechte, insbesondere das Recht der Vervielfältigung und Verbreitung sowie der Übersetzung, vorbehalten. Kein Teil des Werkes darf in irgendeiner Form (durch Fotokopie, Mikrofilm oder ein anderes Verfahren) ohne schriftliche Genehmigung des Verlages reproduziert oder unter Verwendung elektronischer Systeme gespeichert, verarbeitet, vervielfältigt oder verbreitet werden.

Redaktion: Silke Panten

Umschlaggestaltung: Marc-Torben Fischer, München

Umschlagabbildung: © Alex Böhm und Carolin Schwartau

Layout, Satz, Bildbearbeitung: Christoph Dirkes • 4cSONS mediendesign • www.4cSONS.de

Druck: Florjancic Tisk d.o.o., Slowenien

eBook: ePubMATIC.com

ISBN Print 978-3-7423-0899-3

ISBN E-Book (PDF) 978-3-7453-0560-9

ISBN E-Book (EPUB, Mobi) 978-3-7453-0561-6

Weitere Informationen zum Verlag finden Sie unter

www.rivaverlag.de

Beachten Sie auch unsere weiteren Verlage unter

www.m-vg.de

INHALT

Vorwort

DIE GESCHICHTE, GEGENWART UND ZUKUNFT VON »KAMERAS«

Kameras, wie wir sie einst kannten

Klassische Kameras, wie wir sie kennen

DSLRs oder: Spiegelreflexkameras

DSLMs oder: Systemkameras

Bridgekameras

Kompaktkameras

Smartphone-Kameras

Single-Lens-Kameras

Dual-Lens-Kameras

Triple-Lens-Kameras

Quad-Lens-Kameras

Penta-Lens-Kameras

Fazit

Kameras, wie ihr sie kennenlernen werdet

Erstens: Technik ist nur Mittel zum Zweck

Zweitens: Im »Müll« wühlen

Drittens: Vertraut keiner Werbung

Viertens: Fühlt euch wohl und kennt eure Leidenschaften

Was lernen wir daraus?

DIE KAMERATECHNIK EURES SMARTPHONES VERSTEHEN

Die Smartphones

Xiaomi Pocophone F1

Google Pixel 3 (XL)

Huawei Mate20 Pro und P20 Pro

Apple iPhone XS (Max)

Die grundlegenden Einstellungen von aktuellen Smartphones

Xiaomi Pocophone F1

Google Pixel 3 (XL)

Huawei Mate20 Pro und P20 Pro

Apple iPhone XS (Max)

HDR

RAW

GRUNDLEGENDE FOTOGRAFIE

Die Blende

Die künstliche Blende durch Single- oder Multi-Kamera-System

ISO

Die Verschlusszeit

Die kleine Schwester: Belichtungskorrektur

Der kleine Bruder: Serienbild

Der Weißabgleich

Sonderfall iPhone

DIE TECHNIK NUTZEN: BILDGESTALTUNG

Die Bildformate

Hoch- oder Querformat?

Sonderfall Panorama

Die Motive

Die Einstellungsgrößen

Makrofotografie

Variable Einstellungsgröße Zoom

Der optische Zoom

Der digitale Zoom

Der Hybrid-Zoom

Die Cadrage oder der Bildausschnitt

Drittelregel und Goldener Schnitt

Weiterführende Bildgestaltung: Der natürliche Rahmen

Weiterführende Bildgestaltung: Der negative Raum

Weiterführende Bildgestaltung: Linien und Strukturen

Die Perspektiven

DIE RELEVANZ DER FARBEN

Die Farbentypenlehre

Schwarz-Weiß-Fotografie

DAS LICHT

Das Mittagslicht

Diffuses oder richtungsneutrales Licht

Die Goldene Stunde

Die Blaue Stunde

Fotografieren bei Nacht

Nacht-Modi

Lichtmalerei

Augenglanz

THEMEN-HYBRID: LIVE- UND MOTIONAUFNAHMEN

FILMEN MIT DEM SMARTPHONE

Vorteile

Nachteile

HFR-/Zeitlupenaufnahmen

APPS VON DRITTANBIETERN

Foto-Apps

Apps zum Fotografieren

Apps zum Bearbeiten von Fotos

App-Sonderfall »Multicam«

Video-Apps

Apps zum Filmen

Apps zum Bearbeiten und Schneiden von Videos

ZUBEHÖR

Zubehör zum Fotografieren

Linsen

Licht

Stromversorgung

Stative & Befestigungen

Zubehör zum Filmen

Ton

Stabilisierungssysteme

Schlusswort

Bildnachweis

VORWORT

Hey, ihr Wissenslustmolche, und willkommen zu einer bisher unbekannten Art des Gedankentransportes meinerseits … unsererseits. Das hier ist kein YouTube-Video, keine Insta-Story, kein Tweet. Das hier ist ein Buch. Totholz. Warum? Weil nicht nur wir, sondern auch ihr genau wisst, dass es viel besser ist, selbst Hand anzulegen, als nur zuzugucken. Wir erzählen euch gleich mehr darüber, wer »wir« sind. Aber erst mal freuen wir uns sehr, dass ihr dieses Buch gekauft, geliehen, gefunden, geschenkt bekommen und aufgeschlagen habt, um mehr über das Fotografieren und Filmen mit dem Smartphone zu lernen. Heißt auch, dass ihr wohl etwas Neues lernen wollt und keinen Bock mehr auf den immer gleichen Kram habt. Wir wollen gemeinsam mit euch auf eine Reise gehen, bei der ihr entweder euer billiges China-Schrott- oder euer Flaggschiff-Smartphone in Sachen Foto und Film besser kennenlernen werdet. Am Ende, wenn ihr dieses Buch zuklappt, werdet ihr ziemlich genau wissen, wie ihr euer Smartphone richtig und effektiv einsetzen könnt. Oder besser gesagt: Ihr werdet all die Zweifler und modernen Technologieverweigerer das Fürchten lehren.

»Aber wozu? Warum macht ihr euch die Arbeit, so einen Papierstapel mit Buchstaben und Bildern zu füllen?«, fragt ihr euch vielleicht, und das zu Recht. Nun, wir gehen durch eine Welt, in der Menschen ihr Smartphone tagtäglich als ihren stetigen Begleiter in den Händen halten. Das Smartphone ist faktisch die meistgenutzte Kamera der Welt. Mal eben schnell ein Foto von unserem Haustier, unseren Freunden, unseren Körperteilen oder einer schönen Urlaubslandschaft. Kinderkram. Doch sitzt man später zu Hause bei Kaffee und Kuchen (oder Netflix und Chill) und schaut sich die Bilder an, dann entsprechen die Schnappschüsse oft nicht dem, was wir uns vorgestellt hatten. Hier ist eine Ecke abgeschnitten, da ist es irgendwie unscharf und dort sind die Farben zu doll oder zu oll. Woran liegt das? Warum ist es uns (zu) oft egal, wie wir unser Smartphone objektiv betrachtet richtig nutzen? Was kann man an einem Smartphone überhaupt alles einstellen? Was können wir tun, um Bilder zu kreieren, für die wir uns im Nachhinein beim Herumswipen nicht schämen müssen?

Vor allem kann man sich aber die Frage stellen, wie weit heutzutage die kreativen Möglichkeiten gehen, damit die bis unter die Zähne mit Power bewaffnete Kommunikationskeule wenigstens ein bisschen ins Schwitzen kommt. Ja, es gibt viele Artikel dazu im Internet, viele YouTube-Videos, viele Meinungen, aber in gedruckter Form so gut wie nichts (Authentisches). Fanden wir also ganz charmant, als Digital Natives mal ein »definitives Kompendium« herauszubringen, in dem ihr durch schnelles Blättern viel gezielter an eure Informationen kommt, als wenn ihr euch durch Videos spulen oder durch Postings scrollen müsst. Totholz mit Buchstaben hat also noch so seine Vorteile. Wer sich heute mit der Fotografie auseinandersetzen will, sollte sich die kleinen Kameras in all den unterschiedlichen Telefonen unbedingt genauer anschauen und den Blick vor neuer und zukünftiger Technik nicht verschließen. Sie liegt doch schon auf einem Silbertablett vor unseren Füßen, verdammt! Wir müssen sie nur verstehen und benutzen. Also, freut euch auf viele Seiten vollgestopft mit Halb … äh … Wissen, damit ihr euer Smartphone beim nächsten Mal in die Hand nehmen und von einem ganz neuen Blickwinkel aus betrachten könnt.

»Ach, scheiß drauf! Nehmen wir einfach ’ne professionelle Kamera und gut is’! In der Werbung war doch gerade so eine günstige Spiegel-Reflexzonen-Massage … äh … Kamera. Da weiß man auf jeden Fall, was man hat! Das sieht dann immer besser aus! Das steht auch so in all den Prospekten von Media Markt!« Wenn ihr so denkt, dann verleihen wir euch hiermit offiziell den goldenen Staubsauger. Der hilft euch dabei, staubige Gedanken wegzusaugen. Denn das »Werbedenken« ist so alt wie die Zielgruppe der öffentlich-rechtlichen Fernsehsender. Wer von euch jedoch sagt: »Am Arsch, das geht auch anders!«, der wird mit diesem Buch eine Menge Spaß haben. Ach und fast vergessen: Wir müssen uns ja noch einmal kurz vorstellen, wenn ihr uns nicht schon kennt. Das kommt mit einem »Danke« doch immer ganz gut, oder?

Also: ein Dankeschön an dieser Stelle nicht nur von mir, Alex Böhm (ein, zwei Leuten auch als »alexibexi« bekannt), sondern auch von meiner geschätzten Kollegin und Freundin Caro Schwartau. Sie ist schon seit einigen Jahren für die Kameraarbeit meiner Bewegtbildinhalte verantwortlich. Ihr kennt sie also schon ewig. Zumindest indirekt. #Filmemacher, #YouTuber, #ContentCreator, #Kamerafrau, #GuteSeeleHinterDenKulissenVonAlexibexi. Wir haben zwar studiert, aber hey. Wir sind Autodidakten. Wir wissen, dass nichts läuft, ohne es wirklich gemacht und ausprobiert zu haben. Kein Hersteller, keine Agentur und kein Entwickler bezahlt, umgarnt oder bepudert uns. Unser Buch ist Edutainment für jeden, der verstehen will, was für ein Potenzial in diesen winzigen Kameras von Smartphones steckt. Wir legen deswegen ganz bewusst den Fokus auf Technik und machen nur der Vollständigkeit halber einen Crashkurs der klassischen »Fotolehre«.

Wir wollen euch, so gut wir können, durch Inspirationen dazu verführen, kreativ aus den immer wieder heruntergebeteten Regeln der Fotografie auszubrechen, und einfach mal machen lassen. Daher heißt es für jeden von euch, der das Buch bis zum Ende verinnerlicht hat: rausgehen, machen, do it! Das ist heutzutage viel spannender, hilfreicher und nachhaltiger. Jeder ist, hat und kann Kamera!

DIE GESCHICHTE, GEGENWART UND ZUKUNFT VON »KAMERAS«

Okay. Also. Wir werden über Kameras reden. Über Smartphone-Kameras. Wir werden auf jeden Fall über Fotos und über Videos reden.

Zu Beginn deutlich mehr über Fotos, weil sich die technischen und gestalterischen Grundlagen der Videofunktion an denen der Fotos orientieren und die Videofunktion sich sozusagen nur »draufsetzt« aufs gemachte Nest … also »ins« gemachte Nest. Typisch.

Viele von euch nehmen moderne Technologien für selbstverständlich. Das nervt. Eure stundenlangen Gaming-Sessions an der Xbox auf Twitch entstammen auch Gameboys oder gar Pong-Maschinen. Euer dauerunbefriedigtes Songgeskippe auf Spotify entstammt Schallplatten oder gar Tonbändern.

Eure überzüchteten Drölf-Megapixel-Serienbild-Selfie-Monster aka »Smartphone« entstammen Filmrollen oder gar Fotoplatten. Vielleicht gehört der ein oder andere von euch auch noch zu der Generation, die sich mit Freunden über die Megapixelzahl auf dem Nokia 3310i unterhalten hat.

Wie stolz wir damals waren: Fotos mit dem Handy machen! Hätten wir da schon gewusst, wohin sich Kameras von Mobiltelefonen entwickeln würden, hätten wir wohl nur müde gelächelt. Na ja, das Internet hatte ja auch »keine Zukunft« und überall hätte es schon fliegende Autos oder selbstschnürende Turnschuhe geben müssen.

Für uns eröffnete sich damals eine ganz neue und faszinierende Welt, in der wir nicht immer unsere »Partyknipse« dabeihaben mussten. Fotos (ja, und Musik) wurden via Infrarot und Bluetooth miteinander getauscht. Auch wenn man sich keinen Millimeter dabei bewegen durfte, war das der Wahnsinn! Der Weg bis dorthin und inzwischen bis hierhin war aber lang und teilweise furchtbar.

Das zu wissen und zu verstehen, ist eine Herzensangelegenheit unsererseits und ein erster wichtiger Schritt, um das Thema Kameras in Smartphones zu verinnerlichen. Das sagen wir nicht, weil wir alte, verbitterte »früher war alles besser«-Hinterhertrauerer sind, sondern weil es – neben nützlichem Angeber-Party-Wissen – vor allem Sicherheit und Vertrauen gibt. Ihr werdet sehen: Smartphone-Fotografie ist kein moderner Firlefanz. Die Grundsätze sind seit Jahrzehnten gleich, nur die Möglichkeiten verändern sich. Und dich. #Bushidoanspielung.

KAMERAS, WIE WIR SIE EINST KANNTEN

Schauen wir doch mal: Wann und womit ging es eigentlich los? Wie sah die erste Kamera aus und wie sah überhaupt die erste Smartphone-Kamera aus? Was hat sich technisch bis heute verändert und ab wann war es überhaupt möglich, Fotos sofort mit allen zu begucken und zu teilen?

Im 4. Jahrhundert v. Christus beschrieb Aristoteles erst mals das optische Grundprinzip der »Fotografie« (altgriechisch »Licht« und »zeichnen«) oder bessser gesagt: das Prinzip der Camera obscura. Diese wird auch als Lochkamera bezeichnet. Guckt euch das Bild an. In dem Raum mit dem Loch auf der einen Wand trifft das durch das Loch kommende Licht eines Motivs auf die gegenüberliegende Wand. Dabei entsteht ein auf dem Kopf stehendes und seitenverkehrtes Bild. Unser Auge funktioniert übrigens fast genauso. Unser Gehirn dreht das Bild dann »richtig herum«. Wir nennen das: sehen. Wow. #Brainplosion.

Das sichtbare Bild hat man damals salopp gesagt »abgepaust«. Es gab noch kein beständiges Medium, das die Abbildung »speichern« konnte.

Die eigentlichen Erfinder der Fotografie sind jedoch Joseph Nicéphore Niépce und Louis Daguerre. Joseph nahm 1826 das erste Foto auf. Es war der Ausblick aus seinem Arbeitszimmer. Was erkennt ihr auf dem Foto? Nichts, oder?

Das erste Foto, das jemals aufgenommen wurde.

Die Aufnahme dauerte damals unfassbare acht Stunden und wurde auf eine Zinnplatte belichtet, also »gespeichert«. Wie anstrengend wohl erst ein Selfie gewesen sein müsste. Heute schimpft ihr doch schon über vier Sekunden Ladezeit bei Netflix. In der Zeit könntet ihr wirklich eine Menge Kaffee oder glutenfreies Bio-Wasser in euch hineinschütten. Louis wurde im Laufe der nachfolgenden Jahre Josephs Partner und entwickelte 1839 ein Aufnahme- und Entwicklungsverfahren mit Kupferplatten und Quecksilberdämpfen. Die Dauer bis zum fertigen Bild wurde – für damalige Verhältnisse – enorm kurz. Man nannte es die Daguerreotypie. Ja, das war gesundheitlich wirklich richtig mies. Aber technisch top! Das war so gut, dass man auf so einer Fotoplatte unter der Lupe noch feine Details in den Gesichtern oder der Kleidung erkennen konnte! 1840 hatten Kameras also schon einen besseren Standard als heutige Billigkameras.

Die Kamera, die man wirklich tragen konnte: die Kodak 1.

Bis hierhin war das alles aber sperrig. Eine Kamera, ein Bild, ewige Wartezeiten, bis man mit dem Foto irgendwas anfangen konnte. Fotos machen war dann doch etwas für Leute mit zu viel Zeit, zu viel Geld und Pferdekutschen für die umzugskartongroßen Kameras … oder? Fast. Wie alles im Leben wurden auch Kameras irgendwann »industrialisiert« und Industrialisierung setzt zumindest ein Minimum an Standardisierung voraus. Im Jahr 1888 kamen die ersten Aufnahmemedien in Rollenform heraus (Fotofilme), zusammen mit der ersten tragbaren Kamera, der Kodak 1.

Hat eigentlich »nur« 25 Dollar gekostet. Schnapper! Von wegen. Das wären heute satte 700 Dollar. Die Kodak 1 war den Leuten aber immer noch zu schwer (und zu teuer). Also tüftelten Menschen selbst privat an neuen Möglichkeiten herum und schwupps: Der erste Prototyp einer Kompaktkamera wurde 1914 von Oskar Barnack entwickelt. Der hatte Ahnung von dem Thema, da er bei Leitz arbeitete. Deswegen nannte man seine Erfindung später auch Leica (Leitz Camera). Das war für die Fotografie ein verrückter Fortschritt, denn damit wurden die sperrigen Boxkameras Geschichte. Der Witz an dem Ding war: 35 Millimeter Kinofilm wurden auf kleine Rollen gewickelt und als Aufnahme-medium genutzt. Das war günstig und qualitativ richtig gut, denn das Format war gängig und ist bis heute (!) Maßstab: das Kleinbildformat. Aufgrund des Ersten Weltkriegs kam diese erste Leica jedoch erst 1925, also ganze elf Jahre später, auf den Markt. Aber auch hier hieß es effektiv: warten. Denn dieser Film musste selbstverständlich erst einmal entwickelt werden. Immerhin sprechen wir hier nun nur noch von wenigen Stunden für eine ganze Rolle!

Bis hierhin war alles schwarz-weiß. Erst 1936 geht der für uns interessante Teil weiter, denn in dieser Zeit gab es die ersten alltagstauglichen und vom Grundprinzip bis heute gleich gebliebenen Farbfotos von Kodak (auch bekannt als Kodachrome und Agfa).

Die erste Kompaktkamera (Leica). Bis heute ist ihr Kleinbildformat Maßstab.

Das war richtig geil, denn mit so einer realitätsnahen Abbildung der Wirklichkeit wollte jeder herumlaufen. Also überlegten sich kluge Köpfe, wie man Kameras und Fotos basteln könnte, die nicht stundenlang entwickelt werden müssen. Zack: 1948 wurde die erste Kamera an den Mann (und die Frau) gebracht, die zum allerersten Mal in der Geschichte der Fotografie ein Foto im Schnellverfahren entwickeln konnte. Es war die Polaroid von Edwin H. Land oder genauer: sein Spezialfilm, der alle bis zu diesem Zeitpunkt bekannten Filmaufnahme- und Entwicklungsverfahren idiotensicher vereinte. Edwins Sofortbildkamera und ihr Prinzip haben bis heute Kult und sind immer noch sehr beliebt, egal ob bei Profis oder Hobbyfotografen. Kult geht halt immer. Damals war diese Kamera in den Köpfen der Foto-Enthusiasten der Startschuss für, wie wir es heute nennen würden, »mobile Fotografie«. Was folgte daraus? Richtig. Perfektionierung.

Eine revolutionäre Erfindung: die Sofortbildkamera von Edwin H. Land.

Aber das war noch nicht genug, denn wir wollten einerseits nicht mehr lange warten müssen, andererseits wurden wir auch bedienfaul. Keiner wollte mehr von Hand irgendwelche Knöpfe drücken, also musste Technik nachhelfen. 1956 gab es die erste Kamera mit einer automatischen Funktion: der Zeitautomatik. Die Aufnahmezeit für Fotos musste nicht mehr manuell eingestellt werden. Heilige Scheiße! Die Hersteller hatten Blut geleckt. Wenige Jahre später, 1978, kam mit der Konica C35 AF die erste automatische Schärfeeinstellung auf den Markt und kurz darauf konnte auch die Blende automatisch eingestellt werden. Halleluja! Wir kennen diesen Hokuspokus heute jeweils unter »Autofokus« und »Belichtungsautomatik«. Damals waren das die am schnellsten adaptierten Funktionen für alle vorhandenen und noch erscheinenden Kameras. Wir sind halt eine faule Spezies. Das war aber auch gleichzeitig die Geburtsstunde der digitalen Kameras. Warum? Nun, mehr Funktionen bedeuten auch mehr Möglichkeiten zum Ausprobieren. Wenn Technik solche »einfachen« Dinge übernehmen kann, warum nicht auch noch andere? Komplexere? Also kam man – schon wieder – bei Kodak auf die Idee, Bilder auf Kassetten zu speichern. Warum auch nicht? Tonbänder waren damals das ultimative Schweizer Taschenmesser für … alles (Musik, Sprache, Computerspiele usw.).

Diese Kamera hat mit heutigen Standards nichts mehr zu tun, war damals aber ein Meilenstein.

Dieser 4 Kilo schwere Kasten nahm sage und schreibe 0,01 Megapixel große Fotos auf Kassette auf und brauchte dafür nur 23 Sekunden. Irre. Problem bis hierhin war nur: Im Gegensatz zum klassischen Film war die »digitale Qualität« unterirdisch. Aber so richtig. Erst Mitte der 1980er-Jahre verhalf die Kombination aus neuartigen Farbsensoren (Bayer-Sensor) und ausreichend Megapixeln der digitalen Kamera zum Durchbruch. Aber zieht euch das mal rein: Wir befinden uns aktuell etwa Ende der 1980er-Jahre. Erst jetzt werden Kameras langsam, aber sicher für die Allgemeinheit bedienbar, praktisch und können mehr als »nur ein Foto machen«. Wo haben wir noch mal angefangen? Ah richtig, 18 fucking 26. #HundertsiebzigJahreSpäter (oder wahlweise Sponge-Bob-Meme).

Puh. Lasst uns kurz Luft holen. Wobei, können wir das? Der Fortschritt der Kameratechnik wurde ab hier immer krasser. Schlag auf Schlag gab es etwas Neues. Zeit zum Durchatmen? Fehlanzeige! Deswegen möchten wir uns ab hier ein wenig organisieren, eine Grenze ziehen und auf die Entwicklung der Handykameras eingehen. Natürlich geht parallel die Geschichte der klassischen Kameras weiter, also die Geschichte der »großen und kleinen Brüder und Schwestern«, wie DSLRs, DSLMs, System-/Kompaktkameras usw. gern genannt werden. Die wird in diesem Buch aber nur noch bei Bedarf oder als Exkurs zur Erklärung wichtiger Funktionen angerissen.

Also noch mal: Versuchen wir, kurz Luft zu holen. Denn bis hierhin habt ihr schon sehr viel gelernt. Versteht ihr jetzt etwas besser, was wir zu Beginn des Kapitels mit »Verständnis« meinten? Wie fühlt es sich nun an zu wissen, wer die Eltern … Großeltern der modernen Kameratechnik sind? Ist es nicht schön, dass selbst moderne Icons in Apps oder Spielen immer noch so aussehen wie alte Kameras? Es ist nicht nur ein Symbol. Es ist eine Wertschätzung und eine Verknüpfung mit dem, was all das ausmacht. Wertschätzung von Wurzeln bringt übrigens auch im sozialen Umfeld viel. Probiert’s mal zu Hause aus.

»Aber warte mal, wie kamen diese riesigen Dinger denn jetzt in mobile Telefone, die nicht größer als eine Schokoladentafel sind?« Gute Frage! Antwort kommt auch schon per Same Moment Delivery: Das hatte etwas mit (der enorm wichtigen) Digitalisierung und (somit möglich gewordenen) Miniaturisierung zu tun. Als die ersten tragbaren, drahtlosen Telefone in Miniaturformat die Rucksäcke der Menschen füllten, dachte noch keiner an Kameras. Oder SMS. Oder Instagram. Oder potenzielle Sicherheitslücken, um private Nachrichten ausspionieren zu können. Diese Ausgeburten der Hölle waren vielmehr spannend, wenn man früh an Krebs sterben wollte. Immerhin, bereits 1926 durfte sich die 1. Klasse der Deutschen Reichsbahn zwischen Hamburg und Berlin über Telefonie von unterwegs freuen. Zugpostfunk nannten die Herrschaften dieses Konstrukt.

Erstmals von unterwegs telefonieren zu können war der Wahnsinn! Zum Glück darf heute jeder telefonieren, nicht nur die Schnösel der 1. Klasse.

Wie alles im Leben wurden jedoch auch Telefone irgendwann »industrialisiert« und Industrialisierung setzt zumindest ein Minimum an Standardisierung voraus. Schön auswendig gelernt, oder? Also wurde mit Funkwellen gespielt und Radiofrequenzen wurden erst mal zweckentfremdet, um formschöne, analoge Prototypen wie diesen hier zu erschaffen, den DynaTAC 8000X.

Jetzt kommt’s: Erst Anfang der 1990er gab es dann digitale Mobilfunknetze, die man damals wie heute als D-Netz kennt. Das war der Startschuss für die Hersteller, um ihre Telefone klein, handlich und praktisch zu machen. Digitale Netze brauchen viel weniger Akku und all die Power konnte in alternative Ideen gesteckt werden wie SMS oder Kameras. Trommelwirbel. Es ist so weit. Wir sind unserem Thema so nah wie bei einem aufregenden Topfschlagen-Match. Die ganze Meute brüllt gerade laut entgegen: »Heiß! Heiß!«

Wir schreiben inzwischen das Jahr 1999. Da kamen diese komischen Dinger auf den Markt, mit denen man unterwegs nicht nur telefonieren, sondern auch – festhalten! – fotografieren konnte. Habt ihr das gespürt? Die Erde unter euch hat ein kleines bisschen gebebt. Das Toshiba Camesse machte den Anfang. Es war beeindruckend hässlich, aber bemerkenswert, da es eine neue Zeit einläutete. Es kam erst in Japan und drei Jahre später auch in Europa auf den Markt und sah wohl eher aus wie ein Tamagotchi und nicht wirklich wie ein technologisches Meilenstein-Mobiltelefon. Dieses Prachtexemplar konnte mit der integrierten – ich wiederhole: integrierten (!) – Kamera satte 0,1 Megapixel aufnehmen und hatte auch schon eine Grafiksoftware zum rudimentären Bearbeiten der Bilder mit an Bord. Das war so viele Jahre vor iPhone, Android & Co.

Wie es nun einmal so ist, ab hier gingen der Neid und das Abgucken der anderen so richtig los. Die Handyfotografie ist zwar im Vergleich zur Geschichte der klassischen Fotografie nicht sehr alt. Doch in dieser kurzen Zeitspanne haben sich die Handykameras enorm schnell weiterentwickelt (die Mobiltelefone an sich natürlich auch) und tun es immer noch. Ab hier heißt es also Vollgas!

Das Rennen um Kameras in Smartphones und immer mehr Pixel bei Mobiltelefonen begann mit dem Nokia 7650 und dessen integrierter Kamera. Nokia kam 2002 mit dem 7650 und mit 0,3 Megapixeln (also 640 × 480 Pixel) an den Start. Witzig zu wissen: Es gab auch schon vor und parallel zu diesem Nokia viele weitere Mobiltelefon-Hersteller mit Kameras, aber in der Regel nur als Aufstecklösung.

Getreu dem Motto »Hauptsache, dabei«. Eher: Hauptsache, nicht zu Ende denken. Das war fummelig, unzuverlässig, qualitativ schlecht und verhältnismäßig teuer.

Das Rennen der Hersteller beginnt: Nokia legt mit seinem 7650 vor.

2004 platzte dann die (Marketing-)Bombe. Das war die Zeit des Sharp GX30. Das erste Fotohandy mit einer Auflösung von einem ganzen Megapixel. Sensation! Man konnte damit sogar 45 Sekunden Videos machen und direkt am Telefon (mehr oder weniger gut) bearbeiten.

Es wurde immer weiter herumprobiert. Die Hersteller waren wie besessen. Es kamen dabei auch die merkwürdigsten Formen von Mobiltelefonen heraus. Teilweise so absurd, dass manche Handy-Hersteller damit ihr eigenes Grab schaufelten. Bestes Beispiel: Nokia.

Handys mussten also immer mehr wie Kameras aussehen. Warum auch immer. Die Hersteller wollten wohl so sehr ihre Produkte als modern, technologisch wertvoll und futuristisch, aber dennoch klassisch verkaufen, dass sie ihre eigenen, tatsächlich klassischen und zukunftsweisenden Kameras und Visionen wegkannibalisierten, sodass sie am Ende selbst nicht mehr wussten, wohin die Reise überhaupt gehen soll. Da kamen dann im Laufe der Jahre solche Schreckensgespenster in die Regale:

Man wusste wirklich nicht so recht, wo man eigentlich mit Mobiltelefonen hin wollte. Solche komischen Dinger waren das Resultat.