Schmetterlinge. Erzählungen - Robert Prosser - E-Book

Schmetterlinge. Erzählungen E-Book

Robert Prosser

0,0
2,99 €

-100%
Sammeln Sie Punkte in unserem Gutscheinprogramm und kaufen Sie E-Books und Hörbücher mit bis zu 100% Rabatt.

Mehr erfahren.
Beschreibung

In seinen atmosphärisch dichten Erzählungen »Schmetterlinge«, »Switchhitter« und »Paradies« findet Robert Prosser für historische wie aktuelle Stoffe eine überzeugende, meisterhafte Komposition, angelegt als spannungsreiches Spiel mit Fakt und Fiktion. Schmetterlinge: ein Flügelschlag in der Geschichte der jungen Vorkosterinnen von Hitler zwischen Essen und Bangen – in jedem Gericht könnte das Gift sein, jeden Tag. Der Krieg im Hintergrund als fernes Flugzeugbrummen. Switchhitter: Boxkämpfe in leerstehenden Fabrikhallen in Manchester, die Wetten, das Toben des Publikums. Nicht ums große Geschäft geht es hier, es zählt der Kick, ein Aufbegehren der Körper, ein Abtrotzen von Leben. Paradies: Was ist die Schönheit eines Ortes, was Freiheit? Die Existenz des Dichters und Naturforschers Eugène Marais aus Südafrika zeigt sich während seiner selbst gewählten Isolation auf dem Hochplateau des Waterbergs in seiner ganzen Zerbrechlichkeit. Morphiumsucht, ein Plagiatsfall und Selbstmord beenden ein Leben abseits des Ruhms. Randfiguren, Naturextreme, Gewalt, das sind die Themen des Autors Robert Prosser, die er souverän und soghaft umsetzt. Robert Prosser schreibt rasant, vielschichtig, bildmächtig – einfach beeindruckend.

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB
MOBI

Seitenzahl: 55

Veröffentlichungsjahr: 2015

Bewertungen
0,0
0
0
0
0
0
Mehr Informationen
Mehr Informationen
Legimi prüft nicht, ob Rezensionen von Nutzern stammen, die den betreffenden Titel tatsächlich gekauft oder gelesen/gehört haben. Wir entfernen aber gefälschte Rezensionen.



Robert Prosser

Schmetterlinge

Erzählungen

CulturBooks Verlag

www.culturbooks.de

Über das Buch

In seinen atmosphärisch dichten Erzählungen »Schmetterlinge«, »Switchhitter« und »Paradies« findet Robert Prosser für historische wie aktuelle Stoffe eine überzeugende, meisterhafte Komposition, angelegt als spannungsreiches Spiel mit Fakt und Fiktion.

Schmetterlinge: ein Flügelschlag in der Geschichte der jungen Vorkosterinnen von Hitler zwischen Essen und Bangen – in jedem Gericht könnte das Gift sein, jeden Tag. Der Krieg im Hintergrund als fernes Flugzeugbrummen.

Switchhitter: Boxkämpfe in leerstehenden Fabrikhallen in Manchester, die Wetten, das Toben des Publikums. Nicht ums große Geschäft geht es hier, es zählt der Kick, ein Aufbegehren der Körper, ein Abtrotzen von Leben.

Paradies: Was ist die Schönheit eines Ortes, was Freiheit? Die Existenz des Dichters und Naturforschers Eugène Marais aus Südafrika zeigt sich während seiner selbst gewählten Isolation auf dem Hochplateau des Waterbergs in seiner ganzen Zerbrechlichkeit. Morphiumsucht, ein Plagiatsfall und Selbstmord beenden ein Leben abseits des Ruhms.

Randfiguren, Naturextreme, Gewalt, das sind die Themen des Autors Robert Prosser, die er souverän und soghaft umsetzt. Prosser schreibt rasant, vielschichtig, bildmächtig – einfach beeindruckend.

Über den Autor

Robert Prosser, geboren 1983 in Tirol. Studium der Komparatistik und Kultur- und Sozialanthropologie in Innsbruck und Wien. Längere Aufenthalte in Asien, in der arabischen Welt und in England. Teil der Innsbrucker Lesebühne Text ohne Reiter. Österreichischer Kurator von Babelsprech – Junge deutschsprachige Lyrik. Einige Auszeichnungen, darunter Aufenthaltsstipendium am Literarischen Colloquium Berlin (LCB) 2014, Grenzgänger-Stipendium der Robert-Bosch-Stiftung 2014, Reinhard-Priessnitz-Preis 2014. Veröffentlichte bisher im Klever Verlag die Prosadichtungen »Strom« (2009) und »Feuerwerk« (2011) sowie den Roman »Geister und Tattoos« (2013).

Inhaltsverzeichnis

Paradies
Switchhitter
Schmetterlinge

Impressum

Originalausgabe: © CulturBooks Verlag 2015

Gärtnerstr. 122, 20253 Hamburg

Tel. +4940 31108081, [email protected]

www.culturbooks.de

Alle Rechte vorbehalten

Lektorat: Senta Wagner

Umschlaggestaltung: Magdalena Gadaj

eBook-Herstellung: CulturBooks

Erscheinungsdatum: 01.01.2015

ISBN 978-3-944818-76-4

Paradies

Folgende Erzählung beruht auf Leben und Werk Eugène N. Marais’ (1871–1936), eines südafrikanischen Forschers und Poeten. Gewollt oder nicht, Marais neigte zu Premieren: Als einer der Ersten verfasste er Gedichte auf Afrikaans sowie biologische Studien, darunter »Die Siel van die Mier« (»Die Seele der weißen Ameise«, 1925) über das Bewusstsein von Termiten. Während des Zweiten Burenkrieges (1899–1902) zog er sich, von Depressionen und Morphiumsucht geplagt, für drei Jahre auf den Waterberg im Transvaal zurück. Hier lebte er mit einer großen Herde von Pavianen und erhielt dadurch die Möglichkeit einer Langzeitstudie an Primaten, ein Novum in der Naturwissenschaft.

Rotsandig, sonnenverbrannt zeigt sich ihm die Ebene vom Steilhang aus. Er vermisst die Gespräche mit Zeitungskorrespondenten, willkommene Gelegenheiten, sich eine Vorstellung von Britannien zu bewahren, die unberührt war von der Schmach, dass man ihn, den Studenten aus Südafrika, mit Kriegsausbruch als Feind tituliert des Landes verwiesen hatte. Ein Britannien alltäglicher Absonderlichkeiten, welche auch in Johannesburg oder Bloemfontein gepflegt wurden: Eine Bekannte, der Heirat wegen von Birmingham in die Kolonie verschlagen, achtete darauf, die gewohnte Trennung der Geschlechter selbst in den privaten Buchregalen durchzusetzen, und sortierte die Werke weiblicher und männlicher Autoren auf gegenüberliegenden Wänden der Bibliothek, duldete ein Naheverhältnis, Buchdeckel an Buchdeckel, nur, handelte es sich bei den Autoren um ein Ehepaar. Thomas, ein junger Waliser und Korrespondent des Daily Telegraph, harrte in einem Hotel unweit des Zentrums von Pretoria der Gelegenheit, an die Front im Transvaal oder Orange Free State zu gelangen. Erfreut, dass Marais sich in die Lobby verirrt hatte, erzählte er ihm, dass ein Kriegsreporter, kaum verlässt dieser die heimische Insel, in die Folterkammer des ungünstigen Klimas gerät, sich in der Unerträglichkeit der Dschungel und Savannen, Wüsten und Sandstürme verliert, auf Fremde stößt mit anderen Bräuchen und Kleidung, mit Sprachen, die einzig aus harten Zungenschlägen zu bestehen scheinen; Menschen, die keine Zurückhaltung, keinerlei Vorstellung von Distanz besitzen, oder aber in einem verworrenen System aus Handschlägen, Blicken, Worten handeln, welches als zu kompliziert erscheint, als dass je ein in englischen Internaten gebildeter Mann sie verstehen könnte. Ganz Afrika ließe sich, so Thomas, in verschiedenste Formen des Fiebers unterteilen, in der nördlich gelegenen portugiesischen Kolonie grassiere Malaria, in Cape Town dagegen eine hartnäckige Form des Dengues, doch wider den Ausschlägen und Durchfällen bewahre man sich ein wenig Haltung, träume von Mädchen und Abenteuern (Abenteuer, notierte Eugène an diesem Abend, ist eine langweilige Hotellobby in der Hölle), den Extremen ausgeliefert, den äußersten Positionen, die der Glaube an einen Gott oder an tausend, an Bäume oder Tiere oder Teufel, an Sterne oder die Elemente bereithält. An alles werde geglaubt, merkte Thomas kopfschüttelnd an und wischte sich mit einem blauen Seidentuch den Schweiß von Stirn und Nacken. Er riss sich von seinen Gedanken los und kam auf William Gatacre zu sprechen, den kleinen, drahtigen General des britischen Afrikakorps (ausgezehrt, weil er seiner eigenen Vitalität nicht nachkommt, wird Winston Churchill ihn in seinen Memoiren charakterisieren), der in den Steigbügeln stehend in die Schlacht von Chitcal geritten war, wegen einer in der Arschbacke eiternden Gewehrkugel, diesen Gatacre, vertraute Thomas Eugène an, habe kurz nachdem seine Frau mit einem anderen durchgebrannt war ein Schakal gebissen, weshalb ihn seither ein nervöses Zucken befalle, höre er im nächtlichen Veld das Jaulen dieses den Bataillonen folgenden Aasfressers.