Schutzlos und Hochsensibel - Jenna Lynase - E-Book

Schutzlos und Hochsensibel E-Book

Jenna Lynase

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  • Herausgeber: BookRix
  • Kategorie: Ratgeber
  • Sprache: Deutsch
  • Veröffentlichungsjahr: 2020
Beschreibung

Hochsensibel, empfindlich, schutzlos? Lange Zeit wurden hochsensible Menschen in unserer Gesellschaft verkannt. Hat man Ihnen auch schon vorgeworfen sie seien "zu" weich? Damit ist jetzt Schluss! Besonders Frauen haben in dieser Hinsicht mit vielen Vorurteilen zu kämpfen! Wir laden Sie ein auf eine Reise zu sich selbst, um ihre Empfindsamkeit als ihre Superpower zu entwickeln! Wir räumen mir Vorurteilen über hochsensible Menschen auf und liefern fundiertes, psychologisches Grundwissen. Besonders Frauen finden hier in Bezug auf Weiblichkeit, Intuition und Lebenskraft endlich Antworten. Lernen Sie sich selbst besser kennen und wachsen Sie über sich hinaus. Das erwartet Sie: ✓Was ist Hochsensibilität und wie gehe ich im Alltag damit um? ✓Der Selbsttest: Bin ich hochsensibel? ✓ Balancieren Sie ihre weibliche und männliche Energie und kommen Sie in ihre ursprüngliche Lebenskraft! ✓Wie kann ich meinen Energiehaushalt vor äußeren Einflüssen schützen? Viele praktische Tipps zur Meditation, Visualisierung und Selbsteinschätzung… ✓und vieles mehr … Holen Sie sich dieses Buch und machen sich auf den Weg…Gehen Sie JETZT den ersten Schritt und kommen Sie endlich in ihre ureigene Kraft zurück!

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Jenna Lynase

Schutzlos und Hochsensibel

Wie Sie als hochsensible und empathische Frau ihre Empfindsamkeit erkennen und diese nutzen lernen

BookRix GmbH & Co. KG80331 München

Titel

 

Schutzlos

und

Hochsensibel

 

 

 

Wie Sie als hochsensible und empathische Frau ihre Empfindsamkeit erkennen und diese nutzen lernen.

 

 

 

 

 

 

Jenna Lynase

Rechte

 

Alle Ratschläge in diesem Buch wurden vom Autor und vom Verlag

sorgfältig erwogen und geprüft. Eine Garantie kann dennoch nicht

übernommen werden. Eine Haftung des Autors beziehungsweise

des Verlags für jegliche Personen-, Sach- und Vermögensschäden

ist daher ausgeschlossen.

Schutzlos und Hochsensibel

Copyright © 2020 Jenna Lynase

 

 

Alle Rechte, insbesondere das Recht der Vervielfältigung und

Verbreitung der Übersetzung, vorbehalten. Kein Teil des Werkes

darf in irgendeiner Form (durch Fotokopie, Mikrofilm oder ein

anderes Verfahren) ohne schriftliche Genehmigung des Verlages

reproduziert oder unter Verwendung elektronischer Systeme

gespeichert, verarbeitet, vervielfältigt oder verbreitet werden.

 

Auflage 2020

Einleitung

Dieses Buch ist Nahrung für Frauen, die den Weg zu sich selbst verloren haben, die sich vielleicht verstecken, sich als unpassend empfinden, zu viel, zu übertrieben oder zu dramatisch sind. Die Rede ist von den hochsensiblen Frauen unter uns.

Wie oft haben Sie sich schon deplatziert oder einfach nicht „richtig“ gefühlt? Wurde Ihnen geraten, sich nun doch mal zusammen zu reißen oder etwas nicht zu schwer zu nehmen? Kommt Ihnen das bekannt vor?

Wir wollen aufräumen mit den normierten Anforderungen, die unsere Leistungsgesellschaft an Frauen stellt und damit versucht, die Intuitiven unter Ihnen in eine maßgeschneiderte Form zu pressen. Dieses Buch ist ein Jubel auf Weiblichkeit, Kraft und Intuition! Es entlarvt Vorurteile, gesellschaftliche Engpässe und den künstlich kreierten Erwartungsdruck.

Das vorliegende Buch untersucht das Phänomen der Hochsensibilität ausführlich und beleuchtet bisher noch unbekannte Aspekte, in denen sich dieses Thema zeigt.

Häufig agieren Hochsensible in Abhängigkeit des Hintergrunds, vor dem sie sich bewegen! So facettenreich Frauen sowieso bereits sind - die Welt der hochsensiblen Frauen ist um einiges bunter und eindrucksvoller!

Dieses Buch soll Sie einladen, auch unkonventionelle Aspekte rund um das Thema der Hochsensibilität zu betrachten und auf diese Weise schädlichen Einflüssen von außen, besonderen Bedürfnissen und den Potenzialen der Hochsensibilität auf die Spur zu kommen.

Lernen Sie, sich besser einzuschätzen, abzugrenzen und Ihre Energien für sich ökonomisch zu verwalten. Nur weil man alles geben kann, heißt das noch lange nicht, dass man alles geben muss! Dies gilt sowohl im Arbeits-, als auch im Beziehungsleben und in allgemeinen zwischenmenschlichen Situationen. Hochsensible Frauen sind in jeder Hinsicht potenzialreich. Die Kunst besteht jedoch darin, diese Potenziale zu erkennen und sie nicht in einem unpassenden und energiesaugendend Umfeld zu bewegen.

Erkennen Sie Ihre tiefe Intuition, Ihre Weisheit und eine tiefe Verwurzelung mit Ihrem inneren Selbst wieder als Teil ihrer integrativen Persönlichkeit an. Durch die Reintegration bestimmter Persönlichkeitsanteile können sie sich einen Weg hin zu ihrer ureigenen Kraft bahnen. Sie sind herzlich eingeladen, sich mit uns auf diesen spannenden Weg zu begeben und Licht in die versteckten Seiten der hochsensiblen Welt zu bringen.

Checkliste: Bin ich hochsensibel?

Anhand der folgenden Checkliste dürfen Sie nun bereits prüfen, ob auch Sie im Bereich der Hochsensibilität verortet sind. Lesen Sie sich dazu die folgenden Fragen durch und beantworten Sie diese für sich.

 

Sind Sie in Ihrem sozialen Umfeld dafür bekannt, spontan eine starke Fähigkeit zur Begeisterung zu entwickeln?Wurde Ihnen in Beziehungen schon häufiger vorgeworfen, dass Sie über ein starkes Streben nach Unabhängigkeit und Freiheit verfügen?Beobachten Sie sich selbst: Verfügen Sie über extreme Empathie und die Fähigkeit zur Perspektivübernahme?Welche Position nehmen Sie in Ihrem sozialen Kontext ein? Streben Sie nach Gerechtigkeit für sich und andere?Haben Sie das Gefühl, dass Ihnen feste und starre Strukturen häufig Schwierigkeiten bereiten? Führt dies bei Ihnen tendenziell schnell zu Monotoniegefühlen?Verspüren Sie in Beziehungen und im regulären Alltag ein hohes Harmoniebedürfnis?Würden Sie sich als offen und empfänglich für Stimmungen anderer Menschen bezeichnen?Verfügen Sie über einen ausgeprägten Hang zum Perfektionismus?Verfügen Sie über eine ausgeprägte Fantasie und tiefgehende Gedankengänge?Haben Sie in der letzten Zeit bemerkt, dass Sie über eine starke Wahrnehmung von äußeren Reizen, Farben, Gerüchen und der allgemeinen Umgebung verfügen?Gehen Sie häufig in ein „Zwiegespräch mit sich selbst“ und haben den Eindruck, dass Sie über eine ausgeprägte Introspektionsfähigkeit verfügen?Arbeiten Sie in einem Beruf, in dem eine hohe Reflexionsfähigkeit gefordert ist?Sind Sie schnell ermüdet und haben gelegentlich eine mangelnde Bewältigungsfähigkeit bei Stress- und/oder Leistungsdrucksituationen?

 

Die obige Checkliste kann ein erster charakter- und geschlechterunabhängigen Anhaltspunkt beim Verdacht auf das Vorliegen von Hochsensibilität sein. Da es in diesem Sinne keine Diagnose „Hochsensibilität“ gibt, beruht dies meistens auf subjektiven Empfindungen und Einschätzungen.

 

 

Auswertung:

Wenn Sie mindestens fünf der 13 Fragen mit einem klaren „Ja!“ beantwortet haben, können Sie davon ausgehen, dass Sie sich vermutlich im Spektrum der Hochsensibilität befinden.

Hilfe, ich bin hochsensibel! Und jetzt?

 

Zunächst einmal ist die Vermutung einer Hochsensibilität im wahrsten Sinne des Wortes kein Beinbruch. Gratulieren Sie sich, denn Sie arbeiten gerade in diesem Moment an sich selbst und möchten im Rahmen von Selbstreflexion zu einem verbesserten Lebensgefühl kommen. Das ist absolut erstrebenswert. Eventuell hat Ihnen die obige Checkliste einen Anhaltspunkt gegeben. Die Tatsache, dass Sie gerade dieses Buch lesen, sagt jedoch bereits aus, dass Sie vermutlich nicht erst seit gestern über Charakterzüge der Hochsensibilität verfügen. Eventuell haben Sie aber auch eine hochsensible Person im Bekanntenkreis oder Ihr(e) Partner(in) hat Merkmale von Hochsensibilität?

Um eines vorweg klarzustellen:

Hochsensibilität ist keine Krankheit! Auch wenn hochsensible Personen häufiger Kritik ausgesetzt sind oder ihnen sogar im bösartigsten Fall eine psychische Dysfunktion aufgrund ihrer besonderen Eigenschaften angelastet wird.

 

Wenn Sie nun wissen, dass Sie hochsensibel sind, müssen Sie zunächst erst einmal gar nichts tun. Sofern keine psychische Belastung vorliegt und Sie tatsächlich „nur“ hochsensibel sind, haben Sie nun die Gelegenheit, sich umfassend über das Phänomen der Hochsensibilität und sich über Ausprägungen und Besonderheiten zu informieren. Zusätzlich ist dieses Buch in verschiedene Themenbereiche gegliedert. Die ersten beiden großen Teile befassen sich mit einer ausführlichen Exploration über das Erscheinungsbild von Hochsensibilität vor dem Hintergrund verschiedener gesellschaftlicher Themenbereiche. Sie dürfen erfahren:

 

Wie sieht die Welt der hochsensiblen Personen aus? Was sind die Eigenschaften der betroffenen Personen? Mit welchen Herausforderungen haben sie zu kämpfen und was sind ihre versteckten Stärken?

 

Wie kommen hochsensible Frauen in besonderen Situationen wie Beziehungen zurecht? Wie kann man dies aktiv verbessern?

 

Was sind die besonderen Bedürfnisse von hochsensiblen Personen? Wie sehen diese konkret im Alltag aus, was steckt dahinter?

 

Ein großer Aspekt dieses Buches ist „Intuition & Weiblichkeit“. Es ist das Herzstück des Buches und dringt im Vergleich zu den restlichen Kapiteln in teilweise spirituelle bzw. mythische Sphären vor. Es lädt Sie ein, Handlungsmuster und psychologische Strukturen zu erkennen und so Werkzeuge zur Selbstanalyse und daraus folgender Selbstoptimierung zu erhalten.

 

Der letzte Teil des Buches behandelt ganz konkrete Tipps und Alltagsstrategien zur direkten Umsetzung für Personen mit Hochsensibilität.

 

 

 

Wie arbeite ich konkret mit diesem Buch?

 

Die Themenbereiche decken von fundiertem psychologischem Grundwissen bis hin zu praktischen Alltagstipps alles ab. Sie können das Buch entweder chronologisch „durcharbeiten“. Dies würde bedeuten, sich zunächst grundlegendes Wissen anzueignen, um später zu den abstrakteren Themen wie „Intuition & Weiblichkeit“ vorzudringen. Im Anschluss besteht die Möglichkeit, sich je nach Bedarf konkrete Strategien für unterschiedliche Themenbereiche anzueignen.

Abseits von der chronologischen Vorgehensweise können Sie mit dem Buch auch nach dem „Süßigkeitenschüssel“-Prinzip arbeiten. Suchen Sie sich einfach das heraus, was sie gerade anspricht und lesen Sie sich einfach quer. Manchmal ist es auch sinnvoll, bestimmte Sachen zweimal zu lesen, um diese später mit neuen Wissensbeständen auf einem anderen Level verknüpfen zu können.

Stell dich doch nicht so an!?!

 Sensibilität – Wahrnehmung mit allen Sinnen

 

Die Fähigkeit zur Sensibilität ist eine Eigenschaft, über die die meisten Menschen verfügen. Sie gehört zur Grundcharakterausstattung psychisch normal entwickelter Menschen. Dennoch ist Sensibilität ein relativ weit gefasster und zuweilen abstrakter Begriff. Manche Leute nutzen ihn, um eine Form der Wahrnehmung zu beschreiben, anderer sehen in Sensibilität eine besonders „weiche“ Form der charakterlichen Ausprägung. Für wieder andere beschreibt Sensibilität eine charakterliche Schwäche und eine Form der Überempfindlichkeit auf Gefühlsebene.

Es wird also deutlich, dass mit Sensibilität unterschiedliche Dinge gemeint und ausgedrückt werden können. Wie und womit kann Sensibilität also erklärt werden? Ein guter Ansatz ist zunächst in der Neurowissenschaft zu suchen, da sich Sensibilität im Wesentlichen auf das vegetative Nervensystem bezieht.

Als Sensibilität (aus dem Lateinischen von sensibilis: empfindbar, mit Empfindung begabt) und der Physiologie des Körpers versteht man die sensorischen Leistungen eines Lebewesens. Diese sensorischen Leistungen werden nicht von spezifischen Organen wie Augen, Ohren oder Schleimhäuten erbracht, sondern von freien Nervenenden, die in unterschiedlicher Anzahl im Körper vorkommen.

Auf physiologischer Ebene wird hier zwischen viszeraler Sensibilität und der somatischen Sensibilität unterschieden. Bei der somatischen Sensibilität benennt man die Oberflächensensibilität (dem Fühlen über die Haut) und die Tiefensensibilität (Knochen, Muskeln und Sehnen). Auf diesen Ebenen wird außerdem in Reize wie Mechanorezeption (Druck, Vibration, Dehnung usw.), Thermorezeption (Temperatur), Schmerzeinwirkung, oder auch dem Wahrnehmen durch Geruchs- und Geschmackssinn unterschieden.

Durch die sensomotorische Wahrnehmung und die Reiz-Reaktionsverarbeitung kommt in unserem Gehirn im Zusammenhang mit dem wahrgenommenen Reiz immer auch eine Information an. Spüren wir beispielsweise eine thermische Reizung in Form einer starken Temperaturschwankung auf der Haut, wird dieser Reiz über Nervenbahnen ans Gehirn weitergeleitet. In der weiteren Verarbeitung sendet das Gehirn vereinfacht gesagt das Gefühl „Kälte“ an den Körper zurück und es entsteht beispielsweise eine Reaktion in Form der typischen Gänsehaut.

Sensibilität steht jedoch nicht nur mit der physiologischen Wahrnehmung im Zusammenhang. Durch das Zusammenspiel von Körper und Psyche hat Sensibilität in Form von Wahrnehmung immer auch eine psychologische Dimension.

Unser Nervensystem arbeitet wie ein Kommunikationssystem: Informationen werden aufgenommen, weitergeleitet und verarbeitet. Neuronale Prozesse steuern Körperfunktionen und unsere Reaktionen auf Reize. Wie tief der Zusammenhang zwischen dem neuronalen und dem psychischen Bereich ist, zeigt eine Bandbreite von Erkrankungen des Nervensystems: Diese lassen sich in zwei Bereiche unterteilen:

 

Neurologisch: beispielsweise Epilepsie, Schlaganfälle, Hirntumore, Demenz und ähnliches.Psychologisch: etwa Depressionen, Schizophrenie oder Verhaltensstörungen.

Dass psychologische Erkrankungen aus medizinischer häufig eine Folge von neurologischen Dysfunktionen sind, ist eine relativ junge Erkenntnis. Das Nervensystem als Leitstelle rückt damit immer stärker in den Fokus.

Sensibilität im psychologischen Sinne meint daher die Wahrnehmung als subjektiven Anteil, der durch die objektive Sinnesphysiologie nicht erklärt werden kann. In der Psychologie hat beispielsweise die Gesichtserkennung ForscherInnen ein Rätsel aufgegeben. Die Art und Schnelligkeit, wie Gesichter erfasst bzw. wiedererkannt werden, können physiologisch nur begrenzt erklärt werden. Es muss neben der reinen physiologischen Wahrnehmung eine Art „Deutungsraster“ geben, welches uns erlaubt, Dinge einzuordnen und zu bewerten. Wahrnehmung im psychologischen Sinn bildet im Vergleich zur Wahrnehmung im physiologischen Sinn verkürzt gesagt also die „inhaltliche bzw. subjektive Füllung“. Ausgehend hiervon kann man überlegen, wie der Organismus die im sensorischen Input verfügbaren Informationen mit der von ihm erbrachten Wahrnehmungsleistung in Verbindung bringt. Jeder noch so kleine sensorische Reiz wird auf psychologischer Ebene mit einer Vorinformation abgeglichen und mit dem bereits verfügbaren „Vorwissen“ in Beziehung gesetzt. Das Wahrnehmungssystem muss also mehr “wissen”, als ihm durch den sensorischen Reiz zunächst zur Verfügung gestellt wird. Der aufgenommene sensorischen Input muss also im Kontext bestimmter “Vorannahmen” über die physikalische Welt Interpretationen anstellen, um zu einem vorläufigen Ergebnis zu kommen.

 

Wie in der physiologischen Wahrnehmung gibt es auch hier unterschiedliche starke Ausprägungen.

Diese Darstellung zeigt, wie komplex Wahrnehmung als solche ist. Es soll daher festgehalten werden:

 

Das Nervensystem beeinflusst neuronale und psychologische Prozesse.Die „Psychologie“ der Wahrnehmung liefert die inhaltliche Grundlage zur Interpretation aufgrund von Vorwissen, anknüpfend an sensorische Reize.Das Nervensystem ist bei jedem Menschen unterschiedlich stark ausgeprägt.

Die Welt der hochsensiblen Menschen

 

Sensibilität scheint also eng an den Begriff der Wahrnehmung geknüpft zu sein. Was unterscheidet nun hochsensible Menschen von „normalsensiblen“ Menschen? Zunächst ist festzuhalten, dass Hochsensibilität keine psychische Erkrankung ist. Es gibt keine wirkliche Diagnostik zum Phänomen der Hochsensibilität.

Wohl konnte jedoch durch die US-Forscherin Elaine Aron nachgewiesen werden, dass es vier Indikatoren bei Menschen mit stark ausgeprägten Eigenschaften zur Hochsensibilität gibt:

 

Hochsensible Menschen haben eine tiefere sensorische Reizschwelle. Dies bedeutet, dass z.B. akustische Reize intensiver wahrgenommen werden.Die Reaktion auf Reize geschieht im Durchschnitt schneller und diese werden stärker verarbeitet. Dies äußert sich auch im Umgang mit Emotionen.Hochsensible Menschen vermeiden aufgrund dieser Eigenschaften häufiger bestimmte Reize und ziehen sich eher in reizarme Umgebungen zurück.

 

Vermutungen diesbezüglich werden häufig aus Alltagsbeobachtungen heraus angestellt. Häufig fallen Betroffene in ihrem Umfeld durch bestimmte Eigenschaften auf. Diese können, müssen aber nicht zwingend nebeneinander auftreten.

 

Ausgeprägte Fantasie und tiefgehende GedankengängeStarke Wahrnehmung von äußeren Reizen, Farben, Gerüchen und der allgemeinen UmgebungAusgeprägte IntrospektionHohe ReflexionsfähigkeitHäufig mangelnde Bewältigungsfähigkeit bei Stress- und/oder LeistungsdrucksituationenSpontane und starke Fähigkeit zur BegeisterungStarkes Streben nach Unabhängigkeit und FreiheitExtrem hohe Empathie und Fähigkeit zur PerspektivübernahmeStreben nach Gerechtigkeit für sich und andereFeste und starre Strukturen bereiten häufig Schwierigkeiten oder führen zu MonotoniegefühlenHarmoniebedürfnisGroße Offenheit und Empfänglichkeit für Stimmungen anderer MenschenAusgeprägter Hang zu Perfektionismus

 

Durch dieses Gesamtbild der genannten Eigenschaften sind hochsensible Menschen überdurchschnittlich oft in sozialen, therapeutischen oder kreativen Berufen repräsentiert. Dies ist jedoch keine „Erfolgsbedingung“, um als hochsensible Person im Beruf Erfolg haben zu können. Häufig fühlen sich diese Menschen durch bestimmte Berufsbilder und Tätigkeiten jedoch angesprochen und können sich darin ausleben.

Trotzdem gibt es natürlich auch eine Menge Frauen, die in allen anderen Berufen arbeiten. Sie sind jedoch durch die Eigenschaften ihrer Hochsensibilität häufig vor bestimmte Herausforderungen gestellt, um in bestimmten beruflichen Strukturen langfristig nicht nur erfolgreich, sondern auch zufrieden zu sein. Durch ihren hohen Perfektionsdrang schaffen es hochsensible Menschen nämlich auch hervorragend, in Situationen, die ihnen auf psychischer Ebene nicht guttun und eher belastend sind, erfolgreich zu sein. Einen „Guide für hochsensible Frauen im Job“ finden Sie im Kapitel Hochsensibel im Arbeitsalltag.

Die Potenziale hochsensibler Frauen werden häufig verkannt. Zu sehr werden in unserer Gesellschaft Defizite betont und positive Eigenschaften nicht ausreichend wertgeschätzt. Dies ist unter anderem auf unsere noch relativ anerkennungsarme Kommunikationsstruktur und ein archaisch- männlich ausgerichtetes Berufsleben zurückzuführen. Kein Grund jedoch, daran zu verzweifeln! Erkennen Sie Ihre Potenziale, erkennen Sie Ihre Lebenssituation an und stellen Sie Stück für Stück die Stellschrauben für ein erfolgreiches und glückliches Leben als hochsensible Frau!

Diskriminierung von Hochsensiblen im Alltag

 

Haben Sie vielleicht schon einmal aus der Kunstpädagogik und der Lehre der Farben von dem Phänomen gehört, dass sich die Wirkung einer Farbe vor ihrem Hintergrund ändert? Es wurde auf das Phänomen hingewiesen, dass beispielsweise die Farbe Blau, dargestellt als exakt gleich großer, farbiger Kreis vor unterschiedlichen Hintergründen, sich in vielerlei Dimensionen verändert. Sowohl die Größe des Kreises als auch die Farbintensität scheint sich vor verschiedenen Hintergründen sehr differenziert darzustellen.

Sehr ähnlich verhält es sich auch mit hochsensiblen Menschen und vor allem hochsensiblen Frauen. Es ist mittlerweile hinreichend bekannt, dass allein Frauen schon aufgrund ihres Geschlechts einem größeren Risiko ausgesetzt sind, gesellschaftlich benachteiligt oder diskriminiert zu werden. Neben tatsächlichen Verbrechen an der Menschlichkeit in verschiedenen patriarchalisch dominierten Staaten dieser Welt, müssen Frauen in politischer und religiöser Hinsicht im Vergleich zu Männern häufig um ihre körperliche und psychische Integrität fürchten. Zu fragil, zu angreifbar und verletzlich scheint der weibliche Körper im Angesicht von repressiven und machtorientierten Strukturen zu sein. Frauen werden in vielen Ländern der Welt als das „schwächere Geschlecht“ empfunden und in vielerlei Hinsicht verletzt und benachteiligt.

Lange tobte der Kampf um eine geschlechtliche Gleichstellung auch in Europa. Wir müssen bedenken, dass das Wahlrecht, das Recht auf eine universitäre Ausbildung und die freie Wahl der Arbeit in Deutschland gerade einmal ein Relikt aus dem 20. Jahrhundert sind!

Trotz historisch gewachsenen, strukturellen Verbesserungen sind Frauen in Deutschland immer noch in vielen Angelegenheiten Männern auf der Systemebene unterworfen. Der immer noch massiv herrschende Lohnunterschied in vielen Berufssparten zwischen Männern und Frauen, die systembedingte Benachteiligung von Alleinerziehenden und die nach wie vor herrschende zahlenmäßige Unterrepräsentation von Frauen in Macht- und Führungspositionen sind nur einige Beispiele. Frauen müssen häufig mehr kämpfen und auf mehr verzichten, um eine wirtschaftliche Gleichstellung mit Männern zu erlangen.

Das Frausein an sich ist also bereits ein Risikofaktor für Diskriminierung im Alltag. Sie können sich vorstellen, wie es ist, wenn zu dem Frausein nun auch noch die Eigenschaft der Hochsensibilität kommt! An dieser Stelle ist jedoch zu sagen, dass Schwäche häufig eine Eigenschaft ist, die man tendenziell eher Frauen zuschreibt. Sei es auf körperlicher oder mentaler Ebene. Es ist anzunehmen, welche Art von Diskriminierung ein Mann erfahren muss, der typisch weibliche Eigenschaften vertritt und dem man das Attribut der Schwäche zuschreibt.

Menschen, die ein höheres Bedürfnis haben, sich zurückzuziehen, werden in unserer Gesellschaft häufig als weniger leistungsfähig eingeschätzt. „Stell dich nicht so an!“, „Sei stark“ oder „Jetzt reiß dich mal zusammen!“ sind nur einiger der Phrasen, die sich hochsensible Menschen von ihrem Umfeld häufig anhören müssen. Persönliche Grenzen werden wie selbstverständlich übergangen und bestimmte Bedürfnisse nicht anerkannt.

„Du bist immer so überempfindlich!“ Eine gesteigerte Wahrnehmung und eine erhöhte Verarbeitung auf emotionaler Ebene werden häufiger als negativ wahrgenommen und den Betroffenen als mangelhafte Charakterzüge vorgehalten.

„Sie ist immer so hysterisch!“ Der Begriff der Hysterie wurde durch den Psychoanalytiker Sigmund Freud zur Erklärung von weiblichen Eigenschaften und als Anhaltspunkt für psychische Problematiken erklärt. Hysterisch zu sein ist in der Umgangssprache ein Attribut, welches eher Frauen anstelle von Männern vorgeworfen wird. Männer werden als ausagierend, wortgewandt oder expressiv wahrgenommen, Frauen hingegen als hysterisch.

 

Warum sind wir so schnell darin, Charaktereigenschaften abzuwerten und den Betroffenen ein Fehlverhalten vorzuwerfen?

Ein Grund dafür ist die ausgeprägte und negativ belastete Fehlerkultur im europäischen Raum. Das wunderschöne Bild aus der chinesischen Philosophie ist der Krug mit den typischen goldenen Elementen in der Verzierung. Im alten China wurden zerbrochene Krüge nicht weggeworfen und damit als „fehlerhaft“ deklariert. Vielmehr werden die zerbrochenen Teile an den Außenkanten mit flüssigem Gold bestrichen und wieder zu einem Krug zusammengeklebt. Die Botschaft, die sich daraus ergibt, ist:

 

„Man kann Fehler wieder gut machen. An den Bruchstellen sieht man eine Geschichte und an diesen Stellen bist du noch schöner als zuvor. Sie sind wertvoll, denn du hast daraus gelernt und sie werden von nun an strahlen!“