Schweine halten - Beate und Leopold Peitz - E-Book

Schweine halten E-Book

Beate und Leopold Peitz

4,9
24,99 €

-100%
Sammeln Sie Punkte in unserem Gutscheinprogramm und kaufen Sie E-Books und Hörbücher mit bis zu 100% Rabatt.

Mehr erfahren.
Beschreibung

Schweinehaltung mal anders. Das zeigen die Autoren in diesem Buch. Anschaulich und auf liebenswerte Weise schildern sie, was ein gutes Schweineleben ist. Vom arttypischen Verhalten und den Lebensbedürfnissen der Schweine ausgehend, beschreiben sie Formen der Stall- und Weidehaltung, die, besonders bei kleineren Beständen, ökologisch und wirtschaftlich sinnvoll sind. Mit Informationen zu den interessantesten Rassen, Stallbau, Weidepflege, Fütterung, Vermehrung und Schlachten. Lesens- und wissenswert für alle, die Schweine in kleinem Rahmen halten oder gerne halten wollen.

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB
MOBI

Seitenzahl: 240

Veröffentlichungsjahr: 2023

Bewertungen
4,9 (18 Bewertungen)
17
1
0
0
0
Mehr Informationen
Mehr Informationen
Legimi prüft nicht, ob Rezensionen von Nutzern stammen, die den betreffenden Titel tatsächlich gekauft oder gelesen/gehört haben. Wir entfernen aber gefälschte Rezensionen.



Beate und Leopold Peitz

SCHWEINE HALTEN

5., aktualisierte Auflage

70 Farbfotos25 Zeichnungen

Inhalt

Vorwort

Einführung

Artgerechte Haltung

Hochleistungstiere

Lebendige Wesen

Nachhaltigkeit

Die gesunde Haltung von Schweinen

Abstammung und Entwicklung des Hausschweins

Geschichte und Geschichten vom Schwein

Geschichten, Anekdoten und Wahres vom Hausschwein

Jedem sein Schwein

Folgen der Zucht

Die wichtigsten Schweinerassen

Geeignete Rassen für Selbstversorger

Züchtungsfragen

Das Schwein und sein Körper

Die wichtigsten Körperteile

Haut und Haare

Die männlichen Geschlechtsorgane

Die weiblichen Geschlechtsorgane

Das Skelett

Das Muskelsystem

Das Verdauungssystem

Herz, Blut und Kreislauf

Das Schwein und sein Verhalten

Das Verhalten der Wildschweine

Das Verhalten der Hausschweine

Fressen und Trinken

Freund und Feind

Eber und Sau

Mutter und Kind

Spielen und Erkunden

Ruhen und Pflegen

Reinlichkeit

Verhaltensstörungen

Die artgerechte Haltung des Hausschweins

Tierschutzanforderungen

Hygienische Anforderungen

Primitive Haltungsformen

Der Stall

Offenställe für die Robusthaltung

Freilandhaltung

Einrichtung der Hütte

Kapazität und Belegung der Stallvarianten

Das Schwein und sein Futter

Das große Missverständnis

Nahrungsansprüche ähnlich denen des Menschen

Die Futtermittel

Die Fütterungstechnik

Auf die Haltung kommt es an

Die Vermehrung des Hausschweins

Natürliche Vermehrung in der Freilandhaltung

Artgerechte Vermehrung im Stall

Die Auswahl der Zuchttiere

Züchtung und Züchtungsmethoden

Der Eber

Das gesunde und das kranke Schwein

Beurteilung der Tiergesundheit

Krankheiten und ihre Ursachen

Vorbeugung und Gesunderhaltung

Der Schlachttag

Die Hausschlachtung

Direktvermarktung von Fleisch und Wurst

Gutes vom Schwein

Fleisch und Fleischqualität

Die Teilstücke und ihre Verwendung

Fleischerzeugnisse

Alte Rezepte aus Westfalen

Service

Literatur

Zum Weiterlesen

Anschriften von Verbänden, Gesellschaften und Beratungsstellen

Bildquellen und Dank

Vorwort

Was wäre eine Buchreihe über Nutztierhaltung ohne das Schwein, einer – wenn man es recht bedenkt – in jeder Weise und in jedem Zustand höchst erstaunlichen Erscheinung.

Wenn jemand ein Buch über Schweine schreibt, stößt er bei seinen Zeitgenossen auf die unterschiedlichsten Reaktionen. Nun sind wir durch unser Erstlingswerk „Hühner halten“, das in der gleichen Reihe erschienen ist, in diesen Regungen der Mitmenschen nicht ganz unerfahren, doch ist beim Thema „Schweine halten“ eine deutliche Steigerung zu verspüren.

War es beim Huhn zunächst eine gewisse Verblüffung, so löste das Schwein als Thema eines Buches bei manchem zunächst ungläubiges Erstaunen bis hin zu blankem Entsetzen aus. Auch die positiven Reaktionen waren spontan heftiger und steigerten sich von regem Interesse beim Huhn zu Äußerungen höchsten Entzückens beim Schwein.

Daraus mag man schließen, dass das Schwein als solches Phantasie und Gefühl weitaus stärker bewegt, als das ein gefiederter Hausgenosse je vermöchte. Doch gerade dies hat uns herausgefordert; lässt doch gerade dieses Mitgeschöpf unser zweifelhaftes Verhältnis zum Tier schlechthin deutlich werden. Daher soll dieses Buch nicht allein den Selbstversorger und Freizeitlandwirt oder den Kleinbauern ansprechen, es soll auch ein Lesebuch sein für alle, die sich für eine artgerechte Haltung von Nutztieren mitverantwortlich fühlen, Freude am Umgang mit Tieren haben oder sich Gedanken über das machen, wovon und wie sie sich ernähren.

Was wäre unser Sein ohne das Schwein?

Was wäre der Durst ohne die Wurst?

Was wäre das Leben ohne das Beben,

das uns erfasst, wenn wir erkennen

den würzigen Duft des edelsten Stücks,

des Schinkens, Garant unseres Glücks.

(Ode an das Schwein oder das Beste, was aus ihm werden kann)

Dank gebührt in diesem Sinne zunächst Anna Peitz für ihren originellen Beitrag über den Schlachttag, schließlich allen fachlich versierten Freunden für ihr kritisches Urteil, allen fachlich fernen Freunden für ihr Verständnis und ihren Humor, allen Helferinnen und Helfern für ihre tatkräftige Unterstützung und unseren beiden Söhnen für ihre Geduld.

Dieses Buch soll in Dankbarkeit unseren Eltern gewidmet sein, die uns vielfältig unterstützt und ermutigt haben, für das Schwein als Mitkreatur „eine Lanze zu brechen“.

Beate und Leopold Peitz

Pfullingen

Draußen auf der Weide fühlen wir uns ganz besonders wohl.

Einführung

Manch einer, der dieses Buch in die Hand nimmt, wird sich die Frage stellen, was man denn darin Neues und Wissenswertes über Schweine und die Haltung von Schweinen erfahren könne, oder er wird von vornherein ablehnend einem solchen Werk gegenüberstehen, weil er der Meinung ist, es könne in unseren verdichteten Siedlungsräumen wohl kaum Platz für eine eigene Schweinehaltung geben, ergo dieses Buch eigentlich nur von theoretischem Wert sein kann.

Diesen Zeitgenossen sei gesagt, dass sie durchaus nicht ganz unrecht, aber auch nicht recht haben. Zum einen wird der geneigte Leser am Ende des Buches feststellen, dass es sehr wohl neue Erkenntnisse über das Schwein schlechthin und allemal sehr viel Wissenswertes über die Haltung von Schweinen im Besonderen zu erfahren gibt; zum anderen wird er aus der Lektüre vielleicht auch für sich selbst etwas Neues mitnehmen können, etwa ein neues Bewusstsein über das Verhältnis von Mensch und Tier im Allgemeinen.

Schließlich ist es ein Anliegen dieses Buches, Anfängern in der Nutztierhaltung oder Freizeitlandwirten nicht allein Faktenwissen über das Schwein und seine Haltung zu vermitteln, sondern auch, zwischen den Zeilen und ohne erhobenen Zeigefinger, zu einem neuen und besseren Verhältnis in der Mensch-Tier-Beziehung beizutragen. Insoweit mag dieses Buch manchen zum Nachdenken anregen, der zwar nie die Möglichkeit haben wird, selbst Schweine zu halten, der sich aber Gedanken macht über das, was ihn umgibt, wie und wovon er sich ernährt und in welcher Beziehung er zu seinen Mitgeschöpfen lebt.

Artgerechte Haltung

Info

Der Begriff „artgerecht“ ist vielfach stark mit Emotionen belastet und wird daher entsprechend unterschiedlich definiert. Der Tierhalter muss sich jedoch verbindlich nach den dazu erlassenen Verordnungen der EU und ihrer Mitgliedsstaaten richten.

Es ist hier sicherlich nicht die Zeit und der geeignete Ort, philosophische Gedanken zu entwickeln, doch soll nicht verschwiegen werden, dass naturgemäß jeder Autor, auch der Vertreter der sogenannten exakten Wissenschaften, seine Erkenntnisse vor dem Hintergrund seines (philosophischen) Weltbildes aufarbeitet und verbreitet, wenn er sich dessen zuweilen selbst auch nicht bewusst sein dürfte. Deshalb sei an dieser Stelle ganz deutlich herausgestellt, dass die Verfasser dieses Buches die Anleitung für die Haltung von Schweinen nicht ausschließlich unter dem Gesichtspunkt der Nützlichkeit für den Menschen sehen, sondern auch gleichrangig unter dem Aspekt der artgerechten Haltung von Tieren.

Das Prinzip der artgerechten Haltung wiederum bedingt eine ganzheitliche Sicht der Haltungssysteme und darüber hinaus ein Denken in Naturkreisläufen, zumal gerade die Tierhaltung in der Landwirtschaft – und um eine solche handelt es sich in verkleinertem Maßstab bei der Haltung von Nutztieren in jeder Form – das Paradebeispiel für die Probleme liefert, die auftreten, wenn man sich außerhalb dieser Naturkreisläufe stellt.

Gerade Hobbytierhalter und Selbstversorger sollten sich dem Gedanken einer artgerechten und naturgemäßen Tierhaltung besonders verpflichtet fühlen, weil für sie der von den professionellen Tierhaltern vielfach beschworene ökonomische Zwang nicht besteht.

Hochleistungstiere

Schließlich müssen wir immer mehr erkennen, dass die hoch spezialisierte Wissenschaft zwar in der Lage ist, orientiert am Kundengeschmack, extreme Hochleistungstiere zu züchten und ausgeklügelte Haltungsverfahren zu entwickeln, dass sie sich dabei aber vorwiegend auf Rationalitätsgesichtspunkte konzentriert hat und daher weniger das Augenmerk darauf gerichtet hat, Haltungssysteme zu gestalten, die auch die elementaren Bedürfnisse der Tiere befriedigen, sprich eine artgerechte Haltung gewährleisten.

Wenn man betrachtet, was die Praxis aus den wissenschaftlichen Erkenntnissen zu ihrem Nutzen gemacht hat und mit welcher Kritiklosigkeit der Verbraucher dem zum großen Teil gegenübersteht, so nimmt es nicht Wunder, dass das Schwein neben anderen Tiergattungen in manchen landwirtschaftlichen Betrieben zum Faktor Material herabgewürdigt und konsequenterweise auch so bearbeitet und behandelt wird; das Schwein wird „produziert“ wie Seife, Sekt und Socken.

Lebendige Wesen

Damit sind wir bei der ethischen Dimension der Tierhaltung, bei der offenbar das Wort aus dem Alten Testament „Macht euch die Erde untertan“ gründlich missverstanden wurde. Wenn man auch hier den Kenntnisstand der Wissenschaft heranzieht und daraus ableitet und akzeptiert, dass so hoch entwickelte Säuger wie das Schwein nicht nur aus physischer Masse bestehen, sondern auch ein Innenleben haben, also Schmerz und Freude empfinden können, Bedürfnisse haben und diese auch mitteilen, aber andererseits uns im wahrsten Sinne des Wortes ausgeliefert sind, so müssen wir uns ernsthaft fragen, mit welchem Recht wir unsere Mitgeschöpfe häufig so unwürdig behandeln. Auch der Einwand, wir würden sie am Ende ja doch aufessen, kann uns dabei nicht von der ethischen Verantwortung für unsere Schutzbefohlenen bis zu diesem Tage entbinden. Nur wenn der Leser diese Sichtweise teilt, wird er offen sein für die folgenden Ausführungen, die die Grundlagen für eine artgerechte Haltung beschreiben.

Gut zu wissen

Wie ein ausgelatschter Schuh kommt der Begriff „Nachhaltigkeit“ heute daher. Ursprünglich wurde er für eine ressourcenschonende Wirtschaftsweise in der Land- und Forstwirtschaft geprägt.

Nachhaltigkeit

In der ökologisch orientierten Landwirtschaft spielt der Begriff der „Nachhaltigkeit“ eine zentrale Rolle. Gemeint ist damit, dass alle Anbau- und Haltungssysteme so ausgerichtet sein sollen, dass sie im Rahmen des ökologischen Stoffkreislaufes eine lang anhaltende, sprich nachhaltige Stabilität des Systems bewirken. Bezogen auf die Tierhaltung bedeutet dies, dass es nicht darum gehen kann, die Tiere für die heute vielfach kurze Dauer ihrer Aufzucht und Nutzung (Milch, Fleisch, Wolle) mit allen erdenklichen Hilfsmitteln leistungsfähig zu halten, ohne ihnen ein Mindestmaß an elementarer Bedürfnisbefriedigung zu gestatten, sondern dass es uns darum gehen muss, die Haltungssysteme so zu gestalten, dass die Tiere ohne weitere „Hilfsmittel“ über eine lange Nutzungsperiode gesund und leistungsfähig bleiben. Dass dies auch in modernen, leistungsorientierten Haltungssystemen mit Gewinn für Mensch und Tier möglich ist, wird im Kapitel „Haltung“ näher ausgeführt.

Die gesunde Haltung von Schweinen

Die Grundvoraussetzung für den Erfolg solcher Haltungssysteme besteht darin, dass die Tiere gesund sind und gesund bleiben. Das hängt wiederum davon ab, dass das Haltungssystem keine akut und chronisch krankmachenden Elemente enthält. Daher ist es wichtig, dass wir versuchen, die wesentlichen Elemente der dem entsprechenden Wildtier adäquaten Umwelt bei der Planung unseres Haltungssystems im Sinne einer Gliederung in Funktionsbereiche in Betracht zu ziehen. Schließlich hat sich hier ein Jahrtausende währender Prozess prägend auf die einzelne Gattung ausgewirkt, den wir auch durch noch so verfeinerte und ausgeklügelte Züchtungsmethoden nicht außer Kraft setzen können. Für das Schwein sind unter diesem Blickwinkel die Grundansprüche ganz grob wie oben zusammengefasst zu definieren.

Das Schwein ist ein

•hoch entwickeltes, sensibles Säugetier

•mit ausgeprägtem Sozialverhalten (Herdentier),

•dessen Lebensraum der Wald ist,

•das seine Futterbasis im Wurzelbereich befriedigt,

•das gegen extreme Temperaturen (vor allem Hitze) empfindlich ist und

•im Vergleich zu Rind oder Pferd einen geringeren Lichtbedarf hat.

Daraus sind für Haltungssysteme, die im Stande sind, unsere Tiere gesund zu halten, folgende Prinzipien abzuleiten:

1.Die Tiere müssen soviel Bewegungsfreiheit haben, dass sie ihre Organe in angemessener Weise beanspruchen können, denn nur durch eine gewisse Beanspruchung können Herz, Kreislauf und Muskulatur ausreichend trainiert werden.

2.Die Tiere sollten einem Mindestmaß an natürlichen Reizen ausgesetzt sein. Insbesondere der naturgegebene Tag-Nacht-Rhythmus, der Kontakt mit dem Sonnenlicht sowie der biologisch wichtige Impuls von Temperaturschwankungen sind der Gesundheit und Konstitution förderlich.

3.Die Tiere sollten die Möglichkeit haben, ihre artspezifischen Verhaltensweisen angemessen ausleben zu können. Dadurch können Frustrationshandlungen, stereotype Verhaltensabläufe mit negativen Folgen für die Gesundheit sowie Aggressionshandlungen bis hin zum Kannibalismus von vornherein vermieden werden.

Gut zu wissen

Die Bestimmungen zu Tierschutz und Seuchenhygiene gelten jetzt für jede Schweinehaltung, sie sind also auch vom Halter eines einzelnen Tieres zu beachten.

Dass es solche Haltungssysteme gibt und dass sie auch unter ökonomischen Zielsetzungen erfolgreich eingesetzt werden, davon soll in den folgenden Kapiteln die Rede sein. Und der Leser wird am Ende feststellen, dass er nicht nur neue Erkenntnisse über die Schweine und ihre Haltung gewonnen oder vergessene aufgefrischt hat, sondern dass er auch ein neues Verhältnis zu unseren wertvollen Nutztieren allgemein gefunden hat. Das wünschen sich und dem Leser jedenfalls die Autoren.

In die Überarbeitung der vorliegenden 5. Auflage haben neben einigen redaktionellen Änderungen die neuesten rechtlichen Bestimmungen zum Tierschutz und besonders zur Problematik der Seuchenhygiene Eingang gefunden.

Geschichte und Geschichten vom Schwein

Abstammung und Entwicklung des Hausschweins

In der Systematisierung der Zoologie wird das Schwein den höckerzähnigen Paarhufern zugeordnet, deren Ursprung und weitere Entwicklung in der Kreidezeit lag. Wenn wir uns weiter durch die zoologische Systematik bewegen, so begegnen wir in der Unterordnung Suina (Schweineartige) neben den Nabelschweinen schließlich den eigentlichen Schweinen (Suidae), zu denen wiederum fünf Gattungen gehören, nämlich das afrikanische Waldschwein, die afrikanischen Warzenschweine, die Buschschweine, die Hirscheber und endlich die echten Schweine (Sus).

Doch auch damit haben wir die direkten Vorfahren beziehungsweise Wildformen unserer heutigen Haustierrassen immer noch nicht hinreichend eingekreist. Die Gattung der echten Schweine teilt sich noch in drei Gruppen auf, die Pustelschweine, die Bartschweine und die eurasischen Wildschweine.

Die Domestikation

Lange Zeit hat sich die Wissenschaft gestritten, welche der drei letztgenannten Gruppen den bedeutendsten Einfluss auf unsere heutigen Hausschweinerassen besaß. Inzwischen ist man sich jedoch einig, dass alle Rassen auf eine einzige Wildart (Sus scrofa) zurückgehen, wobei das asiatische Bindenschwein und das europäische echte Wildschwein als Hauptstammväter für die heutigen Schweinerassen anzusehen sind, dabei das Bindenschwein (Sus scrofa vittatus) vornehmlich für den asiatischen Kulturraum und sein Domestikationszentrum in Südostasien und das Europäische Wildschwein (Sus scrofa scrofa, früher als Sus scrofa ferus bezeichnet) für den europäischen Kulturraum mit seinen Domestikationszentren südlich der Nord- und Ostsee und in den östlichen Regionen des Mittelmeerraums. Eine Mittelstellung nehmen die Unterarten ein, die sich insbesondere auf der Iberischen Halbinsel und in den an das westliche Mittelmeer angrenzenden Regionen herausgebildet haben sollen und deren Abkömmlinge als Neapolitanische und Portugiesische Schweine bekannt wurden.

Ein Prachtexemplar des europäischen Wildschweines (Sus scrofa scrofa), Stammvater unseres Hausschweines.

Zwei Typen

Prägendes Unterscheidungsmerkmal bei den beiden wilden Hauptstammvätern (Bindenschwein und Europäisches Wildschwein) ist der Bau des Schädels. Während beim asiatischen Typus das Hinterhaupt hochgestellt und die Nase kurz ist, mit einer konkav verlaufenden Profillinie und einem nahezu quadratischen Tränenbein, besitzt der europäische Typus eine gestreckte Schädelform mit einer langen Nase und einer geraden Profillinie; dementsprechend ist hier das Tränenbein schmal und rechteckig ausgebildet.

Doch auch in der Körperform (züchterische Fachsprache: Exterieur) unterscheiden sich beide Typen erheblich. Während beim Vertreter aus Asien die Vor- und Hinterhand etwa gleichermaßen entwickelt und der Rumpf walzenförmig ausgeprägt ist, finden wir beim „Europäer“ die Vorhand wesentlich stärker entwickelt als die Hinterhand sowie einen schmalen, gestreckten Rumpf mit leicht kammförmig aufgebogenem Rücken und einer abfallenden Kruppe.

Info

Dass das Schwein als Opfertier beliebt war, liegt wohl auch daran, dass es durch seine Körpergröße ein veritables Opfer darstellte und wegen seiner hohen Vermehrungsrate leicht verfügbar war.

Opfer- und Nutztier

Im Altertum wie im Mittelalter war das Schwein als Opfertier und als Nahrungslieferant gleichermaßen beliebt. Allerdings galt und gilt es in manchen Kulturen und Religionen als unreines Tier und fand aufgrund dessen dort keine sehr weite Verbreitung.

Verachtet

Während, von heute gerechnet, vor etwa 6000 Jahren in China bereits Schweine in größeren Mengen gezüchtet wurden und aus dem ostasiatischen Raum ihren Weg auch in die Kultur der alten Ägypter fanden, erlangte es hier keine solch große Bedeutung als Opfer- und Nahrungstier. Es wird berichtet, dass es zwar als Nutztier gehalten wurde, zum Beispiel um die frisch ausgesäten Körner in das Saatbett der Äcker am Nil einzutreten, doch war das Schwein andererseits wohl aufgrund seiner Lebensweise so verachtet, dass es nicht als Opfertier genommen wurde und nur den Ärmsten der Armen als Speise diente. Der Überlieferung nach ging diese Verachtung so weit, dass die Geringschätzung auch auf die Schweinehirten übertragen wurde und es ihnen verwehrt war, einen Tempel zu betreten.

Gemästet und verehrt

Ganz anders in den Kulturen der alten Griechen und Römer, die dem Schwein eine hohe Wertschätzung entgegenbrachten und die Schweinehaltung schon recht professionell betrieben. Dies bezeugen so manche Erzählungen und Beschreibungen griechischer und römischer Geschichtsschreiber. Es wurden bereits gewisse Mastverfahren entwickelt, der Stand der Schweinehirten war durchaus geachtet und das Schwein darüber hinaus als Opfertier sehr geschätzt. Davon zeugt etwa die Bezeichnung „sacres“, die für Saugferkel in einem Alter von 10 Tagen benutzt wurde, weil sie dann schon als Opfer taugten.

Weiter wird von dem römischen Gelehrten Varro überliefert, dass die Schweine zu seiner Zeit um 100 v. Chr. in großen Herden gehalten wurden, die an den Klang des Hirtenhorns gewöhnt waren und so aus den Ställen in die waldreichen Weidegründe und wieder zurück dirigiert wurden, was die Intelligenz dieser Tiere unterstreicht. Plinius der Ältere schreibt, dass man sich in den gehobenen Kreisen Roms nicht mit einfachem Schweinefleisch begnügt habe, das gerade vor der Haustür erzeugt wurde, sondern dass man sich Schweine extra von den Schweinezüchtern aus Sardinien kommen ließ, von denen man wusste, dass dort ganz besonders schmackhaftes Fleisch sowie der leckerste Schinken und dickste Speck erzeugt wurden.

Es gibt auch viele Geschichten über den Luxus und die Völlereien an den üppigen Tafeln der alten Griechen und Römer; so schreibt Petronius: „Die Tafel war gedeckt: ein ganzer gebratener Eber ward aufgetragen. Das Jagdmesser wurde erhoben und in des Ebers Bauch gestoßen – da flogen zur Belustigung der Gäste aus der Wunde Drosseln hervor.“

Gut zu wissen

Im Vergleich zur heutigen Schweinefütterung auf Getreidebasis ergab sich durch die Schweinehaltung in großen Waldhutungen bei den Galliern, Germanen und bis ins Mittelalter hinein kaum eine Nahrungskonkurrenz zum Menschen.

Auch die Gallier und Germanen brachten dem Schwein eine hohe Wertschätzung entgegen. Wenn auch von den berühmt-berüchtigten gallischen Comic-Helden Asterix und Obelix vor allem der Wildschweinbraten bevorzugt wurde, so ist durch die Wissenschaft belegt, dass es zu der Zeit in Gallien bereits eine ausgeprägte Schweinezucht gab. Auch bei den weiter östlich beheimateten Stämmen, den Germanen, war das Hausschwein bereits zu einer recht hohen Kultur gekommen, die bis ins Mittelalter fortgeführt wurde. So fanden sich auf den Landgütern von Karl dem Großen auf Geheiß desselben große Schweinehaltungen mit zum Teil 300 bis 400 Tieren, die in die nahen Buchen- und Eichenwälder zur Mast getrieben wurden. Grundlage der germanischen Hausschweinzuchten und ihrer Nachfahren, deren Hochburgen sich in den waldreichen Gebieten des heutigen Westfalen, Pommern, Mecklenburg und Bayern konzentrierten, war das Europäische Wildschwein, während die römischen und gallischen Zuchten bereits vom südasiatischen Blut beeinflusst waren.

Nach der ersten Jahrtausendwende ging die Schweinehaltung in Europa wegen der starken Waldrodungen und der damit einhergehenden Reduzierung der Futtergrundlage für die zum Teil beachtlichen Schweineherden allmählich zurück. Deren Rottenmitglieder waren in ihrem Aussehen und ihrer Ernährungsweise dem Wildschwein noch sehr ähnlich.

Neuzeitliche Nutztierhaltung

Erst mit Beginn der Industriellen Revolution gewann sie wieder mehr und mehr an Bedeutung. Die größere und konzentrierte Nachfrage nach Fleisch und Fett erforderte allerdings eine andere Basis für die Schweinehaltung. Die Tiere wurden nicht mehr in Herden in die Wälder getrieben, sondern in festen Ställen gehalten und von den Bauern in größeren Beständen nahe der Städte gemästet oder als Hausschweine von den sogenannten „kleinen Leuten“ auf einem bescheidenen Stück Land oder im Hinterhof als dankbare und zugleich nutzbringende Verwerter von Garten- und Küchenabfällen gehalten. Oft war hier das Schwein der Lieferant für ein geringes zusätzliches Einkommen oder es bot seinem Halter die einzige Möglichkeit, sich Fleisch, Wurst, Schmalz und Speck zu leisten und war so oft genug auch der Garant fürs Überleben.

Info

Erst die modernen Landbau- und Tierhaltungssysteme ermöglichten durch die enorme Steigerung der Arbeitsproduktivität in der Landwirtschaft die Freisetzung von Arbeitskräften für den Bedarf in der Industrie.

Der Einzug der Agrarwirtschaft

Mit dem steigenden Lebensstandard stiegen auch die Bedürfnisse und die Zahl der Menschen. Die Fortschritte in der Bodenkultur und der Agrarwirtschaft erlaubten es, immer größere Tierzahlen bezogen auf eine Flächeneinheit zu halten. In dieser günstigen Situation gelang es auch den Züchtern, durch gezielte Einkreuzung englischer Rassen in die unveredelten deutschen Landschläge großrahmige, fettreiche und wüchsige Tiere zu züchten, die geeignet waren, das volumenreiche wirtschaftseigene Futter wie Rüben, Kartoffeln, Grünzeug sowie Garten- und Küchenabfälle produktiv zu verwerten.

Schweinerassen entstehen

Die Engländer ihrerseits hatten schon sehr früh damit begonnen, die auf ihrer Insel beheimateten robusten Schläge mit Schweinen aus dem ostasiatischen Raum und auch aus den Mittelmeergebieten zu vermählen. Daraus entstanden die wüchsigen und fruchtbaren englischen Landrassen mit relativ hohem asiatischen Blutanteil, die wiederum unsere alten Landschläge veredeln halfen. Die deutsche Schweinezucht hat also von der vorausblickenden Vorarbeit der angelsächsischen Nachbarn erheblich profitiert. Indessen ist es ihr Verdienst, das englische Zuchtprodukt durch geschickte Einkreuzung mit den deutschen Landrassen entsprechend den regionalen Bedürfnissen vorteilhaft verändert und gestaltet zu haben, woraus schließlich Rassen wie das Angler Sattelschwein oder das Schwäbisch-Hällische Schwein sowie später das Deutsche Edelschwein und schließlich das Deutsche Veredelte Landschwein entstanden sind.

Während England, das aufgrund seines wintermilden Klimas für die Schweinehaltung ideal geeignet ist, der Vorreiter bei der Zucht und der Gestaltung neuer Rassen war, einer Beschäftigung, der sich unsere angelsächsischen Nachbarn zum Teil mit dem ihnen angeborenen sportlichen Eifer widmeten, war die wirtschaftliche Bedeutung auf der „Insel“ nicht annähernd so groß wie bei uns.

Bereits vor dem Ersten Weltkrieg hatte das Schwein im damaligen Deutschen Reich im Vergleich zu den europäischen Nachbarländern einen recht hohen Stellenwert bei der Versorgung der Bevölkerung mit Frischfleisch, Schmalz, Speck und Wurstwaren. Mit über 22 Mio.

Wenn Sie wüssten, was man aus mir schon alles gemacht hat!

Tieren erreichte der Schweinebestand das Siebenfache von dem in Großbritannien und Irland und mehr als das Dreifache der französischen „Produktion“. Lediglich die USA kamen mit annähernd 60 Mio. Tieren auf fast das Dreifache der im Deutschen Reich gehaltenen Tiere. Spitzenreiter war China mit knapp 77 Mio. Tieren. Auch heute noch sind wir Deutschen führend im europäischen Vergleich. Zusammen mit den neuen Bundesländern verfügen wir über gut ein Drittel der EU-Schweine.

Und in der Neuen Welt?

In den USA basierte die Schweinezucht vorwiegend auf dem Maisanbau, der die Mast kurzer und schwerer Schweine zur Erzeugung des beliebten Specks (bacon) sehr rentabel machte. Typische Vertreter dieses Schweinetyps sind die Duroc, Jerseys, Poland Chinas, Chester Whites und Hampshires. Bei uns konnten sich diese Rassen aufgrund ihres spezifischen Zuchtziels (bacon) nicht durchsetzen, da die Verbraucher hier mehr Wert auf mageres Frischfleisch legen. Konsequenz aus dieser Nachfrage sind die modernen Fleischtypen wie die Deutsche Landrasse, die Landrasse B, das Deutsche Edelschwein oder das Piétrainschwein sowie die entsprechenden Gebrauchskreuzungen und Hybriden aus diesen Rassen.

Geschichten, Anekdoten und Wahres vom Hausschwein

Das Schwein an sich ist eine sehr schillernde Persönlichkeit. Im Spiegelbild des Menschen erscheint es in all seinen Facetten äußerst widersprüchlich.

Wie wir aus der Geschichte des Hausschweins nunmehr wissen, hatte und hat es in den verschiedenen Weltreligionen ein sehr unterschiedliches Ansehen. In der ägyptischen Mythologie galt es als unrein und man pflegte sich oder seine Kleidung rasch zu reinigen, so man mit ihm in Berührung gekommen war. Auch bei den Muslimen und den Juden gilt das Schwein als unrein und ist damit vom Speisezettel gestrichen.

In der griechischen, römischen und germanischen Mythologie war das Schwein ein willkommenes Opfer, die Götter gnädig zu stimmen, oder auch ein probates Mittel, die Zukunft vorauszusagen. Der römische Gelehrte Varro gibt in seinen landwirtschaftlichen Schriften schon eine recht genaue Anweisung zur Haltung von Schweinen und ihrer Eignung als Medium zur Weissagung, so schreibt er: „Die Sau (scrofa oder varro) muss, wenn sie säugt, täglich zweimal getränkt werden. Eigentlich muss sie so viele Junge bekommen, als sie Euterstriche hat. Bekommt sie weniger, so taugt sie nicht zur Zucht; bekommt sie mehr; so weissagt sie dadurch Wunderdinge.“

Gut zu wissen

Im Glücksschwein spiegelt sich unser widersprüchliches Verhältnis zu diesem Tier ganz besonders.

Vom Glücksschwein, Ferkel und Schweinehund

Wenn man intensiv über die Beziehung des Menschen zum Schwein nachdenkt, wird man zu der Erkenntnis kommen, dass er sich mehr mit diesem Tier beschäftigt, als ihm gemeinhin bewusst ist. Das wird schon durch die Intensität belegt, mit der unsere Sprache vom Schwein durchdrungen ist. Da die Sprache wiederum Ausdruck unserer Gedanken und Empfindungen ist, muss man sich bei der Lektüre der folgenden Zeilen wohl oder übel eingestehen, dass sich der Mensch häufiger mit irgendwelchen „Schweinereien“ abgibt, als ihm lieb ist.

Betrachten wir zunächst die positive Seite der Beziehung zum Menschen. Von jeher gilt vornehmlich das jugendliche Schwein als Glücksbringer. So wurde und wird auch heute noch jemandem, dem man „saumäßig“ viel Glück wünscht, symbolisch ein Glücksschwein überreicht, sei es als Talisman oder auch höchst lebendig in Form eines quiekenden rosa Ferkels. Oder denken wir etwa an die hübschen Postkarten, die man gern guten Freunden zum Jahreswechsel schenkt und auf denen traditionell ein Schornsteinfeger mit einem adretten Schweinchen im Arm prangt.

Auch wenn der Glückssegen besonders reichhaltig über uns ausgeschüttet wurde oder wir mit knapper Not einer kritischen Situation entkommen konnten, haben wir nicht einfach Glück, sondern wieder einmal „echtes Schwein“ gehabt. Zwischendurch bieten uns die deutschen Backstuben schweinerne Köstlichkeiten in Form von süßen „Schweinsöhrchen“ oder die Metzger in Gestalt des „Pfälzer Saumagens“.

Viel umfangreicher ist unser schweinsbezogener Wortschatz, wenn wir die negative Seite unserer Mensch-Schwein Beziehung beleuchten. Hier finden wir eine unerschöpfliche Zahl von Wörtern, mit denen wir unangenehme Situationen trefflich beschreiben oder unsere Mitmenschen liebevoll bedenken können.

Das beginnt mit der Verwendung der üblichen Bezeichnung für das Haustier, dem dieses Buch gewidmet ist, in ganz bestimmten Lebenssituationen, in denen wir unseren Mitmenschen unseren Ärger über sie Ausdruck verleihen wollen. Dabei wird die zoologische Gattungsbezeichnung in einem entsprechenden Zusammenhang zum Schimpfwort, wie etwa „du Schwein“, „du Sau“, „du Wildsau“, „du Ferkel“. Auch eine Kombination von zwei Gattungen ist in Form des „Schweinehundes“ sehr verbreitet und beliebt, wobei man jedoch genau zwischen dem inneren und dem äußeren unterscheiden sollte. Andere Kombinationen wie „Saubär“ oder „Sauigel“ sind ebenfalls gebräuchlich und können durchaus situationsgerecht verwendet werden.

Haben Sie jemals ein schöneres Ferkel als mich zu Gesicht bekommen?

Spürschweine

Ein ungewöhnlicher Einsatzort für unsere Schützlinge ist die Verbrecherjagd beim Sondereinsatzkommando der Grenzpolizei. Dank ihres überaus guten Geruchsinnes sind sie noch besser als Hunde in der Lage, verstecktes Schmuggelgut, besonders Drogen, zu finden. Doch auch zum Aufspüren völlig harmloser und besonders wertvoller Köstlichkeiten eignet sich dieses Tier – vor allem in Frankreich landläufig bekannt als Trüffelschwein.

Besondere Schmankerl schweinsbezogener Ausdrücke sind uns vor allem durch mundartliche Überlieferungen erhalten geblieben. Darunter ist der bekannteste der „Saupreiß“, der von den südlichen Freistaatlern für alle Menschen verwendet wird, die nördlich des Weißwurstäquators beheimatet sind. Dabei wollen sie mit diesem abwertend respektvollen Ausdruck nicht etwa sagen, dass diese Spezies Mensch sämtlich „Charakterschweine“ sind, sondern eher, dass sie wegen ihrer Andersartigkeit mit Vorsicht zu genießen sind. Oder – was dem Schwaben sein „Saukerle“, ist dem Westfalen sein „Schwuineigel“.

Auch Doppelbedeutungen sind je nach Begriffswelt im Mundartlichen anzutreffen. Während man mit „sauglatt“ einen winterlichen Straßenzustand beschreiben kann, verwendet diesen Begriff der Schwabe auch für „witzig“ oder „drollig“; und zwar unabhängig davon, ob die Sonne scheint oder übles „Sauwetter“ herrscht. Oder – wenn wir wissen, dass das Ferkel im westfälischen Plattdeutsch „Fickel“ heißt, nimmt es nicht Wunder, dass eine Gaststätte, in der Viehhändler einkehrten, im Volksmund bald als „Fickelbar“ bekannt war.

Allerdings – und das sei hier nicht verschwiegen – wurde das Wort Schwein oder Sau auch für eine äußerst bösartige und unmenschliche Gefühlshetze benutzt; wenn wir an die Verfolgung der jüdischen Mitmenschen im Dritten Reich denken, die als „Judenschwein“ oder „Judensau“ beschimpft, verunglimpft und verspottet wurden. Doch das war kein Einzelfall. Die Vergleiche mit Schweinen, um missliebige Minderheiten ins Abseits zu stellen, sind bereits im Mittelalter sehr zahlreich; erinnern wir uns etwa an entsprechende künstlerische Darstellungen über Ketzer und das Fahrende Volk. Auch in diesem Zusammenhang sind die Abbildungen mit dem Thema „Judensau“ auffällig häufig und noch heute an und in manchen christlichen Bauwerken zu finden.

Auch Martin Luther musste sich im Glaubenskrieg den Vergleich mit dem Schwein gefallen lassen, indem er auf einem Flugblatt von 1569 mit Schweinekopf zu sehen ist. Wer jedoch meint, in unserer modernen Gesellschaft sei dies überwunden, der irrt; statt „Judenschwein“ kann man derzeit leider recht häufig auf Wandschmierereien von ausländerfeindlichen Extremisten das Wort „Asylantenschwein“ finden, eine Tatsache, die dem aufgeklärten Bürger doch sehr zu denken geben sollte. Doch wollen wir nun dieses unerfreuliche Feld verlassen und uns anderen Facetten des Schweines zuwenden.

Wussten Sie, dass

•die Flusspferde, Verwandte unserer Schweine sind, ähnlich wie auch die Pekaris?

•es Zwergwildschweine gibt, die lediglich eine Körpergröße von 25 cm erreichen und die nur noch in einem Naturreservat namens Manas an der Grenze zwischen Indien und Butan vorkommen?

•die Hybridsau „Ilse“ in einer ehemaligen DDR-Genossenschaft im Bezirk Erfurt 1989 im hohen Schweinealter von dreizehneinhalb Jahren verstarb und die starke Zahl von 300 Nachkommen hinterlassen hat, wobei sie im Jahre 1984 einen Rekordwurf von 16 lebenden Ferkeln hinlegte?

•man inzwischen Schweine auch leasen kann?

•das Ende des Schweines der Anfang der Wurst ist (frei nach W. Busch)?

•das Meerschweinchen zoologisch gesehen mit den Schweinen rein gar nichts zu tun hat, jedoch ebenso quieken kann und von manchen Indianerstämmen Südamerikas als Leckerbissen geschätzt wird, hier zu Lande jedoch aus vielerlei Gründen als Schmusetier beliebter ist als das Hausschwein?

•es der modernen Wissenschaft und besonders der Gentechnologie immer noch nicht gelungen ist, die seit langem erwartete „Eierlegende Wollmilchsau“ als Kompakteinheit für den Selbstversorger zu züchten, sodass wir uns dieses Buch hätten sparen können?

Miss Piggy und Co.

Neben den erwähnten Darstellungen in der bildenden Kunst finden wir im Bereich der Karikatur wie im modernen Genre der Comics und der „Puppen“-Stars im Fernsehen eine reichhaltige Palette, bei der der menschliche Charakter über das Medium Schwein in überspitzter und doch sehr treffender Form dem Betrachter nahe gebracht wird. Herausragendes Beispiel dafür ist die berühmte Miss Piggy aus der Muppet-Show im Fernsehen, inzwischen eine Persönlichkeit, die jedem Kind, Jugendlichen und jung gebliebenen Erwachsenen landauf, landab bestens bekannt ist; oder etwa verschiedene Comic-Figuren wie das „Schweinchen Schlau“, die in Comic-Heften und -Filmen