Schwerter zu Pflugscharen - Ron Paul - E-Book

Schwerter zu Pflugscharen E-Book

Ron Paul

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Beschreibung

Amerikas illegale Kriege, der absehbare Zusammenbruch des US-Imperiums und eine Neuordnung auf Basis von Frieden, Freiheit und Neutralität

Ron Paul saß zwölfmal für die Republikaner im US-Kongress und ist dreimal als amerikanischer Präsidentschaftskandidat angetreten. Mit seinem hartnäckigen Widerstand gegen verfassungswidrige Gesetzesanträge verdiente sich der promovierte Arzt im Kongress den Spitznamen »Doktor No«. Weltweit wurde er jedoch vor allem dafür bekannt, dass er sich für eine US-Außenpolitik stark macht, bei der Frieden und Neutralität im Mittelpunkt stehen. Ron Paul lehnt es vehement ab, dass sich die US-Außenpolitik in die Belange anderer Nationen einmischt.

In Schwerter zu Pflugscharen beschreibt Paul, aus der Sicht eines politischen Insiders, die Sinnlosigkeit der US-amerikanischen Kriege und wessen Interessen diese Kriege wirklich dienen. Er enthüllt die Hintergründe eines auf Krieg ausgerichteten Staates.

Massive Kritik übt Paul am ehemaligen US-Präsidenten George W. Bush, dessen »Bush-Doktrin« ein »Ermächtigungsgesetz amerikanischen Stils ist, das jedem amtierenden Präsidenten die Befugnisse eines Diktators verleiht«.

Paul erörtert und bewertet den militärisch-industriellen Komplex, die US-Notenbank FED, Operationen unter falscher Flagge, die NATO, Drohnenangriffe, Präventivkriege, Tötungen im Auftrag des Staates ohne ordentliches Gerichtsverfahren, die militärische Aufrüstung der Polizeikräfte, die NSA, Geheimgefängnisse des Militärs und das Thema Folter.

Die US-Außenpolitik wird von Paul als scheinheilig bezeichnet, denn: »Die USA bespitzeln, bombardieren und besetzen. Dann machen sie anderen genau dieses Vorgehen zum Vorwurf.« Die Schweizer Neutralität sei ein Vorbild für die amerikanische Außenpolitik, so Paul. Die USA sollten einfach ihre Soldaten nach Hause holen und sich um ihre eigenen Angelegenheiten kümmern.

Schwerter zu Pflugscharen ist eine hervorragende Einführung in das Zerstörerische und Unmoralische des Krieges und in die bereits von einem der Gründerväter der USA, Thomas Jefferson, propagierte Außenpolitik von Frieden, Handel und ehrlicher Freundschaft zu allen Nationen.

»Ich habe alle Bücher von Ron Paul gelesen, und kann ohne zu zögern sagen, dass Schwerter zu Pflugscharen sein wichtigstes und persönlichstes Buch ist.« Laurence M. Vance

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Veröffentlichungsjahr: 2017

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3. Auflage März 2017 Copyright © 2015 by Ron Paul Copyright für die deutschsprachige Ausgabe © 2017 bei Kopp Verlag, Bertha-Benz-Straße 10, D-72108 Rottenburg Titel der amerikanischen Originalausgabe: Swords into Plowshares Alle Rechte vorbehalten Übersetzung: Andreas Marquart Covergestaltung: Stefanie Beth Coverfoto: Christopher Halloran/Shutterstock, Inc. Satz und Layout: Agentur Pegasus, Zella-Mehlis ISBN E-Book 978-3-86445-461-5 eBook-Produktion: GGP Media GmbH, Pößneck

Gerne senden wir Ihnen unser Verlagsverzeichnis Kopp Verlag Bertha-Benz-Straße 10 D-72108 Rottenburg E-Mail: [email protected] Tel.: (07472) 98 06-0 Fax: (07472) 98 06-11Unser Buchprogramm finden Sie auch im Internet unter:www.kopp-verlag.de

Widmung

Gewidmet einer neuen Generation, die Frieden sucht und den Begriff des unvermeidlichen Krieges ablehnt

Kapitel I: Aufgewachsen im Krieg

Kapitel I

Aufgewachsen im Krieg

There must be lights burning brighter somewhere

Got to be birds flying higher in a sky more blue

If I can dream of a better land

Where all my brothers walk hand in hand

Tell me why, oh why, oh why can’t my dream come true?

»If I can dream« – Elvis Presley

Ich bin im Jahre 1935 geboren worden. Ich kann mich an keine Zeit entsinnen, in der das Thema »Krieg« einmal nicht im Mittelpunkt gestanden hätte.

An den Angriff der Japaner auf Pearl Harbor – es war der 7. Dezember 1941 – habe ich jedoch keine Erinnerung. Schließlich war ich damals gerade einmal sechs Jahre alt. Aber dass in den darauffolgenden dreieinhalb Jahren andauernd über »Krieg« gesprochen wurde, ist mir noch lebhaft im Gedächtnis.

Mein Vater war Luftschutzwart, und seine Aufgabe war es, bei den Luftschutzübungen in unserem Stadtgebiet die Sirene auszulösen. Meine vier Brüder und ich waren uns über die volle Bedeutung eines Luftangriffes nicht im Klaren, aber zumindest wussten wir, dass wir den Sirenenknopf nicht anfassen durften, obwohl er für uns sehr leicht erreichbar gewesen wäre.

Während einer Luftschutzübung wurden stets alle Lichter gelöscht, die Familie saß um das Radio herum, und wir hörten Nachrichten. Natürlich waren sich alle bewusst, dass es immer nur eine Übung war. Wenn die Sirene dann erneut ertönte, jedoch leiser, war dies das Signal für die Entwarnung.

Krieg bedeutet Tod und Leiden

Keiner meiner Brüder war alt genug, um vom Militär eingezogen zu werden, im Gegensatz zu zwei meiner Onkel und mehrerer Cousins. Obwohl mein Vater noch drei Brüder hatte, musste nur einer von ihnen zur Armee. Die anderen ließ man den Milchbetrieb unserer Familie weiterführen. Sein Bruder, der zum Militär musste, diente bei den Seabees1› Hinweis auf der Pazifikinsel Saipan. Der Bruder meiner Mutter wurde ebenfalls eingezogen. Er wurde nach Afrika geschickt. Beide kehrten nach Kriegsende zurück, und keiner von beiden musste an Kämpfen teilnehmen.

Ich verstand sehr gut, was es bedeutete, in den Krieg ziehen zu müssen.

Mehrere Mitglieder der Lutherischen Kirchengemeinde, der meine Familie angehörte, wurden in den Militärdienst berufen und nach Europa geschickt. Einer von ihnen war Andy Jablonski, ein naher Freund der Familie und ein stämmiger, energiegeladener Bursche, der kurz davor war, zu heiraten. Andy wurde Fallschirmjäger. Für meine Brüder und mich war er ein besonderer Freund. Ein weiteres Mitglied unserer Kirchengemeinde, Bill Tellhorster, das älteste von acht Kindern und der einzige Sohn in der Familie, kam zur Infanterie.

Der D-Day2› Hinweis, der 6. Juni 1944, war für nahezu jeden im Land ein bedeutendes Ereignis – es ging ums Ganze, der Ausgang des Krieges stand auf Messers Schneide. Die schlimmen Nachrichten von Tausenden von Toten und Verletzten trafen sehr schnell ein. Aber die Invasion wurde als großer Sieg verkündet.

Andy und Bill wurden bei dieser Invasion getötet. Es war zwar ein hoffnungsvolles, aber auch ein schmerzliches Ereignis für unsere Familie, unsere Freunde und für die Kirchengemeinde. Dies war nur eine von zahlreichen ähnlichen Geschichten, die so viele Menschen während des Krieges erlebten.

Meine Familie war hauptsächlich deutscher Abstammung. Zwei Großtanten lebten während des Zweiten Weltkrieges mit ihren Familien noch immer in Deutschland, und wir Kinder wurden stets angehalten, für ihre Sicherheit zu beten. Dabei war es das US-Militär, das versuchte, sie zu töten. Dass Familien gegeneinander kämpfen und sich gegenseitig töten, erschien mir schon in jungen Jahren sinnlos. Und doch ist es charakteristisch für einen Krieg. Diese Sinnlosigkeit, wenn Brüder gegen Brüder kämpfen, traf ganz besonders auf unseren eigenen Bürgerkrieg zu.

Zwei Cousins von mir, sie waren Zwillingsbrüder, wurden ebenfalls zum Militär berufen und in den Kampf nach Deutschland geschickt. Einer der beiden, PFC [Private First Class] Arthur P. Kaufmann, wurde gefangen genommen. Gegen Ende seiner Gefangenschaft drohte man, ihn hinzurichten, doch er wurde von den herannahenden Sowjettruppen gerettet. Vom Tag seiner Gefangennahme am 22. Dezember 1944 bis zum Tag seiner Befreiung am 23. Mai 1945, zwei Tage nach dem V-E Day3› Hinweis, führte er Tagebuch.

Obwohl er die Bedingungen seiner Gefangenschaft als hart beschrieb, sei er doch einigermaßen gut behandelt worden. Beispielsweise wurde er kurz vor seiner Befreiung in ein Krankenhaus gebracht und dort von einem Arzt wegen Ruhr mit Medikamenten behandelt. Denke ich an seine Erlebnisse, dann denke ich zwangsläufig auch an die »Kriegsgefangenen« der vergangenen 25 Jahre, in denen im Mittleren Osten und in Afghanistan fast ununterbrochen Krieg herrschte. Dort nahm man nämlich keine »Kriegsgefangenen«. Als sich die irakischen Streitkräfte am Ende des Golfkrieges zurückzogen, wurden viele von ihnen von unseren Piloten wahllos getötet. »Nehmt keine Gefangenen« – so muss wohl der Befehl gelautet haben.

Menschen, die in Guantanamo oder anderen von oder in Zusammenarbeit mit den USA betriebenen Haftanstalten eingekerkert und sogar gefoltert wurden, hat man absichtlich nicht »Kriegsgefangene« genannt, denn sonst hätte man sich an die Genfer Konvention (für Kriegsgefangene) halten müssen, derzufolge Folterungen verboten sind.

Im Jahre 1961 – ich war Arzt im Praktikum am Henry-Ford- Hospital – arbeitete ich mit einem Kollegen aus Deutschland zusammen. Zwangsläufig kam mir der Gedanke: »Noch vor wenigen Jahren versuchten unsere Familienangehörigen, sich gegenseitig zu töten – und zwar auf Befehl ihrer jeweiligen Regierungen. Und heute lernen wir gemeinsam in einem medizinischen Praktikum, wie man Leben rettet – was für eine Ironie!« Und ich dachte, was Krieg doch für eine Verschwendung ist. Er ergab keinen Sinn für mich, damals nicht und heute auch nicht.

Als Kind war ich mir über die bewusste Entscheidung der USA zur massiven Bombardierung von Städten wie Dresden und Hamburg unter Missachtung zahlreicher internationaler Absprachen, die Zivilbevölkerung zu schonen, nicht im Klaren. Die Bombardierung Dresdens geschah im Februar 1945, zu einem Zeitpunkt, als die Niederlage Deutschlands bereits abzusehen war. Eine Begründung für die Bombardierung war, unseren »Alliierten«, den Sowjets, eine Botschaft unserer Stärke und Entschlossenheit zu senden. Die Bühne wurde schon für den Kalten Krieg vorbereitet.

Propaganda und Krieg gehen Hand in Hand

Meine Großmutter, die sich noch gut an die Diskriminierung von Deutsch-Amerikanern während des Ersten Weltkrieges erinnern konnte, erklärte mir einst, dass es nicht die Deutschen gewesen seien, die den Krieg wollten. Es waren die Regierung und die Politiker, sagte sie. Dasselbe trifft wohl für die meisten Menschen auf der ganzen Welt zu. Genau aus diesem Grund ist Kriegspropaganda so wichtig, um nämlich die Unterstützung der Menschen für den Krieg zu gewinnen oder sie zumindest dazu zu bewegen, ihn zu tolerieren.

Niemals hörte ich während des Zweiten Weltkrieges irgendwelche Diskussionen darüber, der Krieg sei unratsam gewesen. Pearl Harbor brachte die Kriegsgegner und die America-First-Bewegung zum Schweigen. Die Forderung nach einem übersteigerten Patriotismus im Umfeld des totalen Krieges führte nach dem Angriff der Japaner auf Pearl Harbor zum Ende aller Debatten. Es dauerte Jahrzehnte, bis eine wirkliche Diskussion darüber entstand, wie uns Präsident Franklin D. Roosevelt überhaupt in einen Krieg manövrieren konnte, an dem er unbedingt teilnehmen wollte, genauso wie es Präsident Woodrow Wilson im Ersten Weltkrieg getan hatte.

Noch heute werden Autoren, die – wie Patrick Buchanan es in seinem Buch Churchill, Hitler, und der unnötige Krieg tut – richtigerweise behaupten, es habe sich bei beiden Weltkriegen um »unnötige Kriege« gehandelt, gemieden und verspottet. Diese Annahme steht in direktem Widerspruch zu dem, was in den meisten amerikanischen Schulen gelehrt wird, sodass viele Menschen nicht bereit sind, auch Argumente zu berücksichtigen, die für Buchanans Schlussfolgerungen sprechen. Wir sollten nicht erwarten, dass unsere staatlichen Schulen eine unvoreingenommene Betrachtungsweise und eine vollständige Einsicht in unsere Verwicklung in ausländische Kriege ermöglichen. Dies aber wird kommen, weil sich Alternativen zu staatlichen Schulen, die bundesstaatlicher Überwachung unterliegen, etablieren. Homeschooler4› Hinweis werden eine viel unparteiischere und genauere Geschichte unserer törichten Verstrickungen im Ausland lernen.

In der Zeit des Zweiten Weltkrieges war es als Kind schwierig, nicht andauernd mit Neuigkeiten über den Kriegsverlauf konfrontiert zu werden. Mein Vater hörte sich im Radio regelmäßig die von Lowell Thomas und Gabriel Heatter verkündeten Kriegsmeldungen der Regierung an, und in den Kinos gab es stets kurze Spots, um den Fortgang des Krieges zu dramatisieren. Sehr wichtig waren natürlich Zeitungen, um nachlesen zu können, was vor sich ging. Damit erschöpften sich im Allgemeinen aber die Möglichkeiten, die damals zur Verfügung standen, um über die verschiedenen Kämpfe und Kriegspläne auf dem Laufenden zu bleiben, und sie waren immer beschränkt auf das, was die Bevölkerung erfahren sollte. Diese Informationskanäle wurden auch genutzt, um die Unterstützung für den Krieg durch die Bevölkerung aufrechtzuerhalten. Dass jemand ein Fernsehgerät hatte, war zu dieser Zeit eher die Ausnahme. Auch meine Familie besaß keines. Und das Internet existierte noch nicht. Es gab drei große Radiostationen und zumeist willfährige Zeitungsverlage.

Krieg schadet der Wirtschaft

Das Leben während des Krieges war nach meiner Erinnerung meist entbehrungsreich. Es war eine Fortsetzung der Großen Depression.

Diejenigen, die behaupten – typischerweise aus eigennützigen Motiven heraus –, die Große Depression sei durch unseren Kriegseintritt beendet worden, liegen falsch. Sie verfestigen so auch für die heutige Zeit gefährliche ökonomische Theorien. Nach wie vor hören wir allzu oft, Krieg sei eine mögliche »Lösung« für unsere schwache Wirtschaft. Drohnen und Bomben zu bauen, Dinge in die Luft zu sprengen, Menschen zu töten und so den Hass auf uns zu lenken, um auf diese Weise das Bruttoinlandsprodukt, angeblich zum Wohle aller, zu steigern, löst keine wirtschaftlichen Probleme. In Wirklichkeit wird das Land nämlich ärmer, der Lebensstandard sinkt, und die Preisinflation verschlimmert sich. Krieg bringt Tod, Leid und Zerstörung mit sich und befördert dadurch Furcht und Verzweiflung. Die Profiteure jedoch beklagen sich nicht. Die Interventionisten5› Hinweis werden jede Ausrede nutzen, um Kriege zu schüren, so auch die zutiefst falschen Argumente, warum Krieg gut für die Wirtschaft sei.

Obwohl ich noch ziemlich jung war, kann ich mich an Rationierungen erinnern und an die von der Regierung ausgegebenen Marken, die man brauchte, um Fleisch, Benzin, Butter und viele andere Produkte kaufen zu können. Dass dadurch vermehrt Schwarzmärkte entstanden, überraschte damals niemanden. Sogar mein Vater – im Grunde so gesetzestreu wie jeder patriotische Amerikaner – kaufte das Fleisch für unsere Familie auf dem Schwarzmarkt, soll heißen: Er kaufte es auf dem freien Markt.

Wir waren im Milchhandel tätig, und wenn wir Butter verkauften, mussten wir die Lebensmittelmarken entgegennehmen. Meine Brüder und ich waren so in das staatliche Rationierungsprogramm eingebunden, weil wir es im Geschäft und bei den Auslieferungen an die Haushalte mit Kunden zu tun hatten.

Niemand hinterfragte das Rationierungsprogramm. Jedem wurde gesagt, es würde dazu beitragen, den Krieg zu gewinnen. Der Krieg beeinflusste praktisch jede Entscheidung. Nur kurze Zeit später wurde mir durch das Studium der Österreichischen Schule der Nationalökonomie klar, dass Rationierung das schlechteste Mittel ist, um Knappheit zu bekämpfen, denn je knapper Ressourcen und Güter sind, die es zu verteilen gilt, umso wichtiger ist ein funktionierender Markt.

Dass die Lohn- und Preiskontrollen, die im Krieg galten, am Ende zu Rationierungen führen mussten, war eigentlich zu erwarten. Preiskontrollen führen immer zu Verknappung und Rationierung, und das von der Regierung ausgelöste Durcheinander verlangt geradezu nach einer Lösung durch den freien Markt. Diese Lösung ist dann der Schwarzmarkt. Schwarzmarkt nennt man ihn, um ihn zu verunglimpfen, da er den staatlich kontrollierten Markt jenseits der gesetzlichen Grenzen herausfordert.

Während dieser Zeit, in der die Automobilindustrie auf den Bau von Panzern und Flugzeugen umgestellt wurde, kann ich mich nur an ein neues Auto in unserer Stadt erinnern. Es wurde dank einer Sonderbewilligung an einen von zwei Ärzten geliefert. Es handelte sich um einen 1943er-Pontiac. Ich weiß noch genau, dass viel über dieses Auto geredet wurde, vor allem, weil es praktisch schon nach einem Jahr schrottreif war. Die Autos der späten 1930er- und frühen 1940er-Jahre – also vor dem Angriff auf Pearl Harbor – hatten einen viel besseren Ruf und funktionierten auch ganz ordentlich, bis ihre Besitzer sie im Wirtschaftsaufschwung, der dem Kriegsende folgte, ersetzten.

Arbeitete mein Vater in der Molkerei, die sich im Keller unseres Hauses befand, dann überbrachte ihm meine Mutter oft die neuesten Nachrichten. Meinen Eltern waren beide die Schrecken des Krieges zuwider, aber meine Mutter brachte ihre Abscheu besonders häufig zum Ausdruck. Sie sehnte das Kriegsende herbei. Ich kann mich noch genau daran erinnern, wo ich am 16. Juli 1945 war, nämlich bei meinem Vater im Keller, wo ich ihm half, die Milch in Flaschen abzufüllen. Nachdem meine Mutter im Radio von der ersten Atombombenexplosion bei Alamogordo, New Mexico, gehört hatte, kam sie herbeigeeilt, um es meinem Vater zu erzählen. Sie war fürchterlich aufgeregt. Der Grund für ihre Aufregung war die allgemeine Vermutung, der Krieg wäre nun bald zu Ende. Der Sieg in Europa, V-E Day, wurde bereits am 8. Mai 1945 errungen.

Meine Mutter wusste, so wie die meisten Menschen in dieser Zeit, wenig darüber, wie unnötig es war, kurz danach Nuklearwaffen über Hiroshima und Nagasaki einzusetzen.

Die »Bombe« wurde am 16. Juli 1945 erfolgreich getestet. Nur 21 Tage später, am 6. August, wurde sie über Hiroshima abgeworfen. Die Bombardierung Nagasakis erfolgte lediglich drei Tage später am 9. August.

Das offizielle Kriegsende wurde am 2. September 1945 erklärt. Die Feierlichkeiten waren für mich, der ich gerade zehn Jahre alt war und mich nicht daran erinnern konnte, dass einmal nicht über Krieg gesprochen wurde oder wir uns nicht einschränken mussten, aufregend und unvergessen.

Franklin D. Roosevelt und die Illusion der politischen Parteien

Bis zum 12. April 1945 war Franklin D. Roosevelt (FDR) der einzige Präsident, an den ich mich erinnern konnte.

Als Roosevelts Tod bekannt wurde, jubelte ich. Nicht dass ich eine bestimmte Meinung gehabt hätte, aber er muss in der Familie nicht besonders beliebt gewesen sein. Mein Vater tadelte mich, weil ich mich erfreut zeigte über den Tod des Präsidenten. Er erklärte mir, dass es falsch sei, jemandes Tod zu bejubeln, auch wenn man nicht gutheißt, was derjenige getan hat.

Das Missfallen meiner Eltern bezüglich FDR hatte wenig zu tun mit der starken Missbilligung, die ich heute hinsichtlich seiner Politik empfinde. Dass er sich dem Wohlfahrtsstaat, einem starken Staat und der amerikanischen Notenbank verschrieben hatte und dass er danach strebte, in den Krieg einzutreten, entgegen seinen Versprechungen im Wahlkampf von 1940, das ist es, was ich ihm vorwerfe. Als Präsidentschaftskandidat wiederholte Roosevelt immer wieder sein Versprechen, sich aus dem Krieg herauszuhalten. In Boston, am 30. Oktober 1940, erklärte er beispielsweise: »Ich habe es zuvor bereits gesagt, aber ich sage es immer wieder und immer wieder: Eure Söhne werden nicht in Auslandskriege ziehen müssen.« Solche Aussagen zu treffen, während man gleichzeitig heimlich Ränke schmiedet, um zum richtigen Zeitpunkt in den Krieg einzutreten, verdient keinen Respekt.

Ich erinnere mich an die Wahl 1940, als Wendell Willkie für die Republikaner gegen FDR antrat. Das Wahlergebnis wurde in unserer Familie mit Enttäuschung aufgenommen aus dem einfachen Grund, weil ein Demokrat einen Republikaner besiegt hatte. Dass Wahlen häufig nur dem Anschein nach einen Wettbewerb darstellen zwischen zwei Bewerbern, die eigentlich aus dem gleichen Holz geschnitzt sind, wird noch nicht allzu lange thematisiert, und viele glauben es noch immer nicht.

Ich wurde in dem Glauben erzogen, die Demokraten hätten im Kongress jegliche Bemühungen Herbert Hoovers sabotiert, die Große Depression zu beenden, und das sei die Ursache gewesen, dass die Krise so lange andauerte. Demokraten waren schlecht; Republikaner waren gut. Durch die Lektüre von Murray Rothbards Buch America’s Great Depression wurde mir dann aber klar, wer der wirklich Schuldige war: nämlich die Geldschöpfung der Federal Reserve6› Hinweis und die Politik, die sie in den 1920er-Jahren verfolgte. Die Wirtschaftspolitik Hoovers und FDRs war nahezu identisch und unterschied sich nur hinsichtlich der angewandten Rhetorik und ihrer Versprechungen. Vermutlich hätte es auch keine großen Unterschiede gegeben zwischen einer Präsidentschaft Willkies und vier weiteren Jahren mit FDR. Aber viele Menschen glaubten damals, und viele tun es noch heute, dass die Politik von Demokraten und Republikanern sich ernsthaft unterscheidet. Beide Parteien befürworteten in den 1930er- und 1940er-Jahren Interventionen im Ausland, die Subvention von Unternehmen, einen Wohlfahrtsstaat für die Armen und eine großzügige Auslegung der Verfassung. Und sie tun es noch heute. Außerdem unterstützen beide Parteien seit nunmehr 100 Jahren die Einkommensteuer und das amerikanische Notenbanksystem.

Nicht nur, dass uns Roosevelt in den Krieg hineinmanövriert hat, er betrieb auch dessen furchtbare Verlängerung. Sein Mantra war es, auf einer »bedingungslosen Kapitulation« zu bestehen. Dieses Schlagwort wurde beständig wiederholt. Die Stimmung wurde so sehr aufgepeitscht, dass die Menschen am Ende sogar die Vernichtung von Hiroshima und Nagasaki bejubelten. Ständig hörte ich in den Nachrichten die Phrase von der »bedingungslosen Kapitulation«, genau wie in den staatlichen Schulen, die ich besuchte.

Die Begründung lautete stets, dass durch die Zerstörung der beiden Städte und die Tötung all der Einwohner viele Tote und Verletzte unter den amerikanischen Truppen vermieden worden seien, die bei einem Einmarsch in Japan ansonsten zu beklagen gewesen wären.

Die Wahrheit allerdings sah anders aus. Japan war bereits besiegt und befand sich kurz vor der Kapitulation. Mit etwas Geduld und gesundem Menschenverstand hätte der Krieg ohne die verheerenden Bombardierungen Hiroshimas und Nagasakis beendet werden können. Nur nebenbei sei bemerkt: Nach dem Atombombenangriff erlaubten es die USA Hirohito, sein Kaiseramt zu behalten.

Zu keiner Zeit, damals nicht und bis heute nicht, wurde groß über die bedeutsame Anordnung Roosevelts vom 26. Juli 1941 gesprochen, alle japanischen Gelder in den USA einzufrieren. Genau das geschah nämlich vier Monate vor dem Angriff auf Pearl Harbor und führte zu einem De-facto-Ölembargo gegenüber Japan. Solche Sanktionen sind Zeichen einer zutiefst fehlerhaften Politik, und genau die gleiche Politik verfolgen wir zu unserem Schaden noch heute.

Im Komitee für ausländische Angelegenheiten erwähnte ich in einer Debatte diese Executive Order Roosevelts, um vor den unbeabsichtigten Folgen von Sanktionen gegenüber dem Iran zu warnen. Schon oft in der Geschichte hat eine solche Politik zu zahlreichen unbeabsichtigten Folgen geführt. Prompt erntete ich den Spott eines anderen Komiteemitgliedes, das offenbarte, noch nie etwas von der Bedeutung des Ölembargos gegen Japan gehört zu haben. Vielleicht wollte er davon auch einfach nichts hören. Genauso wie viele Leute sich jeglicher Diskussion versperren, wenn es um den Zusammenhang zwischen den von der US-Regierung den Südstaaten auferlegten Zöllen und dem Bürgerkrieg geht. Noch heute hält die Kriegspropaganda zurückliegender Jahrzehnte die Menschen davon ab, aus der Geschichte zu lernen.

Eine Erklärung, Japans Angriff sei die Reaktion auf unsere bestrafenden Sanktionen gewesen, hat nach Pearl Harbor verständlicherweise niemanden mehr interessiert. In solch einer Situation Emotionen und Tatsachen zu trennen ist praktisch unmöglich – genauso wie es nach den Anschlägen vom 11. September der Fall war. Leute, die einen kühlen Kopf bewahren, werden in solchen Momenten nicht gehört. Es bleibt immer nur die Hoffnung, dass Historiker die Wahrheit ans Tageslicht bringen, um in der Zukunft tragische Irrtümer zu vermeiden.

Die Neokonservativen haben geschrieben, mit den »Ereignissen von Pearl Harbor sehr zufrieden zu sein«. Michael Ledeen schrieb beispielsweise 1999 in seinem Buch Machiavelli on Modern Leadership: »Selbstverständlich, man kann immer Glück haben. Von außen einwirkende, niederschmetternde Ereignisse können ein Unternehmen aus einer wachsenden Erstarrung herausholen und die Notwendigkeit für eine Erneuerung aufzeigen, genauso wie der verheerende Angriff der Japaner auf Pearl Harbor 1941 die USA so erfolgreich aus ihrem sanften Traum der permanenten Neutralität gerissen hat …« Dann weckten die Anschläge des 11. September das Kriegsfieber gegen Muslime und Araber im Nahen Osten. Das ist genau der Grund, warum »false flags« so beliebte Werkzeuge für diejenigen sind, die Krieg als etwas Nobles und Heldenhaftes ansehen. Dabei werben sie für eine Agenda, die niemals nobel ist, sondern stets ihren eigenen Interessen dient. Es gibt nichts Heldenhaftes an »Chickenhawks«7› Hinweis, von denen es so viele gibt.

Der Anspruch, die Kriege zu beenden – die Realität, endlose Kriege zu führen

Bereits im Alter von zehn Jahren, als der Zweite Weltkrieg endete, war ich mir sicher, dass Krieg nach Möglichkeit vermieden werden muss. Ich wusste schon damals, dass ich mich davor fürchten würde, eine Waffe auf einen Menschen zu richten und ihn zu töten. Berichte über Konzentrationslager oder Folterungen machten mich erschrocken, und ich betete dafür, dass weder ich noch irgendein anderer Mensch jemals wieder etwas Ähnliches erleben müsse.

In meiner College-Zeit, als der Koreakrieg zu Ende ging, schwand mein Optimismus, man könne Kriege und das Töten beenden. Stattdessen nahm ich an, wie viele andere auch, ich könnte eines Tages vom Militär einberufen werden. Dies spielte bei meiner Entscheidung für ein Medizinstudium unter anderem eine Rolle. Ich wusste genau, dass ich mit Töten nichts zu tun haben wollte und es mehr nach meinem Geschmack war, ein Lebensretter zu sein.

Am 5. Juni 1950, knapp fünf Jahre nach V-J Day (2. September 1945), hörte ich, wie meine Mutter darüber sprach, wie betroffen sie der Ausbruch eines weiteren Krieges machte: diesmal in Korea. Sie war konsterniert und fragte: »Wie können die Menschen schon wieder einen weiteren Krieg akzeptieren?« Sie war damals 42 Jahre, hatte den Ersten Weltkrieg in Erinnerung und vor allem die Schrecken des Zweiten Weltkrieges, der erst wenige Jahre zuvor endete. Sie fragte nicht »Warum?«, sie fragte nur »Wie?«.

Obwohl sich damals viele Menschen wegen eines weiteren Krieges betrübt zeigten, hörte ich niemanden, der kritisierte, dass wir den Koreakrieg ohne Kriegserklärung des Kongresses begannen. Ich kann mich erinnern, dass einer meiner Lehrer die Leistungen der Vereinten Nationen (UN) pries und dass sie zur Friedenssicherung beitragen würden – vielleicht handelte es sich aber auch nur um Wunschdenken. Am 27. Juni 1950 autorisierte der Sicherheitsrat die erste Mission zum Erhalt des »Friedens«. Es stellte sich jedoch heraus, dass die UN dabei waren, einen Krieg zu inszenieren, nicht, den Frieden zu bewahren. Nur wenige haben damals darüber nachgedacht oder realisiert, wie das Prozedere von US-Kriegsbeteiligungen für immer verändert wurde. Es bestand keine Notwendigkeit mehr für eine Genehmigung durch den Kongress. Die Genehmigungen sollten auf absehbare Zeit nur noch aus UN-Resolutionen, NATO-Beschlüssen oder Executive Orders8› Hinweis des Präsidenten resultieren.

Erst im nächsten Jahrhundert sollte ständiger, weltweiter Krieg Realität werden. Die Lügen unserer Führer haben den natürlichen Widerstand der Menschen gebrochen, von denen sich die meisten hinsichtlich der Außenpolitik in Apathie, Unkenntnis und im Ignorieren üben. Die Außenpolitik der USA hat sich mittlerweile weit entfernt von den Einschränkungen durch die Verfassung und den Empfehlungen unserer Gründer, deren Bestreben es war, uns aus Kriegen herauszuhalten. Durch die Zusammenarbeit der Exekutive mit internationalen Organisationen wurde die ungeheure Macht des »Königs«, in den Krieg zu ziehen, auf unsere heutigen Präsidenten übertragen.

Als die »Polizeiaktion« in Korea stattfand – ein Krieg war es nicht, denn ein Krieg muss vom Kongress erklärt werden –, hatte ich gerade mein Studium an der Highschool begonnen. Kurz danach wurde einer unserer Trainer, der bereits im Zweiten Weltkrieg gedient hatte, erneut eingezogen. Nicht viel später erhielten wir die traurige Nachricht, dass er in Korea gestorben sei. Meine Reaktion darauf war: »Warum musste das geschehen? Es ergibt keinen Sinn.« Obgleich ich nichts von Politik verstand, nicht wusste, dass es keinerlei Bedrohung unserer nationalen Sicherheit gab und dass der Krieg unrechtmäßig war, erschien er mir schon damals falsch.

Obwohl einige Politiker, einschließlich Senator Robert Taft, ernste Fragen hinsichtlich des Krieges aufwarfen, gab es keine Grundsatzdiskussion über die Vor- und Nachteile, überhaupt in den Krieg zu ziehen. Und obwohl es kein dramatisches Ereignis vergleichbar mit dem Angriff auf Pearl Harbor gab, um die Menschen zu vereinen, wurde dennoch jeder Widerspruch als unpatriotisch und nicht hilfreich für die Streitkräfte erachtet. Lange Zeit schon existierte die Mahnung, genauso wie heute, dass Außenpolitik und das Führen von Kriegen parteiübergreifende Angelegenheiten seien, in Einheit mit den Bürgern, was so viel bedeutet wie »widerspruchslos« – zumindest bei Kriegsbeginn.

Ich bin optimistisch, dass sich diese Haltung heute zum Besseren wendet. Im zweiten Halbjahr 2013 jedenfalls lehnte die Mehrheit der amerikanischen Bevölkerung Militäraktionen gegen Syrien ab. Dennoch gibt es immer noch eine breite Akzeptanz unserer stetigen, kleinen Kriege, zumal viele so tun, als gäbe es diese überhaupt nicht. Es gibt keine echte Unterstützung, aber auch keinen ernsthaften Widerspruch. Drohnenkriege sind schließlich steriler. Sie sind ordentlich und sauber – man braucht keine Bodentruppen, und folglich gibt es weniger Verluste auf amerikanischer Seite. Einem Opfer in die Augen schauen zu müssen, während es stirbt, ist auch durchaus unbehaglich. Es ist verstörend und verwirrend, wenn man an die Opfer denkt. Viele Menschen, denen andere Themen wichtiger sind, verweigern sich einer Konfrontation. Die Todesstrafe wird auch tolerierbarer, wenn sie mit der Giftspritze vollzogen wird. Die Kriminellen »schlafen« ja dabei, und sie spüren nichts. Kein öffentliches Aufhängen mehr, keine Erschießungskommandos mehr, keine Guillotine mehr. Natürlich will niemand Zeuge von Kollateralschäden werden, wenn »Terroristen« ihre Heimat vor aus fernen Ländern kommenden Eindringlingen verteidigen. Wer will sich schon quälen lassen vom Anblick sterbender Kinder und Frauen, die bei Begräbnissen und Hochzeiten durch unsere Angriffe ums Leben kommen? Die Augen zu verschließen vor der Zerstörung ist eben einfacher, als sich den Realitäten eines »Präventivkrieges« und seinen hässlichen Folgen zu stellen.

Die Toleranz gegenüber Krieg und von bestimmten Interessen geleitete Politiken ermöglicht es, immerwährend Krieg zu führen, ohne dabei eine große Empörung auszulösen. Das muss sich ändern, wollen wir irgendwann einmal in einer friedlicheren Welt leben.

Die guten und die schlechten Seiten von Ike9› Hinweis

Bei den Wahlen im Jahre 1952 war Krieg das beherrschende Thema, und ich kann mich gut an all die Reden erinnern. Aber ich durfte nicht wählen, ich war noch zu jung. Ikes Versprechen, in Korea einzumarschieren, sollte er gewählt werden, machte mich neugierig.

Vier Jahre zuvor führten wir in der achten Klasse – wir waren 20 Schüler – auf echten Stimmzetteln eine gestellte Wahl durch. Sie ging mit 19 zu einer Stimme für Thomas Dewey, den Kandidaten der Republikaner, aus. Wir lebten in einer republikanischen Gemeinde. Ich war fasziniert, wenn ich Harry Truman zuhörte, während er dem Kongress vorwarf, nichts zu bewegen. Aber ich wusste zu diesen Themen wenig zu sagen. Meinen Eltern habe ich niemals verraten, dass ich für Truman stimmte. Aber selbst damals hätte ein Sieg der Republikaner nicht viel geändert.

Ike marschierte in Korea ein. Es wurden jedoch keine Nuklearwaffen eingesetzt, was viele zunächst befürchteten. Präsident Dwight D. Eisenhower hatte durchaus seine Schwächen, er war jedoch der Meinung, dass es nicht nötig gewesen wäre, über Hiroshima und Nagasaki Atombomben abzuwerfen. Ein ehrbarer Mensch aus dem Militär sollte immer zu einer Antikriegsposition tendieren. So stellt beispielsweise General Smedley Butlers Buch War is a Racket, das im Jahre 1935 erschien, eine richtiggehende Verdammung des Krieges dar.

Trotz aller Fehler, die Ike machte, muss man ihm zugute halten, dass er den Koreakrieg beendete, so wie er es versprochen hatte. Aber natürlich hätten wir uns an diesem Krieg erst gar nicht beteiligen dürfen.

Obwohl die Marines unter Eisenhower einige Male zum Einsatz kamen, begann in den Jahren von 1953 bis 1961 während seiner Präsidentschaft kein größerer Konflikt. Neuesten Enthüllungen zufolge, die Stephen Kinzer in seinem Buch The Brothers aus dem Jahre 2013 veröffentlichte, war Eisenhower, obwohl ihm der Ruf anhaftete, Kriege vom Grundsatz her zu vermeiden, wohl in zahlreiche verdeckte Kriege verwickelt. Eines ist sicher: Eisenhower war nicht gerade ein Noninterventionist. Er unterstützte und ermutigte Staatssekretär John Foster Dulles und CIA 10› Hinweis – Direktor Allen Dulles bei vielen Aktionen rund um den Globus, unter deren Konsequenzen wir in Form von Blowbacks11› Hinweis und anderer unbeabsichtigter Folgen weiter zu leiden haben. Viele Menschen wissen zwar über die Umstände um den Sturz des vom iranischen Volk gewählten Führers Mohammad Mosaddegh Bescheid, aber gemeinsam mit Eisenhower unterstützten die Dulles-Brüder weitere verdeckte Aktivitäten in Vietnam, Kuba, im Mittleren Osten, in Mittelamerika und anderswo. Einige dieser Interventionen wurden als »erfolgreich« erachtet, andere als Reinfälle. Aber sie alle legten die Saat für den Groll, der heute besteht und weiterhin unsere nationale und finanzielle Sicherheit gefährdet.

Im Jahre 1956 entfachte eine Demonstration von Studenten die ungarische Revolution. Zwei Wochen dauerte sie an und wurde am Ende mittels einer Invasion durch russische Panzer niedergeschlagen. Damals wurde darüber diskutiert, ob die USA eingreifen sollten, aber Eisenhower erstickte die Idee im Keim. Er wurde damals von den »Hawks« scharf kritisiert, weil er den revolutionären Kräften keine militärische Unterstützung sandte.

Der ungarischen Revolution schenkte ich nicht die gleiche Aufmerksamkeit wie dem israelisch-französisch-britischen Angriff auf Ägypten. Der Angriff war eine Reaktion auf die Verstaatlichung des Suezkanals im Jahre 1956 durch den ägyptischen Präsidenten Gamal Abdel Nasser. Ich studierte damals am Gettysburg College und dachte stets an eine mögliche Einberufung zum Militär. Ich hörte die Nachricht, während ich – als Mitglied des Schwimmteams – draußen im Pool trainierte, und weiß noch sehr genau, dass mir sofort der Gedanke in den Sinn kam, im Falle eines Krieges die Schule verlassen und zum Militär zu müssen.

Eisenhower sprach sich unverzüglich dagegen aus, in den Konflikt einzutreten, und arbeitete geduldig zugunsten einer Verhandlungslösung – sehr zu meiner Freude. Ansonsten beschäftigte ich mich während meiner Zeit auf dem College nicht sonderlich intensiv mit Politik. Die Außenpolitik Eisenhowers begeisterte mich nicht besonders, jedenfalls war ich froh, hinsichtlich einer möglichen Einberufung aus dem Schneider zu sein.

Die von Eisenhower ausgehandelte Vereinbarung verlangte von den Briten und den Franzosen, den militärischen Konflikt zu beenden, und von Israel, sich von der Sinai-Halbinsel zurückzuziehen. Interessanterweise fand die Vereinbarung die Unterstützung der Sowjetunion – und das trotz der Tatsache, dass es zu dieser Zeit wegen der Ereignisse in Ungarn zwischen den USA und Russland nach wie vor kriselte.

Die Sorge, die mich in diesen Tagen im Oktober 1956 umtrieb, war während meiner Jahre auf dem College gleichzeitig aber auch der Höhepunkt an Sorgen und Gedanken über Politik im Allgemeinen und Außenpolitik im Speziellen. Ich konzentrierte mich mehr auf mein medizinisches Vorstudium und auf Sport.

Die Einberufung ereilte mich erst sechs Jahre später, inmitten der Kubakrise; ich war damals Klinikassistent am Henry-Ford-Hospital in Detroit. Zur gleichen Zeit nahmen die Verstrickungen des US-amerikanischen Militärs in Vietnam weiter zu. Von da an steigerten eigene Erfahrung und Beobachtung mein Interesse an der Außenpolitik und daran, wie Fehler und Täuschungen zu unnötigen Kriegen führen.

Sicherlich fehlte mir das Wissen um die vollständigen Zusammenhänge, um zu verstehen, wie oder warum unsere Präsidenten ihre außenpolitischen Entscheidungen trafen, jedoch wuchsen Zweifel in mir, und ich hatte Fragen. Aber niemals kam in der öffentlichen Diskussion – auch Universitätsprofessoren thematisierten diesen Punkt nicht – das Thema noninterventionistischer Außenpolitik auf, so wie es die Gründer empfohlen hatten.

Der Kalte Krieg in den 1950er-Jahren erschwerte schließlich sogar den Verweis darauf, dass es nicht Aufgabe der USA sei, für die ganze Welt die Verantwortung zu tragen. Es ist sehr erfreulich, dass sich heute Millionen von Menschen, vor allem im Studentenalter, durchaus bewusst sind, worum es bei einer noninterventionistischen Außenpolitik wirklich geht. Das Scheitern des Neokonservatismus in der Außenpolitik kann nicht mehr geleugnet werden. Doch noch liegt ein langer Weg vor uns, um diejenigen in hohen Positionen, die sich dazu bestimmt fühlen, das US-Imperium in den Bankrott zu treiben, für unsere Sache zu gewinnen. Dieser Bankrott jedoch wird ihre Bestrebungen, die Welt zu beherrschen, bald unerschwinglich machen. Auch weil diese Bestrebungen immer seltener toleriert werden in einer Welt, die genug hat von US-Invasionen, – Besatzungen und stetiger Spionage.

Ich war kein Held in der Air Force

Es dauerte nicht lange, und ein weiterer Krieg brachte mich dazu, meine Haltung zum Thema »Krieg« generell zu überdenken.

Zu der Zeit, als ich bei der Luftwaffe vereidigt wurde, war die Kubakrise gerade vorüber. Die Einberufungskommission informierte mich, dass sie mich als einfachen Infanteristen ins Heer stecken würde, es sei denn, ich würde mich freiwillig zum Dienst melden. Als Freiwilliger könnte ich die Waffengattung wählen und vielleicht sogar, wo ich stationiert würde. Außerdem würde ich einen Offiziersrang erhalten und meinen Beruf als Arzt ausüben können. Ich entschied mich dafür, Fliegerarzt bei der Air Force zu werden. Und wie bereits Millionen andere vor mir, wurde ich der »Universal Soldier«, wie ihn Buffy Sainte-Marie12› Hinweis in ihrem Lied besingt.

Ich ahnte schon damals, dass Krieg falsch und schlecht ist, obwohl ich mir noch nicht vollständig im Klaren darüber war, welch großes Unglück eine Politik endloser, unerklärter Kriege wirklich darstellte. In den frühen 1960er-Jahren gab es nur wenige Kriegsdienstverweigerer. Breiter Widerstand erhob sich erst später mit dem sinnlosen Gemetzel, das aus Präsident Johnsons Eskalationsstrategie, orchestriert von Verteidigungsminister Robert McNamara, resultierte. Obwohl ich mich über die Unterbrechung meines Medizinstudiums ärgerte, kam es mir nie in den Sinn, mich aus prinzipiellen Gründen gegen die US-Regierung zu stellen.

Meine Dienstzeit bei der Luftwaffe und der Nationalgarde dauerte von 1963 bis 1968 – zweieinhalb Jahre davon in San Antonio sowie zweieinhalb Jahre in Pittsburgh, Pennsylvania.

Heute macht es mich unglaublich wütend, wenn sich ein Chickenhawk für meinen Dienst beim Militär bedankt, als wäre ich eine Art Held. Das Tragen einer Militäruniform allein macht niemanden zum Helden. Allerdings gibt es einen Grund dafür, dass mir das eher selten passiert: Wenn sich nämlich herausstellt, dass ein früheres Mitglied des Militärs keine Unterstützung für Präventivkriege zeigt und sogar bereit ist, diese infrage zu stellen, gilt er allen Kriegsbefürwortern als unpatriotisch.

Schauen Sie nur, wie man mit John Kerry und Chuck Hagel während der Anhörung durch den Senat im Vorfeld ihrer Nominierungen als Außenminister beziehungsweise als Verteidigungsminister umging. Beiden wurde vorgeworfen, sie wären »in militärischen Angelegenheiten schwach«, weil sie einmal in ihrem Leben die Klugheit des leichtsinnigen »In-den-Krieg-Ziehens« infrage stellten. Beide sind weit davon entfernt, Noninterventionisten zu sein, aber die radikalen Kriegstreiber wollten sie für ihre weniger aggressive Haltung diskreditieren. Die Ernennungen von Kerry und Hagel wurden nicht gestoppt, viele Progressive unterstützten sie sogar. Es zeigte sich, dass, wenn Kerry und Hagel eine aggressive Haltung des Präsidenten unterstützen, sie dadurch die Kritik derer neutralisierten, die ihre Ernennung anstelle noch aggressiverer Kandidaten unterstützt hatten. Vermutlich sollten die beiden Kabinettsmitglieder Präsident Obama und seiner militärischen Aggressivität im Ausland Rückendeckung geben.

Während meiner Zeit bei der Luftwaffe war ich ganz sicher kein Held. Obwohl ich heute eine strikte Antikriegshaltung befürworte, leistete ich damals keinen aktiven Widerstand gegen Kriege. Aber genau aus diesem Grund schickt man junge Menschen in diese – sie sind noch nicht gefestigt in ihren Einstellungen und trauen sich noch nicht, ihre Meinung auszusprechen und Widerstand zu leisten. Und überhaupt, wer im Alter von 18 bis 28 Jahren möchte schon gern den Eindruck erwecken, unamerikanisch und unpatriotisch zu sein? Wer in diesem Alter möchte als Gesetzesbrecher dastehen und seine berufliche Zukunft aufs Spiel setzen? Und doch taten einige wenige genau das.

Seiner Sache ganz sicher war hingegen Muhammed Ali. Er zeigte sich standhaft und weigerte sich, Tausende von Meilen entfernt von zu Hause Menschen zu töten, die ihm niemals irgendwelchen Schaden zugefügt hatten – eine wahrhaft heroische Haltung. Für diese Standhaftigkeit wurde er, wie andere auch, verhaftet, und man drohte ihm mit Gefängnis. Die Regierung will gut funktionierende, sterile Killer für ihre unmoralischen Kriege, die man mit Orden auszeichnen und in Paraden jubelnden Zuschauern als patriotische Verteidiger unserer Freiheit präsentieren kann.

Als Fliegerarzt war ich während meines Militärdienstes viel auf Reisen, jedoch war ich nie in Vietnam. In dieser Zeit erwarb ich einen Pilotenschein für Kleinflugzeuge.

Zu meinen Aufgaben gehörte es auch, Feldwebel, die darauf brannten, die Flugberechtigung zu erhalten und zu Hubschrauberpiloten ausgebildet zu werden, auf ihre Flugtauglichkeit zu untersuchen. Die meisten von ihnen konnten es nicht erwarten, nach Vietnam zu kommen. Ich fragte mich später oft, wie viele von ihnen wohl nicht mehr nach Hause zurückgekehrt sind, denn so viele Hubschrauber wurden abgeschossen und die Piloten kamen ums Leben.

Am 21. November 1963 war ich der verantwortliche medizinische Offizier der Kelly Air Force Base nahe San Antonio. An diesem Tag herrschte dort helle Begeisterung, weil Präsident Kennedy dem Standort einen Kurzbesuch abstattete. Ich wurde nicht gebraucht, wie sich zeigte, denn sein Besuch verlief ohne Zwischenfälle, im Unterschied zu seinem Besuch in Dallas am nächsten Tag.13› Hinweis

Später dann, während meiner Zeit bei der Air National Guard, führte ich viele ärztliche Untersuchungen bei Einberufenen durch – sie sollten bei den Bodentruppen eingesetzt werden. Ohne Zweifel wurden viele von ihnen im Verlauf des Krieges getötet. Was für eine Art »heldenhafter Dienst« war das also, den ich verrichtete? Es ist natürlich richtig, dass es den Kriegsverlauf nicht verändert hätte, hätte ich den Dienst verweigert. Erfolgreich dagegen waren die Demonstrationen der Amerikaner zu Hause, gegen die törichte Außenpolitik, die fast 60000 US-Soldaten den Tod brachte, bevor wir schließlich zugaben, dass wir den Krieg verloren hatten und erkannten, dass wir uns niemals darin hätten verwickeln lassen dürfen. Die öffentliche Meinung ist ein mächtiges Werkzeug, wenn nicht das mächtigste überhaupt, um den Kurs einer scheinbar allmächtigen politischen Führung zu verändern. Die größte Gefahr ist die Teilnahmslosigkeit, die es dem Bösen erlaubt, zu gedeihen, und es möglich macht, dass uns schlechte Menschen beherrschen, eine nationalistische und patriotische Glut entzünden und so viele einschüchtern und gefügig machen.

Verteidigungsminister Robert McNamara war die treibende Kraft hinter unserer törichten Eskalation in den 1960er-Jahren. In seinen Memoiren In Retrospect: The Tragedy and Lessons of Vietnam gab McNamara zu, dass tragische Fehler begangen wurden. Als Terry Gross McNamara 1995 in einem Interview für das National Public Radio fragte: »Denken Sie, eine Entschuldigung wäre angebracht?«, antwortete McNamara: »Ich kann verstehen, wenn Sie möchten, dass ich mich entschuldige. Aber das ist nicht das Problem. Das Problem ist nicht die Entschuldigung. Sie korrigieren ein Unrecht nicht, indem Sie sich entschuldigen. So sehe ich das. Sie können Unrecht nur korrigieren, indem man versteht, wie es geschehen konnte, und Schritte unternimmt, dass es nicht wieder geschehen kann.«

Ein herzzerreißendes Ereignis war der Tod des einzigen Sohnes eines Nachbarn, der in Vietnam diente. Ich war zu dieser Zeit noch bei der Air National Guard. Der Familie beim Begräbnis einen Besuch abzustatten war unglaublich traurig. Der Sohn hatte sein Jurastudium beendet, und der Plan war, dass er in die Anwaltskanzlei seines Vaters eintreten würde, sobald er aus Vietnam zurückgekehrt wäre. Ich konnte nichts weiter tun, als eine Träne zu vergießen und dachte dabei: »Was für eine Verschwendung, und wozu?«

Den Frieden fördern und die Kriegspropagandisten bezwingen

Freunde und Nachbarn gekannt zu haben, die im Krieg ihr Leben verloren, und ein wachsendes Verständnis dafür zu entwickeln, wie und warum die meisten Kriege geführt werden, spielten eine entscheidende Rolle dabei, mich für eine Außenpolitik des Noninterventionismus einzusetzen.