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Wer möchte nicht in Ruhe seine Tapas essen und Sangria trinken, während die Sonne langsam im Meer versinkt? Mit Secret Cities können Sie wunderschöne, ruhigere Städte abseits des Trubels entdecken und lieben lernen. Flanieren Sie wie Einheimische durch kleine Gässchen von Alicante, lassen Sie die Seele in Santiago baumeln und besuchen Sie ungestört die Insidertipps von Locals. So wird Ihr nächster Spanienaufenthalt einmalig und unvergesslich!
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Seitenzahl: 230
Veröffentlichungsjahr: 2022
60 charmante Städte abseits des Trubels
Nicole Biarnés und Grit Schwarzenburg
Willkommen in Spanien
Vorwort
DER NORDEN
1Baiona – Das Seefahrerdorf
2Pontevedra – Perle des Caminho Português
3Santiago de Compostela – Ziel des Jakobswegs
4A Coruña – Die gläserne Stadt
5Viveiro – Das Lourdes Galiciens
6Avilés – Das Ufo von Asturien
7Gijón – Kapitale der Costa Verde
8Oviedo – Die Residenz
9Ribadesella – Ferienort einer Königin
10Santillana del Meer – Drei Mal geschummelt
11Santander – Perle des Kantabrischen Meeres
12Bilbao – Vom Schmuddelkind zum schönen Schwan
13Vitoria-Gasteiz – Die bemalte Stadt
14San Sebastián – Willkommen im Baskenland
15Pamplona – Die Perle Navarras
16Olite – Märchenpalast im Süden Navarras
DIE MITTE
17León – Von bunten Glasfenstern und Gaudí
18Zamora – Die Augen des Duero
19Salamanca – Die goldene Stadt
20Ávila – Von Heiligen und alten Steinen
21Segovia – Eine reine Märchenkulisse
22Valladolid – Das Erbe der Könige
23Burgos – Der Kölner Dom stand Pate
24Haro – Jede Menge guter Tropfen
25Logroño – Das Herz von La Rioja
26Calatayud – Im Königreich der Ziegel
27Zaragoza – Tausendundeine Nacht in Aragón
28Teruel – Maurisch-romantischer Mix
29Cuenca – Ein Mekka der abstrakten Kunst
30Brihuega – Eine spanische Provence
31Toledo – Musterbeispiel der Toleranz
DER OSTEN
32Figueres – Auf der Spur der Ameisen
33Banyoles – Kleiner Ort am großen See
34Girona – Im Hinterland der Costa Brava
35Olot – In den grünen Hügeln der Garrotxa
36Palafrugell – Drei Buchten und ein Leuchtturm
37Vic – Die zweigeteilte Stadt
38Mataró – Industrie und Kultur
39Valls – Von waghalsigen Menschentürmen
40Tarragona – Ein offenes Geschichtsbuch
41Reus – Heimat des Jugendstils
42Peñiscola – »Papa Luna« lässt grüßen
43Sagunt – Die Legende des Heiligen Grals
44Alicante – Stadt des Lichts
45Murcia – Die unbekannte Schöne
46Cartagena – Ein Theater taucht auf
DER SÜDWESTEN
47Mojácar – Weißes Dorf am Cabo de Gata
48Almería – Unerschütterlich optimistisch
49Jaén – Welthauptstadt des Olivenöls
50Málaga – Wie geschaffen für Genießer
51Ronda – Königin im Süden
52Vejer de la Frontera – Das Rätsel der Cobijada
53Arcos de la Frontera – Route der »Pueblos blancos«
54Jerez de la Frontera – Sherry, Pferde und Flamenco
55El Rocío – Von Wallfahrern und wilden Pferden
56Ayamonte – Tief im Westen Andalusiens
57Mérida – Die Residenz des Kaisers
58Cáceres – Die Monumentale
59Zafra – Sevillas kleine Schwester
60Jerez de los Caballeros – Stadt der fünf Türme
Register
Bildnachweis
Impressum
Die ganze Vielfalt Spaniens (von links nach rechts): Die kleine Stadt Haro bildet das Herz der Weinanbauregion Rioja. Das MUSAC, das Museo de Arte Contemporáneo de Castilla y León, setzt einen modernen Kontrast zu den vielen Kirchen der Provinzhauptstadt León. In Brihuega dreht sich im Sommer alles um den Lavendel. Die Kirche St. Julian in Oviedo erstrahlt in schlichter Schönheit – dagegen wirkt das Bergdorf Júzcar im Südwesten, als sei der ganze Ort in einen Farbtopf mit Schlumpfblau gefallen.
Viele Menschen kommen wegen der Strände nach Spanien, doch dieses Land hat so viel mehr zu bieten. Historische Sehenswürdigkeiten, weltberühmte Kunstwerke und eine große kulinarische Vielfalt.
Spanien in Zahlen
Spanien erstreckt sich über eine Fläche von 505 970 Quadratkilometern, die sich auf die Iberische Halbinsel, die Kanarischen Inseln, die Balearen sowie die Städte Ceuta und Melilla auf dem afrikanischen Kontinent und die Enklave Llivia in Frankreich verteilen. Damit ist Spanien das viertgrößte Land der EU (und empfängt mit über 83 Millionen Besucherinnen und Besuchern die meisten Feriengäste der Welt). Die Landschaften erstrecken sich von den Pyrenäen bis zur Sierra Nevada. Strände und Buchten locken jedes Jahr unzählige Urlauber an. Spaniens Küsten werden sowohl von den tosenden Wellen des Atlantiks als auch vom ruhigeren Mittelmeer umspült.
8000Kilometer Küste
begrenzen das Festland und die Inseln. Die Ufer bestehen aus breiten Sandstränden, kleinen Buchten, steilen Klippen, Sümpfen und Flussmündungen. Dabei stellt die Region Galicien mit 861 Stränden mehr Playas als die Kanarischen Inseln.
16Nationalparks
verteilen sich auf auf das spanische Festland (10), die Kanarischen Inseln (4), die Balearen (1) und eine Inselgruppe vor Galicien (1). Der größte Nationalpark liegt in der Sierra Nevada, der meistbesuchte ist der Teide auf Teneriffa. Hinzu kommen regionale Naturparks und 49 Biosphärenreservate, schützenswerte Lebensräume, in denen Menschen leben und Naturräume bewahrt werden.
Auf 175 Menschen
kommen in Spanien eine Bar oder ein Restaurant. Damit ist Spanien das Land mit der höchsten Dichte an gastronomischen Betrieben Europas. Ein weiterer Beweis dafür, welchen hohen Stellenwert das gemeinsame Essen in der spanischen Kultur genießt.
5 Sprachen
sind in den verschiedenen Regionen Spaniens offiziell anerkannt: Spanisch, Katalanisch, Baskisch und Galicisch und Aranesisch, eine Varietät des Gaskognischen. Darüber hinaus werden auch noch einige nicht offizielle Sprachen wie Asturleonesisch oder La Fala gesprochen.
Über 280 Quadratkilometer
erstreckt sich die einzige Wüste Europas El Desierto Tabernas im Süden Spaniens, in der Nähe der Stadt Almería. In der bizarren Landschaft dieser Wüstensteppe wurden u. a. Lawrence von Arabien, Indiana Jones, Der Schuh des Manitu sowie zahlreiche Werbe- und Musikvideos gedreht.
Mit 967 Millionen Hektar
liegt die größte Weinanbaufläche der Welt in Spanien, kein Land verfügt über mehr Weinberge. Aufgrund des trockenen Klimas rangiert Spanien in der Produktivität zwar nur auf Platz drei, dafür befinden sich auf Teneriffa die höchsten Weinberge Europas. Unter 96 geschützten Herkunftsbezeichnungen bauen 150 000 Winzer über 430 Rebsorten an.
49 UNESCO-Welterbestätten
hütet Spanien aktuell. Zu den Weltkulturerbestätten zählen die Moschee-Kathedrale von Córdoba und Gaudís Werke in Barcelona. Zu den vier Naturerbestätten gehören der Nationalpark Garajonay auf Gomera und der Coto de Doñana. Als gemischte Erbestätten gelten der Monte Perdido und Ibiza.
Über 70 Prozent der Olivenölproduktion Europas
stammt aus Spanien. Mit einer jährlichen Produktion von 1 738 600 Tonnen (43 Prozent der Weltproduktion) hat sich das Land zum Exportweltmeister des grünen Goldes entwickelt. Hauptabnehmer des Olivenöls ist Italien mit 305 401 Tonnen, gefolgt von Portugal mit 150 116 Tonnen. Aber auch qualitativ macht sich die jahrhundertelange Erfahrung Spaniens mit den Oliven bemerkbar: Laut der Non-Profit-Organisation WBOO kommen die zehn besten Olivenöle der Welt von hier.
Sonne, Strand und Städtetrips – das verbinden die meisten mit Urlaub in Spanien. Dabei gibt es im viertgrößten Land Europas so viel mehr zu entdecken – abseits der abgetretenen Pfade des Massentourismus. Einfach mal Barcelona und Madrid hinter sich lassen – und ab in kleine Küstenorte oder ins Landesinnere.
Die historischen Fischerboote und typischen Häuser am Hafen der galicischen Stadt A Coruña
Die Marqués de Larios in Picassos Geburtsstadt Málaga ist eine der teuersten Straßen Spaniens.
Viva España!« – Spanien ist und bleibt das liebste Reiseziel der Deutschen. Zwar begann der Massentourismus dort schon in den 1950er-Jahren, aber erst knapp 20 Jahre später mit erschwinglichen Flügen und Urlaub im Camper wurden die Reisen auch für die Menschen der Bundesrepublik attraktiv. Heute ist Spanien nicht nur das in Europa beliebteste Urlaubsziel, sondern weltweit – nach Frankreich. Die meisten Gäste kommen aus Deutschland, Frankreich und Großbritannien. Es zieht sie auf dem spanischen Festland vor allem in die großen Städte wie Madrid mit dem Königspalast, Barcelona mit Gaudís Sagrada Família und Sevilla mit dem Alcázar-Palast oder aber für den Strandurlaub an die Mittelmeerküste. Die unterteilt sich in verschiedene Küstenabschnitte, die sogenannten Costas – am beliebtesten sind die Costa Brava und die Costa Blanca mit dem ehemaligen Fischerdorf Benidorm. Das ist die Geburtsstätte des spanischen Massentourismus, nirgendwo sonst auf der Iberischen Halbinsel gibt es mehr Hochhäuser.
Was vielen Reisenden bisher verborgen blieb – ob aus Bequemlichkeit oder Unkenntnis – hat die UNESCO längt entdeckt und geschützt. Viele der Secret Citys sind oder beherbergen ein Weltkulturerbe. Spanien blickt auf eine lange Geschichte zurück: Angefangen bei den spektakulären Höhlenmalereien aus der Steinzeit im Norden des Landes, über die Hinterlassenschaften der Römer wie Gold- und Silberminen und das riesige Theater in Cartagena bis hin zu den Mauren. Al-Andalus, so hieß ihr Reich auf der Iberischen Halbinsel zwischen dem 8. und 15. Jahrhundert. Im nördlichen Teil konnten sie nie wirklich Fuß fassen. Mit dem katholischen Königspaar Isabella I. von Kastilien und Fernando II. von Aragon endete 1492 die Herrschaft der Mauren – die Reconquista, Rückeroberung der Christen, begann. Zurück blieben kulinarische und architektonische Schmuckstücke wie die süßen Desserts und die Pueblos blancos, die weißen Dörfer Andalusiens.
Für viele wurde Spanien zum Sehnsuchtsland: Schriftsteller wie Hans Christian Andersen, Rainer Maria Rilke oder Ernest Hemingway kamen hierher – nach Málaga, Ronda oder Pamplona – und hielten ihre Erlebnisse in ihren Büchern fest. Jede einzelne Region hat ihren speziellen Charakter: ob die wilde, wunderschöne Atlantikküste, das Mittelmeer mit weißen Sandstränden oder das Landesinnere, wo Don Quijote gegen Windmühlen kämpfte. Vieles lässt sich auf Radoder Wandertouren entdecken. 60 Orte – Dörfer und Städte – wie Bilbao, Santiago de Compostela oder Toledo, von denen man bestimmt schon mal gehört hat. Aber was ist mit Ribadesella, Brihuega oder Baiona? Secret Citys Spanien: das beliebteste Reiseland der Deutschen zum Neuentdecken. Nicole Biarnés und Grit Schwarzenburg
Im asturischen Fischerdorf Ribadesella machte Königin Letizia Urlaub.
Urban bis wild – die spanische Nordküste von Baiona bis San Sebastián
Zubizuri, die »weiße Brücke«, wird Calatravas Konstruktion auf Baskisch genannt. Sie soll neues Leben in das ehemalige Industriegebiet Bilbaos bringen.
Baiona an der Südwestküste Galiciens kann sich für zwei Dinge rühmen: Der Ort gehört zu den schönsten Fischerdörfern Spaniens, dem Verbund der Villas Marineras. Und: Hier erfuhren die Menschen im späten 15. Jahrhundert als Erste von der Existenz der Neuen Welt.
Die gesamten Mauern der Festung sind begehbar. Innerhalb steht seit 1966 ein Luxushotel, ein Parador.
Nicht weit von der Grenze zu Portugal entfernt liegt Baiona am südwestlichen Ufer der Ría de Vigo. Rías Baixas, »untere Meeresarme«, so wird die Küstenregion zwischen dem Grenzfluss Miño und dem Kap Finisterre genannt. Das sind vier tief ins Landesinnere reichende Buchten, die an Fjorde erinnern.
Im Hafen von Baiona kann eine Nachbildung von Kolumbus’ Karavelle »La Pinta« besichtigt werden. Einmal im Jahr kommt ihr eine noch größere Rolle zu. Dann wird auf ihren Planken ein historisches Ereignis nachgestellt. Am 1. März 1493 lief Kapitän Martín Pinzón mit der Karavelle »Pinta« im Hafen von Baiona ein. Christoph Kolumbus war auf »La Niña« noch unterwegs nach Cascais/Lissabon. Ein Sturm vor den Azoren hatte die Schiffe getrennt. Sie brachten Nachrichten von der Entdeckung der Neuen Welt mit – und daneben Gold, verschiedene Pflanzen, Gewürze, aber auch Tiere. Das Eintreffen der »Pinta« wird noch heute Anfang März als Festa da Arribada im Hafen gefeiert und gilt als eines der wichtigsten mittelalterlichen Events in Galicien.
Auf einer Halbinsel neben dem Hafen thront die Festung Fortaleza de Monterreal, errichtet zwischen dem 11. und 17. Jahrhundert. Umgeben ist der 18 Hektar große Komplex von einer drei Kilometer langen Mauer. Diese hielt im späten 17. Jahrhundert den Angriffen von Sir Francis Drake stand, der mit seiner Armada im Hafen lag. Von der alten Burg sind lediglich die Türme und die Mauer erhalten. Baiona ist Station des portugiesischen Jakobswegs – von Porto nach Santiago de Compostela entlang der Küste. Für Pilgernde sind zwei Gotteshäuser im Herzen der Altstadt wichtige Anlaufpunkte: die Kapelle Santa Liberata und die gotische Ex-Stiftskirche Santa María aus dem 13. Jahrhundert. Die Capela de Santa Liberata ist der ersten gekreuzigten Frau der Christenheit gewidmet, wohl eine fromme Legende.
Oberhalb der Stadt, vom Berg Sansón aus, wacht seit 1930 die 15 Meter hohe Virxe da Rocha. Die Skulptur der »Jungfrau des Felsens« sollte den Seeleuten als Orientierungspunkt dienen. Geschaffen wurde sie vom Architekten Antonio Palacios Ramilo. Gesicht und Hände aus weißem Marmor hat der Bildhauer Ángel Garcia gefertigt. Sie trägt eine Krone aus Porzellan. Das Denkmal ist innen hohl, über eine steinerne Wendeltreppe gelangt man in das Boot, das die Jungfrau in der rechten Hand hält. Von diesem Aussichtspunkt blickt man bis zu den Illas Cíes.
Kein Strand ist schöner: Praia de Rodas
INFO
DIE INSELN DER GÖTTER
Im Meer direkt vor den Rías Baixas liegen die Illas Cíes – ein Archipel bestehend aus den drei Inseln Monteagudo, Do Faro und San Martiño. Die ersten beiden sind durch eine Sandbank miteinander verbunden. Sie ist laut der britischen Tageszeitung »The Guardian« (2007) der schönste Strand der Welt. Die Praia de Rodas bezaubert mit schneeweißem Sand und türkisblauem Wasser, den Kontrast bilden Kiefern- und Eukalyptuswälder. Bereits die Römer erlagen dem Charme der Illas Cíes, sie nannten sie die »Inseln der Götter«. Später wurden sie von Piraten als Versteck genutzt, heute sind sie unbewohnt, und die Anzahl der Besuchenden ist limitiert. Seit 2002 gehört die Inselgruppe zum einzigen Nationalpark Galiciens, dem Parque Nacional das Illas Atlánticas de Galicia, mit Europas größter Möwenkolonie.
WEITERE INFORMATIONEN
baiona.gal
turismodebaiona.com
turismo.gal
turismoriasbaixas.com
lasislascies.com
Im 16. Jahrhundert war Pontevedra die größte Stadt Galiciens. Fischfang, Handel und etliche Expeditionen in die Neue Welt verhalfen ihr zu Wohlstand. Die historische Altstadt zählt zu den schönsten und am besten erhaltenen in Spanien. Seit einigen Jahren ist der Ortskern autofrei.
Die Praza da Ferraría in der Altstadt – unweit der »Muschelkirche« – ist einer der beliebtesten Plätze.
Die Provinzhauptstadt Pontevedra war Heimat vieler Seefahrer, die für Spanien die Neue Welt entdecken sollten. In Seefahrer-Kreisen halten sich hartnäckig drei Gerüchte: 1. Christoph Kolumbus ist ein Sohn der Stadt. 2. In einer hiesigen Werft wurde sein berühmtes, aber ungeliebtes Flaggschiff, die »Santa Maria«, gebaut. Damals hieß sie noch »La Gallega«, die »Galicierin« und gehörte Juan de la Cosa, der als Kapitän ebenfalls mit auf dem Weg nach Indien war. Statt neben der »Pinta« und der »Niña« eine weitere wendige Karavelle zu bekommen, musste sich Kolumbus mit dem behäbigen Frachtschiff begnügen. 3. Der Entdecker ist in der Hauptfassade der Basílica de Santa María la Mayor verewigt. Die imposante Kirche ist ein Juwel gotischer Architektur in Galicien – mit Elementen aus der portugiesischen Manuelinik und der Renaissance. Sie erhielt als einziges galicisches Bauwerk die Auszeichnung »Königliches Heiligtum«. Erbaut wurde sie im 16. Jahrhundert – im Auftrag der städtischen Seefahrergilde. Ihr Portal ist wie ein Altarbild gestaltet: Zu beiden Seiten wachen Petrus und Paulus, darüber erscheinen Szenen aus dem Leben Jesu. Und Christoph Kolumbus? Was verifiziert ist: die tolle Aussicht vom Glockenturm.
Pontevedra liegt am portugiesischen Jakobsweg. Mitten in der Stadt, an der Praza de Peregrina und unschwer zu erkennen, steht die Kirche der »jungfräulichen Pilgerin«, Santuario de la Peregrina. Sie ist eine der Hauptattraktionen des Jakobswegs. Ihr Grundriss gleicht einer Jakobsmuschel, dem Zeichen der Pilgernden. Die Jungfrau Maria ist sowohl an der Außenfassade als auch auf dem Altarbild im Pilgergewand dargestellt. Erbaut im späten 18. Jahrhundert, verband man Details aus dem Spätbarock mit neoklassizistischen Elementen. Direkt gegenüber steht die gotische Klosterkirche San Francisco mit wunderschönen Glasfenstern. Franz von Assisi soll das Kloster gegründet haben, als er auf dem Jakobsweg in Pontevedra Halt machte. Über die Stadt verteilen sich Herrenhäuser, die mit Wappen geschmückt sind, und lauschige Plätze zum Verweilen.
Der wohl schönste ist die Praza do Teucro, benannt nach dem griechischen Helden Teukros. Lange Zeit gab man sich der Vorstellung hin, dass er sich nach dem Trojanischen Krieg hierher verirrte und die Stadt gründete. Das taten aber die Römer, zudem bauten sie eine Brücke über den Lérez. Daraus entstand der Name – erst Pontis Veteris, später wurde daraus Pontevedra.
Schon die Neandertaler und die Kelten nutzten die heilenden Quellen.
INFO
HEISSE QUELLEN
Rund 20 Kilometer nördlich liegt eine der ältesten und wichtigsten Kurstädte Galiciens, Caldas de Reis. In dem Ort gibt es eine von rund 300 Thermalquellen in der Region, wovon aber nur 20 als Heilbad genutzt werden. Das Wasser aus der hiesigen Quelle ist 40 bis 49 Grad warm und schwefelhaltig, zudem enthält es Lithium, Silizium und Natron. Es soll bei Haut- und Atemwegserkrankungen, Gelenkbeschwerden und sogar bei gynäkologischen Problemen sowie Stress helfen. Die alten Römer richteten hier die ersten Bäder ein und nannten die Stadt Aquis Celenis bzw. Aquae Celenae, was so viel wie »heißes Wasser« bedeutet. Doch erst seit 1780 strömen die Menschen zu den heilenden Quellen – seitdem es die beiden Badehäuser Balneario Davila und das Balneario Acuña gibt. Beide bestehen bis heute als Thermalbäder inklusive Hotel.
WEITERE INFORMATIONEN
visit-pontevedra.com
pontevedra.gal
terrasdepontevedra.org
caldasdereis.com
Nach Jerusalem und Rom ist Santiago de Compostela der wichtigste Wallfahrtsort der Welt. Seit Jahrhunderten pilgern die Menschen hierher zum Grab des Apostel Jakobus. Das historische Zentrum von Santiago de Compostela ist zwar UNESCO-Weltkulturerbe, dennoch wirkt die Stadt lebendig und jung.
Die Entstehung der galicischen Hauptstadt ist schnell erzählt: Nach einer Lichterscheinung wurde hier im 9. Jahrhundert ein Grab entdeckt und zu dem des heiligen Jakobus erklärt. Er war einer der zwölf Jünger und der erste Märtyrer unter den Aposteln. Um sein Grab herum baute man eine einfache Kirche – an der Stelle, wo heute die imposante Kathedrale aus Granit steht. In ihrem Schatten entwickelte sich ein Dorf, das heutige Santiago de Compostela mit derzeit fast 100 000 Einwohnern.
Die Kathedrale ist das Ziel aller Jakobswege. Errichtet 1075 unter Alfons VI. im Stil der Romanik, wurde sie 1211 geweiht. Da die Kathedrale im Laufe der Jahrhunderte immer wieder erweitert wurde, finden sich auch andere Architekturstile. So gilt ihre Westfassade mit den beiden Türmen als Meisterwerk des spanischen Barocks. Über eine Doppeltreppe gelangt man zum Eingangsbereich. Oben im Mittelgiebel »begrüßt« der heilige Jakobus die Pilgernden. Prunkstück ist der vergoldete barocke Hochaltar mit einer überlebensgroßen Statue des Apostels. Unter dem Altar befindet sich die Krypta mit seinen Überresten in einem silbernen Schrein. Höhepunkt sind die Gottesdienste mit dem Botafumeiro, einem 53 Kilogramm schweren und 1,50 Meter hohen Weihrauchfass, das von der Hauptkuppel hängt. Um es an Festtagen zu den Seitenflügeln schwingen zu lassen, braucht es acht Männer. Der Kathedrale kann man sogar aufs Dach steigen und den Panoramablick auf die Altstadt genießen.
Umgeben ist das Gotteshaus von vier Plätzen. An der großen Praza del Obradoiro vor der Westfassade trudeln die Pilgernden ein. Südlich liegt die Praza Praterías, nördlich die Praza de la Inmaculada mit dem barocken Benediktinerkloster San Martiño Pinario. Dessen Kirche ist innen künstlerisch sehr aufwendig gestaltet. Auf der Ostseite befindet sich die Praza Quintana mit einer schönen Freitreppe und der Heiligen Pforte. Dieser Eingang zur Kathedrale wird nur im Heiligen Jahr geöffnet. Um den Platz rankt sich eine Legende, eine Liebesgeschichte. Nachts trafen sich hier heimlich eine Nonne und ein Priester, die gemeinsam fortlaufen wollten. Leider tauchte die Nonne zum verabredeten Zeitpunkt nicht auf. Seitdem wartet der Priester, der sich als Pilger mit Hut und Stab verkleidet hatte, auf sie – oder vielmehr sein Schatten, der jede Nacht neben der Heiligen Pforte erscheint. Ausgelöst wird dieser Effekt allerdings durch die Beleuchtung. Der alte Stadtkern lädt zum Schlendern ein – vorbei an historischen Häusern mit unterschiedlichsten Fassaden. Dennoch wirkt Santiago de Compostela frisch. Überall in den Gassen, Parks und auf den Plätzen trifft man junge Menschen, oft Studierende, an.
An der Kathedrale von Santiago kommen alle Pilgernden an – sei es auf dem Camino Primitivo, dem Camino Francés oder dem Caminho Português.
Wer Ruhe sucht, ist im Parque La Alameda richtig. Von einigen Punkten aus hat man einen wunderschönen Blick auf die Altstadt. Hinter dem Musikpavillon steht eine »Flüsterbank«. Die halbrunde Steinbank besitzt durch ihre Form ungewöhnliche akustische Eigenschaften. Wenn man den Kopf gegen ihre Rückseite lehnt, wird jeder Ton von einem Ende zum anderen getragen. Seit Franco ist sie auch als die Bank der Liebenden bekannt. Es war damals verpönt, wenn sich unverheiratete Paare öffentlich trafen, und hier konnten sie »mit Abstand« reden. Wer weiß, wie viele Geheimnisse die Bank so schon gehört hat. Wem mehr nach Moderne ist, dem sei das Galicische Zentrum für zeitgenössische Kunst, entworfen vom portugiesischen Architekten Álvaro Siza, empfohlen oder der etwas weiter vom Stadtkern entfernte Kulturkomplex Cidade da Cultura de Galicia, ein Werk des 1932 geborenen amerikanischen Architekten Peter Eisenman.
Geprägt wird das Bild der Altstadt auch durch die zahlreichen Arkadengänge der Granithäuser.
Zumeist sieht man die Jakobsmuscheln an den Rucksäcken der Pilgernden – als Erkennungszeichen.
Wenn man schon mal in Santiago de Compostela ist, sollte man die Gelegenheit nutzen, an die atemberaubende und wilde galicische Küste zu fahren. Als Erstes wartet Muros auf der Halbinsel Louro, direkt an der Ría de Muros e Noia gelegen. Das Fischerörtchen hat eine unter Denkmalschutz stehende Altstadt, charakteristisch sind die Arkadengänge und die verglasten Holzbalkone. Entweder bummelt man durch die Gassen vorbei an Kirchen und Stadtpalästen oder entlang der Hafenpromenade. Ganz in der Nähe kann man die Petroglyphen von Laxe das Rodas bestaunen. Das sind für die Region typische Felsritzungen in Form von Spiralen oder konzentrischen Kreisen. Auf der anderen Seite der Halbinsel befindet sich die Gemeinde Carnota mit ihrer 42 Kilometer langen Küste und 33 Stränden. Einer von ihnen erscheint unendlich, es ist der größte Traumstrand von Galicien: feinsandig, sichelförmig, sieben Kilometer lang und bei Ebbe stellenweise mehr als 500 Meter breit. Bekannt ist Carnota auch durch einen reich verzierten Hórreo, einen auf Stelzen stehenden Korn- und Gemüsespeicher aus dem 18. Jahrhundert. Er ist aus Granit, fast 35 Meter lang, anderthalb Meter breit, zwei Meter hoch und damit der größte in Galicien. Folgt man der Küste, erreicht man das Ende der Welt (Finis Terrae) in Cabo Fisterra. So dachte man jedenfalls vor der Entdeckung der Neuen Welt. Es ist auch das Ziel einiger Pilger, die über Santiago de Compostela hinausgehen wollen. Hier steht auf den Klippen der Leuchtturm Faro de Fisterra (1853), der die Seeleute vor der Costa da Morte, der »Todesküste«, warnt. Von diesem Punkt aus hat man einen einfach atemberaubenden Blick auf den Ozean und die zerklüftete Küste.
Der berühmte Hórreo von Carnota wurde zum Nationalen Historischen Denkmal erklärt.
INFO
DER VERSTECKTE GARTEN
In der Nähe der Kathedrale von Santiago de Compostela, in der Rúa da Fonte de San Miguel, liegt verborgen das Hotel Costa Vella. Es mag zwar nicht das luxuriöseste Haus der Stadt sein, aber es lockt mit einem der schönsten Gärten weit und breit. Schon wenn man am blätterumrankten Eingang vorbeikommt, kann man nicht anders als hineinzugehen. Es ist ein stiller Ort mit einem Café, das sich auch bei Einheimischen großer Beliebtheit erfreut und ein gutes Frühstück bietet – mit galicischen Spezialitäten, wie z. B. Queixo Tetilla, ein regionaler Käse. In der Straße befinden sich einige interessante Bars mit guter Musik und entspannter Atmosphäre. Sehr beliebt bei den Galiciern und Galicierinnen sind auch der Pub Atlántico und die Bar Camalea, die ein bisschen versteckt an der Praza de San Martiño liegt und eine schöne Terrasse hat. Ganz in der Nähe gibt es einen kleinen Schleichweg, den so gut wie niemand geht: die Rúa da Moeda Vella. Von einer Stelle aus öffnet sich ein ganz wunderbarer Blick auf die Kathedrale.
WEITERE INFORMATIONEN
costavella.com
pubatlantico.com
turismo.gal
santiagoturismo.com
catedraldesantiago.es
Unbedingt probieren sollte man den spanischen Mandelkuchen, Tarta de Santiago, ein traditionelles Dessert.
Bekannt ist die Stadt wegen ihres typischen Architekturstils: Überall finden sich die charakteristischen weißen Glasbalkone, die Galerías.
Sie ist die größte Stadt in Galicien, im äußersten Nordwesten Spaniens: A Coruña – so ihr galicischer Name. Laut Legende hat Herkules sie gegründet, ihm ist auch der Leuchtturm geweiht. Der wiederum inspirierte Picasso. Die Liebe zu Galicien begleitete den berühmten Künstler bis ins hohe Alter.
Die galicische Küste ist auch als Costa da Morte (»Todesküste«) bekannt. Schon die Römer fürchteten wegen der heftigen Stürme um ihre Schiffe, die auf Handelsrouten Richtung Britannien und Gallien unterwegs waren. Zum Schutz und als Orientierungshilfe ließen sie unter Kaiser Trajan (er regierte von 98 bis 117 n. Chr.) einen Leuchtturm bauen. Gleich daneben, in der geschützten Bucht, entstand der wichtige Handelshafen Brigantium, das heutige A Coruña.
Den Leuchtturm gibt es noch, er thront auf einem Felsen und weist den Seefahrern den Weg – alle 20 Sekunden per Lichtsignal. Damit ist er der älteste funktionierende Leuchtturm der Welt. Der Torre de Hércules gilt als das Wahrzeichen von A Coruña. König Alfons X. (Regentschaft 1252–1284) setzte das Gerücht in die Welt, der griechische Held habe hier die Menschen von der Herrschaft des Riesen Geryon befreit. Drei Tage und Nächte sollen sie gegeneinander gekämpft haben, bevor Herkules siegte. Nicht bekannt ist, wie der Turm ursprünglich aussah. Im Laufe der Jahrhunderte wurde er mehrfach zerstört und wieder aufgebaut. Im späten 18. Jahrhundert erhielt er sein heutiges Aussehen: ein 55 Meter hoher, viereckiger Turm im klassizistischen Stil. Römische Originalteile sind im Inneren noch erhalten. Als Ende des 19. Jahrhunderts Männer und Frauen aus Galicien nach Lateinamerika auswanderten, ertönte beim Passieren des Herkulesturms zum Abschied drei Mal das Signalhorn. Seit 1927 ist das Lichtsignal elektrisch. Rund um das UNESCO-Weltkulturerbe wurde der Skulpturenpark Parque Escultórico angelegt.
»Turm aus Karamell« nannte Pablo Picasso den Herkulesturm. Er war gerade einmal zehn Jahre alt, als seine Familie 1891 vom sonnigen Málaga in die feuchte galicische Stadt zog. Damals zierte der Leuchtturm fast alle Süßigkeiten-Verpackungen. Picasso fertigte Zeichnungen und Ölbilder des trutzigen Bauwerks an. Die Zeit in A Coruña sollte zu einer wichtigen Periode seiner künstlerischen Entwicklung werden. Statt die Schulbank zu drücken, streifte Pablo oft durch die Stadt – eine Vorliebe hatte er für die Arbeiterund Fischerviertel. Er malte das, was er sah – die Spaziergänger am Strand von Riazor oder die Angelnden am Hafen. Er versuchte sich in Öl, 1895 entstanden das »Porträt des Dr. Pérez Costales«, das Bild des Arztes und ehemaligen Ministers (ein persönlicher Freund seines Vaters) hängt im Picasso-Museum in Málaga, sowie sein erstes Meisterwerk »Das Mädchen mit nackten Füßen«. Das Bild machte den Teenager bekannt, es wurde ausgestellt. Mehr als 200 Werke, inklusive die in seinen Skizzen und Tagebüchern, entstanden in den vier Jahren in A Coruña. 1895, als Picasso 13 Jahre alt war, zog die Familie nach Barcelona. Aber Galicien und die Sprache vergaß er nie – ebenso wenig die Farben und Formen, die immer wieder in seinen Werken auftauchen sollten. Das Haus, in dem die Familie damals wohnte, ist heute ein Museum. Zu sehen sind ein paar Werke seines Vaters und 27 Reproduktionen des jungen Picassos – Ölgemälde, Aquarelle und Zeichnungen.
Vom San-Pedro-Hügel aus hat man einen herrlichen Ausblick auf die Küste und den Herkulesturm.
Der römische Soldat vor dem Museo Domus stammt vom kolumbianischen Künstler Fernando Botero.
Eines der schönsten Bauwerke der Stadt ist ihre älteste Kirche, Igrexa de Santiago. Erbaut im 12. Jahrhundert, ist sie dem heiligen Jakobus gewidmet. Später wurde die romanische Kirche um einige Anbauten erweitert. Den Spitzbogen im Hauptportal ziert ein Jakobus zu Pferde mit Schwert als Maurentöter. Als Schmuckstück des Stadtzentrums nimmt die Praza de María Pita aus dem Jahr 1877 eine Fläche von 10 000 Quadratmetern ein. Benannt ist sie nach der Heldin der Stadt: María Pita war eine Metzgersfrau, die 1589 gegen die englische Armada unter Führung von Sir Francis Drake kämpfte, die A Coruña einnehmen wollte. Die Einwohnerschaft konnte die britische Seemacht zurückdrängen. Auf dem rechteckigen Platz steht auch das prachtvolle Rathaus aus dem frühen 20. Jahrhundert. Drei Türme mit Kuppeln krönen das Gebäude mit den Arkadengängen.
