Secret Places Mallorca. - Lothar Schmidt - E-Book

Secret Places Mallorca. E-Book

Lothar Schmidt

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Beschreibung

Mallorca neu entdecken. Erleben Sie die Vielfalt und den ursprünglichen Charme der Baleareninsel. Denn es gibt sie noch, die echten Geheimtipps. Trotz aller Prominenz hat Mallorca noch Ursprüngliches und Unbekanntes zu bieten. Idyllische Dörfer, in denen man ohne Spanisch nicht weit kommt, abgelegene Wanderpfade und Buchten, die einsame Sonnenuntergänge versprechen. Wo sie liegen? Das verrät Ihnen dieser Reisebildband!

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INHALTSVERZEICHNIS

Unerwartete Entdeckungen

PALMA UND DER WESTEN

1Palma – Vor dem Frühstück

2Sant Francesc – Die Ruhe neben dem Sturm

3Palma – Ohne Massen

4Porto Pi – Überraschendes am Rand

5La Porciúncula – Buntes Leuchten

6Rafaubetx und Portals Vells – Überraschungen im Ponent

7Puig de sa Morisca – Bronzezeit im Wohngebiet

8Illa de sa Dragonera – Das Tierparadies

9Sa Mola de s’Esclop – Ein Holzschuh aus Stein

10Finca Galatzó – Genusswandern

11Banyalbufar und Estellencs – Romantik und Natur pur

12Valldemossa – Wenn es Winter wird

13Talaia Vella – Naturschutz über Valldemossa

14Ermita de la Trinitat – Kontemplative Wege

15Miramar – Himmlische Aussicht

16Punta de sa Foradada – Ludwigs Paradies

17Deià – Dichtung und Meer

DER NORDEN

18Cova de Muleta und Punta de Sóller – Wilde Klippen

19Coll de Sóller – Kurvengenuss

20Fornalutx – Fast zu schön, um wahr zu sein

21Von Cúber nach Lluc – Der Schneesammlerweg

22Penyal des Migdia – Das Dach der Insel

23Torrent de Pareis – Mallorcas Grand Canyon

24Tossals Verds – Mallorcas »Lake District«

25Mortitx – Hochebene mit Geiern und Wein

26Pollença – Zeitreise im Bild

27Cala Sant Vicenç – Blick zur Königsburg

28Halbinsel Formentor – Mallorcas Nordkap

29Die Serra del Cavall Bernat – Wilde Gipfel

30Sa Bassa Blanca – Versteckt und einzigartig

31Alcúdia – Sichtbare Geschichte

32S’Albufera – Im Schilf

33Aigua Dolça und Son Real – Stätten der Toten

DER OSTEN

34Betlem und Bec de Ferrutx – Wallfahrt oder Wanderung?

35Llevant – Durch den Naturpark

36Sa Font Celada – Die »verlorenen Strände« bei Artà

37Artà – Die alte Handwerkerstadt

38Capdepera – Cala Rajada

DER SÜDEN

39Cala Varques – An der Ostküste

40Santanyí – Paradies der Strände

41Cala Figuera – Feigenbucht mit Flair

42Cap de ses Salines – Strandträume am Südpol

43Cabrera – Die Mutter aller Inseln

44Cala Pi, Cap Blanc – Uralte Fjordlandschaft

DIE INSELMITTE

45Raixa – Die Villa des Kardinals

46Orient – Durch Wald und Wasser

47Castell d’Alaró – Wanderung mit spektakulärer Aussicht

48Binissalem – Santa Maria del Camí – Weine

49Coves de Campanet und Fonts Ufanes – Naturwunder

50Muro – Ländliches Erbe

51Sineu – Die alte Königsstadt

52Petra – Ländliche Ruhe

53Santuari Monti-Sion – Heilige Grammatik

54Son Fornés – Die Talayot-Siedlung

55Felanitx – Unter den Mühlen

56Puig de Randa, Puig de ses Bruixes – Kontrastprogramm

Register

Autoren

Impressum/Text- und Bildnachweis

UNERWARTETE ENTDECKUNGEN

WO MALLORCA NOCH ECHT IST

Mallorca? Kennt doch jeder! Aber das ist ein Irrtum. Denn auf ganz unbekannten Wegen lässt sich auf der Insel noch immer viel Neues entdecken. Bei Wanderungen zu einsamen Stränden im Naturpark Llevant, beim Übernachten auf der geheimnisvollen Ziegeninsel oder beim Besuch einer frühzeitlichen Siedlung, wo man über den Lauf der Zeit nachdenken kann – selbst wenn sie zwischen Golfplatz und Villensiedlung liegt. Es gibt viele Möglichkeiten, den Zauber Mallorcas wiederzuentdecken.

Auf Instagram posten viele Reisende Fotos von Orten und Landschaften, die in uns die Sehnsucht wecken, sofort dorthin zu fahren. Wir möchten auch vor diesem südlichen Bergpanorama stehen, zu dessen Füßen ein türkisblauer See liegt. Wir möchten auf dem Strand der einsamen Bucht sitzen und nichts hören als das leise Rauschen der Wellen. Wir möchten den Weg in das alte Dorf mit den Häusern aus Naturstein gehen, den wir auf dem Bild sehen. Und wenn möglich soll das alte Kloster dort noch von einigen Mönchen oder Nonnen bewohnt und kein Luxushotel sein. Die Dorfkneipe ist auch bitte kein exquisites Tapaslokal im trendigen Bistrostil, sondern ein Treffpunkt für die Dorfbewohner und wenigen Touristen, die hierherkommen. Und um das Bild perfekt zu machen: Das Souvenirangebot beschränkt sich auf einen Postkartenständer, der vor dem Tabak- und Zeitschriftenkiosk steht und quietscht, sobald man ihn dreht.

Große Sehnsucht

Oft heißt es, bei solchen Fotos – egal ob spontan aufgenommen oder aufwendig nachbehandelt – ginge es nur um Selbstinszenierung: ich beim Essen in einem urigen Lokal; ich am letzten einsamen Strand auf Mallorca; ich auf dem Gipfel des Galatzó … Mag sein, dass das eine Rolle spielt. Was die Bilder aber genauso zeigen: Der Wunsch, versteckte Orte zu entdecken, ist auch in Zeiten von Allinclusive-Urlauben und Motto-Kreuzfahrten ungebrochen. Ja, vielleicht ist die Sehnsucht nach einem kleinen Stück Wildnis, nach einem authentischen Ort und echten Moment noch stärker geworden, seit wir dank Google Maps niemanden mehr nach dem Weg fragen müssen und selbst die kleine Strandbar, die man für sich entdeckt hat, auf Tripadvisor schon längst als place to be gefeiert wird.

»Secret Places«, wo man sie nicht erwartet

An dieser Stelle fragt man sich vielleicht: Gibt es auf Mallorca überhaupt noch Überraschungen zu erleben? Schließlich ist es sozusagen der Vollprofi unter den Reisedestinationen. Ob Feinschmecker, Golfer, Radsportler oder Motorradfahrer, Pilger oder Hobby-Ornithologe – jeder findet hier, was er sucht. Auf einer Insel, die von rund 900 000 Menschen bewohnt, aber pro Jahr von fast 14 Millionen Urlaubern besucht wird, wie lässt sich da noch etwas entdecken? Die Autoren dieses Bildbandes sind überzeugt, dass es sie noch gibt, diese »Secret Places«. Man findet sie an den Küsten ebenso wie in Palma und im Inselinneren.

Manchmal sind sie dort, wo man sie am wenigsten erwartet hätte: wenige hundert Meter vom sogenannten »Ballermann« entfernt in einer Kirche aus Glas und Beton. Oder auf einem Hügel in einer ausufernden Siedlung von Residenten. Man findet sie auf Nebenwegen in der Serra de Tramuntana und sogar an den am meisten besuchten Plätzen der Insel – vorausgesetzt, man kommt zur richtigen Tagesoder Jahreszeit. Ein Spaziergang durch die Altstadt von Palma, bevor die Massen anrücken, stille Museen und Fincas, die zu echten Highlights werden, wenn man sich auf sie einlässt, die ungewöhnliche Stimmung eines Touristen-Hotspots im Winter: Mallorca ist voller geheimer und geheimnisvoller Orte, sobald man sich ein wenig gegen den Strom bewegt.

Wenn dieser Bildband dabei hilft, solche Plätze zu entdecken und die Insel jenseits der Klischees neu zu entdecken, würde uns Autoren das sehr freuen. Genießen Sie wundervolle »Secret Places«! Ach ja: Vielleicht zeigen Sie Ihren neuen Lieblingsplatz besser nur Ihren engen Freunden und nicht der ganzen Welt …

PALMA UND DER WESTEN

Küste, Kunst und coole Locations

1

PALMA – VOR DEM FRÜHSTÜCK

AM MORGEN DURCH DIE ALTSTADT

Ein Spaziergang durch die ältesten Stadtteile der Hauptstadt in der ersten Morgensonne. Kirchen- und Museumsbesuche kommen darin ebenso wenig vor wie Einkaufs- oder Ausgehtipps. Eigentlich geht es nur darum, dass es manchmal besser ist, früh aufzustehen.

Es ist kurz vor acht am Morgen, die Sonne bricht sich durch das Grün des S’Hort del Rei und legt sich auf die Schultern eines Parkpflegers. Der kleine Park unterhalb des mittelalterlichen Königspalasts Almudaina wirkt wie verzaubert. Ist es das Morgenlicht, das gleichmäßige Geräusch, mit dem der Mann den Reisigbesen über einen der Wege zieht, oder das leise Plätschern der Wasserspiele? Dieser Königsgarten hat etwas Verträumtes, Altmodisches und erinnert an die Gärten des Generalife in der Alhambra von Granada. Eigentlich passt er nicht so richtig in das neue Palma, das sich am urbanen Lifestyle internationaler Metropolen orientiert, aber gerade das macht ihn so liebenswert.

Es ist ein Glück, durch eine schöne Stadt zu spazieren und so viel Zeit zum Schauen zu haben, wie man will. Sich nicht gedrängt zu fühlen von den Stationen und Fahrzeiten der beliebten Hop-on-Hop-off-Busse, nicht vom Strom der Touristen, der Stadtbewohner, der Autos, Radfahrer oder was auch immer. Auf all das braucht man keine Rücksicht zu nehmen, wenn man am frühen Morgen durch Palma spaziert und erlebt, wie die Hauptstadt der Balearen langsam erwacht.

Links La Seu, rechts das Meer

Im Spanischen gibt es die Redewendung: »Al quien madruga Dios lo ayuda.« Übersetzt heißt das: »Wer früh aufsteht, dem hilft Gott.« Man könnte es auch freier mit einem deutschen Sprichwort versuchen: »Morgenstund’ hat Gold im Mund.« Klingt sehr altmodisch – für dieses besondere Morgengefühl passt es aber.

Am unteren Ende des Parks kommt man über einige Stufen hinauf zur Esplanade vor der Kathedrale. Noch ein, zwei Stunden, dann ist hier die Hölle los. Doch jetzt kann man sich einfach in die Zeiten fallen lassen: Der große Torbogen, den man von der Treppe aus vor dem Königspalast sieht, ist eines der wenigen Überbleibsel aus der Epoche der arabischen Herrschaft. Durch den Bogen fuhren vor rund 1000 Jahren Schiffe in den ummauerten Hafen der Almudaina. Sie war die Festungsanlage des Herrschers innerhalb der Medina Mayurca. So nannten die Araber die Stadt, als sie von 903 bis 1229 hier das Sagen hatten.

Es ist noch zu früh für Besichtigungen, selbst die Kathedrale öffnet für Besucher erst um 10 Uhr. Auch gut, dann fühlt man sich nicht zu irgendeinem Kulturprogramm gedrängt, sondern kann sich weiter von der Morgensonne auf der alten Stadtmauer Dalt Murada anstrahlen lassen. Links diese großartige Kirche und rechts der Blick über die Bucht von Palma und das Meer – ein magischer Moment.

Die Stadt erwacht

Das finden auch andere. Vor der Kathedrale füllt sich langsam der Passeig Dalt Murada. Im Carrer de Sant Palau und in den Sträßchen im Rücken von La Seu (»Seu« steht für Bischofssitz) ist es zwar noch ruhig, in den Gassen der Viertel La Seu und Monti-Sion aber, den ältesten Teilen der 400 000-Einwohnerstadt, quetschen sich kleine Lastwagen, um Lokale zu beliefern oder die Baustelle eines ehrwürdigen Stadtpalasts mit Material zu versorgen. Zwei Frauen schieben ein grünes, verschlissenes Sofa zu einer Ecke, wo ein Lastwagen zur Entsorgung wartet. Nachbarn und Passanten bleiben stehen, kommentieren das willkommene Morgen-Happening.

Man spaziert an den dunklen Toröffnungen riesiger Stadtpaläste vorbei, die einen Einblick in kühle Patios erlauben, und vorüber an den letzten Überbleibseln der muslimischen Jahrhunderte: den arabischen Bädern, die aber ebenso wie das Museu de Mallorca zu dieser Uhrzeit noch geschlossen haben.

Auch tagsüber ein »Secret Place«

Sich einfach weiter treiben lassen, weiter in Richtung des Calatrava-Viertels mit seinen schönen Plätzen Llorenç Villalonga und Sant Jeroni. Hier ist es auch tagsüber noch relativ ruhig, dies sind gewissermaßen die »Secret Places« der Altstadt. Dass aber auch hier die Zeit nicht stehen bleibt, sieht man am eigenartigen Gebäude am oberen Ende des Carrer del Temple. Das weiße, massiv wirkende Wohnhaus mit der Tordurchfahrt war ursprünglich mal eine Templerburg. Jetzt werden die Torres mit Geldern aus der Tourismussteuer saniert.

Modern wie vor einhundert Jahren

Die Straße des Ramon Llull führt am Archiv der Könige von Mallorca vorbei zu einem kleinen Platz, der von der Basilika Sant Francesc beherrscht wird. Die Kirche, in der der Philosoph und Mystiker Ramon Llull beigesetzt ist, hat einen wunderschönen Kreuzgang und verdient ein eigenes Kapitel (siehe S. 16).

Mittlerweile ist Palma erwacht, die wenigen Geschäfte im ältesten Teil der Altstadt haben geöffnet. Aus den neuen Luxushotels, die in die alten Paläste eingezogen sind, kommen Gäste, bereit zur Shopping- oder Sightseeing-Tour. Der Zauber des Morgens geht langsam dahin, nur hier und da hält sich noch etwas von diesem besonderen Gefühl. So zum Beispiel in der Buchhandlung Literanta im Carrer del Call. Innen läuft klassische Musik. Im hauseigenen Café sind drei Tische besetzt. Dort sitzen zwei Männer und eine Frau und halten das geschriebene Wort in Ehren. Sie lesen, einfach nur, weil es schön ist zu lesen – zumindest sieht es so aus. Das Kontrastprogramm wartet auf der Plaça Santa Eulàlia und erst recht ein Stück weiter oben, beim Rathaus, wo mittlerweile ein kompakter Strom von Urlaubern vorbeifließt. Bevor man selbst wieder ein Teil der Massen wird – wie wäre es mit einem mallorquinischen Frühstück mit Milchkaffee und Ensaimada, zum Beispiel im Café Moderno an der Plaça Santa Eulàlia? Modern heißt hier: modern wie vor hundert Jahren. Das Café gibt es schon seit 1914, und die Gegenwart ist auch hier ein wenig entrückt.

ZEITREISE IM MUSEU DIOCESÀ

Das Diözesanmuseum ist ein versteckter Schatz. Das fängt schon mit der Lage an: Im Rücken der Kathedrale La Seu steht der alte Bischofspalast direkt an der großen Esplanade. Im Inneren öffnen sich neben alten Gemälden und Objekten Ausblicke auf das Meer, das seit ewigen Zeiten unverändert aussieht. Hier ist es, als machte man eine Zeitreise und wäre selbst – ebenso wie das Meer da draußen – in jener Zeit, in der auch das Kunstwerk entstand, das man gerade anschaut. Zum Beispiel im 15. Jahrhundert, als Pere Nissart ein Tafelbild des heiligen Georg malte, vor dem Hintergrund der mittelalterlichen Stadt Palma. Das Museum zeigt auch die Arbeit von Antoni Gaudí an der Kathedrale. Es ist ein Originalmodell von La Seu zu sehen, das Gaudí genutzt hat und das veranschaulicht, wie der Architekt bei der Gestaltung vorgegangen ist. Ein zweiter Themenbereich des schönen Museums stellt die Reisen und das Leben von Ramon Llull vor.

WEITERE INFORMATIONEN

Museu Diocesà, C/del Mirador 5, Tel. 0034 971 71 31 33, Juni–Sept. Mo–Fr 10–18.15, April, Mai, Okt. bis 17.15, Nov.–März bis 15.15, Sa ganzjährig bis 14.15 Uhr, www.catedraldemallorca.org

Literanta, C/del Call 4, Tel. 0034971 42 53 35, www.literanta.com

Informationen zu Palma auf den Tourismusseiten Passion for Palma, www.visitpalma.com; auch als App

2

SANT FRANCESC – DIE RUHE NEBEN DEM STURM

EIN KREUZGANG ZUM ABSCHALTEN UND EINE KIRCHE FÜR PHILOSOPHEN

Was tun, wenn die schönste und prächtigste Kirche der Insel, die Kathedrale La Seu, chronisch überfüllt ist? Ganz einfach, man besucht die zweitschönste. Die Basilika Sant Francesc liegt etwas versteckt im ältesten Teil der Altstadt. Mit ihrem wunderbaren gotischen Kreuzgang kann selbst die Kathedrale nicht mithalten.

Wenn die Schüler des Col.legi Sant Francesc de Ramon Llull Pause haben oder Sportunterricht, wird ihr Rufen und Schreien weit in die Gassen der Altstadt getragen. Es ist auch im gotischen Kreuzgang des Klosters zu hören, was nicht weiter verwundert: Die Schule liegt direkt nebenan. Ist es der Hall, der den Stimmen ihre Schärfe nimmt, oder die kontemplative Stimmung des Kreuzgangs? Was auch immer, jedenfalls stört der Lärm nicht. Im Gegenteil, er ist sogar schön, weil er dem alten Gemäuer Leben, Alltag und Normalität gibt. Vermutlich hätte das auch dem seligen Ramon Llull (1232–1316) gefallen, der in der Basilika des heiligen Franziskus seine letzte Ruhe gefunden hat. Nach der Kathedrale La Seu ist Sant Francesc das größte Gotteshaus der Insel. Und so subjektiv diese Einschätzung auch sein mag: Nach La Seu ist Sant Francesc auch die schönste Kirche der Insel. Der wunderbare Kreuzgang trägt seinen Teil dazu bei. Voll oder gar überfüllt, wie man es von anderen Highlights Mallorcas kennt, ist es hier selten. Die kontemplative Stimmung erfasst einen, kaum hat man die Anlage betreten.

Auf über einhundert Säulen spannen sich die Bögen, die einen leicht trapezförmigen Innenhof mit einem Brunnen, einer Zypresse und einer hohen Palme umschließen. Der älteste Teil des Kreuzgangs wurde im 13. Jahrhundert errichtet, der jüngste rund 200 Jahre später. Wer sein kunsthistorisches Wissen prüfen möchte, kann versuchen, die einzelnen Bauabschnitte zu unterscheiden. Kleiner Tipp: Der älteste Teil befindet sich beim Eingang.

Die letzte Ruhe des Ramon Llull

An eine der seitlichen Galerien schließt die Kirche an. Vom Kreuzgang aus kann man das Gotteshaus betreten, dessen Grundstein 1281 vom damaligen König Jakob II. (Jaume II) gelegt wurde. Zwei Jahre zuvor hatten die Franziskaner, die vermutlich mit den christlichen Eroberern 1229 nach Mallorca kamen, das Grundstück bekommen und ihre neue Klosteranlage geplant.

Vom Rummel, der in der Kathedrale herrscht, ist die große und dennoch intim wirkende Kirche bislang verschont geblieben. Die schlichte, elegante Architektur, die spirituelle Stimmung des Ortes können ihre Wirkung entfalten, ohne dass diese durch Besucher gestört würde, die sich beim Betrachten der Kirche mit ihrem Smartphone filmen oder fotografieren müssen. Auf den ersten Blick wirkt der große, goldfunkelnde Hauptaltar aus dem 18. Jahrhundert wie die Hauptattraktion der Kirche, doch das täuscht. Das Wichtigste ist eine kleine Kapelle, die links davon im Chorumgang zu finden ist. Dort ruht der Philosoph, Mystiker und Begründer der katalanischen Literatur Ramon Llull – oder, in der latinisierten Form, Raimundus Lullus. Auf Mallorca begegnet man seinem Andenken immer wieder – unter anderem im ehemaligen Kloster Miramar (siehe S. 54) und beim Klosterberg Puig de Randa (siehe S. 160). Llull wird und wurde auf der Insel fast wie ein Heiliger verehrt, auch weil sein Grab während eines Feuers in der Sant-Francesc-Kirche unbeschadet blieb. Den Heiligen Stuhl in Rom beeindruckte dies nicht, ihm war der Denker aus Mallorca lange suspekt. Mehrere Jahrhunderte hindurch galt er als Ketzer, erst 1847 wurde er als Märtyrer rehabilitiert und seliggesprochen.

DER BASAR DER BÜCHER

Wer bei einem Basar an das Stimmengewirr eines belebten Markts denkt, liegt beim Bazar del Libro falsch. Die Besucher des Antiquariats verstummen meist, wenn sie diesen besonderen Raum betreten, und es ist fast, als ob dieses Schweigen andächtig wäre. Vielleicht ist es eine Ehrfurcht vor der Zeit und der Geschichte, vor den gelebten und erdachten Leben, die in den rund 10 000 Büchern aufbewahrt sind. Es ist jedenfalls ein großes Glück, vor den Regalen auf Entdeckungstour zu gehen, in einem der Sessel Platz zu nehmen oder an einem der Tische und sich aus Raum und Zeit tragen zu lassen. Seit mehr als 40 Jahren gibt es schon den Bazar, der auch eine Art Bar ist. Dass die meisten Bücher auf Spanisch oder Katalanisch sind, ist nicht weiter schlimm. Alte Landkarten, Fotografien und Objekte transportieren die Zeit genauso gut.

WEITERE INFORMATIONEN

Convent Sant Francesc, Plaça de Sant Francesc 7, Tel. 0034 971 71 26 95, März–Okt. Mo–Sa 10–16, Nov.–Feb. 9.30–17.30 Uhr, www.spiritualmallorca.com

Bazar del Libro, C/Sant Crist 2, Tel. 0034 971 71 11 55

3

PALMA – OHNE MASSEN

WO DIE ALTSTADT NOCH EIN ORT ZUM LEBEN UND STAUNEN IST

Rund um die Plaça Major tobt der Bär. Warum also nicht einfach die Touristenautobahn verlassen und die Altstadt auf Nebenrouten erkunden? Zu sehen gibt es einiges, wie alte Paläste und neue Kunst, Köstlichkeiten aus aller Welt und wiederentdeckte mallorquinische Spezialitäten, eines der letzten Nonnenklöster und den wahrscheinlich größten Gummibaum der Stadt.

Es ist wie in Venedig oder Rom, wie in Barcelona oder anderswo: Wenn viele Menschen aus vielen Ländern eine Stadt in kurzer Zeit kennenlernen möchten, zieht es sie erst einmal zu den Hauptsehenswürdigkeiten. Daran ist nichts falsch, wenn man schon mal hier ist, warum also nicht zur Kathedrale, zur Plaça Major und auf den Passeig del Born? Nein, falsch ist daran nichts, nur leider machen das so viele, dass das Vergnügen auf der Strecke bleibt.

Die gute Nachricht ist: Es gibt auch viele andere sehenswerte Ecken in Palmas großer Altstadt. Um ein Gefühl für das Zentrum und das Leben zu bekommen, sind sie sogar viel angenehmer, intensiver und ja, jetzt muss das magische Wort genannt werden, dort ist Palma noch authentisch.

Das geht ganz einfach. Angenommen, man kommt vom Hafen und betritt die Stadt über die Avenida d’Antoni Maura, jene Straße, die unterhalb des Königspalasts und der Kathedrale in die Altstadt führt. Die meisten Besucher gehen jetzt die Treppen hoch in Richtung Kathedrale oder geradeaus zur Promenade El Born. Warum nicht scharf links in die engen Gassen des Viertels Sant Martí abbiegen, zum Beispiel in den Carrer de Sant Feliu? Nette Lokale wie das vegane Bon Lloc und das Wein- und Tapas-Bistro 13 % gibt es da, oder das Café Can Martí, in dem man sich dem Gedanken hingeben kann, die touristische Revolution der Insel hätte nie stattgefunden.

Eine Festung für die Kunst

In den engen Gassen hier gibt es nicht nur Lokale, sondern auch einige Galerien, was nicht weiter verwundert, schließlich liegt an der Südwestspitze des Viertels, hinter den Mauern einer ehemaligen Festungsanlage, das Museum für moderne Kunst Es Baluard. Auch wenn es gut besucht ist, Menschenmassen, die sich auf die Füße treten, sind dort nicht zu erwarten.

Das avantgardistische Bauwerk, das sich auf mehreren Rampen in die ehemalige Festungsanlage Baluard de Sant Pere duckt, gibt dem vielfältigen Kunstschaffen der Insel einen angemessenen Ort. Der strahlend weiße Museumsbau ist mit Werken aus der Sammlung Pere A. Serra bestückt. Der Großverleger – zur Grup Serra gehören mehrere Zeitungen und Radiostationen sowie das deutschsprachige Mallorca Magazin – hat im Lauf seines Lebens Werke der klassischen Moderne, von Cézanne, Gauguin, Picasso gesammelt, ebenso wie Miró, Magritte, Giacometti und Künstler der 1980er- und 90er-Jahre wie Sigmar Polke, Anselm Kiefer, Julian Schnabel, Miquel Barceló und viele andere.

Spannend, weil nur an wenigen Orten zu sehen, sind die Landschaftsmalereien mit mallorquinischen, katalanischen und mediterranen Sujets von Santiago Rusiñol, Joaquim Mir, Hermenegildo Anglada-Camarasa oder Manuel H. Mompó. Wenn man gerade nicht in der Stimmung für einen Museumsbesuch ist, lohnt es trotzdem, die Kunstbastion aufzusuchen: Von hier aus bietet sich ein schöner Blick über den Hafen, und die Außenterrasse des Cafés ist ein sehr angenehmer Ort.

Palmas Hipster-Viertel

Von der Festung aus sieht man die breite Avenida Argentina und dahinter das Viertel Santa Catalina. Essen und ausgehen oder in kleinen Boutiquen und Shops nach ausgefallener Mode und mallorquinischen Vintage-Möbeln schauen: In Santa Catalina schlägt das junge urbane Herz von Palma. Profi- wie Hobbyköche versorgen sich in der Markthalle mit ausgesuchten Zutaten. Der Mercat de Santa Catalina ist einerseits eine klassische Markthalle, aber mittlerweile ebenso ein Feinkostmarkt mit Stehlokalen. Überhaupt gibt es im Viertel gastronomisch viel zu entdecken. Zum Beispiel echt kubanische Küche im La Perla de Habana (C/de Caro 5), Sushi in der Markthalle, frisches französisches Backwerk im Café Chantilly (vor der Markthalle) und köstliche Meeresküche im Taller de Mar (C/Cotoner 54).

Heiße Schokolade und göttliches Gebäck

Die Gassen zwischen den alten Palästen und Stadthäusern sind im Viertel zwischen La Rambla und Avenida de Jaume III besonders eng. Vielleicht zögern deshalb viele Besucher, das Labyrinth zu betreten. Nun gut, das ändert sich gerade, was nicht heißt, dass das alte Mallorca damit auf einen Schlag verschwunden wäre. So backen die Nonnen im Kloster Purísima Conceptión im Carrer de les Capuxines und im Kloster Santa Magdalena wie seit Jahrhunderten süße Köstlichkeiten. Zu festen Uhrzeiten können sie an der Pforte erstanden werden.

Wenn man am Kloster Santa Magdalena ist, sieht man gegenüber ein großes, herrschaftliches Gebäude und davor eine kleine, verwunschene Gartenanlage. Ein Baum überragt alle anderen. Es ist ein riesiger Gummibaum, der möglichweise um 1830 gepflanzt wurde, als sich an dieser Stelle ein botanischer Garten befand. Im Gebäudekomplex ist unter anderem das Kulturzentrum La Misericòrdia untergebracht. Es lohnt sich vorbeizuschauen, denn oft werden dort in einer ehemaligen Kapelle interessante Ausstellungen gezeigt, die sich oft mit Themen beschäftigen, die mit dem Leben oder der Geschichte der Insel zu tun haben.

Wer ein Herz für altes Handwerk und Traditionen hat, den wird der kleine Laden am Vorplatz des Komplexes, an der Plaça l’Hospital, freuen. Eröffnet wurde die Cerería La Real vor rund einhundert Jahren. Die handgefertigten Kerzen sind nicht nur bei gläubigen Kirchgängern beliebt. Ebenfalls eine Institution der Stadt ist das Café Ca’n Joan de S’Aigo im Carrer del Baró de Santa Maria del Sepulcre 5. Im 18. Jahrhundert ließ der damalige Inhaber Eis aus den Schneehäusern der Serra de Tramuntana in die Stadt bringen, wo es als Kühlmittel verkauft wurde. Der findige Geschäftsmann mischte das Eiswasser aber auch mit Fruchtsäften und erfand so eine Art Vorläufer des Speiseeises. Heute ist das nostalgische Café ein wunderbarer Ort, um eine heiße Schokolade mit einer süßen Ensaimada oder eine herzhafte Coca de trempó zu genießen. Letzteres ist eine Art Pizza ohne Tomatensugo, belegt mit Paprika, Zwiebeln und anderen Gemüse. Ach so, selbst gemachtes Eis gibt es natürlich auch. Es stammt allerdings nicht mehr aus den Bergen der Serra de Tramuntana.

SCHLEMMEN IN DER MARKTHALLE

Die alte Markthalle San Juan wurde vor einigen Jahren als »gastronomischer Markt« neu eröffnet. In dem Jugendstilgebäude sind Stände mit unterschiedlichen gastronomischen Angeboten untergebracht. Ob Burger, Meeresfrüchte, Mallorquinisches oder Asiatisches – man besorgt sich am Stand seiner Wahl, was man möchte, und isst gemeinsam mit anderen an Stehtischen. Der Gastromarkt liegt mitten im Wohn- und Geschäftsviertel Camp Redó, ganz in der Nähe der aus Valldemossa kommenden Straße. An Wochenenden ist der Gourmetmarkt bis weit in die Nacht geöffnet. Treffpunkt für Nachtschwärmer ist dann die Bar The One, die einen Teil des Gebäudes einnimmt. Montags kann man sich den Weg hierhin sparen, dann ist alles geschlossen.

WEITERE INFORMATIONEN

Es Baluard, Museu d’Art Modern i Contemporani de Palma, Plaça de la Porta de Santa Catalina 10, Tel. 0034 971 90 82 00, Di–So 10–20, So bis 15 Uhr, www.esbaluard.org

Centre Cultural La Misericòrdia, Plaça de l’Hospital 4, Tel. 0034 971 21 95 00, Mo–Fr 10–14 und 17–20, Sa bis 13 Uhr, www.conselldemallorca.net

Mercado Gastronomico San Juan, C/de l’Emperadriu Eugènia 6, Tel. 0034 646 60 67 14, www.mercadosanjuanpalma.es

4

PORTO PI – ÜBERRASCHENDES AM RAND

KUNST, KANONEN UND EIN KÖNIGLICHER GARTEN

In Palmas Stadtteil Porto Pi legen die großen Kreuzfahrtschiffe an. Am südlichen Ende von Palmas Hafenbucht gibt es aber noch viel mehr zu entdecken: ein Militärmuseum mit sprödem Charme, aber toller Aussicht, einen königlichen Garten und ein Kunst-Highlight, das genau genommen schon in einem anderen Stadtteil liegt. Egal, einen Besuch ist es auf jeden Fall wert.

Die angenehmste Art, um nach Porto Pi zu kommen, ist das Fahrrad. Man steigt zum Beispiel in der Innenstadt aufs Rad und radelt dann immer am Hafen entlang nach Westen. Es geht vorbei an traditionellen Fischerbooten, den Llaüts, schicken Jachten, und vielleicht liegen da sogar noch Fischernetze aus, um geflickt zu werden. Manchmal sieht man vor lauter Segelmasten das Meer nicht mehr, und manchmal möchte man gleich anhalten, um die Ankunft in Porto Pi durch einen Kaffee oder ein ausgiebiges Mahl mit Meerblick hinauszuschieben. Jedes Jahr legen in Porto Pi mehr als 500 Kreuzfahrtschiffe an. Wer Orientierungsprobleme hat, muss also nur nach den schwimmenden Hotelhochhäusern mit den wehenden Rauchfahnen Ausschau halten. Das Hafenviertel hat bis vor wenigen Jahren fast kein Tourist aufgesucht, es sei denn, er oder sie kam mit der Fähre aus Barcelona. Heute ist die Promenade renoviert, und schicke Fischlokale locken mit einladenden Terrassen.

Ein 700 Jahre alter Leuchtturm

In früheren Zeiten orientierte man sich nicht an den Kreuzfahrtschiffen, sondern am ältesten Leuchtturm der Insel. Er soll sogar der drittälteste in ganz Europa sein, errichtet im Jahr 1300. Oberhalb des Turms duckt sich die Festung Sant Carles auf der Landzunge. Darin ist ein etwas angestaubtes Militärmuseum untergebracht, obwohl es mit seiner Eröffnung im Jahr 1991 noch gar nicht so alt ist, jedenfalls nicht für ein Museum. Die Festung hat schon ein paar Jährchen mehr auf dem Buckel. Sie wurde im 17. Jahrhundert errichtet und ist ein guter Platz, um über den Lauf der Dinge nachzudenken.

Zum Beispiel wann die Insel zum letzten Mal angegriffen wurde, wie die Bucht vor 100, 200 oder 500 Jahren aussah und wohin sich diese Insel entwickeln wird? Den meisten Mallorquinern ist Porto Pi eher wegen des großen gleichnamigen Einkaufszentrums ein Begriff. Andere verbinden damit Bilder royaler Sommerfrische, schließlich erholt sich traditionell die königliche Familie im Marivent-Palast von ihren repräsentativen Aufgaben. Schon nicht mehr ganz in Porto Pi, aber nicht weit entfernt, liegt die sehenswerte Miró-Stiftung. Die Anlage ist nun sicherlich kein »Secret Place« mehr, andererseits ist sie es doch, denn gemessen an dem, was geboten wird, ist der Andrang selbst in der Hochsaison überschaubar.

Graffiti im Landhaus