Secret Sounds - Karsten Gundermann - E-Book

Secret Sounds E-Book

Karsten Gundermann

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Beschreibung

Von der steinzeitlichen Knochenflöte bis zu den aktuellen Asia-MTV-Charts begibt sich SECRET SOUNDS auf Entdeckungstour durch die Welt der Palastorchester und Pekingopern, der Lovesongs, chinesischen Filmmusiken und des Buddha-Pop, der Dunhuang-Grotten und Tempelglocken, Rock- und Bänkelsänger, Volksmusik und Propaganda der Kulturrevolution, der ältesten erhaltenen Notenschrift, der Stimmen Pekinger Vögel, der Hochzeitslieder und der Kinderreime. Der Ausstellungskatalog dokumentiert typische Musikinstrumente, berühmte Musiker, wichtige Musikgenres und aktuelle Soundscapes aus der einzigartigen interaktiven Klanglandschaft der bisher umfassendsten Ausstellung über Musik und Klang aus dem Reich der Mitte. Die Klangboxen stellen typische chinesische Musikinstrumente vor sowie berühmte chinesische Musiker. Sie beschreiben wichtige musikalische Genres und bringen Klangbeispiele aus dem Alltag des musikbegeisterten Milliardenvolkes. Der Katalog dokumentiert und kommentiert alle Ausstellungsobjekte und präsentiert die Macher der von Laien wie auch von Fachleuten vielbeachteten Ausstellung.

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Seitenzahl: 68

Veröffentlichungsjahr: 2017

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INHALTSVERZEICHNIS

GRUSSWORT

FOTOGALERIE

EINFÜHRUNG

ACHT KLANGGRUPPEN

MUSIKINSTRUMENTE

MUSIKER

MUSIKALISCHE GENRES

MUSIK IM ALLTAG

INSTRUMENTENEXPONATE

REPORTAGE

TECHNICAL RIDER

DANKSAGUNG

BIOGRAFIEN

KONFUZIUS-INSTITUT HAMBURG

BILDNACHWEISE

VORWORT

SECRET SOUNDS – auf den Spuren von Klängen…

Musiken… Musikkulturen… in China...

Was ist geheimnisvoll und für wen…? Wie waren und wie

sind heute Hörgewohnheiten in China und Europa…?

Was unterscheidet uns und was verbindet uns…?

Mit der Entwicklung der Ausstellung SECRET SOUNDS im Rahmen der CHINA TIME 2016 erfüllt sich das Konfuzius-Institut an der Universität Hamburg einen langgehegten Wunsch, der sich hervorragend in unsere stets wachsenden musikalischen Aktivitäten einordnet.

Erst vor wenigen Monaten haben wir an unserem Hause ein chinesisches Kammerorchester gegründet. Workshops an chinesischen Musikinstrumenten für Kinder und Erwachsene gehören zu unserem neuen Programm, genauso wie der Aufbau einer chinesischen Musikbibliothek.

Wir danken unserem versierten Kurator Karsten Gundermann, sowie all unseren Partnern und Unterstützern, dem Confucius Institute Headquarters in Beijing, der Behörde für Kultur und Medien Hamburg und der Shanghai No.1 National Musical Instruments Factory für ihre freundliche Unterstützung und wünschen SECRET SOUNDS viel Erfolg, auch über die Grenzen von Hamburg hinaus.

Dr. Carsten Krause

Direktor des Konfuzius-Instituts

an der Universität Hamburg

Ansicht der Ausstellung:

In den Nischen der Außenwände laden traditionelle chinesische Instrumente zum Ausprobieren ein. Im Inneren der durchsichtigen Polycarbonat-Klangkabinen gibt es 64 Musik- und Klangbeispiele zu entdecken.

FOTOGALERIE

Foto: Jörg Sarbach

Foto: Jörg Sarbach

Ein Plan am Eingang der Ausstellung gibt den Besuchern einen ersten Überblick und hilft beim Finden einer Route durch die Themenvielfalt der 64 Klangkabinen.

Polycarbonat-Flächen trennen die Kabinen und schirmen deren Klänge weitgehend voneinander ab. So taucht jeder Besucher in seine eigene kleine Klangwelt ein.

Foto: Jörg Sarbach

Durch die ungewöhnliche Ausstellungsarchitektur und das begleitende Education-Programm eignet sich SECRET SOUNDS für Schulklassen jeder Altersgruppe.

Foto: Jörg Sarbach

Ein Bewegungssensor am Dach der Kabine erkennt das Eintreten eines Besuchers und veranlasst den Lautsprecher, seine Klangbeispiele abzuspielen, bis der Besucher die Kabine wieder verlassen hat.

Die Möglichkeit, die traditionellen chinesischen Instrumente vor Ort auszuprobieren, verführt ganz besonders die Musiker unter den Besuchern, ebenso wie die zahlreichen Schülergruppen, die im Anschluss einen Instrumenten-Workshop buchen können.

Foto: Jörg Sarbach

In den Klangkabinen finden die Besucher einführende Texte, Fotos und Hörbeispiele zu den einzelnen Instrumenten, berühmten Musikern und den Genres der chinesischen Musik.

Im Mittelraum der Ausstellung lädt eine große Sitzbank zum Verweilen ein, hier kann man den Gesamtklang der 64 Klangkabinen von SECRET SOUNDS genießen.

Die Klangkabinen haben eine Höhe von 2.15 m, die Torhöhe der Ausstellung liegt bei 1.45 m. SECRET SOUNDS kann Gruppen von bis zu 30 Besuchern gleichzeitig aufnehmen.

Kurator Karsten Gundermann beim Aufbau im runden Mittelraum der Ausstellung.

Magdalene Melchers

Das Reich der Klangfarben

Die Ausstellung SECRET SOUNDS

Der Weg ins Reich der chinesischen Klangfarben ist von Europa aus sehr weit, gleichwohl erste Schritte in die schillernde Klangwelt schon den Sinn für Feinheiten schärfen. Die Ausstellung SECRET SOUNDS ist weitaus mehr als eine Ansammlung geheimnisvoller chinesische Instrumente und Klänge. Ihr gelingt es, ein Tor in eine hierzulande weitgehend fremde Klangwelt zu öffnen. SECRET SOUNDS lässt eine jahrtausendealte Musikgeschichte lebendig werden – mit einer Fülle von Fakten in wohl bedachten Texten, anschaulichen Bildern und in einer faszinierenden Vielfalt von Alltagsgeräuschen, Klängen und Musikbeispielen. Über die Hürden eurozentristischer Hörgewohnheiten hinweg gelingt die Annäherung auf der Basis umfangreicher Hintergrundinformationen mit Blick auf Details historischer sowie gegenwärtiger digitaler Klangerzeugung, individuell geprägter Künstler und deren Lebensumfeld.

Konzipiert wurde die Ausstellung SECRET SOUNDS von Karsten Gundermann G einem Europäer, der nach China aufgebrochen ist, um vor Ort Land, Leute, Gepflogenheiten sowie Sprache und Musik zu studieren und der seither unentwegt mit dem chinesischen Klangfarbenreichtum künstlerischer Ausdrucksformen arbeitet.

Der 1966 in Dresden geborene Komponist Karsten Gundermann wird schon als Kind in der Bibliothek auf die asiatische Kultur aufmerksam und in der dazugehörigen Mediathek von chinesischen Klangelementen in den Bann gezogen.

Diese frühen Impulse führen zu seinem Studium in Peking – mit dem Ziel eine Peking-Oper zu komponieren: „Ich erinnere mich sehr deutlich: Als ich damals als junger Mann in der Akademie für chinesische Theaterkunst ankam und verkündete, dass ich meine erste Peking-Oper schreiben wollte, habe ich viel wohlwollendes, freundliches Gelächter geerntet. Das konnte sich keiner vorstellen. Ich sage immer: Es war so, als käme ein Pygmäe nach Europa an die Dresdner Musikhochschule und würde verkünden: Ich möchte eine Mozart-Oper komponieren.“

EINFÜHRUNG

Die Peking-Oper „Die Nachtigall“ von Karsten Gundermann feierte in China und Deutschland große Erfolge und gibt nur Experten zu erkennen, dass es ein Europäer war, der sich an diese chinesische Tradition gewagt hat. Zumeist sind in der Peking-Oper ein oder zwei verschiedene Stile zu entdecken. Karsten Gundermann hingegen versteht seine Oper als Nachschlagewerk, in dem viele unterschiedliche chinesische Operngenres ineinander verwoben sind.

Seit Kindertagen beschäftigt sich Karsten Gundermann mit Klängen der Welt: „Ich war damals Mitglied der Kinder-Komponistenklasse an der Hochschule Dresden und relativ abgehärtet, was zeitgenössische Musik betraf, in der man viele „schräge“ Klänge mit Freude produzierte. Und insofern habe ich die chinesische Musik eher als sehr reizvoll empfunden. Was mich aber an der Musik besonders fasziniert hat – an den Klangbeispielen, die ich hören konnte –, war, dass ich mit meinem zentraleuropäischen, musikalischen Horizont überhaupt nicht sagen konnte, was das emotional für eine Musik war.

Es gab viele Stücke, die mir gefielen und die ich reizvoll fand, aber ich hätte nicht einmal sagen können, ob es ein trauriges oder ein fröhliches Lied war.“ Heutzutage ist via Internet scheinbar alles verfügbar und das Epochen und Nationen übergreifend. Doch das oberflächliche Wahrnehmen einer Kultur, einer Kompositionsweise, eines Klanges kann niemals die tiefere Durchdringung ersetzen. Die Verfügbarkeit der schier grenzenlosen Informationen verlangt nach einem umso achtsameren Blick und der Kompetenz Aspekte zu- und einzuordnen. Die nuancenreiche Wertschätzung gegenüber minutiösen Details spiegelt sich in Werken von Karsten Gundermann und in besonderer Weise in der Ausstellung SECRET SOUNDS wider. Seine Erinnerung an erste zaghafte Schritte in chinesische Klangdimensionen werfen Fragen auf, die auch gegenwärtig unverzichtbar sind: „Diese Verwunderung eines jungen Menschen, der meint, alles zu wissen und zu können, dann aber vor einer Musik steht, die er überhaupt nicht einschätzen kann, hat mich damals schon sehr beschäftigt. Ich habe mich gefragt: Kann man das überhaupt lernen? Kann man sich in diese fremdartigen Klänge hineindenken? Man muss hinzufügen, dass es damals noch kein Internet gab, und das Fernsehen noch keine Asia-Kampfkunst-Filme kannte. Chinesische Musik war sehr viel weiter entfernt und viel, viel fremder, als sie uns heute ist.“

Unzählige Nuancen einzelner Töne haben mit der hiesigen üblichen Musiksprache keine hörbaren Berührungspunkte – ebenso wenig wie die Sprache. Neben den unzähligen Zeichen und Aussprache-Varianten bietet das musikalische Vokabular eine Fülle großartiger Details mit poetischer Anmutung und philosophischer Dichte. Die Ausgestaltung feinster Nuancen des chinesischen Musikvokabulars zu entdecken bedeutet, die Palette von Hörerwartungen anzureichern.

Wer den Ausstellungsraum betritt, steht vor einem sternförmigen Gebilde aus Polycarbonat-Platten. Es handelt sich um 64 Klangkabinen mit Bildern und Texten, informativ und stimmungsvoll. In jeder Kabine ist ein Lautsprecher angebracht, der über einen Bewegungsmelder den Besucher mit einem Alltagsgeräusch, einem Klang, einem Ton- oder Musikbeispiel willkommen heißt. Mal sind es Momente der Verwunderung, dann des Staunens oder des lustvollen Verweilens, die den Weg durch SECRET SOUNDS begleiten. Die Ausstellung gliedert sich in vier Ringe. Der außen liegende erste Ring präsentiert chinesische Instrumente, der zweite Ring widmet sich chinesischen Musikern und Legenden. Die lassen sich wiederum zuordnen im dritten Ring, der chinesische musikalische Genres darstellt, und im vierten Ring entsteht eine Melange aus alltäglichen Geräuschen in China und kulturell fundierter Klangfülle. Umringt von den facettenreichen Fakten entsteht eine Ahnung, worin Unterschiede zu hiesigen Hörgewohnheiten bestehen und welche Möglichkeiten der Annäherung es geben kann.

Chinesische Musik zu hören bedeutet, eine Welt zu erkunden, die eigene Positionierungen hinterfragt. Die Ausstellung SECRET SOUNDS weitet den Horizont und bietet eine Fülle von Aspekten, die sich eignen, das eigene Bild vom fernen China zu weiten und zu ergänzen. Ob instrumentale oder vokale Klänge: Die Musikwelt China ist ein Reich hierzulande kaum bekannter Klangfarben. Es ist fast märchenhaft, zu erkunden, welche