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Das Beste, was einem im Leben passieren kann, ist, dass im Leben etwas passiert. Nachdem mich Reiseberichte lockten, schön eingemauert in der DDR, schmiss ich meine Bedenken über Bord, den Rest in einen großen hässlichen Koffer und stürzte mich ins Ungewisse. Unglaublich! Ich Ossi fuhr zur See und schwamm einfach so davon, unter wachsamen Augen und mit vorgegebenen Spielregeln, an die wir zumindest versuchten uns zu halten... Anfänglich in die falsche Richtung, zu unseren roten Brüdern und Schwestern nach Russland, wo ich auf keinen Fall hinwollte, gondelte ich doch später durch tropische Gewässer. Genau so wie ich es mir vorgestellt hatte. Die Welt war plötzlich offen. So offen, dass man tatsächlich vergaß, uns nach dem Mauerfall auf hoher See darüber zu informieren. Da war dann auch plötzlich Deutschland vereint und ich saß in Rio am Strand. Ein turbulentes Aussteigerleben, durchsetzt von Herzklopfen, Spaß und Freundschaft, getrieben von der Sehnsucht nach "Meer".
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Seitenzahl: 641
Veröffentlichungsjahr: 2016
Kerstin Grätzer
Wellen, Wind und Wogen - ich mittendrin und oben drauf
© 2016 Kerstin Grätzer
Umschlag, Illustration: Aileen Grätzer Lektorat, Korrektorat: Aileen Grätzer
Verlag: tredition GmbH, Hamburg
ISBN
Paperback:
978-3-7345-4678-5
Hardcover:
978-3-7345-4679-2
e-Book:
978-3-7345-4680-8
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Geboren 1963 in Thüringen, wuchs ich bis zu meinem sechsten Lebensjahr zusammen mit meiner Cousine bei Tante und Oma auf.
Meine Eltern fuhren zur See als Personal des Fischkombinats Rostock.
1970 zogen wir nach Rostock um, meine Eltern hatten endlich eine Neubauwohnung bekommen. Meine Mutter beendete ihre Seefahrt, blieb an Land und begann beim VEB Schiffselektronik zu arbeiten. Mein Vater fuhr weiterhin zur See.
Ich hatte schon immer große Lust das Gleiche zu tun, aber mein Vater war der Meinung, ich sollte erst mal einen Beruf lernen, irgendein Handwerk, denn das hat ja bekanntlich goldenen Boden, warum also nicht auch für mich? Na, und als ich die zehnte Klasse mit einem ziemlich guten Zeugnis abgeschlossen hatte, bewarb ich mich als Herrenmaßschneiderin in einem kleinen Modeatelier in Rostock. Ich wurde angenommen und lernte Leute zu bekleiden. Das machte auch Spaß, vor allem mich selbst einzukleiden. Ich trug nicht mehr HO und das war gut so. Trotz allem ging ich darin nicht sonderlich auf und bewarb mich nach meiner Ausbildung im Volkstheater Rostock, um noch mehr von der Schneiderei zu erlernen. Sie nahmen mich und ich lernte mehr. Mein Ziel war eine eigene Werkstatt, um mich so recht zu produzieren und Einzelmodelle zu schneidern, um richtig Geld zu verdienen und um meinen Boden zu vergolden. Dafür benötigte ich einen Meisterbrief, um den ich mich bewarb. Schade war nur, dass meine Vorgesetzte ziemlich rot angehaucht war und die Meinung vertrat, nur wer in der Partei seiner Frau stand, hätte ein Anrecht auf dieses Privileg. Der Meinung war ich nicht und geriet mit ihr aufs Heftigste aneinander. Das wollte ich alles nicht.
Da kam der Zufall mir zu Hilfe. Die Deutfracht Seereederei Rostock hatte eine Stellenausschreibung in der Zeitung und ich bewarb mich ohne zu zögern. Endlich eine Chance rauszukommen. Natürlich waren meine Kolleginnen aufgebracht, als sie davon erfuhren. Erst recht meine rote Kostümdirektorin. „Da lockt das große Geld” und lauter solcher Dümmlichkeiten von den Dämlichkeiten wurden mir vorgeworfen, ach und außerdem hätte ich plötzlich doch noch ohne rotes Buch zum Zuschneidelehrgang als Vorbereitung für den Meisterbrief nach Berlin fahren können. Wer hätte das gedacht?
Mein Ziel sah jetzt aber anders aus.
Nach einem dreiviertel Jahr Bespitzelung, (die Staatssicherheit überprüfte jeden Bewerber auf eine reine Weste) erfuhr ich endlich, das mein Traum wahr wird. Ich war ohne „Westverwandtschaft” nicht fluchtgefährdet und mit meinem Vater konnte ich auch nicht zusammen abhauen, denn der fuhr auf seinem Schiff in eine ganz andere Richtung. Also es sprach nichts mehr dagegen. Ich durfte endlich raus.
Während einer dieser Reisen begann ich Aufzeichnungen über meine Erlebnisse zu machen. Tatsächlich wurde dieser Erlebnisbericht erst Jahre später von mir beendet, als ich schon nichts mehr mit der Seefahrt zu tun hatte. Aber da diese für mich schöne Zeit wie ein Programm in meinem Kopf gespeichert ist, fiel es mir nicht schwer all meine Erinnerungen aufzuschreiben. So wie beschrieben ist meine Seefahrt verlaufen. Ich habe nichts dazu gedichtet.
Es sind keine Geschichten, die ein Passagier auf einem Kreuzfahrtschiff erleben würde, sondern Episoden aus der Seefahrt. Ich gehe bewusst nicht auf Schiffsladungen und die ganze Besatzung ein, denn ich war bestrebt über meine Eindrücke und Erfahrungen zu schreiben. Ich denke jeder Lesestoff spricht eine bestimmte Zielgruppe an. Ich würde mir kein Buch über das Gärtnern kaufen, wenn ich lieber koche. So einfach ist das.
Auch wirken sicherlich einige Passagen etwas makaber, so zum Beispiel die Äquatortaufe. Sie war keine lustige Angelegenheit sondern ein Ritual, was übrigens international vollzogen wurde und nicht nur DDR-intern.
Falls einige Bemerkungen oder Aussagen etwas frech ausfallen, ist es tatsächlich mein Empfinden in dieser Situation gewesen und ich kann es einfach nicht beschönigen. Es würde das Ereignis nicht hergeben, wie dargestellt.
Die hier beschriebenen Geschehnisse entspringen nicht meiner Phantasie, aus rechtlichen Gründen darf ich aber auch nicht behaupten sie sind tatsächlich passiert, deshalb nenne ich keine Namen und wenn, sind sie erfunden. Falls sich tatsächlich der Eine oder Andere wiedererkennen sollte, handelt es sich um eine Verwechselung.
Wer nun interessiert ist, lässt sich auf diese Lektüre ein, vielleicht trifft es eine Seefrau oder einen Seemann, die sehr wohl wissen worüber ich berichte und sich selbst an diese Zeit erinnern.
Also tauchen Sie ein in ein Stück Seefahrt, die so wohl nie wieder existieren wird und auch einen Abschnitt DDR-Geschichte widerspiegelt.
Kerstin Grätzer
Für meine liebe Familie, besonders für meine Tochter, die mir mit ehrlicher Kritik auf den richtigen Weg geholfen hat. Dankeschön mein liebes Kind.
Die Freiheit winkt. Ist es denn zu fassen? Nach langem Bangen und Zweifeln ob es klappt, ob ich „rot“ genug bin und politisch tragbar diesen dämlichen „Honecker-Staat” im Ausland zu vertreten, endlich eine Zusage der „Deutfracht Seereederei Rostock”.
Ich war wie aus dem Häuschen. Die Wochen vorher sind vergangen in unsagbarer Spannung nach meiner Bewerbung auf die Annonce in der Ostsee-Zeitung als Wirtschaftshelfer bei der „Deutfracht Seereederei Rostock”.
Eine Zusage hatte ich nun, aber war ich auch seetauglich?
So wie für die Seetauglichkeit wurde ich noch nie auf körperliche Gebrechen und Krankheiten untersucht. Von den Zähnen bis zu den Innereien, ich wurde unter die Lupe genommen. Auch gynäkologisch hatte alles in Ordnung zu sein, hätte ja noch gefehlt wegen einer schwangeren Stewardess, oder einem schmerzenden Zahn irgendwo im Ausland Station machen zu müssen. Das kostet doch Valuta! Schlimmer noch einen Arzt aufzutreiben rund rum nur Wasser. Jedoch meine körperliche Verfassung stellte sich als die beste heraus, auch röntgentechnisch durchleuchtet keine Mängel, sowie keine innerlichen Fremdkörper.
Nachdem ich die Hürde der Seetauglichkeit hinter mich gebracht hatte, begann ein Einstellungslehrgang für ungefähr dreißig Bewerber mit allem Pipapo, Theorie und Praxis über Manöver und Rettungsmittel und natürlich auch haufenweise trockenes rotes Zeug, was wir in die Hirne zu speichern hatten. Es war anstrengend das alles im Zeitraffer von drei Wochen aufzusaugen und zu verstehen, aber nach diesen drei Wochen wussten wir eine ganze Menge mehr und der Tag der Entscheidung kam - der Tag der Seefahrtsbuchübergabe und der Flottenbereichseinteilung.
Das Seefahrtsbuch, lang ersehntes Dokument mit zehnjähriger Gültigkeit, was mir erlaubte hemmungslos über die Weltmeere zu fahren. Kostbar zu hüten, wie einen Schatz. Das war ein besonderes Gefühl es in den Händen zu halten.
Doch ein Makel war da. Ich starrte wie hypnotisiert auf meinen Arbeitsvertrag. „Flottenbereich FE 4” hieß damals Spezialschifffahrt. Ich wusste nur so viel, wie andere, Hauptanlaufziel Russland! Damit hatte ich nicht gerechnet.
Ich sah mich schon seit Monaten im Geiste irgendwo unter tropischer Sonne rumgondeln, sodass es mir dermaßen grotesk vorkam nun nach Russland zu fahren. Natürlich fuhren auch Schiffe aus diesem Flottenbereich nach Südamerika, Kuba, Spanien und ähnliches, aber keines davon hatte ich erwischt.
Einige strahlten. „FE I” auf ihrem Blatt Papier, Relation (Fahrtgebiet) Asien-Amerika. Klingt gut, ist gut. War von allen Bereichen der Begehrteste.
Ich war nicht nur sauer, sondern auch geknickt. Nach einem dreiviertel Jahr spannungsvoller Warterei (solange hat es gedauert, ehe ich stasitechnisch richtig überprüft war und eine Antwort bekam. Verhängnisvoll wären zum Beispiel Verwandte in der BRD, zu denen man hätte abhauen können), ist mir nie die Möglichkeit in den Kopf gekommen, dass man mich eventuell in die falsche Richtung schicken würde. Ich dachte meine Abenteuer beginnen endlich. Nicht im Entferntesten zog es mich zu meinen roten Brüdern und Schwestern deutsch-sowjetische Freundschaft hin oder her. Doch es war eine Tatsache, ich sollte nach Russland.
Die Schriftstücke wurden uns ausgehändigt und man erklärte uns wo wir uns am nächsten Tag zu melden hatten.
Die Dame, an die ich am darauf folgenden Tag geriet, ruhte förmlich in sich in ihrem handgestrickten Rundhalspullover und sah mir sofort an, dass etwas nicht stimmte. Aber ich sagte nichts, wartete nur, bis dann der Schiffsname „Taube” fiel und das Reiseziel „Murmansk” (Sowjetunion). Aus der Traum. Ich hatte es ja schon geahnt. Also doch Russland. Meine Augen wurden tränenfeucht.
„Na so was”, sagte mein Gegenüber völlig entspannt und dauergewellt, „für die erste Reise ist so etwas nicht schlecht. Nur drei Wochen Reisedauer und überhaupt, warst du schon mal in der SU?” Hä, was? Was sollte ich denn da? Natürlich nicht! Da wollte ich noch nie hin!
Das war keine Antwort, das war der blanke Bock, den ich ausstieß.
„Nein!”
„Na gut”, sagte die nette wollpulloverte Dame mit mütterlichem Blick, „hier hast du deinen Heuerschein. Lass den Kopf nicht hängen. Du hörst ja wohl morgen nicht gleich wieder auf zu fahren und von der großen weiten Welt wirst du auch noch genug zu sehen bekommen. Die Besatzung der „Taube” ist in Ordnung, die Oberstewardess, deine Vorgesetzte, ein nettes Mädel. Mit der kommst du klar. (Und woher willste das jetzt schon wissen?) Also los! Viel Glück! Bei Einlaufen wieder hier melden.” Sprich, ab zu den Russen, dawei, dawei, du bist dabei! Mit wackelnden Fingern und zitterndem Kinn nahm ich resigniert meinen ersten Heuerschein entgegen.
Ich ging und zwar zum Hafentor, nahm ein Taxi, versuchte klar zu denken, denn ich sollte in zwei Tagen aufsteigen. Den Taxifahrer hab ich vorsorglich gleich für diesen Tag engagiert. Der Mann hatte vollstes Verständnis für meine Lage und ich hielt ihn für geeignet mich zu meinem ersten Abenteuer zu chauffieren, denn irgendwie musste ich zum Überseehafen kommen. Mein Papa, der sonst immer für sein Kind da ist, hatte alles versucht um frei zu bekommen, da er auch als Seemann selbst im Einsatz war, aber es klappte nicht. Leider, wäre wirklich einfacher gewesen. Jedenfalls das Taxi mit Fahrer hatte ich sicher. Ist ja auch mal eine Abwechslung `ne kleine Meerjungfrau zu ihrer ersten Schiffsreise zu fahren.
Ich verfiel dem Stress. Schon immer etepetete, brauchte ich ja diverse Mengen an Kosmetik. Eine Unzahl an Reinigungsmilch, Gesichtswasser, Haarspray usw. was man nun mal mit 21 Jahren als Mädchen dringend zum Überleben braucht. Damit nicht genug. Als gelernte Schneiderin hatte ich ein Riesensortiment Klamotten. Zu jeder Gelegenheit das Passende. Mein Problem war nur, was für Gelegenheiten hatte ich auf einem Schiff? Und was zog man dort zu was an?
Egal, der größte Koffer musste her. Ich stürzte los und fand ihn. Er war fade, aus Pappe und spektakulär groß. Ziemlich hässlich, billig, einfach und geschmacklos. Seine Größe machte ihn zu meinem Favoriten. Zum Vergleich zu meiner Körpergröße 1.59 m ein Unikum. Zur Not hätte ich da selber reingepasst. Natürlich hab ich spontan dieses Ding geschnappt und nach Hause geschleppt ohne an die Folgen zu denken.
Und die Folgen folgten. Es überkam mich ein leises Unbehagen beim Packen meiner Pappe, was ich mir nicht erklären konnte und rigoros zur Seite schob. Der große Tag kam. Ich hatte mich morgens von meiner Mama verabschiedet, vollkommen aufgeregt, das erste Mal ohne meine Eltern, denn ich war ein Einzelkind. Verwöhnt, verhätschelt und was weiß denn ich, was man den Einzelkindern gehässig versucht alles anzuhängen. Einiges ist wahr, gebe ich ja zu, aber alles nicht.
Jedenfalls machte sich mein Herz langsam auf Richtung Hose, um da sinnlos rumzuhängen, denn die Zeiten sich zu Hause auszuheulen, wenn irgendwas nicht klappt, waren nun endgültig vorbei. Nun lauerte ich mit Herzklopfen auf mein Taxi. Es brauste pünktlich heran. Der Fahrer stieg eilfertig aus und wollte meinen Koffer, sowie meine Reisetasche „mal so eben in den Kofferraum wuppen“, wie er breit grinsend vom Stapel ließ. So wie das „Köfferchen” da stand, groß und hässlich, sah es richtig harmlos aus und man ahnte die Hinterhältigkeit nicht mal im Ansatz. Doch traten ihm fast die Augen aus den Höhlen, als er meinen Koffer ansackte. Ein kurzer Schnaufer und er beförderte ihn hinein.
Wir kannten uns ja schon und als er die „Wuppung“ hinter sich gebracht hatte, fragte er, ob die Reise über drei Jahre gehen sollte. Verständnislos hab ich gefragt, ob er das erste Mal den Koffer eines jungen Mädchens hebt und ich doch gerade 3 Wochen „Überlebenstraining“ hinter mir hätte und ich ganz genau wüsste, was ich tue!
Natürlich ging ich davon aus, dass alle so verrückt sind wie ich und bevor man etwas vergisst, packt man eben ein. Ich hatte schließlich schon immer „alles“ dabei - man weiß ja nie! Also dann, rein ins Taxi und ab die Post, bis zum Hafentor Rostock-Überseehafen. Ich war so aufgeregt, wie der Tag verlaufen würde. Als ich ausgestiegen war, sagte der Taxifahrer brav: „Es ist doch ein Jammer, dass wir nicht in den Hafen fahren dürfen. Wäre einfacher für dich, Mädel.
Früher ging das alles. Tja, aber nun... jedenfalls wünsche ich dir viel Glück”.
„Hm, Dankeschön.“
Ich packte meinen Koffer und meine Reisetasche und schleppte alles unter großer Anstrengung bis zum Zoll. Seefahrtsbuch ganz neu stolz gezeigt und durch.
Meine Hände zitterten schon. Der Koffer hatte es in sich und mein Unbehagen war auch wieder da. Gott sei Dank gab sich das Wetter heute von seiner besten Seite, was mir in diesem „tragenden” Zustand bald ein bisschen viel war. Bis zum Duty-Free-Shop, dem sogenannten Seemannsbasar, etwa 50 m, hab ich mich noch gequält. Dann war es aus. Hochrot im Gesicht und beinahe laut fluchend über Gott und die Welt und vor allem über mich, mit meinem Wahn alles, aber auch alles einzupacken für meine „Weltreise”, stand ich keuchend da. Mit beinahe raushängender Zunge, Fingern, die sich unansehnlich weinrot um den Koffergriff krallten und einfach nicht mehr gerade werden wollten. Gott, wie peinlich! Unmöglich würde ich mit diesem Gepäck meinen Weg alleine bewältigen. Wie konnte ich nur völlig vergessen, dass ich den Koffer selbst irgendwohin schleppen muss?
Planlos und völlig überfordert überlegte ich, wo ich eigentlich hin wollte. Liegeplatz 23, „Schweine-Pier”. So wurden die Liegeplätze bezeichnet, an denen Apatit und Eisenerz gelöscht wurden - natürlich nur im Seemannsmund. Dieses Zeug war gerne flugintensiv, wenn es windete und dort staubte es dermaßen, dass man aussah wie eine gammlige Ratte, wenn man sein Ziel erreicht hatte. Aber von derlei Dingen hatte ich natürlich keine Ahnung. Ich stand nur da und wusste nicht wohin. Drei junge Männer kamen beschwingt auf mich zu. Kein Wunder, ihre Hände waren leer, der Himmel blau, die Sonne schien, neidisch dachte ich: „Sowas muss ja gute Laune hervorrufen“.
Ich weiß nicht, was ich für einen Anblick geboten habe, wahrscheinlich irgendwie verwundet, jedenfalls sahen sie mich mächtig mitleidig an. Bis plötzlich einer der drei Männer mich ansprach. „Na wo will denn der Koffer mit dir hin?” „Na Klasse“, dachte ich, „was schon so anfängt, DAS ist wirklich ein ganz, ganz alter dämlicher Witz. Den wendet schon langer keiner mehr an, aber bitte!“
Mit unübersehbarer Heiterkeit über seinen schalen Gag stand er vor mir und lauerte fast spitzbübisch auf eine Antwort.
Ein OPFER! Es stand harmlos vor mir, machte flache Witze und fühlte sich „noch“ überlegen. Von Gott gesandt? Mein Hirn war fix am Rattern, wie ich es anstelle, dass er mir den Krempel aufs Schiff transportiert. Da sagte er sooo hilfsbereit: „Na komm schon, sag wo du hinwillst. Ich trag dir das Zeug. Bist doch sicher Neueinstellung?”
- was vermutlich auf meiner Nase scharf eingemeißelt stand.
Ich hauchte ein scheinheiliges „Danke das ist nett, Liegeplatz 23”.
„Ach du liebes Bisschen. Na ja, das schaffen wir schon. Los geht`s”.
„Jaha, das hast du dir bestimmt einfacher vorgestellt“, dachte ich etwas gehässig, jedoch überglücklich, dass nun endlich meine Hände leer waren, noch immer der Himmel blau war, die Sonne schien. Da kommt doch wirklich gute Laune auf. Nun wusste auch ich wie das ist. Herrlich!
Tapfer schleppte er nun meine Klamotten und hat wahrscheinlich schnell gemerkt auf was er sich da eingelassen hatte. Erleichtert trabte ich fröhlich hinterher. Mit Mühe schaffte ich es mir das Lachen zu verkneifen, da der Herkules langsam anfing zu japsen und schwächlich die Schultern hängen ließ. Kein Wort kam über seine verkniffenen Lippen. Auch nicht über meine. Jetzt womöglich was Verkehrtes sagen und ihn gegen mich und meinen Koffer aufbringen wäre dann doch voreilig. Noch konnte ich „mein Schiff“ nicht erspähen. So lief ich brav nebenher, zumal ich spürte, wie das Blut sich langsam und wonnig wieder in meinen Fingern verteilte. Aber er hielt durch und wir kamen wohin wir wollten. Die Gangway hoch war sein letzter Akt. Als wir oben ankamen fragte ich höflich, wie ich das wieder gutmachen könnte?
„Das kannst du nicht wieder gutmachen, in zehn Jahren nicht”, zischte er unter den Schweißtropfen hervor, die auf seiner Oberlippe perlten.
Und ging. So, der war sauer. Na, na, na! Hatte ich ihn gezwungen? Nein, aber egal, ich war ja nun da, wo ich hin wollte und wie durch ein Wunder auch mein Gepäck.
Der Gangwaymatrose fragte grinsend, ob das mein Freund wäre. „Nee, das war nur der Kofferträger! Ich bin Wirtschaftshelfer und soll mich bei der Oberstewardess melden. Bitte bring mich hin!”
Die freute sich nicht gerade über eine Neueinstellung. Denn bei „Spezial” fuhr man in der Wirtschaft nur mit Oberstewardess und Stewardess, Koch und Bäcker.
In anderen Flottenbereichen hatte die Oberstewardess drei Stewardessen unter ihren Fittichen. Da war die Arbeit besser zu verteilen und weniger Stress.
So, nun hatte sie mich, schön geschminkt und nagelneu!
Wo sowieso schon viel Arbeit zu zweit war, musste sie mir nun erst einmal alles beibringen. Aber irgendwie mochte sie gleich meine Art und ich ihre und uns war klar, wir werden ein Team, egal wie. Hatte der selbstgestrickte Wollpullover mit Rundhals in der Arbeitskräftelenkung doch noch dauergewellt recht behalten!
Der Matrose an der Gangway war so nett, auf dem Weg zu ihr meinen hinterhältigen Koffer zu übernehmen. Als wir in ihrer Kammer ankamen, fragte er, ob ich die Steine für mein Haus im Koffer hätte, was ich wohl während der Reise bauen wollte.
Absolut nicht komisch für mich. Na jedenfalls war er der Letzte, der ihn getragen hat. Vorläufig würde ich vor diesen Kofferwitzen meine Ruhe haben. Auspacken und aus. Nun erfuhr ich, dass wir erst in drei Tagen auslaufen sollten. Also würde ich am Abend nach Hause fahren können.
Der kurze Blick, den ich auf das Schiff werfen konnte, als ich die Pier entlang lief, eingehüllt in Eisenerzstaub von interessant rötlicher Farbe, ließ mich nicht viel erkennen. Es lag verstaubt an der Pier und vermutlich sah ich auch so aus. Im Inneren dann bemerkte ich die wahren Werte. Ein ziemlich altes Mädel, denn das Mobiliar sah schon etwas verwohnt und verjährt aus. Meine Vorgesetzte machte mit mir einen Rundgang, um mir jeden Winkel des Schiffes zu zeigen, schließlich war das hier ab jetzt mein Arbeitsplatz.
Mein erster aufregender Arbeitstag begann. Die Oberstewardess brachte mir bei wie man die Mannschaftsmesse eindeckt, wie man Kammern saubermacht, Gänge fegt, wischt und bohnert, Wäsche bündelt und noch einiges mehr.
Ich war fix und fertig, um nicht zu sagen, ich hatte die Schnauze voll von dem ersten Tag, denn es war kein Zuckerlecken und alles neu und viel zu viel für den Anfang. Das artete in schwere körperliche Arbeit aus und mit dem Gedanken, den Wischeimer vollgefüllt mit Wasser in Zukunft die Niedergänge hoch und runter zu balancieren, während das Schiff womöglich schaukelt, konnte ich mich überhaupt nicht anfreunden. Von meinen restlichen Bedenken, die mir kamen, versuchte ich mich so gut wie möglich abzulenken. Nein, ich wollte meinen Schritt zur See zu fahren mit Gewalt nicht bereuen. Die große weite Welt wartete auf mich, war mir schnurz, ob das erst mal mit Wischeimer und Feudel begann. Nach Feierabend hatte ich keine Lust mehr meine Kammer aufzuklaren, sondern ich wollte nach Hause. Schnell geduscht und ab zu Mama.
Als ich im Bus saß, der nach Rostock Innenstadt fuhr, spürte ich ein Brennen im Gesicht. Als meine Hände die Sache untersuchten, dachte ich, nun kommt sie, die zweite Pubertät. Das Gefühl verpickelt zu sein war echt. Ich war verpickelt. Keine Ahnung, woher dieser plötzliche Ausbruch kam. Auf alle Fälle hatte ich mich so noch nie gesehen.
Das war ein Tiefschlag. „Bekämpfen” dachte ich, „das muss man ganz schnell bekämpfen. Bloß mit dieser Maßnahme musste ich nun bis zum nächsten Morgen warten, denn natürlich hatte ich auch mein Für-alle-Fälle-Antipickelprogramm eingepackt und das lagerte zur Zeit schon auf der „Taube”. Mit so was rechnet ja auch keiner. Das „Schiffswasser“ war´s, als ich an das Wasser gewöhnt war, hatte ich auch meine Pickel verloren.
Die letzte Nacht zu Hause, drei Tage waren um. Als ich aufwachte wusste ich, heute ist der ganz große Tag, es geht los. Endlich war es soweit.
Eine eigenartige Stimmung machte sich auf dem ganzen Schiff breit, heute war Auslauftag. Der Zoll hatte jeden Einzelnen in seiner Kammer aufgesucht zwecks Kontroletti, wo jeder allein mit seinem Seefahrtsbuch saß, und war nun von Bord. Das Schiff war freigegeben und auslaufbereit.
„Deckbesatzung klar vorn und achtern, die Stationen besetzen!” klang schön zackig durch die Lautsprecher und ich bekam Gänsehaut, aber wie!
Das war ein ganz besonderer Augenblick. Eine ungewohnte spannende Atmosphäre umgab die ganze Situation. Ich war dermaßen hibbelig und konnte mich nicht erinnern jemals so etwas Ungewisses und Wagemutiges getan zu haben.
Mir wurde komisch. Jetzt gab es kein Zurück mehr. Ich wusste diese Reise sollte nur drei Wochen dauern, aber wer weiß wie lang drei Wochen werden können, wenn es einem nicht gefällt. Meine Neugier siegte und ich ging an Deck um zuzusehen, wie wir die Leinen los schmissen und Rostock langsam verließen. Fasziniert sah ich, wie das Schiff durchs Wasser pflügte, hörte das erste Mal dieses Geräusch, was so ein großes Schiff hervorruft, wenn es durchs Wasser gleitet und sah auf die großen Wellen links und rechts vom Schiff. Meine Gänsehaut wollte einfach nicht enden. Vor lauter Glück hatte ich Tränen in den Augen. Mein Gott, war das ergreifend! Wir fuhren an der Warnemünder Mole vorbei und da es Sommer war, gingen viele Urlauber dort spazieren. Einige sahen durch ihre Ferngläser und winkten. Ich winkte all den fremden Menschen fröhlich zurück und stolz kamen mir die Gedanken, wie gerne wohl diese Menschen mit mir tauschen würden, um auf solch einem großen Schiff in die Welt hinauszufahren. Ganz weit wech, aus der Deutschen Demokratischen Republik! Hihi. Sensationell. Egal, ob jetzt erst mal nach Russland. Hauptsache ich fuhr endlich zur See. Die ganz große weite Welt angucken!
Plötzlich war ich allein unter lauter fremden Menschen. Irgendwie war mir wirklich ziemlich flau zu Mute. Da es Abendbrotzeit war, konnte ich nicht mehr lange darüber nachdenken, denn ich musste die Mannschaftsmesse eindecken. Und das nahm meine Aufmerksamkeit voll in Anspruch. Ich hatte immerhin vier Backs einzudecken und die Monkey-Messe. Diese Messe (auf Deutsch: „Affenmesse“) war der Raum, in welchem die Besatzung mit Arbeitssachen essen konnte. Da die „Taube” ein Wachschiff war, auf dem rund um die Uhr die Maschine besetzt sein musste, wurde dort ebenfalls zu jeder Mahlzeit eingedeckt. Demzufolge musste ich zwei Messen bedienen und zwischen diesen immer hin und herlaufen. Es dauerte eine Weile, bis ich das in den Griff bekam. Es hatte ja nun auch jeder das Bedürfnis die neue Stewardess kennenzulernen und auszuhorchen. Deshalb vergaß ich oft bei dem ganzen Gequatsche mal in die andere Messe zu sehen, ob da vielleicht schon jemand saß. Doch das hatte ich schnell begriffen und da ich schon immer ziemlich flink in meinen Bewegungen war, händelte ich bald beide Messen ohne Probleme. Später bei Seegang hat es mir allerdings unheimlich viele blaue Flecken eingetragen. Denn beide Hände bestückt mit großen Mittagstellern, und das bei Seegang, da blieb nur noch der Beckenknochen als Prellbock für Ecken und Kanten um abzubremsen, damit die Teller nicht schneller flogen als ich. Hätte ich mich daran gehalten was jeder Seemann sagt: „Eine Hand fürs Schiff und eine Hand für mich”, hätte ich weniger blaue Flecken gehabt, aber auch länger gebraucht, um die Jungs mit Essen zu versorgen. Wer lässt sich schon gern als lahm abstempeln?
Außer der Oberstewardess und mir gehörten noch der Koch und der Bäcker zum Wirtschaftspersonal. So dick wie der Koch war, so gemütlich war er auch. In seinem Umgangston zwar ein ziemliches Raubein, aber auf alle Fälle gutmütig. Von der Kombüse aus war eine kleine Durchreiche zur Mannschaftsmesse. Dort lugte er immer durch, um zu sehen wie sein Essen schmeckte. Die Besatzungen unserer Schiffe wurden ziemlich verwöhnt, denn es gab dreimal am Tag warmes Essen, also auch abends, wie an diesem Tag - lecker Spinat und Spiegeleier. Der Koch schilpte wieder durch seine Klappe und beobachtete die Jungs („seine alten Frauen”), wie sie genüsslich oder weniger genüsslich vor sich hin schmatzten. Da ein Speiseplan vor jeder Messe hing, konnte sich jeder informieren, was er vorgesetzt bekommen würde und reedereiüblich war die Frage der Stewardessen nach dem Hauptgericht: „Einmal neu?”.
Über den Speiseplan informierten sie sich alle, also wusste auch der von mir angesprochene Matrose Bescheid, als ich fragte: „Einmal neu?”
Der Matrose jedenfalls hasste Spinat, „So`n Fraß? Nee, ich nicht!". Im selben Moment sauste ein grüner Flatschen durch die Luft und klatschte ihm schmatzend mitten ins Gesicht. Watsch, und der Koch rief grinsend aus tiefster Inbrunst: „Dann friss doch Arschlöcher”. Nicht zu fassen, wie der dort saß und zwinkerte, von oben bis unten grün. Vor lauter Schreck konnte er gar nicht reagieren. Alles grölte. Irgendwer schrie: „Da fehlt ja nur noch das Ei auf dem Kopf.” Das war ausschlaggebend. Der Bengel stürzte mehr rutschend aus der Messe, verlor dabei klumpenweise den Spinat und nun hatte ich die Arbeit. Na das war nun auch egal. Der Spaß war es wert. So war eben unser Dicker, fit und flink mit der Kelle gegen seine Kostverächter. Er sprach auch alle Besatzungsmitglieder statt mit Herr Soundso, einfach mit „die alte Frau Schmidt” usw. an. Es waren alle alte Frauen und er war die sogenannte Frau Fuchs, genauer „Gloria Fuchs”. Da er gern Kasselerfleisch kochte und aß und das von ihm als Fuchsfleisch (weil rot) benannt wurde, nannte er sich eben selbst Frau Fuchs.
Langeweile hatte er nie, immer am rühren und brutzeln, egal welche Tageszeit. Da die Besatzung des Schiffes schon lange miteinander fuhr, kannten sie sich alle gut und machte das „Köchlein” Programm, waren alle dabei. Eines abends, zwei drei Tage nach Auslaufen, lief ich ganz allein achtern an Deck herum und wusste nichts Rechtes mit mir anzufangen. Da sah ich das Kombüsenschott offen stehen. Gloria wirtschaftete angetan mit Schweißtuch um die Stirn emsig in der Kombüse herum. „Was schleichst du da rum? Komm rein und hilf mit!”
Ich war vielleicht froh. Ich wollte gerade vor lauter Heimweh in mich gehen und mich bemitleiden. Gott sei Dank wurde nun nichts draus. „Was wird denn das?” wollte ich wissen. „Guck mal ans schwarze Brett!” kam die Antwort. Ich ging um die Ecke zum schwarzen Brett. Dort wo die „Neuesten Nachrichten” aufgehängt wurden und las: „Heute Abend Fuchsfleisch und Schweineschnauze abschmecken in der Monkey!” Aha, also wird es heute doch nicht langweilig. Wir legten dampfende Schweinerüssel und Kasselerknochen auf große Platten und schleppten alles in die Monkey-Messe. Da standen schon ein Kasten Bier, einige Becher Senf, aufgeschnittenes Brot und ein Recorder. Und plötzlich waren alle da, die wachfrei hatten und das große Mampfen in der „Affenmesse” begann. Richtig schön, ohne Besteck, nur die Finger. Die Bierflaschen klebten auch schön fettig, kichernd passten wir auf, dass sie uns beim Trinken nicht aus den Fingern glipschten. „Popeye” (der Spinatgetaufte) war auch da und sah sich vor irgendwelche dümmlichen Sprüche über das Essen loszulassen. Lief er doch Gefahr, diesmal mit nem fettigen Schweinerüssel malträtiert zu werden.
Natürlich haben wir nicht immer in diesem großen Rahmen gefeiert. Zwischen der Kombüse und der Mannschaftsmesse befand sich noch ein schmaler Raum mit einer langen Back und im Boden verankerten Drehstühlen. Übrigens, in der Mannschaftsmesse und der Monkey-Messe waren auch die Stühle im Boden befestigt. So kippten sie beim Schaukeln nicht um.
Also dieser kleine schmale Raum zwischen Messe und Kombüse war die Wirtschaftsmesse, wurde aber von uns allen hochkarätig als „Dorfkrug” bezeichnet. Und in diesem feierte genauso hochkarätig nur die „Weiße Mafia”, das Wirtschaftspersonal und uns besonders sympathische Typen hatten Zutritt. Der Rest musste draußen bleiben, da der Dorfkrug hermetisch abgeschlossen wurde. Der absolute Renner der Mixkünste war Glorias „Schlüpferstürmer”. Wahrscheinlich hatte „die alte Frau Fuchs” Jahre dazu gebraucht um dieses Getränk genießbar zu machen. Aber auf alle Fälle war das Zeug tatsächlich ungeheuer schmackhaft und der größte Vorteil war, auch wenn man es in riesigen Mengen in sich kippte, hielt man lange zur Stange und am nächsten Morgen viel das Aufstehen nicht schwer.
Es war die Wahnsinnskomposition von Eiern, Gin, Milch, Zitrone und vielem mehr. Einfach Klasse.
Nun waren wir schon einige Tage unterwegs, saßen wieder mal im „Dorfkrug”, als es langsam zu schaukeln anfing. „Na endlich, nun wird‘s gemütlich”. Michael, der als Matrose fuhr, guckte mich forschend an. „Gloria, mix den Schlüpperstürmer! Mal sehen, wie lange unser Küken durchhält?”
Wie meint denn der das? Ich saß da wie ein angeschossenes Kaninchen und lauerte regelrecht auf mein grünes Gesicht. Nix.
„Mir ham doch alle mäschtisch een zu loofen!“ ,entfährt es Gloria. „Du sachstes! Da droff een Schlüpperstürmer! Jetzt, fix, her damit, eiskalt!“, jetzt wollte ich es wissen, verdammt nochmal!
Nicht mal Glorias Schlüpferstürmer schlug an. Eigenartig. Der Seegang nahm immer mehr zu. Wir mussten schon die Gläser festhalten und uns an die Tischkante krallen. Mir wurde nicht schlecht. Es passierte einfach nichts. Ich beschloss mich ins Bett zu legen und zu warten wie meine Innereien das mit der Schaukelei händelten. Außerdem wollte ich doch lieber allein sein, wenn mir das große Elend kam. Es sollte wirklich keiner zugucken, falls doch was aus mir rausschwappt. Lange hab ich nicht gewartet. Das rhythmische Schaukeln lullte mich mitsamt meinen entspannten Eingeweiden ein und ich schlief wie in einer Wiege. Selten hab ich so gut geschlafen, wie in dieser Nacht. Seekrank bin ich nie geworden und konnte auch nicht mitreden wie es ist. Im Gegenteil. Bei mir stieg stets der Appetit und ich musste laufend irgendwas essen. Die anderen, die es ständig erwischte, bekamen jedes Mal das neue Würgen, wenn sie sahen wie ich essen konnte und ihnen ging es schlecht. Das hat manchmal richtig Spaß gemacht. Ich bedankte mich im Geiste überschwänglich bei meinen braven Innereien für diesen großen Vorteil.
So verlief die Überfahrt ganz gut ohne Komplikationen außer, dass natürlich die große Balzerei schon ziemlich im Gange war.
Da ich zu allen gleich freundlich war und keiner sich bevorzugt fühlte, hatte ich auch einige Zeit die Sympathie aller. Am Schlimmsten waren natürlich die Herren im gesetzten Alter. Diejenigen die auf alle Fälle mein Vater hätten sein können, aber auf der anderen Seite wahrscheinlich nicht so alt werden würden, wie sie aussahen. Mit solchen Dämlichkeiten wie: „Mir ist ein Knopf vom Hemd gerissen. Könnten Sie ihn mir vielleicht wieder annähen? Ein Mann ist ja doch nicht so bewandert in solchen Dingen!” Oder: „Wie wäre es denn mal mit einer Flasche Sekt heute Abend, ganz unverbindlich?” Aber den absoluten Vogel schoss doch der Herr „Kapitän” ab. Ein alterndes, leicht aufgedunsenes Exemplar, natürlich zu mir besonders freundlich. Könnte ja vielleicht klappen, wie bei den anderen bisher auch, wie ich später erfuhr. Er lud mich eines Tages listig zwinkernd ein. Ein alter Seebär wie er könnte mir doch allerhand erzählen, denn er hätte ja die jahrelange Erfahrung. So ein Gespräch könnte doch sehr erfrischend sein und überhaupt unterhielte er sich sehr gerne mit weiblichen Besatzungsmitgliedern. Die Männer hätte man ja sowieso schon den ganzen Tag um sich rum.
Ach so!
Ich erzählte es dem Koch und der Oberstewardess, weil ich dachte, diese beiden hätten hier die Pflicht, mal auf mich aufzupassen. Und beide waren der Meinung es gäbe keinen Grund nicht hinzugehen. Außerdem wäre es nicht nett ausgerechnet den Kapitän vor den Kopf zu stoßen. Ja, wohin denn sonst?
Nun ja, also ich sagte, ich würde mal reinschauen. Tja, es war Feierabend und als ich endlich mit duschen und anziehen fertig war, ging ich zu der bewussten Einladung. Irgendwie war mir komisch in meiner Haut. Ja, es gruselte mich regelrecht. Die Zeit hatte ihn unschön verformt und wenn er nicht so derart selbstsicher auftreten würde, hätte ich angenommen, er leidet äußerst stark unter diesen Umstand. Ich wusste nicht so richtig was ich bei diesem alten „Onkel Kapitän“ mit dem lüsternen Blick sollte. Aber selbstverständlich wurde mir das schnell klar.
„Was darf ich denn zu trinken anbieten?“
Der guckte mir gar nicht in die Augen, sondern etliche Etagen tiefer!
Ich trank wenig, wenn überhaupt, dann höchstens ein, zwei Gläser. Aber die Situation erschien mir irgendwie zu schwitzig, um überhaupt etwas zu trinken.
„Nein danke, keinen Alkohol, ich trinke höchstens eine Cola.”
„Na, wir sind doch schon erwachsen, da kann man doch ruhig ein Gläschen trinken!” Wir? Erwachsen? Na, na, na!!! Meine Sensoren bimmelten schon mal Alarmstufe rot.
Es war gar nicht so einfach unseren Kapitän, Chef über alles, davon abzubringen.
„Nein danke, ich möchte tatsächlich nur ein Glas Cola.” Ich kam mir so verlassen und verschreckt vor und ahnte überhaupt nichts Gutes. Rehlein, dachte ich, sei auf der Hut! Und er kam auch gleich lüstern zwinkernd zur Sache.
„Ja also wenn ich sie so sehe Mädchen, in den engen T-Shirts, dann läuft mir das Wasser im Mund zusammen. Ich bin dein Freund und wenn du irgendwelche Probleme hast, du kannst immer kommen und wenn es nachts halb zwei ist. Du weißt ja wo mein Schlafraum ist. Manchmal träume ich schon nachts von dir. Ich bin ein sehr guter Liebhaber und unter vier Stunden ist bei mir so eine Sache nicht beendet. Was kann dir schon so ein junger Schniepel bieten? Die haben noch gar keine Erfahrung und sind noch nicht trocken hinter den Ohren“. In einem Satz vom „Sie” zum „Du”. Ich konnte förmlich hören, wie ihm das Wasser im Mund zusammenschlapperte und kreischte innerlich auf. Jetzt wurde mir schlecht. Ich hatte es ja geahnt. Der führte sich auf, wie ein Auerhahn auf der Balzjagd. Das bei seinem Outfit!!! Labberiges T-Shirt, ausgebeulte Hose, DOPPELKINN!!! Was nahm der sich denn raus? Wie komme ich hier bloß wieder weg? Dickliche Finger zuckten wie Sago Maden schon unappetitlich in meine Richtung. Ich hatte mit einem Mal solch große Angst, ich hätte am liebsten laut losgeheult. Mir kam der Gedanke an so Tierchen, die sich totstellen bei Gefahr. Die Idee, ich stell mich tot, mit einundzwanzig, wie schrecklich! Aber was dann? Meine Gedanken wirbelten. Mir fiel sofort der Ernstfall ein: Erste Hilfe, womöglich Mund-zu-Mund-Beatmung! Wenn ich auch nicht seekrank wurde, aber dann….??? Bloß nicht auch noch DAS!!! Warum hilft denn jetzt hier keiner?
Gerade als ich vorsichtig erwähnen wollte, dass ich unser Zusammentreffen unter diesem Aspekt nicht gesehen hätte, verlor ich vor lauter jämmerlicher Angst den Faden, den ich gerade gefunden hatte. Also hörte ich nur verschüchtert zu und hoffte, mich heil aus der Situation schleichen zu können. Wie, war noch völlig unklar.
„Ich werde jetzt gehen, es ist schon spät und ich muss morgen wieder früh aufstehen. Ich hoffe, sie verstehen das?”, hoffte ich wirklich.
„Aber eine rauchen wir noch!”, bestimmte mein Kapitän.
Igitt!
Das kann doch nicht wahr sein. Süßlich grinsend ließ er nicht locker. Es schien, er hatte noch ganz was Besonderes mit mir vor.
„Also, mir brummt schon der Kopf und ich hab heute schon genug geraucht. Ich würde doch ganz gerne gehen.”
„Eine Zigarette noch, so spät ist es ja nun auch wieder nicht!”, bettelte er.
„SOETWAS“ war auch noch verheiratet! Mit so lieben Frauen, die ich manchmal kennenlernte. Da fehlen einem einfach die Worte.
Obwohl mein Mitleid auch ganz schnell verschwinden konnte, wenn sich einige, zwar wenige, aber die gab es eben auch, dieser Frauen auf dem Schiff präsentierten wie stolze Vögel und uns Stewardessen herablassend behandelten. Die verkannten völlig die Lage. Wir alle auf so einem Schiff, ob Männlein oder Weiblein, kamen raus und sahen uns die Welt an, was unser aller Sinn und Trachten war. Sie saßen nur schön eingemauert in Ostdeutschland und warteten auf ihre lieben Männer mitsamt ihren Reiseberichten. Wer war denn nun besser dran? Die „arme” kleine Stewardess oder „die Frau Kapitän”? Teilweise waren sie auch noch so unansehnlich. Wahrscheinlich ein Garant für ihre Göttergatten, dass sie noch da saßen, wenn sie nach der Reise nach Hause kamen. Da hörte sogar mein Mitleid auf. Die sogenannte Frau „Kapitän” spreizt sich, lässt sich das Geschirr von den Stewardessen abspülen, obwohl sie vor Langeweile den ganzen Tag auf dem Schiff nicht weiß was sie machen soll. Wenn die wüsste!
Jedenfalls musste er sich endlich mal erheben.
Die Gelegenheit war günstig. Ich rannte aus der Kammer und mir liefen die Tränen vor Angst. Mein Herz hämmerte in den Ohren. Schnurstracks bin ich zur Oberstewardess in die Kammer gerast und hab heulend erzählt was sich abgespielt hat. Sie hatte auch gleich die vernünftigste Idee und sagte: „Wir machen dir die leere Kammer zurecht und du ziehst um, denn zu deiner Kammer hat er einen Schlüssel und es ist besser, wenn du dort ausziehst. Da in der Ecke hört niemand wenn was ist”. Was is los??? Unglaublich mit was man alles rechnen musste, wo der doch schon von mit träumte! Im Leben wäre ich nicht auf den Gedanken gekommen, dass so ein alter Mann ernsthaft glaubt, ein junges Mädchen würde sich mit ihm einlassen. Gesagt getan, ich zog um und hatte tatsächlich meine Ruhe.
Einige der Männer konnten nach einer bestimmten Reisedauer auch ziemlich fies werden. Der sogenannte treuliebende Vater. Einfach lächerlich. Es gab hier, wie überall auch, schwarze Schafe. Langeweile und dieser tierische Trieb, wenn Fräulein „Faust” auch nicht weiter hilft, machten manchem doch schwer zu schaffen. Später bin ich auf verschiedenen Schiffen nach Brasilien gefahren. Wir hatten meistens drei bis fünf Häfen. Dann stürzten sie los. Natürlich nicht alle, der größte Teil war wirklich treu, aber es kristallisierte sich meist ein harter Kern heraus, der los musste zum „energiegeladenen Einkaufsbummel“.
Hach ja und bei Einlaufen dann der schön in Folie verpackte rote Kasten „Mon Cheri” und so frei von der Leber wech ne Predigt: „Vor Sehnsucht kaum ausgehalten...? In Gedanken immer bei dir...?”, schmachtender Blick in Richtung Gattin. Welch eine Impertinenz?
Ach du lieber Gott, da muss doch was zu machen sein in kleiner Form von „Bußgeld“ oder „Auswärtsbummelsteuer“ ?“
Ansonsten verlief die Überfahrt weiterhin ohne große Komplikationen. Wir kamen unserem Ziel immer näher. Auch mit der Mannschaft war ich vertraut und ich kam mir nun auch nicht mehr fremd und einsam vor. Dank Gloria war auch die Arbeitszeit recht lustig. Mit ihm gab es immer was zu lachen. Das ging gar nicht anders. Tatsächlich tönte dann endlich der Lautsprecher: „Klar vorn und achtern, Stationen besetzen!”
Einlaufen Murmansk. In mir brodelte alles vor Aufregung. Wir hatten uns auch über den Landgang unterhalten. Die Oberstewardess kannte Murmansk von innen und außen und hat mir die Freiheit gelassen immer an Land zu gehen, wenn ich nicht arbeiten musste. Oder wenn wir wussten, es waren viele an Land und sie würde das Abendbrot alleine schaffen, dann durfte ich schon am Nachmittag gehen und konnte bis zum Landgangsende wegbleiben. Natürlich nicht ohne die verlorengegangenen Stunden nachzuarbeiten. Und der Chiefmate (1. Nautischer Offizier) musste auch informiert werden. Denn er war außer für die Ladung und die Decksgang auch für die Wirtschaft zuständig. Nebenbei bemerkt, redete er die Besatzungsmitglieder mit Genosse und mit Genossin an. Da legte er großen Wert drauf. Diese Angewohnheit teilten einige der Offiziere mit ihm.
Dafür gab es in meinem Fall keinen Anlass, denn ich war noch immer nicht in der Partei. Es machte ihn jedes Mal komplett fusselig, wenn er mir begegnete und ich ihn mit: „Guten Morgen, Herr Blindkowski“, begrüßte.
„Genosse Blindkowski oder Chiefmate!“, schnarrte er dann entrüstet zurück.
„Wie Sie meinen, Herr Blindkowski!“. Schnarrr, und rauschte ab.
Unsere Arbeitszeit erstreckte sich von morgens 6:45 Uhr bis 13:15 Uhr und begann dann erst am Abend wieder von 16:45 bis 19:15 Uhr. Die Nachmittage waren frei. Wenn kein Manöver war, konnten wir unsere Nachmittage gestalten wie wir wollten. Ob schlafen oder in die Sonne legen, was auch immer. Die meisten Schiffe hatten einen Swimmingpool an Deck und so hielt uns dann nichts mehr, wenn die Sonne schien. Ab ins kühle Nass vom Neid der restlichen Besatzung begleitet, denn die musste bei der Affenhitze ackern, während wir wild im Wasser planschen konnten und einen auf Wellness machten..
Jedenfalls nun waren wir da. Es ging ans Festmachen. Plötzlich gab es einen mörderlichen Stoß und einen lauten Knall. Keiner wusste genau was es war. Wir hielten uns alle aus irgendeinem Reflex fest. Es war, als geriete etwas aus den Fugen. Bald darauf hörten wir was passiert war. Im Hafenbecken von Murmansk gab es eine ziemlich starke Strömung und diese hatte das Schiff mit einer Wucht an die Kaimauer geknallt. Die Folge: ein Loch im Bug. Einige begannen sofort sich zu freuen. Ich begriff nicht warum. Wenn da ein Loch ist und das Wasser hoch genug, saufen wir ab wie die Ratten, was gibt’s denn da zu lachen?
Es wurde von Werftzeit geredet und Verlängerung der Reise. Sogar der Koch freute sich. Endlich erfuhr auch ich worum es ging. Da das Schiff schnell wieder funktionstüchtig sein musste, brauchten wir eine Werft, die schnell und zuverlässig war. Und wir erfuhren auch, dass Schweden sich angeboten hatte.
Die Werft in Göteborg. Es war alles ziemlich schnell gegangen und die für solche Sachen Zuständigen in Rostock hatten schon alles geregelt. Also ging es los, auf nach Göteborg. Nun freute ich mich auch. Mein erster kapitalistischer Hafen. Endlich einmal den über alles verhetzten „stinkenden und faulenden Kapitalismus” aus der Nähe betrachten. Wie eklig, das wird schön. Denn das wurde uns ja von unseren rotbesockten Oberindianern tagtäglich notorisch in die Schädel gehämmert. Um uns dem „kapitalistischen Blendwerk” gefasst entgegentreten zu lassen.
Diese Halbirren waren tatsächlich davon überzeugt, dass es nichts Schöneres gibt als „Konsum und HO”. Als wir nun die Überfahrt hinter uns hatten, ging es mir gar nicht schnell genug an Land zu kommen. Aber erst einmal kamen die Behörden. Es zog sich alles in die Länge. Dann endlich die Durchsage: „Ab sofort Handgeldauszahlung beim Funker!” Wir stürzten alle die Niedergänge hoch. Jeder wollte der Erste sein. 3,50 DM gab es pro Tag zusätzlich zur Heuer als Handgeld. Gedacht für Taxi oder Busfahrten, wenn man an Land war. Diese konnte man sich immer in der jeweiligen Landeswährung auszahlen lassen. Offiziere bekamen etwas mehr. Diesmal also bekamen wir schwedische Kronen. Da die Reise erst ein paar Tage dauerte, war das Geld auch nicht berauschend viel.
Mir war das im Moment egal. Ich war damit zufrieden und wollte nun aber unbedingt an Land dem Kapitalismus direkt in die hinterhältigen Augen gucken. Leider war nun erst einmal Abendbrotzeit. Ich deckte schnell die Messen ein und sah zu, dass ich sie alle hurtig abgespeist kriegte, denn ich brannte darauf endlich loszusocken.
Zwei Matrosen hatten versprochen auf mich zu warten. Mein Orientierungssinn war schon immer schlecht, eigentlich habe ich gar keinen, was mir auch oft zum Verhängnis wurde und da die Landgangszeit immer begrenzt wurde, in diesem Fall bis 24:00 Uhr, durfte man auch nicht zu spät zurück an Bord kommen. Ansonsten zog man uns zur Rechenschaft und es konnte damit enden, dass Mann und auch Frau das nächste Mal Landgangsverbot bekam. Was, wenn ich das heute so bedenke eine unverantwortliche Schweinerei war, was uns mit dieser Willkürherrschaft alles auferlegt wurde. Niemand durfte alleine an Land gehen. Ab zwei Mann oder mehr, um der sogenannten „Republikflucht“ vorzubeugen.
Trotz allem hat es in vielen Fällen geklappt sich unbemerkt auf und davon zu machen. Da hatten sie dann den Kopf voll Fragezeichen, wie so was doch passieren kann, wo alles so gut unter Kontrolle, straff durchorganisiert und durchdacht war.
Nun aber zu meinem Landgang. Die Geschäfte waren natürlich schon dicht, also konnte ich mir nur die Schaufenster ansehen. Ich hab gedacht, ich werd verrückt. So was hatte ich noch nicht gesehen. Es gab einfach alles. Die Jungs mussten mich an der Hand hinterher zerren, weil ich laufend den Anschluss verpasste und ab und zu dazu neigte in die falsche Richtung abzuzischen. Ihnen wäre es beim ersten Mal auch so gegangen, aber es gibt noch mehr zu sehen, wenn wir erst mal drin in der Stadt sind. Wir mussten noch ganz schön lange laufen. Sicher mit leicht verblödetem Gesichtsausdruck vor lauter Staunen, bin ich mit offenen Augen und Ohren durch die Stadt gewandert, um ja auch nichts zu verpassen.
Ich begann provokatorisch vor mich hinzuschnüffeln. Auffallend laut. Manni, einer der Matrosen fragte: „Was hast du denn, gehen sie jetzt mit dir durch?” „Nee, ich versuche das stinkige und faule vom Kapitalismus zu riechen‚ aber es duftet nur und ich habe einen Wahnsinnshunger”.
Wir drehten uns um und standen direkt vor einem tollen Restaurant. Und lachten und lachten, bis wir nicht mehr konnten.
„Pass ja auf, dass der Politische (Politoffizier) das nicht hört”, warnte Manni mit wackelndem Zeigefinger. „Der zupft dir gleich dein neues Seefahrtsbuch wieder weg! Aber wenn du solchen Hunger hast und alle Läden sind dicht, dann gehen wir eben einfach mal Essen”. Und es wurde ein ganz toller Abend, mitten in einer wunderschönen Stadt. Dieses Lichtergefunkel in allen Farben, einfach fantastisch. Ich wandelte glücklich durch die Straßen und kam mir vor wie Alice im Wunderland. Es war ein Gefühl, wie in eine andere Welt eingetaucht zu sein. An diesem Abend schlief ich glücklich in meiner Koje ein und träumte und träumte vom Einkaufen in dieser aufregenden Stadt. Dass mein Geld vorne und hinten nicht reichen würde, träumte ich natürlich nicht. Es war ein unvergessliches Erlebnis und ich dachte mir, mit etwas Glück werde ich noch viel mehr sehen von der großen weiten Welt. Und ich habe Recht behalten.
Die alten Seebären waren natürlich nicht so genügsam wie ich und waren auch nicht gewillt mit den paar Kronen auszukommen. Wer schon öfter da war, der kannte sich schließlich aus. In Schweden war der Schnaps teuer, also her mit dem Stoff von der letzten Transitausgabe und in Kronen umgewandelt. 40 prozentiger Wodka wurde an die Hafenarbeiter verhökert. Ich hatte natürlich keine Ahnung wie man das macht und ließ Gott sei Dank die Finger davon. Auf meine Frage „Was macht ihr denn da?”, bekam ich zur Antwort „Die einzige Variante an richtig fette Kohle zu kommen, „Chinchen!”“ - Na was das wohl is?
Gerade als die Jungs alle achtern standen und ihre Flaschen feilschend an den Mann brachten, kamen sechs Männer mit stechendem Blick in schwarzer Uniform die Gangway hoch. Die sogenannte „Schwarze Gang”. Die Leute waren vom Zoll und somit berechtigt, jeden hochzunehmen, der sich des Schmuggels verdächtig machte. Das spiegelte sich natürlich in ihren versteinerten Profifilzvisagen vielsagend wieder. Es stand ihnen frei das ganze Schiff umzukrempeln, auf der Suche nach illegalem Schnaps und Zigaretten. Wer die Zollbestimmungen des Landes verletzt und mehr Schnaps und Zigaretten bei sich hatte, als erlaubt und in der Klarierungsliste vermerkt war, in welche übrigens jeder seine Angaben wahrheitsgetreu selber einzutragen hatte, wurde zur Kasse gebeten und musste teilweise mit Seefahrtsbuchentzug rechnen. Diese Leute betraten nun das Schiff und jeder Fluchtweg an Land war abgeschnitten. Die hatten eine knallharte Mimik drauf und in ihren Pupillen konnte ich die Handschellen blinken sehen. Achtern wechselten blitzschnell die Flaschen wieder an ihre einstigen Besitzer über‚ die Hafenarbeiter grapschten ihr Geld und rannten flugs an ihre Arbeitsplätze zurück. Einige vergaßen sogar in der Hektik ihr Geld wieder an sich zu nehmen. Sie liefen einfach erschrocken davon.
Endlich begriff auch ich was die wollten und der Schreck durchzuckte meine jungen Glieder genau wie die der anderen. Ich hab zwar nicht geschmuggelt, aber ich hatte einem Matrosen den Gefallen getan seine Stange Zigaretten und seine Flasche Schnaps von der Transitausgabe mitzubringen, da er zu diesem Zeitpunkt Wache hatte.
Und genau dieses Zeug stand nun immer noch harmlos in meiner Kammer und gehörte mir nicht. Zusammen mit meiner Flasche Schnaps und meiner Stange Zigaretten. Ich hatte alles doppelt! Mir winkte der Knast! Swedissse Gaaardinen sozusagen!!! Wohin so schnell damit?
Es musste aus meiner Kammer, egal wie. Der Matrose dem Schnaps und Zigaretten gehörten hatte sicher an Deck zu tun und im Hafen sind die Kammern abgeschlossen. Das war mir nun aber doch egal. Zwar kroch die Angst richtig eklig in mir hoch, hinderte mich aber doch nicht in meine Kammer zu wetzen, Fusel und Zigaretten in einen Beutel zu stecken und mit meiner „Schmuggelware” in Richtung Kammer des Matrosen, dem der Stoff gehörte, zu rasen. Beim Runterstürzen des Niederganges flog ich in die offenen Arme eines schwarzgekleideten Zollbeamten. Bing, das war`s.
„Naah, was hat denn kleines Mädchen in sooo große Beuddel? Lass ma sehn. Aha, so‚ so, was is denn das? Nich etwa Snapps? Un auch noch Sigaretten? Wo soll das denn hin?” Die Stimme schien freundlich, der Blick jedoch nicht.
Ich war am Boden zerstört, meine Knie schlotterten merkwürdig. Die andern machen damit Geld und keiner erwischt sie und ich bin unfähig das Zeug unbemerkt dahin zu bringen, wo es hingehört. Ich zeigte auf die Kammertür und versuchte ihm, auf Englisch so gut es ging, klarzumachen, dass es ein Versehen sei und überhaupt nichts davon mir gehört. Er wollte mich nicht verstehen. Auch seine lieben fies glotzenden Kollegen nicht, die sich bald dazugesellten. Der nichtsahnende Matrose wurde geholt und nun kam es: Alles, was in der Kammer auf und abzuschrauben ging, wurde auf und abgeschraubt. Sogar die alte, verdreckte Klimaanlage an der Decke wurde aufgeschraubt. Sie funktionierte zwar schon lange nicht mehr, enthielt aber dafür eimerweise Dreck. Das Ding befand sich an der Decke, wie ich schon bemerkte, also kann ich mir jeglichen weiteren Kommentar sparen.
So die Kammer war ja nun in Ordnung, keinerlei Schmuggelware mehr festzustellen, dann lassen wir ihn mal im Dreck stehen und sehen, wo das „Frollein“ wohnt.
Na Klasse. So hatte ich dann doch noch endlich einen Grund Großreinschiff zu machen. Durch den vergessenen, ventilierenden Miefquirl an der Decke wurde in dieser Sache tatsächlich viel Staub aufgewirbelt.
Es hat sich gelohnt. Nachdem die netten Herren sich dann doch noch endgültig einig waren, dass meine Kammer absolut rein von „Smuggelware“ wäre, verließen sie mich schnöde und setzten emsig ihren Rundgang fort.
Weit sind sie nicht gekommen, denn ich traf sie kurze Zeit später wild gestikulierend in der Kombüse wieder. Jeder eine Literflasche „Rum – Aroma” in der Hand. Das man das Zeug zum backen nimmt, ist meines Erachtens jedem klar. Nur keinem Schweden.
Es stand „Rum – Aroma” drauf. Rum‚ Rum, Rum! Es stand nicht nur drauf, es - schnüffel, schnüffel -roch auch noch nach Rum. Schon wieder Snapps, stand auch noch frei rum das Zeug. Das reichte und in der Nähe wieder einmal, ich.
Krall, und schon war ich mitsamt den Flaschen beschlagnahmt. Ob ich da nun vor mich hinkaute und Schmatzgeräusche machte, laufend das Wort „Kaffeetime” erwähnte, war denen so was von egal. Da stand Rum drauf und schon wieder die verdächtige Person in der Nähe! Da muss ja was dran faul sein!
„Wir gehn jets sum Kaptän. Klar?”
„Klar.”, sagte ich. War mir alles völlig klar.
So blöd konnte ich gar nicht denken, wie es kam. Ich kaute und schmatzte immer noch und brabbelte auch noch vom Kaffeetime als die seriösen Herren mich zu unserem Herrscher über alles führten. Es gab kein Entrinnen. Wenn ich auch sonst nichts für diesen „Ich-zieh-dichlocker-über´n-Tisch-Baby” übrig hatte, so hat er es doch geschafft diesen Männern klarzumachen, wozu es „Rum – Aroma“ auf dieser Welt gibt. Mit so einem „von-oben-herab-Blick- siehste Baby- zu was ICH in der Lage bin“, taxierte er mich ab. Tatsächlich wurden die nun auch noch lustig und lachten und lachten und zwar über mich.
Ich konnte dann auch gehen. Mal sehen wie lange?
So, und die wirklich „Straffälligen” waren mir im Nachhinein alle dankbar. Durch den von mir veranlassten Kuddelmuddel hatten sie genug Zeit ihre Schmuggelware in sicheren Verstecken unterzubringen. Und an mir Unschuldslamm wurde sich ewig lange hochgezogen. Die haben sich tatsächlich bei mir für die „professionelle” Hilfe bedankt. Im ersten Moment wusste ich nicht mal was die damit meinten. Mensch, wie naiv! Aber das passiert einem nur einmal. Ich hab das Schmuggeln (Chinchen) auch gelernt. Und nicht lange dazu gebraucht. Obwohl die berühmt berüchtigte „Schwarze Gang” wirklich eine überaus ernst zu nehmende Sache war.
Die Hafenarbeiter, die vor Schreck die Flaschen wieder hingaben und vergessen hatten ihr Geld wieder zurückzunehmen, kamen auch aus berechtigter Angst nicht wieder und so konnten einige die Flaschen noch mal verkaufen. Denn neue Interessenten gab es wie den sprichwörtlichen Sand am Meer.
Nun hatten diese dummdreist doppelt Gute gemacht, und ich Schaf musste dafür bluten.
Die Werft in Göteborg arbeitete sehr schnell und innerhalb von fünf Tagen war unser Leck im Bug leider schon nicht mehr vorhanden.
Nun hieß es wieder „Klar vorn und achtern” und Abschied nehmen von Göteborg und vom Kapitalismus, dem „stinkigen“! Schade. Für mich hätte es ewig dauern können, denn ich hatte so etwas Schönes tatsächlich noch nicht gesehen und erlebt. Für mich war Göteborg nun natürlich die schönste Stadt auf dieser Erde. Wat ‘n Wunder, war ja auch mein erster Hafen, in dem ich erlebt habe, dass es nichts gibt, was es nicht gibt. Ich war tieftraurig, denn ich nahm an, dass sich meine weitere Seefahrt nun auf die SU beläuft.
Damit hatt sich`s. Aber es hatte sich damit keineswegs. Ich bekam noch sehr viel mehr von der Welt zu sehen, als ich ahnte und die Städte und Sehenswürdigkeiten waren weitaus schöner und bedeutender als Göteborg.
So. Jedenfalls liefen wir nun aus. Und nun wieder Ziel Murmansk.
Da Lösch- und Ladevorgang durch unsere Havarie im Keim erstickt worden war, ging es nun auf ein Neues. Klappe die Zweite. Auf nach Murmi.
Als wir durchs Kattegat liefen, sahen wir Fischerboote. Die Matrosen erzählten mir, dass es einige Kapitäne gibt, die mit den Fischerbooten Handel trieben. Die Fischer waren Norweger. Sie waren immer an einem Tauschgeschäft interessiert. Fisch gegen Schnaps. Was sonst. Das fand ich interessant. Die Jungs erzählten mir auch, dass so ein Handel immer von der Brücke ausging. Na das musste ich ja nun sehen. Ich fragte die Oberstewardess, ob sie nicht auf die Brücke müsste. Natürlich musste sie. „Ich muss doch den Alten fragen wie viel Schnaps er tauschen will.”, verriet sie mir. „Kann ich mit? Ich muss das sehen. Nimm mich mit auf die Brücke!”
„Meinetwegen komm.”
Die Niedergänge hoch und wir standen auf der Brücke. Ich war förmlich erstaunt welcher Anblick sich mir bot. Der Rudergänger hatte ein riesiges Plakat in der Hand und hielt es ans Brückenfenster. Es war ein „Gemälde”. Darauf war ein riesiges Unikum von Fisch und eine riesige Flasche Schnaps. Bisschen plump vom Zeichenstil her, aber doch eindeutig zu erkennen. Und die Fischer winkten. Na guck mal an, unsere Republikgetreuen wie sie mit den Kapitalisten verhandeln. Das hat mir gefallen. „Wie viel Flaschen Kap`tän?” Das war die Oberstewardess. „Fünf und sag dem Koch Bescheid, er soll erst den Fisch hoch holen, dann den Schnaps runter!”
Unsere Mission war beendet. Schnell an Deck die Fischerboote waren schon ziemlich nah und Frau Fuchs musste ganz fix einen Proviantsack suchen für den Fisch und für den Schnaps. Na und dann hatten wir ganz flink ein tolles Abendbrot an Deck gezottelt. Steinbutt. Riesig große Steinbutts. Gloria stürzte gleich an‘s schwarze Brett um das „zerbombte Huhn” (Hühnerfrikassee), aus dem Speiseplan zu eliminieren.
Nun stand mit rotem Filzstift geschrieben: „Frischen Steinbutt abschmecken!”
Welche Vorfreude! So was Feines mitten in der Woche. Na das war doch was. Zum Abendbrot fanden sich dann alle ein, sogar jene, die sich sonst schlafen legten vor der Wache. Auch die O-Messe war voll. Nun ging es ans Fisch servieren. Lecker.
Sah gut aus auf den Tellern. Dicke Fische mit Petersilienkartoffeln und einer feinen Soße. Als die Ersten der Jungs versorgt waren und auch einige Offiziere ihre Teller schon hatten, erlebten die Oberstewardess und ich in der Pantry unser blaues Wunder. Man konnte von dort aus die Mannschaftsmesse, sowohl auch die O-Messe durch große Klappen beobachten und sehen was sich dort abspielte und die ganze Bande förmlich bespitzeln. Die fingen an alles auszuspucken und zu schimpfen. Der Koch stand ganz bedrüppelt in der Kombüse und hatte gar nicht so ein großes Maul wie sonst.
„Das is aber hart an der Kotzgrenze, soll‘n wir verrecken an deinem stinkigen, salzigen Mistfisch?”
„Das wird teuer Chefkoch, mindestens drei Kisten Bier. Hätten wir bloß den Schnaps gesoffen, da hätten wir gewusst an was wir jämmerlich eingehen.
Du kannst dir den Scheiß-Stinkebutt, den mistigen, ans Knie nageln!”
Also, der Fisch war nicht in Ordnung. Soweit war uns das nun auch klar. Unser Dicker stand in der Kombüse und wusste nicht, ob er weinen oder lachen sollte. Dann rückte er doch mit der Sprache raus.
„Was ich nicht wusste, die hatten den Fisch schon gepökelt und ich versteh doch die Norweger nicht. Ich hab den noch mal gesalzen. Beim Abschmecken hab ich‘s gemerkt, aber da war‘s schon zu spät. Hat doch schon am schwarzen Brett gestanden und das „zerbombte Huhn” hätte ich ja nun ooch nich mehr fertig gekriegt. Gib mal den Schlüssel für die Last, Omi”. Und weg war er.
Wir räumten die vermatschten Teller wieder ab und der Koch kam mit zwei Kisten Bier, eine für die O-Messe und eine für die Mannschaftsmesse. So, nun gab es eben Brot mit Aufschnitt und seine selbstgemachte Thüringer Leberwurst, die er eigens auf jeder Reise selber machte für besondere Anlässe. Dies war ein Ausnahmezustand, somit ein besonderer Anlass und die („Lewwerwurscht“) Leberwurst holte alles wieder raus.
Jedenfalls war das Abendessen und die Stimmung gerettet. Kann ja mal vorkommen so was.
An diesem Abend saßen alle etwas länger in den Messen, denn die Bierkisten mussten gelenzt werden.
Als wir zwischendurch abgeräumt hatten, setzten wir uns mit dazu.
Die Oberstewardess ließ noch zwei Flaschen Gin springen und Gloria mixte nun großzügig Schlüpferstürmer für alle. Es wurde wieder einmal eine von diesen Spontanfeten, welche bekanntlich die lustigsten sind.
Die nächsten Tage verliefen wettermäßig nicht so ruhig.
Wir laschten alles was auf diesem Schiff nicht von alleine stehen blieb.
Ich hatte meine Blumentöpfe vergessen. Sie hingen anmutig in Halterungen an der Wand, vollgepfropft mit Hydronadeln, was eine sehr praktische Sache war. Ich zog von meiner oberen Koje in die untere und verkeilte mich zum Schlafen in der stabilen Seitenlage. So konnte ich nicht rausfallen und mich trotz der unkontrollierten Bewegungen des Schiffes meinen Träumen hingeben.
Der Dampfer hob und senkte sich. Als wir wieder in ein Wellental klatschten, hob es ziemlich unanmutig meine Blumentöpfe aus. Klatsch, knall alles lag unten in einem Nadelwasser-Gemisch. Na prima, und das mitten in der Nacht. Ich hatte keine Lust aufzustehen und auf allen Vieren diesen Mist wieder einzusammeln. Es hatte sowieso nicht viel Sinn bei solchem Wetter etwas aufzuheben, es fiel ja doch wieder runter. Also machte ich die Augen zu ‚versuchte das nervtötende Gläsergeklapper zu überhören und schlief schaukelnd wieder ein.
Am Morgen hatte sich alles soweit beruhigt, dass man sich in Ruhe die Zähneputzen konnte. Da unser Luxusliner schon ein paar Jahre zu viel auf dem Buckel hatte, war er natürlich mit Wasserhähnen erster Güte ausgestattet, welche einen ohne viel Aufwand schon am frühen Morgen in den Wahnsinn trieben. Ich weiß nicht welcher schwachsinnige Diplomidiot diese Dinger seinerzeit erfunden hat, jedenfalls wurden sie auf neuen Schiffen nicht mehr montiert, da sie durch ihre aberwitzige Konstruktionsweise unweigerlich zum Untergang verurteilt waren.
Es gab also einen Hahn für kaltes Wasser und einen Hahn für warmes Wasser, die aber nur liefen, wenn man von oben auf sie draufdrückte. Mit einer Hand drücken mit der anderen den Strahl erhaschen waren eins. Wenn das Schiff schaukelt, schaukelt auch der Wasserstrahl und man musste mit der Zahnbürste immer hinterher, was eben manchmal nicht so einfach war. Außerdem ging`s ja auch nicht ohne sich selbst festzuhalten. Deshalb wurde improvisiert, wie öfter mal im Osten.
Es wurden Haken aus Metall um die Hähne gebaut, welche man nach vorne ziehen konnte, um den Hahn zum Laufen zu bringen und somit ein stetes Fließen des Wassers beim Waschvorgang zu gewährleisten. Plötzlich hatte man auch eine Hand für den Zahnputzbecher frei. Leider hatte ich nach dieser Nacht nichts mehr frei, da mein wichtigstes Teil am Waschbecken abhanden gekommen war.
